Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Beißer 1077 - Weltuntergangsstimmung

Die Schatten und die Beißer leben 1077 in dem unterirdischen Reich Carnac.
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Tekuro Chud

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Beißer
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Beißer 1077 - Weltuntergangsstimmung

#1

Beitrag von Tekuro Chud » Di 11. Sep 2018, 14:51

Weltuntergangsstimmung

Die Gewitterwolken hatten eine ungesunde Farbe. Die Blitze zuckten rot und die nachfolgende Dunkelheit wirkte wie giftiges Grün. Asamura lag im Sterben, es war nicht zu übersehen. Felsenfestung Carnac war halb gemauert, halb bestand sie aus natürlichen Grotten, die man ausgebaut hatte. Von weitem war sie kaum als Bauwerk zu erkennen, so gut fügte sie sich in den gezackten Gipfel ein. Unter dem flackernden Licht regten sich die vermeintlichen Spitzen der Gesteinszacken. Hin und wieder sah man große Fledermausflügel aufklappen. Die Felsenfestung war von einem elektromagnetischen Blitzschild geschützt und bot auch im Inneren viel an modernem Komfort, so dass diejenigen, die Lust darauf verspürten, das Inferno hautnah erleben konnten, ohne Blitzschlag fürchten zu müssen. Die menschenähnlichen Gestalten, denen die Flügel gehörten, drängten sich auf den Felsen aneinander, während sie darauf warteten, dass das Gewitter sich legte und sie wieder ausfliegen konnten, um ihren Durst zu stillen.

»Wie lange haben wir noch?«, fragte Tekuro, der ganz oben saß, um seine Familie zu überblicken.
»Wer vermag das schon zu sagen«, erwiderte Kazrar, der bei ihm war. »Vielleicht ein paar Jahre, vielleicht ein paar Jahrzehnte. Ich glaube nicht mehr daran, dass das Wetter sich noch einmal ändert. Es geht zu Ende mit Asamura und somit auch mit uns.«

Kinder, Enkel, Urenkel von etlichen Generationen, die sie seit 800 Jahren unter schwersten Anstrengungen durchgebracht hatten, warteten schon zu lange darauf, endlich wieder jagen zu können. Sie waren im Laufe der letzten Jahre um die Hälfte weniger geworden. Das Wetter spielte zusehends verrückt und die Bestände ihrer zweibeinigen Beute schmolzen dahin und mit der Beute verschwanden auch die Jäger.

Einfach hatten die Beißer es nie gehabt, weder die Sterblichen unter ihnen, noch die Vampire. Der jüngsten Generation oblag es stets, so lange wie möglich menschlich zu bleiben und sich zu vermehren, gefüttert mit dem Fleisch der Opfer, das ihre Vampirgeschwister übrig ließen. Der Preis der Unsterblichkeit war leider, das man selbst kein neues Leben mehr zeugen konnte. Wenn das Alter die jungen Beißer schließlich zu schwächen drohte, verwandelten ihre Brüder und Schwestern sie ebenfalls in Geschöpfe der Nacht, damit sie auf ewig gemeinsam jagen konnten. Schon lange war kein Beißer mehr eines natürlichen Todes gestorben und noch länger war kein Außenstehender mehr von ihnen zum Vampir erhoben worden. Wen sie aussaugten, den töteten sie und das Fleisch erhielten die Jüngsten. Jedes Mitglied der aus mehreren hundert Vampiren und Menschenfressern bestehenden Gemeinschaft war mit den anderen blutsverwandt. Von außen wurde man nur zu Paarungszwecken hineingeholt und durfte anschließend mit dem eigenen Leib das Überleben der Nachkommen sichern. Nur in seltenen Fällen wurden Ausnahmen gemacht und der Hinzugeholte wurde zum Jäger erhoben.

Der einstige Waisenjunge Tekuro hatte auf diesem Wege für sich, für seinen Vater Kazrar und für alle, die er liebte, über die Jaher eine unsterbliche Familie aufgebaut. Die Zuchtplanung war seine Idee gewesen und die Tödlichkeit ihrer Familie stellte bald die der Hohenfeldes in den Schatten - unter anderem, weil sie auch Hohenfeldes eingekreuzt hatten.

Doch seit die Souvagner unter ihrer Kuppel lebten und die Bluthexer Antimateriestäbe zur Verfügung hatten, gab es fast nur noch Rakshaner zur Beute. Und deren Bestände schmolzen in dem Inferno dahin, ebenso wie im Krieg. Unter dem ewigen Kampf des Chaos gegen Souvagne litten nicht nur die beteiligten Parteien. Keine Beute - keine Jäger. Und wenn die Welt unterging, nützte auch das Dasein als Vampir nichts, um vor dem Tod gefeit zu sein. Ihre angebliche Unsterblichkeit war in Wahrheit nichts als ins Unermessliche gestreckte Lebenszeit, doch auch sie war endlich.

»Scheiße«, sagte Tekuro.
"Not all those who wander are lost."
J.R.R. Tolkien

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