Kapitel 30 - Im Zentrum des Lichts

  • Im Zentrum des Lichts

    Ciel merkte die fortschreitende seelische Zermürbung. Wie Mottenfraß spürte er die Worte Maximiliens und Verrills. Die bevorstehenden Tode von Nathan, Alexandre und Minette waren nur schwer zu verdrängen, so redete er sich ein, dass sie längst tot sein mussten und er nichts mehr für sie tun konnte. Fran war in Sicherheit und Ferrau. Vielleicht konnte Julien sie ehelichen. Ciels Stiefel hinterließen schwarze Fußabdrücke, als wäre er durch Teer gelaufen. An seinem Körper war kein einziges Haar mehr und ihm würde auch keines mehr wachsen. Er fühlte, wie Dunwolfs Anwesenheit die Löcher seiner Seele füllte, wie er in jede Pore seiner Substanz sickerte. Ciel verlor sich selbst von Stunde zu Stunde. Jeder Schritt, den er ging, brachte ihn dem Abgrund näher und doch wusste er, dass er ihn gehen musste. Nur noch wenige Meter und einige Minuten, dann war es geschafft. Er hob den schweren Kopf. Mit schwarzen Augen versuchte er, seine Umgebung zu erkennen.

  • Ciel und Dunwolf durchschritten das Siegel, welches sich hinter ihnen wieder in seinen komplizierten Rotationen verschloss. Sie durchschritten einen finsteren Gang, der von seltsamen Lichtern an den Wänden erhellt wurde. Hell, dunkel, hell, dunkel so wechselte die Beleuchtung ab.


    Ihr Weg führte sie zu einer Plattform. Als sie auf die Plattform traten, spürten sie dass sich etwas gewandelt hatte. Dieser Ort hier existierte neben und zeitgleich in der Wirklichkeit. Ciel spürte etwas an sich ziehen, etwas für das er nur ein Wort kannte - die Unendlichkeit.


    Sie traten gemeinsam an den Rand der Plattform und sahen dass die Decke wie auch der Grund in einer bodenlosen Dunkelheit verschwand. In weiter Ferne sahen sie ihn, wie Leuchtfeuer in der Dunkelheit, den Tempel Horatios.


    Tempel Horatios

    Link:

    https://www.minpic.de/i/aa21/7mmvl

  • "Dort muss das Wissen sein, das wir suchen. Aber unerreichbar?" Er hörte, wie sich hinter ihm das Siegel erneut verschloss. Hier war Endstation. Er hatte keine Möglichkeit wieder zurückzukommen. Er musste es hier erfolgreich zu Ende bringen. "Justinian, du bist derjenige, der die dunkle Klinge führt. An dir hängt es, wenn der Kampf beginnt."


    Ciel trat mit den Stiefelspitzen bis ganz nach vorn an den Rand der Plattform. Dann versuchte er, die Dunkelheit seiner Seele mit jener der Umgebung zu verbinden, um zu sehen, ob er auf diese Weise zum Turm gelangen konnte.

  • Justinian trat neben seinen Gebieter und schaute in die Finsternis. Als Ciel in die Dunkelheit treten wollte, packte er ihn an der Schulter und hielt ihn fest. Im gleichen Moment fühlte Ciel, dass unter seinem Fuß nichts als ein gähnender Abgrund drohte.


    "Der Tempel des Lichts Gebieter, es muss einen Weg geben. Wie findet man durch die Finsternis zum Tempel des Lichts? Durch Licht, nutzt Eure Lanze. Ich meine die mit dem Dolch des Lichten oben drin. Sie wird uns den Weg leuchten, da bin ich mir sicher", erklärte Justinian hilfreich.

  • `Wir sind eins, er hilft uns beiden solange wir in dieser Form vereint sind´, übermittelte Dunwolf und streckte seine

    mentalen Fühler in die Umgebung aus.


    Die Spitze der Lanze erstrahlte im goldenen Licht und gab den Blick auf einen schmalen Pfad preis. Man sah den Pfad im Kegel des Lichts, außerhalb war er nicht zu erkennen. Sie würden sich zu dem Tempel Schritt für Schritt vorarbeiten müssen.


    "Seht Gebieter, der Pfad. Möglicherweise ist die Dunkelheit nicht nur der einzige Schutzmechanismus. Wir müssen Schritt für Schritt im Scheine Eurer Lanze voranschreiten. Wir sollten im Licht bleiben, wir wissen nicht was hier jenseits des Lichtes lauert. In unseren Katakomben des Wissens warten dort... nun wie Ihr wisst... die Schatten", erklärte Justinian respektvoll.

  • "Was auch immer uns erwartet, Justinian ... wir haben keine Wahl. Lege die Hand auf meine Schulter und folge jedem meiner Schritte."


    Ciel wappnete sich. Tief musste er durchatmen, ehe er vorsichtig den ersten Schritt in den Weg aus purem Licht setzte. Er prüfte die Stabilität, bevor er sein ganzes Gewicht darauf verlagerte. Nun folgte er zweite Schritt. Nachdenken wäre hier fatal, die Entscheidung war getroffen. In tiefer Meditation folgte er dem Pfad, der für ihn bestimmt war. Weder dachte er an den Abgrund, der ihn bei einem Fehltritt verschlingen könnte, noch an das, was wahrscheinlich im Inneren lauerte. Schritt um Schritt folgte Ciel dem Weg des Lichts, wobei er nur darauf achtete, dass Justinian das Tempo halten konnte und er selbst nicht fehltrat.

  • Justinian legte seinem Gebieter die Hand auf die Schulter und folgte ihm so dicht, dass sie beide stets im Lichtkreis schritten. Jus versuchte nicht weiter nachzudenken, sondern folgte seinem Meister einfach auf Schritt und Tritt. Der Pfad nahm verschlungene Wege, stieg mal wieder steil an und führte dann in seltsamen Spiralen hinab. Bogen sie vorsichtig um eine Kurve, spürten sie regelrecht wie die Dunkelheit außerhalb des Lichtes auf sie lauert. Etwas war darin, etwas uraltes und greifbares. Aber der Schein des Lichts hielt es fern.


    Sie liefen so vorsichtig es ging, es kam ihnen wie endlose Stunden vor und der Pfad wollte kein Ende nehmen. Ihre Beinmuskeln begannen von der ungewohnten Anstrengung zu zittern. Und auf einmal, ohne dass es dafür einen realen Grund gab, standen sie vor dem Tempel des Lichts.


    Justinian starrte den Tempel an und zu ihm auf, das Gebäude war von unverkennbarer Schönheit und noch etwas fiel dem Schlüsselmeister auf, es hatte keine Tür!


    "Allmächtiger der Tempel... er hat keine.... Tür", stöhnte Justinian leise.

    Er fragte sich weshalb er im Schatten dieses Gebäudes vor Erfurcht flüsterte, wo es doch nicht seinem Gott geweiht war.


    "Leviates", antwortete Dunwolf knapp und versuchte den Tempel zu ergründen.


    "Ich verstehe Gebieter.

    Ihr sprecht von der alten Macht der Levitation. Sie bietet die magische Möglichkeit durch die Luft zu schreiten, wie auf festem Boden. Solange der Gedanke stark genug darauf fokussiert bleibt. Eine sehr praktische Befähigung Meister, um Hindernisse zu überwinden oder Pfade zu verkürzen.


    In den Schriften heißt es, Leviates wäre einer der anspruchvollsten Geistmagischen Eigenschaften der Blutmagie gewesen. Zudem wäre sie nicht überall erlaubt gewesen, in den Türmen der Herrenhäuser zur Zeiten der Insel, waren diese mit Bannsprüchen gegen Leviates gesichert.


    Folglich war es nicht möglich, dort Leviates zu wirken und in die Türme einzudringen.

    Und es heißt ferner, dass es in den Türmen des eigenen Hauses selbst Voraussetzung war, um sich frei in ihnen bewegen zu können. So war es nicht möglich, die Wohnquartiere des Erzmagiers zu erreichen, wenn man der Leviates nicht mächtig war. Dies diente dem Schutz des Oberhauptes.


    Andererseits diente damals Leviates auch dazu um die eigene magische Überlegenheit seinem Gegenüber zu verdeutlichen, indem man nicht über den Boden schritt, sondern in den Kampf schwebte. So wie Ihr Herr", antwortete Justinian ergeben.


    Ciel spürte wie sich seine Füße vom Boden lösten, seine Hand sich in den Haarschopf von Justinian grub und er langsam aber beständig in die Höhe schwebte. Der Tempel des Lichts zog an ihm vorbei, während seine Klauen Justinian mit nach oben beförderten.... auf Dunwolfart.


    Sie stiegen höher und höher unter ihnen gähnte diesmal ein anderer Abgrund, jener der Sturztiefe. Sie schwebten vorbei an dem Rundfenster, über die Zinnen auf die seltsamen Säulen zu, dort setzte Dunwolf sie ab. Justinian blinzelte, verlor aber kein Wort über die Beförderungsart.


    "Hier muss der Eingang sein, ich spüre es...", raunte der Älteste.

  • Hier standen sie nun. Sie waren über einen Pfad aus Licht gegangen, der durch konturlose und seelenlose Finsternis führte, sie waren auf unsichtbaren Schwingen durch eine Luft geflogen, die weder Wind noch Vogelgesang kannte und weder Sonne noch Mond. Das Ziel lag unter Ciels Stiefeln, es war der Tempel des Lichts, den er bisher nur für eine Metapher gehalten hatte.


    Im dunkelsten Abgrund steht der Tempel des Lichts, so oder so ähnlich lautete eine Bluthexerweisheit oder eine, die er dafür hielt.


    Er hatte den Tempel erreicht, vielleicht als erster Sterblicher seit langer, langer Zeit. Aber der Tempel war verschlossen. Ciel ging über die Plattform an der Spitze, und schaute, ob er auf dem Boden hinweise fand.

  • Dunwolf tastete den Tempel per Magie auf eine Schwachstelle ab. Die einzige die er gesehen hatte, war das runde Fenster. Ansonsten fand er nichts.


    "Dieser Tempel ist... sehr ungastlich... sollen die Gläubigen durch die Fenster hineinkriechen?", fragte er Ciel und Justinian.

    "Vermutlich ist es genau wie bei uns eine Glaubensfrage Gebieter. Wer die Existenz der Lichtbrücke anzweifelt, stürzt in den Tod. Wer wahrhaftig an das Licht glaubt, sieht die Tür und kann sie passieren. Das ist meine Vermutung Herr", antwortete der junge Schlüsselmeister.


    "Nun... selten betrachtet ein Ältester die Welt mit den Augen seiner Anhänger.... oder Sterblicher... Ciel?", fragte Dunwolf.

  • Ciel ließ sich nieder. Er plumpste auf den Hintern. "Dann war alles um sonst! Was heißt schon, an das Licht glauben? Und das von einem unsäglichen Nekromant, einem widerlichen Ältesten, einer Kreatur schlimmster Dunkelheit, die das Licht pervertierte? Wie kann er verlangen, dass ein Hexer des Blutes ihn verehrt?"


    Oder hieß es, dass er Dunwolf aus seinem Körper verbannen musste, um erneut sterblich zu werden? Aber dann wäre er Horatio nicht mehr gewachsen! Mit einer Mischung aus Wut und resignation schlug Ciel mit beiden Fäusten gleichzeitig auf den Boden. "KOMM RAUS, VERDAMMTE KREATUR!", schrie er den Tempel an. "Horatio von Schwarzfels, zeig dich!"


  • "Ciel.... Du bist so.... verkrampft... lockere Dich und Deine Gedanken....

    Du kannst den Wind nicht sehen... aber Du spürst seine Auswirkungen...

    Glaubst Du an Wind Ciel? Glaubst Du... das es Wind gibt, obwohl Du ihn nichts siehst?


    Glauben.... heißt nicht wissen...

    An etwas glauben heißt... dessen Existenz zu bejahen...

    Natürlich gibt es das Licht... glaubst Du das nicht?


    Du musst nur fest genug an dessen wahre Existenz... glauben...

    Anbeten musst Du es noch lange nicht...

    Oder betest Du den Wind an?


    Falls mit Glauben tatsächliche Hingabe und... Anbetung gemeint ist... nun dann... haben wir...

    ein kleines Problem... wir sitzen hier fest....

    Für den Moment allerdings nur... ich müsste ergründen ich welcher Ebene wir uns befinden... in welcher Form... der Wirklichkeit...", erklärte Dunwolf.


    "Wie immer weise und wahre Worte Gebieter. Wir glauben an das Licht, denn wir verabscheuen seine unheilige Existenz! Er ist der Feind, dem wir uns hier entgegenstellen. Also ja wir glauben!", knurrte Justinian und schaute den Tempel durchdringend an.


    Einen Augenblick später stürzte er durch den Boden, als wäre dieser nur eine Illusion gewesen.


    "Weg ist er...", stellte Dunwolf trocken fest.

  • Ciel erschrak fast zu Tode, als Justinian so unerwartet verschwand. "Wappne dich, Dunwolf", bat er. "Damit unser gemeinsamer Körper nicht zerschellt, falls uns das Gleiche geschieht."


    Ciel kniete sich in Meditationshaltung, den Rücken gestreckt, das Haupt gesenkt, die Hände locker auf den Knien ruhend.


    "Ich glaube an das Licht", sprach er und stellte sich die wärmenden Strahlen eines Frühlingstages vor, wenn die Sonne auf seine Haut schien und er sich ihr entgegendrehte, um sie das erste Mal nach langen Regentagen zu begrüßen. Er sah, wie sie durch seine geschlossenen Lider schien und erblickte sie in seiner Fantasie im Wald als Lichtschächte zwischen rauschenden Blättern. Er fühlte unter seinen Füßen heißes Gestein, aufgeheizt von einer gnadenlosen Sommersonne und heißen Dünensand, an dessen Hügelkuppen verbrannte Gräser im Wind raschelten. Ciel sah und spürte Licht.

  • `Ich wappne mich´, übermittelte Dunwolf gerade noch, als Ciel Justinian folgte.


    Der Boden unter seinen Füßen war schlagartig nicht mehr da. Er stürzte in rasender Geschwindigkeit in ein Gebäude hinein, dass er nicht kannte und von dem er nicht wusste, woer möglicherweise aufschlagen würde. Aber das spielte Sekunden später keine Rolle mehr, denn Ciel schien gar nicht durch den Tempel zu stürzen, sondern gefühlt durch Zeit und Raum, alles was er sah war verwaschen und verschwommen, Dinge die er nicht benennen konnte, zogen an ihm vorbei.


    Wesen die aus goldenem Licht zu bestehen schienen mit glimmend-weißen Augen betrachteten ihn. Ehe er auch sie aus den Augen verlor und auf dem Boden einer riesigen Säulenhalle aufschlug. Die Halle hatte die Ausmaße eines Dome, die Säulen die sie trugen verschwanden aus seiner Sicht, so hoch war die Decke. Aber dort war nichts dunkles, es war hell, licht und zwar so gleißend, als würde er nach oben in die Sonne blicken. Je tiefer er schaute um so satter, goldener wurde das Licht und tauchte so den Saal in eine herbstliche Wärme, die hier gar nicht existierte.


    Ciel blickte mit schleimverschmierten Augen auf einen Thron. Massiv sah dieser aus, wie aus einem uralten Stein gehauen und mit Sonnenstrahlen war dieser verziert. Sie befanden sich im Herzen des Tempels, in der heiligen Halle des Horatio.


    Einen Moment herrschte unnatürliche Stille, ehe Ciel ein leises Stöhnen vernahm. Es entstammte der Kehle von Justinian, der sich gerade wieder aufrappelte und sich den Schädel rieb. Der Schlüsselmeister von Dunwolf kam zu Ciel herrübergeeilt, um an siener Seite Posten zu beziehen.


    Die Halle wie der Thron waren verweist.

  • Ciels Augen benötigten ihre Zeit, sich an die gleißende Helligkeit zu gewöhnen. Sein Herz raste und sein Atem ging wie nach einem Lauf, während er sein Zittern herunterkämpfte. Nach einer Weile gelang es ihm, sich wieder zu beruhigen. Als er durch den Tränenschleier und den schwarzen Schleim hindurch endlich wieder etwas sah, war er von der schieren Größe überwältigt. In Ehrfurcht erstarrte er einige Augenblicke. Ciel fühlte sich winzig und auf einmal vollkommen wahnsinnig, sich allein einer solchen Kreatur zu stellen! Wie sollte er das je schaffen? Er winkte Justinian dicht an sich heran.


    "Alles in Ordnung mit dir? Wir sollten das Wissen suchen und verschwinden, wenn Horatio nicht hier ist. Du bist doch Schlüsselmeister, wo könnte es sich verbergen?"


    Er ging langsam auf den Thron zu. Da niemand hier war, setzte Ciel sich kurzerhand darauf.


    'Was waren das für Kreaturen, die uns beim freien Fall begegneten, Dun? Wo genau sind wir hier, ist das wirklich noch der selbe Ort? Die gleiche Zeit? Alles wirkt so fremd und unwirklich ...'

  • "Wir befinden uns im Nexus... in einer parallelen Wirklichkeit zu der unseren...

    Ein Ort der Magie...

    Dieser Tempel... dieser Ort... er ist ein uralter Anker... wo sich Vergangenheit... Gegenwart... und Zukunft vereinen...

    Er steht in mehreren Wirklichkeiten... dies macht seine besondere Macht aus...


    Es gibt mehrere dieser Orte... Sterbliche können sie ebenso erreichen... wie Seelen... Schatten... Lichtgestalten...

    Lichtgestalten... sind jene die Du gesehen hast... sie sind das Gegenteil der Schatten...


    Jene Orte die in verschiedenen Ebenen und Wirklichkeiten existieren... sind von enormer Macht...

    Ihre Manifestation ist nicht gleichbleibend.... hier steht der Tempel des Lichts in Souvagne... in der Physis...

    Im Nexus würdest Du sehen... dass er an einem völlig anderen Ort steht...

    Und dennoch... einen Schritt weiter... aus großer Distanz siehst Du... er steht dennoch am selben Ort...


    Du kannst das nicht erfassen... Dein Geist würde vergehen... ich versuche es Dir für einen sterblichen Geist zu erläutern...

    Stell Dir vor die Welt wäre eine Zwiebel... auf jeder Schicht steht der Tempel...

    Die Schichten sind aber verschoben... Nur der Tempel steht am gleichen Ort... wie eine Markierungsnadel...

    So sind alle Sphären verschoben...


    Älteste schaffen sich im Nexus ihre eigene Sphäre... ihr Reich das sie formen... gestalten... umwandeln und wo ihre Diener existieren...


    Verstehst Du was ich Dir erklären möchte?", fragte Dunwolf.


    Justinian gesellte sich zu Ciel und Dunwolf, nun das war einfach sie waren momentan eine Person.


    "Danke der Nachfrage ich bin in Ordnung. Ist die Verwahrung ähnlich wie bei uns, dann wird Horatio Katakomben haben, wo er in Aservatenkammern seine Schätze verwahrt. Gut verschlossen und bewacht. In der realen Welt wachen die Schlüsselmeister über das was dort verwahrt wird, wie Artefakte, Schriften, Wissen, Waffen und so weiter. Da wir uns im Nexus befinden Gebieter, nehme ich an, dass seine Schatten also die Lichtgestalten alles bewachen was hier verwahrt wird.


    Ich diene Euch auf allen Ebenen Herr... aber ich bin ein Sterblicher. Zwar kann ich als Schlüsselmeister einem einzelnen Schatten oder einer anderen ähnlichen Etinität die Stirn bieten, aber nicht für lange. Ich gebiete nicht selbst über Magie... ich nutze jene die Ihr mir bei der Weihe verliehen habt... Im Konsenz der Sieben ist es einst gelungen einen Lichten zu töten... aber ich bin allein Herr. Und mit Verlaub ich glaube kaum, dass Ihr hier einen Schatten herbeirufen könnt...


    Ich maße mir nicht an, an Euch zu zweifeln Meister, aber dies hier ist alles durchdrungen von Horatios Licht...

    Wir sind Eindringlinge... wir sind... nun wir sollten nicht hier sein... das spüre ich in jeder Faser, es zerrt an mir und meinem Verstand, es schmerzt wie Kopf- und Zahnschmerz in einem.


    Da wir dass Wissen in der Tiefe verwahren, vermute ich, dass es hier in der Höhe verwahrt wird. Dort oben waren auch die Lichten. Ich meine es war oben oder? Sicher bin ich mir nicht", antwortete Justian ergeben und schaute auf seine Schattenklinge.


    "Sie ist alles war wir aufbieten können", sagte er traurig.


    "Du sitzt gerne auf einem fremden Thron nicht wahr?", erklang eine Stimme aus dem Nichts.


    Mitten in der Halle schwebte auf einmal eine winzige kleine Sonne. Langsam, fast gemächlich routierte sie um sich selbst. Allerdings nur einen Augenblick, denn sie wurde mit jeder Umdrehung größer und schneller.


    `Er...´, knurrte Dunwolf in Ciels Gedanken.


    Die Sonne wirbelte weiter, wurde noch größer, heller, mächtiger und dann geschah es. Alles erlosch aus ihrem Blickfeld, die inneren Konturen des Gebäudes, die Personen, alles wurde durch das gleißende Licht getilgt.


    In der gleichen Sekunde wirbelte Dunwolf mit Ciels Körper ruckartig herum und umklammerte Justinian. Ciel und Jus spürten die unglaubliche Macht die Dunwolf aufbringen musste um sie abzuschirmen. Sie fühlen wie an ihren Seelen gerissen wurde, wie sie innerlich taumelten, als hätten sie tausende Widerhaken im Fleisch. Seltsame Geräusche drangen an ihre Ohren bis sie merkten dass sie schrien.


    Es nützte nichts, die Gruppe wurde in etwas hineingerissen. Schlagartig löste sich die Dunkelheit um Ciel und Justinian Schicht für Schicht und Haar für Haar auf. Sie sahen, wie sie in dieser Gestalt von etwas gewaltig Hellem umschlossen waren. Es war in sich Windend wie luftig-leuchtendes Wasser, ein Mahlstrom unermesslicher Magie.


    Justinian klammerte sich an den Prince, Ciel sah wie sie der blaue Strudel umschloss und jede Faser der Schwärze aus dem Kokon und Ciels Seele riss. Er hatte das Gefühl von der Stelle gerissen zu werden, immer weiter fort. Dabei schwebten sie nur im endlosen, tobenden, goldenen Licht dieser stürmischen See die kein einzigen Tropfen Meereswasser besaß.


    Ciel spürte schlagartig, wie sich nun auch Dunwolf an ihn klammerte, wie er versuchte seine Klauen in seine Seele zu schlagen um an Ort und Stelle bleiben zu können. In dem tobenden Sturm erschien ein Mann, seine Augen leuchteten so hell wie die Laterne die er hielt. Sein Gesicht eine reine Maske grimmiger Konzentration, während Justinian Ciel schützen festhielt in einem fast knochenbrechenden Griff.


    Sekunden die Ciel wie eine Ewigkeit erschienen spürte er dieses seltsame Phänomen wie ein Unwetter um sich toben und an seinem Körper und seiner Seele zerren. Der Schmerz war unglaublich, so als wollte ihm jemand sein Skelett durch den Mund aus dem Körper ziehen.


    Ein Kreischen nicht von dieser Welt und die Umklammerung von Dunwolf war gebrochen. Schlagartig war es vorbei, als hätten sich die beiden jungen Männer als dass nur eingebildet. Ciel und Justinian lagen zu Füßen Horatios. Sie wurden sich wieder ihres Körpers bewusst und spürten die Hitze die von dem lichten Ältesten ausging, so als lagen sie in wärmender Sonne.


    Schleim, Finsternis, Fäule, Verderben, ja selbst Dunwolf war fort.

  • Ciel lag einige Minuten wie ein Sterbender. Er zitterte so sehr, dass er nicht aufstehen konnte. Was auch immer er erwartet hatte, darauf war er nicht vorbereitet gewesen! Hilflos umklammerte er den Speer des Lichts. Dunwolf, wo war nur Dunwolf? Ciel drehte den Kopf und starrte mit angstgeweiteten Augen Justinian an, ehe er sich mithilfe des Speers auf die Beine stemmte. Wenn er starb, dann wollte er es stehend und aufrechten Hauptes. Er versuchte, Horatio mit seinen Blicken zu erfassen, doch es war schwierig, eine Sonne, die nicht rund war, sondern die Gestalt eines Mannes angenommen hatte.


    "Guten Tag", sagte er in Ermangelung eines besseren Grußes. Es gab keinen, der angemessen wäre. Seine Stimme war dünn, aber sie zitterte nicht mehr. "So sieht man sich also wieder. Horatio Rochenoir, nehme ich an, wir hatten ja schon das Vergnügen. Was ist mit Dunwolf geschehen?"

  • Horatio musterte Ciel mit einem derart durchdringenden Blick, dass Ciel diesen nicht nur auf seinem Körper, sondern tief in seiner Seele spürte. Die Sonnenstrahlen um den Lichten herum verblassten und legten sich als goldende Bandagen um seinen Körper. Sichtbar waren sie danach nur noch an seinen Armen.


    Vor Ciel stand der Älteste nun in der Form eines Sterblichen, einem Mann, einem Magier in einer abgerissenen Robe. Eine dürre, ausgemergelte Gestalt, die sich auf einen goldenen Holzstab stützte.


    Justinian neben Ciel regte sich stöhnen, hustete Blut und schaute sich mit tränenden Augen um. Ein Schlüsselmeister der den Großteil seines Lebens in Dunkelheit verbracht hatte, konnte sich nicht so schnell an gleißendes Licht gewöhnen. Zudem war er seinem Großvater ähnlicher als ihm lieb war, er biss die Zähne zusammen und schaute auf sein Schwert. Das Jian war rein...


    Eine saubere, makellose Klinge, als hätte sie niemals eine Rune gesehen. Irritiert schaute er zu Ciel auf und kämpfte sich auf die Beine. Sein Blick wanderte zu Horatio, dessen schlichte Gestalt seine wahre Macht Lügen strafte.


    "Grüße", sagte er schlicht und wischte sich das Blut vom Mund.


    Die einzig relevante Frage hatte Ciel gestellt.

    Wo war Dunwolf?


    "Horatio Rochenoir, der Lichte, Führer der Laterne des Wissens, man gab mir schon viele Namen. Wo Dunwolf ist? Wo sollte er schon sein? Ungebetene Gäste setzt man vor die Tür. Wenn es Dir ein Vergnügen war. Du hast keine Ahnung davon, mit wem Du Dich eingelassen hast.


    Einst rettete ich seinen Vater, nur vor ihm konnte ich ihn nicht retten. Nun auch wir können nicht überall zeitgleich sein. Oder fast nicht. Du bist gekommen um mich herauszufordern. Du gehst Bande ein mit jemanden der sogar seine Liebsten verschlingt. Wie weit kann man sinken?


    Du bist doch hier aufgrund einer selbsterwählten Aufgabe oder irre ich da?", hakte Horatio nach und streckte die Hand nach der Lanze des Lichts aus. Die Spitze verschwand und materialisierte sich in seiner Hand als Dolch.

  • Unglücklich betrachtete Ciel die nutzlose Lanze. Dann wanderte sein Blick auf den ebenso nutzlosen Justinian, der mit seiner Gesundheit kämpfte, vielleicht sogar mit seinem Leben. Auch das Schwert war keine Klinge der Dunkelheit mehr. Ciel war bar jedweder Waffen.


    "Das ist korrekt", antwortete er tonlos. "Ich bin hier, um dich zu richten. Ich wusste genau, wen ich in meiner Seele trage, Horatio. Ich war mir dessen besser bewusst, als du glauben magst. Aber ich bin es gewohnt, Bürden zu tragen, um anderen zu helfen, dies ist meine Bestimmung. So trage ich auch die, des verstoßenen Sohnes und des Geächteten, der weder Rang noch Namen hat. Niemand sonst wollte es tun, also muss ich es denn wohl sein und wenn ich nun allein hier vor dir stehe, um meine Pflicht zu erfüllen als ehemaliger Prince de Souvagne, meine Familie und mein Volk vor dir zu schützen. Ich weiß, dass du ein Ältester bist, auch wenn du anders erscheinst als Dunwolf und als Hexer des Blutes ist mir bekannt, wovon du dich nähren musst. Du bist nicht besser als Dunwolf, dieser ist bei aller Abscheulichkeit wenigstens eines - ehrlich, während du ein Heuchler bist, der vorgibt, Gutes zu tun."

  • "Was habe ich selbst je vorgegeben? Wann habe ich behauptet nur Gutes zu tun? Göttern oder Ältesten wird viel in den Mund gelegt. Genau wie der Krone oder anderen Adligen. Hast Du all das selbst von Dir behauptet was im Umlauf ist? Falls ja, mein Beileid. Falls nicht, solltest Du Dir überlegen, ob es mit meiner Person nicht ganz ähnlich ist.


    Gegen mich ist Dunwolf ein Embryo, ich kannte seinen Vater, seinen Großvater und ich kannte die Welt davor Ciel.

    Es gibt reichlich Stoff, den man mir in den Mund legen könnte und es auch getan hat.

    Wann hast Du mich je behaupten hören, ich wäre nur hier um Gutes zu tun?

    Alles was Du vorweist ist Hörensagen.


    Danach richtest Du Dich? Als Prince solltest Du gelernt haben Gerüchte und Tatsachen zu unterscheiden. Aber Du bist jung und naiv. Du hast nicht einmal ansatzweise eine Ahnung davon, wovor ich Dich befreit habe.


    Dunwolf ist also ehrlich? In über tausend Jahren ist das wirklich die erste Behauptung die mich seit einer halben Ewigkeit erheitert. Dunwolf ist alles, nur nicht ehrlich. Er ist manipulativ, verschlagen, verlogen und mörderisch. Das war er zu Lebzeiten und als Ältester hat sich nichts daran geändert.


    Du möchtest wissen wovon ich mich ernähre, nicht wahr?

    Von Schatten, die ich verschlinge.


    Schon mal so einen Schatten gesehen? Es gibt jene die an einen Ältesten gebunden sind und ihnen dienen und es gibt freie Schatten. Jene die den Nexus durchstreifen und Seelen von Verstorbenen verschlingen. Oder wenn man als Magier Pech hat während der Magiewirkung einem zu begegnen, kann auch der Magier als seelenlose Hülle zurückbleiben. Sein Körper wird weiter existieren, aber er ist leer.


    Wovon ernährst Du Dich? Ich nehme an nur von anorganischen Dingen, da Du mit Deiner edlen Einstellung nicht tötest oder?", fragte Horatio und ein Schmunzeln umspielte seine schmalen Lippen.