Kapitel 2 - Näherrücken

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    Näherrücken

    Glenn schaute sich noch immer den Horrorstreifen mit den Ghulen an. Der Film hatte Überlänge, aber er fand ihn so unterhaltsam, dass er gar nicht merkte, wie die Zeit verflog. Dabei redete er mit Anthony, lachte und knabberte Braten und Apfelkrapfen. Erst, als der Film schon fast zu Ende war, und er fragte, warum es eigentlich nie eine unanständige Szene zwischen dem Helden und einem Ghul gibt, dass das doch recht rückständig sei, merkte er, dass Anthony nicht mehr antwortete.


    "Keine Meinung zur Integration von Ghulen in die Gesellschaft der Lebenden? Thony?"


    Er schaltete den Ton aus und lauschte - ganz leises Schnarchen tönte von der anderen Bettseite. Glenn schaltete das Holo aus und legte sich vorsichtig neben ihn. Selbst im Schlaf sah Anthony noch müde aus. Er hatte vermutlich viel Stress in letzter Zeit gehabt. Umso höher war es ihm anzurechnen, dass er Glenn aus Trux abgeholt hatte. Er ging nicht davon aus, dass Anthony gerade zufällig in der Gegend gewesen war. Auf Glenns Gesicht stahl sich ein Lächeln, als er es sich gemütlich machte.


    "Gute Nacht", flüsterte er und schloss die Augen.

  • Anthony wachte am Morgen auf und rollte sich auf die andere Seite. Für einen Moment stutzte er, denn sonst lag niemand in seinem Bett. Glenn, er sah friedlich aus im Schlaf. Friedlich und niedlich. Thony drückte sein Gesicht in die Decke als er gähnte und strich sich seine wirren Haare aus dem Gesicht. Er war sich sicher, dass ihn Glenn gestern absichtlich falsch verstanden hatte.


    Das Hintergrundbild auf dem Handcom, danach wollte er schauen. Thony kroch ganz vorsichtig zu Glenn und schaute ihm ins Gesicht. Er schlief und sie waren sich so nah, dass er nur die Lippen hätte spitzen müssen um ihn zu küssen. Anthony betrachtete Glenn eine Weile, in das Gesicht konnte er lange sehen. Die Vorstellung dass ihm dieses Gesicht zulächelte und ihn damit meinte, fühlte sich schön an.


    Ob es so kommen würde, dass stand in den Sternen. Die Konstellation an seinem Firnament sah er aus wie ein sternenloser Himmel, absolute Schwärze. Diener der Krone und dennoch Hohenfelde. Selbst jetzt nach so vielen Jahrhunderten, wo sie einen eigenen Weg verfolgten. 800 Jahre später und eines blieb immer gleich, die Dunkelheit die sie umgab.


    Sein Vater war ein genauso einsamer Mann gewesen, was Liebschaften betraf. Er hatte nie die Stimme gegen ihn erhoben, er hatte ihn nie geschlagen, nie mit verletztenden Worten auf seinen Platz verwiesen. Casimir hatte ihn wie ein Vater beschützt, wie ein Lehrer unterwiesen und wie ein Freund durchs Leben begleitet. Nun war er fort. Schon lange neun Jahre war er nicht mehr bei ihnen.


    Seine Mutter hatte er nie kennengelernt. Vermutlich war sie eine Frau gewesen, die Geld dafür erhalten hatte, dass sie ihn austrug. Sein Vater war der Mittelpunkt seiner kindlichen Welt gewesen. Er hatte ihm alles beigebracht, was ein Vater seinem Sohn beizubringen hatte und was ein Hohenfelde seinem Sohn lehren musste. Gerade dann, wenn er nicht von der Verwandtschaft gefressen werden sollte. Erste Regel, die anderen Verwandten sind vermutlich Deine schlimmsten Feinde. Sie tragen Deinen Namen, dann hüte Dich vor ihnen. Und vergiss den eigenen Dolch im Robenärmel nicht.


    Selbst die Magie hatte ihm sein Vater beigebracht. Sie waren Geistmagier, dass war Ihr Zweig schon immer.

    Thony überlegte ob er Glenn im Traum eine Botschaft schicken sollte, aber er verwarf den Gedanken als albern.


    Was Casimir wohl zu Glenn gesagt hätte?

    Der alte souvagnische Spruch, liebe wen Du lieben willst, aber liebe - der hatte Casimir gefallen. Er hatte ihm nie Vorschriften dahingehend gemacht. Nur der Spruch hinkte, denn wen man selbst lieben wollte spielte keine Rolle, wenn der andere die Liebe nicht erwiderte.


    Mit dem Zeigefinger fuhr Thony so sanft über Glenns Gesicht, dass dieser es nicht bemerkte. Er schmunzelte und ließ sich aus dem Bett gleiten wie eine Viper. Lautlos schlich er zu der Hose seines Gastes, während Struppi mit schräg gelegtem Kopf dem Treiben seines Herrchens zusah.


    Anthony zückte das Com und schaltete es ein. Er wollte es nicht knacken, er wollte das Hintergrundbild sehen, auch durch den Sperrbildschirm.


    `Na mach schon´, dachte er nervös.

    Wieso war er eigentlich nervös? Er schaute nur ein Com an, er stand nicht mit einer Giftpipette über seinem schlafenden Opfer und träufelte ihm den Tod in den Rachen. Dabei war er nicht nervös. Was war nur los mit ihm?

  • Sein Finger berührte das Display, das Handcom erwachte. In der Dunkelheit des Raumes leuchtete Anthonys Gesicht weiß wie das eines Geists, als es von dem Com angestrahlt wurde. Hinter dem Feld, in dass er seinen Finger drücken sollte, damit sein Abdruck identifiziert werden konnte, leuchtete das Hintergrundbild. Von der Sache her bräuchte Anthony nur die Hand des Schlafenden zu verwenden, um das Com zu entsperren. Doch auch so konnte er das Bild des jungen Mannes gut erkennen, der da so flehend den Betrachter aus großen braunen Rehaugen an guckte, während er an seinem Zeigefinger nuckelte.

  • Thony betrachtete das Bild und wollte das Com gerade weglegen, als ihm der Gedanke kam, dass er Glenns Finger benutzen könnte. Er schob das Com auf die Bettdecke, nahm so behutsam wie möglich Glenns Hand und führte sie zu dem Gerät. Er wartete einen Moment, horchte auf Glenns Atem, schaute in dessen Gesicht... nichts.


    Anthony ergriff die Hand und drückte dessen Zeigefinger auf die Entsperrung, dabei konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Struppi schaute ihm immer noch gebannt zu und fragte sich, was sein Herr da eigentlich machte.

  • Das Handcom war entsperrt, es gab keine zweite Sicherheitsschranke. Auf dem Display sah Anthony die üblichen Symbole: Eine Uhr, das Programm für den Austausch von Kurznachrichten, das zwei neue Nachrichten anzeigte, die Optionen, ein Spiel namens "Goldrausch", das Symbol für das Interkom und ein Programm zur Wiedergabe von Musik. Und im Hintergrund prangte weiterhin der Bursche, der seinen eigenen Zeigefinger so sehr liebte, dass er an ihm nuckeln musste.

  • Anthony wischte sofort über die Seiten und schaute wo er das Album fand. Er rief es auf um sich anzuschauen, wen Glenn so kannte und wer eventuell der Mann an seiner Seite war. Der dritte im Bunde, wenn er die Frau nach Papas Wunschvorstellung geheiratet hätte. Sein Blick wanderte kurz zurück zum Bett, ehe er sich auf das Com konzentrierte und hoffte dort keine eindeutigen Bilder zu finden.


    Und falls doch? Was ging es ihn überhaupt an? Er konnte jetzt stöbern und niemanden finden, dass würde ihn freuen. Er könnte aber auch den Schatz von Glenn entdecken und sich darüber ärgern. Beides hatte keine Auswirkung, es durfte keine haben, denn ansonsten hätte er zugeben müssen herumgeschnüffelt zu haben.


    Anthony sperrte das Com und schob es in Zeitlupe zurück in die Hose, dort wo er es zuvor herausgezogen hatte. Lautlos richtete er sich auf, umschlich das Bett und verschwand im Bad. Er zog sich aus, stellte sich unter die Dusche und ließ das Wasser auf sich herabregnen.


    Thony wollte einfach die miese Idee von sich runterspülen. Deshalb stand er noch eine ganze Zeit unter der Dusche, unter dem heißen Wasser, dass in Sturzbächen über ihn herab ran und döste gedankenverloren vor sich hin. Er sollte so einen Unfug lassen, sonst würde er das beerdigen, was sie vielleicht haben konnten. Eine Freundschaft, falls Glenn darauf Lust hatte. Falls nicht sollte er es als schönen Abend verbuchen und ihn nicht durch falsche Hoffnungen ruinieren.


    Anthony wusch sich, verließ die Duschkabine, rasierte sich und bummelte auch sonst eine lange Zeit im Bad herum, in der Hoffnung dass Glenn wach war, sobald er das Bad verließ.


    Eine gute Stunde später kam er frisch für den Tag aus dem Bad.


    "Morgen Glenn", grüßte er Richtung Bett.

  • Anthony hatte auch ein Album mit Bildern gefunden. Auf den meisten waren Familienmitglieder zu sehen: Glenns Eltern, sein großer Bruder und seine kleine Schwester, seine Verlobte, seinen Schwager Dorian mit einem Hut aus Schlangenleder, ein paar Wigbergs, ein paar Eibenbergs und sogar einige Hohenfeldes. Es waren völlig normale Familienbilder. Auffällig waren zudem viele Fotos aus unterschiedlichen Städten, wo er Werbetafeln, Flyer und ähnliches abfotografiert hatte. Ansonsten fand er noch einige Gebäude, die Glenn vielleicht gefallen hatten, hier und da Landschaftsaufnahmen und ein paar Tiere. Ein großer Fotograf war er nicht. Zuletzt fand er noch einen Ordner, zu dem wohl das Hintergrundbild gehörte. Das waren Malereien von leicht bekleideten Männern, welche die Grenze zum Obstzönen nicht überschritten, aber doch recht eindeutige Neigungen erahnen ließen.

  • Anthony ging näher zum Bett und rüttelte Glenn wach. Die Bilder hatte er im Kopf, aber nur weil jemand auf Männer stand, hieß dass nicht das er über jeden Kerl herfallen musste. Das anderen schließlich nicht anders, nur weil man auf Frauen stand, grub man nicht jede an. Er war freundlich gewesen, nah. Glenn war aber auch zurückhaltend gewesen, genau wie er selbst. Möglicherweise war er schüchtern, oder nicht interessiert. Vielleicht ergab sich noch eine Gelegenheit das herauszufinden während des Frühstücks.


    "Wach auf Glenn Du Schlafmütze, ich möchte mit Dir frühstücken gehen. Keine Angst, das Frühstück geht auf mich. Geh Dich frisch machen, na komm schon", bat Anthony.


    Er zog Glenn die Bettdecke weg und beugte sich über ihn.


    "Morgen, raus aus den Federn", sagte er freundlich und strich ihm die Haare glatt.

  • Glenn blinzelte, als eine Hand durch sein Haar fuhr. Die Berührung war liebevoll, so dass er nicht erschrak, als er aufwachte. Glenn gähnte mit geschlossenem Mund, reckte sich und schnaufte durch die Nase die Luft wieder aus. Schlapp blieb er liegen, nicht gewillt, auch nur einen Fuß nach draußen zu setzen.


    "Morgen, Thony. Bist du immer so ein Frühaufsteher?", fragte er. Kaffee war noch keiner zu riechen, dafür roch Thony frisch geduscht. "Wie spät ist es überhaupt?"

  • Thony hockte sich vor Glenn aufs Bett und schmunzelte ihn an.


    "Kurz nach 07:00 Uhr, Du scheinst kein Frühaufsteher zu sein. Na dann bleib liegen, ist Dein freier Tag. Ich organisiere Frühstück auf meinem Morgenrundgang. Worauf hast Du Lust? Kaffee wird ein bisschen später in der Küche gemacht, ich hole uns welchen. Wann stehst Du sonst auf?", fragte Anthony und strich die Bettdecke von Glenn glatt.


    "Da Dir das Essen von der Taverne geschmeckt hat, werde ich uns dort was holen. Wer war der Bursche auf Deinem Bildschirmschoner den Du gestern so schnell versteckt hast? Jemand besonderes?", hakte Thony nach und musterte dabei Glenn genau.

  • Einen Moment schaute Glenn erschrocken, was er mit einem raschen Grinsen überspielte. Er schüttelte den Kopf. "Er hat keinen Namen. Das Referenzmodell des Künstlers vielleicht und womöglich auch die Figur, die er darstellt, aber als Mann auf meinem Display ist er namenlos. Ich fand ihn einfach schön gemalt. Der Künstler hat viele schöne Sachen, ich würde gern mal zu einer Ausstellung gehen. Er macht auch experimentelles Zeug, aber seine Ölgemälde mag ich am liebsten. Und nein, ich bin kein Langschläfer, aber wenn ich nicht arbeiten muss, habe ich auch nichts dagegen, ein wenig Zeit zu vertrödeln."


    Er angelte nach der Decke und zog sie wieder über seinen Körper.

  • "Es ist Lichtfestzeit, wir könnten nachher ein bisschen stöbern gehen, falls Dich so etwas interessiert. Ich stehe jeden morgen um die gleiche Zeit auf durch Struppi. Hat Dir nur die Art der Zeichnung gefallen, oder war es eher das Motiv und dessen Bedeutung? Wo wohnst Du überhaupt Glenn? Sobald Du aufbrechen magst, könnte ich Dich heimfliegen.


    Nun ich weiß nicht, was ich sonst groß sagen soll und vermutlich geht Dir mein Gerede gerade eh auf die Nerven. Ginge mir nicht anders, wenn ich müde wäre. Ich besorge uns Frühstück und dann schauen wir weiter", sagte Thony freundlich, knuffte Glenn und machte sich auf den Weg. Vor der Tür band er sich die Haare zusammen, grinste Glenn noch einmal kurz an und war dann aus dem Schlafzimmer verschwunden.


    Glenn hörte einen Moment später die Wohungstür gehen, sein Gastgeber war also zur Hunderunde raus und würde Frühstück besorgen. Die Wohnung stand ihm damit zur Verfügung, oder auch das Haus, falls er sich traute die Nase aus der Wohnung zu stecken.

  • "Ich mag seinen Blick", versuchte Glenn die Wahrheit zu sprechen, ohne wie der letzte Lustmolch zu klingen. Das würde noch fehlen, am Ende glaubte jeder, er würde Geld für den Puff ausgeben! Gab es eine größere Schande, als wie ein Verschwender dazustehen? Doch wenn Glenn ehrlich in sich hineinhorchte, war diesmal die Sorge um den Ruf seiner Familie das geringere Übel. Aber während er noch um angemessene Worte rang, war Anthony schon wieder von dannen.


    'Ich werde es ihm sagen, wenn er zurückkommt', nahm er sich vor. 'Das ist doch dämlich, sich da so zu zieren. Entweder er akzeptiert das oder nicht. In der Sippe gibt es schließlich nicht nur mich, der so fühlt, die meisten gehen offen damit um. Warum schäme ich mich nur so? Woran liegt das?'


    Da Anthony nun weg war, konnte er aufstehen, ohne dass dieser seine morgendliche Erektion sehen musste. Rasch verschwand er im Bad und war eine halbe Stunde später gewaschen, frisiert und angezogen. So lange Anthony unterwegs war, beschloss er, sich ein wenig in der Wohnung umzusehen. Er schob es darauf, dass seine Mutter eine Wigberg war, deren Neugier schier unerträglich war, doch die Wahrheit sah anders aus. Er wollte erspüren, wer Anthony war. Und so begann er seinen Streifzug durch die Gemächer seines Gastgebers.

  • Glenn wanderte durch eine Wohnung die wie aus einer anderen Zeit erschien. Dass hatte er bereits am gestrigen Abend festgestellt. Am Morgen sah er alles in klarer Deutlichkeit. Das Wohnzimmer, die Essecke, die Leseecke, alles war gehoben gemütlich. Auch das Bad, wo er sich eben noch frisch gemacht hatte, fügte sich in das Gesamtbild.


    Als Glenn weiterschlenderte, betrat er die Küche von Anthony. Auch wie war in dem Stil gehalten, den er so liebte. Sie wirkte gemütlich und prächtig und wie alles für eine Person etwas zu groß.


    Anthonys Küche:

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    Als Glenn den äußeren rechten Küchenschrank öffnete, fand er dort allerlei Knabberkram, aber er fand noch etwas. Eine Zeichnung war in die Tür geklebt. Der Mann trug Robe und hielt eine Maske in der Hand. Dabei schien er zu schmunzeln, wenn man sich genau auf das Bild konzentrierte.


    Wer der Mann war, konnte Glenn auf der Rückseite lesen. Das Bild war nur oben befestigt - Casimir. Der Vater von Anthony war auf der Zeichnung zu sehen. Ob Thony ihn selbst gezeichnet hatte, oder ob ein anderer für ihn das Bild gefertigt hatte, konnte man anhand der Zeichnung nicht erkennen.


    Casimir:

    https://66.media.tumblr.com/73…02029c9b94a1ecced2bfa.jpg


    Die Küche war so sauber, dass man sofort wusste, sie war seit einer Ewigkeit nicht mehr benutzt worden. Thony aß wohl lieber außerhalb oder in der hauseigenen Küche von der er gesprochen hatte.


    Im Badeschrank hatte er einige teure Düfte stehen, die alle etwas herber rochen. Besonders herausstechend war der Duft "VERT", ein souvagnischer Duft der eine ganze Stange Taler kostete. Dunkelgrün in einem echten Jadeflakon.VERT - Inspiriert von dem Grün des Waldes, verbindet VERT das gehobene Leben mit der Natur. Ein Parfum mit den Komponenten von edlen Hölzern und warmem Amber. Ein Duft, geprägt von der Farbe des Lebens - VERT - Grün. So stand es auf einer noch ungeöffneten Verpackung.


    Glenn roch Zypressenholz und Gewürze, Koriander, Zedernholz und Amber. Den Rest konnte er nicht erschnuppern, aber der Duft erzeugte ein warmes, wohliges Gefühl, wie eine erschnupperbare Umarmung.


    VERT - Parfüm:

    https://i.pinimg.com/originals…cdc28ef123b5d743c7d89.jpg


    Als Glenn den Flakon zurück in den Badezimmerschrank stellte, hörte er wie die Wohnungstür ging.


    "Bin wieder da!", rief Thony freundlich und spähte dann ins Bad.

    "Komm es gibt Frühstück. Putenrollbraten, Eier mit Bratkartoffeln und Speck, dazu Tee und Kaffee und ofenwarmes Brot mit gesalzener Butter. Dazu gibt es eingelegtes Gemüse, dass mag ich gerne", erklärte Thony und ließ die Tür offen, während er den Tisch deckte.

  • Glenn stellte den Flakon zurück und ging in die Wohnstube.


    "Was für ein opulentes Frühstück ... aber so schlank wie du bist, isst du sonst anders. Beklagen werde ich mich über das kulinarische Verwöhnprogramm sicher nicht."


    Ein wenig zu gierig äugte er den Rollbraten an. Gier, die herausragendste Eigenschaft der Eibenbergs, auf die sie obendrein stolz waren. Auch in Glenn schlummerte der Gierschlund, aber es war ihm ein wenig peinlich, wenn man ihm das anmerkte. Gier war eine nützliche Eigenschaft, aber man musste sie ja nicht mit wehenden Fahnen vor sich hertragen. Womit er wieder gedanklich beim Thema war.


    "Wegen dem Bild vorhin ... ich bin deiner Frage ausgewichen. ich werde dir die ganze Antwort liefern. Ich bin es dir schuldig nach allem, was du für mich tust und in jemandes Schuld zu stehen ist für einen Eibenberg unerträglich, wo es doch stets andersherum sein sollte. Der Mann auf dem Bild hat einen Namen. Aber das ist ziemlich peinlich, darum wollte ich es dir nicht sagen. Ich habe ihn Glenn genannt."


    Glenn machte einen langen Arm und zog sich die Schüssel mit dem Rollbraten an seinen Teller.

  • Anthonys goss Glenn Kaffee ein und sich danach selbst ebenso. Er setzte sich seinem Gast gegenüber, nahm sich etwas Bratkartoffeln, Steck und Ei und etwas von dem Brot. Genüsslich fing er an zu essen und stellte erfreut fest, dass es Glenn schmeckte.


    "Ab und an gönne ich mir ein großes Frühstück, aber den Rest des Tages gibt es dann wenig. Aber heute wollten wir feiern, Lichtfest und da ist ein leckeres Essen nicht nur erlaubt, es ist geradezu Pflicht. Dein Bildschirmschoner-Glenn steht also stellvertretend für Dich und Du hättest gerne einen Mann den Du so anschauen kannst?


    Das würde mir auch gefallen, jemanden an meiner Seite der mich anlächelt und mich auch damit meint. Nicht irgendein Bild, sondern eine Person. Ein Lächeln aus Zuneigung oder mehr. Ich habe mich gefragt, ob Du... für mich lächeln würdest", gab Thony leise zurück und trank einen großen Schluck Kaffee, um zu verbergen dass er rot wurde.

  • "Aber ich lächele doch die ganze Zeit schon für dich", antwortete Glenn. "Seit du mich da rausgehauen hast und weder eine Bezhlung noch auch nur eine Unkostenerstattung erfragtest. Mein lieber Gideon, das ist mein großer Bruder, fragte mich, was ich ihm zahle, wenn er vorbeikommt. Da sag noch einer, die Hohenfeldes wären kaltherzig. Ehe ich die Antwort getippt und mich durch die Preisverhandlung gequält habe, bin ich tot! Du bist da völlig anders. Das hat mich irritiert, ich dachte, da würde später noch was kommen, aber du hast mir stattdessen auch noch Essen spendiert und mich zu dir eingeladen. Der Film war übrigens wirklich witzig, nur habe ich die ganze Zeit gehofft, der Held mit den fluoroszierenden Zähnen würde mit dem Ghul durchbrennen."


    Der ergatterte Rollbraten war auf einmal gar nicht mehr so wichtig. Er schaute vorsichtig in Anthonys Augen. "Ja, das Gemälde ist ein kleiner und doch großer Traum. Es anzusehen macht mich traurig." Er zog das Handcom noch einmal hervor und zeigte Anthony das Bild. "Er schaut, als würde er um sein Leben betteln, als würde er sterben, wenn man ihn abweist. So viel Hoffnung, Angst und Verlangen liegen in seinem Blick. Ich sagte dir, ich würde nicht auf beides stehen und das ist wahr. Ja, Anthony. Ich liebe Männer. Ausschließlich. Nur so hier", er hob das Com, "hat mich bislang niemand sehen wollen."

  • Anthony lehnte sich zurück und schaute Glenn ebenso fest in die Augen.

    "Ich würde Dich gerne so sehen", antwortete Anthony liebevoll und grinste Glenn an.


    "Wir können den Film jederzeit erneut im Bett schauen. Diesmal ohne dass ich vor Müdigkeit einschlafe. Oder was immer Du magst. Dito ich empfinde so wie Du und Du gefällst mir. Ich wusste nicht wie ich es Dir sagen sollte, ohne Dich zu vergraulen Glenn. Das Du ebenso fühlst, freut mich und es macht mich nervös. Auf Dich", sagte Thony und hob den Kaffeebecher in Glenns Namen.


    "Vielleicht finden wir ja einen Film wo der Held mit seinem Ghul durchbrennt", grinste er gut gelaunt.

  • Baxeda

    Hat den Titel des Themas von „Näherrücken“ zu „Kapitel 2 - Näherrücken“ geändert.