Kulisse - Details für das Leben an den Höfen

  • Hallo an alle historisch Interessierten,


    ich würde gern das Leben am Palazzo Ducale in Ledwick ein wenig mit mehr Farbe versehen. Mir gefiel die Anmerkung von Dave im Chat, der meinte, dass jeder, der keinen Wappenrock trägt, postwendend aus dem Palast in Beaufort herausgeschmissen wird, weil sich jeder vernünftig ausweisen soll. Solche Details finde ich für die Kulisse wichtig und würde gern ein paar markante zusammentragen, die man verwenden kann.


    Was mir beim Stöbern zum Thema Hofettikette gefiel war die Regelung am Palast der Queen, die ich für Ledwick übernehme. Die Hofgarde (Guardianos) darf mit den Gästen interagieren, nicht aber die Leibwache (Pretorianos). Die reden mit keinem, außer um ihn zu maßregeln.


    Beim Besuch von Maximilien de Souvagne in Ledwick hatte ich gegoogelt, wie man das jetzt mit den Flaggen handhabt. Begrüßt man den Gast mit seiner eigenen Flagge? Wenn ja, wo weht sie und tut man das immer oder nur für Staatsanlässe? Oder macht man sich damit zum Obst, weil man wie ein Arschkriecher rüberkommt? Da ich auf die Schnelle nur die EU-Flaggenregularien gefunden hatte und die absolut nicht für ein feudales Land als Inspirationsquelle taugen, hatte ich die Flaggen im Rollenspiel einfach weggelassen, was mich aber dann irgendwie auch traurig stimmte. Ich wollte da so gern Flaggen wehen lassen. Vielleicht weiß da jemand was oder hat einen guten Link.


    Im Endeffekt möchte ich aus dem Ganzen gern einen Beitrag für Ledwick basteln, aber sicher ist das auch für die anderen Feudalherren und ihre Schützlinge hier interessant. :)


    Viele Grüße

    Bax

    "Die Menschen bauen zu viele Brücken und zu wenige Mauern."

    - almanische Weisheit -

  • Fahne oder Flagge

    Fahne und Flagge sind Aussagen die durch Farbe und Form gemacht werden. In der Regel sind sie international anerkannte Symbole eines Landes, einer Sache oder einer Gruppierung.


    Unter Fahne versteht man ein Stück Tuch, das an einem Stock befestigt ist. Die Fahne wird getragen oder aufgestellt. Die Dir Flagge hingegen ist ein Stück Tuch, das an einer Leine an einem entsprechenden Mast gehisst wird.


    Das Flaggentuch kann ebenso an eine Wand geheftet werden.

    Während die Flagge also das Flaggentuch ersetzbares Verbrauchsmaterial ist, wird das Fahnenblatt nicht erneuert!

    Die Fahne wird in ihrer ursprünglichen Form so lange wie möglich erhalten, da sie in ihrer Gesamtheit ein Symbol ist.


    Eine Fahne kann z.B. auch geweiht werden. Der Fahnenstock kann eine Bekrönung in Form eines Adlers oder anderer Abzeichen tragen.


    Wen es interessiert:

    Die dem Mast zugewendete Seite der Fahne/Flagge wird "Liek" oder "Mastseite" genannt.

    Die gegenüberliegende Seite heißt Flugseite.

    Das mastseitige Obereck wird Gösch genannt.


    Das weltweit häufigste Fahnen- und Flaggen in Benutzung sind die Nationalflaggen.



    Generell gilt für die Beflaggung in Deutschland:

    Link:

    https://de.wikipedia.org/wiki/…chland#Beflaggungstermine



    Weiter gilt bei Staatsbesuchen:


    Staatsbesuch

    Beim Staatsbesuch eines Staatsoberhauptes wird - neben den besuchten Gebäuden - in Berlin auch die so genannte Protokollstrecke beflaggt.


    Hierbei wird am Flughafen selbst sowie an festgelegten Straßenzügen zwischen dem Flughafen und dem Berliner Stadtzentrum auf Veranlassung des Auswärtigen Amtes abwechselnd die Europaflagge, die Flagge des Gaststaats und die Bundesflagge gehisst.


    Link:

    https://www.protokoll-inland.d…ch/staatsbesuch-node.html



    Zum Thema Mittelalter


    Fahnen waren im Mittelalter ein fester Bestandteil von Festen und Turnieren. Sie gehörten besonders im Spätmittelalter zu großen Veranstaltungen.


    Entwicklung der Symbole

    Link:

    https://www.heraldik-wiki.de/wiki/Flagge


    Auszug:

    Ab dem späten 13. Jahrhundert waren Kreuzflaggen das beherrschende Motiv, welches die bis dahin überwiegende Darstellung von Heiligen ablöste. Diese frühen Flaggen waren keine Nationalflaggen im heutigen Sinne, sie wurden nicht an Land gebraucht und vertraten eher den Landesherren oder den Staat als dessen Bürger. Die in Stände gegliederte mittelalterliche Gesellschaft verwendete mehr Zunft- oder Kirchenfahnen, wobei es sich oftmals um kunstvoll, zum Teil mit applizierten Stickereien verzierte Einzelstücke handelte. In dieser Zeit entstand der Dannebrog, der als eine der ältesten kontinuierlich genutzten Flagge gilt.


    Während im 14. Jahrhundert einfache Motive die heraldischen Fahnen beherrschten, verbreiteten sich im 15. und 16. Jahrhundert vor allem bei Militärfahnen parallel Abbildungen mit komplizierten, zum Teil allegorischen Szenen. Beliebt waren auch Wappendarstellungen auf weißem Tuch. Da dieses für die praktische Erkennung ungeeignet ist, ergab sich im 17. Jahrhundert eine klare Trennung in zwei Flaggentypen: eine einfache Flagge und eine mit komplizierter Wappendarstellung. Diese Aufspaltung hat heute noch Gültigkeit und kann in diversen National- und Dienstflaggen beobachtet werden.




    Man könnte es also altes und neues Vorgehen mischen. :)

    Da die Flagge Souvagnes das Zeichen der Familie Souvagne ist, samt deren Herrschaftsbereich würde ich als Tazio die Beflaggung abwechselnd gestalten. Meine Flagge und die des Staatsgastes :) Das zeigt Verbundenheit und Ehrerbietung :)

    Als Anbiederung würde ich es nicht sehen :)

  • Danke für die ausführliche Abhandlung! :) Insbesondere der Unterschied zwischen Fahne und Flagge war mir in der Form noch gar nicht bewusst, ich dachte immer, das wären Synonyme.


    Merkzettel


    Damals zeigen die Flaggen mehr Familie als eigentliches Land an. Die ledwicker Flagge weht auf dem Dach aller staatlichen Institutionen dauerhaft:

    • Palazzo Ducale,
    • Biblioteca Nazionale,
    • Schulen und Universitäten
    • Magierakademien
    • militärischen Einrichtungen wie Militärakademien
    • Kriegshafen
    • an allen Schiffen
    • Wachen der Büttel (ledwicker Name noch ausdenken)
    • Feuerwehr
    • Soziale Einrichtungen, sofern sie keinem Tempel unterstehen: Krankenhäuser, Armenhäuser u. ä.
    • ...

    Am Herrensitz eines jeden Lehnsherren weht dessen eigene Flagge. Auch an dessen Kutsche usw.


    Das mit den Wappenröcken, gilt das nur für die Edelleute oder auch für die Gemeinen? Müssen sie sich auch mit einem Wappen irgendwo ausweisen, um anzuzeigen, zu welchem Lehnsherren sie gehören

    "Die Menschen bauen zu viele Brücken und zu wenige Mauern."

    - almanische Weisheit -

  • Huhu,


    man hat seinerzeit eigentlich drei Formen des Waffen-/bzw. Wappenrocks unterschieden, wobei die Worte heute oft synonym verwendet werden.



    Wappenrock =

    Ein besonderer Waffenrock, der mit dem Wappen des Trägers geschmückt ist, also mit seinem heraldischen Symbol und anzeigt zu welchem Hause er hört.



    Waffenrock =

    Der über der ritterlichen Rüstung zum Schutz gegen Feuchtigkeit und Sonnenstrahlen getragene, in der Hüfte gegürtete, ärmellose Rock der bis zu den Knien reichte, manchmal auch länger war. Also ein aus Tuch hergestelltes Kriegsgewand, das über der Rüstung getragen wird.



    Waffenkleid =

    Alle Waffen und Rüstungs­teile, die komplette Rüstung samt Ausrüstung an sich die der Ritter getragen hat vor allem im Krieg, im Kampf oder auch im Tunier.



    Die Historie zum Waffen- und Wappenrock

    Die Waffenröcke die zuerst rund um die ersten Kreuzzüge aufkamen, trugen noch kein Wappen . Sie dienten dazu, den Träger der Rüstung vor zu großer Sonneneinstahlung zu schützen.


    13. Jahrhundert

    In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts kamen Helme mit Barbiere, später Topfhelme auf. So konnte man seine Mitstreiter oder generell den anderen nicht mehr erkennen. Den anderen aber eindeutig identifizieren zu können war aber wichtig bis lebensnotwendig. Zudem beruhte auch das Lehnswesen auf persönlichen Abhängigkeiten. Das bedeutet, dass kein Soldat jeden Ritter in seinem Heer kennen konnte, aber man wusste doch, wen man Heerfolge zu leisten hatte. Zur Erleichterung die eigenen Leute erkennen zu können, wurde ein Erkennungszeichen auf den Schild gemalt. Das heißt, ab diesem Zeitpunkt wurde ein bestimmtes Motiv auf das Schild gezeichnet, dass einer bestimmten Person zugeordnet werden konnte. Genau diese Vorgehensweise übernahm man auch für den Waffenrock. Ein bestimmtes/festgelegtes Bild wurde auf den Waffenrock angebracht, der dadurch zum Wappenrock wurde. Ebenso wurde auch der Überwurf der Pferde mit dem Zeichen/Motiv/Wappen versehen. Wir sind immer noch im 13. Jahrhundert. Das Fußvolk spielt auf den Schlachtfeldern wenn überhaupt eine untergeordnete Rolle. Meist war bis dato kein Fußvolk anwesend. Serganten, Knappen verteilt im Verhältnis drei zu eins zu den Rittern fand man auf den Schlachtfeldern vor. Beritten waren alle, Schilde trugen alle, Wappenröcke trugen alle - die Untertanen mit den Wappen/Zeichen/Motiven ihrer Herrn. Die Herrn unterschieden sich durch den Überwurf ihrer Pferde. Nur ein Ritter hatte das Anrecht auf ein bedecktes Pferd.



    14. Jahrhundert

    Ab dem 14. Jahrhundert veränderten sich die Heere und zwar dahingehend, wie wir sie heute aus Ritterfilmen kennen. Die Heere wandelten sich und bestanden nun zu einem hohen Anteil aus Fußtruppen. Selbstverständlich müssen auch Fußtruppen gekennzeichnet werden. Eine gleichfarbige Schärpe, Aufnäher, gleichfarbige Kapuzen (Gugel), gleichfarbige Wappenröcke etc. reichten dafür aus. Jene Wappenröcke hatten aber mit denen aus dem 13. Jahrhundert nicht mehr viel gemein. Der Mode entsprechend wurde auch der Wappenrock so kurz, dass er keinen Reitschlitz mehr benötigte. Die Länge war nun bis knapp unter den Gürtel bemessen. Zudem wurde der Wappenrock oft seitlich geschnürt, was ebenfalls der zeitlichen Mode geschuldet war. Die Überwürfe des Fußvolks waren seitlich offen und wurden nur mit dem Gürtel zusammengehalten. Einen Wappenrock wurde nur zur Rüstung getragen, es handelt sich um ein militärisches und kein ziviles Kleidungsstück.


    Das dazu, ich hoffe die Erläuterung konnte Dir weiterhelfen :)