Kapitel 20 - Der Meuchler zur falschen Zeit im falschen Land

  • Der Meuchler zur falschen Zeit im falschen Land


    Dave wälzte sich im Bett des Gasthauses auf die Seite und prallte gegen Vanja. Müde musterte er seinen Mann und rüttelte so lange an ihm, bis Vanja ebenfalls wach wurde.


    "Schön dass Du schon wach bist", gähnte Dave und deutete auf das Chaos, dass sie während ihres Aufenthalts in ihrer Stube hinterlassen hatten.

    "Über Nacht habe ich eine Botschaft von den Himmelsaugen erhalten, Dein Bruder befindet sich nicht länger in Ehveros. Er ist nach Ledwick gereist. Die Information die der Duca de Ledvico erbost über Vendelin äußerte war....


    Er weilt momentan in einem Gasthaus gar nicht weit von hier. Er hat vor knapp vier Wochen die Gästewohnung in der Villa Vecchia bezogen. Das blieb nicht unbemerkt und ich bin noch nicht sicher, was ich mit dieser Information anfangen soll. Ich schwanke dazwischen, zu beobachten, was er tut und ihn aus seiner Gästewohnung zerren und zurück nach Ehveros peitschen zu lassen...


    Bevor er ihn tatsächlich nach Ehveros peitschen lässt, sollten wir zu Vendelin aufbrechen. Ich frage mich, was diese Verzögerung soll. Was treibt ihn dazu, Felipe derart zu verschonen. Natürlich wirft sein Verhalten bei mir nicht nur Fragen auf, sondern auch Antworten. Hochverrat ist eine davon, er versucht Felipe am Leben zu erhalten, nur zu welchem Preis? Oder noch besser gefragt, welchen Preis hat Vendelin dafür eingestrichen?


    Pack Deine Sachen zusammen und lass uns aufbrechen Vanja, Dein Bruder scheint so rastlos zu sein, wie eine Wanderheuschrecke. Wer weiß, wohin es ihn sonst verschlägt", bat Dave, krabbelte aus dem Bett und machte sich fertig, dabei warf er ab und an einen Blick auf Vanja und grinste ihn an.





  • Trotz der frühen Stunde war der falsche Priester längst wach, den Blick auf die dunklen Balken der krummen Zimmerdecke gerichtet. Die verstaubten Spinnweben boten ein Bild, das ihn zu unterhalten wusste, bis der Mann an seiner Seite erwachte. Vanja hatte seinen Schlaf nicht stören wollen, noch weniger den Frieden, der zwischen ihnen war, während sie im Gleichtakt atmeten. Eine Meditationstechnik, die ihn die wahren Priester von Zeit und Raum einst gelehrt hatten. Mit dem Erwachen von Davard verging der Zauber.


    "Oh, Vendelin", seufte Vanja und blickte mit ineinander verschränkten Fingern hinauf, als würde er Ainuwar anflehen, seinem Halbbruder Verstand zu schenken. "Einmal mehr benötigst du den Rat seines kleinen Bruders, um dein unvernünftiges Haupt vom Block zu ziehen. Die Anwesenheit eines Hohenfelde zur gleichen Zeit wird hoffentlich dazu beitragen, dich Sturkopf von der Richtigkeit deines Auftrags zu überzeugen."


    Vanja reinigte sich an der Waschschüssel, verzichtete auf die Rasur, trank ein Glas Wasser und rollte sein Bündel zusammen, um es an dem Stab zu befestigen, den ein Reisender im Gasthof vergessen hatte und der nun einen neuen Besitzer in dem falschen Priester gefunden hatte.


    "Du wirst ihn doch im Falle des Falles nicht am heutigen Tage standesrechtlich exekutieren?", fragte er scheinbar beiläufig, während er den Knoten festzurrte. "Brechen wir auf."

  • "Nicht vor meinem ersten Kaffee, das steht fest", antwortete Dave und küsste Vanja auf den Nacken, als er seinem Mann folgte. Unten in der Gaststube angekommen bezahlte er die noch offene Rechnung, da sie einige Tage länger geblieben waren, als zu Anfang beabsichtigt.


    Dave schlenderte um das Haus herum, holte sein Drachenhuhn ab und reichte Vanja die Hand um ihm beim Aufsteigen zu helfen.


    `Dein Bruder ist vermutlich Spezialist was Fettnäpfe angeht oder so richtig große Haufen. Scheinbar ist er jetzt mit Anlauf und beiden Beinen zeitgleich hineingesprungen. Felipe hätte schon längst umziehen sollen, hat mir mein Kontakt mitgeteilt. Aber ehe Vendelin aus dem Knick kommt, hat Ainuwar den Job schon erledigt. Ich meine, im Grunde könnte uns das sogar Recht sein. Aber Ainuwar hält sich nicht an Termine und Felipe ist ein Fall für sich.


    Ist eigentlich jemals herausgefunden worden, woran Ricarda verstorben ist?

    Alles sah nach einem gut durchgeführten Giftmord aus. Vielleicht steckte auch eine magische Vergiftung dahinter, so etwas wie Artefaktmagie nur nicht schützend, sondern vernichtend. Man sagte ja, dass Ricarda nicht in der Lage war zu regieren und Ihr Vater sich sehr grämte. Naja das er selbst die Reißleine zog, glaube ich ehr weniger. Aber vielleicht jemand, der es leid war.. Jemand der nicht mehr mit ansehen konnte, wie die alte Marionette dahinsiecht, während die neue sich ständig in den eigenen Fäden verhedderte... soll vorkommen.


    Halt Dich fest Vanja, nicht dass Du mir in den bodenlosen Abgrund stürzt. Spaß. Geht es Dir gut, alles in Ordnung mit Dir? Oder bist Du wegen Deinem Bruder besorgt? Ich halte mein Wort und steche ihm keine zusätzlichen Löcher, jedenfalls nicht während unseres Gesprächs und auch nicht heute.


    Wir versuchen erstmal herauszufinden, was die Verzögerung verursacht. Sollte eine logische Erklärung zu Grunde liegen, treiben wir ihn zur Eile an und beseitigen das Problem. Sollte er keine Erklärung haben, dann müssen wir deutlicher werden. Es geht nicht anders´, übermittelte Dave und ließ dass Drachenhuhn abheben.


    Mit einem gewaltigen Satz sprang das Tier in die Luft, schlug hart mit den Flügeln und flog Richtung Ledwick davon.

  • Vanja hielt einen Arm um Davard geschlungen, während sie durch die Luft rauschten und der Wind an ihren Kleidern riss. Mit dem anderen umklammerte er seinen Pilgerstab samt Bündel.


    "Fettnäpfchen würde ich es nicht nennen, eher Sumpflöcher gefüllt mit Talg, in denen er in regelmäßigen Abständen zu versinken pflegt. Nicht, dass Vendelin das nicht selbst bewusst wäre. Er spielt oft auf Risiko, vielleicht benötigt er den Rausch der Gefahr? Trotzend dem Schicksal, das Ainuwar ihm bestimmte, dem Gotte den Mittelfinger zeigend, ohne zu ahnen, dass er sein Schicksal doch nicht zu ändern vermag?"


    Vanja blinzelte eine Träne weg, die sich vom scharfen Wind gebildet hatte, aber gerade hervorragend zu seiner Litanei passte. Leider sah sie gerade niemand.


    "Und was das werte Fräulein von Ehveros betrifft .... sie verstarb an einer Geschlechtskrankheit, die sie sich bei einem ihrer Umtriebe zugezogen hat. Aber das ist geheim."

  • Dave streichelte Vanjas Hand.


    `Große Brüder, große Sorgen, so könnte man es umschreiben. Wobei mein Bruder mir selten Sorgen bereitete. Er hat stets versucht mir beizustehen, obwohl es ihm selbst kaum besser ging. Bis auf seine Aussetzer und Ausraster ist Ansgar eigentlich ein anständiger Kerl. Manchmal zu anständig und oft zu konsequent. Er hat sich mit seiner Frau verstritten, wegen einer Information die ich damals Linhard zukommen ließ.


    Kurzum ich habe Linhard gewarnt, da seine Mutter Fingard ihn nicht tot sehen wollte. Und ich wollte ihn ebensowenig nach dem Familienstreit tot sehen. Der Streit lief folgendermaßen. Brandur erschien zu meiner Hochzeit und das obwohl er offiziell tot sein sollte. Ansgar war darüber erbost, vor allem da Brandur somit eigentlich Familienoberhaupt wäre. Es kam zu einem Streit, mitten auf meiner Hochzeit. Das hätte mir schon Warnung genug sein sollen.


    Brandur beschwor Dunwin als Geist, meinen Vater.


    Leider habe ich das nicht sonderlich gut vertragen. Linhard bezog, warum auch immer, für Brandur Stellung. Ansgar schickte Anwolf und seine Frau fort, da beiden nichts geschehen sollte. Marcella mein Lehrling begleitete Anwolf. So hieß es dann auf meiner Hochzeit, Ansgar, ich und Varmikan gegen Brandur, Linhard und Dunwin.


    Einige der Gäste wie Wolfram von Wigberg versuchten zu vermitteln.

    Massimo de la Cantillion schlug sich später auf Ansgars Seite.


    Letztendlich flohen Brandur, Lin und Dunwin. Es kam zu einer offenen Fehde, wo jede Seite möglichst mächtige Verbündete sammelte. Ansgar wollte Linhard töten, hatte ich sogar verstoßen. Fingard bat mich Linhard eine Warnung zukommen zu lassen, was ich auch tat. Daraufhin trennte sich Ansgar von ihr und sprach nie wieder mit ihr ein Wort.


    Ich weiß nicht was aus Fingard geworden ist, das Letzte was ich hörte war, dass sie mit einem Kapitän auf hoher See unterwegs wäre. Anwolf bezichtigte Linhard daraufhin die Familie zerstört zu haben. Nun nach langem Hin und Her kam es letztendlich zu einer Aussprache und zu dem Familienfrieden den Du heute kennst. Samt dem Umzug nach Souvagne.


    An welcher Krankheit starb Ricarda denn und wie wurde sie infiziert?

    Nun durch Sex, dass ist mir klar, aber was hat sie genau getan?

    Oder wurde ihr etwas angetan?


    Vor schlimmen Krankheiten wurde ich verschont, bis auf die Pocken, die mir Alastair bewusst zufügte. Das andere waren meist Entzündungen, oder Verletzungen. Jedenfalls keine lebensbedrohlichen Krankheiten. Nur seltsamerweise hat im Tempel auch niemand gefragt, wie ein Kind an Verletzungen im Geschlechtsbereich kommt.


    Die Spatzen pfiffen wohl von den Dächern, dass Ricarda sehr gerne im Wald war. Falls sie sich nicht auf einen Ast pfählte, hatte sie dort vielleicht ihre Liebeshöhle´, übermittelte Dave auf magischem Weg und hielt nach dem besagten Gasthaus von Vendelin Ausschau.

  • "Ricarda starb am harten Schanker." Vanjas sonst so selbstironischer Ton war nun gänzlich ernst. "Im Endstadium geht diese Kranheit einher mit zunehmendem Abbau der intellektuellen Fähigkeiten und einer Steigerung der Libido. Beides Dinge, die bei der jungen Frau auch von Außenstehenden bemerkt werden konnten. Als sie die Geschwüre an den Hautpartien wie Gesicht und Hände auch durch Kosmetik nicht länger verbergen konnte, zog sie sich zurück. Man sagt, ihre letzten Worte gegenüber ihren Mitmenschen seien aggressiv und sehr vulgär gewesen, einer Prinzessin nicht würdig, so dass ihr Vater sie in einem Krankenzimmer einschloss und nur noch das Krankenpersonal zu ihr durfte, bis sie schließlich bettlägerig in geistiger Umnachtung starb."


    Bei dem Gedanken, dass dies auch Davard hätte passieren können, drehte Vanja sich der Magen um.


    "Dass die Priester schwiegen, hat einen Grund. Gar nicht wenige der Tempel unserer Priesterschaft hängen direkt mit dem Ring der Menschenfresser zusammen. Sie erkannten sehr wohl, was dich quälte und wer, nehme ich an. Nur sahen sie keinen Anlass dazu, etwas anderes als Schadensbegrenzung zu betreiben."


    Die Villa Vecchia war unter ihnen in Sicht, direkt am Canale Grande. Vier rot-weiß bemalte Poller zum Anbinden von Gondeln flankierten den kleinen Steg, der den eingang bildete.


    Villa Vecchia


    Auf dem Säulenbalkon stand - Vendelin. Als er den Cockatrice sah, von dem aus ihm sein Bruder zuwinkte, tippte er zum Gruß an seinen Samthut.

  • `Man kann sich nicht nur bei freiwilligem Sex infizieren Vanja, dass ist das Problem. Zu der Erläuterung was die Tempel angeht, weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Dass es die Beißer auch bis dahin geschafft haben? Andere hingegen sagen, dass es in solchen geschlossenen Kreisen beginnt oder häufiger vorkommt.


    Die Krankheit verursacht Wahnsinn und endet mit dem Tod. Die Schädel von den erkrankten Toten sind übersäht mit kleinen Löchern, als wären sie zerfressen worden. Der Archi-Duc Dreux Gifford de Souvagne kann dem Schicksal auf Knien danken, dass Ricarda an ihm Null Interesse gezeigt hat. Sie hätte ihn möglicherweise noch infiziert und mit in den Tod gerissen. Das hätte er nicht verdient. Dreux ist ein guter Archi-Duc und ein Befehlshaber für den ich gerne arbeite.


    Bezogen auf uns hätte ich Dir jetzt geantwortet... es ist vorbei, wir haben es überlebt...

    Allerdings speise ich Dich nicht mit so einer Floskel ab, dafür bedeutest Du mir zuviel Vanja.


    Denn ist das wirklich so?

    Manchmal denke ich, irgendwo zwischen damals und heute ging ich Stück für Stück verloren.

    Archibald raubte Stücke von mir.


    Oft frage ich mich, kann es überhaupt vorbei sein, solange es die Beißer und allen voran Archibald noch leben?

    Das beinhaltet die nächste Frage, ist es vorbei sobald sie fort sind?

    Heilt Rache alle geschlagenen Wunden?

    Ich weiß es nicht Vanja.


    Aber vielleicht erfahre ich es eines Tages, dann bist Du der Erste der es von mir erfährt.

    Du weißt, dass ich das rein als Antwort meine und nicht als selbstmitleidiges Geflenne. Ich möchte damit kein Mitleid heischen, oder Trost erbetteln. Ich wollte Dir schlichtweg ehrlich antworten und Dich an meinen Gedanken teilhaben lassen.


    Zu etwas weniger schwerer Kost, da steht Dein Bruder und sieht völlig tiefenentspannt aus. Der Mann hat Nerven´, übermittelte Dave und ließ das Drachenhuhn landen, auch wenn es nicht sonderlich viel Platz hatte.


    Er ließ sich von dem großen Tier rutschen, half Vanja herunter und betrat das Haus um Vendelin auf dem Balkon abzufangen. Er klopfte an die entsprechende Zimmertür und wartete ab. Sie waren schließlich zu Besuch hier und kein Überfallkommando. Eindeutig daran zu erkennen, dass es Tag war. Dave schmunzelte Vanja an und strich ihm über die Wange.

  • Vanja hob sein Kinn, als Davard ihn streichelte, und die Haut in seinem Gesicht wurde dadurch gestrafft.


    "Mein Lieber, ich bin Priester, nur ein falscher zwar, aber für dich will ich ein rechter Mann des Ainuwar sein. Wenn Worte Flügel haben und sie durch die Luft zu anderen Menschen fliegen können, so bedeutet das auch, dass uns ein Stück von uns mit jedem Wort verlässt. So wird einem leichter ums Herz. Sprich mit mir, Dave, wenn etwas auf deiner Seele drückt und du wirst dich besser fühlen, auch wenn ich keinen Ton antworten sollte. Oder was meinst du, warum so viele ihr Gewissen 'erleichtern' bei der Beichte? Warum so viele mit 'schwerem' Schicksal das Zwiegespräch mit Ainuwar suchen und betend zu ihm sprechen? Warum böse Worte uns 'belasten'? Worte haben Gewicht, Davard. Das ist das ganze Geheimnis."


    Die Tür wurde ihnen geöffnet und Vendelin begrüßte sie in einer bequemen Pluderhose samt langärmligem Pullover, den eine breite Schärpe um die Hüfte in Form hielt. Der souvagnische Samthut passte so wenig zu dieser Tracht wie die dicken Hüttenschuhe, die seine Füße wärmten. Auf einen herzlichen Handschlag folgte für Vanja ein Kuss auf den Mund, ehe Vendelin sich seinem anderen Gast zuwandte, den er schweigend, aber nicht unfreundlich musterte.

  • Dave musterte Vendelin ebenso zurück und betrachtete ihn dabei von oben bis unten, als müsste er ein Täterprofil zeichnen. Er schaute allerdings freundlich und schmunzelte Vendelin an.


    "Hallo Vendelin, dürfen wir eintreten? Wir möchten mit Dir reden. Privat", sagte Dave und strich Vanja über den Rücken.


    `Das hast Du sehr schön beschrieben Vanja und Du hast absolut Recht damit. Ich habe Dir schon mehr offenbart, als anderen jemals anvertraut habe. Allerdings gibt es eine einzige Ausnahme, Urako aka Puschel. Wir waren Brüder im Leid, Brüder im Geiste und ich offenbarte mich ihm. Das hätte ich nicht tun sollen, wie ich heute weiß.


    Wir beide haben uns gegenseitig bewaffnet Vanja. Jemandem solch ein Wissen an die Hand zu geben, ist gleichzusetzen mit dem, dass Du ihm einen Dolch aushändigst. Er kann Dich damit verteidigen, oder abschlachten. Urako schlägt in seiner Wut blind um sich. Und er wertet jeden Blick als einen Betrug. Das ist das Fatale und so haben wir uns gegenseitig mehr verletzt, als beigestanden. Trotz all unserer Gefühle, die wir füreinander hatten. Möglicherweise gerade deshalb.


    Schauen kannst Du so lange Du möchtest Vanja, solange Du mit keinem Mann ins Bett steigst. Und solltest Du doch einmal schwach werden und mit einem anderen ins Bett gestiegen sein, sag es mir. Muss ich es selbst herausfinden, wird es erst dadurch zum Betrug, denn Du hast mich hintergangen.


    Bist Du ehrlich zu mir, werde ich Dir diese Art von Indiskrektion verzeihen. Ich bin nicht derart kleinlich, dass ich für eine Nummer unsere ganze Beziehung wegwerfe. Nur eines sage ich Dir vorab, da wir gerade beim Thema sind, trenne Dich niemals aus Spaß oder um mir zu drohen. Das werte ich als persönlichen Angriff und dann ist es tatsächlich vorbei Vanja. Das ist etwas, womit ich überhaupt nicht klar komme. Du kannst Dir sonst was leisten, Du kannst mir sogar erzählen, dass Du jemanden gemeuchelt hast. Alles kein Problem, ich stehe Dir bei, ich helfe Dir.


    Aber verlässt Du mich, ist das für immer. Also keine Machtspielchen dieser Art. Ich möchte mit absoluter Gewissheit wissen, dass Du mein Mann bist. Fehler macht jeder, die verzeihe ich, aber sei loyal. Ich bin Dir loyal Vanja. Gleich was geschieht, ich bin an Deiner Seite, ich passe auf Dich auf, ich stehe Dir bei und auch ich höre Dir zu. Gleich was immer Du mir anvertrauen magst, ich bin für Dich da. Das Wichtigste zum Schluss, ich liebe Dich Vanja´, erklärte Dave via Magie.


    Dave spähte an Vendelin vorbei und versuchte in den Raum zu schauen.


    "Hast Du schon gefrühstückt, oder lädst Du uns auf einen Kaffee ein?", fragte er Vendelin schmunzelnd.

  • "Ich gedachte, außerhalb zu essen, aber wo ihr schon einmal hier seid, tretet doch ein." Vendelin gab den Weg frei, so dass sie an ihm vorbei in das Wohnzimmer treten konnten:


    Nobles Wohnzimmer in der Villa Vecchia


    Der Raum wurde dominiert von moosgrünen Polstern und rötlichem Holz. Die braune Mustertapete und die Holzvertäfelung an der Decke sorgten für einen geschlossenen, warmen Eindruck. Um einen flachen Tisch waren vier dick gepolsterte Stühle arrangiert. Vendelin räumte mehrere Bücher beiseite und schaffte eine kalte Platte mit Fischhappen und kleinen Schälchen mit unterschiedlichen Soßen herbei.


    "Tee? Kaffee?", erkundigte er sich, während Vanja sich auf einem der Stühle niederließ und dabei ob dessen Bequemheit genüsslich stöhnte.


    "Ich nehme an, mein werter Bruder hat dich bereits über meine Identität in Kenntnis gesetzt, Davard. Außer meiner Familie gibt es niemanden, der mich Vendelin nennt. Bist du gekommen, um dich mir als mein Schwager vorzustellen, oder hat es etwas damit zu tun, dass du auf mich angesetzt wurdest?"


    Während dieser Frage klimperte Vendelin auf der Kommode mit dem Kaffeeservice herum.

  • 'Hörst du mir zu?', erkundigte Vanja sich gedanklich bei Davard.


    'Geistmagie ist eine unwahrscheinlich praktische Fähigkeit. Gespräche, ohne den Mund zu bewegen, sind etwas Wunderbares. Ich liebe dich auch, Davard. Was immer dich dazu brachte, das Verlassenwerden dermaßen zu fürchten - ich trage nichts davon in mir. In Machtspielchen bin ich gar nicht gut. Sie liegen mir nicht und ich habe an ihnen keine Freude. Dafür ist mein großer Bruder der bessere Ansprechpartner.


    Aber warum sprichst du in den ersten Wochen unserer jungen Beziehung davon, dass ich mit jemand anderem intim werden könnte? Ich bin ein einfacher, schrecklich langweiliger und verschrobener alter Mann. Mich wünschte bislang niemand an seiner Seite und das wird sich mit fortschreitendem Alter nicht zum Besseren wenden. Oder wünschst du dir selbst die Freiheit, es zu tun, wenn du nur ehrlich zu mir bist?'

  • Dave schob sich an Vendelin vorbei und setzte sich ebenfalls auf einen der gemütlichen Stühle. Die grünen Ohrensessel hatten es ihm gleich angetan und erinnerten ihn an die gute alte Zeit der Geister in Shohiro, wo er abends im Wohnzimmer gesessen und gelesen hatte. Lange war es her. Dave ließ sich in den Sessel sinken und faltete die Hände über dem Bauch.


    "Wäre ich hier um Dich zu töten Vendelin, hättest Du mich nicht gesehen. Ich bin als Schwager hier und als Schwager werde ich Dich auch an Deinen Auftrag erinnern. Damit ich keinen anderen Auftrag erledigen muss. Kaffee für mich bitte. Mein Mann hat mich über Dich aufgeklärt und es gebietet die Höflichkeit, jemanden mit korrekten Namen anzusprechen. Ich bin nicht Dein Feind Vendelin und ich hoffe das bleibt so.


    Um gleich zur Erinnerung zu kommen, was machst Du in Ledwick und weshalb hast Du Felipe noch nicht beim Umzug geholfen? Sehr viele Personen verlassen sich auf Dich und Deine Fähigkeiten, ich hoffe das ist Dir bewusst", sagte Dave und nahm sich von den kleinen Fischleckerbissen eines und biss davon ab.


    `Ich höre Dir die ganze Zeit zu Vanja, wir sind gedanklich verbunden. Also höre ich nicht nur was Du denkst, ich spüre auch was Du dabei empfindest. Jedenfalls teilweise, Gefühle liegen selten offen wie ein Buch vor einem. Ich war immer einsam Vanja. War ich nur allein, geschah mir nichts. War ich mit meiner Familie zusammen, mit meinem Vater und dessen Spießgesellen, dann war ich einsam in einer großen Gruppe und ich war in Gefahr.


    Frauen die ich kennenlernte sahen nicht mich, sie sahen meinen Titel und mein Geld. An mir hatten sie kein Interesse. Und das Spielchen sich scheinbar zu trennen um seinen Willen durchzusetzen ist uralt und genauso schmerzhaft. Wer also zum Spaß geht, macht bei mir ernst.


    Ich möchte wissen, das Du zu mir gehörst, das gleich was da draußen in der Welt passiert, einer für mich da ist der mir beisteht. Einer dem ich wichtig bin, der auf meine Fähigkeiten, auf mein Geld und meinen Titel scheißt. Jemand dem Dave wichtig ist, jemanden zu dem ich ins Bett kriechen und mich ausheulen kann, ohne das er sich über mich lustig macht. Oder mir nur zuhört, weil er sich davon etwas verspricht.


    Ich suche einen Seelenverwandten, jemand der mein Partner ist und mein Freund. Jemand der mir treu ist, vom Herzen her verstehst Du? Deshalb würde ich Dir auch manchen Schnitzer verzeihen, wäre er nur körperlich. Alles andere wäre ein Dolch ins Herz.


    Ich unterstelle Dir nichts und ich nehme mir nichts heraus. Wir reden nur Vanja und ich möchte nicht, dass dieses Thema in einem Streit auf den Tisch kommt. Wo Du vielleicht einfach aus Wut diese Karte gezogen hättest und Dich vielleicht sogar versöhnen wollen würdest.


    Wir reden offen über alles, ob Dich einer will Vanja oder nicht, interessiert mich nicht. Ich will Dich und ich will Dich behalten. Darum geht es mir. Ich habe kein Interesse daran mit einem anderen Kerl ins Bett zu steigen und erlaubte es Dir deshalb pro Forma vorab.


    Allerdings habe ich es schon in Deinem Beisein getan, aus taktischen, mörderischen Gründe. Das war kein Sex, sondern eine Lüge um Tekuro dahin zu bekommen, wohin ich ihn haben wollte. Mit Gefühl hatte das nichts zu tun, wenn eines dabei war, war es Hass.


    Wir können alles in Ruhe klären, aber verlass mich nicht. Das wollte ich Dir damit sagen.

    Du bist nicht langweilig Vanja, ich bin glücklich mit Dir und ich fühle mich wohl bei Dir. Und ich gebe mein Bestes, dass es Dir genauso geht. Das ist mein Wunsch.


    Ich hoffe Dein Bruder weiß seine Chance zu nutzen. Gleich wie er sonst von einem Fettnapf in den nächsten tritt, Geschmack was Quartiere und Möbel angeht hat er´, antwortete Dave und stupste Vanja mental an.

  • Ihm entging nicht der Blick, den sein jüngerer Bruder Davard soeben zuwarf. Vendelin konnte Vanja gut genug lesen, um seine Körpersprache zu deuten, das war nicht schwer bei jemandem, mit dem man so viel Zeit seines Lebens verbracht hatte. Vanja gehörte zudem nicht zu den großen Schauspielern ihrer Familie, vielleicht auch darum, weil Vendelin selbst noch ein halbes Kind war, als er versucht hatte, seinen kleinen Bruder zu erziehen. Vendelin schenkte Davard den gewünschten Kaffee ein, danach sich selbst und stellte die Kanne wieder auf dem flachen Tisch ab. Er verschränkte die Finger vor dem Bauch, während er sich in dem grünen Ohrensessel zurücklehnte.


    "Wie ich an Vanjas Hundeblicken sehe, seid ihr eine Verbindung eingegangen, die nicht auf Kalkül beruht oder sollte ich besser sagen, nicht allein darauf? Zumindest hoffe ich doch, dass mehr dahintersteckt als eine emotionale Schwärmerei, falls ihr wirklich heiraten wollt. Was den Anlass eures Besuches betrifft, so bin ich erstaunt und auch ein wenig enttäuscht, dass mir die Krone so wenig Vertrauen entgegenbringt. Meint seine Majestät, ich hätte nur diese beiden Hände und diese beiden Augen und Ohren? Ich kann meinen Pflichten auch nachkommen, ohne vor Ort zu sein. Das kann die Krone ja schließlich auch. In der Zwischenzeit mache ich Urlaub."

  • Daves Schmunzeln wurde zu einem Grinsen.


    "Lieber Schwager in Spee, Vanja und mich verbindet mehr als Kalkül jemals könnte. Und aus dem Alter der Schwärmerei sind wir längst heraus. Was spräche Eurer Meinung nach gegen eine Hochzeit? Ich wüsste nichts.


    Unser Besuch beruht auf dem Wunsch Deines Bruders. Nur deshalb bin ich hier. Weder Du Vendelin noch ich sind in der Position um für die Krone sprechen zu können. Allerdings sind mir die Eckdaten Deines Auftrages bekannt. Das Du einen Auftrag ohne persönliche Anwesenheit erledigen kannst, traue ich Dir zu. Aber darum geht es nicht, niemanden interessiert, was Du kannst oder was ich Dir zutraue Vendelin.


    Dein jetziger Auftrag ist Deine Chance Deinen Namen reinzuwaschen.

    Dein Auftrag besagt, dass Du persönlich für den Umzug von Felipe zu sorgen hast.

    Du Vendelin, kein Gehilfe, kein Dritter, niemand.


    Und deshalb bin ich hier um zu hinterfragen, was Du hier machst. Urlaub, war Deine Antwort. Dieser sei Dir von Herzen gegönnt, nachdem Felipe umgezogen ist. Bedenke der Mann ist alt und das Packen fällt ihm schwer. Er benötigt Deine helfende Hand.


    Also woran genau hapert es Vendelin? Und bitte keine derartigen Ausflüchte innerhalb der Familie. Du bist ein Meister Deines Fachs, dass ist mir bewusst. Ich allerdings ebenso, ich höre", sagte Dave freundlich und und nickte Richtung Kaffeetasse.


    "Der Gastgeber trinkt zuerst", lächelte er.

  • Vendelin verzog betont mitleidig das Gesicht, griff nach Davards Tasse, trank sie aus und stellte ihm dafür seine eigene vor die Nase. "Bitte, Davard, du bist hier nicht bei einem Hohenfelde zu Gast und ich würde nicht riskieren, meinen eigenen Bruder zu vergiften, den ich so mühsam durchgebracht habe. Ich habe rein gar nichts gegen eine Verbindung von euch beiden, ich frage mich eher, was denn dafür spricht. Irgendeinen Grund muss es doch geben außer Liebe, wenn ihr aus besagtem Alter heraus seid."


    Er schenkte sich in Davards Tasse neuen Kaffee ein, während Vanja sich bei den Fischhappen bediente.


    "Mein Auftrag hapert an überhaupt nichts, er ist in Arbeit und ein fester Termin für den Umzug des Mannes in astrale Gefilde wurde gesetzt. Nun heißt es zu warten und ich genieße bis dahin das Lichtfest hier in Ledwick."

  • Dave neigte leicht den Kopf, als Zeichen der Anerkennung für Vendelins Geste. Das er bereits ein Gegengift eingenommen haben konnte und so mancher Hohenfelde jeden aus der Familie opfern würde, verschwieg Dave. Dies war nicht die Zeit für solche Familiendiskussionen. Vendelin meinte es ehrlich, jedenfalls so ehrlich wie der Mann der Tausend Masken mit Namen Vendelin sein konnte.


    "Liebe an sich ist ausreichend genug Vendelin. Uns verbindet jedoch mehr als Liebe, Verständnis, Vertrauen, Nähe und dies geht von meiner Seite aus. Ich beziehe mich rein auf mich, da ich Dir damit aufzeigen möchte, dass von mir keinerlei Gefahr für Deinen Bruder ausgeht.


    Unsere Verbindung begann ganz anders, als meine üblichen Verbindungen. Sie wird getragen durch Liebe, Freundschaft und Respekt. Derartiges hat mir weder meine Familie, noch mein Ex-Ehemann entgegen gebracht. Folglich ließ ich mich scheiden, genauer gesagt wurde von mir die Scheidung sogar aufgrund von Vanja durchgeführt.


    Dein Bruder wählte Davard nicht Dunwolf, ich verspeise meine Ehemänner nicht und ich pflege auch nur einen einzigen Gefährten zu haben. Jemanden der alles für mich ist und dem ich alles geben werde. Vielleicht bin ich jemand, den kaum einer wollte. Dafür bin ich jemand, den auch nicht jeder hatte was das Herz anbelangt.


    Falls Du immer noch zweifelst und meinst ein Hohenfelde ist so gut oder schlecht wie der andere, dann zweifele.

    Es geht schließlich nicht um Dich, sondern um Vanja.


    Zurück zu Deinem Auftrag, wann wird Felipe umziehen und wie.

    Die Antwort ist extrem wichtig Vendelin, glaube mir das einfach, sonst wäre ich nicht hier.... Du verstehst?", sagte Dave ernst und trank einen Schluck Kaffee als Zeichen des gegenseitigen Vertrauens.

  • "Ich kann dir aus Sicherheitsgründen nicht das genaue Datum nennen, Davard. Ich verstehe, dass seine Majestät besorgt ist, aber die Krone möge mir bitte noch diesen letzten Mond Zeit geben, den Auftrag auszuführen. Der Umzug wird noch dieses Jahr erfolgen, während des Lichtfests und ich werde an diesem Tag persönlich in Drakenstein zugegen sein, um mich von dem Erfolg zu überzeugen.


    Zu Hohenfeldes als Ehepartner habe ich meine eigene Meinung, wenn ich mir ihre Scheidungspraxis ins Gedächtnis rufe. Vanja ist keine Frau, die in deinen Besitz übergeht, er ist ein Mann. Was geschieht, wenn du ihm ein Haar krümmst, weil du seiner leid bist oder er deiner, kannst du dir vorstellen. Du würdest eine Familienfehde sondergleichen heraufbeschwören, Wigberg gegen Hohenfelde. Nicht zuletzt wäre die Trinität zerstört. Das ist meine Sorge und darum fragte ich, ob ihr euch das gut überlegt habt. Warum nicht zunächst bei einer unverbindlichen Liebschaft bleiben?"

  • "Nicht die Krone gibt Dir diesen letzten Mond Zeit Vendelin, sondern ich. Du verstehst also nach dieser Andeutung sehr genau wer ich bin, wenn ich nicht als Dein Schwager hier zu einem Privatbesuch erscheine. Mehr Warnung kann ich Dir nicht geben. Von meiner Seite aus, sollst Du diesen Mond haben, ich werde dafür die Verantwortung tragen.


    Ich hoffe für uns beide Vendelin, dass Du uns nicht enttäuscht.

    Das ist keine Drohung, sondern eine ernst gemeinte Hoffnung.


    Zum Thema Hochzeit, da gebe ich Dir völlig Recht, unsere Scheidungspraxis ist sehr... nun sagen wir einmal endgültig.

    Das Vanja keine Frau ist, weiß ich und über die Konsequenzen bin ich mir vollauf bewusst. Zudem bin ich mir auch der Konsequenzen bewusst, falls ich eines Tages zwischen Krone und Familie wählen müsste. All das ist mir bekannt Vendelin, ich verstehe Deine Sorge.


    Warum keine unverbindliche Liebschaft?

    Weil alles in meinem Leben irgendwie stets unverbindlich war. Keiner fühlte sich für mich verantwortlich, niemand fühlte sich mir gegenüber zu etwas verpflichtet. Weder mein Vater, mein Großvater und auch nicht mein Ex-Ehemann. Bestenfalls sahen sie ihren Vorteil, schlimmstenfalls sahen sie gar nichts.


    Das ist nicht mein Weg und so möchte ich nicht leben Vendelin. Warum sich nicht für eine Person mit allen Konsequenzen entscheiden? Das steckt von meiner Seite aus dahinter, Gefühl und Wunsch auf Zugehörigkeit. Vielleicht eine weiche Einstellung für einen Hohenfelde, aber dann schlage ich dort eben aus der Art. In meinen Augen kein Makel und Vanja hat sich bis jetzt auch noch nicht beschwert", antwortete Dave und knuffte Vanja liebevoll.

  • Vendelins Gesichtsausdruck hatte sich nicht verändert bei der eindrücklichen Warnung. "Reden wir Klartext. Du wurdest also bereits entsandt, um mir ein Ende zu bereiten?"


    Während Davards Worte über die beide wanderten Vanjas Finger zu Davard herüber und suchten seine Hand. Als sie diese fanden, schlossen die Finger sich fest darum, wie zur Bestätigung für diese Worte. Vanja hatte gewählt, so wie auch Davard. Ganz gleich, welche Bedenken Vendelin ins Feld führte.


    "Du wirst mit Vanja keine Probleme haben, Davard, sofern du keine Dinge herumliegen lässt, die ihn nichts angehen, denn die wird er finden und sich genau zu Gemüte führen."


    Vendelin schmunzelte. Es wirkte ein wenig kühl, was kein Wunder war bei der Warnung, die im Raum schwebte. Bei aller zur Schau getragener Gelassenheit nahm Vendelin sie durchaus ernst. Dennoch - oder gerade deswegen - führte er auch die private Ebene des Gesprächs fort, welches sie beide hoffentlich auf dem Boden der Gegenwart hielt. Zwei Meuchler in einem Raum, einer davon der Auftrag des anderen, das war keine angenehme Mischung.


    "Für das, was du suchst, ist er der geeignete Mann, so weit ich das beurteilen kann. Mein kleiner Bruder ist eine denkbar gute Partie, aber die wünsche ich mir auch für ihn. Er hat Menschen an seiner Seite, denen er viel bedeutet und die ihn nicht missen wollen, weil irgendjemand in einem Beziehungsstreit das Messer zückt. Es würde in einer Katastrophe münden, nicht nur für ihn und für dich, sondern für unsere ganze Sippe. Was also, wenn ihr euch trotz allem trennen wollt? Kannst du garantieren, Vanja unversehrt freizugeben?"

  • "Klartext, da Du ihn wünscht. Mein Auftrag lautet Dich im Auge zu behalten. Erledigst Du Deinen Auftrag, habe ich keinen weiteren. Erledigst Du ihn nicht, erledige ich Felipe... und Dich. Deshalb meine Warnung, weder Du noch ich möchten, dass mein Beobachtungsauftrag in Phase zwei übergeht. Und um Dir zu beweisen, wie ernst es mir mit diesem Wunsch ist, habe ich Dir die Fristverlängerung gewährt Vendelin.


    Lass ihn umziehen und nutze Deine Chance.

    Falls nicht, gefährdest auch Du unseren Sippenfrieden, von uns beiden ganz zu schweigen. Bedeutet Dir dies nichts, dann töte Felipe für Vanja. Damit Dein Schwager Dich nicht töten muss", antwortete Dave.


    Es war sonst nicht seine Art, einen Auftrag offen auf den Tisch zu packen. Hier war es möglicherweise die einzige Chance Vendelin davon zu überzeugen, inwieweit er seine Möglichkeiten ausgereizt hatte. Das es kein Zurück von diesem Auftrag gab, gleich wer noch seine Finger im Spiel hatte. Eine Bestechung war niemals das eigene Leben wert, falls Vendelin überhaupt Drahtzieher im Hintergrund hatte und keine eigenen Gründe, Felipe zu verschonen.


    Vielleicht sagte er aber auch die absolute Wahrheit, hatte alles vorbereitet und der Plan benötigte einfach Zeit zum Reifen. Solche Pläne kannte er selbst zu Hauf. Einen Mord konnte jeder Dorfdepp mit dem Verstand einer Brezel begehen. Töten war denkbar einfach, leider.


    Die Kunst eines Meuchlers war es, ungesehen zum Opfer zu gelangen, den Mord ungesehen zu begehen und genauso unsichtbar zu verschwinden. Letzteres war die höchste aller Künste. Vor allem unter der Berücksichtigung nichts zu hinterlassen was auf einen hin deutete.


    Hinzu kam das Ableben des Opfers so zu gestalten, wie es den Vorgaben des Auftrags entsprach. Unfall, Mord, Selbsttötung oder sogar offene Warnung, sprich ein Exempel. All das hatte ein wahrer Meuchler zu vollbringen. Einfach nur einen Dolch zu zücken, war keine Kunst. Denn auch das wollte gelernt sein. Gnadenvoll schmerzfrei oder der Abgrund an Leid, dass vermochte eine einfache,rasiermesserscharfe Klinge zu bringen. Jeder Hohenfelde wusste das und er wusste wie man einen Dolch führte. Sie lernten den Umgang mit dem Dolch, bevor sie eine Gabel benutzen konnten.


    Dave trank in aller Ruhe einen großen Schluck Kaffee und schaute Vendelin dabei fest in die Augen.


    "Ich schwöre Dir und Vanja, ihn schadlos freizugeben, sollte er jemals gehen wollen. Ebenso schwöre Euch, ihn mit allen Mitteln zu verteidigen", sagte Dave und man hörte ihm an, dass diese Aussage ein Fakt war.