Kapitel 29 - Der Hort des Horatio

  • Der Hort des Horatio

    Francoises Hand zitterte in seiner, Ciel grinste mit schwarz verschleimten Zähnen. Das Portal hatte sich hinter ihnen wieder verschlossen, doch der Weg hinab in das Herz der Macht von Horatio Rochenoir lag nun offen vor ihm! Horatio, genannt Horatio von Schwarzfels, Nekromant, Retter Almaniens und zeitgleich ihre ewige Geißel. Hier hauste er. Seine uralte Aufgabe war längst erfüllt worden. Er hatte die Heerscharen des Chaos mithilfe seiner Untoten abgewehrt, er war ein guter Mann gewesen. Nun aber verteidigte Souvagne sich selbst. Es war ein starkes, stolzes und unabhängiges Land, das keiner Nekromantie benötigte. Ciel würde das beweisen, er war ein Souvagne, ungeachtet seiner Entadelung und Verstoßung, ihr Blut floss durch seine Adern und er war ein Bluthexer. Er trat in den Gang, der sich wie eine finsterer Schlauch vor ihm erstreckte. Ganz am Ende - Licht.


    "Vorwärts", befahl er und schritt auf das Licht zu, während er seine Frau an der Hand durch die Dunkelheit führte.

  • Fran hätte Ciel am liebsten die Hand entrissen, nicht weil sie den kleinen Piraten nicht mehr liebte. Ihr ging schlicht der Arsch auf Grundeis. Sie waren in den Hort eines Ältesten eingedrungen, einer Wesenheit gegen die jeder Lich wie ein zahnloses, neugeborenes Kätzchen wirkte. Das hier war die Höhle des Sandlöwen und sie spazierten hinein, ohne Wissen was sie dort hinten erwartete.


    Licht!

    Motten zog es auch stets zum Licht, das Ergebnis kannte jeder - sie verbrannten darin.


    Fran schaute ihren Mann ganz genau an und so langsam dämmerte ihr, dass Ciel sich kaum von Silvano de Mancini unterschied. Blond, dürre und mit einem mörderischen Fanatismus der seinesgleichen suchte. Weshalb Ciel Vano bei den Farisin aufgehalten hatte, war ihr mittlerweile unverständlich. Ciel rannte hier ebenso seinem eigenen Farisin entgegen, seinem selbsternannten Nemesis. Und vermutlich wusste dieser Feind nicht einmal, dass er zum Feinde auserkoren war.


    Da sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, blieb nur noch eine Richtung um wieder aus dem Tunnel herauszukommen und zwar nach vorne. Fran war mit nichts weiter bewaffnet als mit einem Dolch und einem messerscharfen Verstand. Wobei sie langsam glaubte, dass sie genau jenen oben an Bord des Luftschiffs hatte liegen lassen. Wie konnte sie nur so dumm sein, in diese offensichtliche Falle zu laufen und allen noch den Zutritt zu verschaffen?


    Aber was nützte das Lammentieren jetzt noch? Nichts. Sie mussten es zu Ende bringen, allein schon in der Hoffnung dass sie wieder Tageslicht sehen würden, anstatt das Licht einer Laterne die sie alle verbrannte.


    "Ich hoffe Du weißt, was Du tust denn ich weiß es nicht mehr", flüsterte sie ihrem Mann zu.

  • `Das Licht.... wir müssen vorsichtig vorgehen und dürfen uns nicht zu früh enttarnen...

    Halte darauf zu... aber bleib aus seinem Wirkungsbereich...

    Justinian soll Dich sichern.... das dürfte ihm klar sein...

    Aber erwähnte es noch einmal sicherheitshalber....´, übermittelte Dunwolf, während sie sich unaufhörlich dem goldenen Licht näherten.


    Sie alle spürten etwas, Macht lag in der Luft und erfüllte sie. Spannung wie kurz vor einem Gewitter, aber nicht so als würde eine Entladung durch einen Blitz stattfinden. Näher und näher kamen sie dem Licht, das Gefühl das über ihre Haut strich wurde stärker und dann sahen sie es, oder besser gesagt sahen ihn - einen großen verzierten und mit Schriftzeichen überzogenen Bogen in dessen Mitte gleißendes Licht erstrahlte. Schemenhaft konnte man erkennen, dass der Gang hinter dem Licht weiterführte.

  • Ciel blickte Justinian durchdringend an. Er hob den Speer mit einer unwirschen Bewegung in Richtung Licht. Die Geste war für den Mann, der bereits gestochen worden war, gleichzeitig als Drohung gedacht. "Geh vor, Schlüsselmeister", befahl Ciel. "Sichere uns. Dies ist deine Aufgabe und du wirst sie erfüllen. Dafür wurdest du ausgebildet. Dafür bist du hier."


    Seine Finger schlossen sich hart um Francoises Hand. "Du bist bei mir sicher", versprach er. "Nirgendwo sonst so wie bei mir und sei es im Herzen der Gefahr. Wir sind Dunciel und in uns ist die Macht uralter Magie und moderner Hexerei vereint. Wer sonst, wenn nicht wir, sollte gegen Horatio vorgehen können? Jemand muss dieses Ungetüm tilgen und Souvagne befreien. Vater wird es nicht, Verrill wird es nicht, Dreaux ist fern. Wir müssen es tun."


    Damit ging er weiter auf das Leuchten zu.

  • "Ich lebe um Euch zu dienen Gebieter", sagte Justinian ergeben und führte sie bis knapp vor den leuchtenden Bogen.


    Der junge Schlüsselmeister musterterte die uralten Schriftzeichen und versuchte sie mit angespannter Miene zu entziffern. Einiges verstand er, doch beileibe nicht alles. Dies war nicht die Schrift, die sein Zirkel verwendete, sie war ähnlich, angelehnt, aber dennoch verschieden.


    "Gebieter, die Schrift gleicht der unseren in einigen Punkten, dennoch weicht sie sehr stark davon ab. Es handelt sich um eine Barriere die gehoben werden muss. Einige Worte kann ich entziffern, leider nicht alles Herr. Ich bin nur mit Euren Schriften und meinem Wissensbereich vertraut. Alte Fremdschriften zu entziffern gehört leider nicht zu meinem Kompetenzbereich.


    Ich müsste einen der anderen Schlüsselmeister um Hilfe bitten, vorrangig den Siebten... meinen Vater.

    Wir benötigen jemanden, der dies hier übersetzen kann... das Grauen könnte es oder der Schlüsselmeister der diesen Hort bewacht. Möglicherweise würde er uns beistehen, wenn wir ihn über unsere Absichten täuschen und gekonnt belügen", anwortete Justinian.


    "Tja wir haben es versucht, gehen wir zurück", sagte Fran und versuchte ihren Mann behutsam von dem Licht wegzuziehen.


    `Deine Frau.... also ehrlich...´, stöhnte Dunwolf.

  • Ciels Kopf wurde dunkelgrau, die schwarzen Adern traten an Hals und Schläfen hervor. Seine Nasenflügel bebten vor einem unterdrückten Wutgeschrei, ehe er langsam durch die Nase ausatmete. "Dann benötigen wir also Verrill, denn Hector ist für uns momentan unauffindbar. Die Ducachessa ist es nicht. Eine Lüge ... eine gute Lüge ... ich werde mir eine einfallen lassen. Ich werde ... nicht scheitern. Schlüsselmeister, wir werden meine Frau nun zurück zum Ausgang bringen. Öffne erneut das Portal."


    Mit schwarzen Augen blickte er ins Gesicht seiner Fran. "Liebste", sprach Dunciel zärtlich. "Ich danke dir für deine aufopferungsvollen Mühen. Nimm Ferrau und reitet auf Quennel davon. Sorge dafür, dass Verrill uns findet über die Himmelsaugen. Ein Brief, der gefunden wird, genügt, bringe dich nicht in Gefahr. Ich werde später ... nachkommen."


    Er packte sie und küsste sie innig mit seiner Zunge, die sich wie eine schleimige schwarze Nacktschnecke in ihren Mund schob und sich gierig wand, ehe er sich wieder von ihr löste.


    "Ich liebe dich, Fran.Du wirst während meiner Abwesenheit den Oberbefehl innehaben. Mögest du ein glücklicheres Leben führen als ich. Du hast es verdient. Wenn ich nicht zurückkehre ... so bist du frei, einen neuen Mann zu wählen. Oder eine Frau. Oder einen Menschen, wie dich. Nur soll er oder sie gut zu dir sein, das ist mein letzter Wunsch. Lebwohl."


    Er löste ihre Hände voneinander und schenkte ihr ein Lächeln. Es war nicht das Grinsen Dunciels, sondern sie sah noch einmal ihren Mann, wie er früher gewesen war, mit strahlend blauen Augen und einem spitzen, fast noch jungenhaften Gesicht, der zu Idealen strebte, die für einen Menschen unerreichbar waren. Nun aber war er kein Mensch mehr.

  • Fran schaute Ciel an und schüttelte langsam den Kopf.


    "Das Tor ist von innen glatt mein kleiner Pirat, man kann es nicht öffnen. Jedenfalls nicht so wie von außen Schatz", sagte sie leise und umarmte ihn felsenfest.


    "Ich liebe Dich Ciel, Du warst der erste Mensch der mich nahm wie ich bin. Mit all meinen verschrobenen Macken. Ich weiß, dass Du mir nicht immer treu warst. Und ich weiß, dass Du ebenso Verrill liebst, aber falls mich eines Tages jemand fragt wenn ich ebenfalls auf der anderen Seite bin, dann kann ich antworten dass geliebt wurde. Mit dem Wissen wirst Du in den Kampf ziehen und für Deine Kinder zurückkehren Ciel.


    Es muss einen Weg geben, schau vor uns ein Tor und hinter uns ist eines. Das ist eine Sicherheitsschleuse. Und wo es so etwas gibt, gibt es auch Überwachung. Irgendwer wird merken oder bereits wissen, dass wir hier sind. Zudem wer ist Hector? Wenn dieser Mann oder Verrill die Schriftzeichen lesen können, warum kann es Dein Ältester nicht? Ein anderer Ältester hat diese Zeichen doch geschrieben!", warf Fran ein.


    Justinian musterte Dunciel und zog fragend eine Augenbraue hoch.


    "Ein berechtigter Einwand Eurer Königin mein Gebieter, wollt Ihr Euch daran versuchen? Sonst müsste ich es über den Sprachstein probieren", erklärte Jus.


    `Deine Frau ist schlimmer als meine je waren, extrem rechthaberisch...

    Und vermutlich hat sie sogar Recht.... tritt vor den Bogen damit ich es mir anschauen kann...´, übermittelte Dunwolf.

  • "Dein scharfer Verstand war uns schon oft Rettung und ist es wieder. Wir werden uns wiedersehen", versprach Ciel. Mit einem letzten Lächeln wandte er sich ab.


    'Francoise ist nicht schlimm, ich bin es. Aber ich mache es hier und heute wieder gut, indem ich dafür sorge, dass die Nekromantie endgültig aus unserem Land verschwindet und keine Gefahr mehr für Francoise oder unsere Kinder ausgehen wird aus dieser Richtung.'


    Er trat vor das Tor. 'Lies', befahl er Dunwolf.

  • Dunwolf kniff Ciels Augen zusammen und starrte auf die Schriftzeichen.


    "Das ist nicht Parta Ettainarar.... sprich das ist nicht Alt Hohenfelde....

    Ich glaube das ist Parta Martarhitar... sprich die Schrift der Altvorderen...

    Die Schrift vor der Insel... vor Asa Karane...


    Ja es muss Parta Martarhitar sein... die Allgemeinschrift...

    Für solches Wissen habe ich meine Schlüsselmeister... sie verwahren es... ich selbst beschäftige mich... mit anderen Dingen...


    Unsere Schlüsselmeister....


    Siebter Schlüsselmeister

    Hector von Dornburg


    Sechster Schlüsselmeister

    Ruger von Qurinhorst


    Fünfter Schlüsselmeister

    Egidio Asier Moraga


    Vierter Schlüsselmeister

    Valentin von Vallroda


    Dritter Schlüsselmeister

    Ezio di Aminotti


    Zweiter Schlüsselmeister

    Caspar von Preyenfelde


    Erster Schlüsselmeister

    Justinian von Dornburg


    Jeder von ihnen hat ein Spezialgebiet.... sie leben um uns zu dienen... sie sind unsere Geschöpfe...

    geboren und erbühlt in Leid... unsere Kinder des Abgrund... die Schatten der Physis...


    Nutze den Sprachstein... Justinian! Ruf Deinen verdammten Vater oder einen der Deinen... um Deiner Aufgabe gerecht zu werden... unsere Gnade ist groß... aber nicht unendlich!", warnte Dunwolf.


    Justinian kramte in seinen Taschen und beförderte einen seltsamen Stein zu Tage. Bei dem Stein handelte es sich um einen blauen Kristall, der sehr scharfkantig aussah.


    Sprechstein:

    Link:

    https://vignette.wikia.nocooki…0529221932&path-prefix=de


    Justinian schnitt sich in die Maus und beträufelte den Kristall damit, ehe er ihn in einer kompliziert anmutenden Bewegung zwischen den Fingern drehte. Das Artefakt fing sacht an zu glühen.


    "Dandi nahur sahar narar Nadgur (Vater ich benötige Deine Hilfe)", sprach Justinian zu dem Stein.

    "Jetzt heißt es abwarten, etwas Geduld bitte", bat Justinian unterwürfig.

  • Begeistert beobachtete Ciel den Sprachstein. 'Warum haben wir keinen solchen', fragte er Dunwolf. 'Er wäre nützlich und würde Abhängigkeiten von Schlüsselmeistern verhindern.'


    Gebannt schaute er auf das Artefakt in den Klauen Justinians und wartete darauf, was geschehen würde.


    'Was sind die Spezialgebiete deiner Schlüsselmeister?', hakte er nach.

  • `Wie kommst Du darauf, dass ich keinen Sprachstein besitze?

    Ich besitze zig.... aber ich kommuniziere... mit meinen Getreuen.... mental...

    Möchtest Du so einen Stein... dann werde ich ihn Dir überreichen...


    Sie... also die Sprachsteine... sie wurden geschaffen für Puries... um ohne Magie dennoch effektiv zu sein...

    Geweihte.... gesegnete Puries... menschliche Artefakte... die Artefakte nutzen... sowas soll nicht in Feindeshand fallen...

    Vor langer Zeit.... als ich selbst noch jung war... so jung wie Du heute.... da gab es sich schon...


    All unsere Schlüsselmeister sind Wächter und hochausgebildete Kämpfer, in zig Waffengattungen und auch im Waffenlosen Kampf... selbst nackt sind sie Waffen...


    Siebter Schlüsselmeister... Hector von Dornburg...

    Paläografie - Kunde über alte Schriften, Historische Spezial- und Hilfswissenschaften, Epigraphik - Inschriftenkunde, Artefaktologie - Artefaktkunde


    Sechster Schlüsselmeister... Ruger von Qurinhorst...

    Chronologie, Metrologie, Artefaktologie, Kartografie, Archäologie, Altersbestimmungen von Artefakten, Fossilien und so weiter


    Fünfter Schlüsselmeister... Egidio Asier Moraga...

    Alchemie, Toxikologie, Botanik


    Vierter Schlüsselmeister... Valentin von Vallroda...

    Diplomatik - Urkundenlehre... Echtheit von alten Schriften Urkunden und so weiter, Sphragistik und magische Sphargistik - Siegelkunde und magische Siegelkunde


    Dritter Schlüsselmeister... Ezio di Aminotti...

    Hydrologie - Wasserkunde, Ozeanologie - Meereskunde, Limnologie - Kunde der Binnengewässer also Seen und so weiter


    Zweiter Schlüsselmeister... Caspar von Preyenfelde...

    Arithmetik, Mathematische Formeln, Zahlensysteme, Verschlüsselungen, Astromonische Berechnungen, Kalendarische Berechnungen und so weiter


    Erster Schlüsselmeister... Justinian von Dornburg ...

    Artefaktologie, Geologie, Astronomie, Astrologie und so weiter...


    Das sind ihre groben Wissensfachbereiche... ein jeder hat aber noch Hobbys und der gleichen, also wie wissen sehr viel und beschäftigen sich mit Wissen aus Vergangenheit... Gegenwart und Zukünftiges... was wird geplant...


    sie sammeln Wissen... hüten es... tauschen sich aus...

    Gutes Allgemeinwissen was unser Leben anbelangt haben sie alle... scheue Dich nicht sie zu fragen...", erklärte Dunwolf, als der Sprachstein aufflammte.


    "Etmi lasar narar Jus? (Was willst Du Jus?)", kam die verzerrt klingende Antwort von Hector. Die Antwort klang wie von einer Stimmgabel übermittelt.


    Justinian hielt Ciel den Sprachstein mit beiden Händen hin.

    "Sprecht zu ihm mein Gebieter", bat Justinian respektvoll.

  • 'Interessant, interessant, Dun', fand Ciel. 'Ich hätte sie gern kennengelernt und ihr Wissen gekostet. Die Wigbergs würden sabbern vor Gier, wüssten sie davon. Oder vielleicht tun sie es ja auch. Und ja, ich hätte sehr gern einen solchen Stein.'


    Dann wandte er sich an die Stimme aus dem Kristall.


    "Wer oder was spricht zu uns?", wollte Ciel zunächst wissen.

  • `Dann wirst Du einen von mir bekommen.... Du wirst sie kennenlernen...

    Vertrau in meine Fähigkeiten... wen Du schon an Dir zweifelst...

    Du weißt... ich bin ewiglich und von unvergleichlicher Macht...

    Hector... er redet mit Dir... der siebte treulose Tropf...

    ...jenen den Du an den Eiern zurückschleifen solltest...´, erinnerte Dunwolf.


    "Wer oder WAS?!? Du Drecksgabad solltest den Stein besser dem zurückgeben, den er gehört oder ich weide Dich aus! Haben wir uns verstanden?", knurrte Hector heiser, dass es sich fast wie ein Bellen anhörte.

    "Vater das ist Dunwolf der zu Dir spricht unser Herr und Gebieter", warf Justinian schnell ein und wischte sich den Schweiß von der Stirn.


    "Dunwolf? Sicher... Brennt Dir der Helm? Stehst Du unter Drogen?", fragte Hector grantig.

    "Nein, Vater ich fle... bitte Dich, der Gebieter und Ciel haben sich vereint", versuchte Justinian zu verdeutlichen.


    "Entzückend. Du hast echt nur Salitar im Hirn", kam die kratzige Antwort, dann war der Stein dunkel.

    Justinian starrte auf den Stein, als könnte er nicht fassen was er gehört und gesehen hatte und schluckte geräuschvoll. Der Kloss in seinem Hals blieb da wo er war. In Zeitlupe schaute er zu Ciel auf und blinzelte.


    "Es... es tut mir leid... soll ich erneut?", fragte er und deutete auf den Stein.


    `Die Schlüsselmeister sind was eigen...´, lachte Dunwolf, `sei Du es auch... stich ihn nochmal.´

  • Ciel riss Justinian den Stein aus der Hand. Er biss sich selbst in die Hand und ließ das Blut auf die blau glänzende Oberfläche tropfen.


    "Hier ist Prince Ciel Felicien de Souvagne", fauchte er hinein, "und du wirst uns Rede und Antwort stehen. Wir befinden uns in der Schleuse hinter dem ersten Portal des Hort des Horatio und vor uns liegt ein Licht, von welchem Gefahr auszugehen scheint. Wir verlangen deine Hilfe!"

  • Der Stein in Ciels Hand leuchtete auf, ein gutes Zeichen denn so wusste er, sein Gegenüber hatte ebenfalls seinen Sprachstein aktiviert. Zuerst hörte er keine Antwort, sondern ein unverständliches Geknurrte.


    "Hier ist Hector von Dornburg und ich werde Euch sehr gerne Rede und Antwort stehen. Schließlich habt Ihr mir ja auch sofort beigestanden und geholfen... oh Moment, das habt Ihr ja gar nicht. Ich verlange meine Ruhe, aber die werde ich wohl erst bekommen, wenn ich Euch geholfen habe. Also was steht auf dem Portal?", fragte Hector lachend.

  • "Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Pingeligkeit. Auf dem Tor steht Parta Martarhitar, die Schrift der Altvorderen und niemand hier kann sie lesen, das ist ja das Problem. Komm auf direktem Wege und so schnell wie es geht hierher, uns läuft die Zeit davon", sprach Ciel eindringlich. "Der Palast ist ein Schlachtfeld und wir sind als Hochverräter gebranntmarkt."

  • "Bidde? Ihr seid als Hochverräter gebrandtmarkt, mit Dunwolf im Bunde und ich soll Euch raushauen gegen ein ganzen Land? Euer Vertrauen im meine Fähigkeiten ehrt mich, aber ich bin nur ein Mann und gegen ein ganzes Land kann ich persönlich gar nichts ausrichten.


    Parta Martarhitar ist die uralte Schrift und Sprache der Altvorderen, also von jenen die einst auf Asa Karane ankamen. Sie brachten die Sprache aus ihrer alten Heimat mit. Dort wandelte sie sich, heißt während sich die Häuser von einander und generell isolierten so isolierte sich auch ihre Sprache. Aus Parta Martarhitar gingen die einzelnen Sprachen der Häuser hervor, auch jene unseres Gebieters. Sprich die Sprache seines Hauses - Parta Ettainarar übersetzt Alt Hohenfelde.


    Die Altvorderen Ettainararer - waren die Hohenfelde, in einer längst vergangenen Zeit. Aber dass kann Euch Dunwolf bei einer Tasse Blut oder Gedärme in einer ruhigen Stunde erklären.


    Wobei es vorher schon so etwas wie einzelne Hausdialekte gab. Zückt den Opak von Jus und schreibt die Zeichen in Blut darauf, ich übersetze sie Euch. Das kostet Euch was, Ihr schickt Justinian umgehend nach Shohiro. Legt los, Ihr habt nicht mehr viel Zeit wie ich sehe", antwortete Hector.


  • "Einverstanden. Aber du irrst - wir gingen zu keiner Zeit davon aus, dass du unser Leben zu retten vermagst. Uns interessiert allein die Übersetzung." Er nickte Justinian zu. "Du hast es gehört, wir benötigen deinen Opak und du bist angehalten, in Blut jene Zeichen darauf zu kopieren, damit dein Vater sie übersetzen kann!"

  • Justinian nickte knapp, als Zeichen dass er dem Befehl sofort nachkommen würde. Irgendwie war dieser Auftrag nicht seiner, alles hatte damit angefangen, dass sein Vater weggelaufen war. Und genau er sollte ihnen jetzt das Leben retten. Jus betete zum Ältesten, dass sein Vater ihnen wirklich helfen würde und sie nicht für ein höheres Ziel opferte. Das war durchaus möglich, denn die meisten Schlüsselmeister stellten ihr Nest über alles oder den Zirkel. Was bedeutete ihnen schon ein fremdes Land, von dem sie bestenfalls einmal gehört hatten?


    Jus wünschte sich zurück in sein eigenes Nest, wo er sich nicht wie ein völliger Versager fühlte, sondern wo man ihn als dessen Wächter und Beschützer achtete. Es freute ihn, dass er seinem Gott persönlich dienen durfte, aber irgendwie schien alles schief zu laufen. Hector hatte sie alle in die Salitar geritten, als er sich vom wahren Glauben und Ältesten abgewandt hatte. Wobei hatte er nicht gerade gesagt, unser Gebieter?


    Aber dafür war jetzt keine Zeit, denn ihre Zeit wurde knapp. Was immer sein Vater damit gemeint hatte. Justinian zückte den Opak und schaute auf den Bogen. Er schnitt sich erneut und malte die Zeichen mit Blut auf das Artefakt. Danach wartete er ab, bis die Spiegelung auf dem anderen Opak angekommen war.


    "Koterar mar kar taesarnur pouri, ko ia tar tuat kahaere ka tonu haere tonu imua. Übersetzt heißt das - Licht ist der Dunkelheit Untergang, war sie auch als Erste da und geht stets voran. Das ist ein Rätsel um das Tor zu passieren", übersetzte Hector.

  • "Die Altvorderen hatten offenbar eine Vorliebe für Rätsel. Die Dunkelheit soll vorangehen?" Ciels Augen glitten über die Anwesenden. Sein Blick blieb auf Francoise haften. Sie war noch immer hier und sein Gesicht nahm einen milderen Ausdruck an. Sie hatte das Tor nicht von innen öffnen können. "Warte bei der Schleuse", bat er sie. Hier war es vermutlich so unsicher wie weiter unten. Doch er wollte nicht, dass sie mit ansehen musste, was kommen würde.


    Ciel wandte sich wieder dem Licht zu schloss die Augen und ließ zu, dass Dunwolfs Finsternis aus all seinen Poren kroch. Er sonderte nicht nur Schleim ab, sondern schwarzen Rauch wie ein rußender Schlot. Er hob den Speer des Lichts und richtete ihn erneut auf Justinian. "Du wirst uns weiterhin begleiten", sprach er und hüllte auch ihn in Finsternis.


    So sollte es gehen. Als schwarze, konturlose Wolke bewegten er sich mit Dunwolf in der Seele und Justinian vor dem Speer vorwärts, auf das Licht zu.