Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Schiff und Käptn, der Ozean wartet

Kapitän Silvano de Mancin war der Erste, der mithilfe eines Artefakts die Seele eines Menschen in ein Schiff bannte und dabei sein eigenes Leben gab. Seither ist der ehemalige Leibgardist Boldiszàr Bovier die Seele des Leviathans, der über die Nachfahren von Silvano wacht.
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Mantione de Mancini
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Schiff und Käptn, der Ozean wartet

#1

Beitrag von Mantione de Mancini » Di 19. Mär 2019, 22:23

Schiff und Käptn, der Ozean wartet


Mantione de Mancini
Es war noch gar nicht so lange her, dass Mantione das Licht der Welt erblickt hatte. Das Licht seiner Welt. Seine Welt war ein uraltes Schiff, dessen Technik und Wissen noch älter war, als sich manche vorstellen konnten. So alt, dass selbst dem Schiff daran die Erinnerung fehlte. Nur vage wusste es, wo es geboren worden war. Manti hingegen wusste es ganz genau, in der Hirnkammer des Biomechanoiden, des Schiffes oder kurz gesagt von Boldi. Und Boldi war seine Welt. Ein lebendes Schiff, dass ihn samt der Crew mit allem versorgte, was sie benötigten. Aber er war anders, er war der Käptn, der Mittler zwischen Schiff und Crew und der Keim also das Kind des Schiffes selbst. Für seine kurze Lebensspanne wusste Manti erstaunlich viel. Es war vererbtes Wissen, Wissen dass seine Ahnen angesammelt hatten und welches ihm sein Schiff geschenkt hatte nach der Geburt. Ebenso würde er Wissen ansammeln und sollte er eines Tages vergehen, würde sein Kind sein Wissen erben. Er fürchtete den Tag des Vergehens nicht, solange er in seinem Schiff stattfinden würde und der Kreislauf gewahrt blieb. Generell fürchtete Manti nur eines - die Trennung von Boldiszar. Manti schmatzte, kratzte sich kurz den Kopf und schlug die Augen auf. Er hatte wie üblich zusammengerollt im Pilotensessel geschlafen.

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Hier oder in der Hirnkernkammer schlief er am liebsten, da fühlte er sich Boldi noch näher. Was eigentlich unsinnig war, denn er war stets mental mit dem Schiff verbunden. Jeder fühlte was der andere fühlte und er sprach für es, so wie es zu ihm sprach. Langsam rollte er sich auf die Beine, verließ das Cockpit und betrat durch die Sicherheitsschleuse seinen eigenen privaten Bereich. Ihren privaten Bereich, denn hier ruhte auch die Hirnkammer. Manti trabte in die Küche und schaute sich suchend um. Er nahm sich etwas zu essen und drückte dabei die Hand gegen die Scheibe der Hirnkammer. `Morgen Boldi, wir müssten in der Nähe Ledwicks sein oder? Ist alles in Ordnung? Sind alle wohlauf?´, fragte er das gewaltige Schiff, während er sein Wickelfisch aß.

Boldiszàr
So wie Mantione befand sich auch Boldiszàr im Ruhemodus. Sie teilten nahezu alles, es gab wenig, was sie trennte. Sie waren mehr als nur Schiff und Kapitän, sie waren auch Eltern und Kind, wobei Boldiszàr die Rolle von Vater und Mutter gleichermaßen erfüllte. Sein Körper aus Proteinverbindungen, Metallen und seltenen Elementen hatte Mantione in seinem Inneren heranwachsen lassen und freigegeben, als er herangereift war. Nun wachte und erzog er ihn, so wie er es bei allen vor ihm getan hatte. Und noch viel mehr waren sie füreinander, denn der mächtige Leviathan war der Tempel, den sein Mann Boldiszàrs Seele ihm vor vielen Jahrhunderten geschenkt hatte und Mantione war Silvanos zeitloses Vermächtnis, erschaffen aus seinen Genen und doch nicht der Gleiche, denn jeder einzelne Mancini war auf seine Weise unersetzlich. Den Tod des letzten Kapitäns hatte Boldiszàr noch nicht verkraftet. Er selbst war es, der mit seinem Leib den Tod herbeiführte, den Leib zersetzte und daraus den neuen formte. Die Zeit der Dunkelheit war mehr als nur eine Ruhephase, sie war eine Zeit, in der das Schiff in eine tiefe Depression versank. Es versank wörtlich, denn diese Zeiten verbrachte Boldiszàr seit jeher am tiefsten Punkt des Ozeans, den er noch erreichen konnte und dort lag er, schwieg, trauerte und ließ den neuen Kapitän in seinem Körper heranwachsen. Für die Mannschaft war es ein beklemmendes Gefühl und manch einem erschien der Koloss, der ihr Leben war, in jenen Wochen wie ein stählerner Sarg. Einen Ausweg gab es nicht, nur die Hoffnung auf den neuen Kapitän. Seit einigen Monaten war dies nun Mantione di Mancini. Boldiszàr wachte mit Argusaugen über ihn.
›Morgen, Manti‹, brummte er und wie gewohnt imitierte er die Stimme, die er als Mensch einst gehabt hatte in Mantiones Geist, die tiefe, heisere Stimme eines Kettenrauchers, der in seinem Leben zu viel gesehen hatte. ›Wir befinden uns auf 18° nördlicher Länge und 46° westlicher Breite. Die Lagunen von Ledwick haben hier ihre tiefsten Ausläufer. Hinter uns fällt der Kontinentalschelf in die Tiefe ab. Vor uns hebt sich der Meeresboden langsam an. Möchtest du an Land gehen?‹ In Boldiszàrs mentaler Stimme schwang Sorge mit.

Mantione de Mancini
Manti betrat die Hirnkammer und hockte sich vor den gewaltigen, bernsteinfarbenen Kern. Behutsam lehnte er sich an und dachte einen Augenblick über die Frage von Boldiszar nach. Die Sorge von seinem Vater schob er bei Seite. "Nein, aber schön das wir die Tiefsee hinter uns gelassen haben und uns im Bereich des Schelfs befinden. Ich hatte vor Ledwick anzureisen. Vorräte aufstocken und mir auch einmal das Land selbst anschauen, viel kommt von dort Boldi und mich interessiert es wie es dort aussieht. Sie sind ein Teil von uns und wir von ihnen. Und Du hast bei ihnen gelebt, warst einer von ihnen. Sie leben unter Wasser, im Wasser so wie wir. Das interessiert mich. Du musst keine Angst haben. Irgendwie erwachen die Lebensgeister in einem, wenn man sich dem Schelf nähert und die Neugier. Nun Dir kann ich nichts vormachen, eines Tages werde ich an Land gehen, denn es reizt mich. Aber es macht mir auch Angst, da ich Dich nicht mitnehmen kann mein Großer. Drum finde ich Ledwick eine sehr gute Alternative. Wir sind zusammen, wir sind im Wasser und irgendwie ist es doch Land. Was sagst Du dazu? Ich muss die Einkaufslisten noch durchgehen, Giorgio la Caille wollte mich sprechen. Nun ich denke er wollte zum x-ten Mal schauen wie es mir geht. Also was sagst Du? Reisen wir Ledwick an oder Obenza?´, fragte Manti gut gelaunt. Er mochte die tiefe beruhigende, kratzende Stimme von Boldi. Sie war neben seinen eigenen Gedanken die zweite Stimme in seinem Kopf. Was andere geängstigt hätte, war für ihn Normalität. Aus der Erinnerung heraus wusste er wie Boldiszar einst ausgesehen hatte. Kräftig, kompackt, dunkle Haare und hellblaue Augen, sogar heller noch als seine eigenen. Und er wusste selbstverständlich wie der erste Käptn ausgesehen hatte, der Gefährte von Boldiszar - sein Urvorfahre, der Ehemann von Boldi. Es war gar nicht so lange her, da war Medardo de Mancini sein Vater und Spender und der 12. Käptn gegangen. Boldi trauerte immer noch um ihn und Manti teilte mit ihm den Verlustschmerz. Er überlegte wie er seinen Boldi aufmuntern konnte. `Was hältst Du von Wellenreiten? Wir suchen uns eine schöne Brandung und lassen uns ein bisschen den Bauch kitzeln. Lust?´, fragte er freundlich.

Boldiszàr
›Es kommt darauf an, welchen Teil von Ledwick du meinst. Einen Landteil in dem Sinne hat es nur in Form von Inseln. Einen Festlandbereich gibt es schon seit einiger Zeit nicht mehr. Nur unterseeisch. Die besten Einkaufsmöglichkeiten findest du natürlich in Monleone. Es kommt jedoch darauf an, was du suchst. Das Angebot von Obenza ist ja nun was völlig anderes. Obenza ist ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene mit dem Tod als einkalkuliertem Risiko. Du solltest nicht dort hingehen, wenn du es nicht musst. Monelone hingegen gehört zu den sichersten und friedlichsten Städten von Asamura. Wellenreiten also. Du bist noch jung. Ich zeige dir, was ich kann. Es ist das eine, wenn ich dir die Empfindungen und Bilder übertrage, etwas anderes, es selbst zu erleben. Pass auf.‹ Boldiszàr hörte auf, den Schelf abzuweiden wie eine riesige Seekuh und rülpste ein paar Gasblasen aus. Dann wendete er punktgenau auf der Stelle, wobei er sich um mehrere Achsen drehte, indem er seine zahlreichen flachen Flossen schräg stellte. Seine Maschinen wurden warm, die Kühlelemente rauschten und der Leviathan schoss hinauf in Richtung Wasseroberfläche. Die abgrundschwarze See um ihn herum wurde tintenblau und hellte sich auf zu türkis, bis sie weiß wurde, als sie durch die Oberfläche hinauf ins Licht brachen.

Mantione de Mancini
Manti schloss die Augen und verließ sich rein auf sein Gefühl. Er spürte was sein gewaltiger Leviathan fühlte und das war bombastisch. Obenza klang in der Beschreibung gar nicht so übel, aber die Hintergrundgedanken die dabei von Boldis Seite aus mitschwangen, waren düster, bedrohlich, todesverheißend und das war nichts worauf Manti gerade oder überhaupt Lust verspürte. Monleone klang da schon ganz anders. Aber auch das konnte noch einen Moment warten. Mantione tätschelte den Hirnkern in einer kindlich liebevollen Geste und flitze aus seinem Bereich. Er ließ schneller als man vermuten würde den Kern, seinen Privatbereich und den Außenbereich hinter sich. Vor der Schleuse blieb er stehen und trat ein. Erst als sich der Bereich hinter ihm geschlossen hatte, öffnete sich die Schleuse in den Außenbereich. Durch den Innendruck der herrschte drang zuerst kein Wasser ein, so das Boldi einen Druckausgleich vornehmen musste. Als sich der Schleusenbereich mit Wasser gefüllt hatte, schwamm Mantione nach draußen. Er wartete bis sich Boldi wieder versiegelt hatte, dann schwamm er einen Moment neben dem Giganten, neben dem selbst ein Blauwal wie eine Sprotte gewirkt hätte mit seinen knappen 30 Metern. Manti schwamm vergnügt neben seinem gigantischen Vater, drehte sich einmal um sich selbst um nach oben zu schauen, bevor er auf einer der gewaltigen Brustflossen Platz nahm. Nachdem ihm das auch zu langweilig wurde, schwamm er empor, so dass er oberhalb auf Boldi Platz nehmen konnte. Er wartete ab, bis sie die Wasseroberfläche durchbrachen. Für einen winzigen Moment zögerte er, dann atmete er das erste Mal in seinem Leben "Landluft" oder besser gesagt Oberflächenluft und nicht den Sauerstoff den Boldi für seine Schäfchen herstellte. Die Luft roch seltsam, sie trug Geschmack mit sich und löste Erinnerungen aus, die er nicht zuordnen konnte. Er erinnerte sich, wie sich Sand zwischen den Zehen anfühlte, obwohl er noch nie am Strand spazierengegangen war. Drinnen herrschte vermutlich gerade ein heilloses Durcheinander, da der Käptn ohne Vorwarnung das Schiff verlassen hatte, so dass die Offiziere ihn nicht finden konnte. Aber Boldi würde sie beruhigen, denn er war ja nicht verschwunden, er saß auf Boldis Kopf. Mantione starrte Richtung Festland. Er wusste nicht was er davon halten sollte. Anziehend und abstoßend wirkte der Küstenstreife in weiter Ferne. Er wrang seine blonden Haare aus und starrte in die Ferne. Wind kam auf und ließ ihn frösteln, obwohl er eigentlich niemals fror, dass hatte er von seinen Vorfahren. Aber nass und Wind, war scheinbar keine gute Kombination, wie er feststellte. Trotzdem blieb er hocken wo er wahr und versuchte sich einen Reim auf den Gestank des Landstreifen zu machen. Es roch fremdartig. Über den Geruch und die Erinnerungen nachdenkend, rollte er sich auf Boldiszar zusammen, während er die Küste beobachtete. Oben auf den Wellen und Boldiszar spürte er die Gezeiten, die Tide, Ebbe und Flut, er spürte das Meer auf andere Art. Die Crew bekam nur selten die Auswirkungen des Meeres zu spüren, Kompensatoren sorgten dafür, dass sie die Neigungen des Schiffes nicht wahrnahmen. Ausnahmen bestätigten die Regel, gerieten sie in einen Sturm, gelangten auch die Kompensatoren an ihre Grenzen und auch ein Leviathan wurde durchgeschüttelt. Aber er wusste was er zu tun hatte - unter dem Sturm hinweg tauchen. Er hingegen spürte beständig das Meer, denn das was Boldis Außenhülle wahrnahm fühlte er ebenso. Er fühlte das Meer über seinen Körper streichen, die Strömung, manchen frechen Haftfisch der per Anhalter durch den Ozean mitgenommen wurde und er spürte wenn Boldi Sand verschlang und das mit Genuss. Aber dieses Gefühl hier oben war neu. Die Luft wechselte scheinbar ständig die Temperatur, was im Inneren seiner Welt nicht der Fall war. Fast unbewusst strich seine Hand liebevoll über die Oberfläche des Biomechanoiden. "Eine seltsame Welt, mit seltsamen Gerüchen Boldi. Ich würde sie mir gerne anschauen, aber irgendwie macht sie mir Angst. Jedenfalls noch, vielleicht ist es bald anders, sie ist fremdartig... genau fremdartig ist das passende Wort", sagte Manti. Er legte sich auf den Bauch und ließ sich von Boldi herabrutschen, so das er neben dessen gewaltigen Körper wieder ins Meer klatschte. Das fühlte sich schon wesentlich besser an. Vertraut. Er klammerte sich an eine von Boldis Brustflossen und ließ sich unter Wasser mitziehen, dabei schaute er sich vergnügt den Meeresboden des Schelfmeeres an. Ein normaler Mensch hätte niemals so lange wie er tauchen können, nicht einmal ein Souvagner. Ein Ledvigiani - möglicherweise. Ein Geschenk eines seiner Vorfahren war, dass er teilweise über die Haut Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen konnte. So waren 15 - 20 Minuten kein Problem für ihn, die er spielend tauchen konnte. Manti ließ die gewaltige Brustflosse von Boldiszar los und schwamm zurück zur Luke, dabei strich er mit seinem Körper bewusst an dem des Leviathans entlang. Dunkelbraunes Muster mischte sich mit seinem weiß-blauen. Eine halbe Stunde später trabte er pitschnass wieder in seinen privaten Bereich. Die Crewmitglieder die ihm über den Weg liefen grüßten freundlich und er grüßte ebenso freundlich zurück. Sie waren eine große Familie und er war der tropfnasse Kopf dieser Bande. `Boldi schwimm Monleone an Großer, ich habe mich entschieden. Obenza kann warten und allein werde ich es nicht betreten´, teilte er Boldi mit, während Giorgio kurz neben ihm lief und ihm eine Decke um den Körper schlang. "Auch Sprotten können sich erkälten", schmunzelte la Caille und war mit den Worten wieder verschwunden. "Makrele, aber gleich - Danke", flötete Manti und betrat seinen Privatbereich. `Sehe ich aus wie eine Sprotte?´, lachte er.

Boldiszàr
Die Stelle, wo Mantione sich einrollte, wurde warm unter ihm, dafür sorgte Boldiszàr. Während der winzige Mensch gemeinsam mit dem Giganten schwamm, achtete der Biomechanoid genauestens darauf, ihn nicht zu verletzen. Da er seine Anwesenheit jederzeit spürte, war das kein Problem, dennoch war es kein Spaß, was der junge Mann da wagte. Er war froh, als der wieder sicher in seinem Leib war, wie alle anderen. Boldi gab ein tiefes, zufriedenes Brummen von sich, das die Mannschaft als angenehme Vibration von allen Seiten spürte. Wenn das lebende Schiff glücklich war, wussten es alle, genau wie wenn es trauerte. Sie waren seinen Launen ausgeliefert und doch konnte Boldiszàr ohne sie alle nicht sein. Er konnte existieren und würde überleben, doch sein Inneres wäre tot und leer. Er liebte das Leben, was sich in ihm abspielte und das er schützte. Sie waren ein Dorf, ein Sammelsurium an Gestrandeten und Familien, die seit Generationen hier lebten, eine Arche, eine eigene geschlossene Welt. Das alles stand und fiel mit Boldiszàr und seinem Kapitän. Sie waren gemeinsam das Schiff, nicht nur er. Boldiszàr war das Fleisch und das Herz und der Kapitän war der Geist, der es lenkte und alles zu einem funktionierenden Ganzen fügte. Was ohne den Kapitän geschah, sah man daran, wenn nach dem Tod des einen auf die Geburt des anderen gewartet wurde. ›Eine Sprotte bist du wahrlich noch, das war nicht ungefährlich. Monleone also‹, brummte Boldiszàr und wendete sich erneut. ›Was nun hinter uns liegt, war einst Ledwick, doch ist es nicht mehr. Und dennoch spürt man noch das Echo der Vergangenheit, den Ruf der Strände. Ich habe dort mit Silvano, meinem ersten Kapitän, einige sehr schöne Jahre verbracht. Sie rufen einen, warum das so ist, weiß man nicht, auch wenn die Ledvigiani einige Erklärungsversuche in ihrer Mythologie liefern. Aber du spürst es auch. Du willst dort hin, nicht wahr? Was dich abstößt und dir Angst macht, hat nichts mit Ledwick zu tun, sondern mit dem, was ihnen dort angetan wurde. In den Ruinen hausen heute verwilderte Souvrakasia, gewalttätige GMOs, die ein schreckliches Verbrechen begangen haben. Monleone lag einst genau dort. Jetzt aber liegt es vor uns, im offenen Ozean. Ich nehme Kurs.‹ Noch bevor er zu Ende gesprochen hatte, setzte der Leviathan sich in Bewegung. Er spürte, dass Mantione seinen Wunsch verwirklichte und ihn in diese Richtung entsandte. Erneut empfing sie der tintenblaue Schoß des Dhunik.

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Zwei die sich mal die Flossen vertreten müssen

#2

Beitrag von Mantione de Mancini » So 5. Mai 2019, 23:47

Zwei die sich mal die Flossen vertreten müssen


Mantione de Mancini
Mantione erwachte ausgeruht und erholt im Pilotensessel. So schlief er am liebsten seit dem ersten Tag und daran hatte sich bis jetzt nichts geändert. Mittlerweile war er knapp zwei Monate alt. Nicht ganz dafür fehlten noch genau 12 Tage, stellte Manti fest. Er hob Schnippel seine Riesenkrabbe von seinen Beinen, schlüpfte unter der Decke hervor und stand auf. Seine Zehe konnte er gerade noch vor einem freundlichen Morgengruß seines Haustiers retten, ehe er in Richtung Wohneinheit schlurfte. Gähnend begrüßte er Boldi und schüttete sich etwas von dem Tee ein, den ihn Camille jeden Abend mit besten Grüßen für die Nacht in die Hand drückte. Camille war die Sprecherin der Crew und eine Seele von einem Marian, also einem Menschen der sich ganz und gar der See verschrieben hatte. Jeder des lebenden Schiffes benutzte diese Eigenbezeichnung, da sie sich von dem Landläufern abgrenzen wollten. Sie lebten nicht auf dem Meer, sie lebten im und von dem Meer. Das waren Marians und er war der Kapitän dieses lebenden Schiffes, beseelt mit der Seele von Boldiszar Boucher. Heute wollte Manti das erste Mal an Land gehen. Lange hatte er mit sich gerungen. Als er ganz jung war, gerade ein paar Tage jung, hatte er auf Boldiszars Rücken gesessen und sich das Land angeschaut. Die Luft war kalt, Ebbe und Flut griffen nach ihnen und Gerüche die er nicht kannte hatten Erinnerungen heraufbeschworen, die so alt waren dass sie nur schmerzen konnten. Boldi hatte einst als Mensch an diesem Küstenstreifen gewohnt, nun war er leergefegt worden von verwilderten Souvrakasiern. Die Erinnerung die bei dem Wort hochkam, ließ ihn erschaudern. Schwarz-weiße menschenähnliche Humanoide die das Töten perfektioniert hatten. Ihr Optik glich den eines Orcas und genauso schienen sie zu leben. Sie waren hochgefährlich, sozial und sie sangen gerne. Manti hatte kein Bedürfnis den Chor des Abgrunds kennenzulernen. Die Alternative vom Festland war eine Insel. Inseln waren ein guter Anfang um festen Boden kennenzulernen. Aber er wollte nicht eine Insel besuchen, sondern die Insel - Monleone, die Hauptstadt der Ledvigiani. Seine Vorfahren hatten Ledwick geliebt und sein Stammvater sah in Ledwick seine Wahlheimat, ebenso Boldi. Also wo konnte man besser seinen ersten Landgang starten und sich die Flossen vertreten? Manti schnappte sich eine seiner morgendlichen Fischrollen, schenkte dem Hirnkern von Boldi ein liebevolles Lächeln und machte sich dann auf zum Quartier von Umberto. Umberto war sein erster Offizier, erster Ansprechpartner, Freund, vielleicht ein bisschen mehr wenn er über ihn genau nachdachte und auf keinen Fall sein Modeberater. Manti klopfte und hoffte das Umbi schon wach war. "Umbi ich bins", rief er unnötigerweise und biss von seiner Fischrolle ab.

Umberto Cantichi
Die Frage, ob der erste Offizier schon wach war, war nicht ganz zutreffend, denn er hatte Nachtschicht gehabt. Umberto wollte sich eigentlich gerade noch ein wenig hinsetzen, um ein paar Freundschaftsarmbänder zu knüpfen, da tauchte Mantione auf. Böse war er darüber nicht, ganz im Gegenteil. »Komm rein, aber lass Schnippel draußen, ich habe hier alles voller Garnrollen.« Tatsächlich stand ein liebevoll geflochtenes Körbchen voll bunter Garne auf dem Fußboden, ebenso einige Dosen mit Muschelperlen, die er einflechten wollte. Umberto selbst trug seine türkisfarbene Wohlfühlhose und dazu sein ärmelloses Oberteil in freundlichem rosa-orange, das eine Palmenlandschaft im Sonnenaufgang zeigte.

Mantione de Mancini
Manti trat ein und klopfte auf Schnippels Panzer, so dass die Krabbe stehen blieb wo sie gerade stand. Kurz darauf schloss Mancini die Tür und setzte sich zu Umberto. Er musterte die Garnrollen, die Perlen und die kleinen Kunstwerke die Umbi daraus fertigte. Heute war er wieder hell gekleidet, aber diesmal in türkis was Mantione gefiel. "Du siehst gut aus heute, ich mag die Farbe. Was machst Du da Schönes, ist das Schmuck? Bei dem Garn wäre Schnippel wirklich in Versuchung geraten. Ich wollte heute an Land gehen und ich habe Monleone dafür ausgesucht, wir sind schon unterwegs. Begleitest Du mich an Land?", fragte Manti und nahm Platz. Er hielt Umberto seine Fischrolle hin, damit dieser abbeißen konnte.

Umberto Cantichi
Umberto biss ein Stück von der Fischrolle ab und räumte ein wenig um sich herum auf. Er arbeitete meist auf dem Fußboden, wenn er Armbänder fertigte. »Das Kompliment gebe ich gern zurück, wir sollten mal deinen Kleiderschrank durchforsten, manches davon ist schon recht verblasst. Klar bin ich dabei, wenn wir an Land gehen, allerdings kann man bei Monleone nicht wirklich von Landgang sprechen. Meinst du, ich lass dich allein da herumstiefeln? Was ich hier mache, das sind Freundschaftsarmbänder. Du weißt, ich halte nichts von Alkohol und Rauchstangen, von beidem stinkt man und niemand sollte stinken. Aber wenn man sich unterwegs mal mit jemandem anfreundet, kann man ihm, statt ihm einen auszugeben, ein Freundschaftsband schenken. Das sieht hübsch aus, ist eine dauerhafte Erinnerung und man erinnert sich immer daran, wer es einem schenkte, wenn man es anschaut.« Er betrachtete Mantiones junges Gesicht, das dem seines Vorgängers aufs Haar glich. Nur, dass Mantione optisch sechzig Jahre jünger war als Medardo, der mit 88 Jahren von ihnen gegangen war. Fast ein halbes Jahrhundert hatte Umberto von ihm getrennt und doch hatte er diesen Mann geliebt. Mit Mantiones jungem Gesicht hatte er erfahren, wie Medardo als junger Bursche ausgesehen hatte - und sich prompt erneut in ihn verliebt. Aber Umberto ließ es langsam angehen. Dieser Mann, so jung er auch sein mochte, war der Kapitän, der Hohepriester, der zu der Wesenheit sprach, die mit ihrem gewaltigen Leib ihre Welt bildete. Boldiszàr, der Gott, an den jedes stumme Gebet Zeitvergeudung war, denn er las nur im Herzen des Kapitäns. Und nicht zuletzt war Mantione nicht Medardo. »Wir liegen siebenhundertdreißig Meter vor Monleone, wir sind hier angekommen, als du geschlafen hast. Boldi ruht an der Wasseroberfläche und tankt Sauerstoff, seine Solarkollektoren machen es uns schön warm. Wie immer sorgt er für uns alle. Er wird noch eine Weile ruhen wollen, aber das weißt du am besten. Wir können uns ruhig die Füße vertreten gehen.«

Mantione de Mancini
Mantione schenkte Umberto ein freundliches Lächeln, denn die Idee von den Freundschaftsarmbändern fand er absolut niedlich. Er hielt Umberto einen Arm hin und zwar den linken, von Herzen kommend. "Bekomme ich auch ein Armband?", fragte er gut gelaunt. "Die Idee finde ich ausgesprochen schön, um nicht zu sagen niedlich. Ich rauche nicht und ich trinke nicht. Boldi denkt eben an alles, die Tage werde ich ihn von den Seepocken befreien. Die kleinen lästigen Biester reisen gerne per Anhalter mit um sich die winzigen Bäuche vollzuschlagen. Pack Deine Sachen ordentlich zusammen, dann brechen wir auf. Ledwick war doch Deine Heimat nicht wahr? Ich erinnere mich daran, dass Vater diese Erinnerung hegte, Du stammst aus Ledwick das wusste Medardo. Dann habe ich ja den passenden Reiseführer gewählt, wobei ich sowieso nicht ohne Dich gegangen wäre. Ich hatte sogar überlegt, einmal Obenza anzureisen, aber bei dem was Boldi und meine Vorfahren mit Obenza verbunden haben, werde ich doch noch etwas die Finger davon lassen. Ich werde dennoch zur Sicherheit die Lanze mitnehmen, was meinst Du? Ich freue mich auf unseren Ausflug Umbi, ich werde Dir vielleicht auch ein paar Sachen aussuchen", lachte Manti und hatte dabei schon eine ganz bestimmte Vorstellung von Farben. Farben die Umberto vermutlich strikt ablehnen würde.

Umberto Cantichi Heute, 23:05
Umberto lächelte. »Jetzt bist du mir zuvor gekommen, natürlich war eins davon für dich gedacht. Jeder aus der Mannschaft hat mehrere, weil ich einen ziemlichen Überschuss herstelle. Vielleicht bin ich mal längere Zeit krank und dann habe ich einen Vorrat. Hier, bitte, in aller Freundschaft.« Er band ihm eines der Armbänder um das dünne Handgelenk, eines aus schwarzem Lederband, das mit roten, gelben und grünen Perlen geschmückt war, dazwischen waren drei Porzellanmuscheln eingeflochten.

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»Nimm es mir nicht übel, dass es so dünn und unscheinbar ist, ich weiß ja, dass du eine Abneigung gegen freundliche Farben und schönen Schmuck hast, drum bekommst du nur die abgespeckte Variante. Wenn es nach mir ginge, hätte ich dir das hier geschenkt.« Er zeigte ihm ein Armband, was aus lauter billigen Plastikglücksbringern in kunterbunten Farben zusammengeknotet war.

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»Die Grob-Nobs sind auf solche ganz wild. Lass die Lanze hier, man läuft nicht bewaffnet in der Öffentlichkeit herum, wenn man nicht dem Adel angehört oder Guardiano ist. Monleone ist eine der sichersten Städte von Asamura, nach Meinung der Ledvigiani die sicherste Stadt überhaupt. Innerhalb der Mauern Souvagnes würde man das vermutlich bestreiten, aber lass die mal in ihrem Gefängnis labern. Wir haben den Ozean, der uns schützt. Ob ich aus Ledwick stamme, ist ganz leicht herauszufinden. Fass mir unterhalb der Ohren an den Hals, ganz vorsichtig.«

Mantione de Mancini
Mantione betrachtete sich das Armband, dass ihm Umberto geschenkt hatte und strich mit einem Finger liebevoll darüber. Das andere extrem bunte Armband nahm er ebenfalls an sich und legte es sich um das andere Handgelenk. "Ich bin so frei und frech, mein Geschmack und Dein Geschmack an jeweils einem Handgelenk. Ich vertraue Deinem Wort Umberto, ich lasse die Lanze hier. Na ich hoffe nicht, dass Du überhaupt krank wirst und schon gar nicht für längere Zeit. Das mit dem Ozean hast Du schön gesagt, ja wir leben eingebettet im Meer. Mir ist gleich was in Souvagne erzählt wird, wir machen uns selbst ein Bild von Ledwick", antwortete Manti und berührte Umberto ganz sachte und vorsichtig mit den Fingerspitzen an der beschriebenen Stelle. "Kiemenbögen, Du bist durch und durch Marian. Das gefällt mir. Wie lange kannst Du tauchen Umbi?", fragte Mantione, stand auf und reichte Umberto die Hand um ihn hochzuziehen.

Umberto Cantichi
»Du hast ja doch Geschmack, schick sieht das an dir aus. Dir stehen solche Farben, mehr Mut, Manti.« Umberto schmunzelte verstohlen, als Mantione seine Kiemen betastete. Wenn sie nicht gebraucht wurden, waren sie bei den meisten gesunden Ledvigiani nahezu unsichtbar, da sie gegen das Austrocknen fest verschlossen wurden. Sie öffneten sich erst, wenn das durch den Mund eingeatmete Wasser durch sie hinausgepresst wurde. Er ließ sich auf die Füße ziehen und begleitete Mantione so, wie er war, in farbenfrohen Wohlfühlklamotten und barfuß. Er hängte sich nur eine Strandtasche um, an der zwei lange Bommeln schaukelten, die nach Umbertos Handwerkskunst aussahen. Das Innenfutter war mit einer Schnürung zugezogen, so dass nichts herausfiel. »Ja, ich war Ledvigiano, nun bin ich Marian. Aber körperlich bin ich natürlich immer noch Ledvigiano. Ich kann theoretisch so lange tauchen, wie ich will. Durch die Kiemen kann ich unter Wasser genau so gut atmen wie an Land. Allerdings bin ich kein Fisch, sondern Warmblüter und habe auch keine Speckschicht wie eine Robbe. Darum kühle ich irgendwann aus. In tropischem Wasser könnte ich einige Tage unter der Oberfläche schmollen. Allerdings würden sich dann meine Fingernägel und Haare ablösen und was so lange Zeit in Salzwasser mit der Haut anstellt, kannst du dir vorstellen. Insbesondere für die Schleimhäute ist das nicht angenehm, kannst dich ja mal über das Phänomen Salzzunge informieren. Da löst sich deine Zunge regelrecht auf. Und das passiert auch an anderen Stellen. Drum, so schön wie Tauchen ist, irgendwann muss man wieder aus dem Wasser.«

Mantione de Mancini
"Das hast Du gut erklärt, Danke. Salzwasser kann einiges mit dem Körper anstellen, vor allem darfst Du es niemals trinken. Das ist etwas rudimentären das ich weiß und Dir kann ich nur diesen Rat geben. Trinke es nie, gleich wie durstig Du bist. Davon wirst Du nur noch durstiger, denn Dein Körper kann es nicht verarbeiten und um es auszuscheiden benötigen Deine Nieren Wasser das sie dem Körper entziehen müssen. Es ist eine negative Rechnung Umbi. Du hast Wasser getrunken, aber benötigst für die Verarbeitung mehr als Du getrunken hast. Du vertrocknest also mit jedem Schluck. Deine Kiemen gefallen mir, ich werde sie mir im Wasser einmal genau anschauen. So eine Tasche musst Du mir bitte auch fertigen, damit ich unterwegs etwas mitnehmen kann. Heute benutze ich Deine mit, wenn es Dir Recht ist. Wir machen uns einen schönen Tag und ich freue mich Deine alte Heimat zu sehen. Die Speckschicht von Robben ist besonders dick und gut isolierend, genau wie die von Walen oder von Boldi", lachte Manti und knuffte Umberto. "Boldi versteht das schon, warme Tropengewässer können wir gerne einmal anreisen, da spricht nichts gegen. Ein bisschen Wasserkampf könnten wir beide dann üben", schlug Manti vor und führte sie beide zur Schleuse. Gemeinsam mit Umberto und Schnippel wartete Manti ab, bis sich die Schleuse hinter ihnen schloss und die vor ihnen sich öffnete. Diesmal öffnete sie sich nicht in das Meer, es fand also kein Druckausgleich statt. Diesmal öffnete sie sich in eine für Mantione völlig neue Welt - nach Ledvicco. Manti blieb staunend einen Augenblick in der Schleuse stehen, nahm mit geschlossenen Augen einen Atemzug von der Luft, ehe er breit grinsend Umberto anschaute. "Es riecht nach nach Heimat", sagte er gerührt, nahm Umbertos Hand und betrat Ledwicker Boden.

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Re: Schiff und Käptn, der Ozean wartet

#3

Beitrag von Mantione de Mancini » Di 14. Mai 2019, 00:16

Sein alljährlicher Todestag


Boldiszàr
Das blonde Haar von Mantione und der dunkle Schopf von Umberto wehten im Fahrtwind. Das kleine Motorboot düste davon, zurück blieb das lebende Schiff namens Boldiszàr. Reglos, still. Wie eine glatte, dunkle Insel lag er im Ozean, zu groß, sich der Stadt zu nähern, ohne die kleineren Boote und Taucher in Gefahr zu bringen. Das Meer um Monleone schwirrte regelrecht und nur ein kleiner Teil davon spielte sich an der sichtbaren Oberfläche ab. Wie Fische flitzten die Ledvigiani und ihre Gefährte von hier nach da. So, wie eine Stadt sein sollte, voller Leben. Nur Boldiszàr hatte daran keinen Anteil mehr. Sein Leib war tot, sein neuer Körper fühlte sich heute an wie eine schlecht sitzende Prothese für seine Seele. Als Mantione und Umberto nach Monleone fuhren, fühlte Boldiszàr sich mit einem Mal einsam. Er überlegte, woran das lag, denn schon tausendfach war ein Kapitän ausgestiegen, um an Land zu wandeln, während er zurückbleiben musste. Er sollte das Gefühl kennen. Woran lag es also?
›Manti‹, brummte es wie eine heraufziehende Regenfront in Mantiones Hirn. ›Manti, bitte komm zurück.‹

Mantione de Mancini
Mantione war gerade mit Umberto angelandet und hatte Schnippel aufgehoben, da ihm so ein Trubel unbekannt war. Persönlich unbekannt, seine Vorfahren hatten ihn erlebt. Aber sich an etwas zu erinnern und selbst zu erleben, war zweierlei. Manti drückte seine riesige Krabbe an seine Brust und schaute sich irritiert um, einen Moment später vernahm der den Ruf von Boldiszar in seinen Gedanken. Mantione blieb wie angewurzelt stehen und schloss kurz die Augen. `Ich komme sofort zurück, keine Angst wir sind gleich da´, antwortete er liebevoll, ehe er sich an Umberto wandte. "Wir müssen zurück, Boldi benötigt mich. Er klang sehr traurig, verschieben wir den Ausflug auf ein anders mal Umberto. Ich mach es wieder gut", erklärte Manti und trat mit Umbi umgehend die Heimreise an. Vermutlich war dies der schnellste Ledwickbesuch den sein erster Offizier und bester Freund je erlebt hatte. Kaum zurück bei ihrem Leviathan stiegen sie über die Schleuse ein. Innerhalb des Schiffes spürte Mantione umso deutlicher Boldis Einsamkeit. Das was vor wenigen Augenblicken noch ein vages Gefühl war, war nur eine mentale Wand, die sich aufgebaut hatte. Manti drückte Umberto Schnippel in die Arme. "Sei so gut und pass auf den Kleinen auf. Bis nachher", sagte der Käptn und strich Umberto über die Wange, ehe er im Laufschritt zu seinem persönlichen Bereich eilte und dort umgehend die Hirnkammer betrat. "Ich bin hier", sagte er und legte seine Hand auf das große, bernsteinfarbene Oval.

Boldiszàr
Boldiszàr regte sich, als er Mantione endlich wieder spürte und richtete den Großteil seiner Wahrnehmung ganz auf ihn. ›Heut ist mein Todestag‹, sagte er traurig. ›Ich hatte nicht mehr daran gedacht, aber etwas in mir hat sich trotzdem daran erinnert. Heut ist so ein Tag, wo ich mich frage, wofür so ein ewiges Leben gut ist, wenn Silvano, Davet und Robby nicht mehr da sind, um es mit mir zu teilen. Wenn ich keine Arme habe, um jene, die mir wichtig sind, an mein Herz zu drücken. Nicht einmal ein Herz besitze ich noch. Ich bin da, ich rede und schwimme, aber etwas fehlt, um mich lebendig zu fühlen. Und als ich dich da mit Umberto in die Stadt fahren sah, ist es mich überkommen.‹

Mantione de Mancini
Mantione hockte sich vor den riesigen sonnengelben Kern der in stählernen Armen ruhte und lehnte sich dagegen. Er dachte über Boldis Worte nach, während er den Kern streichelte. `Ich bin Deine Stimme, Deine Augen, Deine Ohren in der Welt dort draußen Boldi und ich bin auch Deine Arme. Und Silvano ist nicht fort, ein Stück von ihm ist immer noch hier. Ein sehr großes Stück sogar, sein Erbe wenn Du so möchtest. Alles was er bewusst wusste weiß ich. Nicht auf die Art, dass meine Wahrnehmung mit seiner verschwimmt. Es ist wie ein Traum Boldi. Stell Dir vor Du hast geschlafen und erinnerst Dich an Deinen Traum. So erinnere ich mich und weiß, diese Erinnerungen sind von Silvano oder Medardo. So trage ich Erinnerungen von zwölf Kapitänen in mir, sie waren andere und doch waren sie... ich. Sie werden und vergehen und nach dem Vergehen von Medardo erwachte ich. Ich weiß also wann Du gestorben bist, ich weiß sogar wie Du einst als Mensch ausgesehen hast, ich erinnere mich an Deine hellblauen Augen, und wie sich Deine Hände auf meinen Hüften anfühlten... diese Erinnerung stammen von Silvano. Ich verstehe Deine Trauer, ich trauere um Dich um alle die vor mir waren Boldi. Und könnte ich es, würde ich Dich mit an Land nehmen. Aber Dich persönlich kann ich nicht mit an Land nehmen, Deine Wahrnehmung schon - sieh Du meine Augen, fühl durch meine Hülle, taste, schmecke, umarme, ganz wie Du magst denn wir sind eins. Nur vorhin hatte ich einen Moment Angst vor dem Land, es war... soviel. Alles war zuviel, zuviel Leute, zuviel Lärm, zuviel Land. Ich war froh das Umberto an meiner Seite stand und das ich Schnippel dabei hatte. Es ist etwas anderes sich an einen Traum zu erinnern, eine Erinnerung zu sehen, als es zu spüren. Wie kann ich Dich aufmuntern? Soll ich Dich zu einem Ort führen, der Dich traurig und glücklich zugleich stimmt?´, bot Mantione innig an.

Boldiszàr
Mantione spürte die Wärme des Kerns, die sich nun verstärkte. Es war kein Herz und doch fing es nun sanft an zu pulsieren und färbte sich in der Mitte etwas Orange wie dunkler Honig. ›Du bist auch meine Zunge, wenn du etwas isst, so schmecke ich das und meine Nase, ich rieche deinen eigenen Duft, der dem von Silvano so ähnlich ist. Aber dennoch ist da immer eine Grenze, denn wir sind eins, aber doch sind wir zwei. Du bist nicht von mir besessen und ich kontrolliere deine Handlungen nicht. Ich bin passiv im Hintergrund, ein Zuschauer, dein persönlicher Gardist, der über dich wacht und stets über deine Schulter schaut, aber doch bei aller Nähe nur Wächter bleibt. Und wie fühlst du dich, Manti? Zu wissen, dass du so bist, wie du geschaffen wurdest, ohne je die Gelegenheit zu haben, ein Leben zu führen wie jeder andere? Führe mich an jeden Ort, den du möchtest, mein Kleiner. Aufzumuntern vermag mich heute wenig, aber ein wenig Ablenkung kann nicht schaden.‹

Mantione de Mancini
Mantione dachte über Boldiszars Worte nach und genoss die Wärme die ihm der Kern schenkte. Dabei übermittelte er ihm einige Koordinaten, damit Boldi den Kurs setzen konnte. `Nein Du zwingst mir nicht Deinen Willen auf. Unser Bund ist kein Besessenheit und kein Zwang Boldi. Unser Bund ist Liebe und Vertrauen. Du bist nicht nur ein Wächter für mich, Du hast mich geboren, angeleitet, mir das Leben und mein Wissen geschenkt. Schau wenn ich an Land gehe, bist Du nur Zuschauer. Ebenso bin ich nur Zuschauer, während Du die Ozeane durchkreuzt. Aber stimmt das? Nein es stimmt nicht Boldi. So wie ich im Meer das Wasser um mich herum spüre, die Strömung, die Kälte, alles was Du empfindst so spürst Du meine Empfindungen ebenso. Gleichgültig wo wir sind. Du siehst das heute nur einseitig und sehr melancholisch, da Du traurig bist Boldi. Das kann Dir niemand verdenken und ich verstehe Dich. Ich fühle mit Dir, denn wir beide sind eins, zwei und dennoch eins. Ich würde ohne Dich sterben Boldi und eines Tages werde ich in Dir sterben und Du wirst mich neu gebären. Anders, um einige Erfahrungen weiser, mit neuem Namen und uraltem Wissen, ich, wir und dennoch wer völlig anderes. Silvanos und Dein Kind. Wie ich mich fühle fragst Du, niedergeschlagen, weil Du traurig bist. Bezogen auf meine Existenz fühle ich Glück, Verbundenheit mit Dir und der Mannschaft. Ich habe nie darüber nachgedacht ein Leben wie jeder andere zu führen Boldi. Welcher andere denn? Ich gehöre hierher, Du bist meine Welt. Wir beide sind die Welt der Marians, wo sollte ich anders sein? Das Schiff und der Käptn, wo sollte der Käptn sein, wenn nicht bei seinem Schiff? Ich weiß von Silvano dass Menschen anders leben. Aber das sind Landläufer und ich bin keiner. Ich bin ein Teil von Dir, genau wie Deine Flossen. Ich werde hier an Bord bleiben, ich werde Dich niemals verlassen. Ich wurde hier geboren, ich werde hier vergehen und das ist nichts was mich ängstigt. Es beruhigt mich, es ist mein Schicksal. Und ich habe vor mein Leben mit vielen schönen Erfahrungen zu füllen und sie mit Dir und der Mannschaft zu teilen. Und so manche Beute zu ergattern. Und ich werde eine Erinnerung aufspüren, die mein Keim stolz machen wird. Oder vielleicht einfach nur glücklich. Wo sollte ich Deiner Meinung nach sein, wenn nicht tief in Deinem Inneren? In Deinem Herzen sozusagen? Weißt Du wo wir sind, schau Dir an wohin ich Dich geführt habe. Du kennst die Planken, das Holz und den Vogel - erinnere Dich. Berühre sie, wenn Du magst. Dort haben wir einst geheiratet´, antwortete Mantione und schloss die Augen um Boldis Wahrnehmung zu sehen. "Da liegt sie, dass Meer hat sie sich zurückgeholt", sagte er leise.
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Boldiszàr
Boldiszàr sank wie ein Fels in die Tiefe. Ein wenig zu schnell, einige Besatzungsmitglieder strauchelten. ›Die Choucas‹, brummte Boldiszàr und breitete all seine breiten Bauchflossen aus wie ein Fallschirmspringer, um sein rasches Sinken abzubremsen. Umberto stolperte und eine Tasse fiel vom Panzer der Krabbe Schnippel, die er darauf abgestellt hatte. Kommentarlos rappelte er sich wieder auf, er hatte es oft genug erlebt, wie Boldiszàr an seinem Todestag in Trauer versank. Der gewaltige Leviathan stabilisierte sich wieder in schwebender Position und sah sich die Choucas ganz von nahem an. Ja, er konnte sehen, auf seine Weise. Mit der breiten, stumpfen Schnauze berührte er sacht das Wrack. Wie unendlich viele Erinnerungen verband er damit und nun ruhte sie hier. ›Wie ist sie hier unten gelandet‹, schnaufte er. ›Ich weiß es und wenn nicht, könnte es deinem Geist entnehmen, aber ich möchte hören, wie du es mir noch einmal erzählst. Wie eine Schlechte-Nacht-Geschichte. Erzähle mir, wie die Choucas versank und ihr Grab auf dem Grund des Dhunico fand.‹ Der Leviathan sank auf den Meeresgrund als wäre dieser ein weiches Bett und eine Wolke stob um ihn auf, ehe sie sich wieder legte.‹

Mantione de Mancini
Manti zog seine Beine überkreuzt vor die Brust, so wie es Silvano früher getan hatte um sich einzumummeln. `Die Choucas war ein glückliches Schiff, so nennt man Schiffe auf denen sich die Mannschaft versteht und Hand in Hand arbeitet. Auf ihr gab es kein Unglück. Als sie vom Stapel lief, kam sie in meine Hand und dort blieb sie bis zum letzten Tag. Sie starb kurz nach Dir. Ich musste sie selbst zur Ruhe betten, denn es durfte mich nichts mehr an diese Welt binden. Er - Tekuro, er hatte die letzten Taue geschlachtet, die mich mit der Welt verbanden, als er Dich aus dem Leben und damit von meiner Seite riss. Ich habe Dir geschworen, dass ich auf Dich aufpassen würde. Und ich schwor Dir, dass ich Dich absichern würde. Alles was ich wollte, alles was ich je gesucht habe, hatte ich in Deinen Armen und auf der Choucas gefunden. Solange sie noch lebte, konnte ich Dir nicht folgen. Ich jagte ihn und ich suchte eine Lösung für Dich. Sie war alt und die Lösung war die eines Ledvicco - ein Schiff. Ein Schiff ist immer die Lösung. Die alten Schriften sprachen von einem Preis, damit Du wieder leben konntest, musste ich sterben. Ich weiß nicht wofür diese Wesen einst geschaffen wurde, ich weiß nur, dass es immer einen Seelenspender geben musste. Ansonsten wäre dieser Körper, Dein Körper eine seelenlose, lebende Hülle. Unbeseeltes Fleisch. Ich konnte nicht gehen, solange ich noch eine Verpflichtung hatte und das war die Choucas. Also fuhr ich mit ihr hinaus und schickte die anderen fort. Sie sollten sie verlassen, das war mein letzter Befehl an Bord. Ich sprengte einen Loch in ihren Rumpf. Es gibt nichts Schlimmeres für einen Käptn, als seinem eigenen Schiff beim Sterben zuzuschauen. Aber ich musste es tun, für sie, für mich und für Dich. Sie war von ihrem ersten bis zu ihrem letzten Tag in meiner Hand. Kein anderer hat sie kommandiert, außer in meiner Vertretung. Und so sank sie hinab auf den Grund, während ich zurück an die Oberfläche schwamm. Befreit und dennoch gebunden an meinen Schwur, Dich zu retten und zu rächen. Gerächt habe ich Dich, aber Tekuro und Bellamy sind nicht gestorben. Es wurde unwichtig, denn ich wurde schwach und müde. Ich musste mich aufsparen, ich durfte nicht bei der Rache sterben. Damit wäre alles verloren gewesen. Also ließ ich die Rache fahren und konzentrierte mich auf die alten Schriften, die Hallen der Metallskelette und ich tat, was die Schriften verlangten. Zum Schluss, als Du geboren warst, stieg ich ihn den Tank. Ich weiß dass er geflutet wurde und ich wusste das es das Letzte war, was ich sehen würde. Also schaute ich nach oben zu Dir. Dorthin, wo ich den Seelenkoppler hineingegeben hatte, der Deine Seele in sich trug. Ich spürte wie ich mich auflöste und das letzte was ich sah war wie Dein Kern anfing zu leben, Du warst zurück... ich konnte gehen. So starb die Choucas und so starb Silvano´, antwortete Manti und drückte einen Kuss auf den Kern.

Boldiszàr
Der riesige Stählerne Leib erzitterte bei dem Gedanken und all den Erinnerungen, als Silvano starb. Noch mehr, als seine Lippen ihn an der Stelle berührten, die nun sein empfindlichstes Organ war. ›Es gab Tage, da nahm ich Silvanos Geschenk als Fluch war. Zu leben, während er nicht mehr ist, ist nicht immer leicht. Er hat alles gegeben, so war er immer. Aber ich wollte nie, dass er das Letzte für mich gibt und das mächtigste Geschenk erweist, was man jemandem machen kann und sein Leben für mich gab. Der Plan war, dass wir zusammen gehen, in Frieden, Hand in Hand, so wie wir auch lebten. Aber Tekuro hat es versaut. Er hatte ein Talent dafür, Dinge zu versauen, ich kannte einige, die davon ein Lied singen könnten. Und doch kann ich ihm nicht nur böse sein. Ich frage mich, ob er als Vampir noch irgendwo da draußen ist, mit meinem Bruder Bellamy oder ob sie sich eines Tages einen Gegner gesucht haben, der zu stark für sie war.‹

Mantione de Mancini
Manti nickte traurig. `Ja ich weiß, Ihr wolltet Euch einen schönen Tag aussuchen und es Euch gemütlich machen. Einen Tag wo Ihr beide gewusst habt, die Zeit ist reif. Und so wie Ihr gelebt habt, so wolltet Ihr auch gehen. Aber als Silvano Dich fand, verbrannt in der Sonne liegend, da wusste er was geschehen war. Und er war dankbar darum, dass Du die Muschel getragen hast. Es bedarf keiner Erwähnung, aber Du hast sie immer getragen und das war Dein Glück oder Unglück, wie Du es heute sehen magst. Ihr durftet nicht gemeinsam gehen, aber dafür hast Du ein neues Leben erhalten und ein bisschen ist er ja noch hier. Wie ist es für Dich, wenn Du mich mit Umberto siehst? Du weißt, dass ich ihn töten muss, wenn ich ihn sehe. Sollte er noch leben, werde ich das ändern. Ich zürne ihm nicht, ich persönlich kenne ihn nicht, aber all meine Vorfahren sagen er muss sterben und dann ist das so. Er hat Dich gebissen, er hat Dich ermordet und verbrannt. Er hat Dich aus Deiner Familie gerissen und er hat auf Deine Werte gespuckt. Du wolltest niemals ein Vampir werden und ewig existieren. Und nun tust Du es doch und ich auch. Aber er wird dafür bezahlen und sein Preis ist das was er Dir nahm, Leben. Ich werde ihn harpunieren´, versprach Manti.

Boldiszàr
Boldiszàr saugte ein wenig Sand ein, obwohl all seine Speicher proppevoll waren. ›Ich muss wachsen, mein Magen ist zu klein. Du müsstest mich mal warten und umbauen lassen, damit mehr reinpasst. Zehn Tonnen sind nicht so viel, wie es sich anhört, wenn man die Dichte von Sand bedenkt.‹ Er rüttelte einmal kurz, damit der Sand sich noch mehr verdichtete, so dass er einen großen Bissen vom Meeresgrund aufnehmen konnte. ›Robby ist kein böser Mensch gewesen. Er hatte nur eine merkwürdige Art, Zuneigung auszudrücken. Ich habe lange dafür gebraucht, ihm beizubringen, dass er jemandem zum Beispiel eine Rauchstange schenken kann, wenn er nett sein will. Es muss keine tote Katze sein und erst recht nicht muss er denjenigen gewaltsam an die Wand knallen. Am Ende war er verzweifelt, da sind seine alten Verhaltensweisen wieder durchgeschlagen. Es war nie seine Absicht, uns zu verletzen, er wollte uns helfen, aber weder Silvano noch ich wollten seine Hilfe. Drum wollte er sie uns aufzwingen. Am Ende hat er uns doch an den Tod verloren, dachte er vermutlich. Du kannst Robby nichts tun, spüre nach, wie ich für ihn fühle. Das kannst du mir nicht antun, falls er überhaupt noch lebt, was ich bezweifle.‹ Boldiszàr kroch lautlos neben das Wrack und schmiegte sich seitlich dagegen, als wäre sie seine kleine Schwester. ›Dich mit Umbi zu sehen, erfüllt mich mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite bin ich eifersüchtig, weil ich weiß, wie du für ihn empfindest und er für dich. Auf der anderen Seite ist er ein guter Mann, der seinen Posten nicht ohne Grund hat. Und ich weiß letztenendes, dass ich nicht dein Partner bin, ganz egal, was ich fühle. Mein Mann war Silvano, für dich aber bin ich dein Schiff.‹

Mantione de Mancini
Manti schmunzelte und klopfte auf Boldis Kern. `Immer noch so hungrig wie seit eh und je. Du könntest auch etwas Muntions verschießen, dann passt wieder Nachschub hinein. Für mich bist Du mein Schiff, sicher das Du das nur für mich warst und nicht auch für Vano? Warum sollte er sonst diese Lösung gesucht haben? Ein Schiff war für in seine Welt und er setzte Dich gleich damit. Betrachtete er Dich neutral, dann warst Du sein Navigator, die Person die ihn durchs Leben leitet und er liebte Dich über alles. Aber dass muss ich Dir nicht verraten. Du fühlst extrem tief für Tekuro, ich werde ihm nichts antun, wenn Du es nicht wünscht. Aber der Gedanke schwingt in meiner Erinnerung immer mit - Zahltag, so heißt die Erinnerung. Zahltag ist, wenn man jemanden für seine Schandtaten aufknüpft. Das weißt Du vermutlich, genauso gut wie ich. Ich werde Dir den Rücken schrubben und nachschauen ob Dich Seepocken zwicken, dann sind wir uns auch nahe von Hülle zu Hülle. Es war schön auf Dir zu sitzen und das Land zu betrachten. Möchtest Du Tekuro suchen? Umberto ist ein guter Mann und ich fühle mich wohl in seiner Nähe. Er hat mir zwei Armbänder geschenkt und er hat einen grauenvollen Modegeschmack, aber er ist mein bester Freund und vielleicht mehr. Wenn la Caille nocheinmal Sprotte zu mir sagt, werde ich ihm heimlich in seinen Kittel alte Sprotten stopfen. Nur Spaß, keine Sorge. Also möchtest Du Bellamy und Tekuro suchen? Erzähl mir etwas über Davet und Dich, über uns. Erzähle mir wie Du erwacht bist, als Du allein warst. Was hast Du getan? Wie hast Du Davet abgeholt? Erzähl es mir´, bat Manti.

Boldiszàr
›Ich war schon zu Lebzeiten Silvanos Schiff?‹ Boldiszàr dachte nach, während er mit seinem gewaltigen Maul auf dem Sand herumkaute. ›wenn du das so sagst, fühlt es sich an, als würdest du recht haben. Er sagte immer, ein Mensch sei sein zu Hause. Und ansonsten war er ja auf der Choucas daheim. So kann es sein, dass er für mich genau so fühlte. Zu Hause und Schiff in einem. Mein kleiner Poet.‹ Mantione spürte, wie er von Liebe durchdrungen wurde und Boldiszàrs Trauer lichtete sich ein wenig. ›Die Seepocken sind überfällig. Dein Vorgänger war am Ende zu alt, als dass er es übernehmen konnte und ein anderer durfte es nicht tun. Ich lasse nur den Kapitän meine Außenhülle pflegen, zumindest wenn es ums bloße Schrubben geht. Das ist immer ein sehr persönlicher Moment. Über Davet möchtest du etwas wissen, über uns drei ...‹ Boldiszàr schnaufte wieder und versank erneut in Düsternis. ›Als ich erwachte, war ich zutiefst verunsichert. Ich verstand nicht, wo ich war, was ich war und warum ich war. Ich wusste nur, dass ich offenbar nicht tot war. Dann spürte ich diesen eisernen Leib, in dem meine Seele sich ausbreitete wie Strom, der die Maschine zum Leben erweckt. Die Maschinen röhrten, Kolben pumpten, Öl floss wie schwarzes Blut durch meine Leitungen. In meiner stählernen Brust spürte ich etwas ähnliches wie mein Herz, tiefe Liebe spürte ich dort, als mein Kern aufleuchtete wie eine Sonne in der Schwärze meiner Seele. Der Leviathan erwachte. Stärker als je zuvor, größer, scheinbar unbesiegbar. In meinem künstlichen Herzen spürte ich Silvano, nicht nur die Erinnerung an ihn, sondern leibhaftig meinen Mann. Er lächelte und während ich zum Leben erwachte, hauchte er seines aus.‹ Eine Welle der Qual rollte durch den massigen Leib, von der Nase bis zu den Flossenspitzen und alle Lichter erloschen. Umberto dachte daran, das rote Notlicht manuell zu aktivieren, so dass die Mannschaft nicht gänzlich in Dunkelheit weilen musste. ›Ich wünschte mir, weinen zu können, doch ich hatte keine Tränendrüsen mehr. Ich lebte, aber mein Mann war soeben von mir gegangen. Ich warf meinen riesigen Körper herum, ungeschickt und grob, versuchte fortzuschwimmen, dem Schmerz davon, doch er war tief in mir drin. Aber da war noch etwas anderes. Während ich meinem Leid freien Lauf ließ, spürte ich, dass in mir ein Kind heranwuchs. In mir, einem gestandenen Kerl. Ich war auf einmal schwanger. Wie auch immer Silvano das angestellt hatte, aber in meinem Kern wuchs unser gemeinsames Kind heran. Nun wusste ich, dass ich mich nicht einfach gehen lassen konnte. Ich musste für das Kleine sorgen. Aber wie sollte ich das tun, ich war nur ein Schiff. So kehrte ich heim nach Riva Verde, wo unser Hausboot vor Anker lag. ›Davet‹, rief ich mit einer Stimme, die durchweg künstlich klang, ein elektrisches Schnarren, ganz anders, als meine alte Raucherstimme. Es dauerte, unser Davet war schon sehr alt. Doch er kam und als ich ihm alles erzählt hatte, nickt er. Ohne eine weitere Frage ging er einfach an Bord. Er half mir, eine Mannschaft auszusuchen, die auf das Kind aufpassen würde. Es wurde zu Davets letzter Lebensaufgabe. Während Silvano das Kind gezeugt hatte und ich es austrug, sorgte er dafür, dass es eine Zukunft hatte. Und das hatte es, er, Luciano, mein erster Kapitän. Nein, mein zweiter, denn Silvano war der Erste gewesen.‹

Mantione de Mancini
Mantione umarmte den Kern und schmiegte sich an ihn, um das überwältigende Gefühl der Liebe das ihn erfüllte zu erwidern. `Du musst total verzweifelt gewesen sein und unendlich allein. Die Stille in Deinem Kopf muss grausam gewesen sein. Niemand der Deine Gedanken erwidert oder Dein Gefühl. Danke für die Offenbarung. Du wirst nie wieder alleine sein Boldi, es war die erste Phase und ich bin froh, dass Du sie gut überstanden hast. Weißt Du, dann ist es nicht nur das Schiff und der Kapitän, sondern auch das erste Mannschaftsmitglied das für die Mannschaft steht. Wir alle kommen nicht ohne einander aus. Aber uns verbindet etwas ganz besonderes. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist ein Kind auszutragen. Wie es sich anfühlt, wenn etwas in einem lebt und einfach nur existiert. Nichts Böses kennt und einfach nur mit seiner Existenz zufrieden ist. Wärme und Wasser, Licht und Glück. Das ist das Erste woran ich mich erinnere, als ich... fühlte. Ich war da und alles war so wie es sein sollte. Und mehr musste ich nicht wissen. Es mag verrückt klingen oder ziemlich banal, aber so waren meine Gedanken. Ich war umgeben von Liebe und das warst Du. Aber für Dich hatte ich noch keinen Begriff. Vielleicht nützt Dir diese Erinnerung etwas. Wie es wohl ist, wenn man sein eigenes Kind sieht oder spürt. Das stelle ich mir sehr schön vor. Aber ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich Kinder haben könnte. Ich meine, ich werde eines haben, das steht fest und was ich dafür zu tun habe ebenso. Aber ich meinte einen Spross. Also ein gezeugtes Kind. Sie sind winzig, so winzig dass man es sich kaum vorstellen kann. Ich bin froh, dass Du Davet abgeholt hast und dass Ihr beiden dies alles hier geschaffen habt. Vano dachte immer viel nach, seine Erinnerungen sind oft ellenlang, verwirrt und sprunghaft. Manchmal denke ich sie ergeben keinen Sinn, aber wenn ich das passende Gefühl habe - wohl das gleiche was er damals fühlte, dann sind sie logisch. Du warst immer ruhig und ausgeglichen, der Fels in der Brandung. Ich werde Deine Seepocken ganz vorsichtig entfernen. Die kleinen Plagegeister sollen Dich nicht ärgern. La Caille und einige andere möchten Deine Haut anpassen, wie die des Grindwals Boldi. Ich mag die Idee, keine Seepocken mehr. Ich kann Dich mit Sand in einer warmen Lagune abscheuern, das ist wie Peeling´, lachte Manti in Boldis Gedanken.

Boldiszàr
›Aber die Seepocken garantieren mir, dass du regelmäßig meine Haut schrubben wirst. Ich habe mich sogar schon an Wracks gerieben, damit schneller neue nachwachsen. Ich liebe das Gefühl, es ist wie eine Massage und erinnert mich sehr daran, wie es war, Silvanos Finger zu spüren.‹ Boldiszàr rülpste, eine Blase stieg aus seinem Maul und ein Sandwölkchen sank hinab. Seine breite Nase stupste die Choucas zärtlich an, ehe er wieder nach oben stieg wie ein zu großer Wal. Hinauf ins Licht wie der Leone di Marino, der Urvater der Ledvigiani, wenn man ihren Legenden glaubte. Umberto schwor Stein und Bein, dass sie wahr waren. ›Und ja, ich würde Robby und Belly gern suchen, die ersten Menschen, die ich Familie nannte.‹ Boldiszàr ließ die Lampen in seinem Leib wieder aufleuchten. Die Trauer war noch nicht vorbei, doch der größte Schmerz war überwunden.

Mantione de Mancini
`An Wracks gerieben um Seepocken zu kriegen... Boldi Boldi´, lachte Manti glücklich, da der Leviathan etwas aus einer düsteren Stimmung hinaufgestiegen war. `Setz kurz auf Schattenschimmer, nur ein Vampir weiß wo man Vampire findet´, grinste er. `Wir suchen Deine erste Familie, so wie wir alles tun Boldi - gemeinsam´, antwortete Matione und rollte sich vor dem Kern zusammen.

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Re: Schiff und Käptn, der Ozean wartet

#4

Beitrag von Mantione de Mancini » Mi 15. Mai 2019, 05:11

Reise nach Carnac


Boldiszàr bewegte sich mit gleichmäßiger Geschwindigkeit nach Norden. Sein Kern glühte regelrecht vor Aufregung wie eine zu heiß gewordene Lampe.
›Wir steuern den Grand Canal an, der den Dhunik mit der Azursee verbindet. Das bringt uns nah an unser Ziel heran, doch dann müssen wir uns einen Weg suchen, denn ich kenne ihn nicht. Die Vampire leben in dem unterirdischen Reich Carnac. Früher trug ihr Land einen anderen Namen und es hausten Zwerge darin, doch das ist lang schon Vergangenheit. Die Zwerge dienten dazu, alles vorzubereiten, wenn man die Vampire fragt und als die Zeit gekommen war, mussten sie weichen. In Carnac selbst war ich noch nie, doch ist mir vom Hörensagen her bekannt, dass das Höhlensystem zum Teil überflutet ist. Carnac soll einen unterirdischen Hafen haben und was würde der nützen ohne Anschluss zur See? Einige der Gänge führen bis in die Azursee, da bin ich sicher und wer weiß, bis wohin sie wirklich reichen. Wir müssen nur den Eingang finden.‹

Mantione de Mancini
Manti begab sich nach ganz vorne in den Leviathan und nahm auf seinem "Thron" den Pilotensitz Platz. Er schaute auf die große runde Anzeige, die seine Sicht auf die ozeanische Welt war. Seine Wahrnehmung war jedoch weit mehr, als nur dieser Blick. Er fühlte was der Leviathan fühlte, von veränderten Strömungsverhältnissen bis hin zu einem per Anhalter mitfahrenden Haftfisch. `Damit hast Du völlig Recht Boldi. Die Azursee hatte einen Zugang zu dem Reich Niewar. So hieß das Reich der Zwerge. Der Zugang lag irgendwo in der Mitte des Binnensees. Laut der Erinnerung von Silvano hatten die Zwerge genau unter der Azursee einen Kristall als Decke für eine ihrer Höhlen. Sie hatten dort eine Kristalldecke, damit sie Licht in ihre Höhle bekamen. Als der Vulkan der Farisin gesprengt wurde, ist wohl genau der Deckel gesprengt worden. Das heißt, wo früher der Kristall war, müsste heute ein Durchgang sein, der die Azursee mit dem Unterreich Carnac verbindet. Ein Teil davon wird unter Wasser stehen und wir könnten die Wege passieren. Wie weit, dass weiß ich nicht. Das wurde glaube ich auch nie erforscht. Keiner meiner Vorfahren hat daran eine Erinnerung. Die einzige Erinnerung von Niewar stammt von Silvano und diesem Kristalldeckel, der der Untergang der Zwerge war. Wir müssten also in der Nähe Deiner ehemaligen Insel tauchen um dort nach dem Zugang zu suchen. Es müsste ein großes, klaffendes Loch sein. Wie groß, kann ich Dir nicht sagen Boldi´, antwortete Mantione.

Boldiszàr
›Ob der Kristall selbst gesprengt wurde, weiß ich nicht, aber wir werden es herausfinden. Die Sprengsätze wurden vom Luftschiff aus in den Vulkan hinein fallen gelassen. In die großere Insel, in Desnoyer Ile, wurde ein regelrechtes Loch hineingefetzt, als der Vulkan in die Luft ging. Das einströmende Wasser verdampfte und sorgte für weitere Dampfexplosionen, es war eine unterirdische Kettenreaktion, die ihresgleichen sucht. Hätte ich noch einen Schwanz, würde ich jetzt einen Ständer bekommen bei dem Gedanken daran.‹ Boldiszàr änderte die Richtung, um eine Strömung zu nutzen. Unaufhörlich schwamm der Leviathan nun nach Westen. ›Wir erreichen nun souvagnische Hoheitsgewässer. Wir werden vermutlich jeden Moment kontaktiert. Hoffentlich lassen die uns ohne Ärger passieren.‹

Mantione de Mancini
`Es scheint eine gewaltige Explosion gewesen zu sein, Deine Erinnerung deckt sich mit Silvanos. Es war pure Zerstörung, sie löschte die Farisin und die Zwerge aus. Bei den Farisin wurde nachgearbeitet, bei den Zwergen hat sich das Wasser die Opfer geholt. Wird Souvagne die Hoheit des Meeres achten, also werden sie uns passieren lassen? Schiffe auf der Durchreise sind normalerweise durchzuwinken. Ich hoffe dass gilt auch für den Fall, wenn man Abtauchen möchte. Also nicht weiterzieht, sondern tiefer zieht. Hast Du damit Erfahrung? Die Seemeilengrenze der Staaten von 12 Seemeilen ist zu achten, Ausnahmen werden auf der Karte verzeichnet. Schiffe neutraler Staaten dürfen souvagnische Hoheitsgewässer passieren nach einer Kontrolle. Ein U-Boot können sie kaum kontrollieren, es sei denn sie schicken ein eigenes. Aber wir gelten doch als eigener Staat oder nicht? Ich sehe das so´, erklärte Manti und wartete ab ob sie gerufen wurden.

Souvagnische Marine:
Der Ruf ließ nicht lange auf sich warten. "Unbekanntes Tauchschiff, Sie befinden sich in souvagnischen Gewässern. Identifizieren Sie sich. Benennen Sie Ihren Namen, Ihr Land und Ihr Begehr. Ohne Identifikation werden Sie als Feind eingestuft", kam die Übertragung herein.

Boldiszàr
Boldiszàr stieg langsam auf, so dass sein Rücken mit der Luke über Wasser kam. ›Eine beschissene Frequenz, von der krieg ich immer Bugschmerzen. Ich bin aufgetaucht, falls du aussteigen und irgendwas unterschreiben musst.‹ Boldiszàr veränderte nun ebenfalls seine Frequenz und die souvagnische Marine empfing seine schnarrende elektrische Stimme, die an die eines Roboters zu Beginn der Droidentechnologie erinnerte. »Wir haben kein Land, wir sind ein eigener Staat. Man nennt uns Marians. Mein Name ist Boldiszàr Bovier und ich bitte darum, den Kanal passieren zu dürfen.« Er überlegte. »Ich glaube, ich habe sogar noch die souvagnische Staatsbürgerschaft inne. Schauen Sie mal in Ihrer Datenbank nach.«

Souvagnische Marine:
"Sie sprechen mit Offizier Gradasso Labelle, ich werde Ihre Eingaben überprüfen. Marians? Gitan der Meere? Solange Ihr die Passagegebühr und die Hafengebühr entrichtet, soll es uns Recht sein. Einen Augenblick bitte", erklang es aus dem Funk, während dann auf eine grauenvolle Melodie umgeschaltet wurde, die sich einem die Zehnägel hochrollen ließ. Die Meldoie endete disharmonisch als der Offizier zurück in den Funk kam. "Boldiszar Boucher, geführt auch als Chevalier Boldiszar Bovier, Chevalier Boldiszar Bovier de Mancini-Desnoyer, Ihr seid hier vermerkt mit Geburtsjahr 164 nach der Asche! Demzufolge wärt Ihr heute 913 Jahre alt! Ein Todesdatum wurde nicht registriert. Untote lassen wir hier nur mit Ausnahmegenehmigung anladen. Erklärt Euch", sagte der Offizier.

Boldiszàr
»Genau, Chevalier Boldiszar Bovier de Mancini-Desnoyer ist mein voller Name!«, rief der Leviathan erfreut. »Nehmen sie nur Karte oder auch Bargeld? Gibt es in Souvagne noch so was? Ich bin ewig nicht hiergewesen. Aber wenn ich ein Landsmann bin, warum soll ich Hafengebür und das alles bezahlen?«

Souvagnische Marine:
"Weil sie vermutlich mit einem Schiff anreisen, dass einen Liegeplatz im Hafen benötigt und damit einen Stellplatz in Anspruch nimmt, der Geld kostet. Ja wir nehmen Bargeld, solange es Taler sind oder eben Taler-Cards, solange sie in Souvagne gültig ist. Sollten Sie aber persönlich durch die Meere schwimmen mit einer Funkantenne auf dem Kopf, kostet Sie das keine Liegegebühr", antwortete der Offizier und Boldi und Manti hörten die Kollegen im Hintergrund kichern.

Boldiszàr
»Ich bin das Schiff«, grollte Boldiszàr erbost. »Leibhaftig!« Er hob seinen breiten Schädel aus dem Wasser und öffnete das Maul, um mit Meerwasser zu gurgeln.

Souvagnische Marine:
"Sie sind ein Biomechanoid? Moment ich muss fragen, wie sie gewertet werden, als Schiff oder als Person. Wir hatten hier noch nie einen Biomechanoiden im Hafen", antwortete Labelle und wieder musste Boldiszar gemeinsam mit Manti die Wartemusik erdulden. Einen Augenblick später wurde die Musik unterbrochen und sie hatten wieder den Offizier in der Leitung. "Sie dürfen kostenfrei passieren, sie werden als synthetische Person gewertet. Gute Reise und stets eine Handbreit Wasser unter dem Bauch", kam die Antwort.

Boldiszàr
»Genau, ein Biomechanoid. Ich hatte das Wort vergessen. Können Sie gleich mal einen Vermerk da in ihre Datenbank machen, vermutlich werde ich auf dem Rückweg noch einmal hier vorbeikommen. Schönen Tag noch.« Der Leviathan schob sich in Richtung des Grand Canal. Er summte leise vor sich hin, um die Wartemelodie aus seinem Schaltkreis zu vertreiben, die dort weiter zu duldeln schien. Wie mehrere hintereinanderliegende Rückenflossen hoben sich nun die Solarkollektoren aus seiner Hülle, die sich sogleich nach der Sonne ausrichteten. Er spendierte seiner Mannschaft eine Erhöhung der Innenraumtemperatur um zwei Grad, da sie nun eine Weile im Sonnenlicht schwimmen würden, ohne in die Kälte der Tiefsee abzutauchen.

Mantione de Mancini
Manti führte Boldiszar vor die Schleuse. Es dauerte einen Moment, dann öffnete sich die Fahrtrinne für und sie konnten in die Schleusen einfahren. Mantione ließ Boldi auftauchen und aufschwimmen, damit sie die Schleusenfahrt besser kontrollieren konnten. Die Schleusenkammer war eng aber Manti und Boldi waren ganz andere Manöver gewöhnt und jeder gute Kapitän konnte eine Schleuse passieren. Die Schleuse schloss sich hinter dem Leviathan und die Kammer wurde geflutet. Es dauerte gut 20 Minuten, bis sie auf die Höhe der Azursee geschleust waren. Vor ihnen öffnete sich die Schleuse und die konnten in die Azursee einfahren. Mantione schaute sich die Umgebung an und blickte über die Weite. Die Insel hatte einst Boldiszar gehört, oder sie gehörte ihm heute immer noch. Als sie ganz die Schleuse verlassen hatten, fuhren sie ein Stückchen weiter, dann ließ Manti Boldiszar abtauchen. `Deine Insel und die von Vano, auf dem Rückweg könnten wir dort anlanden. Was meinst Du dazu? Lass uns nach dem Zugang zu Carnac suchen. Und sobald wir den Eingang gefunden haben, scann den Eingang, damit Du auch wirklich durchpasst. Falls wir uns festfahren, haben wir ein Problem. Werden die Wege zu eng, fahren wir rückwärts wieder raus hörst Du? Geh kein unnötiges Risiko ein´, bat Manti.

Boldiszàr
Bis sie die Azursee endlich erreichten, gingen einige Stunden ins Land, doch Boldiszàr verspürte keine Erschöpfung. So lange er genug Kraftstoff hatte und alles intakt war, konnte er fahren. Er spürte, wie ein Teil der Mannschaft in ihm sich schlafen legte und ein anderer Teil aufwachte, um seinen Dienst anzutreten. Er spürte die nackten Füße von Camille, die einen Tee für Mantione vorbereitete und ihn ihm brachte. Er spürte die leichten Vibrationen, als Umberto, an die Wand gedreht, schnarchte. Das Leben in ihm zu spüren gefiel Boldiszàr und lenkte ihn ab von der Angst, Tekuro und Bellamy nicht mehr zu finden. Es waren viele Jahrhunderte vergangen, fast ein Jahrtausend. Auch ein Vampir war nur theoretisch unsterblich, die meisten wurden irgendwann von den Bütteln erledigt oder von anderen Vampiren, in deren Revier sie gewildert hatten. Der Kanal weitete sich und sie erreichten die Azursee. Boldiszàr nahm nicht den direkten Weg, sondern folgte dem Küstenverlauf, stets an der Oberfläche bleibend, um die Dörfer und Städte zu sehen, so weit die Deichanlage das zuließ. ›Mancini‹ brummte er. ›Heimatstadt von Silvano und unseren Vorfahren. Komm raus, Manti, und sieh sie dir an.‹

Mantione de Mancini
Mantione folgte dem Aufruf von Boldi. Er verließ das Cockpit und seinen privaten Bereich und betrat die Schleuse von Boldi. Er schwamm nach draußen, als es endlich soweit war und hockte sich auf eine der riesigen Brustflossen. Seine Hand ruhte auf Boldis Körper, während er sich Souvagne und die Inseln anschaute. Die alte Heimat. Die Azursee, das war die See welche das salzige Zuhause von Silvano gewesen war. Er kannte sie wie seine Westentasche. Mantione nahm einen Schluck von dem Wasser, obwohl er genau wusste, dass man Seewasser niemals trinken durfte. Es war nur ein kleiner Schluck, er wollte wissen wie die Azursee schmeckte. Salziger als das offene Meer, stellte er fest und zog die Nase kurz kraus. Er rutschte auf der großen Flosse noch näher an Boldiszars Körper heran. "Hier hat die Choucas gedient, hier hat sie patrouliert. In Mancini hat sie gelegen als Du und Vano Euch das erste Mal geliebt habt. Tausende Erinnerung habe ich an die Azursee und heute sehe und spüre ich sie zum ersten Mal. Hier starb Vano fast zweimal, hier wurde er wiedergeboren. Und hier starb Davet fast und die Rakshaner fischten ihn aus dem Wasser. Hier verlor Vano fast die Choucas, als er Prince Ciel die Stirn bot beim zweiten Angriff auf die Farisin. Er wollte ihn über Bord werfen, weißt Du das? Aber er konnte es nicht. Mancini, das war sein Zuhause, von dort stammte er und dort wurde er auch aufgenommen. Es war dumm sich dafür zu schämen, denn er konnte nichts dafür was man Euch angetan hat als Kinder. Du nicht und er ebensowenig. Es freut mich die alte Heimat zu sehen. Und die Mauer ist gigantisch, ich hab sie mir anders vorgestellt, aber sie übersteigt meine Vorstellung bei weitem. Ich kannte sie nur aus den Erinnerungen und ich kannte die Hafenanlage. Aber sie ist was anders. Sie ist das Wahrzeichen Eurer alten Heimat. Hab keine Angst, wir werden die beiden finden, oder ihre Geschichte. Etwas wird von ihnen übrig sein und wenn es nur Erzählungen sind. Aber soweit ich weiß, war Tekuro aus hartem Holz geschnitzt", gab Manti zurück und kletterte auf Boldiszars Rücken. Er zückte sein Messer und entfernte einige der Seepocken, wo er schon einmal oben auf ihm hockte. "Nach Carnac fahre die Inseln an, dort werde ich mit Umberto an Land gehen. Aber jetzt müssen wir Tekuro suchen", sagte Manti und ließ sich von Boldiszar Rücken zurück ins Wasser rutschten. Er schwamm zurück zur Luke und stieg wieder in den Leviathan. Tropfnass lief er Richtung Cockpit und bekam wie üblicherweise von la Caille eine Decke umgelegt. Beide grinsten sich kurz an, ehe Manti in seinem privaten Bereich und im Cockpit verschwand. Manti setzte sich zurück in den Pilotensessel und trocknete sich die Haare ab. "Tauch ab und such den Zugang Boldi. Und Danke für die schöne Aussicht. Warst Du glücklich hier in Souvagne? Hast Du gerne hier gelebt?", fragte Manti und strich über die Steuerkonsole.

Boldiszàr
›Streichel mich noch ein bisschen‹, bat Boldiszàr, während er wieder Fahrt aufnahm. ›natürlich habe ich gern hier gelebt. Es ist ein wunderbares Land und ich war Leibgardist der Krone. Nicht wegen dem guten Geld und der Frauen, sondern aus tiefer Überzeugung habe ich die Krone und damit das Land geschützt. Souvagne kann härter sein als Stahl und Stein, aber es hat ein Herz voller Güte, für jene, die sie verdienen. Schau, als ich im Heim lebte, da hatte ich nichts als eine kleine Kiste. Dort haben all meine Habseligkeiten hineingepasst. Nur das Wertvollste von allen nicht, mein Bruder Robby, den später alle Tekuro nannten. Doch aus diesem materiellen Nichts habe ich mich hochgearbeitet durch ehrliche, harte Arbeit und vor allem Beharrlichkeit. Nicht von heute auf morgen, es hat lange gedauert, viele Jahre, aber meine Mühen haben sich ausgezahlt. Aus dem Nichts wurde ein Leibgardist, ich lernte die Familie de Souvagne kennen und lieben, aber sag denen das bloß nicht, wenn du mal einen von ihnen triffst. Besonders Prince Ciel, den kleinen Prince. Obgleich manchmal eine Giftspritze, war er doch so oft so hilflos wie ein kleiner Junge, als er mit 15 an die Front musste zwischen diesen ganzen Kerlen, die dort als Soldaten arbeiteten. Das war nicht die feine Gesellschaft, die er gewohnt war. Er tat mir so leid und ich gab mein Bestes, für ihn da zu sein, wenn er Hilfe benötigte. Mein anderer Bruder, Bellamy, der auch dort diente, sah das anders, er hat Prince Ciel gehasst wie eine Sackratte. Mit meinem treuen Dienst habe ich versucht, etwas zurückzugeben von dem guten Leben, was mir die Familie ermöglichte. Sogar meinen Robby haben sie mir zurückgegeben, das wertvollste Geschenk, was sie mir je machten, noch wertvoller als meine Noblitierung. Und darum wollte ich nie ein Vampir werden, es hat sich angefühlt wie Verrat an Souvagne.‹ Er bemerkte das Grinsen, was sich Mantione und la Caille zuwarfen. ›Ohoooo‹, brummte er amüsiert. ›Wenn das Schnarchnase Umbi sieht.‹ die Desnoyer Iles lagen vor ihnen und Boldiszàr umkreiste sie, bis er den Zugang zum Kratersee fand. Ein blaues Loch, viel dunkler als der Rest der Azursee und in der Mitte verlor es sich in lichtloser Schwärze. ›Also dann, wir tauchen!‹ und die Nase des Leviathans neigte sich, es ging steil und schnell hinab.

Mantione de Mancini
Manti kraulte Boldi noch etwas, während er erzählte und dann tauchte. "Das Grinsen hat nicht zu bedeuten. Außer dass La Caille sich das "Sprotte" verkniffen hat und ich genau das weiß. Warum auch immer er mich Sprotte nennt. Das klingt wundervoll und nach einem schönen Zuhause, jedenfalls für Land. Ihr wart eine Gemeinschaft, so wie wir es sind. An Deinen Bruder erinnere ich mich, er hatte so hellblaue Augen wie Du. Die von Tekuro waren brauch und schmal. Prince Ciel meinte es gut, aber damit ist er oft über die Stränge geschlagen. Das war Vanos Meinung von ihm, wobei er ihn sehr mochte. Ja sogar achtete, drum flog er auch nicht über Bord. Er wollte Ciel von dem Unüberzeugbaren überzeugen, sprich er wollte seine Erlaubnis. Es freut mich, dass Du nach all dem was Du als Kind durchmachen musstest, Tekuro wiedergefunden hat. Aber umso schlimmer finde ich seinen Verrat. Nun möglicherweise sieht er es nicht einmal als Verrat, denn er wollte Dich behalten. Aber ob Du bleibst und wie, das ist Deine Wahl. Letztendlich hat nicht einmal Vano Deine Wahl beachten, er schenkte Dir dieses Leben. Ob Du das Geschenk wolltest, danach konnte er Dich nicht fragen. Vermutlich hättest Du es damals abgelehnt, heute hoffentlich nicht mehr. Soldaten sind nun einmal genauso hart drauf wie sie sein müssen Boldi. Das weißt Du besser als jeder andere und für Prince Ciel war es eine harte aber gute Schule. Im Nachhinein haben sich Ciel und Bellamy doch verstanden. Sie wurden sogar Freunde. Mit 15 Jahren an die Front, da war er noch jung, wobei ich bin ja noch jünger. Meinst Du Umbi wäre eifersüchtig, wegen der Decke und dem Gegrinse?", fragte Manti und konzentrierte sich dann auf die Öffnung in die Boldi hineintauchte. "Scheint groß genug zu sein. Niewar musste einen großen Durchmesser gehabt haben, was diese Höhle anging, fahr vorsichtig weiter. Halt Dich von hier aus nördlich, dort liegt Schattenschimmer. Die Höhlen müssten uns so nach Carnac führen", sagte Manti und legte sich die Decke um die Schultern.

Boldiszàr
Boldiszàr folgte dem Willen seines Kapitäns. Er konzentrierte alle Sensoren darauf, ob er genügend Platz zu allen Seiten hatte, den Rest überließ er Mantione. ›und Silvano wollte Ciel wirklich über Bord schmeißen? Das war mir neu. Rückblickend ist das amüsant, aber damals fand ich seine extremen Stimmungschwankungen überhaupt nicht witzig. Du hast ganz recht, ich hätte die Unsterblichkeit auch aus den Händen von Silvano abgelehnt. Aber er hatte es geschickt eingefädelt, denn wie ich erwachte, spürte ich nicht nur seinen Tod, sondern auch, wie Luciano in mir heranreifte. Unser Kind, Silvanos Erbe. Ich konnte mich nicht gehen lassen oder das Geschenk ablehnen, denn nun hing nicht nur mein Überleben davon ab, sondern auch das von Luciano und später kamen noch Davet und die Mannschaft hinzu. Ja, Bellamy hatte wunderschöne blaue Augen. Er war mir ein guter Freund, bevor ich erfuhr, dass er mein leiblicher Bruder war. Wir haben uns nie gestritten, obgleich wir so unterschiedlich waren, weder dienstlich noch privat. Ich vermisse ihn, Manti, ich wünsche mir so sehr, dass er und Robby noch irgendwo ihr Unwesen treiben.‹ Boldiszàr zögerte, als es etwas eng wurde. Es war nun stockfinster und er musste sich allein auf das Sonar verlassen. ›Meinst du, wir können hier weiter?‹ Er zeigte mit der Nase in die Richtung, die Mantione ihm vorgegeben hatte. ›Umbi war bei Medardo nicht eifersüchtig, aber der war auch fünzig Jahre älter als er. Nun ist er der alte Sack und du bist so ein Jungspund. Er mag dich ziemlich.‹

Mantione de Mancini
Mantione ließ seine Hand auf der Steuerkonsole ruhen und konzentrierte sich auf die Wahrnehmung von Boldi. `Fahr Schrittgeschwindigkeit, ganz sanft, sobald Dich die Wande am Kopf berühren sollten, setz zurück. Ansonsten fahren wir weiter. Ja Vano wollte Prince Ciel nur wässern, nicht umbringen oder so. Ihm ein Bad verpassen, wenn das Dir einen besseren Eindruck verschafft. Vano hat das Gleiche getan, was Tekuro tat - er hat Dich gegen Deinen Willen gerettet. Schon verrückt oder? Nein wenn man nicht mehr allein ist, darf man sein Leben nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Und auch so darf man das nicht. Na so alt ist Umbi aber auch nicht Boldi. Er mag mich ziemlich? Ich mag ihn auch ziemlich, drum meine Frage wie Du ihn siehst. Wo wir gerade von Umbi reden, soll ich unseren ersten vorschicken? Er könnte vortauchen, aber das gibt uns keinen Aufschluss darüber ob Du dadurch passt. Ich vermute bis jetzt einfach einmal ja. Denn die Zwerge, so klein sie auch gewesen sein mögen, hatten ja auch einiges zu transportieren. Und ihre Höhlen beherbergten doch Städte. Mach ganz langsam, aber wie gesagt, fahr Dich bloß nicht fest. Spüre ob über Dir irgendwo ein Hohlraum ist, wo wir auftauchen könnten. Dort könnte eine unterirdische Stadt am Wasser gebaut sein´, schlug Mantione vor.

Boldiszàr
›Horch mal, das hört sich an wie ein Echo. Ich denke, wir nähern uns einem Hohlraum. Wir kommen gut voran. Wenn unter uns Hinternisse sind, könnte ich sie wegblasen, oder was meinst du? Mit dem geschmolzenen Sand? Dann kann uns nicht aus Versehen was auf den Kopf fallen.‹ ganz vorsichtig schob der Leviathan seinen gewaltigen Leib durch die vollkommene Schwärze. Mantione hatte Recht, hier war erstaunlich viel Platz, von einigen Engstellen abgesehen. Fast so, als hätte hier bereits jemand für Ordnung gesorgt. ›klar mag Umbi dich. Er umschleicht dich, ist noch etwas zurückhaltend, aber du merkst doch, wie er rumgockelt. Die Föhnwelle sitzt jeden Tag perfekt, genau wie sein Wochenbart. Er schnippelt und zupft da jeden Tag dran herum, damit er auch wirklich schick aussieht. Das macht er nicht für die Mannschaft, das macht er für dich. Wenn Silvano Prince Ciel von der Choucas geworfen hätte, hätte das für den Kleinen Prince übel ausgehen können, die Choucas war verdammt hoch. Er und seine Scherze. Bleib du mir so lieb, wie du bist, ja? Humor ist was Grauenhaftes.‹

Mantione de Mancini
Manti grinste bei dem letzten Satz. `Nun den Humor habe ich vermutlich von Vano und all meinen Vorfahren, nur kam ich noch nicht dazu ihn zu testen. Kleiner Spaß. Wenn Du die Plasmakanone einsetzt kann uns nichts passieren. Du würdest das störende Gestein zur Seite ballern und veröden, also verglühen. Es wäre wie geschmolzen, denn das was Du abfeuerst ist geschmolzenes Gestein. Aber sobald Du feststeckst, haben wir ein Problem. Du kannst nur nach vorne feuern. Das nützt Dir nichts mehr, wenn Du fixiert bist. Also schön aufpassen. Ja ich fühle es, wir nähern uns etwas dass wir ergründen müssen. Umbi hübscht sich so für mich auf? Das geht runter wie Öl, dass freut mich. Und ich sehe immer aus wie ein Schluff, na was er dazu wohl sagt. Ja seine Haare sind wirklich der Hammer, immer perfekt. Meine machen was sie wollen und stehlen sich aus der Flechtung. Sowas musst Du mir sagen, Du musst die Freude mit mir teilen. Humor ist nicht grauenhaft Boldi. Ja die Choucas war hoch und der Sturz ins Wasser hätte Ciel bestimmt nicht milder gestimmt, sondern verdammt wütend gemacht. Meine Vermutung, Vano hatte überlegt ob das sein Temperament abkühlt. Aber er hatte Angst dass Ciel nachher von einem Hai gefressen wird oder sowas´, lachte Mantione und konzentrierte sich wieder auf die Fahrt. `Versuche aufzutauchen wo Du das Echo vernimmst Großer´, bat Manti.

Boldiszàr
Boldiszàr folgte Mantiones Kommando und stieg auf. Tatsächlich stieß seine Nase in eine Luftblase von gewaltiger Größe. Aber er ließ nur ein winziges Stück hinausgucken. Als er sich umschaute, stellte er fest, dass lauter Häuser hier standen und sie waren obendrein bewohnt. Fledermäuse huschten in Schwärmen von hier nach da, die alle gleichzeitig die Richtung wechselten. Und im Hintergrund, war das eine weiße Burg? ›Wie sieht`s denn hier aus‹, murrte Boldiszàr. ›Klein-Arashima? Guck dir die Hausdächer an, die Spitzen sind alle nach oben gebogen wie bei den Schlitzaugen.‹

Mantione de Mancini
Manti grinste zufrieden, er hatte mit seiner Einschätzung Recht gehabt. `Ich hatte Recht, das freut mich. Wir müssten hier an Land gehen um uns nach Tekuro durchzufragen oder Du schwimmst bis vorne hin und verlangst lautstark nach ihm. Was sicherer sein dürfte. Nur zu Großer´, bat Manti aufgeregt.

Boldiszàr Heute, 01:09
›die Burg hat nicht mal ein Dach, sieh dir das an! Es sieht aus, als wäre sie oben in die Decke hineingewachsen.‹ Boldiszàr legte seinen Kopf auf dem Ufer ab. Er stellte fest, dass er nicht das einzige Schiff war, rechts und links von ihm lagen mehrere Tauchboote vor Anker. Einige davon sahen durchaus kampftauglich aus.‹ Boldiszàrs Kern pulsierte, er flimmerte regelrecht, wie ein Herz, kurz bevor es endgültig zu schlagen aufhört. ›Mach du das, Manti, ich kann das nicht. Was, wenn sie tot sind? Ich ertrage das nicht, lass uns einfach wieder umkehren.‹ Er tauchte wieder ab.

Mantione de Mancini
`Boldi! Bleib jetzt oben! Natürlich mache ich das für Dich, aber ich benötige Dich oben. Hab keine Angst, ich bin doch hier´, erklärte Manti und griff auf die Comanlage zu. Als Boldi wieder aufgetaucht war, sprach er für den Leviathan, so wie er es sonst auch tat. "GRÜSSE! ES GRÜSST DAS MARIAN SCHIFF BOLDISZAR - WIR SUCHEN TEKURO CHUD UND BELLAMY BOURGEOIS, IST JEMAND HIER DER UNS AUSKUNFT ERTEILEN KÖNNTE?", fragte Mantione mit elektronisch extrem verstärkter Stimme. Jeder dürfte sie in der Höhle vernommen haben.

Boldiszàr
Während Boldiszàr wieder auftauchte, kam ein junger Mann hervor, flankiert von etlichen Vampiren. Während die normale Alltagstracht hier schlicht und einfach Nacktheit zu sein schien, trugen diese hier Kleidung und darüber leichte Rüstungen aus schwarzem Kunststoff. Sie hielten Schusswaffen in den Händen. Der Mann, der ihr Anführer zu sein schien, war schwarzhaarig und dunkeläugig mit offensichtlichem Arashi-Einschlag, doch es war nicht Tekuro. Boldiszàr schnaubte betrübt.

Vampir:
»Wer seid ihr und was wollt ihr hier?« Er hatte keine sehr tiefe Stimme, sie erinnerte Boldiszàr an die oft androgynen Stimmen der Souvagner ihrer Zeit.

Mantione de Mancini
"WIR SIND MARIANS, EIN WANDERVOLK DER MEERE. DIESES SCHIFF MÖCHTE MIT TEKURO CHUD SPRECHEN. BOLDISZAR BOUCHER MÖCHTE GENAUER GESAGT MIT SEINEM BRUDER TEKURO CHUD SPRECHEN. IST DAS MÖGLICH? IST ER HIER ZU FINDEN? WIR VERMUTEN IHN IN CARNAC, FALLS ER NOCH LEBT", antwortete Mantione.

Vampir:
»Hör auf hier so herumzuschreien, ich bin nicht taub. Und ich weiß wer Boldiszàr Boucher Bovier de Mancini und so weiter ist. Wir werden ja regelmäßig daran erinnert. Es mag einige Jahrhunderte her sein, aber ich weiß sehr gut, dass Boldiszàr nicht mehr ist. Tekuro selbst hat seinen Tod besiegelt. Also vergeudet meine Zeit nicht mit solchen Spielchen. Sagt mir, weshalb ihr hier seid, es gibt nichts, was ich nicht in Tekuros Vertretung klären könnte.«

Mantione de Mancini
"Du irrst Dich Landläufer, Boldiszars menschlicher Leib mag gestorben sein, aber sein Ehemann der Urkäptn dieses Schiffes hat ihn gerettet. Boldis Seele ist die Seele dieses Leviathans, also dieses Biomechanoiden, wenn Dir das etwas mehr sagt. Es ist ein lebendes Schiff. Wir sind hier, weil Boldiszar genau aus dem Grund seines menschlichen Todestages Tekuro aufsuchen möchte um sich mit ihm auszusprechen. Nun woher soll ich wissen, was Du hörst und was nicht, ich dachte ich spreche lieber laut und deutlich. Ist er nun hier oder nicht?", fragte Manti und musste grinsen. "Ich glaube Boldi sie sind es nicht gewohnt, wenn einer lauter redet", erklärte er seinem Schiff.

Vampir:
Der Vampir musterte den Marian mit einer Mischung aus Neugier und tiefem Misstrauen. Dann lächelte er plötzlich. »Verzeiht meine harschen Worte, wir sind Besuch nicht gewohnt. Ja, Tekuro ist hier. Dies ist seine Stadt, genannt Trutznest. Darf ich Euch und Eure Besatzung zu einer kleinen Erfrischung in die Festung bitten?«

Mantione de Mancini
"Solange wir nicht die Erfrischung sind, sicher. Ich komme mit einigen meiner Leute raus, sobald Tekuro hier erschienen ist. Sonst kann ich Deinen Worten keinen Glauben schenken. Wer bist Du? Nenn uns Deinen Namen und Deinen Rang", bat Manti neugierig.

Vampir:
Der Vampir schüttelte mit einer Miene der Nachsicht den Kopf. »Mein Name ist Tanuki Berengar Chud und ich bin General.
http://posercontent.com/sites/default/f ... studio.jpg
Tekuro kann nicht herauskommen zu Euch, er ist gerade sehr unpässlich. Aber Ihr könnt gern versuchen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, ich mache das nicht. Heute ist Boldi-Tag und er ist gerade von der Jagd zurückgekehrt.«

Mantione de Mancini
"Sollte er dann nicht gerade mit Boldi reden wollen? Nun gut, ich komme raus mit einigen Leuten und dann führst Du mich zu ihm Tanuki", bat Mantione. Es dauerte einen Weile, dann verließen eine Handvoll Leute den großen Leviathan und betraten das Land. Mantione lief neben Umberto, seine Offiziere waren ihm gefolgt, wie auch la Caille und Brassac. `Falls sie Unfug planen, verpass ihnen eine Breitseite Plasma - sprich falls wir nicht in einer Stunde zurück sind, lass sie baden gehen´, übermittelte Mantione Boldi, ehe er Tanuki anlächelte. "Tanuki, Du hast die Ehre mit Mantione zu reden, dem Käptn. Führe uns zu Tekuro", sagte er freundlich.

Tanuki
Tanuki gab einige Befehle. Er sprach einen seltsamen Dialekt von Asameisch, der eine Mixtur aus dem Dialekt von Arashima und Souvagne zu sein schien, gewürzt mit naridischen Vokabeln. Jeder hier schien so zu sprechen, nach allem, was die Besatzungsmitglieder von Boldiszàr hören konnten. Der Koloss legte seinen Kopf auf dem Kai ab und schaute seinen Leuten nervös hinterher. Das Wasser um ihn herum dampfte, weil er das Plasma vorbereitete und die Hitze durch seine Außenhülle drang, so dass seine Kehle erglühte. Die Männer wurden von den bewaffneten Vampiren flankiert, als man sie in die weiße Burg führte. Im Eingangsbereich mussten sie ihre Waffen abgeben. Umberto schaute Mantione nicht minder nervös an als Boldiszàr, während Tanuki sich höflich, ja, freundlich gab.

Mantione de Mancini
Mantione gab seine Waffe ab und schaute Tanuki beschwörend an. "Wo ist nun Tekuro? Ich hoffe Du weißt was Du tust, für uns ist das kein Spaß hier und wir haben nicht grundlos die Suche auf uns genommen. Ich hoffe für uns alle, dass Du nicht lügst Tanuki, es wäre nicht erfreulich", sagte Mantione und deutete ihm an, sie zu führen. "Was redet Ihr für ein seltsames Gemisch?", hakte er nach.

Tanuki
»Wir sprechen, wie man in Carnac spricht. Wir rekrutieren uns aus Naridiern und Arashi. Früher war das jedoch anders, sehr viele von unseren Altvampiren stammen aus Souvagne, aber heute kaum noch. Tekuro ist in seinem Privatgemach. Ich sagte doch, dass er gerade von der Jagd heimgekehrt ist. Er wird nun verletzt, berauscht und erschöpft im Bett liegen, wie jedes Jahr. Die Schwarze Garde ist nur zu Eurem Schutz, ich hoffe, das wisst Ihr. Ihr seid Sterbliche und riecht für einige von uns sehr lecker.« Er führte sie durch die aus weißem Stein erbaute Burg. Während der Eingangsbereich sehr militärisch und funktionell gewirkt hatte, wurde es nun zusehends wohnlicher. Wachen gab es hier kaum, denn welchen Angreifer sollten die Vampire hier unten fürchten? So konnte Tanuki auch einfach an einer Tür klopfen, die keine Scharniere hatte, sondern offenbar zur Seite geschoben werden musste, was er nun auch tat. Er trat ein, während die anderen draußen warteten und kehrte kurz darauf zurück. »Bitte nur einer. Der Kapitän.« Er wies auf die Tür. Von drinnen drang merkwürdiges Schnaufen.

Mantione de Mancini
"Nun soweit habe ich nicht gedacht und ich Danke für die Ehre, wenn sie ehrlich gemeint ist. Naridier und Arashi, gut das erklärt auch Euer Aussehen. Souvagne hat sich von der Welt abgeschottet, nun wir halten es nicht anders. Unser Schiff ist unsere Welt", antwortete Mantione freundlich und schaute sich neugierig um. Als sie vor Tekuros Gemach ankamen, gab er Umberto ein Zeichen, mit seinen Männern zu warten. "Dein Kommando Umberto, bis gleich", sagte Manti und betrat den Raum aus dem das Schnaufen kam. Der Kapitän schaute sich um und war auf alles gefasst.

Tekuro Chud Heute, 02:20
Tekuro saß nackt auf einer großen Matratze, die auf dem Boden lag und mit etlichen Decken bestückt war. Hunderte Kissen unterschiedlicher Größe lagen im Raum herum, alles wirkte extrem schmutzig und feucht. Tekuro zitterte am ganzen Leib, ob vor Erschöpfung, Kälte oder Stress war nicht zu sagen. Er sah aus wie ein Fleischer, Blut und Fleischfetzen hingen von ihm herunter, sein Haar war verklebt. Bei ihm war Bellamy, der kaum besser anzusehen war. Als der Gast hereintrat, kam Tekuro schwankend auf die Beine. Um seinen Hals baumelte eine schauerliche Kette aus menschlichen Eingeweiden. Seine Augen waren blutunterlaufen und trüb, als er den Kapitän musterte. Ungläubig verzog er das Gesicht und wich einen Schritt zurück. Er wiegte den Kopf hin und her wie ein Raubtier, dass die exakte Entfernung vor dem Sprung misst, doch er sprang nicht. Was er sah, war nicht möglich. Es sei denn ... Gentechnik?
»Silvano«, stellte er leise fest.
Er blickte sich nach Bellamy um, so als ob er sichergehen wollte, dass dieser ihm Rückendeckung gab. Dann ging er wieder einen Schritt nach vorn und roch an seinem Gegenüber. Seine blutunterlaufenen Schlitzaugen weiteten sich ein Stück. »Du bist es wirklich! Ich kann dich riechen. Aber wie?«

Bellamy Bourgeois
Bellamy rollte sich auf die Seite und starrte von Tekuro zu Silvano und wieder zurück. Verwirrt rieb er sich über das Gesicht und stellte sich neben Tekuro. Silvano sah jung aus, aber in seinen Augen lag das gleiche Alter und Wissen wie in ihren. War er ein Vampir? Und wieso hatte er zwei Augen? Hatte er sich magisch heilen lassen, oder war es eine Prothese und wo war die Narbe? Bell tippte Tekuro an und nickte. "Er hat die Narbe nicht mehr und er hat zwei Augen", sagte Bellamy leise.

Tekuro Chud
»Aber er riecht wie Silvano. Ich verwechsle Gesichter, hin und wieder. Aber nie einen Geruch.« Er schloss die Augen und witterte. »Kein Zweifel! Aber ich versteh das nicht. Warum bist du wieder da? Jung und unversehrt?« Er strauchelte kurz, er war alles andere als nüchtern und seine Gedanken flossen zäh wie geschmolzener Käse.

Mantione de Mancini
Mantione wartete einen Moment ab, ehe er sprach. "Fast Silvano, sein Nachfahre, der 13. Nachfahre um genau zu sein. Ja eine uralte Form von Gentechnik. Boldiszar wünscht Euch beide zu sprechen. Allen voran Dich Tekuro. Er hat nicht mehr die selbe Gestalt, seit dem Tag wo Du ihn ermordet hast. Er ist nun ein Biomechanoid, ein lebendes Schiff, Dank Silvano. Also möchtet Ihr ihn sehen? Er wollte Euch aufsuchen, an seinem Todestag, aus dem Grund sind wir hier", erklärte Mantione. "Nebenbei ich heiße Mantione, kurz Manti - 13. Käptn des Leviathan Boldiszar".

Tekuro Chud
Tekuro rieb sich mit dem Handrücken ein Auge und wandte sich ab, um einige Schritte wegzutaumeln. Er lief gegen die Wand wie eine Aufziepuppe und stieß sich den Schädel ein. Mehrere Blutflecken kamen neu hinzu. »Das ist ... nicht möglich!«, keuchte er. Er drehte wieder um und stapfte nach vorn. Er griff nach Bellamys Hand, extrem fest und zitternd. Zwischen ihren Handflächen klebte es vor lauter Blut. »Das hier ist mein Boldi-Gedenkraum«, erklärte er Mantione nun langsam. »Ich benutze ihn dann, wenn ich ihm nahe sein will.« Er wies auf lauter herumliegende Gegenstände, Helme, Rüstungsteile, Bücher, Decken, Kleinkram, alles uralt, manches davon völlig zerfetzt. Dazwischen lagen Knochen. »Erinnerungsstücke. Bring mich zu ihm und gnade dir dein Gott, wenn du mich verarschst, denn ich kenne keine Gnade.«

Mantione de Mancini
"Ich rede mit Dir, da Boldi Dir Gnade erwies Landläufer. Ansonsten wären wir nicht ausgestiegen um zu reden. Ich schulde Dir eigentlich eine Harpune in Deinem untoten Fleisch, dafür das Du Boldiszar derart grausam und heimtükisch ermordet hast. Aber sein Wille, ist der Wille von uns allen. Aus diesem Grund stehe ich hier, nicht für Dich, sondern für ihn. Waren das seine Besitztümer?", fragte Mantione und griff nach einem Helm um ihn sich anzuschauen. "Ein Gedenkraum hm? Ja. Wir haben über Dich gesprochen, Du wolltest ihn zwingen bei Dir zu bleiben und Du wolltest ihm ewiges Leben auferlegen. Er lehnte ab und Du hast ihn gebissen, denn sonst wäre er in der Sonne nicht verbrannt. Aber er trug den Seelenkoppler von Silvano. Darin wurde seine Seele verwahrt. Und Vano schuf einen Leviathan. Er wäre unbeseeltes Fleisch gewesen ohne eine Spenderseele und ohne die Lebensspende dazu. Und so erlangte Boldiszar Seele doch noch Unsterblichkeit, die er eigentlich nicht wollte. Vano ermöglichte es ihm und bezahlte das mit seinem Leben. Er starb, damit Boldi leben konnte. Um Deinen Fehler auszumerzen. Vergiss das nicht, wenn Du vor ihm stehst", sagte Mantione und gab den Weg vor. Er verließ den Raum und kehrte zu Umberto und den anderen zurück. "Tekuro und Bellamy, die Brüder von Boldiszar. Wir führen sie zum Schiff, sie dürfen mit ihm reden", erklärte Mantione und fühlte nach Boldi. `Deine Brüder, fühlst Du sie? Siehst Du sie? Sie leben, oder sagen wir mal so, sie existieren noch. Wir kommen zu Dir´, erklärte Manti Boldiszar.

Boldiszàr
Der riesige Leviathan lag inzwischen zur Hälfte an Land. Unter ihm knirschte der Stein, als er sich noch weiter hinaufwuchtete wie ein zu groß geratener Quastenflosser. Er wurde bewacht von einem Teil der Schwarzen Garde, die verhinderten, dass sich Schaulustige dem Leviathan allzu sehr näherten. ›Ja, ich hab sie gesehen durch deine Augen! Das sind sie, Manti, das sind sie!‹, rief er freudig. »Bellyyyy«, dröhnte seine elektrische Stimme so laut sie konnte. »Robbyyyy!«

Mantione de Mancini
Mantione holte seine Waffen ab und führte Tekuro und Bellamy zu Boldiszar und gesellte sich dann zu seinem Leviathan. Er berührte den Giganten an der Schnauze und stieg auf eine der großen Brustflossen. "Nun er ist hier, Ihr solltet mit ihm reden", sagte Mantione.

Bellamy Bourgeois
Bellamy lief gemeinsam mit Tekuro dem jungen Silvano namens Mantione hinterher. Gerade wollte er fragen, wie der Bursche wohl weiter hieß, bis ihm einleuchtete, dass er ein Mancini oder Desnoyer sein musste. Der Tag war nicht der Beste um logische Schlußfolgerungen zu ziehen. Und dann standen sie vor ihm. Riesig, gigantisch, einem Walhai ähnlich mit geflecktem Muster. Einem Leviathan, so hatte Manti das Schiff genannt und er rief nach ihnen. "Da ist er Teku, da ist Boldi", sagte er leise und trat ebenfalls an das riesige Geschöpf heran. Er berührte Boldis Nase und streichelte ihn. "Boldi", sagte er liebevoll.

Boldiszàr
»Belly«, schnarrte der riesige Biomechanoid. »Mein Großer, mein Bruder!« Ganz sacht bewegte er die Schnauze hin und her. Aus einer Imitation von Nasenlöchern, die in Wahrheit Überdruckventile waren, kam heiße Luft. »Achthundert Jahre, achthundert verdammte Jahre ist es her!« Boldiszàr kühlte sein Plasma herunter. Seine Kehle hörte auf zu glühen. Das Maul klaffte auf und eine Zunge, groß wie Wasserbett, schob sich grau daraus hervor. Tekuro hingegen hielt immer noch Abstand und sah ängstlich drein, was im merkwürdigen Kontrast zu den Körperteilen stand, mit denen er sich schmückte. Natürlich hatte er Angst - vor seinem schlechten Gewissen und einer Zurückweisung. »Robby«, sagte der Leviathan sanft. Dazu musste er das Maul mit der Zunge nicht bewegen, alles blieb liegen, wie es war. »Ich bin es. Boldi.«

Tekuro Chud
Nun endlich traute er sich, näher zu kommen. Wie Bellamy legte er die Hand auf die Nase. Dann die zweite. Noch immer war er unschlüssig. »Was, wenn sie lügen?«

Bellamy Bourgeois
Bellamy streckte eine Hand nach Tekuro aus. "Komm her und berühre ihn. Er wollte Dich nicht töten Boldi, er wollte Dir ewiges Leben schenken. Wir wollten Dich nicht verlieren und heute haben wir Dich wieder bekommen. Beweise es ihm Boldi, erzähl ihm etwas das nur Du wissen kannst. Wobei das hat Manti sogar schon, woher sollte er wissen, dass Vano und einmal mit einer Harpune angegriffen hat. Aber bestätige es ihm", bat Bellamy.

Boldiszàr
»Hör auf mit dem Unfug, Robby. Ich hätte allen Grund, wütend auf dich zu sein und ehrlich gesagt bin ich das auch nach achthundert Jahren noch. Ich könnte dir alles über dich erzählen, über deine Abgründe und deine wenigen guten Seiten. Du hast mir einst Reis mit Menschenfett angedreht, als ich im Rübenhof bei dir zu Gast war, das habe ich hinterher von Silvano erfahren. Ich war dabei, als ihr beide euch das Ja-Wort gegeben habt in Arashima. Ich war sogar dabei, als ihr euch das erste Mal geküsst habt, unten im Bugraum der Choucas und bei eurem ersten Mal durfte ich nicht bis zum Ende zusehen, weil Kazrar eine Decke über euch gelegt hat. Aber ich kann auch noch weiter zurückgehen in der Erinnerung, als wir gemeinsam im Waisenhaus gewohnt haben. Du hattest einfarbige Bettwäsche und wolltest gern gestreifte, so wie ich. Darum haben wir die Kissen getauscht. So hattest du auch was Gestreiftes.«

Bellamy Bourgeois
Bellamy legte sich mit Tränen in den Augen und überglücklich mit dem Oberkörper auf Boldi ab. "800 Jahre, eine halbe Ewigkeit die wir uns nicht gesehen haben. Es tut mir leid was damals geschehen ist. Ich habe Dir das Gleiche angeboten und ich hatte gehofft Du gehst darauf ein. Aber es war Deine Wahl und nun dass. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Dich noch einmal wiedersehe und in so einer Gestalt schon gar nicht. Ist es wahr das Vano tot ist?", fragte Belly und streichelte Boldiszar.

Tekuro Chud
Die Bettwäsche hatte Tekuro schon ganz vergessen gehabt, doch nun erinnerte er sich wieder. Das war eine Erinnerung, von der niemand sonst wusste. Das konnte ihm niemand erzählt haben. »Boldi«, sprach Tekuro und betrachtete den stählernen Koloss fassungslos, als hätte sich ihm soeben Ainuwar persönlich offenbart. Er zitterte noch immer. Tekuro stieg auf die Zunge, umfasste so gut es ging mit beiden Armen die Schnauze und legte den Kopf auf ihm ab. Er musste sehr mit sich kämpfen. Mit feuchten Augen löste er sich ein Stück und leckte ganz langsam über die Oberfläche, ehe er sich erneut fest an ihn schmiegte.

Bellamy Bourgeois
"Du bist ein Schiff, dürfen wir Dich besuchen, oder ist das verboten?", fragte Bellamy und nahm Tekuros Hand während sie auf Boldi lagen.

Boldiszàr
»Schon gut«, antwortete Boldiszàr. »Ich bin froh, dass ihr zwei noch da seid. Ich habe oft an euch gedacht, aber mich nicht getraut, nachzuforschen, was aus euch geworden ist. Bei eurem Lebensstil dachte ich, ihr seid auch als Vampire nicht alt geworden. Ich hatte Angst, herauszufinden, dass ihr zwei nicht mehr seid und so konnte ich mich immer in dem Traum wiegen, dass es euch noch irgendwo da draußen gibt, wo ihr glücklich und zufrieden mit tausenden Jungvampiren lebt und liebt. Und was soll ich sagen, der Traum wurde war! Tanuki, ist das immer noch der selbe Tanuki? Noris Baby? Natürlich dürft ihr mich besuchen, kommt rein!«

Mantione de Mancini
Mantione versteifte sich zu einer Salzsäule. "Kommt rein? Nein! Nein, nein und nein! Sie haben Dich bereits einmal getötet, sie könnten Dich wieder töten. Du wolltest mit ihnen reden, aber Du hast nicht gesagt, dass sie an Bord kommen sollen. Das kann ich nicht erlauben und ich erlaube es auch nicht. Wer weiß was die beiden in Dir anrichten?", fragte Mantione nervös.

Tekuro Chud
»Was sollen wir sagen, du hast Belly und mich mit einer Harpune durchbohrt! Das da drin ist für uns wie eine Rattenfalle. Ich will da gar nicht rein, so lange ich nicht weiß, dass du sicher ausgesperrt bist. Boldi«, schnurrte Tekuro mit einem Mal überglücklich und leckte mehrmals über die Hülle, als wolle er sie putzen. »Klar ist das noch der gleiche Tanuki, meinst du, ich pass nicht auf mein Baby auf? Das ist immer noch mein Babytanuki, mein Wunderkind, mein Goldjunge, die gebündelte Perfektion unserer Familie.«

Mantione de Mancini
Manti schaute von Tekuro und Bellamy auf Boldi. "Er ist keine Rattenfalle, sondern unsere Welt. Und Du sieht verdammt intakt aus. Ich kann nichts dafür das Vano nur ein Auge hatte. Daher vermutlich er Fehlwurf. Ich werde ganz sicher nicht ausgesperrt, denn das ist meine Heimat und ehe Du auf dumme Gedanken kommst, töte mich und Du tötest ihn. Umgekehrt genauso", warnte Mantione. "Ich hätte mich nicht auf den Unfug einlassen sollen", stöhnte er leise.

Tekuro Chud
Tekuro wusste gar nicht, wo er Boldiszàr zuerst knuddeln sollte, das ging so schwer bei einem solch großen Ungetüm. Er stand noch immer auf der Zunge, strahlte nun über beide Ohren, wobei er all seine künstlichen Zähne zeigte und musste ihn immer wieder anlecken, ehe er seinen Kopf an ihn presste und heftig hin und her rieb. »Boldiboldiboldi«, rief er überglücklich und warf sich auf die Zunge, auf der er sich nun wälzte wie eine Katze, die überall ihren Geruch verteilen will. »Doch ich könnte dich töten, Minivano. Das könnte ich und es wäre mir ein Vergnügen.« Er begann zu schnurren, während er sich hin und her rollte.

Mantione de Mancini
"Dann komm her und versuch es, alter Mann", knurrte Mantione herausfordern und fasste seine Lanze fester. `Äschere ihn ein Boldi´, befahl Mantione wütend und klopfte mit dem Lanzenschaft auf Boldis Kopf.

Boldiszàr
Boldiszàr streckte die Zunge noch weiter raus und formte sie dann zu einer Rolle, in der Tekuro sicher eingeschlossen war. Der schnurrte nur noch lauter. »Er meint es nicht so und du eigentlich auch nicht. Schau in deine langen, langen Erinnerungen. Du magst Robby und er mag dich.«

Mantione de Mancini
Manti rollte genervt mit den Augen. "Nein ich hasse den Kerl und soll ihn töten, so steht es in meinen Genen geschrieben. Jeder sagte es, finde ihn, töte ihn. Können sich 12 Vorfahren irren? Umbi sag was zu dem Thema. Ich glaube wir haben hier ein großes Problem. Er will diese beiden Mörder an Bord lassen und ich darf das nicht zulassen. Was soll ich tun? Ich habe für alles eine Lösung, aber für das... nicht", gestand Manti verzweifelt.

Umberto Cantichi
»In meiner Rolle als erster Offizier von Boldiszàr sage ich: Nein! Ich will diese Kerle auch nicht an Bord haben. Schau sie dir an, die sind doch nicht normal im Kopf, behängen sich mit Eingeweiden, um Boldi zu gedenken! Man muss auch die Sicherheit der Mannschaft im Blick haben und die wollen garantiert den Kern sehen. In meiner Rolle als Privatmann sage ich: Du bist Boldi und er ist du. Wie kann es sein, dass ihr beide unterschiedlicher Meinung seid?«

Mantione de Mancini
Manti zuckte die Schultern. "Wir waren uns niemals uneins Umberto, ich weiß es nicht. Der Kern ist für jeden Tabu, auch für die Mannschaft. Niemand darf den Kernbereich betreten. Du hast es gehört Boldi, was sagst Du dazu? Ich finde auch, wir können niemanden an Bord lassen, der sich mit Kadaverteilen schmückt und droht mich zu töten. Aber es ist Deine Wahl, wähle weise", sagte Mantione und knuffte Umberto dankbar.

Boldiszàr
»Mann, Manti, das sind meine Brüder! Meine Familie! Dein Schwager! Es gab eine Zeit, da hast du nicht so von Tekuro gesprochen, da bist du sogar mit ihm durchgebrannt. Die beiden sind absolut vertrauenswürdig, dafür lege ich meine Flosse ins Feuer.«

Mantione de Mancini
"Das hat Dich schon einmal verbrannt und Dich das Leben gekostet. Erinnerst Du Dich an Ledwick? Da warst Du nur noch ein Haufen Asche Boldi und das mit dem Durchbrennen war davor. Zudem bin ich nicht mit Tekuro irgendwohin durchgebrannt, ich kann mich nicht erinnern. So da wir das nun geklärt haben, lass uns an Bord und verabschiede Dich von den beiden. Die mögen ja Deine Brüder sein, aber ich bin Dein Kind. Du weißt ja, Brüder gehen von der Seite, ein Kind vom Herzen", sagte Manti mürrisch.

Boldiszàr
»Aber ich erinnere mich, denn dank meiner gewaltigen Speicherkapazität vergesse ich so etwas nicht. Dein Vorfahre ist mit Tekuro durchgebrannt und hat sich die Nacht mit ihm versüßt, während ich arglos im Rübenhof wartete. Er hat ihm sogar etwas sehr wertvolles geschenkt.« Er wiegte Tekuro in der Zunge hin und her und hielt ihn damit ganz fest, während sein winziges künstliches Auge sich liebevoll auf Bellamy richtete. »Du hast Tekuro reingelassen und jetzt lasse ich ihn auch mal rein.«

Mantione de Mancini
Manti strich sich über die Stirn und wusste nicht was er sagen sollte. "Dann versiegele wenigstens den Privatenbereich und Deinen Kernbereich vor den beiden. Mehr kann ich Dir nicht raten. Ich sage Dir trotzdem dass ich ihnen misstraue und gegen Deine Entscheidung bin. Warum Du jetzt trotzig bist, erschließt sich mir nicht. Aber wenn Du Deinen Willen bekommen willst, dann bitte. Ich werde hier draußen warten, bis sie zurück sind. Andernfalls werden sie vermutlich bleiben. Umberto wird sie beaufsichtigen, wohin sie gehen", antwortete Manti tonlos.

Boldiszàr
»Was meinst du damit, andernfalls werden sie bleiben? Du meinst, du hast Angst, dass wir sie mitnehmen?« Boldiszàrs anderes Auge drehte sich in Richtung seines betrübten Kapitäns.

Mantione de Mancini
"Natürlich, permanent irgendwelche Mörder an Bord zu haben, die sich von ihren Mitmenschen ernähren ist nichts was ich irgendwie witzig finde. Solange sie nur in der Erinnerung da waren, geht es. Und wenn Du sie sprechen möchtest, weil Du sie vermisst verstehe ich das auch. Aber sie mitnehmen? Oder sie in den Privatbereich lassen? Ich kann mir keinen Reim darauf machen, aber ich erinnere mich an alte Erinnerungen. So war es schon immer nicht wahr? Er sagt etwas er bekommt es. Vielleicht sollte ich ebenso handeln", schlug Manti vor.

Boldiszàr
»Was meinst du damit? Rede doch mal deutlich. Heut ist mein Todestag und du erfüllst mir nicht mal diesen kleinen Wunsch«, murrte Boldiszàr und ließ seine Zunge Wellen machen, so dass der eingerollte Tekuro massiert wurde. Der hielt ganz still und hatte sogar aufgehört zu schnurren. »Kann es sein, dass du eifersüchtig bist?« Das Auge kniff sich etwas zusammen.

Mantione de Mancini
"Wäre ich eifersüchtig, wären wir gar nicht hier. Nein ich bin nicht eifersüchtig, ich erhalte nur sehr ungerne Morddrohungen und ich sorge mich um Dich. Eifersüchtig worauf denn? Von mir aus lass sie an Bord, wie Du schon richtig sagst, es ist Dein Todestag. Lass ihn nicht zum zweiten Mal Dein Todestag werden. Ich warte hier solange. Wenn Du nicht auf mich hören willst, ist das Deine Sache. Ich kann nicht über Deinen Kopf hinwegbestimmen. Lass sie rein, je schneller sind sie wieder draußen", antwortete Mantione.

Boldiszàr
»Worauf du eifersüchtig sein sollst? Das war hart!« Boldiszàr öffnete eine seiner Schleusen, die jetzt nicht unter Wasser lagen. »Kommt rein ihr zwei«, sagte er freundlich. Während Silvano vor Zorn rosig angelaufen war, guckte Umberto gerade ziemlich blass aus seiner bunten Wäsche.

Mantione de Mancini
"Worauf bei den beiden, nicht bei Dir! Jetzt versteht er mich auch noch bewusst falsch. Wirklich goldig", knurrte Manti und tippte Boldi auf den Kopf mit seiner Lanze. "Geh ihnen nach und pass auf das sie keinen Unsinn machen. Ich verlass mich auf Dich Umbi, auf Dich und die anderen Offiziere. Pass auf Dich auf", sagte Mantione und küsste Umberto. "Geh", bat er ihn und deutete auf die Schleuse.

Umberto Cantichi
Umberto folgte dem Befehl nicht sofort. Er war gerade geküsst worden und die Blässe verschwand so rasch, wie sie gekommen war. Er blickte Mantione in die schönen blauen Augen, die er so viel länger kannte, als dieser Körper existierte. »Medardo hatte davon gesprochen, dass Tekuro stets die Harmonie störte. Aber in all seinen Beschimpfungen des Vampirs war auch eine gewisse Zuneigung rauszuhören, ob ihm das gefiel oder nicht. Aber mit den Jahren kennt man seinen Partner besser, als diesem lieb ist und du bist sein Nachkomme.« Er strich Mantione über die hagere Wange, dann wandte er sich ab und folgte den beiden ungebetenen Gästen. Er sah gerade noch, wie Boldiszàrs Zunge versöhnlich in Richtung des Kapitäns kroch, ehe er eintrat.

Mantione de Mancini
Manti schmunzelte Umberto hinterher und strich sich gerührt über die gstreichelte Wange. "Möglicherweise ist es so, vielleicht empfanden wir Zuneigung für ihn. Aber sie beruht nicht auf Gegenseitigkeit, darum wird es immer Disharmonie geben. Und die Zuneigung hört da auf, wo jemand meinen Tod wünscht", erklärte Manti und betrat erneut das Land. Eigentlich hatte er zuerst mit Umberto Land betreten wollen, nun stand er in Carnac und wusste nicht wie er sich verhalten sollte. Sein Albtraum war es gewesen, dass ihn jemand von Boldi trennt, das es Boldi selbst ein könnte, war ihm nie in den Sinn gekommen. Er schaute den Leviathan an und schaute dann auf die dunkle Stadt mit dem weißen Turm. "Ich werde die Stadt besuchen, zur Ablenkung und zum Zeitvertreib. Ruf mich, sobald Ihr fertig seid", bat Manti.

Boldiszàr
Boldiszàr stupste ihn mit der Zungenspitze an, die klatschnass war vom Salzwasser. »Geh nicht allein, wenn du schon gehen musst. Nimm Tanuki mit, er ist Tekuros Sohn. Ich weiß nicht, wie er drauf ist inzwischen, aber er ist ein ziemliches Papakind. Er wird nichtzulassen, dass dem verleintlichen Sklaven seines Vaters etwas zustößt.«

Mantione de Mancini
"Ihm kann man genausowenig trauen, es sind alles Vampire hier. Ich suche mir ein ruhiges Plätzchen zum Abwarten. Vielleicht sollte ich im Wasser abwarten. Keine Ahnung, Du hast mich durcheinandergebracht Boldi und das sollte nicht sein. Wir war eins bis dato, ich verstehe warum Du verwirrt bist. Nur verstehe ich Deine Entscheidungen nicht. Könnte ich gehen, würde ich", sagte Manti wütend.

Boldiszàr
»Manti, sag so was nicht«, sprach Boldiszàr und schubste ihn mit der Zunge fast um. »Du würdest auch Umbi und Calli hier lassen und alle anderen. Du nimmst es mir krumm, dass ich mich darüber freue, meine Brüder zurück zu haben. Ich verrate dir was, eines Tages wirst du auch jemanden treffen, bei dem es dir ganz egal ist, was Umbi davon hält, wenn du ihn näher kennenlernst. Das war bei jedem Kapitän so, sie haben eine komische Auffassung von Treue. Aber wehe, ich mag mal jemanden.«

Mantione de Mancini
"Nein ich nehme Dir nichts krumm, ich weiß nur nicht weiter, dass ist alles und da werde ich ungerecht. Das ist wohl wahr. Warum sollte ich Dich verlassen wollen oder all die anderen? Ich meinte das nicht so, ich bin nur hilflos. Wen sollte ich treffen, dass mit Umberto gleichgültig wird? Du darfst sie doch mögen, das missgönne ich Dir nicht. Aber Du sollst Dich nicht gefährden. Umberto wird genauso bleiben wie ich, wenn wir etwas zum bleiben haben. So meine ich das", gab Manti zu bedenken.

Boldiszàr
»Wen du treffen könntest? Zum Beispiel einen Jendro Girad, wenn du dich an ihn erinnerst? Du brauchst dich nicht hilflos zu fühlen, du bist nicht hilflos, ich bin da, Umbi ist da, die ganze Mannschaft ist da. Nur, dass noch zwei andere da sind, denen du nicht traust.«

Mantione de Mancini
Manti nickte zustimmend. "Du hast Recht, lass mich wieder an Bord. Hier draußen zu warten, damit ist niemandem geholfen. Und eingreifen könnte ich auch nicht. Ja ich erinnere mich an Jendro, der Mann der den Himmel erobern wollte. Letztendlich hat er es geschafft. Aber ich bin kein Landgänger Boldi, ich werde wenn nur jemanden aus der Mannschaft wählen und meine Wahl ist schon gefallen", sagte Manti leise.

Boldiszàr
»Umbi?«, fragte Boldiszàr nach und hieß Mantione erneut in seinem Leib willkommen. ›Schön, dass du da bist. Willkommen an Bord, Kapitän. Der Kern ist abgeriegelt, genau wie dein privater Bereich, ganz wie du es gewünscht hast. Sie sehen sich gerade das Gewächshaus an. Jendro, der den Himmel eroberte und am Ende doch von seinem Traum umgebracht wurde. Manchmal vermisse ich auch ihn.‹

Mantione de Mancini
`Schön wieder hier zu sein´, antwortete Manti und strich über Boldis Innenwand. `Jendro war vielleicht manchmal ein Drecksack Boldi, aber er war kein mieser Kerl. Das musst Du mir glauben. Er hat Vano gemocht, vielleicht sogar geliebt und er wollte Dir nichts Böses, er war einfach genauso hilflos damals wie Ihr alle und er war verdammt wütend. Ein langes Leben heißt auf viele zurückzublicken Boldi. Es gibt viele die Du vermisst und ich ebenso, obwohl ich sie persönlich niemals kannte. Das Gewächshaus können sie sich ansehen, solange sie sich ruhig und gesittet verhalten. Ich werde im Soziraum warten´, erklärte Mantione und setzte sich in den Aufenthaltsraum. Er spülte den schlechten Geschmack den er im Mund hatte mit einer Tasse Tee herunter. Es war Boldis Tag, sollte er ihn genießen. Er wollte dafür Sorge tragen, das er nicht in erneuten Tränen oder in einem Fiasko endete.

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Re: Schiff und Käptn, der Ozean wartet

#5

Beitrag von Mantione de Mancini » Do 16. Mai 2019, 04:43

Der untote Besuch


Mantione de Mancini
Mantione hatte feststellen müssen, dass selbst eine Bibliothek an Erinnerungen nicht die eigenen Gefühle wiederspiegeln konnten. Das was man selbst fühlte, hatte immer eine ganz andere Auswirkung, als das woran man sich gemäß seiner Vorfahren erinnerte. Und seine eigenen Gefühle waren gerade ziemlich durcheinander. Für einen Augenblick gefangen zwischen Schmollen und Grollen war er letztendlich doch wieder in seinen Leviathan gestiegen, denn genau das war er - sein Schiff, wie er sein Käptn war. Gleichgültig was Boldiszar für die beiden untoten Besucher empfinden mochte. Und von außen konnte er weder Boldiszar beschützen, noch die Mannschaft. Wie jeder Regent wusste auch Mantione, dass Treue und Loyalität Schutz und Schirm forderten. So lebten ihre Vorfahren und so lebten sie, mit einigen kleinen Änderungen. Vor dem Schiff konnte er das nicht leisten. Für Gefühle hatte er später Zeit, er konnte sich immer noch in ein paar Tagen über Boldis Leichtsinn ärgern. Aber er konnte nicht mit ihm gleichziehen, denn das bedeutete Handlungsunfähigkeit. Seine Mannschaft verließ sich auf ihn und an Bord waren nun zwei menschliche Raubtiere. Mantione machte sich sofort auf die Suche nach Umberto. Als er ihn gefunden hatte, zog er ihn zur Seite. "Evakuiere die gesamte Mannschaft in den Hochsicherheitsschutzraum. Beorderte alle Offiziere ebenfalls in den Schutzraum ab. Ausnahme jener die Du für die Überwachung der Gäste benötigst. Gleich was Boldi für sie empfindet, gleich was mir die Erinnerungen sagen oder vorgaukeln, die zwei "Besucher" ernähren sich von lebenden Personen. Ich bin nicht bereit auch nur einen unserer Leute zu verlieren. Von Greis bis Säugling, jeder Marian findet sich sofort im Hochsicherheitsschutzraum ein. Die Zuteilung von Schusswaffen ist freigegeben... Normalerweise strikt verboten, ich weiß. Aber bei einer tödlichen Gefahr an Bord, ist die Verteilung erlaubt. Ich erlaube sie. Ich werde bei der Mannschaft sein und diese bis zum letzten Atemzug verteidigen. Kann ich mich auf Dich verlassen Umberto?", fragte Manti ernst und händigte ihm die Karte für die Waffenschränke aus. "Im Schutzraum selbst haben wir ebenso Schusswaffen, nimm Du diese", bat er.

Umberto Cantichi
Umberto nickte, als er die Karte entgegennahm. »Und wie du das kannst. Dein Befehl ist mein Befehl und dein Wunsch wäre es auch. Alle waffenfähigen Marians voll bewaffnet in den Schutzraum. Und wo wirst du sein, mein Kapitän?«, fragte er mit sehr ernstem Blick. Auch ihm waren die beiden Vampire nicht geheuer. "Die beiden Kerle waren von oben bis unten mit menschlichen Innereien und Blut besudelt. Aber dafür schien Boldiszàr in seiner Freude blind zu sein."

Mantione de Mancini
"Danke für Deine Worte und Treue, ich werde es Dir vergelten. In vorderster Reihe um sie zu beschützen. Wenn die beiden Bestien an unsere Familie wollen, müssen sie an mir und den Offizieren vorbei. Dort werde ich sein Umberto. Die Erinnerung nennt sie Beißer und Tekuro war der Wahlbruder von Boldiszar. Sie wuchsen gemeinsam im Heim auf, Tekuro rettete ihm dort einst das Leben. Und Bellamy ist sein tatsächlicher Bruder. Beides waren Beißer, Menschenfresser und nun sind sie Vampire - Menschentrinker. Mein Fehler, ich hätte vorher die komplette Erinnerung abrufen sollen... einige Erinnerungen sind nicht gerade schmeichelhaft. Also wie Vano die beiden sah, ich kann die Erinnerung nicht werten. Zumal sie aus einer Zeit stammt bevor Tekuro Boldiszar ermordete. Er mochte die Bestien eine Spur zu sehr, vor allem Tekuro. Zögere also nicht ihn beim geringsten Anlass eine Kugel ins Hirn zu blasen. Drum töte ihn, wenn er Dir nur den Hauch eines Anlasses dazu gibt. Ich werde versuchen sämtliche Erinnerungen zu ignorieren, für die Mannschaft und das Schiff. Schiff und Mannschaft vor Auftrag - so war es immer. Pass auf Dich auf, sobald Du zurück bist, müssen wir beide reden. Über uns beide und Deine Frisur", antwortete Mantione so ernst wie man ihn vorher noch nie erlebt hatte in seinen jungen Monaten.

Umberto Cantichi
»Und wer wird darauf achtgeben, dass die Vampire nichts anfassen, was sie nicht anfassen sollen? Was, wenn sie irgendwas mitgehen lassen oder kaputtmachen?« Warum Mantione ausgerechnet jetzt an seine Frisur dachte, erschloss sich Umberto nicht. Er hoffte, er würde ihn nicht zu einem militärischen Kurzhaarschnitt zwingen, wo er doch so stolz darauf war, auch mit 41 noch so wundervoll üppiges Haar zu besitzen.

Mantione de Mancini
"Du wirst darauf achtgeben, denn Du begleitest sie Umberto. Sie werden nichts einstecken. Sollten sie was einstecken, sollten sie auch das komplette Magazin an Kugeln einstecken. Halte Dich nicht mit strafenden Bauchschüssen auf, das sind Vampire, die kurieren das aus. Du musst in den Kopf schießen. Wenn Du es hinbekommst, Nasenwurzel, dann war es das. Ein Schläfenschuss hat schon so mancher überlebt, ob man es glaubt oder nicht", antwortete Manti und streichelte Umberto über den Hals zum Kinn hoch. "Pass auf Dich auf, töte gut", sagte er liebevoll und blinzelte ihn an.

Umberto Cantichi
»Das mache ich, ich will schließlich auch noch paar Jahre älter werden.« Ihm gefiel es, Mantiones Hand, die noch frei von Hornhaut war, an seinem Hals zu spüren und er neigte kurz den Kopf, ehe er einen Schritt zurücktrat, salutierte und im Laufschritt verschwand. Kurz darauf hörte Mantione seine Stimme und spürte über Boldiszàrs Sensoren, wie Umberto dem Befehl nachkam und alle Besatzungsmitglieder bugwärts in den Schutzraum evakuierte. Dann gesellte er sich mit entsicherter Waffe , die er noch schräg vor seinem Körper mit der Mündung nach unten hielt, zu den beiden Vampiren, die sich gerade die Quartiere ansahen und über die kleinen Betten lästerten, die es an Bord eines Schiffes naturgemäß gab.

Mantione de Mancini
Mantione wartete vor dem Sicherheitsraum bis alle Marians in Sicherheit waren. Nach den Bewohnern, der Besatzung und den Offizieren betrat er selbst erst den Sicherheitsraum. Manti entriegelte die Schränke der Schusswaffen und händigte jedem der Offiziere ein Schnellfeuergewehr aus, die Besatzung und anderen Bewohner bekamen Pistolen in die Hand gedrückt. So warteten sie erneut ab, ganz so als wollten sie ein Unwetter abwettern. Manti hockte sich im Schneidersitz vor die Tür. Das entsicherte Schnellfeuergewehr lag quer über seinen Beinen, seine Hand war fest um den Griff geschlossen und sein Finger lag auf dem Abzug. `Boldi informiere mich über Umberto und seine Leute. Ich benötige Statusanzeige, wo befindet er sich zur Zeit? Alles in Ordnung?´, hakte Mantione nach.

Boldiszàr
›Was soll das mit den Waffen? Das sind meine Brüder, Mantione! Meine einzige Familie außer dir! Du wirst ihnen nichts tun und Umbi auch nicht!‹ Boldiszàr aktivierte die Düse einer Sprinkleranlage, so dass es genau über Mantione regnete. ›Sie schauen sich einfach nur um, lernen mich in meiner neuen Gestalt kennen. Sie sind momentan bei den Mannschaftsquartieren, Tekuro sitzt auf der Koje von Kuni Probe. Umberto steht vor einem Tisch, unter dem Schnippel hockt und versucht möglichst unauffällig zu verhindern, dass die Krabbe hervorkrabbelt. Also alles in bester Ordnung.‹ Er hörte auf zu tropfen. ›Manti, bitte beruhige dich. Sie sind hier nur zu Gast.‹

Mantione de Mancini
Mantione schüttelte sich kurz um sich etwas zu trocknen. `Da gebe ich Dir völlig Recht. Wie ein Bandwurm - auch ein Gast, aber ist er erwünscht? Sicher sind das DEINE Gäste Boldiszar. Das spreche ich Dir nicht ab und ich verstehe Deine Freude über das Wiedersehen mit DEINER Familie. Aber ich verstehe nicht Deinen Leichtsinn bezogen auf uns alle. Du weißt wovon sie sich ernähren, von Blut. Du hast gesehen oder sehr gerne übersehen, womit sie sich geschmückt haben - menschlichen Eingeweiden. Soll ich das einfach klaglos hinnehmen? Soll ich eine Strichliste führen, wen die beiden vielleicht bei Hunger einfach ausgesaugt haben? Wie stellst Du Dir das vor? Deine Treue gilt ihnen, gut das habe ich verstanden. Jetzt verstehe Du, dass meine Treue der Mannschaft und Dir gilt. Sollten sie jemanden schaden, werde ich ihnen schaden und zwar immens. Sollten sie sich ruhig verhalten und friedlich bleiben, dann werde ich das auch. Unterliege nicht dem Irrtum, dass Waffen den Tod bedeuten. Keine Waffe hat je einen Menschen getötet - es sind immer noch Menschen die mit Waffen Menschen töten. Oder sogar ganz ohne. Die Waffen sind unser Schutz, unsere Absicherung. Da wo Du nicht handeln kann oder willst, da werde ich handeln. Für Dich und das sogar gegen Dich. Ich weiß nicht ob Du mitbekommen hast, was er sagte. Tekuro wollte mich töten. Ich bin wehrhaft, jedenfalls gehe ich davon aus. Was ist mit der normalen Mannschaft? Oder unseren reinen zivilen Bewohnern, dem Bäcker, dem Koch, den Pflanzenhütern? Sollen sie sterben zu Deinem Todestag? Nein Boldi, dass kommt nicht in Betracht, gleich wer die Besucher sind´, antwortete Manti ruhig und schaute grimmig zur Tür.

Boldiszàr
›Manti, du ärgerst mich‹, stellte Boldiszàr fest. ›anstatt dass ich mich meinen beiden Brüdern widmen kann, die ich seit 800 Jahren nicht sah, muss ich darauf achtgeben, dass sie nicht niedergeschossen werden. Ich sperre dich am besten hier ein mit der Mannschaft, dann kommst du nicht raus und sie nicht rein. Gut? Natürlich hab ich die Eingeweide gesehen, aber meine Güte, Soldaten töten auch Menschen anderer Völker, da fliegen die Eingeweide genau so durch die Gegend. Dem Toten ist doch egal, ob er von einem Beißer mit den Zähnen oder einem edelmütigen Ritter mit der P8 zerlegt wird. Warum sollte das Eine schlimmer sein als das andere? Und in all meiner Zeit als Sterblicher hatten weder Tekuro noch Bellamy einen von uns angegriffen. Darf ich dir eine Empfehlung aussprechen?‹

Mantione de Mancini
Manti sicherte ein Schnellfeuergewehr. `Das Letzte was ich möchte ist Dich ärgern. Darum geht es gar nicht Boldi, es geht um Schutz! Noch nie waren sich Schiff und Käptn uneins! Ich verstehe Dich im Moment nicht, wirklich nicht. Natürlich ist es den Toten gleich, wer sie ermordet. Das ist doch klar! Ich möchte weder von einem Vampir getötet werden, noch am Strand von Alt-Ledwick von diesen seltsamen Wesen, noch von einem Souvagner oder sonst wem. Tot ist tot. Das eine ist nicht schlimmer als das andere Boldi, sondern wer sterben könnte, dass ist es was mich umtreibt. Hier könnten unsere Leute sterben! Unsere Boldi, davor habe ich Angst, deshalb die Waffen um das zu verhindern. Aber gut, ich höre mir Deine Empfehlung an. Dafür bin ich da. Was möchtest Du mir raten?´, fragte Manti ruhig.

Boldiszàr
›Ganz meinerseits. Ich verstehe dich gerade auch überhaupt nicht. Meine Empfehlung, leg die Waffe weg, Bellamy und Tekuro sind auch unbewaffnet, sie sind nackt. Gehe zu ihnen, biete ihnen ein Glas Wasser oder Tee an und dann redet ihr.‹

Mantione de Mancini
Mantione legte sein Gewehr auf den Tisch und nickte seinen Leuten zu. "Ich gehe raus und rede mit den Gästen. Ansprechpartner ist Cosimo 2. Offizier, er hat in meiner Abwesenheit hier das Kommando. Camille steht ihm zur Seite, bis gleich", sagte Manti und verließ den Sicherheitsraum. Bevor er loslief schaute er, dass der Raum versiegelt war. `Du verstehst meine Sorge nicht? Woran liegt das? Wären hier zwei fremde Vampire an Bord, die Du nicht kennst, würdest Du mir das Gleiche raten? Denke darüber nach und antworte mir ehrlich. Ich bin der Letzte der Dir je etwas Böses will Boldi. Ich habe Dich sogar hierher geführt, ich habe für Dich gesprochen und die beiden abgeholt. Vergiss das bitte nicht. Wo sind die beiden?´, hakte er nach.

Boldiszàr
›Jetzt sind sie in Umbertos Kajüte und schauen sich dort alles an. Weißt du woran es dir mangelt, und das meine ich nicht böse? Vertrauen. In erster Linie sind auch Vampire nur Menschen und keine Monster. Würdest du mir dein Wort geben, dass diese Personen Freunde sind, dann würde ich das hinnehmen.‹

Mantione de Mancini
Mantione machte sich auf um Umbertos Quartier aufzusuchen und mit den Gästen zu reden. `Damit hast Du völlig Recht, ich vertraue niemanden der nicht zu unserer Welt gehört, weil ich diese Leute nicht einschätzen kann. Erinnerungen sind schön und gut, aber sie sind auch wie positive und negative Vorurteile, Urteile die man sich scheinbar selbst nicht bilden muss. Das mag manchmal stimmen, aber es kann ebenso ein Trugschluss sein. Und bevor ich mich irre und meine Welt sterben sehe, bin ich lieber misstrauisch und meinetwegen unfreundlich oder was auch immer. Du sollst nichts einfach hinnehmen nur weil ich das behaupte. Ich kann mich ebenso irren wie Du oder jede andere Person. Wir sind ein Team um uns zu unterstützen und uns nicht nach dem Mund zu reden... wobei das sagte auch mal einer meiner Vorfahren, Vanos Vater zu seiner besseren Hälfte Berzan... So schließt sich der Kreis. Wir sollten aufhören uns zu streiten, dass tut mir weh. Ich will nicht gegen Dich sprechen Boldi, ich bin Deine Stimme, nicht Dein Kritiker oder Gegner. Wisse das. Du weißt was ich für Dich empfinde, ich liebe Dich, vielleicht hilft Dir das, mich zu verstehen´, antwortete Mantione und betrat das Quartier von Umberto. Er schaute sich um und musterte Tekuro und Bellamy die dort alles besichtigten. "Und? Fragen, Anregungen oder sonstiges?", hakte Mantione nach und tippte Umberto kurz an, als Zeichen dass er hier bleiben würde.

Boldiszàr
›Berzan war mein Vater‹, schnaufte Boldiszàr wehmütig. ›Er und Mercer waren auf ihre Weise ein genau so schwieriges Paar wie Silvano und ich. Und Berzan war trotz seiner rauen Schale manchmal sehr weichherzig. Ich frage mich, ob Patti noch lebt.‹

Tekuro Chud
Tekuro saß mit seinem nackten Hintern auf Umbertos buntem Kopfkissen und untersuchte gerade die Patchwork-Bettdecke. »Eine Anmerkung. Dieses Handwerkszeug, das erinnert mich an die Silberbärte, zwei Piratenkapitäne aus alter Zeit. Das ganze fühlt sich gerade alles merkwürdig an. Boldi lebt. Silvanos Klon auch. Boldi hat mir gesagt, was du bist, wie du entstanden bist. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit.«

Mantione de Mancini
`Ich kann sie das gerne fragen, oder wer generell noch von der alten Truppe die Zeit überdauert hat. Nun unsere Familien sind schon länger verbunden. Nicht nur Dein Vater und Mercer waren es, sie sind sogar zusammen aufgewachsen. So wie Brüder, Dein Opa Basile lebte mit Ema und Laurent zusammen. Basile war der Vater von Berzan und Laurent war der Vater von Mercer. Basile hat Laurent bei sich aufgenommen nachdem er ihn gejagt und gestellt hatte. Eine lange Geschichte, ich vermute Du kennst sie´, antwortete Mantione Boldiszar. "Die Silberbärte waren Piraten, später Freubeuter under der Flagge Souvagnes. Jeder wie er es braucht nicht wahr? Aha und um die Vergangenheit zu begraben möchtest Du mich begraben, habe ich Recht? Boldiszar möchte wissen ob Patrice noch lebt und wer noch von der alten Garde am Leben ist", antwortete Manti Tekuro.

Tekuro Chud
»Ich will dich gar nicht begraben«, sprach Tekuro und streckte sich rücklings in Umbertos Koje aus, um zu probieren, wie man auf so einem schmalen Bett liegen konnte. Der Offizier war nicht gerade zierlich, sie waren sich recht ähnlich von der Statur her. »Mein Patti ist noch da, natürlich ist er das. Der Süße. Leider muss er aller paar Jahrzehnte in einen neuen Körper ziehen, das ist jedes Mal ein Kraftakt und vor allem scheißteuer. Ist nicht so, dass diese Art von Magie an jeder Straßenecke angeboten wird. Aber ich bezahl das, egal wie, das mach ich. Am Leben sind noch mein Papa, meine Mama und Nori. Vielleicht Mako, vielleicht Marlin, wer weiß das schon? In deren Genen muss ein Ledvigiano rumgerührt haben. Vermutlich war die Fotze, die ich damals hatte, in Wahrheit von da. Nicht mehr da ist Jendro. Er ist zu hoch hinausgeflogen mit seinen künstlichen Flügeln, kam in einen Scherwind und das war es dann für ihn. Ich bereue heute noch, dass ich ihn nicht vorher gebissen habe. Na ja. Nach seinem Tod habe ich sofort Tanuki gebissen. Zum Glück war er vorher schon fleißig, obwohl er da ganz jung war, ich hab ihm die besten Leckerchen vor die Nase gesetzt.«

Mantione de Mancini
"Stimmt, wozu sich die Mühe machen, jemanden unter die Erde zu bringen, wenn man ihn doch als Deko um den Hals tragen kann? Ich meinte das aber auch im übertragenen Sinn, sprich dass Du mich ermorden willst. Boldiszar nimmt Dir das nicht krumm, er scheint damit kein Problem zu haben. Ich hingegen schon. Das Patrice noch lebt, wird Boldi freuen, ebenso die anderen aus Deiner Familie. Soweit ich weiß, hatten sie niemals ein Problem miteinander. Um Jendro tut es mir leid, ich kannte den Mann natürlich nicht persönlich, aber die Erinnerungen sprechen gut von ihm. Auch wenn er seine Schattenseiten hatte. Dass der Umzug für Patrice sehr teuer ist, ist bedauerlich, aber von uns hast Du keinen finanziellen Zuschuss zu erwarten. Wir leben autark, oder so gut wie. Das was wir nicht selbst produzieren oder ernten, rauben wir. Möchtest Du noch etwas von Boldiszar wissen?", hakte Manti nach und ließ die beiden nicht aus den Augen, auch wenn es sich Bellamy nun neben Tekuro gemütlich machte. Er wusste nicht, was er von den beiden halten sollte.

Tekuro Chud
»Ich will von Boldiszàr alles wissen, was er erlebt hat in den letzten achthundert Jahren, alles! Mann, ich stecke grad echt in seinem Arsch, nicht mit dem Schwanz, sondern gleich komplett. Also das hätt ich mir auch nie träumen lassen. Aber wir haben ja Zeit, er kann mir alles Erzählen, jedes Detail, ich fühl mich pudelwohl.« Tekuro kuschelte seinen Kopf an Bellamy und lächelte breit. »Keine Ahnung, wie du drauf kommst, dass ich dich töten will, also echt. Aber dich als Sklave abzurichten, fänd ich auch nach achthundert Jahren noch geil. Ach ja, die Piranha-Zwillinge sind auch noch da, die kleinen Biester. Sie machen uns alle stolz und besorgt.«

Mantione de Mancini
"Falls Du Dir selbst beim Reden zuhörst, was scheinbar nicht der Fall ist, Du hast draußen gesagt das Du mich töten willst. Naja der Gedächtnisverlust scheint in der Familie zu liegen. Fühl Dich nicht zu wohl, Du wirst hier nicht bleiben und ich werde garantiert nicht Dein Sklave, soviel steht fest. Besorgt? Sowas kennst Du? Schau einer an, mit allem hätte ich gerechnet, aber damit nicht. Gut was genau möchtest Du über Boldi wissen? Er hatte vor mir 12 Kapitäne, zog mit 11 Kapitänen davon durch die Meere, der erste war Vano und er starb um Boldi zu erwecken. Ich bin der 13 Käptn und das gerade sehr ungerne. Damals als Du ihn so schändlich verraten hattest aus puren Egoismus, nach seiner Wiederbelebung hat er Davet an Bord geholt und mit ihm die Mannschaft aufgebaut. Marians so nennen wir uns selbst, Personen dessen Heimat das Meer ist und nicht das Land. Viele leben schon seit Generationen hier, so wie ich. Andere wieder wurden aufgelesen und gerettet. Also was möchtest Du wissen?", fragte Manti und betrachtete Tekuro missmutig.

Tekuro Chud
Tekuro kam aus der Rückenlage in einer fließenden Bewegung in die Hocke. Er glitt über Bellamy, in dem Moment schnurrte er leise und schenkte ihm einen Schmatz, ehe er mit den Füßen wieder den Boden berührte. Er schob Bellamy mit beiden Händen nach hinten und setzte sich auf die Bettkante. »Manti«, sagte er und sah ihn sich ganz genau an. »Komm mal her.«

Mantione de Mancini
Mantione legte den Kopf in einer Geste schief, die Bellamy und Tekuro nur allzusehr vertraut war und die Manti eigentlich überhaupt nicht nötig hatte, da er über zwei Augen verfügte. Das er am liebsten zu einer schneidenden Erwiderung angesetzt hätte, sah man dem jungen Käptn an, aber er tat Tekuro den Gefallen und ging zu ihm rüber. "Nun was möchtest Du?", fragte er lauernd.

Tekuro Chud
»Einen Begrüßungsschmatzer!« Tekuro grinste breit.
Das Schiff brummte. ›Robby, er ist erst zwei Monate alt. Lass den Kleinen.‹
»Sieht dafür ziemlich erwachsen aus«, fand Tekuro.

Mantione de Mancini
"Einen Kuss von mir? Spar Dir Deine Scherze für andere auf, warum sollte ich Dich küssen? Wobei... oh ich verstehe, man nennt das Beißen ja auch Kuss des Todes nicht wahr? Nein danke, ich habe keinen Bedarf daran als Gammelfleisch durch die Gegend zu torkeln", murrte Mantione der sich verarscht vorkam.

Tekuro Chud
»Und ich dachte, du erinnerst dich noch an alles, Satz mit X, war wohl nix. Egal. Belly und ich hätten gern die Gästekajüte. Führst du uns hin?«

Mantione de Mancini
"Sicher erinnere ich mich an alles, auch an das was Du vor fünf Minuten draußen vor der Tür gesagt hast, ebenso an das was Du 203 zu Vano gesagt hast, oder was ihr 204 getan habt und was Du 1077 zu mir sagtest, ich erinnere mich wie kein Zweiter. Gästekajüten haben wir nicht. Schade, aber nicht zu ändern, war schön Euch kennengelernt zu haben. Ich führe Euch zur Schleuse", sagte Manti mit dem falschesten Lächeln zu dem er im Stande war, so das Tekuro seine messerscharfen Zähne sehen konnte. Immerhin war Lächeln ja die eleganteste Art seinem Gegner die Zähne zu zeigen.

Tekuro Chud
»Oha, was haben wir denn da?«, fragte Tekuro und schaute Mantiones Zähne an, ohne Anstalten zu machen, aufzustehen. »Ist da der kleine Beißer wieder durchgekommen?«

Mantione de Mancini
"Was? Nein, keine Ahnung, ich habe schon seit meiner Geburt Zähne, alles andere wäre auch problematisch. Oder was genau meinst Du? Vermutlich verarscht Du mich eh nur wieder und ich spring gerade darauf an", stöhnte Mantione.

Tekuro Chud
»Deine Zähne sind gefeilt. Und wir beide wissen, das Silvano gern Augäpfel aß, menschliche, wohlgemerkt. Ich habe schon immer gesagt, dass du zu uns gehörst, genau wie Boldi, ihr fürchtet euch nur vor der eigenen Courage. Silvano war ein Beißer, Mantione, geboren mir zu dienen. Und wer an höhrere Mächte glaubt, der weiß, dass es kein Zufall war, dass Boldi doch instinktiv zurück in dein wahres zu Hause gebracht hat.«

Mantione de Mancini
"Du redest wirres Zeug Tekuro Chud. Zum ersten bin ich nicht geboren um Dir zu dienen, sondern ich bin geboren um Käptn dieses Schiffes zu sein. Mittler zwischen Schiff und Crew, das ist meine Bestimmung. Silvano hat nur die Augen und Herzen von seinen Feinden aus alter Tradition gegessen, damit die Feinde wirklich geblendet und vernichtet sind. Andere aßen Hirn und Herz, er aß die Augen und das Herz. Ebenso war es früher eine unausgesprochene Tradition gegenüber Landläufern, dass man die Geister der See um Beistand anflehte bei einer gewaltigen Unwetterfront. Geister der See kann man nicht mit Rum oder Taler bezahlen, sie verlangen ihren Tribut in Blut und schicken zur Abholung der Spende die Bruderschaft der Dreiecksflosse - heilige Haie. Und die Anrufung ging wie folgt, den Jüngsten der Mannschaft beugte man über die Reling und schnitt ihm dann die Kehle durch und ließ ihn ausbluten, bis die Haie kamen. Kamen sie, schmiss man ihn über Bord, so dass er aufgefressen wurde. Das hat auch nichts mit Menschenfresserei zu tun, das war einfach eine Tradition. Andere haben bei Flaute von einem Hai eine Flosse an den Mast genagelt in der Hoffnung auf Wind oder schneller zu segeln. Hat das was mit Menschenfresserei zu tun? Nein nichts, es ist purer Seemannsglaube, Davy, die Geister der See, die Haie und und und. Also erzähl mir nicht so einen Unfug. Du hast das Fett ja nicht mal selbst geerntet und ausgelassen, sondern gestohlen", grinste Manti gut gelaunt.

Tekuro Chud
»Wenn du wirklich Silvanos Erbe bist, dann weißt du, dass auch bei mir etwas dahintersteckt, dass man Aberglaube nennen könnte. Für mich aber ist das sehr wichtig. Meinst du, ich fraß wahllos irgendwen? Oder dass ich heute das Blut von irgendwelchen Pennern saufe? Erinnere dich, Mantione. Dann siehst du, wie ähnlich wir uns schon immer waren und noch immer sind.«

Mantione de Mancini
Mantione rieb sich das Kinn und schaute Tekuro in die Augen, seine waren fast so hellblau wie die von Bellamy oder einst Boldiszar. Die von Tekuro waren dunkel und wirkten durch seine Haltung noch düsterer. "Ich weiß nicht was Du versuchst, vermutlich ein Band zwischen uns zu knüpfen. Aber das sollte mit Ehrlichkeit einher gehen und nicht mit Manipulation. Boldiszar sagte mir fehlt es an Vertrauen. Das mag sein, aber ich kann schließlich niemandem trauen der erst behauptet mich ermorden zu wollen und mich dann als sein Sklave abrichten will. Ja ich weiß wie ähnlich Du und Vano Euch wart, in manchen Dinge so ähnlich, dass Ihr Euch gegenseitig nicht ertragen habt. Ihr wart der Spiegel des anderen, für die Seite die Ihr selbst nicht sehen wolltet. Das war so, daran kann ich nicht rütteln. Auf der anderen Seite habt Ihr Euch auch verstanden, stumm und heimlich im selben Verlangen oder in der gleichen Gier. Auch daran erinnere ich mich. Ebenso an das Geschenk dass er Dir einst machte, wobei er Dir mehrere machte, aber Du nur eines wahrgenommen hast. Wen Du gefressen hast, daran habe ich keine Erinnerung, denn Vano war nicht dabei, dazu kann ich Dir nichts sagen. Wessen Blut hast Du getrunken?", fragte Manti, er wollte die Sicht von Tekuro hören, beließ es aber vorerst bei der Frage, da er nicht wusste wie der Vampir reagierte. Für Manti war er schwer einzuschätzen.

Tekuro Chud
Tekuro lehnte sich etwas zurück, so dass er Bellamy am unteren Rücken spürte und seine Haltung entspannte sich etwas. Er blickte nach oben zur Decke, die nun so etwas wie Boldiszàrs Brustkorb von innen war und legte seine Hand an die Wand. Dass er einmal eine Wand streicheln würde, weil sie lebte, hätte er sich so wenig träumen lassen wie alles andere, was heute geschah. »Ja, das versuche ich. Ich bin durcheinander, es ist ganz schon viel alles. Nicht nur für dich, Manti, auch für mich. Vano hat nie verstanden, was ich für Boldi wirklich gefühlt habe, er dachte, ich bin einfach spitz auf ihn. Aber ich bin nicht nur ein Gierschlund. Ich hab ein Herz, das kalt ist und doch noch lieben kann. Vor achthundert Jahren hätte ich das nie zugegeben, aber ich hab mit den jungen Männern, die ich gegessen habe, manchmal heimlich gespielt, dass wir uns liebhaben. Und dann hab ich sie wirklich ... zu meinen gemacht. Die meisten hab ich nicht getötet, sondern nur angefressen und dann laufen lassen. Sie waren so süß. Nur manchmal, wenn ich komisch drauf war ... mussten sie ganz meine werden.«

Mantione de Mancini
Mantione setzte sich im Schneidersitz auf den Boden und schüttelte langsam den Kopf. "Dann hast Du Vano nicht verstanden. Er wusste was Du in Boldiszar siehst. Vano ist niemals davon ausgegangen, dass Du spitz auf Boldiszar warst. Er wusste das Du für Boldi der Bruder und Lebensretter aus Kindertagen warst. Mehr sogar als ein Bruder, ihr beiden wart Seelengefährten, Zwillinge die sich selbst ausgesucht hatten oder die sogar das Schicksal zusammenführte unabhängig davon wer sie gebar. Was er zuerst von Dir hielt, ist unerheblich. Dennoch hat er Dir und Deinen Beißern an Bord der Chouas Unterschlupf gewährt. Nicht für Dich selbst, dass ist klar. So gut kannte er Dich nicht, aber er tat es für Boldi. Damit er nicht erneut seine Familie verliert, die einzige die er noch hatte - Dich. Wie es später kam, dass aufgedeckt wurde, wer die Agenten waren, wer die Kinder waren und die ganze Geschichte, ist etwas anderes. So bekam er Bellamy als Bruder zurück, den man ihm einst entriss. So bekamt Ihr Euch alle zurück, Euch selbst und Eure Vergangenheit. Euer Begehren lag nie auf der körperlichen Ebene, ihr habt Euch auf andere Weise geliebt. Und wenn Ihr Sex miteinander hattet, dann über Mittler, Zwischenboten, so dass Ihr Euch nicht berührt. Boldi sah Dir zu, oder Du ihm. Du hast seinen Mann berührt, er ihn ebenso, aber Euch gegenseitig habt Ihr niemals so angefasst. Vano hat Boldiszar auf ähnliche Weise geliebt, aber es war eine Partnerschaftliche Liebe, eine Liebe die ein Verbund dargestellt hat, ähnlich meinem Verbund heute mit ihm. Boldi war seine Welt, sein Anker, sein Navigator, sein Schiff wenn Du so willst. Wenn sie Sex hatten, hatten sie Spaß aber meist haben sie sich dabei geliebt. Dem körperlich Ausdruck verliehen, was sie im Herzen fühlten, sich wurden in dem Moment eins. Sie waren Liebende, beste Freunde, Beschützer und Baby, dass alles waren sie füreinander. Und warum Du Boldiszar letztendlich getötet hast, dass hat Vano schon verstanden. Du wolltest Boldiszar nicht verlieren, darum der Biss, darum der Tod. Er wusste all das und er verstand Dich. Aber Du warst der Bruder, Du hattest nicht das Recht ihnen ihren gemeinsamen Abschied zu zerstören. Deshalb hat er Dich gejagt und wollte Dich töten. Aber er wurde zu schwach und schaffte es nicht mehr, darum ließ er von der Jagd ab und nutzte das bisschen an Kraft die er noch hatte für Boldi. Er entschied sich dafür Leben zu geben, anstatt zu nehmen mit seinem letzten Atemzug. Und ja, auch darin wart Ihr Euch gleich. Du wolltest Boldi nicht gehen lassen. Vano ebenso wenig. Darum ist Boldi heute noch hier und ich bin es ebenso. Du hast sie getötet um sie Dir einzuverleiben, so wie Archibald von Dornburg die Kinder fraß, ich verstehe das, ebenso wie es Vano verstand. Deine Angst irgendwen zu verlieren ist übermächtig", antwortete Manti erstaunlich umgänglich.

Tekuro Chud
»Ja, so war das«, gab Tekuro zu. »Und ich verrate dir was, das du nicht wissen kannst. Das Geschenk ist noch da. Ich habe es aufgehoben, all die Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte. Ich hätte auch Vano gern mitgenommen, aber ich wusste, er würde mich dafür töten wollen und ich brauch nicht meinen Henker an meiner Seite. Aber Boldi, dachte ich, würde sich damit abfinden, wenn er den Schock erstmal verwunden hat.« Er streichelte die Wand, setzte sich auf den Boden und rieb seinen Kopf daran. »Tut mir so leid, Großer ... glaub mir, ich habe dafür bezahlt. Ich bezahle noch immer dafür. Ich habe nicht nur dich getötet, sondern einen Teil von mir gleich dazu, der nie wieder lebendig wird. Wenn es ein Land gäbe, in dem Folter verboten wäre, dürfte ich dort nicht über die Grenze, weil ich selbst mein schlimmster Peiniger bin. Und zu Recht.« Er blickte wieder zu Mantione, ohne den Kopf von der Wand zu nehmen. »Boldi war so viel mehr als nur mein Bruder. Ich habe es so oft versucht zu erklären, aber ich weiß nicht, ob mich je irgendeiner verstanden hat. In einer Welt, in der ich nichts hatte außer ihn, war er alles. Du hast deine Mannschaft, deine Offiziere, Boldi als Schiff und vermutlich hundert tolle Freunde. Deine Liebe und Freundschaft verteilt sich. Bei mir war alles Gute, was ich erlebte, in einer Person versammelt. Die Welt war für mich ein trostloser Ort, ein grauer Tag unter dem Windmond. Es gab nichts, was sie mir zu bieten hatte. Boldi war meine Sonne, mein Bruder, mein Mentor, mein Gott. Andere beten zu Ainuwar, wenn es ihnen schlecht ging. Ich habe zu Boldiszàr gebetet. Und ja, du hast ganz Recht, Silvano und ich haben uns gespiegelt. Aber es war ein Zerrspiegel, denn obwohl wir uns so sehr ähnelten, verstanden wir uns gegenseitig nicht. Oder haben wir beide nur gelogen? Haben wir nur behauptet, der andere würde keine Ahnung haben, während er in Wahrheit genau ins Schwarze traf? Haben wir gefürchtet, dass er durch unsere Maskerade direkt in unsere nackte Seele blickt, all die Abgründe kennt, die wir verstecken wollen?«

Mantione de Mancini
Manti schenkte Tekuro ein kurzes Lächeln. "Ihr habt Euch beide selbst belogen und zwar um vor der Wahrheit die Augen verschließen zu können. Jene Wahrheit die Ihr beiden in dem anderen gesehen habt und die mitten ins Herz traf. Also seid Ihr Euch angegangen, habt von dem anderen behauptet er, er würde Euch nicht verstehen. Dabei habt Ihr Euch viel zu gut verstanden. Das was Boldi für Vano war, war er somit auch für Dich. Er war Vanos Welt und er war Deine Welt. Aber Welten haben den Vorteil, dass man dort nicht alleine leben muss. Darum zu kämpfen ist sinnlos. Ihr hättet diese Welt teilen können, denn jeder benötigte von dieser Welt etwas anderes. Du der Bruder, er der Ehemann - als Metapher Du als Landläufer, Vano als Marian. Warum solltet Ihr nicht auf einer Welt klarkommen? Ihr wart eine Familie, hättest Du Vano und Boldi retten wollen und sie wären einverstanden gewesen, hätte es keinen Groll gegeben. Dein Frevel war, sie auseinander zu reißen und das weißt Du. Denn Du hast Dir damit genau das Gleiche angetan. Du hast Dir selbst Boldiszar entrissen und Dir größten Schmerz zugefügt. Und damit weißt Du auch, was Du Vano angetan hast. Du hast sie einst Familie genannt Tekuro. Wieso hast Du das Geschenk noch? Beantworte mir das", bat Mantione.

Tekuro Chud
Tekuro sah ihm ruhig in die Augen. »Weil ich um Silvano trauere. Was glaubst, du, warum ich hier so rumgekotzt habe. Aus Bosheit? Heute solltest du es besser wissen. Ich vermisse Silvano, ich hab um ihn geheult, als das Hausboot verfiel und niemand mehr da war. Auch um den kuscheligen Davet. Alle waren fort, tot. Und ich stand da auf dem Deck des Hausbootes, was verlassen verstaubte und vor sich hin moderte. Das ist ein Schmerz, der nicht zu ertragen ist. Heute achte ich besser darauf, mit wem ich mich anfreunde. Nicht mit Sterblichen, die mein Geschenk ablehnen, niemals. Nur mit Vampiren oder sterblichen Anwärtern für die Schatten, die bereit sind mir in die Dunkelheit zu folgen. Aber damals war ich noch naiv, na gut, ich wusste ja nicht, dass ich einst unsterblich werden würde. Du sagst, mein Fehler war, sie auseinanderzureißen. Was hättest du an meiner Stelle getan, Mantione? Abgewartet, bis sie tot sind? Noch ist es nicht zu spät, eine gemeinsame Welt zu teilen. Boldi war schon damals die Welt von Silvano und mir und heute ist er wirklich eine eigene Welt für sich. Ein lebendes Schiff, Gottheit für eine ganze Mannschaft an Marians. Und da soll kein Platz für eine Gästekajüte sein? Wenn nicht ... im Hafen lasse ich für Boldi eine riesige Nische bauen. Und Gästezimmer haben wir genügend. Weil ich mag Besuch.«

Mantione de Mancini
"Sich etwas denken und es zu hören, ist zweierlei und es freut mich zu hören, dass Du um Vano getrauert hast. Das bedeutet uns viel, ich spreche damit in seinem Namen. Nun vielleicht solltest Du nicht vorsichtiger sein mit der Wahl Deiner Freunde, sondern daran mit Freundschaft anders umzugehen. Vielleicht mag Dir ein Sterblicher nur 20 - 30 Jahre ein Freund sein, aber auch das ist schon eine lange Zeit und ich würde keine Minute mit einem Freund missen wollen. Mit jemanden den ich liebe schon gar nicht. Gleich welche Frisur er trägt, ich weiß ja warum oder für wen er sich so hübsch macht. Wieso solltest Du das in Deinem Alter nicht auch begreifen können? Was ich an Deiner Stelle getan hätte? Das ist eine gute Frage, vermutlich genau dass ja - ihre Entscheidung akzeptiert. Das sage ich allerdings jetzt, wo ich nicht in der Situation bin. Denn gehe ich nach meinem Vorfahren, dann weiß ich, dass Vano ebensowenig die Entscheidung von Boldi respektierte, da er es nicht konnte. Er liebte ihn zu sehr um das als Ende für ihn stehen lassen zu können. Er wäre gerne mit ihm Hand in Hand gegangen, an einem schönen Tag wo sie gemeinsam eingeschlafen wären mit dem Blick auf den Ozean. Aber das war nicht mehr möglich, also versuchte er Boldi eine zweite Chance zu geben und das hat er letztendlich auch geschafft. Auf seltsame Art und Weise ist Boldi wieder da und ein Stück von Vano auch. Man könnte sagen ich bin er und bin es doch nicht, stets wiedergeboren und doch eine eigene Person, das ist unser Schicksal als Kapitäne dieses Schiffes. Wurden wir gefragt? Nein. Aber es ist alles was ich kenne, es ist mein Schicksal und es macht mich glücklich. Also warum muss man denn alles hinterfragen und kann nicht einfach mal etwas akzeptieren? Hat Dir seine Liebe nicht alles bedeutet? Hast Du nicht Boldi genau deshalb geliebt, weil er so war wie er gewesen ist? Möglicherweise gehört zu einer heftigen Liebe auch immer eine Spur Egoismus, denn man selbst gibt sich ein Stück weit auf um den anderen zu bekommen, zu halten. Man möchte eins mit ihm werden, mehr als nur ein Verbund von zwei. Etwas das darüber hinausgeht, das ist ein gutes Paar und das gilt auch für Brüder und Freunde. Und nebenbei, wir haben wirklich keine Gästekajüten, leerstehende ja, aber Gäste hatten wir nie. Jene die wir auflesen bleiben, sonst lesen wir sie nicht auf. Das heißt nicht, dass Ihr nicht in einer leeren Kajüte übernachten könntet. Du meinst Du möchtest Boldi einen eigenen Liegeplatz errichten lassen? Das rührt mich muss ich gestehen", freute sich Manti.

Tekuro Chud
»Ich hab nicht um Vano getrauert, ich trauere immer noch um ihn. Ich schreibe ihre Namen mit Blut, an einem Tag wie diesem muss die ganze Welt leiden. Niemand soll lachen, während sich eine solche Katastrophe jährt. Drum die Gedärme. Es gibt eine Halle, da stehen die Namen eingemeißelt. Jeder, den wir verlieren, kommt dazu. Man kann sie lesen und ich kenne jeden Einzelnen von ihnen noch ganz genau. Ich vergesse niemanden je.« Er fragte sich, was Mantione mit seiner Frisur meinte, als er sah, wie Umberto, der schweigend dastand, die Wumme im Anschlag, den Kapitän auf einmal ansah. Tekuro verstand sofort. Umberto schien ein schräger Vogel zu sein, aber vor allem war er eins: Muskulös und dunkelhaarig, sehr maskulin trotz seiner unglücklichen Farbwahl und dem Plunder, den er hier herstellte. »Ob es Egoismus ist, jemandem das Leben retten zu wollen, weiß ich nicht. Klar will man denjenigen nicht verlieren, aber kann ein guter Freund zulassen, jemanden einfach sterben zu lassen? Ich könnte dafür sorgen, dass dein Umberto niemals altert. Theoretisch. Ob ich das machen würde, ist eine andere Sache. Aber ich könnte es, denk mal ganz ehrlich darüber nach, ob dir das gefallen würde. Und ja, ich mach für Boldi einen eigenen Hafenbereich, er muss nur sagen, wie er es haben will, und direkt davor eine Sitzecke, eine richtig große mit Kuschelplatz und allem.«

Mantione de Mancini
"Das Angebot muss Umberto selbst annehmen oder ausschlagen, aber eines steht fest - eines Tages wird mich der Ruf ereilen und ich werde mein Leben geben um den Keim des neuen Käptns zu pflanzen. Also falls er dieses Angebot annehmen will, dann nur um seiner Selbst willen. Meine Zeit ist endlich, über mögliche Unsterblichkeit muss jeder für sich nachdenken. Ich würde damit mein Kind, mein Keim jede Chance auf Leben nehmen. Und ich selbst möchte auch gerne leben, erleben, genießen und die Welt in die ich hineingeboren wurde erst einmal kennenlernen, bevor ich mir um so etwas Gedanken machen muss. Die Halle der Namen würde ich gerne einmal sehen, wer dort steht, das würde mir etwas bedeuten. Zum Teil ist es Egoismus, Du möchtest die Person nicht verlieren. Reiner Egoismus sieht anders aus, dieser kann nicht lieben. Vielmehr liebt sich so eine Person nur selbst. Ein Hafenbereich wo er aufgetaucht liegen kann, ein etwas abgeflachter Bereich wo er seinen Kopf auf den Boden betten kann, falls Ihr reden möchtet. Das wäre von seiner Seite aus praktisch und gemütlich. Eine Sitzecke wäre dann für Dich und Deinen Partner, so dass Ihr dort gemeinsam sitzen würdet, Du, Bellamy und Boldi", schlug Mantione vor.

Tekuro Chud
»Du weichst meiner Frage aus. Du hast Schiss, zu dem selben Schluss zu kommen wie ich. Gut, deine Sache. Belly ist übrigens nicht mein Partner, schon lange nicht mehr. Er ist mein Mann, wir sind verheiratet. Er hat mir einen Antrag gemacht, indem er mir meinen ausgekugelten Arm eingerenkt hat und ich Dämlack hab das nicht gerafft. Weißt du was unser Lied war, unser Hochzeitslied? Ein Kinderschlaflied. Au clair de la lune, im Mondschein. Passt das nicht wundervoll für zwei Vampire? Er sang es mir vor, als ich so traurig war, weil ich meinen Patti vermisste und hielt mich im Arm. Außer Boldi war er der Einzige, dem ich damals meine Tränen zeigte. Und er war der einzige, der mich dabei in seinem Arm hielt und wo ich wagte, sie einfach fließen zu lassen. Ich fühlte mich sicher und geborgen, der Panzer fiel einfach runter und da blieb er liegen und er schützte mich stattdessen. Man suchte die Feder, man suchte das Feuer. Bei dieser Suche fand man, ich weiß nicht was. So heißt es im Lied. Aber ich weiß genau, was wir damals gefunden haben.« Er schenkte Bellamy einen Blick voller Liebe, die sich im Laufe der Jahrhunderte nicht abschwächte, sondern mit jedem Jahr verstärkt hatte. »Die Kuschelecke ist nicht nur für Belly und mich, sondern auch, damit Boldi mal wieder zuschauen darf, wenn er mag. Wobei, er sieht hier alles, oder?«

Mantione de Mancini
"Nein ich habe keinen Schiss Tekuro, ich weiß es einfach nur nicht. Möglich dass ich wie Du und Vano reagieren würde, sehr wahrscheinlich sogar, aber tatsächlich wissen kann ich es nicht. Wir alle handeln oft sehr ähnlich, aber es gibt auch Dinge die jeder einzelne von uns, ganz nach seinem eigenen Empfinden entschieden hat. Drum kann ich die Frage nicht beantworten. Würde ich Umberto gehen lassen wenn er wollte? Ich würde seine Meinung achten wollen. Könnte ich ihn wirklich gehen lassen? Tja, das weiß ich nicht. Es kommt vermutlich sogar mit auf den Umstand an. Als alten Mann, der alles gesehen und erlebt hat, vermutlich ja. Ich würde seine Hand halten und warten bis er zur letzten Fahrt aufbricht, auch wenn es mir das Herz brechen würde. Aber wäre er verletzt und ich könnte ihn retten, würde ich genau das tun. Also was soll ich Dir sagen Teku? Ich kann es mir selbst nicht beantworten. Nun daran habe ich nicht gedacht, es freut mich dass Ihr verheiratet seid. Ein Schlaflied, im Mondschein - beides passt, das Schlaflied und der Mondschein. Ihr seid schließlich Kinder des Mondes. Das hast Du sehr schön beschrieben, den Panzer ablegen zu können und bei jemanden weinen zu können ist mit das vertrauteste was man tun kann. Es zeugt von großer Zuneigung und Liebe und beides sieht man auch in Eurem Blick. Ich selbst habe die Liebe noch nicht kennengelernt, nicht persönlich, nur als Erinnerung. Ich spreche von begehrender Liebe, nicht die Liebe die eine Mutter oder ein Vater schenkt, so wie sie mir Boldi zu Teil werden lässt. Ich erinnere mich sogar an die Liebe zwischen ihm und Vano, auch an die Körperlichkeiten. Was manchmal seltsam ist, da ich mich nach ähnlichem sehne. Kuscheldecke? Ja so etwas kenne ich auch, aber in einem anderen Zusammenhang. Boldiszar sieht alles, hört alles, spürt alles. Er weiß was jeder Einzelne hier treibt, ob er schläft, isst, arbeitet, Sex hat, ein Kind bekommt und und und. Er weiß alles. Ob er Euch zuschauen möchte, muss er selbst entscheiden. Allerdings sieht er nicht allein, all das was er wahrnimmt, nehme ich ebenso wahr, wir beide sind untrennbar verbunden. Nur wenn unsere räumliche Trennung zu groß wird, dann können wir einander nicht mehr hören und fühlen und dann werde ich krank. Ich wundere mich über den Wandel unseres Gesprächs, aber ich bin auch sehr froh darüber, dass wir nicht die Feinde sind, von denen ich ausging", sagte Manti freundlich.

Tekuro Chud
»So war es schon immer«, erklärte Tekuro. »Vano und ich haben uns dermaßen gezofft, dass er sogar einige Male versuchte, mich umzubringen. Merk dir das, nicht ich hab das gemacht, auch wenn ich mich gern mal mit Gedärmen schmücke, das war er. Weil ich ihn nie tot sehen wollte, ich hätte ihn nur gern auch zu meinem gemacht. Boldi hat es erlaubt, auf seine Weise. Aber Silvano, der sture Hammel, war stur. Dabei hätte es ihm gut getan. Auf der anderen Seite haben wir uns oft so tief unterhalten, wie wir zwei jetzt. Wie das zusammenpasst, weiß ich nicht. Es ist wohl das, was man Hassliebe nennt. Dass du dich nach Nähe sehnst, ist ganz normal. Es hat lange gedauert, bis ich das begriffen habe, drum mache ich es dir leicht und sage es dir gleich zu Anfang. Kämpf nicht dagegen, lass es geschehen. Du kannst Ebbe und Flut nicht aufhalten, indem du dich gegen sie stemmst, das wird ein Kraftakt, der dich früher oder später von den Füßen reißt. Besser ist es, sich ihrer Kraft hinzugeben und von ihnen treiben zu lassen. Das ist der angenehmere Weg.« Er bekam Sehnsucht nach seinem Mann, klopfte Boldis Wand und kroch wieder zu Bellamy, indem er sich vor ihn setzte und seinen nackten, haarigen Hintern gegen seinen Bauch presste. »Ich muss dir was sagen, Manti.«

Mantione de Mancini
"Nur zu, sag mir was Du mir immer sagen möchtest. Ich muss Dir ebenso etwas sagen, Vano hat Dich nicht gehasst. Wieso sollte er einer Person die er hasst einen Kompass schenken? Ihr wart beide zu stur, manchmal habt Ihr genau das getan, was Du mir gerade geraten hast. Ihr habt es einfach geschehen lassen und Euch verstanden, dann wart Ihr auf einer Wellenlänge. Und dann konntet Ihr in Liebe und Freundschaft reden. Aber sobald einer von Euch ein Problem bekam, war der andere der Blitzableiter. Vor allem dann, wenn Ihr Euch selbst gerne für einen Fehler in den Arsch getreten hättet. Dann hast Du ihn bestraft und er Dich, weil das natürlich einfacher und angenehmer ist. Er hat nur einmal versucht Dich umzubringen und zwar mit der Harpune. Dort wo er Dir einmal den Flügel gebrochen hat vor einer Ewigkeit, da wollte er Dir nur so richtig einen Schrecken einjagen. Den hat er sich damit aber selbst eingejagt und dafür sogar noch von Boldi einen Tritt kassiert. Ich werde Deinen Rat bezüglich der Liebe beherzigen. Also was möchtest Du mir sagen?", hakte Manti neugierig nach.

Tekuro Chud
»Ich weiß ... dass er mich nicht hasste. Aber ich hab nicht verstanden, warum er dann so gemein zu mir war. Ich glaub, er hat einfach gesponnen, so wie mein Patti manchmal. Und du willst mich eigentlich auch nicht töten, weil du mich magst. Du bist nur noch klein und ängstlich, drum besonders giftig, das ist alles. Nimm dir ein Beispiel an deinem Ersten. Der ist die Ruhe selbst, obwohl ich dich knutschen wollte. Zumindest tut er ziemlich gut so. Und er hat Kiemen, wie ich sehe. Seid ihr alles Ledvigiani oder wie seid ihr durchgemischt? Was ich dir sagen wollte ...«

Mantione de Mancini
"Das sagt man auch von Schlangen, die ganz jungen und die ganz alten Schlangen sind besonders giftig, da sie sich noch nicht so gut oder nicht mehr gut verteidigen können. Stimmt, ich wollte Dich nicht töten, aber wenn Du mich dazu zwingst, werde ich es tun. Die Wahl Du oder ich fällt mir leicht, mein Arsch ist mir der näher als Deiner. Umberto ist ein gebürtigerLedvicco richtig, aber nun ist er ein Marian. Sogar schon eine sehr lange Zeit. Damals als Davet und Boldi die erste Mannschaft auswählten, blieben diese an Bord. Viele fanden sich hier, zeugten Kinder, wurden selbst alt und vergingen. Ihre Kinder fanden sich und zeugten Kinder, so wie ein kleines Dorf. Manchmal kommt ein Fremder vorbei und wird in dem Dorf aufgenommen. So sind wir durchmischt. Nun was möchtest Du mir sagen? Sag es doch auch", grinste Manti.

Tekuro Chud
»Dass ich nicht wieder gehen kann«, erklärte er. »Ich bleib jetzt hier sitzen.«

Mantione de Mancini
"Wie Du kannst nicht gehen? Beine eingeschlafen oder was meinst Du?", gibbelte Manti.

Tekuro Chud
»Es geht einfach nicht, weil sobald ich aus Boldi rausgehe, wird er abtauchen und für weitere 800 Jahre verschwinden und du gleich mit. Und zum Lachen ist das vielleicht für dich, Desnoyer, aber nicht für mich.«

Mantione de Mancini
"Und wenn es nur 799 Jahre wären? Weißt Du, Du könntest uns auch einfach einladen zu bleiben und freundlich sein. Das wäre eine sehr gute Möglichkeit uns zu halten", schlug Mantione freundlich vor.

Tekuro Chud
»Wie weit kannst du dich von Boldi entfernen, ohne krank zu werden?«, wollte Tekuro wissen. »Wird Boldi dann auch krank oder schwimmt er notfalls auch ohne dich weiter?«

Mantione de Mancini
"Maximal vielleicht tausend Meter? Soweit war ich nie von ihm entfernt. Die Entfernung ist auch nicht das Schlimme, sondern der Zeitraum. Bin ich zu lange von ihm getrennt, werde ich krank und schlimmstenfalls würde ich daran zu Grunde gehen. Er könnte theoretisch ohne mich weiter schwimmen, aber er würde genauso erkranken, denn er trägt dann keinen neuen Keim in sich. Er wäre allein. Also Du kannst ihn nicht kapern", antwortete Manti und musterte Tekuro misstrauisch.

Tekuro Chud
»Ich wollt ihn nicht kapern, ich wollt dich als Geisel nehmen.« Tekuro grinste breit. »Du bist jung und hübsch und genau wie Silvano, wir haben viel nachzuholen.« Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da fegte ein Geschoss über seine Haare und zog ihm einen Scheitel, ein schwarzer Krater wurde in die Wand hinter ihm geschlagen. Boldiszàr stöhnte schmerzerfüllt auf. Umberto richtete die Waffe nun genau auf Tekuros Gesicht.

Mantione de Mancini
"Mir scheint Umberto möchte nicht, dass ich als Geisel genommen werde und ich muss sagen, ich sehe das ganz genauso. Vielleicht solltest Du Deine Einladungen anders formulieren, ehe Dir noch ein großes Unglück geschieht", sagte Mantione und warf Umberto einen stolzen Blick zu.

Tekuro Chud
Tekuro hob die Hände in einer Geste der Unschuld auf Schulterhöhe. »War ja nur eine Idee. Aber ich brauch eine Garantie, dass ihr Wort haltet. Ein anderes Besatzungsmitglied?« Der Blick von Umberto wurde nicht freundlicher. Und den hatte Tekuro gerade eben noch entspannt genannt.

Bellamy:
Bellamy musterte Tekuro und verkniff es sich mit den Augen zu rollen. "Teku hör doch auf mit dem Unfug, gerade lief es zwischen Euch endlich rund, da holst Du aus um ihm ultimativ vor das Schienbein zu treten. Ist das nötig? Du möchtest sie wieder in der Familie haben und nicht im Keller als Sklaven! Nimm bitte die Waffe weg, er meint das wirklich nicht so. Er redet gerne Scheiße und bringt sich dabei in Gefahr. Er wird niemanden als Geisel nehmen, dafür sorge ich. Dafür liebt er Boldiszar viel zu sehr, nicht wahr?", sagte Bellamy und zog Tekuro am Ohr. "Mach nur so weiter, wenn das Kaz erfährt", murrte Belly und tätschelte die Wand, also Boldi.

Tekuro Chud
Tekuro hätte Mantione sehr wohl lieber sicher im Keller gewusst als hier draußen, wo er sich samt Boldiszàr aus dem Staub machen konnte. Angekettet. Oder irgendwen anderes, ohne den Boldiszàr niemals fahren würde. Nebenbei ein wenig Spaß haben. Aber Bellamy erinnerte ihn daran, nun besser zu lügen. Tekuro war manchmal aufbrausend und provokant, aber wenn jemand eine Waffe auf sein Gesicht richtete, auch auf die Gefahr hin, das Schiff, in dem er stand, zu versenken, gab ihm das dennoch zu denken. »War nur Spaß«, erklärte er. »Wir haben übrigens auch normales Essen, wir sind nicht alle Vampire. Wir können zusammen Essen und ihr bei uns schlafen.«

Mantione de Mancini
"Hat Jaques de Dusolier den gleichen Spaß kennengelernt? Ich kenne Dich besser als Dir lieb ist. Du solltest solchen Unsinn lassen, sonst endet das noch unschön. Was hast Du denn im Angebot, essentechnisch und antworte jetzt nicht Sahne", erklärte Mantione und legte Umberto eine Hand auf den Arm.

Tekuro Chud
Umberto nahm die Waffe ein Stück schräg nach unten, so dass er nicht mehr auf Tekuro zielte. Der setzte sich bewusst anders hin, um gelassen auszusehen. Er leckte Bellamy an und blickte dabei bewusst weg von Mantione und Umberto. »Wir haben alles im Angebot, was Sterbliche eben so essen. Brot, Gemüse, Synthfleisch und echtes Fleisch, Shakes, Kuchen ... nur Milch nicht, das verträgt von uns kaum einer. Saft. Und ja, auch Sahne.«

Mantione de Mancini
"Ich bezog die Sahne auf einen alten Witz, wie steht es mit Fisch? Habt Ihr Fisch im Angebot? Fleisch habe ich noch nie gegessen, keine Ahnung ob ich das mag. Normalerweise esse ich Fischrollen, das ist dünner Teig mit Blattgemüse und Fisch drin. Warum leckst Du die Leute und Leviathane an?", fragte Manti und setzte sich so, dass er Umberto berührte.

Tekuro Chud
»Klar haben wir Fisch, viel zu viel davon. Drum versuch ich, auch was anderes Ranbringen zu lassen, man kann nicht nur Fisch und Reis essen, nur weil man Arashi-Gene hat. Da weiger ich mich, das zu akzeptieren, dass meine Beißer sich so ernähren! Das ist einseitig und stinkt. Warum ich Leute und Boote anlecke, kann ich dir demonstrieren. Wenn du es fühlst, weißt du, warum. Komm her.«

Mantione de Mancini
Manti schaute etwas zweifelnd zu Umberto hoch, stand dann aber auf und setzte sich neben Tekuro. "Doch man kann prima von Fisch und Reis leben, sieht man ja an mir, wobei ich selten Reis gegessen habe, einmal um genau zu sein. Ich bin bereit, wenn Du es bist", sagte Mantione und kniff die Augen etwas zusammen, er hoffte Teku würde ihn nicht nass abschlabbern.

Tekuro Chud
Tekuro warf Umberto einen gehässigen Blick zu. Der Kerl mochte ihm einen Scheitel gezogen haben, aber diese Runde ging an ihn. Er legte, ganz vorsichtig, einen Arm um Mantione, wobei er die Handfläche sanft an ihn drückte. Er streckte die Zunge heraus und leckte ihm langsam und besonders zärtlich vom Schlüsselbein den Hals hinauf bis zu seiner Schläfe. Dann betrachtete er die feuchte Stelle. »Darum«, schnurrte er.

Mantione de Mancini
Manti unterdrückte ein Erschauern und stand wieder auf. "Aha, danke für diese sehr... anschauliche Erklärung. Sie ist fast selbsterklärend, wenn man es fühlt. Leck bitte nicht mehr auf Boldi herum, wobei er hat ja auch an Dir herumgeleckt", antwortete Manti verwirrt und stellte sich neben Umberto und legte ihm einen Arm um die Schulter. "Gut, Ihr beiden könnt hier übernachten, wir werden morgen die Halle der Erinnerung aufsuchen um die Namen zu lesen. Und ich verlasse mich auf Euch, dass Ihr hier niemanden angeht. Sonst sind wir für immer weg, merke Dir das. Umberto zeig den beiden eine freie Kajüte, wobei ich komme mit. Ich muss danach mit Dir reden", erklärte Manti freundlich.

Tekuro Chud
»Boldi hat mich noch nie angeleckt, als wir menschlich waren. Aber ich hab ihm mal die Finger ins Maul gesteckt, weil ich die nass machen wollte, aber nur einmal, weil das hat ihm gar nicht gefallen. Sie haben wohl nach irgendeinem Schwanz geschmeckt, der ihm nicht passte oder vielleicht hatte ich davor auch wem das Ärschlein liebkost. Aber ehrlich, nach achthundert Jahren Trennung darf man sich auch mal lieb haben.« Er tätschelte zärtlich die Wand.

Boldiszàr
»Wegen eurem Scheiß habe ich eine Platzwunde«, schmollte Boldiszàr.

Tekuro Chud
»Jedenfalls werden wir hier keinen essen, Ehrenwort.«

Umberto Cantichi
Umberto spießte Tekuro mit einem Blick auf, besann sich dann aber und führte die beiden wie befohlen zur freien Kajüte. »Hier, zwei Mann passen in diese Kajüte. Ich würde euch, insbesondere dir da, raten, den Befehlen des Capitano zu folgen. Du befindest dich hier auf dem Hoheitsgebiet der Marians und hier gilt unser Gesetz, nicht das von Carnac, ganz gleich, welch hohes Tier du dort sein magst. Behalte deine Zunge, wo sie hingehört, im Mund oder am Körper deines Mannes.«

Mantione de Mancini
`Boldi das heilt wieder, ich hätte dazu jetzt auch einen Spruch ablassen können, aber den schenke ich mir. Und vor allem Dir, da ich nicht mit Dir streiten mag. Nachher bist Du mir böse´, sagte Manti zu Boldi und wandte sich an Tekuro. "Sehr schön, dann sage ich bis morgen früh und macht es Euch bequem. Und immer schön dran denken, Boldi weiß wo Du bist und was Du treibst. Gute Nacht Ihr zwei und treibt es nicht zu heftig. Umberto hat Recht mit seinem Hinweis", erklärte Manti und verschloss die Tür zu Tekuros und Bellamys Quartier. Er zog Umberto ein Stück mit sich und schaute ihn dann liebevoll an. "Capitano gefällt mir, das klingt innig. Wegen Deiner Frisur, ich weiß weshalb Du sie so hegst und pflegst. Ich Dich auch Umberto und ich hätte Dich gerne zum Gefährten. Möchtest Du mein Gefährte sein?", fragte Mantione und nahm die Hände von Umbi in seine.

Umberto Cantichi
Umberto verschloss die Tür der Vampire von außen. Wenn sie was wollten, mussten sie über Boldiszàr Bescheid geben, sicherer war das. Er erwartete ein Gespräch dazu, wie sie künftig mit den beiden Gästen verfahren sollten, doch es ging um etwas ganz anderes. Umberto sah Mantione lange in die Augen, die so blau wie der Dhunico waren. Es war schon ein Wunder, dass blaue Augen vor allem bei Souvagnern vorkamen, die so viel weniger mit dem Ozean zu schaffen hatten als die Ledvigiani, die ausschließlich in ihm und von ihm lebten. Andererseits war Mantione kein Souvagner, er war Marian und auch Umberto war längst zu einem geworden, seit er Medardo an Bord des Leviathans gefolgt war. Er zog eine seiner Hände aus dem Griff und umarmte den jungen Mann. Die andere beließ er da und hielt ihn fest. »Ich dachte, vielleicht würdigst du mich eines anderen Blickes, wenn ich immer schicker aussehe als der Rest der Besatzung. Ich wollte es dir nicht sagen, weil ich Bedenken hatte, ob es nicht Medardo ist, den ich vermisse und in dir sehe. Und dass ich an Mantione vorbeischaue. Es ist erst wenige Monate her und wir waren viele Jahre eng verbunden. Ich liebe dich auch, Manti. Aber ich bin noch unsicher. Bist du denn sicher?«

Mantione de Mancini
"Ja ich bin mir sicher und ich habe auch Boldi um Erlaubnis gefragt, sprich wie er uns sehen würde. Damit er nicht leidet oder sich zurückgesetzt fühlt. Wenn Du noch Zeit benötigst, sage es mir. Nur dachte ich dass Du Dir genauso sicher bist, eben weil Du Dich für mich hübsch machst. Das Du Medardo vermisst, ist klar. Ihr wart lange verbunden, sehr lange. Schau ich bin auch noch nicht lange auf der Welt, aber das ist eines der Dinge die ich weiß und die ich fühle. Mein Vater hatte einen guten Geschmack was Dich angeht. Und Du wirst immer Medardo in mir sehen, wie Tekuro Silvano, sie sind noch da und trotzdem ist auch Mantione nun da. Wir könnten es versuchen, ich gebe Dich wieder frei falls Du Dich umentscheidest, was ich nicht hoffe", bot Manti an und nahm Umberto in die Arme.

Umberto Cantichi
Umberto drückte ihm die Lippen auf das Haar, dann auf die Schläfe. »Wie sollte ich mich umentscheiden, wenn du die Entscheidung schon für uns getroffen hast? Es liegt nicht an mangelnder Zuneigung, ich liebe dich. Ich möchte einfach kein Egoist sein, der sich einen Ersatz sucht, kaum dass der eigene Mann gestorben ist. Das wäre respektlos Medardo gegenüber. An dem Tag, als er sich von uns allen verabschiedete, um seinen letzten Weg zurück zum Kern zu gehen, dachte ich, dass ich seinen Nachfolger hassen würde, so als ob er Schuld wäre und Medardo nur wegen ihm starb. Das Gegenteil ist eingetreten. In dem Moment, als du tapsig, rosa und noch ganz weich und feucht aus der Kammer gekommen bist, hat mein Herz dir gehört. Aber du hast verdient, dass man dich für dich selbst liebt.«

Mantione de Mancini
"Das hast Du süß gesagt Umbi, für mich selbst geliebt werden. Ja das möchte ich und ich liebe Dich aus dem gleichen Grund. Und nein er starb nicht wegen mir, er starb für mich. Er starb damit ich geboren werden konnte, ich bin sein Kind. Eines Tages werde ich den gleichen Weg gehen für mein Kind Umbi. Ich war tapsig? War ist gut, manchmal fühle ich mich noch immer so, wie heute. Da wusste ich nicht wie ich reagieren sollte. Schmollen oder grollen, das habe ich mich gefragt, bis ich mir in Erinnerung rief wer und was ich bin. Mein Herz gehört ebenfalls Dir, wenn Du es haben möchtest".

Umberto Cantichi
»Ich nehme es gern in meine Hände«, sprach Umberto und hielt Mantione ganz fest. »Natürlich bist du noch tapsig, so jung und schon so viel Verantwortung. Ich bin immer für dich da, Capitano, auch wenn ich mindestens zwanzig Jahre vor dir sterben werde. Aber so lange ich kann, kannst du auf mich zählen, ob als erster Offizier oder als Gefährte.« Glücklich hielt er ihn in seinen Armen, drückte ihn seinerseits an sein Herz. Zierlich war auch Medardo gewesen, im Alter besonders, doch Mantione kam ihm noch schützenswerter vor. »Da hatte der Besuch hier an Bord wohl doch etwas Gutes«, sagte er und putzte Mantiones angesabberten Hals mit einem sauberen Stofftaschentuch aus seiner Hosentasche sauber.

Mantione de Mancini
"Ja eine Gefahr lässt einen klarer sehen, vor allem das was einem wichtig ist Umbi und was man auf keinen Fall verlieren möchte. Dann sind wir von nun an Gefährten. Reden wir nicht mehr vom Vergehen in Ordnung? Das war heute ein sehr großes und trauriges Thema. Beginnen wir den neuen Tag mit Freude, der Tag nach Boldis Trauer, ist ein Lichtblick, denn dort kamen wir zusammen. Ich werde Dein Herz auch gut verwahren und es behüten, versprochen. Wenn Boldi es erlaubt, erlaube ich Dir meinen persönlichen Bereich jederzeit zu betreten. Es ist gemütlich dort und vielleicht bringst Du mir einige Dinge bei, die gerne einmal tun würde so allein mit Dir. Freundschaftsarmbänder knüpfen zum Bespiel, oder andere schöne Sachen", grinste Manti und streichte Umberto über den Rücken. Er küsste ihn auf die Kiemen und ließ ihn vorsichtig los. "Befreien wir die Mannschaft", sagte er glücklich und schob seine Hand in die von Umberto. Auf jede Ebbe folgte eine Flut, so war es seit Anbeginn der Zeit und so würde es stets bleiben. Manti ließ Boldi an seinen Gefühlen teilhaben, er war froh wie sich alles zum Guten gewandelt hatte.

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Re: Schiff und Käptn, der Ozean wartet

#6

Beitrag von Mantione de Mancini » Fr 17. Mai 2019, 04:29

Gefährten


Umberto Cantichi
Die Mannschaft wurde aus dem Sicherheitsraum entlassen und verteilte sich im Bauch von Boldiszàr. Wer Dienst hatte, trat diesen wieder an. Eine halbe Stunde später war fast alles wieder beim Alten. Die Aufregung hatte sich gelegt und der Tratsch über die neuen Geschehnisse machte die Runde. Nur drei Dinge hatten sich geändert: In der leeren Kajüte hatten zwei Vampire Unterkunft bezogen, Boldiszàr hatte eine Aua im Bauch und an Bord gab es ein neues Paar. Umberto hielt die zierliche Hand von Mantione. »Wie lange willst du hier vor Anker liegen bleiben? Über uns liegen milliarden Tonnen von Gestein.«


Mantione de Mancini
Mantione warf seinem Mann, der Umberto nun war, einen liebevollen Blick zu. "Das entscheidet Boldi, wir können nicht mit den Vampiren abtauchen und verschwinden. Dann würden wir sie ja kidnappen und das Schlimme daran wäre, wir hätten sie die ganze Zeit zu ertragen. Wir bleiben ein oder zwei Tage, dann werden wir sehen, wie ernst es Tekuro mit seinem Versprechen ist. Und überlege, hier hätten wir einen sicheren Hafen, gleich was einmal kommen mag. Wir können stundenlang Frischluft tanken, aber keine Sorge wir bleiben nicht ewig. Bald ziehen wir wieder durch die Meere. Möchtest Du in mein Quartier und Dich umsehen? Oder dort irgendetwas hinstellen? Du weißt schon warum, eben dass Du dort auch willkommen bist. Ich würde gerne an Land gehen, aber ich glaube das verkneifen wir uns, oder warten ab bis Tanuki dabei ist. Was sagst Du dazu?", fragte Manti glücklich.

Umberto Cantichi
»Ein paar Garnrollen und Perlenschatullen wären gut, dann kann ich mich bei dir entspannen, selbst wenn du schläfst oder Dienst hast. Und wie sieht es mit dir aus, möchtest du dich ebenso in meiner Kajüte breitmachen? Wo Tanuki ist, kann ich dir sagen, er läuft auf Boldiszàr herum! Auf deinem Schiff! Zumindest tat er das, bevor ich durch die Luke ging, er untersucht ihn von außen.«

Mantione de Mancini
Manti nickte zustimmend und überlegte sich, was er bei Umberto lassen konnte. Vieles besaß er noch nicht. "Ich kaufe mir etwas Schönes und lasse es dann bei Dir. Soviel habe ich noch nicht, aber ich könnte einen meiner Kimonos bei Dir lassen. Dann weißt Du ich kehre immer zurück, vor allem da ich nur drei habe", grinste Manti breit und machte dann große Augen, als er hörte wo Tanuki war. "Dem gehe ich nach und schau mir an was das wird, komm mit Umbi", bat Mantione und machte sich sofort wieder auf den Weg nach draußen. Er eilte zur Luke, stieg aus und kletterte über die große Brustflosse von Boldi auf dessen Rücken. Er musterte Tanuki der oben auf Boldi stand mit Argusaugen. "Was machst Du hier?", fragte er eine Spur schärfer als beabsichtigt.

Tanuki Chud
Er sah, dass Tanuki nicht allein dort stand. Der Rücken des Leviathans wimmelte wie von schwarzen Schmeißfliegen. Etwa fünfzig Vampire in schwarzer Kleidung mit dazu passender Kunststoffrüstung waren bei ihm. Einige marschierten auf Boldiszàr hin und her, andere standen herum und unterhielten sich. Man musste ihnen zugutehalten, dass ihre Stiefel samt Socken noch am Ufer standen, schön paarweise, und sie barfuß waren. Manche saßen auch. Hinzu kamen hunderte herumschwirrende Fledermäuse. »Wir begrüßen unseren Bruder«, antwortete Tanuki. »Man sagt, er aß sehr gern. Was isst er heute? Diesel? Oder hat er einen Reaktor an Bord?«

Mantione de Mancini
Mantione schaute auf ihre Füße und dann auf die Stiefel, die sie zurückgelassen hatten. Sein Ausdruck wurde milde und er zeigte die offenen Handflächen zur Begrüßung. "Er isst Sand, einerseits um ihn zu Plasma einzukochen und dieses als Waffe zu benutzen, also als Geschoss und andererseits um es in Brennstoff zu verwandeln. Aber wenn Ihr ihm und mir einen Gefallen tun wollt, zückt Eure Messer oder scharfen Krallen und befreit ihn von den Seepocken. Das liegt er. Dabei müsst Ihr aber vorsichtig sein, denn die kleinen Biester setzen sich in der Haut ab. Sie graben sich sozusagen ein. Seepocken sind festsitzende Krebstiere. Sie haben ein "Auge" also eine Öffnung, wo sie die Fangarme im Wasser herausstrecken. Dort könnt Ihr hineinstechen und die Seepocke unter Rütteln herausziehen oder Ihr hebelt sie einfach heraus. Und seid vorsichtig Euch an den Dinger nicht zu schneiden. Ihre Gehäuse sind messerscharf. Manche Wale benutzen den Seepockenbewuchs als Schlagwaffe. Sozusagen als Messeraufsatz", erklärte Mantione den zahlreichen Besuchern. Wenn sie Boldiszar schon einen Gefallen tun wollten, dann einen mit Wohlfühlfaktor.

Tanuki Chud
Tanuki war von der Idee angetan. »Ihr habt den Kapitän gehört, entfernt die Seepocken so vorsichtig, wie es geht! Wenn Boldi auch nur einen Kratzer bekommt, trete ich euch in die Eier.« Alsdann krochen fünfzig Vampirkrieger auf allen vieren über den Leviathan und pflegten seine Haut. Boldiszàr fing an zu brummen, man spürte die Vibration in den Eingeweiden und er räkelte sich genüsslich, wobei er Vorsicht walten ließ. Über seiner Stirn erschien seine suchende Zungenspitze, um sich bei Mantione zu bedanken. Er traf Umberto am Fuß, der schockiert auswich. »Falsche Adresse!«

Mantione de Mancini
"Sein Dank und sein Wohlfühlen ist Euch gewiss, Ihr habt keine Ahnung wie sich die kleinen Plagegeister anfühlen. Frage, Euer Käptn sprach von einer Halle der Erinnerung. Wo ist diese Halle? Er sagte dort wären alle Namen verewigt, die von uns gegangen sind. So auch der meines Urvorfahren. Ich würde die Halle gerne sehen", bat Mantione und hakte Umberto unter, damit er nicht noch von Boldi stürzte. `Boldi gehe vorsichtig mit Deinen Kräften um, Du schlägst unseren Ersten fast aus den Socken. Ich spüre dass Dich die Reinigungsaktion freut, dass freut mich. Die lästigen kleinen Dinger werden schnell entfernt. Ich hätte nicht gedacht, dass die Vampire so umgänglich sind oder so freundlich. Scheinbar sehen sie uns als Teil ihrer Familie, oder wir sind es wirklich. Keine Ahnung´, teilte Manti mit.

Boldiszàr
›Wir waren immer eine Familie, Manti. Wenn Robby mein Bruder ist, seid ihr beide Schwager und diese wuselnden Vampire sind meine Neffen und Nichten. Man kann Robby sehr viel vorwerfen und das meiste davon ist wahr, aber er ist stets ein loyaler Freund gewesen. Er hat Silvano nie versucht zu töten, ganz gleich, wie oft er es ihm angedroht hat. Auch Kazrar war loyal und Mako auf seine Weise, auch wenn Robby ihm Gegenteiliges vorwarf. Ich mochte Mako immer gern. Auch Tanuki wird loyal sein, wie sein Vater.‹

Umberto Cantichi
Tanuki kniete nieder und streichelte Boldisàr, dann sprang er leichtfüßig von ihm hinunter. Was Wendigkeit anging, übertraf er seinen Vater, aber er war auch zierlicher gebaut, da er in sehr jungem Alter in die Schatten getreten war. So hatte er Gesicht und Statur eines Zwanzigjährigen. Unten zog er seine Socken und Kampfstiefel an. »Die Halle kann ich euch zeigen, es ist besser, wenn ich das mache. Tekuro ist vielbeschäftigt. Folgt mir.« Er führte die beiden Gäste nicht durch die Stadt, sondern in einen Stollen, der von fluoreszierenden Pilzen erhellt wurde. An ihren gleichmäßigen Abständen sah man, dass jemand sie gezielt dort gesetzt hatte. Der Gang weitete sich schließlich zu einer Tropfsteinhöhle. Ein kleiner See glänzte in der Mitte, Bänke standen hier und da, diverse Gegenstände wirkten willkürlich auf den Steinen verteilt und dazu viele Kerzen, die alle brannten. Hunderte Namen waren in die hängenden und stehenden Tropfsteinen gemeißelt, Blüten schwammen auf dem See, zusammen mit Schwimmkerzen. »Heute ist Bolditag« erklärte Tanuki. Er nahm eine Karaffe Blut, die bereitstand, tauchte die Finger hinein und spritzte damit kreuz und quer über die Namen. Einige der Steine waren dermaßen beschmiert, dass vom Gestein nichts mehr zu sehen war. Und auf einem davon, der aus dem Bode wuchs, prangte der Name BOLDI. Nicht Boldiszàr, sondern die Koseform stand dort. Auf dem selben Stein standen VANO und DAVET. Auf der Spitze hing ein alter Helm. An dem Fuß des Steins türmte sich etwas, das an einen Müllberg erinnerte: dort lagen Blumen, Fleischstücken und Knochen, zudem weitere Speisen, von denen Mantione wusste, dass die drei sie gern gegessen hatten, unter anderem Kuchen, frisches Brot und Gemüsereis, aber auch ein kleiner Teddy, Rauchstangen, eine Pfeife, eine Flöte und andere Dinge.

Mantione de Mancini
Mantione folgte Tanuki der leichtfüßig vor ihnen hertrabte und schaute sich alles genau an, nahm jeden Eindruck in sich auf, da er für zwei schaute - für sich und für Boldi. Die glühenden Pilze fand er ausgesprochen schön und er berührte einen. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass der Pilz sein Leuchten einstellen würde, wenn man ihn anfasste. Aber dem war nicht so. Die Höhle die sie betraten war ein Ort der Andacht, anders konnte man es nicht beschreiben. Einem Schrein gleich waren die Verstorbenen hier verewigt und geehrt worden. Der kleine See in der Mitte, die Stalakmiten und Stalaktiten die jeweils von der Decke hingen oder zu ihr hinaufwuchsen. All das hatte einen natürlichen Charme, der dennoch geschaffen war. Jedenfalls einiges der Umgebung. Diese Steine waren die Säulen der Erinnerung die jene kleine Halle trugen. Und auf einer dieser Säulen waren drei Namen verewigt, die auch eine ihrer tragenden Säulen war, Boldi, Vano und Davet. Mantione hockte sich davor und legte eine Hand auf den Stein, auf dem die Namen der Gründerväter des Leviathans Boldiszar und seiner Besatzung eingemeißelt waren. Er schloss die Augen zu einem stillen Gebet und gedachte der drei, auch wenn er sie selbst zu Lebzeiten nicht gekannt hatte. Seine Seele kannte die drei und er sah mit welcher Liebe sie hier geachtet wurden. Tanuki hatte Blut zu ihren Ehren verteilt. Mantione öffnete die Augen und zückte sein Messer, das jeder Seemann seit Anbeginn der Zeit bei sich trug. Er schnitt sich in die Maus und hielt seine blutende Hand über den Stein, so dass die Namen auch von seinem Blut benetzt wurden. "Ehrenwerte Vorfahren, ruht in Frieden. Wir achten Euren Gaben und wir gedenken Euer", sagte er leise und strich sein Blut in die Buchstaben der Namen mit der unverletzten Hand. Danach schaute er sich genau an, welche Opfergaben man vor den Stein abgelegt hatte. Blumen, Nahrung und andere Dinge, die die Drei zu Lebzeiten mochten. Mantione legte sein Seemannsmesser dazu, stand auf und drückte sich an Umberto.

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Tenuki Chud
Stumm beobachtete er die Andacht und ging ein wenig abseits, bis er das Gefühl hatte, dass Mantione seine Zwiesprache geendet hatte. »Hier ruhen keine Körper«, erklärte er. »Dies ist kein Friedhof, sondern ein Denkmal. Jeder gedenkt hier auf seine Weise oder kann einen neuen Namen einritzen. Wer sich einen Scherz erlauben sollte, diese Halle zu schänden, bekommt die schändliche Hand abgehackt. Aber bislang ist das noch nicht vorgekommen. Jedem wird großer Respekt vor diesem Ort beigebracht und wer Tekuro in seinem Schmerz erlebt hat, wird sich hüten, hier Scherze auf Kosten der Toten zu machen und wir haben hier noch andere Temperamentbündel, die kaum weniger intensiv trauern. Wenn der Übeltäter nicht zur Familie gehören würde sondern zum Beispiel ein Sklave wäre, würden sie ihn vermutlich zerfetzen.« Er küsste seine Finger und tippte damit einen Namen an. »Ansonsten ist hier jeder frei zu gedenken, wie er möchte. Einige beten, andere weinen, wieder andere legen Geschenke darnieder. Schau, der Stein dahinten ist mit einer Decke umnäht. Der Besitzer hat oft gefroren.« Am Boden des Steins lag lauter Gold, das niemand wagte, zu entwenden. »Was geschieht mit euren Toten?«

Mantione de Mancini
Manti hörte Tenuki aufmerksam zu und nickte. "Ja ich weiß dass hier die Toten nicht ruhen. Vano kann dort nicht ruhen, sonst gäbe es mich nicht und Davet starb seinerzeit an Bord von Boldiszar. Boldi hingegen wurde von Vano noch einmal verbrannt, so dass er seine Asche der See übergeben konnte und zwar genau dort, wo sie gemeinsam abends gerne auf den Dhunischen geschaut haben. Die Toten von uns gehen in den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen über. Stirbt ein Marian, wird seine Hülle in einen der Nährverwertungstanks gelegt. Sein Körper wird dann bewusst in seine Bestandteile aufgelöst. Er wird nicht geklont oder dergleichen, sondern seine Nährstoffe dienen unseren Pflanzen die uns Sauerstoff und Nahrung schenken als Grundbasis. Die Nährstoffe werden ansonsten mit der Aufnahme von Sedimenten geliefert, aber wenn jemand von den Marians geht, geht er ebenfalls in diesen Kreislauf über. Es ist sein letztes Geschenk an das Schiff und seine Besatzung. Der Käptn hingegen vergeht und wird stets wiedergeboren in der Kammer der Keim-Kammer. Die Mannschaft vermehrt sich entweder natürlich, oder sie klonen sich, aber das tun sie bevor sie verstorben sind. Also Tote an sich klonen wir nicht. Auch der Käptn wird nicht als Leiche geklont, er steigt in die Keim-Kammer wenn er es für nötig hält, wenn er sich schwach fühlt und meint, jetzt ist seine Zeit gekommen, er muss einen neuen Keim erschaffen, einen neuen Käptn. Dann steigt er bewusst in die Keim-Kammer, opfert sein Leben um das neue zu schaffen. So läuft das bei uns. Mir gefällt die Art wie Ihr die Toten ehrt. Wir sollten eine Wand mit Namensschildern bei uns in einem der Räume anbringen. Einen Gedenkraum auf unsere Art. Was meinst Du Umberto?", fragte Mantione und schaute sich all die anderen Namen und deren Opfergaben an. Alles was hier lag wurde mit Liebe und Sorgfalt ausgesucht. Die anderen Namen schaute Mantione auch nur an und berührte sie nicht, da ihm dies nicht zustand.

Tanuki Chud
»Das würde meinem Vater gefallen, dass ihr sie in euren Leib aufnehmt. Sie werden für immer Teil von euch. Wir machen sie auf unsere Weise unsterblich. Wer blutsverwandt ist und treu zu uns steht, wird ein Vampir. Selten auch gute Freunde oder Sklaven, die einem ans Herz gewachsen sind, aber das ist nicht die Regel, um den Blutverbrauch gering zu halten. An erster Stelle stehen hier im Trutznest immer die direkten Blutsverwandten aus der Linie Chud. Wie die anderen Clans es handhaben, weiß ich gar nicht so genau. Der Tod der geliebten Sklaven und Freunde hat aber den Vorteil, dass man sich aller paar Jahrzehnte neue aussuchen kann.«

Umberto Cantichi
»Mir gefällt der Raum«, sprach Umberto. »Besonders die Schwimmkerzen und Blüten auf der Wasseroberfläche. Ähnlich kenne ich es noch aus meiner Zeit in Ledvicco. Zu bestimmten Anlässen werden auf diese Weise Blütenopfer gebracht. Der ganze Ozean ist dann rosa und pink. Das werden wir uns gemeinsam ansehen, Manti. Wenn wir Monleone besuchen, dürfte es an der Zeit dafür sein.«

Mantione de Mancini
"Ein Ozean voller Blüten, dass klingt poetisch und romantisch. Welcher Tag ist es und was drückt Ihr damit aus? Zuhause muss ich Dich noch etwas Privates fragen, etwas sehr Privates", antwortete Manti und dachte über die Worte von Tenuki nach. "Trinken Vampire nur Menschenblut? Bei uns ist es ähnlich, die Familien die an Bord sind, bleiben auch und das über Generationen. So wie bei Euch sind wir ein kleiner geschlossener Kreis. Das Ihr nicht jeden in Eurer Mitte aufnehmt ist verständlich. Ihr wertet das Vampirsein als etwas Höheres, also wird nicht jedem diese Ehre zu Teil, sondern nur einem ausgewählten Personenkreis. Oder Personen die sich durch besondere Zuneigung und Taten hervorgetan haben. So vermute ich es jedenfalls. Wir würden auch nicht jeden an Bord als Marian willkommen heißen, das geht schon allein deshalb nicht, weil wir einen begrenzten Lebensraum mit begrenzten Ressourcen haben. Selbst vollbeladen mit allem was wir benötigen, sind unsere Waren begrenzt, dass ist auf jedem Schiff so. Wir müssen sorgsam planen, folglich müssen wir auch unseren Bestand sorgfältig planen. Ungeplante Vermehrung ist genauso unmöglich, wie keine. Kinder sind willkommen, aber wir müssen sie auch satt bekommen. Drum ist dies immer eine wichtige Entscheidung. Bis jetzt haben wir aber keinen Wunsch ausschlagen müssen. Wir sind nicht so viele an Bord wie wir sein könnten. Wir haben immer eine Pufferzone von zig Personen, so dass es nie zu einer Hungersnot gekommen ist. Lieber 50 Personen weniger an Bord, als man könnte, anstatt jedem die Fischhappen vorzuzählen. Wobei Frischwasser das Wichtigste ist. Bei Euch wird es Blut sein und Ihr könnt ja auch nicht jedem Jungvampir jeden Blutstropfen vorzählen, weil Ihr keine neue Beute heranschaffen konntet. Oder wie ist das bei Euch gelöst?", fragte Manti neugierig.

Tanuki Chud
»Wir leben von unseren Sklaven«, erklärte Tanuki. »Wir sind von Jägern zu Bauern geworden, die Nutzviehaltung betreiben. Wenn es den Sklaven gut geht, geht es uns gut. Sterben die Sklaven, hungern wir. Jagdtrupps gibt es nur selten und jene sind oft Sklavenjäger. Die besten und wertvollsten Sklaven werden gezüchtet, aber die Aufzucht ist teuer, drum kosten die im Verkauf entsprechend. Diese sind daher meist nicht zum Verzehr gedacht, sondern gehen in den Verkauf. Von dem Erlös kaufen wir Nahrung für die sterblichen Beißer und die eigenen Sklaven. Wir sind sozusagen inzwischen fast so etwas wie ehrlich lebende Leute. Wir jagen so wenig wie möglich, um nicht den Zorn anderer Völker auf uns zu ziehen, aber ich kann hier nur für Trutznest sprechen. Es werden natürlich aber auch traditionelle Jagden durchgeführt, teilweise arrangiert, für die Jungen zum Üben, aber auch echte Jagden in freier Wildbahn. Das ist Adrenalin pur, das sollte jeder Beißer sich einmal im Jahr wenigstens gönnen. Kannst du dich auf natürlichem Wege vermehren, Mantione?«

Umberto Cantichi
Umberto fand die Frage von Tanuki indiskret und funkelte ihn an. Er ging einen Schritt näher an Mantione heran. »Was die Blüten bedeuten, erkläre ich dir, wenn wir in Monleone sind, sprach er sanft.«

Mantione de Mancini
"Dann seid Ihr Sklavenzüchter, also Züchter. Züchtet Ihr Menschen, Alben, Souvagner, Almanen, was züchtet Ihr genau? Oder sind es andere Wesen, die besonders viel Blut haben? Wie sich eine Jagd anfühlt, weiß ich denn wir jagen ebenso. Große Fische, Säuger, oder andere Schiffe die das an Bord haben was wir benötigen. Damit versorgen wir uns. Ob ich mich vermehren kann? Dass... das weiß ich nicht, darüber habe ich nie nachgedacht. Das könnte durchaus sein, mein Körper ist intakt, so wie er es von Vano war und von all meinen anderen Vorfahren. Es wurde meines Wissens nach keine genetische Modulation vorgenommen um dies zu verhindern. Ich kann es aber weder bestätigen noch verneinen, da sich nie ein Käptn so fortgepflanzt hat. Wir vermehren uns auf den gerade beschriebenen Weg. Könnte ich Kinder zeugen und würde ich dies tun, wären sie Besatzungsmitglieder, aber nicht der neue Käptn. Sie wären nicht an das Schiff gebunden mit ihrer Seele. Bei uns jagen die Offiziere und die Mannschaft. Also jene die kampferprobt sind. Die ganze Crew nicht, weil dort Frauen und Kinder darunter sind, ebenso Forscher und Pfleger. Schiffspfleger, sie haben alle ihre Aufgabe", antwortete Manti und strich Umberto beruhigend über den Rücken. "In Ordnung, es scheint etwas Geheimes zu sein, dass freut mich", grinste er vergnügt.

Tanuki Chud
»Die meisten unserer Sklaven im Verkauf sind blonde und blauäugige Almanen, die gehen am besten weg. Züchter trifft es ganz gut, aber auch Händler. Wir versuchen sie so kurz wie möglich bei uns zwischenzulagern, denn das kostet natürlich alles, je länger sie bei uns bleiben. Drum werden viele Sklaven gefangen oder anderswo gekauft und und dann für einen höheren Satz weiterverkauft. Die eigenen Züchtungen haben natürlich die beste Qualität, sind gut ausgebildet und zahm bis anschmiegsam. Wir züchten Sklaven für unterschiedliche Zwecke, jeder hat da seine Nische. Am beliebtesten sind fleißige, liebe und hübsche Haushaltssklaven, die gehen weg wie warme Semmeln. Wir züchten aber auch körperlich belastbare Krieger. Potenzielle Jäger. Sie sind in der Regel Mischlinge aus Naridiern vom almanischen Typus und Arashi. Warum wir diese züchten, kannst du dir denken, um das eigene genetische Material aufzuwerten. Von denen verkaufen wir nur den Ausschuss, aber auch der ist teuer. Einen gut ausgebildeten Soldaten zu kaufen, der aufs Wort hört und nebenbei hübsch aussieht, das kostet natürlich. Sie tragen alle unser Zeichen, ein spitzes Gebiss als Brandmahl. So erkennt man, dass der Sklave aus bestem Hause stammt. Anders sieht es bei den Sklaven für den Eigenbedarf aus. Sie Erhaltenden Biss ihres Besitzers oder, wenn dieser ein Vampir ist, den Biss eines ihm nahestehenden Beißers, der noch kein Vampir ist aber schon über Zähne verfügt, an der Schulter.« Er schaute Mantione in den Schritt. »Würdest du Samen verkaufen?«

Mantione de Mancini
"Das kann ich nicht entscheiden, dass muss ich mit Boldi und unserem Genetiker besprechen. Zudem muss ich mir das selbst in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Wofür möchtest Du meinen Samen? Sprich genau wen oder was möchtest Du damit züchten? Was bedeuten die Steine an der Decke? Und was meinst Du mit Biss? Sie werden gebissen? Also wirklich ein Mal eines Bisses? Kann ich mal so einen Sklaven sehen, ich meine einen Haushaltssklaven. Ich würde gerne wissen wie sie aussehen. Züchter züchten ja nicht umsonst, sonst hätte ein Pudelzüchter irgendwann 3000 Pudel Gassi zu führen. Pudel züchtet Ihr nicht oder?", fragte Mantione fast infantil.

Tanuki Chud
Umberto musste dermaßen um Fassung ringen, dass sich sogar kurz seine Kiemen aufstellten, was Tanuki interessiert gaffen ließ. »Man sieht Ledvigiani nur selten an der Oberfläche, manche meinen gar, ihr seid ausgestorben. Darf ich die Kiemen mal berühren?«
»Nein«, knurrte Umberto.
»Auch gut. Was dies für ein Stein ist, kann ich euch zeigen.« Er ging hin und zog die Decke ein Stück nach oben. Darunter prangte der Name MAX und eine eingemeißelte Krone. »Steht für den Duc de Souvagne von circa zweihundert nach der Asche. Und schau mal, was im Krönchen steht.« Er tippte darauf. Dort stand LUDER. »Tekuro bringt ihm immer Goldschmuck, aber ich bin nicht sicher, ob das dem Duc de Souvagne gerecht wird. Na ja.« Unter der Krone stand ein weiterer Name: FABS. Inmitten des Goldes lag ein kleiner Holzbär mit einem Honigtopf. Tanuki ließ die Decke wieder über den Stein gleiten.
»Ja, unsere Sklaven werden gebissen, mit unseren eigenen Zähnen. So ist es Tradition. Deinen Samen würde ich einer passenden Mutter einpflanzen und das Kind Tekuro schenken. Natürlich kann ich dir unsere Sklaven zeigen, wir haben genügend Freiläufer. Aber Pudel? Unnötige Esser. Nein, wir züchten keine nichtmenschlichen Tiere.«

Mantione de Mancini
"Umberto darf nur von mir angefasst werden, da er mein Mann ist. Merk Dir das bitte. Auch wenn er wunderschön ist und über herrliche Kiemen verfügt, darf er nicht befummelt werden", erklärte Manti und starrte dann verdattert die Krone an. "MAX für Maximilien Rivenet de Souvagne, Duc ab dem Jahre 170 nach der Asche? Und Fabs für Fabien Lacomb, der Leibdiener des Duc? Schau mal einer an, ich weiß das Tekuro Leibgardist war. Und das der Duc ihn seinerzeit sogar mehrmals besucht hat. Sie mochten sich. Aber dass sie sich so mochten, habe ich nicht gewusst. Denn beim Abgrund, wieso schrieb Tekuro Luder in die Krone? Das ist ja einer", grinste Manti dann über beide Ohren. "Warum meinst Du, dass Goldschmuck dem Duc nicht gerecht wird? Goldschmuck, hätte ihm vermutlich gefallen, jedenfalls hätte es optisch zu ihm gepasst. Der jetzige Duc ist Pierre Agramant de Souvagne und wenn man danach geht was ich von meinem Vater weiß, hätte Teku dann wohl oben Waffenstarrendes Miststück einmeißeln müssen. Nein Pudel sind sehr wichtige Geschöpfe, es sind Wasserhunde. Und sie sehen schön aus. Leider habe ich keinen, ich hätte sonst die Gelegenheit beim Schopf gepackt und einen erworben. Dann führ uns mal zu Deinen Sklaven, ich bin neugierig. Aber das war ich schon immer, in jeder meiner Ausformungen", grinste Manti.

Tanuki Chud
»Ich wollte ihn nicht befummeln, so nötig habe ich es nicht.« Tanuki grinste selbstgefällig. »Ich bin gut ausgelastet. Aber ich habe noch nie die Kiemen eines Ledvigiano berührt oder überhaupt einen. Tekuro hat mir davon erzählt. Was den Goldschmuck betrifft, so kann ich damit nichts anfangen, es ist so unpersönlich. Der Teddy da ist schon ganz anders.« Er gab den Weg vor und winkte einen der ersten Sklaven heran, die er sah.
Der Sklave verneigte sich. »Ja, Herr?«

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»Bleib stehen, hier sind Interessenten. Der hier ist einer von denen, die als Soldaten verkauft werden. Wie du siehst, Mantione, ist der Arashi-Einschlag unverkennbar. Die Proportionen sind optimal für den Kampfeinsatz, er ist gesund und allergiefrei, absolut futterfest, keinerlei Beeinträchtigungen, keine Kurzsichtigkeit, keine Schwerhörigkeit, robuste Psyche. Er ist zwar unterwürfig, aber nicht dumm und eigenständig, er denkt mit und kann durchaus Führungsaufgaben anvertraut bekommen. Aber er ist nicht perfekt genug für die eigene Linie, auch wenn er sehr gut ist, aber dafür braucht es Perfektion.«
Er winkte einen weiteren Sklaven heran. Der wollte zunächst nicht dem Wink folgen und ging einfach weiter. Erst, als Tanuki auch noch nach ihm rief, erkannte er ihn und kehrte um. Er wirkte nicht begeistert.
»Ich bin in Eile, mein Herr hat mir dringliche Erledigungen aufgetragen.«

Johnny
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»Dein Herr ist seit einigen Stunden außer Haus«, grollte Tanuki. »Darf ich vorstellen, Johnny, Tekuros Haushaltssklave. Und wie man hört, seinem Herrn sehr verbunden.«

Mantione de Mancini
Mantione schaute Tenuki mit einer hochgezogenen Augenbraue an. "Es muss Dir nicht peinlich sein, ich sehe doch wie Du meinen Mann anschaust. Jeder kennt Begehren nicht wahr? Und Umberto ist halt etwas besonderes, dass kannst Du nicht leugnen. Drum ich verstehe, dass Du heiß auf ihn bist. Ist schon gut, aber wie gesagt, er ist meiner und das bleibt er auch. Wir möchten doch nicht unsere gute Stimmung verderben", grinste Manti und schaute sich dann die Sklaven an. "Der Arashi sieht sehr gut aus, aber er schaut ein wenig grimmig. Naja wer weiß wie sein Tag war. Er sieht jedenfalls fähig aus und trocken bemuskelt. Er müsste ein guter Schwimmer sein, falls er schwimmen kann. Johnny macht einen sehr freundlichen Eindruck, nur etwas schwerhörig kann das sein? Eine liebe und treue Seele wie mir scheint. Wir haben keine Sklaven, aber das Konzept ist interessant. Man kann alles mit seinem Sklaven tun oder? Ihn verschenken, verkaufen und er muss alles für einen erledigen nicht wahr? Sie sind so wie die Droiden. Wo wir von Ledwick sprachen, meinem Mann und Sklaven, wer sind die Bewohner die sich nun in Monleone herumtreiben? Die Frage geht an Euch beide Tenu und Umbi. Als ich vor einiger Zeit den Küstenstreifen von Ledwick betrachtete, brachte der Wind den Geruch von einer Gefahr mit. Ich wollte gerne den Strand erkunden, aber die Witterung war... falsch. Anders kann ich es nicht beschreiben, sie machte mir Angst. Sie waren weit entfernt, aber sie rochen sehr gefährlich. Extrem gefährlich und so habe ich den Landbesuch lieber gelassen, weil ich kein drittes Nasenloch genau zwischen den Augen brauche. Wer sind sie? Boldi hat es mir so halb erklärt, aber irgendwie hat es ich das in meinen Gedanken verstrubbelt", erklärte Mantione und strich Johnny durch die Haare. Er stellte sich neben Umberto und musterte Johnny mit schräg gelegtem Kopf. "Benötigen wir einen Sklaven? Was würde ein Sklave denn kosten? Gibt es auch weibliche Sklaven und sie die billiger?", fragte Manti nachdenklich.

Umberto Cantichi Heute, 01:47
Johnny trat sofort einen Schritt zurück und wuschelte sich durch das Haar, als müsse er die Keime des Fremdlings loswerden. Dann warf er Tanuki einen grimmigen Blick zu, da dieser die Schuld daran trug. Er hatte ihn hergerufen, anstatt ihn seiner Wege gehen zu lassen.
»Dieser Johnny«, erklärte Tanuki, »ist Privateigentum und niemand darf ihn ohne Erlaubnis von Tekuro berühren. Und diese Erlaubnis wirst du nicht erhalten, diesen Sklaven teilt er nicht. Was er an ihm schätzt, musst du ihn selbst fragen, ich würde ihn ans nächstbeste Freudenhaus verkaufen. Jede Fünftalerhure ist tauglicher als der. Prinzipiell kann man mit seinem Sklaven tun und lassen, was man möchte. Aber nicht alle Vampire teilen diese Auffassung. Beim Clan Scherbensonne ist Sklaverei zum Beispiel verboten, sie ernähren sich ausschließlich von freiwilligen Spenden. Es ist ein Clan von Bettelvampiren. Weibliche Sklaven sind oft teurer als männliche, da sie Kinder bekommen und somit den eigenen Bestand mehren können. Aber wir verkaufen unsere grundsätzlich sterilisiert. Es sei denn, der Käufer zahlt extrem gut.«
Er sah sich Umbertos Hals an.
»Also die Kiemen sind wirklich interessant, vielleicht könnt ihr beide euch zu einer Samenspende überzeugen lassen? Was Monleone angeht, bin ich überfragt.«

Umberto Cantichi
»Souvrakasia«, sprach Umberto düster, als würde er den Namen Rakshor erwähnen. »GMOs. Eine Falle, die uns die Souvagner stellten. Verpackt als lebendes Geschenk, erwiesen sie sich als der hochaggressive Tumor, der uns dazu zwang, unsere geliebte Stadt zu verlassen.«

Mantione de Mancini
Manti begann mit dem, was Umberto so unheilvoll verkündete - Souvrakasier. "GMOs, ich weiß was sie sind. Veränderte Menschen, Tiere oder die Souvagner sogar selbst. Sie sind anders, als andere Almanen. Sie haben sich völlig abgekapselt. So sagen es die Erinnerungen von Delfino, Fiorenzo, Arduino und Vater Medardo. Die Schwarz-Weiße Pest, die menschlichen Orcas, dass sind die Souvrakasier oder? Ja das müssen sie sein. Wie der Hai die Orcas verachtet, verachten wir Marians diese Wesen. Darum stanken sie so nach Gefahr, weil sie tödlich gefährlich sind. Da kann man sich auch einen Skorpion in den Schuh stecken und Stepptanz aufführen in der Hoffnung man wird nicht gestochen. Ich werde dort nicht anlanden, sei unbesorgt Schatz. Wir halten uns von ihnen fern. Meine Nase hat mich gewarnt. Haie haben mehr zu bieten als Zähne", schmunzelte Mantione liebevoll. "Habe ich Tekuro irgendwie beleidigt? Ich hoffe nicht, ich wollte ihn nur einmal berührt haben. Stimmt, daran habe ich nicht gedacht, eine Frau trägt die Kinder aus und somit hat man dann gleich mehrere Sklaven. Den Part des Mannes kann jeder Mann leisten. So wurde das früher auch gemacht, da hat so mancher Lehnsherr nachgeholfen was seine Leibeigenen angeht. Mit viel Spaß zum Reichtum, wie man so sagt. Wobei ich das nur aus Erinnerungen weiß, ich hatte noch keine Vereinigung. Könnten wir mal einen Sklaven sehen, der nicht so eine Zicke ist?", bat Manti freundlich.

Tanuki Chud
»Ja, sicher. Einen Haushaltssklaven oder was genau interessiert dich? Ist das ein Verkaufsgespräch?«

Mantione de Mancini
"Keine Ahnung, ich versuche erstmal das System zu begreifen, wofür so ein Sklave gut ist und ob ich einen haben möchte. Du hast gesagt, sie wären gehorsam, aber Johnny erscheint mir nicht sonderlich gehorsam. Oder gehorchen sie nur ihren Herren wie gute Hunde? Ich meine ein guter Hund lässt sich auch nicht von einem Fremden mitnehmen. Drum möchte ich gerne mal einen sehen, der sagen wir mal käuflich wäre und gut erzogen. Dann überlege ich mir, ob ich mir einen Sklaven kaufe. Natürlich würde er nicht bei mir im Privatbereich wohnen, das kann ich Boldi nicht antun oder mir", grinste Manti und kraulte Umberto.

Umberto Cantichi
»Oder mir«, murrte Umberto.

Tanuki Chud
»Wenn man Tekuro fragt, ist Johnny nach Ezio der beste Sklave, den er jemals hatte. Also ja, er ist gehorsam, aber er gehorcht einzig und allein Tekuro, nicht einmal dessen Familie. Er ist allein auf ihn fixiert. Hund trifft es ganz gut, denke ich. Also gut, einen Sklaven, der noch nicht auf einen Herrn fixiert ist.« Er grübelte, wo sie hingehen konnten, ohne dass er sie ins Allerheiligste lassen musste. »Tja, also wenn er nichts spezielles können soll, dann winke ich dir einfach den nächsten Freigänger heran.« Er schaute sich nach einem Exemplar um, was sich Mantione aufschwatzen ließ.

Mantione de Mancini
Mantione schaute Umberto an und küsste ihn liebevoll auf den Mund. "Ja oder Dir, ich werde das niemanden antun. Ich bin nur neugierig, und ich habe nicht vor Boldi oder Dich zu verärgern. Was würde denn eine Samenspende Taler technisch für mich bringen? Rein theoretisch, da ich das schließlich auch wissen müsste. Nun dann kann man Johnny keinen Vorwurf machen, er hat so reagiert wie er reagieren sollte. Was weißt Du über den Abgrund Tenuki?", fragte Mantione und zog einen Keks aus seiner Hose den er knabberte.

Tanuki Chud
Tanuki ärgerte sich, dass der bärtige Ledvigiano ihm den Verkauf zunichte machen wollte. »Wir können ja einfach mal ganz unverbindlich einen anschauen«, bot er an. »Geschlecht? Haarfarbe? Sonst irgendwelche Vorlieben? Ich würde ihn euch im Tausch gegen die Samenspende überlassen.«

Mantione de Mancini
"Vorlieben? Optische Vorlieben ist dunkel, schwarze Haare, helle Augen, so wie... ehm Umberto. Ich kann ja schlecht einen Sklaven wie meinen Mann auswählen. Wobei es nicht nur das ist, zwischen uns passt es einfach, ich vertraue ihm. Absolut, bedingungslos, das wird ein Sklave niemals bieten oder er kann nicht danach ausgesucht werden. Er muss einfach gehorsam und fleißig sein. Zeig mir einfach jemanden. Ich würde dann eine Frau nehmen als Sklavin, als Zeichen für Umbi dass er sich keine Sorgen machen muss", sagte Manti freundlich und stupste Umberto an.

Umberto Cantichi
Umberto kannte das. Auch Medardo hatte ihn wohl wegen seiner unbestreitbaren Ähnlichkeit zu Boldiszàrs und Davets früherer Gestalt anziehend gefunden. Er hatte sogar versucht, Umberto davon zu überzeugen, sich sein Bauchfell stehen zu lassen, doch der rasierte sich stur weiter glatt. »Mit blauen Augen kann ich leider nicht dienen. Wir teilen das selbe Schicksal, ich sehe in dir meinen toten Mann, genau wie dein Vorfahre in mir seine Männer zu sehen versucht. Wozu brauchst du denn einen Sklaven, jetzt mal ehrlich. Aus Neugier? Dann schenke ich dir einen. Lass mich dir einen aussuchen.«

Mantione de Mancini
"Na na na, sag sowas nicht, komm mal her", sagte Manti und zog seinen Umberto zur Seite. Er strich ihm über beide Arme und nahm dann seine Hände in die eigenen. "Ich sehe nicht Boldiszar in Dir, dass kannst Du mir glauben. Aber jede Person hat ein bestimmtes Beuteschema, etwas das ihr besonders gut gefällt. Und bei uns waren es immer dunkle Typen mit hellen Augen. Und falls Du Angst hast, ich sehe Dich mit den Augen eines Vorfahren, dann musst Du keine Angst haben. Medardo hat Dich geliebt, Dich Umberto als seinen Partner. Wenn Liebe weitergegeben werden kann, dann habe ich vielleicht das geerbt. Aber wenn ich alle Erinnerungen ausblende, Wissen und Gefühle und Dich so anschaue und mir Dich und Deine Art in Erinnerung rufe, dann bleibt es immer noch dabei - ich vertraue Dir bedingungslos und ich liebe Dich. Ich möchte mich mit niemand anders vereinigen als mit Dir. Schau Boldi ist für mich mein Hort, mein Heim, mein Vater, mein Gebärer. Er trägt uns alle in seinem Leib und ich trage ihn im Kopf und im Herzen. Wenn ich also jemanden in mir willkommen heiße, dann muss er würdig sein. Dann muss es mit Liebe sein. Und das bist Du. Wann das sein wird, dass entscheidest Du. Und wie es sein wird, ebenso. Was bedeuten die Blumen Umberto?", flüsterte Mantione und nahm ihn fest in die Arme. "Ich brauche einen Sklaven weil ich eine faule Socke bin", raunte er ihm ins Ohr, "zum aufräumen".

Umberto Cantichi
»Dann kriegst du einen«, raunte Umberto und küsste seinen Gefährten. »Aber es wird eine Überraschung. Ich werde mit Tanuki gemeinsam einen aussuchen gehen. Oder vielleicht mit Tekuro, er scheint sich mit der Thematik ja auch bestens auszukennen.« Er ging mit ihm noch ein paar weitere Schritte zur Seite und umarmte Mantione noch inniger. »Ich liebe dich auch, Capitano. Du sprichst vom Vereinigen und wir haben noch nicht einmal geküsst. Du bist mir einer. Ich würde sagen, wir lassen uns noch ein wenig Zeit. Wir lassen es ganz langsam angehen, du hast so vieles noch zu lernen und zu erleben. Für mich ist das alles ja mehr oder weniger Routine. Aber eine Entjungferung praktiziert man nicht eben zwischen Tür und Angel, da bin ich altmodisch.«

Mantione de Mancini
Manti lächelte Umbi liebevoll an, stellte sich auf die Zehenspitzen und lehnte seine Stirn gegen die von Umberto. "Umbi, ich wollte es nicht dort und sofort bei den Vampiren. Ich wollte Dir sagen, dass ich mich dabei in Deine Hände begebe. Nein richtig geküsst haben wir uns noch nicht und auch nicht gekuschelt und gegenseitige Nähe genossen. Das möchte ich sehr gerne, neben Dir schlafen und mich dabei an Dich drücken. Mit Dir zusammen aufwachen, Dir morgens was Liebes sagen und Dir den letzten Nerv rauben. Sowas alles, Dich mit wuscheligen Haaren sehen, bevor Du Dich hübsch machst. Das habe ich auch alles zu bieten und sogar eine gehäkelte Decke die ganz weich ist. Eine kleine Küche, eine Sitzecke, überall können wir es uns gemütlich machen und Boldi wird über uns wachen. Wir können dort zusammen abhängen, lesen und essen, all das was man so zusammen macht. Und wenn Du sagst die Zeit ist reif für den nächsten Schritt, dann vertraue ich Dir und wir machen es. So dachte ich mir das", erklärte Manti. "Wir müssen trotzdem vorher Boldi fragen. Warte", bat er leise und wandte sich an Boldiszar. `Großer wie sieht es aus? Bist Du Deine Pocken los? Eine Frage, was hältst Du von einem Sklaven? Soll ich mir einen anschaffen oder geht das gegen unsere Lehren? Einerseits finde ich es interessant jemanden zu haben, der alles wegräumt. Auf der anderen Seite glaube ich, dass ich nicht lange den Sklaven hätte. Sprich dass ich es nicht ertrage, dass er oder sie Sklave ist und würde sie eh freilassen. Was meinst Du Boldi?´, fragte Mantione verunsichert.

Boldiszàr
›Einen Sklaven in dem Sinne hatten wir noch nie. Wobei, Silvano hatte immer seine Schiffsjungen, die waren wohl so was in der Art. Also ich wüsste nicht, was dagegen spricht, aber du solltest etwas wertschätzender mit ihnen umgehen als Tekuro oder Tanuki es dir empfehlen werden. Ihr zwei Turteltäubchen da. Ist schön, dich in so guten Händen zu wissen, Manti. Medardo hat seine Wahl nie bereut. Na ja, zwischendurch im Streit vielleicht, keine Ahnung.‹

Mantione de Mancini
`Nein hat er nie, da mache Dir keine Sorgen. Danke, es freut mich dass Du so über uns beide denkst. Es bedeutet mir sehr viel und ich könnte es nicht ertragen, wenn Ihr uneins wärt. Darum habe ich Dich auch gefragt, bevor ich Umberto gefragt habe. Ohne Deine Zustimmung, geht es nicht. Das sollst Du wissen, im Streit sagt man oft dumme Dinge. Was ich letztens sagte, war nicht so gemeint, ich hoffe das weißt Du. Ich würde Dich nicht mal dann verlassen, wenn ich es könnte Boldi. Also was ist nun mit Deinen Pocken, bist Du sie los? Wofür Silvano die Schiffsjungen hatte? Davet hatte seinen Bevis, weil er ihn mochte und ihm eine Chance geben wollte. Vano hatte sie aus dem Grund wie die meisten anderen auch, Mädchen für alles und in der Not Opfer für die Bruderschaft. Jung, entbehrlich´, antwortete Mantione ehrlich.

Boldiszàr
›Hm, dann kauf einen Sklaven vom Typus Schiffsjunge. Wobei, Umbi wollte ihn dir aussuchen. Ja, die Pocken bin ich los, leider, so herrlich wurde ich seit Ewigkeiten nicht geschrubbt. Vor allem so großflächig. Schon allein für die Putzkolonne sollten wir regelmäßig hier einkehren. Wo ich Umbi und dich so sehe, frage ich mich, ob ich nicht einen anderen Leviathan als Freund haben könnte. Das klingt vielleicht infantil dieser Wunsch, aber in dem einfachen Wort Freund steckt so viel. Mich und meine menschlichen Freunde trennt eine ganze Spezies. Aber es wird außer mir noch andere Leviathane geben. Wegen dem Streit mach dir keine Gedanken mehr, ich weiß ja, wie du bist. Und für Umberto gebe ich dir meinen Segen, wenn es das ist, was du dir wünschst.‹

Mantione de Mancini
`Ja das wünsche ich mir, Danke Großer. Ob es andere wie Dich gibt? Ja dass muss es. Zumindest gab es sie einst. Wenn jemand so etwas wissen könnte, dann Umberto. Wer kennt sich besser aus mit den Meeren, als ein Ledvicco? Und so wie wir die Meere durchstreifen tun es auch andere, Piraten und und und man könnte sie auch als Marians werten. Möglicheweise durchstreifen ähnliche wie wir die Meere, warum sollten wir nicht mit einer anderen Besatzung befreundet sein oder Du mit einem anderen Leviathan Boldi? Ich würde es Dir von Herzen gönnen. Ich weiß, dass nie etwas zwischen unserer Verbindung steht und das weißt Du auch. Wir sind Seelenverbundene. Gleich was ich tue oder fühle, Du wirst es spüren. Auch mich und Umberto, ich hoffe Du genießt es mit. Und so werde ich auch Dein Glück mitfühlen, wenn Du einen anderen Deiner Art triffst. Das was wir haben, ist einmalig und völlig anders. Das haben bestenfalls Magier für einen winzigen Moment Boldi, wir haben es dauerhaft. Drum ich werde ihn fragen und ist dem so, dann werden wir sie suchen. Wir können jederzeit wieder hierher zurückkehren, nun wissen wir wo wir lang müssen. Und Du wärst sowieso zurückgekehrt für Tekuro, ich weiß es´, schmunzelte Mantione und wandte sich an Umberto. "Umberto, weißt Du ob es noch andere Leviathane neben Boldiszar gibt? Mir ist bekannt, dass es sie einst gegeben haben muss. Aber wie sieht das heute aus? Darüber haben wir nie nachgedacht", gestand Matione ein.

Umberto Cantichi
»Ich bin nur ein einfacher Soldat. Ich war Kampftaucher, bevor ich zu den Marians gestoßen bin, kein Offizier eines Tauchbootes. Wenn es weitere Leviathane geben sollte, dann werden das nicht viele sein. Um das herauszufinden, musst du dich vermutlich an die Admiralität der Tauchbootflotte wenden. Falls die Ledvigiani Leviathane besitzen, dann sind es so wenige, dass ich nie zuvor von ihnen gehört habe - und womöglich sogar geheim.«

Mantione de Mancini
Mantione nickte, als Zeichen dass er verstanden hatte. Boldiszar hatte die Information durch ihn vernommen. "Dann werde ich sie fragen oder wir werden sie auf eigene Faust suchen Umberto. Nur ein einfacher Soldat, spiele das nicht herunter. Einfach ist gar nichts am Soldaten leben. Oft genug zahlen Soldaten mit ihrem Leben für die Dummheit unfähiger Politiker oder Herrscher. Drum sei stolz drauf was Du geleistet hast. Ich freue mich drauf Deine Heimat kennenzulernen, oder Deine ehemalige Heimat. Ich werde Dir auch ein Freundschaftsband knüpfen. Geheim könnten sie durchaus sein, uraltes Wissen aus einer längst vergangenen Zeit und dennoch waren sie schon immer da. Wohin sie nur verschwunden sind? Vielleicht dahin wo alle Ledvicco verschwinden wollen, der Ursprung war das Meer. Das wusste Vano, es sang in seinem Blut. Jeder von uns weiß es. Aber wohin zieht es Euch beim Meer, wohin Umberto?", fragte Manti beschwörend.

Umberto Cantichi
»Nach unten«, erklärte Umberto ohne zu zögern. »Als wir noch an die Oberfläche gebunden waren, fuhren wir hinaus in die Regionen, wo die See am tiefsten ist. Dort fühlten wir uns wohl, aber irgendwie war es wohl auch seltsam, einfach mitten auf dem Meer zu sein und sich am Ziel zu wähnen. Die Reise war unvollständig. Wir entwickelten Tauchglocken, Tauchanzüge, Lungenautomaten. Wir bekommen keine Taucherkrankheit, wenn wir rasch aufsteigen, wir können ziemlich hohen Druck ertragen. Und am Ende entwickelten wir sogar Kiemen. Warum? Ich spiele meinen Beruf nicht herunter, aber mein Stand ist der eines Leibeigenen, der desertiert ist. Was sang in deinem Blut? Der Ruf des Dhunico? Fließt in deinen Adern auch unser Blut?«

Mantione de Mancini
Mantione nickte zustimmend. "Ja auch wir tragen Ledviccoblut in uns. Es ist lange her, da erfuhr unser Urvater durch Nekromantie dass von seinem Opa Laurent der Vater ein Ledvicco war. Also der Uropa von Silvano war ein Ledvicco. Er kam nach Souvagne der Liebe wegen sein Name war Antonio Desnoyer, sein Sohn Laurent Desnoyer, dessen Sohn Mercer Desnoyer und dessen Sohn Delancy Desnoyer - bekannt als Silvano Giovanni de Mancini unser Urvater, Boldiszars Ehemann. Ledvicco und Souvagner haben sich so einige male gekreuzt Umberto, sogar in der Krone. Damals vor langer Zeit und zu Zeiten von Silvano war es der Duca Tazio di Ledvicco und Prince Gregoire Verrill de Souvagne der Ducachessa wurde. Lange ist es her. Was in unserem Blut singt ist das Bedürfnis auf See zu sein und nur an Land zu gehen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Quasi eins mit dem Meer zu werden, mit dem großen Gewässer. Darum wollte Vano auch in Ledwick seinen Ruhesitz haben, sprich das wollte er schon, bevor er überhaupt wusste, dass dies ein Teil seines Blutes war. Man hatte ihm viel geraubt, ebenso Boldiszar. Ihre Väter hielt man für Verräter weißt Du? Deshalb wurden die Väter samt ihrem Orden getötet. Aber nicht nur das. Sie töteten alle Verwandten, bis auf die Kinder. So starben nicht nur Berzan und Mercer, so starben auch die Großeltern von Vano - es starben Basile und Laurent. Und den Kindern Bellamy, Boldi und Vano nahm man die Erinnerung. Jahre später wurde alles aufgedeckt und die Agenten der Autarkie posthum das heißt nach dem Tode, rehabilitiert. Aber bis es soweit war, dauerte es seine Zeit. Boldi kann Dir das alles bestätigen, es war eine finstere Zeit, die aber im Licht endete. Bis zu dem Tag, wo Vano und Boldis Leben von Tekuro auseinander gerissen wurde. Bis dato hatten sie ein gutes Leben, sicher mit einigen Höhen und Tiefen, so ist das immer. Aber letztendlich saßen sie glücklich als alte Männer vor dem Dhunischen und hatten sich und einen schönen Lebensabend gemeinsam mit Davet. Und dann kam Tekuro. Man könnte sagen, dann kam Tekuro um Boldi zu retten und wenn wir ehrlich sind, über Silvano hat er es dann auch geschafft. Er ist immer noch da, wenn auch anders, als er geplant hat. Ohne sein Eingreifen, so ehrlich muss ich sein, würde ich heute nicht existieren. Boldi und Vano wären gestorben und damit wäre es vorbei gewesen. Kein Biomechanoid, kein Käptn, kein Mantione - nichts", sagte Mantione ernst. Er schwieg einen Moment, wobei der Umberto fest in die Augen schaute. "Der Ruf der Tiefsee, unerforscht unangetastet, dass fühlst Du nicht wahr? Wir werden einmal so tief tauchen, wie es geht um zu sehen was dort ist", sagte Manti zu Umberto, Boldi und zu sich selbst.

Umberto Cantichi
»Dann spüren wir das Selbe, Manti! Ja, lass uns tauchen, tiefer, als jedes gewöhnliche Tauchboot es schafft. Und dann werden wir schon sehen, was dort unten ist. Die Mutter, sagt man, die den Leone di Marino gebar. Manche Sagen, der Dhunico selbst sei die Mutter, doch sagt man nicht Mutter Erde? Wer sagt denn, dass damit der Erdboden an Land gemeint sein muss? Am Ende finden wir dort alle Antworten! Dass die Linien sich so oft kreuzten, bis zur genetischen Mauer, wusste ich nicht. Aber es erklärt, wie die Souvagner auf die Idee kamen, sich in den Untergrund einzuwühlen. Und es macht die Trennung der beiden almanischen Völker irgendwie traurig. Und wer war der Mensch, den Antonio liebte?«

Mantione de Mancini
Mantione nickte zustimmend. "Ja sie sollten nicht getrennt sein, eigentlich gehören die Souvagner und Ledvicco doch zusammen. Aber versteh einer die Landläufer, sie lieben sich und bekriegen sich zur gleichen Zeit. Dabei müssten beide Völker es besser wissen. Leben die Ledvicco nicht auf schwimmenden Inseln? Jedenfalls teilweise? Und leben die Souvagner nicht eingemummelt hinter ihren Mauern? Weißt Du viele Völker wie die Grob-Nobs und andere, würden in so einer Enge einen Koller bekommen, Kerker-Koller, Zwinger-Koller, gibt viele Namen dafür. Zu eng auf einem Raum und die Menschen rasten aus. Aber Souvagner oder Ledvicco mögen Enge sie fühlen sich dann wohl. Genau das ist es, was ihnen Sicherheit gibt. Sie sind sich so ähnlich und doch verschieden. Sie sollten sich die Hände reichen. Aber wie, nach dem was geschah? Ich meine sie sind unser Ursprung, wir könnten vermitteln. Aber die Weisheiten der Marians war es immer, sich aus den Angelegenheiten der Landläufer herauszuhalten. Die Dogmen der Kapitäne besagt, dass uns das Land nicht schert. Alles was wir benötigen, liefert uns das Meer. Und wenn man uns auf Land ziehen will, haben sie die Konsequenzen zu tragen. Und dennoch schmerzt es mich für Dein Volk und die Souvagner, denn sie sind unser Ursprung. Vano sah es härter, da er so manchen Groll micht sich herumschleppte. Aber das war vor langer Zeit, vor 800 Jahren. Ich meine allein für Euch wäre es schön, wenn Ihr Euer Land wiederbekommen würdet und die menschlichen Orcas würden in ihre Gewässer zurückschwimmen. In der Bucht haben sie nicht zu kreuzen. Meinst Du ich sollte das Dogma brechen und eine Verhandlung wagen oder eine Kontaktaufnahme? Es wäre vielleicht möglich, sie haben uns ja auch passieren lassen, da Boldi Souvagner ist", antwortete Mantione und machte große Augen, als er darüber nachdachte das Dogma zu brechen. "Ich könnte ja von See aus funken", schlug er zusätzlich vor.

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Re: Schiff und Käptn, der Ozean wartet

#7

Beitrag von Mantione de Mancini » Fr 24. Mai 2019, 00:34

Das Recht der ersten Nacht für Tekuro


Kazrar
Kazrar hatte mit Freude vernommen, dass Boldiszar zurückgekehrt war. Einem Giganten gleich lag er in ihrer Bucht, wie ein riesiger Wal. Seine Haut war weich und gleichzeitig fest. Vermutlich war darunter harter Stahl. Kaz konnte sich vorstellen, dass die weiche Haut der Strömung diente, oder das sie seiner Lebensform geschuldet war. Aber schuldete Boldi ihnen nicht auch etwas? Tekuro vor allen Dingen, den er all die Jahrhunderte allein und in dem Glauben gelassen hatte tot zu sein. Der Kreis hatte sich dem Ältesten sei Dank geschlossen. Sie waren wieder vereint. Aber etwas stimmte noch nicht ganz, Vano... Manti... oder wie immer er sich nun nannte verweigerte sich. Er wollte nicht zu ihnen gehören, oder nur teilweise, nicht ganz. Kazrar verstand es nicht, aber wann hatte er jemals Silvano tatsächlich verstanden? Hatte das überhaupt irgendjemand geschafft, gleich in welchem Zeitalter? Das spielte allerdings auch keine Rolle. Wieso sollten sie Vano verstehen? Vano hatte sie zu verstehen und das würde er, notfalls mit einiger Hilfe. Die Gunst des Ältesten gab es nicht umsonst. Er wollte dafür Ergebnisse sehen, er erwartete Dank. Und dankbar sollte sich Vano zeigen, denn war er nicht auch ein Beißer? Damit sich der Kreis schloss, mussten sie selbst wieder einen Kreis bilden. Und dazu gehörte auch, dass Vano Tekuro würdig begrüßte, also empfing. Er war Boldiszars Mann und Boldiszar hatte Tekuro nicht nur erlaubt seinen Mann zu stacheln, er hatte ihm sogar den Auftrag gegeben, da er nicht soviel leisten konnte wie man bei Vano musste. Verständlich, dass er dann Tekuro seinen Sohn um Hilfe bat. Er war wie sein Vater, bestens bestückt und immer einsatzbereit. Boldi wusste um seine Schwäche und fragte den Besten. Und nun wurde Tekuro sträflich verschäht von Vano der einst Tekuros Namen voller Geilheit unter seinem Sohn gewinselt hatte und nach dessen Schwanz bettelte. Daran wollte er sich nun nicht mehr erinnern. Da half nur eine Erinnerungsauffrischung. Denn nur dann war der Kreis und ihre Reihen wieder fest geschlossen. Und das Boldiszar diesem Dienst noch nachkommen konnte, bezweifelte Kazrar stark. Blut und Schmerzen waren die Gebete an den Ältesten. Aber manchmal wie heute zeigte er sich unerwartet milde, er liebte seine Kinder, die zu seinen Ehren scharfe Zähne trugen und jagten. Er liebte Gerissenheit, Brutalität und er liebte es auch wenn sie sich liebten. Wenn Vano sich verweigerte, konnte das den Unmut des Ältesten auf sie ziehen und dann würden sie wieder getrennt. Kazrar spürte es in seinem Inneren. Er schaute seinen Sohn an und warf erneut einen Blick auf den riesigen Boldi. "Eigentlich sollte es von vorn herein so sein, dass Du vor der Geburt des neuen Kapitän an Bord gehst. Und ist er geboren, sollst Du Dich sich seiner annehmen, ihn persönlich versorgen wie es Boldi als Mensch getan hätte und ihn dann nach einer guten Eingewöhnung mit dem Stachel willkommen heißen. Vano, Manti oder wie auch immer ist Boldis Mann, Teku Du hast das das Anrecht auf die erste Nacht. Rede mit Deinem Bruder, seine Form lässt keine Körperlichkeit zu. Und Ihr wärt Euch nah, wenn Du Manti liebst. Das sollte selbstverständlich sein. Vano wird den Ärger des Ältesten auf uns ziehen, wenn er sich weigert den Kreis zu schließen. Wir waren einst eins, er soll sich an seine Herkunft und seinen Platz bei den Beißern erinnern. So geht das nicht", flüsterte Kazrar seinem Sohn zu.
Tekuro Chud
Sie saßen am Ufer, Tekuro hatte sich mit dem Rücken an Boldiszàr gelehnt, nachdem dieser gesagt hatte, er wolle nun nicht mehr angeleckt, beknabbert oder betatscht werden. Es wirkte nun so, als ob der gewaltige Leviathan schlief und Tekuro saß einfach da und war froh, dass er und sein Sklave wieder da waren. Allerdings störte der braungebrannte Kerl mit dem Bart und die alte Angst, Boldiszàr zu verlieren, nagte an Tekuros Seele und überschattete die Freude, den Bruder wieder zu haben. Zwischendurch hatte Johnny sich zu ihnen gesellt, Tekuro eine Schüssel gewürzte Blutsuppe gebracht und manikürte ihm nun die nackten Füße. Als Kazrar ihn ansprach, öffnete Tekuro die Augen. »Du hast Recht! Dieser Arsch hat schon vor fast neunhundert Jahren meinen Stachel empfangen und ihn mit seiner engen Hitze umschmeichelt. Manche Dinge ändern sich nie und manche sollten sich auch nicht ändern. Silvano gehört zu uns. Aber Fisch ... er wird nicht mitspielen. Er stört. Aus irgendeiner größenwahnsinnigen Anwandlung heraus, will er den neuen kleinen Vano selbst als seinen Sklaven besitzen.«

Kazrar
"Von mir aus soll er ihn beglücken, Boldiszar scheint es zu erlauben. Aber der Fisch muss lernen wo sein Platz ist. Hinter Dir! Dir gehört Vano schon seit einer Ewigkeit mit und meinst Du wirklich, er erinnert sich nicht daran, wie er erzogen wurde von seinen Männern nach seiner Untreue mit Jendro? Und wie Boldi Dir erlaubte ihm zu helfen? Und wie er die Hilfe genossen hat, erinnerst Du Dich mein Sohn? Er konnte gar nicht genug bekommen. Bettelte, stöhnte Deinen Namen, dass uns anderen allein vom Zuhören heiß wurde. Und er kam wieder, lernte Dich und Patrice an, schlief an Deiner Seite und fühlte sich wohl. Aß Deinen Reis und schob Dir seinen Hintern in den Schritt. Und jetzt erinnert er sich nicht, wo er sich an alles erinnert? Er versucht Dich zu verarschen Tekuro. Das hat er schon immer versucht, lass Dich nicht wieder auf links drehen mein Sohn. Er hat jetzt zwei himmelblaue Augen mit denen er Dich um den Finger wickeln kann, sonst ist er derselbe. Er sollte sich geehrt fühlen, dass Du ihn immer noch willst, dass Du Dich dazu herablässt dieser Dose den ersten Stich zu setzen und sie zu öffnen. Wird ihm der Fisch beim ersten mal in solche Höhen stoßen? Vielleicht hat er davor Angst, dass er für andere versaut ist, wenn er einmal vom Honigstachel gekostet hat. Das wird es sein", grübelte Kaz.

Tekuro Chud
»Du meinst, der Fisch glaubt, wenn Vano erneut meinen Stachel spürt, will er ihn nicht mehr? Ich habe neunhundert Jahre Erfahrung im Ärsche-Stacheln zu bieten und er? Vielleicht vierzig? Lächerlich! Klar hat er da Schiss, dass Silvano sich bei ihm zu Tode langweilt. Du hast recht, Boldiszàrs Sklave ist mein Sklave und er muss erinnert werden, wohin er gehört.« Er drehte sich um und klopfte auf der Außenhülle des lebenden Schiffes herum. »Boldi, Aufwachen! Vano soll rauskommen, ohne seinen Fisch.«

Boldiszàr
Der Leviathan riss den Schlund auf, mehrere Wasserfälle ergossen sich von seiner Oberseite, als er gähnte. »Er hat es gehört. Er hört und fühlt alles, was ich spüre.«

Kazrar
Kaz nickte zufrieden und weise. "Sehr gut Boldi, es ist schön, dass Du immer noch mitdenkst. Schicke ihn heraus, damit er ordentlich begrüßt werden kann. Du weißt, Vano wird es bei Tekuro an nichts mangeln. Mein Sohn hat heute noch seinen Kompass. Vielleicht sollte er Vano diesen einmal zeigen, denn den bekam er nicht umsonst geschenkt. Und Tekuro würde niemals Deinem Vano schaden. Er soll herauskommen und sich ordentlich begrüßen lassen. Oder lass Tekuro zu ihm hinein. Wovor fürchtet er sich? Jahrelang hat er es ihm gefallen, voller Wonne hat er die Vorzüge von meinem Sohn genossen und sich ihm hingegeben. Und nun weigert er sich. Ist es weil Tekuro Dich versehentlich tötete? Er wollte Dir ewiges Leben schenken Boldiszar,er wollte Dich nicht verlieren. Und aus dem selben Grund, bist Du in dieser seltsamen Form doch hier. Vano tat genau das Gleiche! Lass Tekuro ihn in die Arme der Familie schließen, indem er seine Pforte öffnet", bat Kazrar.

Boldiszàr
»Also ob er daaarauf gerade Lust hat ... Umberto ist bei ihm. Egal, ich frage ihn einfach.« Boldiszàr konzentrierte sich etwas stärker auf seinen Kapitän. ›Manti. Hast du zugehört? Tekuros Stachel möchte dir gern Hallo sagen.‹

Mantione de Mancini
Manti saß neben Umberto in seinem privaten Bereich und hatte sich bis dato ziemlich wohlgefühlt. Er vertraute Umbi und er genoss seine Nähe in seinen heiligen Hallen, wie er seinen Bereich aus Spaß nannte. Aber bei dem was die beiden da draußen erzählten, wurde ihm mulmig. `Ich habe es mitbekommen und ich weiß, dass Vano ihn auf gewisse Art mochte. Wie kommt er darauf, dass ich seinen Stachel spüren will? Soll der doch seinen Vater stacheln. Sag ihm er soll sich seinen Stachel ins Auge rammen´, murrte Manti und schaute Umberto an. "Du hast keine Ahnung, was die zwei Spezialisten da draußen vorhaben. Sie wollen einen Begrüßungsfick von mir. Dieser zahnlose Vampir und sein Großvater!", stöhnte Mantione.

Umberto Cantichi
Umberto lag neben Mantione. Er ließ dem jungen Kapitän Gelegenheit, sich an seine Nähe zu gewöhnen und half ein wenig nach, indem er ihn streichelte. Er hoffte, in einigen Tagen vielleicht würde er so weit sein, ihn willkommen zu heißen, denn Umberto vermisste diese Art von Nähe, aber er würde ihn nicht bedrängen. Und dann musste er so etwas hören. Wütend setzte er sich auf. »Seit wann duldet Boldiszàr, dass jemand so von seiner Besatzung spricht, sogar von seinem Kapitän? Das ist schlechtes Wasser hier unten, deucht mir! Fern der Sonne, eisig, nahezu ohne Leben. Den Zwergen hat es einst das Verderben gebracht und auch wir sollten wieder zurückkehren in den offenen Ozean. Soll ich mit den Kerlen mal ein ernstes Wörtchen reden?«

Mantione de Mancini
Mantione schmiegte sich an Umberto und schüttelte den Kopf. "Nein, ich kenne Deine Fähigkeiten aber ihre sind Jahrhunderte alt. Sie leben schon immer von Raub und Mord. Sie werden Dich töten, irgendwann würde ich mich damit abfinden und ich wäre verfügbar. So denkt Kazrar, darum verbiete ich es Dir. Boldiszar hat niemals zu Lebzeiten seinem Bruder widersprochen und das ist scheinbar heute noch so. Nur hat es vorher kein anderer Kapitän zu spüren bekommen. Sie hielten ihn für tot und ich vermute es war besser so. Falls sie Ihr vermeintliches Recht durchsetzen... ich weiß nicht wie die Sache dann liegt. Ob ich zwischen Euch also meiner Mannschaft wählen muss und zwischen Boldi, Tekuro und Kaz. Tekuro und Boldi waren immer eins. Ich könnte dem nachgeben zum Schutz der Mannschaft, ich könnte mich auch verweigern. Ich weiß nicht was dann geschieht, aber ich weiß wozu Tekuro fähig ist. Genauso ist mir bewusst, das mich Boldiszar vor jedem beschützt, nur nicht vor Tekuro", sagte Manti kleinlaut.

Umberto Cantichi
»Dann befiel es Boldiszàr doch einfach, die zwei mit seinem Kopf zu zerquetschen, sie sitzen gerade günstig, nur den weißhaarigen Jungen soll er nicht treffen. Dann tauchen wir ab, sprengen hinter uns die Höhle und wir sehen die Typen nie wieder.«

Mantione de Mancini
"Das wird er nicht tun, er liebt seinen Bruder und mich wird er dafür... bestrafen. Irgendwie. Aber abreisen könnten wir, dass stimmt. Du hast es gehört Boldi, leg den Rückwärtsgang ein und tauch ab. Wir schwimmen zurück in die Azursee. Na los Großer", bat Mantione.

Boldiszàr
›Wie es dein Wunsch ist‹, brummte Boldiszàr sanft und öffnete seine Luke. »Robby, Kaz, steigt ein. Wir drehen eine Runde, Manti vermisst das Meer. Der Blonde da kann meinetwegen mitkommen. Euer neuer Patti, nehme ich an. Was ist mit dem Alten, habt ihr nicht gesagt, er würde noch leben?«

Mantione de Mancini
"Boldi Du Sack! Das ist jetzt nicht Dein Ernst! Was stellst Du Dir denn vor, was ich machen soll? Mich hier einschließen? Witzig, dass kann ich nicht mal! Du kannst die Türen jederzeit öffnen. Also gut, was willst Du?", fragte Mantione nervös.

Boldiszàr
›Ich?‹, fragte Boldiszàr, während Tekuro fragend seinen Vater anschaute, ob sie wirklich einsteigen sollten. ›Was sollte ich wollen? Ich bin nur ein einfaches Boot.‹

Mantione de Mancini
"Schiff, ab einer Länge von... Scheiß drauf. Du machst die ganze Zeit was Du willst, also scheinst Du was zu wollen Du einfaches Boot. Oh ich weiß, warum Du mir das antust. Weil Kazrar sagte, ich hätte das Gleiche getan wie Tekuro, ist es das? Ich habe gar nichts getan, Vano hat Dir das Leben gerettet. Du verkennst die Lage und bringst mich in Abgrundsküche. Von mir aus lass sie rein. Ich habe keine Verfügungsgewalt über Dich, wenn Du so drauf bist. Ich rede mit ihm und falls das nichts nützt, harpuniere ich ihn", erklärte Mantione.

Kazrar
Kazrar nickte. "Natürlich gehen wir hinein, wir wurden von Deinem Bruder eingeladen. Das Vano so herumzickt ist bekannt und vermutlich hat er Angst, mit diesem Körper ist es das erste Mal. Wenn er weiß, dass Du ihn sanft öffnest und für die Familie markierst, wird es von mal zu mal leichter. Er ist nervös, verstört und weiß sich nicht zu verhalten. Geh wie immer sanft mit ihm um, aber lass Dir nichts bieten. Sonst liegst Du wieder auf dem Rücken Tekuro, ich warne Dich. Wir wollen ihm nicht schaden, sondern ihn willkommen heißen", sagte Kazrar und betrat durch die Seitenluke den Leviathan.

Luke:
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Boldiszàr
›Nicht weil Kazrar irgendwas sagte, Manti. Sondern weil ich nicht einfach gehen kann. Schau, Robby sitzt da draußen, an mich gelehnt und traut sich nicht mal zum Pissen für fünf Minuten wegzugehen. Stattdessen lässt er sich von dem Burschen da einen Nachttopf bringen und wieder fortschaffen, Blut in Schüsseln servieren statt es aus pulsierenden Sklavenhälsen zu trinken. Ich könnte in dieser Zeit verschwinden. Er ist kein böser Mann, Mantione. Nur etwas ungeschickt darin, sich auszudrücken.‹

Mantione de Mancini
"Richtig, dafür wird er mich ausdrücken, ausquetschen bis aufs Blut. Lass die Reste dann in die Brutkammer schaufeln. Nun ich werde erneut mit ihm reden, was bleibt mir anderes übrig", sagte Manti ergeben und küsste Umberto.

Tekuro Chud
»Das sieht aus wie Boldis Arschloch«, stellte Tekuro in der Zwischenzeit fest, als sie durch die Seitenluke einmarschierten. »Nur an der falschen Stelle.« Er streichelte die Tür, woraufhin sie sich ärgerlich bewegte und suchte die Kajüte. »Hier riechts lecker«, schnurrte er und schnupperte. »Da lang.« Er führte seinen Vater der Duftspur folgend bis zur entsprechenden Tür. Doch die war verschlossen. »Vanosklavi.« Er kratzte.

Umberto Cantichi
Umberto griff nach seiner P8, entsicherte sie und zielte in Kopfhöhe auf die Tür. »Mir egal, was Boldiszàr und du unter euch ausgemacht habt. Ich sehe, dass du es nicht willst und sie werden dich nicht bekommen!«

Mantione de Mancini
Mantione rieb sich über das Gesicht und schaute Umberto an. "Geh ins Cockpit, bleib da gleichgültig was passiert", bat Manti und drückte Umberto fest an sich, ehe er ihn freigab und sanft in die richtige Richtung schob. "Geh und komm nicht raus, bis ich Dich hole", bat er liebevoll. Er schaute Umberto an, der dort mit entsicherter Waffe stand und bereit war für ihn zu kämpfen. "Eine P8? Beim Abgrund wo hast Du eine souvagnische Gauswaffe her? Ich meine nicht, dass ich das nicht geil finde, also ich finde es herbe. Gut klären wir das später nur feuere sie bitte nicht im Schiff ab. Dann bleib hier, ich werde mit ihnen reden", sagte Manti und streichelte Umberto über die Flanke. Dann öffnete er die Tür und schaute die beiden Gäste an. "Tekuro, Kaz Boldi freut sich Euch zu sehen. Ihr seid ziemlich dreist, wisst Ihr das?", fragte er herausfordernd.

Umberto Cantichi
Umberto war gerade herzlich egal, wo er diese Waffe herhatte. Natürlich wusste er es und es war eine gute Geschichte, aber er bekam weder die Gelegenheit, sie zum Besten zu geben, noch war ihm gerade danach. Er wurde kurzerhand weggeschoben, nach hinten zum Cockpitbereich hin, der gesondert vom Privatbereich des Kapitäns abgeriegelt war. Das erste Mal in seinem Leben war er wütend auf Boldiszàr. Er, der sie alle ernährte, der sie schützte und liebte, ihr lebendes Schiff, fühlte sich auf einmal an wie eine Todesfalle. Er hielt das Ohr an die Wand, nachdem die Tür hinter ihm geschlossen worden war und lauschte.

Mantione de Mancini
Mantione schaute seinem Mann hinterher und wandte sich erneut an die Besucher. "Also?", fragte er so ruhig wie möglich, auch wenn er sich überhaupt nicht so fühlte.

Tekuro Chud
Tekuro kam mit einem selbstgefälligen Gesichtsausdruck hineingeschlendert, als wäre er hier zu Hause. »Setz dich«, befahl er und nahm selbst auf der Koje platz. »Natürlich freut Boldi sich, er ist mein Bruder und ich bin seiner. Drum möchte er auch, dass ich dich im Kreis der Familie willkommen heiße, ganz wie früher. Und du möchtest es auch, sonst hättest du deinen Fisch nicht weggesperrt. Er war hier drin, das rieche ich. Hast du meinen Stachel vermisst? Erzähl mir, was du von ihm geträumt hast und wie oft du mit der Hand um den Schwanz aufgewacht bist.«

Mantione de Mancini
Mantione schaute Tekuro und Kaz dabei zu, wie sie einfach seinen Bereich betraten, als wäre es das Natürlichste der Welt. Für sie war es das scheinbar auch. Tekuro nahm Platz und das erste Mal in seinem Leben musste sich Mantione etwas sagen lassen. Er setzte sich und vermisste Schnippel, den er jetzt gut gebrauchen konnte. Aber Schnippel war in Umbertos Kabine, soviel zu einer hilfreichen Schere. "Noch nie, ich habe noch nie von Dir geträumt, oder meinen Schwanz in der Hand gehalten, außer zum Pinkeln", gestand Manti ehrlich.

Tekuro Chud
»Noch nie?« Tekuro runzelte die Stirn. »Vano, es ist neunhundert Jahre her und du hast nach meinem Stachel gebettelt, hast nach ihm geschrien wie kurz vor dem Verhungern, ich glaub dir kein Wort. Natürlich hast du von ihm geträumt.« Er stellte ein Bein auf, so dass Mantione ihm besser in den schwarz behaarten Schritt schauen konnte. Zum Glück war er schon nackt. Der Stachel war gerade dabei, sich bereit zu machen und begann dicker zu werden. »Schau ihn dir an, erinnere dich.«

Mantione de Mancini
"Am 17.05. war ich zwei Monate alt, ich habe nie persönlich von Dir geträumt, andere vielleicht ich nicht. Und ich habe mich nie selbst angefasst. Vano hat nach Deinem Schwanz gebettelt, weil Du ihn damit ziemlich angeheizt hast, es hat ihm gefallen von Dir so ausgefüllt zu werden und er hat es gemocht, dass Du Dich für ihn zusammenreißen musstest. Aber findest Du nicht, dass die Zeit vorbei ist? Ich bin nicht Vano, nicht wirklich", versuchte Mantione zu erklären, was für die meisten kaum verständlich war. Im Grunde war er es und war es doch nicht, wie ein Zwilling der die 13. Generation bildete. Der Anblick von Tekuros anschwellendem Stachel machte ihm Angst und machte ihn zeitgleich irgendwie an. Mantione ärgerte sich darüber und dann hatte er sich das Ding auch noch genau angeschaut. Super, dümmer konnte man nicht sein.

Tekuro Chud
»Du magst ihn. Kannst ihn ruhig anschauen, ich weiß, dass er dir gefällt und du weißt es auch.« Tekuro half mit der Hand nach, damit sein Stachel sich schneller aufrichtete. »Mir ist gleich, ob du ›nicht wirklich‹ Silvano bist, du bist Boldiszàrs kleiner Sklave. Leider kann er dich nicht mehr persönlich beglücken. Aber ich werde meinem Bruder helfen, so wie immer.« Der Stachel stand. Er nahm die Hand weg und ließ Mantione gucken.

Mantione de Mancini
"Ja... ja das bin ich Boldiszars Sklave, ich bin an ihn gebunden von meinem ersten Funken der Existenz bis zum letzten Atemzug und sogar darüber hinaus. Musst Du unbedingt an Dir rumfummeln?", fragte Mantione und musste gerade deshalb hingucken. Der Kerl brachte ihn zur Weißglut und dann benahm er sich auch noch wie der Hausherr. "Umberto wird mich beglücken, ich bin also völlig ausgestattet mit Stachelhilfe. Zudem glaube ich kaum, dass Du mir das Monsterteil reinschiebst, vergiss es", knurrte Manti. Dabei wusste er aus uralten Erinnerungen, dass das durchaus möglich war. Und gerade deshalb hatte es sich scheinbar gut angefühlt. "Du kannst jetzt gehen", bot Manti großzügig an.

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Re: Schiff und Käptn, der Ozean wartet

#8

Beitrag von Mantione de Mancini » Sa 25. Mai 2019, 05:25

Das Recht der ersten Nacht
Fortsetzung



Ü18-Story
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Re: Schiff und Käptn, der Ozean wartet

#9

Beitrag von Mantione de Mancini » Di 28. Mai 2019, 00:35

Die Aussprache mit dem Untoten


Mantione de Mancini
Mantione war in einer Zwickmühle, er musste so viele Seiten berücksichtigen wie kaum einer der Käptn bevor. Einerseits die beiden Seiten mit denen Boldi kämpfte, die des Biomechanoiden und seiner menschlichen Seite, dann die Seite von Tekuro, ebenso die Seite von Umberto und die Seite der Mannschaft. Seine Seite gab es nicht. Er bereute überhaupt die Reise in die Azursee angetreten zu haben. Aber nun war er hier und gleich was er sonst konnte, Zeitreisen gehörten leider nicht dazu. Also musste er sich der Situation stellen und verhandeln wie ein Rakshanischer Teppichverkäufer. Die Vampire in der Höhle rannten wie kopflose Hühner durcheinander. Manti hätte das als Kompliment gesehen, wäre es ihrem Auftauchen und der Angst vor ihnen geschuldet gewesen. Er erinnerte sich an eine weit entfernte Zeit, als man die erste Choucas fürchtete... Ein fremdes Schiff hatte die Aquila gestellt und sie von der Wolfspassage abgeschnitten, sich schräg davor positioniert um die kleine Schwester zu versenken. Gerade als die Waffen bereit gemacht wurden, sah man bei der fremden Mannschaft die Panik in den Gesichtern. Ja man sah schon fast bei den Holzwürmern das weiße in den Augen, so nah war die Choucas herangerauscht durch die enge Passage. Angst war alles, was man für Sekunden in den Gesichtern der anderen Mannschaft sah. Bevor der fremde Kapitän noch etwas brüllen konnte grub sich der Rammsporn der Choucas mit einem gewaltigen Knall in die Flanke des Feindes. Das Schiff wurde regelrecht auf die Seite geschleudert, den Rumpf weit aufgerissen... und so waren die Augen auch der Vampire aufgerissen. Aber diese untoten Landläufer hatten keine Angst vor ihre Ankunft, sondern vor ihrer Abreise. Und Untote hörten scheinbar schwer. Manti atmete tief ein und rief erneut. "TEKURO WIR HABEN ZU REDEN!", donnerte er so laut er konnte. Und wer einst Silvano kannte, wusste das dies sehr laut war. Das Echo von Mantiones Stimme hallte verstärkt in der Höhle wieder und einzelne Steine rieselten herab.

Tekuro Chud
Tekuro, der weißer war, als er als Vampir sein sollte, ja, gräulich wirkte, kam herbei. Da er keine Kleider trug, sah Mantione, wie seine Muskeln vor Nervosität unter der bunt tätowierten Haut arbeiteten. Auf seiner Brust trug er ein Hirschgeweih, dass sich in Richtung der Schultern erstreckte und das in weißer Farbe zwischen den bunten anderen Motiven hervorstach.
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Tekuro blickte nicht freundlich drein. »Ich lass euch nicht gehen«, grollte er.

Mantione de Mancini
Mantione stemmte die Hände in die Hüften, gab die Pose aber direkt wieder auf, weil er fand er sah vermutlich aus wie eine der uralten, wütenden Hausfrauen aus dem Seifenopernholo das manchmal je nach Übertragungsstandort über die Schirme flimmerte. Zudem sah die Pose abweisender aus, als er gestimmt war. "Schön, dann seid Ihr schon zu zweit. Du möchtest uns nicht gehen lassen und Boldiszar möchte nicht gehen. Damit haben wir einen Patt. Folglich haben wir zu verhandeln. Ich werde nicht dulden, dass die Mannschaft hierher umgesiedelt wird, damit sie Euch als Nahrung oder Vieh dienen. Diese Leute haben Generationen in Boldiszar verbracht. Manche von ihnen 12 Generationen, das heißt, sie kennen nur das Leben in unserem Schiffsdorf. Die Welt da draußen kennen sie nur bruchstückhaft. Dort wo wir anlanden, wo sie aussteigen, falls sie denn aussteigen. Ich werde diese Leute nicht zwingen in einer Welt zu leben, die nicht ihre Welt ist. In der sie Dreck, Abfall, Beute und Spielball für Deine Brut sind. Falls Boldi das wünscht, werde ich das Schiff evakuieren, aber wohin ich meine Leute im letzten Dienst führe, das entscheidet nicht das Schiff! Das entscheidet der Käptn! Und Du Tekuro bist nichts von beidem! Ich bin hier um den größtmöglichen Schaden abzuwenden, um mit Dir zu sprechen. Boldi kann und will Dich nicht verlieren. Es gab nie eine Zeit wo das Schiff einen Außenstehenden, einen Landläufer über sich, die Mannschaft oder den Käptn gestellt hat. Heute ist leider dieser historische Tag und ich hätte gut drauf verzichten können. Aber ich muss noch einige Jahre mit ihm leben, bevor ich zurück in den Tank kehren darf. Im Fall der Evakuierung wird es keinen Tank, keinen Käptn und keine gemeinsame Reise mehr geben. Also stehe ich hier um für alle Seiten zu verhandeln, alle bis auf eine die unberücksichtigt bleibt - meine. Also was verlangst Du? Was willst Du? Und reg Dich erstmal ab Du siehst ganz grau aus. Nanos im Endstadium wirst Du wohl nicht haben um hier einen auf dicke Hose zu machen. Die funktionieren nur bei lebenden Organismen, so sagt es die Erinnerung von 12", antwortete Mantione.

Tekuro Chud
Tekuro leckte sich die Lippen und sah weg. Dann nickte er. »Einverstanden. Reden wir. Eines vorneweg zur Klärung, die Mannschaft gehört Boldi und nicht mir. Darum sind sie nicht Beute noch Spielzeuge. Nicht einmal Umberto. Vorhin warst du so lieb zu mir und auf einmal streiten wir. Warum wollt ihr fort? Ihr bekommt hier alles, was ihr wollt! Wenn du mich nicht leiden kannst oder mir nicht glaubst, kannst du jeden anderen Beißer fragen. Es wird euch hier an nichts mangeln, an gar nichts. Ich erfülle euch jeden Wunsch, der in meiner Macht steht, nur geht nicht wieder weg!« Mantione konnte nun die Panik in Tekuros Stimme hören, die unter dem Groll gepanzert lag.

Mantione de Mancini
Mantione zeigte seine offenen Handflächen, als Zeichen dass er friedlich bleiben wollte. "Ich... keine Ahnung, ich weiß nicht warum wir streiten, warum ich mit Boldi streite. Ich möchte mich nicht streiten Tekuro und ich habe auch nie behauptet, Dich nicht leiden zu können. Daran liegt es nicht, es liegt eher an dem Umstand, dass ich einfach übergangen werde. Falls Boldi Dich als seinen Käptn wünscht, nun dann soll es so sein. Aber Ihr könnt keinen Verbund eingehen. Der Verbund wäre Du steigst als Lebender in die Kammer, opferst Dein Leben und nach Dir entsteht der neue Käptn. Das ist die einzige mir bekannte Form. Aber Du lebst nicht und Du würdest nicht gehen wollen, denn dann verlierst Du Dich selbst und damit auch Boldi. Naja kompliziert erklärt, Du weißt hoffentlich was ich meine. Der Tod würde Euch beide trennen, das wollte ich damit sagen. Tod und Wiedergeburt liegen hier nah beieinander. Das es uns an nichts mangelt mag vielleicht sein, aber wir sind nicht geschaffen zu rasten, wir ziehen normalerweise durch die Weltmeere auf der Suche nach den Dingen die wir zum Überleben benötigen, Dinge die wir selbst nicht herstellen können. Manches tauschen wir, manches erbeuten wir, so ist das bei Raubfischen und wir sind kein Hering. Unterwegs sein, ist doch nicht gleichbedeutend mit jemanden verlassen Tekuro. Ich dachte Du kanntest Vano, Du wusstest das der Ozean ihn rief und vermutlich nicht nur ihn, sondern seine Vorfahren auch. Wieso lebte sein Vater am Meer? Aber das spielt keine Rolle, solange Du die Mannschaft achtest, bin ich bereit zuzuhören und mit Dir eine Lösung zu suchen. Ich habe nicht vor Boldi oder Dir zu schaden, ich habe vor, dass niemand einen Schaden erleidet. Wir sind hergekommen, weil Boldi Dich vermisst hat. Er hat sich gewünscht Dich zu suchen und zu finden. Eigentlich ein schöner Anlass, seinen verschollenen Bruder zu suchen und tatsächlich wieder in die Arme... also Flossen schließen zu können. Dafür sollte das eigene Kind aber nicht der Preis sein, oder Dein Dorf. Drum reden wir", bot Manti freundlich an.

Tekuro Chud
»Ja, Silvano hat auch immer gesagt, er muss raus aufs Meer. Auf das dumme Meer, das überall gleich aussieht! Gleich blau, gleich kalt, gleich fad! Ich hab ihn nie verstanden. Möchtest du ... mit reinkommen?«, bot Tekuro an. »In die Festung? Du kriegst was zu Essen und ich werde dir meine Leute zeigen, wie sie jetzt aussehen. Ich kann Tanuki als Bürgschaft für dich an Bord schicken, während du bei mir zu Gast bist. Er ist mein Lieblingssohn, mein Goldjunge, er bedeutet mir alles. Wenn ich einst von der Jagd nicht mehr zurückkehre, ist er derjenige, der meinen Platz einnehmen wird. Ein wertvolleres Pfand als ihn kann ich dir nicht geben.« Er blickte Mantione an. »Also?«

Mantione de Mancini
"Das ist ein fairers Angebot und ich nehme es gerne an. Nun wie soll ich Dir das erklären? Schau ich würde auch sagen, ein Berg sieht immer gleich aus. Grauer Felsen und wenn man auf einem wohnt guckt man täglich auf Geröll. Aber es gibt Leute die lieben die Berge. Oder die Wälder und es gibt eben Leute die lieben das Meer. Es ist niemals gleich blau, es ist von grau bei einer Sturmwetterfront und zeigt seine Wildheit, tiefblau um zu zeigen wie tief und unergründlich es ist, fast türkisfarben in warmen, seichten Gewässern. Manchmal sogar giftig-grünlich in einer tosenden Sturmnacht, es ist alles andere als fade. Und es hat seinen eigenen Geruch, sein Parfüm, dass niemand herstellen oder gar ersetzen kann. Der Geruch von Salz, Frische und Weite, der Geruch von Unendlichkeit... Das was Landläufer als Meeresgeruch kennen, ist die Jauche die in ihren verdreckten Häfen gegen die Kaimauern schwappt. Das ist Kloake, aber kein Meer. Das Meer schenkt einem alles was man braucht, manches spült es einen vor die Füße, für manches muss man hart kämpfen. Aber die See ist niemals ungerecht, sie ist die größte Macht die diese Welt zu bieten hat und niemand kann sie bändigen oder darf sie zähmen. Ich könnte Dich genauso gut fragen, warum Du Dein ganzes Leben lang auf einem Fleck in einer finsteren Höhle hockst wie ein Gefangener, obwohl Du frei bist hinzufahren wohin Du magst. Kann ich mich bei Dir waschen und etwas zu essen bekommen bitte?", fragte Manti und stieg von Boldi herab und blieb vor Tekuro stehen.

Tekuro Chud
»Ich sagte doch, du kriegst alles, was du dir wünschst.« Als Boldiszàr unruhig wurde, legte Tekuro seine Hand auf das breite, kalte Maul des Leviathans. »Ich versprech dir, dass ich dir deinen Manti-Silvano wieder heil zurückbringe. Aber du versprich mir, nicht einfach abzutauchen! Ich hab vorhin gedacht, ihr fahrt einfach weg.« Er wandte sich wieder Mantione zu. »Du kannst das Meer schön beschreiben, aber eines kann es nicht bieten: Sicherheit. Wie du sagst, es ist unberechenbar. Das ist Carnac nicht. Carnac ist wie ein gewaltiges unterirdisches Nest für meine Familie. Soll ich Tanuki herrufen?«

Mantione de Mancini
Mantione schmunzelte. "Das Letzte was Boldi heute interessiert bin ich oder meine Sicherheit, schick Tanuki zu ihm, er wird ihn reinlassen. Davon gehe ich fest aus. Es kommt drauf an, wie Du auf dem Meer unterwegs bist und ob Du seine Sprache sprichst. Falls Du es verstehst, falls Du es hören kannst, dann bist Du dort so sicher wie nirgendwo sonst und vor allen Dingen bist Du frei. Aber es kommt auch auf den Blickwinkel an Tekuro. Du siehst diese Höhle als schützendes Nest dass Dich umarmt und beschützt. Für mich sieht es aus wie eine steinerne Zelle die mich erdrückt. Du liebst den begrenzten, beschützenden Raum, die Wände die Deinen Lebensraum begrenzen und Dir Sicherheit versprechen. Du denkst wie ein Souvagner. Ich empfinde dabei Beklemmungen, ich benötige die offene Weite, die endlose See, dann fühle ich mich sicher und geboren. Aber Du würdest mir sagen, Du fühlst Dich verloren. Jeder hat seine ureigene Sicht auf die Welt Tekuro. Du bist kein Fisch und ich keine Fledermaus, gehen wir. Ich bin gespannt auf Deinen Turm und wie Deine Gemächer aussehen. Meine kennst Du ja, sind ja kein Geheimnis", erklärte Manti und deutete Tekuro an vorzugehen. Eigentlich wollte er gar nicht so schnippisch sein, aber es wurmte ihn immer noch, dass er einfach übergangen wurde.

Tekuro Chud
Tekuro gab Tanuki, der sich etwas abseits hielt, aber mit seinen Gardisten stets in die Richtung von Mantione blickte, einen Wink. Sein Sohn kam herbei, Tekuro legte ihm den Arm um die Schultern und sprach leise in sein Ohr. Man konnte sehen, dass Tanuki ein Stückchen kleiner und zierlicher war als Tekuro, was vielleicht dem jungen Alter geschuldet war, indem man ihn zum Vampir gemacht hatte. Vielleicht wäre er aber auch so geblieben und es war die Linie von Opa Kazrar, die bei ihm durchschlug. Tanuki nickte und spazierte in Boldiszàrs Ohr oder was auch immer diese Öffnung war, die sich hinter seinem Auge dort befand, wo ein Fisch die Kiemen hatte. Boldiszàr ließ ihn ohne Umschweife eintreten. Tekuro war nervös, seinen Jungen dort verschwinden zu sehen. »Boldi passt auf«, sagte er laut zu sich selbst. »Johnny!« Der weißhaarige Sklave erhob sich vom steinernen Ufer, wo er all die Zeit gewartet und sich gelangweilt hatte, seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen. »Geh vor und mach alles hübsch für unseren Gast. Er braucht Essen für Lebende. Sag außerdem meinen Eltern bescheid, Belly, Patti und Ezio.« Johnny verneigte sich leicht. »Ich lebe nur, um Euch zu dienen«, gurrte er, was Tekuro einen Schauer der Verzückung über den Rücken jagte. Während Johnny zügig voranging, nahm Tekuro sich Zeit, mit Mantione zu schlendern, damit alles vorbereitet werden konnte. »Er ist ein lieber Johnny«, erklärte er seinem Gast und führte ihn in die Festung. »Und ich bin ja auch zu so und so viel Prozent Souvagner, hauptsächlich sogar. Mehr als Arashi, auch wenn ich nicht sehr souvagnisch aussehe. Klar mag ich da Wände.«

Mantione de Mancini
"Die Erinnerungen des Ersten sagen Du bist ein Viertel Arashi. Also Dein Vater ist ein halber Arashi und Deine Mutter war Souvagnerin, ergo bist Du ein Viertel Arashi. Mehr Souvagner als Arashi. Ja Wände und Mauern sollten Dir also gefallen. Johnny scheint sehr dienstbeflissen zu sein. Boldi wird gut auf Tanuki aufpassen, er würde Dich niemals verletzen oder einen der Deinen. Und das meine ich gerade einmal nicht als Seitenhieb, sondern ehrlich und freundlich. Ich bin gespannt was Ihr zu essen habt. Bellamy und Patrice sagen mir etwas vom Namen aber Ezio? Ich glaube er war der Sklave aus Ehveros, einst ein almanisches Land. So wie das hier einst Niewar gewesen ist, bevor den Zwergen die Decke auf den Kopf fiel. Vielleicht hättest Du seinerzeit mit Vano sprechen sollen, bevor Du Boldi gebissen hast. Das hätte Euch einiges erleichtert. Allerdings hätte es dann uns nicht gegeben, weder Boldi in der Form, die Marians noch uns die Kapitäne. Das Schicksal hätte einen anderen Lauf genommen, vermute ich. Wie siehst Du die Sache?", fragte Mantione umgänglich.

Tekuro Chud
»Genau, Ezio ist mein anderer Sklave, einer von den vielen, aber einer von meinen Lieblingen. Er ist so brav, so brav!«, schmachtete der Vampir, während er Mantione durch die Festung führte. »Also das hier ist der zivile Teil. Den anderen zeig ich dir nicht. Da wohnt die Schwarze Garde, unsere Elite hier in Trutznest. Guck, da geht es zur Küche, das riecht man schon. Es riecht fleischig und blutig, aber unsere Lebenden Brüder und Schwestern bekommen auch Fisch und Pilz oder Moos, so als Standardessen, was wir selber sammeln können. Aber da wir viel Zaster haben, kaufen wir auch Reis und frisches Obst und Gemüse. Johnny organisiert dir was Feines, er ist so was wie mein Leibdiener. Da ich hier in Trutznest die Hosen anhab, also wenn ich Sachen trage, brauch ich auch Diener. Da ist sogar eine Gemäldegalerie, alles Familie. Aber direkt als Relief eingemeißelt und dann angemalt, damit das Bild nicht verloren gehen kann. Oder irgendwer räumt es in einen Keller, wo es verstaubt! Nix da.«
Seine Fingerfuhren liebevoll über das Gesicht eines Nachfahren. Es war in der Festung sehr gemütlich eingerichtet, mit allerlei wohnlichen Gegenständen, wie Teppichen, Kerzenhaltern, Vasen, Kunstobjekten. Zwischendurch gab es jedoch immer wieder Dinge, die ein Normalsterblicher wohl als Geschmacksentgleisung bezeichnen würde. Besonders die zahllosen Phallussymbol konnten den ein oder anderen irritieren.
»Ich hätte nicht Silvano fragen sollen, wegen dem Biss, sondern Boldi schon viel eher in die Schatten rufen. Gleich ganz am Anfang, nicht erst als alten Sack. Und vorher Silvano aus dem Weg räumen.«
Sie gelangten an eine Tür, die von zwei eisernen schwarzen Skorpionen bewacht wurde. Wer hier wohnte, war unverkennbar. Tekuro trat mit Mantione ein. Die Gäste saßen schon in dem riesigen Nest, dass das gesamte Wohnzimmer dominierte und in dessen Mitte ein runder, flacher Tisch gestellt worden war voller typischer Speisen aus Arashima. »Mantione«, stellte Tekuro den Gast vor. »Klon von Chevalier Silvano Giovanni Delancy Bovier de Mancnini-Desnoyer. Mantione - die Beißer.«

Mantione de Mancini
"Ja ich weiß, das Bedürfnis uns zu töten scheint jeder zu haben. Da sind sich irgendwie die meisten Souvagner einig. Jedenfalls bis auf die Bouviers vor einigen Generationen. Dem Heer der Feinde die uns gemeuchelt sehen wollen, stehen meist nur eine Handvoll Leute gegenüber die uns mögen. Und meist ist eine Handvoll noch übertrieben gewesen. Ich denke Laurent, Mercer oder auch Silvano konnten sich gut an einer Hand abzählen wer sie mochte", antwortete Mantione und schaute sich neugierig in der Festung um. Notfalls musste er sich den Weg freikämpfen und dazu musste er sich den Weg merken. Falls Teku so viel Wert auf seinen Sohn legte wie Boldi, dann hatte das Faustpfand keinen Wert. Er würde ihn für seine persönlichen Belange über die Klinge springen lassen. Die Gemälde, oder vielmehr die Reliefs sprachen eine andere Sprache. Aber was wusste er schon? Hübsch anzusehen waren sie, die Festung wirkte nicht wie ein Hof oder eine Burg, wie wirkte wie ein gigantisches Wohnzimmer und als Dekovorliebe hatte der Hausherr Ständer, allerdings keine Hutständer. So lebten also Herrscher, mit Dienern, Sklaven und einem Haus das pure Gemütlichkeit versprach. Es war anders als sein Leben, aber vermutlich ganz genauso gemütlich. Er bezog seine Gemütlichkeit aus der Nähe zu seinen Leuten, seiner Mannschaft, seinen Offizieren. Möglicherweise tat Tekuro das auch, da er einige von ihnen verewigt hatte und die Trauerhöhle sprach auch eine andere Sprache. Vermutlich kam es auch auf die Leute an. In seinem kleinen und stark begrenzten Lebensraum, kannte jeder jeden mit all seinen Stärken und Macken. Hier war das anders, diese Höhle war riesig und es war sicherlich nicht möglich alle Mitbewohner zu kennen. Manti konnte sich das nicht vorstellen. Als sie an eine Tür mit Skorpionen angelangt waren, wusste Manti, dass dies Tekuros Reich war. Was er hinter den anderen Türen verbarg, ging ihn scheinbar nichts an. Dann war das so, er würde auch niemanden in die Hirn- oder Antriebskammer lassen. Der Raum den sie betraten war groß, ein Nest so wie es einst in der Choucas geschaffen worden war. Ein runder Tisch war beladen mit Köstlichkeiten die Mantione alle gar nicht kannte. Da er hier zu Gast war und den Raum betreten hatte, gebot es die Höflichkeit dass er zuerst grüßte nach der offiziellen Vorstellung. "Ich grüße Euch", sagte Manti freundlich und schaute Tekuro abwartend an.


Bellamy:
Bellamy schaute sich Mantione an und fühlte einen Stich, Vano und doch nicht Vano. Keiner wusste so gut wie er, was Vano einst getan hatte, allerdings wusste er auch warum. Er hatte seinen Ehemann gerächt. Bellamy hoffte, dass sie dieses Treffen als neue Familie beenden würden, ja am Besten sollte dieses Treffen gar nicht enden. Er hatte Boldi noch nicht gesehen und trotz aller Wut auf Vano, war er froh ihn wiederzusehen. Gesünder, jünger und irgendwie kindlich. "Hallo und willkommen im Kreis der Beißer", grüßte Bellamy zurück.

Tekuro Chud
»Nein, du verstehst das falsch. Ich hab Silvano immer gemocht und ich wollte ihn niemals tot sehen. Das war ja mein Fehler. Darum ist es geendet, wie es geendet ist, mit einer Harpune in den Eingeweiden. Aber ich bin heute nicht nachtragend.« Tekuro schob Mantione in die Kissen und drückte ihn runter. »Setz dich. Gemütlich unsere Höhlenfestung, nicht?«, fragte Tekuro stolz. »Wir haben hier einen Beißer, der immer alles dekoriert und anmalt. Mit dem sind wir nicht immer einer Meinung, manches macht er heimlich. Bellamy zum Beispiel mag Waffen, aber unser Innenausstatter leider nicht. Der war voll die Fehlzüchtung. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist.« Tekuro setzte sich zwischen Mantione und Bellamy, wobei er ein leises Schnurren von sich gab, das seinem Mann galt.

Patrice Vertcuis
Patrice hatte es sich mit dem Schielenden Johann gegenüber gemütlich gemacht und erklärte ihm gerade irgendwas. Als er Mantione sah, hielt er inne. Ein Klon von Silvano, wie auch immer das möglich war. Im Gegensatz zu Tekuro hatte er an Silvano nie etwas auszusetzen gehabt, sie hatten sich gut verstanden. Mehr noch, Silvano hatte ihm ein Geschenk gemacht und ohne ihn und Kazrar wäre Patrices Schicksal ein Schreckliches gewesen. Wie naiv Patrice manchmal auch wirken mochte, sein Detailgedächtnis übertraf das von fast allen anderen - ein Erbteil von Pascal. Patrice reichte Mantione die Hand. »Grüß dich«, sprach er freundlich und sah sich lange das Gesicht des Gasts an, ehe er die Hand wieder freigab. Als er sprach, konnte Mantione sehen, dass er keine Vampirzähne besaß, auch fühlte seine Hand sich warm an. Vermutlich erkannte er ihn nicht, denn Patrice hatte den Körper inzwischen mehrmals gewechselt.
Patrice 1077
»Ich bin Patrice, Patti, falls du dich erinnerst.«

Mantione de Mancini
Mantione wurde von Tekuro in die Kissen gedrückt und einen Wimperschlag später saß er im Nest. Bellamy begrüßte ihn im Kreise der Beißer, während Tekuro schnurrte. Manti wusste nicht, wieso Tekuro die Zuneigung zu Silvano als Fehler sah. Dann hätte er auch darauf verzichten können ihn "einzuweihen". Er konnte den Mann nicht einschätzen, genauso wenig konnte er Bellamy einschätzen. Beide hatte Vano töten wollen, aber nicht aus Groll, sondern aus Rachsucht. Immerhin hatten sie Boldi getötet, seinen geliebten Ehemann. Er saß hier in ihrem gemütlichen Nest und fragte sich, was sie wohl mit ihm vorhatten. Er jedenfalls wollte reden und eine friedliche Co-Existenz aushandeln. Der Einzige der es scheinbar wirklich freundlich mit ihm meinte war Patrice. Erkannt hätte er ihn in diesem Körper nicht, dafür sah er zu fremd aus. Aber sie hatten sich stets gemocht und Manti kannte das Bedauern, dass Silvano für diesen Mann empfunden hatte. Ebenso die Scham, ihm nicht beigestanden zu haben, obwohl das durchaus in seiner Möglichkeit gelegen hätte. Manti hielt die warme, lebende Hand von Patrice einen Moment länger fest, irgendwie war sie tröstend. "Danke für die Grüße. Und ja, ich erinnere mich an Dich. Nur konnte ich Dich in dieser Gestalt nicht erkennen. Ich hoffe nun geht es Dir... gut", sagte Mantione und schaute ihm genau in die Augen. Er hoffte kein Leid darin zu lesen und keine Resignation.

Patrice Vertcuis
»Mir geht es bestens«, sprach Patrice. »Ich habe mir diesmal einen etwas größeren, kräftigeren Körper herausgesucht. Ich wollte ausprobieren, ob es gut für das Selbstbewusstsein ist. Aber ehrlich gesagt finde ich es ein wenig unangenehm, plötzlich auf Augenhöhe mit Tekuro zu sein. Es fühlt sich ein wenig an wie in zu großen Schuhen gehen zu müssen. Wenn ich wieder zu alt werde, suche ich mir erneut einen kleineren Körper. So 1,73 bis 1,75 finde ich am bequemsten. Ansonsten bin ich nach wie vor kein Sklave mehr. Auch kein Jäger, auch wenn sie mich manchmal mitnehmen. Ich bin einfach da, habe keine feste Aufgabe, langweile mich und bringe den Tag irgendwie rum. Aber Ezio leistet mir ganz gute Gesellschaft.«

Mantione de Mancini
"Das klingt nach einem guten Leben, Du kannst Dir ja eine Beschäftigung suchen, die Dich glücklich macht. Es freut mich, dass Du letztendlich doch glücklich geworden bist. Du hast Tekuro immer geliebt und mehr ertragen, als mancher hätte ertragen können. Vano hat es oft bereut, dass er manches zuließ. Er empfand Mitleid für Dich und ich freue mich zu hören, dass Du letztendlich Deinen Platz im Leben gefunden hast. Mein Platz ist gebunden, also ich selbst bin gebunden und zwar an ein lebendes Schiff. Einen Leviathan. Dieses Schiff trägt die Seele von Boldiszar ins sich. Vano schuf es, als Boldi verstorben war. Seine Seele wurde vom Seelenkopler eingefangen und er transferierte sie in den Leviathan. Um ihn zu erwecken, gab er sein Leben. Boldi erwachte in neuer Gestalt und ebenso erwachte der Keim des ersten Käptn. Ich bin der 13. Käptn dieses Schiffes. Schiff und Käptn bildeten stets eine Einheit, sie sind seelisch verbunden, sie teilen die gleichen Wahrnehmungen und das Schiff hört mich in seinen Gedanken wie ich das Schiff höre. Aber heute war alles anders, Boldiszar wollte seinen Bruder Tekuro besuchen an seinem Todestag. Drum sind wir hier und dabei stellte sich unsere Welt auf den Kopf. Boldi wollte nicht fort, jedenfalls nichts sofort, ewig bleiben kann er aber auch nicht. Und Tekuro möchte uns nicht ziehen lassen, was verständlich ist... aus seiner Sicht gesehen. Deshalb bin ich hier um eine Lösung für uns alle zu finden", erklärte Mantione, die Einweihung ließ er weg. Er wollte Patrice nicht verletzten, es reichte schon dass er Umberto verletzt hatte. Sein Blick fiel auf Tekuro.

Tekuro Chud
»Patti ist nicht glücklich, erst wollte er unbedingt frei sein und jetzt kann er damit nichts anfangen. Hat er in fast 900 Jahren nicht gelernt. Hat er Papa zu verdanken. Aber wir sind ja nicht hier, um über Pattis erneute Versklavung zu sprechen, sondern über dich und Boldi. Iss irgendwas, du musst was essen!« Tekuro wies auf den Tisch, von dem sich Patrice und Johnny schon bedienten, der sich unaufgefordert dazugesetzt hatte. Tekuro ließ es ihm für den Moment durchgehen. »Ich vermute, Boldiszàr ›kann‹ nicht bleiben, weil er sich dir gegenüber schuldig fühlt, oder warum ›kann‹ er nicht? Weil nach meinem Dafürhalten könnte er sehr wohl. Und will auch! Ich spür das, ich weiß das, er ist mein Bruder. Ich mein das nicht als Provokation, aber wir müssen hier echt schauen, wo der Hase im Pfeffer liegt.«

Mantione de Mancini
Mantione schaute über den Tisch, auf dem so viele Speisen standen, von denen er eigentlich keine kannte. Er nahm sich etwas, dass wie Fleisch aussah und legte sich etwas Gemüse dazu. Fleisch gab es selten und wenn er die Gelegenheit dazu bekam, wollte er gerne ein bisschen davon essen. Manti hörte Tekuro aufmerksam zu und aß wie Zuhause sein Essen mit den Fingern. An Bord wurde alles irgendwie gewickelt oder in Brot gepresst serviert. Gemüse aß man mit den Fingern und so hielt es Manti hier ebenfalls. "Ist lecker, Dankeschön. Was Boldi fühlt? Er ist durcheinander und ich bin es auch. Wie gesagt, wir waren uns nie uneins. Nun sind wir es. Wäre ich abgreist, hätte ich gegen ihn gehandelt. Aber das kann ich nicht. Im Grunde könnte ich es schon, aber was wären wir dann noch für eine Gemeinschaft? Er würde mir Deinen Verlust nachtragen und es vielleicht an der Mannschaft auslassen. Es wäre nur noch eine Zweckgemeinschaft zwischen uns allen. Das sollte es niemals sein, das sollte es nie werden. Zwischen ihm und mir, ist es das geworden. Aber ich werde meiner Verpflichtung nachkommen, ich diene als Mittler zwischen ihm und der Mannschaft. Nur weil eine Seite wegfällt, heißt dass nicht, dass die anderen sich nicht auf mich verlassen. Ich bin also auch der Sprecher der Marians, nicht nur Boldis Sprecher. Das Du sie nicht bedrohst, freut mich. Boldi möchte bleiben, da er Dich vermisst. Ewig bleiben kann er nicht, da er vermutlich auch die offene See vermisst. Er könnte es mir übermitteln, aber er schweigt sich aus. Von daher kann ich Dir die Frage nicht beantworten, sondern nur schätzen. Wie gesagt ich verhandele im Namen zweier Parteien, mich halt aus der Sache raus. Sprich beziehe mich nicht als Person in die Verhandlungen ein, es geht um Euch beide, Dich, Boldi und die Mannschaft. Da müssen wir auf einen Nenner kommen", sagte Manti und nahm sich etwas Fleisch nach.

Tekuro Chud
»Nur noch eine Zweckgemeinschaft, von einem Tag auf den anderen? Mantivano, das ist totaler Quatsch. Du hast schon immer zum Übertreiben geneigt, du hast alles dramatisiert. Und wie ich sehe, machst du das immer noch. Ihr habt unterschiedliche Ansichten, das ist alles. Und das renkt sich wieder ein. Weißt du, all solche Probleme hat man nicht, wenn man die Bissmarke trägt. Du hast abgelehnt, aber behalte das im Hinterkopf, wenn du dich mal wieder überfordert fühlst. Ich muss dich was fragen. Kann es sein, dass du den echten Boldi vermisst, also den Menschenboldi?«

Mantione de Mancini
"Die Entscheidung lag nicht bei mir und ich bin nicht mal böse, bestenfalls enttäuscht? So könnte man es wohl nennen. Aber Enttäuschungen gehören zum Leben dazu. Es ist nicht immer spiegelglatte See und ich weiß dass man den Ersten für eine Drama-Königin gehalten hat. Er ging stets vom Schlimmsten aus und er behielt ja auch fast immer Recht. Und seine Vorfahren ebenso. Oder starben sie an Altersschwäche? Enttäuschungen lassen einen erwachsen werden und nüchtern. Vielleicht ist das die beste Weltsicht, Nüchternheit. Alles kommt wie es kommen soll, so wie die Gezeiten. Unterschiedliche Ansichten? Nun das kann sein, so habe ich es nicht gesehen. Ich fühle mich nicht überfordert, ich fühle mich losgelöst von allem, was eine sehr unangenehme Erfahrung ist. Den Menschen Boldi habe ich persönlich nicht gekannt, ich kenne ihn nur aus Erinnerungen. Die Person die ich selbst, also rein ich mit Boldi verbinde ist der Leviathan. Aber gesehen oder mich mit ihm unterhalten hätte ich mich schon mal gerne. Eben einfach zu wissen wie er einst war. Das betrifft aber nicht nur Boldi, sondern so einige Personen, die nicht mehr existieren. Ich denke das ist normal. Und was ist mit Dir? Vermisst Du ihn? Ich meine als Menschen, nicht rein seine Seele, sondern die Person die er einst gewesen ist", antwortete Manti ehrlich.

Tekuro Chud
»Und wie«, antwortete Tekuro ehrlich. »Ich kann dir nicht beschreiben, wie sehr. Ich bin kein Dichter, ich finde keine passenden Worte. Drum zeig ich es jedes Jahr zu seinem Todestag auf meine Art. Ich trage meinen Schmerz hinaus in die Welt, radiere das Lachen aus den Gesichtern. Mein Schmerz soll der ihre werden. Es hat sich herumgesprochen, dass an diesem Tag Blut fließt, sehr viel Blut, denn meine Beißer helfen mir dabei. So dass es niemand im Umkreis von hundert Kilometern um Carnac wagt, am Bolditag zu lachen oder auch nur zu lächeln. Dieser Tag verdient keine Freude. Aber ich hab mir auf meine Weise geholfen, ich hab vorgesorgt. Ein Teil von Boldi lebt unter uns.«

Mantione de Mancini
"Mein Gedenktag ist der 18.08. der Geburtstag von Silvano. So hielt es jeder von uns. Er hat zwar selbst nie offiziell dran gedacht, aber ich werde es wie er halten und ein Glas Rum auf ihn leeren. Seine Art zu feiern und so soll es an seinem Tag sein. Das es keinen Grund zum lächeln gibt, an einem Todestag ist richtig. Vielleicht höchstens, wenn man sich in schönen Erinnerungen verliert, die man gemeinsam hatte. So denke ich wird sich auch Umberto an den Zwölften erinnern, in Schmerz und in Glück. Ein Teil von Boldi lebt unter Euch? Und welcher Teil ist das?", fragte Mantione.

Tekuro Chud
»Ein Glas Rum ist zu wenig, das wird dem Schmerz nicht gerecht. Stell dir einen Schwarm Piranhas vor, die ein Herz in Stücke reißen und das Wasser färbt sich rot. Aber das Herz stirbt nicht, es muss weiterschlagen so zerfetzt und mit jedem Schlag pumpt es noch mehr Blut aus sich heraus, bis man nichts mehr sieht als Rot. Was tut man, um die Piranhas davon abzuhalten, einem so weh zu tun? Man wird zu einer noch schlimmeren Bestie und wird genau wie sie, nur noch schlimmer, bis alles um einen herum nur noch aus Leid besteht und man seinen eigenen Schmerz nicht mehr spürt. Das, Manti, ist der Bolditag.« Er beobachtete, dass jeder etwas vom Tisch aß oder trank. »Nori ist nicht da«, ärgerte er sich. »Wie ihr Vater, drückt sich dauernd oder kommt zu spät. Und du, Mama, iss noch was, du bist zu knochig.« Tekuro erhob sich und zog Mantione mit sich. »Esst und trinkt, aber geht nicht weg. Wir sind dann gleich wieder da. Ich zeig unserem Gast, was ich meinte mit dem Teil von Boldi. Komm, Manti.« Er hielt ihm die Tür auf.

Mantione de Mancini
"Oder man lässt die Welt, Welt sein und jeden nur bis zu einem gewissen Sicherheitsabstand an sich heran. Dann kann Dir niemand derart wehtun. Guter Tipp den der Erste lebte, aber hat er funktioniert? Nein. Manche Leute kann man nicht auf Distanz halten und andere möchte man nicht auf Distanz halten. Siehe Boldi und mich, wir gehören zusammen. Aber dennoch werde ich zukünftig die Grenze wahren, versprochen", sagte Mantione und folgte Tekuro. Gespannt wartete er, was er zu sehen bekam.

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Re: Schiff und Käptn, der Ozean wartet

#10

Beitrag von Mantione de Mancini » Do 30. Mai 2019, 02:44

Ein Teil von Boldi


Tekuro Chud
Tekuro führte Mantione durch die Flure von Dokutsu-jo. Er entdeckte eine neue Zierleiste, die ihr künstlerisch begabter Beißer (zumindest behauptete er, dass er begabt sei), an einer Wand angebracht hatte. Zur Zeit sprudelte er vor Schaffenskraft offenbar nur so über. Diesmal hatte er eine Polonaise blutroter Geckos zum Inhalt seiner Gestaltung gewählt. Nach einigen Abzweigungen hatte Mantione das Gefühl, dass sie sich wieder in Richtung Ausgang bewegen würden und wie sich herausstellte, hatte er damit Recht. Sie bewegten sich zu Boldiszàr, der den Kopf an Land gelegt hatte. Tekuro begrüßte ihn, tätschelte an seinem Kopf entlang und ging zur Ohrenöffnung. Dort lagen die akustischen Sensoren. »Manti möchte was wissen. Den Anfang musst du erzählen und ich steuere dann den zweiten Teil bei, ja?«

Boldiszàr
Nachdem Tekuro ihm seinen Wunsch ins Ohr geflüstert hatte, öffnete Boldiszàr in einer Mischung aus Bosheit und Empörung das Maul. »Was, diese peinliche alte Kamelle? Warum soll ich die ihm erzählen? Warum sollte überhaupt jemand sie anhören? Die ist so peinlich, dass sie für immer in den Giftschrank gesperrt gehört!«

Tekuro Chud
»Vertrau mir«, schnurrte Tekuro.

Boldiszàr
Der Leviathan schnaubte missbilligend und ein Sprühregen von Salzwasser ergoss sich auf das Ufer. »Also schön. Manti, willst du eine ultrapeinliche Geschichte von vor etlichen Jahrhunderten hören?«

Mantione de Mancini
Mantione folgte Tekuro durch die Festung. Irgendwer bemalte sie bunt und dekorierte auf eigenwillige Art. Umberto hätte es gefallen, Mantione fand, es fehlten einfach Meerestiere. Wieso malte einer Eidechsen an die Wand? Das war doch total sinnlos, man konnte doch so schöne andere Dinge an die Wand zeichnen von Muscheln über Schnecken, Fische, Delfine, Haie, Seelilien, Seesterne, das Meer bot so viele Möglichkeiten, da musst man doch nicht auf Echsen ausweichen. Manti hoffte, das der Künstler keiner dieser Farisin war. Sie sollten ausgestorben sein und falls das hier bei dem Künstler nicht der Fall war, gebot es die Höflichkeit, dass er nachhalf. Manti grübelte aber es war Tatsache sie gingen zurück zum Ausgang und zu Boldi. Also das Boldi ein Teil von Boldi war, darauf wäre er nie gekommen. Manti starrte Tekuro an, aber dieser ließ sich nicht beirren und flüsterte Boldiszar etwas zu. Worum es hier ging wusste er nicht, aber vielleicht würde es seinem Verständnis helfen. "Nun sie scheint wichtig zu sein, also möchte ich sie hören. Und falls sie nicht wichtig ist, hab ich was zu lachen", grinste Mantione.

Tekuro Chud
Boldiszàr stupste Mantione in seinem Geist an und zeigte ihm die Erinnerung. Es war ihm gewaltig unangenehm und er fragte sich, worauf Tekuro hinauswollte. So erlebte nun Mantione die Vergangenheit aus Boldiszàrs Sicht, so als wäre er selbst derjenige, der sie durchleben würde.

Ein Teil von Boldi

Nachdem Boldiszàr einige Zeit glücklich mit seinem Mann verheiratet war, bemerkte er eine gewisse Zudringlichkeit von Tekuro, die er nicht recht deuten konnte. Mehr als sonst suchte er seine Nähe, nicht nur räumlich, sondern auch körperlich.
»Robby«, beschwerte Boldiszàr sich, als Tekuro so dicht hinter ihm stand, dass Boldiszàr ihm versehentlich auf die Zehen latschte. »Wir hatten darüber schon gesprochen.«
»Weiß ich. Alles gut«, antwortete Tekuro freundlich und ging zwei Schritte zurück.
Kaum legte Boldiszàr sich in seinem Quartier auf das Fellbett, hatte er ihn wieder neben sich kleben. »Sag mal Robby, was wird das.«
»Nichts, wieso?«, fragte Tekuro und schob sich ein Kissen aus Schwarzbärenfell unter den Kopf. »Ich lieg hier nur.«
»Tust du nicht. Du drängelst.«
»Das täuscht, ich lieg genau so wie immer.«
Boldiszàr musterte die Lücke zwischen ihnen, in die gerade eine Hand gepasst hätte. Tekuro lag ganz entspannt da und guckte friedlich. Obwohl Boldiszàr es eigentlich besser wissen müsste, redete er sich ein, dass er heute einfach überempfindlich war. Was sollte auch schon passieren? So lange Tekuro ihn nicht begrabschte, war alles in Butter und so weit ging er nicht. Wahrscheinlich wollte er einfach kuscheln und reizte die Grenzen aufs Maximum aus. Boldiszàr drehte sich um und machte es sich ebenfalls bequem, um ein wenig zu ruhen.
Nach einer Weile spürte er anhand der leichten Erschütterungen der Matratze, dass Tekuro an sich herumspielte. Das machte er meistens, wenn sie so dalagen, da er die Gelegenheit nutzte, sich nicht allein um das manchmal Notwendige kümmern zu müssen. Meistens spielte Boldiszàr mit. Er drehte sich wieder herum. Tekuro begrüßte ihn mit einem liebevollen Schnurren und Boldiszàr öffnete die Hose und leistete ihm Gesellschaft. Sich gegenseitig beobachtend würde es nicht lange dauern. Boldiszár spürte, dass er bald so weit war, als Tekuro ihn plötzlich anquatschte.
»Spritz mich voll«, bat Tekuro.
Missbilligend runzelte Boldiszàr die Stirn. Man quatschte nicht dabei, man schaute nur, sonst wurde es zu intim. Und dann auch noch so was! »Geht´s dir gut?!«
»Bitte«, bettelte Tekuro. »Nur ein einziges Mal.«
»Sag mal wozu hast du zwei Männer und zich Sklaven? Nein! Und laber mich noch weiter voll und ich schmeiß dich raus. Ruhe jetzt.« Boldiszàr war ziemlich laut geworden.
Tekuro blieb friedlich. »Schon gut«, sagte er versöhnlich und machte weiter.
Boldiszàr schloss kurz die Augen und konzentrierte sich wieder auf seinen Unterleib. Bald war alles wie immer. Allerdings fragte er sich, was Tekuro neuerdings ritt. Oder vielleicht ritt ihn auch niemand und er war darum so anhänglich. Boldiszàr bemerkte, dass sein Wahlbruder heute nun halbherzig bei der Sache war und ihm selbst verging es dadurch nun auch endgültig. Er zog sich wieder an und Tekuro folgte seinem Beispiel. Eine Weile lagen sie schweigend und starrten die Decke an, dann stand Boldiszàr auf, um seinem Alltag nachzugehen. Er hatte das Gefühl, dass irgendetwas schiefgelaufen war. Nur was? Die Fronten waren doch seit Jahrzehnten klar, nichts hatte sich geändert. Aber Tekuro lag allein auf dem Fellbett und litt sichtbar vor sich hin. Nach einer Weile hielt Boldiszàr das nicht mehr aus, kehrte zu ihm zurück und knuffte ihn.
»Komm rauchen.«
»Nee.«
»Wie, nee?« Boldiszàr war zutiefst schockiert. In ihrer mehr als dreißig Jahre währenden Freundschaft hatte Tekuro noch nie eine Rauchstange abgelehnt. Es war ihr Code, ihre gemeinsame Sprache, ihr brüderliches Ich-hab-dich-lieb, das man nicht so ohne weiteres aussprechen konnte, ohne gleich als Pärchen dazustehen. Die Rauchstange zu verschmähen, hieß Boldiszàr als Mensch abzuweisen.
»Und warum schmollst du jetzt?«, verlangte Boldiszàr zu wissen, der die Vorstellung nicht ertragen konnte.
»Weil du mich angemeckert hast.«
»Weil ich ...« Boldiszàr glaubte nicht recht zu hören. »Seit wann bist du so sensibel?« Er setzte sich zu ihm auf das Sofa. »Du weißt selbst, dass das Unfug ist. Hör auf damit, wir reden jetzt Klartext. Also. Was ist wirklich los mit dir?«
Tekuro drehte sich weg. »Ich will nicht darüber reden und jetzt lass mich in Ruhe!«
Boldiszàr nickte wissend. Jetzt verstand er, obwohl Tekuro nichts gesagt hatte. »Du fühlst dich einsam. Du hast heute einen dieser schlimmen Tage.« Nachdenklich kaute er auf der Innenseite seiner Wange. Wenn Tekuro sich einsam fühlte, litt er abgründige Qualen. So konnte er ihn nicht hier liegen lassen. Und nun hatte er ihn auch noch angemeckert und alles noch viel schlimmer gemacht. »Pass auf«, sprach Boldiszàr freundlich. »Ich rede mit Silvano. Du kannst heute bei uns schlafen. In Ordnung?«
Tekuro nickte. »In Ordnung. Aber ohne Silvano.«
»Hä?« Boldiszàr verstand die Welt nicht mehr. Er sollte seinen eigenen Mann vor die Tür setzen, damit sein Wahlbruder in Ruhe bei ihm nächtigen konnte. Das ergab überhaupt keinen Sinn. »Wieso das auf einmal, sonst konnte Silvano dir nicht nah genug liegen.«
»Darum weil ich es so will.«
»Also schön, ausnahmsweise, aber nur diese eine Nacht, sonst denkt er, zwischen uns läuft irgendwas.«
»Einverstanden.« Tekuro guckte nun wieder sehr viel zufriedener drein, was auch Boldiszàr einen Stein vom Herzen fallen ließ. Wenn Tekuro litt, war das für ihn ein schrecklicher Zustand. Er knuffte ihn noch einmal und ging seinem Alltag nach.
Abends lagen sie erneut gemeinsam auf dem Fellbett, um zu Ende zu bringen, was zu Mittag schiefgelaufen war. Tekuro drehte sich mitten drin um, so dass seine Füße auf dem Kopfende lagen. Boldiszàr fand das erneut verstörend. Er vermutete, dass Tekuro mit den Augen und der Nase näher dran sein wollte am Geschehen. Nun gut, er wollte nicht schon wieder streiten. Auch ihm selbst gefiel ja, was er sah. Tekuro machte es extra so, wie Boldiszàr es besonders gern sehen mochte. Boldiszàr spürte, wie seine Unterleibsmuskulatur sich zusammenzog. Doch die Hand, die seinen Samen auffangen sollte, damit er nicht alles besudelte, wurde ihm auf einmal weggeschlagen und Tekuro stülpte seinen Mund über ihn und saugte sich mit aller Kraft fest.
»Du Sau«, ächzte Boldiszàr und packte ihn mit beiden Händen bei den Haaren. Er konnte sich nicht befreien, ohne Tekuro oder sich ernsthaft wehzutun und so kassierte dieser die ganze Ladung. Erst jetzt ließ er von ihm ab, den Mund voll und die Lippen nass.
»Nie wieder«, drohte Boldiszàr wütend. »Oder das war es ein für alle Mal dass wir hier so liegen!«
Tekuro nickte unterwürfig und zog sich an. Er hatte den ganzen Mund voll und presste die Lippen zusammen. Weder schluckte er, noch spuckte er es aus. Rasch machte er, dass er davonkam. Boldiszàr vermutete, er würde es nun draußen in die Wiese spucken.
Damit endete Boldiszàrs Teil der Erinnerung und Mantione spürte das tiefe Schamgefühl des Leviathans.

Mantione de Mancini
Mantione dachte nach und er dachte eine lange Zeit über die Geschichte nach. Tenuki hatte ihn ebenfalls nach seinem Samen gefragt, die logische Konsequenz die er zog war, Boldi hatte ein Kind. "Die Geschichte ist nicht peinlich, sowas nennt man Samenraub. Mich würde interessieren, wen Tekuro damit geschwängert hat. Was Frauen können, können auch Männer, jedenfalls in dieser Hinsicht. Das heißt, er hat Dich nicht angemacht, er hat Dich abgemolken um damit ein Kind zu zeugen, oder heute hätte er Deinen Samen genutzt um damit seine Sklaven passend zu züchten. Sprich die besten Gene auszusuchen. Das wird der Teil von Dir sein. Das vermute ich, er schuf einen Mini-Boldi, so wie er seinen Vater ständig in den Ohren lag sich zu vermehren und allen anderen auch, die er mag. Vano natürlich nicht, ihn wollte er ja vorher schon tot sehen und scheinbar störte er sogar beim Boldi-Zuchtprogramm. Aufschlussreich die Geschichte, Danke Boldi. Wo ist das Kind Tekuro? Gut dumme Frage, es muss tot sein, schon lange tot. Wer sind seine Nachfahren?", fragte Mantione. "Wir verlangen sie zu sehen, sie gehören zu Boldi".

Tekuro Chud
»Lass mich dir erst den Rest der Geschichte erzählen«, sprach Tekuro, ohne auf das Gegarste einzugehen. Und so bekam Mantione die Fortsetzung der Geschichte zu hören, die damit begann, dass Tekuro den Samen in eine Phiole spuckte, die er eigens zu diesem Zweck mitgebracht hatte.

Mit seiner Beute machte Tekuro, dass er zurück in den Rübenhof kam. Die Menge der Sklaven dort hatte sich sehr gelichtet. Viele waren verspeist oder kaputtgespielt worden, aber der Eine oder Andere weilte noch lebendig hier. Unter anderem ein weiblicher Sklave, den Tekuro in einem der verschimmelten Räume des ehemaligen Kohlekellers versteckt hielt. Er hatte ihr eine Öllampe spendiert und mit vielen Decken und Kissen und etlichen Pakete mit Soldatenkeksen den kleinen Raum vollgestopft. Auch ein Buch hatte er ihr organisiert, dann aber festgestellt, dass sie nicht lesen konnte. Wie er ihr jetzt hier unten die Zeit vertreiben sollte, wusste er nicht, also hatte er heute Morgen noch mehr Soldatenfutter dazu gepackt. Warum die Frau dort war, war für jene, die Tekuro kannten, offensichtlich. Sie war eine naridische Stahlarbeiterin, gesund und muskulös, mit üppigen Brüsten und ausladender Hüfte. Tekuro hatte sie nicht angerührt, sie war für einen ganz besonderen Zweck gedacht.
Er hockte sich zu ihr und reichte ihr die noch Körperwarme Flasche. »Da, füll es dir ein. Ich weiß nicht, wie lange es funktioniert. Mach es jetzt sofort. Gründlich und tief!«
Er beobachtete genau, wie sie dem Befehl nachkam und als noch ein Rest in der Flasche klebte, wies er darauf hin, dass sie den auch noch einverleiben sollte. Als er zufrieden war, zwang er sie, mit einem großen Kissen unter dem Steiß die Beine an der Wand hochzulegen.
»Warum zwingst du mich zu all dem?«, wimmerte sie.
»Weil Tanuki einen Bruder braucht. Das weiß ich, ohne geht es nicht. Tanuki ist von meinem Blut. Er braucht einen Bruder, das ist so! Aber Bellamy kann keine Kinder mehr zeugen, so wenig wie ich es noch vermag. Wann mein Vater sich endlich einmal dazu bequemt, mir meinen Wunsch zu erfüllen, weiß ich auch nicht, vermutlich gar nicht mehr. Tanukis Bruder kann aber nicht irgendwer sein, ich habe höchste Ansprüche für das Geschwisterchen von meinem kleinen Goldjungen. Sein Bruder muss also vom Blut der Boviers sein. Boldi war ein so klasse Bruder und Belly war es genau so, bis er mein Mann wurde. Hunder Mal habe ich Boldiszàr das alles erklärt und auch Silvano gebeten, mal mit ihm zu reden. Niemanden interessiert, dass Tanuki ein Einzelkind bleiben muss, wenn das so weiter geht. Boldi ist manchmal stur, so stur! Aber ich lass ihn nicht Tanukis Leben ruinieren. Kann er jetzt meinetwegen sauer auf mich sein, weil ich ihn angenuckelt hab, aber manche Dinge erfordern Opfer. Boldi will keine Kinder, schön, also wird er auch keine bekommen. Ich zieh das Baby ohne ihn auf, zusammen mit meinem eigenen Sohn. Er wird nicht einmal wissen, dass er ein Kind hat. Und du, Weib, hast die unermessliche Ehre, seine Mutter sein zu dürfen. Kümmer dich gut um deinen Bauch und um deine Brüste und wenn du Hunger hast, sag Bescheid. Wenn du dich gut führst, werde ich dich nach der Geburt wieder nach draußen lassen. Boldis Sohn, Tanukis Bruder, für ein Leben unter freiem Himmel. Der Tausch ist mehr als nur fair.«

Neun Monate später lag der kleine Tanuki gerade in seinem Schaukelkorb, der von der Decke hing, als sein Vater hereinkam. Tanuki war schon fast ein Jahr alt.
»Ich habe etwas für dich. Deinen Bruder, Tanuki«, sprach Tekuro zärtlich und zeigte seinem Sohn das zweite Baby. Der neue Junge hatte die schwarzen Haare und blauen Augen seines Vaters geerbt, ganz so, wie Tekuro es sich gewünscht hatte. »Das ist dein Endoribaldi. Du darfst Baldi zu ihm sagen, sobald du reden kannst. Das klingt fast wie Boldi. Ein Endoribaldi ist eigentlich eine Frucht aus Ledwick, also was zu essen. Der Name würde sicher auch seinem Papa gefallen. Der mag nämlich zu Essen.« Er gab Endoribaldi einen Kuss auf die Stirn und legte ihn vorsichtig neben Tanuki ab.

Mantione de Mancini
Manti hörte sich die Geschichte bis zum Ende an. Boldi hatte ein Kind, einen Sohn. Oder hatte? Wer wusste ob Endoribaldi ein Vampir geworden war, oder ob der Kleine ein richtiges Leben geführt hatte, gelebt, gelacht und geliebt hatte? Mantione wünschte es ihm. "Was wurde aus Endoribaldi? Wie lebte er? Hatte er Nachkommen? Kannte Boldiszar ihn, sprich hat er ihn kennengelernt? Und existiert er heute noch, oder starb er vor einer langen Zeit? Wer war er als Mann und wie war er? Falls Boldi davon nichts wusste, möchte er vielleicht seine Nachfahren kennenlernen", erklärte Manti und fragte sich ob Endori jemals erfahren hatte, wer sein Vater gewesen war. Und wie fühlte sich Boldiszar? Glücklich doch ein Kind gehabt zu haben, auch wenn sie dann nichts geteilt hatten? Oder fühlte er sich von Tekuro betrogen, da er keine Kinder wollte? Wobei betrogen hatte Tekuro ihn nicht wirklich, er hatte nichts verlangt und er hatte sicher das Kind als das seine aufgezogen. Er wollte nichts von Boldiszar, weder Geld noch etwas anderes. Zeitgleich fiel ihm ein, hatten Tekuro und Vano wieder fast identisch gehandelt, aber auf völlig andere Art. Teku hatte den Samen geraubt und ein Kind damit gezeugt. Vano war gestorben und impfte damit Boldi unwissenderweise den ersten Keim ein. Zwei Männer die ihn aus Liebe am Leben erhalten wollten und es gegen seinen Willen versucht hatten. Zwei Männer die ihm Kinder aufdrängten die er nicht wollte. "Endori war das, was der erste Keim war, ein Raub aus Liebe und dennoch ungewollt. So waren sie beide dann wohl", sinnierte Manti.

Tekuro Chud
»Ich kann dir nicht alle Fragen beantworten«, sprach Tekuro. »Für Endoribaldi war Bellamy sein Vater. Sie sehen sich ja auch ähnlich. Er wurde liebevoll großgezogen und war von Anfang an Teil unserer Familie. Er und Tanuki waren wie Brüder, genau so, wie ich es mir gewünscht habe. Aber sie machten sehr viel Blödsinn, ehrlich gesagt waren sie dermaßen außer Rand und Band, dass sie überhaupt nicht auf mich gehört haben. In den Jahren waren wir schon in Carnac, aber dort musste alles gebaut und organisiert werden - und dann waren die zwei Gauner auch noch im Doppelpack! Ich müsste in den Aufzeichnungen nachschlagen, wie viele Beißer wir damals schon waren, es gab mehrere Kinder, Papa hat sich zum Glück dann doch noch bequemt gehabt, als ich schon dachte, sein Sack sei bereits mumifiziert. Es gab jedenfalls damals wegen all dem Stress eine Zeit, da war alles durcheinander, wer jetzt mit wem verwandt war oder nicht und von wem welche Kinder abstammen. Auch später gab es immer wieder solche Phasen in unserer Familie. Darum weiß ich leider manches nicht genau. Auch nicht, ob Tanuki und Endoribaldi Kinder gezeugt haben, weil sie beide sehr früh schon in die Schatten traten. Und ich weiß nicht, ob sie da schon fleißig gewesen sind. Ich könnt an die Decke gehen, wenn ich daran denke. Und sie übers Knie legen! Jedenfalls sind sie beide noch am Leben, beziehungsweise Unleben. Es sind beides inzwischen Vampire. Und dass ich Boldis Fortbestand sichern wollte, brauchst du mir nicht vorzuwerfen, Silvano-Mantione. Du bist ja selber gegen Boldis Willen da drin gewachsen. Aber was geschieht, wenn jemand anderes als du da drin aufgelöst wird? Ich zum Beispiel? Werde ich dann auch wieder jung und lebendig?«

Mantione de Mancini
"Also existiert er noch, ich weiß nicht wieso, aber es freut mich zu hören. Eine Zeit des Umbruchs ist niemals leicht und in solchen Zeiten entstehen Verwirrungen. Ihr könntet Eure Zugehörigkeit über das DNS-Profil erfahren, also Vaterschaftstests oder richtige DNS-Tests. Dann wüsstet Ihr wer mit wem verwandt ist. Solche Tests werden überall dort angeboten, wo es diese Technik gibt. Ich denke also auch in Obenza, oder vielleicht besitzt Ihr selbst diese Technologie. Das die beiden wie Brüder aufgewachsen sind und geliebt wurden, freut mich für sie. Einst, vor langer Zeit war es mit einem Bouvier und einem Desnoyer ähnlich. Berzan Bovier und Mercer Desnoyer wuchsen ebenso als Brüder auf. Allerdings ist das noch länger her, die Väter von Boldi, Belly und Vano. Die Keimkammer ist nur für den jeweiligen Käptn bestimmt. Sie ist kein Jungbrunnen, sonst könnte dort jeder aus der Crew hineinsteigen und würde als junge Person wieder heraussteigen. Das ist nicht so. Man steigt hinein und gibt sein Leben auf. Man löst sich in seine Zellstruktur, seine DNS auf. Es ist nur eine bestimmte Zahl an Zellteilung möglich, danach alter der Körper und verfällt. Und wenn man den Ruf der Kammer spürt, steigt man als Käptn hinein. Mit dem Leben das man gibt, erschafft man zeitgleich seinen eigenen Keim, seinen Nachkommen oder einfach ausgedrückt sein Kind. In der Natur gibt es ähnliche Vorgänge, Jungfernzeugungen bei Echsen die nur Weibchen in der eigenen Art haben. Auch bei manchen Erdschlangen. Darauf komme ich gerade, wegen den komischen Zeichnungen der Echsen an Deinen Wänden. Aber das ist nur ein Beispiel zum Verständnis. Denn wenn ich dort im Tank eines Tages vergebe, wird mehr geschehen als eine Zeugung. Ich bin dann wie ein altes Haus dass abgerissen wird. Meine Bausteine werden gesäubert und zu einem neuen, frischen Haus wieder aufgebaut. Und die Seele dieses neuen Hauses ist an den Leviathan genauso gebunden, wie ich es bin. Sozusagen ist dieses Haus fest verankert in der Burg Boldi. Du könntest nur in eine Keimkammer eines leeren Leviathans steigen. Dann würdest Du Dich auflösen und Deine Basis würde Deinen ersten Keim schaffen. Würde ich sterben und die Keimkammer nicht rechtzeitig erreichen, weiß ich nicht ob Boldi einen neuen Käptn annehmen kann. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Man sagt Schiff und Käptn gehören zusammen, so sagten es die Schriften. Ich gehe davon aus, ist die Kette der Kapitäne durchbrochen, stirbt auch der Leviathan. Andersherum ist es ebenso, würde Boldiszar sterben, könnte ich das nicht lange überleben. Grund ist nicht wirklich der Körper, sondern der Seelenverbund. So sagen es die Schriften. Mehr kann ich Dir nicht sagen Tekuro", antwortete Manti ehrlich.

Tekuro Chud
Tekuro legte die Hand auf die Nase des Leviathans. Der war in finsterem Brüten versunken. Wahrscheinlich dachte er über seinen Sohn nach und überlegte, ob er sauer auf Tekuro sein sollte, weil sich zu freuen würde bedeuten, dass sein Wahlbruder all die Zeit über recht gehabt hatte. Das würde er ungern zugeben wollen, vermutete Tekuro. Er riss etwas Seetang ab, der aus Boldiszàrs künstlichem Nasenloch hing, und warf ihn ins Meer. »Aber ich kann es dir sagen. Boldi würde eine Weile leiden, aber dann würde er einen meiner Beißer in sich aufnehmen. Vielleicht sogar mich, wenn ich mich so fühlen würde, dass ich gehen müsste, denn dann wären wir für immer untrennbar miteinander verbunden. Und jetzt stell dir vor, ich würde mit Bellamy gleichzeitig hineinsteigen. Dann wird aus unseren Erbanlagen gemeinsam ein neuer Kapitän kreiert. Bellamys und mein leibliches Kind. Dieser Kern ist eine Wunderkammer. Wie viele Leviathane gibt es und haben sie alle eine solche Kammer?«

Mantione de Mancini
"Es kann nur eine Person hineinsteigen. Was geschehen würde, sollten zwei hineinsteigen, kann ich Dir nicht sagen. Natürlich, jeder Leviathan hat eine solche Kammer. Schiff und Käptn, so war es von Anbeginn der Zeit, ein untrennbare Einheit. Das lebende Schiff lebt, schafft leben und seinen Käptn stets neu aus der Spende die der Erste gab und es trägt leben in sich an Bord. Nicht wie Parasiten, sondern wie gute Gäste, wie jene die auch Menschen in sich tragen. Vielleicht ein blöder Vergleich, aber ohne die Darmbakterien könnten Menschen keine Verdauung haben, keine Energie gewinnen und sie würden sterben. Ein Mensch ist im Grunde auch ein klein wenig ein Leviathan, ein Wesen das bewohnt wird, denn völlig autark und steril könnte er nicht existieren. Und so ist es auch mit dem echten Leviathan. Ohne seinen Käptn und ohne seine Mannschaft ist er nichts, er ist ein sterbendes, einsames Schiff. Die Erweckung erfolgt schließlich auch durch den Ersten. Er gibt sein Leben damit die bereitgehaltene Spenderseele durch seine Lebensenergie in den Leviathan übersiedeln kann. Erwacht der Leviathan, wird der Erste sterben und sich auflösen. Und aus dieser "Ursuppe" entsteht der erste Keim. Die erste Zeit nach dem Erwachen ist ein junger Leviathan also allein und "schwanger". Er wartet auf den Schlupf des Käptn und wird eine Mannschaft sammeln. Früher vor Äonen von Jahren so sagen es die Schriften tauschten sich die Leviathane auch aus. Sie trafen sich zu bestimmten Zeiten. Und so konnten dann auch die Mannschaften sich kennenlernen und manchmal geschah es, dass Marians die Schiffe wechselten. Die große Zusammenkunft war ein Fest. Diese Schiffe sind älter als Du glaubst und wieviele es heute gibt, die die See durchstreifen weiß ich nicht. Einst waren sie so etwas wie ein Volk, dass sein eigenes Volk beherbergte. Quasi schwimmende, lebende Burgen. Die Crew sind Marians, Umberto ist ein Marian, ich der Käptn bin ein Marian und Boldi der Leviathan ist auch ein Marian und zeitgleich vieles mehr. Ich weiß das Du mich gerne für ihn töten würdest. Du musst es nicht bei jeder Gelegenheit durch die Blume andeuten. Das ist etwas, dass mir zuwider ist. Falls Du versuchen möchtest meinen Platz einzunehmen, halten wir es einfach, ein Duell auf Leben und Tod. Der der überlebt hat gewonnen", schlug Manti vor.

Tekuro Chud
»Aber nein«, säuselte Tekuro. »Ich töte nicht Boldis Sklave. Es ist ein Gesetz der Beißer, dass die Sklaven anderer für ihn tabu sind, es sei denn, der Besitzer gibt ihn ausdrücklich ab. Ich nehm Boldiszàr nicht seinen Lieblingssklaven und auch seine Sklavenzuchtanlage nicht weg. Ich helf ihm nur ein wenig, verstehst du? Ich mach dir sogar ein Angebot. Eine Wohnung bei mir in der Burg, eine eigene. Wo Boldiszàrs Sklaven ein und ausgehen können, nur für sie reserviert.«

Mantione de Mancini
"Und weshalb fragst Du dann diese seltsamen Fragen, wenn Du mir nicht schaden willst? Ob Boldiszar mich abgibt, kannst Du ihn fragen, er liegt direkt vor Dir. Eine Wohnung? Ich muss gestehen ein fester Hafen klingt verlockend. Für uns alle einer? Oder für jeden eine Kajüte? Wie meinst Du das? Ich möchte Dich verstehen Tekuro, aber Du machst es mir nicht leicht. Du bist so greifbar wie der Morgendunst, Du verbirgst mehr als Du offenbarst. Niemand fährt gerne im Nebel Teku. Was genau möchtest Du? Von mir, von Boldi, was bietest Du an? Und keine Scherze bitte, wenn Du es ernst meinst", bat Mantione.

Tekuro Chud
Tekuro umfasste Mantiones Handgelenke, zog ihn an sich und leckte ihm über die Schläfe. »Dich behalten. Aber da das nicht geht, die bestmögliche Alternative. Drum mein Angebot einer dauerhaften Gästesuite. Nur für euch reserviert. Wie viele Marians seit ihr? Meine Frage hab ich gestellt aus Neugier. Stell dir vor, Mako und Marlin und die ganze blonde Linie, die es zum Meer zieht und die darum andauernd abhauen. Stell dir vor, man würde ihnen einen eigenen Leviathan organisieren. Wo kriegt man einen Rohleviathan her, der noch keine Seele hat?«

Mantione de Mancini
"Mich behalten? Nun Du kannst uns alle behalten, wenn Du es vernünftig anstellst und nicht auf diese seltsame, bedrohliche Art. Es gibt keinen Rohleviathan, wie Du ihn Dir vorstellst. Es gibt keine Halle wo große, fertige Leviathane auf ihre Erweckung warten. Aber es gibt einen Ort, an dem Maschinen stehen, uralt. Die Skelette der Leviathane sind an diesem Ort vorhanden. Wir vermuten, sie wurden dort früher auch gefertigt. Die Erschaffung dieser Schiffe ist ein kompliziertes Verfahren. Der Erste muss in diese Schöpfermaschinen einen Teil seines Blutes spenden. Der Erste ist also "Fleischspender" für seinen Leviathan. Und wie wir nun wissen, ist er auch der Spender des ersten Keims. Darum diese tiefe Einheit. Aus seinem DNS-Code wächst das organischen Schiff heran. Und es gibt Becken, Tauchbecken, dort wird das Skelett hineingegeben. Darin lassen die Maschinen das biomechanische Fleisch auf dem Leviathan wachsen. Das Schiffsgrundgerüst das die Funktion eines Skeletts übernimmt, wird vor dem Tauchbeckengang mit Antriebsaggregaten hergestellt. Nach dem Tauchgang im Becken wird der Levithan mit einer Schicht aus gereiften Synthfleisch überzogen. Biomechanische synthetische und organische Masse, die seinen Körper bildet. Der Leviathan wurde erschaffen und wird als unbeseeltes Schiff aus dem Becken gehoben. Man benötig als Erster eine Spenderseele. Vano hatte Boldi. Worin immer Du die Spenderseele verwahrt hast, Du steigst als Erster in den Leviathan und drückst den Behälter in die Hirnkammer. Wurde die Seele aufgenommen, härtet der Kern etwas aus und verkapselt. Dann steigst Du in die Keimkammer. Sie wird versiegelt und mit einer speziellen Lösung geflutet. Der Erste gibt das Wertvollste was er hat, sein Leben. Sein Lebensfunke der erlischt, ermöglicht die Übertragung der Spenderseele auf den Leviathan. Es braucht den ersten Funken. Nach dieser Spende erwacht der Leviathan beseelt zum Leben, während der Erste vergeht und sich auflöst. Und aus seiner letzten Spende, seiner gesamten Struktur entsteht der erste Keim, der erste Käptn. Durch den ganzen Prozess entsteht ein Schiff, das die komplexen Eigenschaften von Fühlen und Denken besitzt und dadurch eine unzertrennbare Beziehung mit dem seinem Käptn eingeht. So entsteht eine tiefe gegenseitige Verbindung und beide bekommen ein Gespür für die zu tragende Verantwortung. Das Schiff passt sich seinem Käptn individuell an. Die Geschwindigkeitswünsche des Käptn werden ohne Angeben eines Befehls ausgeführt. Die Kommunikation erfolgt mental vom Schiff aus. Also ich denke was ich mit uns tun möchte und das Schiff setzt es um. Boldiszar kann also nicht verkauft werden, es könnte sein, dass er die Trennung nicht überlebt und vor Kummer verstirbt. Schöpfer und Schiff sind lebenslang miteinander verbunden, durch den Seelenverbund und die Kapitäne. Die Leistung und Fähigkeiten eines Leviathans richtet sich nach den Erbanlagen des Ersten der es erschuf", erklärte Mantione freundlich.

Tekuro Chud
»Aber wer hat sie erschaffen? Und wo ist dieser Schiffsfriedhof? Wo ruhen die Skelette, die auf ihre Beseelung warten? Du hast sie gesehen! Ich würde gern auch einen haben. Man muss es testen mit Sklavenseelen. Und dann schauen, wie sie es verkraften, ehe man sie mit Beißern beseelt. Stell dir vor, was wir mit so einem Leviathan erreichen könnten! Sag mir, wie die Seele von Boldi verwahrt wurde. Dieses Fleisch hier«, er klopfte auf Boldiszàrs mächtige Nase, »ist also wirklich echtes Boldifleisch?«

Mantione de Mancini
"Nein, es ist Silvanos Fleisch, geschaffen aus seinem Blut. Dafür hat er geblutet und aus diesem Blut wurde Boldis neuer Körper geschaffen, jedenfalls die Organic. Er gab sogar seinen Lebensfunken, damit die Seele übersiedeln kann. Und er gab seine Struktur, damit wir entstehen, ohne es zu wissen. Die Seele selbst, sitzt im Hirnkern, dort wurde sie hineingegeben. Die Seele ist Boldi, man hätte ihn auch in einen untoten Körper zwingen können. Also Silvano gab sein Blut, seinen Lebensfunken und seinen Körper selbst, damit dieses Schiff entstand. Er gab alles was er hatte und als er verging speicherte dieses Schiff seine Erinnerungen. Wie es auch jede Erinnerung eines jeden Kapitäns speicherte. Früher so sagen es die Schriften, waren die Seelenspender Freiwillige die sich dafür meldeten. Ebenso die Ersten. Die Seelenspender gaben ihre Körper auf und die Ersten gaben das auf, was Vano aufgab. Sie gaben also alles, zwei Personen geben sich hin um einen Leviathan zu erschaffen, das Schiff das eine kleine Welt ist. Eine Seele die in diesen Zustand gezwungen wird, was glaubst Du entsteht dort für ein Leviathan? Und der Erste, wird er auch gezwungen? Die Kreatur die Du schaffen würdest, wäre geboren aus Hass und Leid. Ich sage Dir nicht wo die Hallen sind", antwortete Manti gut gelaunt.

Tekuro Chud
»Vanooo«, schnurrte Tekuro, doch es war ein böses Schnurren, schon fast ein Knurren. »Wurde Boldi je gefragt von deinem Vorgänger? Und wenn ja, meinst du, er hätte dem zugestimmt? Wurdest DU gefragt? So einfach ist das nicht, du drehst dir das zurecht, wie du es brauchst.«

Mantione de Mancini
"Nein, weder Boldi wurde gefragt, noch jemals einer der Kapitäne. Da gebe ich Dir Recht. Der Erste konnte nicht fragen, der Zweite hätte es gekonnt. Er hätte Boldi und auch sich selbst fragen können. Aber vielleicht mussten sie sich das auch nicht fragen, denn sie waren glücklich zusammen, verstehst Du? Sie hatten sich wieder, der zweite war der erste Käptn hier an Bord der dort geboren wurde. Und er war glücklich dort, er kannte nichts anderes. Es war seine Bestimmung, er kam damit auf die Welt. Andere suchen nach dem Sinn des Lebens, fragen weshalb sie überhaupt geboren wurden, wofür sie denn existieren? Gibt es überhaupt einen Grund? Aber er wusste es von der ersten Sekunde an, wie es jeder von uns wusste. Manche mag so etwas erdrücken, es mag sich wie eine Kette anfühlen, aber für die ersten Zwölf Kapitäne an Bord fühlte es sich niemals wie eine Kette an, es war Gewissheit und Geborgenheit. Es gab keine Suche nach dem Sinn, denn dieser war ihre Geburt und ihre Aufgabe selbst. Du musst nicht böse auf mich sein, ich habe Dir nur ehrlich geantwortet. Ich drehe mir auch nichts zu Recht Tekuro, ich habe Dich nur auf etwas hingewiesen. Und wozu benötigst Du einen Leviathan? Du hast keinen Grund auf mich wütend zu sein. Denn wie Du fragtest, nein ich wurde nicht gefragt - ich wurde in meine Rolle hineingeboren. Ich war draußen, saß auf Boldis Flosse und starrte zum ersten Mal das Land an. Fremde Gerüche trug es heran, es war schön und beängstigend zugleich. Ledwick war es einst, aber die Souvrakasier leben nun dort. Ich weiß dass sie gefährlich sind und allein die Erinnerung an sie lies mich frösteln. Ich kehrte zurück und Boldi reiste Ledwick an. Gemeinsam stieg ich mit Umberto aus, mein erster richtiger Landgang. Da rief mich Boldi zurück, es war sein Todestag und er fühlte einen Stich. Wer kann es ihm verdenken? Wir kehrten Heim und ich spendete ihm Trost. Lehnte an seinem Hirnkern und wir sprachen über alles, was ihn bewegte. Sogar Dich. Und er fragte sich ob Du noch existierst. Und so machten wir uns auf, Dich zu suchen. Wie wir es immer taten, gemeinsam. Wir haben Dich gefunden, nach all der Zeit wo Boldiszar Dich vermisst hat. Ihr habt Euch wieder, aber zu welchem Preis? Wir haben uns überworfen Boldi und ich. So war das sicher nicht geplant, jedenfalls nicht von meiner Seite aus", sagte Manti traurig.

Tekuro Chud
Tekuro legte die Arme auf Mantiones Schultern, zog ihn an sich heran und legte seine Stirn an seine. Er hielt ihn fest, schützend, aber er kam nicht umhin, ihn fester an sich zu pressen, als nötig gewesen wäre. »Dann weißt du auch, dass Boldi gerade weint auf seine Weise. Still und ohne Tränen. Tränen hab ich ihn ganz, ganz selten vergießen sehen und Schuld daran war einmal ich, weil ich gestorben bin, und ein andermal Jendro, weil der ihn fertig gemacht hat. Woher willst du nicht wissen, dass die beiden, die ich für den Leviathan aussuche, nicht so fühlen werden wie du und Boldi? Meinst du nicht, ich würde sie mit Bedacht auswählen? Boldi hat dich lieb, Manti, immer noch. Er ist nur aufgewühlt, weil er mich so vermisst hat und nun bin ich auf einmal wieder da. Deswegen hat er dich nicht weniger lieb. Und nun muss er auch noch verkraften, dass ich ihm einen Sohn gezeugt habe, mit seinem Samen, einen leiblichen Sohn und Bruder für Tanuki, um den er sich sein Leben lang nicht gekümmert hat.«

Mantione de Mancini
Mantione erwiderte die liebevolle Geste und drückte seine Stirn gegen die von Tekuro und umarmte ihn dabei. "Es tut mir weh, dass er so fühlt und es tut mir leid. Verwirrt und aufgewühlt sind wir wohl alle. Danke dass Du das sagst, ich habe ihn auch immer noch lieb. Aber ich war auch wütend auf ihn. Das weiß er und ich sage bewusst war. Ich mag mich nicht mit ihm streiten, er liegt mir am Herzen, wie kein anderer. Du hast Dich an seiner Stelle um seinen Sohn gekümmert, er konnte es nicht, er wusste nichts von ihm. Können wir ihn kennenlernen?", fragte Manti und küsste Tekuro auf die Stirn.

Tekuro Chud
»Ja, das könnt ihr. Er wohnt noch immer bei uns. Ich habe ihn all die Jahre behütet, geschützt und Belly hat es auch. Endoribaldi musste nie Harm und Leid fürchten, obgleich er mitten unter Beißern wohnte. Da seit unbesorgt. Und als er größer wurde, war es eher so, dass manche Beißer vor ihm Angst haben mussten. Er und Tanuki sind meine ersten Kinder, die ersten, die ich großgezogen habe. Mako war ja leider schon erwachsen, als ich ihn kennenlernte. Drum vielleicht, wegen meiner Unerfahrenheit und dem Stress, waren sie verwöhnte Rotzgören. Ich war manchmal kurz davor, meinen Vater um Rat zu bitten, aber das hab ich mir dann verkniffen. Ich hab sie allein erzogen mit Belly und Patti und Nori. Ob ich nun wusste, wie ich das machen muss, oder nicht. Drum hat nicht alles gleich geklappt, aber sie waren sicher und sie wurden geliebt.« Tekuro erwiderte den Kuss auf Mantiones Stirn. »Jetzt gib Boldi auch noch einen Schmatzer und dann führe ich dich zu Endoribaldi.«

Mantione de Mancini
"Gewollt und geliebt zu werden, dass ist das Wichtigste für ein Kind. Für jeden im Grunde, nicht nur für die Kleinen. Und für Dich war es schon immer besonders wichtig, ebenso wie für Vano. Du kannst ohne Deine Leute nicht leben. Und wer sagt, dass man das können oder wollen muss. Warum fühlt sich sonst Einsamkeit wie eine Krankheit an und schmerzt wie eine echte Wunde? Weil es eine ist", gab Mantione zurück, strich Boldi über die riesige Schnauze und drückte ihm einen festen Kuss auf die Schnute. "Wollte er freiwillig Vampir werden? Also Endoribaldi und sein Bruder Tenuki?", hakte Manti nach.

Tekuro Chud
Tekuro beobachtete, wie Boldiszàr etwas die Schnauze hob, als Mantione ihm den Kuss auf den Rand seines Mauls drückte. Obwohl er als Leviathan so gut wie keine Mimik hatte, spürte Tekuro den Schmerz in dieser winzigen, um Trost bittenden Geste, als wäre es sein eigener. »Wir bringen dir deinen Sohn, Boldi«, versprach Tekuro. »Und ich schwöre bei meinem Unleben, dass es ihm all die Jahre so gut ging, wie es einem nur gehen kann und er musste zu nicht einem einzigen Zeitpunkt hungern! Dafür habe ich bei ihm mehr gesorgt als bei jedem anderen. Zwischendurch war er sogar mal richtig fett, weil ich es etwas zu gut gemeint habe, aber inzwischen ist er wieder schlank. Endoribaldi hatte ein glückliches Leben. Nur mit der Liebe, da lässt er sich genau so viel Zeit wie du, hat an jeder und jedem was zu mäkeln.« Zärtlich streichelte er das Nasenloch, das so groß war, dass Tekuro hätte seinen Arm hineinschieben können. »Tanuki ist bei dir, er kann sich mit dir unterhalten, bis Mantivano und ich wieder zurück sind. Wir kommen wieder und wir bringen dir deinen Sohn mit.« Er klopfte, dann legte er den Arm um die Schultern von Mantione und führte ihn erneut ins Innere der Festung. »Wie Tanuki und Endoribaldi Vampire wurden, sollen die zwei dir am besten selbst erzählen. Oder der eine, weil der andere wartet in Boldiszàrs Leib.«

Mantione de Mancini
Mantis Herz verkrampfte sich für einen winzigen Augenblick, als Boldi seine Schnauze hob um den Kuss zu empfangen. Liebevoll streichelte er ihn. "Sei nicht mehr traurig, wir sind wieder ein Boldi. Teku und ich sind gleich zurück Großer", sagte Manti innig und war froh, dass sie sich wiederhatten. Tekuro zog ihn mit sich. "Wie war es für Dich, als Du ein Vampir geworden bist? War es schmerzhaft? Hattest Du Angst? Und wenn es so gewesen ist, hast Du Deine Söhne selbst gebissen? Ich wollte vorhin von Dir wissen, ob alle meine Leute hier ein Quartier bekämen. Ansonsten könnten sie, wenn wir vor Ort sind weiterhin in Boldi wohnen. Das ist kein Problem. Nur sollten sie sich in Deiner Stadt frei bewegen dürfen, ohne Angst. Und Du musst Umberto akzeptieren. Wie sind die Wohnungen hier eingerichtet? Hat Endori ebenso eine?", löcherte Manti Teku.

Tekuro Chud
»Über Endoribaldi hülle ich mich in Schweigen. Sonst sag ich am Ende was Falsches und er ist dann sauer. Weil die Gelegenheit für den ersten Augenblick, die gibt es nur einmal. Und wenn ich zu viel von meiner Sicht sage, bist du voreingenommen. Aber mein eigener Biss, über den kann ich dir berichten. Im Gegensatz zu den meisten Vampiren, wurde ich nicht in den Hals gebissen, sondern in den Unterarm, als ich mich ritzen wollte, um ein Glas für Archibald zu befüllen. Als er die Zähne in mich schlug, war ich im ersten Moment erschrocken, im Zweiten zu Tode entsetzt, als ich begriff, was das bedeuten würde - meinen Tod! Doch die aufsteigende Panik wurde von der Wirkung des Vampirgifts unterdrückt. Es wirkt extrem aphrodisierend und narkotisierend. Heißt, man wird gleichzeitig geil bis unter den Scheitel und schläfrig und passiv, man gibt sich dem Vampir hin, egal, wie kampfeslustig man vorher noch war. Einige kämpfen noch eine Sekunde, andere Halten drei durch, wenige noch länger, doch nach spätestens zehn Sekunden ist auch der letzte im Bann der auf ihn herabsinkenden Nacht. Ich starb in lüsterner Ekstase und wie wütend ich auch auf Archibald war, ich hätte ihn gern näher an mir gespürt und nicht nur an meinem Arm, als ich verging. Es ist ein angenehmer Tod, das kann ich dir versichern. Interesse?« Tekuro musterte ihn von der Seite, während er ihn führte. »Wie die Räume für euch aussehen werden, wollte ich dir sagen, aber du hast mir nicht verraten, wie viele Marians ihr seit. Drum kann ich es dir nicht sagen, welchen Platz ihr zur Verfügung hat. Aber ich kann dir sagen, dass ihr alle hier sicher sein werdet, auch Umberto. Aber was findest du an dem?«

Mantione de Mancini
Mantione lief neben Tekuro her und schaute sich erneut die Deko an. "Gut schweige Dich aus, für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Wir sind um die 72 Marians, mit mir gezählt. Nein ich habe kein Interesse am Biss, sondern an Dir um Dich persönlich kennenzulernen. Also nicht über die Erinnerungen, sondern um mir selbst ein Bild von Dir zu machen. Darum frage ich Dich aus, Boldi denkt so gut über Dich, Vanos Erinnerung sind zwiegespalten über Dich. Der Tod klingt süß und schrecklich, wenn man von einem Vampir gebissen wird", sagte Manti und dachte über Umberto nach. "Umberto...", sagte er und ein Lächeln schlich sich unbewusst auf seine Lippen. "Er ist mir so vertraut, ist er in meiner Nähe fühle ich mich wohl, als hätte ich zwei Boldis. Ich fühle mich bei ihm geborgen und ich vertraue ihm. Seit dem ersten Moment, wo ich ihn kennenlernte, habe ich ihm vertraut. Mein Vater hat ihn geliebt und ich liebe ihn ebenso. Zuerst hielt ich es für eine Erinnerung, dass ich ihn deshalb auf diese Weise sehe. Ein Mix aus Freundschaft und vererbter Erinnerung. Aber wo ich ihn allein mit meinen Augen betrachtete, war das Gefühl immer noch da. Die gemeinsamen Erlebnisse die Medardo mit ihm hatte, schob ich bei Seite. Und es blieb reines Gefühl, mein Gefüh für Umberto. Er ist ein verrückter Kerl, er ist taff, clever, hat einen seltsamen Modegeschmack und ein niedliches Hobby. Das alles finde ich an ihm", gestand Manti und nickte glücklich. "Wer bemalt hier alles so seltsam?"

Tekuro Chud
»Ähm«, sagte Tekuro, »ein sehr merkwürdiger Beißer. Jetzt ist mir auch mal was peinlich. Ich zeig ihn dir. Und du wühlst in deiner Erinnerung und sagst mir, ob du das selbe empfindest, wie ich, wenn du ihn siehst.«
Tekuro musste nicht lange suchen, denn er wusste, wo besagter Beißer gerade eine Installation vornahm, die er aus Abfall erstellen wollte. Als sie ihn fanden, raschelte er gerade mit einer schwarzen Folie herum, die er versuchte, an der Decke zu befestigen, was ihm jedoch nur teilweise gelang:
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Mantione de Mancini
Mantione schaute sich den Mann an und nickte. "Also wenn ich ihn anschaue, empfinde ich dass er ein sehr gute Figur hat und etwas wie Jendro aussieht. Aber ich kann durch die Folie seinen Schwanz nicht sehen. Drum ist das jetzt mehr so ein Schätzung, ob er ganz wie Jendro aussieht. Was wird das mit der Folie?", fragte Manti neugierig.

Tekuro Chud
»Mit dem Müll will er irgendwas wegen der Vergänglichkeit ausdrücken. Aber das kann er dir selber am besten erklären. Wie Jendro? Da hab ich andere Kandidaten, die mich an den Sauhund erinnern. Ich wette, der hat sich auch in unseren Genen verewigt! Aber der Künstler hier gehört nicht dazu. Lass uns näher gehen.« Von Nahem sahen sie das Gesicht des Beißers, der sich nicht stören ließ. Im Hintergrund leierte eine Musikbox. Was da lief, erinnerte an die Musiker der naridischen Schwermetallmusik, die mit elektronischen Lyras versuchten, eine Beerdigung musikalisch zu untermalen.
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Mantione de Mancini
Der Mann hatte extrem hellblaue Augen, wie Manti feststellte. Gemeinsam mit Tekuro ging er näher und zupfte an der Folie. "Was hast Du damit vor? Und eine Frage, warum zeichnest Du Echsen? Magst Du keine maritimen Muster? Hallo ich bin Manti", sagte er freundlich und reichte ihm die Hand.

Beißer mit künstlerischen Ambitionen
Der Beißer erwiderte den Handschlag. »Willkommen im Korridor des Verderbens, wie ich diesen Bereich der Festung nenne. Mein Name ist Tiago. Ich versuche, die Beißer an die Vergänglichkeit zu gemahnen«, erklärte der Vampir, während er die Hand wieder zurückzog, um die Folie mit schwarzen Fäden zu einer Art Gewitterhimmel aufzubauschen, die drohend über ihnen schwebte. Das Rascheln dabei war so laut, dass er seine Stimme erheben musste. »Dies ist eine Müllfolie, mit der man großformatige Abfälle umkleidet. Man kann daraus auch Schläuche formen, um sie direkt bis hinab zum Taudis durchrutschen zu lassen, wenn man einen geeigneten Schacht findet. Ich finde das sehr bild`aft, sie so anzubringen. Das unausweichliche Schicksal für uns alle ist das Verderben und zum Schluss das endgültige Nichts, auch für unseresgleichen. Ich se`e mich als Prophet des na`enden Endes. Mir missfällt die Sorglosigkeit, der naive Glaube an tatsächliche Unsterblichkeit, in der manche `ier schwelgen, denn auch wir sind am Ende vergänglich. Das dürfen wir nie vergessen. Und darum möchte ich die Beißer wachrütteln aus ihrer blinden Hedonik. Die Echsen sind Bestandteil einer anderen Installation, sie ge`ören nicht zum Korridor des Verderbens. Mit maritimen Mustern kann ich ebenfalls dienen, aber nicht `ier an dieser Stelle. Es muss sinnvoll gegliedert und klar strukturiert sein, um auch den künstlerischen Laien zu erreichen.«
Mantione de Mancini
"Das ist ein wahrhaft bezaubernder und bildlicher Gedanke. Wir Marians Wissen, dass wir endlich sind. Nur durch die Endlichkeit hat die nächste Generation eine Chance auf Leben. Ich selbst und meine Vorväter haben es so gehalten, also mein Vater verging, damit ich gezeugt wurde. Die Unsterblichkeit tragen wir in unseren Kindern, nicht in uns selbst. Mir gefallen die Echsen nicht, sie verwirren mich, aber ich liebe diesen Gewitterhimmel. Gewitter sind pure Naturgewalten wie Stürme auf hoher See und sie gemahnen einen daran, wie klein man wirklich ist. Wie mächtig Dein Schiff auch ist, komm in einen Sturm, oder ein Gewitter und überstehe es. Du hast eine neue Sicht auf das eigene Sein. Wie klein man letztendlich doch ist und wie übermächtig die See oder die Natur an sich. Du fertigst sozusagen Vanitasbilder zur Erinnerung an die Endlichkeit und jeden Augenblick des Lebens völlig zu genießen und sich keiner Illusion der Unsterblichkeit hinzugeben. Was man alles mit Müllfolie ausdrücken kann, herrlich. Kannst Du meine Kammer dekorieren?", bat Manti.

Tiago
»Deine Kammer? Aber gern. Es freut mich, wenn meine Kunst dich erreicht. Letztlich kommt es darauf an, dass sie einen zum Nachdenken bringt. Aber eigentlich geht es mir nicht darum, den Augenblick zu genießen, sondern die völlige Sinnlosigkeit des Genusses zu verdeutlichen. Es ist ja am Ende doch alles umsonst. Sogar diese Installation. Darum besteht sie auch aus Abfällen.

Tekuro Chud
Tekuro verdrehte die Augen zur Decke, während er Mantione zu den für ihn angedachten Bereich führte und der Künstler sie begleitete, munter von seinen Machwerken faselnd. Tiago verstand es, jeden aufkommenden Optimismus schon im Keim zu ersticken und jede Motivation zu verderben. Wenn das der Sinn des Korridors des Verderbens war, erfüllte er ihn. Wenn er erfuhr, welche Beißerin sich einem Dupont hatte hingegeben, würde sie sterilisieren lassen, als sein eigenes Mahnmal, um die Beißer an die Grenzen ihrer Rechte zu gemahnen.

Mantione de Mancini
"Ganz genau! Und weil sie aus Abfällen besteht, versinnbildlicht sie zeitgleich, dass alles auch einen Neuanfang bietet. Es war einst Abfall, nun ist es Kunst! Es verändert nur seine Form, es transmutiert. Alles ist im ständigen Fluss, sogar die Sinnlosigkeit erhält damit wieder Sinn und neue Gestalt. Und das Genuss sinnlos ist, ist immer der Fall. Das ist ja das herrliche am Genuss, er existiert rein der Freude halber, ohne jeden Sinn und Verstand. Seine einzige Existenzberechtigung ist zu erfreuen. Ich mag solche Gedanken und ich wusste nicht, dass Du so eine helle Seele hier hast Tekuro. Also ich freue mich schon auf meinen eigenen Sturmhimmel mit Gewitterfront, gebastelt von diesem Sonnenschein", sagte Manti und knuffte Tiago. "Teku hat er auch Deinen Bereich geschmückt? Sicher oder? Es muss so sein. Wir sind 72 Mann und ich hoffe Du hättest Platz für sie, wenn sie sich mal umgucken wollen. Vielleicht könnten wir gemeinsam mal die Kunstwerke von Tiago aufsuchen, wie eine Führung mit Erläuterungen ja?", bat Manti.

Tiago
»Ob die Sinnlosigkeit einen Sinn `at, wage ich zu bezweifeln, da dies ein Paradoxon wäre«, sinnierte Tiago, erfreut darüber, dass jemand sich so intensiv mit seiner Kunst und seinen Gedanken auseinandersetzte, auch wenn er das Gefühl hatte, dass der Kerl ihn vollkommen missverstand. »Einen Sturm`immel werde ich dir gern anbringen, für einen Seemann, wie du es zu sein scheinst, ein `ervorragendes Mahnmal. Tekuros Bereich darf ich nicht anrühren, er meint, ich bringe Unglück. Wie er darauf kommt, weiß ich nicht, aber scheinbar bringe ich nicht genug Unglück, als dass ich diese Festung nicht zu meiner Galerie, meiner ewigen Ausstellung, erklären dürfte. Zum Glück sind nicht alle `ier solche Kunstbanausen wie Tekuro. Kein Wunder, dass meine Mutter sich vor ihm versteckt. Und natürlich werde ich dich und deine 72 Mann durch die Ausstellungen führen und euch meine Werke na`ebringen.« Tekuro sagte auch dazu nichts, sondern winkte Johnny herbei, der seinen Herrn gehört und gesucht hatte und nun begeistert angerannt kam, um den Gästen die Tür zu ihrer Suite aufzuhalten.

Mantione de Mancini
"Genau es ist paradox und so ist das Leben, unberechenbar. Also stimmt es. Das freut mich, dass Du uns Deine Kunstwerke zeigst. So etwas habe ich noch nicht gesehen, ich bin noch jung. Trotzdem mag ich solche Bilder sehr, ich mag generell Kunst auch jene die nicht mein Geschmack ist. Man lernt viel über die Person die sie schafft und wie manche Leute denken. Drum Dankeschön dafür", sagte Mantione und hakte sich bei Tekuro ein. Bald würden sie Baldi treffen, seine Neugier war immens, seine Nervosität ebenso. Boldis Sohn, sein Halbbruder sozusagen. Manti drückte Tekus am, er war bereit für seine Familie

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