Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

00 Kapitel 00 - Gras-Schlangen

Nach dem gewaltsamen Tod von Timion Harruck beanspruchen zwei Parteien sein Erbe für sich: Auf der einen Seite Dr. Lana Setardio, die sich humanistischen Zielen verschrieben hat und von dem abtrünnigen Sentir Kabir unterstützt wird. Auf der andern Seite die Schachtsoldaten um Zaccaria samt Timions Familie.
Kabir
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Re: Gras-Schlangen

#11

Beitrag von Kabir » So 9. Dez 2018, 00:08

Atemlos

Mitchs wütender Kampfschrei übertönte alles war die Gruppe hörte und hallte in unseren Köpfen und im Raum nach. Vas wartete nicht ab ob noch mehr Angriffe erfolgen würden, sondern sprintete weiter in den Raum.

`Boss nicht´, brüllte ich in seinen Gedanken, aber er hörte nicht auf mich.

Er stieß sich von einer Seitenstrebe im Raum ab, landete aufrecht auf der anderen Seite und spürte irgendetwas in seinem Rücken reißen, Schmerz durchzuckte beide Beine wie ein elektrischer Schlag.

„Du bist verletzt, Merde kannst Du nicht hören?“, brüllte ich Vas an.

Blitzartig schoss meine Hand vor und fingen einen Chien im Sprung ab bevor dieser Vas niederreißen konnte. Ich riss das Wesen mehrere Meter in die Höhe und zerquetschte es so fest, dass man die Knochen selbst aus einigen Metern Entfernung brechen hörte.

Danach schleuderte ich das Wesen davon und setzte mich blitzartig in Bewegung. Mit einem Satz war ich bei Vas und heilte seine Schnittwunden.

Alicia ging in die Hocke, legte sich flach auf den Boden und spähte unter einige Trümmerteile hinweg. Sie sah einen Grob-Nobs mit Waffe in der Hand. Al legte die Waffe an und feuerte vier Schüsse auf die Stiefel des Grob-Nobs ab.

Einschusslöcher erschienen, und die Schüsse rissen alles im Inneren der Stiefel in Stücke. Der Grob-Nobs stürzte schreiend zu Boden. Alicia ließ sich nicht ablenken. Mit einem gekonnten Kurzsprint einigen Sprüngen und einem Salto war sie über die Trümmerteile hinweg und aus dem Sichtfeld der restlichen Gruppe verschwunden.

Einige Sekunden später hörte man einen lauten Knall. Der Grob-Nobs zuckte noch einmal, dann regte er sich nicht mehr.

Alicia starrte kurz auf das Schwein herab, ich spürte eine Gefahr hinter ihr und riss Al per Telekinese zu Boden und schirmte sie ab.

`Hinter Dir´, bellte ich sie mental an und sprang an ihre Seite.

Ich kam auf einem der Trümmerteile auf. Vorsichtig und wie eine Katze auf der Kante stehend schaute ich mich um. Einer der Grob-Nobs hatte versucht sie zu erwischen.

Mit einer Hand zog ich meine Waffe und riss sie heraus. Mental schlug ich knallhart auf die Trümmerteilkante und rollte zeitgleich rückwärts mit Alicia ab, riss das Trümmerteil im Fallen dabei um, so dass das Teil hochkant stand und der Gruppe Deckung bot.

Die andere Kantenseite prallte heftig krachend unter das Kinn des Grob-Nobs und schickte ihn zu Boden, was Al losgackern ließ. Der Grob-Nobs krachte mit dem Schädel auf den Beton. Grunzend richtete er sich wieder auf, verlor dabei allerdings wertvolle Sekunden ehe er wieder stand.

Als er stand zog er eine gewaltige Axt von seinem Rücken und schlug sofort damit nach mir. Der Schlag war so brutal, dass die Waffe ein zischendes Geräusch in der Luft verursachte.

Ich sprang mit einer schraubenden Bewegung nach oben und trat mit aller Wucht und Geschwindigkeit zu. Mein Stiefel krachte Knochen brechend in seine Fresse und der Grob-Nop krachte in das zweite Terminal im Raum, dass unter seinem Gewicht barst. Der Grob-Nob zuckte und versuchte sich tatsächlich wieder aufzurichten. In dem Moment war Mitch bei ihm, setzte dem Vieh die Wumme an den Schädel zog den Abzug durch.

Der Sackschädel verschwand in einer Wolke aus Gewebefetzen und anderem Schnodder. Der zweite Grob-Nob der in den Raum gestürzt kam, reagierte nicht. Keuchend starrte er nur Mitch an, einen Atemzug lang… zwei, drei, dann bewegten sich beide gleichzeitig.

Mit einem Satz war er bei meinem Kumpel und ging zum Angriff über. Mitch versuchte schnell genug herumzuwirbeln um dem Grob-Nob den Schädel wegzublasen, der Grob-Nop schlug mit der Axt nach ihm.

Ich packte die Axt per Telekinese und entriss sie dem Grob-Nob und mich bei der Aktion fast selbst von den Beinen.

Das Ding war gewaltig schwer. Zeitgleich zuckte Mitch zur Seite und drückte erneut ab. Durch die Wucht des Schusses wurde der Grob-Nop rücklings über die Überreste des Terminals geschleudert, kam krachend in den messerscharfen Splittern auf und zuckte unkontrolliert.

Dann spürte ich einen Grob-Nob perfekt in einen dunklen Schatten geschmiegt. Ohne zu zögern, schlug ich auf das Vieh mental ein, mit aller Kraft die mir mein Geist zubilligte.

Ich fühlte wie seine Knochen barsten und in ihm hin und her gewirbelt wurden.

Vor meinen Augen verschwamm alles, als ich mein Ziel traf und es zerschmetterte. Ich konnte schlagartig nicht mehr einatmen und alles verkrampfte sich in meinem Brustkorb.

„Merde, ni… jezzz…“, japste ich atemlos, als Mitch mich grabschte und unterhakte.
„Was ist los?“, schrie er mich an.

„K… ann… ni…ch… atmen“, keuchte ich ihn panisch an. Er verstand mich kaum und beugte sich so nah zu mir, dass sein Gesicht fast meins berührte.
„Was? Was ist los? Was hat Dich erwischt? WAS?“, donnerte Mitch mich an.

Vas war nur Sekunden später ebenfalls an meiner Seite und hielt mir Mund und Nase zu.
„Kab beruhig Dich“, brüllte er.

Ich versuchte panisch seine Hand abzuschütteln, aber er ließ nicht los!

„Hat er die Axt vor den Latz bekommen? Er hyperventiliert, halt den Sturkopf fest Mitch!“, befahl Vas ihm und beide hielten mich im Schraubstockgriff felsenfest. Super!

`Asthma! Vas… mein Med-Pack… Injektor… verpass… mir… mir…´, übermittelte ich stammelnd, da ich mich kaum konzentrieren konnte.
„Scheiße Kabir, warum sagst Du mir so was nicht?“, schnauzte er mich aufgebracht an, riss mein Med-Pack an sich und durchwühlte es. Keine zwei Sekunden später donnerte er mir den Injektor in den Hals, während der Rest der Truppe uns abschirmte.

Ich leckte mir nervös über die Lippen, schmeckte Blut und atmete zitternd ein.

„Ruhig Kab, ganz ruhig, die Med funzt schon. Langsam atmen, komm“, sagte Vas leise und strich mir beruhigend über die Glatze, während Mitch mich festhielt.

Ganz langsam drehte Mitch den Kopf zur Seite. Er schaute über die Trümmer hinweg.

Zig Grob-Nobs lagen dort. Unsere Truppe hatte gute Arbeit geleistet. Alicia, Sophie und Gillian mussten jedes einzelne dieser Mistviecher erledigt haben, ging es ihm durch den Kopf.

Ich legte meinen Schädel auf seiner Schulter ab, während mein Atmen sich langsam beruhigte. Ich wäre auch beeindruckt gewesen von der Masse der abgeschlachteten Gegner, doch in meinem Inneren gab es in dem Moment nichts außer Müdigkeit.

„Ist wieder gut?“, fragte Vas und wischte mir den Mund ab.
„Ja“, antwortete ich heiser, „hast was gut“.

„Hervorragend, spar Dir den Atem und atme ganz langsam“, sagte Vas erleichtert und klopfte mir auf die Schulter.

„Schöner Schutz bin ich hä?“, grinste ich ihn an.
„Spinner. Wir müssen uns jetzt einen Weg hier heraus bahnen. Wir halten es einfach. Wir sind Souvagner! Alles was kein Souvagner ist, wird erschossen!“, sagte Vas felsenfest überzeugt.

„Ein Plan nach meinem Geschmack!“, kicherte Alicia und lud ihre Waffe durch.
„Genau“, bestätigte Mitch und ich zog die P8.

„Ich habe zwar die Hose gestrichen voll, aber ich bin dabei“, warf Sophie ein, was uns alle loslachen ließ.

Kabir
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Re: Gras-Schlangen

#12

Beitrag von Kabir » So 9. Dez 2018, 00:35

Respekt

Wir rannten wie die Irren einfach gerade aus, stürmten aus dem unterirdischen Lehmkomplex, rannten weiter durch die Gassen und durch die verschlungenen Pfade des Dorfes und hielten erst an, als wir zig Sanddünen zwischen uns und dem Dorf gelassen hatten.
Von dort aus schlugen wir uns zu unserem LKW durch. Und mit dem Laster donnerten wir zurück zur Belette.

Die Belette bewegte sich silbergrau durch die peitschenden Wüstenwinde, bis wir zu einer Stelle kamen, die uns sicher erschien um die nötigen Reparaturen vorzunehmen.

Gillian hatte die Belette gelandet, die Scanner zeigten keine Gefahr. Wir verließen die Belette und vertraten uns die Beine. Sophie, Mitch und ich zogen alleine los, da ich im Moment keine Lust auf andere Gesellschaft hatte.

Wir wanderten ein ganzes Stück weit, bis wir auf einer kleinen Düne standen und in ein seltsam rosa gefärbtes Gewässer schauten.

„Kab guck mal, ein Meer mit rosa Wasser. Ist das nicht wundervoll?“, fragte Sophie und deutete auf das Wasser.
„Ob man das trinken kann?“, fragte Mitch.
„Ja das ist es Kleine. Sieht aus wie Milchshake, aber trink es lieber nicht“, antwortete ich den beiden.

Sophie sprintete runter zum Strand und hockte sich in den Sand. Ich folgte ihr und setzte mich neben sie. Mitch quetschte sich an meine andere Seite. So saßen wir eine ganze Weile, starrten auf das rosa farbige Meer und sagten kein Wort. Wir genossen einfach die Stille, die Aussicht und den warmen Wind.

Einige Zeit später lehnte Sophie sich an und ich legte ihr einen Arm um die Schulter. Bei uns hatte es eine andere Bedeutung. Wir verstanden einander, wir waren zwei die sich Halt gaben.

„Was war mit Vas?“, fragte sie nach einer Weile.
„Nichts, der hat was missverstanden“, antwortete Mitch ruhig.

`Er hat wirklich was missverstanden. Zudem beneidet er mich um Dinge, von denen er keine Ahnung hat. Wüsste er, was hinter den Kulissen vorgeht, ich glaube kaum dass er sich weiter wünschen würde einer von uns Psi´s zu sein und über solche Macht zu verfügen´, übermittelte ich den beiden.

`Du könntest mit ihm drüber reden. Er ist kein schlechter Kerl´, antwortete Mitch.
`Ich mag es wenn Du in meinem Kopf quatscht´, lachte sie in Gedanken zurück, was mich auch lachen ließ.

`Du hast es gesehen nicht wahr?´, fragte sie nach einer Weile.
`Ja´, pflichtete ich schlicht bei.

`Ich hab es bei Dir auch gesehen´, antwortete sie und nickte.
`Ich weiß´, antwortete ich ihr.

Mitch starrte uns beide nur kurz an und verpasste uns einen Knuff.

„Hättet Ihr mich mitgenommen?“, fragte sie und schaute zu mir auf.
„Wir haben Dich doch mitgenommen. Solange Du magst, bleibst Du bei uns. Wenn Du Dich irgendwo niederlassen magst soll das Deine Heimat werden“, erklärte Mitch fest.

„Was ist mit Vas? Er wollte mich bei dem Dorfältesten lassen“, warf Sophie besorgt ein.
„Vas ist kein Problem. Er meinte das nicht gegen Dich Sophie. Hättest Du abgelehnt dort zu bleiben, hätte er Dich nicht zurückgelassen. Er wollte helfen“, sagte Mitch.

„Lasst uns zurück zum Schiff gehen, ich bin müde“, warf ich ein.

Mitch stand auf, zog Sophie und mich hoch und gemeinsam gingen wir zurück zur Belette. Am Schiff angekommen wartete schon Vas auf uns. Er stand ans Schiff gelehnt und rauchte eine Rauchstange, während er wartete.

„Schon zurück?“, fragte er nach.
„Ja“, antwortete ich knapp und schob mich an ihm vorbei.

Solange es nicht dienstlich war, hatte ich beschlossen dem Kerl nicht mal mehr die Uhrzeit zu sagen. Ich war stinkig auf ihn. Wieso genau, dass wusste ich nicht, vermutlich weil er mich um meine Fähigkeit beneidete und mich ständig rund machte und anfauchte.

Das schien Vas aber völlig anders zu sehen. Ich verzog mich aufs Quartier. In der Belette gab es nur ein Mannschaftsquartier. Mitch und ich teilten uns ein Etagenbett. Mein Bett war oben, Mitch´s Bett unten.

Ich packte mich in mein Bett, schnappte mir mein Com und las noch etwas. Kaum das ich richtig bequem lag, betrat Vas das Quartier und riegelt hinter sich das Schott ab.

Ich starrte auf die Sicherheitstür und starrte dann Vas mit brennendem Blick an. Ich beobachtete jeden seiner Schritte, jede Bewegung bis er vor meinem Bett stand und mich nur anschaute.

„Wir haben zu reden Kab“, sagte er freundlich.
„Worüber?“, hakte ich nach.

„Über uns“, gab er zurück und legte mir einen Proteinriegel aufs Bett, „Vanille. Erdbeere habe ich keine“.
„Keinen Bedarf“, antwortete ich, schnappte mein Com und las weiter.

„Bedarf an einem Gespräch haben wir beide. Was hast Du Dir dabei gedacht? Das ich Dir alles durchgehen lasse?“, hakte er nach.

Vas zog mir mein Com von oben aus den Händen, klappte es zusammen und legte es vorsichtig auf mein Kopfkissen. Er wartete einen Moment, ehe er seine Arme auf meinem Bett verschränkte, seinen Kopf drauf ablegte und mich dabei anstarrte.

Er war so nah, dass ich seinen Atem auf meinem Gesicht spürte. Er sagte eine ganze Zeit lang gar nichts, sondern schaute mich nur an. Nicht wütend, er schaute einfach nur. Irgendwie, warum auch immer, verrauchte meine Wut auf ihn.

„Ist jetzt gut? Kabir, was soll das? Hör auf damit. Wir haben aneinander vorbei geredet. Lies mich aus, wenn Du magst. Und mal ganz allgemein für Dich. Niemand verlässt mein Team. Wenn Dir etwas nicht passt sag es, aber die Mücke macht hier keiner. Weder Du, noch sonst wer. Das habe ich gemeint. Was Du zum Beispiel persönlich von der SouvSec hältst, ist Deine Sache. Aber eins schwöre ich Dir, ich würde niemals einen von uns verraten oder an anderer Stelle anscheißen. Ihr seid mein Team, meine Jungs und Du bist einer von ihnen.

Du hast nichts gegen Gillian, Mitch, Alicia oder Sophie. Und gegen mich hast Du eigentlich auch nichts.

Jetzt kommt mein Punkt Kabir – Respekt.

Du behandelst mich sehr oft respektlos. Wie alt bist Du Kabir? 20 Jahre, vielleicht 22 Jahre? Du könntest mein Sohn sein. Du wurdest meinem Team zugeteilt, nicht wir Dir!

Du unterstehst meinem Befehl!

Wenn ich einen Befehl erteile, gilt der für alle – auch für Dich!
Wenn ich einen Befehl erteile, wirst Du ihn befolgen und nicht vor allen widerrufen! Ich weiß um Deine Macht und Deinen Status.
Du weißt auch um meinen Status.
Wenn Dir was nicht passt, rede mit mir!

Vas ich bin der Auffassung wir könnten das so machen – und dann folgt Dein Vorschlag.

Kapiert?
So gehört sich das, als Befehlsempfänger.

Du kannst jederzeit Vorschläge unterbreiten, mit mir reden oder sogar diskutieren, aber meinen Befehl untergräbst Du nicht. Liegt das Kommando bei Dir, rede ich Dir auch nicht rein, sondern ich verlasse mich auf Dich!

Mein Job ist es den jeweiligen Auftrag mit meinem Team zu reißen und dafür zu sorgen, dass keinem von Euch was geschieht. Meine Befehle dienen Eurem Schutz und nicht Euch zu frusten. Darüber mal nachgedacht?“, schiss mich Vas zusammen.

In so einem Ton sprach höchstens mein Leitwolf mit mir. Dass er wagte so mit mir zu sprechen, verlangte mir Respekt ab.

„Nein ehrlich gesagt hab ich nicht…“, setzte ich an und er hielt mir den Mund zu.
„Gewöhn Dir mal an, Leute aussprechen zu lassen. Du hast eingelenkt, drum rede“, antwortete er und ließ mich los.

„Nein darüber habe ich nicht nachgedacht. Das ich respektlos war, stimmt. Es kommt nicht wieder vor. Aber zu Deinem Team gehöre ich nicht. Ich bin Euch zur Unterstützung zugeteilt worden, oder welchen Posten bekleide ich?“, hielt ich dagegen.

„Du gehörst zu meinem Team und hast einen festen Posten. Dein Posten ist Sanitäter. Du bist unsere Med-Maus. Du schützt uns und unsere Gesundheit. Entweder vorab durch Deine Fähigkeiten, oder indem Du uns heilst. Noch irgendwelche dussligen Fragen der Art auf Lager?“, fragte er mich grinsend.

„Sanitäter? Gefällt mir. Nein keine dussligen Fragen mehr“, antwortete ich freundlich.
„Also wieder gut miteinander?“, hakte er nach.

Er log nicht, er meinte es ehrlich, es ging ihm um meine Sicherheit, mein Wohlergehen, ihm war wichtig dass ich ein Teil des Teams war und wichtiger noch - er wollte sich mit mir versöhnen.

Irgendwie kam ich mir gewaltig mies vor, ihn so behandelt zu haben. Zudem war er immer gut zu mir gewesen. Ich schaute mir den Riegel an, packte ihn aus und teilte ihn mit Vas.

„Ja wieder gut miteinander. Mein Verhalten tut mir Leid Vas, entschuldige“, gestand ich offen ein.
„Na siehst Du, Entschuldigung angenommen“, grinste er mich an. Er boxte mich vor die Schulter, entriegelte die Tür und ließ die anderen rein. Mitch, Sophie, Alicia und Gillian kamen in das Quartier und schauten uns an.

„Vas wollte mit Dir unter vier Augen reden Kab. Alles gut bei Euch?“, fragte Mitch.
„Streitet nicht mehr Jungs, bitte. Wir sind doch eine Truppe“, bat Al.

„Reicht Euch die Pfoten, na los. Boss und Blitzbirne macht schon“, grinste Gill.
„Wir haben uns ausgesprochen und versöhnt, Danke Leute. Pack Dich hin Mitch“, bat ich meinen Beschützer.

Das Mannschaftsquartier war für wesentlich mehr Personen ausgelegt, aber wir schliefen immer so, dass wir uns alle im Auge hatten. Es vermittelte uns ein Gefühl von Sicherheit und Zusammenhalt. Sophie legte sich auf das Hochbett gegenüber und unter ihr schlief Al. In dem Bett auf der anderen Gangseite schliefen Gill und Vas.

Ich wachte einige Stunden später auf, weil mir richtig angenehm warm war. Meine Decke war fest um mich geschlungen, genau wie Mitchs Arme. Kein Wunder, dass ich angenehm warm geschlafen hatte.

„Mitch?“, flüsterte ich leise.
„Was´n?“, nuschelte er zur Antwort.

„Lass mich los und lass uns was quatschen“, forderte ich ihn freundlich auf.
„Na klar“, grinste er mich an und drückte mir mein Com in die Hand, „guck Dir mal die neusten Einsatzstiefel an. Hab ich Dir vorhin auf Dein Com überspielt. Das hebt doch immer Deine Laune. Ich glaube ich werde mir neue Treter besorgen“.

„Schwarz oder sandfarben?“, fragte ich und schaute mir die Bilder an.
„Taupe, passt zu jeder Combo“, antwortete Mitch und rief das passende Bild auf.

„Oh ja, die gefallen mir“, stimmte ich gut gelaunt zu.

Nachdem wir uns genügend Einsatzstiefel in sämtlichen Farben angeschaut hatten, hatte ich Hunger. Außerdem ließ mir der Streit mit Vas keine Ruhe. Ich kletterte aus dem Bett und kramte zig Proteinriegel aus meiner Verpflegung.

Vas war immer noch wach, also ging ich zu ihm rüber und legte ihm die Hälfte hin. Überrascht schaute er mich an und zog fragend eine Augenbraue hoch.

`Erdbeere. Du hast keine Riegel mit Erdbeergeschmack´, antwortete ich mental auf seine nicht gestellte Frage.
`Wie komme ich zu der Ehre?´, hakte er nach und ließ sich einen der Riegel schmecken.

`Ich habe noch mal über Deine Worte nachgedacht und auch über Dich persönlich. Du bist eine der wenigen Personen die mich mag, ich mag Dich übrigens auch. Du hast mich gut behandelt, Du hast mich beschützt, Du hast mich angeleitet. Und Du hast mich als Teammitglied aufgenommen, anstatt ein User zu sein. Das bedeutet mir was. Umso mehr ärgert mich mein Verhalten.

Es war mein Fehler, dass wir aneinander vorbei geredet haben. Ich hätte auf mein Gespür achten müssen oder Dich auslesen können. Dann hätte es kein Missverständnis gegeben. Mit meinem Leitwolf gab es das auch nicht. Der Leitwolf hier bist Du.

Es tut mir leid, dass ich so ein Arschloch zu Dir gewesen bin Vas.

Es wird nicht wieder vorkommen. Das hat mir keine Ruhe gelassen und ich wollte es Dir sagen. Drum als Zeichen, dass ich es ernst meine die Riegel. Bei uns, also wo ich herkomme, haben sie Bedeutung. Du musst Dir schon den Arsch aufreißen um einen zu bekommen. Drum sind sie Deal-Ware. Und darum schenke ich sie Dir, sogar meine Lieblingssorte´, übermittelte ich ihm, stupste ihn mental an und ging zurück ins Bett.

Dabei musterte er mich nur kopfschüttelnd und schmunzelnd.

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Re: Gras-Schlangen

#13

Beitrag von Kabir » So 10. Feb 2019, 17:13

Reparatur und Retour


Die Tage darauf schafften es Vas, Gillian und ich den Antrieb wieder flott zu bekommen, während Alicia und Mitch die Aufgabe übernahmen Sophie auszubilden. Schießen und Nahkampf war für Sophie angesagt und sie hatte sichtlich Spaß daran.

Nachdem die Belette wieder startklar war, machten wir uns auf den Rückflug in bekannte Gefilde.
Mitch wandte sich an mich.

„Sire eine eingehende Nachricht für Sie. ACTIVATION_ADP_003A_0208 MONISH ZANTARRA möchte Sie sprechen.
Auf den Schirm oder auf Ihre private Leitung?“, fragte er mich grinsend.
„Auf den Schirm“, befahl ich.

Der holographische Bildschirm erschien und zeigte einen anderen SENTIR-Agenten.
Gillian schaltete sofort die anderen Kanäle auf stumm, um uns nicht im Gespräch zu stören.

„Kollegiale Grüße. Dienstlich oder privat?“, fragte Monish freundlich.
„Gruß zurück. Beides in Kombi Didi. Irgendwelche Vorkommnisse der besonderen Art? Wer war verantwortlich für den EMP-Anschlag? Was ist mit den Delinquenten? Weißt Du wer dahinter steckt? Was sagt die SouvSec zum Vorfall? War es ein Kollege? Erzähl mir von Deinem Sachstand“, bat ich.

„Rapport in Kürze, da Du sicher Infos aus zig Infoquellen hast. Ich gebe Dir die Infos der SouvSec, zwecks Reduktion aufs Faktische. Auswertung sämtlicher vorliegender Informationen – sprich Geheim- und Sicherheitsdienste und so weiter, Du weißt schon“, sagte Monish und schaute kurz auf sein Datapad.
„Input für Dich – bezüglich Infos der Hintermänner von Erwan Vovasse findest Du möglicherweise Infos Obenza. Er hatte Verbindungen zum Goblins-Kartell. Erwan Vovasse-Leiche selbst befindet sich in Naridien aber das weißt Du schon.

Der Sentir-Kollege Timion Harruck ist vor Ort. Keine Info über EMP-Waffen oder Cypher-Waffen. Das ist keine Negierung, mir liegt nur kein Input vor!

Timion hat eventuell Input über Dein Target oder weiß wer die Info hat. Wenn Du dort nichts findest, versuch es im Goblinraum. In Obenza kennst Du Dich ja aus wie in Deiner Westentasche“, erstattete Monish Bericht.

„Ich soll nach Obenza?“, fragte ich ungläubig.
„Wenn Du Deinen Auftrag erledigen willst ja – sonst nicht“, lachte Monish.

„Ich komme gerade von Obenza! Merde“, stöhnte ich, „was mache ich dann hier?“
„Mir auch unerklärlich“, grinste Zantarra.

„Die Firma dankt Didi. EPs oder Gewürz als Souvenir?“, fragte ich grinsend.
„Überrasche mich“, kicherte Didi, grinste und wir beendeten die Verbindung.

Und so flogen wir erneut nach Obenza, nachdem die Belette in Souvagne wieder fit gemacht worden war.


****

Kabir
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Re: Gras-Schlangen

#14

Beitrag von Kabir » So 10. Feb 2019, 18:02

Der Doktor und das liebe Vieh


Wir erreichten Obenza und sahen in der Ferne das souvagnische Lager flackern.

„Die waren schnell. Haben einiges hochgezogen, aber wofür?“, fragte Mitch, der durch den Feldstecher spähte.
„Die einen suchen sich einen neuen Fleck zum Leben, die anderen gucken sich alles an, nur um sicher zu gehen, dass es Zuhause am schönsten ist. Und dann gibt es noch die kleine Minderheit die weder was Neues noch das Alte suchen, sie sind einfach Nomaden. Sie ziehen gerne durch die Gegend, aber am schönsten ist es für sie unterwegs“, erklärte Vas.

„Das kann ich gut verstehen. Wenn man da draußen ganz alleine ist, kann einem niemand etwas antun“, sagte Sophie.
„Leider doch. Piraten und Sklavenhändler lauern dort. Du musst ein ziemlich schnelles Schiff haben, oder eine gute Bewaffnung Sophie“, warf ich ein.
„Oder besser noch beides“, hielt Gillian dagegen und wir nickten zustimmend.
„Wir bekommen Besuch“, sagte ich, während in der Ferne Speeder auf uns zu kamen.

Sie hielten vor uns um uns zum Lager zu bringen. In einem der Speeder saß Harruck.

„Gehen wir“, sagte ich, ehe ich einen tiefen Atemzug nahm und zu Harruck rüber ging, der gerade aus dem Speeder sprang.
„Hallo. Das Lager steht bereits, wie ich sehe“, grüßte ich Timion.
„Danke. Was hast Du hier zu suchen? Und was beim Abgrund sollte das in dem Dorf? Du hättest ihnen nicht in das Dorf folgen dürfen! Du kannst vielleicht außerhalb Deiner Vorschriften agieren, aber ich werde das nicht! Ich habe viel Zeit damit verbracht, mit denen etwas auszuhandeln!“, schiss mich der Kollege direkt an.
„Mit wem? Mit den Kartoffelsack tragenden Wahnsinnigen aus der Wüste? Ich bitte Dich, das sind nur humanoide Ratten. Opportunisten, Betrüger, Lügner, Mörder“, erklärte ich.

„Wie ich höre, hast Du keine Vorurteile. Sehr gut. Wir müssen sie genau richtig ausspielen. Genau richtig kapiert? Wir müssen diejenigen sein, von denen sie denken, dass sie uns vertrauen können“, erklärte Timion und musterte meine Truppe, „wir reden später darüber ohne die Seize“.
„Die haben meinen LKW geschrottet“, antwortete ich schlicht.

Er wirbelte wieder herum.

„Die haben was?“, zischte er wütend. Komisch, wie Souvagner reagieren sobald man von einem beschädigten Vehikel spricht. Hätte ich gesagt, die hätten seiner Oma den Schädel eingeschlagen hätte er bestimmt nur bedauernd die Achseln gezuckt.

„Ich sagte, die haben ihn aufgemischt und ihn dann geschrottet. Nett nicht wahr? Er blieb im Dorf stehen und dort ist er verreckt“, antwortete ich.
„Ich glaub das nicht, folg mir einfach. Und bitte Poison versuch einfach nichts zu zerstören“, sagte er leise.

„Du kennst mich doch“, sagte ich fröhlich.
„Eben!“, knurrte er.

Wir brachen auf und fuhren ins Lager. Kaum ausgestiegen, packte mich Timion und zog mich hinter sich her.

„Folg mir“, schnappte er.

Der Rest meines Teams zog Grimassen, als ich mich von Timion befreite und ihm durch das Lager folgte. Dabei fühlte ich mich wie ein Welpe, der darauf und dran war, von seinem Leitwolf zusammengefaltet zu werden.

Ich nahm es Timion übel, dass er wütend war. Nun vorerst akzeptierte ich, dass er hier im Lager das Kommando hatte, und obwohl ich ihm nicht unterstellt war, sollte ich seine Autorität einfach respektieren. Ich hätte das Ordensoberhaupt sicher dazu bringen können, Timion zeitweise mundtot zu machen, aber wenn ich das tat, wäre unsere Kollegialität garantiert Vergangenheit.

Timion ließ sich in seinen Stuhl fallen. Ich nahm den, der vor seinem staubigen Schreibtisch stand. Ich konnte immer noch den Geruch des Dorfes riechen, in dem wir Sophie gefunden hatten. Der kleine Ventilator, der sich auf dem Tisch hin und her drehte, schaffte hier auch keine Abhilfe. Ich starrte den Ventilator einen Moment lang an, dann nahm ich einen tiefen Atemzug und schloss die Augen.

„Also gut, leg los“, forderte ich ihn auf.

Als ich meine Augen wieder öffnete, schenkte er erst mir und dann sich selbst einen Drink ein.
Ich nahm das Glas und kippte den Whisky herunter. Er tat dasselbe.

„Ich brauche hier ein Wunder Kollege“, raunte er.
„Ich dachte wir sollten kämpfen“, antwortete ich.

Timion zuckte mit den Schultern.

„Ich kenne Deinen Hintergrund. Aber ich muss ehrlich zu Dir sein, es sieht so aus, als könnte es mehr schaden als nützen, die Goblins um die Macht zu bringen“, erklärte er.
„Sofern Du es nicht schaffst, dass mein Befehl geändert wird, bin ich bloß wegen einer Sache hier“, hielt ich dagegen.

„Deine Sache beginnt nicht hier. Du hast den DistriktRat noch nicht kennengelernt oder?“, fragte er nach.

Ich schüttelte den Kopf.

„Laut Input ist er auch so ein Musterbürger“, schnaubte ich verächtlich.
„Tja nun. Wie Du Deinem Chip auch entnehmen kannst, ist der Name des Burschen Ghul“, setzte Timion an.

„Ghul der Goblin. Ghul… wie passend. Ist das ein Wortwitz? Ein Ghul ist ein Untoter der Leichen frisst. Ein Aasfresser also, sprich der Goblin namens Ghul ist tatsächlich Rakshaner... das wird kompliziert. Entschuldige erzähl weiter“, bat ich freundlich.

„Ja natürlich ein Goblin, hast Du was anderes erwartet? Er kam letztes Jahr hierher und versprach den Menschen vor Ort das Blaue vom Himmel. Er sagte ihnen, er würde ihnen helfen. Doch er tat nichts, außer ihre Taler zu nehmen. Er ist so was wie ein Gangster, ein Mafia-Boss. Sein Wort bedeutet gar nichts. Wenn die Leute an eine neue Regierung denken, sehen sie ihn vor sich. Er steckt mit einigen Warlords oben im Norden unter einer Decke, und es ist ziemlich offensichtlich. Wir sind hier nicht in Souvagne Kollege“, erzählte mir Timion.

„Und diesen Kerl sollen wir unterstützen? Lass mich raten… er ist in Deiner Geschichte der Gute“, grinste ich Timion an.

Timion fluchte und seufzte fast zeitgleich.

„Sieh mal, der Goblin in Obenza, das ist ein skrupelloser Killer. Seine Männer sind Wilde. Aber hier? Die Kanäle hier, der Basar? Das hat alles Ghul finanziert – der Goblin. Er hat all das seine Leute bauen lassen. Die Grob-Nobs haben die Erdgastanks hergeschafft und er hat versprochen Stromleitungen zu verlegen. Jetzt kommt der springende Punkt, ich denke schon den ganzen Tag darüber nach.

Wenn ihr den Goblin zu früh ausschaltet für etwas Input, bevor ich etwas bewegen kann, dann werden uns die Menschen trotzdem noch hassen und uns mit den anderen die sich hier Regierung schimpfen, in einen Topf werfen“, sagte Timion.

„Das haben sie doch schon längst getan Timion“, gab ich zurück.
„Oh nein Kabir, nicht alle von ihnen! Wenn wir ihnen ihre Schule und ihre Polizeistation bauen und einen neuen Brunnen graben, dann wäre das der perfekte Zeitpunkt, um den Goblin außer Gefecht zu setzen und vielleicht sogar einen neuen Rat zu ernennen.

Darüber habe ich auch Leute nachdenken hören und ich habe sehr viele ausgelesen. Die Menschen könnten hier noch mal von vorne anfangen“, erläuterte er hoffnungsvoll. Ich lehnte mich zurück und versuchte mir das alles durch den Kopf gehen zu lassen, ohne davon Migräne zu bekommen.

„Du willst wirklich, dass ich glaube es ist so einfach?“, hakte ich nach.
„Etwas anderes habe ich nicht Poison. Ich kann hier nicht abziehen, ohne etwas erreicht zu haben“, sagte er leise.

„Ein Vermächtnis hm?“, fragte ich ihn und versuchte ihn abzutasten.

Er schirmte seine Gedanken vor mir ab, was mich alarmierte und zeitgleich meine Neugier weckte. Seine Handlung passte nicht zu seinen Worten. Noch hielt ich die Füße still. Er war ein Kollege, vielleicht war er nur misstrauisch und hatte Angst um sein Projekt. Vielleicht steckte auch mehr dahinter. Ich würde es herausfinden.

„Was ist daran schlimm etwas Gutes hinterlassen zu wollen? Man verlässt sich auf mich. Die Mission muss ich erfolgreich zum Abschluss bringen, aber davon bin ich noch weit entfernt“, gestand er ein.

„Was wenn Deine Mission schlichtweg Schwachsinn ist?“, fragte ich offen.
„Das ist sie nicht!!! Was ist daran Schwachsinn anderen Menschen eine Lebensgrundlage außerhalb von Abhängigkeit und Sklaverei zu bieten! Nichts! Schwachsinn ist Dein Sträuben! Anstatt zu diskutieren, solltest Du mir helfen! Du samt Deiner EG-Truppe!“, sagte er vehement.

„Dann mal meine Version. Wenn Du diesen Menschen schon helfen musst, wäre es dann nicht einfacher vorher die Bedrohungen auszuschalten? Angefangen von den Grob-Nobs bis hin zur Goblin-Führung? Ich meine sieh mal, wie willst Du ohne die erforderlichen Mittel eine Schule bauen, wenn Du die ganze Zeit Angriffen ausgesetzt bist?“, erklärte ich meine Sichtweise.
„Vielleicht können wir mit ihnen verhandeln“, flüsterte Timion.

Bei dem Kommentar musste ich lachen. Nicht weil er lustig war, sondern weil ich kaum glauben konnte was ich hörte.

„Verhandeln? Mit dem Dreckspack? In dem Dorf, habe ich eine junge Frau gerettet und Du sagst mir, dass Du mit diesen Tieren verhandeln willst? Nicht Dein Ernst oder?“, fragte ich ihn.

„Du vergisst unsere Fähigkeiten! Und zur Not zählt immer noch der weise Spruch - Geld regiert die Welt“, antwortete er mir.
„Ich bin gespannt auf die Beeinflussung einer Made. Zieh eine Sicherungsvideodatei davon ja? Ich hab selten was zu lachen. Wenn Du ihnen Schmiergeld in den Rachen stopfst Timion, bist Du nicht besser als jeder Goblin“, zischte ich ihn an.

„Du willst nicht verstehen worum es mir geht! Der Goblin ist doch nur Mittel zum Zweck! Ich stehe mit dem Rücken zur Wand Poison“, sagte er fast bittend.

Es klopfte an der Tür und ein Offizier seiner Truppe spähte herein.

„Sir verzeihen Sie die Störung, aber Frau Lana Setardio ist hier“, sagte der Offizier.
„Machen Sie Witze? Schicken Sie sie rein“, befahl Timion.

„Soll ich gehen?“, hakte ich nach.
„Nein bitte bleib hier und höre Dir an was Sie zu sagen hat“, antwortete er freundlich, was mich irritierte.

Die Tür öffnete sich und eine Frau in einem grünen hochgeschlossen Schnürkleid trat ein. Sie hatte blondes Haar, fiel mir auf, während sie uns unbeschwert angrinste. Ich stand auf um sie mit knappem Nicken zu begrüßen.

„Agent Harruck? Wir hatten noch nicht persönlich das Vergnügen“, sagte sie und sah mich an. Ich schüttelte nur den Kopf.
„Ich bin Agent Harruck“, antwortete er und hielt ihr die Hand hin, „das ist ein Freund von mir“.

Sie schüttelte Harruck die Hand, ehe sie mich anlächelte.

„Tja dann Bonjour Freund. Ich schätze, wenn ich Ihren Namen erführe, müssten Sie mich töten?“, fragte sie mit verschmitztem Grinsen.

Dabei scannte sie mich förmlich von oben bis unten. Vermutlich hätte sie mir nach dieser eingehenden Musterung Unterwäsche kaufen können, die Größe hätte sie sicherlich gewusst. Ich zuckte die Schultern.

„Nennen Sie mich Kabir. Woher stammen Sie? Ihrem Akzent nach zu urteilen aus Ledwick“, fragte ich nach.
„Ja richtig, sehr gut. Und Sie?“, fragte sie neugierig.
„Ich? Ich bin gar nicht hier“, antwortete ich grinsend.

Das gefiel ihr.

„Ja richtig…“, sagte sie freundlich und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Frau Lana Setardio flirtete mit mir. Sie hatte keine Ahnung wie nutzlos dieses Unterfangen war. Mein Interesse an ihr war gleich Null.

Harruck bat sie, auf meinem Stuhl Platz zu nehmen. Das machte mir nichts aus, so konnte ich beide besser beobachten. Die beiden wechselten noch einige weitere Freundlichkeiten.

So erfuhr ich, dass sie schon seit vielen Monaten in Kontakt standen. Sie sagte, dass es ihr endlich gelungen sei, die nötigen Mittel aufzubringen, und dass die örtliche Regierung zusammen mit über einem Dutzend anderer Hilfsorganisationen bereit war, mit Armee-Ingenieuren zusammenzuarbeiten, um die Schule, die Büttelstation und den Sonnenenergie betriebenen Brunnen zu errichten. Sämtliche erforderlichen Vereinbarungen seien mit dem Rat getroffen worden. Und sie könnten wohl innerhalb einer Woche anfangen, da nun endlich die Finanzierung gesichert war.

„Das sind Neuigkeiten, auf die ich jetzt schon seit acht Monaten warte“, sagte Timion mit begeisterter Stimme. Er sah zu mir herüber und nickte.

„Welchen Status oder Posten bekleiden Sie, dass Sie an solche Mittel kommen?“, fragte ich nach.
„Ich bin Aufbauhelferin, Dr. Lana Setardio“, sagte sie freundlich.

Schlagartig war mein Interesse an Ihr geweckt. Von Null war es auf hundert Prozent gestiegen.

„Dr. Lana Setardio. Ich nehme an, Ihr Doktortitel ist nicht medizinischer Natur?“, fragte ich äußerst hellhörig und schenkte ihr ein Lächeln.

Es stand eine Antwort im Raum, die über Leben und Tod entscheiden würde und zwar das von Dr. Lana Setardio. Ich wartete geduldig und genoss die Sekunden. Dabei überlegte ich mir bereits, wie ich sie töten würde sollte sie Ärztin sein.

„Das stimmt. Mein Bruder ist der Arzt in unserer Familie. Ich habe in Agrarwissenschaft promoviert. Nennen Sie mich Lani“, antwortete sie freundlich.

Damit war die Sache vom Tisch, ich würde sie nicht anrühren. Es gab kein zu erbeutendes Nicht-Sein für mich. Jedenfalls nicht von Dr. Lani... Lana Setardio.

„Dankeschön… Lani, Sie sind eine kluge Frau. Sie verstehen die hiesige politische Situation“, stupste ich das Gespräch sofort zurück in dienstliche Richtung.
„Oh ja, ich arbeite seit mittlerweile drei Jahren in Obenza. Also ja, ich bin mir durchaus im Klaren, was hier los ist. Trotz der Korruption und Kriminalität haben wir schon große Fortschritte gemacht“, erklärte sie mir eifrig.

„Verstehe. Unter uns, halten Sie das für gerechtfertigt? Betrachten Sie das alles nicht als schreckliche Vergeudung von Ressourcen?“, hakte ich nach.
„Wie bitte? Nein natürlich nicht!“, hielt sie dagegen.

„Gut - wir haben also vor, diesem Distrikt all diese Dienste zu erweisen, aber wenn wir abrücken, werden die Grob-Nobs wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen und alles zerstören oder selbst benutzen. Oder die Goblins werden diese Einrichtungen besetzen und Lösegeld erpressen. Wir sollten zuerst den Feind neutralisieren, bevor wir eine Bürgerwehr aufstellen und die Menschen hier mit Infrastruktur versorgen“, erklärte ich.

„Sie sind ein Zyniker Kabir“, sagte Lani.
„Er sieht seine Berufung als Agent etwas anders als ich“, warf Timion ein.

„Wenn wir alle zusammenarbeiten, dann wird die Sache funktionieren. Sie kennen das doch auch, im Team erreicht man Dinge die allein nicht möglich wären. Sie sind in Obenza Kabir, Sie sind Souvagner. Ist das Motto Ihres Volkes nicht - Souvagner - menschlicher als jeder Mensch? Dann helfen Sie uns zu helfen “, bat Lani.

„Timion glaubst Du wirklich, dass Du das Vertrauen der Leute hier verdienst, indem Du ihnen hilfst? Wir werden hier immer Fremde und Feinde sein“, gab ich zu bedenken.
„Ich muss es versuchen. Wenigstens für die Kinder und für jene die nicht selber für sich kämpfen können. Einige sollen später in Freiheit leben können Kabir. Und wenn ich nur eine Person rette, habe ich nicht versagt. Das ist meine Berufung. Wir fangen in Obenza an und werden es auf Cara Cor und die restliche Welt ausweiten. Wenn alle ein gutes Auskommen haben Kabir, dann wird die Welt ein besserer Ort werden. Wer Schlechtes erlebte, wird Schlechtes weitertragen, so heißt es. Aber niemand zwingt einen dazu!“, sagte er überzeugt.

„Das hier ist nicht Souvagne! Was rechtfertigt, dass Du Dich oder einen anderen von uns in Gefahr bringst? Was genau?“, stutzte ich ihn zu Recht.
„Kabir, ein Unrecht wiegt ein anderes nicht auf. Du kannst Deine Truppe einsetzen wie Du es möchtest. Überleg es Dir noch mal“, bat Timion.

„Ich habe einen Auftrag“, antwortete ich ihm schlicht.
„Ich weiß. Aber wärst Du möglicherweise bereit, mit dem Ordensoberhaupt zu sprechen? Und wenn auch nur, um uns etwas Zeit zu verschaffen?“, hakte Timion nach.

„Zeit ist das einzige, was ich nicht habe“, hielt ich dagegen.

„Werden Sie es trotzdem versuchen? Bitte. Sie haben Recht, hier ist nicht Souvagne. Aber hier entsteht ein Stück Souvagne - ein Stück Freiheit. Möglicherweise nicht Ihr Souvagne, aber eine Art davon, verstehen Sie? Der Grundgedanke der Souvagne belebt, soll auch hier Einzug halten. Jeder von uns ist schützenswert nicht wahr?

Souvagner halten zusammen. Und noch etwas, wir retten nicht nur Menschen. Wir retten auch jene, die in unserem Distrikt leben möchten. Wer Schutz sucht und wird ihn bekommen. Unser besonderer Schutz gilt den Kindern. Wenn ein notgelandetes Schiff überfallen wird, werden oft die überlebenden Erwachsenen getötet und die Kinder versklavt.

Unsere Aufgabe ist es, diese Kinder zu befreien und aufzuziehen. Es sind nicht nur Menschen Kabir. Wir haben auch kleine Goblins, Grob-Nobs und sogar einen kleinen Tiefling. Sollen wir diese Kinder ihrem Schicksal überlassen? Schauen Sie sich mit mir doch mal die Kinder an, ich lade Sie ein Kabir“, sagte Lani.

Ich zuckte die Schultern und drehte mich um zur Tür. Lani sprach die Wahrheit, Ihr war die Sache eine Herzensangelegenheit. Aber wie Timion in das Bild passte, wollte mir nicht in den Schädel.

„War nett Sie kennenzulernen, Kabir“, sagte Dr. Lana Setardio.
„Ganz meinerseits“, antwortete ich freundlich.


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Kabir
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Re: Gras-Schlangen

#15

Beitrag von Kabir » So 10. Feb 2019, 18:19

Probleme und eine Petze


Mitch hatte draußen auf mich gewartet und gemeinsam kehrten wir zu unserem Quartier zurück. Die anderen meines Teams reinigten gerade ihre Waffen. Wir setzten uns dazu und Gill händigte uns einige Sandwiches aus, die er von der Verpflegungseinheit erhalten hatte.

„Die Ursache unseres Geräteausfalls war wahrscheinlich eine Hochenergie-Funkfrequenz. Das vermute ich auf Grund der von Ai abgespeicherten Daten. Sie hatte etwas länger durchgehalten als unsere Interkoms oder Dein Implantat. Irgendwo da draußen, ist also ein gewaltiger Störsender“, sagte Gillian.

Ich informierte meinerseits die Truppe darüber, was Harruck vorhatte und was wir im Büro besprochen hatten. Kurzum ich ließ sie einfach an meiner Erinnerung teilhaben um ihnen sämtliche Daten zur Verfügung zu stellen.

„Hier ist jeder korrupt, das steht fest. Harruck will die Leute dazu bringen, ihm mehr zu vertrauen, indem er ihnen als das Zeug geben wird. Und wir sollen glauben, dass die Burschen uns als Dank helfen werden, den Goblins zu beseitigen, sobald er ihr Vertrauen erkauft hat“, erklärte Vas.
„Ganz genau“, sagte ich, „das stinkt gewaltig. Erklär mir, was an dem Bild nicht stimmt Vas“.

Vas lachte und knuffte mich vor die Schulter.

„Nun das ist doch einfach, warum sollten das die Goblins zulassen?“, grinste er.
„Harruck sagte tatsächlich, dass wir mit ihnen zusammenarbeiten sollen“, sagte ich.
„Das werden wir doch nicht tun oder?“, fragte Sophie ängstlich.

„Nein Sophie. Harruck weiß, dass der Goblin angreifen wird, wenn wir die Schule und die anderen Sachen gebaut haben. Wozu braucht die Made ihn dann noch? Wie schafft man sich die Kerle also vom Hals?“, fragte Vas mit breitem Grinsen.
„Man schaltet ihren Anführer aus, unterbricht ihre Kommunikation und demoralisiert sie“, warf Alicia grimmig ein.

„Das klingt nach einem Plan Al. Du kannst drauf wetten, dass wir genau das versuchen werden. Aber Harrucks Pläne sehen anders aus“, warf ich ein.

Mitch rieb seine Finger aneinander und machte die Geld-Geste.

„Ja… ja genau, er wird versuchen seinen Schnitt zu machen. Aber womit?“, grübelte ich laut.
„Die Doktor-Frau sprach von den Kindern. Vielleicht wenn hier alles steht, verkauft er die Kinder. Er könnte die Kurzen dann an die Goblins verkaufen und Gewinn machen. Warum behält er sie sonst?“, fragte mich Sophie und die Truppe nickte beipflichtend.

„Tja was nun? Harruck bietet der Made einen Handschlag an, während wir beabsichtigen ihm den Schädel wegzublasen“, erklärte Mitch.
„Schon, aber das kann er nicht öffentlich machen. Stellt Euch doch mal die Schlagzeile vor. SouvSec-Agent schmiert Goblinkartell. Das klingt nicht nur krank, das klingt auch paradox! Das erste was man dann untersuchen würde, wäre sein Blut, und zwar auf jede in Obenza erhältliche Droge“, prustete ich, was meine Truppe loslachen ließ.

„Genau Kab. Zudem brauchen Souvagner immer einen Feind an den sie glauben können, genauso wie einen Helden. Der böse Goblin und der gute SouvSec. Das muss so sein“, rief uns Vas in Erinnerung.

„Von dem ganzen Mist hier explodiert mir noch der Schädel“, murrte ich.

„Verständlich Kab. Ich brauche einfach eine Kugel und ein Ziel. Ich bin leicht zufrieden zu stellen. Alles andere ist doch Schwachsinn“, sagte Alicia tröstend.
„Da hat unsere Al Recht. Wir wissen dass dieser Timion ein Kollege von Dir ist, aber wir sind nicht hier um eine Schule zu bauen. Wir können doch hier nicht auf Zehenspitzen rumtrippeln und trotzdem noch unseren Auftrag reißen Kab“, erklärte Gillian.

„Ich weiß, Du hast völlig Recht Gillian. Ihr habt alle völlig Recht. Ich will heute Nacht noch mal da rausgehen, weitere Informationen sammeln und mit unserer Mission fortfahren“, teilte ich den Grasschlangen mit.
„Dafür macht man so eine Runde Kabir. Eine Idee weckt die nächste kleine Blitzbirne. Ich sehe auch keinen Grund, warum wir uns in das alles reinziehen lassen sollten. Die Frage ist nur, wirst Du Harruck darüber informieren?“, fragte mich Vas.

„Eigentlich hab ich da keine andere Wahl, er hat hier das Sagen. Er wollte dass ich das Ordensoberhaupt anrufe und unsere Mission hinauszögere. Ich weiß ja nicht wie Ihr das seht Leute, aber ich würde lieber unseren Auftrag reißen und dann so schnell wie möglich wieder von hier verschwinden“, erklärte ich meinem Team.
„Dann lüg ihn doch einfach an“, lachte Sophie, was auch die anderen loslachen ließ.
Zur Antwort zwinkerte ich ihr zu.

Da mir der Vorschlag von Sophie richtig gut gefiel, log ich Harruck an und erzählte, dass ich nichts für ihn tun könne. Das Ordensoberhaupt wäre bei seiner Entscheidung geblieben, meine Mission sei unverändert. Dabei schirmte ich mich komplett ab. Nur ein Sentir über meiner Machstufe hätte mich noch auslesen können. Und Timion war kein Endstufler.

„Verstehst Du denn nicht?“, fragte er mich und hob die Stimme, als ich später an diesem Tag in sein Büro zurückkehrte.
„Endlich macht sich die Arbeit von acht Monaten bezahlt, und ihr wollt alles vermasseln, bloß um disen fetten Bastard Ghul festzunageln, dessen Platz anschließend unverzüglich ein neuer Goblin einnimmt. Wenn wir nicht zu einer Übereinkunft gelangen, wird gar nichts passieren!“, erklärte Timion energisch.

„Meine Mission ist nicht, über Politik zu reden Timion. Meine Mission ist es Informationen zu sammeln. Diese Infos hat meiner Auffassung nach Ghul. Und wenn ich sie aus seinem Hirn schneiden muss, werde ich das machen.

Ich verstehe Deine Mission hier. Alles worum ich Dich bitte ist, dass Du auch für meine Mission Verständnis hast. Wenn ich Ghul festnehmen kann und es mir gelingt ihn zum Sprechen zu bringen, wird sich das Blatt auch zu Deinen Gunsten wenden“, bot ich an.

„In Ordnung, jetzt verstehe ich Dich. Jetzt verstehe ich, dass Du vorhast, sie aufzuhetzen und eine noch explosivere Lage zu schaffen, als jeder Angriff hier gezeigt hat!

Du liebst es Chaos zu verbreiten!

Und während ich versuche, das Vertrauen der Einheimischen zu gewinnen, erzürnst Du sie, vielleicht sogar das Goblinkartell, weil Du eine einzige Made jagen musst.
Der wahrscheinlich im Gesamtzusammenhang absolut bedeutungslos ist. Aber bei Dir klingt es als wäre er der Hohepriester des Radabusa-Ältesten!“, antwortete Timion.

„Du gehst davon aus, dass ich es nicht schaffe die Grob-Nobs und die Goblins hier zu demoralisieren. Du gehst davon aus, dass ich es nicht schaffen kann, die Führungsriege zu erwischen. So soll gleich alles beim Alten bleiben“, hielt ich dagegen.
„Das stimmt, weil es hier bislang immer so gewesen ist. Wenn wir irgendetwas ändern wollen, dann durch etwas Großes, und zwar schnell. Und wir müssen es gemeinsam tun! Wenn wir die Menschen vor Ort außen vor lassen, sind wir zum Scheitern verurteilt“, gab er energisch zurück.

Ich atmete tief durch und schaute zur Tür.

„Kabir…“, setzte er an und ich schüttelte nur den Kopf.
„Kabir, sei nicht so. Keinem von uns wird vorgeschrieben wie er seine Mission zu erfüllen hat. Ist es nicht abstrus mit einer Waffe Frieden schaffen zu wollen? Frieden und Freiheit erreicht man nicht durch Waffengewalt!“, erklärte mir Timion.

„Tja das tut mir leid, aber ich bin nicht wie Du. Ich bin eine Waffe der souvagnischen Regierung. Mein Herr gab mir einen Auftrag. Au revoir Timion Harruck“, antwortete ich ihm rein dienstlich und wandte mich zum Gehen.

„Was soll das heißen?“, fragte er und schlug mir die Tür durch Mentalkraft vor der Nase zu.

Ich wandte mich ihm wieder zu, bündelte komplett meine Macht und unterdrückte seinen Willen. Das Opfer verliert dabei die Fähigkeit seinen Willen zu bündeln, zusätzlich verliert es seine Bewegungsfreiheit. Kurzum ich hatte Timion geistig und körperlich festgenagelt und im Schraubzwingengriff. Er war komplett handlungsunfähig.
„Was ich hier sehe ist, dass Du einen Wohlfahrts-Distrikt eröffnest. Das funktioniert so lange, bis Euch das Geld anderer Leute ausgeht. Ich bin nicht bereit, Dich dabei zu unterstützen. Souvagne ist nicht bereit Nicht-Souvagner sprich Inhumanoid zu unterstützen!“, antwortete ich freundlich und ließ ihn los.
„Das werde ich melden. Ich werde mich mit Deinem zuständigen Senioragenten in Verbindung setzten, ich gehe ganz bis nach oben. Hier steht zu viel auf dem Spiel. Hier ist kein Platz für Dein Spieltrieb mit Zerstörungsdrang!

Du wirst meine Arbeit nicht sabotieren, Du wirst sie unterstützen. Du wirst Dich schneller fügen als Du glaubst! Für wen hältst Du Dich“, fluchte er leise als ich ihn unterbrach.
„Schon in Ordnung Timi, mein Senior freut sich sicher über Deinen Anruf“, antwortete ich fröhlich, öffnete sacht die Tür und verließ das Büro.

Timion ging mir mittlerweile gewaltig auf die Nerven. Allerdings war es gut möglich, dass ich seine Truppe zur Unterstützung gegen den Goblins gebrauchen konnte. Ohne die Coms, meinen Chip, Ai oder sonst eine High-Tech-Unterstützung waren wir im Grunde altmodische Kämpfer, die sich auf ihre Zielfernrohre und ihr Können verlassen mussten.
Was die Tech ausgeschaltet hatte, wussten wir immer noch nicht genau, wir hatten nur vage Vermutungen. Allerdings waren die meisten unserer Waffen nettes Spielzeug.

Von meiner P8 über den XM-25. Ich liebe den XM-25, ein lasergelenkter Quasi-Granatwerfer mit intelligenten Geschossen, die keine Verbindung zu Coms, Interkoms oder anderen Neuralimplantaten brauchte.

Mitch hatte sein Sturmgewehr gegen den XM-25 getauscht und stiefelte mir mit einem Grob-Nob entgegen.

„Wir brauchen Fernaufklärung Kab. Wir brauchen Informationen aus erster Hand. Während Du mit Timion verhandelt hast, waren Gill und ich so frei uns auf die Lauer zu legen. Einen konnten wir erwischen. Du kannst ihn vielleicht auslesen und wir erfahren was Wichtiges“, schlug Mitch vor.
„Gute Idee“, stimmte ich zu und grabschte den Kerl mental. Meine Gedanken bohrten sich wie glühende Nägel in seinen Schädel und ich las ihn komplett aus. Der Grob-Nop war wertlos. Er wusste nichts, was wir gebrauchen konnten.
„Nichts was wir an Info gebrauchen könnten. Das war´s für ihn“, wandte ich mich an Mitch.

Er zückte sein Kampfmesser und zog es dem Grob-Nob über die Kehle, dabei schürzte er die Lippen und bedeutete mir mit einer Geste, dass es Zeit war zu verschwinden.
„Was denkst Du?“, fragte er mich, als wir um die Ecke gingen, „war es Zeitverschwendung das Biest zu jagen?“.

„Ach was nein, Du hast es gut gemeint. Er hätte ja auch etwas wissen können. Zudem hatten wir unseren Spaß. Aber dass sie sich hier so nah am Lager herum treiben ist seltsam. Das gefällt mir nicht, das ist zu auffällig. Zudem warnt mich mein Gespür, da steckt mehr dahinter Mitch“, erklärte ich ihm.
„Dann wird es auch so sein. Und vielleicht können wir diesen Umstand zu unserem Vorteil nutzen“, flüsterte er.

Gegen dreiundzwanzig Uhr Ortszeit bekam ich einen Funkspruch vom Ordensoberhaupt. Er war gerade ins Büro gekommen und erklärte mir, dass sein Morgenkaffee bitter schmeckte, da es mir immer noch nicht gelungen sei, Erwan Vovasse zu sichern.

Als er sich etwas abgeregt hatte, fragte er mich offen:

„Haben Sie mit Agent Timion Probleme?“.

„Sir ich weiß es nicht. Um ehrlich zu sein, ich denke dass hier einige aus dem Oberkommando einfach separat voneinander herum experimentieren. Jeder von uns ist bloß Teil eines Plans“, antwortete ich höflich.
„Also dann hören Sie mir zu Poison, und hören Sie mir gut zu! Wir beide wissen, dass diese Annäherungsmission vollkommener Unsinn ist. So was kommt dabei raus, wenn Weichgespülte in der Verteidigung das Sagen haben.

Man schützt nicht die Bevölkerung indem man Feinde Amok laufen lässt. Wir spielen hier nicht Aufbauhilfe und schon gar nicht für dieses Projekt die Abwehr! Und das können wir auch nicht zulassen. Soweit es mich betrifft, ist es ab heute kein guter Tag mehr Goblin in Obenza oder Rakshanistan zu sein, wenn man uns Infos vorenthält. Haben Sie mich verstanden Poison?“, fragte er mit hinterhältigem Grinsen.

„Selbstverständlich, sogar laut und deutlich“, antwortete ich freundlich.
„Tun Sie was Sie tun müssen. Nächste Woche um diese Zeit würde ich gerne ein Schwätzchen über den Sachstand halten“, erklärte das Ordensoberhaupt.

„Mit Verlaub Herr, ich melde mich bei Ihnen sobald sich neuer Sachstand ergeben hat“, antwortete ich ihm.
„Stimmt irgendetwas nicht? Ist mit Ihnen persönlich etwas nicht in Ordnung?“, erkundigte er sich.
„Nein, mir geht es bestens. Wie bereits gesagt, ich melde mich wieder“, erklärte ich respektvoll.

Er nickte knapp und wir beendeten die Verbindung.


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Re: Gras-Schlangen

#16

Beitrag von Kabir » So 10. Feb 2019, 18:34

Der Köder


Gegen drei Uhr nachts Ortszeit, in den frühen Morgenstunden, verließen wir den Stützpunkt in einem LKW. Harruck unternahm keinen Versuch uns aufzuhalten. Ich nahm an, dass das Ordensoberhaupt ihn angewiesen hatte, mir bei meiner Mission nicht in die Quere zu kommen. Anstatt in die Wüste raus zu fahren, steuerten wir die Stadt an, so dass Halsabschneider und Grob-Nobs, die uns beobachteten, davon ausgingen wir seien bloß eine weitere Patrouille.

Sobald wir den Ort erreicht hatten, fuhren wir in den Basarbereich, wo mehrere Händler ihre alten, ramponierten Laster hinter ihren Häusern oder Ständen geparkt hatten.

Vas nickte knapp und gab das Zeichen. Wir drangen in die Wohnungen hinter den Geschäften ein, um die Ladenbesitzer zu behelligen und sie mit vorgehaltener Waffe zur Herausgabe der Wagenschlüssel zu zwingen.

Die alten Händler sahen in uns lediglich eine Bande maskierter Geister mit tiefen, wütenden Stimmen. Innerhalb von fünf Minuten waren wir mit zwei Kleinlaster unterwegs.

Damit die alten Kerle nicht zu früh Alarm schlugen, hatten wir sie gefesselt und geknebelt. Ich legte keinen von ihnen um, denn sie sollten Alarm schlagen – dass war Teil unseres Plans.

Wir fuhren zur Hauptbrücke über den Fluss, setzten Alicia und Sophie ab, überquerten dann die Brücke und folgten der Bergstraße, die sich ihren Weg in die Höhe und dann wieder runter in das Tal wand, in dem das Dorf im kühlen Mondlicht lag.

Die Grob-Nobswächter, die uns durch ihre Ferngläser beobachteten, nahmen vermutlich an, wir seinen Schmuggler oder würden vielleicht einen Transportauftrag für den Goblins erledigen.

Es ging weder Argwohn noch Aggression von ihnen aus. Wir wurden nicht angehalten und erreichten den Gipfel des Berges, wo die Schotterpiste breit genug wurde, so dass wir an den Straßenrand fahren konnten, um das Fahrzeug abzustellen und zu Fuß weiter zu marschieren.

Wir hätten uns einschleichen können, aber darauf legten wir keinen Wert. Unser Plan war es gesehen zu werden und mit den Grob-Nobs verwechselt zu werden.

Das würde die Gegend aufmischen. Gillian ließ Ai fliegen, die sich erholt hatte. Wir behielten sie genau im Auge, denn wir wollten Goblin-Anhänger fischen. Und Ai war unser roter Gummiregenwurm, sprich der Köder.

Innerhalb von fünf Minuten hatten wir beim Ausguckposten Position bezogen. Ai schwirrte davon, und ich lag auf dem Bauch, beobachtete sie und dachte über Harruck, Dr. Lana Setardio und dem seltsamen Projekt nach.

Dabei rief ich mir ins Gedächtnis, dass wir alle unsere eigenen Absichten hegten, dass wir alle starrsinnig waren und jeder von uns bis zum Ende für seine Sache kämpfen würde.

`Aktivität zwischen den Felsen hinter uns, auf sechs Uhr´, übermittelte Vas per Interkom.

Als Kind hörten wir immer Geschichten, wo Gut und Böse klar definiert war. Ihr kennt die Geschichten auch. Ob nun im Roman, in der souvagnischen Agitation, in den Filmen oder wo auch immer, der heldenhafte SouvSec-Agent der die Bösen eliminierte und stets noch dabei blendend aussieht.

In den Geschichten verstand man die Motivation jeder einzelnen Figur und konnte sich mit dem Helden identifizieren.

Die Aufgabe des Agenten war auch stets klar wie hundertprozentiger Schnaps.
Es galt die Böse zu erlegen, das souvagnische Volk zu retten, den Krieg zu gewinnen.

Für Souvagne!
Sei stolz ein SouvSec-Agent zu sein!
Sei stolz Sentir zu sein, die ultimative Waffe zur Wahrung von Frieden, Freiheit und Blaubeerkuchen.

Töte all unsere Feinde, kommt Heim und holt Euch Eure Belohnung, werdet als Super-Soldaten verehrt. Für Außenstehende hört sich so was gut an. Für den normalen Agenten hört es sich schon an wie Hohn.

Und für uns… hm... lassen wir das lieber.

Es war meine Bestimmung diese Aufgabe zu erfüllen, ich kannte nichts anderes. Es gab leider auch nichts anderes in meinem Leben. Also zog ich im Auftrag Souvagnes durch die Welt und tat was ich tun musste um diese Welt zu schützen und ihr zu dienen.

Im Laufe meines Lebens, also im Grunde meiner Dienstjahre habe ich so ziemlich alles gesehen. Das Gute, das Schlechte, das Hässliche, das Grauenvolle. Es ist nicht schwer, desillusioniert zu werden.

Uns kann niemand belügen, aber wir tun es selbst. Jede neue Mission schien ein bisschen mehr an mir zu zehren. Ich war es leid mir über eine ausweglose Situation den Kopf zerbrechen zu müssen. Was war das für eine Mission bei denen jeder ein Lügner war, bei denen meine eigenen Dienstherren sich nicht einig waren und meine Sentir-Kollegen aufgrund unterschiedlicher Ansichten auch noch anfingen Grenzlinien in den Sand zu ziehen?

In dem Moment strich mir Vas beruhigend über die Glatze und legte mir eine Hand auf die Schulter. In dieser einfachen Geste lag so viel Wärme, dass mir schlagartig klar wurde, dass seine Jungs aus seiner Truppe für ihn seine Söhne waren. Vas hatte irgendwie gespürt, dass sich mein Herz verfinstert hatte.

`Konzentration kleine Grasschlange, so einen Mist wie hier gibt es öfter als Du glaubst. Wir heißen nicht umsonst Grasschlangen. Auf die Lauer legen, abwarten und bei passender Gelegenheit zuschlagen ist unser Motto´, übermittelte er via Interkom und ich knuffte ihn dankbar.

Vas hatte gute Ohren und noch bessere Augen, also warf ich einen raschen Blick zu der Stelle hinüber, wo er die Bewegungen ausgemacht hatte. Ich wechselte in den Nachtsichtmodus. Die Nachtsicht enthüllte zwei Söldner des Goblins, die hinter einigen Felsen hervor spähten, doch bevor ich meiner Gruppe einen Befehl geben konnte, tauchte Mitch hinter ein paar Felsbrocken auf und hutschte auf die Kerle zu. Als sie sich umdrehten, zog er einen von ihnen mit seinem Einsatzmesser aus dem Verkehr und dem anderen nur Sekunden später das Genick brach.

`Kabir?´, rief mich Mitch über Interkom.
`Erstklassige Arbeit´, antwortete ich.
`Danke. Sieht aus, als wären hier oben nur die zwei gewesen Kab. Alles gesichert´, gab er zurück.

Ich gab umgehend Gillian Bescheid, der gerade dabei war, mit Ai die Gegend abzuscannen. So weit oben in den Bergen, hatte ich noch nicht mit Wachen gerechnet.

`Neue Info von unserer kleinen Drohne?´, fragte ich Gill.
`Nichts. Sie fliegt nur rum. Falls noch mehr hier sind, schlucken sie unseren Köder nicht. Jedenfalls noch nicht´, antwortete Gillian.

`In Ordnung, lass sie einfach weiter über die Stadt fliegen. Vielleicht Richtung des großen Estate´, schlug ich vor.
`Ich sehe es. Ich werde näher an die Türmchen rangehen´, gab Gill zurück.

Vas und ich beobachteten immer noch den Ort, der sich ungefähr einen Viertelkilometer weit ausbreitete, um nach Süden hin von Dutzenden weiteren Ziegelbauten beherrscht zu werden. Die meisten Fenster waren dunkel, bloß hier und da flackerte ein bisschen Licht, entweder von Kerzen oder Gaslaternen.

Ich stellte mir vor, dass der Goblin, der die ganze Macht in dieser Region hatte, irgendwo da unten sein musste, hingefläzt auf seiner Couch, die sich unter seinem Gewicht bog.
`Immer noch kein Interesse an Ai´, meldete Gillian.

Ich lauschte in den Wind. Schaute mich ein weiteres Mal um. Scannte das Gelände und sah einen Schützen in einem Fenster stehen. Ich konzentrierte mich auf den Burschen und schleuderte ihm einen psionischen Blitz entgegen.
Diese Blitze sind nicht zu unterschätzen, haben sie in etwa die Stärke eines schweren Bolters, wenn sie auch nicht ganz so effektiv gegen Rüstungen sind. Dafür können sie auf Grund ihrer Herkunft Barrieren und Energiefelder durchschlagen. Weiterer Vorteil wie fast alle unsere Angriff, das Opfer kann sie nicht sehen und ich hatte auf den Kopf des Burschen gezielt.

Der Schütze sackte in sich zusammen.

`Grasschlangen wir rücken bis zur Mauer vor. Gillian hol Ai weiter runter und spür die Brüder auf. Los geht’s´, übermittelte ich.

Ich würde lügen, wenn ich nicht zugäbe, dass ich ein Adrenalinjunkie bin, solche Teile des Job beschleunigen meinen Puls. Es konnte einen absolut süchtig machen. Vor allem die Jagd. Man lag nachts wach und dachte an Augenblicke wie diese. Und es gab nichts Besseres, um das eigene Ego zu streicheln, als zu entscheiden, wer lebte und wer starb.

Ein uralter Spruch besagte, dass keine Jagd so sei wie die auf Menschen. Der alte Spruch stimmte. In meinem Fall lag der Genuss in der Jagd auf Ärzte. Da war ich Hobbyjäger.

`Kabir, Ai ortet etwas Großes hinter uns´, warnte mich Gillian.
Ich spürte in die gleiche Richtung, konnte aber nichts ausmachen.

`Wo versteckt es sich?´, fragte ich nach und starrte in die Felsen.
`Scheiße, guck nach oben! Meine Nachtsicht sieht sie auch! Zwei Shuttle halten auf uns zu!´, übermittelte mir Vas.

Noch während er mich warnte, sah ich sie auch. Unvermittelt tauchten sie über uns auf. Beide schalteten Suchscheinwerfer ein.

`Team sofort in Deckung´, befahl Vas und wir beide hasteten über den Sand geduckt auf die Felsen zu. Gillian und Mitch eilten zu uns rüber.
`Gill hol die Drohne zurück´, befahl ich ihm, und hackte mich in das Com-System eines der Shuttle.

`Shuttle, hier spricht Agent ACTIVATION_ADP_7443A_2873. Überprüfen Sie meine Kennung! Dies ist ein SouvSec-Einsatz, melden Sie sich unverzüglich´, befahl ich dem Piloten. Ich sah mich gedanklich bereits Harruck erdrosseln.

`Hier spricht Shuttle-Sechs Agent Poison. Agent Timion hat direkte Luftunterstützung für Sie befohlen. Was ist Ihre Mission alliiertes Bodenteam?´, fragte mich der Pilot.

`Irrelevant, Sie stören meinen Einsatz! Verschwinden Sie!´, befahl ich ihm über sein Com.
„Sag den Burschen die sollen abhauen, wir brauchen keine Scheiß-Shuttle“, raunte Mitch mir zu.

In dem Moment ging der Beschuss los. Ein Hagel von Boltersalven schwirrte auf die Shuttle zu, welche jetzt einfach abdrehten. Sie erwiderten nicht mal das Feuer! Die Kerle drehten einfach ab, um uns zurückzulassen! Und zwar genau in dem Hornissennest, dass sie aufgescheucht hatten.

`Harruck kann sich auf was gefasst machen´, knurrte ich und mein SOPHIETIR-Chip ging sofort in Kampfmodus.
`Timion hat sich was einfallen lassen, um unsere Mission zu sabotieren. Er wird es als Fehlkommunikation abtun´, warnte mich Vas.

`Noch hat der Sack nicht die ganze Mission geschrottet´, antwortete Mitch.


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Re: Gras-Schlangen

#17

Beitrag von Kabir » So 10. Feb 2019, 19:52

Brücken bauen - Brücken sprengen


Von rechts drang ein ohrenbetäubendes Pfeifen zu uns herüber.
`RAKETENWERFER!!!´, brüllte ich warnend meiner Truppe zu. Wie Küken um ihre Glucke scharrten sich meine Leute um mich und ich riss einen Schutzschild hoch.

Die raketengetriebene Granate erhellte die Nacht, als sie an der Mauer entlang donnerte und am Fuß der Betonziegel ganz in unserer Nähe explodierte. Das Ding hätte uns zerfetzt, aber so kam keiner von uns zu Schaden.

Als die Trümmer zu Boden rieselten und der Rauch sich allmählich legte, führte ich meine Gruppe an der Mauer entlang zurück in Richtung eines Lochs dass ich in der Mauer entdeckt hatte. Wir kletterten hindurch, erreichten die erste Gebäudereihe und eilten dorthin, wo die Mauer rechts von uns weiter bergauf führte, bis sie an einem großen Holztor endete.

`Da kommen wir raus´, teilte ich meiner Gruppe mit und wies auf das Tor.

Wir erreichten das erste Haus, sprinteten zum nächsten und mussten dann eine wesentlich breitere Straße überqueren. In dem Moment als ich um die Ecke spähte, feuerte irgendwer eine Salve auf mich.

Mein Schild lenkte die Projektile ab und die Salve schlug über in die Wand ein. Mitch riss mich zeitgleich zurück in Deckung. Ich riskierte einen weiteren raschen Blick und sah einen Kerl, der sich wieder in sein Haus zurückzog, um durchs offene Fenster zu feuern. Die dicken Ziegelmauern nutzte er dabei als Deckung.

Ein schnelles Abtasten der Gegend zeigte einen zweiten Schützen im Fenster nebenan. Zwei für einen. Doppeltes Vergnügen. Großartig. Ich wandte mich Mitch zu und tippte auf den XM-25-Granatwerfer und grinste diabolisch.

`Lass das Baby sprechen´, bat ich ihn und Mitchs Grinsen war noch breiter als meines.

Im Laufe der Jahre hatte ich die Fortschritte in punkto Waffentechnologie aus zwei Gründen schätzen und lieben gelernt. Erstens – als Mitglied unseres elitären Schützenvereins, konnte ich nicht anders, als von den Instrumenten fasziniert zu sein, die mich am Leben hielten und andere umbrachten. Und zweitens: Finde ich Gefallen an Dingen die es krachen lassen.

Der XM-25, mit dem Mitch die Feinde gleich einäschern würde, ließ es verdammt gewaltig krachen.

`Warte mal, bevor Mitch feuert, wollen wir nicht Timion anrufen und ihn um Mörserunterstützung bitten?´, kicherte Vas und ich zwinkerte unserem Leader zu.
`Feuer frei´, befahl ich Mitch.

Mitch hob den Werfer. Mit flüssigen, geradezu anmutigen Bewegungen markierte er sein Ziel mit dem Laser, benutzte das Zielfernrohr, um die Reichweite einzustellen und feuerte dann ohne Umschweife, während ich ihn schützend abschirmte.

Jedes der fünfundzwanzig Millimeter-Projektile besaß zwei Sprengköpfe. Als Nächstes kam der Moment, in dem Waffennarren wie ich und meine Truppe ihren Spaß hatten.

Das Geschoss musste die Wand nicht durchschlagen um den Kerl auf der anderen Seite zu töten, nein. Das Geschoss segelte durch das offene Fenster und explodierte mitten in der Luft, um drinnen eine Wolke von Granatsplittern freizusetzen, die jeden dort drin zerfetzten.

In dem Augenblick, als sein erstes Projektil detonierte, wandte Mitch seine Aufmerksamkeit Fenster zwei zu, richtete seinen Laser auf das Ziel aus, stellte die Reichweite für die Explosion ein, und Bumm – als das Echo der Explosion von der Rückwand widerhallte, waren wir bereits auf dem Weg zu dem Haupttor.

`Dieses Baby hält was es verspricht´, erklärte Mitch begeistert und tätschelte das XM-25 liebevoll.

Bevor sich Vas an dem Schloss zu schaffen machen konnte, schlug ich die Tür mit einem mentalen Hieb ein. Wir hasteten hindurch und liefen nach rechts, um uns an der Wand entlang weiter vorzuarbeiten, während Gillian zurückblieb und Rauchgranaten auf die Straße warf, um für ein bisschen Chaos und Ablenkung zu sorgen.

Als wir auf das Vorgebirge zueilten, kreisten die Shuttle noch immer irgendwo über den Bergen, jetzt außer Reichweite. Wir erreichten die Schlucht und gingen dort in Deckung, bereit das Feuer zu erwidern.

Vas erteilte uns allerdings den Befehl, sich bedeckt zu halten. Wir sollten warten und beobachten. Gillians Rauchgranaten zischten weiter und produzierten dicke Wolken über dem Ort.

Viele der Söldner liefen aus dem Vordertor, und zwei rannten zu zwei Lastern hinüber und starteten die Motoren.

`Wollen die uns in den Dingern verfolgen?´, fragte Gillian ungläubig.
`Ja sieht ganz so aus´, lachte ich, `lassen wir uns zurückfallen. Weiter hoch in die Berge zurück zu unserem Laster´.

Wir verließen unsere Deckung und rannten, bahnten uns unseren Weg den Berghang hinauf und behielten dabei so viele der verklüfteten Felszungen zwischen uns und dem Ort, wie es nur möglich war. Ich wünschte, ich könnte sagen, dass es sich um einen sorgfältig geplanten und geschickten Rückzug gehandelt hätte, der von einigen der besten Soldaten Souvagnes durchgeführt wurde.

Aber alles was ich sagen kann ist, dass wir uns schleunigst dort verdrückten.

In der Nähe der Straße oben auf dem Berg kletterten wir gerade atemlos in den Kleinlaster, als weiter unten Scheinwerfer auf der Schotterpiste aufflammten. Ai schnellte in die Luft und verband sich sofort mit meinem Chip. Sie zeigte die beiden Laster und zwei Geländewagen, auf deren Ladeflächen Großgeschütze montiert waren. Ich keuchte einen Fluch.

Da Harruck unsere Mission bereits sabotiert hatte, beschloss ich, nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen. Wir würden uns auf keine Kämpfe mit diesen Kerlen einlassen, sofern es nicht absolut notwendig war.

Gillian brachte uns mit halsbrecherischem Tempo die Bergstraße runter. Sein Fahrstil machte Vas scheinbar mehr Angst als die Söldner hinter uns mit den Großkaliber-Wummen.

Der Kleinlaster kippte im wahrsten Sinne des Wortes auf zwei Reifen, als wir eine schmale Klippenkurve umrundeten, was unseren Leader laut fluchen ließ, zumal die Straße an mindestens zwei Stellen nachzugeben schien.

„Ganz ruhig, in unserem Baby hier stecken einige PS“, sagte Gillian beruhigend.

Wir ließen die letzten paar Gefälle hinter uns und bogen in die Schotterpiste ein, die zur Brücke hoch führte. Unsere Scheinwerfer waren ausgeschaltet, aber für uns war das kein Problem. Jeder im Team hatte Interkom und Retina-Display, kurzum Gill fuhr über Nachtsicht.

`Gib Gas Gill!´, befahl ich ihm.
`Das macht er schon die ganze Zeit Kab!´, hielt Vas dagegen.
`Wollen wir nicht warten und die Kerle ausschalten?´, schlug Mitch vor.
`Nein, das machen wir auf meine Weise´, übermittelte ich der Gruppe.

Dumpfe Doppelschläge drangen von den Bohlen bis zu den Sitzen herauf, und wir ließen die Brücke hinter uns und fuhren ein Stück auf Sand weiter.

`Stopp Gill´, befahl ich und Gillian kam dem Befehl umgehend nach.

Ich konzentrierte mich auf die Brücke, tastete sie in Sekundenschnelle ab und jagte sie mit mehreren mentalen Druckwellen in die Luft. Die Stützpfeiler explodierten in einer rasanten Abfolge von Donnerschlägen, die nicht nur den Boden, sondern auch den Laster durchschüttelten.

Überall flammten psionische Blitze der Überladung auf, und gerade als die Rauchwolken gen Himmel stiegen, stürzte der Mittelteil der Brücke einfach ein und krachte in das schwarze Wasser darunter.

Die Söldner in ihren Klapper-Lastern mussten die Explosion und die einstürzende Brücke gesehen haben, doch der Typ im vorderen Laster bremste zu abrupt, das Fahrzeug hinter ihm krachte gegen seine Heckstoßstange und schob ihn über die Kante, wo der Beton weggerissen worden war.

Er stürzte kopfüber in den Fluss, während der zweite Kerl abzudrehen versuchte. Er hätte es vermutlich geschafft, doch ich ergriff seinen Laster per Telekinese und zerrte ihn Richtung Abgrund. Drei, zwei, eins… und gute Reise - auch die Scheißkiste stürzte über den Rand ins Wasser.

Hinter ihnen kamen die beiden Geländewagen mit den Großkaliberwaffen mit kreischenden Bremsen zum Stehen und hielten am Rand der Brücke an, sodass die Fahrer und die Schützen entsetzt zu den versinkenden Lastern hinunterschauen konnten – die Armen sahen kaum was.
Viel zu viele Meter trennten sie von ihren tauchenden Kollegen. Drum half ich etwas nach und riss die beiden Fahrzeuge ebenfalls in den Abgrund. Als sie in die Tiefe stürzten, waren wir bereits auf dem Weg zurück zu Harruck.

Während ich Brücken in die Luft sprengte und meine erste Zielperson zur Strecke zu bringen versuchte, hielten einige der Militärs gerade eine Debatte darüber ab, ob man nicht zu anderen Völkern Brücken bauen müsse. Einige waren der Ansicht, dass die unsere Art nicht unsere Autonomie sichere, sondern uns ins Abseits schob. Nicht jeder Fremde, wäre eine Gefahr.

Vielleicht stimmt das sogar. Aber um herauszufinden, ob es Feinde waren die Souvagne schaden würden, müssten sie erst mal Souvagne erreichen.

Und wer setzt sich schon gerne eine Laus in den Pelz in der Hoffnung diese Laus ist satt oder Vegetarier?

Aber solche Überlegungen sind Politik. Also ging es mich nichts an. Ich musste nur mein Ziel dingfest machen. Eines der ersten Dinge, die wir eingebläut bekommen, ist es, sich auf die eigene Mission zu konzentrieren und das Debattieren den Großen zu Hause zu überlassen.

Ich sprach mit einigen anderen meiner Art. Und jeder Sentir-Agent erzählte mir die gleiche Geschichte. Agenten, die sich zu sehr in die Politik ihrer Einsätze einmischten, waren in den meisten Fällen nicht so erfolgreich, wie jene die es nicht taten.

Kurzum, der Erfolg wurde danach beurteilt, ob die Missionsziele erreicht wurden oder nicht. Bestenfalls entschied noch, zu welchem Preis. Aber die Beweggründe unserer Herrn hatten uns nicht zu interessieren.

Unterwegs rief ich über mein Einsatzcom das Ordensoberhaupt an um ihm die Sachlage zu schildern. Er sagte mir, dass sich Harruck bereits mit ihm in Verbindung gesetzt habe.

„Herr, ich erbitte einen Code Rouge für Timion. Er hat meine Männer wissentlich gefährdet. Erteilen Sie mir Eliminierungs-Erlaubnis?“, bat ich das Ordensoberhaupt.

„Nein! Sie werden keinen Code Rouge erhalten. Als ich sagte, tun Sie alles was nötig ist, meinte ich gegen die Goblins oder Söldner. Sie sollen sich nicht gegen Ihre Kollegen richten! Haben Sie auch nur eine Vorstellung davon, was es uns kostet, einen Agenten Ihrer Art zu finden, aufzuwerten und auszubilden? Arbeiten Sie gefälligst im Team“, klärte mich der Kerl unnötigerweise auf.

„Herr bezüglich Timion glaube ich, dass er nicht mehr im selben Team spielt wie wir“, antwortete ich schlicht.
„Ich weiß, dass Sie dieses Gefühl haben, aber Sie müssen etwas begreifen. Ich habe Ihnen einen Befehl erteilt. Ich kann Sie natürlich nicht daran hintern, Agent Timion den Kopf abzureißen. Sollten Sie sich meinem direkten Befehl widersetzen, muss ich Sie maßregeln lassen. Schlimmstenfalls wären Sie nicht mehr tragbar. Wir verstehen uns? Ich bin Ihr Herr, Sie sind mein Unteran und Timion gehört ebenso unserem Orden an“, erklärte er leise.

„Verstanden“, antwortete ich kalt.
„Hören Sie zu Agent Poison. Sie hoffen dort auf Infos zu stoßen, die Sie zu Erwan Vovasse und seinen Hintermännern führen werden. Vielleicht liegen Sie auf Obenza völlig falsch“, erklärte er leise, was mich stutzen ließ.

„Herr?“, hakte ich nach.
„Poison, unsere Situation ist kompliziert und Harrucks Mission verkompliziert die Angelegenheit vor Ort noch mehr. Allerdings könnten Sie daraus einen Vorteil ziehen. Machen Sie sich seine Mission zu Nutze. Sorgen Sie doch dafür, dass Timions Truppe beschäftigt ist, während Sie Ihren Informanten zur Strecke bringen. Nutzen Sie diese Gut-Freund-Mission als Tarnung. Harrucks Bemühungen die Einheimischen für uns zu gewinnen, wird den Goblin beschäftigen“, erklärte er mir.

Witzig, von zwei Übeln sollte ich jetzt einfach das kleinere wählen oder wie?

„Ja Herr“, antwortete ich nur.
„Poison, klären Sie das mit Timion auf friedliche Weise, ich weiß dass Sie das können. Ich verlasse mich auf Sie“, sagte er und beendete die Verbindung.

Ich schmiss das Com zurück in meine Manteltasche, während ich zeitgleich die Blicke meiner Truppe ignorierte.

„Kab?“, flüsterte Mitch.
„Hm?“, antwortete ich nur und starrte weiter hinaus auf die nächtlichen Dünen.

„Kabir“, flüsterte Mitch erneut und knuffte mich.
„Was Mitchell?“, hakte ich nach.

„Vergiss den Arsch. Wenn er Dir so kommt, bringst Du ihn vors Kriegsgericht wegen unmoralischen und ethischen Vergehens. Er hat von einer Straftat eines Agenten gewusst und diesen Agenten geschützt. Schlimmer noch, er hat Dich bedroht und Du hast dafür drei Zeugen. Oder ich leg ihn um, was Dir halt lieber ist Kab“, erklärte mir Mitch, was die anderen losprusten ließ.

„Jetzt wo Du es sagst. Du darfst heute Abend meine Schuhkataloge angucken, ich sorge für Verpflegung“, bot ich großzügig an.
„Danke ich besorg uns allen was Leckeres zu trinken“, antwortete Mitch.

„Wegen der anderen Sache, er wird sich drauf berufen, dass Agenten außerhalb des Gesetzes stehen, nur der Schutz Souvagnes zählt“, antwortete ich.
„Wundervoll Kabir - wie gut dass Du auch einer bist“, grinste Vas mich an, „ich hab eine bessere Lösung für Dich. Du wirst gehorchen, ihm bis zum Anschlag in den Arsch kriechen und ihm Erwan Vovasse auf dem Silbertablett servieren… und der Tote wird ihn töten. Du trägst Deinen Kampfnamen nicht umsonst. Gib dem Lackaffen was er will. Er will den Braten, dann füllen wir ihn. Mit Gift, Sprengstoff was auch immer“.

„Allein bei der Vorstellung geht’s mir schon besser“, säuselte ich und ließ mich gemütlich im Sitz runter rutschen.

Als unser Laster in der Basis hielt, wartete Harruck draußen vor seinem Büro auf mich.

„Was das Ordensoberhaupt angeht, hast Du Dich geirrt“, sagte er rundheraus.
„Ach ja?“, antwortete ich gelassen.

„Komm rein“, forderte er mich auf.
„Du hast mich und meine Truppe in Gefahr gebracht“, sagte ich sachlich.

„Kabir, das ist jetzt die Stelle, an der ich sage, dass ich keine Ahnung habe wovon Du sprichst“, antwortete er mir freundlich.
„Richtig. Ich sage Dir, dass es mir gleich ist, welche Beweise Du hast, oder wie Du das Ding gedreht hast, damit Deine Weste sauber bleibt. Der springende Punkt ist, dass Du diese Vögel ohne Genehmigung losgeschickt hast, um meine Mission zu sabotieren. Egal was die Vorgesetzen sagen, unter Kollegen wird sich Dein Verhalten rumsprechen. Es wird sich verbreiten wie ein Buschbrand. Sobald es bekannt ist, wird Dir niemand mehr trauen oder Dir den kleinsten Input geben Timion“, hielt ich dagegen.

„Ich habe Händler die behaupten, sie wären von Grob-Nobs gefesselt worden. Ich habe Shuttlepiloten die mir berichteten, dass Ihr die Brücke gesprengt habt. Bei Ainuwars Eiern, wir haben bis hier gehört, wie das Ding hochgegangen ist! Und jetzt spielst Du den Unschuldigen? Poison, Du kannst nicht einfach herkommen und machen was Du willst! Ich sagte Dir doch, ich bin seit acht verdammten Monaten hier!“, zischte er mich an.

„Und deshalb hast Du meine Mission abgebrochen? Schau einer an“, erwiderte ich kalt.
„Glaub nicht, Du kannst mir ans Bein pissen", sagte er genauso frostig und ging in sein Büro. Ich folgte ihm. Er trat um seinen Schreibtisch herum, setzte sich jedoch nicht. Ich blieb dicht bei der Tür stehen.

„Vielleicht sollte ich Dich Deiner Mission entheben“, grübelte ich laut.
„Das hast Du nicht zu entscheiden“, gab Timion zurück.

„Wenn die Lunte an der richtigen Stelle erst mal brennt, kriegst Du sie nicht mehr gelöscht“, gab ich Retour.
„Ja ich weiß dass Du drauf stehst, Sachen hochzujagen. Also was sollte das mit der Brücke?“, fragte er mich.

„Themenwechsel oder was?“, stellte ich die Gegenfrage.
„Poison, ist Dir eigentlich bewusst was Du angerichtet hast?“, fragte er mich erschöpft.

„Wir haben es den Feinden schwer gemacht. Die haben die Brücke, die Ihr gebaut habt, dazu benutzt um hier rüberzukommen zwecks Angriffs. Wenn sie jetzt herkommen wollen, werden sie schwimmen müssen“, antwortete ich.
„Die Brücke war ein Symbol unserer Arbeit hier“, sagte er leise.

„So wie die Schule und die Büttelstation und der Brunnen den Du graben willst?“, fragte ich.
„Ja. Was ist daran falsch?“, hakte er nach.

„Timion… hör mal zu. Können wir uns darauf einigen dass wir unterschiedlicher Ansicht sind, aber uns nicht gegenseitig sabotieren?“, fragte ich Harruck.

„Du weißt, dass Deine Mission bedeutungslos ist Kabir. Außerdem könnten wir dadurch alles verlieren, alles war wir erreicht haben. Jetzt gerade wo sich etwas bewegt“, sagte er versöhnlich.

„Ich habe eine klare Order“, antwortete ich.
„Du bist hier um Menschen zu helfen. Das ist unser Job. Lebensraum zu sichern und die Menschen die Dir anvertraut sind zu beschützen. Wir reden hier über Grundrechte. Nichts ist falsch daran eine Schule zu bauen“, beharrte er auf seinem Standpunkt.

„Richtig, aber um welchen Preis? Um die Leben meines Teams? Harruck Du bist nicht hier um ein Vermächtnis zu hinterlassen, Du bist hier um einen Job zu erledigen! Du sollst die Stadt sichern. Dann sichere sie! Du sollst hier kein zweites Souvagne hochziehen! Schon gar nicht für Fremdlinge und Inhumanoid. Was kommt als nächstens? Schutz der Krötenwanderung? Werde wach, das sind keine Souvagner!“, erklärte ich etwas schärfer.

„Ich habe hier nur noch vier Monate! Beruhig Dich doch einfach mal und denk drüber nach, was Du tust. In einem Moment klingst Du als würdest Du mich gerne unterstützen, im nächsten als wolltest Du hier alles einäschern. Du kannst doch Deine Zielperson jagen, aber doch nicht sofort! Gib mir doch auch eine Chance!“, bat Harruck.

Er hatte Recht, ich war wirklich hin- und hergerissen. Einerseits klang sein Plan verlockend und erinnerte mich an so manche gute Idee meines Seniors. Auf der anderen Seite klang er so gut und selbstlos, dass ich ihm den Wohltäter einfach nicht abkaufen konnte.

Wenn ich etwas nachgeben würde und Einsicht zeigte, schoss es mir durch den Kopf, würde ich ihn eventuell manipulieren können. So waren wir beide nur bockig. Ich breitete die Hände aus.

„Frieden. Du sollst Deine Chance haben. Du baust hier was auf, dass erkenne ich an. Ich bin gekommen um etwas abzureißen, aber nicht Dein Vermächtnis. Du bist weder mein Feind, noch mein Ziel. Lass uns zusammenarbeiten. Ich helfe Dir, solange es nötig ist und Du danach mir. Wäre das in Ordnung?“, fragte ich freundlich.

„Das wäre perfekt“, grinste Timion.

„Nun hier ist mein Plan. Du sorgst dafür, dass dem Goblin und seiner Sippschaft zugetragen wird, die Grob-Nobs hätten die Brücke in die Luft gesprengt und versucht, einige hiesige Händler übers Ohr zu hauen. Auf diese Weise wahren wir gegenüber Ghul und seinen restlichen Schwachköpfen das Gesicht“, erklärte ich.

„Ich glaube nicht, dass sie uns das abkaufen werden“, antwortete Timion.

„Das spielt auch keine Rolle. Alles was wir wollen ist, dass sie zweifeln. Sorg einfach dafür, dass sie denken, jeder würde lügen. Jetzt da die Brücke weg ist, hast Du ein bisschen mehr Freiheit, um mit den Bauarbeiten zu beginnen, weil die Grob-Nobs den seichtesten Teil des Flusses benutzen werden, um ihn zu überqueren. Außerdem müssen sie von der Ostseite herkommen und sich durch das Tal und unseren Engpass nähern, was bedeutet, dass Du mit Deinen Jungs hier wesentlich besser die Basis verteidigen kannst.
Ich werde Deinen Männern dabei helfen, einige Wachposten und Geschützstellungen an den entsprechenden Stellen zu errichten“, antwortete ich freundlich.

„Extrem gut durchdacht. Dann wusstest Du also, dass es meinem Bauprojekt im Grunde helfen würde, diese Brücke in die Luft zu jagen?“, fragte Timion hoffnungsvoll.
„Ja, das wusste ich“, gab ich zurück.

„Warum hast Du mir dann nichts gesagt?“, fragte er entgeistert.
„Keine Ahnung, ich war sauer auf Dich. Darum vermutlich“, sagte ich und zuckte die Achseln.

Er ließ sich auf seinen Stuhl fallen.

„Ich kann trotzdem nicht zulassen, dass Du einfach in den Ort marschierst und Dir Ghul schnappst. Jetzt wo die Brücke gesprengt ist, werden vermutlich sogar die Söldner wieder angreifen“, erklärte Timion.
„Sollen sie ruhig. Jetzt müssen sie nach unseren Regeln spielen. Ghuls Armee wird dabei nur kleiner werden und mürbe. Und dann sind wir am Zug“, grinste ich.

„Ich glaube nicht, dass das gut geht Kabir“, sagte Timion.
„Im Moment ist es vielleicht schwer zu glauben, aber Du wirst schon sehen. Wie hast Du so schön gesagt? Die Lage ist kompliziert“, antwortete ich ihm und setzte mich in Richtung Tür in Bewegung.

„Dann haben wir also eine Vereinbarung?“, fragte Harruck.
„Welche?“, fragte ich und drehte mich zu ihm um.

„Wir tun den Shuttleeinsatz als Missverständnis ab. Du erwähnst es keinem Kollegen gegenüber. Und ich komme Dir fortan bei Deiner Mission nicht mehr in die Quere“, erklärte er.
„Damit hast Du Recht, komm mir nie wieder in die Quere“, stimmte ich freundlich zu.

„Kannst Du mir trotzdem einen Gefallen tun?“, fragte Harruck.
„Aber ja, immerhin sind wir ja jetzt so was wie… Kumpels“, antwortete ich.

„Versuch Ghul zu kontaktieren - friedlich“, bat Harruck.
„Hä?“, fragte ich baff.

„Versuch direkten Kontakt mit ihm aufzunehmen. Vielleicht können wir uns auf eine Waffenruhe einigen. Wenn wir die Möglichkeit haben, mit ihm zu reden, ändert das möglicherweise Deine Mission Kabir“, erklärte Timion.
„Er ist als krimineller Dreck. Er ist eine Bedrohung“, antwortete ich leise.

„Dafür gibt es keine Beweise“, hielt Harruck dagegen.
„Ich habe da eine Frau rausgeholt – und das sagt mir, dass er Dreck ist. Das steht definitiv fest“, zischte ich.

Harruck fuhr mit seiner Spekulationen fort.

„Vielleicht hat er seine Männer nicht ganz unter Kontrolle. Er ist ja so gesehen nur Politiker und Geschäftsmann. Er würde das, was diesem Mädchen zugestoßen ist, nicht stillschweigend dulden“, versuchte mir Timion zu erklären.

„Entschuldige mal eine Frage, brennt Dir der Helm?
Er ist ein GOBLIN!
Er hat seine Leute unter Kontrolle!
Sie halten Sklavinnen die für diese Maden tanzen und anschaffen müssen!

Was meinst Du machen die mit denen? Kniffel spielen?
Meinst Du ich rede mit so einem schleimigen Vieh länger als nötig?

Ich will nur meine Infos! So lange er die ausspuckt wird er leben. Hat er nichts mehr zu sagen, hat er nicht mehr zu atmen! Und Du willst dass ich mit diesem Schwein fröhlich plaudere, der zulässt das Mädchen oder Frauen verge… Scheiße noch eins… NEIN!!!“, brüllte ich ihn an.

„Kabir darüber können wir die ganze Nacht diskutieren“, versuchte er mich zu beruhigen.
„Nein können wir nicht. Und das werde ich auch nicht. Bevor ich hier verschwinde, werde ich den Dicken gefangen nehmen, verhören, foltern und töten. Eliminieren werde ich ihn. Und wie ich ihn eleminieren werde!

Und sollte ich das nicht schaffen, dann bin ich es eben der im Leichensack nach Hause fliegt. Drauf geschissen“, schnauzte ich und verließ mit scheppernder Tür das Büro.

Gut dass ich mich diesmal nicht streiten wollte um ihn zu manipulieren.
Und wie ruhig ich blieb… sagenhaft.


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Kabir
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Re: Gras-Schlangen

#18

Beitrag von Kabir » So 10. Feb 2019, 21:06

Herausforderungen


Ich stampfte in die kühlere Nachtluft hinaus, als zwei Kettenfahrzeuge an mir vorbeirollten. Harruck hatte den gesamten Stützpunkt in Alarmbereitschaft versetzt. All die Motoren und die Rufe ließen mich zusammenzucken. Ich konnte es kaum erwarten mich auf meine Pritsche zu werfen.

Vielleicht war ich beim Aufwachen wieder Zuhause.

Dann könnte ich meinen Brüdern sagen, ich hätte einen Alptraum über einen Sandsturm gehabt, der mich in ein Land trug, in dem Goblins Schwingen hatten und niemand die Wahrheit sprach.

Als ich am nächsten Morgen in der Messe war, begegnete ich zufällig Dr. Lana Setardio. Frau Agrar-Doktor die zweitweise auf dem Stützpunkt einquartiert worden war, um damit zu beginnen, die Ingenieure für die Bauprojekte zu koordinieren.

Sie erinnerte sich an meinen Namen und an einiges mehr, als ihre Gefühle zu mir regelrecht herüber schwappten. Ich nannte sie Dr. Lana Setardio, da ich kein zu freundschaftliches Verhältnis aufbauen wollte. Sie war mir irgendwie unheimlich.

„Essen Sie allein?“, fragte sie freundlich.

Mein Team hatte seine Mahlzeit bereits beendet, nachdem sie mich hatten ausschlafen lassen. Sie wussten dass ich eine beschissene Nacht hinter mir hatte.

„Ja, tue ich“, antwortete ich knapp.
„Möchten Sie ein wenig Gesellschaft?“, fragte sie.

Ich musterte sie genau. Sie trug ihr blondes Haar offen, es floss ihr regelrecht über die Schultern und sie war stolz drauf. Vermutlich war sie Mitte zwanzig. Die meisten Kerle in der Basis hielten sie für hübsch. Sie empfanden wesentlich mehr bei ihrem Anblick. Frau Lana Setardio hatte aber beschlossen, dass ich das Opfer ihrer Begierde war. Mir ging sie im Moment nur auf die Nerven.

Vermutlich müsste ich doch noch drüber hinwegsehen dass sie nur in Agrarwissenschaft promoviert hatte. Ihr Bruder war schließlich Arzt, dass würde gehen. Ich war kurz in meine Grübeleien versunken, als sie mir eine Hand auf die Schulter legte. Ich zuckte erschrocken zusammen und starrte sie missbilligend an.

„Ich bin keine gute Gesellschaft“, antwortete ich trocken, stand auf und suchte mir einen neuen Tisch.
„Unterschätzen Sie mich nicht“, sagte sie, folgte mir zu meinem Tisch und setzte sich mir gegenüber.

„Oha, wie hart und aggressiv“, murmelte ich.
„Ja nicht wahr? Ich bin so hart, ich esse sogar Cornflakes ohne Milch“, grinste sie.

„Nicht übel – irgendwann fressen Sie Stahlnägel“, gab ich zurück.
„Nicht übel für eine Nicht-Souvagnerin?“, fragte sie verschmitzt, während die anderen uns beobachteten.

Super, ganz großes Kino.

„Das habe ich nicht gesagt“, hielt ich dagegen und sie lächelte.
„Ihr Gesichtsausdruck schon“, antwortete sie mir.

„Ich sagte Ihnen doch, ich bin keine gute Gesellschaft, adieu“, murmelte ich.
„Dafür brauche ich Ihre Erlaubnis nicht“, sagte sie grantig.

„Warum fragen Sie dann überhaupt? Was soll das Ganze?“, zischte ich zurück.
„Sagen wir einfach, ich nehme gerne Herausforderungen an“, zwinkerte sie mir zu.

„Toll und welche wären das?“, hakte ich nach.
„Ich weiß nicht, was genau Sie hier machen, aber ich vermute sie haben einen gewissen Draht zu Harruck. Er ist ein großartiger Bursche, der alles tut, was in seiner Macht steht um diesen Menschen hier zu helfen. Deshalb frage ich mich, warum Sie ihn nicht unterstützen“, flüsterte sie mir zu.

„Verstehe, die Herausforderung besteht darin, mich zum Reden zu bringen, damit Sie heraus finden, wer auf dem Stützpunkt Ihre Feinde sind“, antwortete ich ihr.
„So betreiben wir Aufklärung. Eigentlich genauso wie Sie. Sie sorgen ja auch dafür, dass Ihre Feinde ganz in Ihrer Nähe sind…“, sagte sie und legte eine Hand auf meine.

„Ich bin nicht Ihr Feind. Bloß ein Zweifler“, klärte ich sie auf und zog meine Hand weg.

Sie nahm einen Bissen von ihrem Toast, nippte an dem schwarzen Kaffee und musterte mich mit Argusaugen.

„Und warum sind Sie das?“, hakte sie nach.
„Ich könnte es Ihnen sagen…“, fing ich an, ließ den Satz aber unvollendet.

„Aber dann müssten Sie mich umbringen“, fing sie an.
„Nicht umbringen, nein… bloß eine Auseinandersetzung anfangen, und das ist mir die Sache nicht wert. Ich bin lediglich hier, um einen Job zu erledigen, und wenn ich das getan habe, kümmere ich mich um das nächste Problem. Und so weiter“, erklärte ich müde.

„Ich auch“, sagte sie und sah aus dem Fenster, „dieser Ort raubt einem irgendwie alle Kraft. Es gibt Tage da könnte ich bloß schlafen“.
„Ja ich weiß was Sie meinen“, stimmte ich ihr zu und meinte es ehrlich.

„Sie denken, ich vergeude meine Zeit, nicht wahr? Sie denken, dass wir alle bloß Hirngespinsten nachjagen“, sagte sie traurig.

Ich schaute nicht auf, sondern aß einfach meinen Toast und trank dazu meinen Kaffee.

„Kabir, vielleicht können wir am Ende mehr Gutes tun, indem wir Güte zeigen“, fügte sie hinzu.

„Für Güte bin ich nicht zuständig. Wir gehören einem Kampfverband an, ausgebildet für die Schlacht. Offen oder verdeckt – irrelevant. Diese Menschen hier brauchen mich nicht, sie brauchen einen Büttelapparat und eine bessere Armee, um sie zu schützen. Dann können Leute wie Sie kommen und ihnen Hilfe anbieten. Momentan nehmen Sie ihnen das alles ab, und wenn Sie mit ihren Leuten abziehen, werden Sie sehen dass das hier alles wieder zusammenfällt.

Denn diese Menschen haben nie gelernt selbstständig zu denken. Das wollen sie auch gar nicht, sie halten die Hand auf und fragen sich wer schuld an ihrem Unglück ist. Dass sie selbst die Verursacher durch ihre Untätigkeit und Faulheit sind, dass kommt dem Pack nicht in den Sinn. Dafür denken sie anders, wir - Sie, ich, jeder andere ist schuld daran dass sie verhungern und so leben. Dass sie selbst ebenfalls arbeiten könnten, so wie es Souvagner für ihr Essen tun... auf diese abstruse Idee kam noch kein Grob-Nob... zu keiner Zeit! Es ist einfach ihre Natur, Faulheit, Feigheit, Raub und Mord. Belassen wir es doch dabei, solange sie nur sich und andere angehen. Gehen sie Souvagner an, schreitet Souvagne ein“, erläuterte ich ihr meine Sichtweise.

„Nun ich finde Ihren Humor und Ihren Sarkasmus zwar recht amüsant und Sie sind auch optisch ein leckerer Kerl, aber um ehrlich zu sein, verhalten Sie sich wie ein ziemlicher Arsch Kabir“, giftete sie mich an und ich grinste schief.
„Jetzt verstehen wir uns. Irgendwie hatte ich gehofft wir könnten Freunde sein“, kicherte ich.

Die Unterhaltung fing an mir Spaß zu machen. Lani hatte doch Krallen und nicht nur Vaseline auf dem Schädel um besser Arsch-zu-kriechen.

„Was? Hab ich etwas verpasst?“, fragte sie durcheinander.
„Wissen Sie irgendwas über EMP-Störer, die die Grob-Nobs einsetzen oder über die der Goblin verfügt?“, fragte ich sie rundheraus.

Sie starrte mich total verdattert an und musste mehrfach blinzeln.

„Hallo? Noch da Lani?“, grinste ich noch breiter.

„Was sind das denn für Dinger?“, fragte sie mich.

Ich las sie aus, sie sprach die Wahrheit. Sie hatte keine Ahnung von EMP-Störern.

„Das sind Waffen die elektronische Geräte außer Gefecht setzen können“, erklärte ich ihr.
„Wenn ich so eine Waffe für Sie auftreiben kann, werden Sie mich unterstützen?“, fragte sie hoffnungsvoll.

Bei diesen Worten musste ich einfach loslachen.

„Nein falsch. Sie sollen mir so eine Wumme nicht besorgen, ich möchte wissen ob irgendwer hier in der Umgebung über solche Tech verfügt. Sind hier grundlos elektronische Geräte ausgefallen? Coms? Shuttle? LKWs oder andere technische Dinge?“, fragte ich sie.
„Nicht dass ich wüsste, aber ganz ehrlich, darauf habe ich auch nicht geachtet. Hier fällt ständig etwas aus, aufgrund Stromausfalls. Aber diese EMP-Dinger könnten dass dann gemacht haben oder?“, hakte sie nach.

„Möglich wäre es, ja“, stimmte ich ihr zu.
„Ich könnte mich im Dorf umhören, ganz vorsichtig und die Augen offen halten“, schlug sie flüsternd vor.

„Gut, Dankeschön. Schreiben Sie auf, was Sie benötigen, ich gucke wo ich helfen kann“, bot ich im Gegenzug an, was sie erfreut grinsen ließ.
„Bis später“, sagte ich, stand auf und ging mein Team suchen.

Ich war in meinem Quartier und sichtete all die Daten, die der Geheimdienst mir zur Verfügung stellte, als Harruck vorbeischaute. Er stand im Türrahmen, denn weiter kam er nicht.

Mitch hatte ihm mit seiner breiten Statur den Weg versperrt. Ich beorderte meinen Beschützer mit knappem Nicken zur Seite und Mitch setzte sich wieder mir gegenüber hin. Timion musterte ihn kurz missbilligend, sagte aber keinen Ton.

„Weißt Du Harruck, ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, was Du gesagt hast. Darüber mich mit Ghul zu treffen. Aber mir fällt keine Möglichkeit ein, wie ich das hinbekommen könnte“, erklärte ich Timion offen.
„Versuch es einfach weiter. Ich hab Dir einige Daten von unseren Aufklärungsdrohnen mitgebracht. Vielleicht helfen Sie Dir weiter“, sagte er freundlich, händigte mir ein PDA aus und verschwand wieder.

Mitch schaute ihm aus zusammengekniffenen Augen hinterher. Mein Blick folgte seinem und ich musste schmunzeln.

„Ich trau dem Burschen nicht. Kein Stück, nicht soweit ich spucken kann“, flüstert er leise.
„Ich weiß“, antwortete ich grinsend, „sag mal ist Dir hier in diesem Nest eine Bar aufgefallen?“.

„Hm? Nein Quatschkopf“, lachte Mitch.
„Irgendwas ähnliches? Auf den Basar können wir schließlich nicht gehen. Ich muss… einkaufen. Du verstehst schon…“, erklärte ich.
„Mach zauber zauber und rede in meinem Kopf, dann weiß ich es ganz genau. Oder nutz das Interkom“, kicherte Mitch.

„Trottel. In Ordnung“, antwortete ich ihm gut gelaunt.

`Gibt es hier keine Taverne? Keinen Ort wo sich der Abschaum trifft? Sag mir jetzt nicht Obenza´, übermittelte ich Mitch.
`Du willst das Praktische mit dem Nützlichen verbinden. Medikamente kaufen und Ghul finden. Ein Taverne ist mir nicht aufgefallen. Entweder findet alles in diesem Estate statt, oder es gibt hier eine andere Möglichkeit. Irgendeine Spelunke wird es geben.

Es sei denn, Ghul hat sich auf etwas anderes spezialisiert. Ein Goblin wird dem anderen vielleicht nicht in die Quere kommen. Obenza ist Vergnügungsviertel. Was ist das Kaff hier? Soweit ab vom Schuss? Was verkaufen sie? Oder verkaufen sie noch nichts? Warum wird so viel Tam Tam um diese Ecke hier gemacht?´, fragte mich Mitch.

`Sauberes Wasser! Sie wollten doch den Brunnen bauen. Wasser ist extrem wertvoll und dementsprechend teuer. Die Wassergräber verkauften Wasser laut Input meines Chips.

Wenn Ghul hier die Hand über einen Brunnen hält, hat er die Bevölkerung unter Kontrolle und kann ziemlich viel Gewinn abstauben´, grübelte ich.
`Korrekt, aber das wird Deiner Freundin Dr. Lani Goldlöckchen überhaupt nicht gefallen´, prustete Mitch.

`Da ist was Wahres dran, ich glaube ich sollte sie mal so richtig ausführlich trösten´, antwortete ich und Mitch starrte mich wie vom Donner gerührt an.
`Nicht Dein Ernst oder?´, fragte er fassungslos.

`Du hast das Sticheln angefangen, glaub nicht immer jeden Scheiß´, lachte ich und knuffte ihn.

Wir verbrachten einige Tage damit, uns bedeckt zu halten und das Bildmaterial der Drohnen zu sichten.

Dr. Lani Goldlöckchen aka Lana Setardio begann zusammen mit den Armee-Ingenieurkorps und anderen Leuten Baumaterialien herzutransportieren und die Fundamente für die Schule und die Büttelstation zu legen.

Unserem Rat folgend, wurden sie gleich nördlich des Hohlweges errichtet, damit die Einheimischen sie bestmöglich vor Angriffen verteidigen konnten.

Am nächsten Morgen weckte mich Vas aus tiefem Schlaf. Draußen auf dem Areal wo der Brunnen gegraben werden sollte, gab es Ärger.

Unser Team rückte gemeinsam an. Ein fremder Kerl war da und machte jede Menge Krawall, ebenso waren Harruck und Lana Setardio anwesend, sowie einige der Bauleiter.

Harruck zog mich direkt zur Seite und erklärte mir, dass ich damit nichts zu tun hätte.

„Das macht doch nichts. Wir schauen und hören einfach neutral zu“, sagte Vas ruhig. So ruhig, dass sein Tonfall jedem klar machte, dass wir nirgendwohin gehen würden.

„Was hat das unterm Strich zu bedeuten?“, fragte einer der Bauleiter.
„Ihr hier fertig. Ihr hier nix bauen! Ihr könnt Brunnen nicht hier bauen. Da drüben, auf andere Seite ja – hier nix“, erklärte der Unbekannte.

„Aber da drüben müssen wir wesentlich tiefer graben“, erklärte ein anderer Bauleiter.
Der Unbekannte schüttelte den Kopf.

„Wieso nicht? Ist das hier irgendeine heilige Stätte oder was? So was wie ein Schrein?“, fragte der erste Bauleiter.
Der unbekannte Kerl runzelte die Stirn, grübelte und nickte dann eifrig.

„Jajaja. Graben verboten“, grinste er.

Ich wandte mich an meine Truppe.

`Wisst Ihr was Ainuwar will? Er will Erdreich durchdringendes Radar und Metalldetektoren überall in diesem Gebiet´, übermittelte ich via Interkom.
`Er will es und so ist es Brauch, was er will bekommt er auch´, antworte Vas was die anderen breit grinsen ließ.

Einige Tage später suchte mich Harruck in der Messe auf und verlangte eine Erklärung für mein Gesuch, ein Team mit Radargeräten und Metalldetektoren auf das Feld rauszuschicken.

„Es ist der Wille Ainuwars!“, sagte Mitch so felsenfest überzeugt, dass Timion ihn anstarrte als hätte einen Grünen vor sich. Meine Truppe hingegen musste losprusten.

„Ghul versteckt dort irgendwas“, sagte ich.
„Im Wüstensand? Hier? Ich meine das könnte er bei sich in der Nähe einfacher haben. Hier ist überall Sand“, erklärte Timion.

„Wir müssen uns die Sache näher ansehen“, beharrte ich stur.
„Wenn wir jetzt gegen ihn vorgehen ist mein Abkommen mit ihm im Eimer! Wenn Ihr anfangt, da draußen alles wie die Bluthunde abzusuchen, sagen wir ihm damit, dass wir ihm nicht trauen!“, hielt Timion genauso stur dagegen.

„Sag ihm doch einfach, ich hätte meine Uhr verloren“, schlug ich freundlich vor.
„Sei kein Arschloch Kabir. Wer weiß schon warum er da drüben keinen Brunnen haben will? Vielleicht hat er vor irgendwas anzupflanzen oder dort sind Erdschätze verborgen, oder es ist wirklich irgendeine Sache die nur Goblins verstehen. Was weiß denn ich. Die paar Meter wegen dem Brunnen!

Vorher wolltest Du ihn nicht mal gebaut haben. Wir verlegen den Brunnen einfach auf die andere Seite. Keine große Sache. Graben eben ein bisschen tiefer. Man muss nicht immer überall seine Nase reinstecken“, erklärte Harruck und verschränkte demonstrativ seine Arme vor der Brust.

„Also soll ich auch hier wieder ein Auge zudrücken?“, fragte ich nach.
„Du sollst Dir einfach mal Zeit lassen, bevor Du meinst irgendwas ermitteln zu müssen! Herje wenn einer in der falschen Tonlage grüßt, siehst Du schon Handlungsbedarf“, stöhnte Timion.

„Ist das eine Drohung? Wir wissen beide, worauf das hinauslaufen würde…“, antwortete ich extrem leise.
„Nein ist es nicht. Ganz Obenza und Rakshanistan ist voller Gangster, Pack, Söldner und anderem Abschaum. Heb einen Stein auf, wirf ihn über die Schulter und Du triffst sofort einen der bösen Buben. Also lass uns doch einfach weiter machen und uns nicht von solchen Kleinigkeiten wie ein paar Metern abhalten ob das Brunnenprojekt umgesetzt wird oder nicht. In Ordnung? Also bis später“, sagte Timion und setzte sich an einen anderen Tisch um sich zu einigen seiner Leute zu gesellen.

Lana Setardio saß an einem Tisch ganz in der Nähe und kam zu uns rüber. Sie setzte sich einfach dazu.

„Hallo Kabir. Haben Sie die Baustelle schon gesehen? Wir legen gerade das Fundament für die Schule“, erklärte sie fröhlich.
„Kabir?“, fragte Mitch.

„Ja das bin ich“, antwortete ich ihm leichthin, was mein Team loslachen ließ.
„Danke für die Info“, sagte Mitch und schüttelte den Kopf.

„Nein ich hab die Baustelle noch nicht gesehen“, beantwortete ich Lani´s Frage.
„Sieht aus, als wären Sie mit dem Essen fertig. Warum kommen Sie nicht mit raus und ich zeige es Ihnen?“, schlug sie vor.

`Sie zeigt es ihm? Oha´, übermittelte Vas per Interkom an uns und ich verpasste ihm eine mentale Kopfnuss.
„In Ordnung, bis später Leute“, verabschiedete ich mich und folgte ihr.

Sie hatte ein Zivilfahrzeug und fuhr mit mir zur Baustelle rüber, wo mindestens fünfzig Arbeiter damit beschäftigt waren, breite Holzverschalungen in die Erde einzulassen. Hinter uns parkten mehrere Betonmisch-Schiffe, und in langen Reihen stapelten sich Stahlträger und Paletten mit Betonblöcken.

„Wow! Woher sind die ganzen Leute?“, fragte ich wirklich überrascht und schaute mich um.
„Einige aus dem Dorf, andere haben wir von außerhalb angeheuert. Allerdings hatten wir ein kleines Problem, was auch der wahre Grund dafür ist, warum ich Dich hier raus gebracht habe…“, flüsterte sie.

„Ein Problem? Dann hast Du nicht versucht mich zum Humanisten umzukrempeln?“, antwortete ich leise.
„Nein, wie sollte ich auch. Ich weiß dass Du ein Mörder bist“, flüsterte sie kaum hörbar.

„Wie bitte?“, hakte ich nach.
„Oh ist es Dir nicht aufgefallen? Ich habe Dich beobachtet. Du bist irgendwie anders, ziemlich schüchtern. Du bist süß. Aber mir viel noch wesentlich mehr auf. Ich nehme an, dass Du vom Geheimdienst bist. SouvSec-Agent, Spezial-Forces-Agent, oder Feldagent? Vielleicht in Zusammenarbeit mit dem SSD? Oder vielleicht bist Du sogar ein Grüner, wer weiß?

Möglich wäre es. Deine Leute sind Spezialisten wie Du. Ich habe genug Zivilisten, Söldner, Soldaten und andere Menschen gesehen um sie studiert zu haben. Nur einige wenige bewegen sich so gezielt und mit Bedacht wie Du.

Keine unnötige Bewegung. Jede Bewegung wohlgesetzt und kontrolliert – unbewusst kontrolliert, es ist Dir in Fleisch und Blut übergegangen. Du bist extrem schlank, aber nicht dürre, sondern sehnig und drahtig. Selbst Deine Hände sind so. Du hast nicht die Hände eines Schreiberlings. Wozu brauchst Du so viel Kraft in den Händen? Was trainierst Du?

Du bist nicht der Älteste in Deiner Truppe, aber sie richten sich nach Dir. Normalerweise weicht Dir Dein hünenhafter Leibwächter nicht von der Seite. Du kennst Harruck.

Du weißt wer er ist. Wer würde es wagen ihm die Stirn zu bieten und mit ihm zu streiten? Nur jemand mit gleichen oder höheren Fähigkeiten. Jemand der sogar Harruck vernichten kann. Das bist Du Kabir…“, antwortete sie.

„Ich bin bloß Berater“, wiegelte ich ab.
„Ja sicher…“, grinste sie und ich grinste zurück.

„Wie viele Klassenzimmer bietet dieses Gebäude Lani?“, fragte ich neugierig.
„Sechs. Wenn wir fertig sind, wird es richtig hübsch sein. Und die Büttelstation kommt gleich dort drüben hin. Siehst Du die Pfähle?“, fragte sie.

Ich schirmte die Augen vor der blendenden Sonne ab und bemerkte die Holzpfosten, die das L-förmige Gebäude umrissen.
„Ja wir werden es bauen, und die werden kommen und es wieder in die Luft jagen“, sagte Lani leise.

Ich spürte welche Wut sie dabei empfand.

„Meinst Du Ghul?“, hakte ich nach. Ich musste sie nicht auslesen, da sie mir von sich aus alles erzählte.
„Vielleicht ja oder nein. Ich glaube Ghul zwingt die Arbeiter dazu einen Teil ihres Lohns bei ihm abzuliefern. Und ich glaube, er wird auch versuchen die Büttel zu kontrollieren, wenn die Schule und die Büttelstation erst mal in Betrieb sind. Außerdem wird er die Schule wieder dicht machen, damit verdient er ja nichts“, erklärte sie wütend.
„Beweise für die Zahlungen?“, fragte ich.

„Ja die habe ich. Wenn am Ende der Woche bezahlt wird, kommen drei Männer her – Söldner und bilden eine Reihe. Ich habe gesehen, wie die Arbeiter diesen Typen einen Teil ihres Geldes gegeben haben“, antwortete Lani.

„Warum bist Du nicht zu Harruck gegangen?“, wollte ich von ihr wissen.
„Das bin ich doch. Er sagte mir, dass es mich nichts angeht, was die Arbeiter mit ihrem Geld machen“, sagte sie.

„Das hat er gesagt? Das klingt nicht gerade nach dem Gutmenschen, der mir die ganze Zeit auf die Nerven ging“, gab ich zurück.
„Ja eben, Du siehst es auch. Selbst wenn er damit Recht hätte, mir gefällt das nicht. Das gibt einem das Gefühl, als würden wir mit dem Goblins unter einer Decke stecken“, flüsterte Lani und strich sich erschöpft über das Gesicht.

Mit dem Goblins unter einer Decke stecken… sagte Timion nicht selbst er habe ein Bündnis mit Ghul? Aber worum ging es hier?

„Danke für die Führung und für das Vertrauen. Ich gucke was ich machen kann Lani, versprochen. Aber jetzt muss ich zurück zu meinen Leuten“, erklärte ich ihr freundlich.
„Dankeschön“, grinste sie mich an und ich grinste zurück.

Als ich meine Unterkunft erreichte, wurde ich bereits von meinem Team erwartet.

„Na Kab, angenehmen Vormittag gehabt?“, lachte Al und knuffte mich.
„Lass hören, was habt Ihr gemacht?“, fragte Sophie neugierig.

„Genau Mitch war schon in Sorge ob Dir auch nichts passiert“, lachte Gillian.
„Aber keine schmutzigen Details, ich bin sehr empfindsam“, warf Mitch ein, was die anderen losprusten ließ.

„Informativ würde ich ehr dazu sagen“, antwortete ich gut gelaunt, hockte mich auf meine Pritsche und mampfte einen Proteinriegel.


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Kabir
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Re: Gras-Schlangen

#19

Beitrag von Kabir » So 10. Feb 2019, 21:23

Apotheke


Ich grübelte vor mich hin, um was es einem Goblin hier wohl gehen könnte, außer natürlich Taler. Nur wie wollte er die machen? Mitch hockte sich neben mich, so dass die Pritsche bedrohlich unter unser beider Gewicht ächzte.

„Im Dorf gibt es eine Apotheke oder eher gesagt einen kleinen Laden, den man so bezeichnen kann. Da bekommst Du Oxication und noch andere Dinge die Dein Herz begehrt, egal ob für den Dienst oder zur Entspannung“, erklärte mir Mitch.

„Perfekt, lass uns aufbrechen“, antwortete ich gut gelaunt.

Zusammen mit Mitch fuhr ich in einen Teil des Ortes, den ich zuvor noch nicht besucht hatte, hier waren die Ziegelhäuser runder und bildeten ein dicht gedrängtes Labyrinth. In der Ferne lagen große Felder, aber drauf zu sehen war nichts. Und weiter zu unserer Rechten durchkämmte ein Minensuchteam genau das Areal, wo es angeblich in Ordnung sein würde den Brunnen zu graben.

Eigentlich hatte sich Harruck damit nicht als völliger Trottel erwiesen. Er hätte nur das andere Areal auch überprüfen lassen sollen. Aber das würde er nicht tun, dass hatte er mir klar genug gesagt.

Mitch parkte neben einem schmaleren Straßenabschnitt, ehe er mich in die staubschwangeren Schatten des Gewirrs enger Gassen führte.

`Schön dicht bei mir bleiben Kabir´, grinste er mich über die Schulter an und ich schloss zu ihm auf.

Der Laden war leicht zu finden. Ein winziger Raum, vollgestopft mit allem was man sich wünschen konnte. Ich schnappte mir einen Korb, drückte ihn Mitch in die Hand und durchstöberte die Regale.

Eine Viertelstunde später war ich mit allem eingedeckt was ich meiner Meinung nach gebrauchen konnte.

Das Oxication für Didi hatte ich genauso besorgt, wie das Onawar als Dankeschön.
Für mich selbst hatte ich Cogumelo gekauft. Eine Variante des Mittels Cogumelo26, wird in den Unteren Ebenen von Obenza als Droge verkauft. Wirkt aber nicht annähernd so gut wie die pure Substanz. Nur im Goblinsraum erhältlich, ansonsten überall verboten.

Aber gut, äußerst gut. Das Zeug stellt jede Euphoriepille in den Schatten. Falls man in Kampfrausch gerät und diesen sonst nicht abbauen kann, damit macht es sogar noch abgrundartigen Spaß. Und sonst nur noch die üblichen Verdächtigen Rahusti und Dhanga.

Auf der Rückfahrt zum Stützpunkt schwiegen wir behaglich. Als wir ausstiegen, kam das Minensuch-Team ebenfalls gerade zurück und ich fragte ihren Anführer wie es bei ihnen gelaufen sei.

Der dürre Kerl wischte sich die Schweißperlen von der Stirn.

„Scheint alles sauber zu sein“, antwortete er mir.
„Könnten Sie mir einen Gefallen tun und das Gelände überprüfen, dass ursprünglich für den Bau vorgesehen war?“, fragte ich freundlich.
„Tut mir leid, aber ich habe keinen entsprechenden Befehl oder die Erlaubnis das zu tun“, gab er zurück.

`Such das ursprüngliche Baugelände für den Brunnen ab! 1000 Taler mein Freund´, übermittelte ich via Interkom.

Er legte den Rückwärtsgang seines Geländewagens ein, machte kehrt und fuhr davon, Richtung alte Brunnenbaustelle. Mitch verfolgte mit diabolischem Grinsen wie der Geländewagen davon fuhr. Kurz darauf eilten wir zu unserem Quartier. Drinnen saßen unsere Leute die wir schnell aufscheuchten.

„Los Leute kommt, dass Minenteam ist draußen und scannt den ersten Brunnenbereich“, lachte Mitch.
„Na wer das wohl veranlasst hat?“, grinste Vas und knuffte mich.

„Ich hab nur gefragt, nichts weiter…“, setzte ich an.

Die Explosion ertönte auf der anderen Seite der Mauer, und ich wusste sofort, wer davon betroffen war – das Minensuchteam. Warum waren sie auf eine Mine gestoßen? Wurden sie angegriffen? Ich bündelte meine Gedanken und tastete die Umgebung ab. Blutgetränkter Sand…

„Merde“, fluchte ich und rannte los, dicht gefolgt von meiner Truppe.

Unmittelbar auf die erste Detonation folgte das Knallen von Waffen. Als ich mich dem Schützennest näherte, feuerten bereits die beiden Jungs die dort auf Posten waren, mit ihren Sturmgewehren.

Zwei große LKW waren zum Feld rausgefahren und ungefähr zwanzig Söldner waren rausgesprungen und feuerten nun aus der Deckung ihrer Fahrzeuge heraus.

Von uns waren bloß fünf Jungs da draußen, die sich um ihren Geländewagen drängten und von viermal so vielen Söldnern umzingelt waren. Hinter einem der Söldner-Laster zischte ein Raketenwerfergeschoss hervor und traf den Geländewagen. Das Gefährt explodierte in einem Feuerball.

„Wenn die Söldner rennen, knallt sie ab!“, befahl ich meiner Truppe.
„Die rennen nicht“, sagte einer der Jungs.

„Und ob die rennen“, gab ich zurück.

Zeitgleich sammelte ich Konzentration und schleuderte den Feinden einfach alles entgegen, was ich zu packen bekam. Steine, ein ein Shuttle, alles. In heilloser Panik stürzten sie den Bergausläufern entgegen. Per Telekinese grabschte ich beide LKW riss sie von Boden mehrere Meter hoch und schleuderte sie den Fliehenden hinterher.

Jemand rief meinen Namen. Als ich mich umschaute sah ich Sophie, sie hatte unseren LKW geholt.

Ich sprang vom Schützennest hinten auf die Pritsche, der Rest der Truppe tat es mir gleich. Sophie gab Gas und wir schossen durch das offene Haupttor auf das Feld zu.

Kaum angekommen sprangen wir aus dem Wagen. Alle sechs Mitglieder des Minensuchteams lagen am Boden. Alle waren tot, bis auf den Anführer, den ich am Tor bestochen hatte.

Ich hastete auf ihn zu und kniete mich über ihn. Man hatte ihm in den Hals und in den Oberkörper geschossen. Er blutete extrem stark und versuchte mir etwas zu sagen. Ich verband mein Interkom mit seinem und las die Daten aus.

„Ruhig Nolan ich helfe Dir“, sagte ich leise und legte ihm eine Hand auf die Brust. Er schaute mich nur hilfesuchend an und hielt meine Hand fest.

Ich konzentrierte mich so gut ich konnte. Es sah nicht gut aus, aber durch die Verbindung entspannte er sich ein wenig.

`Das tut jetzt für einige Sekunden weh´, erklärte ich ihm und presste die Halswunde mit meiner Hand ab. Zeitgleich zog ich per Telekinese die Kugeln aus Nolans Körper. Er keuchte auf und ich musste die Halswunde fester abdrücken.

Vas tat sein übriges und verband ihn so gut er konnte, während der Chip von Nolan mit den Naniten auf Hochtouren arbeitete. Ich hatte eine ganze Weile zu pressen und Vas zu verbinden, aber dann hatten wir es im Team von Souvagner und Technik geschafft.

Er starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an, tastete seinen Hals und seinen Körper ab, ehe er mich packte und an sich drückte.

„Schon gut“, antwortete ich und befreite mich von ihm, „Gillian kümmere Dich um ihn“.

Zwei Geländewagen rasten durch die Wüste, kamen vom Dorf aus auf uns zu. Ich schirmte meine Augen vor der gleißenden Helligkeit. Ich wusste dass es vorbei war, sobald Harruck vor Ort war. Was immer hier vergraben worden war, musste freigelegt werden und zwar jetzt.

„Dort“, brüllte Alicia.

Ganz in der Nähe wo der Geländewagen gestanden hatte, steckten Schaufeln im Sand. Die Minensuchtruppe musste auf was gestoßen sein. Ich sprintete rüber, packte eine Schaufel und begann wie ein Verrückter zu graben. Sand flog in hohem Bogen durch die Luft und Mitch gesellte sich direkt zu mir.

„Schnapp Dir die andere Schaufel! Grab was das Zeug hält!“, befahl ich ihm.
„Ja doch, was meinst Du was ich hier will?“, schnauzte er zurück und grub ebenso wahnsinnig wie ich. Wir buddelten wie besessen und waren gut sechzig Zentimeter tief gekommen, als unsere Stiefel auf etwas stießen. Ich ließ mich auf Hände und Knie fallen, grub mit den Händen weiter und fand Holz.

„Vielleicht eine Falltür?“, grübelte ich laut. Mein Blick glitt zwischen der Klappe und den näherkommenden Fahrzeugen hin und her, während ich die Luke so gut wie möglich vom Sand reinigte.

Ich fand die Kante der Luke, ein Zugseil und zerrte daran. Nichts. Bloß ein Knarzen. Noch immer wurde die Klappe von zu viel Sand nach unten gedrückt.

„Weg Blitzbirne“, sagte mein Beschützer.

Mitch beugte sich rüber, fing an, mit seinen Händen Sand beiseite zu schaufeln. Dreißig Sekunden später zog er die Holzluke auf, die schließlich nachgab und in die Höhe ruckte, so dass wir feststellten, dass es sich dabei um ein rechteckiges Stück Sperrholz mit den Maßen neunzig auf eins zwanzig handelte.

Während Sand in das Loch herab rieselte, enthüllte das Sonnenlicht eine Holzleiter und eine mindestens zwei Meter hohe Kammer. Ich warf einen letzten Blick auf die Geländewagen und Harruck und sprang in die Kammer hinunter.

Unten aufgekommen, sah ich in den Schatten und ging auf Nachtsicht. Die Kammer setzte sich fort und war voller Pappkartons und Kisten und auf einmal stand ich schlagartig in einem gewaltigen, bunkerartigen Raum.

Das war nicht der Weinkeller eines Goblins, das war sicher.
Was ich dort sah war gleichermaßen bedeutsam wie alarmierend. Waffen, endlose Kisten mit Waffen. Aber nicht irgendwelche – es waren Singularitätswaffen.

Meine P8 die an meiner Hüfte baumelte hatte gerade ein Familientreffen hier unten!
Mitch stand eine Sekunde später an meiner Seite.

„Alles souvagnische Waffen. Vermutlich hunderte oder mehr. Alles Sing-Waffen. Das ist das Zeug mit dem eigentlich die Armee oben ausgestattet sein soll, ich wette drum“, flüsterte Mitch.

„Das stimmt“, sagte Timion und wir wirbelten zu ihm herum.

Er stand im Durchbruch zu dem Bunkerraum der als Waffenlager diente. Hochgerüstet in Gear und mit Projektilwaffen ausgerüstet.

„Mein Vermächtnis, meine Daueraufgabe - Bereicherung. Vorrangig mag dies uneffektiv klingen, dem ist aber nicht so. Nur ein ausreichendes Vermögen sichert ein effektives Handeln. Du siehst meine Aufteilung beruht auf Logik – nur nützt Dir das leider nichts mehr Agent Kabir... außer Dienst...“, sagte er kalt.


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Kabir
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Re: Gras-Schlangen

#20

Beitrag von Kabir » So 10. Feb 2019, 22:17

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Ich antwortete nicht, sondern knallte dem Kollegen sofort einen Suizid-Hack über mein Chip entgegen.
Im selben Augenblick dachte ich, er hätte mir das Hirn geröstet.

Nie zuvor im Leben hatte ich grausamere Kopfschmerzen. Meine Chip verstummte und in meinem Schädel war schlagartig statisches Rauschen.

Puce1055-Bio-Chip-System offline…
Dann verschwand sogar die Anzeige von meinem HUD, ganz so als wäre mir nie der Neuralchip implantiert worden.

Ich musste gegen die Übelkeit anblinzeln und stellte fest, dass ich auf dem Boden lag. Mitch neben mir erging es nicht besser, er lag zusammengekrümmt auf dem Boden und hielt sich den Schädel.

Den Verursacher der unsere Bio-Chips und Interkoms ausgeschaltet hatte, hatte ich gefunden.

Ich versuchte den Schmerz zu ignorieren und mein System reset zu fahren. Aber es antwortete nicht mal. Gut, dass Problem kannte ich ja bereits. Vergiss das Implantat nutzt nur die Macht Deines Geistes.

Ich bündelte so gut es ging meine Gedanken, obwohl mir der Schädel dröhnte dass ich mich kaum konzentrieren konnte. Zeitgleich sprang ich auf die Beine und kassierte einen elektrischen Schlag der mich sofort zurück zu Boden schickte.

Ich wälzte mich auf den Rücken, da meine Muskeln mir nicht mehr richtig gehorchten. Timion beugte sich über mich und grinste, was ich an den Falten um seine Augen sah.

„HEFF-Kanone. So was wie EMP nur wesentlich leistungsstärker. Hochenergie-Funk-Frequenz-Waffe. Genau das was man gegen solche wie Dich braucht. Kein Sentir, keine Psi-Bündlung, na was machst Du nun?

Ich hab Dich gewarnt mein Freund, Du pisst mir nicht ans Bein. Meinst Du ich lasse mir das Geschäft mit dem Goblin versauen? Warte nicht auf Deine kleinen Speichellecker, die liegen da oben genauso Schachmatt gesetzt wie Dein dicker Schoßhund hier neben Dir. Schon praktisch dass die Spezialeinheiten Interkoms, Chips und den ganzen Tech-Scheiß in der Rübe tragen“, lachte er.

„Touche“, keuchte ich schmerzerfüllt.
"Tja Input Poison, ich kenne Deine Tricks. Adieu Kabir“, sagte er freundlich und richtete seine Waffe auf meine Stirn.

Blitzartig riss ich meinen Anhänger vom Hals, schnipste ihn mit einem Finger auf und schleuderte den Inhalt Timion ins Gesicht. Zeitgleich rollte ich mich unter größten Schmerzen zur Seite. Wenn er mich schon abknallte, würde ich das Schwein mitnehmen.

Timion kreischte ohrenbetäubend auf, als der Puder sein Gesicht einstäubte. Dabei handelt es sich um kampffähiges Naniten-Material. In ihrem Behälter schlummern die Naniten, sie sind dort inaktiv. Ich selbst kann sie unbeschadet berühren, meine DNS ist meine Signatur, da ich ihr Eigentümer bin.

Aber sobald sie mit einem fremden Wesen in Kontakt kommen dass sich nicht per DNS als Schutzperson "ausweisen" kann, greifen sie an und fressen sich durch seine organische Masse.

Und das taten sie auch dort unten im Waffenlager.

Sie folgten ihrer Bestimmung mich zu beschützen. Binnen Sekunden zerfraß der Puder Timions Haut, aber wesentlich effektiver noch, er zerfraß ihm die Augen. Schlapp und am Ende meiner Kraft blieb ich liegen. Es gab ein seltsam ratschendes Geräusch und Blut tropfte auf mein Gesicht. Ungläubig riss Timion die zerstörten Augen auf, ich starrte genauso perplex.

Ein langer Dolch ragte aus seinem Hals und hatte ihn aufgespießt.

Sophie stand hinter Timion. Eine Hand packte ihn brutal an der Kehle, die andere grabschte nach der Waffenhand und verdrehte sie, so dass Timion die Waffe aus der Hand fiel.

„...vielleicht kennst Du sie nicht alle...“, flüsterte Sophie Timion eisig ins Ohr und riss das Messer seitlich aus seinem Hals. Sie stürzten gemeinsam zu Boden. Er schwerverletzt. Sophie um mich zu untersuchen.

„Kabir“, weinte sie, strich mir hilflos mit einer Hand über den Schädel und umklammerte mit der anderen meine Hand.

„Du kommst wieder in Ordnung! Keine Angst“, flüsterte sie, packte mich und zerrte mich mit aller Kraft die sie aufbieten konnte auf die Beine. Kaum dass ich stand, stützte sie mich und ich klammerte mich an ihr fest.

Mein System erwachte wieder zum Leben und ich begrüßte Puce-Chip, wie ich ihn noch nie begrüßt hatte. Ich leitete sofort Selbstheilung über Medscan und Rebost ein, während Timion am Boden lag, sich die Hände auf den Hals presste und versuchte sich zu heilen. Sophie hatte erstklassige Arbeit geleistet, sie hatte ihm die Luftröhre durchtrennt, so dass mit jedem versuchten Atemzug blutige Blasen aus der Wunde blubberten und dazu hatte sie einen meiner Dolche genutzt.

Ich grabschte mir Mitch und Sophie und stürmte mit ihnen in den Vorraum. Von dort aus erschoss ich Timion mit der P8 aus sicherer Entfernung. Die abgefeuerte Singularität verschlang ihn. Es blieb nichts von dem Kerl übrig.


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