Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

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Jaro Ballivòr

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#61

Beitrag von Jaro Ballivòr » Di 19. Feb 2019, 10:22

Alaryah Schattenwind
Endlich hatte Alaryah eine geeignete Stelle gefunden. Vorsichtig schob sie einen Zweig beiseite, um einen besseren Blick zu haben. Sie konnte mehrere Gestalten erkennen, die hier und da Fackeln aufgetellt hatten. Ganz in ihrer Nähe stand etwas großes. Alaryah konnte nicht genau erkennen, worum es sich tatsächlich handelte. "Das hat sich hier verklemmt.", sagte eine der Personen und hantierte an dem großen Etwas herum. "Warte, ich drücke mal von der Seite.". Zu zweit entfernten die beiden Gestalten die Reste eines zersplitterten Baumes und warfen diesen achtlos beiseite. "Los!", rief der eine dann dem unbekannten Wesen zu. "Ein letzter Versuch, sonst müssen wir morgen weitermachen!". Eine dumpfe Stimme antwortete etwas. Erst jetzt fielen Alaryah die beiden Karren und die drei Zelte in der Nähe auf. Scheinbar hatte man hier ein Lager aufgeschlagen und Waren transportiert. Dann schepperte es plötzlich wieder in der Dunkelheit. Alaryah zuckte zusammen und machte sich kleiner. "Läuft wieder!", schrie der eine dem anderen über den Lärm hinweg zu. Dann erhob sich das Wesen. Es schien komplett in Metall gekleidet zu sein, größer und breiter als jedes Lebewesen, welches Alaryah bisher gesehen hatte. Selbst ein Bär musste daneben klein erscheinen. "Mach die hier noch weg! Die hier!". Der eine Kerl winkte und deutete in Richtung mehrerer Bäume zu seiner linken. Laut polternd setzte sich das Wesen in Bewegung, kleine Wolken aus dunklem Qualm stiegen auf. Das Geräusch, mit dem die riesige Kreissäge durch die Baumstümpfe fuhr, lies Alaryah erschrocken zurückfallen. Sie hielt sich die Ohren zu, konnte nicht glauben, was sie dort sah. Mit einer ungeheuren Leichtigkeit fällte die Maschine mehrere Bäume, die krachend zu Boden fielen. Zitternd krauchte Alaryah rückwärts, noch immer den Blick auf die Maschine gerichtet, die ihr grausames Werk fortsetzte. Dann kam die Albin nicht mehr weiter, sie stieß mit dem Rücken gegen etwas hartes. Alaryah drehte den Kopf und für einen Moment schien ihr Herz auszusetzen. Dieses Ding hatte bereits eine Schneise der Verwüstung hinter sich gelassen. Von einer kleinen Lichtung aus bis zum jetzigen Punkt waren die Bäume allesamt gefällt, manche ausgerissen, andere unheilbar zurechtgestutzt. Panik erfasste die Albin. Unbeholfen stand sie auf und stolperte in die Richtung, in der sie Jaro vermutete.

Jaro Ballivòr
Zunächst fiel Jaro nichts Ungewöhnliches auf. Wo er auch hinsah reihten sich die Stämme der größeren und die Wipfel der kleineren Bäume an einander. Auch die Geräusche hatten abgenommen, sodass er unsicher war, in welcher Richtung er eigentlich suchen sollte. Aber irgendwo musste doch etwas sein! Und dort war vermutlich auch Alaryah und möglicherweise war sie in Schwierigkeiten. Er musste sie finden! Er musste! Jaro presste die Lippen fest aufeinander und spähte erneute zu allen Seiten. Das wieder einsetzende laute Brummen ließ ihn zusammenfahren und beinahe wäre er vom Ast gerutscht. Zuerst war es so laut, dass er nicht deuten konnte, woher es kam. Viel mehr schien es überall gleichzeitig zu sein. Dann sah er es. Die Bäume bewegten sich. Schockiert sah Jaro zu, wie ein wahrer Riese wackelte, schwankte und schließlich mit lautem Knarzen fiel, als sei er nicht viel mehr als ein morscher Ast. Das Dröhnen ging bis ins Mark. <Es klingt wie ein Klageschrei>, dachte Jaro und eine tiefe Trauer erfüllte ihn. Weitere Bäume folgten, große wie kleine. "Was ist das?", flüsterte er ungläubig zu sich selbst. Dann. "Alaryah!" Was auch immer in der Lage war, solch eine Zerstörung anzurichten, Alaryah ging direkt auf es zu! Unentschlossen sah Jaro nach unten und wieder zurück zu der Stelle, an der die Bäume fielen. Sie hatten vereinbart, dass er hier wartete, doch er musste sie warnen! Was sollten sie gegen einen Gegner wie diesen schon ausrichten? So schnell er es wagte, schwang Jaro sich vom Baum und zog das Stilett hervor. Ängstlich schluckte er, dann setzte er sich in Bewegung.

Alaryah Schattenwind
Weg! Sie wollte einfach nur noch weg! Weg von diesem Ding! Alaryahs Herz raste und nahezu orientierungslos taumelte sie durch die Gegend. Sie dachte nicht einmal mehr an Jaro oder ihre Mission. Die Albin stolperte über eine Wurzel, fiel der Länge nach hin und rang nach Luft. <Weiter!>, hämmerte es in ihren Gedanken, während ein weiterer Baum fiel. Laut keuchend raffte sie sich wieder auf. "Die drei noch, dann reicht es erst einmal!", rief der eine Kerl kaum hörbar und wieder knirschte es laut. Es dauerte, bis Alaryahs Körper wieder gehorchte und sie stürzte davon. Ihr Blickfeld verengte sich und immer wieder schaute die Albin panisch hinter sich aus Angst, das Ding könnte ihr folgen. "Alaryah!". Sie überhörte Jaros Rufen aus der Ferne. "Alaryah, hierher!". Sie wich einem Baum aus, machte einen Satz nach links über einen Stein und raste weiter. Irgendwann kam die Albin vor einer Dornenhecke zum stehen, wirbelte herum und nahm erneut Fahrt auf. "Alar...". Sie schlug hart mit Jaro zusammen, der sie irgendwie und leicht aus der Puste eingeholt hatte. Weiße Sterne tanzten vor Alaryahs Augen umher. Sie versuchte erneut aufzustehen, doch sie wurde festgehalten. Die Albin schlug wild um sich, doch schaffte es einfach nicht sich loszureißen. Mit aller Kraft versuchte sie nun an einen der Dolche zu kommen...

Jaro Ballivòr
Panik verlieh Jaro zusätzliche Kräfte und er hielt Alaryah so fest er konnte. Es durfte sie nicht sehen. Auf keinen Fall durfte das baumfressende Monstrum sie sehen! Vage nahm Jaro ein dumpfes Pochen am Kopf wahr, wo er vermutlich mit Alaryah kollidiert war. Irgendwann hatte er alle Vorsicht beiseite geschoben und angefangen, nach seiner Freundin zu rufen, um überhaupt eine Chance zu haben, sie zu finden. Kaum war er vom Baum herunter, war seine Orientierung fort gewesen. Wo er zuvor noch eindeutig die Richtung gesehen hatte, hatte alles wieder vollkommen identisch gewirkt. Und dann hatte er sie wirklich gefunden, wenn auch anders als geplant. "Alaryah, hör auf! Ich bin es", presste er hervor, während die Albin ihm mehr und mehr entglitt. "Ich bin es, Jaro!" Er wagte kaum mehr als zu flüstern. "Es wird uns hören!" Er wimmerte nun fast und schließlich versiegten seine Kräfte und Alaryah riss sich los. Schwer atmend und mit dem Dolch in der Hand presste nun sie ihn zu Boden. Jaro erstarrte und hob instinktiv die Hände.

Alaryah Schattenwinde
Die Panik schien aus Alaryahs weit aufgerissenen Augen schon fast nach Jaro zu greifen. Trotz der Düsternis um sie herum konnte er nun sein Spiegelbild in den mittlerweile feuchten Augen sehen, in denen die Pupillen langsam kleiner wurden. "Bitte...". Alaryahs Atmung verlangsamte sich, sie musste husten und sogar würgen. Dann begann zuerst iher Hand mit der Waffe deutlich zu zittern und der nun gefühlt tonnenschwere Dolch fiel dumpf auf den Boden neben Jaro. Alaryah sah ihre zitternde Hand ungläubig an, hielt sie nun mit der anderen Fest. Dann schaute sie zu Jaro hinab, der immer noch wie vom Blitz getroffen da lag. "Es...", sie formte mit dem Mund Worte, sprach sie jedoch nicht aus. "Es war so furchtbar.", brachte sie dann endlich hervor. "So viel Zerstörung.". In der Ferne war der Lärm nun verstummt. "So viel Zerstörung.", wiederholte sie leise und Tränen rannen ihre Wangen hinab. "Was...was war das nur für ein Ding?". Alaryah kippte nun seitlich weg und ließ so von Jaro ab, der ihr mit seinen Blicken folgte. Wieder und wieder murmelte Alaryah leise unvollständige Sätze und kaum hörbare Worte, während sie zusammengekauert da lag. Sie hatte zum ersten Mal in ihrem Leben eine riesige Maschine in Aktion gesehen. Diese Kraft, dieser Lärm, all das war neu und scheinbar zu viel für die Albin.

Jaro Ballivòr
Angestrengt versuchte Jaro irgendetwas von Alaryahs Gemurmel zu verstehen. Der Schock steckte ihm noch in den Gliedern, doch es war kein Vergleich zu dem Schrecken, der die Waldalbin durchfahren haben musste. "Ich... ich habe gesehen, wie die Bäume einfach..." Er verstummte wieder, als er begriff, wie sehr dies Alaryah zu schaffen machte. Hatte sie gesehen, was dort wütete? "Alaryah", sagte er nun sanfter und versuchte einen möglichst ruhigen Ton anzuschlagen. "Wir müssen hier weg." Zögerlich legte er eine Hand auf ihre Schulter und klopfte sie leicht. "Vielleicht, wenn wir Hilfe holen könnte..." Der Klang der Verzweiflung ließ sich nicht vollständig aus seiner Stimme vertreiben. Gleichzeitig grübelte er, ob es nicht irgendetwas gab, dass sie tun konnten. Sollten sie wirklich dabei zusehen, wie der Wald nieder gemäht wurde? Jetzt, wo seine Sinne sich langsam klärten, fiel Jaro auf, dass der Lärm fort war. Was mochte das bedeuten?

Alaryah Schattenwind
Alaryah schlug die Augen auf. Sie lag auf der Seite. Ihr Blick zuckte suchend umher. Es war immer noch dunkel, doch war sie nicht mehr an dem Ort, an dem sie mit Jaro zusammengeprallt war. Was war passiert? Alaryah wollte sich aufrichten, doch fast jeder Muskel in ihrem Körper schien sich dagegen zu wehren. Die Angst hatte dafür gesorgt, dass die Albin völlig verkrampft dagelegen hatte. Sie befanden sich wohl in ihrem Nachtlager, welches aber auch woanders zu sein schien. Alaryah kramte in ihren Erinnerungen...und wurde schließlich fündig. Jaro hatte es irgendwie geschafft sie zumindest etwas zu beruhigen und sie waren gemeinsam irgendwo hingegangen. Was war noch? Sie waren in ihrem Lager angekommen und...genau! Sie haben es verlegt und somit noch etwas mehr Abstand zwischen sich und das Ding gebracht. Nun waren sie hier. Alaryah erinnerte sich weiter. Sie waren beide aufgekratzt gewesen und hatten beschlossen sich erst einmal zu beruhigen. Alaryah hatte viel und leise geweint. Doch ihr fiel auf, dass die Geräusche verstummt waren. Da war nichts, außer die vertrauten Stimmen des Waldes bei Nacht. War das Ding etwa fort? Nein, das konnte nicht sein. Alaryah erinnerte sich an die Gestalten, die miteinander gesprochen hatten. Scheinbar hatten sie irgendwie Einfluss auf das Wesen gehabt. Es würde also irgendwann weiter in dem Wald wüten. Mit dem Ärmel wischte sich die Albin nun durch das Gesicht. Sie musste furchtbar aussehen. "He.", sagte plötzlich jemand leise und schräg rechts vor ihr. Zu Alaryahs Erleichterung war es Jaro. Er hatte sich eine Decke übergeworfen und saß einfach da. Scheinbar hatten sie es nicht gewagt ein kleines Feuer für die Nacht zu entzünden. Alaryah ging zu ihm hinüber und setzte sich neben ihn. "Was war das für ein Ding?", fragte sie leise und beschrieb Jaro, was sie gesehen hatte. Sie sprach von den Gestalten, dem Metall und was sonst passiert war bevor sie geflohen war. Als sie von der Schneise im Wald berichtete versagte kurz ihre Stimme. "Was, wenn sie die Festung suchen?"

Jaro Ballivòr
Für Jaro war es selbstverständlich gewesen, die Wache zu übernehmen. An Schlaf war sowieso nicht zu denken gewesen. Trotz der Decke hatte ihn gefröstelt, doch es hatte ihn getröstet zu sehen, dass Alaryahs Atem irgendwann ruhiger ging. Das und die Stille des Waldes hatten schließlich auch sein Innerstes umschmiegt und seine Gedanken beruhigt.
Die Beschreibung des Monsters wühlte sie nun wieder auf und gleichzeitig war er froh, ein Bild zu kriegen, dass seine unerbittliche Fantasie in die Schranken wies. "Sind wir denn schon so nahe dran?" Jaro hoffte, dass die Antwort nein wäre, doch Alaryah nickte. "Du meinst, sie wollen einen Eingang freilegen?" Plötzlich erschien dies so logisch, dass Jaro sich fragte, wie er nicht direkt darauf hatte kommen können. Er sah Alaryah an. "Oder sie haben ihn bereits geöffnet." Immerhin war es den Rest der Nacht still gewesen. Was sollte der Grund dafür sein, wenn nicht, dass sie ihr Ziel erreicht hatten?
Eine Idee kam ihm, so urplötzlich, dass er aufkeuchte. "Wenn.. wenn sie drin sind... wir könnten uns anschleichen und das Portal versiegeln!" Aufregung ließ seine Stimme zittern. "Vielleicht haben sie diese Höllenmaschine mit rein genommen! Ich könnte nachsehen gehen." Die Worte sprudelten einfach aus Jaro heraus. Er wusste nicht einmal woher sie kamen.

Alaryah Schattenwind
Hastig schüttelte Alaryah den Kopf. "Wenn, dann gehen wir zusammen.". Zwar hatte die Albin ein mulmiges Gefühl als sie wieder an diese Höllenmaschine, wie Jaro sie nannte, dachte, doch durften sie nichts unversucht lassen sie aufzuhalten. Sie mussten so schnell wie möglich gemeinsam den Eingang versiegeln, erst dann konnten sie Hilfe holen. Alaryahs Gefühlswelt schwankte zwischen furchtbarer Angst und irrwitzigem Mut hin und her, doch wenn Jaro Recht hatte, dann blieb keine Zeit lange zu verharren! Mit noch leicht zitternden Knien machten sich die beiden also wieder auf den Weg in Richtung Maschine.
Sie nahmen den gleichen Weg wie Alaryah und kamen bei dem improvisierten Lager an. Dort waren allerdings noch die Personen und die Maschine, was gut, aber auch schlecht sein mochte. Gut, da sie die Festung noch nicht betreten hatten...und schlecht, weil sie noch direkt davor waren. Eine Gestalt stand Wache, eine weitere zog Holzreste aus einem großen Gitter an der linken Seite der Maschine. Jemand weiteres schlief hörbar in einem der Zelte in der Nähe. Beim genaueren Hinsehen erkannten Jaro und Alaryah, dass es sich um Menschen handelte. Sie waren von normaler Statur und trugen an ihren Gürteln Werkzeug statt Waffen. Der eine, der die Umgebung im Auge behielt, stützte sich auf eine große Holzfälleraxt. "Es dauert nicht mehr lange, dann geht die Sonne auf.", brummte er dem anderen Kerl zu, der weiterhin seiner Arbeit nachging. "Wird auch Zeit. In so einer Finsternis zu arbeiten ist auch so gut wie unmöglich. Hinterher trifft die Säge wieder auf Stein oder es löst sich eine Kette...". Sie würden die Maschine also erst bei Sonnenaufgang wieder anwerfen! Noch war es also nicht zu spät. "Wir müssen sie irgendwie ausschalten.", flüstere Alaryah und nickte in Richtung der Männer. "Sie dürfen das Ding nicht wieder entfesseln.". Alaryah tastete nach dem Stein in ihrer Tasche. "Ich muss dann nur nahe genug an den Eingang herankommen. Ich hoffe, dass er sich schnell versiegeln lässt.". Sie wartete Jaros antwort ab, war bereit loszuschlagen.

Jaro Ballivòr
Erst jetzt, beim direkten Anblick wurde Jaro vollends klar, dass es sich nicht um ein Lebewesen sondern um eine Maschine handelte, ein Gerät aus Metall, wenn auch ein besonders mächtiges Exemplar. "Vielleicht kann ich das Ding außer Kraft setzen", flüsterte er. "Ich kenne ein paar handwerkliche Kniffe." Zwar sprach er hierbei von den selbstkonstruierten Linsenschleifmaschinen seines Vaters, doch so groß konnte der Unterschied ja nicht sein. Oder doch? Er nickte, wie um sich selbst zu überzeugen. "Ja, ich kann das. Und falls sie mich entdecken, locke ich sie von hier fort, damit du in Ruhe an den Eingang herankommst." Alaryah starrte ihn mit offenem Mund an. "Jaro! Du kannst doch nicht alleine zu diesem... Ding gehen!" Verwirrt runzelte Jaro die Stirn. "Warum denn nicht? Ich passe auf und schaue mir erst alles genau an, bevor ich eine Schraube lockere oder einen Zweig in den Bewegungsmechanismus klemme. Mir fällt schon etwas ein." Alaryahs Lippen formten das Wort "Schraube" nach, während er sprach. "Das ist ein Werkzeug", erklärte Jaro, dem langsam dämmerte, was los war. "Alben... oder wohl eher: Menschen haben es gebaut und sie bedienen es auch! Alleine macht es gar nichts, verstehst du?" Alaryahs Gesichtsausdruck zu Folge verstand sie nicht.

Alaryah Schattenwind
In Alaryahs Augen sprach Jaro ohne wirklich etwas zu sagen. Schraube? Bewegungsirgendwas? Aber er schien einen Plan zu haben. "Und solange die drei nichts tun können bleibt es einfach so wie es jetzt ist?", fragte sie noch einmal unsicher nach während sie die Maschine mit ihren Blicken fixierte. Sie hatte zwar Kräne und diverse andere Mechanismen innerhalb der Städte und Stützpunkte gesehen, doch schien das, was für sie bereits so etwas wie Zauberei war, primitiv im Gegensatz zu diesem Ding. "Menschen haben es gebaut.", dachte sie laut, doch Jaro unterbrach ihre Gedanken. "Alaryah, wir müssen handeln.". Er hatte Recht! Sie hatte sich zu sehr ablenken lassen. "Ich schleiche mich dann hier entlang, versuche den im Zelt als erstes auszuschalten. Von dort aus kann ich die anderen vielleicht umgehen?". Bei dem Gedanken näher an die Maschine zu gehen fühlte sich Alaryah sichtlich unwohl. Doch es war zu spät und sie musste jetzt einfach tapfer sein! "Wenn du irgendwie machen kannst, dass das nicht mehr funktioniert...", begann sie leise und deutete auf die Maschine "...dann los. Ich behalte die anderen beiden auch im Auge, sollte es zu Problemen mit ihnen kommen kann ich helfen.". Alaryahs Herz raste vor Aufregung, doch musste sie sich zur Ruhe zwingen. Sie durfte nicht unvorsichtig werden! "Sei bitte vorsichtig.", flüsterte sie und griff Jaros Hand.
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#62

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Di 26. Feb 2019, 17:49

Jaro Ballivòr
Einen Augenblick lang verharrte Jaro und blickte in Alaryahs sorgenvolle Augen. "Das werde ich!", versicherte er schließlich, löste sich und schlich geduckt durch das Unterholz. Er nahm einen weiten Bogen um das Lager. Der eine Kerl war noch immer damit beschäftigt, die Maschine von den Splittern und Spänen zu befreien, doch glücklicherweise befand er sich auf der dem Zelt zugewandten Seite. Die Maschine war groß genug, um Jaro auf der anderen Seite ausreichend Deckung zu geben und der Arbeiter verursachte so viel Lärm, dass er hoffentlich auch ungehört blieb. "Drecksding!", fluchte der Mann gerade, als Jaro sich näherte. "Ein bisschen Baum und schon hakt das ganze Getriebe! Und natürlich kommt nichts davon alleine wieder raus..." Bisschen war gut, dachte Jaro und schluckte zum wiederholten Male schwer ob der Verwüstung rund um das Lager. Während der Mann lärmte und fluchte, verursachte Jaro nicht einen Mucks auf dem von Spänen und Schutt bedeckten Waldboden. Schnell suchte er die Maschine ab. Sie war noch weit komplexer als er gedacht hatte und rund herum mit Metallplatten und Gittern verkleidet. An wichtige Verbindungen heranzukommen, würde schwierig werden, vorausgesetzt er konnte überhaupt deuten, was wichtig war. Zudem hatte er kein Werkzeug. Der Gedanke kam ihm ganz plötzlich und er ärgerte sich, dass er nicht wenigstens einen Stein oder einen stabilen Zweig aufgelesen hatte. Dort lief die Kette, die wohl die Bewegung weiterleitete, ähnlich wie das Band bei Vaters Schleifmaschine. Jedes Glied war größer als Jaros Faust und hing scheinbar nahtlos im folgenden. Jaro zermarterte sich das Hirn. Selbst wenn er einen ganzen Baum dort hinein schob, dieses Monstrum würde sich immer noch bewegen. Mit wachsender Unruhe huschten seine Augen weiter über die Maschine. Es gab keine Schwachstelle. Jeden Augenblick konnte der Kerl auf der anderen Seite seine Arbeit beenden oder der Schnarcher im Zelt erwachen. Es wurde zusehends heller. Wenn sie die Maschine erst anschmissen, war die Chance verflogen. "He!" Jaro zuckte vor Schreck zusammen und ließ sich instinktiv in die Hocke sinken. "Das Ding braucht wieder Stoff!"
Ein Stein fiel ihm vom Herzen. Einen kurzen Moment hatte er gedacht, der Kerl hatte ihn entdeckt.
"Ja dann füll was nach!", brummte es vom Lager her. Fluchend stampfte der Arbeiter davon. Jaro spähte zwischen den Rädern in der Raupe hindurch. Mit einem Kanister in der Hand kam der Mann zurück, noch immer vor sich hin motzend. Jaro schlich genau entgegen gesetzt zur Seite, während der andere hinter die Maschine trat. Er schraubte an etwas, dann gluckerte es. Jaro riss die Augen auf. Das war es! Das Ding lief mit irgendeiner Art magischer Flüssigkeit. Wie hatte er auch nur denken können, dass ein Fußpedal oder ein Hebel einen solchen Koloss bewegen konnte... Er musste nur die Verbindung des Tanks kappen. Nur... Jaro sah sich um. Von Alaryah war nichts zu sehen und zu hören. Der Arbeiter war wieder in Richtung Lager geschlurft. Jetzt oder nie, dachte er und schlich auf das hintere Ende der Maschine zu.

Alaryah Schattenwind
Die Sekunden vergingen quälend langsam. Alaryah verfolgte Jaro noch so weit wie möglich mit ihren Blicken und machte sich dann selbst auf den Weg. Geduckt huschte die Albin in der Düsternis des Unterholzes umher und näherte sich dann langsam aber sicher dem Zelt. Wieder und wieder kam sie an abgeknickten Ästen, herausgerissenen Wurzeln, Splittern und Rinde vorbei. Der süße Duft von frisch gefällten Bäumen war deutlich wahrzunehmen und Alaryah musste sich enorm zusammenreißen um nicht von Trauer und blinder Wut überrannt zu werden. Wichtig war jetzt ihre Mission! Endlich kam sie an dem ersten Ziel ihrer Etappe an. Vorsichtig lugte die Albin an dem Zelt vorbei in Richtung dessen, was Jaro Maschine genannt hatte. Niemand schien auch nur im Geringsten in Erwägung zu ziehen, dass Alben in der Nähe sein konnten. Diese Selbstsicherheit der Schergen ließ Alaryah kaum merklich den Kopf schütteln. Nun wandte sich Alaryah der Rückwand des Zelts zu. Dort war kein Ein- oder Ausgang, nur eine Plane aus dickem Tuch. Unbemerkt durch den wahrscheinlich zugeschnürten Vordereingang zu gelangen war ein Ding der Unmöglichkeit und so zog Alaryah einen Dolch. Vorsichtig setzte sie die Klinge am unteren Ende der Plane an und schnitt langsam hinein. Jeder Millimeter Schneidearbeit machte einen gefühlt ohrenbetäubenden Lärm, doch war in Wirklichkeit nichts zu hören. Alaryah wunderte sich sowieso, wie der Kerl im Zelt überhaupt bei diesem ganzen Lärm, den seine Kameraden verursachten, schlafen konnte. Dann war der Spalt endlich groß genug und Alaryah spähte ins Innere. Dort lag eine Gestalt auf einem improvisierten Nachtlager, das Kopfende war ihr zugewandt. Ein gezielter Hieb würde genügen um den Kerl länger ins Reich der Träume zu schicken, da war sich die Albin sicher. Doch hatte sie nicht genug Platz um ordentlich auszuholen...und so schob sich Alaryah mit dem Oberkörper so vorsichtig wie Möglich ins Zeltinnere.
Es polterte laut, als die Albin mit der Schulter einen Stapel aus Tonbechern und gestapeltem Essbesteck umstieß. Die Gespräche draußen endeten abrupt und jemand rief einen Namen, fragte, ob alles in Ordnung sei. Die Albin fuhr zusammen als der gerufene erwachte, den Kopf hob und die Augen öffnete. "Wa..was? Alles gut, lasst mich noch schlaf...". Die Blicke des Mannes trafen die der Albin, die weiterhin regungslos in ihrer Position verharrte. Es war ein Reflex, der die Kontrolle über die Albin übernahm. Blitzschnell schoss die freie Hand der Albin voran und hielt dem Kerl den Mund zu. "Mhmhmm?!", brachte er hervor und riss panisch die Augen auf. Er wollte seine Kumpanen alarmieren und begann zu strampeln. Glücklicherweise wurde sein Zappeln durch eine verhedderte Decke weitestgehend eingeschränkt.
Alaryah öffnete die Augen. "Dann bleib halt noch liegen, Nichtsnutz!", gab einer der Schergen laut von sich. Erst jetzt sah Alaryah, was sie angerichtet hatte. In ihrer Furcht entdeckt zu werden, die Mission zu gefährden und vor Wut aufgrund der Zerstörung um sie herum hatte Alaryah mehr als nur häufig auf den Mann eingestochen. Er war leise grunzend abgetreten, sein erschlaffter Körper war übel zugerichtet. Alaryah selbst hatte deutliche Blutspuren an Händen, Armen und Gesicht, auch im Zelt selbst sah es aus wie in einem Schlachthaus. Doch durfte sie nicht lange innehalten! Jede Sekunde war kostbar! "Hoffentlich hat der nicht unser ganzes Geschirr zerdeppert.", hörte Alaryah noch den einen Schergen schimpfen, während sie wieder geduckt rückwärts laufend im Gebüsch verschwand. Der Geruch von Blut klebte an der Albin und löste in ihr wieder so etwas wie einen Jagdinstinkt aus...


Jaro Ballivòr
Der Kanister war schnell gefunden, doch war er fest an der Umhausung fixiert und ragte zum Teil hinein, sodass es gut geschützt war. Jaro lugte durch ein Gitter hindruch und tatsächlich: innen ging ein großer Schlauch ab. Aber wie sollte er dort heran kommen? Er probierte einige Spalten und Gitteröffnungen aus, doch nirgends passte seine Hand hindurch. Sein Stilett hingegen war zu kurz. Vergeblich zog und zerrte Jaro an den Metallplatten, die einen Großteil der Maschine umgaben. Sie bewegten sich keinen Millimeter. Er brauchte ein Werkzeug, irgendetwas. Hektisch schoss Jaros Blick von Seite zu Seite. Er entdeckte einen abgebrochenen Ast und hob ihn leise auf. Mit steigender Nervosität schob er das Holz durch das Gitter hindruch und versuchte, den Schlauch zu beschädigen oder zu lösen. Nichts geschah. Und schließlich brach das Stück mit einem Knacken entzwei. Jaro erstarrte. Ein Poltern folgte, dann Geschrei. Schweiß trat Jaro auf die Stirn. Er hörte die Männer zankten, doch offenbar ging es nicht um ihn. Alaryah? Es klang, als murrten sich die Kerle eher gegenseitig an. <Steh nicht so blöd rum! Tu etwas!>, schalt Jaro sich in Gedanken. Es galt die Zeit zu nutzen, in der die Männer noch stritten. Aber wie sollte er an diese Leitung herankommen? Jaro begann erneut die Maschine zu untersuchen. Er ging in die Knie und legte sich schließlich ganz auf den Boden. Zwar war es noch lange nicht hell, doch für Jaros Augen war es genug. Da war ein Spalt! Die Maschine stand nicht ganz eben und im hinteren Teil hob sie leicht ab. Möglicherweise reichte das. Jaro legte sich auf den Rücken und schob sich, Kopf voran, Stück für Stück hinein. Er hielt die Luft an und zog den Bauch ein. Mit einem leisen Ratschen riss sein Hemd und er keuchte auf, als Metall die Haut über seinen Rippen aufkratzte. Trotzdem stemmte er sich weiter unter das Monstrum. Es war beängstigend und so eng, dass ihm die Luft weg blieb, doch er passte hinein. Unter dem Tank angekommen, hob Jaro die Hände. Er zog, zerrte und riss an dem Schlauch und begann sogar im Stillen zu fluchen, bis sich die Verbindung endlich löste und sich ein Schwall beißend riechender Flüssigkeit über sein Gesicht und seinen Oberkörper ergoss. Panisch versuchte Jaro den folgenden Hustenreiz zu unterdrücken, doch erfolglos. Es prustete los und hörte zugleich, wie nebenan Bewegung ins Lager kam. Bestimmt hatten sie ihn gehört! Er saß in der Falle.

Alaryah Schattenwind
Am liebsten hätte sich Alaryah direkt auf den nächststehenden Schergen gestürzt, doch hatte sie gerade noch genug Selbstbeherrschung. In der kleinen Albin, die fast nie in ihrem Leben diese Art Emotionen gefühlt hatte, brannte nun ein loderndes Feuer. Sie schärfte ihre Sinne, während sie sich den Weg zu ihrem Ziel bahnte. Die Männer diskutierten und weiter in der Ferne hörte sie ein seltsames Gluckern. Es war anders als das Geräusch von einem Fluss oder Regen. Es war ihr unbekannt. Alaryah ging weiter und war sich sicher, dass dieses Geräusch aus der Maschine stammen musste...
Es dauerte etwas, doch schließlich erahnte die Albin unter einem riesigen und flächendeckenden Brombeerbusch den nächsten Zugang. Sie hatte sich an die Zeichnung einer Brombeere erinnert, die kaum sichtbar in einer Ecke eines Fragments abgebildet war. Wieder hielt sie inne und lauschte. Irgendwas ging da hinter ihr vor, doch durfte sie sich nicht ablenken lassen. Mit aller Kraft riss Alaryah nun an den Zweigen des Brombeerbusches herum. Die Dornen bohrten sich durch ihre Handschuhe und sie musste die Zähne fest aufeinanderbeißen um nicht zu schreien. Doch aufgeben? Niemals! Endlich war dort eine Lücke in dem Gewächs. Das Geschrei hinter ihr wurde lauter. Jaro! Alaryah stand auf. Sie wollte zurück und sehen, ob Jaro wohlauf war. Gerade in diesem Moment kroch die Sonne am Horizont empor und erste Strahlen schossen durch die Dunkelheit. Es war womöglich fast zu spät. Alaryah drehte sich zu dem Eingang um. Dort war eine große Steinplatte, womöglich eine Art Luke. Die Albin atmete tief durch, versuchte den Lärm hinter sich zu ignorieren und nahm Anlauf. Mit einem Satz brachte sie einen Großteil des Dornengestrüpps hinter sich, doch landete sie trotzdem unsanft zwischen Steinplatte und Zweigen. Alaryah wollte gar nicht wissen, wie viele Dornen nun in ihrer leichten Rüstung und in ihrem Körper steckten. Wie in Trance tastete sie nun mit zittrigen Händen die Steinplatte ab. Irgendwo musste es doch eine Fassung für diesen verdammten Stein geben! Tatsächlich wurde die Albin fündig. Zu ihrer Erleichterung passte der goldgelbe Stein in eine kleine Ausbuchtung und fügte sich nahtlos in die Steinplatte ein. Doch nichts geschah. "Nein...", hauchte Alaryah. "Nein, bitte nicht!". Wieder erklang Lärm hinter ihr. "Jaro.". Alaryah versuchte fieberhaft den kleinen Stein wieder aus der Platte zu puhlen, doch es war hoffnungslos. Es wollte ihr nicht gelingen, wieder und wieder glitt der kleine gelbe Klumpen zurück. "Verdammt noch mal!", fluchte die Albin und hämmerte hilflos mit den Fäusten auf die Steinplatte. Die Sonne kroch den Himmel empor. Ein Lichtstrahl näherte sich dem Stein. Jetzt verstand Alaryah. "Natürlich...". Sie presste sich flach auf die Steinplatte und ihre Augen folgten dem Lichtstrahl der Sonne. Dann trafen Strahl und Stein aufeinander. Ein helles Licht erschien und Alaryah musste den Blick abwenden. Die Steinplatte unter der Albin begann zu vibrieren, erbebte einmal mit enormer Kraft und wurde dann schlagartig kühl. Der goldgelbe Stein war verschwunden, stattdessen sah es nun so aus als hätten sich steinernde Wurzeln wie eine Krallenhand um den Eingang geschlossen. Es war geschafft. Nun musste Alaryah zurück! Sie bahnte sich ohne Rücksicht ihren Weg durch das riesige Brombeergewächs. Auch wenn sie aus gefühlt tausenden Schrammen bluten mochte, sie würde Jaro nicht aufgeben! Im Laufen zog Alaryah den Bogen und legte einen ersten Pfeil auf. Niemand würde Jaro etwas antun! Polternd kam die Albin auf der Lichtung mit der Maschine zum stehen und blickte in die erstaunten Gesichter der zwei übrigen Kerle. Sie überlegte nicht lang, hob den Bogen und schoss. Der Pfeil löste sich von der Sehne, surrte durch die Luft und schlug in den geöffneten Mund des ihr am nächsten stehenden Mannes ein. Der andere wandte sich zur Flucht, doch die Albin war schneller. In einer fließenden Bewegung legte sie erneut auf. Schreiend ging der andere Kerl zu Boden, versuchte den Pfeil in seinem Rücken mit den Händen zu erreichen. Erfolglos. Alaryah warf den Bogen beiseite, stürzte sich mit gezogenem Dolch auf den Mann und brachte ein blutiges Werk zuende.

Jaro Ballivòr
Kurzatmig vor Panik und dem widerwärtigen Gestank der Maschinenflüssigkeit zwängte Jaro sich Stück für Stück unter dem Koloss hervor. Es ging viel zu langsam. Seine Augen brannten von der Tankfüllung und ein wenig davon war ihm in den Mund geflossen, doch es war zu eng, um mit den Händen über das Gesicht wischen zu können.
"Ich sage dir, das kam von dort, von der Maschine!"
"Seit wann husten Maschinen??"
Die Stimmen kamen näher.
"Das war bestimmt Froson, der faule Sack! Kriegt den Arsch wieder nicht hoch."
"Lass uns nachsehen, dann merkst du dass ich Recht habe."
"Ich war eben erst hier und da war nichts, niemand! Wenn hier keine hustenden Ratten herumkriechen..." Der Mann unterbrach sich. Jaro konnte nicht sehen, was vor sich ging. Beinahe wünschte er sich, er wäre komplett unter die Maschine gekrochen, wo wenigstens seine Beine nicht zu sehen waren. Das Herz schlug ihm bis zum Hals.
"So viel zum Thema niemand... schalt die Maschine an, Greg. Wollen wir doch mal sehen, was sie außer Holz und Stein noch so verarbeiten kann." Ein kehliges Lachen ertönte.
"Nein, nein!", stöhnte Jaro. Er konnte sich noch immer kaum bewegen. Jeder Millimeter dauerte eine Ewigkeit.
"Hallo Bürschchen." Ein Gesicht tauchte seitlich am Gitter auf, das sein Grinsen grotesk verzerrte.
Panik nahm Jaro in Beschlag und er begann wie wild zu strampeln, im Versuch sich zu befreien.
"Was ist denn jetzt, Greg?"
"Keine Ahnung! Das blöde Ding springt nicht an!" Wieder begannen die Männer sich anzukeifen. Nur noch ein kleines Stück... Jaro schob sich unter der Verkleidung hervor und sprang auf die Füße. Sein Atem ging schwer und schnell, doch er hatte es geschafft.
"Da ist er!" Die Männer griffen zu ihren Waffen, da ließ ein Geräusch sie herumschnellen. Fast im selben Augenblick sah Jaro die Spitze eines Pfeils durch den Nacken des ersten Kerls brechen. Wie ein grüner Blitz fiel Alaryah den zweiten an und noch bevor Jaro zu irgendeiner Reaktion fähig war, lagen beide Männer auf dem Boden. Alaryah war blutverschmiert und trug einen halben Dornenbusch mit sich herum, doch es ging ihr gut. Ungeachtet des Gestrüpps sprang Jaro zu ihr hinüber und umarmte sie aus purer Erleichterung der missligen Lage entkommen zu sein. Als er den Kopf von Alaryahs Schulter löste und die Augen öffnete, blieb ihm beinahe das Herz stehen. Regungslos wie eine Statue stand er da. Sein Oberkörper war entblößt, doch viel Haut war nicht zu sehen. Ein dichtes Netz aus Tätowierungen zog sich über Brust, Bauch und Arme. Der Mann legte leicht den Kopf schief, so als verwirrte ihn Jaros und Alaryahs Anwesenheit. Die Zeit stand still für Jaro, als der Tätowierte in die Hocke ging wie ein Raubtier vor dem Angriff. "Alaryah", war alles, was Jaro zustande brachte, dann stürzte der Fremde vor.

Alaryah Schattenwind
Der blutige Schleier löste sich langsam aus Alaryahs Blickfeld, als Jaro sie fest im Arm hielt. Nun wurde die Albin von Erschöpfung ergriffen. Sie umklammerte immer noch den Dolch, mit dem sie den letzten Schergen übel zugerichtet hatte. Wie konnte es nur soweit kommen? Erst als Jaro plötzlich ihren Namen laut aussprach kam sie wieder in der Realität an. Zu spät. Etwas Wuchtiges traf die Albin und sie und Jaro wurden durch den Aufprall umgeworfen. Da war dieser Kerl mit den Tätowierungen! Alaryah kam wieder auf die Beine und fixierte den Feind. Der drahtige Mann ohne Oberteil hatte lange Haare, die ihm glatt anliegend bis über die Schultern reichten. Die Augen hatte der Angreifer mit schwarzer Farbe eingerahmt, was ihm im fahlen Licht der Morgensonne zu einer furchterregenden Erscheinung machte. "Ihr stört hier.", krächzte er mit einer Stimme, die nach dem Brechen verdorrter Zweige klang. Alaryah sah in ihm nur pure Bosheit. Wieder stürzte er sich auf die beiden. Alaryah rempelte Jaro, der sich gerade aufrichtete, wieder um. Nur knapp entgingen sie dadurch dem nächsten Angriff des Mannes, der mit übermenschlicher Schnelligkeit auf die Gefährten losging. Ein paar Meter hinter ihnen kam der Tätowierte zum stehen, wirbelte dabei Spähne, Splitter und Waldboden auf. Er schnaubte verächtlich. "Ich kann das den ganzen Tag machen!", krächzte er und warf sich ihnen erneut entgegen. Dieses Mal bekam er Jaro irgendwie zu packen und riss ihn mit sich. "Nein!", schrie Alaryah fast panisch und setzte nach. Mehrmals hieb sie auf den scheinbar schutzlosen Körper ein, versenkte die Klinge tief im Fleisch. Entweder schien der Angreifer keinen Schmerz zu spüren, oder die Waffe war einfach wirkungslos. Kein einziger Bluttropfen quoll aus den Wunden hervor, die Alaryah ihm zugefügt hatte. "Ihr werdet hier sterben.", verkündete der Mann und drückte Jaro die Luft ab. "Lass ihn los!", zeterte Alaryah und mobilisierte ihre letzten Kraftreserven. Doch es war hoffnungslos. Der Mann blockte Alaryahs Angriff mit dem Unterarm, in dem sich ihr Dolch verkantete. Mit einer knappen Bewegung entwaffnete der Tätowierte die Albin und verpasste ihr einen ordentlichen Schlag ins Gesicht. Alaryah taumelte und ging zu Boden. "Erst dich, dann sie.". Er griff Alaryah bei den Haaren und zog sie näher zu sich heran. Nun wurde auch der Griff um Jaros Hals wieder fester. Der Mann kam unangenehm nah an Jaro, der verzweifelt nach Luft schnappte. Ein breites grinsen umspielte aufgeplatzte Lippen. "Jaaah. Gleich ist es vorbei.", flüsterte er.
Ein Hornstoß erklang aus dem Unterholz und der Kerl wirbelte herum, seinen Griff um Haare und Kehle nicht lockernd. Pfeile flogen durch die Morgenröte, manche trafen den Tätowirten, andere nur Wiese oder Umgebung. Jemand rief etwas. Alaryah kam wieder zu sich, doch war sie zu erschöpft um noch einmal Widerstand zu leisten. Erschöpft tasteten ihre Hände in Jaros Richtung. "Lebe.", hauchte sie in die Richtung, in der sie Jaro vermutete, als der Angreifer seine Hand aus ihrem Haar löste. "Nächstes Mal!", zischte der Kerl, mittlerweile von vier Pfeilen getroffen, bevor er auch von Jaro abließ und im nahegelegenen Unterholz verschwand. Alaryah war am Ende ihrer Kräfte. "Es ist Schattenwind!", hörte sie eine Stimme sagen und Gesichter beugten sich über sie.

Jaro Ballivòr
Die Welt schrumpfte auf die farblosen Augen des Mannes. Jenseits der dunklen Umrandung gab es nichts. Jaro spürte den Drang seiner Lunge nach Luft, spürte die Zuckungen seiner Arme und Beine im verzweifelten Versuch, sich dem Griff zu entwinden, doch er hatte keine Kontrolle mehr darüber. Sein Geist verlor sich in diesen Augen. Der Wald war verschwunden, sein Duft, seine Klänge, das schüchterne Licht des erwachenden Tages. Auch Alaryah war fort. Alles war dem Bösen gewichen, das sich in dem Blick des Fremden manifestierte. Nichts kam dagegen an. Eine Stimme regte sich in Jaros Geist. "Lass los", flüsterte sie, sanft und süß wie Honig. "Lass los." Jaro erkannte, dass sie Recht hatte. Wenn Alaryah nicht gegen diese Macht ankam, ja nicht einmal der Wald, die Bäume, alt und stark und weise, wie konnte Jaro dann hoffen, den Kampf zu gewinnen? Er spürte keine Schmerzen, obwohl sein Körper noch immer rebellierte. Langsam schloss Jaro die Augen. Und fiel. Der Aufprall kam unerwartet schnell und hart, doch sofort breitete sich der Duft und dunkler Erde aus und Jaro spürte Laub und Holz. Der Wald war zurück. Es war richtig gewesen, der Stimme zu vertrauen. Die grausamen Augen waren verschwunden, stattdessen sah Jaro im Geiste eine goldene Waldlichtung. Da war Geflüster, und Rascheln und ein sanfter Wind strich ihm über die Haut. Jaro ließ sich treiben. Wenn dies der Tod war, wie hatte er sich je davor fürchten können? "Lebe"... Nun meinte Jaro die geflüsterten Wörter zu verstehen. "Er atmet nicht!" - "Lebe!" Sie wurden lauter. Jaro versuchte sich abzuwenden, sehnte sich nach dem Frieden und der zarten Berührung der Seele des Waldes. "Atme!" - "Jaro!" Wie in einem großen Saal hallten die Worte in wechselnder Lautstärke nach. Jaro spürte einen gewaltigen Druck in seiner Brust. Es fühlte sich an wie nach einem langen Tauchgang, kurz bevor man die Wasseroberfläche erreicht.
Keuchend atmete Jaro ein und riss die Augen auf. Reflexartig wollte er aufspringen, doch eine Hand drückte ihn sanft zurück auf die Erde. Die plötzliche Ladung Sauerstoff brannte in seiner Lunge und panisch versuchte Jaro sich der Hand zu entwinden. Ein Kopf beugte sich über ihn und ein neuer Schwall von Furcht ließ Jaros Atmung noch schneller werden. Als seine Augen sich an den Halbschatten im Gesicht der Person gewöhnt hatten, fanden sie dort jedoch nicht den erwarteten, tödlichen Blick. Im Gegenteil: er kannte diese Frau. Es war die Heilerin Cywenna.

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#63

Beitrag von Jaro Ballivòr » Mo 18. Mär 2019, 17:40

Alaryah Schattenwind
Vorsichtig wurde Alaryah irgendwo von helfenden Händen wieder auf die Beine gestellt. Es dauerte einen kurzen Moment bis sie wieder allein stehen konnte, doch kam recht schnell wieder Leben in ihre schmerzenden Knochen. Der Hieb hatte wirklich gesessen und das Gesicht der kleinen Albin schien schon langsam an der leicht verfärbten Stelle anzuschwellen. "Mein...mein Kooopf.", klagte sie leise und kniff die Augen etwas zusammen. "Geht es Euch gut?", fragte einer der Waldläufer während er seinen Bogen beiseite legte und Alaryah grob auf weitere Verletzungen untersuchte. "Wo ist Jaro?" wollte die Albin wissen und versuchte sich umzusehen. "Wo ist dieser...diese...?". Der Waldläufer hielt sanft ihren Kopf fest. "Ganz langsam, Schattenwind.", sagte er ruhig und schaute ihr tief in die Augen. Dann murmelte er etwas und eine angenehme Wärme ging von seinen Händen aus. Alaryahs Augen flackerten und es schien, als würde sie jeden Moment wieder zusammenbrechen. Doch gerade, als sie zu fallen drohte, spannte sich ihr Körper wie eine Bogensehne. "Das ist noch einmal gut gegangen.", sprach der Waldläufer gelassen weiter und nahm die Hände von Alaryahs Kopf. "Ihr habt zum Glück keine inneren Verletzungen.". Alaryah wirkte nun ruhig und deutlich entspannter. "Ich danke euch.", sagte sie und nickte dem Waldläufer, der sie untersucht und scheinbar auch leicht geheilt hatte, zu. "Wir werden den Angreifer weiter verfolgen.", verkündete der Alb anschließend und hob seinen Bogen wieder auf. "Die grüne Schar und die Verlorenen Irrlichter sind bereits hinter ihm her.". Alaryah verzog leicht skeptisch den Mund. Die grüne Schar und die Verlorenen Irrlichter waren keineswegs harmlose Waldläufertrupps, doch konnten sie wirklich etwas gegen den mysteriösen Angreifer ausrichten? Würde ihre Kraft reichen? In Gedanken sprach Alaryah ein kurzes Gebet für die tapferen Alben und bat um ihre baldige und unversehrte Rückkehr.
"Aber wo ist...?". Alaryah sprach nicht weiter, denn sie hatte Jaro schon erblickt. Cywenna war bei ihm. "Geht zu ihm.", sagte der Waldläufer, legte Alaryah die Hand auf die Schulter und schob sie leicht voran.

Jaro Ballivòr
Es dauerte eine ganze Weile, bis Jaros Atmung sich normalisiert hatte. Mit zitternden Händen tastete er nach seinem Hals. Noch immer spürte er den erbarmungslosen Griff des Angreifers. Die Haut schmerzte und er sog hörbar Luft ein. "Das wird ein schönes Mal werden, Jaro", sagte Cywenna sanft. "Immerhin scheint alles heil geblieben zu sein, von der Quetschung abgesehen natürlich. Hier." Sie zog eine kleine Phiole mit einer bläulichen Flüssigkeit hervor. "Das hält die Schwellung im Zaum und sorgt dafür, dass sich der Bluterguss später schnell auflöst." Letztlich musste die Heilerin Jaro helfen, das kleine Fläschchen zu entkorken, denn seine Hände zitterten zu sehr. Die Flüssigkeit schmeckte bitter und erdig, doch verursachte eine sanfte Kühle in seinem Hals. "Danke", flüsterte Jaro. "Nicht der Rede wert." Cywenna erhob sich und klopfte sich die Erde von den Knien. "Kalthair hat gut daran getan, euch die Trupps hinterher zu schicken. Ich hätte es mir nicht verzeihen können, wäre euch etwas zugestoßen."
Jaros Blick fiel auf Alaryah, die im Hintergrund langsam auf ihn zukam. Cywenna wandte sich ebenfalls um. "Ah, Schattenwind, ich sehe du bist auch noch einigermaßen ganz." Sie legte der sichtlich angeschlagenen Waldalbin eine Hand auf die Schulter. "Jaro", sagte diese leise und Jaro mühte sich ein Lächeln ab. "Es geht mir gut", krächzte er, räusperte sich und widerstand dem Drang, erneut nach seinem Hals zu tasten. Vorsichtig stemmte er sich nach oben und Alaryah eilte sofort heran, ihm auf die Beine zu helfen.
"Ihr könnt nicht lange verweilen." Cywennas Stimme war deutlich anzuhören, dass die Heilerin in ihr die beiden ungern schon weiter schickte, dass sie jedoch keine andere Wahl hatten. "Ihr müsst den letzten Eingang finden, so schnell es geht. Wer weiß wie viele davon sie noch in petto haben." Sie gestikulierte in Richtung der Maschine. Die Tatsache, dass die Waldläufer um die Eingänge und die Festung wussten, beruhigte Jaro auf merkwürdige Weise. Er wünschte, einige der Krieger würden mit ihnen kommen.

Alaryah Schattenwind
"Ja, wir...". Alaryah unterbrach sich und hätte Jaro beinahe aus Versehen wieder losgelassen. Woher wusste die Heilerin von ihrer Mission? Alaryah kramte in ihren Erinnerungen, doch waberten dort noch zu viele Nebelschwaden umher. Cywenna war nun auf die liegengebliebene Maschine fixiert und koordinierte die verbliebenen Waldläufer. Nachdem Alaryah und Jaro ihre Ausrüstung zusammengesammelt und sich erneut mehrfach für die Rettung bedankt hatten, machten sie sich auch schon wieder auf den Weg. Zwar waren sie noch leicht angeschlagen, doch das sollte sie nicht aufhalten. Dank der Unterstützung von Cywenna und den anderen Alben hatten sich die beiden recht schnell von den letzten Kämpfen erholt, Alaryah hatte sich sogar noch mit Wasser aus einer Trinkflasche waschen können, doch blieben deutliche Blutflecken auf ihrer Kleidung zurück. Nach ihrer Rückkehr würde sie sich erst einmal neu einkleiden, so viel war sicher!
Auf dem Weg zum letzten Eingang wollte Alaryah von Jaro einiges über die Maschine und ihre Funktionsweise wissen. Er hatte viel Geduld mit der Albin, die schon an diversen Begriffen wie "Blattfeder" oder dem einfachen "Sicherungssplint" scheiterte. Oftmals half nur bildliche Sprache und nach und nach konnte Alaryah sich mühsam das ein oder andere unter den ganzen doch sehr verwirrenden Fachworten vorstellen. Auch wenn es für Jaro anstrengend und für Alaryah nicht einfach war, gemeinsamen nahmen sie ihr so zumindest etwas die Angst vor diesem großen, bisher unbekannten Gebilde. "Ob ich mir das alles merken kann?", murmelte Alaryah irgendwann und zuckte missmutig mit den Schultern...
Obwohl Jaro noch ein paar weitere Begriffe und Funktionen erklärte, waren sie dennoch nicht unachtsam. Irgendwann blieb Alaryah plötzlich stehen und ihr Blick raste zur linken Seite. Jaro bekam einen Schreck und folgte ihrem Blick in Richtung Unterholz. Gerade in diesem Moment schienen dort zwei goldgelbe Augen zu verschwinden. "Wa...was war das?", hörte Alaryah Jaro fragen und hörte genauer hin. Ein paar quälende Sekunden vergingen, dann drehte sich Alaryah zu Jaro um. "Keine Sorge, wir können weiter.". Jaro blieb wie angewurzelt stehen, holte Alaryah, die schon ein paar Schritte gegangen war, mit hastigen Schritten wieder ein. "Das war einer der Verlorenen Irrlichter.", erklärte die Albin. "Scheinbar passt doch noch jemand auf uns auf.". Erleichterung. "Ich kann dir später gern von ihnen erzählen wenn du magst.", bot Alaryah an. "Doch zuerst...musst du mir noch einmal erklären was es mit dieser Antriebssache auf sich hat..."

Jaro Ballivòr
Noch immer das Unterholz absuchend, griff Jaro das Thema wieder auf. "Meinst du den Kettentrieb? Was ein bisschen aussah wie ein Gerippe?" Er beschrieb das mächtige, bewegliche Bauteil so gut er konnte. "Eigentlich ist das nur da, um die erzeugte Bewegung von einem Ort, einer Geschwindigkeit und einer bestimmten Kraft woanders hinzuleiten. Deshalb konnte die Maschine sägen und graben. Auch wenn ich noch nie so ein mächtiges Werkzeug gesehen habe... aber im Prinzip ist das wie bei den Aufzügen und Flaschenzügen, ja genau, das trifft es." So etwas kannte Alaryah bestimmt, immerhin waren die Waldalben wahre Meister in derlei Konstruktionen. "Ihr verwendet meist Seile und Holz und wenn man dann auf einer Seite zieht oder ein Antriebsrad dreht, kann man eine größere Last nach oben schaffen." Alaryah nickte eifrig. "Und damit kann man so verschiedenen und schwierige Bewegungen bewirken?" Jaro zuckte mit den Schultern. "Offenbar ja... bislang kannte ich auch nur Schleif- und Bohrmaschinen und all das wurde per Hand betrieben... Hier hingegen gab es irgendeine Art Zauberflüssigkeit..." Sofort fragte Alaryah neugierig nach Schleifmaschinen, denn auch sie kannte ein paar Hilfsmittel, um Holz zu bearbeiten. Jaro beschrieb die Werkstatt seines Vaters und, nicht ohne Stolz, einige seine eigenen kleinen Erfindungen. Es tat gut über etwas derart Banales zu sprechen und gleichzeitig zu wissen, dass eine mysteriöse Gruppe Waldalben über sie wachte. Verlorene Irrlichter... schon der Name klang geheimnisvoll. Nachdem Alaryahs Wissensdurst gesättigt war, hatte die Sonne ihren Wendepunkt längst passiert. Es hatte ein wenig abgekühlt und roch nach Regen, doch durch das Blätterdach zeigte sich blauer Himmel. "Diese Irrlichter", setzte Jaro nach einer kurzen Sprechpause an, "sind sie besondere Kämpfer?"

Alaryah Schattenwind
In Gedanken war Alaryah immer noch bei abenteuerlichen Konstruktionen und Maschinen, bei Zahnrädern und bei Schwingschleifern. Zwar würde sie viele Details von Jaros Erklärungen bald wieder vergessen haben, doch konnte sich die Albin nun mehr unter diesen "Maschinen" vorstellen.
Bald wurde es kühler und es schien, als würde sich ein Regenschauer nähern. Die beiden Gefährten warfen noch einen kurzen Blick auf das letzte Fragment und stellten dabei fest, dass sie noch ein ganzes Stück Weg vor sich hatten...falls sie überhaupt richtig waren.
"Die Verlorenen Irrlichter sind eine Sippe mit langer und ebenso düsterer Geschichte.", begann Alarah. "Sie waren eine edle Waldläuferfamilie und wurden vor langer Zeit in die Sümpfe geschickt. Dort errichteten und besetzten sie einzelne Wachhäuser. Man konnte dort einfach keine großen Lager aufschlagen oder gar ein Dorf errichten. Ihre Aufgabe bestand nicht etwa darin die Grenzen zu schützen oder Eindringlinge aufzuhalten. Die wären ohnehin im Sumpf umgekommen...". Alaryah machte einen Satz über einen großen Stein. "In den Sümpfen wurde es nie richtig hell und Nebel hing zwischen verdorrten Bäumen. Wanderer ohne Ortskenntnis wären verloren, wenn es nicht die Irrlichter gegeben hätte. Sie entzündeten regelmäßig Feuerschalen um einen sicheren Weg zu markieren, trugen dabei selbst bläulich leuchtende Fackeln mit sich. So konnte man sie schon aus der Ferne erkennen, selbst durch dichte Nebelbänke.". Jaro nickte, während Alaryah eine flache Böschung emporstieg. Von etwas weiter oben sprach sie weiter. "Seit dem Beginn ihrer Wacht ist jeder Wanderer sicher durch die Sümpfe gekommen, manchmal begleiteten sie sie sogar ein Stück. Auf diese Weise bekamen sie mit, was in dem Waldreich außerhalb der Sümpfe passierte.". "Und warum sind sie dann verloren?", fragte Jaro und stapfte nun ebenfalls die Böschung hinauf. "Irgendwann wurden neue Handelswege errichtet und die alte Sumpfroute geriet in Vergessenheit. Bald dachte niemand mehr an die Irrlichter, die seit jeher gute Dienste geleistet hatten. Auch sie wurden vergessen. Doch keiner von ihnen verließ seinen Posten und so warteten sie, zündeten ihre Lichter an und schritten ihre Wege ab. Erst als ein...", Alaryah pausierte, während sie auf einen umgestürzten und entwurzelten Baum kletterte. "Erst als eine Gruppe Kartographen die Sümpfe zu Vermessungszwecken betrat wurden sie wieder...naja...entdeckt.". Die Albin balancierte nun über den Baum, Jaro ging nebenher. "Aber dann konnten sie doch endlich wieder ihrer Aufgabe nachgehen?". "Nein Jaro, leider nicht. Sie waren irgendwie verändert. Man erzählt sich, dass die Kartographen nicht mit ihnen reden konnten. Einfach, weil die Irrlichter nicht mehr sprachen. Es war, als wären sie wie die trockenen Äste der toten Bäume im Moor. Sie standen einfach regungslos da, ihre Augen hatten sich verfärbt und ihre Haut war fast bleich.". Die Albin sprang von dem Baum hinunter und landete neben Jaro. "Heiler konnten nichts genaues feststellen, sie schienen weiterhin gesund. Schließlich wurde dem damaligen Prinzen Meldung gemacht und ab hier ist die Geschichte ungenau. Manche sagen, er habe mit den Irrlichtern einen Pakt geschlossen und ihnen eine neue Aufgabe zugeteilt. Andere sagen sie seien keine Alben mehr, sondern wirklich Geisterwesen. Da gibt es viele verschiedene Erzählungen. So oder so, man hatte eine komplette Sippe vergessen, daher auch der Name. Die Verlorenen Irrlichter.". Erst jetzt erkannte Alaryah so etwas wie Unbehagen in Jaros Gesichtszügen. "Aber wie dem auch sei, diese Waldläufer schützen nun seit jeher Reisende.". "Wie sie es auch vorher schon immer taten.", fügte Jaro leise hinzu und schaute Alaryah an. Diese nickte knapp und lächelte aufmunternd.

Jaro Ballivòr
Wieder suchte Jaro das umliegende Dickicht ab, doch seit dem einen Mal ganz zu Beginn hatte sich keiner der Irrlichter mehr blicken lassen. Die Wirkung von Alaryahs Erzählung ebbte in Jaro nach. Er war fasziniert und auch ein wenig beängstigt und gleichzeitig verspürte er Mitleid und Ehrfurcht. Was verlangte es von einem ab, Tag ein, Tag aus seinen Posten zu stehen, wo einen die Welt längst vergessen hatte? Kein Wunder, dass die Alben sonderbar geworden waren.
Eine Windböe rauschte durch die Baumwipfel und gab einen Blick auf den dunkler werdenden Himmel frei. "Oh." Alaryah legte den Kopf in den Nacken. "Ich glaube, da kommt ein Unwetter. Vielleicht suchen wir uns besser einen Unterschlupf. Weit können wir heute eh nicht mehr gehen." Der Wind frischte nun zusehends auf und die Bäume knarzten wütend unter seinem Griff. Hier unten waren sie recht gut geschützt, doch schon jetzt fand der ein oder andere Tropfen den Weg hinab. Behände kletterte Alaryah über einen gefallenen Baumriesen hinweg und spähte in alle Richtungen. Der Himmel brüllte auf. "Ein Gewitter", murmelte Jaro vor sich hin, während er sich anstrengen musste, mit Alaryah Schritt zu halten. "Komm, Jaro!", rief die Albin. "Das kann selbst hier im Wald ungemütlich werden." Sie gingen noch eine ganze Weile kreuz und quer durch das Unterholz. Mittlerweile donnerte und blitzte es in regelmäßigen Abständen und immer mehr Tropfen fanden den Weg hinab. Das Unwetter hatte das letzte Tageslicht verfrüht geschluckt und Jaro war dankbar, als Alaryah schließlich stehen blieb. "Hier bleiben wir, das muss reichen." Am Rande einer Böschung hatte sich Erde und Geröll gelöst und unter dem Wurzelwerk eines Baumes eine kleine Höhle geschaffen. Es war nichts Besonderes, doch es schützte vom Regen und hielt den Wind ab. Schnell erichteten sie ein kleines Lager und sammelten ein paar wenige noch trockene Hölzer ein, um ein kleines Feuer zu machen. Jaro fragte sich, wo die Irrlichter wohl rasteten, wenn sie das überhaupt taten. Ob sie auch ein kleines Mahl genießen konnten? Während dem Essen zogen Alaryah und Jaro das Kartenfragment hervor und hielten zeitgleich inne. Ihre Blicke fanden sich und wanderten dann nach hinten an die Rückwand der halben Höhle. Konnte es sein, dass sie sich direkt in den Eingang gesetzt hatten?

Alaryah Schattenwind
Es donnerte laut und nun hatte der Himmel seine Pforten geöffnet. Regen brach über sie herein und schnell hatten sich verschieden große Rinnsale zu ihren Füßen gebildet. Von den überstehenden Wurzeln über ihren Köpfen fielen erst kleine, dann immer größere Tropfen hinunter. "Nein, nein, nein.", rief Alaryah über den Lärm des Unwetters hinweg. "Warum? Das muss doch jetzt nicht sein?!". Die Albin fuhr zusammen und fiel zur Seite hin um, als ein weiterer, lauter Donnerschlag erklang. Das Gewitter schien nun ganz nah zu sein. "Meinst du, wir sind hier richtig?", fragte Jaro laut und es dauerte etwas, bis Alaryah schließlich antwortete. Sie drehten das Fragment links und rechts herum. Ein großer Tropfen fiel mittig auf den kleinen Kartenausschnitt und die Augen der beiden weiteten sich. "Oh nein...". Alaryah sah sich um. "Was machen wir jetzt? Abwischen? Abtupfen?! Uns darf kein Detail verloren gehen! Jaro, tu doch was!". Ein Windstoß brauste heran und Alaryah drehte sich mit dem Rücken zu den Kräften der Natur. Es kribbelte, als sie von gefühlt tausenden Regentropfen am Rücken getroffen wurde. In wenigen Sekunden war die Albin patschnass, doch immerhin waren das Fragment und das kleine Feuerchen unversehrt geblieben. "Wenn wir hier wirklich richtig sind...ich meine...es wäre schon wirklich ein Zufall..aber...". Sie begannen erneut zu rätseln. Weit kamen sie nicht, es krachte nun fast direkt über ihnen. "Wie sollen wir denn hier überhaupt irgendwas versiegeln?!", rief Alaryah nun deutlich vom Wetter eingeschüchtert und wischte sich das Regenwasser aus dem Gesicht, welches den Weg durch ihre Haare gefunden hatte.
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#64

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Do 4. Apr 2019, 09:36

Jaro Ballivòr
Das kleine Feuer zitterte und zischte im aufbrausenden Wind, der immer mehr Feuchtigkeit in die kleine Höhle trieb. Alaryah hatte alle Hände voll damit zu tun, das kleine Kartenfragment zu schützen. "Das hat keinen Sinn", murmelte sie und packte es schließlich weg. Jaro nickte. Es war Unsinn, das wenige an Information zu opfern, das ihnen blieb. Sie hatten für den Augenblick ohnehin alles gesehen, was es zu sehen gab. Jaro begann das Erdreich unter dem Baum abzutasten. Wenn dies der Eingang war, musste es irgendetwas geben. Doch es gab nichts. Seine Hände fanden nur Erde und Wurzelwerk und das flackernde Feuer bot kaum mehr genug Helligkeit, um etwas erkennen zu können. Das wäre des Glückes wohl auch zu viel gewesen. Jaro seufzte. "Hier ist nichts." Enttäuscht ließ er sich in die Hocke sinken. Donner brüllte auf und kurz darauf zuckte ein Blitz zur Erde. Jaro zog die Beine an.
"Wir finden den Eingang!" Durchnässt wie sie war, legte Alaryah Jaro trotzdem aufmunternd eine Hand auf die Schulter und brachte ein kleines Lächeln zustande. Wieder ging ein Blitz herunter. Es krachte ohrenbetäubend, doch dieses Mal war es kein Donner. Jaro riss die Augen auf. "Feuer", flüsterte er. Alaryah folgte seinem Blick. Der Blitz hatte in einen nahen Baum eingeschlagen. "Feuer", wiederholte Jaro und stand auf. Einer spontanen Eingebung folgend trat er in den Regen hinaus. "Jaro, was tust du?" Er wandte sich zu Alaryah um. "Ich prüfe etwas."
Schnell war er komplett durchnässt, doch das zählte jetzt nicht. In aller Eile suchte er die Gegend ab und tatsächlich: er fand eine weitere Baumhöhle, Zeuge eines früheren Blitzeinschlages, dann noch eine, kurz darauf einen gespaltenen Baum. Das war es!
Jaro eilte zurück zu Alaryah, die ihm mit einem fragenden Gesichtausdruck ein Stück gefolgt war. Gemeinsam flüchteten sie in den kleinen Unterschlupf zurück. "Der Eingang ist hier!" Vor Aufregung bebte Jaros Stimme. "Vielleicht nicht direkt unter uns, aber zumindest in der Nähe. Deshalb schlagen hier regelmäßig Blitze ein. Das Feuer sucht seinesgleichen, verstehst du?" Er grinste verlegen.

Alaryah Schattenwind
Alaryah nickte, nachdem sich Jaro zumindest etwas beruhigt hatte und wieder tiefer durchatmete. Er hatte wieder dieses sanfte Beben in der Stimme gehabt. Dieses Beben, wie er es immer hatte wenn ihm eine Idee kam und er von Tatendrang gepackt weitere Mut- und Kraftreserven mobilmachte. "Dies ist ein sonderbarer Ort.", murmelte die Albin, während sie Jaro leicht entrückt anschaute, dann jedoch zusammenfuhr, als in der Nähe der nächste Blitz ein Ziel fand. "Wenn sich die Blitze und der Eingang gegenseitig...naja...suchen, dann heisst das, dass der Eingang irgendwie...gefunden werden will? Oder gibt es vielleicht eine Magie, die von dem Eingang ausgeht, sodass er überhaupt gefunden werden kann? Warum sollte man so etwas erfinden?!". Bei der letzten Frage stoppte Alaryah ihre lauten Gedanken abrupt. Warum sollte man so etwas erfinden? Warum sollte man überhaupt solche Maschinen erfinden, die nur Zerstörung anrichten? Warum sollte man Laboratorien erfinden, in denen man wiederum grausige Dinge und Wesen erfinden konnte? Warum fragte sie sich so etwas überhaupt noch. "Meinst du...es gibt eine Art Weg? Ein sicherer Pfad, der durch das Feld der Blitze führt?". Alaryah dachte an die Geschichte der Verlorenen Irrlichter zurück, während sie sich zwang wieder auf das Wesentliche, die Mission, zu konzentrieren. Wäre doch möglich, dass sich solch eine Geschichte wiederholen könnte, wenn auch unter anderen Umständen? Als ein weiterer Blitz einschlug und dabei einen unweit entfernten Baum fällte kreischte Alaryah kurz vor Schreck auf und zuckte zur Seite. "Wir können da unmöglich einfach so raus?!". Mit großen Augen sah sie Jaro an und bezweifelte nun sogar, dass er sich der Gefahr von Blitzen überhaupt bewusst war. Ja, der Albin gefiel diese Situation in die sie wieder einmal geraten waren überhaupt nicht. Doch was sollten sie tun? "Wir werden den Eingang bestimmt nicht finden wenn das Gewitter sich erst einmal verzogen hat, oder?". Alaryah hoffte, dass Jaro diese Frage anders beantworten würde, doch war der Albin die Antwort eigentlich schon vorher klar...

Jaro Ballivòr
Verwirrt legte Jaro den Kopf schief. Hörte er da Furcht in Alaryahs Stimme? Vor dem Gewitter? "Ich weiß nicht", gab er zu. "Vielleicht doch, falls wir ein Muster bei den Einschlägen erkennen können; eine Art Zentrum... Aber das wird von hier aus vermutlich schwer." Er sah sich um. Der Abstand der Blitz und Donner Folgen wuchs bereits, der Regen fiel gleichmäßiger. Wenn sie das Gewitter als Indiz brauchten, mussten sie sich schnell entscheiden. Wer konnte schon wissen, wie viele Einschläge es hier seit dem Bau der Festung gegeben hatte? Die Suche konnte ewig dauern. "Wir müssen nur den Ort finden", grübelte Jaro laut. "Dann können wir das Unwetter absitzen, bevor wir versuchen, den Eingang zu versiegeln." Ein weiterer Blitz ging nieder und ein plötzlicher Windstoß gab dem kleinen Feuer den Rest. Jaro blinzelte die Dunkelheit fort. Da sah er es. "Alaryah", er deutete auf den Beutel. Ein rotes Licht glomm darin, doch nicht etwa statisch, sondern mit einem sanften Pulsieren. "Vielleicht kann uns der Stein einen Weg leiten."

Alaryah Schattenwind
"Was denn?!", fragte die Albin mit einem leichten Jammern in der Stimme. Sie war gerade äußerst unzufrieden, denn jetzt war auch noch das Feuer aus. Sie hatte schon genug Zeit in der Wildnis verbracht und eigentlich machten ihr Wind und Wetter selten etwas aus...doch das gerade war einfach zu unnatürlich. "Da.". Jaro deutete in der Dunkelheit auf den pulsierenden Stein in dem Beutel an Alaryahs Gürtel. Sie sah diese Geste nicht. Erst, als ein weiterer Blitz die Szenerie für eine Sekunde erhellte und die Welt stillzustehen schien folgte sie seinem Fingerzeit. Mit vor Aufregung leicht zitternden Fingern löste Alaryah erst den Beutel von ihrem Gürtel und dann den dünnen Lederriemen, der dem Beutel als Verschluss diente. Der rote Stein kam zum Vorschein, pulsierte unregelmäßig, doch schien er irgendwie auf die Umgebung oder das Licht der Blitze zu reagieren. Alaryah hob vorsichtig die Hand mit dem Stein hoch. Das Licht, was von dem Stein ausging, war einfach wunderschön und beruhigend. Es war, als ginge eine Wärme von ihm aus, die sich langsam durch Alaryahs Arm bis in ihre Körpermitte erstreckte. "So schön...", murmelte Alaryah leise und hatte für einen Moment das tosende Unwetter vergessen. "Wir lassen unsere Sachen erst einmal hier.", legte Jaro derweil fest und verstaute ihre Habe so, dass sie so gut es ging vor einfallendem Regen geschützt war. "Wir müssen jetzt schnell handeln.", verkündete er selbstsicher und machte sich bereit loszusprinten. "Alaryah?". Die Albin hockte immer noch da und starrte auf den Stein. Scheinbar hatte sie nicht einmal zugehört. "Alaryah, los doch!". Als wieder keine Reaktion kam griff Jaro fest entschlossen nach dem Stein und nahm ihn Alaryah aus der Hand. "Los jetzt, folge mir!". Alaryah blinzelte mehrmals heftig und schüttelte den Kopf. "Verzeih, ich...Jaro, warte...JARO!". Er war bereits in dem Unwetter verschwunden. Ohne weiter nachzudenken oder irgendeine Angst zu verspüren hastete Alaryah Jaro hinterher.

Jaro Ballivò
Wärme breitete sich in Jaros Hand aus und er meinte, einen sanften Zug zu spüren. <Er führt mich.>, schoss es ihm durch den Kopf. Von Zeit zu Zeit erhellten Blitze die Umgebung und Jaro merkte, dass sie den Weg, den er ging, umkreisten. Entweder, er war richtig, oder es musste der Einfluss des Steines sein. Eine plötzliche Hitzewelle in seiner Hand ließ Jaro anhalten. Kurz darauf erreichte ihn Alaryah. Vor ihnen ragten die Reste eines riesigen Baumes empor. Jaro öffnete die Hand und der Stein strahlte nun hell und stetig. Selbst in diesem Licht war zu erkennen, dass das Holz des Baumes vollkommen verkohlt war. Sein Kern war ausgehöhlt und der Boden unter seinen Wurzeln größtenteils weggebrochen. Jaro brauchte das Kartenfragment nicht ansehen, um zu wissen, dass dies der Ort war. "Sieh nur", flüsterte Alaryah und trat nahe heran. Der Lichtkegel um den Stein vergrößerte sich. Er wuchs und bog sich und beinahe wirkte es, als wanderte er in Richtung des Baumes. Auch die Temperatur nahm zu und Jaro musste immer öfter die Hände wechseln, um sich nicht zu verbrennen. "Ich gehe rein." Einem inneren Drang folgend setzte Jaro sich in Bewegung und schlüpfte durch die gewaltsam geschaffene Öffnung in dem toten Baumstamm. Sofort hellte der Stein weiter auf, sodass eine wahre Lichtsäule nach oben schoss. "Au!" Reflexartig ließ Jaro den Stein los und noch bevor er auf dem Boden aufschlug, drangen Flammen aus ihm hervor. Fasziniert beobachtete Jaro, wie der kleine Feuerball über den Boden zu kreisen begann, immer schneller und schneller, ganz so, als suche er die Umgebung ab. Ein Summen ertönte, das zusehends lauter wurde. Wie hypnotisiert beobachtete Jaro die verschwimmenden Lichter, bis der Stein schließlich an einer Stelle verharrte, sich weiter schnell um die eigene Achse drehte und schließlich urplötzlich im Boden versank. Es wurde still. Noch immer stand Jaro an Ort und Stelle. Dann begann der Boden zu dröhnen. "Jaro! Raus da!, brüllte Alaryah von hinten und Jaro riss sich aus seiner Starre. Der Boden bebte und das Grollen nahm zu und Alaryah und Jaro hetzten von dem Baum fort. Dann brach eine Feuersäule hervor. Sie schluckte die Reste des Baumes und fiel ebenso schnell in sich zusammen, wie sie empor geschossen war. Zurück blieb nur ein Fleck verbrannter Erde, auf dem die Regentropfen zischend verdampften.

Alaryah Schattenwind
Sie standen einfach nur da, immer noch gebannt von dem, was sie gerade gesehen hatten. Der Regen fiel ohne Unterlass weiter und weiter prasselnd auf die beiden Alben hinab. "Wi-...wir...haben es geschafft?", fragte Alaryah mit tonloser Stimme. All das gerade erlebte raste noch einmal in Gedanken an den Gefährten vorbei. Der Regen wurde weniger und schließlich lösten vereinzelte dicke Tropfen, die von den Blättern der noch stehenden Bäume fielen, den trüben Schleier ab. Es wurde merklich ruhiger, das Donnergrollen war nur noch leise in der Ferne zu hören. "Lass uns gehen.", sagte Jaro schließlich und ging voran. Alaryah folgte stumm. Das schmatzende Geräusch ihrer Schritte auf dem durchgeweichten Waldboden war das einzige, was bald zu hören war. Alaryah hatte keine Ahnung wie Jaro sich fühlen mochte, doch war sie momentan gedanklich sowieso woanders. Wenn sie nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, dass sie gerade lief, so hätte sie es nicht geglaubt. Der Regen hatte ihre Kleidung nun komplett durchgeweicht und Alaryah fühlte plötzlich Kälte, die sich ihren Weg bis zu den Knochen zu suchen schien. Lag es daran, dass sie patschnass war oder kam es ihr nur so vor, weil die Wärme des Steins nun verschwunden war? Irgendwann wischte sich Alaryah nicht einmal mehr die ins Gesicht gefallenen Strähnen aus dem Gesicht, sondern stapfte Jaro nur stoisch hinterher. "Wir sollten uns einen trockneren Ort suchen und kurz rasten.", hörte Alaryah Jaro sagen und brachte nur ein knappes Nicken zustande. Sie wollte eigentlich gar nicht mehr laufen, doch Jaro hatte Recht. Sie mussten sich einen Platz zum Ausruhen suchen, ein Feuer entfachen und sich aufwärmen.
Alaryah zuckte zusammen, als sie plötzlich eine Berührung am Rücken spürte. Nun wischte sie doch die nassen Haare aus dem Gesicht und sah, dass Jaro ihr ihren dicken Reiseumhang umgelegt hatte. Mit einer Hand zog die Albin den Umhang erschöpft und beholfen zurecht. "Danke.", murmelte sie leise und folgte Jaro, der die Führung und das Tragen ihrer Ausrüstung übernommen hatte.

Jaro Ballivòr
Wo eigentlich Erleichterung sein sollte, fühlte Jaro eine merkwürdige Leere. Alle Eingänge waren versiegelt. Die Aufgabe, die Nativus ihnen gegeben hatte, war erfüllt, so unmöglich sie zu Beginn auch erschienen war. Und trotzdem... so recht glauben konnte Jaro es noch nicht. Er versuchte sich einzureden, dass es bloß die Erschöpfung und die Nässe war, die ihn niederdrückte. Mit etwas Ruhe und trockener Kleidung würde alles wieder ganz anders aussehen. So hoffte er zumindest. Sie gingen eine ganze Weile stumm hintereinander her. Jaro spähte angestrengt zu allen Seiten. Auch wenn er selbst nachts gut sehen konnte, fehlte ihm Alaryahs Gespür, einen passenden Unterschlupf zu finden. Trotzdem wollte er es unbedingt schaffen. Der Regen hatte sich gnadenlos einen Weg durch die Bäume gebahnt. Es gab nicht ein trockenes Fleckchen, bis sie endlich in felsigeres Gebiet kamen. Hier gab es gleich mehrere Felsvorsprünge, die groß genug gewesen waren, um trocken zu bleiben. Ein durch das Unwetter angeschwollener Bach schlängelte sich an den Felsen entlang und sie folgten ihm ein Stück. Noch immer war es Nacht, doch Jaro hatte das Gefühl, dass die dunkelste Stunde bereits hinter ihnen lag. "Sieh nur!", rief er plötzlich aus. Unter einer Felszunge gab es nicht nur genug Platz, dort war auch ein Haufen Treibholz angeschwemmt worden, der offenbar trocken zu sein schien. Alaryah brachte eilig ein Feuer in Gang und seufzte wohlig auf, als die Wärme sich ausbreitete. Selbst Jaro, der nie fror, sehnte sich danach, die Nässe loszuwerden. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Wand und lauschte dem Knacken und Knistern der Flammen. Die Wärme machte ihn schläfrig, doch Erleichterung über die abgeschlossene Aufgabe wollte sich trotzdem noch nicht einstellen.

Alaryah Schattenwind
Jaro hatte einen guten Platz gefunden, hier konnte ihnen auch der kühle Wind nichts anhaben. Das Feuer prasselte munter vor sich hin und endlich fühlte Alaryah die Wärme, die von den Flammen ausging. Nach und nach kam wieder Leben in ihre Arme und Beine und es schien, als würde auch die Gefühlslage der Albin etwas aufklaren. Sie schwiegen sich trotzdem an. Alaryah rutschte irgendwann unruhig auf ihrem Platz umher. "Mh?", brachte Jaro hervor und sah die Albin fragend an. Diese hatte es endlich geschafft ihre immer noch durchnässten und mit Matsch beschmierten Stiefel auszuziehen. Alaryah stellte die Stiefel in den Wärmekreis des Feuers und wirkte wieder etwas zufriedener. "Wir haben es geschafft.", sagte Alaryah dann ganz leise, während sie in die Flammen starrte. "Niemand wird die Festung betreten können. Ihre Geheimnisse bleiben nun verschlossen.". Sie hoffte zumindest, dass es so sein mochte. Wie groß mochte die Gefahr von Außen noch sein? Wie viele Feinde mochten sich noch in den Wäldern herumtreiben und was für Aufgaben warteten noch auf die Gefährten? "Meinst du Kirona geht es gut?", fragte Alaryah und sah nun zu Jaro hinüber.

Jaro Ballivòr
"Ja, das ist...", doch Jaro wusste nicht, was es eigentlich war, also brach er ab. Warum fühlte es sich so an, als trügen sie noch immer eine große Last auf den Schultern?
"Ich hoffe es! Bei Kalthair war sie bestimmt in guten Händen. Ich hoffe nur, sie musste sich nicht irgendwelchen Untersuchungen ausliefern." Jaro schlüpfte mit den Händen in sein Hemd und drehte es um, sodass der noch feuchte Rückenteil nun vorne war. "Jedenfalls freue ich mich schon, sie wieder zu sehen. Sie ist bestimmt stolz auf uns." Zu gerne wollte Jaro wissen, ob sich Alaryah ähnlich fühlte wie er, doch er traute sich nicht zu fragen. Irgendwie schämte er sich für seine Reaktion. "Und Nativus müssten wir auch fast besuchen. Was glaubst du, wie erleichtert er sein wird!" Jaro versuchte es sich vorzustellen, doch nicht einmal das gelang ihm. Der Gedanke, den verrückten Alb wiederzusehen, gefiel ihm trotzdem. Vielleicht würde dessen Freude auch seinem eigenen Kopf endlich klar machen, dass es geschafft war.

Alaryah Schattenwind
"Nein...nein, sie werden ihr nichts tun.", sagte Alaryah schließlich und war sich dessen wirklich sicher. Es wirkte trotzdem alles noch gar nicht so real. Sie hatten gerade die Zugänge einer uralten Festung verschlossen. Sie hatten ein Stück Geschichte erlebt, wenn auch einen düsteren Teil davon. Und doch war dieser düstere Teil nun wieder aktuell...
Der Gedanke daran Kirona, die Waldläufer und den recht wirren Nativus wiederzusehen ließ Alaryah noch weiter auftauen. Sie hatten etwas Großes und Gutes getan. Alaryahs Gedanken drifteten ab. Sie dachte an die Familie mit der kleinen Tinriel, an die Schamanin...und hoffte einfach, dass sie alle wohlauf waren. "Unser Weg sollte uns wirklich zuerst zu Nativus führen. Er muss wissen, dass wir es geschafft haben. Es wird ihn erfreuen und vielleicht wird es ihm...naja irgendwie helfen.". Alaryah kratzte sich nachdenklich an der Schläfe während sie redete. In Gedanken plante sie schon eine Route. "Aber dann auf schnellstem Wege zurück zum Lager und zu Kirona.". Sie konnten die junge Frau nicht zu lange mit ihrer Ungewissheit über den Verbleib ihrer Gefährten allein lassen. "Aber eins steht fest...", fügte Alaryah schließlich an. "Heute gehen wir nirgendwo mehr hin.". Sie machten sich nicht einmal mehr die Mühe die Tageszeit zu bestimmen, sondern nahmen einfach hin, dass es noch dunkel war. Ein paar Stunden Schlaf waren bitter nötig und die Wärme des Feuers hatte bald sämtliche Nässe vertrieben. Alaryah nickte immer wieder weg, irgendwann konnte sie die Augen einfach nicht mehr offen halten. Sie murmelte etwas vor sich hin, zog ihren Umhang zurecht und legte sich schlafen, den Kopf auf Jaros Oberschenkel ablegend.

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#65

Beitrag von Jaro Ballivòr » Di 9. Apr 2019, 08:37

Jaro Ballivòr
Als sie erwachten, war es längst hell. Sonnenstrahlen brachen durch das Blätterdach und Jaro konnte nicht sagen, ob ihn deren Wärme oder das unablässige Zwitschern der Vögel geweckt hatte. Nur der angeschwollene Bach und das viele Treibgut, das er vor sich hin schob, erinnerte noch an das heftige Unwetter der Nacht. Die Luft war klar und frisch und zwischen den Blättern der Bäume zeigte sich ein strahlend blauer Himmel. Von den Resten der Glut zog sich eine kleine Rauchfahne kerzengerade in den Himmel. Das Feuer war lange schon abgebrannt. Es musste schon auf Mittag zugehen, schloss Jaro und sah zu Alaryah hinüber, die ebenfalls gerade erwachte, sich aber noch einmal auf die andere Seite drehte und seufzte. Zunächst hatte Jaro im Sitzen geschlafen und kaum gewagt, sich zu rühren, um Alaryah nicht zu wecken. Irgendwann hatte ihm jedoch der Nacken geschmerzt und behutsam hatte er den Kopf der kleinen Albin auf seinem Bündel gebettet, um sich selbst ablegen zu können. Er musste sofort eingeschlafen sein und fühlte sich einigermaßen erholt. Während Alaryah langsam die Augen aufschlug, kam Jaro auf die Beine, streckte sich ausgiebig und ging zum Bach hinunter, um sich zu waschen und zu trinken. Danach bereiteten sie sich ein kleines Frühstück und mussten dabei feststellen, dass sie bald ihre Vorräte auffüllen würden müssen, da ein Großteil des Brotes dem Regen zum Opfer gefallen war. Sie sprachen nicht viel, jedoch war ersichtlich, dass beide innere Ruhe gefunden hatten. Spätestens, als sie sich von Neuem aufmachten, einen Weg durch die moosigen Pfade des Waldes zu suchen, war Jaro sich sicher, dass etwas anders war. Er fühlte sich leicht und unbeschwert, ließ den Blick schweifen, hielt das Gesicht in die Sonnenstrahlen und lauschte der Melodie der Vögel. Wie von selbst schlich sich ein kleines Lächeln auf seine Lippen und er atmete den würzigen Duft der Bäume, so lange und tief er konnte. Mit der körperlichen Ruhe war endlich auch die Erleichterung gekommen.

Alaryah Schattenwind
Es war ein erholsamer Schlaf gewesen und Alaryah merkte nach dem Aufwachen schnell, dass sie zumindest einen Teil ihrer Kräfte zurück hatte. Erst war die Albin noch etwas brummelig, doch legte sich dies bald. Die warmen Sonnenstrahlen sorgten nicht nur dafür, dass die klamme Feuchtigkeit endgültig aus den Kleidern verschwand, auch hoben sie spürbar die Laune an.
Irgendwann schwebte Alaryah schon fast mit schwebenem Schritt neben Jaro her, wobei die Pfeile und der Bogen in ihrem Köcher leise klapperten. Entweder hatte Alaryah die Ereignisse der letzten Tage erstaunlich schnell verarbeitet, oder sie waren einfach durch die momentan vorherrschende Erleichterung, sowie die Schönheit des Augenblickes in den Hintergrund geraten. "Ich glaube wir haben wirklich Großes erreicht.", sagte Alaryah schließlich mit einem kleinen Funken Stolz in der Stimme. "Wir haben nicht nur neue Gefahren überstanden, sondern auch Geschichte erlebt...wenn auch einen recht düsteren und geheimnisvollen Teil.". Alaryah versuchte sich vorzustellen, wie die Alben in der Vergangenheit wohl gelebt hatten. Wahrscheinlich hatte es auch Alben wie die Gefährten gegeben, auch wenn sie jetzt schon lange... "Ich bin auf Nativus Gesicht gespannt.", unterbrach Alaryah ihre Gedanken.
Der Weg zurück zu Nativus gestaltete sich etwas schwieriger als Gedacht. Zwar hatten sich die beiden bisher nicht verlaufen, doch mussten sie dieses Mal öfter ihre Wegbeschreibungen und das Kartenmaterial zu Rate ziehen. Sie verzichteten auf Umwege, schließlich wollten sie nach dem Besuch bei Nativus so schnell wie möglich zurück und Kirona abholen!
So kam es, dass sie auch nicht zu lang rasteten. Alaryah erhob sich recht schnell wieder von einem Baumstumpf und nach einem scharfen Pfiff warf sie Jaro einen Apfel zu. "Komm, lass uns weitergehen!", sagte die kleine Albin mit heller Stimme, während sie an Jaro vorbeihuschte. Er sah ihr nach und erkannte, dass ihre Stiefel an ihrem Reiserucksack baumelten. Alaryah genoss den weichen Waldboden unter ihren Füßen, während sie sich bereits zum nächsten Etappenziel aufzumachen schien. "Wir haben noch ein gutes Stück Weg vor uns, Jaro.", fügte sie hinzu und gab ihm Handzeichen ihr zu folgen.

Jaro Ballivòr
Grübelnd sah Jaro auf seine eigenen Füße hinab. Dann, ehe er sich versah, hatte auch er seine Stiefel abgestreift und genoss die Kühle der Luft auf der feuchten Haut. Er beeilte sich, Alaryah zu folgen, musste aber feststellen, dass er besser aufpasste, wohin er trat. Mit dem richtigen Blick dafür war es eine Wohltat, das weiche Moos an den Fußsohlen zu spüren, ohne... nun ja, ohne sprang man öfter einmal zischend zur Seite, wenn sich ein Steinchen oder ein Ast hineingebohrt hatte und konnte auch den ein oder anderen Fluch nicht verhindern.
Obwohl Jaro sich weitestgehend auf Alaryahs Navigationsgeschick verließ, versuchte er sich beim Studieren der Fragmente rege zu beteiligen. Da sie nur kurz rasteten, selbst nachts, kamen sie zügig voran und bereits am dritten Morgen nach dem Unwetter erreichten sie einen Wegabschnitt, der Jaro bekannt vorkam. Sie folgten ihm mehrere Biegungen lang, dann war Jaro sich sicher. "Hier muss irgendwo der Abzweig in das Heckenlabyrinth sein!" Mit einem Grinsen über die Schulter verschwand Alaryah seitlich im Grün. "Ich weiß nicht, was du meinst!", rief sie hinaus und als Jaro ihr folgte, war sie bereits um die Ecke gebogen und für das bloße Auge wie vom Erdboden verschluckt. Beinahe spielerisch jagten sie den zickzackigen Weg entlang und stürmten in Nativus' verstecktes Kleinod. "Oh." Jaro blieb wie angewurzelt neben Alaryah stehen. Noch immer war die Lichtung mit seltsamer Magie belegt, noch immer ging eine Art Frieden von ihr aus, der einem bis ins Mark drang und bisweilen sogar ein wenig furchteinflößend sein konnte, und doch hatte sich alles verändert. Nativus' Hütte, die einst von Wurzeln, Ranken und Zweigen geformt worden war, wurde nun von ihnen verschluckt. Es sah aus, als würde die Natur sich zurückholen, was sie einst gegeben hatte, als würde schon seit Jahren niemand mehr hier wohnen. "Was hat das zu bedeuten?", flüsterte Jaro.

Alaryah Schattenwind
"Bestimmt nichts Gutes.", mutmaßte Alaryah und blieb nach ein paar Schritten wieder stehen. "Wir...sollten vorsichtig sein?". Irgendwie konnte und wollte sich die Albin nicht vorstellen, dass hier etwas passieren könnte...oder vielleicht sogar schon passiert war? Aus der Ferne konnten sie kein Lebenszeichen von Nativus ausmachen, auch waren die Geräusche des Waldes und der Tiere weniger und leiser als bei ihrem letzten Besuch. Allgemein schien es, als liege eine gewisse Schwere in der Luft. Je weiter sie gingen, desto deutlicher konnte Alaryah dieses Gefühl und diese Eindrücke einordnen. Hier gab es keine Gefahr. Hier gab es einfach...nichts mehr? Einsamkeit? Leere? "Das kann doch nicht...". Alaryah nahm das, was von der Hütte noch sichtbar war, von weitem genau unter die Lupe. "Wir waren doch niemals so lange weg? Pflanzen wachsen im Waldreich nicht so schnell, nicht einmal in den verzauberten Hainen?!." Beim Laufen drehte sich Alaryah mehrmals um die eigene Achse und suchte die Umgebung nach dem Alben ab, der sie mit dieser wichtigen Aufgabe betraut hatte. "Sieh doch!", rief Jaro plötzlich und Alaryah wirbelte herum. Jaro lief schnellen Schrittes davon. "Jaro! Warte! Wohin willst du?". Dann erkannte auch Alaryah sein Ziel. In der Nähe von dem, was einst als Behausung gedient hatte, steckte ein Stab im Boden. Es handelte sich um einen guten und mit Schnitzereien verzierten Wanderstock, an dem ein kleiner Wimpel hing. Kleine Glöckchen sangen ein leises Lied aus hohen Klängen, während der Wimpel sanft im Wind wehte. Die beiden untersuchten die Stelle. "Meinst du, das ist...ein Grab?", fragte Jaro unsicher, während Alaryah den Wimpel mit leicht zittrigen Fingern an sich nahm. Während sie in Stille verharrten drehte Alaryah den Wimpel, wie von einer fremden Macht gesteuert, um. Dort waren Worte! "In der Umarmung der Blätter des Schlafes liegen meine Worte.", hörte sich Alaryah den Text vorlesen. "Mh? Was?", fragte Jaro, der gerade mit dem Daumen über ein geschnitztes Symbol fuhr. Alaryah sprach die Worte erneut und blickte nachdenklich zu Boden. Dann wurde Alaryah schlagartig von der Erkenntnis getroffen! Sie erinnerte sich an den Besuch in Nativus Hütte und wie spärlich die Einrichtung gewesen war! "Er hat eine Botschaft für uns hinterlassen...in der Schlafstätte aus Blättern!". Schon fast gleichzeitig rasten die Blicke der beiden Gefährten zu der "Hütte" hinüber. "Wir müssen da rein.", sagte Alaryah entschlossen und zog die festen Lederhandschuhe über.

Jaro Ballivòr
Mit klopfenden Herzen bahnten sie sich einen Weg durch die überwucherte Türe. Eine dicke Staubschicht bedeckte Boden und Einrichtung und die Luft war stickig und schwer. Jaro und Alaryah sahen sich unsicher an und Alaryah nickte mit dem Kopf in Richtung Bett. Fast hätte Jaro aufgeschrien und nahm stöhnend eine Hand an die Brust. Was er für das Skelett eines Mannes gehalten hatte, war stattdessen eine Konstruktion aus Zweigen, die ein solches symbolisierte. Die eigenartigen Blätter des Bettes umschmiegten die Skulptur von allen Seiten, sodass es wirkte, als versank sie darin. Die knorrigen "Hände" waren auf der Brust verschränkt und hielten etwas. "Das ist es", flüsterte Alaryah und zog vorsichtig ein Schriftstück aus der hölzernen Umklammerung. Der Zweig, der den Unterarm bildete, rutschte dabei zur Seite und jagte Jaro einen erneuten Schreck ein. Es sah so furchtbar echt aus, dass sie beschlossen, nach außen zu gehen, um die Nachricht zu lesen.
Eines Morgens erwachte ich und verspürte den unwiderstehlichen Drang zu schreiben. Ich ging an meine Truhe, an meinen Tisch, ja an jedes Regal und jede Nische meines Heims, doch nirgends fand ich Papier und Feder und Tinte. Das wunderte mich doch sehr, denn ich war immer schon ein Schreiber gewesen. Also eilte ich hinaus aus meiner Hütte und staunte nicht schlecht. Die Umgebung kam mir gänzlich fremd vor. Ich blinzelte in die Strahlen der Morgensonne hinein und überlegte, ob ich vielleicht noch träumte, als ich ihn dort sah, wie er die Blumen richtete. Er war ganz vertieft, sprach ihnen gut zu und auf seiner Schulter saß ein Sperling und sang sein Lied dazu. Erst, als ich ganz nahe war, bemerkte er mich und sah auf. Ein Lächeln umspielte seine Lippen und er sagte: "Also habe ich es doch gefühlt. Es ist vollbracht." Ich wusste nicht recht, was er meinte und überhaupt wollte ich ihn fragen, wer er war, da bemerkte ich seine Ähnlichkeit zu mir. Freilich war er ausgemergelt, hatte Blätter im Haar und ledrige braune Haut, doch die Ähnlichkeit war unverkennbar. "Ich habe nicht gedacht, dass wir uns wiedersehen", fuhr er fort, während ich nicht anders konnte, als ihn anzustarren. "Und jetzt bin ich gänzlich unvorbereitet, aber irgendwo hier muss es sein." Dann begann er seine Taschen abzusuchen, leerte allen möglichen Krimskrams auf den Rasen aus und murmelte Unverständliches vor sich hin. "Ha!", rief er schließlich aus und hielt triumphierend ein kleines Päckchen hoch. Er reichte es mir und ermutigte mich es zu entschnüren. Sofort erkannte ich meine alte Schreibfeder wieder, doch es gab auch Pergament und Tinte. Ich sah ihn fragend an, noch immer unfähig zu sprechen. "Du musst die Geschichte nun zu Ende schreiben." Endlich fand ich meine Stimme wieder. "Welche Geschichte?" Er legte den Kopf schief. "Meine. Deine. Unsere. Ich muss jetzt gehen." Dann ließ er mich mit offenem Mund stehen. "Warte!", rief ich, doch er drehte sich nicht um und als ich blinzelte, war er verschwunden.
Ich weiß nicht, wie lange ich so da stand, verwirrt und unfähig mich zu rühren, doch irgendwann muss ich mich an den Tisch gesetzt haben und wie ich die Feder aufsetzte, strömten die Erinnerungen durch mich hindurch und plötzlich wusste ich wer er war. Wer ich war. Wer ihr wart. Ich hoffe, dass ihr dies hier findet. Nativus wird es euch geben, denn er möchte hier bleiben, während ich fort muss. Ich lasse ihn zurück. Lange genug hat er über mich gewacht, nun ist es Zeit, dass ich die Verantwortung übernehme. Ihr habt ihn gerettet und mich befreit, vielleicht auch umgekehrt und dafür stehe ich tief in eurer Schuld. Es tut mir leid, dass wir uns nicht persönlich treffen können, doch ich habe noch so viel zu tun und so wenig Zeit. Immerhin muss ich eine Geschichte zu Ende schreiben.

Das war alles. Nachdenklich sahen Jaro und Alaryah sich an. Offenbar hatte Nativus oder Nesolion oder wer er auch immer war, mitbekommen, dass sie die Aufgabe erfüllt hatten. "Er hat Frieden gefunden", flüsterte Alaryah und wie aufs Stichwort flatterte ein kleiner Sperling zu ihnen hinüber und setzte sich auf ihre Schulter.
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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