Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Mission in My'shu

Die Arashi sind ein Volk von Menschen, denen das harte Leben nicht den Sinn für Moral, Kunst und Schönheit zu nehmen vermochte. Viehzucht und Fischfang bilden die Lebensgrundlagen. Arashima ist zum Teil besetzt von den Frostalbischen Invasoren.
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Sasuke Mokiri

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Re: Mission in My'shu

#31

Beitrag von Sasuke Mokiri » Do 7. Feb 2019, 17:03

Shakuro Aisako

Ruckartig fuhr Shakuro nach oben und bereute es so gleich. Eine Hand fuhr zu seiner Stirn, die andere tastete nach der Wand, um sich abzustützen. Woher kamen diese Kopfschmerzen? Verwirrt blickte er sich um, hielt sich vorsichthalber aber weiter fest. Dies war definitiv seine Wohnung und offenbar hatte er in dem alten Korbstuhl geschlafen. An der Decke flackerte die Öllampe munter vor sich hin, doch Shakuros Schläfen schmerzten zu sehr, als dass er sich wegen des verschwendeten Brennstoffes hätte ärgern können. Was beim ewigen Eis war passiert? Vorsichtig blickte er an sich hinab und erschrak, als er die blutigen, zerrissenen Fetzen sah, die einmal sein Wams gewesen waren. Die Schlacht. Da war eine Schlacht gewesen. Er hatte gekämpft, er war beinahe gestorben, aber offensichtlich nur beinahe. Immerhin war er lebendig genug gewesen, um nach Hause zu gehen. Zögerlich untersuchte er seinen Körper, tastete die Brust entlang, bewegte die Beine. Bis auf ein paar Prellungen und höllischen Muskelkater schien alles heil zu sein. Hatte er bloß eine auf den Deckel gekriegt?
Shakuro beschloss, sich wieder hinzusetzen. Stück für Stück fügte er die Teile seiner Erinnerung zusammen, die, wann immer er meinte sie greifen zu können, wieder entschwanden, wie dünne Blätter, die der Wind erfasste. Es kostete Shakuro unfassbare Mühe konzentriert zu bleiben, während er sich eigentlich nur danach sehnte, die Augen wieder zu schließen. Terry. Er erinnerte sich an den Abschied von dem großen Mann, der ihm kurz zuvor das Leben gerettet hatte. Fast im selben Moment, in dem er Terrys Gesicht vor seinem inneren Auge sah, wanderte sein wirklicher Blick langsam und unwillkürlich zum Tresen.
Die Unschuld mit der es da stand kam fast schon einer Provokation gleich. Shakuro brauchte weder die Pipette neben dem Rumfass, noch die umgestürzte Tasse auf dem Boden als weitere Indizien. Nun wusste er, was geschehen war. Seufzend ließ er sich tiefer in den Sessel sinken und rieb sich die Augen. „Zum ewigen Abgrund mit deinem Grog, Terry!“ Woher sonst sollten Kopfschmerz und Schwindel kommen? Natürlich hatte Shakuro es selbst noch nie erlebt, doch er kannte die Nebenwirkungen des verbotenen Stoffs sehr wohl. Mühevoll hievte er sich wieder auf die Beine und setzte Wasser für Tee auf. Immer wieder musste er sich an der Wand und am Tresen abstützen und ein paar tiefe Atemzüge nehmen. Jetzt, da er wusste, dass er getrunken hatte, fiel ihm auch der Grund dafür wieder ein. My’shu lag in Trümmern und Sasuke Mokiri wurde verbannt. Mit einer Tasse Fenchel-Anistee für seinen angeschlagenen Magen stieg er die Stufen hinab in den Ladenbereich. Das Schriftstück lag zusammengeknüllt auf dem Boden. Shakuro hob es auf, strich es glatt, las es erneut und legte es neben die Kasse. Dann ging er zur Türe und schob den Vorhang ein Stück zur Seite. Zu seiner Überraschung schien die Sonne. Er hatte trübes, düsteres Wetter erwartet, den Rauch schwelender Restbrände, Trümmer und Chaos. Stattdessen tauchte eine junge Wintersonne die Straße vor seinem Haus in weiches Licht und alles herum wirkte friedlich, wenn die Zerstörung freilich überall erkennbar war.
Hoffnung. Das Licht des kalten Morgens bedeutete Hoffnung.
Eilig wusch sich Shakuro und kleidete sich neu, dann ging er hinaus. Während er geschlafen hatte, hatten seine Nachbarn bereits ganze Arbeit geleistet. Tote und Verwundete waren fortgeschafft worden, Brandherde gelöscht, sogar die meisten Trümmer schon zur Seite geräumt und aufgeschlichtet. Überall wuselten Arashi umher, trugen Waffen oder sonstige Ausrüstung zusammen, sammelten Holzreste und spülten Blut und Dreck von der Straße. Shakuro nahm einen tiefen Atemzug und die kalte Morgenluft füllte seine Lungen und hauchte ihm neues Leben ein. Zwar roch er noch verkohltes Holz und Stahl und Leder, doch vor allem war da die Frische des Winters. Die Kälte konnte auch ein Segen sein, dachte er. Sie nahm den Gestank des Todes mit sich, anders als Hitze, die ihm erst so richtig Substanz verlieh.
Shakuro wusste, dass er auf schnellstem Wege zu Sasuke gehen sollte, doch ehe er sich versah, packte er bei einer Gruppe Arashi mit an, die versuchten eine beschädigte Veranda zu stabilisieren. Den halben Vormittag schleppte, hämmerte und schrubbte er. Dass dies nicht allein dem Drang entsprang, zu helfen, sondern vor allem dem Aufschieben seiner undankbaren Aufgabe geschuldet war, war ihm die ganze Zeit über vollkommen klar. Er nahm es in Kauf. Irgendwann war das Gröbste in seiner Straße allerdings erledigt und er hätte sich aktiv eine neue Arbeit suchen müssen, also nahm er sich zusammen und machte sich auf den Weg ins Stadtzentrum. Er hatte nicht den blassesten Schimmer, wo Sasuke sich befand, doch er wusste, wo er Hinweise bekommen konnte.
In der provisorischen Verwaltungszentrale herrschte ein heilloses Durcheinander. Jeder, der ein Familienmitglied oder einen Freund vermisste, versuchte hier Auskunft zu erhalten. Shakuro musste sich durch eine Menge wartender Arashi quetschen, bevor er ein anderes Parteimitglied fand, das ihn zu den diensthabenden Offizieren führte. Nach einigem Herumfragen, erfuhr Shakuro, dass Sasuke zuletzt am Nordtor gesichtet worden war.
Eine wahre Flut anderer Arashi spülte Shakuro schließlich zurück auf die Straße. Wieder atmete er tief durch. Dann machte er sich auf den Weg, seinen Freund in den Tod zu schicken.
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Re: Mission in My'shu

#32

Beitrag von Sasuke Mokiri » Sa 30. Mär 2019, 13:26

Shakuro Aisako

Je näher er dem Nordtor kam, desto größer war die Verwüstung. Hier hatten die Kämpfe wohl am längsten angedauert. Shakuro bahnte sich einen Weg zwischen den unzähligen leblosen Körpern hindurch und konnte sich dem Stich der Schuld in seinem Innern erneut nicht verwehren. Einige Arashi hatten auch hier mit Aufräumarbeiten begonnen, doch der Großteil der Truppen war an den Palisaden und dem Tor zugange. Erstaunt entdeckte Shakuro einen Ork unter ihnen, der die riesigen Holzpfähle ganz alleine aufrichtete. Möglicherweise waren die Arashi doch nicht so alleine in ihrem Kampf, wie er gedacht hatte. Könnten Bündnisse zu anderen Völkern möglicherweise der Schlüssel sein, um dem eisigen Griff der Frostalben endgültig zu entkommen?

Von Sasuke war nichts zu sehen. Shakuro schritt die Palisade auf und ab und fragte die arbeitenden Männer und Frauen nach dem Verbleib seines Freundes, doch es dauerte eine ganze Weile bis er endlich Auskunft erhielt.
Er wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. „Sasuke, du Teufelskerl“, flüsterte er, legte den Kopf in den Nacken und starrte in den blassen Himmel.
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Re: Mission in My'shu

#33

Beitrag von Sasuke Mokiri » Sa 4. Mai 2019, 11:06

Der Schnee knirschte unter Sasukes Stiefeln, als er die Ebene verließ und nach Norden in die Ausläufer des Gebirges marschierte. Wo der Himmel ansonsten klar war, hingen Dunstschleier zwischen den schneeigen Gipfeln des Woshangebirges und zogen sich bis hinab in die Wipfel der Fichten und Kiefern, unter denen Sasuke für die nächsten Tage Schutz zu finden hoffte. Wenn es keinen definierten Ort zum Ziel gab, war es das Beste, sich auf das eigene Überleben zu besinnen. Auf offener Fläche war er nicht nur Wind und Wetter ausgeliefert, sondern auch den Augen von Spähern und hungrigen Raubtieren. Im Wald gab es Nahrung und Feuerholz und die Chance, jeden Abend einen Unterschlupf für die Nacht zu finden.
Es fiel Sasuke nicht schwer, My’shu hinter sich zu lassen. Die Stadt war in guten Händen und er konnte dort nichts Besonderes mehr beitragen. Im Gegenteil: vielleicht war My’shu ohne ihn besser dran und noch immer hatte er einen Auftrag zu erfüllen. Damit du überhaupt einmal einen Auftrag zu Ende bringst. Bislang war sein Einsatz alles andere als löblich verlaufen. Doch noch war es nicht zu spät, seinen Wert für die Partei unter Beweis zu stellen. Er würde Dimulon Eisträumer jagen, würde ihn finden und zur Strecke bringen, koste es, was es wolle.
Das einzige Problem an der Sache war, dass Sasuke nicht wusste, wo er seine Suche beginnen sollte. Einzig die Spuren des frostalbischen Heeres dienten ihm als Orientierung und das setzte voraus, dass Eisträumer weiterhin unter ihnen weilte. Zunächst hatte Sasuke vermutet, die Truppen würden auf direktem Wege nach Kagohiro marschieren, doch wenn das ihr Ziel war, nahmen sie zumindest nicht den direkten Weg. Oder auch sie suchen die Nähe zum Wald. So unwahrscheinlich es manchmal schien, auch Frostalben brauchten mehr als Schnee und Eis, um zu überleben.
Langsam frischte der Wind auf, doch er fand keinen Weg durch Sasukes dicken Fellmantel. Sein Bündel mit Wechselkleidung, etwas Verpflegung sowie einem Topf und Essgeschirr, den Feuersteinen, ein wenig Arznei und zwei Landkarten lag ordentlich verschnürt auf seinem Rücken, Schwert und Dolche hingen griffbereit an Sasukes Hüfte. Die wertvollsten Habe aber trug Sasuke in einer versteckten Brusttasche am Leib. Die Talismane Segiras und Infiniatus‘. Alles andere hatte er in der kleinen Wohnung zurückgelassen. Er wünschte, er hätte Aisikas Briefe bei sich, doch er wusste, Shakuro hätte sie ihm niemals zurück gegeben, selbst wenn er Gelegenheit gefunden hätte, ihn danach zu fragen.

Dem klaren Himmel nach würde es eine kalte Nacht werden und Sasuke war dankbar, als er endlich zwischen die ersten Bäume schlüpfte. Sofort wurden Wind und Geräusche gedämpft. Der würzige Geruch der Nadelhölzer umfing Sasuke und verstärkte das Gefühl von Geborgenheit. Vielerorts hatte der Wind die Äste frei geblasen, doch andere ächzten noch unter der Last des alten Schnees. Obwohl es noch nicht dämmerte, machte Sasuke sich sofort auf die Suche nach einem Unterschlupf. Damit, das wusste jeder Arashi schon im Kindesalter, konnte man nie früh genug beginnen. Es dauerte auch noch eine ganze Weile, bis Sasuke fündig wurde. Schließlich ließ er sich unter einer Fichte nieder, deren unterste Zweige ein dichtes Dach bildeten, sodass der Boden frei von Schnee und Eis war. Sasuke löste das Bündel und breitete die Decke, mit der er alles verschnürte, auf dem Nadelbett aus. Danach sammelte er Feuerholz und schlichtete es auf, dass er es nur noch entzünden musste. Zunächst aber brauchte er ein Abendessen. Ein Stück abseits vermutete er einen Bach, denn das stete Plätschern von Wasser hatte ihn die letzten Minuten begleitet. „Mal sehen, was du noch so drauf hast“, murmelte er sich selbst zu und ging los, um im letzten Licht des Tages noch den ein oder anderen Fisch zu fangen.

Die folgenden Tage war Sasuke eins mit der Natur. All seine Instinkte waren zurück, als hätte er niemals in einer Stadt gelebt. Er folgte den Fährten von Tieren, jagte und sammelte genug Nahrung, dass er sich Vorräte anlegen konnte und fand jede Nacht einen sicheren und trockenen Unterschlupf. Sein Weg führte ihn nach Nordwesten, wobei er stets nahe am Waldrand blieb, um die Spuren der Alben nicht aus den Augen zu verlieren. Leider machte ihm am fünften Tag seiner einsamen Reise das Wetter einen Strich durch die Rechnung.
Sasuke spürte den Sturm lange bevor er über die Welt hereinbrach. Die Luft brodelte, die Bäume wiegten sich unruhig im aufkeimenden Wind. Alles Getier zog sich zurück in die Sicherheit ihrer Höhlen und Nester und Sasuke eilte sich, es ihnen nachzutun. Obwohl die Sonne kaum ihren höchsten Punkt passiert hatte, war es bereits düster wie am Abend. Sasuke war gezwungen, tiefer in den Wald vorzudringen. Bäume alleine würden ihn nicht schützen können. Als er endlich eine kleine, unbewohnte Höhle fand, schneite es bereits heftig und der Wind zerrte wütend an den Baumkronen und pfiff mit hohen Tönen in die Ausläufer des Gebirges hinein. An Jagd und die Suche nach Feuerholz war nicht zu denken, also begnügte sich Sasuke mit ein paar trockenen Wurzeln und Pilzen, die er zuvor mit der eigenen Körperwärme auftaute. Nach dem kargen Mahl holte er die gekreuzten Schwerter und den schwarz weißen Stein hervor und ging auf die Knie. Wie jeden Abend bat er Segira um Kraft und Rat bei all seinen Entscheidungen und Infiniatus um Balance und innere Ruhe. Mit beiden Gegenständen in der Hand legte sich Sasuke früh schlafen. Während außen der Sturm tobte, träumte er von zu Hause.
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