Kapitel 17 - Neue Möglichkeiten

  • Hector blinzelte Kakko an und schenkte ihm ein zähnefletschendes Lächeln. Er drückte den kleinen Eiskuckuck an sich, der im Grunde genauso groß war wie er.


    "Dann schauen wir wohin uns unser Weg führt, ich bilde Dich als meinen Nachfolger aus. Mit all dem Wissen, dass Du haben musst. Entweder um das Nest und den Zirkel zu beschützen oder um ihn damit zu vernichten, falls nötig. Du musst die Sprache der Alten lernen und ihre Schriftzeichen.


    Du musst lernen wie Du Magie aktivieren kannst. Weder Du noch ich können Magie wirken, aber wir können Artefakte aktivieren, dadurch dass wir selbst eines sind als Schlüsselmeister. Das ist einer der Schlüssel, die wir in Händen halten, oder besser gesagt tief unter der Haut und in unserer Seele tragen.


    Für manche Artefakte benötigt man alle Schlüsselmeister, für die meisten nur einen einzigen. Die meisten Tore lassen sich von den Sieben öffen. Den sieben Schlüsselmeistern. Aber des gibt Tore und Artefakte, die sind nur einem Meister zugeteilt, nur mir, nur Justinian und so weiter. Und es gibt Tore und Artefakte die sich nur im Verbund öffnen lassen. Damit keiner der Meister einen tödlichen Alleingang startet. Dazwischen gibt es auch Tore und Artefakte, die sich nur in Kombination aktivieren lassen zum Beispiel von Meister eins und Meister Sieben und so weiter. Ich bin der siebte Meister, Nummer Sieben.


    Das für den Anfang, wobei ich Dir stets versucht habe Wissen zu vermitteln. Ein uralter Schwur aus dem Zirkel, den Du unbewusst oder bewusst verwandt hast, schwöre ich Dir ebenfalls. Ominas Hare Kakko - übersetzt, Treue über den Tod hinaus. Wo Du bist bin ich - wo ich bin, bist Du. Lass uns gehen, Arashima und möglicherweise ganz Asamura wartet auf uns", antwortete Hector.

  • Kirimar nickte und drückte sich an Tekuro.


    "Ja ich habe einige Töchter, ich habe fünf leibliche Kinder. Der Älteste ist 16 Jahre, der Jüngste ist 4 Jahre alt. Zwei Söhne und drei Töchter, sie sind 15, 12 und 10 Jahre alt Tekuro. Ich glaube Dir was die Wahl Deiner Besucher angeht, letztendlich entscheidet Hector wer bleiben darf oder die Baronin, sprich falls einer Ärger macht ob er vor die Tür gesetzt wird.


    An Sklaven habe ich fast nur sexuelles Interesse. Sie müssen gut aussehen, anschmiegsam sein und arbeitswillig. Gut ausgebildete Sklaven zu fressen ist für mich ein Tabu. Finde erstmal einen guten Sklaven und dann die jahrelange Arbeit. All das würdest Du fressen. Drum halte ich es getrennt, Sklave und Futter ist bei mir nicht das gleiche Wort.


    Für das Herz hast Du Deinen Bellamy und ich meinen Hector. Von daher denken wir da ganz ähnlich, was Männer, Sklaven und Beute angeht. Nur bin ich kein Lauerjäger", sagte Kirimar und räkelte sich gemütlich.

  • "Ich werde alles lernen", versprach Kakko und drückte sich an seinen Meister, der ihn Sohn nannte. Kakko fühlte das Gleiche, er hatte nie einen Zweifel daran gehabt, dass Hector sein Vater war. Dazu bedurfte es keiner Blutsverwandtschaft. "Ich bin sehr gespannt auf diese uralte Sprache und auf alles, was sie an Geheimnissen in sich birgt. Ich erwidere den Schwur: Ominas Hare, Hector. Wo du bist bin ich - wo ich bin, bist du. Ich liebe dich, Vater." Kakko drückte ihm einen Kuss auf die Wange und er hob sich. Tekuro und Kirimar kuschelten so innig, dass Kakko etwas unsicher wurde. "Dürfen die das", fragte er leise.

  • "Ich kann das manchmal nicht trennen ... Herz und Sklaven ... früher konnte ich das. Nun nicht mehr. Patti ... ist so ein merkwürdiger Grenzfall. Ein absoluter Edelsklave, den mein Vater gern zum Jäger an meiner Seite gemacht hätte. Das Potenzial schlummert in ihm. Aber er will nicht! Weil, er dient so gern! Deine Töchter würde ich gern kennenlernen, für später. Wobei, die 15-jährige wäre jetzt schon interessant. Sorgen musst du dir um sie keine machen bei mir. Ich jage keine kleinen Mädchen. Sie sind sicher."

    "Not all those who wander are lost."
    J.R.R. Tolkien

  • Hector zog ein Gesicht, dass Kakkos Frage eindeutig beantwortete. Er starrte Kirimar mit einem Blick an, um den ihn jeder Hai beneidet hätte. Einen Augenblick lang presste er die Lippen zu einem schmalen, dünnen Strich zusammen und legte den Kopf leicht schief.


    "Ja, da ich mir das gleiche Recht rausnehme", antwortete Hector gepresst. Einen Moment überlegte er, ob er Kirimar den Opak vor den Schädel schleudern sollte. Nächstes Blut.... minus 5 cm, bitte suchen Sie dringend den nächsten Heiler auf....


    "Am liebsten würde ich ihn mit Anlauf in den Arsch treten, das ihm auf dem Schädel die Schuppen scheppern. Er behauptet er liebt mich und vögelt mit Tekuro herum. ALLEIN! So war das sicher nicht abgemacht, aber gut, biddeschön. Wir sind ja bald auf einen Schiff. Man sagt ja Matrosen wären dauergeil. Na vergiss was ich sagte. Ich werde den Blödmann weder treten, noch die Nummer versauen. Du weißt dass ich ihn mag oder? Sicher weißt Du das", gab Hector zurück und legte Kakko einen Arm um die Schulter.


    "Hattest Du mir nicht auch was zu erzählen, hatte Dich der Skopo nicht mal bei irgendwas erwischt? Oh ich erzähle Dir nachher in der Kajüte mal einige Schandtaten aus meiner Jugend", lachte Hec und drückte Kakko.

  • "Mit 15 Jahren sind sie meist schon dem Beuteschema eines Babybeißers entwachsen Teku. Richtige Babybeißer gehen auch keine Kleinkinder mehr an oder Kinder an sich. Ich vertraue Dir, sonst hätte ich keinen Frieden mit Dir geschlossen. Nicht auf diese verzückende Art, aber denke an Deinen Vater und seine Neigung. Ich verlasse mich auf Dein Wort, denk daran wenn ich Dir meine Tochter anvertraue von Beißer zu Beißer, von Vater zu Vater", sagte Kirimar und stand auf.


    "Lass uns zu Deinem Schiff reisen, ich freue mich auf meine erste Schiffsreise", lächelte er versonnen und warf Hector einen freundlichen Blick zu.


    "Er ärgert sich gerade den Arsch ab und ist eifersüchtig bis in die Haarspitzen, gut so. Du musst mich auf dem Schiff nochmal beglücken, dass wird ihn zur Vernunft bringen. Und für uns beide ist es ja auch ziemlich ermunternd nicht wahr?", grinste Lieblich zuckersüß und streichelte Tekuros flauschige Brust.

  • Hector hörte sich Kakkos Geschichte an und schüttelte sich dabei vor Lachen.


    "Danke für die Aufmunterung, da hat Dich Garlyn ja gerade zur passenden Zeit geschüttelt. Was macht Dich derart heiß auf Milch? Oder ist es nicht die Milch, sondern der Umstand wie ein Baby behandelt zu werden? Sprich gehalten zu werden, gesäugt zu werden mit dem Bonus des Akts?


    Vor einer halben Ewigkeit hatte ich einen Auftrag gemeinsam mit Rojo, also Jimena. Es gab eine Droge in der Stadt. Nichts ungewöhnliches in einer Stadt wie Obenza. Aber die Droge hatte es in sich, vor allem für uns. Hatte sich ein Gabad das Zeug reingepfiffen, war er für jeden Beißer höchst toxisch. Das Gift pumpte durch seine Adern und Venen und verwandelte Beute in Giftköder.


    Die Droge war nicht einfach eine Droge, sie war eine tödliche Kampfansage an uns. Ich habe den Fehdehandschuh aufgehoben und gemeinsam mit Rojo die Gefahr ausgelöscht. Aber darum geht es nicht. Im Laufe unserer Ermittlung bezüglich der Droge, habe ich die letzte Ruhestätte von Urban gefunden. Urban war mein Meister, mein Vorgänger Kakko. Da ihn sein Yorik in die Luft gejagt hatte, blieb nichts weiter von ihm übrig, als seine Waffe und Fleischfetzen in einem der Tunnel.


    Urban war auf der Jagd, wonach.... dazu ein andermal mehr.


    Jedenfalls wurde er von den Gabad entdeckt und wie ich Dir sagte, manchmal geschieht das Ungewöhnliche und die Beute dreht sich um. Sie greift geschlossen an und tötet den Jäger. Wehe dem, der dann nicht im Freien ist. Deshalb halte Dir immer den Rücken frei und einen Fluchtweg offen.


    Urban hatte eine Fehlentscheidung getroffen und sie mit seinem Leben bezahlt. Er versuchte über die Tunnel zu entkommen. Sie haben ihn gestellt und mit schierer Masse niedergemacht. Gabad haben meinen Ziehvater mit allem was sie in die Hände bekamen hingerichtet. Er wurde in dem Tunnel niedergemetzelt. Als sie sich zurückzogen war er immer noch nicht tot, er stützte sich auf sein Schwert ab und spie ihnen entgegen.


    Die Gabad verzogen sich und ließen ihn zum Sterben zurück. Trotz seiner Verletzungen fürchteten sie. Sie würden wiederkommen, sobald er sein Leben ausgehaucht hätte. Das wusste er, dass wusste Attica, sein Yorik. Sie würden sich seinen Kopf holen, als Trophäe und Beweis einen Massenmörder geschlachtet zu haben. Dazu kam es nicht. Als sie zurückkehrten um ihr blutiges Werk zu beenden wurde die Leiche von Urban in tausend Fetzen zerrissen und mit ihm ein Großteil seiner Mörder.


    Bis dato eine traurige Geschichte, eines wirklich großes Jägers und Mannes.

    Eine Frage, wie kamen die Gabad in den Tunnel?

    Woher wussten sie davon?


    Er wurde verraten, er wurde in eine Falle gelockt von niemand geringerem als von der Baronin. Sie opferte ihn. Sie ließ ihn über die Klinge springen, damit ich seine Nachfolge antrete und so geschah es. Ich wurde an meinem 19. Geburtstag zum Schlüsselmeister geweiht.


    Ungefähr zwei Jahre später habe ich genau das herausgefunden. Passend zum Jahrestag zu meinem Geburtstag wichste ich in ihr Fressen", erzählte Hector.

  • Kakko guckte pikiert, als Hector ihn auslachte. Er rieb seinen Hinterkopf. "Ich dachte du könntest es vielleicht verstehen. Es ist alles, die körperwarme Milch, die Geborgenheit, der Geruch der Ammen und noch mehr." Er blickte mit roten Wangen beiseite. "Garlyn meinte, dass sei erbärmlich und kein Sex." Er druckste etwas herum. "Das fand ich hart und bin nicht sicher, was er meint.


    Wie Urban sterben muste, tut mir leid. Sicher war er dem Zirkel untreu, dass er so gehen musste. Wenn ich einst Schlüsselmeister werde, muss dann auch jemand sterben? Oder werde ich es erst, wenn jemand ohnehin stirbt? Und gibt es diese Droge noch, oder wurden die Labore vernichtet, die dafür verantwortlich waren?"

  • Hector zog Kakko ein Stück näher zu sich heran.


    "Du hast mich missverstanden, ich habe Dich doch nicht ausgelacht Kakko. Witzig war das Schütteln ausgerechnet in dem Moment, wo Du gekommen bist. Möglicherweise fand der Skopolender das heiß, was wissen wir schon. Es ist für mich nachvollziehbar, wenn Du es mir so erklärst Kakko. Wärme, Geborgenheit, Nähe und passender Geruch. Ja... an Gerüche kann ich mich wesentlich länger erinnern, als an manche anderen Eindrücke.


    Jeder benötigt einen Rückzugsort wo er sich sicher und geborgen fühlt. Wobei das bei manchen von uns nicht mal ein Ort, sondern eine Person ist. Und Du hast Dich in den Armen der Ammen so gefühlt. Ein Rundumpaket an Nestwärme und allem was man sich insgeheim wünscht.


    Es ist ein Grundbedürfnis Kakko, daran ist nichts verwerflich, gleich was Garlyn Dir erzählt hat. Man kann es auch niemandem austreiben oder abgewöhnen. Bei Archibald haben sie es versucht, bei mir haben sie es versucht, aber jeder hat sich auf seine Weise einen Ersatz gesucht. Dir steht das gleiche Recht zu und letztendlich entscheidet das nicht Garlyn.


    Andere Frage in Bezug auf uns beide, fühlst Du Dich da übergangen? Lass uns beim Reden zu den Pferden gehen Kakko, wir wollten abreisen", sagte Hector, stand auf und gab den Weg vor.