Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Sonderfall Tivoli - 1058 n.d.A.

Im Jahre 1077 nach der Asche wird Souvagne von mehreren Mauern geschützt und die Technik ist auf einem hohen Stand. Die Souvagner sind genetisch mit anderen Menschen nicht mehr kompatibel.
Souvagne 1077.
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Zico
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Sonderfall Tivoli - 1058 n.d.A.

#1

Beitrag von Zico » Sa 5. Okt 2019, 18:25

Sonderfall Tivoli
Jahr 1058 nach der Asche, Souvagne, Hauptquartier des Ordens der Sentir

Tivoli war ein Fall für sich, darin waren Meru und Zico sich einig. Er war jemand, dessen bloße Existenz dazu berechtigte, ihn zu verachten und als Boxsack zu benutzen. Keine Antwort konnte Tivoli retten, keine seiner Taten es verhindern. Er war das Opfer, auf das die beiden sich eingeschossen hatten. Auch lange nachdem die Gruppe schon getrennt worden war und die Ausbildung als Einzelkämpfer begonnen hatte und sie sonst nichts mehr verband, blieb dieses Band zwischen ihnen bestehen - der gemeinsame Freizeitspaß, Tivoli fertigzumachen. Ein Grund dafür fand sich immer.

Als Onze war Tivoli für einen Sentir, der aus dem Labor kam, gerade einmal ausreichend gut, dass man ihn nicht gleich der Sonderabfallverbrennung zugeführt hatte. Die Ausbildung und Augmentierung eines Sentir war zu kostenintensiv, um sich mit halben Sachen zufriedenzugeben. Es lag nicht an seinem mangelnden Ehrgeiz, sondern an seinem genetisch bedingt unterdurchschnittlichen psionischen Potenzial. Kein Training der Welt hätte mehr aus ihm herausholen können als den Schwächling, als den man Tivoli kannte.

Ganz anders sah die Sachlage aus, wenn man ihn mit den Wildfängen verglich. Auch der schlechteste Labbie, wie man die Tankgeborenen aus dem Labor nannte, war einem Wildfang überlegen. Wenige Ausnahmen bestätigten die Regel. Neun von zehn Wildfängen hatten selbst einem Tivoli nichts entgegenzusetzen. Dieser Umstand sorgte dafür, dass er sich gern bei den weiblichen Wildfängen beliebt machte. Wo die weiblichen Labbies sich über seine Sehnsüchte lustig machten, fand er hier einen Abglanz der Zuwendung, die er sich wünschte.

Nun war ein Sentir in Balzstimmung nicht mit einem verliebten Seize, einem Normalo, zu vergleichen. Sie schenkten keine Blumen, machten keine Komplimente und führten niemanden aus. Tivoli drängte stattdessen seine Gesellschaft auf und ließ sich bewundern, was in dieser Umgebung ein leichtes Unterfangen war. Hier war er der Hahn im Korb. So machten die Frauen gute Miene zum bösen Spiel, schmierten Tivoli Honig ums Maul und lachten über seine flachen Witze. Zu gegebener Zeit half Tivoli dann notfalls noch mit seiner Gabe nach, um zu bekommen, was er wollte. Die Wildfänge wurden seine Marionetten und Tivoli wurde ein wunderbar ausgelasteter Sentir.

Meru war der Erste von den Labor-Sentir, der Tivolis Umtriebe bemerkte. Er informierte Zico. Nicht etwa darum, weil sie so gute Freunde waren, sondern weil sie schon früher gemeinsam auf Tivoli herumgehackt hatten. Damals waren sie Kinder gewesen, nun waren sie Erwachsene.

Bei der nächsten Gelegenheit fingen sie Tivoli ab und zwangen ihn, mit ihnen gemeinsam in die Kleiderkammer im Keller zu gehen. Dieser Bereich war nicht gesondert gesichert, da es hier nichts gab, was zur Gefahr werden konnte. Er wurde nur genutzt, wenn Sachen ausgegeben wurden. Es war nicht damit zu rechnen, dass ausgerechnet jetzt jemand vorbeikam.

Der Lichtschalter klackte laut. Eine einzelne Lampe flammte in der Mitte auf und warf einen weißen Lichtkegel auf graues Linoleum. Zico schloss hinter ihnen die Tür ab. Hier unten war Totenstille, nur die Lüftung rauschte. Sie hatten Tivoli mit dem einzigen Zweck hierher verfrachtet, um ihn zu quälen. Als Onze hätte er auch einem von beiden keine Paroli bieten können. Zwei Cinq aber waren für Tivoli eine unbezwingbare Macht. Ängstlich presste er sich mit dem Rücken zwischen zwei Stahlschränken an die Wand, in dem sinnlosen Versuch, sich wenigstens von hinten und den Seiten zu schützen.

Meru packte ihn mit der Gabe, riss ihn in die Mitte des Raumes und platzierte ihn genau unter der Lampe. ›Ausziehen‹, befahl er.

›Was habt ihr mit mir vor?‹, fragte Tivoli, während er der Aufforderung folgte. Nackt stand er nun unter voller Beleuchtung wie auf dem Präsentierteller. Mit den Händen versuchte er, seine Scham zu bedecken.

›Das wirst du schon sehen‹, lachte Zico, der sich dazugesellte. Er betrachtete seinen einstigen Bruder. Tivoli hatte abgenommen, er war nicht mehr das Pummelchen von früher. Das harte Training hatte letztlich auch ihn zu einem vorzeigbaren Agenten gemacht. Bis auf den albernen Schmuck, den er in der Freizeit trug. Zwei Piercings an der Unterlippe, eins in der Nase und zahllose Stecker in den Ohren ruinierten das Bild. ›Hast du dich für die Wildfänge hübsch gemacht?‹, höhnte er und zupfte an Tivolis spitzer Ohrmuschel.

Meru versetzte Tivoli einen Stoß mit der Faust. ›Sich mit Wildfängen einzulassen, so tief kannst auch nur du sinken. Und ich dachte immer, du stehst auf Neko‹, lachte er. Mit der flachen Hand klatschte er auf Tivolis Mund, krallte zu, so dass es aussah, als würde er ihm gleich die Gesichtshaut abreißen und riss einmal kräftig. Die Gesichtshaut blieb, wo sie war - die Piercings nicht.

»Aohuuu«, schrie Tivoli und fasste sich an den Mund. Binnen Sekunden waren seine Finger blutüberströmt.

»Aohuuuuuuuu«, stimmten Meru und Zico synchron ein Wolfsgeheul an, das in lautem Lachen endete.

›Was Neko wohl dazu sagt, dass du sie erst dermaßen umgarnst und dann mit Wildfängen spielst? Sie scheint ja leicht ersetzbar zu sein.‹

›Neko wollte mich ohnehin nicht‹, keuchte Tivoli. Mit sichtlicher Mühe gelang es ihm, die Hand von seinem blutenden Gesicht zu nehmen. ›Sie hat mich ausgelacht. Es ist ihr egal, was ich mit den anderen mache.‹

›Nun, uns ist es nicht egal‹, stellte Zico klar und stieß ihn von der anderen Seite gegen die Schulter.

›Absolut nicht‹, bestätigte Meru und schubste ihn erneut.

Einige Male wurde Tivoli zwischen ihnen hin und her gestoßen, ehe sie ihn fest in ihrer Mitte einschlossen. Beide standen so dicht, dass er zu zittern begann, eine Hand noch immer in seinen Schritt gepresst.

›Jeder macht das mit den unteren Stufen‹, versuchte Tivoli, sich zu rechtfertigen.

›Damit hast du vollkommen recht‹, antwortete Zico.

Er streckte die Finger aus und verrieb das frische Blut in seinem Gesicht. Es lief in Strömen von Tivolis Kinn und tropfte auf seine Brust und auf den Fußboden. Meru umarmte Tivoli fest von hinten. Ihr einstiger Bruder konnte nichts anderes tun, als stillzuhalten, als Zico die Umarmung von vorn besiegelte. Eingeschlossen und blutend stand er da und wagte nicht, sich zu rühren. Zico spürte seine keuchenden Atemzüge auf der Schulter. Tivolis Körper fühlte sich kalt an, er fror hier unten ohne seine Kleidung. Zico war nicht sicher, was sie hier überhaupt machten. Sie hatten nichts abgesprochen, außer, dass Tivoli bestraft gehörte.

Dann hob Tivoli den Kopf, sein Blick war entrückt. Meru hatte sich Zugriff auf seinen Geist verschafft. Er ließ Tivoli Zico umarmen und ihm einen Zungenkuss geben. Genüsslich folgte Zico dem Angebot, auch wenn es nach Blut schmeckte. Einen so leidenschaftlichen Zungenkuss hatte er noch nie genießen dürfen, auch wenn die Bewegungen von Tivoli unnatürlich wirkten, wie bei einem Schlafwandler. Trotzdem war es ein Erlebnis für sich.

›Jetzt du‹, raunte Meru und gab Tivoli frei, der blass wurde, als er begriff, dass ihn nun die gleiche Behandlung erwartete, die er den Wildfängen angedeihen lassen hatte.

›Bitte hört auf‹, flehte Tivoli, doch mehr konnte er nicht sagen, da Zico bereits seinen Geist packte.

Tivoli drehte sich herum, nahm beide Hände nach oben und begann, Merus kräftigen Hals zu streicheln. Der schloss die Augen und hob den Kopf etwas. Tivoli schlang die Arme um seine Hüfte und küsste seine Kehle. Gleichzeitig machte er ein Hohlkreuz, so dass die Beule von Zicos Hose sich wie von selbst zwischen die nackten Backen schob. Zico begann, Tivolis Flanken zu streicheln. Ein Schauer der Erregung fuhr durch Zicos Körper. Er überlegte, ob er seine Hose öffnen sollte. Er würde es gern. Aber sollte er? Verdient hatte Tivoli es allemal. Was also ließ ihn zögern?

›Was ist?‹, fragte Meru, der genüsslich den Kopf zur Seite gelegt hatte, um die Lippen auf seiner Haut zu genießen. Er hielt die Augen noch immer geschlossen, aber er fühlte, was in Zico vorging. Seine wachsende Erregung und seine Zurückhaltung spürte er gleichermaßen.

›Ich weiß nicht‹, meinte Zico.

Er wich einen Schritt zurück, seine Hände strichen Tivolis Flanken entlang, ehe sie von ihm abließen. Er entließ Tivoli aus seinem energetischen Griff. Der hörte sofort auf, Merus Hals zu küssen und schlang die Arme um sich selbst.

Zico blickte fragend zu Meru. ›Was machen wir hier überhaupt?‹

›Tivoli einen Denkzettel verpassen, dachte ich.‹

›Ich hab irgendwie keine Lust mehr.‹

Meru hob eine Braue. ›Soll ich jetzt alleine weitermachen, oder was? Willst du zusehen?‹

›Mir egal.‹

Erst jetzt ließ auch Meru von Tivoli ab, der in die Hocke ging und hastig nach seinen Kleidern griff. Dabei versuchte er, nicht in Hüfthöhe der beiden Cinq zu blicken.

›Gehen wir essen?‹, fragte Zico an Meru gewandt. ›Es ist gleich Abendbrot. Die Kantine wird schon offen sein.‹

Meru zuckte mit den Schultern.

Keiner der beiden hielt Tivoli auf, als er sich mit dem Kleiderbündel davonstahl.

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