​Die Grottentherme im Keller des Sonnensteins

  • Die Grottentherme im Keller des Sonnensteins

    therme.jpgIn einer Tiefe, in der man eigentlich keine Bauwerke mehr erwartet, die über bloße Funktionalität hinausgehen, dringt aus dem Spalt unter einer abschließbaren Tür warmer, duftender Nebel. Den Schlüssel besitzen nur wenige, denn dies ist die Privattherme des Marquis.


    Den wenigen, welche das Privileg genießen, Einlass zu erhalten, eröffnet sich eine natürliche Grottendecke. Boden und Badebecken jedoch sind im Stein der Umgebung gefliest, so dass man sich nicht die Füße aufreißt oder Stolpert. Das natürliche Wasser ist warm wie eine Badewanne und voller Mineralien. Zwei Zugänge ermöglichen das Schwimmen durch einen sanft beleuchteten Grottengang, der einmal im Kreis führt. Das Wasser ist nirgends tiefer als Brusthöhe.


    Für den edlen Schwimmer und seine Gäste stehen natürlich Sitzmöglichkeiten und Liegen zum Ausruhen bereit. Erfahrene Diener sorgen für das leibliche Wohl der Erholungsbedürftigen. Die warme, feuchte Luft und das Bad machen schläfrig. Sanfte Klänge von Musik lullen den Gast ebenso zuverlässig in den Schlaf wie eine wohltuende Massage.

  • Der alte General staunte nicht schlecht, als er die Therme der Feste Sonnenstein betrat. Was immer er erwartet hatte, nicht dieses größtenteils natürliche Wunderland. Das er nicht mit offenem Mund staunte, war nur seiner Ausbildung zu verdanken. Dennoch schaute er sich um, wie ein Kind im Süßigkeitenladen. Das Klima war angenehm, die Luftfeuchtigkeit hoch, warm und durchdringend. Alles in der Grotte lud dazu ein, in ihr zu verweilen.


    Tropfsteinartige Gebilde reichten bis zur Decke hoch, ein Becken gefüllt mit kristallklarem Wasser lud ein darin zu schwimmen. Der Boden des Schwimmbades war gefliest und verstärkte den klaren Eindruck des Wassers. Burkhard hätte sich fast zweimal bitten lassen müssen, da er all die Sinneseindrücke in Ruhe in sich aufnehmen wollte. Selbst der Anblick des Gesteins war ein Genuss. Eine natürliche Höhle, die zu etwas derartig Grandiosem ausgebaut worden war.


    Seine Vorstellung der Therme war etwas ganz anderes gewesen. Ein gemütlicher Raum, gefüllt mir Zubern in denen man es sich gut gehen lassen konnte. Gespeist wurden die Zuber von einer unterirdischen, warmen Quelle. Aber das hier übertraf seine kühnsten Träume.


    Burkhard wandte sich Dijon zu und lächelte entschuldigend.


    "Verzeih, dass ich Dir nicht sofort geantwortet habe. Aber das hier, das ist fantastisch. Ich finde kein anderes Wort Dijon. Etwas Schöneres habe ich noch nie gesehen. Du hast keine Vorstellung davon, was ich mir unter den Thermen vorstellt habe. Einen schönen Raum, mit gemütlichen Zubern. Gefüllt mit Wasser aus der Burgeigenen Quelle. Aber das?", sagte der General und machte eine raumumfassende Bewegung, "damit habe ich nicht gerechnet".


    "Lass uns die Kleidung ablegen und ins Wasser gehen", freute sich Burkhard.


  • "Zuber gibt es auch. Aber ich gebe der Grottentherme den Vorzug, da man hier auch eine Runde schwimmen kann. Ich denke hier viel nach. Normalerweise bin ich allein, höchstens mein Sohn oder dessen Gäste ist hier noch ab und zu zu finden. Vielleicht auch unser nobler Gast, die Diener wurden angewiesen, ihn über diese Therme in Kenntnis zu setzen und sie ihm zu zeigen, wenn er das wünscht. Die übrigen Bewohner haben eigene Thermen, es gibt hier sehr viele Möglichkeiten, Becken anzulegen oder einfach in den natürlich gewachsenen Grotten zu baden. Keine Angst, es gibt hier keine bauliche Verbindung zum Taudis. Alles oberhalb der Schleuse ist sicher."


    Dijon kleidete sich zunächst selbst aus, dann half er vorsichtig dem alten General, so weit dieser Hilfe benötigte.

  • "Angst?", lachte der alte General brummend.


    "Mein lieber Dijon, davor hätte ich keine Angst. Welcher Mann kann schon von sich behaupten gemütlich schwimmend den Taudis bestaunt zu haben? Es ist wunderschön, ich kann mich nur wiederholen Dijon. Eine Loge der Badekultur, eine Sonderklasse des Badens ohne Gleichen. Nun wie gesagt, ich hatte mit so etwas nicht gerechnet. Wie auch?


    Vielen Dank für Deine Hilfe. Lass uns gemeinsam ins Wasser steigen und uns hinsetzen. Einfach gemütlich den Ausblick genießen, bevor wir eine Runde schwimmen. So etwas darf man nicht übereilen. Nicht an so einem Ort. Wo Du gerade selbst von Deinem Sohn sprichst Dijon. Vielleicht ist nicht der richtige Zeitpunkt, aber dies hier wäre unter vier Augen der richtige Ort um Deinen Sohn einmal zu sagen, was Du für ihn empfindest.


    Du hast gewusst was ich empfinde. Vermutlich hat es Dich gleichermaßen gefreut wie enttäuscht. Aber hatte es nicht auch eine befreiende Wirkung, die Worte zu hören? Dein Sohn mag wissen, dass Du ihn liebst. Dass Du Deine Art hast, Deiner Liebe Ausdruck zu verleihen, die haben wir alle. Doch das ist nicht genug. Nur einmal Dijon sollte er auch die Worte aus Deinem Mund hören. Manchmal sind Worte nicht ausreichend. Und manchmal ist ein Wort alles, was ein Mensch benötigt. Dein Sohn benötigt Dich und ebenso Dein Wort. Sage ihm, dass Du ihn liebst. Das schuldest Du ihm und Dir. Du wirst es nicht bereuen Dijon.


    Meine Worte an Dich habe ich ebensowenig bereut. Hättest Du sie abgetan, hätte es mich geschmerzt. Doch mehr geschmerzt hätte es mich, hätte ich Dir nie gesagt was ich empfinde. Das sollst Du wissen", sagte Burkhard und hakte sich bei Dijon ein. Mit dem Stock konnte er nicht ins Wasser laufen.

  • Die beiden Senioren gingen in Richtung Wasser. Die Fliesen aus Naturstein besaßen eine raue Oberfläche, so dass keine Gefahr des Ausrutschens bestand. Dijon ließ Burkhard, der sich an seinem Arm hielt, das Tempo bestimmen, in dem sie über die Treppe in das warme Wasser stiegen, bis sie endlich ganz darin waren. So warm, als sei es extra beheizt worden, floss es um ihre Körper, fühlte sich dabei weich an und umschmeichelte ihre Nasen mit dem Duft feuchten Gesteins. All dies schenkte ihnen die Natur.


    "Ich verstehe, worauf du hinaus möchtest", setzte er ihr Gespräch fort, "doch Alexandre ist kaum anders in solchen Dingen gestrickt als ich. Er ist ein kühler, hochnäsiger Mensch, sehr vergeistigt in seiner ganzen Art, und weltliche Belange kümmern ihn kaum. Es ist, als stünde er mit dem Haupt bereits in den Spähren des Nexus, aus dem er seine magische Kraft zieht. Ist er bei mir zu Gast und sitzen wir zu tisch, speisen wir entweder schweigend oder tauschen organisatorische Informationen aus. Würde ich ihm sagen: Sohn, du sollst wissen, dass ich dich liebe. So würde dies zur Antwort haben: Aha. Danke für die Information."

  • Warm und weich, wohlig und duftend, so konnte man das kühle Nass der Feste Sonnenstein beschreiben. Weiches Wasser, jedenfalls fühlte es sich sanft auf der Haut an, sollte gut für die Haut sein. So hatte er es irgendwo mal vor Jahren oder sogar Jahrzehnten gehört. Nun falls er diesem Wasser faltenfrei und jung entstieg, dann würde er Dijon ganz anders küssen. Und vermutlich sofort einen Sklaven benötigen. Den schelmischen Gedanken beiseite schiebend, betrachtete er seinen Sohn.


    "Selbst wenn die Antwort wäre, Danke für die Information, würde sich Alexandre an dem Abend mit einem heimlichen Lächeln ins Bett legen. Deine Worte wie einen Schatz hütend, auch wenn er sie scheinbar mit Gleichgültigkeit abgetan hat. Du solltest besser als jeder andere wissen, von wem er sich diesen Panzer abgeschaut hat Dijon.


    Du trägst Deinen Kopf und die Nase auch ziemlich hoch, genau wie ich Dijon. Das heißt aber nicht, dass Du kein Herz hättest. Denk daran, sobald Du Deinem Sohn begegnest. Und versuche Dich daran zu erinnern, was Du Dir von Deinem Vater gewünscht hättest. Was hättest Du gerne einmal von ihm gehört? Gleich was andere denken mögen?


    Wie gesagt, es ist ein Rat Dijon. Denke bitte einfach darüber nach, ob Du ihm folgst, dass ist allein Deine Entscheidung", sagte Burkhard innig und schlenderte mit Dijon auf eine der Sitzmöglichkeiten zu.


    "Setz Dich dicht neben mich, damit ich ein bisschen Halt habe", bat Burkhard und zog Dijon neben sich. Gemütlich streckte er im Wasser seine Beine aus und lehnte sich nach hinten, um sich richtig anzulehnen.


    "Wie oft bist Du allein hier unten Dijon? Dieser Ort erscheint mir wie Dein persönlicher Tempel", überlegte der alte General und drückte Dijons Hand.

  • "Natürlich ist Alexandre ein jüngeres Ebenbild von mir, nur noch ein Stück hochnäsiger. Zudem verabscheut er die Freuden des Fleisches und hat für Beißer wenig übrig. Auch nicht für die Zuneigung eines Beißers und sei er der eigene Vater." Schmerzlich war die Stimme von Dijon, als er aussprach, woran Burkhards Vermittlungsversuch scheitern musste. "Er wird dich beahandeln wie mich - mit höflicher Distanz, sobald er deiner Zähne gewahr wird."


    Unter Wasser umschloss er die alte Hand von Burkhard mit seinen Fingern. Noch immer lag in Burkhards Griff viel Kraft, er war weit davon entfernt, tattrig zu sein, auch wenn das Alter natürlich bereits tiefe Spuren hinterlassen hatte.


    "Täglich bin ich hier unten allein, Burkhard. Jeden Morgen, um genau zu sein. Das Schwimmen vertreibt den Schlaf und das Bad ersetzt die schnöde Waschung mit einem ollen Lappen. So verbringe ich hier nach dem Aufstehen und einem kleinen Vorfrühstück eine Stunde, bevor es an das Rasieren und so weiter geht und schlussendlich zum Frühstück."


    Das er, wie sollte es anders sein, allein einnahm, seit seine Frau nicht mehr unter den Lebenden weilte und sein Sohn in den Palast gezogen war. Generell war Dijon privat ein sehr einsamer Mensch, obwohl bei der Wahrung seiner Pflichten von einer ganzen Heerschar an Edlen und Dienern umgeben. Die letzten Wochen waren anders verlaufen, denn Erwin hatte nie gefragt, ob er sich dazu setzen dürfe - er hatte es einfach gemacht, das für Dijon angerichtete Essen gefuttert und mit vollem Mund geplaudert.


    "Ich bin froh, dass du und Erwin eingezogen seid, Burkhard."

  • Burkhard legte einen Arm um Dijons Schulter und drückte ihn an sich. Sie waren unter sich und selbst wenn sie auf dem Marktplatz in Shohiro gestanden hätten, wen scherte es? Sein Sohn brauchte Trost und Halt, er war für ihn da.


    "Ebenso, Du hast keine Vorstellung davon wie froh ich bin und Dein Erwin ist es auch. Der Verschlinger war stets ein einsamer Wanderer, ein Jäger ohne Gefolgschaft. Er jagt für sich selbst und andere und liefert Fleisch in die Nester, für jene die nicht selbst jagen können. Die Jagd ist seine Passion, aber auch ein Raubtier braucht eine Höhle und ein Rudel, nicht wahr? Wir alle haben uns hier nicht grundlos eingefunden Dijon. Etwas hat Deine Schritte gelenkt und wer das gewesen sein mag, wissen wir. Du stehst hoch in seiner Gunst.


    Dein Sohn sollte nicht so leichtfertig verurteilen, was wir sind. Seine Härte und Prinzipien liegen dem selben Glauben zu Grunde, Blut. Blut ist es was Geschichte schreibt, Blut ist mehr als Lebenssaft. Dein Sohn ist ein Magier Dijon, sie sehen [definition='6','1']die Welt[/definition] mit anderen Augen. Er sollte sie besser nutzen, als durch Dich hindurch zu schauen. Alles was er ist, ist er durch Dich. Denn er trägt Dein Blut in seinen Adern. Wäre er zu seiner Magie fähig, wäre er ein sanfter und weicher Mann? Nachgiebig und gnädig?


    Seine Ablehnung ist lächerlich, denn er gleicht Dir nicht nur im Blut, sondern auch in all Deinen Stärken. Das was er verurteilt, macht ihn selbst aus. Er weiß es nur noch nicht Dijon.


    Ab heute bist Du nicht mehr alleine, speise mit uns und beginne Deinen Tag mit uns. Mit Deinem Mann und Deinem Vater. Nichts ist so trostlos wie ein leeres Haus, ein leerer Tisch und ein leeres Bett. Wie heißt es, Du kannst ein Haus kaufen aber kein Zuhause. Nun haben wir alle drei eines Dijon", erklärte Burkhard und lehnte seinen Kopf gegen den von la Grange.

  • Burkhard konnte nicht wissen, dass Alexandre gute Gründe hatte, Beißer zu verabscheuen. Dijon lehnte seinen Kopf an den des älteren Mannes und genoss, mit ihm in trauter Zweisamkeit bis zur Brust im warmen Wasser der Therme zu sitzen.


    "Nein, ich bin nicht mehr allein. Wenn du das wünschst, sei auch du künftig Gast an meiner Frühstückstafel. Es ist ein zu langer Tisch, an dem ich die letzten Jahre allein saß. Zu viel Essen für zu wenige Menschen. Zu viel Platz, den niemand füllte. Es war schon eine kleine Feier für sich, wenn mein Freund, der Comte de la Gervais, den man den Schlüpfrigen nennt, mich mit seiner Gesellschaft beglückt, doch wie oft geschieht das? Er hat sein eigenes Lehen zu verwalten und ich bin nicht sein Lehnsherr."


    Leider, wie Dijon fand. Mit dem Schlüpfrigen war er auf einer Wellenlänge.


    "Der Hinrichtung unserer Schwester Derya Littneaux hat Alexandre jedenfalls voller Genugtuung beigewohnt, ebenso wie manch Beißer. Innerhalb des Zirkels herrscht wohl keine Einigkeit." Woran Dijons Meinung nach Vendelin von Wigberg wesentlichen Anteil trug. "Die souvagnischen Beißer scheinen nur bedingt mit den naridischen kompatibel zu sein und nun wurde der Ring in Souvagne zerschlagen. Wie die Zukunft des Zirkels aussieht, ist ungewiss. Die Baronin hüllt sich in Schweigen, vielleicht ist sie inzwischen verstorben und niemand hat es bemerkt, da es ihr Erscheinungsbild und ihren Geruch kaum verändern dürfte."

  • "Die alte Krähe meinst Du ist tot? Nein Dijon, ich glaube eher dass sie nie gelebt hat. Der Zirkel wandelte sich schon oft im Laufe der Zeit. Auch die Nester, jene die an der Spitze stehen formen ihre Umgebung. Das ist hier auf Euren Schollen genauso, wie in jedem Beißernest. Der Archi-Duc der eines Tages den Thron besteigt, wird anders regieren als der heutige Duc. Dein Sohn wird anders regieren als Du. Aber Ihr alle tut es zum Wohle des Landes, der Scholle oder des Nestes. Und dennoch auch für Euch selbst und Eure Wünsche und Bedürfnisse. Von daher lass Dir eines gesagt sein, nichts ist so beständig wie die Veränderung.


    Der Name Vendelin taucht sehr häufig auf, in der Nähe von Katastrophen und Untergängen nicht wahr? Dieser Mann scheint einen Sog zu haben, von dem man sich besser fernhält. Souvagner und Ledwicker denken in manchen Sparten anders als Naridier Dijon. Freiheit ist Euch zuwider, alles hat seinen angestammten Platz, sogar Menschen. Bei uns bedeutet die Freiheit alles. Manche sind so frei, dass sie alles verlieren. Frei von allem. Was ist richtig, was ist falsch? Das muss jeder für sich entscheiden. Letztendlich würde ich behaupten, weder noch, anders ist nur eines - anders.


    In einem Nest findest Du ein buntes Gemisch, dass manchmal so harmonisch ist, dass es Dich gruselt. In dem nächsten Nest, kann die Mischung so explosiv sein, dass ein falscher Blick ausreicht, um den Abgrund losbrechen zu lassen. Der eine Schlüsselmeister liebt die Ordnung, der andere das Chaos, der nächste die Freiheit. Ist es nicht mit den Nestern, wie mit den Ländern?


    Derya hat den Tod verdient, wenn sie so dumm ist sich fangen und richten zu lassen Dijon. Mich interessiert sie nicht, meine Zuneigung und Loyalität gilt Dir. Wie wäre es wenn Du Comte de la Gervais einmal einladen würdest? Gute Beziehungen muss man pflegen Dijon", gab Burkhard zurück seufzste gemütlich.

  • "Sicher wandelt sich alles. Doch wenn ein Machtvakuum entsteht, wird es gefüllt, das ist ehernes Gesetz. Falls die Baronin tot ist oder schwach, wird jemand anderes den Zirkel übernehmen. Vielleicht, indem er sie als Marionette nutzt, vielleicht auch ganz offen. Wurde die Frage nach der Nachfolge denn nie geklärt? Sie ist unnatürlich alt, doch sie ist nicht unsterblich. Niemand ist das, nicht einmal die Untoten sind's. Falls die Baronin nicht mehr ist, wer wäre dein Favorit?"


    Mit den Fingern der freien Hand strich er ein wenig durchs warme Wasser, während Dampf sie umwaberte.


    "Derya hat den Tod aus vielerlei Hinsicht verdient, Burkhard. Aber sie hat der Welt Kinder hinterlassen."

  • "Das ist richtig, die Baronin ist nicht unsterblich. So wie es die Erzählungen sagen, steht sie hoch in der Gunst des Ältesten. Manche behaupten auch, sie wäre sogar seine Tochter. Wie dem auch sei Dijon, sollte sie die Gunst des Ältesten verlieren, verliert sie auch dessen Geschenk. Sie würde seinen Segen verlieren und sterben. Wusstest Du von Kazrar Chud? Dem Vater von Tekuro Chud? Kanntest Du ihn als jungen Mann? Er starb Dijon, auf grausame Weise verraten von Sklaven.


    Ach und gleich in diesem Zusammenhang, sei mit einem Deiner Gäste bitte sehr vorsichtig. Er weiß was Du bist, er weiß nur zu gut wer ich bin. Trotz aller Erziehung ist er gefährlich. Vielleicht gerade, weil seine Erziehung unterbrochen wurde. Er wäre verheiratet worden, die Frau wäre bedeutungslos gewesen. Er hätte seinem Schwiegervater gehört. Aber es kam anders und er landete in den Fängen eines verrückten Goblins. Einem Goblin der scheinbar weiß, wie man dieses Pferd führt.


    Wie dem auch sei mein Sohn, Kazrar Chud ein begnadeter Beißer und Brecher, verstarb. Sein Sohn, heute bekannt als der schwarze Skorpion, ruhte nicht eher bis er seinen Vater geborgen und eine neue Hülle für ihn beschafft hatte. Tekuro und Kazrar ist es gemeinsam gelungen sich nicht nur nachträglich die Zähne zu verdienen, sondern auch die Gunst des Ältesten. Das heißt, dass dieser neue Körper die Seele von Kazrar Chud aufgenommen hat und dieser den Segen des Ältesten empfangen hat.


    Dies ist keine Legende, es ist wahr Dijon. Ein Großteil des Weges hin zum Segen, fand sogar in Souvagne statt. Archibald von Dornburg war an der Seite von den Wanderern. Eine bunte Truppe, sehr bunt. Die Bestie trug den Ältesten in sich, so dass er seine Kräfte schonen und direkt bei ihnen bleiben konnte. Sprich er musste nicht ständig erscheinen, oder wie man das magisch nennt. Jedenfalls stand am Ende der Reise der Segen für Kazrar Chud.


    Sollte er den Segen verlieren, wird es keine Gnade geben. Ebensowenig wie für die Baronin. Ob diese Frau die Tochter des Ältesten ist oder nicht, sollte sie versagen, sollte er ihrer überdrüssig werden, weißt Du was geschieht. Der Älteste kann unerwartend milde sein, bekannt ist er dafür jedoch nicht. Heute wandelt er allein Dijon, Du weißt sicher auch welches Opfer er brachte um weiter zu existieren.


    Warum dies nötig war. Sein ärgster Feind, der die Trinität zerstörte und den Ältesten allein zurück ließ, ist einen Bund mit dem Ältesten eingegangen. Seltsame Zuneigung im Kampf? Ein Kampf der Willen auf Augenhöhe? Oder die verstörenste und betörenste Liebeserklärung aller Zeiten aus dem Abgrund? Hat Prince Ciel bewusst die beiden Männer von Dunwolf dem Ältesten geopfert? Hat er ihn wissentlich und willentlich an einen Punkt geführt, wo er seine Männer verraten musste? Auch ein Ältester ist einschätzbar. Ohne Egozentrik wäre er kein Ältester. Er würde alles tun um zu überleben und am Ende wäre er dann... allein und frei für Ciel.


    Ich glaube der Prince hat eine viel finstere Seite als die meisten vermuten.

    Oder es ist Licht, er ist eine schwarze Sonne. Wer weiß dies schon?

    Jedenfalls ist es nun ein Dualität - Dun-Ciel, der Älteste.


    Der Prince der Finsternis verdient meinen Respekt Dijon.


    Sollte jemand den Posten der Baronin ersetzen und über den Nestern stehen, dann würde ich mir an erster Stelle Ezio di Aminotti wünschen, den dritten Schlüsselmeister des Nestes Löwenfelsen in Sturmfels. Meine zweite Wahl wäre der zweiter Schlüsselmeister, Caspar von Preyenfelde des Nestes Nachtregugium in Villik. Beides sehr gute Männer Dijon. Nun alle Schlüsselmeister sind gut in ihrer Aufgabe, aber die beiden sind von besonderer Ruhe und Ezio ist Soldat, deshalb wäre er mein Favorit.


    Wer wäre Dein Favorit?


    Und falls die Frage gestattet ist, was macht Hohenfelde eigentlich hier? Um ihn mal beim Namen zu nennen", antwortete Burkhard entspannt und klimperte mit den Zehen im Wasser.

  • "Ich würde mir einen älteren, erfahrenen Mann an der Spitze wünschen, kein junges Blut, keine Experimente. Allerdings nicht dich, denn du hast deinen Ruhestand redlich verdient. Kazrar würde mir gut an dieser Position gefallen. Mit dem Ältesten verbindet mich nichts, außer der Hunger. Kazrar wird wissen, dass Dunwolf ihm das Licht auspusten kann und wenn er klug ist, wartet er nicht. Ich würde das zumindest nicht tun. Andernfalls unterstütze ich deinen Vorschlag von Ezio.


    Da du von Soldaten sprichst, sagt dir Vittorio Pollarotti etwas?


    Prince Ciel hat nicht um den Ältesten geworben, es ist ihm nur nicht gelungen, ihn zu erschlagen. Alexandre hat lange um das Leben des jungen Mannes gekämpft." Dass dieser tatkräftige Unterstützung gehabt hatte, ließ er unerwähnt, es zählte allein die Leistung seines Sohnes in dieser Angelegenheit.


    "Und was Davard von Hohenfelde betrifft, so weiß ich, was er ist. Nichtsdestoweniger ist er auch Marquis. Was ich davon halte, brauche ich nicht zu erwähnen, insbesondere, weil es sich bei ihm um einen Fremdländer handelt! Einen Emporkömmling, der dem Duc wer weiß was versprochen hat, damit er ihn aus dem Nichts in den Hochadel erhebt. Standesgemäßes Benehmen ist dieser Sippe so fremd wie das Wissen um die almanischen Tugenden."

  • "Jemand mit Erfahrung ist das Wichtigste Dijon. Ein Schlüsselmeister hat enorme Macht. Sie sind so etwas wie Mini-Regenten ihrer Nester. Und genau wie große Regenten, gleich ob Marquis oder Duc hat jeder seine Eigenart. Manche sind gut, manche sind schlecht, aber jeder von uns hat derartige Eigenarten. Gut und schlecht vereint sich in jedem Almanen. Ezio hat noch lange nicht mein Alter, aber ich würde ihm das Amt zutrauen.


    Er weiß was getan werden muss und wie man eine Truppe führt. Das empfinde ich als sehr angenehm und natürlich auch vertraut. Es wäre eine Lüge würde ich anderes behaupten. Vittorio Pollarotti, der Name sagt mir etwas, aber sei so gut und frische meine Erinnerung auf. Ebenfalls ein Ledvico wie Ezio.


    Ach Dijon, die Formen des Werbens sind so verschieden wie die Farben der Welt. Sollte Euer Prince sagen, er hat an einen Ältesten sein Herz verloren? Vielleicht war es auch pure Gier, ein Wesen wie ihn an seiner Seite zu haben und erschlug dessen Ehemänner. Der Prince hat die Hatz auf seine Beute eröffnet und gewonnen. Aber bei jeder großen Jagd zieht man sich Blessuren zu. Meinst Du, ich wäre noch nie verletzt worden? Nur wer nicht kämpft Dijon, trägt auch keine Narben. Du weißt dies genauso gut wie ich.


    Der Stolz in Deiner Stimme verkündet die Liebe, die Du für Deinen Sohn empfindest. Ich weiß, ich sollte nicht darauf herumreiten, aber ich tue es dennoch. Den Satz hättest Du ihm im gleichen Ton sagen sollen. Hat er Ciel gerettet, nach diesem Kampf, dann bist Du zu Recht derart stolz auf Deinen Sohn.


    Du hegst Groll gegen Nimmersatt? Nun Du könntest ihn mir überlassen, falls Du das wünscht. Vielleicht wüsste er nicht sofort, was gutes Benehmen ist, aber ich bin mir sicher, dass ich ihn erinnern könnte. Er würde gehorchen nach einigen Lektionen, genau wie Arkady. Nur würde ich ihn nicht vertrauen. Wer einmal die Hand gebissen hat, die ihn hütet und füttert. Wobei es schon eine spannende Herausforderung wäre ihn auf Stufe fünf zu bekommen, als Endstufler.


    Selbstverständlich weiß ich, dass Du von einem anderen Verhalten gesprochen hast, als das eines gehorsamen Sklaven oder Melkers. Tja ich kann Dir leider nicht sagen, was Euren Duc bewogen haben mag, Hohenfelde in Stand und Würde zu erheben. Und ob Du dies den Duc fragen kannst, wage ich zu bezweifeln. Er würde es vermutlich als Zweifel an seiner Entscheidung werten. Du könntest aber seinen Sohn fragen.


    Aber warum ist Hohenfelde hier? Er wird Dich doch wohl nicht schlicht besucht haben, um Dich mit sein Anwesenheit zu quälen? Wobei zuzutrauen wäre es ihm", gab Burkhard zurück.