Kapitel 2 - Vom Morast in den Sumpf

  • Niva saß mit dem Rücken zur Wand mit gekreuzten Beinen auf dem Boden. Ihre Beine waren eingeschlafen, aber sie wagte nicht sich zu bewegen. Denn Magaura lag zusammengerollt auf ihrem Schoß. Sie hatte die kleinen Finger einer ihrer Hände in den Mund gesteckt und sabberte. Das sah niedlich aus. Aber Zendur, der ihnen gegenüber saß, beäugte die Szene kritisch. „Die Finger aus dem Mund.“, grummelte er.
    Niva seufzte, zog der Kleinen aber gehorsam, vorsichtig die Finger aus dem Mund, bemüht sie nicht zu aufzuwecken.
    „Ganz dreckig.“, grummelte der Alte ärgerlich weiter. Damit hatte er schon mehr gesagt als an manch anderen Tagen, aber das war auch kaum verwunderlich, wenn ihn etwas störte, das das kleine Mädchen betraf. Müde blinzelnd öffnete es die Augen. Sie gähnte ausgiebig und streckte sich.
    „Du hast mich geweckt.“, maulte sie Niva schläfrig an und rollte sich dann wieder ein.
    Anklagend sah Niva Zendur an, aber der zuckte bloß halbherzig mit den Schultern, als sei er sich keiner Schuld bewusst. Sie musste sich täuschen, aber sie glaubte, sie hätte für einen ganz kurzen Moment sogar ein verschlagenes Grinsen in seinem Gesicht aufblitzen sehen. Aber wenn dort auch bloß für den Hauch einer Sekunde etwas gewesen war, war es jetzt schon wieder spurlos verschwunden. Zendur sah betont an ihr vorbei. Abgesehen von seiner Ziehtochter schien es nicht, als könnte er auch nur irgendjemanden richtig leiden. Aber Magaura schwor stets, dass es ihn nicht störte, wenn Niva zu ihnen kam. Niva war ihm natürlich in erster Linie dankbar, dass er ihr schon so oft geholfen hatte, wenn sie hungrig und verzweifelt gewesen war. Er hatte es natürlich vorwiegend getan, weil Magaura gebettelt hatte, ihrer Freundin zu helfen. Seine Tochter war eben richtig vernarrt in dieses seltsame ältere Mädchen mit dunkler Haut, wie feuchte Asche. Er würde nicht verstehen, was an ihr so faszinierend war, aber sie war gut zu seiner Kleinen und passte auf sie auf. Alles andere war nebensächlich.
    Vor ihnen auf dem niedrigen Tisch, lag der Rest eines dunklen, zähen Brotlaibes und in den gesprungenen Schalen war vorhin noch Bohneneintopf gewesen. Niva hatte lange nicht mehr so etwas Gutes gegessen. Nicht verwunderlich, da bald wieder die Abfindung fällig war. Sie hatte damals die Schulden bei Jean nicht bezahlen können und büßte bis heute dafür. Er hatte davon abgesehen ihr und ihren Freunden etwas anzutun, weil Yroldir seine Verletzung damals als einer von ihrer Truppe bereits nicht überlebt hatte. Er war nach einer vollen Woche aus schmerzvoller Qual und grausamen Fieberträumen an Wundbrand gestorben. Niva gab sich immer noch die Schuld dafür und sie wusste, den anderen ging es genauso. Sie waren nach Yroldirs Tod auseinander gegangen und hatten einander gemieden, sich anderen Truppen angeschlossen. Aber Niva hatte sich nicht wieder so aufgehoben gefühlt wie vorher. Sie hatte das Gefühl gehabt nirgendwo richtig dazu zugehören und sie erkannte im Lauf der Zeit, dass es den anderen genauso ergangen war.
    Zuerst starb Nivas Mutter noch in dem Jahr in dem auch Yroldir gestorben war an irgendetwas, das sie sich von ihren Freiern geholt haben musste. Sie fehlte Niva bis heute noch schrecklich.
    Von Ahmet hörte sie später, dass er während eines Bandenstreits getötet worden war. Und Aren war vielen jungen Frauen in die Existenz als leichtes Mädchen gefolgt.
    Niva hatte sie vor wenigen Tagen besucht. Sie hatten sich bestimmt eine Stunde lang an geschwiegen, als hätten sie sich nach all den Jahren nichts zu sagen. Aber all das hatte beinahe hörbar um sie herum die Luft beschwert. Zum Abschied hatten sie sich stumm umarmt. Aber nur ganz kurz, als verbrannten sie sich aneinander, wenn sie sich zu lange berührten. Und irgendwie täten sie das wirklich, hatte Niva begriffen. Weil sie sich beide wünschten, alles wäre anders verlaufen. Ein dummer, naiver Fehler konnte in der Grube so zerstörerisch wirken. Was wohl wäre, wären sie bis dahin noch zusammen gewesen? Wahrscheinlich wären sie in eine andere traurige Zukunft geschlittert.
    Niva hatte schon vor dem Besuch bei Aren beschlossen, ihre Freunde aus der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Deshalb hatte sie sich dazu durchgerungen, nach Aren zu sehen. Sie wusste nicht, ob es wohl besser gewesen wäre, es nicht zu tun und das Mädchen von früher im Sinn mit sich weiter zu tragen. Aber sie wusste, sie wollte endlich aufhören das beißende, zehrenden Gefühl in ihrer Magengrube zu füttern.
    Ein Ende rückte näher und es war unausweichlich. Sie konnte ihr Leben hier nicht ewig so weiterführen. Es machte ihr Angst, dass sie für immer an diesen Ort gehören sollte, dass sie für immer von einem Fehler verfolgt werden sollte und wenn es nur Jean bleiben würde, der sie daran erinnerte, jeden Tag an dem sie stahl und lebte, um dafür zu bezahlen. Sie musste aus Obenza verschwinden, bevor es zu spät wurde.
    Denn die letzten Male war es ihr noch gerade so gelungen, das Geld aufzutreiben. Bald würde es nicht mehr reichen. Sie fürchtete sich schon jetzt davor, was sie dann tun müsste. Sie wusste die Antwort darauf, von ihrer Mutter und auch von Aren. Aber das war ihr ihr Leben dort nicht mehr wert. Dann würde sie lieber sterben.
    Sie würde nicht zulassen, dass sie derart vor die Hunde ging und so starb wie ihre Mutter. Das Geld, dass sie dieses Mal zusammenbekommen hatte, würde sie Jean nicht geben. Es war dieses Mal für sie selbst.
    Sie streichelte Magaura über das zerzauste Haar. Sie war schon wieder eingeschlummert. Die kleine Hand gefährlich nah an ihrem Mund. Es war ein friedlicher Abschied, denn Niva nahm das nahende Ende hin.
    Aber sie würde danach einen neuen, besseren Anfang finden und einen neuen Ort, an dem sie keine Vergangenheit hatte und sich ihr Leben als ein anderes bestimmen konnte. Sie könnte etwas anderes sehen, als diese stinkenden, unheilvollen, verseuchten Straßen. Und das machte ihr Mut. Nur noch eine Sekunde ihres Lebens würde sich weit mehr lohnen, wenn sie nicht hier stattfand.
    Es musste für etwas gut sein, dass ihr ihre Mutter vor langer Zeit von ihrem Vater erzählt hatte. Das war das einzige Ziel, dass sich so handfest vor ihrem inneren Auge manifestierte. Sie brauchte einen Ort an den sie gehen konnte und der einzige Ort der sich ihr neben Obenza eröffnete war Alkena, die Heimat ihres Vaters. Und vielleicht, wie unwahrscheinlich es auch war, gab es dort jemanden zu dem sie wieder so selbstverständlich gehören konnte, wie zu ihrer Mutter und wie Magaura zu Zendur. Und wenn es nicht so wahr. Alles war besser, als das was hier noch auf sie warten würde.
    Sie legte den Kopf schief und musterte Zendur, der alt und geduckt, aber immer noch groß und kräftig war, kräftig genug, um an den Docks zu arbeiten. Sein Gesicht war von Falten durchzogen. Er hatte hängende Mundwinkel. Seine Augen schienen verschlossen, als wäre er dauerhaft in Gedanken versunken.
    „Danke.“, sagte sie zu ihm und lächelte schmal. Zendur musterte sie nachdenklich, als könnte er ihr Vorhaben aus dem Gesicht ablesen und nickte dann. Er beugte sich über den Tisch, um Niva das schlafende Kind abzunehmen. Sie barg Magaura ungelenk in ihren Armen, weil sie schwerer war, als man auf den ersten Blick vermuten würde und hob sie hoch, um Zendur entgegen zu kommen. Er nahm das Mädchen in seine langen Arme und dieses Mal wachte sie nicht auf. Niva streckte ihre müden Beine und wartete darauf, dass das kribbelige Taubheitsgefühl endlich abebbte bevor sie aufstehen und gehen konnte.
    Zendur hielt sie an der Schulter zurück als es soweit war. Überrascht hielt sie inne. Er drückte ihr mit der kräftigen Hand zögerlich die Schulter. „Pass auf dich auf Mädchen.“, raunte er. Dann drehte er sich mit Magaura auf dem Arm um und stapfte zurück in den schmalen Raum, in dem sie lebten und in denen Magaura und er ihr in den letzten Jahren Zuflucht geboten hatten. Magaura würde es gut bei ihm gehen. Das ließ Niva darüber nachdenken, was sie mit den anderen drei Kindern machen sollte, die sie lieb gewonnen hatte. Um Faust machte sie sich weniger sorgen, aber die Zwillinge hatten nur sich zwei allein. Was war, wenn nur einem von ihnen etwas passierte? Dann ginge der andere unter. Sie konnte nicht von Zendur verlangen, dass er sich um alle kümmerte. Sie würde sich überlegen müssen, ob ihr Geld reichen würde, um sie mitzunehmen.
    Sie verließ Zendurs Behausung und machte sich in der Dunkelheit auf den Weg in die Slums.

  • Der Krieg war vorbei, der Lärm und die Lieder verstummt, der Gestank des Todes war genauso verschwunden wie Tarkan. Sie waren die Flugstaffel des mächtigen Rakshaners gewesen, der die Zwerge in die Knie gezwungen hatte. Er selbst der Anführer seiner Schar und das in so jungen Jahren.


    Rakshaner waren ein Wandervolk, Nomaden und hatte sich die gewaltige Armee nach ihrem Sieg in alle vier Winde verstreut. Für die Alben kam der Abzug der Rakshaner noch gerade rechtzeitig. Ihrem Heer hätten sie zahlenmäßig nicht entgegensetzen können. Wie es mit Schwert, Magie und List aussah, stand auf einem anderen Blatt. Manchmal jedoch siegte die schiere Masse, gleich wie kampffähig sie war. Selbst der beste Schwertkämpfer konnte in einem Meer von Leibern ertrinken.


    Aksoy saß in Gasthof zum alten Alfons und trank in aller Ruhe sein heißes Gewürzbier. Der große Humpen, den ihm der gelbe Goblin-Gastwirt mit beiden Händen gereicht hatte, sah in seiner Pranke winzig aus. Die andere Hand stützte seinen gehörnten Schädel. Der Hocker unter ihm knarzte bei jeder Bewegung, seine Flügel hatte er locker über den Rücken gefaltet, so dass sie wie ein Ledermantel auf den Boden herabhingen. Wie eine schläfrige Katze pendelte auch sein Schweif hin und her, während er die Wärme der Stube genoss. Es dauerte nich lang, dann wurde ihm sein Eintopf serviert. Eine große Holzschale mit ausreichend Fleischeinlage. Für den Preis war das wirklich ein Schnäppchen. So seltsam der Gasthof von außen wirkte, so heimelig war er von innen. Der Goblin schenkte ihm ein gut gelauntes Grinsen und verschwand wieder in der Küche.


    Aksoy ließ sich seinen Eintopf schmecken. Er war weit entfernt von den warmen Wüstensanden seiner Wahlheimat. Und noch länger hatte er seine alte Heimat Alkena nicht mehr gesehen. Er hatte vor seine Mutter zu besuchen und ihr von seinen Erlebnissen zu erzählen. Jeder Tiefling unter den Rakshanern hatte davon gesprochen. Die Zwerge, die sie einst grundlos angegriffen hatten, waren von den Rakshanern geschlagen worden. Als die Zwerge am Boden lagen, nahmen die betrogenen Völker der Almanen Rache und hatten sie ausgelöscht.


    Die betrogenen Betrüger, so hätte seine Mutter Vahida geurteilt. Aksoy hatte ein klein wenig Erspartes zur Seite gelegt, dass er seiner Mutter bringen wollte. Das Los in Alkena war hart. Ein Leben im Sumpf und Morast, natürlich wie gesellschaftlich. Aber es gab keinen Ort der Welt, wo Geld nicht ein bisschen Licht hin zaubern konnte.


    Aksoy leerte die Eintopfschale und seinen Humpen, legte die Bezahlung auf den Tisch und machte sich auf den Weg zum Stadtrand. Vielleicht bot sich eine Mitreisegelegenheit, so war die Reise nicht ganz so einsam. Denn eines hatte er in Rakshanistan schätzen gelernt, angenehme Gesellschaft.

  • Er hob den Humpen und leerte das Gefäß mit einem Zug aus und ließ es dann laut knallend auf den Tresen donnern. Ein Zeichen für die Schankmagd ihm noch etwas von dem schalen Bier einzugießen für das er mit seinen fast letzten Gold bezahlt hatte. Als er ihr das Stückchen zugeschmissen hatte, hatte sie ihn mit großen Augen angesehen und gesagt, dass er damit den Laden hätte kaufen können. So sah er aber auch aus ein paar Bretter zusammen genagelt und auf das Konstrukt noch ein Schild auf dem stand „Zum besoffenen Quell“ genagelt. Der Name traf eigentlich zu denn der Architekt dieses Haufens von Holz vor dem nun seine Kutsche parkte musste einige Fässer des Bieres getrunken haben als er das hier plante. Es hätte ihn auch nicht gewundert wäre der Typ im Fundament mit eingebuddelt wurden wenn dieser Holzhaufen überhaupt ein Fundament hatte. Die Etwas rundliche Wirtin kam auf ihn, hinter ihren Tresen heran gewackelt und schüttete ihn den Humpen voll. Er starrte ihr auf die Brüste und fragte sich wie tief er gefallen war. Die Jahre des Waffenhandels hatten ihn weich werden lassen und er vermisste die schöne alte Zeit wo er mindesten drei Frauen jeden Abend gehabt hatte. Damen die atemberaubend waren und ihm gehörten weil er sie gekauft hatte. Und heute saß er nun in diesem Biberhaus und trank Pisse. Früher hätte er seinen Gefühlen Luft gemacht, er wäre mit seinem Schwert losgezogen und hätte ein paar Köpfe gesammelt, hätte ein paar Leute gequält weil es ihm Spaß bereitete, hätte sich dann wahrscheinlich Blutverschmiert ein Bordell gesucht und es mit jeder Dame getrieben. Stattdessen war das einzige erotische war er nun sah die wippenden Brüste der Wirtin und ihr breites Gesäß und beides war eher ein hoch erotischer Alptraum. Das Alter hatte sie gezeichnet und für ihn war sie verbraucht. Sie hatte graues Haar was an einigen Stellen bereits die Kopfhaut verließ. Wie war es nur soweit gekommen?


    Vor einigen Tagen war er voller Hoffnung in Obenza gelandet mit Kutsche und Gold wie es sich gehörte. Gut das Gold ging zur Neige doch er war im Begriff einige Schuldner an ihre Schuld zu erinnern und so wieder flüssig zu werden. Seine Gefolgsleute waren auf dem direkten Weg nach Ledwig geblieben wo eine weitere schreckliche Zukunft auf ihn warten sollte. Nicht das er was gegen Heiraten hatte, oh nein er war viele Male verheiratet gewesen und meist zur selben Zeit. Er war mit mehreren Frauen liiert gewesen und nun sollte er sich nur mit einer Zufrieden geben. Zu mindestens besaß ihr Vater Gold oder er nahm es an. Egal der Abgrund und seine persönliche Folterkammer mussten sowieso noch warten denn wie sich heraus stellte war einer der Schuldner bereits seit mehren Jahren tot und hatte auch keine Familie die seine Schuld abbezahlen konnten, der andere saß im Gefängnis und verbüßte dort eine Strafe wegen Diebstahl und versuchten Mord. Seine Beziehungen waren hier eingefroren wenn nicht gar tot. Obenza lag eben damals zu weit weg. Der Letzte Schuldner hatte seine Schuld beglichen aber es reichte nicht annähernd um seine Reise fortzusetzen. Dazu kam noch das seine Goldprobleme irgendwie an sein Personal gelangt waren und die es bevorzugt hatten sich wären er in seiner Kutsche schlief davon zu machen. Am nächsten Morgen stieg er aus und wunderte sich wo seine Zuchtpferde hin waren, dazu hatte jemand die Räder und fast alle seine Sachen von der Kutsche entfernt. Freundlicher Weise hatten sie die Kutsche aufgebockt mit Steinen. Auf dem Kutschbock fand er mit einem Dolch befestigt einen Zettel auf dem Stand


    „Sehr geehrter Meister Leviathan,


    ich Ihr Diener, ihr Kutscher und ihre beiden Leibwachen reichen unsere Kündigung hiermit ein. Da uns noch Lohn offensteht und sie diesen offensichtlich nicht bezahlen wollen nehmen wir die Pferde, Ihre Sachen und die Räder als Ausgleich mit.


    Hochachtungsvoll


    Ihr Personal“


    Nach dem er den Zettel gelesen hatte war er ausgerastet. Wie hatten sie es wagen können. Er hatte laut geschrien und ihnen einen schmerzhaften und qualvollen Tod gewünscht. Um sich abzureagieren war er mit seiner Geldbörse auf den Markt gegangen und wollte sich da etwas Kaufen oder wollte er sich mit einer Dirne vergnügen, er wusste es nicht mehr. Doch ein was wusste er noch und zwar das er von einem Kind angerempelt wurden war, welches sich gleich bei ihm entschuldigte. Am liebsten hätte er das Balg gleich umgebracht, aber das umbringen von Kinder brachte keine Befriedigung und es verstieß auch gegen seinen Kodex. Männer und Frauen ja. Aber nie würde er ein Kind foltern oder gar töten. Dafür war seine Kindheit nicht verkorkst genug gewesen. Doch nach dem er sich an den Rand des Marktes begeben hatte um bei einer Dirne seinen Frust abzubauen hätte er seinen Kodex doch nochmal umgestellt. Zum Glück forderten die Dirnen das Geld immer im voraus. Und da merkte er das, das Balg ihn bestohlen hatte. Sein seidener Sack in dem sein Gold war, war weg. Der grüne seidene Sack mit dem weißen Rosenranken welche sich empor zur Öffnung rankten war weg. Der Sack alleine war bereits etwas Wert doch es befanden sich noch Zehn Gold darin. Zähneknirschen zog er vor der wartenden Dirne seine Stiefel aus und zog einen Dolch. Mit diesem fuhr er in dem Absatz des Stiefels und hebelt ihn auf. Ein Gold kam zum Vorschein was er der Dirne gab und noch seine Wünsche äußerte bevor sie in eine Seitengasse verschwanden um diese Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen. Natürlich konnte die Dirne nicht wechseln was ihr ein enormes Trinkgeld eingebracht hatte oder vielleicht nahm sie es auch als Schmerzensersatz. Es war ihm egal denn er war immer noch sauer.


    Und so wanderte er zu dieser Biberbehausung mit dem erotischen Albtraum, betrank sich an Bier was nach Pisse schmeckte mit dem Gold aus seinem zweiten Stiefel und hoffte das der Alptraum bald endete und er neben drei schönen, exotischen Frauen aufwachte und seinen Alptraum verarbeiten konnte. Doch tief im inneren wusste er das dem nicht so sein wird und er wahrscheinlich noch ein Jahr lang hier Bier trinken könnte.

  • Ebene eins


    Ein Saum grauen Zwielichts schälte die Konturen der Hochhäuser aus der Nacht, die Sterne begannen zu verblassen. Es war die stillste Zeit der Metropole, in der rund um die Uhr Großstadtlärm die Ohren peinigte. Jean ging am Bordstein auf Ebene eins entlang. Zu seiner Rechten - eine Fassade. Zu seiner Linken - die Schlucht. Ein Geländer gab es nicht, in Obenza fiel man tief. Er sah, was man immer sah, wenn man in den Abgrund schaute. Die Nachtschwärme hatten ihr Elend in Alkohol ertränkt oder im Rauch von Rahusti erstickt und lagen nun unter Lumpen an den Hauswänden, unter Karren oder in umgekippten Fässern. Sie lagen dort wie auf dem Präsentierteller, doch bei ihnen gab es wenig bis nichts zu holen. Andere teilten das Lager mit Huren, die oftmals nicht einmal Geld für ihre Dienste verlangten, sondern schon für eine warme Mahlzeit oder schlicht eine Nacht in einem warmen Bett zu haben waren.


    Völlig frei von Höhenangst und blickte der rothaarige junge Mann im Gehen auf die Null hinab. Null - Nichts. Das war alles, was jene hatten, die dort unten lebten und starben. Diese Stadt war voller Sinnbilder, als wäre sie der mahnende Wahrheitsspiegel Ainuwars, der den Völkern zeigte, woran sie krankten, doch niemand hörte in diesen gottlosen Zeiten. Gemeinsam hielten sie die Maschinerie in Gang, vom kleinsten Rädchen bis zum Antrieb des Getriebes. Auch Jean war hier, um seinen Teil beizutragen. Er war nicht blind für Ainuwars Mahnung - er verstand sie und war bereit, den Regeln dieser Stadt zu folgen. Selbstlosigkeit, Vertrauen und Barmherzigkeit waren hier keine Tugenden. Es waren Todsünden.


    Wenn es das ist, wozu Ainuwar mich erschaffen hat, um mich in die Grube zu schmeißen, damit ich mich herauskämpfe, werde ich seinem Willen folgen.


    Nach oben, immer nur nach oben, wo die Sonne schien, wo man frei atmen konnte, dorthin strebte sein Herz. Das war sein Antrieb, sein Gesetz, dem er alles andere unterordnete. Vielleicht aber war es auch Rakshor, der ihm die Kraft dazu gab, denn seit er sich der wertvollen Gabe der Gewissenlosigkeit bewusst geworden war, ging es kontinuierlich bergauf. Wer weder Mitleid noch Reue spürte, konnte eine Abkürzung nach oben nehmen, indem er über Leichen ging. An Jeans Händen klebte kein Blut, aber an den Talern, die er seinen Schlitzern zahlte. Er war kein Mörder - er war Geschäftsmann. Jeans Heimat war längst nicht mehr die Grube. Ebene null war nurmehr bloß Teil seines Jagdreviers. Jean aber agierte von Ebene vier aus und sie würde nicht das Ende der Leiter sein.


    Morgen um Morgen stieg er hinab, bevor die anderen erwachten und ging der Reihe nach seine Handlanger besuchen. Er strich Wegezoll ein, Schutzgelder, Pacht für Reviere, er war sehr kreativ darin, was die Namen des "Angebots" seines Geschäftsmodells betraf. Jean ging allein. Er wusste, welche Wege er um welche Uhrzeit gefahrlos benutzen konnte und wann es erforderlich war, in der Gruppe zu bleiben. Zwei Abstiege hatte er heute schon hinter sich.


    Er erreichte die letzte Eisenleiter, jene, die hinab zur Grube führte. Dort lungerte eine Truppe heruntergekommener Gestalten, die jeden verprügelten, der es wagte, nach oben zu klettern und nicht den entsprechenden Freibrief mit Jeans Unterschrift vorweisen konnten, auf dem der Zeitrahmen der Gültigkeit und der Name des Besitzers verzeichnet waren. Diesen "Pass" erhielt man nur gegen die wöchentliche Bezahlung einer Gebühr und kein familiärer Notfall, kein Flehen einer Mutter oder Jammern eines Alten, der dringend Medikamente aus der Apotheke weiter oben benötigte, konnte einen der Wächter umstimmen. Jeans Antwort auf Versagen wäre ein Messer zwischen den Rippen. Er gab keine zweite Chance. Aber er gab Rabatt, wenn jemand für einen Monat oder ein Jahr im Voraus bezahlte.


    Die Wächter taten, als würden sie sich über Jeans Erscheinen freuen, berichteten ihm von der Nacht und informierten, dass zwei weitere "Pässe" ausgestellt werden sollten. Jean legte einen Termin fest, wann sie sich mit den "Kunden" treffen würden, um das Geld in Empfang zu nehmen. Dann händigte er jedem von ihnen einen Kupferling aus und packte einen Bonus in Form einer mit Rahusti verfeinerten Rauchstange obendrauf. Jetzt freuten sie sich wirklich, Jean wurde umarmt, geklopft und dann ging er seiner Wege. Kleine Geschenke erhielten die Freundschaft. Er konnte auch nett sein, wenn ihm das nützte.


    Ebene Null


    Die Eisenleiter dröhnte bei jedem Schritt wie eine verstimmte Tempelglocke, dann betraten seine schweren Arbeiterstiefel die Grube. Hier unten stank es noch schlimmer als auf der eins. Genau so gut hätte er in eine Klärgrube steigen können. Er folgte ab jetzt einem anderen Weg als sonst, da er Nachricht von Gizmo erhalten hatte. Er traf den Penner mit dem pink gefärbten Hahnenkamm an dessen Schlafplatz, direkt neben dem Eingang des Alten Alfons. Aus einigen alten Seilrollen und Lumpen hatte er sich ein Nest gebaut, um die Nacht zu überstehen. Gizmo trug mit dreißig oder vierzig oder wie alt er auch sein mochte noch die selben Kleider, die er als Jugendlicher getragen hatte und entsprechend verschlossen sahen sie aus. Bei ihm war heute eine ganze Truppe zum Schlafen versammelt. Sie hatten Beute gemacht.
    "Vier Räder, eine Kiste mit Klamotten und eine seidene Geldkatze mit so Blumen drauf", verkündete Gizmo stolz, ohne aus seinem Schlafsack aufzustehen. Beim Sprechen bildeten sich Dampfwolken vor seinem leichenblassen Gesicht. "Sie haben alles freiwillig rausgerückt, weil wir gesagt haben, sie können die Pferde behalten."
    "Recht so", bestätigte Jean, der die Truhe öffnete. Mit Pferden konnte er nichts anfangen, mochte ein anderer sich daran bereichern. Ein anerkennender Pfiff kam zwischen seinen Zähnen hervor.
    "Kommt noch besser." Gizmo grinste. "... haben gesagt, der Besitzer wäre reich. Hat Gold und ist hier in der Stadt. War im Besoffenen Quell. Tiefling ... reich mit Rüschenhemd."
    "Ein Geldsack in dieser Bretterbude? Vermutlich ein Geizhals. Solche haben meist ihr Geld irgendwo versteckt, wo sie meinen, man findet es nicht. Das erklärt, warum diese Seidenkatze dort leer ist. Den holen wir uns. Aber vorher gehe ich mal unseren Alfons besuchen."


    Jean betrat die Kneipe.
    Er schaute sich kurz an, wer im Schankraum saß. Ihm fiel ein riesiger Tiefling ins Auge, der aber nicht der Gesuchte war, wie seine schäbige Aufmachung verriet, ansonsten war nichts anders als sonst. "Guten Morgen", rief Jean. Er grüßte die beiden Sicherheitsmänner, die den Laden bewachten und diese grüßten ihn artig zurück, seit er die Kinder des einen von einer Horde Straßenkinder mit Steinen hatte bewerfen lassen. Er marschierte durch die Kneipe, als würde sie ihm gehören und lehnte sich mit einem Ellbogen auf den Tresen. "Na, Alfons, mein alter Freund? Hast du was für mich?"
    Der alte Mann mit der Halbglatze schüttelte den Kopf. "Keine Lieferung eingegangen. Winnie ist nicht aufgetaucht und ist laut den Jungs auch nirgends zu finden."
    "Das ist nicht mein Problem", antwortete Jean freundlich. "Mich interessiert nur meine Ware. Wie du sie besorgst, ist deine Angelegenheit. Ich bin mit dir entgegengekommen, indem ich den Kaufpreis vorgestreckt habe, damit auch alles glatt geht."
    "Ich gebe dir dein Geld zurück", versprach Alfons.
    "Die Ware", wiederholte Jean nun sehr deutlich. "In zwei Tagen! Und ein Fass Wein als Schadensersatz. Jetzt. Nicht die gepanschte Plörre, die du hier ausschenkst, sondern aus deinem Privatvorrat."
    Widerstrebend trollte Alfons sich durch die Hintertür.
    Jean pfiff ein Lied, nahm einen tönernen Bierkrug, bediente sich am Zapfhahn des Weinfasses und setzte sich mit der vollen Maß zu dem Tiefling an den Tisch. "Morgen", grüßte er. "Du siehst aus, als ob du austeilen kannst. Und als ob du Geld gebrauchen könntest. Willst du dir ein paar Taler dazu verdienen? Eine alte Freundin und ein alter Schankwirt benötigen eine Erinnerung an mich, da sie leider nicht so oft an mich denken, wie mir das lieb wäre. Und ein Tieflingskollege würde sich bestimmt auch über deinen Besuch freuen."
    Er schlürfte seinen Wein, der wirklich gut schmeckte, obwohl er Plörre war. Vermutlich war er nicht einmal gepanscht, aber es konnte Alfons nicht schaden, wenn man ihm das Geschäft nur so leicht machte, wie er es verdiente.

  • Mit klopfendem Herzen lehnte sie in der Gasse an der Wand. Gerade noch hatte sie sich verstecken können, als sie den roten Schopf Haare vor Alfons Gasthaus hatte aufblitzen sehen. Jean war in der Tür verschwunden. Und sie gerade noch rechtzeitig im Schatten der Nebengasse, die dem Gasthaus schräg gegenüber gelegen war. Sie krallte sich mit ihren Klauen angespannt in die bröseligen Fugen zwischen den Steinen.

    Sie hätte einen anderen Weg wählen sollen, aber eigentlich hätte er ihr überall über den Weg laufen können, denn es gab fast nichts, dass er nicht in der Hand hatte und hier unten fast niemanden, den er nicht hin und wieder aufsuchte, um einzutreiben, was ihm geschuldet wurde. Es war als wäre die Grube, ganz Obenza mit Stolpersteinen ausgelegt, von denen jeder sie sicher zu Fall bringen konnte.

    Zendurs Behausung lag am Rande des Hafenviertels. Da kam sie öfter mal an Alfons Gasthaus vorbei. Sie überlegte einfach nach oben zu klettern. Da fiele sie nicht groß auf. Fakt war, Jean war jetzt hier unten und sie auch. Auf der nächst höheren Ebene war er nicht zugegen, also konnte er ihr streng genommen da oben in diesem Moment nicht gefährlich werden. Seine Wachhunde vielleicht, aber dieses Risiko nahm sie immer in Kauf.

    Ihr Blick richtete sich fröstelnd auf das Firmament. Es dämmerte bereits und der Himmel hieß das erste Licht der Sonne willkommen. Sie musste irgendwie auch wieder nach unten klettern. Und bei Tag war das einfach zu gefährlich. Egal wie sehr sie sich auch an die Wand drücken würde, bemüht mir ihr zu verschmelzen. Ein Blick, sei es besonnen oder zufällig wandernd, könnte ihre Gestalt leicht an der Fassade verraten, wenn sie nicht schnell genug war. Sie spürte die Galle in sich aufsteigen. Nicht so kurz vor ihrem Ziel, jetzt durfte er sie einfach nicht wieder erwischen. Sie schluckte, ballte ihre Hände zu Fäusten. Sie könnte auch einfach eilig davon huschen, laufen so schnell sie ihre Füße trugen, so lange er noch abgelenkt war. Sie dachte zu lange nach. Sie musste handeln. Das Verlangen, die Flucht aus dieser Stadt zu ergreifen wurde immer stärker. Sie musste jemanden finden, der ihr bei ihrem Vorhaben unter die Arme greifen konnte, noch heute. Und eigentlich wäre die Gaststätte genau der richtige Ort dafür. Sie traf eine andere Entscheidung als davon zu laufen. Sie würde dort bleiben, versteckt und darauf warten, dass Jean die Gaststätte wieder verließ. Dann würde sie sich jemanden suchen, der auf der Durchreise war und mit dem sie verhandeln konnte. Sie würde erst davonlaufen, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit gab.

    Also wartete sie. Die Zähne vor Anspannung fest zusammengebissen.

  • Ein leichter Druck auf seiner Schulter lies ihn aufschrecken. Er vernahm die Stimme von etwas weiter her. Sie klang dumpf und sehr dunkel. Als er seinen Kopf zur Seite neigte sah er einen verschwommenen Fleck. „Das muss der Typ sein“ sprach die Stimme „reicher Schnösel, Tiefling und eine Kutsche vor diesem Drecksloch!“. Nur sehr langsam schärften sich seine Sinne. Nun hörte er eine Frauenstimme die sich kratzig anhörte sagen „Er hat es aus seinen Stiefel geholt“. Verdammtes Tratschweib dachte er bei sich. Erst einen abfüllen und dann noch verraten wo er das Trinkgeld her genommen hat um eventuell es noch aufzustocken. Sein Schädel brummte und er versuchte sich daran zu erinnern wie viele Humpen von dem Zeug was sie hier Bier nannten er getrunken hatte, doch er kam nicht drauf. Dann hörte er wieder die dunkle Stimme welche sich nicht mehr so dumpf anhörte „Los hilf mir dem Kerl auszuziehen!“. Eine etwas höhere Stimme fragte „Warum denn? Wir sollten nur raus finden wo er sich aufhält und den Bescheid geben!“ Die tiefe klang nun etwas verärgert „Die Klamotten sind bestimmt mehr wert als was wir auf der Straße in einem Jahr verdienen. Außerdem Kartinka hat extra den Laden zu gemacht für uns und ich bin der Ältere, also beeil dich sonst setzt Schläge!“. Schläge wirklich dachte er sich und Kartinka hieß also sein erotischer Alptraum. Langsam erkannte er den Fleck welcher immer noch seine Schulter hielt. Es war ein dicker Glatzköpfiger Kerl mit dem Gesicht eines Schweines. Seine Lippen waren dick wie Seile von einem Schiff, die Nase breit , die spitze etwas zu sehr nach oben gewachsen. Die Augen verschwanden fast vor Fett in seinen Gesicht. Jetzt spürte er eine andere Hand auf seiner anderen Schulter, diese war recht klein.Unauffällig und als ob er noch im betrunkenen Schlafe wäre drehte er sich zu der Seite der kleinen Hand um. Durch seine leicht geöffneten Augen schaute ihn nun ein kleines Gesicht an, verdammt es war noch ein Kind. Diese Stadt ging echt vor die Hunde. Erinnerungen kamen hoch bei seinen ersten Besuch der Stadt und die Zeit die er in ihr verbracht hatte. Er war damals noch recht unerfahren gewesen was es hieß ein Imperium aufzubauen, drum hatte er seine Dienste jedem Abschaum angeboten der Zahlen konnte, was bedeutete das er zum größten Teil Schutzgelder eingetrieben hatte. Doch mit der Zeit bekam er mit das seine Herren ihn ausnutzten und im einen Hungerlohn zahlten. Daher machte er sich seine Fähigkeiten zu nutze und drehte den Spieß um. Mit Erpressung und dem einen oder anderen abgetrennten Kopf baute er sich ein Unternehmen auf welches sich auf Schutzgeld, diversen Mitteln und sogar Sklavenhandel spezialisierte. Der Reichtum kam und so auch die Neider. Doch er hatte sich einen Namen gemacht, auf der Straße nannte man ihn nun „Den Henker von Obenza“. Seine Spezialität war es abgetrennte Köpfe seinen Konkurrenten zukommen zu lassen welche er speziell präparierte. Ein mal hatte er einen Diebboss den Kopf seiner rechten Hand geschickt. Zuvor hatte er die Zunge und die Augen entfernt und den Kopf in Wachs getaucht so das er wie in einer Art Vitrine war. Das waren noch Zeiten gewesen. Damals hätte sich niemand getraut ihn zu Kündigen oder gar zu stehlen. Und nun sollten sich ein Kind und ein Schweinegesichtiger Mann an ihn bestehlen und ihn wie Abfall in irgendeiner Gosse abladen? Nein das durfte und würde nicht passieren! Es wurde Zeit den „Henker von Obenza“ wieder von den toten Auferstehen zu lassen. Unauffällig lies er seinen einen Arm vom Tresen fallen und dann genauso unauffällig fingerte er an seinen Stiefel und ertaste mit den runden griff seines Messer. Ein kleines Ding, nicht tödlich genug für einen Kampf jedoch für die Überraschung gut genug.


    Nun hörte er Schweinchen sagen „Wir richten ihn auf drei auf!“ Der Junge antworte „ Aber ich kann doch nicht zählen“. Die Hand von Schweinchen löste sich von seiner Schulter und ein Klatschen war zu hören. Er sah wie der Kopf des Jungen zur Seite sich neigte und auf seiner Wange eine rote, dicke Hand erschien, Schweinchen packte ihn wieder an der Schulter und schrie nun den Jungen an „Wenn ich drei sage richten wir ihn auf und du stützt ihn dann von hinten! Und keine Widerrede ansonsten setzt es noch eine!“. „Drei!“ sagte Schweinchen und er spürte wie an seinen Schultern gezogen wurde. Er verlagerte kaum merklich seinen Schwerpunkt in seine Mitte um es Schweinchen und Rotwange es noch schwerer zu machen. Nach einigen Minuten und sehr vielen Flüchen und sehr vielen Schnaufen von Schweinchen hatten sei ihn aufrecht sitzend drapiert und ohne es zu ahnen oder zu merken hatten sie ihm geholfen den Dolche aus seinem Stiefel zu ziehen den er nun im Bund seines Rüschenhemdes verschwinden lies. Der Junge mit der roten Wange war hinter ihn getreten und hielt gegen sein leicht nach hinten fallenden Körper mit seiner restlichen gesamten Kraft ihn aufrecht. Schweinchen stand vor ihm und musterte ihn. Ohne ein Wort spürte er ein dumpfes Gefühl an seinem Kiefer und sein Kopf wurde auf die andere Seite geschleudert. Das Schweinchen hatte ihn geschlagen! Triumphieren sagte es „Nun das musste sein!“ Dann spürte er wie dicke Finger an seinen Kragen des Rüschenhemdes griffen und er hörte wie der Junge fragte „ Was machst du da Franz?“ Ah dachte er sich, Franz heißt unser Schwein. Durch den Schlag den Franz ihn verpasst hatte, hatten sich seine Sinne wieder geschärft. Nicht so das er es mit einem Krieger aufnehmen könnte aber für die beiden sollte es reichen und für die Hexe Kartinka. „Na was schon !“ rief Franz aus „Ich zerschneide ihn das Hemd, den Stoff können wir dann beim Schneider eintauschen! Dummling!“. Er spürte die Klinge leicht auf seiner Haut und hörte wie die Klinge sein schönes und Kostbares Hemd zerschnitt. Franz war ungeübt mit der Klinge den er schaute ihr nach und beobachte ihn nicht weiter. Als die Klinge in der Bauchgegend war und Schweinchen Franz auf seine Genitalien schaute machte er eine schnelle Bewegung. Mit der freien Hand packte er das Schweinchen im Nacken, mit der anderen in der der Dolch war stieß er in den fetten Hals seitlich rein. Er hatte es noch drauf. Die Klinge zerschnitt das dicke Gefäß. Schweinchen Franz lies das Messer fallen was er zum zerstören seines Wunderbaren Hemdes benutzt hatte. Er beugte sich vor und flüsterte Franz ins Ohr „Erstens man überfällt keinen Besoffenen, Zweitens man überprüft sein Opfer auf versteckte Waffen und Drittens mein Name ist Leviathan“, schnell zog er die Klinge aus dem Hals. Franz Hände schossen hoch zu der Wunde und versuchten sie irgendwie abzudecken. Er jedoch hob sein Knie und rammte es in Franz Genitalien. Dieser machte die reflexartige Bewegung nach vorne und seine Hände gingen zur Schmerzquelle. Blut schoss aus der Halswunde und bedeckte seinen Körper. Er schmeckte das Eisen und roch es. Nun vernahm er Schreie. Der eine kam von Kartinka welche rechts von ihm stand, der andere von Rotwange hinter ihm. Zeit mit dem Schweinchen fertig zu werden bevor es kompliziert wurde. Er schlug seine Faust Franz in die fette Seite, auf Höhe seiner Leber. Dieser zeigte jedoch nicht die gewünschte Reaktion also schlug er noch mal zu und dieses mal neigte er sich zu der Seite die schmerzte. Er visierte Franzs fettes Kinn an und schlug von schräg oben kommend auf das Kinn. Der Fette Leib wurde durch seine Neigung und durch die Wucht auf den Boden geschleudert.

    Nun schmiss er seinen Dolch der immer noch in seiner Hand war in die Luft und fing ihn so das er nur noch die Spitze der Klinge zwischen den Finger hatte. Dann wandte er sich nach rechts und sah die Alte füllige Frau. Auf ihren Gesicht war Angst und Erkenntnis zu lesen. Die Augen weit aufgerissen, der Mund leicht geöffnet. Zähne hatte sie kaum noch welche. Mit einer flüssigen Bewegung warf er den Dolch in ihre Richtung. Er traf die Alte ins Auge die nun noch lauter aufschrie und rückwärts umfiel. Hinter sich hörte er Schritte, schnell hob er das Messer von Franz auf welcher nun zucken auf den Boden lag und seine schönen Stiefel mit Blut besudelte und Warf es Richtung Ausgang. Die Klinge fuhr in das Holz der Tür. Der Junge blieb sofort stehen und Levithan brüllte „HALT!“. „BRING ES MIR JUNGE!“. Hinter dem Tresen wimmerte die Alte immer noch. Hatte sie den Dolch immer noch nicht aus ihrem Auge entfernt, dachte er sich. Der Junge ging noch ein paar Schritte zur Tür hob seinen Arm und zog Franz Messer aus dem Holz, drehte sich zu ihm um und brachte zittern am ganzen Leib das Messer. Dankend nahm er ihm es aus der Hand und fragte dann „Wie ist dein Name Junge“. Dieser antworte mit leiser verängstigter Stimme „Jackob Sir.“ Seine Blicke musterten den Jungen genauer. Von seiner hageren Figur ausgehen und der Größe war er nicht älter als Zwölf Jahre. „Dreh dich zur Tür Jackob!“ befahl er ihm und der Junge gehorchte. Nun wendete er sich Franz wieder zu der in seinem Blut lag und röchelte. Es wurde wirklich wieder Zeit den Henker von Obenza wieder zu holen.


    Er kniete sich neben den Jungen und kritisierte sich selber. Früher wäre ihm so etwas nicht passiert. Eigentlich müsste er schon tot sein aber früher hatte er sich auch nicht besoffen. Hinter der Theke hörte er die Alte immer noch jammern, sollte ihm nur recht sein sie konnte noch leiden. Leise flüsterte er „Franz du darfst dich geehrt fühlen, du wirst das erste Opfer von mir und so Teil meiner Wiedergeburt!.“ Er setzte das Messer am Hals an und begann zu schneiden. Die Klinge war nicht scharf und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis er die Knochen, Sehnen und Muskeln durch hatte. Er hab den Kopf auf und setzte ihn auf den Tresen. Sein ganzer Körper war voll mit Blut und er fühlte sich gut. Wie hatte er es vermisst, den Rausch nach dem Kampf, die Vorfreude der Vorstellung wie derjenige sich Verhalten würde wenn er sein Geschenk erhielt. Er setzte die Spitze der Klinge auf die Stirn von Franz und begann ihm das Wort „Henker“ einzuritzen. Seine Schrift sah etwas zittrig aus aber egal, für den Anfang sollte es reichen. Er stieß einige der Stühle am Tresen um und schritt durch die Öffnung hinter diesen, wo die Alte sich an das Regal mit den Humpen gelehnt hatte. Der Junge Jackob wimmerte und schluchzte doch er blieb weiter zu Tür gewendet stehen. Auch die Alte wimmerte und schaute ihn mit dem Dolch im Auge an. Rot und weiß hatten sich vereint und die Flüssigkeiten liefen durch die Finger und an der Wange runter. Er ging in die Hocke und legte seine Hand auf die Stirn der Alten. Mit der anderen Hand schlug er ihre Hand die den Dolch umklammerte weg, griff an an jenen und zog ihn aus dem Augen heraus. Die Alte schrie auf. Und versuchte seinen Arm weg zuschlagen. Doch sie war ihm unterlegen. Stattdessen kratze sie ihm. Er erhöhte etwas den Druck auf ihren Kopf um ihr klar zu machen das wenn sie weiter so machte er ihn zerquetschen würde sie verstand und ihre Gegenwehr wurde weniger. „Nun Alte!“ begann er wieder flüstern zu ihr zu sprechen „Ich frage dich nur ein Mal und von deiner Antwort hängt ab ob du stirbst oder ob ich dich verschone! Hast du verstanden?“. Kartinka nickte oder versuchte es zumindest. „Wo sind deine Einnahmen! Und jetzt komm mir nicht mit den paar Münzen in der Kasse. Ich weiß das eine hinterhältige Frau wie du ihre Einnahmen versteckt, im falle das einer der Gäste naja du weist schon.“. Anstatt einer Antwort zuckte Kartinkas Auge runter und eine Hand hob sich. Er verstand es und sagte mit etwas Erhöhung des Drucks „Na aber ich mache es selber“. Auch wenn sich seinen Magen umdrehte langte er mit seiner freien Hand in das Mieder. Haut traf auf Haut. Besser gesagt bestätigte diese Erfahrung ihm wieder, warum er nur junge Frauen bevorzugte. Nicht lange und seine Finger ertasteten einen kleine ledernen Beuten den er schnell heraus zog. Er war prall und würde seine Verluste etwas mindern. Er legte den Beutel auf den Boden und nahm seinen Dolch setzte ihn auf die Wange unter dem verletzten Auge und ritzte einen Pfeil in die Haut. Die Alte schrie auf doch das war ihm egal. Unter dem Pfeil ritzte er noch ein L ein. Dann flüsterte er Kartinka zu „Du wirst jetzt deine Kneipe oder wie auch immer du dieses Loch nennst verlassen. Wenn einer fragt was los war sagst du, das nur der Henker es weiß. Klar?“ Kartinka wimmerte aber nickte. Er lies sie los und sie stand auf und rannte zum Ausgang und verschwand. Er richtete sich auf, zog sein zerfetztes Rüschenhemd aus und Wickelte den Kopf darin ein. Dann sagte er „Jackob!“. Der Junge drehte sich um und versuchte nicht auf den enthaupteten Leichnam zu schauen. Seine Augen waren gequollen und ganz rot. Er warf ihm den eingewickelten Kopf zu und der Junge fing ihn „Bringe dies deinen Auftraggeber und sage ihm es sei ein Geschenk vom Henker von Obenza.“. Jackob blieb wie angewurzelt stehen und nickte. Macht jedoch keine Anstalten zu laufen. Der Schock saß tief. „Nun geh!“ sagte er etwas schärfer und der Junge verschwand.


    Ein was musste er noch tun. Unter dem Tresen lagerten die Fässer mit Bier, hinter ihm die Flaschen mit Schnaps. Nahm sich einige Flaschen mit Schnaps und kippte sie aus. Er verteilte den Alkohol im ganzen Raum. Nun nahm er die Geldbörse vom Boden und steckte sie sich in die Hosentaschen, ging zum Ausgang und nahm eine der Kerzen mit. Er stieß die Tür auf und ließ die Kerze in den Alkohol fallen. Die Flammen loderten aus und das Feuer fraß sich Sekundenschnell durch den Raum. Er würde zu seiner Kutsche gehen, aus den Versteckfächern sein Schwert und Dolche holen und sich dank Kartinkas Spende ein anderen Ort suchen wo er bleiben könnte. Eventuell verkauft er seine Kutsche wenn diese vom Feuer verschont bleiben würde. Doch als erstes muss er einen Schneider aufsuchen und sich ein neues Rüschenhemd kaufen.

  • Aksoy musterte den für ihn winzigen Menschen, der sich gerade den Besitzer zur Brust genommen hatte. Ihn störte das nicht weiter, dadurch wurde sein Essen nicht besser oder schlechter. Als der kleine Rotschopf von einem Geschäft sprach, wurde Aksoy hellhörig.


    "Guten Morgen. Ja so sehe ich nicht nur aus, es ist auch so. Wer von uns kann kein Geld gebrauchen? Oder wie ein guter Freund von mir sagt, ich habe Geld... nötig. Dieser Schankwirt hier? Er sah aus, als hättest Du ihn allein schon ganz gut auf Spur gebracht.


    Also lass hören, einen Schankwirt, ein Mädchen und ein Tiefling, die Kombination klingt abenteuerlich. Was soll ich für Dich tun und was springt dabei für mich heraus?", fragte Aksoy und neigte seinen gehörnten Schädel dem kleinen Menschen zu.


    "Mein Name ist Aksoy und mit wem habe ich es zu tun? Vermutlich soll ich doch liebe Grüße bestellen, wenn ich die Leute an Dich erinnere oder?", grinste der riesige Tiefling und wartete gespannt ab, was ihm der kleine Kerl bieten würde.


    Für Aksoy zählte jeder Taler, den er seiner Mutter mitbringen konnte. Arbeit mit der man gut Geld verdienen konnte, war rar gesät in Alkena, die meisten waren Selbstversorgen. Er selbst war ausgezogen um Geld zu verdienen und etwas von der Welt zu sehen.


    Das was er zu sehen bekommen hatte, war eine seltsame Mischung aus Freude, Leid, tiefer Freundschaft und Feindschaften. Die Welt war so bunt wie der Sumpf von Alkena. Und wo Aksoy sich dies in Gedanken rief, vermisste er seinen rakshanischen Freund Crize, samt Mo und Firxas. Sie waren eine lustige bunte Truppe gewesen.

  • "Mein Name ist Jean", stellte er sich ohne zu zögern vor. Geheimniskrämerei war nicht seine Strategie. Er hatte nichts davon, wenn sein Name unbekannt bliebt. "Der Schankwirt hier hat mir widersprochen und versucht, mich mit Wein abzuspeisen, wo etwas anderes vereinbart war. Er benötigt daher ein paar blaue Augen. Wichtiger aber ist der Tiefling mit dem seidenen Rüschenhemd. Er sieht aus, als hätte er noch mehr zu geben, als er es bisher tat. Er hat sein Vermögen nicht korrekt besteuert. Danach ist das Mädchen dran, Niva ist ihr Name und auch in ihren Adern fließt Tieflingsblut. Ihre Pacht für das westliche Drittel des Martktes steht schon eine Weile aus. Die drei Dinge sind zu erledigen."


    In diesem Moment kam Gizmo hineingetaumelt, das weiße Gesicht zu einer irren Grimasse verzogen. "Kopf", kreischte er und wankte wieder hinaus.


    Stirnrunzelt sah Jean ihm nach. "Ich muss das erstmal kurz klären. Komm mit, wir reden unterwegs weiter."


    Er verließ den Alten Alfons und folgte der dürren Gestalt nach draußen. Einer seiner jüngeren Mitarbeiter stand flennend da, den abgetrennten Kopf von Franz in der Hand, dessen Fettwülste nun im Tod so schlaff waren, dass man seine Augen nicht mehr sah, weil die Stirn darüber hing.


    Gizmo zeigte auf ihn. "Tot!"


    "Das sehe ich selbst", blaffte Jean. Er hasste Gizmos Dummheit. Der abgewrackte Kerl war das wandelnde Paradebeispiel, was das als harmlos geltende und unter Jugendlichen beliebte Rahusti auf lange Sicht mit einem Gehirn anzurichten vermochte. "Jackob! Wer war das?"


    "Ich soll sagen, der Henker war`s", heulte der Junge, auf dessen Wange ein roter Handabdruck prangte. "Der Tiefling mit dem seidenen Rüschenhemd!"


    Gizmo brach in ein irres Lachen aus


    "Schön. Dann kommt Nummer zwei also als Erster dran. Wir gehen hin", befahl Jean. "Gizmo, Rosco, mitkommen. Lasst euren Scheiß hier. Aksoy, du auch!"


    Der weinende Junge blieb hilflos mit dem Kopf bei den Schlafsäcken und dem Gepäck zurück. Den Müll würde ohnehin niemand klauen, höchstens anzünden. Die vier Männer machten sich auf den Weg zu der Kaschemme, vor der Jeans Leute die treulosen Leibwachen des selbsternannten Henkers ausgeplündert hatten. Jean drahtig, Gizmo dürr, Rosco plump und Aksoy riesig, Beim Gehen prüfte Jean, ob sein Messer dort saß, so es sitzen sollte.

  • Niva hatte höchstens die Hälfte des Aufruhrs vorm Alten Alfons mitbekommen. Sie hatte Jean und seiner ungleichen Truppe nachgesehen, wie sie davoneilten und den Jungen mit dem Schrumpelkopf zurückgelassen hatten. In der Richtung, in die sie liefen, stieg weiter hinten gemächlich eine Rauchsäule auf.

    Sie löste sich aus ihrem Versteck und hielt hastig auf den Jungen zu, der den Kopf noch immer nicht losgelassen hatte. Sicher stand er unter Schock. Sie legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter, was ihn erschrocken zusammenzucken ließ. Sie beugte sich zu ihm herunter und ging in die Hocke, um sich mit ihm auf einer Augenhöhe zu befinden. "Sieh her Kleiner.", raunte sie. Er schluchzte noch immer. Rotz und Tränen zogen kleine Bäche über sein schmutziges Gesicht. Niva zog einen Handelstaler aus einem dünnem Beutel unter ihrem Mieder hervor. Sie sog geräuschvoll den Speichel in ihrem Mund zusammen und spuckte auf den runden Taler, um ihn dann mit dem Saum von ihrer Leinenbluse notdürftig zu polieren. Er glänzte danach kaum, aber ein bisschen schimmerte das Licht auf seiner Oberfläche, als sie ihn gen Himmel reckte. "Fang!", rief sie und warf die Münze in die Luft. Der Junge schnappte erschrocken nach Luft und reckte seine Hände nach der fliegenden Münze. Im Angesicht des Geldes ließ er doch prompt von dem Kopf ab und entzog sich dem Schock. Der Kopf landete in Nivas Händen. Er fühlte sich weich und schmierig an. Weil es hier unten so warm war, war er kaum erkaltet. Das Gewebe unter den Hautwülsten war weich und unter dem Druck ihrer Finger nachgiebig wie warmer, nur leicht geschmolzener Talk. Ekel stieg mitsamt ihres Mageninhaltes in ihr auf, aber sie mühte sich den Würgreiz unterdrückt zu halten. Auf der Stirn war etwas eingeritzt. Innerlich seufzte sie, weil sie bis heute nie gelernt hatte zu lesen. Sie sah zu dem Jungen auf, der jetzt die Münze in seinen Händen beäugte. Er hatte wohl lange genug nichts mehr für sich gehabt, vielleicht niemals zuvor richtig etwas für sich gehabt, das tatsächlich einen Wert hatte. Aber er war wohl auch blauäugig genug nur eine einzige Münze anzunehmen.

    "Pass auf dass niemand sieht, dass du sie hast.", sagte sie. Der Blick des Jungen war fragend. Er trat einen Schritt vor ihr zurück. Sicher hatte er Angst, sie könnte sie ihm wieder wegnehmen. Sie schüttelte den Kopf. "Jetzt will ich auch was dafür.", bestimmte sie. "W-was?", stammelte der Junge und sah sich verstohlen um, als befürchtete er demnächst einen Angriff aus dem Hinterhalt. Das machte Niva selbst derart nervös, dass sie aus den Augenwinkeln heraus, eigens die Umgebung nach Gefahren absuchte. Sie zischte gereizt, obwohl sie es nicht an dem Jungen auslassen wollte, dass sie selbst Angst hatte entdeckt zu werden. Von ihm. Ihr Herz reagierte sofort auf den Gedanken. Der Pulsschlag beschleunigte sich. Sie ließ den Kopf fallen und er landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden. "Wer schickt das? Weißt du, was da auf seiner Stirn steht?", fragte sie forsch vor Nervosität.

    "Der Henker...", murmelte der Junge. "Er schickt das?", hakte Niva nach und wies auf den Kopf. Der Junge nickte.

    "Ich brauche mehr.", gab Niva ihm zu verstehen. Der Junge streckte fordernd die Hand aus. Niva schnappte nach seinem Ohr.

    "Ich kann dir das hier auch lang ziehen!", fauchte sie. Als der Junge wimmerte bemerkte sie, dass ihre scharfen Nägel in die dünne, zarte Haut hinter seinem Ohr geschnitten hatten. "Mehr habe ich nicht.", murmelte sie und ließ ihn los. Ihre Hand schnellte zurück, als hätte sie sich an ihm verbrannt. Aber er streckte diesmal umso fordernder die Hand aus. Sein Gesicht war zu einer bitterernsten Miene verzogen. Niva stöhnte. Sie hatte keine Zeit für so einen Aufstand.

    "Dann eben nicht.", seufzte sie. Sie wollte nicht noch einen Taler entbehren, nur um an Informationen zu kommen, die sich vielleicht auch auf anderem Wege beschaffen ließen. Ihr Blick glitt zu der inzwischen recht imposant angestiegenen Rauchwolke. Vorhin hatte sie nur noch gehört, wie der Junge unter seinem Geheul Tiefling krakeelt hatte. Keine vielversprechende Information, aber immerhin irgendein weiterer Hinweis. Es musste jemand sein, der sich von den Leuten hier abhob. Jedenfalls hoffte sie das inständig, da sie ihn so leichter ausmachen könnte. Jemand der auf diese Weise eine Nachricht hinterließ und Eindruck schindete, war vielleicht jemand, der stark genug war, Jean entgegen zu treten.

    Sie nahm einen anderen Weg, um auf den Ursprungsort des aufsteigenden Rauches zuzuhalten, als Jean und seine Truppe. Aber sie spähte immer wieder um sich, ob sie nicht doch einen von ihnen in der Nähe entdeckte, der sie auffliegen lassen könnte. Ein paar der Gauner kannten ihr Gesicht gut genug und wussten von ihr und ihrer Schuld dem Rotschopf gegenüber. Dafür hatte er gesorgt. Sie zog sich den Schirm ihrere Mütze tief ins Gesicht. Heute fühlte sie sich noch unwohler auf den Straßen als sonst. Sie fühlte sich von tausend Augen angestarrt, obwohl sie niemanden entdecken konnte, der sie unverhohlen angestarrt oder überhaupt beobachtet hätte. Sie versuchte so sehr aufzupassen, dass sie nicht richtig aufpasste und in der nächsten Kreuzung zweier Wege beinahe einen halbnackten Kerl touchiert hätte. Der Geruch von Eisen stieg ihr in die Nase und eigenmächtig drang das Bild des abgetrennten Kopfes in ihren Händen vor ihrem inneren Auge wieder in den Vordergrund. Der Geruch von Blut. 'Henker', hörte sie die Stimme des Jungen in ihrem Kopf erneut sagen. Konnte das so einfach sein? Sie sah zu dem gehörnten Tiefling auf, während sie aneinander vorbei gingen. Ihre Brauen schoben sich nachdenklich zueinander. Er war mit tiefem Rot besudelt. Die Richtung, aus der er kam, mochte auch stimmen.

  • Aksoy nickte, während Jean sprach.


    "Ein paar blaue Augen für den Wirt dürften kein Problem sein. Ein Tiefling mit Rüschenhemd, der sein Vermögen nicht ordnungsgemäß besteuert hat und ein Mädchen, dass Dir noch Pacht schuldet. Kurzum es geht um Geld und ich soll die Leute an ihre fälligen Zahlungen erinnern. Ich denke am besten gleich das Geld mitbringen, falls sie es haben und nicht erst auftreiben müssen", antwortete Aksoy.


    Kaum geantwortet taumelte ein Junge herein und warf nur ein Wort in die Runde - Kopf.


    Jean und Aksoy folgten dem kleinen Kerl auf dem Fuße, der nach seiner Aussage sofort wieder verschwunden war. Die Botschaft klärte sich draußen sofort, als Aksoy den abgeschlagenen Kopf eines Unbekannten in den Händen eines weiteren Jungen sah. Der Kerl heulte Rotze und Wasser, während der andere fachmännisch feststellte, dass das Opfer verschieden war.


    Aksoy der nicht sehr viel Heilererfahrung hatte, kam zu dem gleichen Schluss. Alles andere hätte ihn auch sehr verstört. Jean blaffte in die Runde und fragte nach dem Täter und zu Aksoys Erstaunen, wusste sogar einer die Antwort. Der Henker war es, erklang es kläglich.


    Der Henker?

    Eine Sekunde später schob er nach, der Tiefling mit dem Rüschenhemd.

    Vermutlich genau jener säumige Zahler, den Jean auf seine blaue Augen Liste gesetzt hatte.

    Jean entschied, dass er dem Rüschenhemdträger zuerst einen Besuch abstattete, Gizmo und Rosco sollten ihn begleiten, Aksoy ebenso. Der große Tiefling folgte Jean auf dem Fuße.


    "Bist Du sicher dass bei dem Rüschenhemd ein paar blaue Augen ausreichen? War der Tote einer Deiner Männer? Du hast Dir vermutlich einen gefährlichen Feind gemacht oder vielleicht sogar versucht einen Serienmörder abzuziehen. In Obenza laufen davon angeblich mehr rum, als auf dem Rest Asamuras. Schauen wir uns den Burschen genau an und achte darauf, ob er bewaffnet ist. Beherrscht das Rüschenhemd Magie? Viele Tieflinge sind magisch begabt", warnte Aksoy die Truppe.


    Jean schätze er als clever ein, nicht umsonst hatte er sich eine kleine Bande aufgebaut. Aber ihr beiden Begleiter standen vermutlich eher im Weg, als das sie bei einem Kampf nutzten. Aksoy stapfte hinter Jean her und schaute sich dabei argwöhnisch um.Der Henker mit dem Rüschenhemd, keine vorteilhafte Berufsbekleidung für einen Assassinen. Vielleicht war es aber auch nur ein Geschäftsmann, den man einmal zu viel übervorteilt hatte. Das würde sich vermutlich gleich zeigen.

  • Was war nur mit der Stadtlos? Kannte denn niemand Anstand? Erst die Sache in dem Alptraumloch von Kneipe, Spinluncke oder wie man es sonst nennen wollte. Dann das Anrempeln auf der Straße mit der kleinen Göre die nicht Entschuldigung sagte und Glück hatte das er gerade andere Dinge im Kopf hatte. Und nun diese vier Gestalten die ihm den Weg nach oben und so zu einem guten Schneider verwehrten. Der Preis den sie forderten war übertrieben hoch, natürlich nicht für ihn. Doch für fast jeden der hier unten sein Dasein fristete. Die Vier sahen wie typische Schläger aus die jeder für wenig Aufwand bekommen könnte. Die Tatsache das er ein Schwert hatte verängstigte sie etwas, dies konnte er in ihren Augen sehen, vielleicht auch das Blut an seinen Körper, doch trotzdem mussten sie noch was anderes Fürchten. Er legte den Kopf etwas schief und seine Hand wanderte an den Griff seines Katanas. Ein Andenken an bessere Tage was ihm die Stimmung noch etwas mehr versaute. Die Vier hatten ihre Schlagstöcke gezogen. Zu mindesten die Zwei die welche hatten, die anderen beiden wählten Kurzschwerte die sie aber wie Knüppel hielten. Es lag etwas sehr empfindliches in der Luft. Ein Funken würde ausreichen und die Luft würde brennen wie die Kneipe der alten Kartinka. Dieser Gedanke an das Feuer und den Schein das dieses verströmte beruhigte ihn immer wieder. Feuer war Chaos, Chaos führte zur Ordnung, Ordnung führte zur Disziplin und die wiederum formte Individuen die Chaos brachten. Er war so ein Individuum. Er wollte da lang und es gab für ihn nur einen Weg das zu erreichen. Er musste kämpfen. Vier war eine schöne Zahl an Gegnern. Eine Herausforderung. Mit einer sehr schnellen Handbewegung zog er sein Schwert aus der Scheide und rammte anschließend die Klinge in den Boden. Er brauchte keine Waffen für die vier Freizeitsoldaten.


    Sie bildeten nun einen Halbkreis und schritten langsam mit ihren ledernen Stiefeln auf ihn zu. Die beiden Klingen waren Außen die beiden Knüppel innen. Die Klingenträger waren hager von der Gestalt her. Die Knüppel eher Kampferprobt wenn man nach ihren Muskeln ging. Nun setzte er langsam einen Fuß vor den anderen und schritt sicher auf die Gruppe zu. Sie weiteten sich doch waren sie alle noch in seinem Gesichtsfeld. Und da war der Funke. Zeitgleich als ob sie sich abgesprochen hätten schossen die beiden Klingenträger auf ihn zu, die Waffen über ihren Köpfen. Er warte, warte und wich erst einen Schritt zurück als er die Klingen auf sich zurasen sah. Seine Gegner waren kleiner als er selbst. Vorteil für seinen nächsten Angriff. Die Klingen der Schwerter sausten durch die Luft und schnitten diese. Jedoch blieb dank dem Ausweichmanöver das auch das einzige was sie schnitten bevor ihre Spitzen über den Boden streiften. Alle beide hatten ihren Halt aufgegeben und standen nun etwas vorgebeugt vor ihm. Da hob er sein Knie und rammte es den einen ins Gesicht, worauf hin ein lautes Knacken gefolgt von einem Schmerzensschrei zu hören war, den anderen packte er im Nacken und drückte ihn zu Boden auf den er fiel sich jedoch sehr geschwindt wieder erhob und etwas zurückwich. Blut schoss aus der Nase des anderen den er sein Knie, was nun etwas schmerzte, ins Gesicht gerammt hatte. Schnell griff er die Kehle von blutender Nase und hob den Mann ohne Mühen hoch. Dieser reagierte wiederum damit das er mit seiner freien Hand sein Handgelenk umklammerte und wild mit seinem Schwert durch die Luft focht. Tatsächlich gelang es ihm, ihn etwas zu ritzen doch das kümmerte ihn nicht. Er streckte nun seinen Arm weiter aus und schmiss den Mann dann mit voller Wucht auf den Boden. Wieder war ein Knacken zu hören, gefolgt von einem Schmerzensschrei, welcher aber durch seinen Tritt gegen das Kinn des Verursachers unterbrochen wurde und dieser sein Bewusstsein verlor. Das sollte reichen. Er blickte auf und sah wie die zwei Knüppel auf ihn zugerannt kamen, die Waffen erhoben. Wie dumm waren sie? Machten sie den Gleichen Angriff wie ihre Vorgänger? Aus dem Augenwinkel sah er das sich die andere Klinge etwas zurückzog. Gut dann eben nur die Zwei. Sie waren nun direkt vor ihm und ließen die Knüppel herunterfahren. Um dem Angriff etwas zu entgehen, fiel er auf seine Knie und schlug in den Beiden in ihre Genitalien. Dumpfe Schläge fühlte er trotzdem auf seinen Schultern und der pochende Schmerz fing an. Die Beiden krümmten sich vorn über. Er nahm ihre Köpfe und schlug sie zusammen. Die beiden machten kaum ein Mucks als sie auseinander taumelten und er sich nach hinten abrollte um wieder auf die Beine zu kommen. Kaum hatte er das geschafft sah er wie die Klinge auf ihn zugelaufen kam. Verzweiflungstat. Und er war ein Wiederholungstäter den er hatte seine Waffe wieder zum oberen Schlag erhoben. Dieses Mal würde er jedoch eventuell auf den Boden liegen bleiben. Er machte einen Schritt auf seinen Angreifer zu taucht seitlich unter der niedersausenden Klinge weg, griff nach seiner Kehle und griff den Mann zwischen seine Beine hindurch an den hinteren Hosenbund und hob ihn so über seinen Kopf. Dann machte er einen ausfallen Knicks nach vorne wobei er sein Opfer auf sein Oberschenkel warf. Der aufkommende Schmerz in seinen Bein, der folgende Schmerzensschrei von seinem Opfer und das Knacken welches von dem kam bestätigten den Erfolg. Der Klingenträger lies seine Waffe los und rollte sich krümmend von seinem Bein. Wimmert blieb er auf den Boden liegen. Wahrscheinlich war seine Rippe angebrochen oder gar durch. Langsam erhob er sich aus der knienden Haltung, dabei merkte er das auch bei ihm etwas schmerzte. Sein Oberschenkel. Die Beiden Prügel hatten sich wieder gesammelt und schauten ihn an. Was oder wenn sie auch fürchteten war bemerkenswert. Ihnen sah man an das sie mit sich rangen ob sie nun fliehen sollten oder doch lieber den Kampf suchten. Sie trennten sich nun. Gut dachte er sich und fing an zu reden „Ich habe keine Zeit mehr für euch Idioten“ er machte eine Pause und atmete tief durch und fuhr dann fort „Ich will zu einem ordentlichen Schneider! Also lasst mich durch!“. Statt einer Antwort stürmten die beiden wieder auf ihn zu. Dieses mal würde es nicht so einfach werden. Er zog seine Arme eng an seinen Körper und legte seinen Kopf schützen in seine erhobenen Hände. Erst Prügel einstecken bevor man sie dann doppelt oder gar mehrfach zurück schickt dachte er sich. Der Linke war schneller und versetzte ihm den ersten Schlag. Kurz darauf spürte er das auch der Rechte da war und wie wild auf ihn eindrosch. Langsam zwangen sie ihn in die Knie oder zumindest ließ er sie das glauben. Die Chance auf einen Sieg war die größte Tücke. Langsam fingen einige Stellen seines Körpers an zu schmerzen. Dumpfe, hämmernde Schmerzen.


    Er merkte wie der linke Kerl wieder ausholte, da fiel seine Deckung und wandelte sich in einen nach oben geführten Schwinger, welcher zwischen den Beinen des linken Angreifers landete. Er öffnete seine Faust und packte zu. Das Genital des Mannes war sehr handlich was ihn zu gute kam. Einen hatte er bereits an den Eiern nun wurde es zeit die andere einseitige Belastung abzuschütteln. Seine andere Hand schoss dem Arm mit dem Prügel des Rechten entgegen und umschloss das Handgelenk. Mit einer schnellen schnellen Drehung nach Außen beendete er seinen Konter. Ein deutliches Knirschen, gefolgt von einen Schmerzenschrei, war die Folge und der rechte Angreifer ließ seinen Knüppel fallen. Langsam kam er aus der niederknienden Stellung hoch lies aber keine der Angreifer los. Der Linke, dessen Eier er immer noch hatte fing erst an zu wimmern und dann versuchte er mit Schlägen auf seinen Arm den Griff zu lösen. Ein wenig mehr Druck und die Schläge verebbten in einem Quicken. Als erstes muss er den verdrehten und nun abnormal stehenden Arm los werden, der auch wieder Kampfgeist zeigt und sich erinnerte das er noch einen anderen Arm hatte. Blitzschnell ließ er das Handgelenk los und packte den Wicht an seiner Kehle, ging kurz in die Knie etwas und hob den Mann hoch, um ihn dann auf den Boden zu werfen. Eine Staubwolke stieg auf als der Körper krachend zu Boden fiel. Er versetzte den am Boden liegenden noch einen Tritt gegen sein Kinn und sah aus den Augenwinkel heraus wie dieser seine Augen schloss. Nun zu dem dessen Eier er immer noch quetschte. Er schaute den nun leicht an ihm lehnenden an, holte aus und versetzte ihm einen Kopfstoß. Verdammt dachte er sich. Er vergaß immer das dies beiden Schmerzen verursachte. Er hätte ihm doch lieber die Eier zerquetschen sollen, welche er nun los lies um sein Opfer leicht nach hinten taumeln zu lassen. Aber um ganz sicher zu gehen holte er noch mal aus und versetzte dem Quetschei einen gekonnten Fausthieb unters Kinn welcher ihn vom Boden kurz hob auf den er kurz darauf aufschlug.


    Sein Körper schmerzte er war immer noch mit Blut bedeckt und er wollte endlich ein Rüschenhemd haben. In seinen Mund schmeckte er Blut. Na toll dachte er sich und spie aus. Haben die Penner mir auch noch einen Zahn ausgeschlagen? Doch auf den Boden war nichts zu sehen. Er wandte sich seinem Schwert zu da vernahm er Klatschen und als er in die Richtung sah aus dem es kam sah er eine Gruppe, darunter war auch ein Tiefling. Welche von einem kleinen rothaarigen Bengel angeführt wurde welcher nun in die Hände klatschte und ihn mit einem Heimtückischen Blick ansah. Toll dachte er sich, hört dass denn nie auf?

  • Jean hatte irgendein Fiepen im Ohr. Er schlug sich mit dem Handballen einige Male seitlich auf den Kopf, aber es hörte nicht auf. Als sie um eine Ecke bogen, änderte sich die Tonlage. Jetzt bemerkte er, dass es nicht sein Tinnitus war, der sich meldete, sondern dass einer seiner Leiterwachen von einem Mann mit nacktem Oberkörper gekonnt die Eier gequetscht wurden.


    "Och Knäcke", knurrte Jean. "Du hast die Hände frei, stich ihm den Finger ins Auge."


    Doch sein Mitarbeiter tat nichts dergleichen, weil er die Hände lieber auf seine malträtierten Weichteile presste. Der Tiefling ließ plötzlich los, so dass Knäcke nach hinten stolperte. Mühsam rappelte er sich wieder auf. Als Jean mit seinen Begleitern unterhalb der Leiter eintraf, erhielt Knäcke gerade einen Fausthieb unters Kinn, der ihn die Bodenhaftung verlieren ließ. Gizmo brach in schrilles Gelächter aus bei diesem Anblick, Rosco stimmte ihm grunzend zu. Als ihr Kumpel auf dem Pflaster aufschlug, stand er kein zweites Mal auf. Sein Arm hing nach unten, er lag gefährlich nah an der Kante.


    Jean zog seine vorgedrehte Rauchstange aus der Manteltasche. Er steckte sie in seinen Mundwinkel und zündete sie an. Wo waren die anderen drei? Von Fluppsi, Beule und Schlumbo war nichts zu sehen. Doch, korrigierte Jean sich gedanklich. Weiter links ragte Fluppsis dreckiger nackter Fuß über die Kante.


    Er blies Rauch durch die Nase und starrte nach oben zum Tiefling hinauf. "HE", brüllte er hinauf, damit er von Knäcke abließ, ohne dabei den Mund sonderlich weit aufzumachen. Die Luft kam vor allem durch seine Nase hinaus und sorgte für noch mehr stiergleiche Qualmolken. "Bist du der Henker?" Dann zischte er seinen Begleitern zu: "Aksoy, Giz. Macht ihn fertig. Rosco, halt uns den Rücken frei."


    "Au ja", freute sich Gizmo. In Windeseile begann er sich zu entkleiden. Zum Vorschein kam ein dürrer, von zahllosen Hundebissen vernarbter Körper mit sehr ungesund aussehenden Flecken auf der Haut. Hals, Schultern und Arme waren tätowiert. Jean würdigte ihn keines Blickes, er wusste, warum Gizmo das tat und die anderen würden es gleich erleben.


    Der kleine plumpe Rosco hingegen stöhnte gequält und setzte sich auf einen Stapel vergammelter Seile. Dabei blickte er in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Seine dicke Nase bewegte sich. Er glaubte, jemanden zu riechen ...

  • Aksoy schaute auf Jean herab, er konnte nicht mitkämpfen, denn er musste rauchen? Vermutlich rauchten hier gleich alle und zwar vor Wut. Aber keiner schien sich daran zu stören, also zuckte der große Tiefling auch mit den Schultern. Als sich Gizmo auszog, fragte sich Aksoy wann der Bursche das letzte Mal etwas gegessen hatte.


    Allerdings macht er das, was ihm an Substanz fehlte durch Wildheit und vermutlich irgendeiner Hautkrankheit wett. Aksoy machte mehrere Schritte nach vorne und schaute sich den anderen Tiefling genau an.


    "Du solltest Dir gut überlegen, wen Du hier um die Zollzahlung prellst, letzte Gelegenheit", warnte Aksoy.


    Der fremde Tiefling sah nicht danach aus, als wollte er sich abziehen lassen. Jean schien hier wohl an den Flaschen geraten zu sein, oder der Mann kämpfte so verbissen, da er keinen müden Taler mehr bei sich trug. Sie würden es erfahren. Aksoy schlug einmal mit den Schwingen um sich zu lockern, ehe er sie auf dem Rücken zusammenfaltete und alle im Auge behielt.


    Die Luft war zum Schneiden gespannt.

  • Niva hatte den Kampf mit angehaltenem Atem verfolgt. Jemand der so brutal und obendrein siegreich zu kämpfen wusste, hätte sich wohl den Namen 'Henker' verdient. Sie hatte keine Zweifel mehr. Als Jean und sein Gefolge schließlich aufgetaucht waren, hatte sich Niva noch tiefer in den Schatten ihres Verstecks gedrückt. Das Jean sich diesem Tiefling entgegenstellte oder zumindest seine Leute dazu anhielt, ihm die Stirn zu bieten, bestätigte ihren Verdacht. Ihr Schweif zuckte nervös hinter ihrem Rücken wie bei einer Katze. Sie rechnete sich ihre Chancen aus, wenn sie sich auf die Seite dieses Mannes stellte. Mit jemandem wie ihm bräuchte sie sich nicht mehr um Jean zu sorgen und ihn zu fürchten. Vielleicht wäre die Zeit des Bangens und der Schulden endlich vorbei. Nur war sie nicht bereit sich dafür bei jemand anderem in die Schuld zu stellen. Das war, was sie fürchtete. Eigentlich hätte ihr das Ganze hier sowieso völlig egal sein können. Während die Meute sich hier zusammenraufte und sich um eines Fremden willen die Köpfe einschlug, hätte sie schon längst über alle Berge sein können. Aber die Kinder hielten sie noch immer zurück. Vielleicht könnte sie eine Sicherheit für sie erlangen. Sie könnte jemanden auf ihrer Seite gebrauchen, der eine wirksame Drohung für sie aussprach. Und dieser Tiefling dort drüben konnte so jemand sein. Doch jetzt wo Jean persönlich bereits vor Ort war, traute sie sich kaum heraus. Sie wartete ab, was als nächstes geschah, wie der Tiefling sich dem Jungen mit der unsichtbaren Krone auf dem Kopf entgegenstellen würde. Ihr Blick schweifte über die Meute. Gizmo, der Gauner hatte sich kampfbereit gemacht. Am meisten bereitete Niva der riesenhafte, gehörnte Tiefling Sorgen, den sie zuvor noch nie hier gesehen hatte. Sie war sich sicher, der mochte auch dem Henker allein Probleme machen. Fieberhaft dachte sie nach, was sie tun konnte, während sie aufmerksam dem Fortgang des Geschehens folgte.

  • Er wischte sich mit der freien Hand über sein Gesicht und zog scharf die Luft ein. War es denn die Möglichkeit? Diese Stadt hatte sich sehr verändert oder er war in einer anderen Welt. Keiner hatte mehr Anstand! So musste er es also sein der eventuell die alten Regeln wieder belebte. Er machte vor den Fremden, sogar vor dem kränklich wirkenden und in zwischen Nackten einen angedeuteten Knicks wie es sich gehörte und sprach laut und deutlich „Hab euch wohl Freunde. Mich nennt man Leviathan den Henker von Obenza! Und mit wem habe ich das Vergnügen?“. Statt einer Antwort von dem Bengel der sich inzwischen eine Pfeife angesteckt hatte, bekam er die plumpe Drohung des Tiefling „Du solltest Dir gut überlegen, wen Du hier um die Zollzahlung prellst, letzte Gelegenheit". Ehrlich? dachte er bei sich. Gut er hatte sich bei seinen Opfern auch nicht immer gleich vorgestellt, aber hatte gewusst das er siegreich hervorgehen würde. Sah er inzwischen ohne sein Rüschenhemd wie ein einfacher Schläger aus? Wie viele Köpfe mussten noch rollen und verschickt werden damit man ihm Respekt zollt und seine bloße Anwesenheit ausreichte einen Raum mit Angst zu füllen. Ungeduldig schlug der Tiefling mit seinen Schwingen. Sah aus als ob er sich wirklich auf einen Kampf vorbereitete. Er war aber auch der einzige dieser Figuren der etwas Respekt einflößte. Der Nackte sah nicht wirklich gefährlich aus doch das konnte trügen. Und was hatte er da auf seiner Haut nur? Rotschopf sah nicht so aus als ob er sich am Kampf beteiligen würde und rauchte weiter seine Pfeife. Nun gut sagte er zu sich und atmete tief durch. Einen Versuch den Kampf zu umgehen, auch wenn es ihm nicht gefiel hatte er noch. Und so richtete er sich an den Tiefling der seine Umgebung genau wie er genau im Blick behielt und sprach mit ernster Stimme „Was zahlt dir der Bengel damit du für ihn die Drecksarbeit machst? Wenn es zehn Gold sind so ist es mein Gold, welches mir gestohlen wurde in einer Geldkatze mit Ranken.“ langsam griff er an die Lederne Geldkatze an seinen Gürtel und fingerte das eine Gold heraus und hob es hoch „Siehst du, in der Katze ist noch mehr und ich biete dir das Gold und noch den Inhalt der gesamten Katze an wenn du mir hilfst mein restliches Gold zu finden und wieder zu beschaffen. Ich würde sogar dir nach Erfüllung noch zwei weitere Gold geben!“ er machte eine Pause um seine Worte sacken zu lassen. Er wusste auch das seine Worte eventuell nach Flehen klangen, sollten sie ihn doch unterschätzen es war ihm egal und er tat dies auch nur aus Höflichkeit und weil sein Hunger nach Blut schon gestillt war. „Na was sagst du?

  • "Er hat ... GOLD!" Jean fielen fast die Augen aus. "Tatsache, es ist noch was übrig! Und er zeigt es!" Der Mann ohne Rüschenhemd musste entweder ein überragender Kämpfer sein, oder Jean hatte es hier mit einem Irren zu tun. Beides war gefährlich. Plötzlich packte ihn die kalte Wut. Er saugte so hasserfüllt an seiner Rauchstange, dass sie mit einem einzigen Atemzug bis zur Hälfte herunterbrannte. "Mein Name ist Jean und wenn du der Henker von Obenza bist, bedenke, wer dein König ist, Leviathan! Wie kommst du dazu, einen Söldner mit GOLD bezahlen zu wollen", brüllte er. "Wer soll da mithalten, du ruinierst alle Preise! Als ob ein paar ehrlich verdiente Taler nicht genügen würden. Zu viel davon verdirbt den den Charakter!" Für den raffgierigen Rotschopf selbst schien diese Sorge freilich nicht zu gelten.


    Gizmo aber, der ohnehin nur sporadisch mit ein paar entbehrlichen Kupferlingen bezahlt wurde, beachtete ihren selbsternannten Anführer nicht nicht bei seinem Versuch, auch ohne Gold ihren einzigen effektiven Kämpfer auf seiner Seite zu halten. Gizmo hatte nur noch Augen für die kreisrunde, glitzernde, funkelnde Fahrkarte in ein Jahr, welches 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche aus einem ununterbrochenen Hafari-Rausch bestand. Ohne auf weitere Kommandos zu warten, krümmte der nackte Mann sich zu einem Bündel dürrer Gliedmaßen zusammen. Er sah kränker aus denn je, irgendwas schien mit ihm nicht zu stimmen. Offenbar litt er Schmerzen, er winselte, seine Finger schrumpften, die Nägel schossen als dicke Klauen hervor und wenige Augenblicke später erhob er sich auf vier Beinen. Ein hochbeiniger weißer Hund mit schweren Bissnarben, der aussah als hätte er die Räude, starrte auf die Münze, als wäre sie ein erhobenes Würstchen. Hätte er nun Kleidung getragen, hätte er sich schwer aus dieser befreien können. Als er bemerkte, dass er als Hund die Leiter nicht hinaufkam, begann er vor Frust wie von Sinnen zu bellen, wobei ihm schaumiger Geifer von seinem Maul flog.


    Jean musste vor so viel Blödheit einen Moment die Augen schließen und tief durchatmen.

  • In dem Moment wo Jean die Augen schloss und durchatmete, schoss der Flügelbug von Aksoy nach vorne um den Rotschopf eine zu verpassen. Zeitgleich grabschte er mit seinen gewaltigen Pranken nach dem dürren Hemd. Ein Stück Gold war ein Stück Gold, da konnte kein Taler mithalten.


    Und da es hier rein um etwas Geschäftliches ging, war Angebot und Nachfrage maßgeblich. Das Goldstück hatte der andere Tiefling in der Hand, Jean hatte bis jetzt nur den Mund vollgenommen.


    "Deal", rief Aksoy dem anderen Tiefling zu.

  • Die Pranke schloss sich um Jeans roten Mantel. Die Klauen durchschlugen das Leder und griffen gleich noch seine Brust mit dazu, als wäre sie nur eine zweite Lage Kleidung. Bevor Jean schreien konnte, traf ein Schlag seinen Kopf, der ihn betäubt in sich zusammensinken ließ.


    "Und ich dachte, wir wären so was wie Freunde und Kollegen, Aksoy", rief er vom Boden nach oben. "Hast du denn keine Ehre im Leib? Wir hatten die Vereinbarung zuerst! Gizmo, hilf mir!" Verzweifelt schaute Jean in die Richtung des Gestaltwandlers.


    Der drehte kurz den Kopf in seine Richtung, blickte so desinteressiert drein, als wäre hinter ihm nur eine Stapel Kisten umgefallen und wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem erhobenen Goldstück zu. Leviathan hielt es wie eine Reliquie, das Ticket zu einem Jahr der Glückseligkeit, es blendete Gizmo mit seiner Pracht, er wollte, er musste es haben! Er wedelte heftig mit dem Schwanz und fing erneut an zu bellen, dass der Schaum nur so von seinem Maul flog.

  • Mit angehaltenem Atem beobachtete sie, wie der Riese sich Jean packte und die Seite wechselte, sobald das Gold ins Spiel kam. Sie bemerkte es selbst nicht, aber sie hatte sich vor gelehnt, um das Stück Gold an zu visieren. Es funkelte herrlich. Sie schluckte verzweifelt die Gier herunter, die sich in ihr aufbäumte. Sie verspürte auch das Verlangen, sich darauf zu stürzen. Es war wertvoll wie nichts anderes hier. Sie krallte ihre scharfen Nägel in den spröden Stein. Um dieses Gold würde eine noch viel brutalere Schlacht von der Kante brechen, als jene, von der sie eben noch Zeuge gewesen war. Gizmo tropfte der Geifer aus der Schnauze. Sein Bellen hallte aggressiv von den hohen Wänden wieder. Sie besah sich einen nach dem anderen auf der Suche nach einem Hinweis auf das gestohlene Gold.

  • Niva fiel auf, dass Jean nicht mehr hinauf zu seinem Peiniger blickte, sondern besorgt in Richtung des Kleiderbündels von Gizmo schielte. Als sie seinem Blick folgte, konnte sie bei der Kleidung in Höhe der Hosentasche eine Beule entdecken, die von Größe und Form an eine Geldkatze erinnerte. Ein Windhauch schickte ihr zudem eine Wolke von atemberaubendem Pennergestank entgegen, der seinen Quell ebenfalls in dem Kleiderbündel hatte.