Kapitel 15 - Wenn das Grauen den Aal erfasst

  • Wenn das Grauen den Aal erfasst

    Vendelin verlos jedes Zeitgefühl, während sie beieinander in der geräumigen Koje lagen. Es gab ihm das Gefühl, als würden sie sich aufeinander einstimmen, wie man ein Instrument langsam stimmte, den Ton prüfte und feinste Korrekturen vornahm. Sie sprachen die Zeit über nur wenig, aber fühlten viel. Beide waren vollständig bekleidet, es war warm und der Geruch von Holz und frisch gewaschenem Bettzeug umgab sie. Das Schiff ächzte und knarrte leise. Irgendwann hob Vendelin den Kopf und sah sich um. Die benachbahrte Koje war durchwühlt, aber leer. Vermutlich schlief Kakko darin. Den hatte er aber eine Weile nicht gesehen, sie waren für sich.


    Vendelin betrachtete das ovale, bleiche Gesicht des Mannes, den zu lieben er nicht hatte verhindern können. Die Größe dieses Gefühls machte ihm Angst. Das, was sich nun so großartig anfühlte, so erhebend, war das, was seinen Vater umbgebracht und seinen Sohn zerstört hatte. Wigbergs liebten sehr tief, sie banden sich sehr eng an jene, die ihnen wichtig waren. Man sagte, sie seien der Kitt, das verbindende Element, das die Gegensätze einte. Sie konnten reparieren, was zerbrochen war. Doch was bedeutete das für sie selbst?


    Vendelin hatte nie ein solcher Wigberg werden wollen. Wenn er tief in sich hineinlauschte, so wäre er manchmal lieber als Hohenfelde geboren worden. War es nicht viel glamouröser, als ruchloser Nekromant in die Annalen einzugehen, denn überhaupt nicht darin aufzutauchen oder nur unter falschem Namen oder gar nicht? Wer kannte Wenzel, wer erinnerte sich an ihn? Wenzel hatte lautlos gelebt und war in vollkommener Stille gestorben und vergangen wie der Rauch eine Kerzenflamme, die nie gebrannt, sondern nur geschwelt hatte. Darauf wäre Wenzel stolz, wüsste er davon. Vendelin aber hatte das Gefühl, dass sein Vater so wenig gelebt hatte wie er selbst es tat. Ein Fantom, eine Maske unter der nur Leere war. War der Pakt mit Hector ein Weg, der hinausführte aus diesem Schicksal? Würde er den Rest der Persönlichkeit, die unter all den Schichten vielleicht noch war, finden und retten? Oder führte dieser Weg nur noch tiefer in den Nebel der Vergessenheit? Ganz gleich, Vendel hatte beschlossen, ihn mit Hector zu gehen.


    Vendelin setzte sich auf. "Wenn es uns gelingt, den Zirkel, wie man ihn heute kennt, zu vernichten, möchte ich eine Statue für meinen Vater errichten. Riesengroß soll sie sein und seinen wahren Namen tragen. Wir sollten nicht länger hier verweilen sondern die Reise fortsetzen, ehe Dunwolf zu viel Zeit erhält, seine Kräfte zu sammeln und sich vorzubereiten auf das, was ihn und die Baronin erwartet."

  • Es war rund, fast so als läge er Zuhause in seinem Quartier, tief unter dem Monster Obenza. Jene Stadt die ihre Einwohner verschlang. Manchen war es vergönnt, Obenza zu entkommen nur um sich dann in seinem Nest und im Magen seiner Beißer wiederzufinden. Hector kraulte seinen Mann mit geschlossenen Augen. So war das Gefühl intensiver, die Wärme, der Geruch, die Berührung, all das bildete ein Gesamtbild, dass sich in seinen Verstand einbrannte. Es war mehr als ein Liebe, es war Schutz und Hingabe. Er würde Vendelin an seinem Geruch erkennen, an seiner Art zu Atmen oder an seinem Schritt.


    All das würde ihm in der Endschlacht davor bewahren zu fallen, denn möglicherweise wurde sie auf einer Ebene geführt, die dunkler war als die schwärzeste Nacht. Wo Raum und Zeit keine Rolle spielten und oben und unten jede Bedeutung verloren. Die Armee... es würde so mancher davon auf der Strecke bleiben. Kaum ein menschlicher Verstand war dazu gemacht, sich in diese Gefilde hinabzuwagen.


    Er war dazu nicht nur ausgebildet, er kannte sich dort aus und er würde seinen Mann führen. Vendelin vertraute ihm, dort würde sich das Vertrauen als Lebensversicherung erweisen. Nichts war dort wie es schien, falls man etwas sah durfte man dem nicht glauben. Oder, wenn es glaubhaft war, sollte man besser nicht hinsehen. Dinge, Wesen, Geschehnisse, die verrutscht waren. Sie waren nicht mehr an dem Fleck wo sie in der Normalität hingehörten sie waren - verrückt.


    Das Wort hatte dort die ursprünglichste seiner Bedeutungen.


    Vendelin lag auf seinem Bauch, hatte sich angeschmiegt. Nun schade dass der Mann nicht lesen konnte, aber vielleicht spürte er es tief in seiner Seele. Er hatte sich auf den Chaosstern gebettet und seinen Kopf auf den Zeichen der Durchdringung abgelegt. Trug und Lügengebilde, erschaffen und zerstören. Schatten weben und Schatten vernichten, aber noch verstand Vendelin nichts. Es machte nichts, Ven war kein Schlüsselmeister.


    Hec korrigierte sich in Gedanken, im Grunde war Ven sehr wohl ein Schlüsselmeister, nur diente er keinem Ältesten, der diente seiner Sippe. Hütete, verwahrte, versteckte und schützte sie. So wie es sein Vater getan hatte, so wie sie einen ganzen Zweig einer Sippe versteckt hatten. Das Grauen schmunzelte leicht.


    `Respekt´, waren seine Gedanken, die er nicht mit seinem Mann teilte. Etwas anderes würde er mit ihm teilten, sobald die Zeit reif dafür war.


    Als sich Vendelin aufsetzte folgte Hector seinem Beispiel und strubbelte seine Haare wieder zurecht.


    "Du setzt falsche Prioritäten Vendelin. Wichtig ist nicht die Vernichtung des Zirkels, sondern die Rettung unserer Kinder und der Beißer. Fällt der Zirkel, wunderbar. Bleibt er bestehen, bitte. Natürlich greifen wir an um zu töten. Ziehe niemals Dein Schwert, wenn Du nicht töten willst. Übungen ausgenommen. Sicher würde ich gerne der Baronin den Kopf von den Schultern schlagen und ihren runzligen Schädel auf eine Lanze spießen. Aber die Rettung meiner Kinder geht vor und ich stelle solche persönlichen kleinen Vergnügen hinten an.


    Ist das Ziel aber nur über die Fällung von Mabel zu erreichen, steht sie mir im Weg werde ich alles daran setzen sie zu beseitigen. Ist ihr Tod nicht zwingend erforderlich, sondern zu gefährlich und würde mein Endziel gefährden, verschone ich sie. Vorerst. Ich kann mich später immer noch um das Ärgernis kümmern. Wie ich unseren Zirkel schaffe und auf welcher Basis ist mir gleich, aber wir werden es tun. Daran besteht nicht der geringste Zweifel.


    Hör mir gut zu Ven, gleich welche Entscheidungen ich treffe, gleich wie verrückt sie Dir erscheinen mögen, vertraue mir. Ich habe einen Plan und er wird funktionieren. Er hat schon angefangen, aber eines nach dem anderen.


    Die Statue Deines Vaters sollst Du haben, wobei sie eher Dir dient. Du benötigst einen Ort des Gedenkens, er selbst hätte sie nicht gewollt. Du hast Deinen Vater im Herzen, sonst nirgendwo Ven. Aber wenn Du Dir die Statue wünscht, bekommst Du sie", erklärte Hector freundlich.


    "Dunwolf wird nicht herkommen und Gegenmaßnahmen hat er schon ergriffen. Er hat Jus geschickt, er soll mich überzeugen zurückzukehren. Solange Justinian das versucht, wird Dunwolf mich nicht angreifen. Zudem wird er dieses Schiff nicht betreten, wegen Thabit und Ciel. Der nun den Dolch des Lichten trägt. Zuviel Ärger auf einem Fleck.


    Wir müssen in den Tempel des Lichten gelangen, um uns dort mit Wissen und Waffen einzudecken. Meist ist beides sogar identisch. Und wir müssen in den Norden gelangen, wir benötigen ein Schwert. Schattenschlinger. Ich hatte es Dir erklärt. So ausgestattet, wird Dunwolf kaum eine Chance gegen uns haben.


    Und so schnell kann er mich nicht ersetzen als Schlüsselmeister. Er müsste meinen Nachfolger weihen, ihn umformen und den Konsenz der Sieben wieder herstellen. Die Vorbereitungen auf die Weihe mit den dazugehörigen Zaubern und die Einstimmung dauern genau 1 Jahr und 1 Tag", grinste Hector über beide Ohren, "ich muss es ja wissen. Stirbst Du in der Weihe - Schicksal. Aber danach scheinen wir ihm doch teuer zu sein. Oder er scheut den Arbeitsaufwand".

  • "Mein Vater würde mich aufs schärfste maßregeln, wüsste er von meinem Wunsch, ihm eine Statue zu errichten. Als ob das lebensgroße Ölgemälde nicht reichen würde. Nein, es reicht nicht, es ist nicht plastisch. Man kann es nur aus einer Perspektive betrachten. Aber es könnte einem Bildhauer gut als Referenz dienen, genau wie das Gesicht von Moritz, der seinem Großvater sehr ähnlich sieht."


    Vendelin konnte nicht aufhören, Hector zu betrachten. Es fühlte sich surreal an, dass sie nun ein Paar sein sollten. Dass er sich darauf einließ, war das Abgeben der absoluten Selbstkontrolle, den Vendelin wusste sehr genau, dass er an dieser Stelle einen Schwachpunkt hatte, wie alle seiner Familie. Es war ein gefährliches Zugeständnis an sein wahres Ich. Eines, das sich anfühlte wie ein Regentropfen auf einem ausgedörrten Wüstenboden.


    "Ich werde dir vetrauen. Ich tue es schon, sonst wären wir nicht an diesem Punkt angelangt, Hector. Meine Prioritäten setze ich nicht anders als du die deinen, nur bin ich mir bereits im Klaren darüber, dass mit der Baronin unser geplanter Weg nicht möglich sein wird, während du noch zauderst. Sie ist eine Nachfahrin von Dunwolf und sie beide gemeinsam nährt der Zirkel. Sie ist nicht anders als ihr Vater. Nur vielleicht noch ein Stückchen hässlicher."


    Er lächelte. Das Gesicht vor ihm war ganz und gar nicht hässlich. "Dann also zuerst Schattenschlinger, dann der Tempel des Lichten und schlussendlich die Himmelsröhre." Vendelins gepflegte Hand strich über Hectors Arm.

  • "Ich vertraue Dir und Deinen Fähigkeiten ebenso Vendelin. Du bist ein kluger, weitsichtiger und sehr hübscher Kerl. Du siehst sogar manches in mir, was ich selbst nicht sehen möchte. Aber in einem Punkt irrst Du Dich, ich zaudere nicht. Es nützt nur nichts, sich grundlos abschlachten zu lassen Vendelin. Vorsicht ist keine Feigheit und Dummheit kein Mut. Lass die Baronin doch glauben dass ich zaudere, dass ich sie umgehen will, dass ich ihr nichts anhaben werde. Es ist nur eine Illusion, eine Teilwahrheit. Ich muss sie so erwischen, dass mir nichts geschieht, sonst ist es vorbei bevor es anfing Murdi... Schatz.


    Gleich wen ich auf unserem Weg beseitigen muss, er wird fallen. Aber ich muss uns so führen, dass wir auch das Endziel erreichen. Verschonen wir einige, sei es so. Haben wir erreicht was wir wollten, haben wir erst den ersten Schritt getan. Ab dato heißt es sichern, ausbauen, aufpassen. Dazu gehört auch, lose Enden wie die Baronin zu kappen.


    Optisch würde ich behaupten geben sich beide nichts oder?


    Du vermisst Dein Vater sehr, nicht wahr? Du hast ihn nie an Deiner Seite gehabt, Du warst stets auf Dich allein gestellt. Das hat Dir ein Loch ins Herz gerissen Ven. Du blutest auf einer anderen Ebene und Du bestrafst Dich selbst, seit einer halben Ewigkeit für etwas, was Du weder gewählt hast noch in Deiner Macht lag.


    Du brauchst die Statue um Wenzel zu umarmen und vor allem um ihn langsam loslassen zu können.


    Mein Vater war ebenfalls stets unterwegs, aber er war dennoch für mich da. Wie ein streunender Kater kam er heim, sagte Hallo aber er hielt den Sicherheitsabstand ein, solange es nötig war. Der Vergleich mit dem Kater stammt von Jesper, eigentlich sein Partner. Jesper ist in Ordung, er hat genauso ein Rennen mit Archibald mitgemacht wie Du mit Deinem Vater oder auch mit Vitto. Du kanntest es nicht anders, da schließt sich Dein Kreis Ven.


    Du wirst lernen Dich umzugewöhnen, denn ich bin kein Typ der gerne ein Rennen mitmacht und auf solche Scheiße habe ich keine Lust. Das klingt aus meinem Mund vieleicht schräg, aber ich bin auf gewisse Art ein häuslicher Typ. Ich hänge gerne Zuhause ab, mag es ordentlich, sauber und dunkel, am besten zig Meter unter der Erde und schön sicher verrammelt. Meine Leute, mein Pferd, was Leckeres zu essen, interessante Bücher, einen guten Trainingsraum, Sklaven.


    Eigentlich nicht zu viel verlangt oder? Wenn ich dafür kämpfen muss, werde ich es tun. Das habe ich 42 Jahre lang getan und wenn zwei gewissen Personen auf einen Arschtritt mit Anlauf bestehen, wer wäre ich, es ihnen abzuschlagen.


    Frage Dir ist Treue wichtig, das nehme ich sehr ernst. Allerdings muss ich wissen wie es um den Akt steht, bei Verhören und so weiter. Dahinter ist ja keine Zuneigung, sondern es ist Folter. Was sagst Du dazu? Erlaubt oder verboten? Und noch eine Frage, wie stehst Du zu Pferden? Such keinen Zusammenhang, es gibt keinen. Zwei unabhängige Fragen.


    Du bist ein Buchhalter, also falls wir auch Rechenrätsel stoßen, ist das Dein Part. Alte Schriften sind meiner", sagte Hector und küsste Vendelin auf die Stirn.


    "Auf den Mund küsse ich Dich, wenn Du stillhältst", grinste er.

  • "Von einem Leben im Untergrund lasse ich mich gern überzeugen, das halte ich genau so. Ich liebe Kellerlabyrinthe, darin fühle ich mich rundum wohl. Ja, ich würde die Wenzelstatue gern umarmen, doch ich muss die Vermutung verneinen, dass sie mir helfen würde, ihn loszulassen. Das vermag ich nicht, Hector. Denn ich habe ihn nie halten können, er war nicht greifbar gewesen, sondern glich einer schillernde Seifenblase, die verschwindet, wenn man sie halten möchte."


    Von den Fragen war Vendelin überrumpelt. Aber er sah ein, dass es notwendig war, sie gleich am Anfang zu klären, ehe es zu Misverständnissen kam.


    "Nun, offenbar habe ich mir einen sexuell sehr aktiven Mann angelacht, dem ich allein nicht bieten kann, was er benötigt. Wie gesagt, wir alle haben unsere Schemata, denen wir folgen und ich kann mich diesem offenbar nicht entziehen. Ich persönlich verhöre niemanden mithilfe sexueller Gewalt. Diese verabscheue ich, auch gegenüber Sklaven. Mir ist aber bewusst, dass einige Beißer dies benötigen, um im Reinen mit sich zu bleiben. Gehörst du dazu, nun, dann sei es so. Jedoch möchte ich dies weder hören noch sehen, das würde ich als Affront betrachten.


    Auch ich muss dann wohl noch fragen, wie du zu gleichem Thema stehst. Und dann gibt es ja noch Moritz' Mutter." Vendelin lächelte schmal.


    "Wenn diese Dinge geklärt sind, nehme ich den Kuss dankend entgegen. Oh, und Pferde sind in Ordnung, wenngleich ich anderen Tieren den Vorzug gebe."

  • "Danke für das Filett, aber langsam mit Deiner Einschätzung von meinen Bettfähigkeiten. Keine Ahnung ob ich sehr aktiv bin, Durchschnitt oder eine Schlaftablette. Bei mir richtet sich das nach Lust und Laune. Das heißt mal habe ich oft Lust, mal keine. Das kennst Du sicher auch und wir finden schon zusammen. Gibt zig Möglichkeiten um den Partner in Stimmung zu bringen und falls es nicht gelingt, trotzdem eine schöne Zeit zu haben. Daran wird es nicht scheitern.


    Zur Folter. Manchmal ist es das einzige Mittel, um eine Person zu brechen und in dem Zusammenhang habe ich es getan. Ist aber nicht mein Schema, denn normalerweise bringe ich jemand mit der Klinge zum reden. Zum Thema Sklaven. Solo und Lust, heißt entweder einen Gleichgesinnten suchen oder sich im Sklavenpfuhl bedienen.


    Wir sind ein Paar und ich frage nicht grundlos, heißt ich verzichte drauf und bin Dir treu. Fehlt mir etwas, sage ich Dir das. Das Gleiche erwarte ich von Dir Ven. Wird jemals so ein Verhör nötig, verhört ein anderer die Person, der Scheiß ist mir nicht wichtig Vendelin.


    Erzähle mir von Moritz Mutter. Wer ist sie, was hat sie Dir bedeutet und was bedeutet sie Dir jetzt? Wie soll ich zu der Frau stehen? Wie stehst Du selbst zu ihr?


    Das mit Deinem Vater meinte ich anders, kläre ich aber jetzt nicht auf Ven. Sobald Du die Statue hast, zeige ich Dir was ich gemeint habe. Dann verstehst Du es von selbst, Du fühlst es. Wird Dir gut tun, versprochen.


    Was für Tiere bevorzugst Du? Ich bin neugierig was Du wohl für ein Haustier hast. Entweder gefährlich und verborgen, oder total knuddelig, womit niemand rechnen würde.


    Das macht mich echt glücklich, dass Du gerne in einem Nest leben möchtest. Eines neues Nest auszuheben ist sehr viel Arbeit, aber es lohnt sich. Oder man findet eine passende Höhle die man als Ausgangspunkt nehmen kann. Mein Nest kennst Du ja, vom Hauptkreis zweigt alles wichtige ab. Wo andere einen Koller bekommen, weil alles abgeschottet ist und man keinen Himmel sieht, fühlen andere sich gerade wohl. Einige fühlen sich verschlungen, andere geborgen. Wir beide gehören zu den Letzteren.


    Stell Dir vor wir liegen Abends gemeinsam im Bett, ganz eng aneinander gekuschelt, Kakko geistert im Quartier herum und wir lesen oder entspannen einfach. Das Nest wird durch magische Artefakte beleuchtet, aber wir können abends auch meine Feuerschale entzünden. Die ist genauso gemütlich wie ein Kamin, leider kann ich kein geröstetes Fleisch mehr essen, aber ich füttere Dich damit. Macht Spaß Fleisch über den Flammen zu brutzeln", grinste Hector und küsste Ven sanft auf den Mund.

  • Vendelin schloss die Augen und ließ sich lange küssen. Er hielt ganz still dabei. Hector machte sich große Sorgen, ihn zu verletzen. Sie würden schon lernen, sich so zu küssen, dass niemand zu Schaden kam. Vendelin war glücklich. Es war sehr lange her, seit er das letzte Mal dermaßen schön geküsst worden war. Er bedauerte, dass der Kuss vorbei war und musste sich eine körperliche Reaktion eingestehen, die mehr wünschte als eine Berührung der Lippen.


    "Die Vorstellung unseres gemeinsamen Nestes ist fast zu schön, um wahr zu sein. Sie würde mir sehr gut gefallen. Nimm zu Kakko gelegentlich meinen Moritz und die Piranha-Zwillinge dazu, sie würden sich gut verstehen. Meine Lieblingstiere sind Insekten. Sie sind klein, interessant zu beobachten und vielfältig. Es wird nicht langweilig, über eine Wiese zu gehen und zu schauen, was dort alles lebt, jagt und stirbt. Ab und zu ziehe ich Schmetterlingsraupen auf, um zu sehen, welche Falter daraus werden und sie in die Freiheit zu entlassen. Ich habe ein naturwissenschaftliches Verzeichnis dazu angelegt.


    Die Mutter von Moritz ist ein Mitglied der Sippe, da ich nur beste Qualität für meine Nachkommen wünsche. Isabelle von Eibenberg ist ihr Name. Uns verbindet keine Liebe, sondern ein Geschäftsverhältnis, da ich ihr Unterhalt zahle. Schließlich habe ich sie entjungfert, ohne sie zu heiraten und möchte auch nicht, dass sie bei mir wohnt. Dennoch sehen wir uns regelmäßig, da auch Moritz ein Anrecht auf seine Mutter hat, und in der Regel kam es dann auch zum Beischlaf zwischen Isabelle und mir.


    Was die Sklaven betrifft, habe ich nicht verstanden, was du mir damit sagen möchtest. Dass es in Ordnung für dich ist, sich dort zu bedienen, da es nichts mit der Beziehung zu tun hat, oder das Gegenteil?"

  • "Moritz nehmen wir gerne dazu. Ich mag es, wenn ich dösend im Bett liege Kakko zu hören. Dabei muss er nicht mal reden, sondern rein die Geräusche die er verursacht. Er ist da, dass ist ein gutes Gefühl. Eine volle Bude mit unseren Kindern, Verwandten oder Kumpeln wäre schön. Dann solltest Du aber Manfredo und einige Jungs als Kumpel annehmen. Archi pennt auch öfter bei mir, wenn er im Nest ist. Oder Nori früher, wenn wir uns verquatscht und die Zeit verpasst haben. Nori ist eine erstklassige Jägerin, sie ist clever und taff. Tekuro hätte sich keine bessere Frau nehmen können.


    Wir können ebenso im Gemeinschaftsraum abhängen, Du kannst Dich im Nest frei bewegen. Das konntest Du auch so immer, von daher weißt Du ja genauso gut wie ich, wie gemütlich es dort ist. Dein Haus richten wir ganz ähnlich ein, es muss ein gemütliches Nest werden. Hast Du einen zweiten oder dritten Keller?


    Insekten? Die meisten haben interessante Formen, sie sind so ganz anders als die üblichen Tiere. Sie sind skurill und haben ihre eigene Schönheit. Falter aufzuziehen und freilassen hat etwas. Du hast sie behütet, aber niemals geknechtet. Es sind keine Gezähmten, dass gefällt mir Ven.


    Was hattest Du denn für Falter? Auch Nachtfalter? Viele werten sie schlicht als Motten ab.


    Nun mit Derya war es doch auch ein Geschäft, Leistung für Leistung. Ist doch völlig in Ordnung, Ihr beide habt Euch geeinigt und so wurde Moritz gezeugt. Sklaven sind Ge- und Verbrauchsgegenstände. Ob Du sie nageln möchtest oder nicht, überlasse ich Dir. Ich habe sie für alle Dienste benutzt, dafür waren sie da. Auf wen oder was sollte ich warten? Zudem wenn eine rollig, gesund und passend war, habe ich ihr auch einen Beißer angesetzt. Auch für dafür sind sie da. Als Vampir scheidet das aus. Und wenn Du es nicht möchtest, lasse ich es sein", sagte Hector, umarmte Ven und drückte ihn an sich.


    Er lehnte seine Stirn gegen die von Vendelin. Ven fühlte sich heiß an, so voller Leben und er roch unheimlich gut. Nun das tat er die ganze Zeit, frisch, gepflegt und nach Ven.


    "Du bist zwar ein absoluter Leckerbissen, aber ich benötige etwas anderes zu beißen. Ich habe Hunger, lass uns zu den Sklaven gehen, falls es Nacht ist. Oder kannst Du mir Blut besorgen?", bat er freundlich.

  • "Mir ging es darum, dass ich mit ihr bislang regelmäßig auf die Weise verkehrte. Aber Treue gegen Treue. Ich wünschte, dass du die Mutter deiner Kinder nicht mehr auf diese Weise in die Arme schließt, also werde auch ich dies nicht mit der Mutter meines Sohnes tun, es sei denn, um vielleicht irgendwann noch einen weiteren Spross zu zeugen.


    Mit Sklaven habe ich es ebenso gehandhabt wie du und da ich nicht die Anatomie einer Frau vorweisen kann, werde ich dich, was das angeht, nicht aufhalten. Aber wie gesagt, bitte nicht in meinem Wahrnehmungsradius und ich halte es ebenso. Eine Sache des Anstandes nach meinem Dafürhalten."


    Er lächelte, als Hector seine kalte Stirn gegen die seine lehnte.


    "Insekten kann man nicht zähmen, selbst wenn man sie als Haustiere hält, wie ich das eine Zeitlang mit einer Orchideenmantis getan habe, die Vittorio mir aus Ledwick mitbrachte. Nachtfalter, du meinst Schwärmer und Spinner. Sie sind oft noch schöner als ihre Brüder bei Tage, einige sehen aufgrund ihrer Größe aus wie Kolibris, wenn sie zur Dämmerung im Schwebeflug aus den Blüten trinken. Der Wolfsmilchschwärmer ist beispielsweise wunderschön oder der Weinschwärmer.


    Für Moritz war es noch spannender als für mich, wer aus den Raupen schlüpfen würde. Und wenn ein farbloser schnöder Nachtfalter wie der Schwammspinner daraus wurde, hat er jedesmal gelacht."


    Vendelin erhob sich. "Ich werde dir Blut organisierern. Für einen Sklaven ist nun nicht die rechte Zeit."

  • "Sie sind unzähmbar? Sie beugen sich niemandem? Nun dann sollten wir uns ein Insekt als unser Zeichen wählen, findest Du nicht auch? Einer der Schwärmer vielleicht, wir durchlaufen schließlich auch eine Metamorphose und schlüpfen als etwas Neues. Das Gleichnis gefällt mir.


    Wir hatten mal Kaulquappen Zuhause, die wurden Frösche. Man ist das lange her, Uran hatte sie damals mitgebracht. Das war auch richtig interessant denen bei ihrem Wandel zuzuschauen.


    Keine Angst wegen der Sklavin, benötigst Du eine, bediene Dich an meinen. Ich bin anatomisch auch keine Frau, aber ich hoffe dass ich Dich rundum zufrieden stellen kann. Sollte das nicht der Fall sein, äußere Wünsche. Das kannst Du natürlich auch so jederzeit. Was die Zeugung eines weiteren Sprosses angeht, nur zu, Du darfst jederzeit einen Beißer ansetzen. Aber Du weißt, U6 hat er bei uns allein nichts verloren.


    Mal eine Frage, kann ein Vampir einen Toten aussaugen? Also einen dessen Blut noch flüssig ist? Seltsamerweise kommen solche Fragen Stück für Stück auf. Weißt Du darüber bescheid?", fragte Hector.

  • "Nun, wie wäre es dann mit dem Totenkopfschwärmer? Nicht wegen des auffälligen Totenkopfmusters auf seinem Rücken oder des schicksalsträchtigen Namens ... sondern aufgrund seiner bemerkenswerten Fähigkeit, unerkannt in Bienenstöcke inzudringen, indem er ihren Geruch imitiert und sich so an ihrem Honig labt. Hinzu kommt eine bermerkenswert hohe Immunität gegenüber Bienenstichen. Was hältst du davon?


    Meine Frage bezüglich der Sklavin betraf eher dich als mich, aber gut, keine Antwort ist auch eine Antwort. Meine Wünsche sind sehr bescheiden, mein lieber Hector. Ich schätze keine Grobheiten und keinen Schmutz, ebenso keine Vulgärsprache im Bett.


    Das Blut von Leichen ist leider für dich pures Gift. Du kannst dich nur von dem Blut von Lebenden nähren, da es die nötige energetische Essenz enthält."

  • "Vendelin, ich habe Dir geantwortet, ich sagte ich verzichte. Damit war aller außereheliche Sex gemeint. Du hast also eine Antwort erhalten, sie nur unterschlagen", grinste Hec.


    "Der Totenkopfschwärmer, ein Honigdieb. Ist der Deine Wahl? Dann nehmen wir ihn. Gibt es auch Schwärmer die sich von Blut ernähren?


    Wegen dem Blut, danke für die Info. Sonst hätte man sich einen Vorrat anlegen können. Wobei dann lege ich mir einen lebenden Vorrat an. Einen gemischten Vorrat um sie zu verbrauchen und um sie zu melken. Sonst bin ich auch nicht jeden Tag jagen gegangen, manchmal bin ich bequem. Aber verrat das keinem, ich bin ab und eine echt faule Sau", gibbelte Hector.

  • "Er war ein Vorschlag, aber wenn du einverstanden bist, dann nehmen wir ihn. Mir gefällt seine Heimlichtuerei, sein Tarnkleid und sein falscher Duft. Nicht zuletzt ist es ein beeindruckendes und wunderschönes Tier."


    Als Hector sagte, dass er sich von den Sklavinnen fernhalten würde, konnte Vendelin nicht anders, als ihn ein weiteres Mal zu küssen und ihn diesmal dabei fest zu umarmen. Die Küsse trafen nicht nur Hectors Mund, sondern auch seine Wangen und seine Schläfen und seine Stirn. Sie waren sanft und Vendelins Lippen weich und gepflegt.


    "Das hätte ich nicht von dir verlangt, Hector. Wenn du es mir trotzdem anbietest, weiß ich diese Geste zu würdigen. Mehr, als du vielleicht glaubst. Brandur von Hohenfelde arbeitet an haltbarem Instantblut, frag Prince Ciel danach."

  • "Vendelin! Das war kein Angebot, das ist Fakt. So wie ich Tekuro ablehnte. Du weißt es, kennst Du auch den Grund? Es ist der Gleiche. Dir ist das wichtig. Mir bist Du wichtig. Punkt. Aber küssen und mehr darfst Du mich dafür trotzdem, jederzeit.


    Wobei über den Sex an sich müssen wir reden. Du magst vermutlich beides, so wie ich. Vor unserem ersten gemeinsamen Liebesspiel, musst Du etwas wissen. Verwöhnst Du mich und ich komme, ist das gefährlich für Dich. Ich beiße im Eifer des Gefechts zu. Das ist so ein Überbleibsel der Weihe. Halt mich richtig fest, dann haben wir beide kein Problem. Es besteht keine Gefahr, wenn ich Dich verwöhne und auch nicht, wenn ich vorher gekommen bin. Dann kannst Du mich verwöhnen bis Dir langweilig wird.


    Der Totenkopfschwärmer täuscht seine Wirte perfekt, Mimikry auf Duftbasis. Wir wählen ihn Vendelin. Auch darin liegt eine Bedeutung. Wir werden uns unter Dunwolfs Leuten bewegen, wir "duften" nach seinen Anhängern, aber wir sind keine mehr. Ich habe dazu eine passende Idee, aber sie muss noch etwas reifen. Später mehr dazu.


    Ganz der Tradition unserer Familie verschrieben, werde ich neues Wissen sammeln und mit Dir teilen Vendelin. Du wirst an Orte geführt, die Du nicht für möglich gehalten hättest. Und Du wirst Wissen erlangen, um das Dich sogar Thabit beneidet. Du wirst dort lernen, mir gehorchen und verdammt viel Spaß haben", grinste Hector und küsste Vendelin auf den Mund.


    "Prince Ciel verfügt über das Instantblut? Hat er etwas davon dabei? Würde er mir etwas abgeben?", hakte er nach.

  • "Mit Wissen machst du mir nicht nur ein wertvolles Geschenk, es ist auch eine Investition in die Zukunft unserer Familie. Wissen ist Macht, das weißt du so gut wie ich und niemand kann Wissen so effektiv nutzbar machen wie die Wigbergs. Es wird uns und unseren Nachfahren zugutekommen.


    Da er mit Tekuro einen Vampir an Bord hat, bin ich mir recht sicher, dass es auch Instantblutrationen hier gibt. Was meine Vorlieben beim Beischlaf angeht ..."


    Vendelin strich über Hectors Kleidung.


    "... würde ich sagen, finde sie doch heraus. Warum sollte ich dir die Freude an der Erkundung nehmen? Damit würde ich dir etwas rauben. Die Dinge, die ich nicht mag, habe ich dir bereits offenbart. Das übrige Spielfeld ist weit und Möglichkeiten bestehen viele. Viel Raum zum Ausprobieren und Untersuchen, nicht wahr? Wenn unsere Zeit für diese Art der Zärtlichkeit gekommen ist, wirst du spüren, was mir gefällt, so wie ich mit jeder einzelnen Berührung mehr über dich, deinen Körper und deine Freuden herausfinden werde."


    Er bot Hector seine Hand an, um ihm auf die Beine zu helfen.


    "Es ist Nacht, fragen wir Prince Ciel nach der Nahrung für dich."