Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Ausflug ins Lavish Lavender

Im Jahr 1077 leben die Ledvigiani vor allem am Grund des Dhunischen Ozeans. Die schwimmende Stadt Monleone bildet die Schnittstelle zur Welt oberhalb des Meeres.
Die Ledvigiani sind in der eisigen Dunkelheit der Tiefsee sicher vor weniger technisierten Völkern - ganz ohne Mauer. Aber dafür müssen sie sich mit dem Wasserdruck, der Frischluftversorgung und so weiter auseinandersetzen. Die Sicherheit und Versorgung eines Volkes unter Tiefseedingungen stellt hohe technische und logistische Anforderungen. Aber auch die Anatomie der Ledvigiani wurde an das Leben als Teil des Ozeans angepasst.
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Umberto Cantichi
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Ausflug ins Lavish Lavender

#1

Beitrag von Umberto Cantichi » Sa 14. Sep 2019, 14:26

Ausflug ins Lavish Lavender
- Während Umbertos Jugend -

Seltener Besuch zeigte sich in der Mondlagune. Auf der Wasseroberfläche spiegelten sich die Sterne und die beiden Monde so wie die bunten Lichter der nahen Stadt. Die Lichter wurden durcheinandergewirbelt, als ein kleines Tauchboot die Wasseroberfläche durchbrach. Breit und flach zeigte sich die Form, von weitem mochte man es für einen großen Rochen halten. Auf der Oberfläche prangte das Wappen von Ledwick. Da es sich offensichtlich um Staatseigentum handelte und dies ein privater Ausflug war, durfte man annehmen, dass das Verhalten der Besatzung nicht ganz im Einklang mit den Anweisungen stand, denen jedes Mitglied des ledwicker Militärs Folge zu leisten hatte. Das Tauchboot glitt einige Meter durch die Wogen, immer langsamer werdend, ehe es zum Stillstand kam. Das Schott der Ausstiegsöffnung fuhr auseinander. Aus dem Rückenloch des Mantas kletterten seine zwei Besatzungsmitglieder. Während die Luke sich hinter ihnen automatisch verschloss, sprangen sie ins Meer.
Wie schwarze Pfeile schossen die beiden Männer durch die stinkende Brühe. Ihre Körper wirkten menschlich, doch ihre Bewegungen waren jene von Wesen, die eins mit dem Ozean waren. Sie waren zu schnell, zu wendig und tauchten nicht ein einziges Mal auf, um Luft zu hohlen. Das waren keine gewöhnlichen Schwimmer, es waren Ledvigiani. Es dauerte nicht lange, da kletterten die beiden in ihren hautengen Neoprenanzügen über die Hafenmole. Sie trugen weder Neoprenhaube, noch Maske noch Lungenautomat, ihre Köpfe und Hälse waren ungeschützt dem Meerwasser ausgesetzt. Das war keineswegs immer so, aber für einen Ausflug in das verruchteste Vergnügungsviertel der Welt musste man nicht seine beste Ausrüstung anlegen. Sie zogen sich die Schwimmflossen aus, warfen sie am Riemen über die Schulter und suchten sich das erstbeste Taxi, das bereit war, tropfnasse Passagiere zu befördern. An den Füßen trugen sie Schwimmschuhe, die in den Flossen gesteckt hatten, mit denen sich aber auch gut laufen ließ.
Wenig später saßen sie in einem Lokal mit violetter Neonbeleuchtung und scheußlicher Musik aus der Konserve. Umberto blickte sich in einer Weise um, die erkennen ließ, dass er noch nicht wusste, was er davon halten sollte.
»Ist mir die Überraschung gelungen?«, fragte Ambrosio grinsend und signalisierte der Bedienung mit zwei Fingern die Anzahl der gewünschten Gläser. Bier gab es hier nicht, kein Echtes zumindest. Nur eine Chemoplörre, die man so ähnlich nannte.
Umberto lehnte sich zurück und schaute auf die leere Stange. »Das wird sich zeigen, wenn es hier losgeht. Trotzdem aber schon mal danke für die Einladung.«
Ambrosio winkte ab. »Ich sehe doch, dass du Ablenkung brauchst.«
Unter ihren Stühlen bildete sich eine Wasserlache, die von dem Servicepersonal aufgewischt wurde. In ihrer Heimat gab es rutschfeste Böden, die leicht gekrümmt waren, so dass jedes Wasser ganz von allein in die gewünschte Richtung floss. In ihren Neoprenanzügen wurden sie etwas seltsam beäugt, aber wenn man sich im Raum umschaute, gab es hier einige weitaus seltsamere Gestalten.
Die Getränke wurden serviert. Musik und Licht veränderte sich bis hin zum Enervierenden. Umberto verzog das Gesicht, Ambrosio kannte diese Krachmusik schon, die so gar nicht im Einklang mit dem stand, was in ihrer Heimat gehört wurde. Ambrosio drehte sich mit dem Stuhl ein Stück in Richtung seines Kameraden, so dass sie beide einen guten Blick auf die Bühne hatten.
»Dabei hasse ich solche Läden«, meinte Umberto. Die Show hatte noch nicht einmal begonnen und schon beschwerte er sich.
Ambrosio lachte und klatschte ihm auf die nasse Schulter. »Wie kannst du etwas hassen, was du noch gar nicht kennst? Gleich hasst du das Lavish Lavender nicht mehr!«
»Wenn es gut wäre, gäbe es solche Läden auch in Ledvico. Das kann einfach nicht gut sein, das ist was Naridisches. Allein die Musik und diese unpraktischen Böden.«
»Wenn es schlecht wäre, gäbe es solche Läden nicht überall in der Welt, außer bei uns! Warte einfach ab, du riskierst nichts, alles geht auf meine Kosten.«
Umberto erspähte leichtbekleidetes Personal, das an einer Tür im Hintergrund herumlungerte. Sein Gesichtsausdruck blieb skeptisch. »Du weißt aber, dass ich auf Männer stehe, ja?«
»Ach du meine Güte!« Ambrosio schlug sich an die Stirn. »Das hatte ich vollkommen vergessen. Wir müssen sofort wieder gehen.«
»Echt jetzt?«
»Das war Spaß! Umbi! Ich weiß, dass deine Ausbildung kein Pappenstiel ist, darum sind wir ja hier. Jetzt fahr gefälligst mal runter. Hör auf, mein Geld mit Stress zu vergeuden. Entspann dich!«
»Zu Befehl«, lachte Umberto und lehnte sich zurück. Er griff nach seinem Pseudobier und trank einen Schluck. Mit der Zunge leckte er den Schaum aus seinem Dreitagebart. Auch Ambrosio ließ sich sein Getränk schmecken.
Ein durchtrainierter und spärlich bekleideter Mann marschierte unter herumschwenkenden Scheinwerfern in lila, violett und rosa zur Stange und begann seine Kunststücke. Das war kein Amateur, das sah richtig gut aus, fand Ambrosio. Die beiden Ledvigiani unterhielten sich während der Vorführung, während der Mann an der Stange tanzte. Irgendwann stellte Ambrosio fest, dass sein Kamerad ihm nicht mehr antwortete, sondern nach vorn starrte. Na endlich. Jetzt wurde es vielleicht doch noch ein angenehmer Abend. Mit Umberto Spaß zu haben, war gar nicht so einfach. Er war einer der Besten seiner Ausbildungseinheit, was vorbildlich war, doch Ambrosio wollte nicht, dass er seine gesamte Jugend nur mit trainieren und lernen vergeudete. Noch war Umberto jung und hatte keinen Auslandseinsatz erlebt. Dass er danach noch sein Leben genießen konnte, war nicht gesagt. Der ideale Soldat war unerschütterlich, schließlich war es das, wofür er ausgebildet wurde, doch in der Praxis war es oft nur ein Durchhalten und Weitermachen. Zuvor sollte Umberto von der Unbeschwertheit der Jugend gekostet haben. Ambrosio setzte sich bequemer hin und genoss die Darbietung und sogar die schlechte Musik. Ihm gefiel es hier.
Plötzlich stieß Umberto ihn an. »Sag mal, hat der keine Kiemen?«, fragte er und starrte noch intensiver nach vorn.
»Was?«, fragte Ambrosio zurück.
»Er hat keine Kiemen!« Umberto sprang ruckartig auf, dass sein Stuhl nach hinten umfiel. Während er in einer Tasche seines Neoprenanzugs wühlte, stieg er auf das Podest. Ambrosio stand ebenfalls auf. Was machte der Idiot da?! Schon näherten sich mehrere Sicherheitsmänner, doch Umberto stopfte dem Tänzer alles Geld, was er besaß in die Unterhose, sprang wieder herunter und flüchtete hinaus. Weg war er, sogar die Flossen hatte er vergessen.
Ambrosio bezahlte rasch, griff beide Flossenpaare mit einer Hand und eilte ihm hinterher. Er hatte Mühe, seinem Kameraden zu folgen, der einigen Vorsprung hatte. Umberto trampelte zu Fuß die Eisentreppen hinab, rannte über die Stiege der unteren Ebenen, bis er den Abstieg zum Hafen fand. Erst dort konnte Ambrosio ihn einholen und am Arm packen.
»Hey«, rief Ambrosio, »was ist denn auf einmal los?«
»Du perverses Schwein«, brüllte Umberto und schlug die Hand weg. »Dieser Laden verdient sein Geld mit missgebildeten Leuten, mit Behinderten! Und daran ergötzt du dich? Was ist die nächst Stufe, amputierte Gliedmaßen? Du bist doch krank im Kopf!«
»Ahahaha«, lachte Ambrosio und rieb seinen Kopf mit der freien Hand. »Da verstehst du was falsch. Das sind Naridier.«
»Was hat das jetzt damit zu tun, es ist genau so pervers sich an kiemenlosen Naridiern aufzugeilen! Wie wäre es, wenn man dir die Kiemen zunäht? Lachst du dann immer noch?«
Ambrosio machte sich vor unterdrücktem Lachen fast in den Neoprenanzug. Er machte mit der Hand eine beschwichtigende Geste. »Ich wusste nicht, dass du darüber nicht informiert bist. Ich erkläre es dir im Manta«, sagte er möglichst ruhig.

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