Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Rote Spuren im weißen Schnee

Die Arashi sind ein Volk von Menschen, denen das harte Leben nicht den Sinn für Moral, Kunst und Schönheit zu nehmen vermochte. Viehzucht und Fischfang bilden die Lebensgrundlagen. Arashima ist zum Teil besetzt von den Frostalbischen Invasoren.
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Rote Spuren im weißen Schnee

#1

Beitrag von Kadlin » Sa 11. Mai 2019, 14:31


Rückblick, Thogrim, Dorf des Bärenclans


Eine Menschentraube hatte sich um das große Lagerfeuer im Zentrum des rudimentären Dorfes des Bärenclans versammelt. Das stetige Murmeln der Anwesenden wurde einzig von dem Knistern der verbrennenden Holzscheite begleitet. Kadlin war erst am heutigen Abend von einer mehr oder weniger ernüchternden Jagd zurück gekehrt. Nur ein einziger Schneehase hatte sich in einer ihrer ausgelegten Fallen verfangen, ansonsten war sie mit leeren Händen zurück gekehrt. Mürrisch beäugte die unzufriedene Jägerin das Geschehen, wandte sich dann an den nächst besten Mann und fragte: „Was ist denn hier los?“. Der Kerl hatte ihr nur mit einem halben Ohr zugehört, seine Augen ruhten auf einem alten Mann, der für den Moment noch schweigend einen dampfenden Becher in den klammen Fingern hielt. Der Alte saß ihnen zugewandt auf der gegenüberliegenden Seite des Feuers und blickte abwesend in die tanzenden Flammen. Der Mann sah fremd aus mit seinen leicht schief gestellten, beinahe schwarzen Augen und dem spärlichen Bart. „So ein komischer Vogel… Was der wohl hier will?“, raunte die junge Norkara und sprach dabei mehr an sich selbst gewandt, als dass sie tatsächlich eine Antwort auf ihre Frage erwartete. „Er nennt sich selbst ‚Der Wanderer‘.“, erklang eine wohlvertraute Stimme direkt hinter ihr. Eine große, von Schwielen besetzte Hand legte sich auf ihre Schulter und bewirkte, dass Kadlin augenblicklich erstarrte. „Bruder…“, entgegnete die Jägerin kühl und widerstand nur schwer dem Drang einfach fortzulaufen. Hätte sie gewusst, dass die Wahlfänger während ihrer Abwesenheit zurück gekehrt waren, so wäre sie gewiss heute nicht hier erschienen.

Gerade als Kadlin all ihren Mut zusammen genommen hatte, sich der Anwesenheit ihres Bruders zu stellen, erklang ein lautes Räuspern. Augenblicklich, man mochte es kaum glauben, wurden alle Gespräche eingestellt und die Aufmerksamkeit galt einzig dem fremden, alten Mann. Der Alte schloss die Augen und begann mit einer tiefen Stimme zu erzählen. Sein Akzent klang fremd und irgendwie vermochte die Singsang ähnliche Betonung es Kadlin voll und ganz für sich einzunehmen: „Groß wie ein ausgewachsenes Pferd, das Fell weiß wie frisch gefallender Schnee, die Fänge lang wie Dolche und Augen so kalt wie Eis. Wo ER auftaucht, zieht Verderben über das Land, tödliche Kälte die einem die Luft in den Lungen gefrieren lässt. Niemand, der versuchte IHN zu erlegen, ist jemals von der Jagd zurück gekehrt…“. Ein lautes Raunen ging durch die Reihen der Zuhörer, doch der Greis vermochte erneut durch eine Handbewegung Herr der Lage zu werden. Dann fuhr er unbeirrt fort: „Der Geisterwolf von Arashima wird er genannt und man munkelt er wurde von den Frostalben geschickt um Schrecken und Verderben über das Land zu bringen. Geboren aus Schnee und Eis, bringt ER den lautlosen Tod über mein Volk. Keine Falle vermag IHN zu halten, kein Pfeil vermag IHN zu treffen und kein Mann vermag IHN zu töten. Allein SEINE Anwesenheit bringt ewigen Winter…“. Ein kleines Mädchen kauerte sich Angst erfüllt in die Arme seiner Mutter, einige Männer schauten stur zu Boden, um ihre Gefühle nicht zu zeigen. Ein prickelnde Gänsehaut zog sich über Kadlins Körper und ihr Herz begann wie wild zu schlagen. „Der Geisterwolf von Arashima…“, wiederholte sie leise die Worte des Fremden.


Gegenwart, Arashima, Herz des Winters

Ein tiefes Knurren erklang aus Norgrims Kehle. Irgendetwas schien dem Rüden Angst einzujagen, vielleicht hatte er auch bereits Witterung aufgenommen. Leichter Schneefall setze ein und einzelne Schneeflocken verfingen sich in dem kastanienbraunen Haar der Norkara. Kadlin zog sich mit den Zähnen einer ihrer warmen Fäustlinge aus und strich mit ihrer zierlichen Hand beruhigend durch das silbergraue, dichte Fell Norgrims. „Ruhig mein Großer…“, flüsterte sie leise. Sie waren bereits seit einigen Tagen unterwegs, niemand war ihnen in dieser Zeit begegnet. Die Jägerin hatte stets die Augen offen gehalten und nach Spuren im Schnee Ausschau gehalten, doch der immer wieder einsetzende Schneefall machte ihr zu schaffen. Sie war eine Norkara und die Kälte gewohnt, auch die Einsamkeit bereitete ihre keine Schwierigkeiten. Und dennoch… Dieses Land war ihr durch und durch fremd und löste tief in ihr eine gewisse Unruhe aus. Niemand würde an diesem Ort nach ihr Suchen, niemand würde sie retten, wenn sie einen Fehler beging. Sie durfte einfach keine Fehler machen! Norgrim leckte sich nervös über die Schnauze und blickte zu seiner Herrin auf. Diese treue Seele würde sie niemals im Stich lassen, sie gehörten zusammen wie Pech und Schwefel. Ein entschlossenes Lächeln legte sich auf Kadlins Lippen und während sie dem Blick Norgrims folgte, sagte sie entschlossen: „Wir werden es allen zeigen! Und wenn ich ihnen den Kopf des Wolfes zu Füßen lege, dann wird mich niemand mehr wie ein kleines Mädchen behandeln!“. Ihre Stimme schien innerhalb weniger Augenblicke vom dichten Nadelwald verschluckt zu werden und erneut legte sich eine unheimliche Stille über die Gefährten.

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#2

Beitrag von Vokarit Kaltherz » So 12. Mai 2019, 10:07

<Nicht...stehen...bleiben.>. Vokarit zwang seinen Körper zu gehorchen. Wieder und wieder setzte der Alb einen Fuß vor den anderen, unerbittlich dem leichten Schneefall und dem scharfen Wind trotzend. Dann war da auch noch dieser Hunger. Das Gewicht seines Brustpanzers zog ihn in Richtung Erdboden, doch was sollte er tun? Den letzten ihm verbliebenen Schutz aufgeben? Sie hatten ihm alles genommen. Sein befestigtes Lager war zerstört, seine Männer fort, entweder tot, vermisst oder sonstwo in diesem verdammten Landstrich. Was mochte nur aus denen, die bis zuletzt übrig waren geworden sein? Viele waren es nicht. Vokarit hoffte, dass Nuharis irgendwie überlebt hatte. Sein Bannerträger war bis zuletzt nicht von seiner Seite gewichen, hatte seinem Herren immer treu beigestanden. "Du hängst schon wieder deinen Verlusten nach, was? Überleben ist jetzt erst einmal wichtiger.". "Schnauze.". Es war das einzige, was der Alb seiner Gedankenwelt entgegenzusetzen hatte. "Es lag nicht an dir, das wissen wir doch beide.". Ein schwacher Trost mit sarkastischem Unterton. Wieder warf Vokarit einen Blick zurück. Irgendwo dort hinter ihm waren sie, so viel war sicher. "Wenn, dann gehen wir hier wenigstens zusammen drauf.".
Bald schon begann auch der gefühlt letzte Muskel in Vokarits Körper zu streiken. Er konnte nicht weiter, musste sich ausruhen und wieder zu Kräften kommen. Doch wo sollte er nur einen geeigneten Unterschlupf finden? Stimmen unterbrachen seine Gedanken. Da war jemand. Vokarit blieb stehen und lauschte. Es handelte sich um zwei Personen, keine Frostalben. Er verzog das Gesicht vor Schmerzen als er leicht in die Hocke ging. Dennoch bewegte sich der Alb lautlos voran.

"Komm schon, die schaffen wir.". Vokarit hatte die beiden Arashi nun eine gefühlte Ewigkeit beobachtet. Es musste sich um einen Spähtrupp handeln, zumindest wenn man bei diesem Rebellenpack überhaupt von so etwas reden konnte. Sie schienen sich sicher zu fühlen. Waffen waren nicht in Griffreichweite und von Wachsamkeit und Vorsicht konnte man bei dieser Gesprächslautstärke nicht wirklich reden. Es zischte leise, als der eine Mann eine weitere Handvoll Zutaten in den Topf warf und umrührte. Dieser Geruch... Vokarits Blick verfinsterte sich, als ihm ein kleines Bündel schräg hinter dem Mann am Kochfeuer gewahr wurde. Ein frostalbischer Helm lag dort, der Lichtschein des Feuers spiegelte sich schwach darin. "Wo die den wohl herhaben?". "Finden wir es heraus.". Vokarit zog sich zurück und wartete im Schutz der Schatten auf seine Gelegenheit.

Es dauerte nicht lang, da verließ einer der Späher das kleine Lager um sich vor dem Essen noch einmal zu erleichtern. Hunger und Erschöpfung waren fast vergessen als Vokarit seinen Dolch zog. Jetzt musste es schnell gehen. Eben hatte der Kerl seinem Kumpanen noch etwas über die Schulter hinweg zugerufen, da lag er auch schon in seinem eigenem Blut am Boden. Der Mann am Feuer sagte etwas, schien dann eine Frage zu stellen. Als die Antwort ausblieb erhob er sich und fragte erneut und etwas lauter. Vokarit stürmte los, jede Sekunde war nun entscheident. Unter Aufgebot seiner letzten Kraftreserven warf sich der Alb auf den überraschten Arashi, der hastig versuchte seinen Speer zu erreichen. Erfolglos. Vokarit befreite die blutüberströmte Klinge aus dem nun leblosen Körper und schob diesen von sich weg. Ein paar Sekunden lag er einfach nur da, atmete tief durch und kroch dann in Richtung Kochfeuer. Was auch immer in dem Topf sein mochte, er würde nichts davon übrig lassen.

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#3

Beitrag von Sasuke Mokiri » So 12. Mai 2019, 17:44

Der Ausblick auf das Meer aus Baumwipfeln wärmte Sasuke die eingefrorenen Glieder und er atmete befreit durch. Selbst im tiefsten Winter gelang es den Schneemassen nicht, denn Duft der Nadelhölzer vollkommen zu ersticken, auch wenn die Bäume unter der Last knarzten und ächzten – Musik in Sasukes Ohren. Das Herz des Winters.
Heimat.
Zumindest beinahe.
Jenseits des großen Nadelwaldes war alles, wonach er sich sehnte, alles, wofür er lebte und wofür er kämpfte. Er war nun so nah; und doch konnte er nicht dorthin zurück. Noch nicht.
Sasuke nahm einen weiteren tiefen Atemzug und schulterte seinen Beutel neu, dann machte er sich an den Abstieg von der kleinen Anhöhe. Mit jedem Schritt sank er tief in den Schnee, der unablässig weiter aus einem grauen Himmel fiel und Sasukes dicken Fellmantel weiß färbte. Nachdem er notgedrungen durch einen Bach hatte waten müssen, waren seine Füße längst zu steifen Klötzen gefroren, was nicht hieß, dass sie nicht schmerzten und sich nach Ruhe und der Wärme eines Feuers verzehrten. Sasuke bezweifelte, dass Feinde in der Nähe waren, immerhin hatte er seit Tagen keine Spuren von Lagern oder Kämpfen zu Gesicht bekommen. Trotzdem würde er nicht rasten, ehe der Wald ihn in seine schützenden Arme geschlossen hatte. Er musste neue Kräfte tanken und nachdenken.

Schon seit Wochen streifte er willkürlich durch das Land, in der verzweifelten wie lächerlichen Hoffnung, auf ein Zeichen von Dimulon Eisträumer zu stoßen. Schon seit Wochen überfiel er wahllos zerstreute Truppen von Alben oder schlich sich nachts in deren Lager, wann immer das Risiko, geschnappt zu werden, gering genug war. Und stetig hatten ihn seine Füße dabei nach Osten getragen, obwohl er wusste, dass es zwecklos war. <Du kannst nicht nach Hause. Noch nicht. Nicht so.>
Trotzdem hatte er die Richtung beibehalten, als zöge ihn eine unsichtbare Macht dorthin zurück. Zunächst hatte er versucht, es zu leugnen, dann, als das nicht länger haltbar war, beschlossen, dass er die Pause in einigermaßen sicherer Entfernung zu Cynabal dringend brauchen konnte, ehe er sich von Neuem auf die Jagd begab. Er brauchte neue Vorräte und vor allem brauchte er einen Plan. Er hatte keine Jahre lange Ausbildung genossen, um dann wie der erste Mensch durch die Landschaft zu irren, bis die Kälte oder ein Feind Erbarmen zeigte und ihn ins Reich der Toten schickte. Denke wie dein Feind. Was würde Eisträumer tun? Endlos hatte er die Frage im Geiste gewälzt und war zu keinem zufriedenstellendem Ergebnis gekommen. <Ich brauche nur ein wenig Ruhe>, sagte er sich und sein Körper würde es ihm danken. Die letzten Meter des Abhangs rutschte er mehr, als er ging und stöhnte auf, als sich die Wunde am Oberschenkel meldete. Zwar war der Schnitt gut verheilt – der Kälte und Sasukes gutem Gedächtnis über wilde Heilpflanzen sei Dank – trotzdem konnte die junge Haut jederzeit wieder aufreißen und der Kampf gegen die Entzündung begänne von Neuem. Es war nicht die einzige Verletzung, die er bei seinen Angriffen auf die Alben hatte erleiden müssen, doch es war mit Sicherheit die schwerwiegendste. Noch ein Grund sich auszuruhen. Nur ein paar Tage die gute Heimatluft schmecken und ungestört die Gedanken ordnen und fokussieren. Nur ein paar Tage Frieden.
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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#4

Beitrag von Kadlin » Mo 13. Mai 2019, 14:38


D
er kaum wahrnehmbare Geruch von Feuer trat Kadlin in die Nase. Als Jägerin hatte sie gelernt all ihre Sinne einzusetzen und auf jene noch so kleine Besonderheit zu achten. Der Wind kam aus Richtung Westen und verriet ihr, welchen Weg sie einschlagen müsste um der Spur zu folgen. Doch der Geisterwolf würde wohl kaum ein Lager errichten und so begann sie unschlüssig auf ihrer Unterlippe herum zu kauen. Wo ein Feuer war, da waren auch Menschen und Kadlin stand nicht gerade der Sinn nach Gesellschaft. Sie tastete nach dem toten Hasen, den sie vorhin erlegt hatte und der nun leblos an ihrem Gürtel hing. Ihr Magen knurrte laut auf, sie hatte seit gestern nichts gegessen und rohes Fleisch linderte zwar den Hunger, war aber unter Umständen nicht sonderlich gut verdaulich. „Was meinst du?“, fragte sie Norgrim und der Rüde sah sie mit seinen wissenden Augen an. „Du hältst es für eine blöde Idee…“, sagte Kadlin grinsend und kraulte den Hund zwischen den Ohren. Was gäbe sie nicht drum sich an einem flackernden Feuer wärmen zu können, den Duft von Hasenbraten in der Nase und das saftige Fleisch zwischen den Zähnen, während das warme Fett ihre Mundwinkel hinunter lief. „Ich denke, einen kleinen Blick können wir schon riskieren mein Großer“, sagte sie entschlossen und sie schlüpfte zurück in ihren dicken Handschuh, um anschließend nach ihrem Speer zu greifen. Leichtfüßig, mit dem federnden Schritt einer Jägerin machte sie sich auf den Weg und nach einem kurzen Zögern folgte auch Norgrim und flankierte seine Herrin mit einigem Abstand.

Der Weg war weiter, als man hätte annehmen können, doch immer wenn Kadlin nicht mehr weiter wusste, nahm Norgrim witternd die Spur wieder auf. Auf die Nase des Rüden, konnte man sich stets verlassen. Plötzlich erregte ein leises Röcheln die Aufmerksamkeit der Norkara und sie deutete ihrem Hund still zu bleiben. Leise und vorsichtig näherte sich die Jägerin dem Geräusch und entdeckte rote Spuren im weißen Schnee. Blut! Die Alarmglocken schrillten aufgeregt in ihrem Kopf und das Herz pochte wie wild in ihrer Brust. Und dann sah sie ihn… Einen Mann, scheinbar schwer verletzt am Boden liegend. Der bereits zum Tode verurteilte umklammerte hilflos mit beiden Händen eine klaffende Wunde an seiner Kehle. Kadlin blickte sich panisch um und ging augenblicklich in Deckung. Was sollte sie nun tun? Sie konnte dem Mann nicht mehr helfen, das verriet ihr die beträchtliche Menge an Blut, die bereits eine große Lache um den Verletzten gebildet hatte. Ihr Blick verdunkelte sich, als sie zu ihrem Jagdmesser griff. Niemand hatte es verdient auf solch eine Art allein im Schnee zu verrecken. Die schräg gestellten Augen des Opfers waren weit aufgerissen und blickten sie entschlossen an. Mit schmerzverzerrtem Gesicht löste er eine Hand von der Wunde, zeigte mit einem blutverschmierten Finger erst auf das hinter ihnen liegende Lager und deutete ihr dann leise zu sein. „Shhh….“, flüsterte Kadlin kaum hörbar und ein dicker Kloß bildete sich in ihrer Kehle. Sie hatte schon viele Tiere erlegt und nie hatte sie dabei auch nur eine Sekunde gezögert. Doch einen hilflosen Mann zu erstechen? Konnte sie das wirklich tun?

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#5

Beitrag von Vokarit Kaltherz » Di 14. Mai 2019, 19:51

Es waren zwei Portionen von irgendeinem einheimischen Essen, mehr konnte Vokarit nicht darüber sagen. Lag das vielleicht an seinem gefühlt unstillbarem Hunger? Bald schon hatte er auch den letzten Bissen verdrückt und fühlte sich besser. Zwar immer noch erschöpft, aber besser. "Hast du da nicht noch etwas vergessen?". Vokarit schaute in den Topf. Leer. "Nicht in dem Topf, da hinten!". Da war ja noch was! Vorsichtig tastete sich der Alb zu dem Bündel weiter hinten, wo er zuvor den Helm gesehen hatte. Er war noch da. Wer hätte ihn auch an sich nehmen sollen? Mit leicht zittrigen Händen untersuchte Vokarit den Helm. Es handelte sich um eine Ausführung wie sie von leichter Kavallerie der Frostalben getragen wurde. An der Unterseite des Nackenschutz hatte der Vorbesitzer scheinbar sein Zeichen hinterlassen. Vokarit hatte es noch nie zuvor gesehen, doch war ihm das Einheitensymbol daneben vage bekannt. "Ob die den Helm als Trophäe mitgenommen haben?". "Möglich. Sie werden ihn zumindest nicht einfach gestohlen haben, warum sollten sie auch?". "Könnte doch sein, dass einer der anderen Feldherren irgendwo in der Nähe sein Lager aufgeschlagen hat? Oder sie haben gegen eine Patrouille gekämpft? Hey, wie auch immer, dann bist du ja vielleicht doch nicht ganz allein.". Vokarit schnaubte verächtlich. "Wie könnte ich das denn bitte auch?". "Stimmt.". Der Frostalb beschloss den Helm erst einmal an sich zu nehmen. Er passte ihm nicht ganz, doch war es besser als gar kein Kopfschutz.

Vokarit durchsuchte das Gepäck der beiden Arashi. Neben eher improvisiert scheinenden Ausrüstungsgegenständen und etwas Verbandszeug fand er immerhin etwas Proviant, einen noch fast vollen Trinkschlauch und eine Decke. Ihm war nicht wirklich kalt, doch würde das dicke Stück Wollstoff ein guter Schutz gegen die Witterung sein. Auch die anderen Fundstückte behielt er für sich. "Was jetzt?". Er dachte nach. "Wer weiss, wie viele von denen noch hier in der Nähe sind oder ob es Nachzügler gibt.". Vokarit nickte zu dem Leichnam, der einen halben Meter von der Feuerstelle entfernt lag. "Aber ich muss mich kurz ausruhen.". Vokarit setzte sich etwas abseits des Feuers an einen Baum und begann mit der Pflege seiner Ausrüstung, den fein geschmiedeten Brustpanzer behielt er an. Er wünschte sich seine Gefährten zurück und betete still, dass es ihnen gut gehen mochte. "War da was?". Vokarit verharrte in seiner Position, nur seine Augen bewegten sich, der Blick zuckte umher. Er war sich nicht sicher. Dann knackte etwas in unmittelbarer Umgebung, Vokarit schnellte hoch und griff nach seinem Schwert. Der schwache Schein des Feuers spiegelte sich in der leicht gebogenen Klinge des Langschwerts als Vokarits linkes Knie nachgab. "Hsssssssst!!", zischte er mit schmerzverzehrtem Gesicht. Das war zu schnell! Sein geschundener Körper rebellierte, doch spürte der Alb auch Adrenalin in sich aufsteigen. Litt er nun auch noch an Verfolgungswahn oder würde er bald sein Leben so teuer wir möglich verkaufen dürfen?

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Sasuke Mokiri

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#6

Beitrag von Sasuke Mokiri » Mi 15. Mai 2019, 10:25

Mit einem der Dolche nahm Sasuke die Fische aus und schnitt sie in kleine Stücke, damit sie schneller einfroren. Er hatte Glück gehabt und mehrere Zopen und ein paar Bodenrenken fangen können, die nun seine leeren Vorratstaschen füllen würden. Wenn er doch nur ein bisschen Salz gehabt hätte... so musste die Kälte reichen, um das wertvolle Fleisch haltbar zu machen. Eigentlich konnte Sasuke langsam keinen Fisch mehr sehen, doch besaß er keine Fernwaffen, um einen Vogel zu schießen und um Fallen für kleine Nager oder Raubtiere zu stellen, fehlte ihm die Zeit. So würde es auch heute wieder ein eintöniges Mahl aus gebratener Zope und einem Eintopf aus Wurzelknollen und Pilzen werden. Immer vorausgesetzt, das klamme Holz und wenige Reisig ließe sich entzünden. Sasuke seufzte. Das Leben in der Stadt hatte ihn bequem gemacht. Direkt nach seiner Ausbildung hätte er monatelang in der Wildnis ausharren können und nun sehnte er sich bereits nach wenigen Wochen nach einem warmen Bett, gewürzten Speisen und einem kräftigen, heißen Tee.
Nachdem der Fisch zerteilt war, zerkaute Sasuke etwas Engelwurz und Bärlauch und legte sein Bein frei, um die alte Wunde damit einzureiben. Früher hätte er so etwas als Kratzer bezeichnet. Heute zuckte er bei jeder neuen Belastung zusammen wie ein wehleidiges Kind. <Früher hätte ich so eine Wunde gar nicht zugelassen...>
Bequem und nachlässig und alt, das war er geworden.
Das Krächzen und Flügelschlagen aufgescheuchter Krähen ließ Sasuke innehalten. Er sah nach oben und in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war, doch die Bäume versperrten ihm den Blick. Regungslos blieb Sasuke sitzen und fokussierte sich stattdessen auf sein Gehör. Zu seiner Linken knarzte ein Baum, irgendwo rieselte Schnee von einem Ast. Ansonsten: Stille. Es konnte alles sein. Ein Wolf oder ein Bär, ein Jäger aus einer der vielen Siedlungen um das Herz des Waldes herum, ein Trupp Rebellen... oder Alben. Von keinem davon wollte Sasuke im Schlaf überrascht werden und er beschloss nachzusehen. Leise erhob er sich, gab die Fischstücke in den Topf, schnürte sein Bündel und huschte zwischen die Bäume.
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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#7

Beitrag von Kadlin » Mi 15. Mai 2019, 21:26


K
adlin schloss die Augen und atmete tief durch. Das Jagdmesser in ihrer Hand wog auf einmal schwer wie Blei. Dicke, rote Blutstropfen fielen in den weißen Schnee als sie plötzlich taumelte. Ein leises Knacken war zu hören, als sie unachtsam rücklings auf einen Zweig trat. Die erfahrene Jägerin kämpfte gegen die Übelkeit an, die sie zu übermannen drohte. Sie hatte es wirklich getan. Ihr Stich war gezielt gewesen, mitten ins Herz, kurz und schmerzlos. Das war es zumindest, was sich die junge Frau einredete. Eine kalte Nase stupste sie an. Norgrim! Kadlin fiel auf die Knie, schloss ihren Hund in die Arme und vergrub das Gesicht im winternassen Fell ihres Gefährten. Ein tiefes Grollen erklang aus Norgrims Kehle, während er irgendetwas – oder irgendjemanden – hinter seiner Herrin fixierte. Alarmiert hob die Norkara den Kopf und wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um mit ihrem Gewissen zu hadern. Sie wechselte das Messer in die linke Hand und klaubte mit der Rechten ihren fallen gelassenen Speer auf. Langsam und behutsam ging sie voran, während Norgrim hinter ihr im Schatten der Bäume verschwand. Er würde das Lager umrunden und wenn nötig von der gegenüberliegenden Seite eingreifen. Ein leises Keuchen ließ Kadlin erneut innehalten und half ihr den Angreifer zu lokalisieren. Behutsam trat sie in den Lichtschein des Lagerfeuers, nicht ohne einen raschen Blick auf den zweiten Leichnam zu werfen. Dort stand sie nun, in sicherer Entfernung zu dem Alben, der sein Schwert bereits gezogen hatte.

N
eugierig legte Kadlin den Kopf schief und betrachtete ihr Gegenüber. Noch nie in ihrem Leben hatte sie einen Alben gesehen und doch wusste sie ganz genau, was ihr da gegenüber stand. Sie hatte Geschichten gehört, düstere Geschichten über eben jenes grausame Volk. Der fremde Krieger mochte gefährlich sein, was nicht zuletzt die zwei Toten im Lager bewiesen und doch hatte er irgendetwas an sich, was Kadlin zögern ließ. „Hast du das getan?“, fragte sie einer spontanen Eingebung folgend und deutete mit einer kurzen Kopfbewegung auf den Toten. Sie wusste nicht, ob der Fremde sie verstehen konnte, wusste nicht, ob er ihre Sprache beherrschte. Ihre großen, moosgrünen Augen blickten ihn fragend an, folgten jeder seiner Bewegungen. Die eigenen Waffen drohend erhoben, ließ Kadlin selbst jedoch keinen Zweifel daran, dass sie sich zur Wehr setzen würde, käme er auf die dumme Idee sie anzugreifen. Der Krieger sah erschöpft aus und auch wenn er ihr vermutlich an Kraft überlegen war, so schien die Norkara für den Moment in deutlich besserer körperlicher Verfassung zu sein. Ein dunkler Schatten löste sich hinter dem Alben aus dem Dickicht des Waldes und begann große Kreise um das Lager herum zu ziehen. Norgrim knurrte mit einem tiefen Bass und fletschte angriffslustig die Zähne. Ihr treuer Gefährte würde ihr ohne zu zögern in den Kampf folgen und ihr beistehen. „Ich an deiner Stelle, würde mir das Ganze gut überlegen…“, sagte die junge Frau selbstsicher und hob herausfordernd eine Augenbraue.

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#8

Beitrag von Vokarit Kaltherz » Do 16. Mai 2019, 21:29

"Das ist keiner von diesem Rebellenpack.", stellte die Stimme in Vokarits Kopf erstaunt fest. "Ich sehs.", presste der Alb zwischen den Zähnen hervor. Er umfasste den Griff seines Schwertes nun fester und bereitete sich auf eine Abwehrreaktion vor. Er konnte diese...ja...diese...Frau nicht einfach so angreifen. Es lag nicht etwa daran, dass er sich vor ihr fürchtete, viel mehr traute er seinem Körper nicht zu gegen sie zu kämpfen, denn schließlich wusste er nichts über sie und ihre Fähigkeiten. Bei den Rebellen war es einfacher. Das waren Bauern, Milizionäre und lächerliche Soldaten. Doch hatten sie es trotzden geschafft... Vokarit schüttelte den Kopf um diesen Gedanken nicht zuendedenken zu müssen. Jedenfalls war ein plötzlicher Angriff seinerseits ausgeschlossen. Nicht in diesem Zustand. Vorsichtig und langsam bewegte sich der Alb nach rechts, weiterhin auf die ihm gegenüber achtend. Er ließ die Frau nicht aus den Augen, während er mit der freien Hand nach seinem Bündel tastete. Schließlich bekam der Alb es zu fassen und hob es auf. "Ich werde jetzt einfach weitergehen. Ich überlasse euch dieses Lager und das, was ihr darin findet. Es ist Krieg, zu dieser Zeit ist alles kostbar.". Kurz zuckte sein wachsamer Blick in Richtung Leichnam. "Oder gehört ihr zu ihnen?". Ein Knurren hinter sich hörend wirbelte Vokarit herum. "Was haben wir denn da?". Der Alb warf der Norkara einen anerkennenden Blick über die Schulter hinweg zu und nickte knapp. Ein tierischer Begleiter also. "Du hattest auch mal ein Haustier, weisst du noch? Frostschuppe, der Waran? Schönes Reittier.". "Sag seinen Namen nicht!", blaffte Vokarit nach links, so als würde er eine dort stehende Person zurechtweisen. Es war jedoch für die Norkara und auch ihren Begleiter offensichtlich, dass da niemand war. Trotzdem zuckten sie bei Vokarits Ansage im Feldherrenton zusammen, mit solch einer Reaktion hatten sie nun wirklich nicht rechnen können. "Ich glaube du verstörst gerade ein wenig deine neuen Freunde.". Vokarit schaute nun zwischen Kadlin und Norgrim hin und her. "Jedenfalls werde ich...". Ein dumpfes, metallisches Poltern erklang, als der Reiterhelm aus Vokarits Bündel rutschte und auf den von den Spähern festgetrampelten Boden fiel. Dort kullerte er unkontrolliert umher, dann direkt in Richtung Kochstelle. Vokarit hechtete dem Helm hinterher. Er bekam diesen zu packen, begrub ihn unter sich und rollte sich ab, so wie er es während seiner Ausbildung gefühlt viel zu oft trainiert hatte. Wie sich herausstellen sollte war es nicht eine seiner besten Ideen. Sämtliche Luft wurde beim Aufprall auf dem Boden aus Vokarits Lungen gepresst und er schnappte nach seiner Dreipunktlandung lauthals nach Luft. Hastig verstaute er den Helm etwas unbeholfen in seinem Bündel und hob wieder das Schwert in Richtung seiner, nunja, seiner was eigentlich? Seiner Jäger? Häscher des Feindes? Waren sie ihm gefolgt? Warum sie? "Wisst ihr, wer ich bin?". Vokarit fragte die Frau nun gerade heraus und wischte sich die Haare aus dem Gesicht. "Das könnte interessant werden. Ob sie wirklich hinter dir her sind?". "Wir werden sehen.", flüsterte Vokarit. Er war jedenfalls bereit für das Ende. Falls es soweit kommen musste, so würde er aber mindestens einen von beiden mit sich in die Finsternis des Todes reißen. Seine Seele mochte am Wahnsinn lecken, doch war dies Fluch und Segen zugleich, selbst in Situationen wie diesen. Und das sah man ihm auch an.

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Sasuke Mokiri

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#9

Beitrag von Sasuke Mokiri » Fr 17. Mai 2019, 10:11

Das Knurren eines wilden Tieres bestätigte Sasuke, dass er in die richtige Richtung ging. Ein Wolf vielleicht? Vorbehaltlich lockerte er das Langschwert in der Scheide und tastete auf die andere Seite nach den Griffen seiner Dolche. Normalerweise mieden die Tiere das Zusammentreffen mit einem Menschen und Sasuke hielt es ebenso. Niemals würde er eines grundlos verwunden. Wenn es sich allerdings um ein ausgehungertes Exemplar handelte, war Vorsicht besser als Nachsicht.
Geduckt und so leise wie möglich ging Sasuke voran. Der Wind drehte ein wenig und trug den Geruch von verbranntem Holz heran. Also doch kein wildes Tier... Oder nur eines, dass die Überreste eines verlassenen Lagers nach Essbarem absuchte? Sasuke ging vom Schlimmsten aus und stellte sich auf kriegerische Truppen ein, von welcher Fraktion auch immer. Vorsorglich verlangsamte er sein Tempo.
Da! Er hörte Stimmen, konnte aber die Worte nicht verstehen. Erneut das Knurren... Sasuke ging nun so langsam wie möglich. Bislang hatte er nur zwei Stimmen vernommen, ein Mann und eine Frau. Der Aussprache nach handelte es sich bei dem Kerl um einen Alben, doch die Frau? Schwer zu sagen... ebenso wenig konnte er sicher sein, dass nicht noch mehr Personen in der Nähe waren, ganz zu schweigen von dem Tier, das, wenn der Wind ungünstig stand, sofort seine Witterung aufnehmen würde. Trotzdem ging Sasuke weiter. Er musste wissen, womit er es zu tun hatte.
Nur wenige Schritte weiter stieß er auf einen Körper im Schnee. Schnell verschaffte sich Sasuke einen Überblick und presste die Lippen zusammen. Arashi... Er schickte ein stummes Stoßgebet zu Segira für den gefallenen Kameraden. Das Werk des Alben! Keine Frage. Jedoch... trotz des einsetzenden Dämmerlichts erkannte Sasuke zwei tödliche Wunden, von denen eine frischer wirkte, als die andere. Was ging hier vor? Ein Scheppern erklang von vorn. Noch immer neben der Leiche stehend, hob Sasuke den Blick und spähte zwischen den Bäumen hindurch in das Licht eines kleiner werdenden Feuers. Da war der Alb, ein Krieger ohne Zweifel und in seinem Rücken erkannte er den Schemen des Tieres, kein Wolf, eher ein Hund. Die zweite Person stand mit dem Rücken zu ihm. Der Kleidung nach war sie keine Albe. Beide hatten ihre Waffen gezogen, griffen sich aber nicht an. Unschlüssig verharrte Sasuke. Der Drang, den gefallenen Landsmann zu rächen, loderte in seinem Inneren, doch er versuchte die Gefühle zu beherrschen. Wut und Hass führten zu Fehlern und er konnte sich keine weiteren Fehler erlauben. Er musste wissen, was hier vor sich ging, wagte sich aber noch nicht näher heran.
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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#10

Beitrag von Kadlin » Sa 18. Mai 2019, 09:50


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achsam beobachtete Kadlin den Alben, sie ließ ihn keinen einzigen Augenblick aus den Augen. Es hatte den Anschein, dass er diese zwei Arashi ermordet hatte, auch wenn er selbst auf ihre Frage nicht reagiert hatte. Sie durfte ihn also nicht unterschätzen, sich nicht einfach von ihm überrumpeln lassen. Schweigend hörte sie sich seine Worte an. Er wollte ihr das Lager kampflos überlassen, zumindest hatte er das gesagt. Einen kurzen Augenblick dachte sie darüber nach und wollte gerade eine passende Antwort geben, als der plötzliche Ausbruch des Alben sie aus dem Konzept brachte. Kadlin zuckte kaum merklich zusammen und wich ein paar Schritte zurück. Was war mit diesem Kerl? Redete er etwa… mit sich selbst? Bestimmt hörte er Stimmen oder hatte mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen. Auf jeden Fall erschien er ihr unbeholfen, vielleicht war er auch verletzt und litt unter Wundbrand. Die Norkara legte den Kopf leicht schief und antwortete dann: „Ich weiß nicht, wer du bist. Ich kämpfe in niemandes Krieg und habe nicht vor mich auf irgendeine Seite zu stellen.“. Unentschlossen was sie nun tun sollte, blickte sie den Alben an. Wenn sie ihn fort schickte, könnte sie sich nicht sicher sein, ob er nicht nachts zurück kehren würde um auch ihr die Kehle durchzuschneiden. Die zweite Möglichkeit gefiel ihr jedoch noch weniger. Sie konnte ihn jetzt angreifen, in seinem Zustand hatte sie gewiss den Vorteil auf ihrer Seite. Doch wenn sie kämpften, dann gewiss auf Leben und Tod. Sie selbst war allerdings weder bereit zu sterben noch dazu erneut zu töten.

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nentschlossen begann die junge Norkara auf ihrer Unterlippe herum zu kauen. Was sollte sie nun tun? Dann fiel ihr noch eine dritte Option ein, eine die ebenfalls gewisse Risiken mit sich brachte, aber in Anbetracht der Ausgangssituation vielleicht die beste Entscheidung war. „Ich will nicht gegen dich kämpfen…“, sagte sie ruhig und steckte zum Beweis ihr Jagdmesser weg. Jetzt nur noch mit einem Speer bewaffnet, blickte sie dem Alben in die Augen. „Es steht dir frei zu gehen, doch wenn du willst…“, sie deutete auf das Lagerfeuer, bevor sie weiter sprach: „… kannst du auch bleiben.“. Sie drehte sich und ging um das Feuer drum herum, sodass es nun zwischen ihr und dem Alben lag. „Norgrim!“, rief sie dann deutlich und der Schatten zwischen den Bäumen trat hervor. Das Nackenfell des Rüden war immer noch gesträubt, es schien als würde der Hund die Entscheidung seiner Herrin nicht gut heißen. In leicht geduckter Haltung schlich er an dem Fremden vorbei. Kadlin zückte erneut ihr Messer und schnitt eine der Hasenkeulen von ihrer Jagdbeute, um sie ihrem treuen Begleiter zuzuwerfen. Dieser schnappte mit kräftigen Kiefern nach dem Fleisch und verschwand zwischen den Bäumen um zu fressen. Mit geübten Handgriffen begann die Jägerin nun den Hasen zu häuten und ließ immer mal wieder den Blick zu dem Alben gleiten. „Du könntest dich nützlich machen und etwas Feuerholz nachlegen.“, sagte sie so beiläufig wie möglich und bemühte sich dabei gelassen zu klingen. Sie wollte auf den Krieger nicht wie ein ängstliches, kleines Mädchen wirken.

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