Kapitel 4 - Gespräch unter Jägern

  • Gespräch unter Jägern

    Garlyn überlegte, ob heute der Tag gekommen war, an dem er seine Prinzipien über den Haufen werfen sollte. Sein Knie war vollkommen steif und das Bein nicht zu belasten. Er spürte kaum Schmerzen, aber das änderte nichts an der nicht vorhandenen Funktionsweise. Nicht einmal zu humpeln war ihm damit möglich, er musste es wie ein Anghängsel hinter sich herziehen. Mit beiden Händen klammerte er sich an der Regenrinne fest. Altes Wasser tropfte neben ihm auf den vor Dreck und Müll weichen Boden der Grube. Gut zwei Stunden hatte er benötigt, um sich von den Docks hierher vorzukämpfen und der Eingang der Himmelsröhre lag noch in weiter Ferne. Er benötigte dringend Fleisch, um zu genesen. Mehr noch, er benötigte es, um nicht auch noch zu verwesen. Seit er ein Ghul war, hatte er einen solchen halbverwesten, tierischen Zustand zum Glück noch nicht erleben müssen. Doch es ging recht schnell, wenn es einmal begonnen hatte. Er schaute nach den Straßenkindern und Grubenkriechern. Einer davon konnte ihn retten ... ein Leben, damit er weiterexistieren konnte. Was machte das schon?


    Ein klapperdürer, weißhäutiger Mann kam seines Weges. Gizmo. Garlyn kannte die meisten hier unten vom Namen. Wenn er den aß, gab es niemanden, der um ihn trauern würde. Der Naridier war doch jetzt schon eine wandelnde Drogenleiche ... Garlyn konnte nicht verhindern, dass ihm der Magen knurrte und Speichel vom Bart tropfte, als er den Mann mit seinen dürren Beinen herumschlendern und gedankenverloren eine Rauchstange zurechtfummeln sah.


    Nur noch sieben Meter ... fünf ...

  • Hector und Kakko liefen gemeinsam nach Hause, dabei bemerkte das Grauen wie sein Mündel sehr nah aufschloss und dann wieder auf Abstand ging. Suche nach Nähe und zeitgleich Angst? Manche Dinge machten Angst, die man sich wünschte. Im Grunde war Angst der gewaltigste Motor den die Natur geschaffen hatte. Man konnte sie nutzen, oder man wurde von ihr benutzt. Und wenn man sich selbst etwas versagte, dass man sich wünschte musste man nur jeden Gedanken aufdröseln der zum Kern des Problems führte und dieser hieß Angst.


    Man fürchtete sich vor so vielen Dingen, allein zu reisen, allein zu bleiben. Die andere Seite sah nicht besser aus. Was war, wenn man nicht mehr einsam war? Wie viele Kompromisse musste man eingehen um mit jemanden zusammenzuleben? Konnte man das überhaupt?


    In einer Familie wie ihrer ja, deshalb gab es all die Regeln und die Hirarchie. Aber in einer Beziehung? Das konnte Hector weder Kakko noch sich selbst beantworten. Er wusste es nicht, er verstand auch nicht, was Paare aneinander band, die miteinander nur noch unglücklich waren. Warum setzte da nicht wenigstens einer einen Schnitt unter die Sache? Vorzugsweise wenn der andere schlief?


    Frage über Fragen über die andere müde gelächelt hätten, aber von deren Antworten er so wenig Ahnung hatte wie ein Fisch vom Seilchenspringen.


    Vermutlich war Kakko wegen dieser eierlosen Arashi-Lusche in sentimentaler Stimmung. Die Erinnerung an seinen Vater hatte sein Gefühlsleben völlig durcheinander gewirbelt. Manch ein Meister hätte seinen Schüler zurück in die Realität geprügelt. Hector sah dazu keine Veranlassung, denn Kakko war noch jung und er war bei ihm. Allein hätte so ein kopfloser Zustand leicht genau den Kopf kosten können.


    Ihre Heimat war die Himmelsröhre, der Hort der Beißer. Niemand verirrte sich dorthin, keine Menschenseele. Und wer in diesen Abgrund gezogen wurde, sah das Tageslicht nie wieder. Gemeinsam schritten sie durch den Dreck und Unrat der Gassen. Jene Halsabschneider die sonst leichte Beute witterten, blieben ängstlich in ihren Löchern, als die beiden die schmalen Gassen passierten. Aasfresser legten sich nicht mit Jägern an.


    Selbst hier knapp vor der Grube, im tiefsten menschlichen Morast, galten die Regeln der Natur - Jäger und Beute.

    Einen Augenblick später packte Hector Kakko an der Schulter und hielt ihn fest. Er nickte knapp in Richtung des Skopolenders. Kakko spürte wie sie sich Krallen seines Meisters für einen winzigen Moment in seine Schulter gruben, als dieser ihn losließ. Ähnlich einem Greifvogel, der von der Hand seines Falkners sprang.


    Hector schaute sich um, Schatten waren hier allgegenwärtig. Lautlos zog er seinen Mantel enger um sich und zog den Kopf ein. Ein simpler, geradezu läpischer Trick um mit der Finsternis zu verschmelzen, aber er funktionierte. Man musste sich nicht geduckt anschleichen, das kostete nur unnötig Kraft. Es reichte aus, wenn man dunkel gekleidet war und sein bleiches Gesicht fast auf die Brust drückte. So konnte man sich stehend in einer dunklen Ecke verstecken. Natürlich konnte man sich auch mit Tarnfarbe einschmieren, aber das war etwas für Stümper und wer hatte schon stets einen Kosmetikkoffer an Tarnfarben dabei?


    Hector schlich im Schatten hinter der lebenden Drogenleiche so nah an die Beute und den Skopo heran, dass sein Zirkelbruder ihn erst im letzten Moment sah. Kurz bevor Gizmo in Reichweite des Skopolender war, wurde ihm von hinten die Kehle aufgeschlitzt. Der dürre Kerl stürzte lautlos röchelnd zu Boden und blieb in spastischen Zuckungen liegen, während Hector ihm mit dem Stiefel im Dreck festnagelte und den Skopolender breit anlächelte.


    "Hallo Hinkebein", grüßte das Grauen ohne sein Gegenüber auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen.


    Seinen mattschwarzen Dolch hielt er fast lässig in der Hand. Aber die Optik täuschte, Hector war auf der Hut. Er war schnell, wendig und geschmeidig. Allerdings war der Skopolender ein großes, bulliges Kraftpaket. Einmal gepackt, gab es nur eine Art zu Entkommen, er musste sich den Weg freischlitzen. Falls der Gliederfüßer ihm dazu überhaupt die Gelegenheit geben würde. Sie beide wussten um ihre Vor- und Nachteile.


    Das zahnlose Lächeln war vorerst genug Drohung um seinen Unmut kund zu tun. Beißer untereinander versteckten ihre Zähne nicht. Sie lächelten oder lachten offen, sie waren stolz auf ihre Zähne und zeigten sie gern. Ein Lächeln dass die Zähne verbarg, war eines dass man der Beute schenkte. Man offenbarte sich nicht gleich und genau darin lag die Drohung. Mach so weiter und ich werte Dich als Beute.


    Wobei ihr Kampf wohl der zwischen eines Bären und einer Katze war. Er durfte sich keine einfangen, dass könnte böse enden. Und der Skopo wollte sich ganz sicher nicht filettieren lassen. Er wusste um seine Schwäche, er war verletzt, er konnte nicht ausweichen und verfolgen konnte er Hector schon gar nicht. Ebensowenig konnte er vor ihm flüchten.


    "Wir haben etwas zu klären Skopo. Weshalb tatscht Du mein Mündel an?", fragte das Grauen und seine Augen wurden eine Spur eisiger.

  • Garlyns Blick folgte nicht der zusammenbrechenden Beute. Die war egal, die war weg vom Fenster. Sein Blick blieb auf das Grauen gerichtet, dass mit der kleinen Petze Kakko im Schlepptau erschienen war. Auf das kalte Lächeln hin verfinsterte Garlyns Miene sich. Er war kein Freund von Spielchen.


    "Ich bilde den Blödmann aus, wo du es nicht tust", knurrte er. "Der Bursche kommt unter die Räder, wenn du ihn weiter so halbherzig ausbildest. Ist er dein erstes Mündel oder warum ist er so miserabel geraten? Schau dir an, was du aus ihm gemacht hast. Der Kuckuck ist ein Träumer, der in den Tag hineinlebt. Seine wenigen Pflichten erfüllt er für ein paar hingeworfene Fleischreste und tut keinen Handgriff zu viel. Weder ist er sich der Verantwortung den Beißern gegenüber bewusst, auf deren Kosten er sich durchschnorrt, noch zeigt er Ambitionen, selbst zu jagen. Das Einzige, was ihn an der Himmelsröhre interessiert, sind die Milchsklaven. Nicht zuletzt treibt er sich mit zwielichtigen Fremden rum." Er mussterte Kakko böse. "Und offenbar ist er auch eine undankbare, weinerliche kleine Petze. Jedenfalls sah ich mich in der Verantwortung, zu intervenieren, da du offenbar keine Zeit hast, Grauen."

  • Passend zu dem Gesichtsausdruck des Skopolenders verfinsterte sich auch der von Hector.


    "Halbherzig? Ich gebe Dir gleich halbherzig. Oh natürlich ich verstehe! Ich bilde ihn als Beißer aus und nicht als Sklaven oder Drei-Taler-Hure. Welche Art von Ausbildung soll das sein, wo Du versuchst ihm an die Wäsche zu gehen? Was ich aus ihm gemacht habe? Er lebt oder? Das kann man nicht von allen hier behaupten", erklärte das Grauen und grinste.


    "Zudem jeder hat eine andere Aufgabe in unserem Verein. Der Koch geht nicht auf die Jagd, der Jäger kocht nicht. Ich habe ihm das Leben geschenkt, vielleicht aus sentimentalen Gründen, vielleicht aus einer Laune heraus, oder einfach weil ich satt wer? Wer weiß das schon genau? Du ganz sicher nicht, ich hingegen schon. Wo ist denn Dein Mündel? Ich sehe keines.


    Gut, fahren wir die Krallen für einen Moment ein. Das Kakko sich nicht mit Fremden herumtreiben soll ist Fakt. Wie er Dich behandelt hat, war entwürdigend und respektlos, gerade vor so einer Witzfigur. Das hat er schon zu hören bekommen. Da spreche ich Dir nicht mal ab, ihm eine mitzugeben oder ihm zu zeigen wo der Frosch die Locken hat.


    Die Grenze ist dort, wo Du ihn meinen Bereich eingreifst. Er ist mein Mündel und ich lasse nicht zu, dass Du ihm einen wegsteckst. Geh Dich an den Sklaven abreagieren oder rammele hier Deinen Kollegen durch. Aber ich warne Dich, fass einen von uns widerrechtlich an, dann werde ich ungemütlich.


    Kakko komm her Du wollst er Küchenschabe mit Überlänge was sagen", blaffte Hector.

  • Garlyns Augen verengten sich. "Hat er dir das erzählt? Ich habe ihn nur angepackt, wir waren beiden vollständig bekleidet. Ich habe es nicht nötig, jemanden zu zwingen, ich bin bestens versorgt. Das war eine Übung, aber bitte, ich kann es auch lassen. Wenn aber eines Tages wirklich jemand plant, ihm einen wegzustecken - was nur eine Frage der Zeit ist bei seinem Verhalten - wird es ihn vollkommen unvorbereitet erwischen. Eiskalt."


    Er hob den Finger und richtete ihn auf das Grauen. "Dann heul du mir nicht die Ohren voll!"


    Garlyn schnaubte und wischte sich über den Bart. Den Speichel schmierte er an seiner Hose ab.


    "Mein eigenes Mündel", sagte er dann laut und voller Stolz, "trägt die Zähne und dinniert mit dem Prince de Souvagne am selben Tisch. Er hat es weiter gebracht als jeder andere von uns, vom Aal vielleicht abgesehen. Aber wo er momentan ist, das kann ich dir nicht beantworten. Das weiß ich nicht. Es ist zwanzig Jahre her, dass ich ihn das letzte Mal sah. Zwanzig verdammte Jahre."


    Garlyn stöhnte, wie es eines Ghuls würdig war.

  • Hector zuckte mit den Schultern.


    "Kakko möchtest Du dazu etwas sagen, ich meine zu dem dezenten Hinweis des Skopo, dass Du mich schamlos belogen hast? Keine Sorge Skopo, er wird lernen sein Loch zu verteidigen, aber dazu benötigt er nicht Dich als Lehrer. Solange Du ihm das Kämpfen beibringst und wie man unseren Verein weiterhin als elitäre Einrichtung ansieht, nur zu. Das gleiche würde ich Deinem Mündel beibringen. Nicht für Dich, genauso wenig wie Du für mich, sondern wir tun es für die Familie und das Nest.

    Allerdings kann ich nicht im Raum stehen lassen, wenn Du ihm die Eier kraulst in einer Übungsstunde oder ihm Deine Medizinbälle in den Nacken presst.


    Kakko habe ich schon 24 Jahre an der Hacke, also ja er war mein erstes Mündel. Wieso fragst Du? Dein Mündel speist am Hofe von Souvagne? So? Interessant, ich wusste gar nicht dass man dort so isst wie wir. Naja woher auch, ich wohne ja in einem Erdloch am Rande eines Arschlochs.


    Da fällt mir der alte Witz der Bestie ein, was ist der Unterschied zwischen meinem Boss und einem Vulkan?

    Ein Vulkan ist ein Erdloch.


    Noch ist Kakko mein Mündel und ich stehe für ihn ein. Wobei er eigentlich schon 10 Jahre über Verfallsdatum ist, mit seinem 24 Jahren. Er könnte schon 10 Jahre selbstständig sein. Aber er ist ein Arashi, schwer von begriff und er ist eben anders.


    Er scheint einfach ohne jede Schärfe geboren zu sein. Weder hat er einen scharfen Verstand, er sieht nicht scharf aus, noch hat er scharfe Zähne. Es bekümmert mich, aber man kann es ihm nicht einprügeln", sagte Hector versöhnlich.

  • "Nun, mein Mündel ist auch zu einem Viertel Arashi. Und es hat ihm nicht geschadet. Ich habe ihn durch meine Ausbildung zum Mann gemacht und zum Beißer. Er war für diese Art der Übungen auch anfangs undankbar, bis er begriffen hat, dass ich es gut mit ihm meine. Heute ist er Leibgardist der Krone von Souvagne. Es hat ihm also nicht geschadet. Aber jeder hat seine eigenen Methoden, ich will deine gar nicht kritisieren. Der Hinweis reicht, ich halte mich künftig raus." Er winkte ab.

  • Kakko legte den Kopf schräg. Er funkelte erst den Skolopender, dann seinen Meister mit schwarzen Augen an.


    "Er hat es Übung genannt, aber mich dabei ständig begrabscht. Dagegen sollte ich mich wehren. Witzig! Schau dir den wandelnden Kleiderschrank an. Frag dich mal, warum dein Mündel sich seit 20 Jahren vor dir versteckt, Skopo. Vermutlich muss ich als Ersatz herhalten."

  • Hector blinzelte kurz in Zeitlupe.

    "Wie heißt der Kerl? Kenne ich ihn?", hakte er nach.


    Als Kakko den Skopolender anfunkelte stöhnte Hector innerlich auf. Als sein Mündel dann auch noch frech ihn anfunkelte, bekam Kakko eine schallende Ohrfeige verpasst für seine Frechtheit.


    "Jetzt reicht es aber, hat Dir dieser aufgeblasene Arsch eines Pseudoverwandten diese Flausen in den Kopf gesetzt? Ich verlange als Wiedergutmachung seinen Kadaver, heute Nacht!", zischte Hector Kakko an.


    Das gab es doch nicht, da reichte man der kleinen Frühlingsrolle eine Kralle und schon schnappte er sich die ganze Hand.

    "Hast Du das verstanden, Deine Entschuldigung", verlangte das Grauen und hätte sich am liebsten die Haare gerauft, aber er wollte seine Frisur nicht ruinieren.

  • Kakkos Kopf wurde herumgeworfen. Er keuchte vor Schmerzen. Die Ohrfeige hatte gesessen, vor allem aber brannte nun das Innere seines Ohres wie Feuer. Er ließ sich auf die Knie sinken und presste die Stirn in den Dreck.


    "Verzeihung, Meister. Ich war nur übermütig. Es war ein sehr dummer Scherz von mir. Noch heute Nacht sollt Ihr köstlich speisen."

  • Garlyn machte ein verächtliches Geräusch. "Als ob der Piepmatz in der Lage wäre, Beute zu schlagen. Aber sei es drum. Er wird keine wie auch immer gearteten Berührungen von mir fürchten müssen. Mein eigenes Mündel war da ganz anders und ja, du solltest ihn zumindest dem Namen nach kennen. Es ist Kazrars Sohn, Tekuro Chud. Der Schwarze Skorpion. Und er gelangte in meine Obhut, da sein Vater nicht mehr für ihn da sein konnte."

  • "Kazrar genannt die Narbenfresse, er war das Mündel meines Vaters. Er diente genau wie Vater bei dem Monster, nun es scheint ihm gut gegangen zu sein, bis zu jenem verhängnisvollen Tag an dem die Salami besonders dick geschnitten wurde. Wie Vater mir erzählte. Kazrar starb auf grauenvolle Art und Weise, ihm wurde die Kehle durchschnitten, aber bevor er die Welt verließ pfählten sie ihn auf eine Salami.


    Er war tot, gefällt von Sklaven, er hat sich in Sicherheit gewogen, die es nicht für ihn gab. Das war der Preis. Er wird seinen Sohn aus den gleichen Gründen weggeben haben wie wir unsere Kinder weggeben - sie sollen überleben. Und so wuchs der Zwerg-Chud in der Ferne auf. In Souvagne leben auch einige von uns, dort lebte sogar einst eine Gefährtin meines Vaters.


    Soweit mir bekannt ist, weilt Narbenfresse aber wieder unter den Lebenden, dem Ältesten sei Dank. Die Bestie erzählte mir davon. Ihm wurde diese besondere Ehre zu Teil, obwohl er bis dato nicht einmal über Zähne verfügte. Er bekam sogar einen neuen Körper.


    Du musst den Zwerg-Chud in jungen Jahren angenommen haben. Arbogast hat ihn aus Souvagne in den Zirkel geführt, er war hier. Auf Weisung der Bestie hat er sich Tekuros angenommen, er hatte dort einige Probleme, quasi einen Stock im Arsch. Sogar per Dekret, wie ich hörte. Man sagt er sähe atraktiv aus. Er hat die Hinterlassenschaften seines Vaters abgeholt, schon vor einer ganzen Weile. Das muss ein Jahr her sein, vielleicht sogar länger. Ich habe es mir nicht gemerkt, er hat sogar bei der Baronin vorgesprochen meine ich.


    Tekuro Chud, der schwarze Skorpion, also ist er einer von uns. In die Fußstapfen seines Vaters getreten. Hoffen wir, dass er vorsichtiger und klüger ist, als sein Vater", gab Hector zurück und zog Kakko zum zweiten Mal an diesem Tag an den Haaren auf die Füße.


    Der Bursche sah wohl gerne, wenn er sich bückte.


    "Kakko benimm Dich einfach anständig und respektvoll und schmeiß Dich nicht immer in den Unrat. Wie hieß die Kröte nochmal? Aisu? Schneid ihm den Kopf von den Schultern, bekommst Du das hin?", fragte Hector in so einem seltsamen Ton, als hätte er den kleinen Kuckuck aufgefordert ihm ein Bild zu malen.

  • "Wie denn", wimmerte Kakko kläglich. "Er hat ein Schwert und ich bin nur ein Aasfresser, der nicht mal ein Messer führen kann, außer zum Essen, weil seine Zähne stumpf sind. Wollt Ihr mich tot sehen, nur weil der Skolopender nicht zugibt, dass er mich gern anfasst? Aber bitte, ich werde Euren Wunsch erfüllen. Darf ich mich vor meinem Ableben noch von Ratte verabschieden?"

  • "Er kann es nicht lassen", murrte Garlyn. Aber von jetzt an war ihm egal, was aus dem kleinen Schlitzauge wurde. "Tekuro habe ich demnach genau verpasst. Er war 15, als er zu mir kam und etwa neunzehn, als ich ihn der Obhut der Leibgarde überließ, wo er jemanden hatte, der fortan auf ihn aufpassen würde. Der Abschied ist mir nicht leicht gefallen, das kann ich dir flüstern. Aber er sollte nicht ewig an meinem Rockzipfel hängen, sondern lernen, allein zu jagen. Nur nach zwanzig Jahren würde ich dann doch gerne mal aus seinem eigenen Mund hören, wie es ihm ergangen ist.


    Warum hat die Bestie Kazrar und seinen kleinen Hiwi eigentlich nie gerächt? Das will in meinen Kopf nicht rein."

  • Hector musterte Kakko und streichelte ihm liebevoll das Haar glatt.


    "Streng Deinen Kopf an Kuckuck. Denkt er nicht, Ihr wärt Freunde? Du hast mich angelogen, um mich zu benutzen. Nun wirst Du jemanden anlügen, um ihn zu schlachten. Misch ihm was ins Getränk, dass ihn betäubt. Stranguliere ihn von hinten, wenn er wo sitzt. Ersticke ihn mit einem Kissen im Schlaf. Hämmere ihm den Ellenbogen vor die Schläfe oder beiß ihm beim Sex die Kehle durch. Du bist doch sonst auch so erfinderisch, überrasche mich Kakko. Du wirst nicht sterben, wenn Du es geschickt anstellst. Selbst dann nicht wenn Du versagst. Da Du gerne Geschichten erzählst, wirst Du nun zum Märchenonkel für Deinen lieben Freund aus dem Heimatland. Heute Abend gibt es was vom Arahimann zu essen. Und bring mir sein Schwert als Souvenir mit.


    Das Du mich gegen den Skopo ins Feld schicken wolltest, dass nehme ich Dir nicht krumm Kakko. Das Du mich angelogen hast schon", antwortete Hector auf die Jammerei seines Mündels. Er war mehr Aal als Kuckuck.


    "Ich kann meinen Vater bitten ein Treffen zu vereinbaren, falls Dir derart viel daran liegt. Warum die Bestie Kazrar niemals gerächt hat? Das kann ich Dir nicht sagen, da müsstest Du ihn selbst fragen", gab Hector zurück.


    `Einer der beiden Sklaven die Kazrar umgebracht haben, war sein Eigentum. Er wird ihn nicht aufspüren und töten. Das ist für die Bestie keine Strafe Skopo, Du kennst meinen Vater nicht. Er wird ihm das nehmen, was dieser Mann am meisten liebt. Und dann wird er ihn erneut brechen. Er wird ihm zeigen, dass all die Freiheit reine Illusion war.


    Nimmersatt war nicht frei, weil er davon lief und sich seine Freiheit erkämpfte. Nein. Er war frei weil die Bestie es erlaubte. Meint die Bestie die Zeit in der Freiheit ist um, dann kann sie nichts auf der Welt davon abhalten, Dich einzusacken. Gleich wo Du bist, gleich wie mächtig Du bist, Du bist trotzdem Ihr Sklave.


    Das wird Paps tun, dass ist seine Form von Bestrafung. Zurück in den Käfig, den die Bestie vor Jahren erbaut hat. Vielleicht wird er ihn wieder verleihen, oder sogar vermieten wie eine Hure? Einfach um zu zeigen, dass er mit ihm alles tun kann. Denn nichts an ihm, gehört Nimmersatt selbst. Dabei geht es nicht um Kazrar, sondern darum, dass es ein Sklave wagte, einen Herrn zu töten.


    Und wieder bewahrheitet es sich, Herkunft, Volk, Rasse, Stand, alles unwichtig. Jäger oder Beute. Herr oder Sklave, dass sind die Einteilungen der Welt. Nimmersatt könnte König sein, er wäre trotzdem nichts weiter als der Sklave meines Vaters. So wie zig andere. Der einzige Unterschied ist, dass er überlebt hat, aber das ist ein Umstand den Archibald beheben wird.


    Er wird Dave vernichten, so dass es nur noch Nimmersatt gibt. Aber das sind so kleine private Dinge, die Dich echt nichts angehen Skopo´, dachte Hector und schmunzelte bei dem Gedanken daran, wen Archibald auf seiner Speiseliste hatte - Irmina.


    Das Geschäft mit dem Aal bezüglich der Lieferung einer Marquistochter war nicht zustande gekommen. Der sechstellige Betrag war ihm dann doch zu hoch. Aber er würde sie sich organisieren, auf die eine oder andere Weise.


    Dem Grauen kam eine grauenvoll geniale Idee. Was wenn er sich die Kleine schnappte und damit von der Idee der Bestie freikaufte? Das Geschenk mit einem anderen Geschenk neutralisieren. Beiß mich nicht, dafür bekommst Du das Kind Deines ärgsten Widersachers. Die Idee hatte was.


    "Nun da die Fronten geklärt sind, viel Spaß mit Gizmo. Kuckuck ich habe mir es anders überlegt, folge mir. Ich benötige Dich bei einem Auftrag", erklärte Hector und machte sich umgehend auf den Weg zum Zirkel. Der kleine Eiskuckuck hatte Schwierigkeiten mit dem Stechschritt seines Meisters mitzuhalten.