Kapitel 2 - In der Hauptstadt von Naridien

  • In der Hauptstadt von Naridien

    Endlich wieder nardischen Boden unter den Füßen. Glenn von Eibenberg stieg aus dem Aeromobil, stemmte eine Hand in die Hüfte und sah sich um. Ah ja, der Doppelturm, eine nicht zu verwechselnde Zurschaustellung von Wohlstand und Macht. Die Sonne spiegelte sich auf der glattpolierten Oberfläche. Sehr teuer, sehr edel, sehr schön.


    "Nette Hütte", meinte er. Mehr an Lob würde er nicht aussprechen, wenn er sich nichts davon versprach. Glenn öffnete seinem Mann galant die Tür und bot ihm den Arm an. "Willkommen in Alessa. Bist du schon einmal hier gewesen?"


    Aus dem zweiten Aeromobil drang derweil eine Diskussion, offenbar hatten sich auf der Rückbank der Tuteur, die beiden Sklaven und der Hund gegenseitig blockiert. Warum man die alle mitschliff, war Glenn ein Rätsel, der Tuteur hatte seine Daseinsberechtigung, mit viel Fantasie auch noch der Hund. Aber der Jüngling und der Zahnlose? Was wollte man mit solchen Gestalten? Ihm war es gleich, sollte Dorian machen, was er wollte. Allerdings blieb Glenn entgegen seines Vorsatzes doch misstrauisch. Nein, sie mussten einen Zweck erfüllen.

  • Anthony stieg aus seinem Aero und streckte sich, Struppi folgte seinem Herrn auf dem Fuße.


    "Ja ich war schon mehrfach in Alessa, allerdings nur kurz und nicht bei Val. Wesentlich öfter war ich in Wolfenwarth, dort wohnt Kensairar wie Du sicher weißt. Ob Valerian uns mit dem ganzen Tross empfängt, wage ich zu bezweifeln. Andererseits schau Dir seine Hütte an, wenn einer Platz hat, dann er. Und ich denke, die Neugier wird auch einiges dazu beitragen, dass er uns empfängt. Und selbst, wie oft warst Du schon in Alessa? Vermutlich unzählige Male, Du lebst schließlich sonst in Naridien", antwortete Thony gut gelaunt und stellte sich ganz dicht neben seinen Schatz.


    Er schaute zu dem gewaltigen Gebäude auf und fragte sich, was alles in dem Komplex untergebracht war. Vermutlich wirklich alles und darüberhinaus noch zig Dinge mehr, die kein Mensch sonst benötigte.


    Hilarius gab ihnen ein Zeichen, dass sie ihm folgen sollten. Er führte die Gruppe unten in die Lobby und trat an den Tresen der Wachleute heran. Er stellte sich vor und erklärte kurz sein Anliegen. Der Wachmann nickte griff zu seinem Com. Die Gruppe sah wie er einige Minuten mit jemandem sprach, ehe er das Gespräch beendete und Hilarius mitteilte sie sollten sich im Stock 72 einfinden und dort einen Moment warten. Man würde sie abholen.


    Die Gruppe durfte die Sicherheitsschleuse passieren, weit kamen sie nicht, denn schon standen sie vor den Aufzügen. Einer der Fahrstühle öffnete sich vor ihnen. Die Kabine war groß, geräumig und sogar mit Teppichboden ausgelegt. Als die Gruppe vollzählig eingestiegen war, schaltete der Fahrstuhl automatisch auf Etage 72 und raste in die Höhe, so dass alle für den Bruchteil einer Sekunde den Magen auf den Schuhsohlen liegen hatte. Die Fahrt des Aufzugs war rasant und schnell vorrüber, denn sie hatten das Stockwerk 72 erreicht.


    Hilarius verließ mit seinen Leuten den Aufzug und schaute sich um. Eine große Fensterfront bot einen umwerfenden Ausblick auf die Stadt und eine große Sitzecke lud dazu ein, es sich hier gemütlich zu machen. Der Boden war so dick gepolstert, dass man die eigenen Schritte nicht hörte. Die Wände waren dunkelrot, genauer gesagt blutrot gestrichen und mit Arashi-Kunstwerken von enormer Größe geschmückt.


    Anthony stellte sich dicht an eines der Fenster und schaute auf die Stadt herab.


    "Die Vorgehensweise wäre eines Wigbergs würdig, dass was wir nicht sehen sollen wird uns gar nicht erst gezeigt. Die anderen Etagen bekamen wir nicht zu Gesicht", warf er ein.

    "Nun vermutlich ist es so, wie mit ganz Alessa oder der Himmelslanze, hier wird Gästen nur das gezeigt, was man zeigen möchte", warf Auriville ein.

    "Aber das was wir hier zu sehen bekommen ist atemberaubend", sagte Korbinian und starrte aus dem Fenster.


    "Vielen Dank die Aussage wird Valerian freuen", antwortete ein Mann der lautlos zu ihnen getreten war.

    "Mein Name ist Miles, folgen Sie mir bitte", bat er höflich und gab den Weg vor.


    Seine Gesichtszüge waren markant, seine Statur trainiert und er war eindeutig aufgewertet. Vorab schien er einen Anzug getragen zu haben, aber er hatte sich des Sakkos entledigt, so dass er im gepflegten Hemd und in Anzughose vor ihnen herschritt. Die Schuhe waren derart poliert, dass es schon an eine Manie zu grenzen schien.

  • Dorian schämte sich etwas, weil seine Kleider nicht mehr passten und voller Sand waren. Hier war alles dermaßen sauber und perfektionistisch korrekt, dass ihre kleine Gemeinschaft wie ein Sammelsurium an Fremdkörpern wirkte. Er zog die Jacke vor seinem Bauch zusammen und versuchte, den Reißverschluss hochzuziehen, aber er hatte keine Chance. Jetzt musste es eben so gehen. Er schob den Gedanken an sein Äußeres beiseite und schaute sich um. Die Wandgemälde gefielen ihm, doch interessanter war der Aufbau, die Architektur, die Dinge, die man nicht auf den ersten Blick sah. Ein solches Hochhaus bot ungeahnte Möglichkeiten.

  • Miles führte sie zu einem weiteren Aufzug, den sie gemeinsam betraten und der sie exakt in den 111 Stock fuhr. Dort stieg die Gruppe aus und befand sich auf einem Flur, der noch luxeriöser ausgestattet war, als jener wo sie noch vor wenigen Augenblicken gewartet hatten.


    Vor den gewaltigen Fenstern standen lederne Sofas um einen wabenförmigen Tisch. Darauf thronte einer der winzigen Arashi-Bäume die spezieller Pflege bedurften. Zur Tür hin war die Sitzgruppe durch eine Mamortheke abgetrennt, auf der einige antike Laternen im Arashi-Stil standen.


    Die Tür auf die sie dennoch blicken konnten war mehr als massiv. Schwarzer, matter Stahl. Vermutlich nicht nur eine Tür, sondern eine Sicherheitsschleuse.


    Miles wartete geduldig mit ihnen und es schien fast so, als wollte er die Gäste gar nicht ankündigen oder zu ihrem Gastgeber geleiten. Der Eindruck täuschte, denn einen Augenblick später öffnete sich die gewaltige Tür lautlos und Valerian schritt in den Flur.


    Ihr Verwandter war hochgewachsen, hatte die typischen Hohenfeldegesichtszüge, aber war legere gekleidet. Er trug einen schlichten Pullover und eine ebensolche Hose. Seine Haare hingegen waren familienuntypisch kurz und er trug sogar einen Dreitagebart.


    "Willkommen. Was verschafft mir die Ehre?", fragte er mit einer Stimme die man nicht ganz zuordnen konnte.

    Freundlich, lauernd, beides? Dies war offen und juristentypisch.


    Das Lächeln dass er ihnen schenkte war hingegen eindeutig Hohenfelde, mehr noch, das Lächeln der alten Wege. Das Gebiss von Valerian war das eines Hais. Miles erhob sich und stellte sich neben Val.

  • Was für eine spannende Einrichtung, wenn auch sehr kalt und abweisend, aber so musste ein Jurist wohl wirken. Dorian neigte den Kopf einmal nach links und dann nach rechts, so dass seine Nackenwirbel knackten. Die Sonnenbrille setzte er hernach auf den Hut.


    "Oh, wir steckten einige Wochen in einem Sandsturm fest. Da schlug mein Mann einen Familienbesuch bei Euch vor, Euer Ehren. Wir kennen uns noch nicht, da wurde es Zeit. Mein Name ist Dorian von Hohenfelde, gebürtiger Wigberg. Das sind mein Mann Hilarius von Hohenfelde, mein Vetter Glenn von Eibenberg und Anthony von Hohenfelde."


    Den Rest der Begleitung stellte er nicht vor, das würde er nachholen, falls Valerian das interessierte.

  • Valerian musterte einem nach dem anderen und nickte knapp.


    "Du Dorian. Du bist als Sippenmitglied zu Besuch gekommen und nicht als Bittsteller einer Audienz, oder als Klient der eine Rechtsberatung wünscht. Wobei Du diese nötig hättest. Wir... und damit meine ich meine Person und die restlichen neun Richter des Rates wissen von dem Verlust Deiner Familie in Souvagne Dorian. Weshalb sich der Duc de Souvagne zu einem derart drastischen Schritt entschlossen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Gedanken des Duc gehören ihm allein, die Schutzwälle um ihn sind nicht zu brechen. Ein Souvagne uns eine Mauern...


    Wir... und damit meine ich nun die Sippe.... haben den Angriff und die Vernichtung dieses Sippenzweigs zur Kenntnis genommen. Sobald wir die Möglichkeit haben, werden wir entsprechend agieren. Allerdings ist uns ein Handeln auf höchster Ebene, also international nicht möglich. An Deiner Stelle und der von Hilarius würde ich nicht nach Souvagne zurückkehren. Alles was Euch dort erwartet ist die Hinrichtung", antwortete Val, machte einige Schritte auf die Gruppe zu und blieb vor Auriville stehen.


    "Auch Du hast Deine Heimat verloren Auriville und auch Dich heiße ich im Schoße der Sippe willkommen. Dein Vater ist ein Souvagne, aber vergiss nicht wer Deine Mutter ist.... sie ist eine Hohenfelde. Vergiss das niemals. Du solltest der Dorn im Fleische Deines Vaters werden, aber darüber können wir gleich in gemütlicher Runde plaudern.


    Ebenso ist mir bekannt, dass der Drache erwacht ist, er zog in die Wüste in das neue Land namens Soleil. Ihr habt den schlafenden Irimoq geweckt. Schlafende Hunde soll man nicht wecken... schlafende Drachen... noch weniger. Aber vielleicht verhält es sich diesmal anders und der Drache hat nicht vor die Welt selbst zu verschlingen. Die Feinde der sich die Sippe stellen muss, sind mächtiger als ihr glaubt.


    Osmund und einige der unseren haben an der Beseitigung gearbeitet. Leider kam es nicht mehr zum Abschluss und zur Inbetriebnahme des "Sonnenstudios" Marke Wigberg", lachte Valerian und machte eine einladende Geste in sein Loft.

  • Dorian lächelte, als Valerian ihm das Du anbot. Keck umklammerten seine Fäuste die Reißverschlüsse seiner offenen Jacke. Doch seine lässige Fassade brach jäh in sich zusammen, als sein Gastgeber die Auslöschung seiner Familie ansprach. Ohne auf eine Aufforderung zu warten, ließ Dorian sich in einen Sessel der schwarzledernen Sitzgruppe fallen. Er nahm die Sonnenbrille ab und den Hut und legte beides vor sich auf den wabenförmigen Tisch.


    Dorian wirkte im Allgemeinen unbekümmert, vielleicht etwas zickig und fordernd in seiner Art, doch was es ihn an Anstrengung kostete, überhaupt Normalität vorzuspielen, erkannte kaum jemand. Dass er sich hier und da etwas launisch verhielt, war ein Zeichen des übermenschlichen Kraftakts, denn früher war Dorian niemals zickig gewesen. Hin und wieder brachen Schmerz und Anpannung hinaus, viel geringer nur als das, was er tatsächlich fühlte. Dass er sich auch über die Gebühr hinaus eifersüchtig verhielt und die Beseitigung von Candy anvisierte, war eine weitere Folge dessen, das er jeden verloren hatte, den er liebte. Jeden, bis auf Hilarius, dem er nun einen selten ehrlichen Blick aus purer Liebe und Schmerz zuwarf, ehe er wieder ihren Gastgeber ansah.


    "Die Bücher sind noch in Souvagne", sagte Dorian in dem Versuch, sachlich zu klingen. "Originale, vor digitalen Angriffen und digitaler Spionage sichere Bücher aus Papier. Enzyklopädien, Tabularia, Codices ... ich hütete das riesige Archiv ... einen Teil der Bibliothek unserer Familie."


    Dass Dorian mehr als ein kleiner Versager gewesen war, den man, damit er überhaupt etwas Nützliches machte, in einen Buchladen gesetzt hatte, sprach er heute das erste Mal aus. Er war beileibe nicht nur Antiquar, er war ein Hüter des Wissens, eines jener auserwählten Familienmitglieder, welche die zahlreichen versteckten Wissensarchive der Wigbergs verwahrten, pflegten, mehrten und bei Nachfrage die gewünschten Informationen daraus besorgten.


    "Ich muss wieder nach Souvagne, Valerian, ich habe keine Wahl. Entweder persönlich oder über vertrauenswürdige Mittelsmänner muss ich zurück. Leider war die Krone bei der Säuberung sehr gründlich. Ich denke nicht, dass jemand von den alten Seilschaften übrig ist. Ich werde von null anfangen müssen, einen Faden des Netzes aufzubauen, der bis in das Innere von Souvagne reicht."


    Der gestürzte Prince war in einer ganz ähnlichen Lage wie er. Auriville, den er versäumt hatte, ihrem Gastgeber vorzustellen. Dorian lächelte dem jungen Mann so gut er konnte zu, damit er sah, dass es keine Absicht gewesen war und wies auf den Sessel neben sich. "Bitte." Dann sah er wieder Valerian an.


    "Der Drache ist nach dem langem Schlaf ein anderer als früher. Er wird uns unterstützen. Du hast an der Aschgrauen Sonne mitgewirkt, Valerian?", hakte Dorian nach.


    Nun, da es darum ging, an nützliches Wissen zu gelangen, wurden die wigbergschen Gene aktiv und Dorian wirkte trotz seiner extravaganten Kleiderwahl ausgesprochen professionell in seiner Körpersprache. Davon, dass er soeben noch kurz vor einem Nervenzusammenbruch gestanden hatte, war nichts mehr zu merken. Das hier war, wofür jeder Wigberg von klein auf ausgebildet wurde, hier war er in seinem Element. Und die Maske saß.


    "Dir sind demnach die Interna des Projekts bekannt?"

  • "Wir führen die Unterhaltung in meiner Wohnung weiter Dorian. Zwar gehört das ganze Gebäude samt Grundstück mir, aber es lässt sich angenehmer im Wohnzimmer reden als auf dem Flur", sagte Valerian und gab die Führung in seine Wohnung hinein.


    Die Gruppe passierte die Sicherheitsschleuse die geschickt in das Loft wie in Flur intregiert war. Val führte seine Gäste geradewegs weiter, so dass sie auf eine Sitzlandschaft zuhielten, in der es sogar einen Kamin gab und das obwohl sie sich in einem Hochhaus befanden. Während sie das Wohnzimmer betraten, blickten sie direkt aus den großen Fenstern hinab auf die Stadt. Hinter den Scheiben befand sich zudem in schwindelerregender Höhe ein Schwimmbad, von dem der Ausblick besonders bei Nacht umwerfend sein musste. Valerian nahm auf der Couch direkt vor dem Kamin Platz und wartete ab bis sich alle Gäste gesetzt hatten.


    Wohnzimmer

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    "Ein wohlgehüteter Schatz Dorian, weißt Du wo sich das Archiv nun befindet? Was ist aus den Werken geworden, nachdem man Deine Familie abgeholt hatte? Ich gehe davon aus, dass die gesamten Unterlagen sichergestellt und asserviert wurden. Vermutlich sind sie schon längst überprüft und digitalisiert worden. Die unsichtbare Macht im Hintergrund, die doch für alle sichtbar ist und Souvagnes Wissen hütet und speist, wird sie sich die Daten einverleibt haben. So geschieht es gefühlt seit Äonen von Jahren.


    Euer ehemaliger Regent ist ein getriebener Mann, jemand der nicht einmal Zeit hat... die Zeit zu überprüfen...

    Der Blick auf die Uhr würde zu viel Zeit kosten...


    Allerdings ist er auch ein Mann mit Weitsicht... schlimmstenfalls sogar mit tödlicher Weitsicht. Er regiert das bestabgeschotteste Land dieser Welt. Souvagne verfügt über Endschagwaffen, wir wissen leider nicht über welche Waffen sie verfügen. Teilweise sind uns einige Waffen bekannt. Nicht nur Naridien, auch anderen Ländern. Aber nicht dadurch, dass wir durch Spionage an Informationen gekommen wären oder durch Informanten. Nein... unsere Informationen stammen aus dem Gebrauch der Waffen...


    Sagt Euch das Volk der Hyänicas etwas? Es war ein Volk von humanoiden Hyänen, das sich im Bereich des Strahlengürtels von Rakshors Zähnen im Gebirge entwickelt hatte. Eines Tages...", erläuterte Valerian und hielt mitten in der Bewegung inne. Der dritte Richter Nardiens schien in eine Entfernung zu schauen, die nur er sehen konnte.


    "Also eines Tages, genauer gesagt am 22.03.822 nach der Asche um 04:58 Uhr Ortszeit Beaufort... wurde ein Code Rouge ausgeführt. Der Code Rouge ist ein Militärischer Endschlag Souvagnes der höchsten Bedrohungsstufe. Dieser Code wurde unter dem Namen Silence Trompeur - Trügerische Stille geführt. Es handelte sich dabei um einen ATOMAREN ENDSCHLAG den Souvagne gegen das Volk der Hyänicas ausführte. Dort wo einst dieses Volk lebte, ist nur noch ein schwarzer Fleck... eine Glaswüste....


    Naridien möchte keinen Code Rouge erleben... wir möchten nicht, dass unsere Nacht zum Tag gemacht wird, nur um dann in endloser Nacht zu versinken... Könnt Ihr Euch nur ansatzweise vorstellen, was zu diesem Zeitpunkt bei den Geheim- und Sicherheitsdiensten auf der gesamten Welt Asamuras los war? Jedes Land fuhr binnen Minuten die Schutzmaßnahmen hoch, ebenfalls im roten Bereich. Keiner wusste, wer das nächste Ziel Souvagnes werden würde... oder ob es überhaupt ein zweites Ziel gab.


    Nun... es gab keines.

    Was es ebenfalls nicht gab, war eine Antwort Souvagnes.


    In einem internationalen Rat hatten sich einige Länder zusammengeschlossen und versucht mit dem damaligen Duc Aleron Arachet de Souvagne in Kontakt zu treten. Eine Übertragung wurde nicht zugelassen... eine persönliche Kontaktaufnahme wurde nicht zugelassen... Wir haben dort ein Volk, dass vermutlich über die Bewaffnung verfügt, jeden Konflikt einzuäschern aber mit niemandem verhandelt. Mehr noch, dass bei Unstimmigkeiten niemanden verwarnt oder wenigstens eine Drohung mit Konsequenzen ausspricht. Es war kein Nachverhandeln samt Aufklärung mit Souvagne möglich. Ich muss Euch nicht sagen, wie gesichert Souvagne ist...


    Im Jahre 824 nach der Asche dann, verschwand Ledwick vom Angesicht Asamuras. Grund hierfür war ein Einheit Souvrakasia die nach Ledwick geschickt wurden, ebenfalls von Duc Aleron Arachet de Souvagne... Der Mann scheint einen Groll auf andere Spezies gehabt zu haben wie kein zweiter....


    Keinem von Euch muss ich erläutern was ein Souvrakasia ist, falls doch es sind genetisch modifizierte Organismen, Humanoide die als biologisch-organische Waffeneinheiten weltweit deklariert werden. Schneller und tödlicher als jede natürliche Spezies dieser Welt. Eine Einheit dieser Wesen löschte Ledwick aus. Und bis vor kurzem hielt diese Einheit Ledwick noch fest in ihren schwarzen Händen.


    Und wieder einmal gab es auf Anfragen internationaler Botschafter keine Antwort...

    Souvagne schwieg sich dazu aus, weshalb eine Handvoll Souvrakasia die Ledwicker ins Meer getrieben haben...


    Und hinter all dem wachte nicht nur ein sagenhafter mörderischer Megarechner über Souvagne, sondern auch Gruppe von fanatischen Glaubensbrüdern, die jenes Land indoktrinieren wollten und zwar nach ihrer Lehre - die BLUTHEXER!


    Ungläubige, Unwerte, Unwissende... dass sind noch die schmeichelhaften Bezeichnungen mit denen sie andere Nicht-Bluthexer und Nicht-Souvagner belegen. Einst waren sie ein Orden von Almanen, die sich besondere Fähigkeiten dank ihrer Magie angeeignet haben.


    Heute sind sie ein Orden von hochgezüchteten GMOs die ihre Religion zu einem Staatskult erhoben haben. Und der Duc? Er hat nicht nur einen dieser Bluthexer als Ehemann an seiner Seite, oh nein. Dieser Bluthexer vertrieb alle anderen Ehefrauen und sicherte sich die Macht über die Endschlagwaffen. Ein Mann der alles andere Leben für vernichtenswert hält, gab der Duc die Möglichkeit dazu. Er selbst wurde dem Orden einverleibt, er wurde assimiliert...


    Auch wir im Rat sind Regenten, wir möchten dass Naridien überlebt...

    Die Sippe möchte das Naridien überlebt....

    Ich möchte das Naridien überlebt!


    Also was sollte ich tun? Was sollen wir tun? Wie schützt man sich vor einem scheinbar übermächtigen Feind?

    Von außen ist dies kaum möglich, also mussten wir ins Innere vordringen... und das taten wir...

    Durch die aschgraue Sonne....

    Durch Duchesse Amber Sofie de Souvagne, geborene Marquise de Hohenfelde...


    Die aschgraue Sonne wäre unsere Waffe gegen die verfluchten Bluthexer gewesen. Mit ihrem Fall wäre Souvagne ein Stück von Souvagnes seelischer Mauer gefallen. Es war nur noch Frage der Zeit, bis die Sonne voll einsatzfähig gewesen wäre und die Bluthexer wären Geschichte gewesen.


    Aber Osmund versagte... so kurz vor dem Ziel...

    Und Amber? wurde ebenso zum Schweigen gebracht...

    Selbst Auri sitzt heute hier...

    All das hat ein Mann verschuldet, Oliver Valis de Souvagne - Oberster aller BLUTHEXER!


    Und nun seit Ihr hier, der Zweig der Sippe der so viel aufgegeben hat. Souvagne hat sich von der Welt abgewandt und hält sie außen vor. Sie haben sich soweit von uns entfernt, dass sie uns nicht einmal mehr genetisch gleichen. Sie sind zu einer eigenen Spezies geworden. Und in dieser Spezies haben sich die Bluthexer als "Tochterspezies" etabliert. Sie sind die souvagnischsten Souvagner und reiner als blütenweiß. Aber ihre Gedanken sind blutrot und sie wollen die Welt in dieser Farbe streichen!


    Ihr tragt jenes Erbe in Euch, sie haben Euch von der Welt abgeschnitten Dorian, die Wigbergs wie die Hohenfeldes und Eibenbergs aus Souvagne. Eure genetische Fußfessel behält für immer ihre Gültigkeit, außerhalb Souvagnes seit Ihr Fremdkörper. Und der Dank für dieses Opfer, für diesen Schritt den Ihr mit diesem Land gegangen seid?

    Völlige Vernichtung...


    Einst sagte ein weiser Mann unserer Familie... Du kannst den Sturm nicht bändigen indem Du mit ihm sprichst...


    Wir benötigen einen Sturmbrecher, oder jemand der weiß wie man auf einem Sturm reitet. Möglicherweise ist dieser jemand der Drache... Ich werde mir etwas überlegen, wie wir an die verloren Informationen kommen", antwortete Val und zündete sich eine Rauchstange an.


    Miles gesellte sich zu der Runde, servierte exquisiten Naridischen Nuss-Brand und nahm dann mit einem Glas in der Hand neben Valerian Platz.

  • Sie folgten Valrian in das luxuriöse Wohnzimmer. Glenn fiel die Kinnlade herunter. Er starrte alles an, ehe er sich wieder fing. Vermutlich wurde Anthony innerlich gerade ganz klein, denn Valerian setzte Maßstäbe, die nicht so leicht zu erfüllen waren. Glenn strich mit den Fingern über die weißen Lederbezüge der Sitzgruppe, die in ihrer Anordnung an ein altes ghenasisches Rundtheater erinnerte. In ihrer Mitte hing ein gusseiserner, tropfenförmiger Kamin von der Decke. Er brauchte nicht die Aussicht, auch wenn sie ganz nett war - er setzte sich so, dass er ins Rauminnere schauen konnte, all den überbordenden Luxus im Blick. Warum hatte ein Hohenfelde solch eine Behausung?


    "Recht ordentlich. Irgendwelche Eibenbergs in der näheren Verwandtschaft?", erkundigte Glenn sich und lud Anthony mit einem Klopfen ein, neben ihm platz zu nehmen. Mit der anderen Hand griff er nach dem Nuss-Brand.

  • "Bluthexer", grübelte Dorian. "Unangenehme Zeitgenossen, eine lebende Mauer für sich. Man kommt schwer an sie heran und weiß so gut wie nichts über ihre ordensinternen Angelegenheiten. Aber ich könnte einen ranschaffen, wenn du nähere Informationen benötigst. Die Leute von Soleil haben historisch begründet eine Art Freundschaft zu vereinzelten Mitgliedern dieses Ordens. Und einer davon ... scheint frustriert zu sein von den souvagnischen Verhältnissen. Sein Name ist Fulcaire."


    Er nahm nahe von Valerian platz, weil er mit ihm sprechen wollte, ohne über den ganzen Raum hinweg schreien zu müssen, auch wenn die Akustik hervorragend war. Schließlich nahmen auch seine Augen die Botschaften der Kommunikation wahr und je näher er saß, umso mehr Details wurden ihm offenbart. Dorian legte Hut und Sonnenbrille, die er in der Hand getragen hatte, auf dem Boden ab, da kein Tisch in Reichweite war, so dass er ebenfalls seinen Nuss-Brand entgegennehmen konnte.


    "Fassen wir zusammen. Niemand weiß, wo und warum Souvagne zuschlägt. Ihre Handlungen sind unvorhersehbar. Eine Ursache für diese Abschottung sind die Bluthexer, sie sind quasi die Über-Souvagner und in allem noch extremer, als es normale Souvagner schon sind. Die Aschgraue Sonne ist fort. Osmund ist fort, das Netz der Wigbergs in Souvagne - ist fort. Was bleibt?" Ratlos schaute er Valerian an. "Was ist mit der Frau des Ducs und mit Auriville, könnten sie uns noch hilfreich sein? Ob die Bibliothek noch vorhanden ist, weiß ich nicht. Das zu überprüfen wäre ein wichtiges Anliegen."

  • Hilarius machte es sich hinter Dorian gemütlich, hörte dem Gespräch aufmerksam zu und genoss dabei die Aussicht. Langsam zog die Nacht auf und die Stadt unter ihnen verwandelte sich in ein Lichtermeer.


    "Darf man auf die Terrasse?", fragte Thony neugierig.

    "Nein, ich habe das Schwimmbad nur bauen lassen um mich selbst zu quälen. Natürlich darf man auf die Terrasse, nur zu und viel Spaß. Schwimm nicht zu weit raus, es geht dort 111 Stockwerke nach unten", lachte Val und nippte an seinem Getränk.


    Anthony gab Glenn einen Kuss, stand auf und verschwand Richtung Terasse. Das diese weit größer war, als es von drinnen den Anschein hatte, sahen die anderen daran das Thony quasi spazieren ging. Val schaute ihm einen Moment lang nach, ehe er sich wieder Dorian widmete.


    Weitere Terasse:

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    Val spielte einen Moment mit dem Glas in seinen Fingern.

    "Wo finden wir diesen Fulcaire und kannst Du ihn hierher bringen? Es wäre interessant zu erfahren, was er über seinen Orden zu berichten hat. Erste Lektion... kenne Deinen Feind. Das Wissen ist noch vorhanden Dorian, der Duc würde kein Wissen vernichten. Er und dieser unsägliche Prince Oliver Vallis de Souvagne werden es sich angeeignet haben.


    Die Sonne ist nicht fort, sie ist noch intakt, voll funktionstüchtig und sie wurde sogar wieder in Betrieb genommen. Laut meinen Daten ging sie nur kurz vom Netz. Allerdings sind die Übermittler ausgetauscht worden, sprich die Sentir-Komponenten. Wir können es von zwei Seiten aus sehen, die Sonne ist noch da und kann uns noch dienlich sein. Die andere Seite ist, die Sonne stellt in der Hand Souvagnes auch für uns eine Gefahr dar. Osmund war auf die letzten Tage zu leichtfertig... Sein Beweggrund jedoch war ehrenhaft... Rache.


    Die Abschottung wird ihre Vollendung finden, wenn der jetztige amtierende Duc die Krone an seinen Bluthexer-Sohn überreicht. Souvagne vollständig in der Hand des Ordens. Weshalb glaubst Du hat Oliver die Frauen und Auriville aus dem Nest gebissen? Er hat seine Brut hineingelegt und ihr damit die Krone auf den kahlen Eierkopf gesetzt. Rechtmäßig ist Auriville Anwärter auf den Thron. Allerdings wird Oliver dafür sorgen oder schon Sorge getragen haben, dass Duc Pierre Agramant de Souvagne seinen eigenen Erstgeborenen als Hochverräter verstößt. Niemand sonst hätte die Macht dazu. Geht der Duc diesen Schritt ist Auriville von der Thronfolge ausgeschlossen, er ist nicht mal mehr Landsmann. Mehr noch, er ist sogar Staatsfeind und Oliver hat erreicht was er wollte, der Orden ist Souvagne und Souvagne ist der Orden. Eines Tages wird selbst die Bevölkerung nur noch aus diesen bleichen Eierköpfen bestehen, glaubt es mir.


    Aufzuhalten wäre es nur, wenn wir den Duc mit Auriville versöhnen, aber das wird sehr schwer bis unmöglich. Amber teilte mir mit, dass Auriville angeblich Oliver ermorden wollte. Soweit nicht schlimm.... bedauerlich ist an der ganzen Sache nur... das Du versagt hast Auriville. Du hättest die bleiche Natter in ihrem Blut baden lassen sollen.


    Der Älteste ist mit Dir, warum hast Du ihn nicht um Beistand angerufen? Dunwolf hätte Deine Klinge gelenkt gegen diesen übermächtigen Feind. Mut und Stärke erkennt er an. Nun wir müssen uns zurück ins Spiel bringen, nur wie wir dort wieder einen Fuß in die Tür bekommen weiß ich noch nicht. Vielleicht über Fulcaire den wir als unseren Bluthexer in den Orden einschleusen... das wäre eine gute Möglichkeit... wir benötigen einen Bluthexer der aus unserer Sippe stammt.... wir müssen ihnen einen Kuckuck unterschieben...", grinste Val und sein Begleiter nickte zustimmend.


    "Wir sollten heute Nacht beten und Dunwolf rufen, vielleicht sieht er eine Lösung. Meines Wissens nach, war er sogar dabei als Osmund sein Leben aushauchte....", erklärte Valerian, während sich seine Lippen dabei zu einem amüsierten Schmunzeln kräuselten.

  • Dorian lehnte sich nach hinten gegen Hilarius. Dieser hatte vorhin seinen Blick nicht erwidert. Vermutlich nahm er ihm noch immer krumm, dass er sein Geschenk in Gestalt von Aldo 1 und Aldo 2 nicht nur angenommen hatte, sondern sich auch sehr darüber freute. Diesen Mann zu verstehen war nicht immer einfach. Aldo und Aldo standen noch unschlüssig herum, so dass Dorian sie mit einer Geste einlud, für ihn Fußschemel zu spielen. So saßen sie nicht mit im Kreis, als wären sie ranggleich und konnten trotzdem dabei sein. Außerdem hatten sie dann eine offizielle Daseinsberechtigung.


    "Fulcaire kann ganz einfach hergeholt werden, indem jemand ihn anruft. Fulcaire verfügt über ein Handcom, sogar ein ziemlich modernes mit großem Display. Fulcaire schwebt in Lebensgefahr, da er den Orden öffentlich schmähte. Er wird Grund haben, uns zu unterstützen. Jedoch hat das Auge des Prince Oliver sich bereits auf ihn gerichtet. Es gibt noch eine zweite Möglichkeit. Sie trägt den Namen Nethlee.


    Nethlee ist der Mann von Fulcaire, vor allem aber ist er ein Behüter, eines der edelsten und angesehendsten Ordensmitglieder und im Gegensatz zu Fulcaire über alle Zweifel erhaben. Und es kommt noch besser. Dieser Nethlee hat sein Leben abgeschottet im Tempel des Blutes verbracht und kam erst letztes Jahr das erste Mal heraus. Er weiß von nichts, hat von Politik keine Ahnung und seine Seele ist rein. Wenn wir ihm klar machen, dass Fulcaire gerettet werden muss, so wäre er ein hervorragendes und leicht zu formendes Werkzeug. Also? Wer von beiden darf es sein? Und dann rufen wir Dunwolf."

  • Hilarius umarmte seinen Mann von hinten und küsste ihn auf den Nacken.


    "Ich würde vorschlagen, wir holen beide hierher und Du redest mit ihnen. Erkläre Fulcaire um was es geht, die Sicherheit Naridiens. Du möchtest doch nichts weiter als mit ihnen sprechen und sie verstehen. Nun Du weißt besser als jeder andere was Du ihm vorheucheln musst, damit er auf Spur kommt und bleibt Val", warf Hilarius gut gelaunt ein und blieb mit Dorian im Arm sitzen.


    "Die passenden Worte zur passenden Zeiten, gerichtet an die passende Person. Ich werde mein Bestes geben, möglicherweise ist so ein enttäuschter, verlassener Mann zu durchaus mehr bereit als nur zu reden", gab Valerian zurück und hielt die Hand auf. Sein Begleiter legte ein Com hinein, welches Val Dorian reichte.


    "Ruf sie an, bestelle sie hierher. Besser noch geh mit Miles und hole die beiden ab", forderte Val Dorian auf.

    "Möchtest Du dass wir sie umgehend abholen?", hakte Miles nach.

    "Sicher, je ehr sie hier sind umso besser für uns", bestätigte Val.


    Miles erhob sich, stellt sein Glas beiseite und wartet an der Tür auf Dorian.