• Neues Jahr


    Wie jeden Morgen weckte Fabien Maximilien, zog die Vorhänge beiseite und gab dem Duc de Souvagne einige Minuten Zeit um richtig wach zu werden. Max setzte sich auf und schaute aus dem Fenster. Viel gab es nicht zu sehen, das Wetter war grau in grau und das neue Jahr fühlte sich genauso an wie das alte. Der Duc beobachtete Fabien bei seiner morgendlichen Routine, bevor seine eigene begann. Nun im Grunde hatte er nichts zu tun, außer Fabien seines Amtes walten zu lassen.


    "Fabien?", sagte er leise und klopfte neben sich auf das Bett.

    "Maximilien, was kann ich für Dich tun?", fragte Fabien und setzte sich neben den Duc.


    "Gestern Nacht lag ich noch lange wach und habe über vieles nachgedacht. Auch in Bezug auf meine Familie, meine Frauen und meine Söhne. Weißt Du Fabien, trotz meiner Macht habe ich nur wenige Vertraute. Meine Söhne, einst Minette, Tekuro und Dich. Deshalb spreche ich mit Dir darüber, nun wie ich mit Dir im Grunde über alles rede. Dreux wird dieses Jahr 30 Jahre alt, ich werde 55 Jahre alt Fabien.


    Die Frage ist, wann ist die Zeit reif um den Thron zu überreichen? Früher hat sich die Frage nicht gestellt, man hat den Thron geerbt. Auf der anderen Seite ist Dreux bereits Duc, Archi-Duc. Sollte ich ihm dem Thron überreichen, muss die Thronfolge gesichert sein. Dreux ist weder verheiratet, verlobt, noch vergeben. Dafür muss ich in nächster Zeit eine Lösung finden, Dreux ist in dieser Sache völlig anders als seine Brüder. Was ich mich zudem frage ist, wer ist sein Vertrauter? Hat er Vertraute?", erklärte Maximilien Fabien seine Gedanken.

    "Darf ich offen sprechen?", erkundigte sich Lacomb, auch wenn er die Antwort bereits kannte. Trotz allem war es der Duc der neben ihm saß.


    "Selbstverständlich", antwortete Max.

    "Maximilien dass was Ihr in Euren Kreisen als Familien bezeichnet, sind im Grunde keine. Als Eheleute bleibt Ihr einander fremd. Ihr werdet verheiratet und jene Hochzeiten haben mehr mit Politik als mit allem anderen zu tun. Deshalb hast Du gefühlt auch keine Vertrauten. Deine Vertrauen sind Deine männlichen Verwandten. Dein Vater und Dein Bruder sind tot, ab dem Zeitpunkt war Dein einziger Vertrauter Dein Leibdiener Leon. Du lebst das gleiche Problem, dass Dein Vater gelebt hat. Du hast nicht aus Liebe geheiratet, Du hast aus politischen Gründen geheiratet und um die Krone zu erhalten.


    Ciel und Verrill haben sich ihre Ehepartner selbst ausgesucht, dass gleiche Recht solltest Du Dreux zugestehen. Gerade weil er eines Tages der Duc de Souvagne sein wird. Möchtest Du dass er so lebt wie Dein Vater oder Du? Wünscht Du ihm keine Ehe gleich mit wem, die oder den er liebt? Gerade weil er in den Dingen wesentlich unbeholfener als seine beiden Brüder ist? Für Dreux ist ein Feldzug kein Problem Max. Aber um jemanden zu werben, dass ist für ihn ein unüberwindbares Hindernis. Jedenfalls wenn er damit den üblichen Gepflogenheiten folgen muss.


    Und auch Ehepartner haben Bedürfnisse und Wünsche. Was glaubst Du hat Deine Mutter zu einer derart verbitterten Frau werden lassen? Sie hatte alles Maximilien, aber eines hatte sie nicht, jemanden der sie um ihrer selbst Willen geliebt und geachtet hat. Was nützt aller Reichtum der Welt, wenn kein Mensch für Dich eine Umarmung übrig hat? Wenn sie alle abweisend sind und bildlich gesprochen Dornen tragen? Glaubst Du nicht, dass diese Dornen sie gestochen und sogar erstochen haben? Sie haben ihr Herz durchbohrt und vergiftet. So hat sie den einzigen Ausweg gewählt, den sie noch sehen konnte. Ihn einer Welt voller Dornen, hat sie gelernt selbst welche zu tragen. Und ihre waren verdammt scharf.


    Ihr schafft Euch Euer eigenes Unglück und verdammt Euch selbst und andere dazu. Es gibt genug Adelige, da wird sich doch wohl jemand passendes finden. Und falls nicht, solange es ein Souvagner oder Ledwicker ist, wo ist das Problem? Dreux ist der Archi-Duc und er wird der Duc.


    Ja natürlich weiß ich, dass man mit der Hochzeit ein besonderes Verhältnis zu einem gewissen Adelshaus bezeugt. Sprich diese Adelshäuser, sind geehrt. Sie sind zusätzlich geadelt, ihr Blut wird dem der Krone hinzugefügt. Fragte sich jemals jemand von Euch, was ihr neben dem hinzufügen, den einzelnen Personen zufügt?


    Mir ist ebenso bekannt, dass der Duc ewig ist. Er ist ein Amt, er ist unsterblich. Der Mann der den Duc verkörpert, der ist es nicht. Der Duc ist über alles Weltliche erhaben. Der Mann der ihn verkörpert nicht. Hat es dieser Mann nicht verdient, glücklich zu sein? Und ebenso dessen Ehefrau oder Ehemann? Oder weitere Ehepartner, wenn man sie heiratet? Denk darüber einmal nach", antwortete Fabien freundlich und respektvoll.


    "Diese Form der Heiratspolitik hat es immer gegeben, es ist eine uralte Tradition", gab Maximilien zu bedenken.

    "Ich dachte Du wärst der Duc, also ändere es. Das heißt doch nicht, dass sich nicht zwei Adlige finden. Du nimmst niemanden etwas weg, Du fügst eine mögliche Option hinzu. Für Deinen Sohn und alle möglichen Ehekandidaten. Frage Dich doch selbst, fühlst Du Dich so wohl?", hielt Fabien dagegen.


    Maximilien verschränkte die Arme vor der Brust und dachte nach, dabei schaute er in Fernen die wohl nur er sehen konnte. Fabien legte ihm seine Decke um die Schultern und rutschte etwas näher auf, um Max zu wärmen.


    "Du hast Recht Fabs, er soll frei wählen dürfen. Ein Vater sollte seinem Sohn den besten Start ermöglichen, ob ins Leben, in eine Ehe oder in ein Amt", pflichtete Maximilien Fabien nachdenklich bei.

    "Oh mit mir hat das nichts zu tun Maximilien, ich bin nur derjenige der Dir zuhört und Dir Denkanstöße gibt. Du bist der Vater von Dreux und der Duc. Ich weiß, dass Du Deine Söhne liebst, Ciel genau wie Dreux und Dreux genau wie Verrill. Manchmal ist es schwer zu herauszufinden, was das Richtige für sie ist. Aber nur weil etwas eine alte Tradition ist, ist es noch lange nicht richtig. Das was richtig ist, entscheidet der Duc. Jedenfalls für Souvagne. Und wie gesagt, es ist eine weitere Option, wer möchte kann immer noch der Tradition folgen. Ebenso ist es nicht verboten Zuneigung und Tradition zu verbinden. Glaube mir, jemanden an der Seite zu haben der einen liebt, der einen beisteht, der sich interessiert und kümmert ist etwas ganz anderes als das was Alain mit Esme lebte.


    Soweit ich weiß, sind die Vertrauten von Dreux Ciel, Verrill und Du. Den Großteil macht er mit sich selbst aus und das ist nicht gut. Oft war es Ciel, der ihn wieder auf Spur gebracht hat. Er hält es so wie Du. Die beste Zeit ihm das Amt zu überreichen ist die, wo er es mit Freude und Stolz annehmen kann. Dass musst Du mit ihm klären Max. Du wurdest vor vollendete Tatsachen gestellt. Schenke Dreux den Luxus, das ebenso selbst wählen zu dürfen. Das was er kann, hat er oft genug unter Beweis gestellt, wie all Deine Söhne", sagte Fabien aufmunternd.


    "Danke Fabs", antwortete Maximilien.

    "Nicht dafür, Kaffee?", fragte Fabien schmunzelnd.

    "Gerne", schmunzelte Max zurück.



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    ♛ Prince ♛


    "Der Edle verlangt alles von sich selbst. Der Primitive stellt nur Forderungen an andere."
    "Eine Entscheidung für etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen vieles andere."