Kapitel 20 - Der Meuchler zur falschen Zeit im falschen Land

  • Vendelin nahm seinen Samthut ab, bettete ihn auf die Knie und lehnte seinen Kopf seitlich gegen die Lehne des Ohrensessels.


    "Mich muss niemand töten, Davard. Felipe ist nicht gerade unbeobachtet. Ich hatte bereits einen Versuch unternommen während des Bienenfests zur Honigernte, doch diesen musste ich abbrechen. Ich gedenke, lebend aus dem Auftrag hervorzugehen und einen Monarchen tötet man nicht mal eben nebenbei, wenn einem der eigene Hals lieb ist. Die Auftragserfüllung wurde für einen bestimmten Tag vorbereitet und nun muss ich warten, bis dieser Tag gekommen ist. Warum nicht hier in Ledwick?


    Deinen Schwur nehme ich entgegen, nimm im Gegenzug meinen Segen als Oberhaupt dieses Zweiges. Geben und Nehmen, Davard. Beide Familien haben etwas davon, wenn wir Verbündete bleiben.


    Aber sprich ... fürchtest du nicht, was Vanja empfinden könnte, wenn du ihm sein einziges verbliebenes Familienmitglied nimmst?"

  • Dave musterte Vendelin ruhig und nickte nach einem weiteren Schluck Kaffee knapp.


    "Zuerst Danke ich Dir für Deinen Segen Vendelin. Um Deine Frage zu beantworten, natürlich fürchte ich Vanjas Reaktion. Wie nahe Ihr Euch steht, kann ich nicht abschätzen. Aber vermutlich wäre das so als würde jemand Irmina etwas antun. Ich kann mich nur wiederholen, damit mein Auftrag nicht weiterführend wird, musst Deinen erfüllen. Liegt Dir soviel an Deinem Bruder wie Du sagst, dann wirst Du dafür sorgen, dass seine Ehe hält und er glücklich bleiben kann. Wir beide werden dafür sorgen.


    Solltest Du vor einem Problem stehen Vendelin, kannst Du mich jederzeit um Hilfe bitten.

    Du musst den Auftrag zwar ausführen, aber das heißt nicht, dass Du Dich blindling in eine Gefahr stürzen sollst. Damit ist weder der Krone, noch Dir oder mir geholfen. Es geht in erster Linie bei dem Auftrag darum, ihn ordnungsgemäß zu erledigen. Also den Vorgaben entsprechend.


    Erfüllst Du genau jenen Auftrag samt Vorgaben, hast Du Deinen Namen reingewaschen, darum geht es für Dich. Darum geht es ebenso Vanja, also auch mir. Wie ich Dich dazu bekomme, dass Du Deinen Auftrag erledigst, liegt in meiner Hand. Ich kann Dich beobachten, ich könnte Dich sabotieren, ich könnte direkt eingreifen. Aber genauso gut, kann ich Dir beistehen und Dir helfen. Das würde ich Vendelin, jederzeit.


    Das man einen Monarchen nicht im Vorbeigehen tötet, ist klar. Dafür müsstest Du sein Leibdiener sein. Und der Großteil solcher Personen ist loyal bis zur Selbstaufgabe. Da nützt es auch nichts, wenn Du eine nahestehende Person in der Hand hättest. Dieser Dienst ist ein Ehrendienst, der mit nichts für sie aufzuwiegen ist. Die meisten von ihnen lieben ihre Herren und verehren sie. So wie das Volk die Monarchen verehrt, so verehren Leibdiener sie auf ganz persönliche Weise. Denn sie sind ihnen näher als jede andere Person im ganzen Land. Sie kennen jeden Feitz, jede Marotte, jede Vorliebe und jede Abneigung. Immenses und extrem wertvolles Wissen, aber teilen werden nur die allerwenigsten. Und solche Personen sind schändlicher Abschaum. Aber nützlicher Dreck, dass muss man sagen.


    Von daher verstehe ich gut, wie hoch Deine Planung sein muss, um überhaupt in den Dunstkreis von Felipe zu gelangen. Und selbst wenn Felipe vermeintlich alleine ist, wird er niemals tatsächlich alleine sein. Auch an seinem Hof werden die Wände Ohren und Augen haben. Zuflüsterer, Überwacher, Schatten...


    Er ist kein Hohenfelde wo Du die Schatten daran erkennst, dass er am Schwanz von der Decke baumelt und ein Düsterling ist. Seine Schatten werden als normale Bedienstete getarnt sein. Sollte er keine Schatten haben, dann hat Felipe selbst einen gewaltigen Schatten...", grinste Dave.


    "Wir hatten einst einen Auftrag angeboten bekommen, der von ähnlicher Prignanz war. Und zwar ging es um nichts geringeres als um Königsmord. Wir sollten die Golbin Königin töten, eine Ehre für eine Meuchlergilde. Aber der Auftrag kam niemals zu Stande und die Königin erfreut sich heute noch bester Gesundheit.


    Wir hatten damals eine Besprechung einberufen um sämtliche Szenarien durchzuspielen Vendelin, aber leicht wäre der Auftrag niemals geworden. Einerseits schade dass der Auftrag nicht zu Stande kam, auf der anderen Seite war es vielleicht auch ganz gut so. Denn wer weiß, ob dieser Auftrag nicht in Wahrheit uns gegolten hat? Dass unsere Köpfe vor dem Rathaus aufgespießt werden sollten?


    Meiner Meinung nach hättest Du die besten Chancen in einer extrem belebten Situation außerhalb des Hofes, oder wenn Felipe allein ist. Sprich vielleicht am Grabe seiner Tochter oder seiner Frau. Auch dort werden Wachen zugegen sein, aber nicht in unmittelbarer Nähe.


    Dennoch Obacht, die meisten Staatsoberhäupter sehen im Ornat oder in ihren Amtsroben würdevoll und wehrlos aus, aber ich versichere Dir, sie sind es nicht. Genausowenig wie der Adel wehrlos ist, sich verteidigen zu können ist lebensnotwendig. Wer wüsste es besser als wir, nicht wahr? Demzufolge ist Dein Vorteil, dass Felipe alt ist.


    Wo Du das Greifen Deines Planes abwartest ist Dir überlassen Vendelin. Nur solltest Du nah genug am Geschehen bleiben, um zur Not korrigierend eingreifen zu können. Aber das muss ich Dir nicht erklären... hoffe ich", warf Dave ein und aß einen der winzigen Bissen in noch winzigere Bissen.

  • "Danke für deinen Rat, Davard. Auch für das Angebot zur Unterstützung. Ich versichere dir, dass ich, wie bereits gesagt, schon alles in die Wege geleitet habe. Ein wenig Geduld bitte noch."


    Draußen klapperte es, Vendelin richtete sich im Sessel auf.

  • Die Tür öffnete sich. Hinein kam ein älterer Ledvigiano mit Dreitagebart, einer weißen Chaperon und einem schweren Seesack. Den warf er nun auf den Teppich und versuchte, nicht zu zeigen, was er davon hielt, dass Vendelin seine Wohnung ausfindig gemacht, sich hier häuslich eingerichtet und obendrein Gäste geladen hatte. Davard sah Vendelin das erste mal breit lächeln, als er sich erhob und Vittorio in dessen eigener Wohnung willkommen hieß. Vittorio wurde umarmt, geküsst und ihm wurde der lange Überwurf abgenommen, den Vendelin nun an die Garderobe hängte.


    Vittorio stürzte die Finger gegen seine Hüfte und musterte die Runde. "Buongiorno, Timo, Syrell ... Das ist mal eine dolle Überraschung. Ungeladener Besuch, der nicht einmal einen Schlüssel besitzt, geschweige denn, meine Adresse kennt. Gibt es einen Anlass?" Er gab Vanja die Hand, der ihm einen Segen sprach, dann gab er auch Davard die Hand. "Du bist...?"

  • Dave schaute sich das Schauspiel an, ohne eine Miene zu verziehen. Innerlich schmunzelte er.


    `Schau mal einer an, da sind wir in die Liebeshöhle Deines Bruders gestolpert. Bei dem Lächeln wissen wir auch, wer der gute Mann ist. Der Gefährte von Vendelin, nicht wahr? Dass es sich so angenehmer warten lässt, ist keine Frage. Wer wartet nicht lieber in den Armen seines Geliebten, anstatt irgendwo in der Nähe vom runzligen Felipe? Ich kann es ihm nicht verdenken´, übermittelte Dave Vanja.


    Er schüttelte dem Neuzugang die Hand und schenkte ihm seinerseits ein freundliches Lächeln.


    "Dave. Der Fastehemann von Vanja und Schwager von unserem Kaffee spendenden Gastgeber. Deine Adresse mussten wir gar nicht kennen, wir sahen unseren lieben Verwandten auf dem Balkon stehen, als wir zufällig vorbeiflogen. Ein freundlicher Wink und schon waren wir auf Kaffee und Fischhäppchen eingeladen. Familie halt", schmunzelte Dave und grinste dann Vendelin eine Spur breiter an.


    Das Grinsen sagte nur eines - erwischt.

  • Vendelins Lächeln wirkte ein wenig beschämt. Er hatte nie vorgehabt, irgendwem zu offenbaren, was ihn mit Vittorio verband. Vor allem, um potenziellen Gegnern keine Waffe in die Hand zu geben. Und Vittorio würde seine eigenen Gründe haben, warum er Vendelin nie seine heimatliche Anschrift in Ledwick verraten hatte. Diese Gründe interessierten Vendelin allerdings wenig, er war so oder so nicht bereit, sie zu akzeptieren. Er stellte für Vittorio eine frische Tasse hin und schenkte ihmKaffee ein.


    "Willkommen daheim. Wir sind Vendelin und Vanja in der Gegenwart von Davard, Vitto. Er gehört zur Familie. In Souvagne hat das Lichtfest begonnen, das Fest der Familie. Und ich hockte von Berufs wegen allein im fernen und wenig gastlichen Ehveros. Da dachte ich, ich schaue mal vorbei."

  • Vittorios Handschlag war ausgesprochen fest um die Hand von Davard - er konnte als Seemann nicht weich zupacken - während er sich das Gesicht von dem Neuling gut einprägte.


    "Nun, dann willkommen in meinem bescheidenen Heim. Ich gehöre demnach dann wohl zu eurer Familie."


    Er machte es sich auf einem der Stühle bequem und griff nach seiner Tasse.

  • 'Du hast es erraten', antwortete Vanja und Davard konnte dessen Amusement spüren. 'Sein Geliebter, der sich gern mal unangekündigt aus dem Staub macht. Das letzte Mal blieb er, glaube ich, 13 Jahre verschwunden.'

  • Die Hände von Vittorio waren arbeiten gewöhnt, so wie sie zugriffen. Demzufolge hatte der Mann nicht nur einen festen Griff, er war auch sonst körperlich in Form, von seiner Kraft ganz zu schweigen. Dave registrierte dies mehr am Rande seines Bewusstseins, denn sie waren hier tatsächlich in friedlicher Absicht zusammengekommen.


    Vanja und er hatten das Gespräch mit Vendelin gesucht, um ihn zu warnen und auf Spur zu bringen. Die beiden Brüder schienen sehr an einander zu hängen und Dave konnte es ihnen nicht verdenken. Vittorio hieß also der Mann von Vendelin und wie es aussah, war da ebenfalls mehr Liebe als Kalkül im Spiel.


    Dave ritt nicht darauf herum, sondern akzeptierte die Tatsache dass Vendelin ebenso liebte. Warum auch nicht? Der Beruf den sie ausübten schloss Liebe nicht aus. Vielleicht machte der Beruf die Liebe umso intensiver oder machte sie nötiger. Ein einsames Leben führten die meisten Henker, gleich ob sie das Beil, eine Phiole Gift oder den Dolch nutzten.


    "Danke für die freundliche Begrüßung. Ich denke wir beide sind es, die nun Mitglied in der Familie sind. Der Monat des Lichtfestes ist in Souvagne stets etwas besonderes, wie man mir sagte.


    Eine Zeit der Familie, der Besinnung, der Gemütlichkeit, der Gastfreundschaft und des guten Essens. Ein Lichtfest habe ich bereits in Souvagne miterlebt, allerdings ehr am Rande muss ich gestehen. Dieses Jahr wird sich das ändern, da werde ich mir auch etwas Zeit nehmen um sie mit meinem Schatz zu verbringen. Letztes Jahr hatten wir uns noch nicht gefunden. Ich hoffe Vanja hat Lust mit uns gemeinsam in Irminabourg zu feiern. Der Ort ist geschmückt und wir haben einen kleinen Markplatz direkt vor unserem Haus. Praktisch, falls man einmal vergessen hat etwas zu besorgen.


    Wie wird in Ledwick das Lichtfest gefeiert? Wir sollten in beiden Ländern feiern, wenn uns schon die Möglichkeit geboten wird", schlug Dave in Richtung Vanja vor.

  • "In Ledwick wird der Weg des Leone di Marino hinauf zum Licht und seine Menschwerdung gefeiert", erklärte Vittorio. "Der Sieg des Lichts über die Dunkelheit, der Zivilisation über das Wilde. Das Lichtfest dauert einen Mond lang, fängt sechs Tage später als in Souvagne an und hört auch sechs Tage später wieder auf. Hier haben wir also mit den Feierlichkeiten noch nicht begonnen. Wenn ihr auch in Ledvico feiern wollt, sollten wir das gemeinsam tun, sonst verpasst ihr das Beste. Und dann zeige ich euch, wie man hier feiert. Und ich würde mich freuen, wenn das auf Gegenseitigkeit beruhen würde. Ich war zum Lichtfest noch nie in Souvagne."


    Als er lächelte, gruben sich tiefe Falten in die Haut neben seinen Augen. Man sah, er lachte gern und auf Vendelin schien das eine sehr ansteckende Wirkung zu haben, der nun weitaus freundlicher dreinblickte als vor Vittorios Ankunft.

  • Vanja streichelte Davards Hand. Vittorio hatte Vendelins Andeutung nicht verstanden, als ihm durch die Blume mitgeteilt wurde, er würde nun zur Familie gehören. Aber das würde er nicht aussprechen, Vendelin musste eben noch einmal deutlicher werden.


    "Ich freue mich auf unser gemeinsames Fest", sagte er. "Und darauf, die Geister kennenzulernen."

  • Dave setzte sich so, dass er ganz nah neben Vanja saß und genoss die Streicheleinheiten.


    "Du wirst sie kennenlernen und bei mir wohnen. Wir lassen es uns gut gehen Vanja. Das Angebot nehmen wir gerne an Vittorio. Du führst uns in Ledwick zu den besten Orten, dort wo die passenden Veranstaltungen sind. Fühle Dich zu uns eingeladen, ich werde mein Bestes als Fremdenführer geben. Allerdings kenne ich mich in ganz Souvagne noch nicht derart gut aus. Ich kann nur für meine Scholle sprechen und dort werden wir auch feiern. Zudem könnten wir einen Abstecher nach Beaufort machen, der Regierungssitz ist immer einen Besuch wert.


    Und wir könnten den Hof besuchen, samt dem Palais de Souvagne. Er musst zum Lichterfest unglaublich schön geschmückt sein. Viele sprechen davon, dass sie zu den Lichtfesttagen den Hof besuchen, um dort in den Gärten zu lustwandeln. Es wäre alles mit Lichtern geschmückt und zusätzlich dekoriert.


    Die meisten besonders gerne vor den Feiertagen dort, um seiner Majestät rein durch ihre Anwesenheit ihre Aufwartung zu machen und der Krone nah zu sein. Viele hoffen, dass sie einen Blick auf den Duc und seine Familie erhaschen können. Die Verehrung ist groß. Allein schon dort am Hofe zu sein, ist für sie eine Art Segnung. Danach gehen viele noch in einen der unzähligen Tempel.


    Am Hof gibt es zu dem tatsächlichen Lichtfest selbst Getränke und Speisen für alle die vor Ort sind. Jeder ist eingeladen, an der Feier teilzunehmen. Ich war letztes Jahr selbst dort für einige Stunden. Es ist sehr schön gemacht, der Palais allerdings selbst ist geschlossen und der Krone vorbehalten.


    Verständlich, es ist schließlich ihr Wohnhaus, wenn auch ein außergewöhnlich gigantisches Zuhause.

    Es gab jede Menge Glüh- und Würzwein, warme Speisen mit Fleisch und sehr viele Süßigkeiten. Alles sehr lecker, ich hatte mir einen gesprengten Dunstapfel gegönnt. Schmeckt fast wie Obst aus der Bowle und zieht genauso rein. Aber lecker, dass sage ich Euch. Im Grunde war das Apfel, gedämpft in Apfelschnaps, mit anderen Apfelfüllungen und jede Zutat hatte ihren besonderen Geschmack.


    Wie ich hörte gibt es in ganz Souvagne besondere Märkte, auf denen in der gesamten Lichtfestzeit alle regionalen Spezialitäten angeboten werden. Ich hatte mir überlegt, ob wir dies auch auf unserem Marktplatz anbieten sollen. Sprich etwas, dass es sonst nicht in Souvagne gibt, sondern eher naridisch ist. Süßküchlein zum Beispiel, dass sind kleine extrem saftige und fettige Krapfen mit einer dicken Zuckergussschicht. Unheimlich lecker.


    Der sieg es Lichts über die Dunkelheit, das symbolisiert in Souvagne der Adler. Der Adler steht für das Licht und die Schlange für die Dunkelheit. Der Adler hockt oben auf dem Apfelweltenbaum und wacht über Baum und Bewohner. Die Menschen leben unter dem Baum, geschützt durch seine Zweige, genährt durch seine Früchte.


    Zudem sind sie geschützt durch die schützenden Schwingen des Adlers, seines scharfen Schnabels und seiner Krallen. So scharf wie Schnabel und Krallen sind auch seine Augen. Ihm entgeht nichts. Und wagt sich die Schlange in die Nähe des Baumes, schlägt er sie zurück. Sie hat sich nicht in die Nähe seines Baumes zu wagen. Er tötet sie nur, wenn sie nicht von dem Baum und den Bewohnern ablässt. Sonst vertreibt er sie nur.


    Die Schlange ist die angreifende Dunkelheit, der Adler ist das rettende beziehungsweise schützende Licht.


    In der Sage heißt es weiter, dass der Adler Zuträger hat.


    Die Falken wachen tags mit ihm und erzählen ihm, was sie auf ihren Flügen sehen, des nachts wachen die Eulen.

    Die Boten zwischen den Ästen und allen Lebewesen die im, am und unter dem Apfelbaum leben sind die Eichkätzchen, auch Eichhörnchen genannt.


    Der Adler erhält von ihnen die Bitten und Botschaften seiner Schutzbefohlenen und ebenso schickt er die Eichkätzchen um seine Nachrichten im Baum zu verbreiten.


    Das hat mir vor einiger Zeit einmal der Archi-Duc rund um den Weltenapfelbaum und dem Souvagnischen Adler erklärt. Der Adler hat zudem kein Name, denn er benötigt keinen Namen. Es ist der Souvagnische Adler, der Souvagnische Aigle. Es gibt nur diesen einen und so ist sein Sein schon Bezeichnung genug.


    Ich mag diesen Mythos, er hat etwas heimeliges", erklärte Dave und küsste Vanja.

  • "Das hört sich nicht schlecht an. Feiern mit reichhaltigem Essen, da sage ich nicht Nein. Den Mythos vom Souvagnischen Adler habe ich noch nie so ausführlich gehört. Er ist ganz ähnlich wie unserer, nur dass er sich einer anderen Bildsprache bedient. Die Botschaft ist die Gleiche. Sag das nur keinem Ledvigiano außer mir, die steinigen dich, wenn du behauptest, der Leone di Marino sei ein Symbol. Für die meisten von ihnen ist er ein Fakt, eine unumstößliche Wahrheit. Weil der Duca es so will, er ist gern der weiße Seelöwe, der uns zum Licht führte. Wer hätte nicht gern so einen schönen Mythos für seine Familie, besonders, wenn sie dabei so gut weggkommt?"


    Er schmunzelte Vendelin an und jetzt strahlte dieser richtig glücklich. Wenn Vittorio es sich recht überlegte, war es doch eigentlich gar nicht so schlecht, dass sie ihn hier überrascht hatten.


    "Bleibt ihr eigentlich über Nacht hier oder verschwindet ihr dann wieder?", fragte er unverholen, ohne den Blick von Vendelin zu abzuwenden.

  • "Ein Mythos der den Leuten Kraft schenkt Vittorio, besonders in harten Zeiten wie diesen. Euer Land ist vom Krieg schwer gezeichnet. Ein Duca ist genauso ein Symbol wie der Leone die Marino, eine Lichtgestalt zu der man aufsieht. Von der sich die Untertanen Führung, Weisung und Rettung erhoffen. Beides verbunden lässt sie standhalten, wo sie ohne Leitfigur längst verzagt hätten.


    Ein Mythos ist Hoffnung Vittorio. Der Duca, der Leone oder vielleicht nur ein kleines Holzpferd, Menschen benötigen etwas woran sie sich festhalten können. Sogar Tazio Ferdinando di Ledvico benötigt einen Halt, wenn es der Leone ist folgt er damit seiner Kultur, Tradition und seinem eigenen Volk. So etwas würde ich nie in Frage stellen, denn in der dunkelsten Stunde hofft jeder auf Licht.


    Da Du uns schon so freundlich fragt, bleiben wir gerne über Nacht, wir haben es nicht eilig. Vendelin und wir warten auf eine Umzugsbestätigung und wollten es uns gemeinsam gemütlich machen. Also machen wir genau das, neuen Kaffee und einen privaten Plausch", antwortete Dave während der Vanja streichelte.