Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

824 n.d.A. - Das Verschwinden der Stadt Monleone

Im Jahr 1077 leben die Ledvigiani am Grund des Dhunischen Ozeans.
Die Ledvigiani sind in der eisigen Dunkelheit der Tiefsee sicher vor weniger technisierten Völkern - ganz ohne Mauer. Aber dafür müssen sie sich mit dem Wasserdruck, der Frischluftversorgung und so weiter auseinandersetzen. Die Sicherheit und Versorgung eines Volkes unter Tiefseedingungen stellt hohe technische und logistische Anforderungen. Aber auch die Anatomie der Ledvigiani wurde an das Leben als Teil des Ozeans angepasst.
Antworten
Benutzeravatar
Tazio Ferdinando di Ledvicco
Duca
Beiträge: 31
Registriert: Mi 7. Nov 2018, 19:47
Volk: Ledvigiani

824 n.d.A. - Das Verschwinden der Stadt Monleone

#1

Beitrag von Tazio Ferdinando di Ledvicco » Mo 11. Mär 2019, 12:50

Das Verschwinden der Stadt Monleone

Historische Rahmenbedingungen

800 n.d.A. - Genetische-Mauer der Souvagner
Genetische Veränderung (Erbgut) der Souvagner, kein Souvagner war nach der genetischen Modifikation mehr mit einem Fremdvolk kompatibel. Souvagner können sich nur noch untereinander vermehren.

824 n.d.A. - Die Hauptstadt Ledwicks "verschwindet"
Nach einem fehlgeschlagenen Geschenk (überaggressive GMOs) muss Monleone evakuiert werden. Das einstmals freundschaftliche Verhältnis zwischen Souvagne und Ledwick ist seither angespannt und von gegenseitiger Ignoranz geprägt.


Almanische Großherzöge im Jahr 824 nach der Asche
  • Souvagne:
    Duc Aleron Arachet de Souvagne
  • Ledwick:
    Duca Pietro Giuseppe di Ledvicco
    Principe Giacomo Lorenzo di Ledvicco




Bald würde es reiche Beute geben, das hatte Ismit fo-Kurami seinen Männern versprochen. Weder der Starkregen noch die Stürme des Windmondes im Herbst konnten sie aufhalten. Die Plünderer umrundeten die souvagnische Mauer in gebührendem Abstand, um zum scheinbar ungeschützt an der Küste liegenden Ledwick vorzudringen. Mit schmatzenden Reifen und röhrenden Motoren arbeiteten die Geländewagen sich durch den Sumpf. Ohne den Baumdörfern Beachtung zu schenken, drangen sie auf den wenigen halbwegs festen Routen immer weiter nach Süden vor. Dabei blieb das eine oder andere Fahrzeug stecken, doch das hatten sie einkalkuliert und verteilten die Insassen auf die übrigen Wagen. Die Ledvigiani nutzten in ihrem Land Schiffe und Wasserstraßen, für Landwege hatten sie nie viel übrig gehabt, doch das würde Ismit nicht aufhalten. Geschwindigkeit war ihr bester Freund und seit Äonen schon die bevorzugte Taktik seines Volkes. Im Süden lag das reiche Monleone, die tausend Jahre alte Handelsmetropole der Ledvigiani, die sie einst auf Stelzen in einer Lagune des Dhunischen Ozeans errichtet hatten. Eine Stadt ohne Mauern und Wehranlagen. Warum sie in all der Zeit nie erobert wurde, entzog sich seinem Verständnis, doch das würde sich nun ändern. Ismit schaltete einen Gang höher und schaukelte mit seinem Wagen durch den Zypressenwald.

Doch als die plündernden Horden dessen, was aus den Rakshanern geworden war, nach Tagen der Mühsal die Hauptstadt erreichten - fanden sie nichts als ein paar faulende Stelzen vor. Ismit zog seine Karte aus dem Handschuhfach und betrachtete sie. Doch, das war die richtige Stelle. Aber wo war die Stadt? Ein paar Gondeln lagen verwaist am Ufer. Sie setzten sich hinein, improvisierten aus Holzstücken unförmige Paddel und eierten damit, immer wieder miteinander kollidierend, zu dem Holzgerippe Monleones hinüber, anstatt sie zu staken. Das Wasser war noch nie das bevorzugte Element der einstigen Wüstensöhne gewesen. Die Plünderer irrten über die verbliebenen Plattformen und Brücken. Ihr Anführer kratzte sich nachdenklich den Turban.

Die Ledvigiani waren bekannt dafür, dass sie ihren Feinden ein Schnippchen schlugen, indem sie Konfrontationen geschickt auswichen. Trotz aller Planung waren sie offenbar zu langsam gewesen. Hier gab es gar nichts mehr, nicht einmal mehr verlassene Häuser, nur noch die Stelzen und einige muschelbesetzte Balken und ein paar schiefe Holzhütten an den Rändern der ehemaligen Stadt. Dabei hatte Ismit alles daran gesetzt, dass sie möglichst rasch vorrückten! Sogar die Dörfer hatten sie verschont, selbst dann, wenn sie direkt an ihnen vorbeikamen. Er kannte zahllose Geschichten davon, wie die anlandenden Norkara in Ledwick nur noch leere Dörfer vorfanden, in denen es nichts zu holen gab, weil die Bewohner sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht hatten. Alles, was irgendeinen Nutzen für den Feind haben konnte, hatten die Ledvigiani mitgenommen und wo das nicht möglich war, hatten sie das zurückgelassene Hab und Gut zerstört und unbrauchbar gemacht. Da viele Streitmächte davon lebten, sich unterwegs durch Plünderungen zu versorgen, war es eine mittlere Katastrophe, wenn eine Plünderung von solchem Ausmaß eingeplant war und dann einfach vollständig ausfiel. Nun hatten die Ledvigiani es scheinbar endgültig übertrieben und sogar ihre Steinhäuser abgerissen! Die wieder aufzubauen würde sehr viel umständlicher sein, als nur ein Holzdorf zu rekonstruieren.
Zurückgeblieben waren jedoch ausgerechnet die Holzhütten der ärmeren Viertel. Dort aber schien Leben zu herrschen. Die Plünderer rückten mit den Maschinenpistolen im Anschlag vor.

Plötzlich ratterte ein Maschinengewehr aus einem getarnten Schützennest. Eine Salve fraß sich quer durch die Reihe der Männer. Nicht alle von ihnen trugen kugelsichere Westen und gegen ein Maschinengewehr halfen die meisten davon nicht. Etliche Plünderer stürzten getroffen in den Dhunischen Ozean, wo sie ertrinken würden. Die noch Stehenden erwiderten das Feuer, doch da sie nicht wussten, von wo aus sie beschossen worden, vergeudeten sie ihre Munition.
»Männer«, rief Ismit und hob seine Maschinenpistole, um seine Befehle zu brüllen, doch weiter kam er nicht. Plötzlich senkte sich Stille auf Monleones hölzernes Skelett. Das Rattern aus dem Nest verebbte und sogar der Wind schien den Atem anzuhalten. Einen Moment stand die Zeit still. Dann brachen aus dem Dunkel der Hütten muskelbepackte Monstrositäten, die wohl einstmals Menschen gewesen waren, schwer gepanzert und bis unter die Zähne bewaffnet. Und das war das Ende des Plündertrupps. Nur wenige Überlebende konnten sich zurück aufs Festland retten, wo sie in ihre Geländewagen sprangen und mit brüllenden Motoren davonjagten.
Die restlichen Wagen sicherten sich die Muskelpakete.
Es war der erste Kontakt der Grob-Nops mit souvagnischen GMOs. Bisher kannten die Plünderer nur den genetischen Abfall, den man in Naridien und Obenza verkaufte. Doch solchen menschlichen Kampfmaschinen, sofern man sie noch menschlich nennen konnte, hatten sie nichts entgegenzusetzen. Genau so wenig wie die Ledvigiani, denen diese GMOs als Geschenk überreicht worden waren.

Der Ledvigiano ließ seine Aufklärungsdrohne, welche einem lebenden Kormoran täuschend ähnlich sah, abfliegen und heimkehren. Damit endete die Übertragung.
»Möchtet Ihr etwas unternehmen, Majestät?«, erkundigte sich der General bei seinem Duca.
»Nein«, antwortete dieser. »Es war die richtige Entscheidung, zu verschwinden, nachdem diese fleischgewordene Pest aus Souvagne unser Volk bedrohte. Und hier bleiben wir, umgeben von nichts als dem Dhunico. Der Ozean wird uns nicht verraten. Der Ozean ist treu, ganz im Gegensatz zu jenen, die sich unsere Verbündeten nannten, mehr noch, unsere Freunde und Verwandten. Eine solche Falle als Geschenk zur Hochzeit unseres Vaters zu verpacken, ist schon besonders perfide. Wie oft haben die Linien von Souvagne und Ledvicco sich in der Vergangenheit gekreuzt, fließt nicht ein Teil unseres Blutes auch in ihren Adern? Nun, in Zukunft wird das nicht mehr vorkommen.«
Sein General blickte drein, als ob er etwas sagen wollte, doch Giacomo Lorenzo di Ledvicco erteilte ihm nicht die Erlaubnis zu sprechen.

›Töte alles, was kein Souvagner ist‹, das war der Befehl gewesen, den man in diesen Kreaturen verankert hatte, um sie an ihre Schöpfer zu binden. An diesem Tag hatten die Ledvigiani gelernt, wie weit sich die Souvagner von ihnen genetisch entfernt hatten. Die GMOs, die seinem Vater als Hochzeitsgeschenk überreicht worden waren, hatten ihre neuen Herren entgegen aller Befehle als Feinde identifiziert. Wütende Monster, die alles und jeden erschossen und dabei erschreckend raffiniert vorgingen - sie in einem Häuserkampf zu händeln war selbst für das ledwicker Militär in so kurzer Zeit ein Ding der Unmöglichkeit. Seinen Vater hatte es das Leben gekostet und der Kronerbe das Kommando übernommen. Monleone wurde in Rekordzeit evakuiert und alle hochseetauglichen Schiffe mit sich genommen, damit die GMOs ihnen nicht hinaus aufs Meer folgen konnten. Ihnen Monleone trotz der Flucht auf Dauer zu überlassen, kam nicht in Frage. Während die Schiffe sie von der einen Seite abgelenkt hatten, landeten auf der anderen Seite die Handwerker.

Monleone war keineswegs verschwunden. Die Stadt hatte nur ihren Standort gewechselt und stand nun mitten in der Hochsee, dort wo die wichtigsten Handelsrouten sich kreuzten. Schon immer war es eine Handelsstadt gewesen und das würde es bleiben. Die schwimmenden Häuser von Monleone waren unter dem Kommando des jungen Duca dank eines sehr fähigen Beraterstabs aus Dockschiffen entwickelt worden.
Dockschiffe waren Transportschiffe, die ihren Rumpf durch das Fluten und Leepumpen der Auftriebskörper unterhalb der Wasseroberfläche absenken konnten. So konnten darauf Objekte gebaut und anschließend bequem zu Wasser gelassen werden. Das Absenken sparte den mühsamen Stapellauf der Objekte, die auf der offenen See eingesetzt werden sollten. Sie ins Wasser zu lassen war nicht nur stets ein Risiko, sie zu beschädigen, sondern ab einen bestimmten Gewicht ein extremer technischer Aufwand. Dockschiffe wurden nicht nur für den Schiffsbau, sondern auch für den Bau von anderen Hochseetechnologien verwendet, wie schwimmende Radarstationen oder Plattformen, alles Dinge, die ein hohes Eigengewicht besaßen. Sie zeichneten sich nicht nur dadurch aus, dass sie aufgrund ihres enormen Auftriebs auch sehr schwere Objekte transportieren konnten, sondern auch durch extrem leistungsfähige Motoren.

So kam Gacomo auf die Idee, die verloren geglaubte Hauptstadt Ledwicks zu retten, indem man die Häuser Stein für Stein abtrug und auf den geretteten Schwimmdocks neu errichtete. Und das taten sie. Es war eine strategische und logistische Meisterleistung, dies trotz der Anwesenheit der hochgefährlichen GMOs zu bewerkstelligen. Das Endresultat war eine schwimmende Stadt, die sich aus der Flachwasserzone ihrer vertrauten Lagune entfernen konnte und mitten auf dem offenen Ozean stand. Und dort blieb sie ... während die Ledvigiani in den kommenden Jahren lernten, in die Tiefe abzutauchen und Monleone ihre letzte Schnittstelle mit der Oberfläche blieb.

Antworten

Zurück zu „Ledwick 1077“