Asa Karane Kapitel 01 - Der Bote

  • Die Augen des jungen Mannes in den Klauen der weiblichen Taudisschwingen blitzten vor Zorn und einen Augenblick später spürte Poldi wie ihm ins Gesicht gespuckt wurde. Dunwolf landete in der Nähe und begab sich gemeinsam mit seiner Taudisschwinge zu ihm.


    "Du hast eine Kratzbürste erwischt... schau an", erklärte Dun und schlenderte in etwas Abstand um die beiden herum.

    "Ihr seid tot, Ihr wisst es nur noch nicht!", zischte der junge Mann als Dunwolf ihn von hinten ein Messinghalsband um den Hals zog und es schloss.


    "Lasst mich gehen, Ihr befindet Euch auf unserem Boden. Das wird ein Nachspiel haben!", knurrte er und zerrte an seinen Fesseln.

    "Wie wäre es vorher mit einem Vorspiel?", schlug Dunwolf vor, griff in die Fesseln und zerrte den Kerl rüber zu einem großen Findling. Er wuchtete ihn über den Stein und schnitt seinen Umhang samt Hose in Fetzen.


    Ungläubig kreischte der Gefangene auf, als er die Spitze des Dolches an einer äußerst empfindlichen Stelle spürte.

    "Kommst Du oder gehst Du?", lachte Dun.

  • Leopoldius wischte sich völlig ohne Ekel den Speichel aus dem Gesicht. Dunwolf reagierte schnell und gut, er machte die Kutte oder ihren Lakaien handlungsunfähig und nackt. Das angstvolle Kreischen des Mannes ließ Leopoldius ohnehin schon hartes Glied zu einem regelrechten Stahlrohr werden.


    "Eine Kratzbürste, fürwahr. Und wie schön sie kreischen kann!" Er fackelte nicht lange, packte den Gefangenen am Gemächt und ließ mit hartem Druck ihn noch einige Male aufkreischen. Es funktionierte tadellos wie bei einer verstimmten Hupe. Leopoldius rotzte ihm aufs Loch und verschaffte sich gewaltsam Zutritt. Sein Schwanz bebte vor Dankbarkeit und Glück, sich endlich wieder in warmem Fleisch versenken zu dürfen. "Name und Auftrag", wiederholte Leopoldius mit nicht mehr ganz so gefasster Stimme. Er verpasste der Kutte einige harte Stöße, dann ließ er sie - und vor allem sich - zu Atem kommen.

  • Der Mann kreischte nicht nur, er brüllte nach dem Stoß wie am Spieß und versuchte auf die Zehenspitzen auszuweichen, was ihm nicht gelang. Sein Angreifer hatte ihn im wahrsten Sinne des Wortes bei den Eiern und steckte tief in seinem Fleisch. Er hoffte inständig, dass seiner seiner Begleiter noch einen Hilferuf hatten absetzen können, denn er wusste nicht ob und wie lange er den Angriff überlebte.


    Oder weshalb sie überhaupt angegriffen wurden!

    Aber das spielte keine Rolle, er musste versuchen zu kooperieren, alles andere würde nur ein schnelles Ende nach sich ziehen. Er riss sich so gut es ging zusammen.


    "Wern von Kuttenthal, zweiter Sohn von Fürst Wolckel. Wir waren unterwegs zu den Kalten...burgern, für Verhandlungen!", keuchte der junge Mann zitternd, ob vor Wut, Angst oder beidem sah man ihm nicht an.


  • "Wern!", keuchte Leopoldius und stieß ihn einige Male. "Einen Sohn der Oberkutte, vortrefflich! Verhandlungen mit den Kaltenburgern?" Er warf Dunwolf einen trotz der Kälte hitzigen Blick zu. Da sein bestes Stück allein von Werns Gegenwirken kommen wollte, zog Leopoldius es noch einmal hinaus. Er packte Wern und zwang ihn vorsich auf die Knie, so dass er den schmutzigen Schwanz genau vor dem Gesicht hatte. "Was für Verhandlungen?" Er malte Werns Lippen nach.

  • "Das kannst Du Dir denken, sonst wärst Du nicht hier Hohenfelde!", zischte Wern so bedrohlich wie er nur konnte, was gerade angesichts seiner Situation alles andere als drohend wirkte.


    "Sie wollen Eure Schwingen und vermutlich noch mehr, aber nach dem hier werden die Verhandlungen anders aussehen, dass schwöre ich Dir. Wir lagen nicht im Krieg mit Euch Du elender Wurm, nimm mir das Halsband ab, wenn Du Dich traust", stöhnte Wern und versuchte irgendwie eine einigermaßen erträgliche Position einzunehmen.


    "Hör zu, lasst mich frei und sichert mir sicheren Abzug zu und ich rede freiwillig", bot er einen Moment später an, wohl bemerkend, dass er mit seiner Taktik nicht weiterkam. Und dabei sah Wern nun gar nicht mehr ganz so giftig aus, sondern ehr wie der Backfisch der er war.

  • "Die Kaltenburger wollen unsere Taudisschwingen? So, so. Wissen sie überhaupt schon davon oder warten sie noch darauf, dass du sie ihnen anbietest? Ich bin mit deinem Vorschlag einverstanden", log Leopoldius.


    Er drückte ihm den Mund auf, um tief in ihn einzudringen. Sein genussvolles Stöhnen war kaum leiser als das seines Gefangenen. Er ließ sich sauberlutschen, dann ließ er Wern Luft zu sprechen.

  • Wern schloss die Augen und tat was er tun musste, um zu überleben. Nachdem er seinen Häscher gesäubert und befriedigt hatte, schnappte er nach Luft und räusperte sich.


    "Nein, sie wissen davon und sie kamen zu uns. Sie waren vor einigen Tagen hier und zogen dann weiter... sie wollten alles vorbereiten. Wie dass weiß ich nicht, aber mein Vater schickte mich aus mit ihnen zu verhandeln. Das ist also nicht auf unserem Mist gewachsen... Du willst mich auslesen, dann tue es.


    Ich habe nichts zu verlieren, Ihr werdet mich eh fressen, nicht wahr? Das werdet Ihr!", zischte Wern und musste schlagartig mit den Tränen kämpfen.


    Dunwolf kontrollierte während dessen seinen eigenen Schwanz und schaute Poldi gut gelaunt an und ahmte Stoßbewegungen nach, bezogen auf die Frage des Auslesens.

  • Der Bursche tat alles, um seine Häscher nicht noch wütender zu machen.


    Leopoldius grinste Dunwolf mit einem Mundwinkel zu. Entweder wollte er mitmachen, oder er wollte gern sehen, wie Leopoldius es dem Burschen bis zum Finale besorgte. Vielleicht wollte er auch nur, dass er sich beeilte, damit er selbst bei seinem Kaltenburger weitermachen konnte.


    Leopoldius tat ihm den Gefallen und drehte den Burschen noch einmal um. Sein Hinterteil war Wund und er kniff es reflexartig zusammen, doch darauf nahm Leopoldius keine Rücksicht. Er verband sich magisch mit Wern und saugte die Informationen aus, die dieser zu bieten hatte, während er ihn sehr hart stieß. "Welcher Kalte", verlangte er zu wissen. "Lindrad von Kaltenburg? Was bot er oder drohte er euch an?"

  • Wern kniff nicht nur den Hintern, sondern auch die Augen zusammen.


    "Angebot kann man es nicht nennen, sie missachten unsere Grenzen und als sie gestellt wurden, wurde gefordert, dass wir uns gemeinsam mit ihnen gegen Euch wenden sollen. Sie wollen die Schwingen als Luftreittiere. Falls wir uns nicht anschließen, dann werden wir... geschliffen...


    Vater hat doch Abgesandte zu Euch geschickt! Er hat Euch doch gesagt, was geschehen ist! Warum greift Ihr uns an? Wir haben überhaupt nichts mit den Kalten ausgehandelt. Wir wollten verwarnen oder verhandeln... aber nicht gegen Euch.Unsere Zunge Ciprianus von Unterstett, die Zunge von meinem Vater Fürst Wolckel von Kuttenthal müsste doch bei Euch sein!


    Bitte, ich hab kooperiert. Er hatte sogar einen Geschenk für Fürst Indutiomarus von Hohenfelde dabei!", keuchte Wern.



  • Leopoldius hielt keuchend inne. Er verschnaufte und der Regen prasselte leise auf Werns nackte Haut. Der Moment schien sich ins Endlos zu dehnen, da niemand wusste, was nun geschehen würde. Es war möglich, dass Leopoldius den Gefangenen nun freigab. Es war aber genau so gut möglich, dass er dessen Seele aussaugte und ihn leblos fallen ließ, auch wenn Wern unschuldig war. Leopoldius' Bruder war hier und beobachtete jede Handlung. Ein Grund, genau zu überlegen, was er nun tat.


    Leopoldius stieß den Burschen in den Dreck. Mürrisch verstaute er seine noch immer pralle Männlichkeit und richtete seine Kleidung wieder her. Wern rappelte sich auf Hände und Knie auf. Er war nackt, aber am Leben. Zudem war er nur leicht verletzt und unbesudelt geblieben.


    "Das Haus Hohenfelde ist nicht ohne Gnade", sprach Leopoldius so huldvoll, als säße er schon auf dem Familienthron. Seine Tonlage passte nicht zu dieser dreckigen Situation, in der sie sich gerade befanden. "Und wer uns treu ergeben ist, verdient sich unsere Gnade manchmal, wenn uns danach beliebt. Alles in allem gebührt der Titel 'Zunge von Kuttenthal' wohl eher dir als diesem von Unterstett. Steh auf und setz dich vor mir auf die Taudisschwinge."


    Leopoldius wartete, dass Wern der Aufforderung nachkam. Dabei beobachtete er jede seiner Bewegungen. Die Verlockung, ihn nun mit nach Hause zu nehmen und für sich allein wegzusperren, war groß. So groß, dass er wusste, er durfte diesem Wunsch nicht nachgeben. Keinesfalls. Sein Arm schlang sich um den schlanken, in der Kälte zitternden Körper und seine Fersen gruben sich in die Flanke des Weibchens unter ihnen. Die Taudisschwinge hob ab. Wern erlebte mit großer Wahrscheinlichkeit zum ersten Mal im Leben einen Flug. Ob er ihn genoss, war fraglich. Leopoldius zog einen Kreis durch den Regen, bis auch Dunwolf in den Lüften war, dann hielt er auf direktem Wege nach Norden zu. In Sichtweite zum Anwesen Kuttenthals ließ er die Taudisschwinge landen. Er nahm Wern das Messinghalsband ab und warf es Dunwolf zu, damit er es fing. Dann ließ er Wern absteigen. Nach Hause war es für ihn nur noch eine halbe Stunde.


    "Der Preis der Aufrichtigkeit und deiner Kooperationsbereitschaft", sprach Leopoldius, als Wern sein zu Hause durch den Regenschleier erblickte. "Tugenden, die ich mir merken werde, falls ich einen Ansprechpartner innerhalb eurer Familie suche."


    Ebenso für die kommende Zeit auf dem Thron, für die er lebte, für die er so viel opferte, um nicht wie seine schon beseitigten Brüder zu enden. Dann würden zuverlässige Verbündete wichtig sein, womöglich schon eher. Vielleicht noch fünf Jahre, oder zehn. Dann war er immer noch jung genug und wenn er den Weg einmal bewältigt hatte, würde das Alter keine Rolle mehr spielen. Auch der Zwang, ständig vor seinen Brüdern auf der Hut zu sein, hätte dann sein Ende, denn seine Brüder gäbe es dann nicht mehr. Leopoldius würde endlich das Leben führen, das er sich momentan verwehrte. Werns weiße Gestalt rannte wie ein Geist durch die nasse Dunkelheit. Bald war der Bursche im Haus seines Vaters verschwunden.


    Zu dieser Zeitspäter rauschten die beiden Hohenfeldes längst auf ihren Taudisschwingen durch den Regen in Richtung Kaltenburg.

  • Poldi ließ sich von Wern verwöhnen, aber leider nicht bis zum Schluss, sondern er packte seinen prallen Prügel wieder unverrichteter Dinge wieder ein. Der Regen rann ihnen in Strömen vom Körper, die Taudisschwingen waren genauso durchgeweicht wie die beiden Hohenfeldebrüder und Wern, der nackt vor Poldi hockte.


    So wie Wern aussah, war er das erste Mal im Leben aufgestemmt worden....

    Das erste Mal mit einem Hohenfelde und dann noch mit Poldi....

    Und warum brach Poldi ab?

    Das war noch zu klären...


    Was sein Bruder von sich gab, entsprach den Tatsachen, sie waren nicht ohne Gnade. Sie flogen gemeinsam davon und Leopoldius ließ Wern sogar laufen. Gut die Kutten hatten tatsächlich mit ihnen ein Bündnis, sogar gegen die Kalten. Und wer weiß, was noch alles dahintersteckte?


    Wern hatte ihnen mehr gesteckt, als sie vorher wussten. Da rannte er, nass, nackt und blass. Wer wusste schon was die Papa Kutte mit ihm machen würde? Ob er erklären würde was geschehen war? Würde er verraten, dass sie von zwei Hohenfelde demontiert wurden? Das keiner einen magischen Hilferuf abgesetzt hatte? Dass er Poldi im Arsch hatte und um sein Leben zu retten, dessen Schwanz gelutscht hatte?


    Oder würde er von unbekannten Angreifern sprechen? Die es durchaus noch in den Ruinen gab, menschliche und ganz andere Kreaturen....


    Sie flogen eine Schleife und drehten Richtung Kaltenburg bei. Dun schwieg einen Moment, dachte über all das nach was er gehört und gesehen hatte, während sie durch die dunkle Nacht flogen und ihnen der Regen entgegenschlug wie eine Wasserwand. Die Taudisschwingen hatten gegen den auffrischenden Wind anzukämpfen, aber sie kamen dennoch schneller vorran als jeder Reiter.


    Unter ihnen zog ein großes Wildrudel von Bärenhunden davon, ihre Formation verriet den beiden Brüdern, dass die gewaltigen Tiere auf der Jagd waren. Ein spitzer Schrei zerriss die Geräusche der Nacht, das Rudel war erfolgreich. Die Hügel unter ihnen wurden zu kleinen Bergen, die Landschaft flachte erneut ab und wurde kahl.


    Tote Bäume ragten in den Himmel, wie mahnende Finger die auf längst vergangene Schlachten deuteten. Der Boden war überzogen mit einer seltsamen Art von Asche. Sie flogen hoch genug um zwar den Boden zu erkennen, aber nichts von dem Grund aufzuwirbeln. Der Regen der auf diesem Boden niederging, sah aus wie einschlagende Bolzen, nur wurden kleine Aschesäulen aufgewirbelt statt Blut verspritzt.


    Die Schwingen flogen weiter, sie zogen über einen Haufen von Kreaturen hinweg, die vermutlich einmal menschenähnlich gewesen waren, verdreht, verformt und auf allen vieren gruben sie im Boden. Als sie die Schwingen sahen, kreischten sie unartikuliert hinter ihnen her.


    Lebende... so nannte man sie, denn es war alles was sie hatten und was sie taten... leben...

    Eine Begegnung mit ihnen endete jedoch für die meisten tödlich...


    Der Wind wurde einige Minuten zu einem wahren Sturm, dann flaute er so schnell ab, wie er gekommen war. Die Luft stank nach toten Blättern und anderer Verwesung, obwohl hier seit Jahren kein einziges Blatt mehr gefallen war. Sie überquerten ein Stück tatsächlichen Sandes, ein Ort an dem die Natur erhalten geblieben war. Was immer dieses Flecken bewahrt hatte, er war nicht groß und es roch anders. Dann hatten sie auch diesen Flecken hinter sich gelassen.


    Erneut grenzenlose Aschewüste und in der Ferne... eine gigantische Mauer...

    Nicht untypisch in ihren Landen, die Lebensversicherung gegen andere Häuser. Sie hielten auf den Ozean und die Kaltenburg zu. Der Hort ihrer Feinde. Ruinen zeugten davon, dass hier einst ein anderes Haus gestanden hatte, ebenso wie bei den Kutten. Ein kleines Dorf lag außerhalb von Kaltenburg, warum sie es ungeschützt außerhalb ihrer Mauern errichtet hatten, oder warum die Dorfbewohner lieber außerhalb lebten... dass konnte sich Dunwolf nicht erklären... es scherte ihn auch nicht.


    Er zog seine Taudissschwinge schräg hinüber zu den Ruinen, überflog ein Stück tatsächlich existierenden Waldes und ließ dort in den Bäumen seine Schwinge niedergehen. In dem Dorf hätten sie für zuviel Aufmerksamkeit gesorgt. Der Wald hingegen verschluckte ihre Konturen. Die große Schwinge klammerte sich an einen Baumstamm und suchte sich einen geeigneten Platz um sich hinzuhocken.


    Dunwolf wartete auf seinen Bruder. Als dieser mit seiner weiblichen Taudisschwinge gelandet war, warf ihm Dun einen langen Blick zu.


    `Die Kaltenburger Bruder.... wir sind nicht frei von Gnade hm.... bedenke hier sind wir es schon... sie wollen uns fallen sehen... sie wollen unser Wissen... unsere Schwingen... sie wollen Jahrhunderte lange Arbeit einsacken ohne ein Finger zu krümmen... sie werden mit einem Angriff rechnen...


    Diesmal werden wir Gefangene machen müssen... falls wir das Glück haben...

    Wir müssen sie verhören und wir müssen sie Vater servieren....

    Keines Deiner Spielchen hier Leopoldius... wir wollen alle überleben... bis zum Tag der Tage... wo die Karten neu gemischt werden... nicht wahr?


    Warum hast Du Wern laufen lassen? Und wieso hast Du ihm nicht wenigstens eine volle Ladung verpasst? Du siehst aus als hättest Du es nötig... und wenn nicht Du... ich schon... Denk auch mal an Deinen Bruder....

    Hast Du einen Plan wie wir vorgehen sollten?

    Das Dorf, es liegt außerhalb der Kaltenburg... das dort jemand etwas weiß ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich...

    Was meinst Du?´, übermittelte Dunwolf und betrachtete das Dorf so vorsichtig er konnte mit magischem Blick.


    Er wusste dass jedes Haus seine Umgebung bewachte, auf zig Ebenen und in einer Welt voller Magie gehörte die Ebene dazu.

  • 'Hast du erwartet, dass ich ihn mitnehme? Und dann? Er isst, er scheißt, er kostet die Sklaven Arbeit. Nicht zuletzt wäre er eine wertvolle Geißel, doch bevor wir nicht offen gegen die Kutten agieren, sollten wir eine Kriegserklärung unterlassen. Du meinst, dass ich Wern laufen ließ, war ein Spiel? Was für ein Spiel sollte das gewesen sein? Es war Kalkül, Bruderherz. Als einer der wenigen unserer Familie bin ich Herr über meinen Schwanz. Ich kann warten, bis die Dinge anders stehen. Und lebend nützt der Kleine uns mehr. Denke an den Pakt, Wern wird nicht vergessen, dass er belohnt wurde, als er nach unserer Pfeife tanzte.'


    Leopoldius sprach die ganze Zeit von 'uns' und meinte doch nur sich. Er selbst war es, der auf künftige Bande mit Wern hoffte. Beim Gedanken an dessen nackte, regennasse Haut und die Todesangst in seinem jungen Gesicht erhärtete sein Schritt sich erneut.


    'Ein allzu leerer Sack macht träge und faul', behauptete Leopoldius. 'Und wir haben noch einen Kalten und einige Torsos vor uns. Umso intensiver wird das Finale, Brüderchen. Aber das erfährt man nur, wenn man in der Lage ist, zu warten und nicht beim kleinsten Überdruck Abhilfe schafft.'


    Er spähte mit Dunwolf gemeinsam hinunter in die Nacht. Geräuschvoll zog er seine Nase hoch, die von der Kälte triefte.


    'Täuscht das, oder ist es hier wirklich Kälter als anderswo? Wir sollten uns nicht mit einem Dorfbewohner zufriedengeben, sondern nach einem Kalten Ausschau halten.'

  • `Bis die Dinge anders... stehen? Gut ausgedrückt... Ich würde sagen, ein allzuvoller Sack schiebt sich zu oft in die Gedanken... aber da ist jeder anders gestrickt Poldi. Erwartet? Nun erwartet hätte ich, dass Du ihm eine Ladung verpasst.

    Aber Deine und meine Erwartungen stimmen da nicht... überein. Wie dem auch sei, der Rest war wohl überlegt...

    Er hat wohl an Dir Gefallen gefunden, er war so gehorsam... das war ziemlich erregend und ich dachte ich bekomme ein bisschen von Deinem Kuchen ab. Du hast seinen Anblick genossen... sag nicht, dass er Dir nicht gefallen hätte...


    Die Torsos... Poldi, die laufen nicht davon...


    Möglicherweise könnten wir dort einen der Kalten vorfinden... oder herausfinden wie wir etwas leichter an einen Kalten herankommen. Ansonsten heißt es warten. Nochmal so ein Glück mit den Backfischen werden wir nicht haben... Und überlege mal... das ausgerechnet Wern überlebte, Du hast Dir den richtigen gegriffen...

    Stell Dir vor er wäre gefallen...

    Wir hätten fragen sollen, wer gefallen war...


    Irgendwas stimmt da doch nicht oder? Der zweite Sohn unterwegs, mit drei weiteren Begleitern...

    Ging er auf eigene Faust? Wer starb? Wieso überlebte Wern? Zufall? Wenn ja hervorragender Zufall...

    Jetzt sind die Kalten fällig, da wir hier sind...


    Danach bei Zeit, Lust und Laune solltest Du Wern kontaktieren und Dich erkundigen... wie es seinem Loch geht...

    Frag ihn weshalb er allein unterwegs war mit drei weiteren Nasen... wollte er verhandeln für Papa oder die Zunge?

    Oder hatte Nummer zwei vor, Nummer eins zu werden indem er für Frieden sorgt, zum Beispiel durch persönliche Verhandlungen?


    Kälter? Ja hier ist es tatsächlich kälter Poldi. Das liegt an den Nordwinden die genau hier auf die Insel treffen und Kaltenburg liegt genau im Einzugsgebiet. Hier weht beständig ein Nordwind, mal leicht mal richtig schauerlich... Das ist noch gar nichts... ich war schon einmal hier, als es richtig Schneegriesel regnete... messerscharfe Eiskristalle....


    Damals haben wir drei Schwingen verloren... drum genieß das Wetter Poldi...

    Hast Du Vorschläge?´, fragte Dunwolf.

  • Leopoldius warf Dunwolf einen wenig freundlichen Blick aus den Augenwinkeln zu.


    'Natürlich gefiel er mir. Voller Angst um sein Leben, blutjung, knabenhaft trotzig und dann am Ende doch so schnell einknickend. Wer könnte da keinen Gefallen finden? Und unter uns, den Titel 'Zunge' hat er sich verdient. Er fühlte sich unerfahren an, aber emsig wie eine Blut schleckende Fledermaus. Ich bin gespannt, ob die Torsosammlung von Arbogast mithalten kann. War dein Gedanken, dort einen Kalten zu finden, bloße Spekulation oder Wissen? Ob die Kalten ihre Torsos wiederhaben wöllten, wüssten sie von ihnen? Stell dir vor, ich würde so enden, als Torso im Labor der Kutten ... nach deinem ersten Lachanfall, würdest du mich nach Hause holen oder dort verrotten lassen?


    Du scheinst mir recht besorgt um meine Auslastung und um meinen Geschmack. Bloße Neugier, nehme ich an. Wie sieht es mit dir aus? Rotschöpfe sind bekanntlich deine Welt, aber wie sieht es in der praktischen Anwendung aus? Fesselst du sie dir?'


    Er spähte in die Dunkelheit und versuchte, zu erkennen, ob ein Kaltenburger nahte. Natürlich war es extrems Glück gewesen, dass sie Wern getroffen hatten. Und ob dieser eigenmächtig losgezogen war und welcher Kalte sein Ziel war, das hatte er nicht verraten. Leopoldius würde ihn beizeiten fragen ... diesmal allein.

  • Dunwolf schaute seinen Bruder in die Augen und schüttelte ganz langsam den Kopf. So offen blickten sie sich selten an.


    `Nein ich würde Dich dort nicht verrotten lassen. Niemals. Dein Tod steht keinem anderen als einem Hohenfelde zu... ob ich das bin, Arbo, Vater oder eine der Damen... wer weiß? Aber der uralte Schwur gilt, nur ein Hohenfelde hat das Recht einen Hohenfelde zu töten...


    Ich würde sogar Deinen Tod rächen Poldi, denn auch wenn ich Dich hasse, liebe ich Dich ebenso... Du bist mein Bruder...

    Du bist mein Blut... Du bist mein Verbündeter... Du bist mein gefährlichster Konkurrent... aber Du bist als erstes mein Blut...


    Rothaarige? Oh ja...

    Nichts ist fesselnder als der freie Wille Poldi...

    Ich fessele Opfer, ich knechte Sklaven, ich verstümmelte Beute, aber es gibt da noch wesentlich mehr... finde es selbst heraus, wenn Du Dich je traust...


    Deine Auslastung interessiert mich dahingehend, da ich mit Dir meine Auslastung erreichen möchte... ich dachte wir gönnen uns was Spaß... Er war wirklich ein Leckerbissen, wie schnell er erzogen werden konnte... viel zu schnell... er hätte wimmern sollen... aber man kann nicht alles haben...


    Ich weiß, dass sie sich manchmal in dem Dorf herumtreiben... wieso auch nicht? Es ist Ihr Land. Wir können es schließlich nicht mit der Burg aufnehmen... sie würden uns bemerken und dann enden wir als Futter für den Fürsten... oder würdest Du als Kalter einfach Paps herausfordern und alle die ihm dienen? Einschließlich Dir und mir?


    Bedenke wir sind nicht die einzigen Magier unserer Familie... und die anderen halten es ebenso... Also Dorf oder nicht Dorf... das ist hier die Frage... ich sage Dorf Poldi´, schmunzelte Dunwolf.

  • 'Wern hatte doch wunderbar gequiekt wie ein kleines Ferkel. Freilich, man musste etwas nachhelfen, doch auf lange Sicht hätte er gelernt, uns damit zu erfreuen. Du hast doch gesehen, wie lernwillig er ist. In seinem Heimathaus ist er vorerst gut aufgehoben, denn sollte er einst etwas zu sagen haben, wird er sich daran erinnern, wer ihm das Leben und die Freiheit schenkte. Das waren nicht die Kaltenburger.'


    Ruhig erwiderte Leopoldius den Blick seines Bruders.


    'Ich für meinen Teil hasse dich nicht. Du hast mir keinen Anlass dazu gegeben. Dass wir seit unserer Geburt Todfeinde sind, haben wir uns nicht ausgesucht. Unser Blut ist es, das uns dazu bestimmt, den eigenen Vater und unsere Brüder zu beseitigen, um als einziger überlebender männlicher Spross der Hohenfelde die nächsten Generationen zu noch finsterer Pracht zu führen, damit am Ende aller Tage der Name Hohenfelde über allen anderen prangt. Es gibt kein edleres Blut, als flüssige Finsternis in den Adern zu tragen. Aber ich sehe nicht ein, dass auf dem Weg dorthin Hass erforderlich sein soll.


    Wenn es dereinst so weit ist, dass meine Klinge sich in dein Fleisch bohrt, wird es aus dem Wunsch heraus geschehen, der Überlebende zu sein und ich werde dich in liebender Erinnerung behalten, genau wie Arbogast. Euer Tod wird vielleicht bestialisch erfolgen, aber danach werde euch in Würde auf Eis betten, Seite an Seite mit euren Gefährten oder, in Arbogasts Fall, umringt von seinen nackten Torsos. Das habt ihr verdient', sprach Leopoldius fast liebevoll.


    'Das Dorf, Duni', bestätigte er.

  • `Wern wird sich ein Leben lang daran erinnern, wer das erste Mal seine ganz persönliche Grenze überschritt... Deine Gnade wird er ebenso wenig vergessen, dennoch wird sie in dem Fall zweitrangig sein...


    Poetisch düsterte Worte Bruder....

    Für die ich Dir Danke...


    Hass Poldi hat eine ganz ähnliche Macht wie Liebe... er versetzt uns in die Lage Dinge zu tun... zu denen wir sonst nicht in der Lage wären... deshalb ist Hass an mancher Stelle nicht nur angebracht, sondern sogar erforderlich....


    Möge der Bessere von uns gewinnen... Auch wenn es so scheinen mag, dass es rein um persönliche Macht geht, so hast Du genau wie ich den Hintergrund des Spiels erkannt... Es geht um die Auslese des Besten...


    Wer es schafft in so einer Umgebung zu überleben....

    wer es schafft als Einziger zu überleben...

    der hat sich das Recht auf Fortpflanzung und Führung des Rudels wahrlich verdient...


    Flüssige Finsternis in den Adern... ein Metapher die mir gefällt.


    Und bevor wir uns gegenseitig auf Eis betten Poldi, sollten wir das Spiel zu unseren Gunsten wenden. Wer sagt, dass wir drei uns beseitigen müssen und Vater gibt den allmächtigen Spielmeister?

    Nein Poldi... mein Plan sieht anderes vor...

    Zuerst muss der Spielmeister fallen...

    Und dann möge der Beste von uns drei gewinnen...


    Gemeinsam haben wir eine Chance gegen Vater.... oder auch zu zweit, mit genug Seilschaften...

    Aber wenn erst der Tag kommt... wo er uns für Versager hält... einen nach dem anderen von uns holt...


    Dann Poldi haben wir nichts anderes erreicht, als dass wir drei auf Eis gebettet werden und er sich neue Söhne anschafft. Wie zuvor.... so danach... er wird das Spiel endlos als Spielmeister leiten und neue Spieler in die Welt setzen...


    Wenn wir dies nicht verhindern...

    Arbogast und Du, Ihr könnt natürlich die Regeln einhalten und Euch von Vater zum Sieger des Spiels krönen lassen...


    Daran etwas zu ändern liegt nicht in meiner Macht...

    Ich kann nur an Euren Verstand, Eure Gerissenheit und an Euren Überlebenswillen appelieren...

    Falls nichts davon fruchtet... ich habe genau wie Ihr meine eigenen Sicherheitsvorkehrungen getroffen...


    Ob sie ausreichend sein werden... wer weiß...

    Eines sollten wir uns von unseren Lieblingen abschauen... im Rudel ist man stark...

    Allein kann das mächtigste Geschöpf von einer Übermacht gerissen werden...

    Bedenke das, bevor Du eine Allianz, wenn auch auf Zeit, ablehnst...


    Kurzum mein Angebot steht... wir beide Poldi gegen Vater... oder sogar wir drei, solltest Du Dich mir anschließen und wir Arbo überzeugen können...

    Darin sehe ich unsere einzige Chance gegen Vater... hat er erst einen von uns geholt, ist der Fall der beiden verbliebenen Brüder nicht mehr fern... Denn sieht er sich genötigt einzugreifen, greift er durch...


    Schau Dir unsere Brüder auf Eis an Poldi... erinnere Dich... und dann antworte mir...

    Aber Du bist hier, Du bist bereit zu handeln, für uns, gegen die Kalten...

    Ich hoffe ich täusche mich nicht in Dir...

    Brechen wir auf...´, übermittelte Dunwolf.




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