Kapitel 4 - Bettgeflüster

  • Bettgeflüster


    Miles betrat das Schlafzimmer und schaute sich nach Valerian um. Sein Gefährte lag im Bett und hatte sich zu dem großen Holo-TV auf die rechte Seite gedreht, so dass Miles ihm auf die Rückansicht starrte.


    "Schöne Aussicht", grüßte Miles, verschloss die Tür und zog sich in aller Ruhe aus.

    Valerian hob eine Hand und klimperte mit den Fingern zur Begrüßung, ohne sich dabei umzudrehen oder einen Ton von sich zu geben.


    Miles schob sich hinter seinem Mann ins Bett und küsste ihn auf Hals und Schulter.

    "Hallo", gurrte er ihm ins Ohr und umarmte Val um den Bauch.


    Val schien immer noch keine Lust auf eine Reaktion zu haben.

    „Na komm lass mich nicht betteln“, knurrte Miles gespielt mürrisch.

    „Vielleicht stehe ich ja drauf“, antwortete Valerian gelassen.


    „Ich aber nicht!“, gab Miles prompt zurück, warf sich auf Val, riss ihn herum und nagelte ihn rücklings auf der Matratze fest.


    „Hallo“, grinste er breit.

    „Hallo zurück“, antwortete Val schmunzelnd und umarmte Miles um den Hals.


    "Ich denke gerade über die Lage von heute nach, die sich so wundervoll ergeben hat. Dunwolf ist mit uns", flüsterte er verschwörerisch.

    "Du weißt was Du damit lostreten kannst Val, wenn der Plan nicht wie eine zweite Haut sitzt, kann Dich das Deinen hübschen Kopf kosten. Du agierst gegen den Rat der Zehn als einer des Rates, Du agierst gegen den höchsten Richter. Solltest Du auffliegen, werden Sie Dir Hochverrat und Landesverrat unterstellen. Selbst wenn Du den Posten des Obersten Richters erreichst, musst Du ihn auch halten. Korpuk ist kein Idiot und die anderen neun werden die Messer wetzen, so wie sie es bei jedem Aufstieg eines Kollegen tun. Dir wird als neuer höchster Richter eisiger Wind entgegen blasen", warnte Miles ernst.


    "Das ist der Preis der Macht Miles... je höher man steigt, je eisiger werden die Gefilde. Allerdings wird die Luft dort oben nicht nur eisig und dünn, sie ist auch verdammt sauber...

    Du vergisst eines mein Lieber, der Höchste der Zehn hat die Endentscheidung der gesamten Regierung inne... Sobald ich oberster Richter bin, werde ich die neun anderen Richter wegen Hochverrat absetzen und hinrichten lassen...


    Und dann stricke ich die Gesetzeslage nach meinen Vorstellungen komplett um. Ein Rat? Lächerlich, ich bin mein eigener Rat. Nenne es Kostenminderungspflicht, ich spare dem naridischen Steuerzahler neun der höchsten Posten. Spaß.


    Korpuk halte ich nicht für annähernd so gefährlich wie alle behaupten. Er ist kein Idiot, aber er ist ein einsamer, verbitterter, alter Mann der bis dato nur noch für seinen Beruf lebte. Nun ist er mit dem Zwillingsbruder von Kuno Neda, Richter Nummer neun liiert. Nummer neun hat mir damit ein bisschen zu viel Einfluss auf unsere Nummer eins....

    Wir werden intervenieren müssen Miles...


    Und mit souvagnischer Hilfe wird uns das spielend gelingen... Du weißt ja wie Souvagner sind... da hat es dann zwei der mächtigsten Männer Naridiens erwischt und keiner sah die Bedrohung kommen. Zum Glück konnte ich den Umstand aufklären, wenn auch leider nicht mehr rechtzeitig um Korpuk und Neda zu retten...


    Hach ja... manchmal ist die Zeit schon ein Konstrukt für sich nicht wahr? Irgendwie ist sie stets Mangelware genau wie Geld, man hat nie genug davon...", lachte Valerian leise und küsste Miles liebevoll.


    Miles erwiderte den Kuss genauso zärtlich und leidenschaftlich.


    "Du wünscht Intervention. Ich kümmere mich drum", raunte Miles Val ins Ohr.

    "Brav", gab Val zurück und umschlang seinen Kerl mit den Beinen.



    ****




  • Als die beiden es sich gerade miteinander gemütlich machten, klingelte es langanhaltend und penetrant. Dorian drückte mit einem fettigen Finger dauerhaft den Sensor. Dabei hielt er sein verschwitztes, rotes und breit grinsendes Gesicht in die Kamera. Sein Hut saß etwas schief, die Sonnenbrille hatte er nicht mehr dabei und die Finger der anderen Hand hatte er in seinen Gürtel eingehakt, über den der Bauch hinwegragte. Noch hing er nicht, aber das war nur noch eine Frage der Zeit bei dem neuen Lieblingsessen, dass Dorian für sich auserkoren hatte.

  • "Wer stört ausgerechnet jetzt?", fragte Val ungläubig.

    "Ich schaue nach", antwortete Miles und verharrte auf wie auch in seinem Mann.


    Miles griff über sein Interkom auf die Kamera vor ihrer Wohnungstür zu. Schlagartig starrte er in das rote, verschwitzte Gesicht von Dorian von Wigberg. Der Bursche grinste breit und sah aus, als hätte er seinen Abendsport schon hinter sich. Miles öffnete über die Interkomverbindung die Schleuse und ließ Dorian in die Wohnung.


    "Wer...", setzte Valerian an, wurde aber direkt durch die Beantwortung der Frage unterbrochen.

    "Dorian mit blendender Laune. Keine Ahnung was er möchte, dass erfahren wir gleich", antwortete Miles, küsste seinen Mann, zog sich aus ihm zurück und rollte von ihm runter um aufzustehen.


    Valerian folgte ihm mit dem Blick eines Raubvogels. Miles warf eine Decke über Val, zog sich selbst einen Bademantel über und öffnete die Schlafzimmertür.


    "Was verschafft uns so später Stunde die Ehre? Du siehst glücklich aus", merkte Miles an. Er griff sie eine Packung Rauchstangen, stopfte sich eine in den Mundwinkel und zündete sie an.

    "Das glaube ich jetzt nicht", stöhnte Val und rieb sich die Augen, ehe er sich aufsetzte.

  • Dorian, der noch immer nicht vollständig nüchtern war, setzte sich ungefragt in einen Sessel und kommunizierte somit, dass er nicht vorhatte, zeitnah wieder zu gehen. Dass Miles, der im Bademantel in der Schlafzimmertür stand, den gegenteiligen Wunsch signalisierte, kümmerte ihn nicht. Dorian rückte seinen Schritt zurecht und machte es sich bequem.


    "Ich nehme auch eine Rauchstange. Die Heißen Hexer waren übrigens köstlich, es ist keiner mehr übrig. Kann man die hier im Turm ordern?"


    Sein Blick irrte unter den Saum des Bademantels von Miles, wo kybernetische Beinprothesen den Abschluss seines Körpers bildeten. Dorian fragte sich, bis wohn sie in die andere Richtung reichten und ob Miles über einen natürlichen Beckenboden verfügte.


    "Du erinnerst mich an einen der Mecha-Ghule , die man aus dem Holo kennt", fand Dorian. "Sie sollen keine Fantasie sein, sondernt atsächlich in Rakshanistan hausen. Warum wirkt ihr Baugleich? Zufall, wie die Konvergenz zwischen Fischechse, Delfin und Fisch? Oder folgt der Bau dem gleichen Plan?"

  • Miles grinste als es sich Dorin gemütlich machte und schloss die Tür hinter sich. Falls Valerian nachkommen wollte, würde er es tun. Falls nicht, fühlte er sich nicht weiter gestört. Miles musterte Dorian über dessen Kopf das Bild einer alten Schusswaffe hing. Genauer gesagt ein alter Trommelrevolver. Er warf Dorian die Packung der Rauchstangen samt Feuerzeug zu und ging an die Bar die sich gegenüber der Sitzecke befand. Miles kramte hinter der Theke zwei Gläser und eine Flasche naridischen Nussbrand hervor und stellte beides auf dem Tisch ab.


    "Die heißen Hexer gibt es nur am Kiosk in Obenza, leider führt sie nicht jeder. Aber Jimmys Kiosk für sie und noch einiges mehr, was das Schlemmerherz begehrt", antwortete Miles und goss ihnen beiden großzügig ein.

    Er setzte sich neben Dorian auf das weiße Sofa, schnappe sich sein Glas und hielt es zum Anstoßen bereit.


    "Prost Dorian. Ich erinnere Dich an einen Mechaghul? Na ganz so hoch aufgewertet bin ich nicht. Vermutlich wirken wir baugleich, da die Kybernetik die gleichen Funktionen erfüllen muss. Gut ein Fuß kann natürlich völlig anders aussehen. Vom Sprinter, bis zum korrekt nachgebildeten Fuß, bis zum Zehenläufer, je nach Aufwertung halt. Aber wer die gleichen Funktionen wie ich wünscht, wird auch eine ähnliche Aufwertung haben. Genauso verhält es sich mit den Händen. Möchtest Du eine menschliche Hand, ist es gleich von welchem Hersteller sie stammt, sie alle sehen sich ähnlich. Einige haben Zusatzfunktionen, wie meine Hände. Andere haben sie nicht.


    Und dann besteht natürlich auch noch die Möglichkeit, dass einer der Ghule Gebrauchtimplantate vom Schwarzmarkt trägt. Er hat ja keine Abstoßreaktionen, er ist untot. Wie ich sagte, die unteren Gefilde von Obenza sind nicht so sicher wie manche vermuten. Sie hörten davon, dass es dort hart zugehen soll, schauen in eine Straße hinein, gruseln sich kurz und halten sich schon für die Helden der Nation. Dabei haben sich nicht mal an der Oberfläche gekratzt.


    Wie man Implanate raubt ist klar Dorian, Du wirst ausgeschlachtet wie ein altes Aero. Jedenfalls wenn Du Dich zur falschen Zeit am falschen Ort befindest und Dich nicht Deiner Implantate zu erwehren weist. Was genau interessiert Dich an deren oder meinen Implantaten? Frag einfach.


    Warum bist Du hier? Nicht dass ich mich nicht über Deinen Besuch freuen würde, aber 20 Minuten später wäre mir lieber gewesen", lachte Miles und zog an der Rauchstange.



    Link:

    https://cdna.artstation.com/p/…f-hh-shot8.jpg?1469394189

  • Dorian blinzelte unsicher, dann beschloss er, weiterhin offen und aufrichtig zu sein. "Da du fragst ... wie hoch reichen deine Beinprothesen? Ist dein Rumpf intakt? Entschuldige die unsensible Frage, aber wenn ich dich so sehe, mache ich mir unweigerlich darüber gedanken, betrifft das doch die elementarsten Grundfunktionen des Körpers. Warum ich gekommen bin, ist leicht gesagt. Ich habe mir gedanken gemacht. Über die Aschgraue Sonne, wegen der meiner Familie starb. Valerian kennt sich damit aus ... ich schlussfolgere daraus, dass die Sonne nicht allein auf Souvagne beschränkt war, sondern dass ihre Funktionen bis nach hier draußen reichten, sie muss anzapfbar gewesen sein oder dergleichen, es müssen hier Baupläne existieren oder sogar eine Kopie. Das Gleiche gilt für die Sentir."

  • "Meine Beinimplantate fangen etwas oberhalb des Knies an, so dass ich auch künstliche Kniegelenke habe. Sie sind aus Nodasith-Legierung. Härter und unempfindlicher als Stahl, dafür über wesentlich belastbarer und vor allem leichter. Sonst würde das zu Lasten meiner Hüfte und den Rest meiner Oberschenkelknochen gehen. Meine Füße sind nicht menschenänlich nachgebildet, ich kann auch rein auf meinen Implantaten laufen, also auch draußen falls das nötig sein sollte. Du hast ja schon mal einen nackten Mann gesehen, vermutlich zuletzt vor einigen Minuten", sagte Miles, stand auf und öffnete den Bademantel wie einer der Sittenstrolche, so dass Dorian die Aufwertungen der Beine komplett sehen konnte. Sie wirkten fast wie mechanische, schwarze, sehr hohe Stiefel.


    Aufwertungen

    Link:

    https://i.pinimg.com/originals…83ae41f9d4e95725b7b1a.jpg


    "Zu den anderen Fragen, ohne Zustimmung werde ich davon keine beantworten. Einen Moment bitte", sagte Miles und verharrte. Dorian sah ihm an, dass er nonverbal mit jemanden sprach, ehe er sich wieder seinem Gast widmete.


    "Du gehörst zur Familie sagt Val, ich darf Dir Auskunft geben. Die Aschgraue Sonne war und ist Versuchprojekt im Bereich des Militärsektor von WardGen. Es ist eine Endschlagwaffe die Genetik, Kybernetik und deren Vernetzung nutzt um die psionische Macht der Sentir als Großwaffe nutzbar zu machen. Zeitgleich ist sie ein Wissensspeicher und ein Wissenextrahator. Die Maschine, die Kybernetik und die Sentir an sich entstammen allesamt der Feder von WardGen und deren Bioingenieuren, Genetikern und Kybernetikern. Ebenso war ein Zusammenspiel von Maschine und Magie ausschlaggebend in manchen Testreihen. Federführend bei der Erschaffung der Aschgrauen Sonne bis zur Funktionsreife waren Osmund von Wigberg als magischer Berater, Servatio von Hohenfelde und in der Endphase ebenso sein Sohn Valerian als Genetiker.


    Die Aschgraue Sonne bündelt die Gedanken der Sentir um sie derart zu verstärken, dass man damit jedes Lebewesen auf Asamura binnen Sekunden ausschalten kann. Es gibt gegen einen psionischen Angriff keine magische Verteidigung. Es ist also eine Waffe die statt Kugeln oder Schall tödliche Gedanken verschießt. Die Munition ist wie bei einer Schrotflinte doppelt eingepackt. Schrotkörner befinden sich gesammelt in einer Hülse. Die Gedanken befinden sich in den Sentir. Flüssiges Wissen benötigt eine Trägerbasis und die wird in WardGens Laboren aus Sentirembryonen gewonnen.


    Um eine Rückverfolgung der Einsatzbefehle unmöglich zu machen agiert die Aschgraue Sonne scheinbar autonom. Das tut sie aber nicht wirklich, denn sie erhält ihre Befehle über flüssiges Wissen. Ihr Gegenstück in Obenza hat das Wissen dass die Sonne in Souvagne benötigte extrahiert und so wurde es nach Souvagne hineingeschmuggelt durch Osmund. Souvagne ist zu abgeriegelt um überhaupt eine Funk oder anderweitige Verbindung aufbauen zu können. MAX der Megarechner von ganz Souvagne überwacht sämtliche Übertragungswege - Courant, Interkoms, TV- Holoübertragungen, Radio, sämtliche technischen Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme. Nur einen Weg kann MAX nicht überwachen - die Gedanken. Die Gedanken sind frei, so heißt es doch. Nun sie sind es nicht wirklich, denn Valerian steuert was gedacht und ins flüssige Wissen gepackt wird. Osmund nahm den Befehl mit, lieferte ihn ab, die andere Sonne las ihn aus, setzte ihn um. Der erste Endschlag der Souvagnischen Aschgrauen Sonne wäre gegen die Bluthexer des Landes gewesen. Mit einem Schlag wären sie in die Analen der Geschichte "gedacht" worden.


    Es existieren mehrere Aschgraue Sonnen und selbstverständlich verfügt Valerian über deren Baupläne, er war maßgeblich an ihrer Entwicklung beteiligt. Genauso wie an der Schaffung der Sentir. Gleiches gilt für die Sentir, wir haben sogar einen Mann in den Palast schleusen können. Die Neugier ist der Katze Tod, heißt ein Spruch. Es war aber keine Katze die vor Neugier fast umkam, sondern es war Prince Cyrano Fulgence de Souvagne. Er trieb sich mit einigen anderen hochrangigen Souvagnern, darunter sogar der Duc, im Taudis herum. Also servierten wir ihm einen Köder. Der Duc war weit weniger neugierig als erwartet, aber der kleine Prince hat den Köder geschluckt und einen von unseren GMOs mit nach Hause geschleppt. Einen Grauen namens Cest. Wir haben also ein Mann vor Ort, der nun leider bedauerlicherweise von seiner Übermittlungsquelle Osmund samt aschgrauer Sonne abgeschnitten ist.


    Vermutlich weist Du was ein Grauer ist, ein GMO der auf Tieflingen fußt und dessen Hauptwaffe seine Zähigkeit und der genetische Parasitsmus ist.


    Die beiden Bluthexer haben sich unserem Vorhaben angeschlossen. Valerian hat ihnen seine Unterstützung zugesagt, dafür werden sie uns per Handel mit Informationen versorgen. Unwissend werden sie uns mit ihrem Genom versorgen, so dass wir unseren eigenen Bluthexer herstellen können um ihn in den Orden einzuschleusen und selbstverständlich um ihren besonderen Bauplan vollständig zu entschlüsseln.


    Hast Du irgendwelche Fragen, so frag. Wir verstehen dass Du Deine Familie rächen wolltest, nichts anderes ist die Schaffung der Aschgrauen Sonne. Osmund hatte guten Grund zur Rache an den Souvagnern allen voran an den Bluthexern. Und Servatio hatte ebenfalls allen Grund dazu genauso wie Valerian. Wusstest Du, dass Marquis Casimir von Hohenfelde, Vater von Anthony von Hohenfelde Servatios ersten Sohn auf einer Demonstration aus der Menge heraus erschossen hat? Er tötete Valerians älteren Bruder. Mit der Rache ließ sich Servatio Zeit. Er holte sich Casimir als sein Sohn ebenfalls 9 Jahre alt war. Ab dem Tage war Thony allein, so wie Servatio seinen Sohn verlor.


    Die Aschgraue Sonne hat ihre Daseinsberechtigung, sie ist ein Instrument der Rache", erklärte Miles freundlich, so wie er scheinbar alles mit einem sonnigen Gemüt erläuterte.

  • Dorian schaute sich den Körper von Miles an, besonders die Übergänge, wo Mechanik in Fleisch mündete. Er fühlte tiefes Mitleid, aber gleichzeitig Erleichterung, dass dem Mann eine natürliche Ausscheidung ebenso geblieben war wie die Fähigkeit zur körperlichen Liebe. Er nickte dankbar für die Offenheit und setzte sich noch etwas entspannter hin.


    "Es hat dich schlimm erwischt, Miles, aber ich bin froh, dass man dir nur die Gliedmaßen nahm, wenngleich 'nur' ein ungünstiges Wort ist. Es hätte noch viel schlimmer kommen können und ob man so noch leben möchte, tja ..."


    Dorian lächelte noch immer, der Rausch war noch nicht vollständig abgeklungen und gern würde er noch einen Heißen Hexer verdrücken. "Habt Ihr keine Privatköche hier?", erkundigte er sich daher. "Wie viele Sonnen gibt es und wo sind diese verteilt? Sind sie alle unter der Obhut eines Wigbergs? Ich würde gern nach Rakshanistan fahren, Miles. Der Sandsturm in Soleil und diese merkwürdigen Blitzgewitter in der Wüste hängen womöglich zusammen. Mit Cest ist also bereits ein GMO in Souvagne, sehr gut! Valerians Pläne sind raffiniert, geradezu wigbergisch! Und die beiden Schätzchen Fulcaire und Nethlee wurden bereits geködert? Apropos Schätzchen!"


    Alarmiert richtete er sich in seinem Sessel auf. Er rief Hilarius an.

  • "Danke, es sind zwar einige mehr als die Gliedmaßen aber Du hast Recht. Wenn man nicht einmal mit Haut, Lippen und Schwanz fühlen könnte, wäre das verdammt schwer zu ertragen. Es gibt drei Aschgraue Sonnen, eine in Souvagne, eine in Obenza und eine in Naridien - Alessa. Valerians zweiter Vater war ein Wigberg, Osmund von Wigberg.


    Die Wüstenstürme zu erkunden wäre interessant. Falls Val es zulässt, würde ich Dich begleiten.


    Wir haben einen persönlichen Koch, zudem sind alle Köche die hier arbeiten überprüft und uns treu ergeben. Also wenn Du in die 55 Etage zum Bespiel in Attargars Arashima gehts, kannst Du ihm genauso vertrauen, als wenn Du in die Suppenkelle von Barros Alves gehst. Wir können ja gleich gemeinsam hingehen. Aber ruf Du erstmal an", antwortete Miles und zündete sich eine neue Rauchstange an.


    Hilarius blinzelte verschlafen als sich sein Handcom meldete, schaute auf das Display und ging an sein Com.

    "Ja Schätzchen?", fragte Hila total verschlafen und gähnte.

  • "Guten Abend, Liebling, verzeih die Störung", grüßte Dorian, der hörte, wie müde Hilarius war. "Bitte schick mir sofort meine beiden Aldos zu Valerians Wohnung, beide sollen sich ein Kissen mitbringen. Ich habe sie vergessen und sie haben Angst, wenn sie allein bei dir sind."


    Ob das so war, wusste Dorian nicht, aber wenn er in der Haut der Aldos stecken würde, hätte er das.


    "Bist du so lieb?", hakte er nach.


    Er warf Miles einen Blick zu, damit der wusste, dass Dorian gleich mit ihm weiterreden würde, aber diese Sache musste geklärt werden.

  • "Was? Nein die haben keine Angst, die schlafen drüben bei Melvin tief und fest. Hör endlich auf damit ständig Panik zu schieben Dorian. Butter bei den Fischen. Ich habe Dich in den Puff geschleppt und zu sehen wie Du reagierst. Ich hatte mir erhofft Du lehnst es ab.


    Du kannst aber keine Gedanken lesen und hast mir zu Liebe zugesagt. Dann kam ich Dir noch mit den Aldos auf der Speisekarte. Ich hätte Dir gleich die Wahrheit sagen sollen oder Dir einfach vertrauen müssen. Ich habe Dir die Aldos geschenkt und auch wenn sie mich oft wirklich nerven, Du magst sie, ich habe sie Dir geschenkt und das achte ich. Ich tue ihnen nichts Dorian, sonst würde ich Dir etwas tun. Versprochen mein Kleiner. Ich liebe Dich....", murmelte Hilarius und einen Moment später hörte Dori seinen Mann leise schnarchen.


    Miles wartete ab und schenkte ihnen beiden noch etwas Schnaps nach. Im Schlafzimmer hörte Dorian wie Val irgendwas mit Wucht in die Ecke pfefferte und dann plärrte der Holo auf.

  • Dorian küsste das Handcom, wisperte: "Ich liebe dich auch. Gute Nacht" Dann steckte er es wieder weg. Er würde morgen in Ruhe mit Hilarius reden, ihm sagen, wie anständig er es fand, dass er seinen Fehler zugab und die Konsequenzen dafür trug. Und nicht zuletzt, dass er diese kleine Marotte von Dorian ertrug, obgleich sie ihm selber weht tat. Dabei hatte Dorian noch nie seine Aldos unziemlich berührt, wenngleich der zahnlose Kiefer von Aldo 2 ihm durchaus interessant erschien, aber getan hatte er nie etwas. Er war einfach froh, wenn die Aldos da waren, so wie andere sich an der Gegenwart von Haustieren erfreuten.


    "Wir sollten unbedingt mehrere Heiße Hexer bei einem der Anbieter ordern. Was außer den Gliedmaßen hast du denn noch verloren? Und wer ist das Hirn der anderen beiden Sonnen? Valerian ist also ein halber Wigberg, nun, das erklärt seine Raffinesse." Er schmunzelte freundlich. "Wenn du mich in die Wüste begleiten würdest, wäre es mir eine Freude."

  • "So wie Val gerade drauf ist, schickt er mich gleich sowieso in die Wüste. Mein Mann ist ein klein wenig frustiert", gab Miles mit einem Zwinkern zurück und kippte seinen Schnaps auf Ex herunter.


    "Bei dem nächsten Flug kaufen wir einfach eine Großpackung, oder ich ordere eine und lass sie uns liefern. Das ist kein Problem. Wir können aber auch gerne mal die 55te unsicher machen und Du schaust Dich auf der Turmeigenen Futtermeile um. Es gibt nichts was es nicht gibt, nun außer Vals religiöse Nahrung. Sie wird gesondert geliefert und muss bestimmte Auflagen erfüllen.


    Die Splitter des Detonators sind in meinen Körper eingedrungen und haben einiges verletzt Dorian. Ich habe nicht umsonst eine Atemunterstützung. Aber keine trüben Gedanken, denn die Aufwertungen haben mich gerettet. Warum sollte ich da negativ über sie denken?


    Nun ich selbst bin neugierig was es damit auf sich hat und ob wir die Ursache der Stürme nutzbar machen können. Für was man sie nutzen könnte, finden wir heraus sobald wir wissen wie sie entstehen. Und sie abzuschalten wäre zumindest für Soleil eine große Erleichterung.


    Sag mal wie stehst Du zum Thema Treue?", fragte Miles offen und nickte Richtung Schlafzimmer.

  • "Frustriert? Oh, verstehe, ich habe euch gestört. Nun, jetzt ist es ja ohnehin schon zu spät, nicht wahr? Da schadet es nicht, wenn ich noch ein wenig mit dir plaudere." Dorian schlürfte aus dem Glas. Der Inhalt brannte scharf und heiß in seiner Kehle.


    "Was hat Val eigentlich drüben zertrümmert? Hoffentlich nicht euer Bett. Was zum Thema Treue möchtest du denn wissen? Ist dein Valerian eifersüchtig oder bietest du ihm Anlass? Oder umgekehrt? Meine beiden Aldos sind nur Gesellschafter, wenn du das meinst. Auch wenn sie sehr hübsch anzusehen sind"


    Zumindest galt das für Aldo 1. Der zweite war sichtlich heruntergewirtschaftet, doch das tat Dorians Zuneigung keinen Abbruch, vielleicht mochte er ihn sogar etwas mehr als den Jüngling.


    "Ich streichle ihnen höchstens einmal den Kopf oder lasse sie an meiner Seite liegen. Bekleidet, wohlgemerkt. Sie sind für mich keine Lustsklaven, das waren sie lange genug, dafür habe ich Hilarius nicht gebeten, sie aus dem Bordell freizukaufen. Für mich sind sie das, was für andere ihre Hauskatzen sind."

  • Miles drückte die Rauchstange im Aschenbecher aus und rutschte so nahe zu Dorian auf, dass sie sich fast mit den Gesichtern berührten.


    "Du denkst zu kompliziert Dorian, auch wenn der Vergleich mit den Katzen knuffig ist. Ich habe Dich gerade durch die Blume in unser Schlafzimmer eingeladen. Du hast uns gestört und Valerian ist frustiert, da wir unser Spiel unterbrochen haben. Ich denke die Nacharbeit hat ihn nicht befriedigt, also hat er das Spielzeug in die Ecke gepfeffert. Val mag nach außen hin gelassen erscheinen aber er hat Feuer. Lust auf Spiel zu dritt? Du, Val und ich?", fragte Miles und legte den Kopf schief um Dorian haargenau zu mustern.


    "Die beiden Aldo-Katzen scheinen Dir viel zu bedeuten, warum solltest Du sie nicht wie Haustiere halten? Ander halten sich Tuteurs und andere GMOs, manche halten sich sogar Erinnerer. Also Dorian Hunger auf was anderes Heißes?", hakte Miles nach und strich ihm über die Wange.


    "Du bist niedlich und ich muss gestehen, ich mag Dich", grinste Miles.

  • Dorian lächelte, seine Pausbacken traten hervor und wurden heiß. Die Sympathie zu Miles war zweifellos vorhanden, doch Dorian hatte seinem Mann Treue geschworen. Und seinen Schwur nahm er ernst.


    "Ich kann meinen Hilarius nicht betrügen, auch wenn ich dich mag. Er hat mir das Leben gerettet, er hat mich sogar geheiratet, um meine Identität zu verschleiern und er schenkte mir die Aldos 1 und 2, obwohl er sie hasst."


    Dorian drückte Miles sein Handcom in die Hand. "Bitte frag ihn für mich. Falls er es nicht möchte, habe nicht ich ihn verletzt, sondern du. "

  • Miles tippte Dorian mit einem Finger auf die Nase und zog sich ein Stück auf angemessenen Abstand zurück.


    "Ihr betrügt Euch nicht und Du hast Deinem Mann Treue geschworen. Ich habe nie einen schöneren Korb bekommen. Wir betrügen uns auch nicht, deshalb die Frage ob Du zu dritt spielen willst. Ich kann Deinen Mann jetzt nicht fragen, er ist doch gerade eingeschlafen. Lass uns eine andere Fleischeslust befriedigen auf der 55te.


    Da können wir ein bisschen über Deine Sturmvermutungen sprechen. Es könnte etwas ähnliches sein wie die souvagnische Wettermaschine, mit dem schrägen Namen Maximiliens Phallus. Haben dort Waffen alle solche sexistischen Namen?", lachte Miles und stand auf.


    "Ich ziehe mich kurz an, komm mir und keine Angst", bat er und verschwand im Schlafzimmer. Die Tür ließ er offen, so das Dorian hörte das der Holo lief.


    Dorian sah wie Miles den Bademantel zur Seite warf, seine Nanopanzerung anlegte indem er sie fest wie eine zweite Haut hoch bis zum Hals auf den Körper presste und so an die Halterungen drückte. Danach legte er seine Rücken- und Brustpanzerung an. Valerians Partner wirkte wie schwarz gekleidet, ehe er in seine eigentliche Kleidung schlüpfte.


    "Val wir sind unten auf der 55ten, möchtest Du mit oder soll ich Dir was mitbringen?", fragte Miles und strich seinem Schatz über den Rücken.

    "Miles Du Sack... Gut Du schuldest mir was... Zwei Packungen Crick-Cracks mit extra dickem Schokoüberzug und eine Tüte Foratos, dann sind wir wieder gut miteinander", grinste Valerian.


    "Alles klar bekommst Du. Bis später Val", flüsterte Miles liebevoll und ging zurück zu Dorian.

    "Folge mir", sagte er freundlich, gab den Weg zum Aufzug vor und fuhr mit Dorian in die 55te Etage.


    Als sich die Aufzugtüren öffneten, dachte Dorian er befand sich auf einer Einkaufsmeile die nur aus Restaurants und Geschäften bestand.


    "Die 55te Dori, Du benötigst Kleidung und was zu futtern. Und ich benötige nachher Knabberkram für Val", sagte Miles und schaute sich gut gelaunt um.







  • "Ich liebe meinen Mann doch", gab Dorian freundlich zurück. Nein, er würde Hilarius nicht ins Kreuz treten, er machte ihm genug Stress, auch ohne dass er es tat. Das hatte Hilarius nicht verdient. Erst recht nicht, nachdem er ihm offiziell seine Aldos genehmigt hatte.


    "Was für eine religiöse Speise muss Valerian zu sich nehmen? Ist er so tiefgläubig? Dann sollte er sich mit den Bluthexern einmal privat unterhalten."


    Er begleitete Miles in die Etage der Köstlichkeiten. Hungrig sah er sich um, sein Magen knurrte, als er irgendetwas Frittiertes erschnupperte.


    "Der Phallus des Maximilien? Du sprichst von dem Terraformer? Ich wusste gar nicht, dass jede dieser Maschinen einen Eigennamen hat. Der Größte ist dann vermutlich der Prügel des Piere. Eine Vermutung zu den Blitzgewittern in der Wüste ist schwierig anzustellen. An eine Wettermaschine glaube ich allerdings nicht, eher an einen Waffentest oder an wildgewordene Magie."

  • "Das habe ich nie angezweifelt Dorian, man sieht wie sehr Du Hilarius liebst. Vor allem wie heiß Du auf ihn warst nach der verwirrten Katze. Die Katze schenkt einem ein bisschen Freiheit von Sorgen, Schmerzen und man spürt jeden Genuss verstärkt. Sogar den Geschmack von Essen und ich esse unheimlich gerne Schnellgerichte wie Burger. Du scheinst sie genauso zu lieben wie ich", sagte Miles und schob Dorian in ein kleines Restaurant, dass kaum Platz für Gäste bot.


    Burger-Restaurant:

    https://www.daz3d.com/media/ca…rn-modular-cafe-daz3d.jpg


    "Die Burger sind gut, saftig und fettig. Fett ist Geschmacksträger, also keine falsche Scheu", erklärte er freundlich.

    Miles ging an die Theke orderte und setzte sich dann mit Dorian an den kleinen Tisch. Es dauerte nicht lange, dann bekamen sie ihre Burger und ihre Getränke serviert.


    "Guten Hunger", wünschte er Dorian freundlich und biss von seinem Burger ab.


    "Valerian ist ein gläubiger Beißer und Anhänger der alten Wege, er betet Dunwolf an und seine geheiligte Speise ist geweihtes Menschenfleisch. Er isst allerdings nicht nur geheiligte Speisen seines Gottes, er isst vorwiegend normale Speisen nur zu religiösen Anlässen isst er vom Fleisch der Gabad. Zudem hat Val ständig Hunger, von daher isst er eigentlich so gut wie alles, aber am liebsten Fleisch und Süßkram", flüsterte Miles, so dass nur Dorian diese Information hören konnte.


    "Wenn die Wettermaschine der Terraformer ist, dann spreche ich davon. Die beiden Bluthexer nannten ihn Maximiliens Phallus, ich dachte so hieß das Gerät. Bei Souvagnern würde mich das nicht wundern. Die Sandstürme und Gewitter könnten wirklich magischen oder auch maschinellen Ursprungs sein. Ich dachte Du hättest vielleicht schon etwas in Erfahrung gebracht. Ich freue mich auf unsere Ermittlungen, wir sollten unsere Männer mitnehmen. Für den Fall des Falles Dorian und die beiden haben Grips. Den haben wir auch, allerdings ergänzen wir uns. Und Platz für die Reise hätten wir.


    Wir müssen nur aufpassen, ob die Stürme Elektronik angreifen. In Soleil hat uns die Auswirkung der Stürme vom Himmel geholt, der Sand. Er verstopft die Turbinen. Drum müssen wir uns absichern, mein Vorschlag wäre es niedrig zu fliegen um im Notfall sicher landen zu können.


    Aber jetzt erstmal auf unsere Freundschaft Dorian. Was immer die Zukunft bringt, möge sie erfolgreich und gewinnbringend sein", sagte Miles und prostete Dorian mit seinem Kaffee zu.

  • Dorian fühlte sich sofort wohl, obgleich er nichts von diesen Dingen aus Souvagne kannte. Er war kein Souvagner mehr, er war dem Recht nach Naridier, ganz gleich, was seine Gene sagten - er hatte es Schwarz auf Weiß auf seiner Hochzeitsurkunde stehen. Seine Geschmackssinne waren ein weiterer Beweis, was all die Jahre verborgen in ihm geschlummert hatte. Er würde sich wie ein Naridier zu benehmen wissen, mehr noch, er würde ein Naridier werden. Mit diesem Gedanken fühlte er sich mehr als nur wohl, besonders, was das Essen anging. In letzter Zeit hatte er einen abartigen Appetit auf ungesunde Nahrungsmittel entwickelt und Schuld daran trug der Fraß im Schacht.


    Dorian quetschte sich zwischen Sitzbank und Tisch auf seinen Platz, wobei er mit dem dicken nackten Bauch eine Plastikflasche mit gelber Würzsoße herunterfegte. Keine Chance, die mit seiner Statur wieder aufzuheben, da Tisch und Bank mit dem Boden verankert waren. Er machte es sich bequem.


    Während Miles mit dem Kaffee prostete,tat Dorian das mit einer violetten Brause, die angeblich Blaubeergeschmack hatte, sich aber nach dem Kosten als purer Chemiecocktail entpuppte. Dorian liebte es.


    "Du hast mir noch immer nicht verraten, wer in den anderen Sonnen hockt", sprach Dorian leise. "Wenn die Bluthexer behaupten, dass der Terraformer so heißt, wird es stimmen. Sie sind eine vollkommen humorlose Spezies. Natürlich nehmen wir unsere beiden Lieblinge mit, sonst meinen sie, dass wir miteinander durchbrennen."


    Er griff nach seinem Burger, um zu mampfen.