Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

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Jaro Ballivòr

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#71

Beitrag von Jaro Ballivòr » Di 28. Mai 2019, 07:48

Alaryah Schattenwind
Alaryah schaute zu Jaro auf während dieser seinen Gedanken freien Lauf ließ. Als er geendet hatte reagierte sie erst nicht, folgte dann aber wieder seinem Blick in die Ferne. "Ja.", antwortete sie seufzend. Es war auf der einen Seite ein seltsames Gefühl daran zu denken hier zu bleiben, doch ganz so undenkbar war es dann auch wieder nicht. "Moment mal.", begann die Albin leise nachdem sich ihre Gedanken wieder etwas gesammelt hatten. Sie hob den Kopf von Jaros Schulter. "Du würdest...naja, du würdest hier wirklich leben wollen?". Jaro schien etwas irritiert. "Ich meine...nicht, dass es mir hier nicht gefällt, versteh mich da bitte nicht falsch.". Tatsächlich stieg Alaryah nun etwas Röte ins Gesicht. "Ich meine nur...hier...bei ehm...mit mir?". So etwas war der Albin noch nie passiert. Wann hatte ihr auch zuvor jemand so etwas zu hören gegeben? Interpretierte sie da gerade zu viel hinein? Für einen Moment griff eine seltsame Stille um sich, die nur von dem sporadischen Knistern der Flammen unterbrochen wurde. Alaryah nahm ihrem Krug und trank einen Schluck. Irgendwas musste sie tun. Oder sagen. Sie fühlte sich überfordert. Da hatte sie eine gefühlte Ewigkeit die Grenzen das Waldreiches beschützt, war allein auf Patrouille gewesen und hatte gegen Eindringlinge gekämpft, ja, sogar Begegnungen mit Bäume vernichtenden Maschinen überstanden - und dann warf sie so eine Aussage von Jaro aus der Bahn? <Jetzt reiß dich gefälligst mal wieder zusammen!>. Die kleine Albin war machtlos gegen ihre Emotionen und da half es auch nicht, dass sie den Blick abwandte. Hoffentlich hatte Jaro nicht bemerkt, dass ihr Gesicht scheinbar die Farbe einer Tomate angenommen hatte.

Jaro Ballivòr
Sofort erschrak Jaro. Hatte er schon wieder eine unbedachte Äußerung gemacht? Eine Grenze überschritten? Immer schon hatte er Schwierigkeiten mit Nähe gehabt und war ein Einzelgänger gewesen. Konnte es da sein, dass er nun, da er Freunde gefunden hatte, direkt über die Strenge schlug? Oder stimmte mit Eichenhain etwas nicht? Er wusste ja gar nicht, welche Orte Alaryah sonst noch gesehen hatte und vielleicht konnte Eichenhain nicht im Entferntesten mithalten. Nein, daran lag es nicht, Alaryahs Worte passten nicht dazu. "Ich meine, nun ja...", setzte Jaro nach kurzem Zögern an, "das war nur so eine Idee, ein Gedankenspiel. Ich weiß natürlich, dass es nicht geht, aber vorstellen könnte ich es mir." Vorsichtig sah er zu Alaryah, um ihre Reaktion zu prüfen, doch die Albin sah ihn nicht an. Also fuhr er unbeholfen fort. "Ich fühle mich in deiner... in eurer Gesellschaft, nun ja, ich fühle mich zu Hause, wenn wir zusammen sind und da kann ich mir das einfach gut vorstellen. Natürlich würde ich Avinar vermissen, aber für eine gewisse Zeit..." Jaro brach ab, als er merkte, dass er seine eigene Unsicherheit mit Worten zu verdecken versuchte und es dadurch nicht wirklich besser machte. Er leerte seinen Krug und schielte sehnsüchtig zur Flasche. Was war nur mit ihm verkehrt, dass er gefühlt jede schöne Situation zu etwas Unangenehmem machte? Man hatte ihm gelehrt, wie man Linsen schliff, Maschinen und optische Geräte herstellte und bediente, wie man den Himmel las und Karten davon anfertigte, doch niemand hatte ihm gesagt, wie man sich einer Frau gegenüber verhielt. So langsam fragte sich Jaro, ob das nicht sinnvoller gewesen wäre.

Alaryah Schattenwind
"Warum würde das nicht...?". Alaryah unterbrach sich. Sie wagte nun wieder einen Blick zu Jaro und wartete, bis er mit seinen Ausführungen geendet hatte. In Alaryah herrschte gerade einfach nur ein auf und ab der Gefühle. Jaro hingegen griff irgendwann nach der bereits geöffneten Flasche und schenkte sich nach. "Mö...möchtest du auch noch?". Sie nickte. "Gern.". Er schenkte nach. Wieder erfüllte Schweigen den Moment. Es war der Albin ein Rätsel, wie Jaro ihren Herzschlag nicht hören konnte, denn dieser dröhnte schon fast in ihrem Kopf. Die Zeit verging quälend langsam. "Na wunderbar...", sagte Jaro irgendwann und verzog missmutig das Gesicht. "Jetzt sitzen wir hier und ich weiß einfach nicht mehr was ich noch sagen soll.". Hilfesuchend schaute er zu Alaryah hinüber. "Schon in Ordnung.", sagte sie matt und sah Jaro nun direkt in die Augen. Jaro schaute fragend drein, dann wurde er plötzlich von Alaryah am Kragen gepackt. Noch bevor für Jaro irgendwie die Möglichkeit bestand zu reagieren hatte die Albin ihn auch schon zu sich gezogen und geküsst. Alaryah sah sich selbst, wie sie Jaro festhielt und ihm mit der einen Hand durchs Haar fuhr. Nicht nur die beiden kippten zur Seite hin um, bald schon verteilte sich auch Wein aus umgefallenen Krügen auf dem Boden. "Ent...schuldige.". Alaryah löste sich einige Augenblicke später wieder aus Jaros Armen. "Ich wollte nicht...also...". Mehr als ein verlegenes Stammeln brachte die sonst so selbstsichere Albin nicht hervor. "Das war vielleicht zu viel Wein? Ich ehm...". Die Albin erhob sich. "Ich glaube ich gehe jetzt besser.". Ihr Gesicht schien zu glühen. <Was hast du dir dabei nur gedacht?! Ernsthaft?!>. Alaryah machte sich so schnell sie konnte bettfertig, doch war sie weiterhin äußerst aufgewühlt. Es war einfach so über sie gekommen! Was hatte sie nur getan?!
Diese Gedanken verfolgten die Albin auch noch am nächsten Morgen. Sie würde mit Jaro über den Kuss sprechen müssen. Doch was sollte sie sagen? Alaryah wollte gar nicht erst das Bett verlassen, wäre am liebsten für immer dort geblieben, doch war dies natürlich unmöglich. Jaro war schon wach und saß im Hauptraum ihrer Unterkunft. Alaryah setzte sich ihm gegenüber hin und atmete tief durch. "Jaro, ich...". Sie rang nach Worten. "Ich weiss nicht. Vielleicht sollten wir darauf achten, dass uns...ja, dass uns sowas nicht noch einmal passiert...?". Der Albin fiel es sichtlich schwer über den Abend am Lagerfeuer zu sprechen.

Jaro Ballivòr
Beinahe unschuldig lag die Decke ordentlich zusammengefaltet neben ihm auf der Bank. Jaro wusste nicht, wie lange er das Stück Stoff bereits anstarrte. Und es war auch nicht die Decke, die er sah. Da waren Alaryahs Augen und ihr Gesicht, das näher kam, er spürte den Zug an seinem Hemd und roch den Duft ihres Haars und dann... er fuhr sich mit einem Finger über die Lippen. Plötzlich ertappte er sich dabei, dass er lächelte. Er schüttelte energisch den Kopf und hob seinen Becher mit Tee, stellte fest, dass er ihn bereits leer getrunken hatte und nahm stattdessen den, den er für Alaryah bereitsgestellt hatte. Der Tee war schon kalt. Viel geschlafen hatte er nicht und beim ersten Licht des Morgens war er schließlich aufgestanden und in den Wohnraum gegangen. Und da war sie gelegen, die Decke. Genau dort, wo er sie am Abend abgelegt hatte. Erst war er verdutzt und sprachlos vor dem Haus sitzen geblieben und zu spät war ihm eingefallen, Alaryah zu sagen, dass sie bleiben sollte. Dann hatte er sich nicht gewagt, in ihre Schlafkammer zu sehen und hatte stattdessen aufgeräumt und sich selbst hingelegt. Irgendwann hatte ihn der Schlaf wohl eingeholt oder zumindest glaubte Jaro das, denn plötzlich war es hell geworden. Und hier saß er nun.
Als Alaryah den Raum betrat, sah er auf. Er schluckte. Wenn er doch nur gewusst hätte, was man darauf nun antwortete? Er beschloss mit einem Lächeln zu beginnen. "Es war überraschend, das muss ich zugeben", sagte er dann, "aber auch schön." Hitze schoss ihm in die Wangen und er fragte sich, welcher Gott so herzlos sein konnte, sich diese Körperreaktion auszudenken. "Der Augenblick und der Wein... es war auch einfach so... aber, du hast recht: wir passen auf!", schloss er mit einem sich selbst überzeugenden Nicken. "Ich... hatte dir Tee gemacht, aber dann habe ich ihn selbst getrunken." Schulterzuckend grinste er. "Soll ich neuen machen?"

Alaryah Schattenwind
"Gern.". Alaryah hatte schon bald einen dampfenden Becher Tee vor sich stehen. Unsicher hockte die Albin nun da und wartete bis der Tee etwas abgekühlt war. Dann schaute sie Jaro plötzlich an. "Weisst du was?", fragte sie und drehte das kleine Tongefäß vor sich im Kreis. "Wir müssen uns nicht dafür entschuldigen.". Ein Anflug aus Kühnheit hatte die Albin scheinbar gepackt. "Alles ist gut.".
Plötzlich klopfte es lautstark an der Tür. Die beiden Gefährten schreckten auf, dann war eine Stimme von draußen zu hören. "Ich trage Kunde von einer Kirona für euch!". Alaryah und Jaro sahen sich an, dann eilten sie zur Tür. Als sie öffneten stand dort ein Bote, leicht außer Atem, aber dennoch wohlauf. "Ihr seid doch Alaryah und Jaro?". Die beiden nickten. "Nundenn...". Der Bote nahm Haltung an, holte tief Luft und begann mit der Übergabe seiner Nachricht. "Kirona lässt Euch grüßen. Es geht ihr gut und sie hilft den Waldläufern beim Aufspüren und Beseiteigen der bereits bekannten Störungen im Waldreich. Sie freut sich auf ein Wiedersehen und wird wahrscheinlich mit der nächsten Patrouille hierher zurückkehren.". Dann salutierte der Alb, verbeugte sich mit den Worten "Botschaft somit überbracht.". Die beiden Gefährten blickten dem Boten nach bis er schließlich verschwunden war. "Zum Glück geht es ihr gut.". Dies war der allgemeine Konsens. Erst jetzt bemerkten Alaryah und Jaro, wie fest sie sich bei der Übergabe der Botschaft an den Händen gehalten hatten. Sie blieben einen Moment lang so stehen und Alaryah trat schließlich näher an Jaro heran. Die kleine Albin schloss die Augen und schien diesen Augenblick zu genießen. Kirona ging es gut und sie würde bald zurückkehren. Dieser Gedanke erfreute Alaryah, jedoch machte sich in ihr auch ein seltsames Gefühl breit. Wie sollten sie Kirona die ganze Sache erklären? Was sollten sie ihr überhaupt erlären? Alaryah verfluchte sich. Warum hatte sie sich nur von ihren Emotionen oder gar der Weinlaune hinreißen lassen? Warum beschäftigte sie all das nur so sehr? Ihr kam es vor als hätte sie einen Weg beschritten, von dem aus es kein zurück mehr gab...

Jaro Ballivòr
Mit einem warmen Gefühl im Bauch drückte Jaro Alaryahs Hand sanft. In diesem Augenblick durchflutete ihn pure Glückseligkeit. Er war froh, dass sie gesprochen hatten, wenn auch nur kurz. Andererseits war er sowieso der Meinung, dass meist gar nicht so viele Worte nötig waren. Auch Kirona ging es gut. Sie war sogar Teil einer Waldläufer-Patroullie! Scheinbar war Alaryahs und seine Intuition richtig gewesen, als sie vor all den vielen Wochen das Besondere an Kirona erkannt hatten. Die Waldläufer schienen diese Meinung zu teilen. Und zu guter Letzt blieben ihnen nun noch ein paar Tage in Eichenhain, Tage, die sie zum Trainieren nutzen konnten und ebenso für ein paar ruhige Stunden. <Zu zweit>, dachte er und gleichzeitig versuchte er, es nicht zu benennen. Egal was geschah, Jaro wollte nicht, dass etwas zwischen ihnen stand, er wollte nicht, dass sich etwas änderte. "Jetzt müssen wir nur noch aus mir einen Kämpfer machen", sagte er leise, als der Augenblick ihrer Verbindung langsam verflog. "Ich habe zwar wirklich ganz schön schwere Beine gekriegt, doch ich wäre bereit für eine Fortsetzung. Vorausgesetzt, du kannst noch." Er zwinkerte und Alaryah kommentierte seine Worte mit einer hochgezogenen Braue. "Für dich reicht es allemal", feixte sie zurück, doch Jaro sah, dass sie hinter der scherzhaften Fassade noch etwas beschäftigte. Sie versuchte es wegzulächeln und er beschloss es nicht zu kommentieren.
Zunächst war Zeit für Frühstück. Um Münzen zu sparen, bereiteten sie es selbst in der Hütte zu, nachdem Alaryah frisches Obst und Zutaten für süße Fladen auf dem Wochenmarkt besorgt hatte. Neben den Lebensmitteln brachte sie auch zwei Holzschwerter mit, die eigentlich als Spielzeug für Albenkinder gedacht waren. "Die können wir als Ersatz für den Kampf mit Langdolchen nehmen", sagte sie. "Mehr als blaue Flecken machen die nicht." Davon gab es allerdings eine Menge, wie Jaro am Abend feststellen musste.
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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