Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Sentir

Souvagne 1077.
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Kabir
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Sentir

#1

Beitrag von Kabir » Mi 10. Jul 2019, 01:05

Sentir


„Ich sagte er würde früher oder später hier auftauchen“, sagte der Hüne.
„Ein ganz seltsamer Anblick, dabei habe ich ein ganz seltsames Gefühl bekommen“, murmelte der andere Kerl.

„Was heißt seltsam?“, fragte der Hüne.
„Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich jemals vor einem Einsatz so komisch gefühlt hätte. Aber jetzt den abtrünnigen Sentir frei rumlaufen zu sehen, dass ist seltsam… sehr seltsam“, sagte der kleinere Kerl.
„Aus dem Grund sind wir hier. Wir fangen den Ausbrecher wieder ein“, sagte der Hüne.

„Ich hab Angst“, sagte CorSec-EK, seine Stimme zitterte. Er musterte Darius der weiter das Aero fuhr. Der Senior-Agent antwortete nicht. Darius nickte knapp und fuhr schweigend weiter.

„Naja Du verstehst sicher, dass er beängstigend ist. Warum sie keine SO schicken ist klar, zu wenige, zu wertvoll und zu leicht von ihm zu missbrauchen. Andererseits schon ein Kompliment mich mitzuschicken mit Euch“, grinste der EK, „aber ich kann kaum atmen, wenn ich mir vorstelle ich müsste mich dem Abtrünnigen Mann gegen Mann stellen“.

„Warum um alles in der Welt können wir ihn nicht einfach ausschalten?“, fragte der EK und atmete schwer. Die Augen hinter seiner Sonnenbrille waren blutunterlaufen. Seine übermüdeten Augen warfen Darius einen messerscharfen Blick zu.
„Lass es mich wissen, wenn er wieder an der Leine ist“, warf Lysien ein.

„Bald“. Darius sagte nur dieses eine Wort, ganz ruhig. Nicht eine Spur von Unsicherheit in der Stimme. Er drehte geringfügig das Lenkrad und der Aero glitt in das Vergnügungsviertel Obenzas.

„Wer ist die fremde Frau an der Seite vom Abtrünnigen?“, fragte Lysien. Seine Stimme klang gepresst, sie klang nach Hass und Mord.

„Die kleine Ratte muss unseren Agenten manipuliert haben. Sie wird kein Problem darstellen“, sagte der Senior-Agent. Darius Stimme war eiskalt und tief.

„Du kennst die Fähigkeiten des Abtrünnigen ganz genau?“, fragte der Assassine.
„Das tue ich. Allerdings gilt das auch für die andere Seite. Er kennt mich sehr gut“, antwortete der Hüne.

„Das heißt also…“, fing Lysien an, dann füllte Schweigen das Aero.
„Der Abtrünnige ist sehr gefährlich? Sogar für einen Sentir?“, fragte Lysien.

Darius nickte.

„Natürlich. Ich habe ihn ausgebildet“, sagte der Hüne eisig.


****

Kabir
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Re: Sentir

#2

Beitrag von Kabir » Mi 10. Jul 2019, 01:06

Das Netz


„Na hab ich Dir zu viel versprochen? Es ist einfach fantastisch oder? Ich finde die dunklen Straßen mit der Leuchtreklame und den netten Schaufenstern sogar noch besser, als die Hauptstraßen. Da drückt sich schon einer die Nase platt, guck“, lachte Lana.

`Ich sehe es, aber ich hab noch was entdeckt. Einer meiner Art ist in der Nähe. Sind wir hier schon in Klein Arashima? Wie weit ist das Netz von hier?´, fragte Kabir und stellte sich ebenfalls vor das Schaufenster.

Lana und Kabir sahen den beiden Tänzerinnen einen Moment beim Tanzen zu und tanzten auf der anderen Seite der Scheibe mit, was die Mädels lachen ließ, ehe die beiden sich gut gelaunt wieder auf den Weg machten.

`Warnung oder Hinweis?´, fragte Setardio.

`Nur Info. Egal verlassen wir einfach den Dunstkreis und fertig, ich bin abgeschirmt. Gucken wir uns eine Show an?´, fragte Kabir neugierig.
`Das mein lieber Kabir, hängt ganz von der Show und unseren Talern ab´, lachte Lana und Kabir musste ebenfalls losprusten.

`So? Davon hängt alles ab? Naja dann sollten wir uns etwas gönnen, was wir uns sonst nie gönnen. Egal worum es geht. Wir werden uns richtig üble Waffen kaufen. Wir werden was richtig Hartes saufen und wir werden uns eine Show reinziehen.
Wieso bestimmen eigentlich immer andere über uns? Muss man sich immer irgendeiner Regel beugen?´, fragte Kabir.
`Im Projekt muss man sich schon einfügen, das ist klar. Aber so ein bisschen Freiheit steht uns allen zu. Und hier in Obenza sind wir alle frei. Wir können tun und lassen was wir wollen bis die Schwarte kracht´, lachte Lana.

`Dann wollen wir das auch tun. Such uns einen Laden. Und lass uns was Verbotenes tun. Irgendwas´, grinste Kabir.
`Verbotenes?´, hakte Setardio gibbelnd nach.

„Ja was Verrücktes. Sowas….
Frei!!! Steh auf Souvagne, bleib standhaft und groß. Niemand soll Dich unterwerfen, niemals sollst Du fallen. Geh Deiner eigenen Wege und leck mich dabei am Arsch!“, brüllte Kabir singend über die Straße.

„Bist Du verrückt so zu grölen?“, lachte Lana und hielt Kabir den Mund zu.
„Du bist nur neidisch weil Du den Text nicht kennst“, prustete Kabir.

„Nun den Text kannte ich ja?“, feixte Lana.
„Jaja“, lachte Kabir.

„Also vielleicht nicht ganz, aber mehr oder weniger“, grinste Setardio.
„Also mehr weniger, als weniger mehr oder?“, feixte Kabir.

„Irgendwie so in der Art. Lass uns eine Bar suchen. Und eine Fressbude. Ich hab Hunger. Hier haben die total leckere Ente. Hast Du schon mal Knusperente gegessen? Die ist extrem fettig und total lecker“, sagte Lana und rieb sich den Bauch.

„Von mir aus, hoffentlich bekommen wir davon nicht die Scheißerei“, sagte Kabir und zündete sich eine Fluppe an, ehe er die Packung an Lana weiterreichte.
„Deine feine Ausdrucksweise“, prustete Lana lachend und lehnte die Rauchstangen ab.

Die beiden liefen gut gelaunt die Straßen Klein Arashima entlang und schauten in viele Geschäfte hinein. Es gab wirklich nichts was es nicht gab. An einem kleinen Schnellimbiss aßen sie gebratene Nudeln und schauten auch noch in einer freien Apotheke vorbei.

Kabir stöberte die ganzen Angebote durch und kaufte sich dann alles, was er eventuell benötigen würde.

„Hier haben die vielleicht eine Auswahl. Ich hab mich eingedeckt. Wenn Du auch noch was brauchst, mach hin Lana“, sagte Kabir.
„Nein Danke, kauf Dir etwas zur Beruhigung und etwas gegen Kopfschmerzen“, sagte Lana und packte einige Tütchen dazu.

Kabir bezahlte alles und stopfte es in seine Tasche und machte sich auf zum nächsten Snackstand. Er stöberte etwas, ehe er sich einfach eine Pommes auf die Hand kaufte und mampfte.

„Nicht mehr weit, dann sind wir da“, sagte Lana und mampfte von den Pommes mit.

Keine fünf Minuten später erreichten sie das Netz. Lana nickte Richtung Poster, das riesig gegenüber dem Club auf gehangen war. Gerade als Kabir es bewundern wollte, packte ihn Lana und zog ihn mit sich in den Club.

Sie betraten den Club und schauten sich neugierig um. Gemeinsam gingen sie zur Bar und bestellten sich zwei Bier.

„Auf die Freiheit“, sagte Lana.
„Auf die Freiheit“, stimmte Kabir zu.

Beide stießen miteinander an und nahmen einen großen Schluck Bier.

„Und wie schmeckt es?“, fragte Setardio grinsend.
„Gut, sehr gut sogar. Was daran so gefährlich sein soll, ist die Frage. Keine Ahnung, mir auch gleich“, sagte Kabir und trank weiter.

„Deine Welt, also Dein Bereich aus dem Du kommst, ist mir total fremd. Was genau macht Ihr? Was heißt Psioniker überhaupt Kabir?“, fragte Setardio neugierig.
„Psioniker ist die Person die sich des Psi bedient. Psi heißt außersinnliche Wahrnehmung. Wir meinen damit, dass Du durch die Macht Deiner Gedanken Dinge wahrnimmst, spürst, quasi siehst.

Schau durch meine Augen. Warte, ich verbinde uns ganz. Du nimmst alles wahr und fast alles ist dadurch beeinflussbar. Meine Gedanken sind wie Fäden, oder Tentakeln, wie Du es nimmst.

So ist meine „Sicht“, wenn ich die Welt nur durch meine Gedanken wahrnehme. Ich zück dabei meine Wumme, damit Du einen Anhaltspunkt hast. Das schwarze Ding ist meine Waffe. Rest erklärt sich dann von selbst Lana“, lachte Kabir und spiegelte seine Gedankenwahrnehmung in Lanas Kopf.

„So sieht das aus, kannst Du es wahrnehmen?“, fragte Kabir und schüttelte den Kopf.
„Ja kann ich – heftig. Wirklich. Und diese Rasterstreifen sind die Fäden, wenn sie nichts Bestimmtes festhalten ja?“, fragte Lana.

„Ja genau, aber damit sehe ich halt. So ist meine Weltsicht über meine Gabe. Bestell noch ein Bier“, sagte Kabir und ließ Lana wieder los per Gedanken.

„Und wie teilt man Euch ein? Wie die BioMods?“, fragte Setardio und orderte noch zwei Bier. Kabir nahm einen großen Schluck und überlegte.
„Weiß nicht“, antwortete Kabir.

„Du sagtest Endstufe. Wie zählt Ihr das vorwärts oder rückwärts? Also wie mächtig wer ist?“, fragte Lana schlürfend.
„Andersrum“, prustete Kabir.

„Ehm Du hast gleich einen in der Krone, trink was langsamer“, bat Lana.
„Von mir aus“, stimmte Kabir zu und trank weiter.

„Dann erklär mal die Aufteilung für eine Unwissende. Komm schon“, bat Lana.

„Klar warum nicht. Also pass auf. Klassifikation. Von winzig bis mächtig, danach gebe ich Dir die Erläuterung.


Sentir Klassifikation:

17 dix-sept
16 seize

Sentir:
15 quinze
14 quatorze
13 treize
12 douze
11 onze
10 dix
9 neuf
8 huit
7 sept
6 six
5 cinq
4 quatre
3 trois
2 deux
1 un


Stufe dix-sep
Diese Individuen sind praktisch psionisch völlig inaktiv. Diese Individuen sind völlig immun gegenüber jedweder psionischen Wirkung, die keinen direkten und massiven Angriff hochstufiger Sentir darstellen.

Das bedeutet, ich kann keinen dix-sep über die Macht meiner Gedanken beeinflussen, ihre GedankenZicoen entziehen sich unserem Zugriff. Ebenfalls entzieht sich ihrer Seele magischen Zugriffen, den Magiern wie auch den Sentir sind die dix-sep als Stumpfe oder Lichtlose bekannt.

Allerdings ist es mir durchaus möglich, in mit der Macht meiner Gedanken körperlich Schaden zuzufügen, oder über Außeneinwirkung (Wurf eines extrem schweren Gegenstands) den Lichtlosen zu töten.


Stufe seize
Dies ist die Standardeinstufung für normale Souvagner oder Menschen.
Keine psionische Aktivität.
Du der das hier liest bis aller Wahrscheinlichkeit nach ein seize.


Jetzt fangen die Sentir an.

Stufen quinze bis douze
Ab der Klassifikation quinze ist eine psionische Aktivität festzustellen, ab hier spricht man von einem Sentir.
Bis zur Einstufung quatorze ist die Gabe meist sehr schwach, und die Personen wissen zumeist gar nichts von ihren Kräften.

Diese Individuen werden oft gar nicht bei den Suchen gefunden, da sich ihre Kräfte nur unter großem emotionalem Stress offenbaren. In der Praxis werden meist nur Individuen ab Stufe quatorze gefunden. Die Kräfte äußern sich, wenn überhaupt, meist in Form von Visionen oder Vorahnungen.

Beispiel, gleich kommt der Täter durch die Tür… ist aber keine Vorahnung. Die Person hat den Täter nur schon mit den eigenen Gedanken „gesehen“ ohne das zu wissen oder zuordnen zu können. Es war die Macht der Gedanken, keine Vision.


Nächsten Stufen onze bis neuf
Diese und die folgenden Stufen bedeuten eine deutliche Manifestierung psionischer Aktivitäten, und ihre Kraft steigt exponentiell zur Einstufung. Ab Stufe neuf ist ein sofortiger Eingriff eines Sentir-Eingreif-Duos erforderlich. Ziel Sicherung/Festnahme zur Untersuchung mit möglichem späteren Training, bei Verweigerung der Kooperation und zwangsfolgender Aufwertung sofortige Exekution.


Nächsten Stufen huit bis cinq
In den v.g. Stufen kann man ohne weiteres von überaus mächtigen Sentirn sprechen.
Verglichen mit der Vielzahl an Sentirn denen sich unser Orden bedient erreichen nur wenige diese Stufen, und meist dann auch nur durch jahrelanges Training, nach Augmentation.


Nächsten und letzten Stufen heißen quatre, trois, deux, un
un ist die Endstufe.

Die oberen vier Stufen bedeuten Stufen einer psionischen Meisterschaft, die so einmal unter 1 Milliarde Menschen auftritt. Nur nach passender gebürtiger Voraussetzung, nach Augmentation und exzessivem Training ist ein Erreichen dieser Stufe möglich.

Du brauchst aber die passende Grundbasis.
Ab Stufe deux ist die Gefahr immens noch, dass das Individuum ohne Absicherung mental instabil - sprich wahnsinnig wird. Das heißt sie werden aufgrund der immensen Flut von Sinneseindrücken wahnsinnig, die sie über ihren Geist wahrnehmen. Ungefiltert strömt alles auf sie ein, leider ist auch ein trainierter Geist nur in der Lage eine gewisse Menge an Informationen aufzunehmen ohne Schaden zu erleiden.


Bevor Du fragst Lana, antworte ich. Ich bin ein Trois. Einer der Endstufe. Extrem selten, extrem teuer“, sagte Kabir.
„Und extrem gefährlich“, fügte Lana an und knuffte Kabir.

„Ja das auch. Mein Lehrmeister, war „mein“ Un.
Er heißt Darius, kommt vielleicht einem Vater gleich. Naja ein besserer Vergleich fällt mir nicht ein, auch wenn er hinkt. Jetzt kennst Du unsere Machtstufen“, sagte Kabir freundlich und bestellte sich noch einen Schnaps.

Kaum dass die Bedienung den Schnaps Kabir vor die Nase gestellt hatte, grabschte Setardio das Getränk und nahm es Kabir weg.

„Was passiert, wenn Du die Kontrolle verlierst? Was wenn Du besoffen bist?“, fragte Lana und auf einmal dämmerte ihm schlagartig, warum es Kabir verboten war zu saufen.
„Keine Ahnung, vielleicht töte ich hier alle“, prustete Kabir.

„Na toll! Ich hoffe das war ein Witz“, sagte Setardio und stürzte den Schnaps nervös runter.
„Ja war ein blöder Witz, entschuldige“, sagte Kabir.

„Frieden“, sagte Lana und trank ihren nächsten Schnaps aus.
„Frieden“, stimmte Kabir zu und kippte seinen auch runter.

„Bei Ainuwars Schrumpfhoden…“, keuchte Kabir und hustete sich die Lunge aus dem Leib.
„Ja?“, fragte Lana.

„Ist das ekelhaft. Haben die nichts was schmeckt?“, prustete Kabir.
„Wie wäre es mit einem Cocktail? Meist süß, Lust darauf?“, fragte Lana.

„Gute Idee, quasi alkoholische Limo“, grinste Kabir. Lana nickte zustimmend und bestellte zwei Fruchtcocktails.

„Schnapp Dir Dein Glas und begleite mich“, bat Setardio und ging vor. Kabir folgte ihr auf dem Fuße. Lana machte vor einem großen Poster halt.

„Hier siehst Du was sie haben. Die erste „Rubrik“ ist quasi Kybernetik auf Retro gemacht. Die zweite Rubik ist Uniform und Einsatz, die dritte Rubrik sind sowas wie Karbolmäuse – Krankenschwestern. Welche gefällt Dir?“, fragte Lana mit Raubtiergrinsen.

Kabir stellte sich ganz dicht vor das Poster und betrachtete es eingehend.

„Alle hässlich, die sehen komisch aus. Findest Du die hübsch? Ich weiß nicht, aber die sehen grotesk aus. Lass uns andere angucken“, sagte Kabir und schmiss seinen Getränkehalm weg um besser trinken zu können.

„Manche Leute kommen gerade wegen denen her. Na komm“, sagte Lana gut gelaunt und führte Kabir runter in den Table-Dance-Bereich.
„Da sitzt schon ein Typ. Na kann uns egal sein. Pflanzen wir uns und genießen die Show“, sagte Lana und nahm auf einen der Sitzgelegenheiten Platz.

Kabir hockte sich neben sie und beide schauten der Vorführung der Arashi zu, die gekonnt an der Stange tanzte.

„Du guckst die so seltsam an. Ist was nicht in Ordnung?“, fragte Lana.
„Die macht nur das gleiche, voll öde oder?“, prustete Kabir.

„Was heißt das?“, fragte Lana noch, als die Tänzerin loslegte so zu tanzen, wie sie noch nie in ihrem Leben getanzt hatte. Sie tanzte in einer schwindelerregenden Geschwindigkeit, sprang die Stange hoch und runter, grätschte die Beine und riss sich dabei die Kleider von Leib, während Kabir sich vor Lachen schüttelte, starrten die anderen nur geschockt auf das Schauspiel.

„Warum lachen Sie? Haben Sie damit was zu tun?“, donnerte der Kerl von gegenüber. Urplötzlich fing er an zu zucken, sprang auf und unterstützte die Tänzerin bei der wilden Tanzeinlage. Allerdings machte er nicht annähernd eine so gute Figur. Auch er riss sie die Kleider vom Leib und ihre Körper wanden sich geradezu verzweifelt ineinander.

„Hör auf damit Kabir“, prustete Lana und schüttelte sich ebenfalls vor Lachen.
„Du wolltest doch eine gute Show, hier hast Du sie“, grölte Kabir vor Lachen.

„Die sehen nicht sonderlich glücklich aus“, wieherte Lana.

Während das Paar dazu überging sich hemmungslos auf der Tanzfläche zu lieben.
„Die Show ist jeden Taler wert“, lachte Lana Tränen.

„Stimmt, sie hatte zwar einige Anlaufschwierigkeiten aber jetzt ist sie topp“, prustete Kabir.

„Was machen die denn da???“, fragte eine Frau irritiert, die gerade den Raum betrat.
„Wonach sieht es denn aus?“, hakte Lana nach und lachte erneut Tränen.
„Das ist eine Tanzshow“, erklärte Kabir unnötigerweise, wobei überhaupt nicht mehr getanzt wurde.

„Kämpfen die da…?“, fragte die Frau entgeistert.
„Ja… in gewisser Hinsicht schon. Kurz gesagt, die sind mittendrin“, lachte sich Lana schlapp.

„Die Sicherheit! Es ist verboten mit den Tanzmädchen…! Dieser Kerl… Das Schwein…“, stammelte sie und raste dann wie eine Furie nach unten.

„HILFE!!!“, kreischte der Kerl auf der Tänzerin, ließ aber dennoch nicht von ihr ab, da er keine Kontrolle über seinen Körper hatte.
„Ohoh“, prustete Lana.

„Wir müssen verschwinden“, lachte Kabir, grabschte Setardio und rannte mit ihr ebenfalls nach unten genau in dem Moment wo eine Gruppe ins obere Stockwerk des Netz schlich.

„NICHT SO SCHNELL! Hier ist nur Zutritt für Personal!“, donnerte ein Arashi schneidend.
„Hier wird nicht die Zeche geprellt“, motzte ein weiterer Kerl vom Wachdienst.

„Wir sind vom Personal“, sagte Kabir schlagartig ruhig.
„Dann zeigen Sie Ihren Ausweis!“, bellte einer der Typen.

„Ist ein General-VIP-Ausweis, ein 44er“, grinste Kabir.

Im gleichen Moment hatte Kabir seine Waffe herausgerissen und feuerte auf beide Männer. Tödlich getroffen klatschten beide zu Boden, während Kabir mit einem Satz über beide hinwegsprang und sich den Weg Richtung Ausgang bahnte.

„Heilige Scheiße!“, fluchte Lana, als sie weitere Schüsse hörte. Sofort nahm Lana die Verfolgung auf. Lana hatte Kabir in einer Art Aufenthaltsraum eingeholt und was sie sah, machte sie gewaltig sauer.

Jede Person, die sich Kabir in den Weg stellte, wurde von diesem einfach umgenietet. Entweder wurde sie erschossen, oder sackte ohne erkennbare Verletzungen leblos zusammen.

`Vermutlich irgendein psionischer, tödlicher Angriff´, grübelte Lana.

Mittlerweile war sie so nah an Kabir herangekommen, dass er in berühren konnte.

„Kabir was tust Du da?“, zischte Lana, sicherte aber dennoch mit der Waffe die Umgebung. Jeder der ihnen nun entgegen kommen würde, wäre ein Feind. Um die Waffen noch wegzulegen, dafür war es eindeutig zu spät.

„Ich rette unsere Hintern, beweg Dich“, zischte Kabir.
„Wieso, vor den Tänzerinnen? Was ist los?“, fragte Lana wütend.

„Nein, Feindkontakt. Wir müssen hier raus. Vertrau mir einfach“, bat Kabir, grabschte Lana am Ärmel und zerrte sie hinter sich her.
„Du sollst mir antworten verdammt noch mal“, donnerte Lana.

Kabir schaute sie kurz über die Schulter an.

`Feindliche Gedanken, ein EK hat den Laden betreten mit mehreren Leuten. Er bewegte sich zur Tarnung in der Gruppe mit. Er ist nicht allein. Seine Gedanken sind auf ein Team ausgerichtet. Er flieht Richtung Ausgang und Kellergewölbe. Wir haben ihn gleich´, übermittelte Kabir und rannte weiter.

`Moment mal, wir fliehen gar nicht vor dem Burschen, sondern verfolgen ihn?´, fragte Lana baff.
`Ja. Wir müssen wissen mit wem er in Kontakt steht. Irgendwer hat ihn gewarnt und nun gibt er Fersengeld. Den schnappen wir uns´, übermittelte Kabir gut gelaunt.

Die beiden rannten immer weiter, bis sie in einem Treppenhaus angelangt waren.

„DER EK!“, schrie Lana.

Sein dunkler Haarschopf verschwand nach unten in einem Loch, das gerade so breit war wie seine Schultern. Kabir nahm Anlauf und sprang mit beiden Stiefeln voran hinterher. Lana folgte keine Sekunde später.

„DA!“, schnauzte Kabir und nahm die Verfolgung wieder auf.
„Gleich haben wir ihn“, knurrte Lana.

Der EK schlug Haken, rannte auf eine Öffnung zu, die in einen schmalen Gang mündete. Die Decke hing so weit herab, dass selbst er sich bücken musste. Er wollte gerade nach in dem Ausgang verschwinden, als Lana ihn ins Fußgelenk schoss.

Der EK stieß einen gellenden Schmerzenschrei aus und stolperte auf Kabir zu, der prompt dem Kerl ins Kreuz trat. Lana setzte nach und trat ebenfalls zu, so dass der Bursche blutend gegen die Wand geschleudert wurde. Kabir schnitt ihm sofort den Weg zum Fluchttunnel ab.

„Wir haben ihn“, grinste Kabir.
„Hast Du echt geglaubt Du kannst uns entkommen?“, fauchte Lana.
„Spar Dir die Mühe, ich werde ihn auf meine Art befragen“, sagte Kabir.

Der EK starrte Kabir mit großen Augen an. Scheinbar wusste der Kerl wer oder was Kabir war. Er sollte Recht behalten.


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Re: Sentir

#3

Beitrag von Kabir » Mi 10. Jul 2019, 01:06

Raus aus dem Gang und rein ins Vergnügen


Lana und Kabir hetzten aus dem Gang in die Freiheit. Sie kamen in einer stinkenden Seitengasse in einem der unteren Distrikte Obenzas heraus. Nicht unweit entfernt stand ein verlassenes Taxi.

Kabir griff sofort auf seine Fähigkeit zu und der gelbe Aero sprang an.

„Hopp rein“, sagte Kabir, während Lana bereits mit einem gewaltigen Satz in das Gefährt sprang. Kabir suchte kurz irritiert die Gegend ab und sprang ebenfalls in das Aero.

„Alles klar?“, fragte Lana.
„Ja klar, fahr!“, sagte Kabir.

Ein großes, schwarzes Objekt landete mit einem Donnern auf ihrer Motorhaube. Lana und Kabir zuckten vor Darius plötzlichem Auftauchen zurück.

„Ein Groupie?“, fragte Lana, doch ihr Lächeln war grimmig. Sie war offensichtlich wütend, umklammerte das Lenkrad und Schweißtropfen bildeten sich auf ihrer Stirn.

„RUNTER!“, zischte Kabir.

Kabir stand auf und schlug über die Windschutzscheibe hinweg mit der Hand nach Darius. Er traf ihn nicht. Der Hüne sprang mit katzenhafter Schnelligkeit beiseite und landete vor dem Fahrzeug.

Er schaute kurz Setardio an und verpasste ihr dabei mit dem Blick einen kurzen Gedankenhieb, der sich wie eine Rasierklinge in weichem Fleisch anfühlte.

Kabir setzte sich langsam wieder und starrte seinen ehemaligen Un an, während er Lana abschirmte.

„Komm her Kabir“, befahl der Koloss.
„Aus dem Weg Du Arschloch oder ich fahr Dich platt“, zischte Lana.

Setardio ließ den Motor aufheulen, zeitgleich riss der Senior-Agent seinen Schutzschild hoch. Lana knallte den Rückwärtsgang in das Gefährt und schoss mit dem Aero nach hinten weg. Ein ganzes Stück entfernt, riss sie das Lenkrad herum, der Wagen schleuderte um 180 Grad und donnerte dann die Gasse entlang herunter in die Dunkelheit.

„Was ist nur mit den Leuten los? Der war ein anderes Kaliber als der EK, der war heftig drauf“, sagte Lana und rieb sich die Stirn.
„Glaub mir, der war noch ganz geschmeidig. Geile Aktion übrigens“, lachte Kabir, „los drück auf die Tube wir müssen aus seinem Dunstkreis“.

Kabir entspannte sich, zeitgleich versuchte Darius per Gedanken Kontakt zu ihm herzustellen. Er rief ihn.

`Komm nach Hause Kabir... PS – noch so eine Show von Deiner Pussi und das Weibsstück frisst ihre Karre´.

„Mein ehemaliger Boss bittet mich heimzukehren und er möchte Dich gerne mit dem Aero füttern“, teilte Kabir Lana mit.
„Sag ihm ich bin auf Diät“, grinste Lana und donnerte mit dem Fahrzeug weiter, in einer Einkaufspassage blieb sie stehen und flitze in einen Laden. Keine zwei Minuten später kam sie wieder heraus und drückte Kabir eine Tüte in die Hand. Erneut schoss das Aero davon.

Kabir bemerkte dass die Tüte kalt war und spähte neugierig hinein.

Darin lagen ein Topf mit Mint-Schoko-Crisp-Eiscreme und ein großer Löffel.
„Hau rein, Nervennahrung. Du musst topfit sein, falls Klößchen uns nochmal angreift“, sagte Lana und knuffte Kabir.

„Danke Lana“, sagte Kabir glücklich und mampfte die Eiscreme. Dabei passte er allerdings auf, sich nicht voll zu kleckern. Als er fertig war, warf er den Müll einfach auf die Straße.

„Versuchen wir unser Glück. Dass Du verfolgt wirst, wissen wir nun. Wie werden wir die Typen los?“, fragte Lana. Kabir schaute sie kurz an, die Antwort die in seinen Augen lag, gefiel Lana überhaupt nicht.


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Re: Sentir

#4

Beitrag von Kabir » Mi 10. Jul 2019, 01:07

Aufgeflogen


Die Ereignisse hatten beide ermüdet. Mehr schlecht als Recht, hatten sie sich durch die nicht ganz so glanzvollen Distrikte geschleppt. Vorsorglich hatten sie einen Rucksack und einige Nahrungsmittel gekauft. Lana hatte vorgeschlagen, noch etwas Zeit in Obenza zu verbringen.

Ihre Verfolger würden vermutlich von einer ganz anderen Vorgehensweise ausgehen, und am Hangar auf sie lauern. Aussitzen, war ihre Devise und Kabir schloss sich ihrer Sichtweise an.

Das Duo hatte ein Aero gestohlen um schneller voran zu kommen. Ihr nächstes Ziel bestand darin, sich ein Unterschlupf zu suchen. Lana fuhr das Aero, während Kabir neben ihr saß und nach einem Versteck Ausschau hielt.

"Die Welt ist so anders ohne HUD Lana...", flüsterte Kabir nach einiger Zeit.
„Etwas selbst zu erfahren, ist was anderes als nur die Infos zu ziehen Kab. Infos über Obenza, gelesen, abgehakt. Aber wenn Du hier bist, die Lichter, die Gerüche, die Dunkelheit, alles gibt Dir ein Gefühl. Wenn Du diese Daten nur auf Deinem HUD liest, hast Du zwar Input aber keinerlei Erfahrung“, warf Lana ein und beschleunigte das Aero.

„Gut erklärt Lana. Schau mal da drüben. Das müsste gehen“, sagte Kabir und nahm einen Schluck Limo.

Das Aero bog in eine Auffahrt ein, und hielt leise auf der Rückseite des Gebäudes. Das Duo erhob sich aus den knarrenden Ledersitzen und schritt auf das Gebäude zu. Das Schloss zu diesem alten Komplex öffnete sich mit einem beinahe lautlosen Klicken.

Die Tür schwang leise nach innen auf. Lana betrat mit Kabir das Gebäude. Sie sicherten mit den Waffen im Anschlag. Nichts. Keine Person im Gebäude.

`Spürst Du wen?´, dachte Lana und hoffte Kabir würde ihre Gedanken lesen.
`Warte einen Moment. Bin noch nicht ganz durch mit den Räumen´, antwortete Kabir.

`Was tust Du genau?´, fragte Setardio und wartete.
`Sicher. Mit geschlossenen Augen „sehen“. Sprich ich erfasse die ganze Umgebung mit meinem Körper dreidimensional durch ausgesandte Gedankenwellen. Kein Mensch hier. Nur wir beide, wir sind nur noch ein Zittern am Ende meiner Nerven´, sagte Kabir.

`Keine lebende Seele hier und Tote muss man ja nicht fürchten´, grinste Lana.
`Wer weiß´, gibbelte Kabir.

Lana senkte die Waffe und Kabir zog mit ihr gleich.

„Wir sind ein perfektes Duo“, sagte Setardio.
„Danke, find ich auch“, antwortete Kabir.

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg ins tiefere Innere des Gebäudes. Was immer das Gebäude einst einmal gewesen war, hatte eine Küche und auch einige Schlafgelegenheiten.

„Sieht aus wie eine alte Forschungseinrichtung oder Leichenhalle“, lachte Lana.
„Super Lana muntere mich nur weiter auf“, prustete Kab.

Sie machten es sich auf dem Boden gemütlich und durchstöberten ihre Taschen. Lana legte die gesamte Ersatzmunition auf den Boden und überprüfte ihre Waffen.

Kabir durchstöberte die nahe Umgebung per Gedanken, ehe er sich auf machte und eine eingepackte Notdecken aus einem etwas entfernten Raum holte. Einige breitete er auf dem Boden aus, den Rest legte er zum Gebrauch hin.

„Ein Stück weiter unten ist ein WC-Raum. Mit Toiletten und Waschbecken. Das Wasser ist noch da, also es funktioniert. Aber bevor wir welches nehmen, müssen wir es länger laufen lassen. Auch hier in der Küche. Man kann von Wasser krank werden, das in den Leitungen moderte. Keine Ahnung wie das heißt, aber man kann sogar dran verrecken, sagte mal mein Leitwolf. Ich habe keinen Chip und kein Interkom mehr. Verfügst Du über Medscan oder Nahrungsabtastung? Dann könntest Du das für uns überprüfen Lana“, sagte Kabir.

„Ich meine die Krankheitserreger heißen Legionellen. Die findet man immer da, wo Wasser in Leitungen steht. Hier war scheinbar ewig keiner mehr. Und in Obenza gibt es viele geheime Laboreinrichtungen. Wer weiß auf welchen Geheimnissen wir hier sitzen?“, feixte Lana.

„Unwissenheit kann auch ein Segen sein“, warf Kabir ein und hockte sich erneut auf den Boden.
„Das stimmt“, sagte Lana und packte die Waffenmagazine wieder ordentlich ein.

"Frage wenn Du Gedanken liest, kannst Du Deine Gefühle übermitteln? Egal jetzt auf welcher Art?“, fragte Setardio neugierig.
„Da gab es nie wem was zu übermitteln, außer meinen Status, Fakten oder anderes. Meinem Un vielleicht. Leitwolf und Welpe haben meist ein nähere Verbindung. Aber lass uns nicht immer davon quatschen, lass uns lieber über das jetzt quatschen“, antwortete Kabir.

Sie dösten eine Weile und waren am Ende doch eingeschlafen. Es war Nachmittag. Lana die gerade ihre Suppe umrührte, starrte Kabir an, der plötzlich reglos verharrte. Dann schien er auf etwas zu lauschen. Mit ihrer freien Hand bekrabbelte sie Kabir etwas.

„Was ist los?“, fragte sie freundlich.
„Lass den Unfug, das kitzelt. Fühlt sich komisch an. Warte… eine Gruppe. Sie sind in lauter Stimmung, heißt so als ob sie auf eine Party gehen, oder auf ein Fest. Oder so als ob man in die Schlacht zieht. Bittere Gedanken“, teilte Kabir leise mit.

Lana sah ihn besorgt an.
Kabir hingegen verspürte keine Angst.

„Sind sie es?“, fragte Lana.
„Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja“, antwortete Kabir.

„Kannst Du sie von hier aus umnieten?“, hakte Lana nach.
„Sekunde… wartet“, sagte Kabir und konzentrierte sich erneut.

„Negativ. Fühlt sich komisch an, abgeschirmt. Ich muss vorsichtig vorgehen, sonst bemerken sie mich. Lassen wir sie was näher kommen, dann kann ich unauffälliger vorgehen.

Gib mir einen Augenblick. Ich muss mich kurz konzentrieren, meinen Geist reinigen und fokussieren sonst bin ich schwächer“, erklärte er. Kabir verharrte wie in Trance, der Blick abgekehrt so dass nur das weiße in seinen Augen zu sehen war, während für einen winzigen Augenblick die Luft um ihn herum flirrte als würde ihn eine Gluthitze umgeben. Während Lana sich schützend neben ihn postierte, war er bereits wieder im Hier und Jetzt und starrte zurück.

„Bist Du soweit?“, fragte er schlicht.
„Absolut“, antwortete Lana.

„Reißen wir es“, lachte Kabir leise.


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Kabir
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Re: Sentir

#5

Beitrag von Kabir » Mi 10. Jul 2019, 01:08

Duell


Zico beobachtete wie die Tür langsam aufging. Eine unglaublich dicke Stahltür, so stabil wie in einem Atomschutzbunker. Er betrat das Parkdeck. Ein ganz gewöhnlicher Parkplatz, mit Stellplätzen für etwas zehn Aero, getrennt durch Stahlgerüste und dicke Säulen. Zwei Lastenaufzüge nebeneinander, die Türen eines Fahrstuhls waren offen.

Das Rolltor vom Parkplatzausgang war verschlossen, aber verglichen mit der offenen Fahrstuhltür wirkte das nicht besonders ungewöhnlich. In dem Moment, als ihm der Rollladen aufgefallen war, hörte er kurz damit auf, die Position der anderen Teammitglieder zu überprüfen. Er warf einen überraschten Blick auf die Tür, durch die er gerade gekommen war.

Eine ganz gewöhnliche Tür. Eine ganz normale Tür mit einem Bullauge. Sogar der Rollladen eines schäbigen 24-Stunden-Supermarkts würde mehr Sicherheit bieten.

`Eine einfache Tür! Ich habe wie ein Trottel vor einer einfachen Tür gestanden, die ich einfach mit einem Tritt hätte öffnen können!´, fluchte Zico.

Es zischte, drei blaue Lichtpunkte wurden angezeigt, die sich aus drei Richtungen näherten. Zico nahm zwei Pistolen, duckte sich und presste sich gegen die Wand.

Dann feuerte er. Die Kugeln durchquerten die Finsternis, bohrten sich in die Wände und rissen den Putz ab. Zico wandte sich von der Treppe ab und schoss gleichzeitig auf Fahrstuhl und Feuerleiter. Seine Schüsse hallten durch das Parkhaus, die Patronenhülsen klirrten zu Boden. Er brauchte nicht lange um sein Magazin zu leeren.

Mit dem Rücken drückte er sich an die Wand und schob sich weiter. Nebenbei warf er die leeren Magazine weg und lud nach. Ein leises Scharren. Die Aussicht darauf die Person zu sein, die den Deserteur kaschte und ablieferte verschaffte ihm einen Kick und er schlich näher.

Die Antwort auf seine Gedanken kam einige Sekunden später. Scheinwerfer flammten auf und ein Motor begann zu brüllen. Zico hörte das Quietschen von Reifen, die über den Beton auf ihn zurasten. Er sprang von der Wand weg, der Wagen preschte aber weiter auf ihn zu. Das Lenkrad drehte sich in die Richtung, in die Zico rennen wollte.

Zico blieb stehen und schoss auf den Wagen. Fast hatte ihn das Gefährt erreicht, da sprang er mit unglaublicher Kraft ab und über das Aero hinweg das auf ihn zuraste. Zeitgleich durchlöchert er mit seinen Waffen die Front und das Dach des Wagens.

Das Aero krachte gegen die Wand, die Front war komplett zerstört. Blitzschnell sprang er auf, rannte zu dem Fahrzeug und riss die Tür auf. Die Waffen zeigten auf den Fahrersitz.

Niemand.

Er hatte nichts anderes erwartet. Bei einem anderen Fahrzeug gingen die Scheinwerfer an. Eine kleine Explosion dröhnte durch die Halle, hinter ihm schoss ein Aero hinter einer Säule hervor. Mit viel zu hoher Beschleunigung. Instinktiv ballerte er auf den Fahrersitz, aber auch dieses Aero war leer.

Zico suchte Deckung hinter einer Säule. Das Aero knallte mit seinem rechten Scheinwerfer dagegen. Das Glas splitterte, das Aero schob sich weiter auf ihn zu, als wollte es Zico von der Säule kratzen.

Zico nahm Anlauf, sprang zur nächsten Säule und stieß sich in der Luft daran ab. Das Aero erwischte sein rechtes Bein, als er lossprang um auf das Fahrzeug zu feuern. Sein Körper rotierte in der Luft und krachte hart auf den Betonboden. Er schrie, brüllte aus Leibeskräften.

Zico verzog das Gesicht und spuckte Blut und Zähne aus. Dann warf er das Magazin weg und lud nach. Als er aus dem Augenwinkel eine Gestalt ausmachen konnte, zielte er sofort darauf.

Zur gleichen Zeit eröffnete jemand anderes das Feuer. Ein Schock durchfuhr sein rechtes Knie. Das Knie an dem Bein, das der Aero erwischt hatte. Zico kippte ruckartig um. Als falle er mit Absicht. Dabei schoss er ohne Unterbrechung weiter. Keine Reaktion. Allerdings traf ihn wieder eine Kugel am rechten Knie.

Die kugelsicheren Polster rutschten zur Seite, in seinen verstärkten Muskeln und Knochen entstand ein Loch. Er stöhnte auf und kroch hinter eine Säule.
Der Kugelhagel ging weiter auch während er seine Magazine ersetzte. Keine einzige Patrone traf ihn. Er sah misstrauisch dabei zu, wie die Kugeln alle das kaputte Auto trafen.

`Wir sind nicht nur ein gutes Duo, wir sind ein perfektes. verpass ihm eine Bleivergiftung´, übermittelte Lana fies grinsend.
`Geben wir dem Affen sein Zucker´, antwortete Kabir.


****


Schlagartig begriff Zico, welche Absicht hinter dem scheinbaren Kugelfang steckte. Er fletschte die Zähne, dann spannte er seinen ganzen Körper wie eine Feder an und versuchte, von seinem Platz hinter der Säule zu entkommen.

Im gleichen Augenblick traf eine Kugel den Tank des Aeros. Hinter ihm explodierte der Wagen, die Explosion löste eine weitere aus. Das Feuer und die Druckzone rissen seinen kugelsicheren Mantel auseinander, schleuderten ihn gegen die Wand wie eine Puppe.

Trotz allem ließ er seine Pistolen nicht los. Eine der Grundregeln, die nie gebrochen wurden. Jedenfalls nie mit Absicht.
Verliere Deine Waffe und Du verlierst Dein Leben.

Zico stand auf, sein Körper war übersät mit Wunden von irgendwelchen Splittern. Die Pistolen im Anschlag rang er nach Atem und starrte in die lodernden Flammen. Mit einem Kampfschrei riss sich Zico von der Wand los und preschte mitten in das flammende Inferno.


****

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Re: Sentir

#6

Beitrag von Kabir » Mi 10. Jul 2019, 01:08

Ekstase und Kampfrausch


Auf der anderen Seite des rotschwarzen Rauchs schoss Kabir weiter in einem geradezu ekstatischen Tanz.

`Hör auf Kabir´, befahl Lana.

Ständig wechselte er die verbrauchten Magazine und verbrauchte sie auch wieder wie in einem Atemzug. Bei jedem Dröhnen, jedem Hall, jeder Explosion durchschauerte Kabir ein wohliges Gefühl.

Das Gefühl unbeschreiblicher Macht überwältigte ihn. Diese Macht selbst Menschen, und Emotionen zu manipulieren, wie es ihm gefiel.

`Das ist es´, dachte und übermittelte er Lana.
`Warum verboten Sie uns nur diese Macht? Sie schmeckt, sie schmeckt wie Limonade nur besser, süßer. Das ist reine Lust, das ist wie…´, gurrte Kabir und ließ den Satz unvollendet.

Alles was er Setardio danach übermittelte war reines Hochgefühl, pure Euphorie.

`Hör auf, Du bist voll im Rausch! AUFHÖREN!!!´, hörte er Lana in seinen Gedanken schreien. Sie hatte scheinbar schon die ganze Zeit was geschrien, aber Kabir hörte sie erst jetzt. Er spürte wie Lana zitterte. Er spürte Lanas Unverständnis und fühlte ihre Angst.

`Kabir ich bitte Dich…´, setzte Lana erneut an.
`Schon gut Lana, pssst´, übermittelte Kabir und zwang Lana mit sanfter Gewalt zu schweigen.

Um dann, mit einem so starken Gefühl von Macht und Kontrolle erneut mit geradezu orgasmisch-perversem Vergnügen anzugreifen. Lana gefror das Blut zur Säure.


****


„Drecksack“, schrie Zico, wie einen Befehl. Er schoss mit beiden Händen, Kabir schoss mit dem gleichen Timing. Immer weiter ohne aufzuhören. Zico bleckte die Zähne und kam munter drauf los ballernd immer näher. Kabir wich nach rechts aus, also rannte er auch nach rechts. Beide schossen die ganze Zeit weiter. Nur ab und an unterbrachen sie den Kugelhagel um nachzuladen. Beide suchten Deckung hinter einer Säule.

Kabir steckte die beiden normalen Waffen weg und zog die Silver Serpent. Diese Waffe war eine Nummer größer. Er und die Serpent waren eine Einheit, die perfekte Haltung, die linke Hand schoss, die rechte stützte. Dann rannte Kabir aus dem Schatten der Säule, bewegte sich an seine Seite und zielte auf ihn. Zico schrie. Die Kugel traf seine rechte Hand, die er hochgehalten hatte. Ein Schuss in den Handrücken, gefolgt von zig weiteren Schüssen. Alles fließend abgefeuert.

Die Pistole wurde zerfetzt und riss die Finger von Zicos rechter Hand mit sich. Er zielte mit der Pistole in seiner Linken und feuerte in kürzester Zeit die Hälfte des Magazins ab.

Kabir versuchte nicht einmal, den Kugeln auszuweichen. Er leitete mit seinen Schüssen nur die ab, die auf sein Gesicht zukamen. Alle anderen blockierte er mit einem psionischen Schutzschild.

Die Kugeln berührten nicht mal seine Haut.

Er wurde wütend.
Richtig wütend.

Er wollte Zico demütigen, ihn beleidigen, ihn endlich erledigen. Kabir ging auf ihn zu, er feuerte auf Zico mit ganzem Hass und purer Lust ihn zu töten, ihn den Boden zu stampfen mit all seinen Fähigkeiten. Kabir schoss kein einziges Mal daneben.

Zico wurde an den Beinen, Schultern und Brust getroffen.

„Krepier Du Schwein!“, brüllte Kabir.

Zico lehnte an der Säule und streckte Arme und Beine von sich. Er ließ Kabir gewähren, und doch hielt er die Pistole noch fest in der linken Hand und zielte. Kabir nächster Schuss zerfetzte Zico die Hüfte. Schaum quoll aus seinem Mund. Zico färbte die Säule hinter sich rot und rutschte langsam daran herunter. Auch jetzt hörte Kabir nicht auf zu schießen.

Bis er schwitzend stehen blieb. Kabirs Handgelenke und Sehnen waren wie gelähmt. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er Lana nicht mehr hören konnte, dass er sie mit Gewalt unterdrückte.

Kabir drückte sich eine Hand an den Schädel und entspannte sich allmählich. Der Rauch brannte in seiner Lunge. Kabir trat ein paar Schritte zurück und sah sich das Chaos an.

Der Parkplatz war nur noch eine Ruine. Säulen krachten zusammen, die Decke stürzte ein, ein Zimmer aus dem Erdgeschoss entleerte sich in das Parkdeck. Der Pulverrauch verflog ganz langsam. Kabir sah seinen Gegner an, als sähe er ihn jetzt zum ersten Mal.

Der Mann mit den zahllosen Wunden bewegte sich. Kabir hatte die Beherrschung verloren, Zico nur noch als Zielscheibe registriert. Er hatte völlig vergessen, das Zico ein lebender Mensch war.

„Lana?“, rief Kabir.
„Bitte antworte. Lana hilf mir“, brüllte Kabir kläglich.

Er wurde nervös und ungeduldig. Er wollte das Lana etwas reparierte, was er gerade selber vernichtet hatte.

Kabir starrte auf die Serpent und ließ die Waffe sinken. Suchend schaute er sich mit seiner Gabe um und entdeckte seine Freundin, die ganz in der Nähe lag.

„Lana“, sagte Kabir erleichtert und trabte zu ihr rüber.

Lana ächzte und würgte. Ihr ganzer Körper wand sich unter Schmerzen. Fast so wie der Kerl, den Kabir gerade erschossen hatte. Dann erbrach Setardio sich. Kabir hätte nicht vermutet, dass ein Mensch so viel kotzen konnte.

„Lana was zum Abgrund ist denn los mit Dir?“, fragte Kabir panisch und tastete sie per Gedanken ab.

Lana erbrach sich erneut. Kabir versuchte Lana an sich zu ziehen um sie zu schützen. Lana erbrach sich erneut und brach dann kraftlos zusammen. Kabir wartete darauf, dass Lana etwas sagen würde. Aber sie schwieg.

Angst.

Kabir bekam entsetzliche Angst. Trotzdem konnte er nichts anderes tun, als darauf zu warten, dass Lana etwas sagte, ihm einen Befehl gab und diesem ganzen Wahnsinn zu entkommen. Aber Lana sagte ihm etwas ganz anderes.

„ER kommt“, flüsterte Lana schwach, „verschwinde“.


****

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Re: Sentir

#7

Beitrag von Kabir » Mi 10. Jul 2019, 01:09

Un vs. Trois


Kabir erfasste schlagartig, dass etwas wirklich Mächtiges und Bekanntes näherkam. Eine Bedrohung. Instinktiv mischte sich Lana ein und zog ihre Waffe. Lanas Aufschrei ging in dem ohrenbetäubenden Lärm des zerberstenden Rolltores unter.

Es riss wie bei einer Explosion auseinander, dann raste kurze Zeit später ein Aero hinein. Es schmetterte mit einem Funkenregen gegen die Säulen, schleuderte gegen Wände und endete auf einem Trümmerhaufen.

Mit einem Rums donnerte das Gefährt auf Zico. Sein Körper platzte unter dem Gewicht des Fahrzeugs wie eine überreife Melone.

Kabir hielt Lana schützend im Arm. Mit dem Rücken zur Wand starrte er auf das Fahrzeug. Schlagartig war die Luft geladen. Kabir sah, wie ein großer Mann den Fahrersitz verließ. Sah wie die Tür sich öffnete, der Kerl ausstieg und über die brennenden Trümmer auf ihn zukam.

„Lauf weg Du Trottel“, wisperte Lana.

Aber Kabir fixierte sie mit seinen Augen und wollte nicht weglaufen. Er hatte keine Angst. Verglichen mit dem was gerade passiert war und er Lana scheinbar angetan hatte, was sollte da noch passieren, das ihm Angst machte?

Kabir fühlte, wie etwas in ihm anfing zu brodeln. Hass, nie gekannte Wut und Hass. Sein Kampfgeist erwachte wieder. Die Flammen des brennenden Wagens spiegelten sich auf seiner wutverzerrten Fratze.

Er wagte es ihn zu bedrohen.
Er hatte Lana bedroht!

Darius trampelte über die Reste des Kerls hinweg, den er erledigt hatte. Er kam um ihn einzuschüchtern, in anzugreifen und einzufangen. Er kam um ihn erneut zu versklaven.

„Kabir Du solltest Dich nicht mit Leuten abgeben, die Deine Qualitäten nicht zu schätzen wissen. Ihre Führung ist nichts für Dich. Komm zurück in meine Hand. Du wirst erneut effektiv und nützlich sein“, sagte Darius gelassen.

Kabir starrte ihn hasserfüllt an.

„Nützlich? Hast Du vergessen, wozu Ihr mich gemacht habt?“, schrie Kabir mit einer Stimme so voller Zorn, wie sie Darius noch nie gehört hatte.
„Ruhig Kab. Ruhig. Schau, sie wollen das Gleiche wie wir. Sie wollen Dich als Werkzeug benutzen. Die Hand dieser Frau, oder meine Hand. Es ist kein Unterschied“, sagte Darius mit finsterer Stimme, seine Augen dunkel wie der Tod.

„Sprich nicht von ihr! Sie ist völlig anders! Sie sind anders, wag es Dich nicht, Dich mit ihnen zu vergleichen Du Freak“, fauchte Kabir.

Lana wusste nicht warum, aber das zu hören machte sie extrem traurig.

`Lauf weg Kabir. Zieh Dich zurück, lauf verdammt´, dachte Lana.
Kabir starrte Darius fest an und schüttelte den Kopf.

`Nein, ich lass Dich nicht zurück´, kam die Antwort von Kabir.
`Wenn er Dich einfängt war alles umsonst. Ich halt ihn etwas auf. GEH´, befahl Lana.

`Ich sagte NEIN! Ich werde nicht fliehen, ich werde kämpfen. Er hat uns bedroht, ich muss kämpfen´, erklärte Kabir übermittelnd und stellte sich schützend über Lana.

Zeitgleich schlug er mit der Macht seiner Gedanken zu und riss die Serpent nach oben. In der gleichen Sekunden zog Darius seinen Revolver und es erfolgte der Gegenschlag.
Ein sechs schüssiger Revolver, mächtig wie eine tragbare Kanone. Eine Flamme züngelte aus der Waffe hervor. Kabir schoss in die gleiche Flugbahn. Ein Feuerwerk sprühte durch die Luft und zerriss Kabir Patrone, sie hatte gerade noch so eben die Kugel aus der Flugbahn geschoben. Nur Sekunden später donnerte sie in die Wand, tief und schwer. Fast hätte die Kugel die Wand durchschlagen.

Darius schoss erneut. Kabir sah den Winkel des Schusses und wich mit einem Sprung zur Seite aus. Zeitgleich riss er per Telekinse das Aero vom Trümmerhaufen und schleuderte ihn Richtung Darius.

Das Fahrzeug knallte ohrenbetäubend gegen eine unsichtbare Wand und wurde nur einen Sekundenbruchteil später zurückgeschleudert. Kabir ging mit einem Spagat in Deckung, so dass das Aero haarscharf über ihn hinweg flog. Die Wand hinter ihm bekam Risse, als das Aero wie ein Geschoss darin einschlug.

Kabir sprang auf die Beine und schoss auf Darius. Darius bewegte sich nicht von der Stelle und schoss weiter auf Kabir. Die Luft um die beiden herum waberte wie unter großer Hitze, wenn sie auf ihre Fähigkeiten zurückgriffen um einen Schild hochzureißen.

Jede von Darius Kugeln setzte Kabir unter gewaltigen Druck, da er eine psionische Schock-Welle hinterher schickte. Es war anders als bei den anderen Psionikern. Darius konnte ihm wirklich schaden.

Um diesen Druck loszuwerden, rannte Kabir in eine Richtung, die Darius nur unter Schwierigkeiten treffen konnte. Kab schoss mehrmals zurück, doch Darius Rhythmus blieb regelmäßig.

Irgendetwas stimmte nicht. Kabir lenkte ihn ab und suchte Deckung hinter einer Säule. Die Säule wurde so hart von Darius Schock-Welle getroffen, dass Kabir am liebsten aus der Deckung gesprungen wäre.

Dann war Darius Waffe leer. Sofort sprang Kabir aus der Deckung und feuerte so schnell er konnte auf seinen Un.

Darius bewegte sich nicht. Eiskalt warf er die Hülsen weg und lug seelenruhig nach. Die Kugeln, die Kabir abgefeuert hatten, schossen auf Darius zu, verließen aber dann ihre Flugbahn um in den Trümmerhaufen hinter Darius einzuschlagen.

Darius hob den Blick und sah Kabir an. Er zog seinen Revolver zur Seite und mit lautem Krachen rastete die Trommel im Lauf ein.

„Ich bin ein Wesen wie Du. Was soll der Unfug? KOMM HER“, donnerte Darius verbal und per Gedenken.

Kabir brach kalter Schweiß aus, seine Knie bebten und seine Waffe zitterte. Darius verzog sein Gesicht zu einem grausamen Grinsen, das direkt aus dem Abgrund zu stammen schien. Darius zielte. Eiskalt richtete er seine Waffe auf Lana.

„Nein, tu das nicht“, zischte Kabir.
„HIERHER Kabir!“, befahl Darius schneidend.

Kabir richtete seine Schockwelle auf eine der Säulen. Die Säule bebte und kippte dann zur Seite. Genau zwischen Lana und Darius schlug sie auf und bot so Setardio Deckung.

Zeitgleich hechtete Kabir hinter eine andere Säule. Diese Säule wurde ebenfalls getroffen, sie wackelte und bebte. Erneut setzte Kabir seine Fähigkeiten ein. Darius bewegte sich nicht. Kabir blieb hinter der Säule versteckt und schleuderte das Fahrzeug gegen seinen ehemaligen Un.

Der Senior-Agent verschwand schlagartig aus der Wahrnehmung von Kabir. Das Fahrzeug schoss über den Trümmerhaufen, flog durch die Luft und bohrte sich schließlich in die Betonwand. Reflexartig verließ Kabir seine Deckung und versuchte sich ein Bild von der Szenerie zu machen.

Seine Position erfasste er mit seinem gesamten Körper. Er fühlte den Raum ab. Kabir hatte es sofort begriffen, wollte es aber lieber nicht glauben. Darius hing an der Decke.

Von oben starrte er auf seinen ehemaligen Schüler herunter.
Und Kabir starrte zu ihm auf.

„Du hattest Deine Chance Kleiner, ich muss Dich nicht unversehrt sichern“, sagte der Senior-Agent kalt.

Der Saum von Darius Mantel wehte in einem schwachen Luftzug. Dann begann er langsam wie eine Spinne die Decke herab zu krabbeln, wobei er geschickt Rohren und Kabeln auswich und richtete die Mündung seiner Waffe erneut auf Kabir.

„LAUF!!!“, brüllte Lana unter Schmerzen, rappelte sich auf die Beine und schleuderte Darius einen Stein entgegen.

Mit einem Schock kam Kabir wieder zu sich. Zeitgleich wurde Lana einfach von Darius regelrecht zur Seite gewischt und flog einige Meter weit hinter ein anderes Trümmerfeld. Kabir drehte auf dem Absatz um und gab in die andere Richtung Fersengeld um Darius von Lana wegzulocken.

Etwas traf ihn so hart von hinten, dass ihm die Luft aus den Lungen geschlagen wurde.

Er stürzte und rollte sich sofort ab. Die Schockwelle konnte er nicht vollständig absorbieren. Er spürte wie seine Knochen knirschten und innere Organe zusammengepresst wurden.

Kabirs Körper wurde einige Meter durch die Luft geschleudert, dann stoppte eine Wand seinen Flug, als er dagegen donnerte. Blut floss über seine Lippen und tropfte auf seinen Schenkel.

Nur mit großer Mühe konnte er die Serpent festhalten. Er holte tief Luft, straffte die Schultern und beobachtete Darius, der mit einem Salto von der Decke sprang und wie eine stählerne Raubkatze aufsetzte.

Langsam richtete er sich auf und musterte Kabir in aller Ruhe.

Seine Angst übernahm die Kontrolle über Kabir. Er feuerte wild und völlig ziellos auf Darius. Darius war durch nichts zu erschüttern. Die Kugeln verließen die Bahn, krachten in den Boden oder in die Wände. Dann hörte die Serpent auf ihre tödlichen Geschosse auszuspucken.

„Leer…“, sagte Darius eiskalt.

Kabirs ganzer Körper erstarrte bei diesem einen Wort. Darius richtete ruhig seinen Revolver auf ihn. Kabir schmiss sich herum und griff nach einer der Pistolen, die er vorhin wegen Zico weggesteckt hatte und richtete die Waffe auf seinen Un.

„Du irrst Dich Darius“, sagte Kabir.

Darius Miene wurde geringfügig härter, zeitgleich rissen beide den Abzug durch. Beide feuerten eine Patrone nach der anderen im Stehen ab, und beide lenken die Kugeln des Gegners präzise aus ihren Flugbahnen. Darius Kugel bohrte sich geringfügig über Kabirs Schädel in die Wand. Der Hüne zuckte kaum merklich zusammen. Dann zielte Kabir erneut auf Darius.

„Hör auf. Das ist sinnlos Kabir“, sagte Darius, senkte seine Waffe und zeigte von der anderen Hand die offene Handfläche. Ein Friedensangebot.
„Darius, warte…“, sagte Kabir und umfasste die Serpent fester, senkte aber ebenfalls etwas die Waffe.

„Kabir“, sagte der Gigant abwartend.
„Versuch mich zu verstehen“, sagte Kabir.
„Dich verstehen? Was soll das werden?“, hakte Darius nach.

„Ein Beispiel. Schau es Dir an“, sagte Kabir und schloss die Augen.

Er übermittelte Darius was er in einem mentalen Kampf gegen einen Pein-Priester empfunden hatte, als er Darius als seinen Anker wählte. Vertrauen, Freundschaft, Zuneigung zu seinem Ziehvater. Das er gewillt war die ganze Jäger-Truppe bis auf den letzten Mann zu töten, mit einer Ausnahme – ihm, Darius.

Es sei denn Darius selbst würde ihn dazu zwingen.

„NEIN…“, zischte Darius gequält auf.

So etwas wie Erkenntnis dämmerte kurz in seinem Blick auf, wandelte sich in pures Entsetzen, ehe er stoisch den Schädel schüttelte und das Gefühl aus seinem Blick erlosch. Darius riss die Waffe nach vorne.

Kabir riss so schnell er konnte die Waffe hoch und den Abzug durch. Sämtliche Kugeln wichen von ihrer Flugbahn ab und rasten an Darius vorbei. Der Hüne hob nur eine Augenbraue, ehe er Kabir grimmig musterte.

Allerdings nicht lange. Sämtliche Kugeln schlugen in den Benzintank des Wagens hinter Darius ein. Sekunden später explodierte der Tank.

Unzählige Metallsplitter, Feuer und die Druckwelle verschlangen Darius. Aber im Rauch entstand eine klare Blase, mit Darius im Zentrum. Unverletzt stand er kalt inmitten des Infernos und hörte den kleineren Explosionen zu.

Er starrte die Wand an und suchte Kabir. Kabir hatte die Explosion als Deckung für seine Flucht genutzt. Darius sah zum Fahrstuhl. Er konnte an der Anzeige erkennen, dass einer der beiden Fahrstühle nach oben fuhr.

„Kabir….“, sagte Darius nur.

Die Anzeige blieb ganz oben stehen, Darius machte sich auf den Weg zur Feuertreppe.

Der Fahrstuhl blieb stehen. Die Tür öffnete sich mit einem tiefen, leeren Ton in die Dunkelheit. Warmes gelbes Licht fiel aus der Kabine auf den Betonboden. Dunkelheit umgab ihn, aber der Himmel über Obenza war dunkel.

Wind heulte hier oben über das Dach. Geistesabwesend starrte Kabir nach unten. Er hatte keine Ahnung was er jetzt tun sollte. Kabir glaubte nicht, dass er Darius entkommen konnte. Er kannte seinen Ausbilder gut genug. Wenn es sein musste, würde er die Wand des Gebäudes hochkommen.

Er legte beide Hände an die Brüstung, ehe er sich wie ein Fassaden-Kletterer an den Abstieg machte. Zeitgleich hörte man wie einer der Sicherheitsrolladen aufgebrochen wurde. Keine Sekunde später starrte ihm Darius vom Dach aus hinterher.

Er blinzelte kurz, dann war er so schnell verschwunden, wie er erschienen war. Kabir spürte wie Darius auf der anderen Gebäudeseite es ihm gleich tat und nach unten kletterte.

`Warum gibt der Kerl denn nie auf?´, fragte Kabir sich sauer.

Kabir kletterte was seine Arme und Beine hergaben. Noch gute fünf Meter über dem Boden sprang er ab und kam mit einem Salto in einer Seitengasse Obenzas auf. In der gleichen Sekunde stand Darius direkt hinter ihm.

Beide fühlten, dass der jeweilige andere bereit war, sofort zur Waffe zu greifen. Die Luft war voller Spannung. Die ersten Schockwellen die gegeneinander schlugen klangen wie ein einziges Geräusch in ihren Gedanken.

Kabir schlug so hart zu wie er konnte, und so oft wie es ihm möglich war. Wie zwei Schwerter Stahl auf Stahl, schlugen ihre Gedankenwellen gegeneinander.

Wenn Kabir die feindlichen Schläge parierte, drückte er sie einfach zur Seite weg, anstatt sie auf Darius zurückzuschleudern um Kraft zu sparen. So mächtig Kabir auch war, irgendwann war auch seine Konzentration zu Ende.

Tränen stiegen ihm in die Augen vor Anstrengung und er konnte nur noch verschwommen sehen. Er schloss sie und verließ sich beim Zuschlagen allein auf seine anderen Fähigkeiten.

Er kassierte einen weiteren Schlag, diesmal konnte Kabir ihn nicht mehr bocken. Die Wucht ließ ihn in die Knie gehen. Er versuchte sich wieder auf die Beine zu kämpfen, aber der nächste Hieb schickte ihn zu Boden und nagelte ihn erbarmungslos im Dreck der Gasse fest.

Kabir fühlte dass er keine Kraft mehr hatte sich zu wehren. Er konnte kaum noch atmen und ertrug den Druck nicht länger, der auf seinem Körper lastete. Instinktiv versuchte Kabir aufzuspringen und sich in einen toten Winkel zu retten. Eine fatale Entscheidung.

Der nächste Schlag zielte auf sein Gesicht. Es ging extrem schnell. Der Schlag erwischte Kabir mit voller Wucht. Der Schock explodierte vor seiner Stirn und schleuderte ihn einige Meter durch die Luft, ehe er mit dem Rücken hart auf dem Boden aufschlug.

Paralysiert und nach Luft japsend blieb er liegen. Darius schritt langsam auf ihn zu und musterte ihn einen Moment. Keine Sekunde später schaute Kabir in die Mündung von Darius Waffe.

Ihre Blicke trafen sich.
Der eine stumm bittend, der andere eiskalt reglos.

Ein Schuss fiel. Kabir hatte keine Schmerzen, das Einzige was er spürte war die ungeheure Hitze der Kugel. Sie schabte an seinem Schädel vorbei, riss seine Kopfhaut auf und ließ ihn wie ein angestochenes Schwein bluten.

Ihre Blicke trafen sich erneut.

Der eine geschockt und verwundert, der andere versöhnlich und nachgebend.

`Erledigt´, kam die Übermittlung und ein winziges, kaum sichtbares Schmunzeln lag auf dem Gesicht des Un. Doch ehe Kabir etwas erwidern konnte, schlug ihn Darius mit einer brutalen Gedankengabe ohnmächtig.

Der Senior-Agent sicherte seine Waffe und verließ den Tatort.

Der Abtrünnige war tot.
Das Problem war erledigt.

Was immer dort gerade in der Gasse geboren worden war, hatte ihn nicht zu interessieren. Es war das Eigentum von Lana Setardio.


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Kabir
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Re: Sentir

#8

Beitrag von Kabir » Mi 10. Jul 2019, 01:10

Schmerzen und Freiheit


Was sie sah verschlug ihr den Atem. Setardio hockte sich neben Kabir und weinte lautlos, ihr Gesicht hinter ihren Händen verborgen. Kabir schlug die Augen auf und schaute desorientiert umher, bis er Lana in die Augen starrte.

„Du schon wieder“, stöhnte er.

„Ganz ruhig Kabir, ich bringe Dich nach Hause. Du wirst Dich schön auskurieren, und wenn Du auch nur pinkeln gehst, wirst Du mich um Erlaubnis fragen. Es weiß immer einer von uns wo Du bist. Deine Verfolger werden nicht aufgeben, das steht fest“, sagte Lana.

„Sie haben aufgegeben. Er „erschoss“ und „erschlug“ mich. Den Rest werden sich vermutlich die Arashi geholten haben“, antwortete Kabir.
„Schau mal einer an“, sagte Lana beindruckt.

Kabir stand vorsichtig auf.

„Nach Hause?“, wiederholte Kabir leise.
"Nach Hause", antwortete Lana.


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Antworten

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