Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Rote Spuren im weißen Schnee

Die Arashi sind ein Volk von Menschen, denen das harte Leben nicht den Sinn für Moral, Kunst und Schönheit zu nehmen vermochte. Viehzucht und Fischfang bilden die Lebensgrundlagen. Arashima ist zum Teil besetzt von den Frostalbischen Invasoren.
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Vokarit Kaltherz
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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#11

Beitrag von Vokarit Kaltherz » Fr 24. Mai 2019, 17:07

Der düstere Blick von Vokarit klarte etwas auf. Er nahm eine etwas entspanntere Haltung ein, jedoch weiterhin wachsam und bereit für einen etwaigen Angriff. "Mich nützlich machen...", murmelte der Alb und beobachtete die Szenerie. Er hatte sich scheinbar zu sehr daran gewöhnt mit "Herr" angesprochen zu werden. Die Stimme in seinem Kopf lachte schallend. "Jah! Aber unbedingt! Los, tu gefälligst auch mal was!". Vokarit kniff die Augen fest zusammen und atmete tief durch. <Ganz ruhig.>. Seine Gedanken kreisten umher. Was nun? Etwas weiter ausruhen, ja, das würde nicht schaden...ganz im Gegenteil sogar. Aber wie konnte er sich sicher sein, dass er nicht Opfer einer List werden würde? Die junge Frau war nicht von hier. Konnte er ihren Worten überhaupt Glauben schenken? "Hast dus bald?". Vokarit sog scharf Luft ein. "Kannst du nicht einmal still sein?". Die Norkara blickte kurz auf und bemerkte schnell, dass sie mit diesem Satz nicht gemeint sein konnte. "Wie könnte ich? Außerdem hast du immer noch kein Holz nachgelegt.". Vokarit schaute zu dem kleinen Haufen Holzscheite hinüber und ging darauf zu. Norgrim folgte Vokarits Bewegungen und der Alb meinte sogar einmal ein leises Knurren von dem Tier vernommen zu haben. Halbherzig nahm Vokarit einen der Scheite und legte ihn in das kleine Feuer.
"Was solls...", sagte er leise zu sich selbst und steckte nun auch seine Klinge weg. Dann sammelte der Alb schnell seine Ausrüstung zusammen und setzte sich auf die andere Seite des Feuers, direkt gegenüber von Kadlin auf den Boden. "Der große Vokarit Kaltherz befolgt Anweisungen einer kleinen Frau und traut dieser völlig fremden Person scheinbar auch noch?". Vokarit ignorierte die verhöhnenden Worte in seinem Kopf. Er saß einfach nur still und regungslos da, starrte durch die nun langsam größer werdenen Flammen Kadlin und ihren Begleiter an. Wieder flogen Gedanken, Fragen und Vermutungen durch seinen Kopf, doch ließ er sich nichts anmerken. Er dachte nach, schätzte ab, beobachtete. Dann unterbrach Vokarit plötzlich die eingekehrte Ruhe. "Ihr gebt vor in keinem Krieg zu kämpfen. Aber wenn es so ist wie ihr sagt, was führt euch dann hierher? Aussicht auf leicht verdientes Geld? Beute? Abenteuer?". Die eine Hand lag locker auf dem Schwertknauf, mit der anderen Hand massierte sich Vokarit nun den Schmerz aus dem seitlichen Halsmuskel. Er konnte noch nicht genau sagen was er von der fremden Frau halten sollte. Es schien als sei sie nicht von höherem Stand, eher so etwas wie eine einfache Jägerin. Ob sie seinen Rang erkannt hatte? Natürlich war es aufgrund seiner Ausrüstung schon fast offensichtlich, dass er kein einfacher Soldat sein konnte. "Du willst also wissen wer dich umbringt, falls es soweit kommt?". "Welchem Handwerk geht ihr nach?". Für Vokarit war klar, dass er handeln müsste sobald Worte wie Söldner oder Kopfgeld in der Antwort der Frau vorkamen.

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Sasuke Mokiri

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#12

Beitrag von Sasuke Mokiri » Di 28. Mai 2019, 07:45

Eine Norkara, zweifelsohne. Der zweite Blick auf ihre Kleidung, der tierischen Begleiter und nun, da Sasuke wusste, worauf er hören musste, auch die Aussprache… Bei der Frau musste es sich um eine Norkara handeln, Kleidung und Ausrüstung nach aus einem der nördlichen Clans. Allerdings brachte ihn diese Erkenntnis nicht wirklich weiter. Immer wieder streiften Norkara durch Arashima, wenn meist auch eher in Küstennähe und nur in den allerwenigsten Fällen waren sie in den Befreiungskrieg verwickelt.
Die Information, die das auflodernde Feuer Sasuke über den Alben schenkte, war schon eher gewinnbringend. Dies war mitnichten ein einfacher Soldat, dies war ein Anführer. In den letzten Jahren hatte Sasuke zu viele albische Rüstungen gesehen, um die Besonderen darunter zu verkennen. <Wenn er ein Anführer ist, warum ist er alleine? Oder… ist er das?> Sasuke wagte nicht, sich zu rühren und lauschte angestrengt nach dem Gespräch am Feuer, ebenso wie in den Wald hinein. Ein offener Kampf mit dem Alben war an und für sich bereits riskant genug. Solange er nicht ausschließen konnte, dass dessen Truppe sich in der Nähe befand, war es reine Torheit. <Und die Frau? Auf wessen Seite würde sie stehen, wenn ich einen Angriff wage?>
Nein - es war keine Option, nicht im Augenblick. Er brauchte mehr Information.

Das Verhalten des Alben gab ihm Rätsel auf. Mit dem Kerl stimmte etwas nicht. Er schien verwirrt und uneins. … und er hatte die Frau nicht angerührt. Im Gegenteil: er erwählte offenbar ihre Gesellschaft in dem Lager, das er zuvor erobert hatte. Warum? Scheute er einen Kampf? War er geschwächt oder verletzt und brauchte Hilfe? Sasuke konnte keinen Anzeichen einer größeren Wunde erkennen, doch das mochte nichts heißen. Diese Alben waren zähe Wesen. Er hatte schon Krieger mit aufgerissenen Bäuchen weiter kämpfen sehen.
Langsam aber sicher fand die Kälte einen Weg zurück in Sasukes Stiefel. Zeit, sich für den nächsten Schritt zu entscheiden. Sein Blick fiel auf den Hund, der noch mit seiner Mahlzeit beschäftigt war. Wenn er sich zurückziehen wollte, dann jetzt, so gerne er das Gespräch am Feuer weiter verfolgt hatte. <Es ist zu früh. Ich kann mit keinem Alben gemütlich am Feuer sitzen und nachts, wenn ich schlafe, schlitzt er mir die Kehle durch.> Still wie ein Schatten trat Sasuke einen Schritt zurück, dann noch einen und noch einen. Er würde sich ein kaltes Nachtlager in ausreichend Entfernung einrichten und die beiden am nächsten Tag verfolgen. Die Norkara wirkte mitnichten schutzbedürftig, doch irgendetwas musste der Alb bezwecken. Sasuke sah sich in der Pflicht, dies herauszufinden.
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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#13

Beitrag von Kadlin » Do 30. Mai 2019, 09:47


D
er Alb verhielt sich weiterhin merkwürdig, doch Kadlin ließ sich nicht beirren. Sie atmete erleichtert aus, als der Krieger es ihr gleich tat und endlich seine Waffe weg steckte. Immer wieder murmelte er vor sich hin, sprach mit Geistern, die sie nicht sehen konnte. Doch als er endlich Feuerholz nachgelegt hatte und die Flammen an neuer Kraft gewannen, ließ er sich ihr gegenüber nieder. Die Jägerin war in der Zeit nicht untätig gewesen, sondern hatte den Hasen vorbereitet. Nun griff sie nach einem Stock und befreite ihn mit ihrem Messer von der Rinde, ehe sie das Wild darauf steckte und begann es über dem Feuer zu braten. Sofort breitete sich ein köstlicher Geruch aus und mit der Zeit tropfte das Fett hinab und zischte immer mal wieder in der Hitze der Flammen. Erneut begann Kadlins Magen fürchterlich laut zu knurren, sie hatte Hunger und das Wasser lief ihr bereits im Mund zusammen. Die Worte des Alben unterbrachen die Wartezeit und die Norkara blickte überrascht auf. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass sie zusammen am Feuer sitzen und sich unterhalten würden. Also räusperte sie leise, bevor sie auf seine Fragen antwortete: „Ich bin Jägerin und genau deswegen bin ich auch hier. Ich bin auf der Jagd nach etwas Großem… Wie ich schon sagte, der Krieg interessiert mich nicht, ich werde dieses gegenseitige Abschlachten nie verstehen können.“. Sie blickte den Alben durch das Feuer hindurch direkt in die kalten Augen und zeigte dann auf eine der Leichen, die unweit entfernt lag. „Ich weiß, was du getan hast. Was haben die Männer dir getan? Waren sie eine Gefahr für dein Leben? Für mich sieht es eher so aus, als wurden sie aus dem Hinterhalt heraus angegriffen und abgeschlachtet wie Vieh.“, konfrontierte sie ihr Gegenüber mit den Tatsachen.

W
ährend die Jägerin auf eine Antwort wartete, nahm sie das Wild vom Feuer und biss beherzt in das zarte Fleisch. Sie hatte einen Bärenhunger, der dringend gestillt werden musste. Zufrieden kauend lehnte Kadlin sich entspannt zurück. Ihr Anblick hatte etwas Wildes an sich. Die Narben im Gesicht glühten Rot ob der Kälte und in ihrem zerzausten Haar hatten sich einige Schneeflocken verfangen. Ihre Essgewohnheiten waren wirklich wenig Damenhaft, doch das interessierte die junge Frau herzlich wenig. Gerade wollte sie in die verbliebene Keule beißen, als sie plötzlich inne hielt. In ihrer Miene arbeitete es, sie schien über irgendetwas nach zu denken. Dann kam ein leises Seufzen über ihre Lippen. „Hast du Hunger?“, fragte sie mit einem Tonfall, der deutlich klar machte, dass sie selbst mit der Entscheidung die sie getroffen hatte, nicht ganz zufrieden war. Sie blickte den Alben fragend an und streckte ihm das köstliche Fleisch widerwillig entgegen. Sie sollte ihn wirklich freundlich stimmen, ihm keinen Grund liefern sie nicht doch noch anzugreifen. Für was auch immer sich der Fremde entschied, sie würde diese Nacht ganz gewiss keinen Schlaf finden. Vielleicht mochte sie etwas naiv und leichtsinnig sein, mit diesem Krieger das Lager zu teilen, doch für dumm ließ sie sich gewiss nicht verkaufen. Sie war noch jung und sie hing an ihrem Leben, es gab noch so viele Dinge, die sie erreichen wollte. Plötzlich etwas besorgt hielt sie nach Norgrim Ausschau. Der Hund hatte sein karges Mahl förmlich verschlungen, doch nun war er weit und breit nicht mehr zu sehen. Vielleicht hatte er beschlossen sich selbst noch einen Nachschlag zu erlegen, dieses Verhalten war nicht untypisch für den Rüden. Er würde bis zum Morgengrauen zu ihr zurück kehren, da war sich die Norkara ganz sicher.

S
ich zufrieden über die blutige Schnauze leckend lag Norgrim im tiefen Schnee. Das dichte, silbergraue Fell schützte ihn vor der eisigen Kälte der hereinbrechenden Nacht. Ein leises Knirschen im harschen Schnee ließ ihn plötzlich aufhorchen. Seine empfindlichen Ohren stellen sich aufmerksam auf und er streckte die Nase in den Wind um Witterung aufzunehmen. Da war doch jemand! Die klugen, eisblauen Augen blickten in die Dunkelheit des Waldes. Sollte er Alarm schlagen? Doch als die kaum hörbaren Geräusche sich entfernten, blickte er nur kurz zum Lager zurück und entschied sich dann, der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Seine großen, kräftigen Pfoten versanken nur wenig im Schnee, als er sich aufrichtete um dem Geruch zu folgen. Der erfahrene Jäger brauchte nicht lange, um die Quelle der Geräusche auszumachen. Ein schwarzer Schatten in der Dunkelheit, dem Geruch zu Folge ein Mann. Der Rüde legte neugierig den Kopf schief und nahm dann eine lauernde Haltung ein. Dieser Mensch schien für seine Herrin keine direkte Gefahr zu sein. Er hatte sich nicht gezeigt, sich versteckt gehalten und sich wieder entfernt. Der Fremde hatte nichts Unrechtes getan, es gab keinen Grund ihn anzugreifen. Dennoch hatte Norgrim das Bedürfnis ihn im Auge zu behalten, nur um ganz sicher zu sein, dass er nicht in aller Heimlichkeit zurück kehren konnte. Es war seine Aufgabe Kadlin zu beschützen und er würde sie mit seinem Leben verteidigen. Die Menschenfrau war seine Familie, sie zwei zusammen bildeten ein Rudel. Er hatte sich ihr untergeordnet, denn sie war stark und wusste immer den richtigen Weg einzuschlagen. Er folgte ihr schon seit vielen Jahren, sie waren gute Gefährten geworden.

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#14

Beitrag von Vokarit Kaltherz » Di 4. Jun 2019, 22:36

Vokarit ließ sich mit seiner Antwort Zeit. Schließlich zuckte sein linker Mundwinkel leicht nach oben, dann folgte er dem suchenden Blick der Norkara. Der Hund war verschwunden. Mit einer knappen Handbewegung, schon fast eher beiläufig lehnte Vokarit das ihm angebotene Fleisch ab. Dann sprach er plötzlich mit seltsamer, schon fast tonloser Stimme:"Ihr weisst nicht, was ich getan habe.". Trotz der Wärme des Feuers lag auch eine Eiseskälte auf den ruhigen Worten des Alben. Er saß aufrecht da, legte den Kopf leicht schief und seine Augen verengten sich. "Wie kann sie es nur wagen?!". "In einem Krieg ist jeder Feind eine Gefahr für das eigene Leben.". Nun schaute Vokarit verächtlich zu dem toten Körper, dann zuckte seine Aufmerksamkeit abrupt wieder zurück auf die Jägerin. "Glaubt mir.", sagte er dann und schüttelte langsam den Kopf. "Hinterhalt...abgeschlachtet wie Vieh.". Er wiederholte Kadlins Worte quälend langsam und mit düsterem Unterton. Vor Vokarits innerem Auge spielten sich Szenen der Vergangenheit ab. Bilder tanzten in seinem Kopf umher. Bilder seiner toten Kameraden. Bilder derer, die einen dieser feigen Angriffe der Rebellen irgendwie überstanden hatten. Bilder von sterbenden Alben. Wut hatte sich in seinen Gedärmen entzündet und nagte an ihm. "Der nächste Krug geht auf sie! Auf all die gefallenen Kameraden!". Vokarit griff sich an den Gürtel, doch seine Finger tasteten ins Leere. <Natürlich...>. Er erinnerte sich an das Fehlen seines geliebten Weinschlauches und ließ die Hand schließlich auf seinem Knie ruhen. "Letztendlich...", Vokarit versuchte die Bilder in seinem Kopf wie eine Fliege zu verscheuchen. "Letztendlich hat das alles nichts zu sagen. Krieg hält sich an keine Regeln und am Ende sind es alles Schergen, die ihr Leben für ihre Herren hergeben. Zahlen auf Papier, wenn überhaupt.". Natürlich hatte Vokarit kaum jemanden von seiner kleinen Streitmacht gekannt. Sie waren alle nur seine Werkzeuge, abgesehen von seinem Bannerträger und vielleicht sogar dem ein oder anderen höheren Offizier. Verluste schmerzten eher aufgrund der fehlenden Klinge in den Reihen. "Aber vielleicht habt Ihr ja wirklich Recht.". "Was?!". "Es kann gut sein, dass Ihr dieses gegenseitige Abschlachten nie verstehen werdet.". Vokarit erhob sich langsam, zuckte knapp mit den Schultern und ging ein paar Schritte auf und ab. "Wie jagt Ihr eure Beute? Ich nehme an damit?". Er nickte in Richtung Kadlins Speer. "Legt Ihr Fallen? Große Fallen für das, wonach auch immer ihr sucht?". Vokarit stellte noch ein paar weitere Fragen, die jedoch nicht Kadlin als Person sondern eher ihrer Profession galten. Falls sie es sich doch anders überlegen und Jagd auf ihn machen sollte wäre die ein oder andere Information sicherlich hilfreich. Langsam wich nun auch wieder der Schatten aus Vokarits Blick und seine Stimme klang wieder etwas weniger bedrohlich.

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Sasuke Mokiri

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#15

Beitrag von Sasuke Mokiri » Di 18. Jun 2019, 19:17

In was er für eine sichere Entfernung hielt, löste Sasuke seinen Beutel und breitete die Decke auf einem notdürftig vom Schnee befreiten Flecken Erde aus. Anschließend hing er seine Vorräte an einen Ast, um keine ungebetenen Gäste anzulocken. Nur eine Hand voll Pilze und zwei der bitteren Wurzelknollen behielt er sich für ein karges Abendbrot. Er versuchte nicht an den gebratenen Hasen zu denken, den die Norkara gerade verspeiste. Beim Essen ließ er die Gedanken schweifen. Beide, sowohl die Norkara als auch der Alb, waren ziemlich tief in Rebellenland vorgedrungen, wenn auch aus unterschiedlichen Richtungen. In keinem Fall mochte dies einen tieferen Grund haben, trotzdem war es augenscheinlich. Wenn nur ein wenig mehr von der Unterhaltung der beiden zu Sasuke durchgedrungen wäre! Möglicherweise bot sich morgen eine Möglichkeit, näher heran zu kommen, wenn sie denn weiterhin in Gesellschaft blieben. Natürlich durfte er auch den Hund nicht vergessen. Ein falscher Tritt, einmal eine schlechte Windrichtung und das Tier wüsste sofort um seine Anwesenheit. Ein Wunder eigentlich, dass er ihn nicht jetzt schon entdeckt hatte. Sasuke schob es auf die Ablenkung durch frisches Hasenfleisch, fragte sich aber, ob er damit nicht nur versuchte, sich selbst zu beruhigen. Ganz unwillkürlich suchten seine Augen die Umgebung ab, lauschten seine Ohren nach einem Hecheln oder Knurren und tastete seine Nase nach einem fremden Geruch. Doch da war nichts, nur das Rauschen der fernen Baumwipfel, das Knacken der Äste unter der Schneelast und die tiefer werdende Stille der hereinbrechenden Nacht.
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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#16

Beitrag von Kadlin » Mi 26. Jun 2019, 12:36


K
adlin reagierte fast schon erleichtert, als der Alb das Fleisch ablehnte. Sie hatte wirklich riesigen Hunger und es war mehr eine Frage aus Anstand gewesen. Während der Krieger versuchte sich zu erklären, biss die junge Norkara in das saftige Fleisch und kaute anschließend genüsslich. „Hmmh…“, murmelte sie dabei leise schmatzend. Als sie fertig war, nagte sie gewissenhaft die letzten Reste von den dünnen Knochen. Fleisch war einfach zu kostbar, um auch nur ein wenig davon zu verschwenden. Anschließend warf sie die Knochen achtlos nach hinten und wischte sich wenig damenhaft mit dem Handrücken das Fett von den Lippen. Die Frage nach ihren Jagdmethoden ließ die junge Frau innehalten. Wieder blickte sie auf und schaute dem Alben furchtlos und direkt in die Augen. Wenn er versuchte sie auszuhorchen, dann tat er es auf jeden Fall nicht sonderlich unauffällig. Kadlin konnte sich ein schiefes Grinsen nicht verkneifen und griff nach ihrem Speer. Der Krieger hatte schon beinahe abfällig danach gefragt. Auf Fremde machte ihre Waffe einen einfachen und keinen besonders gefährlichen Eindruck, doch wenn man damit umzugehen wusste, konnte sie genauso tödlich sein wie das Schwert des Kriegers. Fast schon liebevoll drehte die Jägerin den Speer in ihren Händen. Das Holz war alt und abgegriffen, doch der metallene Keil am Ende war scharf wie ein Rasiermesser. „Ein guter Jäger passt sich stets an seine Beute an. Einige Tiere sind verdammt schlau und man muss sie überlisten, um ihnen überhaupt nah genug zu kommen. Fallen sind manchmal ein gutes Mittel zum Zweck, jedoch nur wenn man sich entsprechend die Zeit dafür nimmt.“, antwortete sie vage auf seine Fragen.

D
ann blickte sie wieder auf und legte den Speer beiseite. Die Flammen tanzten munter in der provisorischen Feuerstelle und erhellten das mürrische Gesicht der jungen Frau. Im Schein des Feuers schien es so als würden die roten Narben auf ihrer Wange beinahe leuchten. „Ganz schön merkwürdig…“, sagte sie dann nachdenklich. „Ich hätte schwören können, dass du mir sofort einen Dolch zwischen die Rippen jagst, sobald du die Gelegenheit dazu bekommst.“, fügte sie hinzu und lachte dann amüsiert auf. „Oder es zumindest versuchen würdest…“, stichelte sie mit einem schelmischen Grinsen. „Vielleicht verstehe ich tatsächlich nichts vom Krieg, vielleicht kann ich deine Entscheidungen und Handlungen niemals nachvollziehen… Dennoch sitzen wir hier, gemeinsam und friedlich. Wenn du willst und mir vertraust, kannst du dich ruhig ein wenig erholen. Ich werde die Nachtwache übernehmen.“, bot sie dem Fremden ganz ohne Hintergedanken an und wandte sich dann vom Feuer ab. Es war Zeit ihre Sinne zu schärfen und das Licht ruinierte ihr die Nachtsicht. Die junge Norkara lehnte sich mit dem Rücken gegen einen Baumstamm und verschränke die Arme unter der Brust. Sie war ausreichend warm gekleidet, ihre Pelze boten ihr Schutz vor der eisigen Kälte der Nacht und dem bissigen Wind. Die moosgrünen Augen blickten gen Himmel. Erneut hatte starker Schneefall eingesetzt und legte sich wie ein weißes Leichentuch über die Leichen der Arashi. Die gesamte Situation wirkte auf einmal so friedlich, im Wald war es ruhig, die Nacht setzte ein und der zunehmende Mond lag hinter einer dichten Wolkendecke verborgen.

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#17

Beitrag von Vokarit Kaltherz » Di 9. Jul 2019, 21:58

Schweigend folgte Vokarit Kadlins Erklärung. Der Hauptmann meinte Parallelen zwischen ihrer beider Handwerk zu erkennen. Sein Blick fiel auf die Narben auf der Wange der Frau. Vokarit erinnerte sich zurück an einen seiner Soldaten, der ungefähr in ihrem Alter gewesen sein mochte. Er hatte sich mehrmals verbotenerweise aus der Schlachtlinie zurückgezogen, wurde am Ende Opfer seiner eigenen Feigheit, auf der Flucht und ohne, dass seine Klinge je das Blut eines Feindes gekostet hatte. Oder der andere, der töricht genug gewesen war und den Feind in schwieriges Gelände verfolgt hatte. Es war ein leichtes für die Rebellen gewesen den Alb wie ein Stück Vieh zu töten. Vokarit verzog das Gesicht. "Die kurze hätte die Kerle vermutlich einfach platt gemacht. Vielleicht hätte sie es sogar mit einem aus der vierten Kompanie aufnehmen können?". Vokarit musste sich eingestehen, dass es wohl stimmen mochte. Als die junge Frau weitersprach zuckten seine Augen wieder zurück. Sie mocht zwar fähiger, mutiger oder gerissener sein als manche seiner mittlerweile wohl toten Männer, doch schien es ihm als bereite er ihr trotzdem noch so etwas wie Unbehagen.

Ein leises Klingen war zu hören als Vokarit sich anders hinsetzte. Er ließ Kadlins Gedanken über den Krieg unkommentiert und schnürte sich sein Bündel um. "Ich werde noch ein wenig rasten, dann aber zeitig weiterziehen.". Vokarit hörte sich selbst diese Worte sagen. Irgendetwas war anders. "Oho!". Tatsächlich. Es kam ihm so vor, als sei gerade ein Stück seiner Befehlsstimme wiedergekehrt von der er geglaubt hatte sie sei verloren. "Der Weg ist noch weit. Ich muss noch bis nach...". Wohin eigentlich? Vokarit unterbrach sich. Wenn er das nur wüsste.
Dann legte der Alb die Hände zusammen, schloss die Augen und atmete tief durch. So saß er da, nahm die Stille um sich herum wahr und fühlte wieder mehr Kraft in seinen Beinen. Schnee fiel leise hinab und sammelte sich auf Vokarit, der wie versteinert einfach nur da saß und mehr und mehr in seiner Gedankenwelt versank. Langsam aber sicher wich auch der Schmerz.

"Zu mir!", brüllte Vokarit. "Die Reihen schließen! Verdammt noch mal, schließt die Reihen!". Der Lärm um ihn herum schien seine Befehle zu verschlucken, ebenso der dicke Qualm, der von den Feuern um sie herum ausging. "Schilde!", schrie plötzlich jemand von links und Vokarit riss den Arm hoch. Das Trommeln von einschlagenden Pfeilen war von der anderen Seite seines Schildes zu hören, zwei eiserne Pfeilspitzen fanden ihren Weg hindurch, richteten jedoch keinen weiteren Schaden an. Die Schreie von getroffenen Soldaten ertönten und wieder lichteten sich die Reihen. "Ausrichten! Ausrichten!". Die Linie geriet ins Wanken, als der Kampfeslärm an Intensität zunahm. Eine Gruppe Rebellen brandete gerade wie eine Flutwelle in seine Einheit und begrub gute Männer unter sich. "Schlagt sie zurück!". Vokarit wirbelte mit der Klinge umher und fühlte das Adrenalin in sich kochen. Er stürmte voran. Irgendwo hinter ihm folgten seine Getreuen. Dann vergrub er die Klinge links und rechts neben sich in Fleisch, Knochen und Blut. "Nuharis!", bellte er über die Schulter zu seinem Bannerträger hinüber. "Nehmt ein paar Männer und...NUHARIS!". Ein Pfeil ragte aus dem Brustpanzer des Bannerträgers, der ungläubig auf den gefiederten Schaft starrte. "Nein!". Nuharis wurde von einem Schlag am Hinterkopf getroffen und der Alb kippte mit einer halben Drehung zur Seite hin um. Ein Rebell griff nach dem fallenden Banner, doch einer der Offiziere stürzte sich auf ihn. Vokarits Gesicht verzog sich zu einer irren und blutverschmierten Fratze als sich langsam ein roter Schleier über sein Blickfeld legte. Er lachte.

Keuchend zuckte Vokarit zusammen und riss die Augen auf. Etwas Schnee fiel von ihm hinunter. Er hatte sich in einer Art Trance befunden, jetzt war er wach. Sein Herz hämmerte laut in seinem Brustkorb und es dauerte ein paar Sekunden bis er sich wieder gesammelt hatte. Er war im Wald. Fernab der Schlacht. Im Wald. Da war Feuer. Überall. Und Blut. Hier nicht, hier war nur ein kleines Lagerfeuer. Ein Kochfeuer. Vokarit erinnerte sich. Auch hier gab es Tote. Er war durch die Gegend geirrt, Wind und Wetter ausgesetzt. Doch er erinnerte sich. Ja. Sein Weg hatte ihn vom Schlachtfeld fortgeführt. In die Wildnis. Hier war er falsch. Er hatte etwas zu erledigen. Er musste zurück. Er musste es einfach wissen. "Ich gehe.". Vokarit stand auf, griff hastig seine Habe zusammen und stampfte los, direkt in die Richtung aus der er gekommen war. Vermutlich hatte er Kadlin mit seinem plötzlichen Handeln aufgeschreckt, wenn es so war hatte er es nicht wirklich mitbekommen. "Wie Ihr sagtet, ein guter Jäger passt sich stets an seine Beute an.". Der Alb grinste düster, denn in ihm begann eine kleine Flamme zu wachsen. "Lass mich raten...Und sie dort drüben ist erst der Anfang!?". Vokarit schüttelte sachte den Kopf und flüsterte ein leises "Nein." nach links.

"Was für eine freundliche Verabschiedung.", höhnte die Stimme in seinem Kopf. "Nicht nötig.", zischte Vokarit als er das improvisierte Lager bereits ein Stückchen hinter sich gelassen hatte. Er hatte das Gefühl, dass er die Norkara wiedersehen würde.

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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#18

Beitrag von Sasuke Mokiri » Di 30. Jul 2019, 16:29

Sasuke verschwendete keinen Gedanken an ein Frühstück. Im Nu waren seine Habe auf seinem Rücken verstaut, die Spuren der Nacht verwischt und er befand sich auf dem Weg in Richtung des Lagers. Die Glieder schmerzten ihm und zumindest eine Tasse heißer Tee hätte ihm gut getan, doch das musste warten, wenn er den Aufbruch des seltsamen Paares nicht verpassen wollte. Es war schon beinahe hell und kleine Flecken Blau zwischen den Bauwipfeln und den grauen Schneewolken ließen auf einen freundlichen Tag hoffen. Freuen konnte sich Sasuke darüber im Augenblick nicht. Viel mehr ärgerte er sich, dass er so lange geschlafen hatte. <Vermutlich sind sie schon lange weg! Oder tot – zumindest einer von beiden.> Er konnte die negativen Gedanken nicht aussperren, bis etwas anderes seine Aufmerksamkeit erregte.
Spuren im Schnee.
Sie waren nicht ganz frisch, jedoch bedeckte sie nur eine dünne Schneeschicht und Sasuke war sich sofort sicher, woher sie stammten. Es gab nur einen kleinen Unterschied zwischen den Abdrücken von Wölfen und Hunden, doch wenn man wusste, worauf man zu achten hatte, konnte man sie kaum verwechseln. Sasukes Blick huschte in alle Richtungen, obwohl er nicht erwartete, das Tier zu entdecken. <Es ist mir gefolgt…>, schoss es ihm durch den Kopf. Und dann? Hatte es ihn etwa beobachtet, ausgespäht wie ein Kundschafter? Das hieß wohl, dass zumindest die Frau mittlerweile von seiner Anwesenheit wusste, schloss er verbittert. Er hatte überhaupt nicht gemerkt gehabt, dass er verfolgt worden war. Seine Sinne und seine Vorsicht ließen wirklich zu wünschen übrig. „Sie hat einen fähigen Gefährten, so viel ist sicher“, sagte er dieses Mal laut und setzte mürrisch und wachsam seinen Weg fort.
Zwar war es nicht weit, trotzdem war es bereits heller Tag, als er am Ort des Geschehens ankam. So lange hatte er geschlafen… Sasuke unterdrückte erneut einen Anflug innerlicher Selbstzweifel. Er brauchte gar nicht näher heran treten, um zu sehen, dass das Lager verwaist war. Lediglich die Glut schickte noch ein schwaches Rauchfähnchen gen Himmel. Wenigstens entdeckte er keine weitere Leiche und kein frisches Blut auf dem Boden. Sasuke seufzte. Er war zu spät und es blieb ihm nichts, als den Boden nach Spuren abzusuchen und die Verfolgung aufzunehmen.
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Re: Rote Spuren im weißen Schnee

#19

Beitrag von Kadlin » So 25. Aug 2019, 09:26


E
s überraschte die Jägerin, dass der Alb ihr ausreichend Vertrauen entgegen brachte, um sich etwas Ruhe zu gönnen. Vielleicht hatte er einfach ein gutes Gespür und hatte ihre Wesenszüge schnell durchschaut. Sie würde schließlich niemals einen Mann einfach ohne Grund ermorden… Dann dachte sie an den Arashi. Er hatte noch gelebt und sie selbst hatte ihm sehr wohl das Messer tief in die Brust gerammt. Bei dem Gedanken breitete sich eine Eiseskälte in der Brust der jungen Frau aus. Sie hatte es getan! Doch es war gewiss nicht ihre Mordlust gewesen, die sie dazu getrieben hatte. Eher im Gegenteil! Der Mann wäre ohnehin gestorben, sie wollte nur sein Leiden beenden. Kadlin begann sich vor Unbehagen auf der Unterlippe herum zu kauen, als plötzliche Geräusche sie auffahren ließen. Es war die Stimme des Alben, die sie vernommen hatte. Sie blickte zu ihm hinüber und machte unsicher einige Schritte auf ihn zu. Der Krieger schien sie nicht mehr wahr zu nehmen, seine Augen waren geschlossen, er warf den Kopf hin und her und stammelte undeutlich vor sich hin. „Hey! Wach auf! Du träumst!“, sagte Kadlin zu ihm, unentschlossen was sie tun sollte. Doch ihre Worte bewirkten rein gar nichts. Den Blick auf sein Schwert gerichtet, jederzeit bereit einem Angriff auszuweichen, zog sie sich mit den Zähnen einen Handschuh aus und trat lautlos an den Träumenden heran. „Shhh…..“, flüsterte die Norkara leise und legte sacht ihre Hand auf seine Stirn. Der Alb glühte förmlich und leichte Schweißperlen hatten sich auf seiner Haut gebildet. Er musste unter einem schrecklichen Fieber leiden, doch sie hatte nicht die Möglichkeiten irgendetwas dagegen zu tun.

K
adlin hatte beschlossen den Alben einfach in Frieden zu lassen und entfernte sich vorsichtig rückwärts. Vielleicht hatte er eine Wunde und litt unter Wundbrand, in diesem Falle wäre er ohnehin verloren. Oder war es doch einfach nur der Geist eines alten Dämons, der in ihn gefahren war und ihn plagte? Sie griff nach einem Stück Holz, nahm ihr Messer zur Hand und begann zu schnitzen. Sie musste sich irgendwie wach halten, ein wenig Beschäftigung bei der Wache konnte nie schaden. Nach einiger Zeit erhob sich der Alb im Lager und begann unbeholfen seine Sachen zusammen zu sammeln. Seine Worte waren wieder deutlicher und sie blickte ihn über die schmale Schulter hinweg an. Was wollte er ihr mit seiner Aussage mitteilen? Sollte sie die Jägerin oder die Gejagte sein? Seine Richterin oder sein Opfer? Oder sprach er immer noch wirr und seine Worte bezogen sich letzten Endes gar nicht auf sie? Wie dem auch sei, der Alb drehte sich einfach um und ging. „Warte! Du solltest nicht….“, setzte Kadlin noch an, doch er schien sie nicht mehr gehört zu haben. Oder er wollte ihre Einwände auch einfach gar nicht hören. Kadlin zog die Stirn kraus und blickte auf das Stück Holz in ihrer Hand. Ein kleiner Bär mochte mit viel Fantasie zu erkennen sein, sie hatte ihn geschnitzt ohne wirklich darüber nachzudenken, was sie tat. Sie ließ die Figur achtlos in den Schnee fallen, als ein haariges Ungetüm aus der Dunkelheit trat. Die Norkara lächelte erleichtert, als sie Norgrim erkannte und wuschelte ihrem treuen Gefährten durch das zottelige Fell.

N
atürlich konnte Norgrim ihr nicht erzählen was er erlebt oder gesehen hatte. Doch allein die Tatsache, dass er die halbe Nacht unterwegs gewesen war, ließ Kadlin vermuten was der Rüde getrieben hatte. „Wessen Fährte hast du aufgenommen? Wir sind nicht allein im Wald, nicht wahr?“, fragte sie und kraulte den Hund hinter den Ohren. Dieser blickte aufmerksam in die Richtung, aus welcher er gekommen war und leckte sich aufgeregt über die Schnauze. „Du bist ein guter Junge…“, flüsterte Kadlin und erhob sich dann müde. Sie war die gesamte Nacht wach geblieben, selbst nachdem der Alb gegangen war. Immer wieder hallten seine Worte durch ihren Kopf: "Wie Ihr sagtet, ein guter Jäger passt sich stets an seine Beute an.". Sollte sie seinen Spuren folgen? Nein, schalt sie sich selbst eine Närrin. Was sie mit diesem Alben am Hut? Sie suchte eine ganz andere Beute! Doch zuerst wollte sie heraus finden, wer sich noch in ihrem unmittelbaren Umfeld aufhielt. Leichtfüßig und darauf bedacht möglichst wenig Spuren im Schnee zu hinterlassen, huschte sie ein Stück tiefer in den Wald hinein. Doch sie hatte nicht vor Norgrims Spuren weiter zu verfolgen, stattdessen erklomm sie einen astreichen Baum und legte sich in erhöhter Position auf die Lauer. Es dauerte tatsächlich nicht lange und eine menschliche Gestalt tauchte im Licht der Morgendämmerung unter ihr auf. Kadlin wartete, bis der Arashi an ihr vorüber war und begann sich im Lager umzusehen. Sie war nicht sehr hoch geklettert und das Knirschen des Schnees unter ihren Füßen, als sie von dem Ast sprang auf welchem sie soeben noch gesessen hatte, verriet deutlich ihre Anwesenheit. „Was willst du hier?“, fragte sie mit lauter, klarer Stimme, ihren Speer fest in den Händen haltend.

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