Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

00 Kapitel 00 - Gras-Schlangen

Nach dem gewaltsamen Tod von Timion Harruck beanspruchen zwei Parteien sein Erbe für sich: Auf der einen Seite Dr. Lana Setardio, die sich humanistischen Zielen verschrieben hat und von dem abtrünnigen Sentir Kabir unterstützt wird. Auf der andern Seite die Schachtsoldaten um Zaccaria samt Timions Familie.
Kabir
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Re: Gras-Schlangen

#21

Beitrag von Kabir » So 10. Feb 2019, 22:22

Danke


„Lasst uns von hier verschwinden“, sagte ich und wir kletterten zerschunden wieder nach oben. Sophie packte meine Hand und hielt sie noch fester als dort unten in dem Bunker. Tränen stiegen ihr in die Augen. Ich zog sie an mich und lehnte meine Stirn gegen ihre.

„Ein Leben für ein Leben. Ich stehe in Deiner Schuld. Danke Sophie“, flüsterte ich. Sie schüttelte den Kopf und küsste mich auf die Wange.

„Wir rechnen nichts auf Großer“, lächelte sie mich an.

Wir lösten uns voneinander und versorgten unser Team. Zum Glück hatten keiner von ihnen wirklichen Schaden erlitten. Ich konnte froh sein, dass Timion beschlossen hatte, mich zuerst auszuschalten, anstatt mein Team per Suizidhack umzubringen.

Seine HEFF-Kanone hatte ihn glauben lassen, dass er immer noch mit ihnen gefahrlos abrechnen konnte. Und er hätte auch Recht behalten, wäre Sophie nicht gewesen. Dass sie kein Implantat hatte, nicht mal über ein Interkom verfügte hatte uns das Leben gerettet. Gemeinsam saßen wir zerschlagen und verwirrt im Wüstensand.

„Danke Kab“, sagte Vas und rieb sich den Schädel.
„Falsche Adresse, der Dank geht ausschließlich an Sophie. Sie hat uns den Hintern gerettet. Vor allem mir“, antwortete ich ihm.

Vas schaute Sophie erstaunt an und grinste breit.

„Schau mal einer an. Dann geht mein Dank selbstverständlich an Dich. Danke Sophie“, sagte er und drückte sie stolz.

Wir alle nickten zustimmend.
„Wie konntest Du ihn überwältigen?“, fragte Mitch und knuffte sie dankbar.

„Er sprang aus dem Wagen, stürmte an uns vorbei und die anderen vom Team fielen gefällt zu Boden. Sie zuckten wie unter einem elektrischen Schlag und lagen still. Er kümmerte sich nicht darum, der Kerl sprang Euch direkt hinterher ins Erdloch. Ich wusste er würde Euch das Gleiche antun. Ich sprang hinterher und da war es wieder, dieses Gefühl…

Drum zog ich das Messer das Kabir mir geschenkt hat, ganz so wie Ihr es mir beigebracht habt und hab ihn abgestochen. Ich war selber erstaunt, dass ich ihn erledigen konnte“, lächelte sie schüchtern.

„Wir werden uns einige Tage in der Belette auskurieren, die Stützpunktleitung kläre ich. Sobald wir wieder bei vollen Kräften sind, vor allem Du Kabir, werden wir uns die Made vorknöpfen.

Es ist eine Sache mit einem Agenten krumme Geschäfte zu machen. Es ist eine völlig andere Sache unsere Armee zu bestehlen, Souvagne selbst zu bestehlen, so das Souvagner Gefahr laufen in souvagnische Waffenmündungen blicken müssen. Dafür räuchern wir das grüne Schwein aus“, befahl Vas.


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Re: Gras-Schlangen

#22

Beitrag von Kabir » Sa 6. Apr 2019, 20:29

Spa


Einige Tage verbrachten wir entspannend in der Belette. Ich war die meiste Zeit am Schlafen oder aß irgendwelche Leckereien im Bett. Von den üblichen Gängen die man so zu erledigen hat einmal abgesehen, hielt ich mich fast wirklich nur im Bett auf. Mitch, Vas und Gillian wechselten sich damit ab über meinen Schlaf mit entsicherter Waffe zu wachen.

Vas hatte angeordnet, dass ich schnellstens so viel Kraft wie möglich tanken sollte. Und dies ging am einfachsten und effektivsten, in dem ich mich ausschlief, entspannte und Kraftfutter zu mir nahm. Selbst das Training strich er mir und ordnete an, dass Mitch mich massieren sollte um meine Muskeln zu lockern. Irgendwie hatte das schon etwas von Spa.

Auf der anderen Seite wusste ich natürlich, wofür sie sich so bemühten. Ich sollte die größtmögliche Kampfkraft erreichen. Mir selbst war auch daran gelegen, so eine Sache wie mit Timion würde mir nie wieder passieren.

Mein Team zu schützen hatte oberste Priorität. Im schlimmsten Notfall musste ich sofort dazu in der Lage sein, jemanden vor der zweiten Lebenssphäre zu bewahren und sein Leben zu retten. Dabei wollte ich auf keinen Fall versagen. Einen misslungenen Angriff konnte man verschmerzen. Man zieht sich zurück, leckt sich die Wunden und schmiedet einen neuen Plan.

Aber einen gefallenen Freund, bringt einem niemand zurück.

Am vierten Tag meines Wellness-Programms wachte ich absolut entspannt auf und genoss die klimatisierte Luft in der Belette. Für einige Tage der Hitze entkommen zu sein hatte mir extrem gut getan. Gillian schaute von seinem Datapad auf und grinste mich freundlich an.

„Na Schlafmütze? Ausgeruht?“, fragte er freundlich.
„Ja absolut ausgeschlafen, Danke der Nachfrage. Ich mach mich frisch und rüste mich, sagst Du Vas Bescheid?“, bat ich Gill.

„Selbstverständlich. Auf zur Goblinsjagd“, gab er zurück und machte sich sofort auf den Weg ins Cockpit.

Ich machte mich schnellstmöglich im Bad fertig und rüstete mich zum Kampf. Die Schonfrist war vorbei, als ich aus dem Bad kam und mir mein Team gerüstet und einsatzbereit grinsend gegenüber stand.


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Re: Gras-Schlangen

#23

Beitrag von Kabir » Sa 6. Apr 2019, 20:59

Dreck unter den Nägeln und Blut im Gesicht


So wie man behauptet, dass unser Volk eine messerscharfe Zunge hat, so wird ebenfalls behauptet, dass ein SouvSec-Agent Dreck unter seinen Fingernägeln hat und fremdes Blut im Gesicht…

Mit diesem Gedanken und einem Blick auf Sophie, hob ich meine mit einem Schalldämpfer versehene Pistole und schoss der ersten Wache in den Kopf. Ein perfekter Schuss, ich hatte ihm zwei Kugeln in die Stirn gejagt. Mir blieb nur eine Sekunde, um den anderen Kerl auszuschalten... und das tat ich auch, auf die gleiche Weise.

Hinter mir ertönte ein leiser, dumpfer Laut. Einmal, zweimal. Gillian meldete sich. Mein Gespür sagte mir, dass die Wachen, die bei dem schweren Geschütz gestanden hatten, tot waren.

`Die Wachen sind ausgeschaltet. Die Riesenwumme steht zu Deinen Diensten´, übermittelte er via Interkom.

Ich wartete einen Moment, während Vas und Mitch die Leichen den Pfad hoch schleiften und in einer Senke an der Bergseite versteckten. Als sie zurückkehrten, schlossen sie sich uns direkt wieder an. Ich hielt den Zeigefinger hoch – wartet.

`Siehst Du noch irgendwelche Söldner in unmittelbarer Nähe?´, hakte Vas nach.
`Einige wenige sehe ich, aber die befinden sich auf der anderen Seite des Berges und bewegen sich von uns weg. Fürs Erste ist die Luft rein´, antwortete ich unserem Leader.
`Verstanden, vorrücken´, befahl Vas.

Vas übernahm die Führung und führte uns in den Tunneleingang hinein, dem Labyrinth-System der Schmugglerpfade. Wir brauchten keine Nachtsichtgeräte in den dunklen Stollen. Jeder bis auf Sophie verfügte über Nachtsicht.

Der Tunnel ähnelte all den anderen, auf die wir gestoßen waren, ungefähr einen Meter breit und zwei Meter hoch. Ich musste geduckt laufen, was ziemlich unangenehm war. Aber Vas und Mitch erging es mit ihrer Statur noch schlechter.

Ein Teil der Tunnel war auf natürliche Weise entstanden, aber als wir uns weiter vorwagten, stellten wir fest, dass dieser Tunnel stellenweise gegraben oder gesprengt worden war. Die Wände wirkten von Schaufeln und Hacken deutlich vernarbt. Bald darauf pirschten wir an einer geschwungenen Wand links entlang, und Vas bedeutete uns zu stoppen.

Er platzierte einen kleinen Signalgeber von der Größe einer Erbse auf dem Boden neben seinem Stiefel. Sofort fing mein Chip das Signal auf, sollten die Interkoms oder mein SENTIR ausfallen, war es bei diesem Tunnelsystem lebensnotwendig Brotkrumen zu streuen. Wir hatten alle den Eindruck, dass diese Tunnel zu den längsten auf ganz Asamura zählten. Um dort wieder herauszufinden, brauchte man Glück und es würde eine gewaltige Herausforderung darstellen.

Vas drehte sich zu mir um und gab uns ein Handzeichen.

Wir setzten uns wieder in Bewegung. In weniger als dreißig Sekunden erreichten wir eine Stelle, wo sich der Tunnel gabelte. Ein breiter Gang zweigte rechts von uns ab. Vas platzierte einen weiteren Signalgeber auf dem Boden. Ich atmete tief durch. Die Luft im Tunnel war kühl und klamm.

`Die Enge macht mich ganz nervös´, übermittelte Alicia.
`Nicht nur Dich! Wenn es noch enger wird, bleib ich stecken´, antwortete Mitch.

Nachdem er in den schmaleren Tunnel geschaut hatte, studierte Vas die Fußspuren im Sand. Beide Pfade waren ausgetreten. Das verschaffte uns keine Hinweise, wohin wir gehen sollten. Die Wände waren zu dick für Infrarotsicht und auch die Nachtsicht nützte hier bei dieser Frage wenig. Also konzentrierte ich mich kurz und suchte nach Leben. Ich spürte hinaus, ob ich irgendwo Personen fand.

Ich wies nach rechts.
Vas schaute mich fragend an.

`Bist Du sicher?´, fragte er mich und ich nickte bestätigend.

Als wir tiefer in den breiten Tunnel vordrangen, tauchten auf dem Boden dunkle Flecken auf. Vas wurde langsamer und starrte auf einen größeren Fleck.

`Laut Scan, getrocknetes Blut´, teilte er uns mit.

Und dann, nur ein kleines Stück weiter hinten im Gang, wurden auf meinem HUD Patronenhülsen markiert. Wir waren noch gute zwanzig Meter weitergeschlichen, da tauchte etwa fünf Meter weiter vorne ein matter, gelber Schein an der Decke auf. Das Licht flackerte schwach. Meine Augen passten sich an, und Vas führte uns noch einmal zehn Schritte weiter und blieb dann stehen. Er deutete auf die Stelle.

Ein großer Abschnitt des Bodens sah aus, als sei er zusammengebrochen und aus dem Loch ragte das Ende einer Leiter. Ich vermutete dass das Licht von Kerosinlampen stammte, und dann bewegte sich die Leiter plötzlich knarzend.

Mein SENTIR-Implantat ging sofort in Kampfmodus und mein Puls raste. Wir kauerten uns dicht an die Wand, als der Söldner nach oben kletterte. Er trug bloß ein locker sitzenden Hemd und weite Hosen. Er war vielleicht gerade achtzehn Jahre alt, wenn überhaupt. Vas signalisierte uns, dass Mitch den Kerl übernehmen sollte. Tatsächlich war Mitch unser bester Messermann und hatte sich mit seinem zuverlässigen Einsatzmesser schon mehr als einmal den eigenen Arsch gerettet.

Mitch quetschte sich an uns vorbei. Man hörte kurz ein Knacken und das leise, keuchende letzte Ausatmen, als der Kerl auf dem Tunnelboden lag und auszubluten begann. Die rautenförmige schwarze Klinge war jetzt mit Blut bedeckt, das Mitch mit den Fingern abwischte und uns damit Streifen durchs Gesicht zog.

`Erstes Blut´, übermittelte er.

Wir suchten den Kerl nach irgendwelchen Hinweisen ab, aber alles was er bei sich hatte war ein Gewehr und seine Kleidung. Vas schlich nach vorn zu der Leiter und den leuchtenden Laternen, die sich weiter unten befanden. Sobald wir uns dem Rand des Lochs und der Leiter näherten, ließen wir uns auf den Bauch sinken. Ich riskierte einen Blick hinunter.

Die Kammer war kreisrund und hatte einen Durchmesser von ungefähr fünf Metern. An einer Wand, wo es tatsächlich zu einem Einsturz gekommen war, stapelten sich Haufen mit Fels und Erde. An der gegenüberliegenden Wand türmten sich vom Boden bis zur Decke in braunes Papier eingewickelte Alpha-Adrenalin-Ziegel.

Und neben den Ziegeln standen Stapel Pappkartons mit der Aufschrift:
Notration. Nicht in gefrorenem Zustand verarbeiten. Eigentum der souvagnischen Regierung. Kommerzieller Verkauf verboten.

Das mussten fünfzig oder mehr Kartons sein! Timion musste es dem Goblins verkauft haben. Soldaten-Premium-Futter, extrem kohlenhydratreich und nicht auf dem freien Markt erhältlich, genau wie unsere Proteinriegel.

`Ich übernehme die Leiter´, teilte Vas mit.

Ich nickte ihm zu. Er stieg nach unten und gab uns dann das Zeichen ihm zu folgen. Wir folgten ihm nach unten, um auf einen weiteren Tunnel zu stoßen, der direkt geradeaus verlief und dann scharf nach rechts abknickte.

`Merde, dieses Ding ist riesig´, übermittelte Alicia.

In der Nähe der Alpha-Adrenalin-Stapel waren mehrere kleine Schubkarren aufgereiht, und da kam mir eine Idee. Wir warfen ein paar Stapel in einen der Karren, und dann ging Vas voraus, den Schubkarren vor sich herschiebend, während wir ihm folgten. Jetzt waren wir fröhliche Drogenschmuggler, und wenn wir jemanden über den Weg liefen, würde ich einfach behaupten, dass wir Anweisungen hatten, das Alpha woanders hinzubringen.

Wir erreichten die Ecke und stießen beinahe mit einem Kerl zusammen, der in unsere Richtung kam. Er fing schon an auf Vas einzuschreien.

„Was treibt Ihr hier?“, brüllte der Kerl.

Tja eigentlich dachte ich, dass ich Zeit hätte, die Sache zu klären, aber da schoss ihm Mitch schon in den Schädel. Der Bursche fiel um, Vas steuerte mit der Schubkarre um ihn herum, während Gillian die Arme des Kerls packte und ich seine Beine nahm. Mit Schwung schmissen wir ihn in die hinter uns liegende Kammer. Dann eilten wir hinter Vas und den anderen her. Nach einiger Zeit hörten wir Stimmen.

Leise.
Auf Naridisch.

Vielleicht lag es am Adrenalin oder an dem Gedanken, bloß keinen meiner Leute zu verlieren. Ich huschte um Vas herum und lief voraus, weiter den Tunnel hinunter. Ich stürmte geradewegs in eine nächste Kammer mit ungefähr zehn Schlafstätten auf dem Boden. Teppiche, dicke Decken, alle nebeneinander aufgereiht wie in einer Kaserne. Ich nahm alles auf einmal auf.

Oben brannte auf einer kleinen Holzkiste eine einzelne Laterne. Zwei Söldner unterhielten sich, während sieben andere schliefen. Ich erschoss die ersten beiden Kerle praktisch sofort, die anderen sieben folgten einen Sekundenbruchteil später. Das Team war einen Augenblick später an meiner Seite.

`Gute Arbeit´, lobte Vas und verpasste mir einen Knuff.

Der nächste Tunnel wurde wesentlich schmaler und wir mussten uns auf die Seite drehen, um einen besonders engen Abschnitt zu passieren. Natürlich musste Vas den Schubkarren stehen lassen. Schade eigentlich. Mitch quetschte sich durch die Enge und schabte an der Felswand entlang. Er geriet etwas in Panik, aber ich übermittelte ihm beruhigende Gedanken und nickte nach vorne.

`Guck da vorne wird es schon besser´, teilte ich ihm mental mit.

Der Gang wurde dort tatsächlich wesentlich breiter, aber ein ekelerregender Geruch schlug uns entgegen.
Es stank nach Abwasser.

Ich wollte nicht glauben, dass die Söldner so dämlich waren, mitten in ihrem Tunnelsystem eine Latrine angelegt zu haben, aber dem Gestank nach zu urteilen, hatten sie genau das getan!

Ich unterdrückte ein Husten und hatte dadurch das Gefühl kotzen zu müssen. Vas rückte weiter vor und der Geruch wurde noch schlimmer. Wir kamen an eine Weggabelung, wo der schlimmste Gestank von rechts kam. Ich glaubte mittlerweile dass meine Augen davon tränten und meine Lunge verbrannt wäre. Und meine Haut fühlte sich auch extrem schmierig an. Vas schob sein Gesichtstuch nach unten und hielt sich die Nase zu.

`Wir nehmen auf keinen Fall den rechten Tunnel´, lachte er in den Flow.
`Doch, den nehmen wir´, hielt ich dagegen.

Vas schüttelte energisch den Kopf.
Mitch riss nur ungläubig die Augen auf und Alicia fing an zu würgen.

`Entscheidet Euch mal, mir brennt es hier die Augen weg!´, schnauzte sie via Interkom.
`Dir auch?´, fragte ich überrascht.

`Argh ich sterbe! Kabir dafür sollten wir Dich auspeitschen´, fauchte Gillian.
`Na ich hab hier nicht hingeschissen!´, hielt ich lachend dagegen, musste dann aber ebenfalls würgen.

Ich riss mich zusammen und ging weiter, dabei drückte ich mir eine Hand auf Mund und Nase aber es nützte nichts. Selbst mein Chip schwieg – oder war ohnmächtig geworden. Vas rollte wie ein tollwütiger Hund mit den Augen und folgte mir. Wir näherten uns weiter dem grässlichen Gestank.

`Kab sag mal bist Du Masochist? Ich kann kaum noch atmen´, teilte mir Vas mit.
`Mir fallen die Haare aus´, heulte Gillian.

`Meine Haare stehen in Flammen´, hielt Alicia dagegen.
`Mein ganzer Kopf ist taub´, knurrte Mitch.

`Geht einfach weiter´, antwortete ich freundlich.

Der Untergrund wurde feuchter, und etwa zwanzig Meter weiter vorn lagen zwei breite Holzplanken, die über ein nächstes Loch im Boden hinweg führten. Unmittelbar vor dem Loch zweigte linkerhand noch ein Tunnel ab, an dessen fernem Ende sich Licht bewegte. An der Weggabelung angelangt sah ich, dass sich der Tunnel aufwärts wand und jenseits davon der Nachthimmel zu sehen war. Der Weg nach draußen! Wir hatten es fast hinein geschafft.

Plötzlich tauchten zwei Söldner auf, die Waffen gesenkt, aber jederzeit bereit diese hochzureißen. Sie unterhielten sich gerade miteinander, als sie Vas und mich entdeckten. Einer sah auf und schrie etwas. Ich erschoss den Kerl der schrie, Vas den anderen. Hinter uns, in dem Loch, aus dem ein so scheußlicher Gestank von menschlichen Fäkalien und Urin aufstieg, dass es kaum auszuhalten war, ertönte ein gedämpfter Schrei, der von den Wänden widerhallte.

„Was ist dort in dem Loch?“, flüsterte Sophie.

Sie und Alicia bildeten unsere Nachhut um die beiden Frauen weitestgehend vor Feindkontakt abzuschirmen.
`Schauen wir nach´, antwortete Vas und näherte sich vorsichtig dem Loch.

Ein weiterer jugendlicher Söldner erschien, stutzte und schrie. Mitch feuerte… und verfehlte ihn! Der Mistkerl rannte davon und brüllte nach Verstärkung.

Ich stürmte hinter dem Kerl her, der davon gesprintet war. Er war ganz schön schnell für einen gewöhnlichen Menschen, aber nicht schnell genug. Mein Herzschlag dröhnte mir in den Ohren. Der Tunnel wand sich abrupt nach links und beschrieb dann unvermittelt eine Rechtskurve.

Der Kerl erreichte eine Leiter in der Sackgasse des Tunnels und kletterte nach oben. Ich riss ihn per Telekinese zurück und er krachte hart auf den Boden. Zitternd hob er die Hände hoch, um sich zu ergeben.

„Gnade, bitte. Ich… ich wache nur“, stammelte er mich an.

Wir gewähren keine Gnade, ich erschoss ihn. Ich drehte mich um, sah die Laterne in der Ecke, die den Weg beleuchtete und weitere Alpha-Stapel sowie zig Munitionskisten.


Jemand rief einen Namen und fragte dann auf Naridisch: „Wo bist Du?“.

Ich riskierte einen raschen Atemzug und schaute auf. Dort, umrahmt von dem Loch in der Decke, lehnte sich ein Mann nach unten. Sein Gesicht spiegelte sich in der Laterne. Ich verpasste ihm einen tödlichen Gedankenschlag. Er stürzte nach unten und krachte auf den ersten Kerl.

Er war älter, mit einem grauen Vollbart. Sein Körper bebte – unkontrollierbares Nervenzucken. Wie bei einer Schlange der man den Kopf abgeschlagen hat, aber ihre Nerven einfach nicht glauben wollen, dass der Körper längst tot ist.

Noch immer von einer gewaltigen Euphorie-Woge angetrieben, stieg ich die Leiter hoch, von der ich annahm, dass sie in eine weitere Kammer führte. Ich war schon fast oben und bereit, mich umzudrehen, als jemand unten in den Tunnel hastete, mich von der Leiter pflückte und damit fast zu Tode erschreckte. In der letzten Sekunde erkannte ich Mitch. Eine Sekunde später und ich hätte ihn erschossen.

„Kab“, keuchte er flüsternd und rieb sich die Schläfen mit zittrigen Händen.
„Bist Du irre oder was? Ich hätte Dich fast umgebracht!“, fauchte ich ihn besorgt an.

„Bleib wo Du bist, geh nicht zurück“, befahl er unmissverständlich.
„Wieso?“, fragte ich lauernd, spürte nach meiner Truppe aber alle waren wohlauf.

Allerdings spürte ich eine weitere Person, die vor kurzem gegangen war. Meine Gruppe empfand Trauer und mir dämmerte, was sie gefunden hatten.

„Wir haben in dem Loch ein Mädchen gefunden“, antwortete er mit gebleckten Zähnen und schüttelte dann den Kopf.

„Verstehe“, sagte ich und kaute auf der Unterlippe.
„Unterlass das bitte ja? Das macht mich… nervös….“, sagte Mitch und schaute demonstrativ in die andere Richtung, „Du gehst nicht zurück, dass das klar ist“.

„Entschuldige, ich wollte Dich nicht ärgern. Wir werden die Kleine rächen“, sagte ich mit felsenfester Überzeugung und konzentrierte mich auf ihre Farben.
"Wir werden Dich rächen", teilte ich ihr mit. Auch wenn sie nicht mehr antworten konnte und schon am Verblassen war, spürte ich dass es ihr etwas bedeutete.

„Warum starb sie jetzt? Warum? Verstehe ich nicht, das ist unfair Kab“, flüsterte Mitch wütend und enttäuscht zugleich.

„Das ist ein Paradoxon. In so einer ausweglosen Situation wartet man auf Rettung. Und sobald diese da ist, gibt man den inneren Kampf auf. Man muss nicht mehr durchhalten, die Rettung ist da. Und dann sterben sie. Wäre ich dem Scheißkerl nicht nachgerannt, hätte ich…“, setzte ich an aber er hielt mir den Mund zu.
„Nein Kab, das hättest nicht mal Du hinbekommen. Ich hab sie gesehen, in diesem Loch. Und wag es Dich nicht, meine Gedanken zu lesen. Ich will nicht, dass Du diese Bilder siehst“, zischte Mitch.

Ich nickte stumm und dankbar als Antwort. Egal was wir sonst taten, wer oder was wir waren, in so einer Situation empfanden wir für diese verlorene Schutzperson Trauer. Ich dachte an Sophie und sie kam mir mit der Truppe entgegen gelaufen.

„Kab“, sagte sie liebevoll und drückte mich. Ich drückte sie tröstend zurück, schüttelte mich und zog die P8.
"Wir haben einen Job zu erledigen und ich hab ein Versprechen einzulösen", antwortete ich ihr und gab die Vorhut.

`Wir haben ein Versprechen einzulösen Kab´, sagte Vas und boxte mich vor die Schulter.
`Hast Recht Boss´, stimmte ich zu, was ihn grinsen ließ.


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Re: Gras-Schlangen

#24

Beitrag von Kabir » Sa 6. Apr 2019, 21:23

Kugeln mit Namen


Wir schleppten die Leiter zum nächsten Loch in der Decke, kletterten nach oben und gelangten in eine weitere Kammer mit noch mehr Kisten voll Munition und voller Notrationen. Ein schmaler Tunnel führte zu einem zweiten noch größeren Raum, aus dem es geradezu bestialisch nach Leid „stank“ und in dem einige Laternen hell brannten.

Kaum in den Raum eingetreten, blieb mir der Mund offen stehen.

Da waren Mädchen im Alter von vielleicht höchstens zwölf Jahren von zig Völkern in zerlumpten Kleidern, gefesselt und geknebelt, einige saßen an den Wänden, andere schliefen. Wieder andere starrten mich mit leeren Blicken an, und einige weinten trotz ihrer Knebel.

Auf der anderen Seite des Raums befand sich ein Schlafbereich, wo sich Kissen und Decken stapelten. Ich erschauderte, als ich mir vorstellte, was hier vorgefallen war und schirmte meine Gedanken komplett ab.

`Ich raste gleich aus´, zischte ich mental. Ich muss es extrem wütend gesagt haben, denn jeder aus meinem Team plapperte auf einmal beruhigend auf mich ein.

Ghul würde alles leugnen, würde man ihm diese Missetat vorhalten. Er ließ zu, dass es überhaupt zu so etwas wie dort kam. Aus den Augenwinkel erhaschte ich eine Bewegung, und dann tauchte ein weiterer Söldner aus dem Tunnel nahe der Rückwand auf. Ich verpasste ihm einen mentalen Hieb der ihn komplett zerfetzte und seine Überreste gegen die Wand schmierte.

Ich drehte mich um, ging auf die Mädchen zu und hockte mich in ausreichend Abstand vor sie um ihnen keine Angst zu machen.

„Wir werden Euch helfen“, erklärte ich ihnen auf Naridisch. Eine Kleine wehrte sich besonders gegen die Fesseln und den Knebel. Also befreite ich sie als Erste. Sie hatten die Mädchen mit billigem Nylonseil gefesselt und mit Wäschestücken geknebelt, von denen man lieber nicht wusste, was sie waren. Die anderen machten sich daran, die restlichen Mädchen zu befreien.

„Hila“, sagte die Kleine und zeigte auf sich selbst.
„Kabir“, antwortete ich ihr und zeigte auf mich.

Dann fing sie so schnell an zu sprechen, dass ich kein Wort mehr verstand.

„Wowowow – ist schon in Ordnung“, sagte ich in besänftigendem Tonfall.
„Meine Schwester, ja? Da meine Schwester, dort“, sagte sie und zeigte den Tunnel lang runter.

Vas schüttelte nur den Kopf und Hila ließ den Kopf sinken.

„Danke für Hilfe…. für befreien uns“, sagte sie leise.
„Wir werden Euch hier raus schaffen. Euch alle. Verstehst Du das?“, fragte ich langsam.

„Ja“, bestätigte sie eifrig nickend.
„Kannst Du es für mich den anderen übersetzen?“, fragte ich freundlich.

„Ich kann das“, stimmte sie zu.

Hila sprach hastig mit den anderen Mädchen und alle starrten mich an.

„Kabir, wir müssen die Mädels später holen. Wir könnten sie hierlassen und später abholen. Oder wir könnten sie irgendwo verstecken und dann mitnehmen, sobald wir die Gegend gesichert haben. Wir sind hergekommen um Ghul zu holen und jetzt das? Wir können sie nicht mit in das Hauptquartier nehmen und den Grünling aufmischen. Wir müssen uns was einfallen lassen“, warf Vas ein.

„Das kann ich nicht, ich werde sie nicht zurücklassen. Komm schon“, antwortete ich ihm ruhig.
„In Ordnung Großer. Einer einen Vorschlag?“, fragte Vas in die Runde.

„Wir bilden mit den Mädels die Nachhut. Kabir kann uns alle abschirmen, dass wird kein Problem. Kommt es zu Kampfhandlungen, verstecken wir uns mit ihnen, bis Ihr uns Signal gebt, das die Gegend sicher ist. Einverstanden Vas?“, schlug Alicia vor.
„So machen wir das“, stimmte Vas zu.

Hila tippte mich und Vas vorsichtig an.

„Ihr kommt wegen Grünling?“, fragte sie leise.
Vas beugte sich vor und nickte langsam.

„Ja richtig, wegen dem Grünling“, pflichtete er ihr bei.

Sie schürzte die Lippen, so dass man ihre kleinen Zähne sah.
„Mädchen und ich wissen wo Grünling wohnt“, sagte sie und schaute auf die anderen Mädels. Sie übersetzte und die anderen nickten alle beipflichtend.

Keiner konnte oder wollte uns sagen wo der Grünling wirklich zu finden war. Ghul war gut darin, Informationen zu korrumpieren. Trotzdem hätte ich nie im Leben daran gedacht, dass mir der Aufenthaltsort meiner Zielperson von einem kleinen Mädchen verraten werden würde. Das Schicksal hatte uns zusammengeführt, oder das gnadenlose Universum.

„Kommt“, befahl Vas.

Wir folgten ihm, in der von Alicia vorgeschlagenen Reihenfolge. Das hieß Vas gab die Führung, gefolgt von Mitch, Gillian und mir, die Nachhut bildeten die Mädels. Wir kletterten die Leiter hoch immer weiter dem Nachthimmel entgegen. Einige Augenblicke später krabbelten wir aus dem Loch und zogen unsere Kameradinnen nach.

„Ich weiß wo Grünling“, flüsterte Hila die an meine Seite geeilt war.

Vas musterte Alicia und Sophie.
`In Ordnung, Planänderung. Schafft die Mädels hier raus. Durch die Tunnel zurück, immer den Sendern nach. Bekommt Ihr das hin?´, fragte Vas besorgt.
`Wenn Gillian uns zur Unterstützung begleitet mit Ai ja. Ich kämpfe mit Gill Seite an Seite. Einverstanden?´, fragte Alicia in die Runde.

`Einverstanden´, bestätigte Gill, und wartete Vas Entscheidung ab.
`Gut geh mit Alicia und Sen. Ihr wisst was Ihr zu tun habt. Wartet in sicherem Abstand zum Dorf auf uns. Viel Glück´, antwortete Vas.

Die Gruppe schlich leise los, während Hila neben mir hocken blieb.
„Wo lang?“, fragte ich leise und drückte ihr eine meiner Pistolen in die Hand.

Erstaunt hielt sie die Waffe hoch und grinste mich dann an.
Hila zeigte mit der Pistole in eine Richtung.

„Geh vor, ich pass auf Dich auf. Keine Angst“, sagte ich leise.

Sie führte Vas, Mitch und mich zu einem anderen Loch.
„Moment, wo willst Du hin?“, fragte ich.
„Der Grünling ist doch nicht da unten oder?“, fragte Mitch.

„Nein Grünling wohnt in Burg hier im Dorf“, erklärte sie leise.
„Ja gut dann laufen wir da hin“, sagte Vas.

„Nein gehen da unten“, sagte Hila.
„Hä?“, fragte Mitch.

„Wir gehen unten?“, fragte ich verwirrt.
„Ja“, strahlte sie mich an, „von unten Du musst nicht viel gehen. Nicht von großes Tür stoppst Du. Bist schon in Burg“.

„Du meinst, einer der Tunnel führt direkt in sein Hauptquartier? Also in sein Haus?“, fragte ich breit grinsend und sie nickte eifrig mit genauso breitem Grinsen. Wir vier starrten uns für Sekunden mit extrem breitem Grinsen an, ehe wir loshuschten.

Während wir uns auf den Weg zu Ghuls Estate machten, eilten Gillian und die restlichen Mädels durch die Tunnel zurück. Sie folgten den Signalsendern, die Vas platziert hatte.

Als Hila und wir weitergingen, erinnerte ich mich daran, dass man das Ganze zwar nicht verallgemeinern durfte, aber die Söldner von Ghul waren Dreckspack. Ihre Taten waren unentschuldbar, und wenn ich Hila ansah oder auch Sophie, wollte ich Ghul lieber umbringen als nur ein Wort mit ihm wechseln, egal wie wichtig die Info für mich war.

In meinen Augen war er der Inbegriff eines Feindes.

In diesem Augenblick sorgte ich mich schlagartig um Sophie, Alicia und Gillian. Ja auch um Gillian, denn auch ihm konnte widerfahren was Sen durchgemacht hatte.

Vas blieb einen Moment stehen und duckte sich. Wir kauerten uns neben ihn.

`Kabir an meine Seite´, befahl er via Interkom und ich gehorchte.
`Ja?´, hakte ich nach. Er legte mir eine Hand auf die Schulter.

`Sobald wir drin sind, wirst Du den Gobo auslesen und dann grillen. Röste ihm das Hirn. Das ist ein Befehl´, sagte er grinsend.
`Selbstverständlich Boss. Betrachte die Grünhaut als so gut wie gegrillt´, grinste ich zurück.

Hila schlüpfte nach vorn, ergriff mein Handgelenk und führte uns weiter. Wir stiegen also erneut hinab in die Gänge und liefen eine ganze Weile. Am Ende des nächsten Ganges entdeckten wir einen Mann, der eine Leiter runterkam. Hila schoss zuerst auf ihn, der Rückstoß der Pistole erschreckte sie. Mit der ersten Kugel traf sie ihn in die Schulter, aber die zweite ging über seinen Kopf hinweg und prallte als Querschläger von der Wand ab. Ich schützte uns vor der eigenen Kugel und Vas verpasste dem Kerl zwei Kugeln in die Brust, so dass dieser rückwärts von der Leiter stürzte. Mitch lief zu dem Kerl rüber und überprüfte den Tunnel.

`Keine weiteren Bewegungen. Zum Glück war der Bursche allein´, übermittelte er via Interkom.

Ich tippte Hila an und zeigte auf ihre Waffe.

„Nimm beide Hände. Halt sie mit beiden Händen fest. Du triffst die Wand, die Kugel kann uns treffen – verstehst Du?“, erklärte ich leise.

Hila schien kurz zu überlegen, was ich gesagt hatte, dann nickte sie stumm und fing lautlos an zu weinen.
„Mein Schuld“, sagte sie und zeigte auf sich selbst.

„Gar keine Schuld, nur Erklärung zur Benutzung“, antwortete ich freundlich und wischte ihr Gesicht sauber.

Sie machte irgendein Zeichen mit ihrer kleinen Hand dass ich nicht verstand, packte mich am Arm und führte uns weiter.

„Hier müssen wir“, flüsterte sie.

Wir kletterten die nächste Leiter runter und fanden uns in einem Beton-Abflussrohr wieder, in dem wir uns bücken mussten.

„Hier das schon Weg zum Grünlinghaus, ja?“, erklärte Hila mir.
„Ja verstehe, wir sind in seinem Abwasserrohr“, antwortete ich ihr.

„Na hoffentlich geht hier nur ein Rinnsal durch, nicht dass das so ein Hochdruckrohr ist, wo die einmal die Stunde die Scheiße raus blasen“, grübelte Vas.

„Du machst uns Mut Vas, ehrlich“, lachte Mitch und ich musste ebenfalls losprusten.
„Also wenn das so ist, sollte die Nachwelt nicht erfahren was uns passierte. In Scheiße ertrunken klingt nicht gerade huldvoll“, gibbelte Vas.

„Wenn wir ertrunken sind, kann es keiner mehr erzählen. Naja jedenfalls wir nicht“, antwortete ich ihm lachend.
„Vielleicht Dein Chip“, prustete Mitch.

„Nee der ist in Ordnung, der würde mit mir solidarisch ertrinken“, hielt ich dagegen und Mitch knuffte mich.
„Falls es doch so ein Rohr ist, haltet die Ohren auf“, warf Vas ein.

„Nach was? Einer Toilettenspülung oder einem verdächtigen Wuschhhh?“, lachte Mitch, was mich ebenfalls wieder loslachen ließ.

„WARTET!“, sagte ich alarmiert.
„WAS?“, fragten Mitch und Vas synchron.

„Laut Input meines Chip, weiß ich nicht ob Goblins kacken“, erklärte ich meinen Leuten.
„Sag Deiner Chip… vergiss es“, lachte Vas und boxte mich.
„Ich werde den Input überprüfen“, prustete Mitch.

Das Rohr führte einfach geradeaus. Eine ganze Zeitlang liefen wir und es wurde immer stickiger.

„Kommen wir näher?“, fragte Vas.
Hila sah ihn fragend an. „Näher?“, hakte sie nach.

„Ghul, ist er hier?“, fragte Vas erneut.
„Bald“, stimmte sie grimmig zu.

Das Betonrohr endete in einem Keller. Fünf Meter hohe Betonwände und fast fünfunddreißig Meter lang. Ich schaute mich staunend um.

„Was ist das?“, fragte ich an keine bestimmte Person gerichtet.

„Vermutlich die Latrine, dass Sammelbecken für den Dreck. Vielleicht war das auch kein Abwasser-Rohr, sondern ein Überlaufschutz. Einen Gully oben, das Becken hier unten und damit es nicht überlaufen kann, einen Abflussrohr, das das Wasser in unbewohntes Gebiet abfließen lässt. Jedenfalls unbewohnt von Goblins. So sieht es jedenfalls aus“, erklärte mir Vas.

„Aha, gut zu wissen. Das hieße dann im Notfall wäre der Raum hier komplett voller Wasser?“, hakte ich nach.
„Vielleicht bei extrem starken Regen für einige Zeit, aber generell nein. Dafür der Abfluss. Sonst würde ja das Rückhaltebecken durch den Wasserdruck gesprengt Kab“, erläuterte Vas freundlich.

„Ja genau, was unglücklich wäre“, grinste ich.
„Vas, wenn die so ein Ding gebaut haben, muss es doch einen Grund haben. Kein Goblin gibt unnötig Geld aus“, warf Mitch ein.

„Klar, ich sagte doch es kann die Latrine sein oder ein Rückhaltebecken. Was immer es wirklich ist, eine Daseinsberechtigung wird es haben. Aber nach einer Latrine sieht es nicht aus, dafür ist es einfach zu sauber“, antwortete unser Leader.

„Wo ist Ghul?“, fragte Mitch Hila.

Die Kleine zeigte grinsend nach oben.

„Da oben, genau über uns?“, hakte er nach und sie nickte eifrig.
„Ist da oben ein Haus Hila?“, fragte Vas.

„Ja. Er ist in großen Zimmer. Liegt immer da“, antwortete sie.
„Weißt Du wie viele Mann dort Wache halten? Wie viele Leute ungefähr sind beim Grünling?“, fragte Vas.

„Viele viele viele – so“, sagte sie und zeigte zwei und dann drei Finger. „So oder so vielleicht“.
„Zwei oder drei Wachen? Kein Problem“, antwortete Mitch.

„Groß drei“, verbesserte Hila.
„Dreißig? Meinst Du dreißig?“, fragte Mitch.

„Nix mittel – groß Drei!“, erklärte Hila, spuckte auf ihren Finger und malte 3 0 0 auf die Betonwand, „Groß-Drei, viele viele Männers da!“.
„Wir stürmen zu dritt in einen Goblinbau in dem ca. 300 Söldner abhängen?“, fragte Mitch ungläubig.
„Für jeden 100 Söldner“, sagte ich und lud die P8 durch.

„Sie sagte zwei oder drei. Vielleicht sind es nur 200, Piano Mitch“, antwortete Vas grinsend.
„Ah ja, gut ich hatte irgendwie kurz Sorge. Gehen wir. Kabir Du solltest uns vielleicht abschirmen zur Vorsicht. Nur so ein Vorschlag“, prustete Mitch.

„Geniale Idee, könnte ich machen“, stimmte ich mit einem Zwinkern zu, ehe mir schlagartig einfiel, dass lieber bei ihm zu unterlassen.
„Spaß beiseite Leute. Kabir Du schirmst uns wie immer komplett ab. Bekommst Du das hin den Großteil der Burschen auszuknipsen per Psi?“, hakte Vas nach.

„Das bekomme ich hin. Ich werde alles in den Erstschlag legen und danach in die Abschirmung. Das heißt ich leg so viele wie möglich um und beschütze Euch danach. Den Rest knallt Ihr ab“, antwortete ich Vas.

Ich konzentrierte mich kurz, wühlte in meinen Taschen und mampfte zig Packungen Traubenzucker runter.

„Perfekt Blitzbirne. Hila wo ist der Zugang nach da oben?“, fragte Vas und deutete auf den Verschluss fünf Meter über unsere Köpfe.
„Leiter kommt runter“, erklärte sie.

„Ich bring uns rauf Boss“, sagte ich freundlich und griff auf meine Gabe zu. Ich formte ein Schild als Bodenplatte um und wir traten auf den glühenden Kreis. Per Leviates ließ ich uns nach oben schweben und wir starrten den Deckel aus der Nähe an. Hila starrte nach unten, starrte mich an und starrte wieder nach unten.

„Bleib ruhig“, sagte ich und hielt sie fest.

Das Schloss zu knacken war für Vas keine große Sache. Die Tür lautlos zu öffnen, war schon eine ganz andere. Nachdem er das Schloss geknackt hatte, hatte er den Schließmechanismus mit verschiedenen Schmiermitteln eingesprüht. Das Zeug sollte hineinsickern, die Scharniere fetten und unterbinden dass es wie in einem Spukschloss quietschte.

Natürlich befanden sich die Scharniere in der Innenseite, so dass er einiges an Schmiermittel brauchte. Doch siehe da, nachdem wir fast im Schmiermitteldunst erstickt waren, ging die Tür lautlos auf. Mitch und Vas drückten sie hoch und Vas übernahm die Führung, indem er als erstes durch die Öffnung spähte und dann über den Rand ins Innere des Hauptquartiers kletterte.

`Nachrücken Jungs, die Luft ist rein´, teilte er via Interkom mit.
Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Wir folgten ihm umgehend auf dem Fuße.

„Wo lang Hila?“, fragte ich leise.
„So immer so“, sagte sie und deutete an, einfach geradeaus zu gehen, „Ja?“.

„Ja verstanden“, antwortete ich und wollte losgehen aber sie hielt mich fest.
„Dann großes Saal, viele Kämpfer. Großes zwei oder Drei. Ich schon erklärt. Aufpassen! Ja?“, erklärte sie und ich begriff, dass sie mir den ganzen Weg erläutern wollte. Ich hockte mich vor sie hin und schaute ihr genau in die Augen.

„Ganzen Weg hm?“, fragte ich.
„Du musst jetzt wissen! Du musst Grünling töten! Für alle, für mein Schwester!“, sagte sie grimmig und ich begriff warum sie es tat. Sie sagte mir den Weg, damit ich den Goblin erlegen konnte, egal was passieren würde.

Und egal was mit ihr selbst geschah. Kurzum, sie gab mir den Input, falls sie fallen sollte. Die Kleine war taffer als mancher Soldat den ich getroffen hatte.

„Dann Stück Flur, dann kommen Türen mit Bilder. Letztes Tür, groß und breit mit Bilder, das ist Zimmer von Grünling“, erklärte sie mir, also im Grunde uns allen.

„Wie hieß Deine Schwester?“, fragte ich sie leise.
„Name von Schwester Pun“, flüsterte sie traurig zurück.

„Wir machen Ritual für Pun“, erklärte ich ihr und zog meine Automatik. Ich zog das Magazin aus der Waffe und drückte die Patronen raus. Fein säuberlich legte ich sie auf den Boden, presste meine Hand drauf und füllte sie mit negativer Energie.

Dann hob ich die erste Patrone hoch und hielt ihr die unheilvoll glimmende Munition vor die Augen.

„Eins - Sophie“, sagte ich und küsste die Patrone, bevor ich sie ins Magazin schob.
„Zwei – Pun“, sagte ich, küsste ebenfalls die Patrone und hielt sie Hila hin. Sie küsste genau wie ich die Patrone und steckte sie vorsichtig ins Magazin.
„Drei – Hila“, weihte ich die Patrone und die Kleine grinste mit Tränen in den Augen.
Ich nickte ihr zu, „Rest Du“.

„Vier – Junbina. Fünf – Myna. Sechs – Kuzuo. Sieben – Zzoyaa. Acht – Sannah. Neun – Eren. Zehn – Hiru. Elf – Kashefir. Zwölf – Urmi“, flüsterte sie die Name und weihte jede Patrone mit einem Kuss, bevor sie sie ins Magazin steckte.

Ich lud die Waffe durch und drückte Hila einen Kuss auf die Stirn.
„Wir töten den Grünling, komm“, sagte ich und stand auf.

`Du wärst ein ziemlich guter Daddy´, übermittelte mir Mitch und knuffte mich.
`Da hat er Recht, dass wärst Du wirklich Kab´, schmunzelte Vas mich freundlich an.

`Danke, so hat die Kleine wenigstens etwas Rache´, antwortete ich Retour.
`Schöner Gedanke, Blutrache für die Gobo-Made. Folgt mir Jungs´, übermittelte Vas via Interkom und schlich den erklärten Weg vor.

Mitch und ich folgten, Hila bildete die Nachhut. Wir hielten genau auf den besagten Raum zu, in dem die Söldner-Armee von Ghul lauern sollte. Ich tastete den vor uns liegenden Raum ab und ich konnte nichts anderes machen, als Hilas Warnung zu bestätigten.

`Kab?´, kam schon die Anfrage von Vas, der sich seitlich an die Tür klemmte und Hila schützend hinter sich klemmte. Mitch klemmte sich an die andere Seite und schob mich schützend hinter sich.

`327 Leben, also Söldner sind in diesem Raum anwesend. Ich spüre aber mehr Leben in diesem Gebäude. Vielleicht sind es insgesamt 400 Personen´, warnte ich Vas vor.

Er nickte knapp und hob die Hand. Drei Finger. Mitch und ich starrten drauf.

Zwei…
eins…
Zugriff!


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Kabir
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Re: Gras-Schlangen

#25

Beitrag von Kabir » Sa 6. Apr 2019, 21:44

Merde


Synchron traten Mitch und Vas mit voller Wucht die Tür ein und eröffneten sofort das Feuer. Die Söldner im Inneren wirbelten erschrocken herum, einige fielen getroffen zu Boden, ein Großteil griff nach seinen Waffen, ein anderer Teil hatte schon die Waffen zur Hand.

Zur selben Zeit gab ich komplett meine geistige Barriere auf und fokussierte meinen Gedankenschlag auf die Söldner-Armee vor mir.

Wie ein gigantisches, angeschossenes Wesen kreischten die Söldner zeitgleich auf, um Sekunden später für immer zu verstummen. Mein Schlag hatte sämtlichen Feinden im Raum die Schädel eingeschlagen.

Bei einigen war sogar der Großteil des Schädels weggerissen. Mit geborstenen Schädeln und gekochten, weißen Augen stürzte die Söldner-Armee zu Boden.

Jeder Psi weiß, es gibt nichts Mächtigeres und Gefährlicheres als die Bindung zwischen Körper und Geist zu zerstören. Es besteht die Gefahr dabei, dass das Band dass die Seele an den Körper bindet einen selbst mit auf die andere Seite reißt, oder man schlichtweg während des Zerreißens an Überanstrengung stirbt.

Eine Bindung zu kappen ist schon schwer, 327 Bindungen synchron mit einem Schlag zu zerreißen ist Schwerstarbeit und so fühlte ich mich auch.

Ich musste kurz durchatmen, während Mitch mich mit einem Arm unterhakte und Vas mir einen Proteinriegel in den Mund stopfte.

`Iss Großer´, befahl er mir via Interkom und fütterte mich direkt mit dem nächsten Riegel.

Ich hatte Mühe mit dem Kauen und herunter würgen hinterher zu kommen, aber nach dem fünften Riegel ging es mir wieder etwas besser.

`Mir schmerzt jeder einzelne Muskel und ich hab das Gefühl ein Jahr lang durchschlafen zu können´, antwortete ich meinem Leader.
`Ja aber nicht jetzt´, hielt Vas dagegen und gab mir aus seiner Feldflasche etwas zu trinken.

Wir hörten Schritte um Stimmen auf dem Gang.

`Kannst Du uns abschirmen?´, fragte Mitch und ich schüttelte den Kopf.
`Nein noch nicht, ich brauche Erholung´, antwortete ich.

`Wie viele?´, fragte Vas und Mitch zeigte fünf Finger.
`Wir legen uns zu den Gefallenen. Stellt Euch tot!´, befahl Vas und wir gehorchten.

Ich zog Hila einfach mit mir und machte ihr es vor. Zeitgleich schmierte ich ihr Gesicht mit dem Blut eines der Söldner ein.

So lagen wir dort für einige Minuten. Vas hätte in Panik verfallen können. Er hätte irgendetwas Unüberlegtes tun können, etwa uns einzeln wegschicken, einen nach dem anderen. Aber dabei hätte man uns erschießen können. Also hatte er etwas befohlen, von dem ich bis dato nur annahm, dass es in Holo-Filmen funktionierte.

Er hatte befohlen dass wir uns tot stellen sollten, und das taten wir auch.

Wie von Mitch angegeben, betraten wirklich fünf Söldner den Raum. Sie starrten auf ihre toten Kameraden und blieben für Sekunden unschlüssig stehen, ehe sie sich langsam in Bewegung setzten.

Der erste Kerl hatte sich gerade an Vas herangepirscht und sich über ihn gebeugt, als dieser sich blitzartig aufsetzte und ihm das Einsatzmesser schneller als eine zustoßende Giftschlange ins Herz stieß.

Fünfzehn Zentimeter tödlicher, schwarzer Stahl. Als der Söldner nach hinten fiel, hatte sich Vas bereits die Waffe des Burschen geschnappt und die restlichen vier Kerle mit sauberen Kopfschüssen abgeknallt.

Ich rollte mich auf den Bauch und starrte Vas voller Anerkennung an.

`Hopp, weiter geht’s´, grinste er nur.
`Boss, das war erstklassig´, zollte ich ihm Respekt.

`Kab merk Dir eines, selbst in einer Welt voller High-Tech gibt es keinen Ersatz für kalten, harten Stahl. Ebenso wenig wie für den Überlebenswillen´, übermittelte er mir und zog mich auf die Füße.

Von jenem Tag an, trug ich mein Einsatzmesser stets bei mir.

Kaum wieder auf den Beinen, rannten wir den Weg den Hila zuvor beschrieben hatte entlang. Der Weg beschrieb eine Kurve und wir hasteten durch die weit offen stehende Tür die direkt vor uns lag und stießen auf einen Trupp Söldner.

Vermutlich war es die Verstärkung der ersten fünf Männer. Die Truppe starrte uns an und wir starrten zurück. Solange nur gestarrt wurde, hatte ich Zeit mich zu erholen.

„Den Weg frei!“, bellte Vas.

Die Reaktion auf seine Worte fiel anders aus, als er erhofft hatte. Die Menge vor ihm rückte geschlossen einen Schritt vor, dann löste sich eine einzelne Gestalt aus dem Mob und deutete auf Vas selber.

„Ihr Scheiß-Souvagner macht nur Ärger, egal wo Ihr auftaucht. Legt die Waffen nieder, sofort. Ihr vergesst wohl wo Ihr Euch befindet!“, schnauzte der Söldner.

Vas war einen Augenblick genau wie wir ehrlich verblüfft. Dann machte sich Zorn auf seinen Zügen breit. Mit einem Ruck hob er die Waffe und zielte auf das Gesicht des Burschen vor sich.

„Scheiß-Souvagner? Sagtest Du gerade Scheiß-Souvagner? Du bist wahnsinnig oder? Was glaubst Du wen Du vor Dir hast? Gib den Weg frei, oder ich schieße Dich über den Haufen Merde“, bellte Vas Wut entbrannt.

Der Bursche seufzte, schüttelte fast bedauernd den Kopf und machte einen weiteren Schritt auf Vas zu. Vas drückte sofort ab…

In dem Moment stürzten sich die Wachen wie auf ein geheimes Kommando auf uns. Vielleicht war es auch der Schuss in die Fresse ihres Kollegen.

Vier warfen sich auf Vas und jeweils zwei auf Mitch und mich, während der Rest gekonnt damit beschäftigt war sich im engen Flur selbst im Weg zu stehen. Hila schenkten sie keinerlei Beachtung.

Dass die Angreifer die „Scheiß-Souvagner“ unterschätzten, war ein Fehler, den zumindest zwei von ihnen sofort bitter bereuten. Mitch riss sein Nahkampfmesser heraus.

Er empfing den ersten mit einem Stoß des Ellenbogens, der dem Typen die Hälfte seiner Zähne kostete und ihn mit einem gurgelnden Schrei zurücktaumeln ließ. In der gleichen Bewegung wirbelte Mitch herum und schlug einem zweiten Kerl das Gewehr brutal aus den Händen.

Mitch sprang nach vorn, fegte einem meiner Angreifer die Beine unter dem Körper weg und versuchte die Kehle meines zweiten Angreifers aufzuschlitzen, als er stolperte. Sein Hieb ging ins Leere.

Er strauchelte, vom Schwung seiner eigenen Bewegung mitgerissen und versuchte mit einem raschen Schritt das Gleichgewicht wiederzufinden. Ich wollte Mitch gerade per Telekinese grabschen und festhalten, damit er nicht stürzte, wäre nicht einer der Angreifer so dumm gewesen, nach seinem Messer zu grabschen, um ihm die Waffe aus der Hand zu reißen.

Sein Fehler kostete ihn drei Finger, und der plötzliche Ruck half Mitch seine Balance wiederzuerlangen.

Mit einem Tritt schleuderte er den Mann zu Boden, ich zerschmetterte dem Burschen mit einem gezielten Tritt den Schädel und wir stellten uns Rücken an Rücken. Für einen Moment hatte Mitch uns Luft verschafft. Es sah nicht gut aus. Ich war durch den gewaltigen Mentalschlag gegen Ghuls Hauptarmee immer noch geschwächt, trotzdem sah der Gang nach kurzer Zeit bereits aus wie ein Schlachtfeld. Ein halbes Dutzend Männer lagen verwundet oder sterbend am Boden, aber die Übermacht war einfach erdrückend.

`Kab komm, kram in Deinen Taschen, vielleicht hast Du noch einige von Ainuwars heiligen Drops. Lutsch die Dinger!´, befahl Mitch, was mich trotz der heiklen Situation loskichern ließ.
`Das waren normale Traubenzuckerdrops, gut für die Konzentration. Hab aber leider keine mehr´, antwortete ich ehrlich.

Vas zog gerade mit brachialer Gewalt sein Gewehr einem anderen Gegner über den Schädel. An jedem seiner Arme hingen jetzt gleich drei der Burschen und versuchten ihn zu Boden zu zerren, zwei weitere stießen mit ihren Elektroschockern nach ihm.

Vas wild austeilende Tritte hielten sie noch auf Distanz. Jetzt war mein Job gefragt, ob ich nun Traubenzuckerdrops hatte oder nicht.

Aber wenn ich eines hasse, dann Tensegeräte. Wir kennen sie als Bestrafer von klein auf, und nichts was uns mehr Schmerzen zufügt als ein Stromschlag. Wir fühlen es in einer Intensität die für einen normalen Menschen unbegreiflich ist.

Und sollte mich einer der Burschen damit treffen, wäre ich im Land der Träume. Ich knuffte kurz Mitch in die Seite, als Zeichen dass er meinen Schutz übernehmen musste und konzentrierte mich auf einen der Angreifer von Vas.

`Tensestab fallenlassen! Töte die fünf Angreifer mit der Schusswaffe! SOFORT!!!´, suggerierte ich ihm per Gedanken.

Der Kerl ließ den Tensestab fallen, als wäre dieser schlagartig glühend heiß, riss mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit seine Waffe heraus und feuerte auf seine fünf Kollegen, bis sich davon keiner mehr rührte.

`Richte Dich´, zwang ihn den Burschen, `Waffe ins Maul und Abzug´.

Vas starrte den Kerl wie vom Donner gerührt an. In derselben Sekunde stopfte sich der Bursche seine Waffe bis zum Anschlag in den Schlund und zog den Abzug durch.

„Was ist da los?“, brüllte einer der Söldner, nicht verstehend was vorgefallen war.

Die nächste Attacke trugen die Angreifer sowohl entschlossener als auch klüger vor. Gleich zwei Burschen mit langen Tensestäben drangen auf Vas ein. Mit einer blitzschnellen Hieb- und Stichkombination seines Messers trieb Vas die beiden auf Distanz zurück, traf sie aber nicht.

Dafür musste er selbst einen Treffer des Tensestabes in Kauf nehmen. Die Wucht ließ ihn aufstöhnen. Mit einem Konterschlag kappte er die Waffe am Heft und zerstörte so den Stab. Die beiden Kerle griffen erneut an.

`Das gibt’s doch nicht. Der zieht die Burschen magisch an!´, übermittelte ich Mitch.

Mit einem Sprung war ich an Vas Seite, spürte instinktiv die Gefahr hinter mir und ließ mich mit einer halben Drehung auf das linke Knie fallen. Ein halber Meter Stahl zischte so dicht über meinen Schädel weg, dass ich den Luftzug spüren konnte.

Im gleichen Augenblick traf mein Messer das Schienbein des Mannes und trennte den Unterschenkel sauber ab. Der Bursche brach mit einem gellenden Schrei zusammen. Ich warf mich zur Seite, als der Mann mich unter sich zu begraben drohte, kam mit einer Rolle wieder auf die Füße und riss gleichzeitig dessen Waffe per Telekinese an mich, den der Kerl im Holster stecken hatte.

`Vas!´, rief ich und warf ihm das Ding zu.

Vas stieß einen Mann von sich, der mit einem dreizackigen Tensestab nach seinem Gesicht stoßen wollte. Er sprang hoch, griff nach der Waffe die ich ihm rüber geworfen hatte und fing sie auf.

Im gleichen Augenblick musste er einen Messertreffer hinnehmen und einige Tropfen von seinem Blut fielen auf den Boden. Der Angreifer fand nicht viel Zeit, sich an seinem Erfolg zu erfreuen denn Vas rammte ihm die Mündung der Waffe brutal in die Fresse und zog den Abzug durch.

Vas hatte den Kerl fast im gleichen Moment getötet, wo er die Waffe umgriffen hatte. Die Burschen begannen allmählich eine gewisse Taktik zu entwickeln, die uns nicht besonders gut gefiel. Immer zwei von ihnen griffen absolut gleichzeitig an. Früher oder später würden wir schwer verletzt werden.

Erneut wurde ich von zwei Kerlen in die Mangel genommen. Als die beiden Männer das nächste Mal heranstürmten, schlug ich nicht sofort mit dem Messer nach ihnen, sondern sprang in die Höhe, drehte mich um die eigene Achse und trat mit aller Gewalt zu.

Mein Fuß zerschmetterte den Unterkiefer des einen Kerls, gleichzeitig kam ich wieder auf die Füße. Erst dann stach ich zu und streckte den zweiten Angreifer nieder.

Die Situation wurde immer brenzliger. Eine Tür weiter hinten öffnete sich. Obwohl wir etliche Gegner ausgeschaltet und umgebracht hatten, wuchs jetzt die Zahl der Angreifer noch.

Die Männer hatten Verstärkung bekommen.

Ich spürte wie es mir besser ging, und schirmte meine Gruppe sofort ab. Vereinzelt gelang es einem schwerverletzten Angreifer hinter uns zu kommen, aber diese Burschen waren keine Bedrohung solange meine Leute unter dem mentalen Schild blieben.

Hila hatte sich der Aufgabe angenommen diese kurz und schmerzlos einfach abzuknallen. Mit raschem Blick überzeugte ich mich, dass keiner von meinen Leuten schwer verwundet war.

Mitch blutete aus einem Dutzend kleinerer Wunden. Sein Atem ging schnell und stoßweise. In dem Moment waren wir zwar sicher, aber die verbliebene Übermacht war immer noch erdrückend.

Mitch und Vas nickten sich knapp zu und stürmten los. Mitch kämpfte wie besessen. Je mehr er abstach und aufschlitze, je mehr schienen es zu werden. Der Flur glich einem Schlachthaus. Zahlreiche Männer langen tot auf dem Boden.

„Truppführer in Not! Wir brauchen Hilfe. Truppführer in Not! Wir erbitten Hilfe… Sicherheitsteam?“, plärrte einer der Soldaten in sein Com, das ich schon längst per SENTIR gehackt hatte.

Er schaute verzweifelt auf das Gerät. In gleichen Moment ging es hoch und zerfetzte dem Kerl das Gesicht.

„Wenn man keine Ahnung hat – einfach mal die Fresse halten“, lachte Mitch und Vas stach den Kerl mit seinem Messer ab, wehrte sich gleichzeitig gegen einen weiteren Angriff und sah sich erneut wild um. „Wir brauchen einen Durchschlupf zum Grünling, such uns einen Weg Kab“, rief er mir zu.

„Geradeaus“, sagte ich und zeigte unnötiger Weise in die Richtung. Was so komisch daran war, weiß ich gar nicht, aber wir mussten alle drüber lachen.

„Da steht der Feind!“, wandte Vas ein.
„Sag bloß. Warum er da wohl steht was?“, antwortete ich ihm grinsend.

„Du schuldest mir fünf Erdbeerriegel Kab – Zickenstrafe“, hielt Vas lachend dagegen.

Der Angriff der Gegner verlor an Schwung. Keiner kam uns mehr nahe um uns zu treffen oder zu verletzen. Vas und Mitch zogen sich zu uns unter den Schild zurück.

„Sie haben endlich genug“, keuchte Mitch, legte mir einen Arm um die Hüfte und lehnte sich an mich an.

Ich lehnte mich gegen ihn und legte ihm freundschaftlich einen Arm um die Schulter, so dass nun Vas losbrüllen musste vor Lachen bei dem Bild das sich ihm bot.

„Ihr seid wirklich ein süßes Paar“, grinste er uns an.
„Find ich auch“, grinste mich nun auch Mitch an und zog mich fester an sich.

„Brennt Dir der Helm Mitch? Lass den Unfug. Das macht zehn Erdbeerriegel Vas – Verleumdungsstrafe“, antwortete ich prustend, wurde dann aber schlagartig ernst da ich eine gewaltige Bedrohung spürte.

„Da stimmt etwas nicht“, entgegnete ich besorgt.

Als wäre meine Bemerkung ein Stichwort gewesen, zogen sich die Angreifer plötzlich ein gutes Stück zurück und gaben eine Gasse frei.


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Re: Gras-Schlangen

#26

Beitrag von Kabir » Sa 6. Apr 2019, 22:23

Auf zu Ghul


Vor uns stand ein seltsames Wesen. Es sah aus wie ein deformierter Goblin. Fast 3 Meter hoch und mit gewaltigen Muskeln bepackt, starrte uns das Vieh an.

„Was ist das?“, fragte ich baff.
„Ein Ork“, antwortete Mitch zeitgleich mit meiner KI.

„Wo in aller Welt haben die einen Ork her?“, fragte ich erstaunt.
„Du hast vielleicht Sorgen, frag die doch“, antwortete Vas besorgt.

Wir wurden still. Vas so besorgt zu sehen, ließ mich frösteln. Und was mein Chip über Orks ausspuckte, machte die Sache nicht angenehmer. Sie waren gewaltige Gegner und dieser hier war zudem aufgewertet, einem Rakshaner nicht unähnlich.

„Passt auf seine Krallen auf. Wenn wir alle zusammenhalten und gleichzeitig angreifen, haben wir eine Chance“, sagte Vas und ging in Kampfpose.
„Was? Das Dings angreifen?“, rief Hila von hinten total aufgelöst.

„NEIN! Vergiss es! Wir müssen versuchen seine Beine zu erwischen. Wenn wir ihm die Beine abreißen ist es für mich harmlos und ich zerfetze ihn“, befahl ich.
„Blond hör auf Kabir! Gehorchst Du ihm!!!“, befahl die kleine Hila.

Vas drehte sich in Zeitlupe zu ihr um, legte den Kopf schief – schaute sie einen Moment kopfschüttelnd an und wandte sich wieder den Feinden zu.

„Scheint ansteckend zu sein Dein Befehlston Kabir – 20 Erdbeerriegel fürs befehlen ohne Befehlsgewalt!“, verdonnerte er mich und verkniff sich ein Schmunzeln.
„Wie machen wir das denn jetzt? Beine abschießen und dann?“, fragte Mitch.

Dem Biest die Beine zu kappen war mein Plan. Das war die Theorie. Die Praxis sah komplett anders aus. Vas stieß einen markerschütternden Schrei aus, rannte die vor ihm stehenden Männer einfach über den Haufen und stürzte sich mit erhobenem Einsatzmesser auf den Ork.

Es dröhnte, als würde ein Hammer auf Metall geschlagen, als sein Messer auf den Schädel des Ungetüms krachte. Der Hieb hätte ausgereicht um einen erwachsenen Kerl in zwei Hälften zu spalten und auf der Stelle zu töten.
Der Ork schien den Schlag nicht mal zu spüren. Seine fürchterlichen Fingerkrallen schnappten zusammen und aus Vas Kampfgebrüll wurde ein erschreckendes Kreischen.

Blitzartig zog er Beine und Kopf ein, um so wenig Angriffsfläche wie möglich zu biete. Leider hatte Vas davon aber immer noch viel zu viel. Vermutlich lag es an den vielen Proteinriegeln die er fraß – kleiner Scherz.

Der Ork bewegte zornig die Krallen hin und her und wir hörten wie die Rippen von Vas zu knirschen begannen.

„Wir müssen ihm helfen!“, schrie Mitch.
„Töte mit Götterfaust Kab, mach es tot! Zerklopf es!!!“, rief Hila.

„Ich kann das Vieh nicht zerquetschen ohne Vas zu verletzen. Wir müssen näher ran“, antwortete ich.
„Los“, brüllte Mitch.

Nebeneinander stürmten wir los, aber wir erreichten den Ork nicht, denn in dem Moment griffen die Söldner wieder an. Obwohl meine Abschirmung mich schwächte, und ich immer noch nicht wieder auf voller Höhe war, schleuderte ich die Soldaten zurück.

Sie flogen mehrere Meter wie Stoffpuppen durch den Flur. Ein Großteil blieb liegen, einige standen wieder auf.

Die Kerle blieben auf Abstand, starrten uns verunsichert an und wussten nicht einzuordnen, was sie getroffen und durch die Gegend geschleudert hatte. Wir hatten mehr als ausreichend bewiesen, wie gut wir uns verteidigen konnten, so dass niemand mehr versuchte uns zu treffen.

Die Burschen bauten darauf, dass ihr Ork die Arbeit für sie erledigen würde und uns abschlachtete.

Wir schauten zu Vas und dem Ork rüber. Was wir sahen, sah nicht gut aus und ließ mich zusammenzucken. Der Ork hielt Vas noch immer im Zangengriff gepackt und schüttelte ihn wild.

Scheinbar legte er alle Kraft in die Hände um Vas zu zerquetschen. Ich wusste was für ein harter Brocken Vas war. Ich wusste was er schon auf unserer Reise eingesteckt hatte, und was er sonst wohl mitgemacht haben musste.

Aber die Kräfte des Ork mussten gewaltig und unvorstellbar sein. Vas war nur damit beschäftigt sich festzukrallen und den Körper anzuspannen, aber Blut lief ihm aus dem Mund und ich versuchte den Blick des Ork einzufangen. Es ging nicht.

„Scheiße“, fluchte ich leise.

In ein paar Augenblicken würde der Koloss Vas getötet haben. Das ließ ich nicht zu.
„So nicht!“, donnerte ich das Vieh lauthals an und sprang mit einem Salto über den Kopf eines Monstrums hinweg. Dann fuhr ich herum und trat ihm mit voller Wucht in die Kniekehle.

„Zurück Kabir!“, schrie mich Vas an.
„Nein!“, antwortete ich zähnefletschend.
„Kab ZURÜCK!“, bellte er noch lauter.

Ein Söldner schlich sich an, ich machte eine Bewegung aus dem Handgelenk und schlug denn Mann nieder, fast ohne es zu bemerken und starrte dabei immer noch mein Ziel an.

„Nur Du und ich?“, forderte ich den Ork heraus und Mitch wurde kreidebleich.

Im allerersten Moment schien mein Gegenüber ehrlich verblüfft zu sein, aber dann reagierte der Koloss genauso ich gehofft hatte. In seinen Augen flammte es spöttisch auf.

Mit einer Handbewegung scheuchte er die anderen Männer zurück, schleuderte Vas von sich und hob gleichzeitig seine Klauen.

„Du weißt nicht worauf Du Dich einlässt Winzling“, lachte er. Ich zuckte nicht einmal mit der Wimper. Irritiert versuchte er es erneut.

„Aber bitte, ganz wie Du es willst Souvagner“, prahlte er und griff an.

Schon die allerersten Bewegungen verrieten mir dass er ein ebenbürtiger Gegner war. Ein ganzer Hagel von Hieben prasselte auf mich ein und ließ mich ein Stück zurücktaumeln.

Ich tat unbeholfen, so dass er glaubte mich mit dem zweiten oder dritten Hieb erledigen zu können, hätte er es gewollt. Aber er wollte nicht. Stattdessen gefiel er sich darin, Katz und Maus mit mir zu spielen. Sich als großer Krieger von den Kollegen zu brüsten. Der Bursche grinste.

„Oh Kleiner… überrascht? Dabei hab ich noch gar nicht richtig angefangen“, feixte der Ork und machte einen Ausfall, dem ich scheinbar mit Mühe und Not entging. Dabei lachte er überheblich.

Wie ein Schatten schoss ich auf das riesige Biest zu, untertauchte seine Deckung und hämmerte ihm meine Faust in den Magen. Ich hatte alle Kraft und mentale Macht in den Schlag gelegt.

Mit einem Boxhieb schleuderte ich ihn über den gesamten Flur und gegen die gegenüberliegende Wand. Krachend schlug der Ork eine Delle in die Stahlverkleidung und blieb inmitten eines Hagels aus niederstürzenden Deckentrümmern und Staub liegen.

Er regte sich nicht mehr.

„Überrascht?“, antwortete ich freundlich und drehte mich grinsend zu den verbliebenen Söldnern um.

Im selben Moment brach in dem Flur der Abgrund los, als die Kerle übereinander stolperten und rannten was ihre Beine hergaben.

„Schnell! Da!“, rief Hila und stürmte voran. Wir folgten ihr auf dem Fuße.

Hila erreichte die Tür am Ende des Flures als Erste und stieß sie auf. Gemeinsam betraten wir den Raum. Wir befanden uns im größten Schlafzimmer, dass ich je gesehen hatte. Ein riesiges Bett, schwere Möbel und ein gigantischer Flachbildschirm, dazu eine High-Tech-PC-Anlage, die keinen Wunsch offen ließ.

Es war als befänden wir uns in einem Super-Luxus-Hotel, das mitten im Elendsviertel gebaut worden war.

Sehr surreal.

Einige Teile des Ortes hatten nicht mal Elektrizität, aber Ghul verfügte darüber. Der Dicke hatte weder Kosten noch Mühen für sich gescheut. Wie eine Made im Speck thronte der Goblin auf dem gewaltigen Bett und musterte uns aus gelben, schmalen Augen.


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Kabir
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Re: Gras-Schlangen

#27

Beitrag von Kabir » Sa 6. Apr 2019, 22:40

Ghul der Goblin


„WACHEN!!! Du!!! Du wagst es herzukommen? Du ruinierst mein Geschäft! Du schuldest mir Waffen und Geld. Überleg Dir gut was Du tust Souvagner! Was willst Du hier mit Deinen Leuten?“, blubberte der Goblin auf naridisch und starrte mich wütend an.

„Sophie, Pun, Hila, Junbina, Myna, Kuzuo, Zzoyaa, Sannah, Eren, Hiru, Kashefir, Urmi. Blutrache!“, antwortete ich freundlich.

Zuerst hatte der Goblin noch verdutzt geguckt, aber als das Wort Blutrache fiel, riss er ungläubig die Augen auf.

Hila nickte grimmig, ich riss die Automatik aus dem Holster und schoss.

In weniger als fünf Sekunden hatte ich alle zwölf Kugeln in den Schädel des Goblins gefeuert. Die gespeicherte Energie in den Patronen setzte sich durch den Aufprall frei und der Grünling explodierte.

Die Fetzen flatterten auseinander und klatschten zu Boden. Wir regten uns nicht, genossen für Sekunden nur das makabre Schauspiel und die Hülsen glitzerten auf dem Boden.

„Ziel eliminiert Hila - 12 Patronen, 12 Treffer“, erstattete ich grinsend Rapport.

Ich war glücklich, dass wir dieses Stück Scheiße von Asamuras Antlitz gefegt hatten. Sie schaute zu mir auf und streckte die Arme nach mir aus. Ich hob sie hoch und sie umarmte mich ganz fest um den Hals. Ich drückte die Kleine an mich.

„Grünlingstöter“, sagte sie voller Stolz und strich über meine Wange.
„Ich hab nur geschossen Hila, Du hast das Glück gebracht, dass kein Schuss danebenging“, antwortete ich der Kleinen und setzte sie wieder runter.

Die Keine klaubte einen Fetzen des Goblins auf zog dran wie an einem Gummiband und schmiss ihn wieder weg.

„Was machen wir nun?“, hakte Mitch grinsend nach und hob auch ein Stück vom Goblins auf.
„Als erstes wirst Du dieses Stück Stinke-Fleisch wieder wegwerfen. Wag es Dich nicht, den Input von Kabirs Chip zu überprüfen ob man das Vieh essen kann! Und Du Kab, lies den Rechner von dem Gobo aus. Da sind sicher einige Infos drauf“, befahl Vas schlenderte rüber zum Bett und hockte sich drauf.

Ich hackte mich direkt in das System des PC und zog einfach alle Infos auf mein SENTIR, während Vas es sich gemütlich machte.

„Irgendwie hab ich das Gefühl, er ist noch hier“, prustete unser Leader.
„Ist er ja auch, nur nicht an einem Stück“, antwortete Mitch so trocken, dass ich auch loslachen musste.

Mitch machte sich daran, alle Kreditkarten und Talerchips einzusacken die er finden konnte und es waren nicht wenige. Keine zehn Minuten später waren wir auf dem Rückweg zum souvagnischen Lager. Widerstand schlug uns keiner entgegen. Im Gegenteil, das Hauptquartier schien völlig verlassen zu sein.

Zurück in der Basis wurden wir von Sophie, Alicia und Cassie begrüßt. Unsere beiden Mädels hatten die kleinen Mädchen bei Cassie abgegeben und ihr Team kümmerte sich wirklich ausgezeichnet um sie. Ich setzte Hila ab, die ich auf dem Rückweg getragen hatte und schob sie zu Cassie rüber.

„Nun hast Du ja doch noch geholfen. Danke an Dich und Dein Team Kab“, sagte Cassie freundlich.
„Ich denke es war auch in Deinem Sinn, auch wenn wir keine Gnade zeigen konnten“, antwortete ich grinsend.

„War es. Möchtest Du die Kinderstation sehen? Deine beiden Kameradinnen haben uns die anderen anvertraut. Ihr könnt sicher sein, dass ich mich gut um die Kleinen kümmern werde. Keine von ihnen wird je wieder in die Sklaverei verschleppt, das schwöre ich Euch. Auch dafür arbeite ich hier, aber ehe ich wieder anfange Dich zu langweilen Kabir, könntest Du mich einfach begleiten“, bot sie mir mit einem schelmischen Blitzen in den Augen an, was meine Gruppe grinsen ließ. Bis auf Mitch, der schmollte.

„Du solltest ein Team in das Hauptquartier des Goblins schicken. Da gibt es einiges was sich zu sichern lohnt. Ausrüstung, anderes Zeug was man verkaufen kann, schau es Dir einfach an Cassie“, erklärte ich ihr.

Ich nahm sie fest in die Arme und drückte sie. Sie starrte mich nur verdutzt an.

`Kümmere Dich um die Kleinen Cassie, wie Du Dich auch um Deine anderen Schützlinge kümmerst. Ich verlasse mich auf Dich. Deine Gefühle ehren mich, aber ich bin nicht dass, für was Du mich hältst. Such Dir einen anständigen Kerl, dass hast Du verdient. Ich bin für so etwas nicht geschaffen.

Unsere erste Begegnung lief nicht gerade gut, ich musste meine Meinung schnell über Dich revidieren. Du bist eine taffe und aufrichtige Frau. Pass auf Dich auf´, übermittelte ich ihr meine Gedanke und ließ sie los.

Zeitgleich hielt ihr Mitch einen Talerchip hin.

„Nimm bitte“, sagte ich freundlich.
„Was bist Du?“, flüsterte sie leise.

„Nimm das Geld für die Kleinen, na komm schon“, antwortete Mitch an meiner Stelle und drückte ihr den Chip in die Hand. Cassie nahm ihn entgegen und drückte uns alle nochmal.

„Abrücken“, befahl Vas und wir machten uns auf den Weg.

„Danke Leute. Für alles. Ihr seid hier jederzeit willkommen. Jederzeit hört Ihr?“, rief uns Cassie hinterher, während wir in der Belette verschwanden.


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Re: Gras-Schlangen

#28

Beitrag von Kabir » Sa 6. Apr 2019, 23:01

Vertrauen


„Wir haben es raus geschafft“, sagte Vas erleichtert.
„Und in Sicherheit, wie es aussieht. Ich hab nur ganz normalen Verkehr auf den Scannern“, erstattete Gillian Bericht.

„Gut und jetzt?“, fragte Alicia.
„Jetzt geht’s auf nach Naridien“, antwortete ich.

„Und wie wollen wir unentdeckt an der Sicherheit vorbei?“, hakte sie nach.
„Das ist kompliziert. Gillian macht das“, grinste ich breit.

„Wieso?“, fragte Gill baff.
„Ich nehme an, weil Du der Pilot bist, könnte mich aber auch irren“, antwortete Mitch, was alle loslachen ließ.

„Von mir aus, aber sagt nicht, ich hätte Euch nicht gewarnt!“, murrte Gill.
„Moment… Du hast uns doch noch gar nicht gewarnt!“, warf Alicia ein.

„Na bitte, es geht schon los!“, lachte Gillian und donnerte mit der Belette los.

Mitch beäugte die Berechnungen des Navicomputers.

„So werden wir nie nach Naridien kommen. Oder ist das eine Abkürzung von der ich nix weiß?“, hakte er nach.
„Nein, ist es nicht. So werden wir nach Alkena kommen“, antwortete Gillian.
„Wow, was gibt’s da? Irgendein Outlet-Center extrem Outlet?“, fragte Mitch.

„Outlander-Outlet… warum nicht“, warf Alicia ein.

„Das ist ein totes Land, da gibt es nichts außer Sümpfe und Tieflinge“, erklärte Vas.
„Genau!“, stimmte Gillian zu.

„Verstehe ich nicht, was wollen wir dann da? Außer die Tieflinge angucken natürlich. Wie lautet Dein Plan um nach Naridien zu kommen?“, fragte ich Gill.
„Ich dachte Du hättest einen Plan“, antwortete er mir.

„Was? Meine Order war, dass Du einen Plan schmiedest“, hielt ich dagegen.
„War nur Spaß, natürlich habe ich einen Plan…“, grinste Gillian breit.

„Na dann spuck ihn aus, ich werde nicht jünger!“, blaffte ich ihn grinsend an.
„Der Plan… ist gefährlich…“, flüsterte Gillian.

„Oh nein“, stöhnte Vas.
„Macht mir nichts aus. Lass hören“, bat ich Gill.

„Pass auf, wir hängen die Belette Huckepack einen naridischen Republik-Kreuzer“, erklärte mir Gillian.
„Was soll das heißen?“, fragte Mitch.

„Ich hab davon in der Flugschule gehört, schon was her“, sagte Gill.
„Du hast davon „gehört“? Wann? Vor wie viel tausend Jahren?“, fragte Mitchell.

Gillian fuhr fort, als hätte Mitch überhaupt nichts gesagt.

„Es ist schon Jahrhunderte her, dass manche Saboteure einen Trick anwandten, bei dem sie Millisekunden hinter einem naridischen Schiff – nehmen wir an, ein großes Versorgungsschiff unterwegs nach Naridien, sich an den Riesen geheftet haben. Das Saboteureschiff klemmt sich dran schaltet alle Energie ab, bis auf die Schubdüsen“, erklärte uns Gillian.

Vas rieb sich das Kinn und ließ sich das Gehörte durch den Kopf gehen.

„Nicht schlecht Dein Plan! Mit den Sensoren wäre man nur schwer zu erfassen“, gab unser Boss seinen Kommentar ab.
„Genau, aber nur, wenn Du im Schatten des Versorgungsschiffes raus kommst. Und auch nur, wenn Du nach dem Austritt sofort abschaltest“, sagte Gill.

„Dann mach das doch so“, schlug Alicia vor und Gill starrte sie kurz an.
„Man müsste genau wissen, an welchem Punkt sie rauskommen“, sagte Gillian.

„Das wussten die damals, dass wissen wir heute. Jedenfalls weißt Du es!“, antwortete ich Gill.

Gillian kannte jede Flugroute wie seine Westentasche.

„Ja toll, und wenn er das weiß. Was dann?“, fragte Mitch.
„Dusslige Frage, dann hängen wir uns dran“, antwortete Gillian mit megabreitem Grinsen.

Mitch starrte Gillian mit großen Augen als, als wäre er schlagartig Ledwicker geworden.

„Man hängt sich an? Ich glaub´s nicht“, antwortete Mitchell und starrte Vas an. Vas zuckte nur die Schultern.

„Elektromagnetische Ankopplung“, erklärte ich Mitch.
„Genau. Das ist der leichte Teil“, warf Gillian ein.

„Das werden die doch merken!“, grübelte Mitch laut und Gillian nickte bestätigend.
„Das Schiff muss groß genug sein, und man muss an einen Frachtraum oder was Ähnliches ankoppeln. Möglichst an etwas das leer steht. Und dann, wenn man erst mal da ist, wird abgekoppelt und man schwebt davon“, sagte Gill.

„DAS ist Dein Plan? Das klingt total verrückt! Woher willst Du wissen, wo was in der fremden Schüssel leer steht? Ich kann das nicht fassen. Kab sag was dazu!“, forderte mich Mitchell auf.
„Wer hat den schon mal so was gemacht?“, fragte Al.

„Kab wird wissen wo das Schiff leer ist, er muss es für mich erspüren. Scanner können wir nicht einsetzen. Wer den Trick schon mal gemacht hat? Niemand den ich kenne. Als die Naridier Wind davon bekommen hatten, wurden die Sensoren entsprechend angepasst um solche Manöver wahrzunehmen. Das hat seit Jahrhunderten keiner mehr gemacht“, antwortete Gillian ehrlich.

„Und Du meinst, die haben den alten Saboteure-Trick vergessen?“, fragte Mitch.
„Hoffe ich mal“, antwortete Gillian.

„Kabir sag endlich was dazu“, forderte Mitch mich erneut auf.
„So wird’s gemacht und ich glaube ich hab eine Idee wie ich Dich unterstützten kann Gill“, sagte ich und Mitch murmelte sich was knurrig in den Bart.

„Was fragst Du auch ihn, wenn es um so was geht? Da sind die beiden ein Arsch und ein Kopp“, grinste Vas.
„Hab ich auch gerade gemerkt. Gut ich vertraue Euch, aber wenn wir an einem der Schiffe zerschellen, verfällt mein Vertrauen augenblicklich“, knurrte Mitchell.

„Ja ist in Ordnung“, lachte Gillian.


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Re: Gras-Schlangen

#29

Beitrag von Kabir » Sa 6. Apr 2019, 23:26

Per Anhalter nach Naridien


„Jetzt warten wir. Sobald ein naridischer Konvoi auftaucht um Wasserstoff zu tanken, lassen wir die Würfel rollen“, grinste Gillian.
„Woher sollen wir wissen, dass er nach Naridien unterwegs ist?“, fragte Alicia.

„Kabir wird es wissen. Er muss versuchen an Infos zu kommen. Am besten irgendwen auslesen in dem Schiff. Ansonsten können wir es nicht mit Sicherheit wissen. Aber naridische Flottenvorschriften besagen, dass ein Konvoi, der zu einem bewohnten, fremden Land unterwegs ist, von mindestens drei Fregatten eskortiert werden muss. Wenn wir so was sehen, geht’s bestimmt Richtung Naridien“, erklärte Gillian.

„Clever“, grinste ich.
„Und wenn wir so was nicht sehen?“, fragte Mitch skeptisch.

„Werden wir“, wiegelte Gill ab.
„Na aber was wenn Du Dich irrst und der Konvoi nicht nach Naridien fliegt?“, fragte Mitchell.

„Er wird dahin fliegen“, sagte Gill gelassen.

Mitchell gefiel das Ganze ganz und gar nicht. Er schüttelte nur den Kopf und schaute hinaus in die Sümpfe.

Wir warteten. Ein Sanitätstransporter kam vorbei, aber Gillian ignorierte ihn. Später kam ein einzelner Kreuzer durch, doch wir warteten weiter. Nach mehreren Stunden zeigten die Instrumente eine Ankunft. Ein Konvoi erschien. Drei Versorgungs-Riesenfrachter und vier vor Waffen strotzende Fregatten.

„Unsere Mitfluggelegenheit“, freute sich Gillian, „bereit?“.
„Ich bin bereit, leg los“, antwortete ich ihm.

„Wir müssen ihnen direkt an den Hacken kleben Kab“, sagte mir Gill.
Ich machte mir nicht die Mühe zu antworten, da er mich kannte. Ich ruhte in meiner Konzentration, schwebte auf dem Geflecht der Fäden, die alles miteinander verbanden, jedes Ding mit dem anderen.

Mein Bewusstsein erweiterte sich, so dass ich alles in meiner Nähe sehen und spüren konnte. Ich konzentrierte mich auf meine Wahrnehmung der Zeit, zunächst darauf, wie wir uns in ihr bewegten, dann darauf, sie zu dehnen und zu strecken, bis wir in einer Millisekunde verweilen konnten, als wäre es ein Augenblick, als wäre es eine Minute. Ich lächelte, denn ich liebe das Gefühl.

Ich sah die Augenblicke vor mir schweben, jede Millisekunde ein langer Moment, der mir zum Nachdenken blieb, zum Handeln. Die Anstrengung fordert extremen Tribut.

„Beobachte die Scanner“, sagte Gillian und seine Worte zogen sich wie eine Ewigkeit dahin.

Ich beobachtete die Scanner nicht. Irrelevant in dieser Form, in diesem Zustand der Wahrnehmung. Mein Geist kann schneller reagieren als jede Maschine. Stattdessen behielt ich den Bildschirm im Auge.

Die naridischen Schiffe hatten ihre Wasserstoffentnahme beendet und gingen in Formation, die Eskortfregatten umringten die Versorgungsschiffe. Sie sammelten sich.

„Sie formieren sich“, sagte mir Gill.

Die Wellen seiner Anspannung brandeten mir entgegen, doch ich drängte sie zurück, ließ nicht zu, dass sie meine Konzentration störten.

Ich beobachtete und wartete…

In meiner Wahrnehmung fingen die Schiffe an sich wie ein einziges Schiff zu strecken.

Für eine Nanosekunde schienen sie sich alle bis zur Unendlichkeit zu dehnen, als wäre ihr Heckantrieb hunderttausend Kilometer vor dem Bug der Belette entfernt und als würden ihre Rümpfe über eine unfassbare Entfernung langgezogen. Ich wusste es war nur eine Illusion, ein Streich meiner Wahrnehmung.

„Jetzt“, befahl Gillian, aber es war längst zu spät.

Ich hatte den Antrieb bereits aktiviert, wir waren bereits weg. Ich verharrte in meiner Konzentration, während die Belette hinter dem Frachter her jagte um ihn auf den Millimeter genau zu verfolgen. Ich hatte per Telekinese den Frachter gepackt und zerrte uns sozusagen hinterher.

Ich verlor den Überblick über den verlangsamten Zeitablauf. Von Zeit zu Zeit sprach Gillian zu mir, doch seine Worte schlugen gegen mein Auffassungsvermögen und prallten davon ab.

Ich konnte seinen Worten nicht mehr folgen, sie ergaben für mich keinen Sinn mehr. Dann, rechtzeitig, sagte er etwas, das zu mir durchdrang.

„Raus! KABIR halt Dich bereit!“, sagte Gillian.

Ich sah wie Gillian in Zeitlupe den Regler zurückschob, der den Antrieb steuerte. Ich machte mich bereit, und in dem Augenblick, betätigte ich eine Reihe von Knöpfen und Schaltern, welche die Belette abschalteten – bis auf Ausnahme der Lebenserhaltungssysteme, der Schubdüsen und einer minimalen Energiemenge, die wir brauchen würden um die elektromagnetische Verbindung herzustellen.

„Aktiviere Schubdüsen“, sagte Gillian.
„Gut gemacht Kab“, sagte Vas von hinten und klopfte mir auf die Schulter.

Meine Kleidung war schweißnass und klebte an meinem Körper. Ich fühlte mich, als hätte ich tagelang nicht geschlafen.

„Jetzt geht der Spaß los“, grinste Gill.

Der Führungsfrachter des Konvois, fünfmal so groß wie die Belette, flog genau vor uns. Wir hatten uns angeheftet und hatten alle Systeme so schnell heruntergeschaltet, dass die Fregatten kaum Zeit gehabt haben konnten, um unsere Ankunft wahrzunehmen. Wir befanden uns direkt unter einem der Frachter, einen Kilometer unterhalb des Rumpfes, vielleicht weniger.

In der Ferne Naridien.
Die Ionentriebwerke des Führungsfrachters zündeten und er zog los.

„Nicht so schnell hier“, sagte Gillian.

Mit einem Schlag auf die Steuerkonsole aktivierte er die Schubdüsen, und die Belette machte einen Satz auf den Frachter zu, bis dessen Unterseite ihr gesamtes Blickfeld ausfüllte.

Trotzdem entfernte er sich weiter. Gillian gab noch einmal Schub. Ich sammelte erneut Konzentration und tastete behutsam den Frachter mit meinen Gedankenfäden ab.

„Da. Da ist er, Dein leerer Frachtraum“, sagte ich und deutete auf den Frachtraum.
„Alles klar“, stimmte Gillian zu.

Seine Hände flogen über die Instrumententafel und gaben mal hier Schub, dann wieder da, um das Schiff auszurichten, bis sich die Belette schließlich herumdrehte und mit ihrer Bauchseite über einer flachen Stelle des Frachters hing.

Während wir uns weiter annäherten, legte Gillian einen Schalter der Steuerung der Deflektoren um, damit wir ein elektromagnetisches Feld erzeugten. Er drehte den Schub ab und wir trieben im Leerlauf.

„Tuchfühlung. Sanft wie ein Kuss“, sagte Gillian, lehnte sich zurück und schaute mich strahlend an.
„Hab nichts anderes erwartet. Dann lass uns mal kostenlos mitschippern“, antwortete ich ihm.


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Re: Gras-Schlangen

#30

Beitrag von Kabir » Sa 6. Apr 2019, 23:53

Erwan Vovasse


Beinahe acht Stunden waren vergangen, seit ich und Mitch die Söldner Edgar Lingenhold und Matti Hickschild angeheuert hatte.

Nachdem wir meinen Plan durchgegangen und in blaue Kleidung der Labortechniker geschlüpft waren, betraten wir das forensische Labor des Rates, durch den unterirdischen Eingang der Angestellten vorbehalten war.

Ich hatte beschlossen, bei Nacht in die Anlage einzudringen, da zu dieser Zeit weniger Leute Dienst hatten. Doch dazu mussten wir an dem Augenscanner neben der Stahltür vorbeigelangen.

Nun kam ein Hack zum Einsatz.

Jedem SENTIR-Agenten war es möglich, elektronische Geräte nach eigenen Wünschen zu manipulieren. Zumindest war es in der Vergangenheit immer so gewesen, Sicherheitssysteme wurden manchmal schneller angepasst als es einem lieb war. Ich starrte in den Scanner.

Der Scanner suchte die Iris, fand sie und hätte nun das eingescannte Bild an einen Computer gesandt, welcher bestätigt hätte ob die Person autorisiert war die Räume zu betreten oder nicht.

Ich hakte genau in dem Moment den Scanner, als er das Bild versenden wollte und schaltete das System frei. Zeitgleich befahl ich per Hack, die Tür zu öffnen. So gelangten wir vier in den Pausenraum für die Angestellten.

Bis auf die Möblierung und einen Bildschirm, der unsere Anwesenheit bemerkte und sich automatisch einschaltete, war der Raum leer.

Ich hatte gute Laune. Die erste Hürde war genommen. Der nächste Schritt bestand darin herauszufinden, wo wir hin mussten.

„Setzt Euch. Wenn jemand kommt, macht Ihr gerade Pause“, befahl ich meinen Leuten.

Edgar Lingenhold und Matti Hickschild taten wie befohlen, während Mitch und ich zu einem auf einer Halterung befestigten Terminal gingen. Während ich mich um das Terminal kümmerte, sicherte Mitch mir den Rücken.

Ich machte kurzen Prozess mit den Level-1-Systemen die lediglich dazu dienen sollten, unbefugtes Personal davon abzuhalten, Lagepläne, Personaldaten und Notfallprozeduren abzurufen. Diese wurden eher als vertraulich denn als geheim eingestuft.

Nachdem ich mir Zugang zu dem System verschafft hatte, dauerte es nicht mehr als dreißig Sekunden, bis ich die Karten gefunden hatte, die ich benötigte.

Die erste zeigte mir, wo sich der Lagerraum für Transportkarren, Krankentragen und transportable Stasetanks befand. Die zweite Karte wies mir den kürzesten Weg zu dem Bereich, wo die Leichen gelagert wurden.

Der Liste nach sollte Erwan Vovasse Leichnam in Bucht Sechzehn lagern. Ich unterbrach die Verbindung und nickte Mitch knapp zu.

„Wir können“, sagte Mitch und ich übernahm direkt die Führung.

Ich führte die Gruppe durch eine Tür in einen steril aussehenden Gang. Nach gut zehn Metern entdeckte ich eine Tür, auf der „Raum 12“ stand. Die Tür glitt auf, und wir fanden uns vor mehreren Reihen metallisch glänzender Transportwagen und Tanks wieder.

Ich ging zu dem am nächsten stehenden Tank. Die Transportkapsel war groß genug, um so ziemlich jeder humanoiden Spezies um die drei Meter Körperhöhe Platz zu geben.

Sie ruhte auf einer Hightech-Transporteinrichtung, zu der auch ein Kontrollpanel gehörte, ein Gastank und große, stabile Rollen. Das Gas sollte den Leichnam vor dem Verwesen bewahren, während die Ermittler der Sicherheit ihren Job nachgingen.

„Matti“, sagte ich, als ich den Knopf berührte, „spring rein“.
Hickschild runzelte die Stirn, als der gewölbte Deckel sich öffnete.

„Warum?“, fragte er nach.
„Damit Mitch, Edgar und ich etwas haben, das wie ein Leichnam aussieht, den wir in der Gegend herum schieben. Es sei denn Du willst lieber laufen und schieben“, lächelte ich freundlich.

Matti verzog das Gesicht zu etwas wie einem Grinsen, setzte sich auf die Kante des Tanks und zog die Füße an. Sekunden später lag er in der Kapsel, die Arme eng an den Körper gepresst. Der Stoff raschelte, als Lingenhold ein weißes Laken über Matti zog, um seine Laborkleidung zu verbergen.

„Augen zu“, befahl ich ihm, während der Deckel sich schloss.

`Der Kerl sah schon tot aus, bevor er da rein gestiegen ist´, dachte Mitch.
Ich schmunzelte meinen Beschützer an.

`Ich weiß. Das ist einer der Gründe, warum ich ihn angeheuert habe´, antwortete ich mental auf Mitchs Gedanken.

Der Tank war zwar schwer, aber recht leicht zu lenken. Gemeinsam schoben Mitch und Edgar ihn den Gang hinab in einen Lastenaufzug, wo sie ihr Glück verließ. Ein Naridier stand im Aufzug. Er trug einen Laborkittel und schien einer der Ärzte zu sein.

„Wer sind Sie?“, fragte der Naridier, „ich glaube nicht, dass wir uns schon einmal begegnet sind“.
„Nein, das sind wir auch nicht. Wir haben erst vor ein paar Tagen hier angefangen“, erklärte ich höflich.

„Aha. Tja die Neuen müssen immer den Nachtdienst übernehmen. So ist das leider. Machen Sie sich nichts draus. Was haben wir denn hier?“, fragte der Arzt freundlich nach.

„Wahrscheinlich einen Herzinfarkt. Sie haben ihn in einer Gasse hinter einer Bar gefunden“, log ich.

Ich spürte, dass der Naridier nicht zufriedengestellt war. Etwas, vielleicht nur ein winzig kleines Detail, stimmte nicht. Vielleicht mochte er auch einfach keine Souvagner. Gut ich mochte keine Ärzte.

„Könnte ich bitte Ihre IDs sehen?“, fragte der Naridier, „Sie wissen ja, wir müssen vorsichtig sein“.
„Natürlich“, antwortete ich leichthin, während Edgar und Mitch ihr Bestes gaben, möglichst unscheinbar zu wirken.

„Hier ist sie“, sagte ich und zog die ID-Karte des Doc´s aus dessen Hemdtasche.

Der Mund des Naridiers klappte auf und ich starrte ihm in die Augen.
Der Doc blinzelte kurz ehe er wie hirnamputiert zurückstarrte.

„Gut“, sagte der Arzt, als der Aufzug anhielt. „Willkommen im Team. Wir sehen uns Dr. Saah Tuakil“.

„Wir sehen uns“, grüßte ich zum Abschied als sich die Türen schlossen.
„Wer ist Dr. Saah Tuakil?“, fragte mich Mitch leise.

„Na er. Er hat sich gerade persönlich kennengelernt“, gab ich zurück, was Mitch leise loslachen ließ.
„Das war knapp“, meinte Edgar.
„Ach was“, sagte ich leichthin. Die Türen des Aufzugs öffneten sich wenige Sekunden später erneut, und sie schoben den Tank mit Matti auf den Gang.

„Wir sind fast da“, klärte ich sie auf.

Das waren wir tatsächlich. Nachdem wir den Tank einen kleinen Gang hinunter geschoben hatten, öffnete sich eine breite Tür vor uns, und wir betraten einen langen, schmalen Raum.

Das Licht war gedämpft und die Luft war kalt, und es herrschte eine auffallende Stille. Lange Reihen von identischen Stasetanks standen zu beiden Seiten des mittleren Gangs. Jeder einzelne war gut sichtbar nummeriert, und ich musste lediglich nach Nummer sechzehn suchen.

„Da. Das ist er“, sagte ich.

Nachdem wir den Stasetank mit Matti in der Mitte des Gangs abgestellt hatten, ging ich hinüber zu dem Tank mit der Nummer sechzehn, um mir Erwan Vovasse anzusehen.

Dessen Haut hatte eine graue Färbung angenommen. Seine Augen standen weit offen, und deutlich waren zwei blau umrandete Löcher nahe der Stirn zu erkennen.

`So sieht man sich wieder´, übermittelte ich an Mitch, der auf Grund der Info und der zwei Schusslöcher breit grinsen musste.

„In Ordnung“, sagte ich nach einigen Sekunden und wandte mich an Edgar.
„Löse die Schläuche und den Stromanschluss. Bis zu zwölf Stunden kann die Kapsel überbrücken. Das ist eine Menge Zeit, um sie abzutransportieren“, klärte ich sie auf.

Edgar machte sich an die Arbeit, während Mitch die Umgebung sicherte. Es gab ein leises ploppendes Geräusch, als sie die Schläuche löste, gefolgt von einem kurzen Zischen des ausweichenden Gases.

Ein Alarm schrillte los, als die Stromversorgung gekappt wurde, und rasch schoben Edgar und Mitch den Tank auf den Gang hinaus.

„Der andere Tank! Anschließen an Nummer 16“, befahl ich.

„Was ist mit Matti?“, wollte Edgar wissen, als Matti mit den Fäusten auf den Deckel einschlug.
„Er wird hierbleiben, andernfalls wird es jemanden auffallen, dass eine Leiche fehlt. Schließ die Schläuche an, ich kümmere mich um den Alarm“, antwortete ich gelassen.

„Du bist ein kaltblütiger Bastard. Was wird das Gas mit ihm anstellen?“, fragte Lingenhold mit zusammengekniffenen Augen.

Der Alarm verklang.

„Das Gas wir ihn einfrosten wie ein Fischstäbchen. Sieh es mal so, er hat es da drin schön frisch. Seinen Lohn wirst Du kassieren“, erwiderte ich grinsend, während sich die Haut von Matti im Tank zusehends blau färbte.

Edgar Lingenhold stemmte die Fäuste in die Hüften.
„Dann transferiere ihn jetzt sofort. Und zwar alles!“, forderte er.

Ich war kurz geneigt zu widersprechen, überlegte es mir dann jedoch anders und aktivierte mein Handcom.

„Kein Problem, gib mir Deine Kontonummer. Innerhalb von ein paar Minuten ist das Problem beseitigt“, antwortete ich freundlich.

Edgar kam der Aufforderung nach, überprüfte mit seinem Gerät, ob die Überweisung auf seinem Konto eingegangen war und nickte.

„Nichts wie raus hier“, grinste er breit.

Mittlerweile gab Matti keinen Laut mehr von sich. Seine Augen starrten leblos ins Leere, als die drei Personen, die für seinen Tod verantwortlich waren, den Raum verließen.

Nur noch das leise Brummen der Maschinen war zu hören, die den ansonsten perfekten Frieden störten.

Nur neun Minuten später lag Lingenholds Körper in einem ebensolchen Tank.
Seine Kehle war durchschnitten worden, seine Taschen waren leer.

Als die Belette mit fast lautlosen Triebwerken Naridien verließ saß ich bereits im Gemeinschaftsraum und aß gut gelaunt mit Mitch zu Mittag.


Ende/Fin



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