Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Kapitel 16 - Der Dolch und der Pilgerstab

Nach dem Krieg liegt Ledwick brach, die Cholera wütet. Der verloren geglaubte Thronerbe Tazio kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück und gemeinsam bauen sie das Land wieder auf. Die Hochzeit mit Verrill de Souvagne bringt Hoffnung und Familie, doch der Wunsch nach Vergeltung schwärt stets in Tazios Herz.
Der alte Duca von Ledwick ist vor Dunkelbruch gefallen. Nach dem Krieg liegt Ledwick ohne seinen Großherzog brach und die fünf Counts lassen das Land verkommen. Die Cholera wütet. Als der verloren geglaubte Thronerbe aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, jagt er die Counts in die Wüste und ernennt an ihrer Stelle fünf Marchesi. Eine neue Ära bricht an. Die Hochzeit mit Verrill de Souvagne bringt Hoffnung und Familie, doch etwas fehlt zum vollkommenen Glück, denn der Wunsch nach Vergeltung schwärt stets in Tazios jungem Herz.
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Davard von Hohenfelde

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Kapitel 16 - Der Dolch und der Pilgerstab

#1

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mo 29. Jul 2019, 00:43

Der Dolch und der Pilgerstab


Vanja von Wigberg
Vanja war lange zu Fuß gereist. Der schwarze Mantel der Priesterschaft von Zeit und Raum war verdreckt und zu einem dunklen Grau verblichen. Die blaue Chaperon, die ihn etwas schrullig wirken ließ, war noch immer feucht vom letzten Regenguss. Vanja hatte gute Gründe, keine Mitfahrgelegenheit auf einem der zahlreichen Ochsenkarren und Planwagen zu nutzen, welche der dem endlosen grauen Band der Salzstraße folgten. Seit geraumer Zeit steckte er nun in Shohiro. Das Anwesen der Wigbergs war von Fremden bewohnt, verkauft, renoviert, verschandelt. Aber so war das, manchmal musste man alle Brücken hinter sich abreißen und die Trümmer in alle Himmelsrichtungen verstreuen, um die Spuren zu verwischen. Vor so einer verwischten Spur stand Vanja nun erneut. Nicht nur der Hauptwohnsitz, auch das Anwesen seines Verwandten Osmund war nicht mehr das, was es einst war. Kein Leben zeigte sich hier. Vanja ließ müde die Schultern sinken. Gern hätte er gerastet. Er beschloss, bei den Nachbarn zu fragen, ob jemand wusste, wo Osmund nun weilte. Doch als Vanja vor dem Geisterhaus stand, dem Wohnsitz eines entfernten Verwandten mit dem Namen Hohenfelde, waren auch hier keine Zeichen von Leben zu finden. Dass die gesamte Sippe den Hauptwohnsitz gewechselt hatte, war ihm bekannt, doch dass bereits restlos alle Habseligkeiten und Verwandten über die Mauer gebracht worden waren, hatte er nicht gewusst. Erschöpft setzte er sich auf die Treppe. Für den Fall, dass jemand ihm spenden wollte, stellte er seinen Becher vor sich auf die Straße. Als reisender Pilger, wie seine Gewandung ihn auswies, war es einfacher, die Herzen der Menschen zu erweichen und Vanja hatte ein freundliches Gesicht. Für ein Abendbrot würde es reichen. Vielleicht ließ sich auf diese Weise sogar ein Strohsack zum Schlafen für diese Nacht mieten.

Davard von Hohenfelde
Ein Mann hatte es sich auf der Hintertreppe gemütlich gemacht. Das der Pilger ausgerechnet ihr Haus ausgesucht hatte um sein Glück zu finden, war nicht nur paradox, es musste sich um einen der berühmten Witze der Götter handeln. Hier fand man nichts, außer den Tod. Und den fand man auch nur, wenn man ausreichend dafür bezahlte. Jedenfalls war dies einst so gewesen. Heute weilte die Gilde der Geister in Souvagne, in einem ähnlichen Geisterhaus. Allerdings unter neuem Namen und abgesichertem Tätigkeitsfeld. Nun eine Raubkatze blieb eine Raubkatze, ob sie auf eigene Faust loszog, oder ob sie angeheuert als Mäusemörder die Ratten vom Hof erledigte. Solange die Krallen und der Verstand scharf blieben, war alles in Ordnung. Ein Schatten fiel auf Vanja als er es sich gemütlich gemacht hatte. "Die Leute sind es gewöhnt, dieses Haus zu meiden. Es sei denn sie sind krank", sagte Dave und reichte Vanja eine Bierflasche.

Vanja von Wigberg
Die Augen, ungewöhnlich braun für ein Mitglied seiner Familie, richteten sich auf das dargebotene Bier. Vanjas Lippen zogen sich zu einem Lächeln auseinander, als er zugriff. »Auf mich wirkt das alte Haus sehr einladend, scheint es doch manch Geheimnis zu bergen, das es zu ergründen gibt. Jedes alte Haus hat seine Geschichte und dieses Fundament verweist auf einen tiefen und verzweigten Keller. Habt Dank für das Bier, Ainuwar segne Euch, mein Sohn.« Vanja sprach fließend Rakshanisch, doch seinen souvagnischen Dialekt vermochte er nicht ganz zu vermeiden. Er öffnete die Flasche, stieß wie ein routinierter Biertrinker mit dem anderen an und nippte das sprudelnde Nass in winzigen Zügen. Er kostete den würzigen Geschmack voller Genuss aus. »Ah, lang ist es her, dass solch Köstlichkeit meine Zunge benetzte. Seid Ihr wohnhaft in diesem schönen alten Gemäuer? Oder könnt ihr mir sagen, ob jemand von den Bewohnern der verlassenen Ecke dieses Viertels noch in der Nähe zu finden ist?«
Erst, nachdem Vanja seinen Appetit ein wenig gestillt hatte, betrachtete er sein Gegenüber. Den ersten Blick überließ er stets dem anderen, damit er den Eindruck vom harmlosen Gottesmann verinnerlichen konnte, ehe auch Vanja sich die Zeit nahm, sein Gegenüber mit den Augen zu untersuchen. Nicht aufdringlich, keinen taxierenden Raubtierblick, sondern viele kleine, freundliche und wohldosierte Blicke, die immer eine andere Stelle betrachteten und in seinem Kopf das Gesamtbild formten. Den Gesichtszügen nach könnte es sich bei dem Mann um den Besitzer des Hauses handeln oder um einen von dessen Verwandten. Er sah nach Hohenfelde aus mit seinen hohen Wangenknochen und dem fast schwarzen Haar. Am meisten aber brachte sein leises und überraschendes Auftreten aus dem Nichts Vanja auf diesen Gedanken.

Davard von Hohenfelde
Dave hockte sich neben den scheinbaren Gottesmann und trank sein Bier mit einem Schluck zur Hälfte aus. "Oh lassen wir Ainuwar lieber aus dem Spiel, er hält nichts von mir und ich nichts von ihm. Er hat mich vor langer Zeit verlassen. Also habe auch ich ihm den Rücken gekehrt. Sagen wir, es war eine einvernehmliche Trennung", schmunzelte Dave und schaute hinaus auf den breiten Bach, der hinter ihrem Haus vorbeifloss. "Der Herr von Gegenüber zog zuerst nach Souvagne, zog dann allerdings zurück nach Naridien. Sein Hobby die Nekromantie war nicht gut gelitten im Großherzogtum. Seine Begleiterin, die ebenfalls dort weilte, lebt immer noch in Souvagne. Die Frau ist sehr alt und sehr vergesslich. Vermutlich hat sie das Dekret schon längst wieder vergessen dass sie zurück nach Naridien ziehen sollte. Nunja wer kann es ihr verdenken? Wir alle werden alt... wenn nichts dazwischen kommt", lächelte Dave freundlich und nahm noch einen Schluck Bier. "Hier in diesem Haus wohnte Pavo der Heiler, ein guter Mann. Gläubig wie ihr, für manche zu gläubig. Auch er zog mit den seinen nach Souvagne. Möchtet Ihr eine Kellerwohnung mieten, oder weshalb erkundigt Ihr Euch danach? Das Haus gegenüber ist das meine", sagte Dave und nickte in eine unbestimmte Richtung. "Wen von den alten Bewohnern sucht Ihr denn? Osmund?", fragte Dave und schaute den Pilger unverwandt an. Was ihm sein Blick verriet war nichts besonderes. Der Mann war unscheinbar, unauffällig. Eine graue Maus vor einer grauen Wand. Man sah ihn und hatte ihn schon vergessen. Demzufolge musste er hochgefährlich sein, ein Kollege, ein Assassine oder etwas in dieser Art. Niemand gab sich unbewusst derart unauffällig. Dies war eine Kunst. Natürlich beherrschten auch einige sehr scheue Menschen dieses Verhalten, aber sie sprachen dabei andere nicht offen, freundlich und ohne jede Scheu an. Und sie setzten sich auch nicht auf die Türschwelle einer Mörderbande und erkundige sich nach Folterkellern um sieben Ecken. Dave wandte den Blick ab, schaute erneut in scheinbare Fernen und tastete per Magie nach seinem Sitznachbarn.

Vanja von Wigberg
Die entsandten Gedankenfäden spürten einen Moment die Frage, die dem Priester durch den Kopf ging, ob sein Gegenüber vielleicht davon zu überzeugen war, ihm etwas zu Essen zu spendieren. Als Vanja merkte, dass jemand ihn magisch betastete, spielte er an den aktuellen Gedanken anknüpfend eine Reihe kulinarischer Möglichkeiten durch, auf die er gerade Appetit hatte. Auf Holzkohle gegrillte Dorade mit Zitrone, geriebene Möhren mit Apfelstückchen, Rührei mit gebratenem Speck, Nudelsuppe mit Hähnchenbrustfleisch, duftendes Kümmelbrot aus dem Steinofen, eine saftige Orange von der Küste Ledwicks, ein Cocktail mit Kokosmilch und Ananassaft, dazu einen Schuss weißen Rum ... der Priester schien ausgesprochen hungrig zu sein, denn der Gedankenfaden ebbte nicht ab, wie lange der Magier auch wartete, er las nur Essen, Essen und noch mehr Essen, hier und da ein Getränk. »Ja, nach Osmund habe ich gesucht, doch er ist nicht mehr hier. Und als ich ihn nicht fand, versuchte ich mein Glück bei seiner Verwandtschaft im Geisterhaus. Seid ihr ein Bekannter von Osmund oder nur ein Nachbar? Weit bin ich gereist und meine Füße sind müde. Und nun muss ich feststellen, dass ich vor verschlossener Tür stehe, wo ich Gastfreundschaft erhoffte«, seufzte Vanja ein wenig theatralisch.

Davard von Hohenfelde
Dave schenkte dem Priester ein amüsiertes Grinsen. "Wenn Ihr nicht auf Euch acht gebt, werdet Ihr bald auch Osmunds Umfang haben. In welchem Verhältnis steht Ihr zu ihm? Das wäre doch viel interessanter zu erfahren. Stellt Euch doch nur einmal theoretisch vor, ein als Mann Gottes verkleideter Meuchler fragt sich durch die Nachbarschaft um den guten Osmund zu töten. Und der nichts ahnende Nachbar würde ihn auch noch verraten, ja damit gerade zu ans Messer liefern. Wäre dies nicht... grauenvoll? So ganz ohne Münze die den Schmerz lindert? Aber da Ihr Euren Bettel-Becher hier stehen habt, werdet Ihr vielleicht anders für eine kleine Information bezahlen. Wo Ihr allein durch die weite Welt irrt, verlassen von allen Verwandten und um Eure Aufrichtigkeit unter Beweis zu stellen. Was habt Ihr im Angebot guter Mann? Tauschen wir doch Informationen. Wie war Euer Namen?", fragte Dave lächelnd.

Vanja von Wigberg
Vanjas freundliches Schmunzeln zog sich amüsiert zu einem breiten Lächeln auseinander bei dem Gedankenspiel, das sein Gegenüber ihm darlegte. Das Umeinander-Herumschleichen, welches sie beide vollführten, war lehrbuchreif - kein Wunder, waren ihre Familien doch Meister dieses Fachs. »Spätestens jetzt sollte es uns beiden dämmern, dass wir keine Feinde sind. Dun-Haru-Mar, mein Sohn.« Mitten in der endlosen Kette von Speisen, Nahrungsbeilagen, Nachtischen und Cocktails tauchte ein Name auf: Vanja von Wigberg.

Davard von Hohenfelde
"Dun-Haru-Mar Bruder, eine Ewigkeite habe ich niemanden mehr auf diese Weise gegrüßt. Das letzte Mal als ich den Gruß hörte war als Segnung auf meiner Hochzeit, die mein lieber Onkel schrottete als er versuchte den Nexus losbrechen zu lassen. Ja, er und mein lieber Neffe, herzensgute Leute. Wobei sie sind es tatsächlich geworden, oder versuchen es redlich", lachte Dave leise. `Davard von Hohenfelde, na dann willkommen in Shohiro. Das ist das Geisterhaus, von hier aus operierten wir einst. Nun nicht mehr. Osmund ist mit der Sippe wie bereits angedeutet nach Souvagne gezogen. Da man dort Nekromantie nicht schätzt, es sei den Brandur der Zauberhafte zaubert... musste Ossi das Land verlassen. Was er auch tat. Wohin? Keiner weiß es. Vermutlich irgendwohin wo ein schöner Friedhof und ein guter Goldschmied in der Nähe ist. Du kennst ihn ja. Und eine Taverne darf auch nicht weit entfernt sein, Ossi ist ein bequemer Lich. Komm mit ins Haus, es gibt zwar nicht mehr viel hier, aber einiges ist noch da. Es gehört uns nach wie vor, aber unser Hauptquartier ist nun woanders. Und wir arbeiten anders. Was hat Dich hierher verschlagen? Irgendwelche Dinge die Du absaugen sollst? Vielleicht kann ich helfen. Für eine kleine Gefälligkeit, kann auch als offene Rechnung stehen bleiben. Man weiß schließlich nie, wann man einen Gefallen braucht, nicht wahr Bruder?´, fragte Dave und machte eine einladende Geste.

Vanja von Wigberg
Vanja ließ sich ins Haus geleiten. Neugierig schaute er sich um. »Bei den Hohenfeldes war ich noch nie zu Gast«, sagte er mit seiner normalen Stimme, als Davard die Tür hinter ihnen geschlossen hatte. »Von euren Kellern erzählt man sich die dollsten Dinge, aber ich werde nicht danach fragen. Bitte sei so gut und ziehe dich aus meinen Gedanken zurück, es fühlt sich immer ein wenig an, als würde ich nackend dem Gespräch beiwohnen, während mein Gegenüber bekleidet ist, wenn ich ausgelesen werde. Osmund hat Souvagne also wieder verlassen, sieh an. Dass Brandur sein Amt weiter ausüben darf, ist ganz einfach zu erklären und kein Geheimnis. Er ist kein Lich, ergo keine Gefahr für die Anwesenden. Er soll mit seinem Wissen als Dozent die Novizen gegen die Gefahren der Nekromantie wappnen. Das ist der offizielle Grund. Aber der kleine Prince Ciel nimmt seine verbotenen Dienste gern für sich in Anspruch. Wer möchte dem Prinzlein verbieten, das Gesetz zu übertreten, dass er selber schuf?« Vanja gluckste amüsiert. »Nur, dass Brandur den Geist seines Bruders in einem Mitglied des Hochadels versteckte, fand die Krone wenig amüsant. Da hat der gute Mann auf die Finger bekommen. Aber seinen Kopf trägt er immer noch auf den Schultern! Das soll ihm einer nachmachen. Mich verschlug die Flucht nach Naridien, Davard. Man wünscht nicht, dass ich mein Priesteramt weiter ausübe.«

Davard von Hohenfelde
Dave zog sich behutsam aus Vanjas Gedanken zurück. "Eine Gewohnheit der Vorsicht Vanja. Brandur ist zwar kein Lich, aber ich würde ihn nicht als ungefährlich bezeichnen. Er und Linhard haben es immerhin geschafft, den alten Wegen abzuschwören und ein neues Zeitalter einzuleuten. Sagen wir mal die Zeiten der Leichenkeller sind vorbei. Sie möchten andere Wege gehen. Vielleicht ähnlich Eurer Wege? Nun dagegen spricht nichts. Es ist ein Hohn bei den Hohenfeldes von einer Familie zu sprechen. Familie bedeutet einander beizustehen und nicht einander umzubringen. Ihr habt es richtig erkannt und richtig gemacht. Ihr haltet zusammen, jeder von Euch findet bei Euch seine Niesche. Ihr richtet Euch nur gegen Feinde. Denn je mehr Ihr seid, je stärker seid Ihr. Was nützt es uns, wenn wir nur noch 10 Magier wären, dafür aber die mächtigsten? Rück einer mit 500 Stümpern an, die nur ein bisschen können, werden auch die 10 Mächtigsten fallen. Irgendwann ist jeder erschöpft, oder wird fahrig, es wird immer etwas geben. Und das Problem der 10 Mächtigsten wäre, sie kämpfen nicht gemeinsam um zu überleben. Sie kämpfen gemeinsam und offenbart einer von ihnen eine Schwäche töten ihn die anderen 9. War gerade so eine gute Gelegenheit. Dabei übersehen sie, dass sie sich damit selbst töten, da sie sich das eigene Wasser sprich das Überleben abgraben. Sie erhöhen nicht ihre Chance, sie vermindern sie. Die Gruppe ist immer stärker als der Einzelne Vanja. Ich habe meine Familie verlassen, aber los wirst Du sie nie. Wie sagen sie immer? Es singt in Deinem Blut. Das mag sein, so wie Linhard seinen Weg wählte, habe ich auch meinen eigenen Weg gewählt. Ich bin ihm zwar gefolgt und ich halte seine Ideen für gut, aber ich bleibe lieber auf Abstand. Brandur beschwor meinen Vater auf meiner Hochzeit. Er hat ihn in Aimeric de la Cantillion versteckt. Er hat ihn sogar dann noch schützen wollen, als es um Archibald ging. Lange Rede, es ist viel passiert. Es gab viel Kampf, aber nun herrscht Friede in der Familie. Jedenfalls so, wie es ihn niemals zuvor gab. Also schaue ich mir das Ganze aus sicherer Entfernung an und ich hoffe sie meinen es ernst. Nun Souvagne ist eine Monarchie. Der Duc erlässt die Gesetze, natürlich hält er sich an seine eigenen Gesetze - er müsste es nicht, aber er macht es. Allerdings kann er die Gesetze auch jederzeit ändern, wenn sie ihm nicht passen. Klingt nach Willkür, ist es aber nicht, da sie in Almanien ziemlich rechtschaffen damit umgehen. Es ist eben alles geordneter, straffer, bewachter. Gleich wo in Almanien. Nun zu Dir und Deiner Familie. Du bist also tatsächlich Priester und man hat Dich rausgeworfen. Wie um alles in der Welt hast Du das angestellt?", fragte Dave und führte Vanja in die Küche. Er stellte ihm Brot, Dauerwurst, Butter und Hartkäse vor die Nase und legte ein Messer dazu. "Bedien Dich. Eine Notfallration, aber sehr lecker", sagte er freundlich.

Vanja von Wigberg
»Du machst einen Priester sehr glücklich!« Als Davard sich aus seinem Geist zurückzog, konnte Vanja endlich aufhören, ihn mit belanglosen Gedanken zuzumüllen. Einen anderen Schild hatte er nicht, im Gegensatz zu Vendelin. Stattdessen konnte er es sich nun wahrhaftig schmecken lassen. Er war so hungrig, dass er es an Tischmanieren mangeln ließ, aber das würde sein Gastgeber ihm nachsehen. »Man war mit meiner Arbeit nicht zufrieden.« Er lächelte etwas gequält und lutschte sich die Finger ab. »Wir sind eine Sippe und wie du richtig sagst, sollten wir nicht als Rivalen oder Schlimmeres gegenüberstehen, sondern Seite an Seite. Darum werde ich dich nicht belügen, sondern dir sagen, dass ich nicht offen sprechen kann. Deine Geister arbeiten nun als Fantomes für den Duc. Vielleicht ist dir das Eine oder Andere ja schon bekannt?«

Davard von Hohenfelde
"Schau an, also ein vollwertiger Wiggi, was soll mir denn bekannt sein? In- oder Ausland betreffend? Da musst Du mir schon einen kleinen Tipp geben, wenn ich nicht lesen darf. Falls es um Derya die Menschenfresserin ging, sie wurde gefasst. Dann haben wir einige Überwachungsaufträge, die Dich nur unnötig langweilen würden Vanja. Wobei einer durchaus unterhaltsam ist, weil die Person sehr unterhaltsam ist. Aber darauf bist Du nicht angesetzt, sonst wärst Du in Souvagne, genauer gesagt in Beaufort. Ich hake nicht weiter nach, es sei denn Du möchtest nach Ehveros. Was hast Du denn angestellt, dass sie mit Deiner Arbeit nicht zufrieden waren? Pavo sagt Dir vielleicht etwas als Ex-Glaubens-Bruder oder als Wigberg. Du wirst Informationen haben. Oh und ehe ich es vergesse, wo ist überhaupt Wolfram abgeblieben? Letztens wollte ich nach ihm gesucht haben, aber hatte es wieder vergessen. Das ist rein persönliches Interesse, da ich ihn mag. Bist Du ebenso ein Außenseiter wie er?", fragte Dave und schnitt sich auch ein Stück Wurst ab.

Vanja von Wigberg
»Die Namen aller Geister sind mir bekannt und wenn ich nachschlage, auch Detailinformationen, das ist ganz normal. Man muss wissen, wo man Verwandte und Freunde findet, falls man einmal Hilfe benötigt. Andernfalls hätte ich nicht diese Adresse überprüfen können und wir beide wären uns nie begegnet, was ein Jammer wäre.« Er schnitt sich eine viel zu dicke Scheibe Hartkäse ab, die er sich ohne Brot schmecken ließ. »Ein Beobachtungsauftrag in Ehveros? Mit einem Befehl für alle Eventualitäten? Dann gebe ich dir einen Hinweis, der zugleich eine Bitte ist: Bevor du den Dolch sprechen lässt, lass deine Zielperson sprechen. Ein Außenseiter bin ich zum Teil, da ich bislang in Souvagne weilte und nicht in Naridien bei dem Rest meiner Familie. Und nun ist es umgekehrt!« Er lachte leise. »Nun, es sind keine Interna, warum ich Souvagne verlassen sollte und ich kann sie dir offenbaren. In Gefahr begebe ich mich dadurch dennoch. Es wäre freundlich, wenn du mir dieses angenehme Gespräch nicht damit vergeltest, mich an die souvagnische Krone auszuhändigen. Der Befehl, mich zu ergreifen, so er existiert, dürfte an der Grenze enden, so wichtig war ich dann doch nicht. Das Kinderheim in Mancini ist dir ein Begriff?«

Davard von Hohenfelde
Dave aß das Stück Wurst in winzigen Bissen. "Ihr habt Euch verzweigt, nun haben wir ebenso damit begonnen. Fast wäre es zur Dreiteilung gekommen, Linhard und Brandur, Anwolf und ich und Ansgar. Ich verstehe Deine Herkunft Vanja, aber mir ist nicht jeder Eurer Zweige bekannt. Ich bin ein Hohenfelde, kein Wigberg. Findet die Sippe zusammen um sich einem gemeinsamen Feind zu stellen, seid Ihr jene die das Wissen beisteuern. Das Schattenwissen Vanja, darüber verfügen wir auch, aber nicht in Eurem Umfang. Niemand tut das, sind wir ehrlich. Es ist Euer Metier, wie das der Eibenbergs Geld heranzuschaffen. Du bist hier willkommen und ich habe nicht vor Dir etwas zu tun. Ich sehe Dich als Verwandten, den ich zufällig getroffen habe. Und so ist es schließlich auch. Ehveros - ich soll die Zielperson sprechen lassen, bevor der Dolch spricht? Das lässt sich einrichten, versprochen. Ob jene Zielperson überhaupt eine wird, liegt an ihr Vanja. Aber ich werde sie anhören. Gibt es einen Grund, oder soll ich etwas bestimmtes in Erfahrung bringen? Möglicherweise für Dich? Das Kinderheim in Mancini. Wir hatten einmal den Auftrag die ehemalligen Agentensöhne zu beobachten. Dabei handelte es sich um die Kinder der Agenten der Autarkie. Wir waren gerade frisch im Land, alles was mit der Vergangenheit Souvagnes zu tun hat, war für uns Neuland. Auch wenn ich jetzt Souvagner bin, sogar dort von Stand. Ein Geschenk von Linhard, seltsamerweise. Einer dieser Agentensöhne heißt Mancini. Sein Adoptivvater ist Santo de Mancini, ihm gehört die Scholle. Und sein Sohn stammt genau aus jenem Kinderheim. Mehr kann ich Dir zu diesem Heim ad hock nicht sagen. Mehr fällt mir nicht ein", gestand Dave und kramte eine Flasche Wein aus einer Staubigen Stiege. "Pavos Reserve, die braucht er nicht. Die Flasche ist ja größer als er", grinste Dave und öffnete sie mit dem Wurstmesser. Er stellte zwei Becher auf den Tisch und goss ihnen beiden ein. "Was heißt Prost auf Souvagnisch?", fragte er freundlich.

Vanja von Wigberg
»Santé!«, sagte Vanja und hob das Glas. »Jeder das, was er am besten kann, Aufgabenverteilung. Spezialisierung statt Generalismus. Was das Kinderheim in Mancini anbelangt, wurde es geschlossen durch Prince Ciel de Souvagne. Seine Frau, Francois, stammte von dort und plauderte. Es verschwanden Kinder, an denen wir gut verdienten, aber nicht alle und manche jener, die bis zur Volljährigkeit blieben, wussten zu viel. Es zeigt anschaulich, wie wichtig es ist, sensible Informationen im Kreis der Familie und ihrer Verbündeter zu behalten und notfalls die offenen Enden zu kappen. Da ich dem Heim vorstand, nehme ich an, dass ich gesucht werde.« Er tippte seine Fingerspitzen aneinander. »Freilich werde ich das aus sicherer Entfernung überprüfen. Man ist nicht allen Mitgliedern meiner Familie mehr gewogen bei der Krone. Aber da du der Krone direkt unterstehst, kannst du nichts für uns tun.«

Davard von Hohenfelde
Dave zuckte die Achseln und schmunzelte, während der einen Schluck Wein nahm und immer noch bei seiner ersten Wurstscheibe war. "Wir sind hier in Naridien, Shohiro, weit weg von allen und jedem. Wir sind sozusagen in der Vergangenheit Vanja. Was geschah denn in diesem Heim? Klär mich auf, nur so kann ich Dir sagen, ob ich Dir helfen kann oder nicht. Du weißt dass ich ein Geistmagier bin, ich könnte nachhorchen, ob Du überhaupt gesucht wirst. Weiß man denn, dass Du das Heim geleitet hast? Denn so gesehen letztendlich hat es doch Mancini geleitet oder nicht? Für alles was auf meiner Scholle geschieht, trage ich die Verantwortung. Er doch wohl auch", gab Dave zu bedenken. "Mal ohne Anhang unterwegs zu sein, hat auch was für sich. Plaudere aus dem Nähkästchen, bist Du vergeben? Verheiratet? Ein tatsächlicher Priester? Oder warst Du nur ein Priester dem Herzen nach? Oder gelüstete es Dich einfach nach einer schwarzen modischen Robe", grinste Dave und gönnte sich noch einen Schluck Wein.

Vanja von Wigberg
»Nun, MICH sucht man freilich nicht. ICH stand nicht dem Tempel vor, zu dem das Heim gehörte, das war Pater Syrell, dessen Tod ich nun inszenieren muss. Ein Jammer, er hat mir wirklich Spaß gemacht, ich wäre gern in seiner Haut geblieben. Auch wegen der Robe.« Er schmunzelte und nippte vom Wein. »Und die blaue Chaperon kann ich auch nie wieder tragen, da sie wohl das Erste ist, was man mit dem Pater verbindet. Hach«, seufzte er. »Dem Heim angeschlossen war ein Labor, an dem die Vitalfunktionen des menschlichen Körpers untersucht wurden, dazu waren Testreihen nötig. Wer wäre dazu besser geeignet, als die Kinder der Agenten der Autarkie? Und nicht nur dort wurden Kinder gebraucht, die dazu gemacht sind, viel ertragen zu müssen, bevor die große Dunkelheit sie erlöst.« Er drehte das Weinglas in seinen Fingern. »Das Heim gehörte zur Scholle von Mancini, aber der Mann hat keine sehr große Familie und kann nicht überall sein. Für einen Hohenfelde bist du sehr neugierig, Davard.« Vanja blickte ihn gut gelaunt an. »Das Nähkästchen also. Vergeben bin ich als Priester offiziell natürlich nicht. Inoffiziell auch nicht, den was Heirat anbelangt, bin ich sehr vorsichtig. Meine Mutter starb, weil sie dem falschen Mann vertraute und dessen Frau starb genau so. Und nicht zuletzt - die Mutter meines ungeborenen Großneffen, kaum dass sie ihre Schuldigkeit erfüllt haben wird. Es ist bereits alles dafür vorbereitet. Ich fürchte, meine Frau würde das selbe Schicksal ereilen, kaum dass sie entbunden hat. Lose Enden, Davard. Und wie sieht es bei dir aus?«

Davard von Hohenfelde
"Oh wir alle sind neugierig, nur befragen die meisten Hohenfelde ihre toten Opfer, das geht für sie einfacher. Sie müssen unter Zwang antworten. Du verstehst schon, der Hang zur Nekromantie. Tja ich habe ebenfalls gefühlt ewig nach der Richtigen gesucht, bis ich feststellte dass es der Richtige sein muss. Nun manchmal liegt Grauen und Glück nah beieinander. Allerdings sind ja nicht alle Personen gleich. Also wäre es unfair meinen Mann mit denen zu vergleichen die ich verabscheue und denen ich den Tod wünsche. Nun die Kinder der Agenten waren für solche Experimente passend, sie hatten keinen störenden Hintergrund. Niemand der sie vermisste, beschützte oder sich für sie einsetzte. Man wäre er froh gewesen, hätten sie alle ins Gras gebissen. Eines nach dem anderen. Mancini hat keine leiblichen Kinder, deshalb hat er einen Sohn adoptiert. Das hätte er zwar nicht gemusst, aber scheinbar war es ihm wichtig. Ein Labor also, der kleine Ciel scheint ein Gespür für die Gefahr zu haben. Er trieb sogar die Trinität aus dem Herrenhaus. Mich freut das, kam ein bisschen Bewegung in die alten Knochen. Scheinbar ist er immer noch auf der Flucht. Er sollte gestellt und getötet werden. Aber bis heute geschah weder das eine noch das andere. Weißt Du woran es hapert? Massimo sah man stets nur schäumend. Gut der Mann hat eh ein Gemüt wie ein Stier auf Hafari, aber er war ungewöhnlich super-wütend. Ich glaube er ist nur noch allein unterwegs, in wessen Namen auch immer. Irgendwie tut er mir leid, er versucht sein Bestes und dann das. Ich wäre froh darum würde der letzte der Trinität fallen. Schafft Platz für Neues, etwas das uns nichts anhaben kann, wenn wir den Platz zu nutzen wissen. Lose Enden kann man kappen, was den Schutz Deiner Frau anging oder wen immer Du begehrst. Ich habe einen Frostalben als Ehemann und eine Tochter, ausgetragen von einer Freundin für uns. Ein Frostalb der mehr Zuneigung zeigt, als jemals jemand aus meiner Familie. Und dennoch tat er am Anfang was die anderen getan haben. Manchmal hasse ich ihn abgrundtief, obwohl ich ihn liebe. Manchmal schaue ich ihn nachts an und sehe ihn neben mir blutüberströmt liegen, während ich den Dolch halte der ihm die Kehle aufschlitzte. Das ist etwas, was nur Deine Ohren gehört haben. Niemand sonst hat es je gehört, es ist gut verborgen hinter einer der tausend Türen. Weder mein Geliebter noch mein Mann wissen davon, noch sonst wer. Keiner. Ich weiß, dass ich so nicht denken darf, aber manchmal denke ich in diesen seltsamen, uralten Bahnen, die mir sagen er ist nicht anders als jene vor denen Du weggelaufen bist. Und in gewisser Weise ist er das auch nicht. Und doch liebt er mich und passt auf mich auf. Wir lieben uns und trotzdem behandeln wir uns manchmal wie Feinde. Mein Geliebter hingegen ist abgehauen, als mitten in der Nacht Besuch vorbeikam den er nich mochte. Einzig und allein meine Aussage dass diese Person gut aussieht, hat ihn auf die Palme gebracht. Die Äußerung war alt, aber Puschel - mein Geliebter, hat sich da ewig dran hochgezogen. Der braungebrannte Alb.... bla bla bla... meine Güte, zum Glück sage ich nicht jedes mal wenn ich wenn hübsch finde. Ich wäre schon öffentlich gesteinigt worden. Mein Ehemann sieht aus wie ein Schwamm, weiß, fett, aufgedunsen, seit dem wir in Souvagne leben ist es noch schlimmer mit ihm geworden. Er hat jetzt bestimmt 70 Kilo bei seiner Größe. Aber sage ich was in voller Sorge, bin ich der Böse", gestand Dave und schüttete sich Wein nach.

Vanja von Wigberg
»Wen oder was ich begehre, darüber müsste ich nachdenken. Mein Leben lang war ich Pater Syrell, von den wenigen Momenten abgesehen, in denen ich mit den Meinen sprach. Und in der Familie hat man anderes im Kopf, als solche Dinge. Manchmal frage ich mich, wie viel Hohenfelde in unserem Blut ist. Ich könnt es prozentual ermitteln anhand des Stammbuches, aber vielleicht mache ich es mir damit zu einfach, die Schuld nur auf das Blut zu schieben. Was meinst du dazu? Wie viel von dem Dunkel, das wir in uns tragen, wird vererbt und wie viel erschaffen wir uns selbst? Ich habe meine Mutter geliebt, Davard. Von Herzen geliebt. Was weißt du über die Verschwörung von 168? So viel kann ich dir verraten - sie war eine von jenen, die unschuldig starben. In ihrem ganzen Leben hat sie nie irgendwem Böses getan.« Auch er trank nun etwas schneller den Wein, als sonst, aber er schüttete ihn nicht hinter. »Dich belastet sehr, was du in deinem Herzen trägst. Wo wir am meisten lieben, sind wir am tiefsten verwundbar - der Grund, warum ich mir die Liebe verwehre. Es zeigt aber auch, dass du kein Stein bist, kein Eis und keine Wüste. Du bist Hohenfelde, aber du bist Mensch geblieben. Und wenn auch sonst niemand, deine Tochter wird es dir danken.«

Davard von Hohenfelde
"Man sagt 98 zu 2 - zwei Prozent machen uns selbst aus. Der Rest ist Blut, Vererbung und Erziehung. Wobei Erziehung nichts anderes ist als die Ansichten einer Person - verbales Blut Vanja. Daran glaube ich nicht, jedenfalls nicht ganz. Ein Kind ist halb Mutter und halb Vater und dennoch es selbst. Es vererbt sich nicht nur die Optik, warum sehen sich unsere Familienangehörigen so ähnlich? Wir sind nah verwandt. Und je näher man sich ist, je näher ist sich auch das Verhalten. Rein auf die Familie bezogen, auf die Sippe ganz sicher auch. Also wenn alle Aussehen wie Dunwolf, meinst Du nicht sie sind dann auch ein großer Teil wie Dunwolf? Glaub mir, dass sind sie. Es kommt nur darauf an, wofür Du Deine Finsternis einsetzt. Ein anderer Mann mag sich zwingen müssen etwas Finsteres zu tun um sein Kind zu verteidigen. Ich könnte es jederzeit und sehr leicht. Aber ich zwinge mich, so die Finger von der Finsternis zu lassen. Jeder muss seinem persönlichen Abgrund widerstehen. Selbstlos und mit völliger Hingabe liebe ich ausschließlich meine Tochter. Ein Kind ist etwas anderes. Jedenfalls ist das meine Erfahrung Vanja. Ich hatte nie eine Frau die mich liebte oder Interesse an mir hatte. Und Varmikan mein Mann, war der Einzige der Interesse hatte und es auf seine Art zeigte. Sein Werben, allerdings hat er sich danach gut benommen, nach der ersten Zeit. Vielleicht hat er begriffen was er getan hat. Ich habe mich schließlich erpressen lassen, zu Spielchen die ich nicht wollte. Hätte ich nicht tun müssen. Gerade jene Vanja, die niemals jemandem etwas Böses tun, erwischt. Schlechten Menschen geht es immer gut. Warum kann ich Dir nicht sagen. Verschwörung? Welche Verschwörung außer der Reihe soll es zusätzlich 168 gegeben haben Vanja? Familie oder Sippe? Danke für Deine lieben und weisen Worte. Der Priester steht Dir gut, oder dem Priester steht der Wigberg", warf Dave ein.

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Re: Der Dolch und der Pilgerstab

#2

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mo 29. Jul 2019, 23:46

Fortsetzung


Vanja von Wigberg
»Meine eigene Finsternis bereitet mir wenige Sorgen. Es ist die meiner Familie, unserer Sippe. Man sagt, wo Licht ist, ist auch Dunkelheit, doch wo ist unser Licht? Wo, Davard? Müssen wir es von außen hineinholen, so wie du deinen Frostalbenmann?« Er war fertig mit Essen, schob den Teller von sich und widmete sich dem Weinkelch. »Mit der Verschwörung von 168 spiele ich auf alles an, was damals geschah. Der Kreis der Verschwörer war nicht gerade klein und der Kreis unschuldiger Opfer war noch um ein Vielfaches Größer. Ich müsste dich belügen, was ich wie gesagt nicht möchte, würde ich behaupten, mit jedem Unschuldigen Mitleid zu haben. Mitleid habe ich mit dem Zweig meiner Familie, der im Zuge dessen vollständig ausgelöscht wurde. Ich würde mir wünschen, dass es keine weiteren Opfer in meiner Familie gibt. Die Sache ist 36 Jahre her, 36 lange Jahre.«


Davard von Hohenfelde
"Wir reden offen Vanja, sonst hätte ich Dir das nicht von meinem Ehemann offenbart. Sieh das hier doch als das was es ist, eine einmalige Chance sich Probleme von der Seele zu reden. Wir werden uns nichts vorhalten, wir werden uns nichts nachtragen. Und sobald wir dieses Haus verlassen und die Tür sich hinter uns schließt, verschließen wir auch unsere Gedanken zu dem Thema. Niemand wird davon erfahren. Was das Licht angeht, es kann nur von außerhalb kommen. Die Dunkelheit würde ohne das Licht nicht auffallen, umgekehrt ist es ebenso. Warum manche von uns derart Priester verabscheuen oder Leute mit guten Zielen könnte man sich fragen. Ich vermute sie wollen damit beweisen, dass die Dunkelheit über das Licht siegt. In einer Metapher gesprochen, dass die Nacht den Tag verschlingt. Aber der Kreislauf ist ewigwährend, denn am nächsten Morgen frisst der Tag die Nacht. Das mag die helle wie die dunkle Seite nicht hören wollen, aber beide Seiten müssen zeitgleich zu gleichen Anteilen existieren. Nur Licht oder nur Schatten kann es nicht geben. Dann wäre die Welt aus dem Gleichgewicht. Es sei denn man würde beide Seiten völlig aufheben und im Grau versinken lassen. Anfang und Ende vereinen, Tag und Nacht, weder hell noch dunkel, ewige Diffusität - das wäre... wundervoll. Aber leider ist es nicht machbar. Vermutlich würde man zum Einreißen sämtlicher physischer Mauern in den Nexus eine ähnliche Macht benötigen wie ein Ur-Lich, aber wer hat die schon? Und welcher Ur-Lich würde seine Macht dazu anwenden, sämtliche Mächte zu zerschmettern, das wahre Nichts zu schaffen? Nun ich, wäre ich einer", lachte Dave gut gelaunt. "Da ich keiner bin, bleibt alles beim Alten. Man kann nicht mit allen Mitleid haben Vanja. Man kann etwas empfinden, sogar Schmerz, aber wahres Mitleid empfindet man nur für jene die man liebt. Oder empfindest Du das selbe für eine fremde Person von dessen Unglück Du am Aushang gelesen hast, wie für den Tod Deiner Mutter? Niemals. Linhard hat versucht, dass Licht in unsere Familie zu holen. Er heiratete in die Familie de Souvagne ein. Optisch stimmen sogar die Kontraste, dunkles Haar wir, helles Haar sie. Nun Linhards Ehemann ist zwar braunhaarig oder dunkelblond, aber er gehört einer Familie an, die schon immer für ihre Eigenarten bekannt war. Sie stehen für das ein, was ihnen wichtig ist. Sie genießen einen guten Ruf, mit dem Beigeschmack extrem stur zu sein. Aber anscheinend muss man das auch sein. Ich wünsche mir ebenso, dass es keine weiteren Opfer gibt. Weder in Deiner noch in meiner Familie. 36 Jahre ist eine verdammt lange Zeit, in unserer Familie ist es nicht so lange her. Oder je nachdem wie man es nimmt, mein Bruder und ich waren die letzten Opfer. Jedenfalls jene, die man persönlich körperlich und geistig zerstören wollte. Linhard erlebte eine andere Form von Gewalt. Ignoranz in der Form, dass er vor Vereinsamung verging. Brandurs und sein Plan sah vor, unsere Fähigkeiten für und nicht gegen die Familie einzusetzen. Wir werden sehen was daraus wird. 168 sagst Du, gegen wen oder was habt Ihr Euch verschworen und warum? Was genau geschah dort?", fragte Dave und machte es sich auf dem Stuhl gemütlich.

Vanja von Wigberg
Vanjas Finger kreiste auf der Oberkante seines Weinbechers, bis dieser ein leises Singen von sich gab. Dann hob er den Finger an und der Klang verstummte. »Die Angelegenheit betrifft die ganze Sippe. Mich wundert, dass du scheinbar so vollkommen arglos bist. Ich kann kaum glauben, dass ihr nicht informiert worden seid. Warum sollte man euch außen vor lassen? Oder betraf das Schweigen am Ende nur dich? Mir ist keine entsprechende Order bekannt, vielleicht hat es sich bislang auch nicht ergeben. Gut, zunächst einmal sollst du wissen, dass auch ich nicht alles weiß. Hüter des Wissensschatzes der Wigberg ist immer das Familienoberhaupt und das bin ich mitnichten. Selbst unser Familienoberhaupt weiß allerdings nicht die sensibelsten Interna der Hohenfelde und Eibenberg. Das vorneweg.« Er legte den Kopf schräg und schaute nachdenklich. »Veyd weilte vor einigen Monaten aus geschäftlichen Gründen noch hier. Er kann dir die anderen Teile des Puzzles liefern. Worum es geht, ist nichts Geringeres als die Herrschaft unserer Sippe über Almanien. Und 168 war eine weitere Stufe der Wigbergs auf der Treppe hinauf, so wie die Heirat von Linhard für die Hohenfelde.«

Davard von Hohenfelde
"Du überschätzt meinen Wert innerhalb der Familie, ich hatte keinen. Nicht für meinen Vater. Wobei dieser als Purie kaum für die anderen zählte. Er kam durch Gerissenheit an die Macht und das als Magieloser. Aber genau aus dem Grund hat er uns wie die Pest gehasst. Jedenfalls war ich für meine Familie nichts wert, ich habe auch keinen Wert drauf gelegt es zu ändern. Es hieße das weiterzugeben, was man mir angetan hat. Und ich werde meine Tochter weder foltern, verkaufen noch missbrauchen lassen, gleich wie die perverse Tradition einst lautete. Sie wird heiraten wen sie heiraten mag. Und sie wird jene töten, die sie töten möchte. Selbst wenn sie Pazifisten werden sollte und nicht einmal Sahne schlagen könnte aufgrund Gewaltfreiheit, dann sei dem so. Also nein, davon wusste ich nichts. Ich habe nichts davon Dir etwas vor zu machen. Ich habe mit 18 Jahren meine Familie verlassen Vanja. Ich hatte einen Unfall, ich wäre fast mit zerschmetterten Knochen verreckt. Pavo, jener Priester von dem ich Dir erzählte, rettete mein Leben. Er rettete es auf zwei Arten. Einmal weil er mich heilte und durchbrachte. Und er rettete mich, weil er mich bei sich behielt. Er sagte einmal, er hat mich nicht gerettet, damit sie mich töten. Das sagt wohl alles. Er war mir mehr Vater, als mein Vater jemals für mich gewesen ist. Meinen Vater kenne ich nur als Monstrum, er ist ein krankes Schwein und wäre er nicht schon tot, hätte ich ihn erneut getötet. Jederzeit würde ich ihn erneut töten, gleich in welchem Fleisch das Drecksstück steckt. Aber das war nicht unser Thema, Thema war Machtergreifung. Ich wollte Dir nur darlegen, warum man mir so etwas nicht mehr sagte. Ich war nicht vor Ort, ich hatte mit ihnen nichts zu tun, ich habe meine eigenen Mauscheleien gepflegt", antwortete Dave freundlich.

Vanja von Wigberg
»Ah«, machte Vanja. »Das erklärt es. Worum es ging, ist einfach gesagt, wenn man es auf seinen Kern herunterbricht. Sieh dir das an, was noch von Ehveros übrig ist. Im Krieg gegen die Naridier hat es über zich Jahrzehnte Gelder für das Militär ausgegeben. Genau wie die Naridier, auf beiden Seiten flossen Unsummen in Waffen, Rüstungen, Schiffe, Kriegsgerät. Da ist es naheliegend, dass jemand sich eine goldene Nase an der Rüstungsindustrie verdiente. Nehmen wir an, dieser Jemand ist ein Eibenberg. Und dieser hatte natürlich kein Interesse daran, dass dieser Krieg je endet. Es blieb ein Kräftegleichgewicht über Jahrzehnte, mal gewann die eine Seite, mal die andere, doch keine Seite erlangte dauerhaft die Oberhand - bis zu dem Missgeschick vor Sturmfels. Naridier und Almanen jedenfalls waren damit beschäftigt, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Ihre Schwerter waren nach außen gerichtet, wie man so schön sagt. Das gab den Wigbergs Gelegenheit, von innen einzudringen. Es gelang natürlich nicht von heute auf morgen und auch nicht reibungslos, doch bleiben wir in der Gegenwart. Heute ist die Lage wie folgt: Die Krone von Ehveros steht kurz vor dem Fall. In den Startlöchern - unsere Sippe. Wie hört sich das für dich an?«

Davard von Hohenfelde
"Vertraut. Und das ganze erinnert mich an den flachen Witz über einen Advokaten. Kommt der Sohn nach Hause - Vater! Vater ich habe unseren Prozess gewonnen! - Darauf der Vater, Du Idiot, wie glaubst Du habe ich Deine Schulzeit und Dein Studium finanziert?... Und genau darum geht es immer, Kräftehaushalt. Es muss sich immer die Waage halten. Hell und Dunkel, Waffe und Gegenwaffe, nur so verdient man. Denn gewinnt eine Seite, ist natürlich auch eine Seite der Verlierer. Kurzum Veyd würde sagen, wir haben gerade einen Kunden verloren. Und das möchte kein Eibenberg jemals über die Lippen bringen. Kunden verloren, Geld verloren, er würde sich ehr den Zählfinger für Geldscheine abbeißen, ehe er sowas ausspricht. Ehveros ist so gut wie gefallen. Wer war Felipe wirklich? Wer war der Fuchs?", fragte Dave und nippte an seinem Wein. Er hatte nicht mehr vor sich die Kante zu geben, dank Vanja. Der Mann samt seinen Themen interessierten ihn und damit hatte jener Wigberg mehr erreicht, als er vermutlich wusste. Nämlich nebenbei einen Hohenfelde vor seiner eigenen Dummheit bewahrt.

Vanja von Wigberg
»Der Fuchs war ein Freund von Duchesse Francoise Esme de Souvagne. Wie weit ihre Freundschaft reichte, müssen andere dir sagen. Sagen wir, sie waren einander zugetan, weil sie ganz ähnliche Ideale teilten. Sie verabscheute Männer bis aufs Blut, mit ganz wenigen Ausnahmen. Ihr eigener Mann, ihre Söhne - bildeten diese Ausnahme nicht. Wohl aber mein Vater Wenzel von Wigberg. Ziel war, die männlichen Mitglieder der Familie Souvagne auszulöschen. Auf Seiten der Duchesse war Hass das Motiv. Auf Seiten von Felipe Machtgier. Denn dann hätte er Souvagne durch Heirat bequem einverleiben können. Felipe unterstützte die Duchesse. Die Duchesse unterstützte die Wigbergs. Auf Seiten von Felipe standen in den Schatten - die Eibenbergs. Eibenberg und Wigberg spielten sich über die Mauer hinweg die Bälle zu. Ein Rat hier, ein Arrangement da, eine passende Hochzeit, ein geeigneter Posten, Informationsaustausch, finanzielle Unterstützung.«

Davard von Hohenfelde
"Und so kam es ihnen zu Pass, dass die Duchesse ihren Mann loswerden wollte. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass der alte Duc dieses Spiel geduldet oder verziehen hätte, wäre er seiner Frau auf die Schliche gekommen. Seine Antwort hätte vermutlich wie die seines Sohnes ausgesehen, Block. Felipe wollte also auf seine Art ein Almanien schaffen. Und zwar unter Ehveros. Seltsam, dass ihm genau das verwehrt blieb. All jene die rechtschaffene Absichten hatten, haben trotz aller Widrigkeiten immer Oberwasser behalten. Zwar gab es hohe Opfer und auch Opferzahlen, denk nur an den Tod des Duc, oder an Dunkelbruch. Aber letztendlich hat das Gute immer gesiegt. Bis jetzt. Soll uns das vielleicht ein Hinweis sein? Denn selbst Dun-Haru-Mar sind gefallen, durch die Hand eines de Souvagne. Unwissend hat Ciel somit seine Vorfahren gerächt, er holte sich zurück, was die Sippe anrichtete. Er schlug der Allmutterschlange zwei Köpfe ab und trat sie in den schuppigen Arsch. Wenn ich den Mann auch sonst nicht einschätzen kann, dafür alleine schon liebe ich ihn. Felipe der Fuchs, er wird bald Felipe die Fuchsstola sein", schmunzelte Dave und schnitt sich etwas vom Käse ab.

Vanja von Wigberg
»Er hat einen Erben«, fuhr Vanja fort. »Mit dem Mann hat niemand gerechnet. Von der Sache her wäre das nicht schlimm, wäre nicht zu vermuten, was geschehen wird, denn er ist beim Duca di Ledvico, nun ja, zu Gast, wenn man es so formulieren möchte. Was das heißt, kannst du dir denken, ebenso, was kommt. Du hast also den alten Pfaden tatsächlich abgeschworen. Die Zeit von Dun-Haru-Mar, sie ist für dich vorbei. Folglich also Rückzug von allen Geschäften, was die Sippe anbelangt?«

Davard von Hohenfelde
"Vanja, das habe ich schon mit 18 Jahren. Jedenfalls habe ich es versucht, nur weil ich mich fernhalte, heißt das nicht dass sich die anderen fernhalten. Ich für meinen Teil habe den alten Wegen damals abgeschworen und neue betreten. Die Wege der Geister Vanja. Du weißt wo Du hier bist, wüsstest Du es nicht, wärst Du kein Wigberg. Pavo hat nicht nur eine Heilstube, er und Aino gründeten ein gut gehendes Geschäft und dies lautet Mord. Aber im Gegensatz zu meiner alten Familie, wendet man sich hier nicht gegen die eigene Familie, sondern gegen die Auftragsziele und die Feinde unserer Gilde. Du kannst Dein Dolch in Blut baden Bruder, aber wenn Du zu den Geistern zurückkehrst, kehrst Du in den Schoss Deiner Familie zurück. Früher haben wir auch Unfreiwillige rekrutiert. Aber davon haben wir Abstand genommen, zuviel Ärger, zuviele Probleme. Denn nicht jeder den wir an Land zogen, hat sich einen sicheren Hafen und eine Familie gewünscht. Man kann nicht aus jedem Konkurrenten einen Verbündeten machen. Mit dem Wegzug nach Souvagne wurden die Karten eh völlig neu gemischt. Es gibt keine Zwangsrekrutierungen mehr. Ich tue also das was mir im Blut liegt als Hohenfelde, aber ich tue es für Leute denen ich etwas bedeute. Das ist der Unterschied. Ich grüßte Dich mit Dun-Haru-Mar als Zeichen dass ich den Gruß kenne Vanja. Für mich bedeutete er Jahrzehnte lange Qualen für meine Mutter, meinen Bruder und mich persönlich. Von einem Erben wurde mir nichts gesagt, nun ich habe mich auch nicht um den Erben zu kümmern, sondern um Felipe und einen Herrn der Felipe treffen soll und zwar mit kaltem Stahl. Erzähl mir von dem Erben. Dem Duca hat Felipe übel mitgespielt, er wird nicht dulden, dass sich Felipe noch einmal erholt, oder sein Spiel in Runde zwei geht durch neue Hände. Tazio ist kein Mann mit dem man spielen sollte. Die Zwerge haben es versucht, er hat ihnen geantwortet. Den Krater kannst Du in der Azursee bewundern", grinste Dave.

Vanja von Wigberg
»Der Erbe heißt mit bürgerlichem Namen Antoine Davout. Sein wahrer Name lautet Antonio von Ehveros. Wir ließen ihn verschwinden, um seine Tochter als einzige mögliche Erbin zu etablieren. Ich denke, Felipe hat womöglich all die Jahre geahnt, dass der vermeintliche Tod des Knaben nicht mit rechten Dingen zugeht, schwieg aber aus Furcht um sein Täubchen. Antonio kam in das Waisenhaus Saint Aumary. Auch ich lebte in diesem Heim, gemeinsam mit meinem Halbbruder, ohne es zu wissen. Während ich als Novize der Mönche aufwuchs und es mir an nichts mangelte, starb mein Bruder fast vor Hunger und Vernachlässigung. Er hatte den falschen Vater. Als ich alt genug war, wurde ich in die Geheimnisse meiner Familie eingeweiht und sollte Antoine im Auge behalten, so lange er im Heim wohnt. Aber warum interessieren dich diese Dinge, wenn du dich aus dem großen Spiel zurückgezogen hast? Wäre es nicht einfacher für dich, solche Informationen bewusst von dir zu weisen? Oder ist da noch eine unerledigte Angelegenheit? Was Tazio betrifft, so macht er uns große Sorgen. Unsere Familie hatte einst einen guten Draht zum Duca di Ledvivo, doch an Tazio heranzukommen, ist nicht einfach. Und ich bin sicher, er wird in Ehveros aufräumen.«

Davard von Hohenfelde
"Man kann sich nur von Dingen fernhalten die man kennt Vanja. Ich möchte nicht zufällig in etwas hineinstolpern. Und sollte ich es dienstlich auf Befehl der Krone müssen, muss ich meine Schritte weise wählen. Darum möchte ich alles wissen, aus Selbstschutz. Andernfalls verlasse ich mich einfach auf meine Vorsicht. Verständlich, Felipes Tochter wäre leicht zu lenken gewesen. Wobei sie selbst kein Interesse am Thron gehabt hätte. Sie hätte ihrem Mann sicher alle Entscheidungen dankbar überlassen um mit ihrer Zofe im Wald zu spielen. Auch wenn sie kein Interesse an Männern hatte, wäre doch das Interesse vernünftig gewesen. Einem Herrscher, wenn sie nicht Herrschen will. Wobei keine Ahnung wie weit die Frau gedacht oder geplant hat. Wenn sie keine Männer liebt, ist das so. Aber sie kann ihre Familie nicht aussterben lassen. Sie hätte ihrer Pflicht nachkommen müssen, einen Mann ehelichen, Kinder gebären, einen Sohn zumindest. Danach hätte sie sich so viele Busen-Freundinnen wie sie möchte anschaffen können. Aber ganz ohne alles in ihrer Position? Ich glaube irgendwann wäre der Unmut des Adels und des Volkes so hoch gekocht, dass hier ein Heer mit Forken und Mistgabeln angerückt wäre, um sie vom Thron zu entfernen. Wie ich hörte hat sie ja auch die Friedensverhandlungen sagen wir mal fast in den Sand gesetzt. Sie hatte doch direkt im Anschluss den Thron übernommen. Jeder sollte dem beiwohnen, danach sollten die Verträge unterschrieben werden. Welche Verträge? Welche Bündnisse? Welche Vereinbarungen? All diese Möglichkeiten ließ sie verstreichen. All das sah der Fuchs, er sah dass dieses Etwas das er seine Tochter nannte den Thron schneller verlieren würde als eine Hafenhure ihre Unschuld. Und so ließ er sie ermorden. Sie erkrankte... welch Gram. Er spielte den trauernden Vater. Er gab sich bestürzt, er ließ einige Köpfe rollen und die Sache war vom Tisch. Die paar Leichen mehr im Keller, tragisch, traurig, nicht zu ändern. Weiter gehts. Nun saß er wieder auf dem Thron und hatte nur ein Problem, wer wird sein Nachfolger? Oder die zweite Frage, wie wird er selbst unersterblich? Was ist dafür der Preis? Würde man Dun fragen, wäre es Almanien und er Felipe der Fuchs, wird Felipe die Handpuppe. Ist dem nicht so?", warf Dave ein und aß die kleinen Käsewürfel.

Vanja von Wigberg
Vanja schmunzelte bei Davards Erklärung, die er beendete mit dem demonstrativen Verzehr eines Käsewürfels. »Ich denke, der Mord an seiner eigenen Tochter war ein Zeichen an jene, an deren Strippen er tanzt. Sie war ein mächtiges Druckmittel, sie war der Faden, über den man ihn lenkte. Und diesen durchtrennte er eigenhändig. Wer hätte dem Fuchs das zugetraut? Er tat es. Ein starkes Signal an die Marionettenspieler und ein verborgener Schrei: Gebt mir meinen Sohn zurück, den wahren Erben von Ehveros.«

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Davard von Hohenfelde

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Re: Der Dolch und der Pilgerstab

#3

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mi 31. Jul 2019, 00:19

Fortsetzung


Davard von Hohenfelde
Davard schmunzelte Vanja gut gelaunt an. "Felipes Tochter war nur ein Druckmittel, da er sie selbst dazu auserkoren hatte. Niemand hat ihn, diese Frau auf den Thron zu hieven. Er hat es getan. Vielleicht eine kleine Rebellion gegen seine Herren? Das sich das die Trinität niemals gefallen lassen würde, ist klar. Selbst heute noch... oder gerade heute Vanja, heißt es erneut man wendet sich nicht gegen die Familie. Und wenn wir uns schon nicht gegen die Familie wenden, wenn wir schon nicht Dun-Haru-Mar trotzen konnten, wie glaubte Felipe es zu können? Nun vielleicht hätte er es sogar gekonnt Vanja. Aber dann hätte er niemals einen Pakt mit der Trinität eingehen dürfen. Oder mit der Sippe, denn von der lebenden Trinität wusste man bis dato nicht. Man hielt sie für die Ur-Ahnen. Das waren sie, das sind sie, aber keiner wusste das sie bis zum heutigen Tag existieren. Vielleicht ein ausgewählter Kreis? Ich weiß es nicht Vanja, ich habe es nicht gewusst. Als Felipe den Bund mit der Sippe einging, war ihm bewusst was er tat. Er wollte unsere Macht, unser Wissen, unsere Skrupellosigkeit, er wollte den Dolch in der Dunkelheit, er wollte die Herrschaft über Almanen und das schafft so ein Mann nicht allein. Dafür war seine Familie nicht ausgelegt, nicht geboren, nicht hart, brutal, nicht verdreht und widerwärtig genug. Wir sind es. Alles im Leben hat einen Preis Vanja. Und solche Macht und Gefälligkeiten werden nicht kostenlos geliefert. Schon allein die Eibenbergs hätten die verhindert. Felipe übermannte die Gier. Die Gier auf ganz Almanien, wie er auf seine alten Tage offenbarte bei den Friedensverhandlungen. Der Rest ist von mir reine Vermutung, aber ich müsste mich schon gewaltig irren, wäre es anders gelaufen. Der alte Fuchs hat gedacht, er könnte den Wolf schlagen. Nicht bedenkend, Wölfe leben im Rudel. Und so bekam Felipe die Rechnung für das was er bestellte. Wer nicht bezahlt, wird anders zur Kasse gebeten. Die Trinität holte seinen Sohn. Er wurde frech und setzte daraufhin seine Tochter auf den Thron. Wie lange dachte Felipe, sollte das gut gehen? Natürlich war er nun noch schlimmer erpressbar als vorher, denn mit Ricarda stand und fiel das Großherzogtum. Jedenfalls für seine Sippe. Gebt mir meinen Sohn zurück... wieso? Vielleicht nehmen wir Dir sogar Deine Tochter. Damit Dein Großherzogtum und damit löschen wir Deine Familie vollständig aus. Mach was Du willst Felipe, aber wisse was Du tust. Er wusste es nicht und hat in seiner Gier versucht alle zu bescheißen. Almanien, die anderen Großherzoge, die Zwerge und sogar seine Gönner in der Dunkelheit. Ein bisschen für den alten Mann, er spielte niemals in der Liga aus der unsere Familien stammen. Unsere Ahnen haben das Land eingeäschert. Und aus der Asche haben sie sich erhoben um sich erneut einen Flecken zu suchen, den sie nach ihren Gutdünken formen können. Naridien hieß sie willkommen. Fataler Fehler, denn ein Eibenberg nimmt nicht nur die ganze Hand wenn man ihm den kleinen Finger reicht, er nimmt alles. Tja und nun sehen wir heute Felipe in seinen letzten Zügen. Und jene die ihm hätten helfen können, seine Almanischen Brüder, die anderen Herzoge hat er getötet oder gegen sich aufgebracht. Kurzum Felipe hat sich sein eigenes Grab geschaufelt. Um soviel Unfähigkeit ist es nicht schade, soviel Hohenfelde bin ich noch. Ich gönne ihm einen schmerzvollen Tod. Er hätte seine Finger von der Dunkelheit lassen sollen. Aber seine Gier zwang ihn regelrecht in den Abgrund zu starren. Es hat noch keiner geschafft den Abgrund um seine Opfer zu betrügen, auch Felipe musste das erkennen. Er ist nicht der Erste, er wird auch nicht der Letzte sein. Der Taudis holt sich jene, die sich mit ihm verbündet haben. Das ist der Preis der Macht. Komisch nur, dass am Ende die meisten sentimental werden und um sich selbst heulen. Ein erbärmlicher Charakterzug nicht wahr?", fragte Dave und schüttete ihnen beiden neuen Wein ein. "Kurz was anderes Vanja. Du kannst im Geisterhaus bleiben so lange Du möchtest. Aber sicherer ist es in meinem Haus. Du stehst neben dem Geisterhaus, Seitenausgang. Blick Richtung Stadttor. Das Haus rechts neben Dir, das kleinere, dass ist meins. Dort kannst Du einziehen, wenn Du magst. Zurück zu Felipe. Möglicherweise hatte er wirklich gedacht, erkönnte die Sippe mit seiner Kaltblütigkeit beeindrucken, aber wir beide wissen dazu gehört mehr als ein Mord", erklärte Dave und nahm sich noch ein Stück Wurst.

Vanja von Wigberg
»Mehr als nur ein Mord, mehr als nur ein mächtiger Mann. Wir sind drei Familien, deren Mitglieder mit allen Wassern gewaschen sind. Wir kämpfen seit Jahrhunderten mit allen nur erdenklichen Mitteln und selbst uns ist es noch nicht gelungen, Almanien unter unsere Herrschaft zu bringen. An deiner Theorie könnte durchaus etwas dran sein.« Vanja spielte mit seinem Teller, tupfte ein paar Krümel mit dem Zeigefinger auf und aß sie. »Danke für das Angebot, gern nehme ich es an. So kann ich entspannter nach neuer Arbeit suchen und muss nicht die Himmelsröhre anvisieren.« Man sah ihm an, dass es hinter seiner Stirn auf Hochtouren arbeitete. »Davard, wann musst du nach Ehveros?«

Davard von Hohenfelde
"In drei Tagen muss ich dort sein und beobachten ob der Auftrag bezogen auf Felipe auch umgesetzt wird. Gerne, wo solltest Du auch sonst hin? Wir haben uns einander anvertraut, Du bist mir sympatisch, von daher gewähre ich Dir Unterschlupf. Almanien im Bunde des Kaisho-Abkommens wäre leichter gewesen. Aber nun ist der Bund zerfallen. Felipe hatte damit gerechnet, dass er im Namen des Bundes durch Roderich alles erreichen kann. Das er schalten und walten kann wie er möchte. Falsch. Ein Bündnis ist das was es ist - genau das - Ein Verbund. Ein Verbund bestehend aus mehreren souveränen Staaten. Gemeinsam zu handeln hat sie stark gemacht. Aber Felipe war da auf seine alten Tage schon unvorsichtig. Er handelte, er verhandelte nicht. Das wäre niemals einem der unseren passiert. Er hätte die anderen Großherzoge und die Königin der Gobos überzeugen müssen. Aber das tat er nicht. Er entschied über ihre Köpfe hinweg. Und selbst der geschmeidigste Regent muss dort wenn er Verstand hat, intervenieren. Denn wieso tanzt er nach der Pfeife eines Herrscheres eines fremden Landes? Wieso verschwendet er keinen einzigen Gedanken an sein Volk, seine Untergebenen und seine Möglichkeiten? Vier Regenten liefen Felipe blind und treudoof hinterher. Ein Großherzog tat das nicht - der Duc de Souvagne. Nun man sagt ihnen nach ihren ureigenen Kopf zu haben. Hätte er den Mann überzeugt, hätte er einen mächtigen Verbündeten gehabt. Er hat ihn aber übergangen und in dem Falle macht ein sturer Mann was? Alle Schotten dicht und reißt sämtliche Brücken ein. Was der Duc gedacht haben wird, wird im ersten Moment gar nicht so hochtrabend gewesen sein. Es wird sowas wie "SO NICHT!" gewesen sein und damit war alles vom Tisch. Gleich was jetzt noch kam, gleich welche Entschuldigungen noch fallen würden, Felipe hatte verschissen. Er hat versucht die Macht von dem Duc anzugreifen, er hat sein Land ungefragt betreten, es war ein Afront größter Güte und da soll der Duc schweigen und nicken? Felipe walten lassen? Hätte er das getan, hätte jeder vom Adel gefragt, ob der Duc noch alle Tassen im Schrank hat, oder ob er zu weich für das Amt ist. Offen würde das keiner zu fragen wagen, aber Krieg vor der Tür und Rebellion im eigenen Land? Hätte Felipe gefragt, hätte Felipe vorher einen Rat einberufen, wären sie überzeugt worden und gemeinsam losgezogen, dann wäre Almanien komplett an die Sippe gefallen. An die alte Sippe wohlgemerkt. Und eine ehrliche Antwort meinerseits? Ich kann mir nichts Schrecklicheres vorstellen. Naridien, Almanien irgendwann ganz Asamura ein Herrenhaus der Hohenfelde? Unendliche Erntemöglichkeiten von Seelen und Leben... das ist es, worauf es hinaus laufen soll Vanja. Hast Du mal gesehen wie es aussieht, wenn ein Lich den Boden "aussaugt"? Wenn er das Leben dem Boden entzieht? Das geht, er raubt den winzigen Geschöpfen dort drinnen und dem Boden selbst das Leben. Das Ergebnis ist nicht nur grau, sondern grauenvoll. Grau, tot, staubig, Asche.... Erinnert Dich das an was? Vielleicht haben andere unserer Sippe vor gewaltigen Urzeiten einst soviel Leben und Seelen geerntet, dass selbst das Land leb- und seelenlos zurückblieb. Es errotierte, es starb, der alte Kontinent selbst starb unter ihrem Raubbau. Und wie jeder Körper, starb er mit Zuckungen. Vulkanausbrüche, Erdbeben, die letzten Zuckungen einer sterbenden Welt. Das selbstgewebte Leichentuch der Sippe - Asche".

Vanja von Wigberg
»Was du aus deiner Kindheit erzählt hast, sollte keiner der unseren erleben müssen. Ich wusste nicht, wie hart ihr geprüft werdet, um als erwachsene Hohenfeldes das leisten zu können, was man von euch erwartet. Nein, ich bin zum Glück noch keinem Lich begegnet, ich wäre es heute das erste Mal, wenn ich Osmund zu Hause angetroffen hätte. Dann bist du also wahrlich ein Almane geworden, nicht nur auf dem Papier, sondern auch dein Herz schlägt für das, was der Rest von uns bekämpft. Dir ist hoffentlich bewusst, dass du dich damit gegen die Sippe stellst? Das ist keine Drohung, ich persönlich mag dich. Es ist eine Warnung. Wenn das die Familien mitbekommen wird dich eine harte Zeit erwarten. Oder steht Hohenfelde geschlossen hinter dir? Ist das Bündnis unserer Familien damit Geschichte?«

Davard von Hohenfelde
"Natürlich steht jeder Hohenfelde hinter dem anderen, wie sollte man jemanden sonst ein Messer in den Rücken rammen? Wie gesagt, ich habe die Sippe vor langer Zeit verlassen. Ich versuche es mit der Familie erneut unter Linhard und Brandur. Unter den neuen Wegen, sage ich es einmal so. Was nicht heißt, dass ich nicht meinen eigenen Weg verfolgen würde. Allein schon für meine Tochter. Eine Prüfung? Vanja Du hast keine Ahnung, was Du da Prüfung nennst und ich beglückwünsche Dich dazu. Wie drücke ich es neutral aus? 18 Jahre körperliche und seelische Misshandlung, von Missbrauch, Vergewaltigung, von Folter, über Versuchskaninchen in Opas Labor, es war alles dabei. Es gab nichts außer meinem Hund und meinem Bruder was mich an diese Familie band. Meine Mutter vielleicht noch, aber sie war nur ein atmender Fleischklumpen, der ebenso misshandelt wurde. Ihr begegnete ich im Nexus, dort war sie sie selbst, dort war sie frei. Wie ich die erste Zeit. Dort kannst Du Dich verstecken, solange sie Deinen Körper schänden. Aber irgendwann musst Du dahin leider zurück. Und Du prallst auf eine Mauer voller Schmerzen und anderen Dingen. Ich erzähle Dir das nicht um Mitleid zu heischen, ich erzähle Dir das auch um zu beweisen, das ich hart, taff oder besonders wäre. Ich bin nichts davon, ich will es auch gar nicht sein. Das ich all das überlebt habe ist nichts weiter als ein purer Zufall und ebenfalls auch Schmerz geboren. Ich hatte ein Reitunfall, mein Pferd stürzte auf mich und Ansgar ließ einen Heiler holen - Pavo. Dort schließt sich der Kreis. Mein Vater tat, was er immer tat, wenn ich verletzt war oder Schmerzen litt, er schaute zu. Das war alles. Sollte sich dieser Zweig wieder erheben, dann werde ich mich ihm wohl oder übel stellen müssen. Und dass sich die Familie von uns ebenso verzweigt hat dürftest Du wissen. Brandur hätte es gerne geheim gehalten, aber wusstest Du das Archibald von Dornburg, die schlimmste Kreatur die je auf Asamura wandelte, das persönliche Perverse - ein halber Hohenfelde ist? Sogar ein ganzer wenn man es genau nimmt. Er ist der Sohn von Alastair, ergo ein Hohenfelde. Der älteste noch lebende Hohenfelde war er eine zeitlang, damit wäre er berechtigt gewesen den Familienthron zu besteigen. Er diente schon immer der Trinität, hielt sie für real. Er wusste es, fällt mir dazu ein. Er diente seinen Ahnen ohne es zu wissen. Vielleicht hat er die Verbindung gespürt, von Menschenfresser zu Menschenfresser. Das sagte man Dunwolf schließlich nach, dem Gründer der Sippe, dem König der Dolche, seine Macht beruht auf Blut, Fleisch, Gebeine und Seelen. Was damit wohl gemeint ist? Eine Metapher? Möglich. Oder einfach das was es heißt, er soff Blut, fraß Menschen, nutzte ihr Fleisch und ihre Gebeine und verzehrte Seelen. Das tut er doch heute noch", antwortete Dave und nahm sich noch ein Stück Käse.

Vanja von Wigberg
»Das bedeutet, falls Archibald Söhne hinterlassen hat, dass diese Anspruch auf den Familienthron haben?«, fragte Vanja. Ihm war nicht mehr nach Essen zumute. Er sammelte seine Worte. »Dass unsere Familie das Dunkel im Herzen trägt, ist bekannt. Das ist es, was uns Macht über die Gewöhnlichen verleiht, die Zögerlichen, die Schwachen. Aber eure Art der Erziehung ... nun ... ich hielt die meines Zweiges für grausam. Das muss ich nun korrigieren zu ›nicht schön‹. Es tut mir sehr leid, Davard. Die Menschenfresser, was hatten sie mit dir zu tun?«

Davard von Hohenfelde
"Sie haben mich angefressen. Er biss mich in die Schulter, um mich als sein Spielzeug - seinen Sklaven zu zeichnen. Er fraß ein Stück meiner Seele auf. Es biss ein Stück heraus, etwas das für immer fehlt. Etwas das er gestohlen hat, dass ihm nicht zusteht. Nach seiner Theorie steht es ihm zu, ich war zu schwach es zu behalten, also verdiene ich es nicht. Seinen Biss trage ich nicht mehr, ich goss mir Säure über die Schulter und verätzte sie bis aufs Fleisch. Ich trage nicht das Mal der Bestie. Nicht freiwillig. Nun glaubst Du, man kann solche Personen die in so einer Gedankenwelt leben, manipuliern, hintergehen oder betrügen ohne die Quittung wie ein Stilett in den Hals gerammt zu bekommen? Was hat Felipe erwartet? Ein Fingerklopfen? Wenn man die Familie herausfordert, werden sie zur Not Welten niederreißen. Du hast sie doch eingeladen, das hätte Felipe wissen müssen. Es gibt nur eine Möglichkeit - währet den Anfängen. Archibald hat zig Kinder, wieviele weiß keiner genau. Er offenbart sie nicht. Oder nur Eingeweihten, er hat aber einige, dass weiß ich. Ich weiß ganz offiziell von einer Tochter - Derya. Reden wir von Dir, was war Eure "nicht schöne" Erziehung Vanja? Lass hören, wir haben die Karten schon so weit auf den Tisch gepackt, dass es für uns beide kein zurück mehr gäbe, wäre einer ein Verräter oder Maulwurf für die Sippe", grinste Dave.

Vanja von Wigberg
»Unsere nicht so schöne Erziehung besteht aus einem umfassenden Drill in allen nur denkbaren Wissensgebieten. Wir lernen, bis uns das Wissen zu den Ohren wieder herauskommt, um uns in allen Kreisen so gewandt bewegen zu können wie ein Fisch im Wasser. Sie nennen es Allgemeinbildung, aber stell dir vor, du müsstest dein Leben lang eine Meisterprüfung nach der anderen ablegen und das nicht etwa in einer Disziplin, sondern nacheinander in allen, die dir vorgeworfen werden. Mit 14 Jahren zur Volljährigkeit sind manche Wigbergs bereits gebildeter als Erwachsene nach Jahren des Studiums. Ganz entscheidend ist natürlich auch der Schauspielunterricht. Die meisten meiner Familie wirken symathisch, leutselig, man möchte sie zum Freund haben. Keine Magie, sondern Psychologie. So kommen sie den Menschen nahe, knüpfen Bündnisse, horchen, werden Vertraute. Und dann, wenn es notwendig ist, zack, ganz bequem, eine kleine Giftnadel zur freundschaftlichen Umarmung in den Rücken. Du hast meine Frage nicht ganz beantwortet - ist es nun Archibalds Linie, welche den Anspruch auf euren Familienthron hat?«

Davard von Hohenfelde
"Doch das habe ich Dir schon beantwortet Vanja, Du hörst nicht richtig zu", grinste Dave und knuffte ihn. "Brandur lebt, er ist damit Familienoberhaupt. Er teilt sich die Macht mit Linhard. Von daher, nein Archibald hat auf nichts einen Anspruch, nur auf seinen eigenen Zweig. Die Götter oder wer auch immer, möge anderes verhüten. Sonst tue ich es. Was Du beschreibst, klingt einerseits extrem hart. Vor allem wenn man Dinge lernen muss, die einem so gar nicht liegen. Aber das mit der Schauspielerei stimmt, ich habe es schon erlebt. Wir tragen einfach ausdruckslose Masken, Euch hält man sogar dann noch für freundlich, lieb, knuffig und den netten Onkel von nebenan, wenn man allein vom Titel der Macht her weiß, die Person kann nicht nett sein. Er muss töten zum überleben. Nehmen wir Osmund und meine Schülerin Marcella. Osmund ist ein Lich, aber sie ging mit ihm um, als wäre es ihr Opa. Ständig hing sie an seinem Robenzipfel und wollte eine Geschichte hören. Warum auch immer, nun weiß ich es ja. Jedenfalls wollte sie auf eigene Faust meinen Bruder suchen, frag nicht warum. Wen bat sie um Hilfe? Richtig - Osmund. Und Ossi sagte ihr noch, kommt es hart auf hart, lässt er sie fallen. Es kam so, er tat was er ankündigte und sie fiel aus allen Wolken. Wieso beim Abgrund? Er ist ein Lich. Er mordet für seinen Bastelbedarf. Er mordet um weiterhin zu existieren. Er sagte ihr ins Gesicht, er wird sie fallen lassen. Und sie ist überrascht? Was soll man dazu sagen. Aber warum er so wirkt, ist nun klar. Welches ist Dein besonders Wissensgebiet Vanja? Und nun spuck es aus, bist Du ein echter Priester oder ein Pseudo-Priester?", lachte Dave leise.

Vanja von Wigberg
Vanja musste lachen und sein Lachen war absolut echt. »Ich würde sagen, Osmund hat ihr bereitwillig eine Geschichte nach der anderen erzählt, während er es sich hat schmecken lassen. Ein freundlicher Licht kommt viel leichter an energetische Nahrung als einer, der sein wahres Wesen freimütig zur Schau trägt. Zumindest ist das meine bescheidene wigbergsche Sicht.« Er nestelte an dem herunterhängenden blauen Rüschenzipfeln seiner Chaperon. Dann schüttelte er den Kopf. »Nein, ich bin kein echter Priester. Allerdings bereitet diese Rolle mir sehr viel Freude, es macht Spaß und ich muss mich manchmal zügeln, meine Erquickung nicht zu deutlich nach außen zu kehren, damit meine Reden nicht so ironisch klingen, wie ich sie selbst empfinde. Mein Wissensgebiet ist die Theolgie, Pater Syrell sitzt im Gremium der Priesterschaft von Zeit und Raum.«

Davard von Hohenfelde
"So kann man es auch sehen, es nützt einem als Lich wenig, wenn die Beute wegrennt. Aber draußen im Stadtcafe sitzen, heißt essen. Gleich was man bestellt hat. Die anderen Gäste sind wichtig, das gleiche Spiel funktioniert genauso gut in einer Taverne. Ein Glas Wein und die restlichen Gäste. Gremium von Raum und Zeit? Aha, was hat es damit auf sich? Du kannst den Hut auch abnehmen, versuchs mal", lachte Dave.

Vanja von Wigberg
»Oh, aber meine Haare sind nicht sehr schön anzuschauen im Moment.« Vanja hob die Chaperon im Ganzen vom Kopf und kurzes, aschblondes und vor allem fettiges Haar kam zum Vorschein. An den Schläfen und am Hinterkopf wurde es bereits ein wenig dünn. »Ich hatte die letzten Tage keine Gelegenheit, mich zu baden. Würde ich auch noch die Schuhe ausziehen, würden wir vermutlich beide in Ohnmacht fallen. Die Priesterschaft von Zeit und Raum ist das, was man unter den gewöhnlichen Ainuwarpriestern kennt, die düsteren Kerle in den schwarzen Kapuzenmänteln. Und das Gremium ist die Führungsriege, die Verwaltung über alle Tempel. Wir bestimmen, wer wo eingesetzt wird, nehmen die Prüfungen ab, halten unsere Hand über die Ausbildung und die Finanzen, organisieren die Großveranstaltungen und so weiter. Da sehr viele Souvagner Mitglied in einer Tempelgemeinde sind, ist das ein wichtiger Knotenpunkt. Eine Frage. Wenn du dereinst eine Entscheidung treffen müsstest - Loyalität gegenüber der Krone oder der Familie - wie würde sie ausfallen?«

Davard von Hohenfelde
"Du kannst Dich hier gerne Baden und komplett frisch machen. Die Antwort ist leicht, ich würde die Krone wählen. Ich erkläre Dir auch warum. Alles was ich bis jetzt Schlechtes erfahren habe, entstammt meiner Familie. Was ich Gutes erfahren habe, erfuhr ich zuerst im Leben durch Pavo. Großer Sprung - Umzug nach Souvagne. Die Krone gab mir dort eine gewaltige Chance. Zu keiner Zeit hat man mich irgendwie schlecht behandelt. Meinem Bruder Ansgar wurde dort vor mir geholfen, von den Cantillions und auch von der Krone. Sonst hätte er nicht eingebürgert werden können. Selbst das Linhard die Familie nach Souvagne umsiedeln ließ, verdanken wir der Krone. Linhard hat es beantragt, aber die Krone hätte es verweigern können. Ich erhielt eine eigene Scholle, es ist mein Stück Land. Und später wird es das von Irmina sein. Vielleicht habe ich eines Tages auch einen Sohn? Ich weiß es nicht Vanja. Ich weiß nur eines, mein Zweig der Familie wurde dort gegründet. Mein Ableger fand dort Halt und Fuß. Die alte Familie der Hohenfelde habe ich gerne hinter mir gelassen. Die Krone gab mir eine Chance, ein neues Zuhause, ein Stück Land und Hoffnung für die kommende Generationen meiner Nachfahren. Ich würde die Krone wählen Vanja. Linhard wählte die Krone auf andere Art, er heiratete Gregoire. Allerdings heiratete diesre auch den Duca di Ledvicco. Sie scheinen sich zu verstehen. Ich wünsche ihm für seinen Weg alles erdenklich Gute Vanja. Vielleicht kann es sogar unser gemeinsamer Weg werden. Aber vorerst belasse ich es bei dem guten alten Sicherheitsabstand. Sollte er meine Hilfe benötigen, bekommt er sie. Solange sie sich nicht gegen die Krone richtet. Er selbst ist manchmal noch ein Backfisch. Wobei sein bester Freund Prince Ciel ist, von daher siehst Du die Wertigkeit. Wie wäre Deine Wahl ausgefallen? Priester oder Familie? Ja in Souvagne gibt es extrem viele Orden, einige haben hoheitliche Aufgaben, also Staatsaufgaben, andere sind reine Glaubensorden", stimmte Dave zu.

Vanja von Wigberg
»Familie«, antwortete Vanja. »Oder das, was davon geblieben ist. Für mich zählen zur Familie nicht nur jene, die Wigberg im Namen tragen, sondern alle Blutsverwandten. Deine Entscheidung kann ich nachvollziehen nach allem, was du erleben musstest. Aber sie bereitet mir auch Sorgen. Womöglich wird der Tag kommen, da wir einander nicht mehr als Freude gegenüberstehen können.«

Davard von Hohenfelde
"Vanja das kann Dir mit jedem Hohenfelde passieren, schneller als Dir lieb ist. Drum heißt meine Scholle auch nicht Hohenfelde, sondern Irminabourg. Aber wenn es so kommt, dann können wir es nicht ändern. Spielt das jetzt eine Rolle, was möglicherweise eines Tages geschehen könnte? Was geschehen ist, ist wichtiger. Wir beide haben uns kennengelernt und auf Anhieb verstanden. Das ist mir wichtiger, als eine mögliche Feindschaft, die es vielleicht niemals geben wird. Und wenn unsere Freundschaft nur diesen einen Tag hält, ist das ein sehr schöner und wertvoller Tag. Man muss nehmen was man bekommt, sieh es von der Seite", sagte Dave freundlich.

Vanja von Wigberg
»Was in Ehveros geschehen wird, weiß ich nicht«, sprach Vanja sorgenvoll. »Womöglich krempelt der Duca dort alles um und fegt alles, was ihm nicht geheuer ist, raus, und setzt Ledvigiani an die Spitze. Dann muss ich helfen, die Verwandten hier und da untertauchen zu lassen. Einmal mehr nur kann ich dich beschwören, denn Dolch nicht vor der Zunge sprechen zu lassen. Maximilien hat nicht irgendwen für diesen Auftrag entsandt, das kannst du dir denken. Seine Rolle ist entscheidender, als es auf den ersten Blick aussieht. Sollte er nicht das tun, was seine Majestät von ihm verlangt - lass ihn entkommen. Ich sorge dafür, dass er verschwindet und nie wieder auftaucht.«

Davard von Hohenfelde
Dave lehnte sich im Stuhl zurück und musterte Vanja schlagartig extrem ernst und aufmerksam. "Mein Auftrag lautet ihn bei Versagen zu töten Vanja. Sein Versagen würde als Verrat gewertet werden. Da ist einiges im Hintergrund vorgefallen. Ich werde mit ihm reden, dass kann ich Dir versprechen. Alles andere nicht, dass weißt Du", erklärte er ruhig.

Vanja von Wigberg
»Was müsste geschehen, damit du es könntest?« Vanja blickte ebenso ruhig zurück.

Davard von Hohenfelde
"Andersherum, wird er seinem Auftag nachkommen, bin ich nichts weiter als ein Zuschauer. Dann geht von mir keine Gefahr für ihn aus. Vanja, wenn man dem ersten Attentäter einen zweiten hinterher schickt als Absicherung, glaubst Du dann nicht auch, dass mir ebenso einer zur Absicherung folgt? Oder uns beiden? Was geschehen müsste, sein Versagen müsste Zufall sein und nicht gewollt. Dann würde ich ihn laufen lassen. Wenn er Felipe verschont, ist er ein Verräter. Wenn er einfach nur versagt, hatte er Pech", antwortete Dave ehrlich.

Vanja von Wigberg
Die Aussage beruhigte ihn. Er wusste nicht, was Vendelin vorhatte, aber er würde ihm diese Information zustecken - dass er, sollte sein Plan Felipes Überleben implizieren, so tun solle, es würde ein Missgeschick die Ausübung verhindern. Vanja nickte. »Ich bin sicher, dass er eine interessante Information für dich hat. Drum erinnere dich daran, dass du mit ihm sprechen wolltest. Denn auch in Souvagne lauern gefahren, mit denen jene, die sich nicht gut auskennen, weder rechnen noch mit ihnen fertig werden ohne die richtigen Freunde. Nein, auch das ist keine Drohung, weder ich noch meine Familie ist diese Gefahr.« Er erhob sich. »Danke für das köstliche Mahl und die Gastfreundschaft, Davard. Das Bad würde ich gern in Anspruch nehmen.«

Davard von Hohenfelde
Dave nickte zustimmend. "Wer immer er ist, er sollte sich fragen, ob Felipe es verdient hat Gnade zu erfahren. Falls er darüber nachdenkt. Felipe kannte seinerseits keine Gnade, weder für die Almanen noch für wen sonst. Er kannte keine Loyalität und er wird auch diesem Mann keinerlei Dankbarkeit oder ähnliches gegenüber verspüren. Im Gegenteil, sollte dieser Mann wirklich Felipe verschonen, wird er vielleicht sogar durch dessen Hand fallen. Felipe ist dafür bekannt ein Verräter zu sein, ein Intregant Vanja. Ist dem so, dann verspreche ich Dir, werde ich diesem Mann beistehen. Felipe werde ich in dem Fall allerdings töten müssen. Ich empfinde dabei keinerlei Bedauern. Na dann folge mir unauffällig", bat Dave und führte Vanja hinab in den großen Baderaum. Es standen dort einige Zuber bereit und ein gewaltiges Schwimmbecken, dass mit Flusswasser gespeist wurde. "Wenn ich etwas vermisst habe, dann das", sagte Dave gut gelaunt und deutete auf das Schwimmbecken.

Vanja von Wigberg
»Hoffentlich ohne Krokodile«, sagte Vanja schmunzelnd und legte seine verschwitzte und stinkende Kleidung ab. Für einen Priester, von dem man keine körperlich anspruchsvolle Tätigkeit erwartete, war er gut in Form. Er schaute in das Wasser, dann sprang er hinein, tauchte einen Moment unter und kam dann mit einem wohligen Seufzen wieder zum Vorschein. Sogleich begann er, sein Gesicht und sein Haar zu waschen. »Hättest du die Güte, mir Seife zu reichen? Gnade wäre nicht das Motiv, mitnichten. Eher Nützlichkeitsdenken.«

Davard von Hohenfelde
"Nützlich für mich und meine Familie? Oder entfernt sogar nützlich für die Krone?", hakte Dave nach und machte sich auf die Suche nach etwas Seife für Vanja. Er reichte sie ihm, zog sich dann selbst aus, kletterte ins Becken und ließ sich treiben. "Eiskalt, klärt die Gedanken, wie man so schön sagt", grinste er. Vanja sah einen Moment die Verätzung an Daves Schulter, als dieser sich auszog und ins Wasser gleiten ließ.

Vanja von Wigberg
Die Verätzung war sehr schwer, es musste Wochen, vielleicht Monate gedauert haben, bis diese Wunde geheilt war. »Felipe war doch eine gute Marionette«, erklärte Vanja und rubbelte die Seife in seiner Hand, bis sie ausreichend Schaum gebildet hatte. Dann legte er sie auf den Rand und wusch sein Haar, bis er eine weiße Schaumhaube trug. »Danach stünde Antoine zur Verfügung, leichtes Spiel, doch das weiß der Duca di Ledvico. Wir vermuten, dass er ihn zum Abdanken zwingen wird, zugunsten von Ledwick.«

Davard von Hohenfelde
Dave stellte sich ins Wasser und tauchte einmal komplett unter. "Das wäre möglich und auch logisch. Folgich würde Almanien dann aus zwei Großherzogtümern bestehen und beide stehen sich freundschaftlich und sogar familiär nahe. Was spräche dagegen? Außer dass die Trinität den Einfluss verliert?", grinste Dave.

Vanja von Wigberg
»Genau das wäre das Problem. Tazio und Maximilien würden einen Frühjahrsputz in Ehveros veranstalten. Es ist ja nicht nur der Einfluss um seiner Selbst willen, die Finanzen werden zusammenbrechen. Eibenberg wird schäumen! Unsere Sippe würde an Macht verlieren und die Arbeit von Jahrzehnten wäre hinüber.«

Davard von Hohenfelde
"Tja Macht hat eben ihren Preis auch für einen von Eibenberg. Die Erbsenzähler sind auch davor nicht gefeit oder sollte ich ge-veyd sagen?", lachte Dave. "Ein klein wenig gehässig, aber das darf ich sein. Krümmte er einen seiner Finger um seiner Schwester zu helfen, sprich meiner Mutter? Nie. Warum sollte mich dann sein Problem scheren. Im Grunde ist er dann einfach schneller fertig mit Geldzählen. Das Geld ist ja nicht weg Vanja, es besitzt halt nur ein anderer. Veyds eigene Logik erwischt ihn selbst dann mal kalt beim Kacken. Der Duca wird in Ehveros aufräumen, so wie er mit den Zwergen aufgeräumt hat, wenn man ihn lässt. Aber darüber machen wir uns morgen früh mal ernsthafte Gedanken. Jetzt spül Dir den Dreck der Straße von den Knochen, danach machen wir es uns gemütlich und verbringen einen gemütlichen Abend. Über die ernsten Dinge reden wir morgen früh und überlegen wie wir Herr X zur Not zu einem Y machen damit er davon kommt, falls es nötig sein sollte. Samt passender Ausrede, die dann Fakt sein sollte", bot Dave an.

Vanja von Wigberg
»Du hast keine Furcht davor, es dir auch noch mit dem Rest deiner Verwandtschaft zu verderben«, stellte Vanja halb bewundernd, hab bedauernd fest. »Natürlich kann es dir gleich sein, ob Veyd vor Freude tanzt oder vor Wut, aber das sollte es nicht, denn er wird nach den Schuldigen suchen und sehen, was sich geradebiegen lässt - oder wo man korrigierend eingreifen muss.« Vanja kletterte auf den Rand, wusch sich und sprang dann noch einmal ins Wasser, um sich abzuspülen. »Aber du hast Recht, sparen wir uns die ernsten Themen für morgen auf und plaudern noch ein wenig entspannt bei einem guten Wein. Die Flasche war noch nicht leer, wenn mein Gedächtnis mich nicht trügt.«

Davard von Hohenfelde
"Nein Veyd muss jede Billanz geradeziehen, gleich wie sie aussieht. Sogar Brandur hielt er eine letzte Billanzrechnung vor, als dieser auf dem Scheiterhaufen seines Lebens lag. Ein Wunder das Veyd die Beerdigungskosten nicht noch vorgebetet hat, aber das konnte er sich wohl gerade noch verkneifen. Veyd eben, wie er leibt und lebt. Furcht? Vanja ich habe in meinem ganzen Leben genug Furcht gehabt. Die Angst hätte für zig Leben gereicht. Und selbst wenn ich mich heute noch fürchten würde, sie ist dermaßen Teil meines Lebens gewesen, dass man sie mir nicht mehr ansieht. Ich war nie furchtlos, ich habe mich immer gefürchtet. Aber deshalb kann ich nicht handlungsunfähig werden. Ich darf es nicht. Aber ich wurde es mehrfach. Veyds Zorn würde vom Duca gedeckelt und von Duc. Also an den beiden wird er sich wohl die Zähne ausbeißen und was neue kosten, möchte er sicher nicht in Erfahrung bringen. Falls er die sich überhaupt leisten würde. Aber ich gebe Dir trotzdem Recht, was ich entscheide, würde auch auf meine Leute zurückfallen. Es beträfe nicht nur mich. Archibald hatte mit mir eine Rechnung offen, er tötete Rinelda und Tsounai und das ohne mit der Wimper zu zucken. Von daher, ich weiß Deine Warnung zu schätzen und werde sie beherzigen. Der Wein war noch nicht leer, zur Not öffnen wir eine neue Flasche", bot Dave an. Er verließ das Wasser, trocknete sich ab und schnappte sich seine Kleidung. Gemeinsam mit Vanja betrat er das alte Wohnzimmer des Geisterhauses. Er stocherte den Kamin an und zusammen machten sie es sich vor den Flammen mit einem guten Wein gemütlich.

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Re: Der Dolch und der Pilgerstab

#4

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Do 12. Sep 2019, 00:00

Frühstücksdüfte


Als Vanja aufwachte, war die Morgendämmerung noch fern. Sein Alltag als Priester hatte sich tief in sein Unterbewusstsein eingebrannt und er stand auf zur selben Zeit, in der er auch im Tempel stets aufgestanden war. Nur die Morgenandacht ließ er weg. Er setzte sich auf. Er hatte auf einer dicken, zusammengelegten Decke auf dem Fußboden im Keller genächtigt, wo er zuvor mit Davard bei einer Flasche Wein eine vorzügliche Konversation geführt hatte. Er war gleich dort unten geblieben, um dem schon angeheizten Kamin nahe sein zu können. Sein Gastgeber hingegen war nach oben gegangen, um in einem der zahlreichen Zimmer Quartier zu beziehen. Das Feuer war nurmehr rote Glut, aber der heiße Stein gab noch ausreichend Wäme ab. Seine verdreckten Kleider hatte Vanja über Nacht in heißer Seifenlauge eingeweicht, er würde sich nach dem Frühstück darum kümmern. Bis dahin hatte sein Gastgeber ihm freundlicherweise saubere Kleidung zur Verfügung gestellt, die Vanja erstaunlich gut passte. Es war anzunehmen, dass Davard noch schlief, aber Vanjas knurrender Magen erinnerte ihn daran, dass er vergessen hatte, nach der Speisekammer zu fragen. Da er nicht wie ein Dieb das Haus durchwühlen wollte - würde das ein Gast tun, würde jeder Wigberg einen astronomischen Puls bekommen und bei den Hohenfeldes war das vermutlich ähnlich - schnappte Vanja seine Geldkatze und suchte in der Stadt einen Händler, der schon munter war. Das war gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Als er mit einem vollen Einkaufsnetz zurückkehrte, war es noch immer stockfinster. Möglichst leise machte er sich in der Küche zu schaffen. Er feuerte den Herd an, schnippelte einen Berg roter Zwiebeln, briet sie glasig und rührte derweil einen flüssigen Eierteig an. Anschließend kippte er das Ganze hinein. Nach und nach entstand ein Stapel köstlicher Omelettes. Beim Brutzeln dachte er darüber nach, was für ein angenehmer Zufall es doch gewesen war, dass Osmund nicht zu Hause gewesen war. Wenn man sich nicht auf Davards Todesliste wiederfand, war er ein Zeitgenosse, dessen Gegenwart Vanja als ausgesprochen angenehm empfand. Nach der Flucht und den Wirren, bis er hierher gelangt war, glich die Begegnung einem erholsamen Kurzurlaub. Der Duft des gebratenen Frühstücks und frisch aufgesetzten Kaffees wehte durchs Geisterhaus und kroch unter Davars Türspalt hindurch geradewegs in seine Nase.

Davard von Hohenfelde
Dave hatte in seinem alten Schlafzimmer geschlafen. Genau genommen war es das Schlafzimmer von Pavo und ihm. Eine gefühlte Ewigkeit hatte er hier verbracht. Nachdem Pavo ihm das Leben gerettet hatte, war er geblieben. Oder besser gesagt, Pavo hatte ihn nicht mehr gehen lassen und Dave war ganz seiner Meinung. Wie sagte der alte Goblin einst? Ich habe Dir nicht Dein Leben gerettet, damit sie Dich ganz umbringen. Und so war er geblieben. Abends hatten sie beide auf der Seite gelegen, den anderen im Blick und sich ihre Sorgen und Nöte erzählt. Oder einfach darüber gesprochen, was ihnen in den Sinn kam. Es war eine schöne Zeit gewesen, Pavo hatte es stets gut mit ihm gemeint, auch wenn er das öfter falsch verstanden hatte. Was Pavo ihm über Varmikan versucht hatte zu sagen, hatte er ignoriert. Aber wie immer hatte der alte Goblin Recht behalten. Oder er hatte es von Anfang an, so ehrlich musste er zu sich selbst sein. Hier begann es vor zwei Jahren, hier würde es enden. Damit schloss sich der Kreis. Dave war zwar wach, hatte sich aber aus Gemütlichkeit nicht aus dem Bett bewegt. Er genoss das alte stille Haus, die Erinnerungen und schlagartig auch den Kaffeeduft. Vanja. Sein Spontangast, den er am Abend zuvor kennengelernt hatte. Er hatte Osmund gesucht und ihn gefunden. Und so kam es, dass er selbst die Wahrheit gefunden hatte, in einem Gespräch zwischen zwei Verwandten. Sie waren weit genug verwandtschaftlich voneinander entfernt um sich nahe zu sein. Dave stand auf, wartete einen Moment, bis seine Knochen der selben Meinung waren, bevor er in die Küche ging. Dort angekommen blieb er im Türrahmen stehen und musterte Vanja der fleißig werkelte. "Sieht verdammt lecker aus", sagte Dave und ließ offen, was genau er damit meinte.

Vanja von Wigberg
»Nicht wahr?«, gab Vanja gut gelaunt zurück. Durch die Bewegung an der frischen Luft und das Kochen war er bereits vollends munter und neigte generell nicht zum Morgenmuffeltum. »Darf ich dich zu einem fast schon original souvagnischen Eierkuchen einladen? Ich habe mir die naridische Variation mit Mehl und Milch erlaubt. Wenn wir schon schlemmen, dann richtig.« Er verteilte Teller und Besteck, legte einen Topfuntersetzer auf den Tisch und stellte den heißen Teller mit dem Berg Omelettes darauf. Auch die Kaffeekanne, Sahne, Zucker und zwei Tassen und Löffelchen fanden Platz. Vanja ließ sich nieder, bediente erst Davard und legte dann auch sich selbst einen goldbraunen Eierkuchen auf den Teller. »Wie war deine Nacht? Wir hatten gestern ein erbauliches Gespräch, das leider durch unsere Müdigkeit ein jähes Ende erfahren musste. Daran anknüpfend wollte ich dich gern fragen, was du hier im Geisterhaus gesucht hast, als wir uns trafen? Es hat doch sicher einen Grund, dass du fernab der Fantome Forteresse und fernab deines Auftrags in Ehveros deine alte Heimat aufgesucht hast. War es Heimweh?«

Davard von Hohenfelde
Dave wartete ab, bis Vanja alles serviert hatte, ehe er sich an seinem Platz niederließ und ihm dankbar zunickte. "Du hast Dir wirklich extrem viel Mühe gegeben, Dankeschön. Mir hat unser Gespräch auch sehr gut gefallen und vor allem habe ich einige Dinge für mich selbst klären können. Das ist einer der Gründe warum ich hier bin. Heimweh nach dem alten Haus hatte ich auch ein bisschen. Hier habe ich eine halbe Ewigkeit gelebt, oder um es mal theatralisch zu sagen, hier wurde ich wiedergeboren, Dank Pavo. Und bevor ich zu meinem Auftrag aufbreche, wollte ich mir über meinen Mann Klarheit verschaffen. Ich habe Dir ja davon erzählt. Die Klarheit habe ich gefunden. Dazu habe ich in unserem alten Doppelschlafzimmer geschlafen. Früher haben wir dort zusammen geschlafen, Pavo und ich. Wir lagen so, dass wir uns anschauen konnten und jeder erzählte was ihm auf dem Herzen lag. Oder woran gerade dachte. Es war klein, fein und gemütlich. Eine schöne Zeit, an die ich mich gerne zurückerinnere. Und die ich beinahe selbst zerstört habe. Aber man kann an Altes anknüpfen und das werde ich. Ich werde ihm sagen, dass ich mich geirrt habe und dass ich ihn vermisse. Womit habe ich so ein Frühstück verdient?", fragte Dave und trank genüsslich einen großen Schluck Kaffee.

Vanja von Wigberg
»Bei uns in der Familie ist es üblich, einem Gastgeber möglichst wenig Arbeit zu machen, besonders, wenn es kein geschäftlicher Kontakt ist, sondern Besuch bei Verwandten oder Freunden. Einen unkomplizierten Gast empfängt man doch viel lieber erneut, als jemanden, nach dessen Besuch die Küche ein Schlachtfeld ist und die Vorräte leergefressen sind. Unsere Großfeiern laufen so ab, dass die Gäste vor Beginn der Feier kommen, jeder bringt etwas zu Essen mit und je nach Menge der zur Verfügung stehenden Leibeigenen helfen wir dem Gastgeber bei der Vorbereitung. Ich habe zum Beispiel keinen einzigen Leibeigenen, genau so wenig der Rest unseres Zweiges. Das Mindeste ist, sofern der Gastgeber doch alles schon vorbereitet hat, vor dem Gehen schnell beim Reinemachen zu helfen. Aber ich finde nicht, dass du nur die Mindestbehandlung verdient hast.« Der Anblick von Davard, der noch etwas verglubscht an seinem Kaffee nippte, hatte etwas heimeliges. In der Regel speiste Vanja mit den Mönchen, aber das war etwas anderes, als ein privates Zusammentreffen. Das Frühstück war im Tempel karg und für seinen Geschmack sehr hektisch. »Klarheit, damit sind die Tage des Weißen gezählt, aber ich werde nicht nach der Antwort auf meine Vermutung ersuchen. Ich weiß, wie man sich bei den Hohenfeldes scheiden lässt und dass du mit ihm nicht glücklich bist, hast du gestern erzählt. Allerdings wirst du nach der Scheidung wieder allein sein, bereite dich auf diese Zeit vor, damit du nicht in ein Loch stützt.« Er sägte sich ein Stück Omelette ab und verzehrte es. »Pavo ist ein Mann mit viel Lebenserfahrung, der dich gut kennt. Würde auch die Möglichkeit bestehen, dass ihn das Zeitliche segnet? Gibt es eine Grenze, oder kann es jeden treffen? Für mich ist das interessant, da es so gänzlich von der Lebensphilosophie der Wigbergs abweicht.«

Davard von Hohenfelde
Dave zupfte sich einen Bissen vom Omlette ab und aß es in aller Ruhe. "Varmikan und ich haben am 15.09.202 geheiratet, am Sonntag ist unser Hochzeitstag. Wo es begann, soll es enden. Und auch am gleichen Tag. Natürlich bin ich dann wieder alleine, jedenfalls was eine Partnerschaft angeht. Auf der anderen Seite habe ich durch Varmikan gelernt, dass meine Suche nach einer Frau die falsche Suche war. Auch wenn er nicht der richtige Mann für mich war, einer wird es sein. Eine Frau an meiner Seite ist jedenfalls ein jahrelanger Trugschluss gewesen. Er wird bekommen, was er verdient, das was er heraufbeschworen hat. Er wusste zu Anfang an nicht, was mir wiederfahren ist. Aber das macht seine Handlungen nicht besser und es entschuldigt auch nichts. Du möchtest wissen, ob es etwas gäbe, was mich veranlasst Pavo beim Umziehen zu helfen? Gute Frage", sagte Dave und aß einige weitere Bissen von seinem Omlette. "Einen einzigen Grund gäbe es, Verrat. Sollte er mich verraten und mir damit nach dem Leben trachten, dann würde ich ihn dafür büßen lassen. Aber Vanja, dass wird nie geschehen. Er hätte zig Möglichkeiten gehabt, mir etwas anzutun. Die erste wäre gewesen, mir nach dem Unfall gar nicht zu helfen. Er war für mich immer da. Er war stets gut zu mir, auch wenn wir uns mal gestritten haben. Er war der Vater den ich nicht hatte und er ist mein Freund. Ich habe ihn schon öfter vor den Kopf gestoßen, als er mich. Er weiß wie ich denke oder fühle. Manchmal weiß er es besser als ich selbst. Ich vertraue ihm und so etwas sage ich nicht leichtfertig. Also nein, es gäbe nichts, was er tun könnte was mich derart verletzt. Nichts bis auf den einen Grund. Eure Einstellung gegenüber Gastgebern gefällt mir. Nun wo kein Liebdiener ist, kann auch nichts ausgeplaudert werden. Die meisten würden auch nichts ausplaudern, aber geraten sie an Personen, denen die zu erwartenden Infos sehr wichtig sind, wird man sie zum sprechen bringen. So gar keine Leibeigenen ist auch seltsam. Wobei wir auch keine haben, jedenfalls nicht im Haus als Bedienstete Vanja. Sondern eben auf unserer Scholle. Ich vermute bei Euch ist jede Familienfeier genau das - eine Feier. Bei uns ist es ein Tanz auf dem Vulkan. Nun da Du gekocht hast, bin ich mit dem Reinemachen dran. Sobald wir gegessen haben, dass sollte jetzt nicht ungemütlich klingen. Wie steht es mit Dir? Einsam oder vergeben? Und wohin zieht es Dich, wenn ich aufbreche?", fragte Dave und nahm den Kaffeebecher in beide Hände, während er Vanja genau musterte.

Vanja von Wigberg
»Einsam«, antwortete Vanja, während er mit Gabel und Messer sein Omelette in mundgerechte Stücke teilte. »Nicht ganz freiwillig, in unserer Familie kappt man lose Enden und eliminiert jede Sicherheitslücke. So lange eine Partnerin oder ein Partner nicht den Nachnamen Wigberg trägt, gehört sie oder er nicht zur Familie. Meine Mutter starb, weil sie meinen Vater nicht heiraten konnte, sie war somit nicht durch die Bande der Familie geschützt. Das bedeutet für mich Folgendes: Bestünde ein Partnerschaftswunsch, so könnte ich erstens in den meisten Fällen nie mein wahres Gesicht zeigen. Es wäre Pater Syrell, der sich auf jemanden einlässt, nicht Vanja. Und bestünde mehr als nur Interesse, nämlich ein Familienwunsch, so müsste sofort eine Heirat erfolgen, noch vor dem näheren Kennenlernen, rein aus Sicherheitsgründen. Der Nachname Wigberg ist für jene, die eingeheiratet werden, Schutz und Fessel zugleich, denn es gibt keinen Ausweg mehr. Das ist eine Einbahnstraße. Auf die Weise zog mein Neffe den Kopf seines Freundes aus der Schlinge, als er ahnte, dass dieser ins Visier geriet. Sie heirateten heimlich, um dessen Leben zu retten. Nur hat mein Neffe im Zuge dessen den Namen seines Mannes angenommen und somit der Familie Wigberg den Mittelfinger gezeigt. Aber es wurde akzeptiert, zumindest sind beide noch am Leben. Ich denke, die mögliche Gefahr, in der die Person der Begierde schwebt, sobald sie uns nahekommt, ist einer der Gründe, warum die Wigbergs immer wieder Hohenfeldes und Eibenbergs ehelichen - zum einen natürlich wegen dem Bündnis, zum anderen bringt man Mitglieder der Sippe nicht in Lebensgefahr, wenn man Interesse bekundet. Einem Hohenfelde oder Eibenberg wird kein Wigberg je etwas antun. Aber gern bin ich nicht allein, Davard, das kann ich dir flüstern. Nach unserem Zusammentreffen werde ich vielleicht in Obenza nach einer Bleibe suchen, dort gibt es Menschen, die meinen Vater kannten. So hätte ich zumindest erst einmal ein Dach über dem Kopf. Vermutlich werde ich eine neue Persona konstruieren müssen. Es ist alles nicht ganz einfach im Moment und die Aussicht, so fern der Familie leben zu müssen, ist auch nicht angenehm.«

Davard von Hohenfelde
"Der Name Wigberg ist somit eine Lebensversicherung, der Name Hohenfelde ist eine Todesversicherung. Da ist doch Wigberg die bessere Wahl, wenn man nach den alten Gepflogenheiten geht. Wobei wir in Souvagne danach nicht mehr gehen, jedenfalls streben wir es an. Du musst nicht zwangsläufig allein in Obenza leben, Du könntest mich begleiten. Falls Du daran Interesse hast und Dich meine Arbeit nicht stört. Wie gesagt, ich werde mit der Person reden. Ob und wann sie zuschlägt, entscheidet über Ihr Schicksal Vanja. Für Dich ist es bestimmt purer Stress, ständig eine andere Person zu sein. Früher habe ich mir genau das gewünscht. Nun wer zur Sippe gehört, bedroht einen anderen nicht, jedenfalls kam es nicht häufig vor. Ein Eibenberg und ein Hohenfelde verstehen sich, ebenso ein Wigberg und ein Hohenfelde. Das sieht man ja an uns beiden, wir kommen blendend miteinander aus. Aber unsere Familie untereinander leider nicht. Das ist kein Geheimnis. Also hättest Du nur eine Freundin oder einen Freund, hätte er den gleichen Status wie bei uns jeder Schwächling? Das ist interessant zu wissen, ich bin davon ausgegangen, dass jeder den Schutz genießt, nur nicht in Familieninterna eingeweiht wird. Wozu auch? Wer weiß wie lange so eine Beziehung hält? Aber dass man sie zur Not beseitigt, klingt logisch. Nun jedenfalls für unsere Ohren. Du kannst gut kochen Vanja. Und jemals an wem Interesse gehabt innerhalb der Sippe? Oder innerhalb Deines Ordens?", grinste Dave.

Vanja von Wigberg
»Interesse gab es hier und da, natürlich, ich lebe nicht so keusch, wie man es von einem Priester erwartet. Aber doch keuscher aus benannten Gründen. Ich habe sehr sorgfältig darauf geachtet, dass im Bett keine Emotionen im Spiel sind und wenn das nicht mehr gewährleistet werden konnte, von welcher Seite auch immer, gab es kein weiteres Treffen mehr. Es war nur Beischlaf, nie eine Beziehung.« Vanja aß ein paar Gabeln voll Omelette, er war noch immer sehr hungrig nach der Reise, doch durch einen kurzen Fingerzeig signalisierte er, dass er weitersprechen wollte. Er kaute herunter und spülte mit Kaffee nach, um keine Eierreste mehr im Mund zu haben. »Das war die körperliche Seite. Jetzt zur Emotionalen. Meine Familie unterliegt einem Fluch. Vielleicht ist es dir schon aufgefallen und du hast dich gefragt, warum so intelligente und vorsichtige Menschen in dermaßen große Fettnäpfchen treten können. Viele von uns fühlen sich unwiderstehlich von der Gefahr angezogen, selbst wenn wir die Gefahr noch nicht als solche identifiziert haben. Ich könnte dir unser Stammbuch zeigen, du wärst schockiert, wie viele von uns starben, weil sie den oder die Falsche liebten. Wenn ich daran denke, dass Harubold einen Bund mit Dunwolf einging, bei dem er nicht nur Teil von ihm wurde, sondern am Ende von ihm verschlungen wurde, schäme ich mich vor so viel Unverstand in Grund und Boden und doch ahne ich, dass diese Schwäche auch durch meine Adern fließt. Drum prüfe, wer sich ewig bindet - das sollte für Wigbergs doppelt und dreifach gelten. Die Schwäche ist ein weiterer Grund, warum ich ausgesprochen zurückhaltend damit bin, mein Herz zu verschenken. Ich kenne diese Schwäche. Als junger Mann war ich verliebt in Bianca de Dupont. Dass ich in meiner Rolle keine Anträge machen konnte, rettete mir womöglich das Leben, denn was kurz darauf mit den Dupont geschah, hätte ansonsten vielleicht auch mich den Kopf gekostet. Das war allerdings noch harmlos verglichen, mit meiner neuen Liebe. Vail Banaudon.« Vanja grinste etwas gequält. »Vielleicht sagt dir dieser Name etwas? Dein Angebot, dich zu begleiten, würde ich sehr gern annehmen, doch vorher muss geprüft werden, ob nach mir gefahndet wird.«

Davard von Hohenfelde
"Vail Banaudon sagt mir nichts, es sei denn, das ist sein Tarnname. Und falls nicht, trägt er jetzt einen? Du kannst mich jederzeit begleiten, wie gesagt. Wer sollte nach Dir fahnden? Wenn ich Dich beschütze und mitnehme, muss ich schon wissen nach wem ich Ausschau halten muss. In den Falschen verliebt, ja das kenne ich auch. Wobei ich nicht mal weiß, ob ich mich verliebt habe Vanja. Oder ob ich einfach nur einem sehr alten und düsteren Weg gefolgt bin. Niemand hat so tief mit beiden Händen voll in die Scheiße gegriffen wie Haru", lachte Dave.

Vanja von Wigberg
»Er war der Heiler des Kinderheims in Mancini. Jenes Heims, das geschlossen und dessen Mitarbeiter hingerichtet wurden. Der Grund meiner Flucht! Er führte verbotene Experimente an den Heimkindern durch, die für manch einen den Bestand der Grausamkeit erfüllen. Dauerhaft offen liegende Körper, um die Vitalfunktionen zu beobachten. Zu mir aber war er anständig, mir gefiel seine Intelligenz, sein Enthusiasmus und ja, da bin ich ehrlich - auch seine Kaltblütigkeit. Von daher kannst du dir beantworten, ob deine Arbeit mich stören würde. Vail trägt heute keinen anderen Namen, sondern überhaupt keinen mehr. Er ist tot. Fließt nicht auch Wigbergblut in deinen Adern, Davard? Ja, das tut es. Und vielleicht neigst auch du dazu, nach einem geeigneten Henker Ausschau zu halten, dem du dich auf Gedeih und Verderb ausliefern kannst, um in seinen grausamen Händen ewiges Glück zu finden.«

Davard von Hohenfelde
Dave hörte Vanja aufmerksam zu und dachte über dessen Worte nach. "Doch am Rande hatte ich von dem Heiler gehört, aber sein Name war mir nicht bekannt. Ich meine Prince Ciel hat ihn getötet? Ich glaube zumindest das es der Prince war. Meine beiden Großmütter sind Wigbergs Vanja. Von meinem Vater Dunwin die Mutter ist eine geborene Wigberg - Mechthild war mit Alastair verheiratat. Und von meiner Mutter die Mutter war ebenfalls eine geborene Wigberg, Barbelin. Also ja ich habe einiges Wigbergblut in meinen Adern. Und man sagt, das Blut überspringt immer eine Generation. Das was Du über den Henker sagst, stimmt Vanja. Aber mein Henker wird hängen. Natürlich ist es grausam, wenn gerade ein Heiler solche Experimente vornimmt. Aber tatsächlich grausam ist Leid ohne Nutzen. Quälst Du eine Person rein zur Freude, ist das Folter. Aber das was er dort tat war Wissenschaft. Auch wenn er in meinen Augen dazu hätte keine Kinder verwenden sollen, sondern Straftäter... Kinderschänder, aber wer bin ich, dass zu beurteilen? Denn nach allgemein gültigen Maßstäben bin ich auch ein Verbrecher, ein Mörder nicht wahr? Und wie steht es mir Dir? Deine Klinge schon in Blut getaucht? In Deinen Adern fließt auch Hohenfeldeblut Vanja. Die Antwort ist mir Fingerzeig genug, Du wirst Dich bei mir weiterhin wohlfühlen und ich mich bei Dir. Wir sind uns ähnlich und doch verschieden. Was ein Vorteil ist. Es bereichert die Sichtweise", sagte Dave schmunzelnd und goss sich großzügig Kaffee nach.

Vanja von Wigberg
»Diese Kinder waren Handelsware, jedes Einzelne von ihnen«, sprach Vanja ruhig. »Wir haben den Ring und den Zirkel mit ihnen beliefert. Sie waren überzählig und niemand hätte sie vermisst. Was nicht heißt, dass es mir nicht an die Nieren ging, sie auszuwählen und reisefertig zu machen. Ich war keiner von ... ihnen. Nein, ich habe nie die Klinge in Blut getaucht oder mit diesen Händen einem Menschen Übles angetan. Aber ein Teil von mir genießt das Wissen, wenn andere das tun. Ja, Kriminelle wären die besseren Probanten gewesen, eindeutig.«

Davard von Hohenfelde
"Du hast keine Ahnung davon, wer die Beißer wirklich sind Vanja und was sie mit einem anstellen. Sie erziehen Dich zu absolutem Gehorsam um ihnen zu dienen. Sie werden Dich misshandeln, missbrauchen und Du hast dabei das zu sagen, was sie hören wollen. Sie werden Dich durch den Abgrund jagen. Sie werden Dich zig Leuten ausliefern, so als hätten Sie Dich in ein Haifischbecken geschmissen. Jeder von den Haien holt sich einen Bissen. Und sie werden Dich mitnehmen, zu Besuchen. Wo Du andere kennenlernst, mit denen sie befreundet sind. Und diese anderen, diese Freunde, werden mit Dir ihren Spaß haben. Gleich wie er aussieht. Und wenn Du nicht mehr als Kind durchgehst, dann versuchen sie Dich zu verkaufen. Du bist perfekt erzogene und eingerittene Ware. Sie suchen jemanden der es jung mag, aber nicht zu jung. Für sie bist Du zu alt, für den normalen Perversling bist Du blutjung. Und Du hast in Deinem jungen Leben schon Jahre oder sogar ein Jahrzehnt lang Erfahrung zu dienen und im Grunde nur noch ein Ding zu sein. Vielleicht suchen sie Dir sogar eine Frau. Aber um die Frau geht es nicht, es geht um Deinen Schwiegervater... der schon drei Schwiegersöhne verschlissen hat. Und jeder von diesen Monstern hat seine eigenen Vorlieben. Du musst sie Dir merken. Bei einem Besuch, etwas Falsches mitgemacht, damit Du nur dieses eine Ekelpaket bedienen musst? Nun dass könnte sich böse rächen, wenn Dich Dein Beißer abholt und er findet, dass Du genau das nicht tun solltest. Wird er seinen "Freund" bestrafen? Möglicherweise, aber die Bestrafung ist, er verlangt Geld. Wird er Dich bestrafen? Aber sicher. Er wird Dich durchziehen um zu schauen, ob Du es nicht übertrieben hast. Vielleicht zu sehr gespielt um noch angenehm straff zu sein? Wie soll man Dich so verkaufen? Also darfst Du wieder die Runde ziehen, damit Du so wirst, wie er Dich haben will. Gleich was sie mit Dir tun, Du zählst nichts für sie. Glaube mir, die Beißer sind nichts, was man verharmlosen sollte. Die reinen Kanibalen unter ihnen, sind noch harmlos. Irgendwann erzähle ich Dir mal etwas, damit Du es wirklich verstehst. Das richtet sich nicht gegen Dich, verstehe mich nicht falsch Vanja. Ich mag Dich, sehr sogar. Aber in dem Fall bist Du etwas, was ein Wigberg ganz selten ist - ein Unwissender", sagte Dave freundlich.

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Re: Der Dolch und der Pilgerstab

#5

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Fr 13. Sep 2019, 00:01

Einblick in zwei Seelen


Vanja lauschte Davards Worten. Das war keine gemütliche Plauderei mehr, das ging sehr tief. Davard ließ ihn, bewusst oder unbewusst, tief in seine Seele blicken. »Du hast Recht«, sagte Vanja schließlich. »Ich bin unwissend. Absichtlich, denn ich habe ausgeblendet, was mit jenen geschieht, die uns verlassen, um nie mehr wieder zu kommen. Das war nichts, auf das ich Einfluss hatte. Ich war Teil der Maschinerie, wie jeder Wigberg. Ein Zahnrad im ewigen Uhrwerk. Der Zusammenhalt der Wigbergs hat auch Nachteile. Er ist Familie, Fürsorge und Fessel zu gleich. Du weißt im Gegensatz zu mir, wovon du sprichst, wenn du den Zirkel erwähnst, das entnehme ich deinen Worten.« Mit einem Mal bekam Vanja Angst. Er saß mit einem Hohenfelde in einem Raum. Wenngleich er selbst nicht wehrlos war, war er kein Killer. Er war im Orden nur Fußvolk, da er die Gabe nicht besaß. Seine Ausbildung war nicht mit jener der Antimagier zu vergleichen. Wenn Davard ihn tot sehen wollte, dann war sein Urteil gefällt. Genau so fürchtete er jedoch, nun einfach des Hauses verwiesen zu werden. Ende der jungen Freundschaft, passé. »Du musst mich nun hassen.«

Davard von Hohenfelde
"Hassen? Wieso sollte ich Dich hassen? Bis jetzt hast Du mir noch keinen Grund dazu geliefert. Ja ich weiß wovon ich spreche und ich wünschte mir, dem wäre nicht so. Die Beißer sind ein Teil von mir, ob ich das möchte oder nicht. Archibald hat es mir aufgezwungen, mit der Erlaubnis meiner Familie. Meines Vaters, meines Großvaters, es gab niemanden der ihm Einhalt gebot. Im Gegenteil, er durfte sich alles erlauben. Du kennst die Beißer nur von der Zuschauertribüne aus. Aus der Entfernung ist machens interessant, oder wirkt gar nicht so schlimm. Man kann hundert Dinge hineininterpretieren, oder behaupten er hat es doch gewollt. Hat er es nicht gesagt? Aber all das ist nur ein Teil des Spiels. Und solange man nicht der Spielball ist, wird man nicht das Grauen begreifen. Sicher könnte man mir ebenso vorhalten, wenn ich die Machenschaften meiner Familie missbillige, wieso bin ich dann selbst ein Mörder? Die Frage wäre berechtigt, die Antwort ist, es ist alles was ich kann. Und auch das ist ein Teil von mir. Im Grunde ist sogar die Nekromantie immer ein Teil von uns allen. Sie haben mich vor langer Zeit ermordet, obwohl ich noch lebe. Sozusagen ein Seelenghul. Dessen bin ich mir bewusst und ich versuche meinen eigenen Weg aus dem Sumpf zu finden. Allerdings ist das mit Fallstricken verbunden. Ich verließ den Sumpf der Beißer und der Hohenfelde mit Pavos Hilfe, nur um in den Sumpf von Varmikan zu stolpern. Du warst unwissend und ich unfähig - handlungsunfähig Vanja. Was immer Dir gerade durch den Kopf geht, Du musst mich nicht fürchten. Ein Diener wider Willen, das waren wir beide wohl auf unterschiedliche Arten. Dich hat es nicht interessiert wo jemand abblieb und manches Gräul hat Dich interessiert. Das bringt diese Umgebung mit sich. Entweder wird man wie sie, oder man entsagt dem Gräul ganz. So heißt es. Das ist aber nicht wahr. Ein Teil von dem was sie Dir antun, bleibt wie ein Samenkorn in Deiner Seele. Und manchmal wünscht Du Dir, genau das Gleiche zu tun, allein weil Du es könntest. Du wärst nicht mehr auf der Verliererseite. Allerdings gibt es in dem Spiel auch keine Gewinner. Nur Opfer und Bestien. Beides keine gute Option nicht wahr? Ich habe Dir das nicht erzählt, um Mitleid zu heischen, Dir Angst einzujagen oder Dich aus der Reserve zu locken. Es war einfach eine Information. Ein Blick von der anderen Seite. Wie alt waren die Kinder, als es bei ihnen anfing? Ich war vier", antwortete Dave und schenkte sich Kaffee nach.

Vanja von Wigberg
»Es ist doch ein schönes Gefühl, wenn die Bestien einen nicht als Beute sehen, sondern einen an ihrer Seite akzeptieren. Wer wünscht sich keine starken Freunde? Ich bin kein Sadist, Davard. Vor dem Leid der Opfer muss ich den Blick abwenden. Es ist die Macht der Bestien, die mich anzieht. Im Schatten der Macht lebt es sich gut, sicher, wie unter dem schützenden Mantel der Dunkelheit. Wäre es nicht ein wundervolles Gefühl, wenn die Bestien einen nicht nur in ihrer Gegenwart akzeptieren, sondern einen lieben würden? Doch wie das ausgeht, habe ich an meinem Neffen gesehen. Der Junge ist nicht mehr er selbst, seit seine eigene Bestie ihn fand. Es gibt Opfer, bei denen man nicht wegsehen kann, besonders nicht in der eigenen Familie. Die Beißer, Davard ... du bist nun ein erwachsener Mann. In dir das Herz eines Jungen, der nichts wollte, als seine Kindheit. Doch ohne die Schwäche eines Kindes. Was fühlst du, wenn du an die Beißer denkst? Die Kinder hatten keine Untergrenze, was das Alter anbelangte. Die Jüngsten waren Säuglinge.«

Davard von Hohenfelde
"Dann war es so wie bei Archibald, seine Sammlung, hast Du sie jemals gesehen? Oder eine der Sammlungen? Nun die des Horror-Heilers, die hast Du gesehen. Natürlich kann man sagen, es dient einem höheren Zweck und man erforscht so etwas. Das ist richtig, aber hättest Du dort gerne an ihrer Stelle gelegen? Mit einem offenen Körper, der nicht nur Nacktheit zur Schau stellt, sondern sein Innerstes offenbart? So als gäbe es keine Grenze, so als könnte er Dir alles antun und das tat er auch? Hättest Du mit einem dieser Kinder tauschen wollen? Wie gesagt, ich hätte sie gegen Verbrecher ausgetauscht. Solche die ich als Verbrecher bezeichne. Im Dunstkreis der Macht lebt es sich immer gut. Gleichgültig ob die Macht weiß oder schwarz ist. Jeder versucht sein Stückchen vom Kuchen abzubekommen. Wie Hunde lecken sie den Bestien die Lefzen, aber ist der Hof dem Duc gegenüber anders? Das was er macht, kopieren die anderen um ihm zu gefallen, bei der Mode angefangen, wo hört es auf? Säße ein Nekromant auf dem Thron, was wäre dann Mode? Ketten mit frischen Leichenteilen? Du weißt was ich damit sagen möchte. Macht hat ihren ureigenen Reiz. Allerdings hat die Macht der Dunkelheit schon immer die Menschen fasziniert. Sie spüren gerne die Gefahr, sehen gerne was möglich ist, blicken gerne hinter die Grenze des kaum fassbaren. Aber all das bitte gut gewindelt gegen jede Eventualität. Denn das Grauen hört schlagartig auf interessant zu werden, wenn es sich gegen die Person selbst richtet. Sobald dies geschieht, verschwindet schlagartig das Interesse und das Begreifen setzt ein. Oder würdest Du Dich freiwillig von Dunwolf aufzehren lassen? Nein. Niemals. Würdest Du gerne mal zuschauen, wenn er dies mit einem Opfer macht? Vermutlich ja. Man sollte aber nicht in jeden Abgrund blicken Vanja. Säuglinge, was haben sie mit ihnen getan, sie nur gefressen? Nur... Du begreifst warum ich nur sage, nicht wahr? Das hast Du sehr gut beschrieben, man wünscht sich einfach ein Kind zu sein. Du bist alles, nur nicht das. Du bist im Grunde ein Feind, aber sie haben Dich dazu auserkoren. Und selbst? Warum reizt Dich die Nähe der Bestien? Starke Freunde, dass verstehe ich. Aber bedenke, nur so lange Du selbst stark bist, werden sie Dich akzeptieren. Ein Moment der Schwäche und Du fällst durch das Gitter. Schlagartig werden sie sich gegen Dich wenden Vanja und Du wirst nichts dagegen tun können. Ist einer in Eurer Familie Mitglied eines Zirkels? Oder woher das Interesse?", fragte Dave der mit den Fingern den Kaffeebecher umschloss.

Vanja von Wigberg
»In meiner Familie ist ein Opfer des Zirkels«, antwortete Vanja und falls Davard ihn nun auslas, würde er erkennen, dass er damit nicht log. »Besagter Neffe. Sein Vater hält es nicht für nötig, etwas dagegen zu unternehmen, wie sie ihn aufzehren und er selbst kann es nicht. Er ist seiner Bestie hörig. Ich möchte dich fragen, ob du an dieser Stelle helfen könntest, natürlich nicht umsonst. Mir selbst ist das nicht möglich. Ich möchte dir etwas im Voraus dafür geben, etwas von unserer Währung, eine Information. Wenn du diese Bestie erblickst ... wirst du sehen, dass es nicht nur meine Angelegenheit ist.«

Davard von Hohenfelde
"Vielleicht zahlst Du den Preis ja gerne, wer weiß? Was ich mit den Bestien tun würde oder tun möchte ist Dir sicher bekannt. Falls ich eine finde, töte ich sie. Das heißt, wenn mir das möglich ist. Der Zirkel schützt sie, aber wir haben unseren eigenen kleinen Zirkel. Von daher, sprich offen. Wem soll ich helfen und wo sitzt er fest? Die Bestie sagt mir also was? Lass hören wer sie ist. Eine gemeinsame Angelegenheit, vielleicht haben wir ja davon mehrere", schlussfolgerte Dave und schmunzelte Vanja an.

Vanja von Wigberg
Vanja spielte mit seiner Gabel und blickte auf den Tisch. »Wenn du darauf bestehst, nenne ich dir ihre Identität. Du hast ein Anrecht darauf. Aber viel wirkungsvoller ist es, wenn du ihr ins Gesicht blickst. Dann siehst du die ganze Wahrheit und die besteht nicht nur aus einem Namen. Der Name meines Neffen ist Moritz von Wigberg, aber er lässt sich lieber mit Pascal ansprechen. Sein Peiniger trägt den Decknamen Schwarzer Skorpion. Das wird dir vielleicht nichts sagen, anders wird das aussehen, wenn er vor dir steht. Dann wirst du verstehen, warum ich wollte, dass du ihn dir ansiehst. Momentan reisen sie auf der Tordalk, sie befinden sich auf dem Dhunik zwischen den Sandbänken von Ledwick und dem südlichen Zipfel von Südrakshanistan. So lange sie dort sind, wissen wir, wo sie sich aufhalten und wie viele Männer sich in ihrem Gefolge befinden. Der Skorpion ist nicht allein, aber auch das wirst du sehen. Du könntest ganz offiziell die Tordalk anfliegen, es sind ja Landsmänner, die sie steuern, wobei ich gerade nicht sicher bin, ob sie unter souvagnischer Flagge fährt oder unter der von Ledwick.«

Davard von Hohenfelde
"Das könnten wir bei der Hafenmeisterei erfahren unter welcher Flagge das Schiff fährt. Gut ich sehe mir den Peiniger von Moritz an. Allerdings nach meinem Hochzeitstag und nach meinem Auftrag. Solange sich das Schiff in internationalen Gewässern befindet, könnte man doch handeln wie man möchte. Was sollte einem geschehen? Oder was sagt das Recht dazu? Ist das Schiff Ledwick oder Souvagne? Dann müsste ich wissen, welche Nationalität unser Opfer hat. Wobei wo keine Leiche, da auch kein Urteil. Alte Weisheit. Offiziell könnten wir sie anfliegen, oder uns im nächsten Hafen wo sie liegen an Bord schleichen. Das wäre sicherer", schlug Dave vor.

Vanja von Wigberg
»Der Beißer, von dem ich Moritz gern befreit wissen möchte, ist ein Souvagner. Er gehört Prince Ciel und genießt das Wohlwollen des Duc, das ist ein großes Problem. Das Schiff gilt als ein Stück des Landes, unter dessen Flagge es fährt, vermute ich. Andererseits ist ein Prince an Bord«, grübelte Vanja. »Das müsste man zuvor in Erfahrung bringen. Wie könnte ich dir die Hilfe in dieser Angelegenheit vergüten?«

Davard von Hohenfelde
"Du schuldest mir einen Gefallen, gleich worum ich Dich jemals bitten werde, Du wirst es tun. Möglicherweise fordere ich den Gefallen nie ein, falls doch, ist das der Preis. Es sei denn Du kannst mir etwas anderes anbieten. Aber da werden wir beiden uns schon einig. Ein Beißer der in der Gunst von Prince Ciel steht und sogar des Duc. Er hat es weit gebracht und sich einen Nimbus der Unantastbarkeit geschaffen. Das Schiff ist vielleicht eine gute Möglichkeit, aber der Raum ist begrenzt. Passend wäre es, den Beißer bei Landgang abzufangen. Irgendwo, am besten in einem fernen Land, wo man ihn nicht kennt. Der Prince wird jedenfalls Rabatz machen, falls sein Kanibale stirbt. Aber auch Prince Ciel sollte wissen, wie gefährlich Beißer sind. Er hat sie doch sogar selbst gejagt. Ansgar mein Bruder sollte für den Endkampf gegen Dunwolf den Fokus bilden, bis heute ist der Angriff nicht erfolgt. An was für eine Vergütung hättest Du denn gedacht?", fragte Dave neugierig.

Vanja von Wigberg
»Gleich, worum du mich bitten wirst? Das kann ich dir so nicht versprechen, Davard. Damit machst du mich vielleicht eines Tages zum Verräter meiner Familie. Diese Ausnahme müsstest du mir zugestehen, mich niemals als Waffe gegen meine Lieben zu richten. Ich möchte ihnen ja helfen mit meiner Bitte an dich! Würde Ansgar dich unterstützen? Ich vermute, er hätte ein ganz ähnliches Interesse daran, wie du, den Skorpion aus seiner Höhle zu zerren und ihm den Stachel zu stutzen. Was Dunwolf betrifft, so ist meine letzte Information, dass der Duc ein Gespräch führen wollte mit allen Verantwortlichen. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Außer, dass Dunwolf seelenruhig in einem Keller wohnt und schlemmt - das selbe also, wie immer. Es sei denn, er ist inzwischen umgezogen oder befindet sich mit auf diesem Schiff.«

Davard von Hohenfelde
"Oder ist die Kellerwohnungen leid und versucht es nun im Dachgeschoss. Spaß beiseite, die Ausnahmeklausel kann ich Dir gewähren. Mein Gefallen wird sich nicht gegen Deine Familie richten Vanja. Ansgar könnte uns helfen, aber ob er das möchte? Nach allem was auf meiner Hochzeit passiert ist und im Nachgang dazu, ist es nicht mehr das gleiche Verhältnis. Einerseits hat er sich lange von der Familie und auch mir zurückgezogen. In seinen Augen hatte ich ihn verraten, da ich seinen Sohn warnte. Auf Bitte seiner Mutter hin, Fingard bat mich Linhard eine Warnung zukommen zu lassen. Gleich was war, ich wollte nicht dass Linhard stirbt. Allerdings haben sich Brandur und Ansgar versöhnt im Angesicht des Todes. Und der Marquis de la Grange hat ihn geheilt. Es könnte gut sein, dass er uns beisteht. Mir hat er ein Leben lang beigestanden. Ich vermisse meinen Bruder und ich würde gerne wieder ein gutes Verhältnis zu ihm haben. Hier in Souvagne könnte es ganz anders laufen, es könnte so laufen wie er sich das stets gewünscht hat. Dir geht es um Moritz, wie kam er in die Fänge dieses Beißers? Erzähl ein bisschen von ihm. Und erzähl mir etwas von Dir. Wie hat es Dich überhaupt zu diesem Horror-Heiler verschlagen? Wie angeboten, kannst Du mich gerne auf meinem Job begleiten", sagte Dave freundlich.

Vanja von Wigberg
»Ich wuchs als Novize der Bruderschaft von Zeit und Raum im Tempel Saint Aumary auf. Als der Tempel samt dem dazugehörigen Kinderheim bei einem Brand vernichtet wurde, kam ich nach Mancini, beziehungsweise wurde dorthin versetzt. Es verlief also, von dem Brand abgesehen, ganz unspektakulär. Dort lernte ich Vail kennen und, nun ja, lieben. Bis zu seinem letzten Tag blieb er darüber im Unklaren und hätte ich gewusst, dass er sterben muss, hätte er es trotzdem nicht erfahren. Moritz geriet im Zuge eines Auftrags an seinen Beißer. Dort war ein Knotenpunkt eines sozialen Netzwerks, das er im Auge behalten sollte. Agentensöhne und so weiter, du kennst die traurige Geschichte der Agenten der Autarkie. Moritz schuf sich zu diesem Zweck eine Tarnidentität, wir nennen sie Persona. Patrice war fortan der Name, den er trug. Und Patrice entwickelte eine Schwäche für diesen Beißer, warum, das kann ich gut nachvollziehen. Er hat die gleichen Neigungen wie ich, nur bremst er sich nicht aus, sondern marschierte sehenden Auges ins einen Untergang und direkt in die Arme des schwarzen Skorpions. Moritz wusste, worauf er sich einließ und tat es trotzdem. Er ließ sich kaputtspielen, schlug jede Hilfe aus und vielleicht wünschte er sich, dass der Skorpion ihn eines Tages töten und zu einem Teil seines Körpers machen würde. Moritz ein sensibler, einfühlsamer junger Mann. Ich mag ihn sehr gern, jeder mag ihn, doch niemand kann ihn retten.« Hoffnungsvoll blickte Vanja auf. »Ich würde dich gern begleiten. Aber ich denke, es ist nicht gut, wenn ich mich auf dem Schiff blicken lasse oder im Sichtbereich dieser Leute. Ich könnte mich im Hintergrund halten. Würde Ansgar dir beistehen, wäre das eine Möglichkeit für euch, wieder zusammen zu finden. Das ist natürlich kein Muss. Nur ein Vorschlag. Du kannst dir den Skorpion auch zunächst allein anschauen und wenn du es für erforderlich hältst, holst du Ansgar nach.«

Davard von Hohenfelde
"Du hast Vail geliebt? Als Vater, Mentor, Freund oder Partner? Am besten ist es, wenn man sich gar nicht sehen lässt Vanja", grinste Dave und füllte sich erneut den Kaffeebecher nach. "Die Geschichte der Agenten ist mir bekannt. Ich vermute Moritz kommt einfach nicht mehr von dem Beißer los. Er erhält durch ihn etwas, dass er braucht. Oder von dem er glaubt, dass er es braucht. Er ist dem Mann hörig, oder er ist regelrecht süchtig nach ihm. Das klingt verrückt, aber die Beißer sind manipulativ Vanja. Die meisten können sogar recht charmant sein, höflich, geradezu liebenswürdig. Aber das ist alles nur Tarnung. Moritz heißt also heute Patrice. Beziehungsweise die Person, die er darstellt. Über Deine Begleitung würde ich mich sehr freuen. Wieso bist Du im Kinderheim aufgewachsen? Ein Brand hat den Tempel vernichtet? Nun sollte das so sein, wenn es Ainuwar gibt? Oder hat da wer nachgeholfen? Wie war das Leben im Tempel? So wie Pavo erzählt, alles nach Zeit getaktet? Immerhin war es der Tempel von Raum und Zeit", sagte Dave und rutschte etwas näher.

Vanja von Wigberg
»Ich wuchs im Kinderheim auf, weil meine Eltern tot sind, ich bin Waise, Dave«, erklärte Vanja ruhig. »Mein Vater und meine Mutter fielen zusammen mit den Agenten der Autarkie, weil sie ihnen zu nahe waren. Übrig blieb ich. Aber die Ordensbrüder waren gut zu mir. Besser als zu den anderen Kindern, da ich Novize war und nicht nur Mitesser. Das Leben verlief wirklich auf die Minute genau, Freizeit blieb keine, nur Arbeit, was für ein Kind nicht angenehm ist, darum schwänzte ich oft. Aus irgendeinem Grund konnte ich es mir leisten. Sie waren nachsichtiger als bei anderen, vielleicht weil ich ein Wigberg bin.« Er lächelte. »Was den Brand angeht, war das vermutlich Brandstiftung. Wir hatten damals in der Gegend massive Probleme mit einem Brandstifter. Als charmant würde ich diesen Beißer nicht bezeichnen, der Skorpion ist unbeholfen, brutal und plump, bisweilen aber so dämlich, dass man es als drollig bezeichnen könnte. Ich kenne ihn sehr gut, denn er war eines der Heimkinder, bis unsere Wege sich trennten.« Als Davard näher rutschte, wandte Vanja sich ihm etwas zu. »Vail hätte ich mir als Partner gewünscht, aber ich war klug genug, die Finger von ihm zu lassen. Was mir blieb, waren einige verbotene Spielchen mit den Mönchen. Aber wen schert Ainuwar, wenn die Familie einen eigenen Gott ihr eigen nennt? Und wie sieht es mit dir aus, Davard? Bist du ein treuer Diener Ainuwars oder der Trinität?«

Davard von Hohenfelde
"Ainuwar ist nur eine Ausrede, oder ein Aushängeschild. Da würde ich mich ehr Rakshor zugeneigt sehen. Ich weiß, was Rakshor wirklich beabsichtigt, eine öde Welt zu schaffen. Das ist nicht mein Ziel, aber unser Weg führt uns ein Stück gemeinsam durch die Zeit. Und er ist mir sympatisch. Nein ich bete die Trinität nicht an, allerdings hätte ich wissen müssen, was geschieht und wen ich dort an meiner Seite habe. Denn unter Dun-Haru-Mar wurden wir getraut. Deine Eltern waren somit Agenten oder standen ihnen so nahe, dass sie mit ihnen gefallen sind. Vor einigen Jahren hättest Du dies noch verschweigen müssen, heute weiß man von ihrer Unschuld. Jedenfalls was den Angriff auf die Krone anbelangt. Möglich dass die Mönche mehr wussten, als Du weißt. Und sie ihre eigenen Gründe hatten, Dich zu schonen und zu schützen. Was gefiel Dir an Vail, dass Du Dein Herz an ihn verloren hast? Außer jetzt die Macht, die Experimente? Ein Feuerteufel? Mit ihnen ist nicht zu spaßen. Sind viele Leute bei dem Brand ums Leben gebkommen? Wurde der Feuerteufel je gefasst?", hakte Dave neugierig nach.

Vanja von Wigberg
»Gefasst wurde der Feuerteufel nie, aber ich weiß, wer es war. Der Mann von Moritz. Nicht der Beißer, sondern sein richtiger Ehemann.« Der auch ein Beißer war, aber das sprach Vanja besser nicht aus. »Ich sagte ja, wir haben einen merkwürdigen Geschmack. Es kamen ungezählte Menschen ums Leben, durch den Brand selbst und durch die Rakshaner, denen er dadurch den Weg ins Landesinnere öffnete. Dafür gibt es keine Beweise, aber ein Wigberg weiß so etwas. An Vail gefielen mir die intelligenten Gespräche, so etwas weiß ich immer sehr zu schätzen. Mit ihm war kein Tag wie der andere. Nach der grauen Routine in Saint Aumary eine Wohltat! Er lächelte viel und wenngleich er nicht die besten Zähne hatte, war es das erste Mal, dass ich jemanden so viel habe lächeln sehen. Du kennst ja die miese Stimmung, welche die Ainuwarpriester und -mönche sonst verbreite. Und ich war nur von solchen umgeben! Schwermut, Tristesse und Langeweile waren lange meine Begleiter. Du musst bedenken, Saint Aumary lag in Dupont! Dagegen war Mancini ein Paradies. Und Vail war jener, der mich dorthin einlud, mir die Türen öffnete und mich einließ. Du meinst also, sich unter Dun-Haru-Mar trauen zu lassen ist keine gute Idee?«

Davard von Hohenfelde
"Nein es ist keine gute Idee, zumal nur noch Dun existiert und Haru wie auch Mar von ihm aufgefressen wurden. Also warum sollte man unter ihrem Namen heiraten? Falls ich erneut heirate, sicher nicht und Dun-Haru-Mar. Schau einer an, das ist wirklich eine Dreieckskonstellation. Moritz scheint wirklich einen sehr sonderbaren Männergeschmack zu haben, so wie Du", grinste Dave und nahm sich noch etwas vom Frühstück. "Übrigens, Dankeschön für die Bewirtung. Du hast Dir wirklich alle Mühe gegeben und es schmeckt sehr gut. Nur weil ich nicht soviel auf einmal esse, dachte ich, ich sage es Dir lieber. Es hat nichts mit Deiner Kochkunst zu tun".

Vanja von Wigberg
»Es ist auch mit viel Liebe gekocht«, erklärte Vanja und zwinkerte gut gelaunt. »Ich dachte, etwas Warmes im Bauch kann nicht schaden an so einem grauen und kalten Morgen. Leider konnte ich keinen Kakao auftreiben, darauf hätte ich Appetit gehabt, aber Kaffee tut es auch. Unser Partnergeschmack ist wirklich grauenhaft, das trifft scheinbar auf jeden einzelnen Wigberg zu. So ehrlich muss man sein. Unter wem würdest du in Zukunft heiraten? Nur unter Dun, das klingt etwas merkwürdig. Unsere Familie benötigt einen neuen Gott.«

Davard von Hohenfelde
"Mit Liebe gekocht? Das geht runter wie Öl und freut mich. Kakao haben wir leider nicht hier, nur Kaffee. Kaffee ist sozusagen Flüssignahrung für mich. Aber eine heiße Schokolade werde ich Dir unterwegs spendieren. Ja ein Gott, der es etwas besser mit uns meint. Der Job ist ja so gesehen frei, ich könnte mich bewerben", antwortete Dave mit einem Zwinkern.

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Re: Der Dolch und der Pilgerstab

#6

Beitrag von Davard von Hohenfelde » So 22. Sep 2019, 03:03

Auf der Suche nach dem Skorpion


Hundert Meter unter ihnen glitzerte das türkisgrüne Wasser des Dhunischen Ozeans. Der Körper des Cockatrice bewegte sich gleichmäßig bei jedem Schwingenschlag. Auf dem Rücken des großen Tiers saßen Davard und Vanja, sicher angeschnallt, hintereinander. Um das Souvagnische Hoheitsgebiet hatten sie einen Bogen gemacht, da noch immer Unklar war, ob Vanja gesucht wurde. Vanjas Hände ruhten locker auf Davards Hüften, während er die Umgebung betrachtete. Es war ein warmer, klarer Herbsttag, der sich langsam dem Ende neigte, doch im Flug fuhr der Wind kalt durch seine Priesterrobe. Böse war er darüber nicht, es schuf die Legitimation für ein wenig mehr Nähe, als ziemlich gewesen wäre. Es dauerte nicht allzu lange, da schoben seine Hände sich nach vorn um Davards Bauch und er legte ihm die Arme um den Oberkörper. Ganz langsam ließ er den Kopf sinken, bis er auf Davards Nacken ruhte. Und so harrte er der Dinge, die nun folgen würden. Was auch immer Davard nun tun würde - diese Sekunden genoss Vanja völlig frei von Angst oder Reue.

Davard von Hohenfelde
Dave schmunzelte glücklich, als sich Vanja an ihn schmiegte. Er rutschte seinerseits etwas mehr nach hinten und machte den Rücken etwas rund, um so viel Kontaktfläche wie möglich zu bieten. Der Herbst war seine liebste Jahreszeit, Vergehen mit reichlicher Ernte - wenn das nicht die Zeit seiner Familie war? Was dann? Die Entbehrungen des ganzen Jahres wurden mit einer Farbenpracht belohnt, die fast alles wieder wett machte. Die Natur hatte es schon richtig eingerichtet. Und genau zu jener Zeit, als Mo die Blicke auf sich zog und Urako aus Frust seinen Blick abgewendet hatte, hatte er sich Varmikan vorgeknöpft. Der Alb des Winters, hatte den Herbst nicht kommen sehen. So konnte es geschehen, wenn man nicht aufmerksam war. Vanja war dies, denn er saß liebevoll angekuschelt, sicherheitshalber hinter ihm. Scheinbar wusste er, wie man sich in einer Schlangengrube verhielt. Aber Dave hatte nicht vor, an Vanja eine seiner Künste auszuprobieren, es sei denn eine der ganz privaten. Oder jene die ihm nun privat gehörten. Er genoss die Aussicht, den Wind und vor allem die Wärme die von Vanja ausging - körperlich wie seelisch. "Was genau suchen wir? Ein Schiff sagtest Du, wie heiß es nochmal? Wir werden es nicht heimlich besteigen, sondern wir werden es verfolgen. Sobald wir es gesichtet und unseren Feind ausgekundschaftet haben, brechen wir nach Ehveros auf. Wir müssen Felipe bei seiner Altersschwäche unterstützen", lachte Dave leise und kraulte Vanjas Hand.

Vanja von Wigberg
»Die Tordalk, sie ist nicht zu verwechseln. Es ist die derzeit weltgrößte Dschunke. 163 m Länge, 55 m Breite, ganze 8 Masten zieren dieses Ungetüm. Und ganz vorn, am Bug, trägt sie aufgemalt die blauen Augen ihres Besitzers. Den eisigen Blick der Boviers. Die ganze Tordalk ist eine Liebeserklärung seines Ehemanns.« Vanjas Arme schlossen sich noch ein wenig enger um Davards Brust, jetzt, wo er spürte, dass die Berührung nicht unerwünscht war. Draußen nahte der Winter, doch zwischen ihnen war es warm. Vorboten eines ganz persönlichen Frühlings auf ihre alten Tage? Wer wusste das schon. Solche Dinge waren nicht so leicht planbar, zumindest nicht für einen Wigberg. In diesem Fall hatte keinerlei Plan dahintergestanden. Der Zufall war es, der die beiden in einem günstigen Moment zusammengeführt hatte und was daraus erwachsen würde oder nicht, unterlag keiner anderen Macht als ihnen selbst. Ein gutes Gefühl. »Womöglich zeigt sich die Tordalk in Gestalt des Schemens dort in der Ferne. Die Größe und die Konturen sprechen dafür.«

Davard von Hohenfelde
Dave hörte Vanja aufmerksam zu und fragte sich, was wohl ein derart riesiges Schiff gekostet hatte. "Das klingt nicht nach einem Schiff, sondern nach einem schwimmenden Bollwerk. Ein Schiff mit blauen Augen? Das klingt unheimlich, wozu braucht ein Schiff Augen? Naja sie sind nur aufgemalt. Trotzdem eine seltsame Marotte. Normal haben die doch so Figürchen vorne hängen. Eine Liebeserklärung an seinen Mann, also der Ehemann muss etwas ganz besonderes sein. Meinem Mann habe ich als Hasserklärung eine luftgetrocknete Salami mit Anlauf in den Arsch.... Verzeihung ins Rektum gerammt. Schade dass ich vergessen hatte, wie der Ork hieß, sonst hätte die Salami eine Banderole mit seinem Namen gehabt. Wie dem auch sei, reden wir von wichtigen Dingen - von uns. Du rutscht so nah auf, ich mach einen Katzenbuckel, also wollen wir drüber reden, oder wollen wir es einfach... kommen lassen?", fragte Dave und schirmte seine Augen mit einer Hand ab. "Da liegt ein riesiger Schatten im Wasser, dass muss das Boot sein!"

Vanja von Wigberg
Vanja schmunzelte breit. »Der Ehemann ist mein Halbbruder. Er sieht mir kein bisschen ähnlich und er kennt mich nicht einmal. Er ist kein Wigberg, daher die Distanz. Das bin nur ich, mein Vater war ein Wigberg. Dieser Mann und ich, wir haben die selbe Mutter, aber unterschiedliche Väter. Zwischen uns herrscht keine brüderliche Nähe, er weiß nicht von mir. Das Schiff schenkte ihm sein Ehemann Silvano Giovanni Delancy de Mancini-Desnoyer, Kapitän im Dienst der souvagnischen Marine. Keine schlechte Partie, die sich mein Halbbruder da ausgesucht hat.« Vanja hob den Kopf von Davards Rücken und bettete nun seine andere Wange auf ihn. »Reden? Du meinst, ob wir unsere nähere zwischenmenschliche Zukunft planen sollten? Nein, das sollten wir meiner Meinung nach nicht, Dave. Die Geschichte unserer Sippe, die Verbindungen, alles beruhte auf ausgeklügelter Strategie, Heiratspolitik und einer regelrechten Zuchtplanung. Daraus möchte ich mich gern heraushalten. Ich war mein Leben lang Instrument der wigbergschen Macht. Und ich werde es sein bis zu meinem Tod. Wie sah es bei dir aus, warst du je wirklich du oder warst du ein weiterer Dolch, den man schickte, selbst wenn du geglaubt hast, in eigener Sache zu handeln? Das hier ist einer der wenigen Momente, in der ich eine Ahnung davon spüre, wie es wäre, frei von der Sippe zu sein. Eine Begegnung, die nicht herbeigeführt wurde, die keinen Zweck erfüllte, außer sich selbst. Was wir gerade spüren, das ist echt, Dave. Kein Arrangement, keine Hintergedanken, keine Macht, die an den Fäden zieht. Lass uns diesen Zauber nicht mit Worten zerstören.«
Als sie sich dem Schiff näherten, erkannten sie, dass es sich tatsächlich um die gewaltige Tordalk handelte, die sich durch die Wogen des Dhunik schob, umkreist von Möwen und einige Schatten, die Haie sein mochten, im Kielwasser.

Davard von Hohenfelde
Dave dachte lange über Vanjas Worte nach, vielleicht einen Moment länger, als es schicklich oder höflich gewesen wäre. Aber dies war keine leichte Plauderei auf einem Fest. Dies war zu bedeutend, um es als Unterhaltung oder Pausenfüller zu missbrauchen. "Das kann ich Dir nicht ehrlich beantworten Vanja, lediglich Mutmaßungen anstellen. Als ich vier Jahre alt wurde, wurde ich das Spielzeug von Archibald. Vorher gehörte ich mir ebenfalls nicht. Also ob ich davor ich war, kann ich Dir nicht sagen. Ebensowenig danach. Ich hatte einst einen Reitunfall. Mein Vater tat das, was jeder Hohenfelde tun würde... bis auf Ansgar. Er schaute zu. Ansgar rief einen Heiler. Pavo. Pavo schaffte es tatsächlich mich wieder zusammenzuflicken und er schaffte noch wesentlich mehr. Er behielt mich bei sich. Keine Ahnung wie er es schaffte, aber es gelang ihm. War ich ab dato frei oder wahrhaft ich? Anstatt für die Familie tötete ich für die Gilde. Nun ich könnte sagen, dass ist alles was ich kann. Aber das wäre gelogen. Ich könnte mich als Nutte verdingen, ich habe es im Abgrund gelernt und mit Schmerz und Blut bezahlt. Soviel bezahlt, dass ich mich selbst verlor und am Ende sogar verlieren wollte. Die Physis hatte nichts, was mir etwas bedeutete außer meinem Hund. Und später eben Pavo. Genauso hätte ich mich als Buchhalter durchschlagen können, aber ich bin der Buchhalter einer Assasinen-Arbeitsgruppe, der Vorstand eines Killer-Kollektivs. Ist Mord also ein Teil von mir, wie ich ein Teil der Familie bin? Man kann versuchen die Familie los zu werden, ihr zu entsagen. Aber in vielen Dingen holt Dich Dein eigenes Blut wieder ein. Ob sie eines Tages vor der Tür stehen, oder ob Du Verhaltensweisen an Dir entdeckst, die Du verabscheust. Ich kann es nicht sagen. Mal bin ich stolz auf meine dunklen Fähigkeiten, dann wenn ich sie benötige, mal wäre ich sie gerne los. Es hält sich die Waagschale in guten Zeiten. In schlechten verbringe ich die meiste Zeit im Nexus oder besser gesagt verbrachte sie dort. Denn nun muss ich mich um mein Kind kümmern.... Es macht ihnen Spaß andere leiden zu sehen. Solche Personen haben Spaß an der Zerstörung, nichts anderes streben sie an. Sie wollen Dich zerstören, mit allen Mitteln und ihnen sind alle Mittel dafür Recht. Manche handeln so aus Hass Puschel, sie hassen und foltern. Aber wesentlich schlimmer als Hass ist Gleichgültigkeit. Liebe ist die schönste Form der Zuwendung. Hass ist Zuwendung im negativen Sinn. Aber wenn Du einer Person so gleichgültig bist, dass sie es nicht interessiert ob Du lebst oder stirbst, oder welche Schmerzen Du leidest, das ist das Schlimmste. Ich habe ihn einmal gefragt, warum er das mit mir macht… warum er mich so hasst. Weißt Du was er sagte?Er antwortete - Ich hasse Dich nicht persönlich, ich hasse das was Du bist. Eine seltsame Aussage, denn was sollte ich anderes sein, als ich? Darüber habe ich lange nachgedacht. Sehr lange als Junge und als junger Mann. Bis er eines Tages als Geist vor mir stand und sich entschuldigte. Schlimmer hätte er mich nicht verhöhnen können. Aber er gab mir die Antwort auf die Frage, die ich mir so lange stellte - ich... ich war ein Magier. Deshalb hasste er mich. Und Varmikan machte später da weiter, wo die anderen aufgehört hatten. Er behandelte mich wie den letzten Dreck, folglich sieht jeder nur in mir Dreck. Keine Ahnung was ich für ihn war, vermutlich seine persönliche, kleine naridische Hure... allerdings habe ich diesen Job gekündigt. Meine fristlose Kündigung habe ich ihm bis zum Anschlag in den Arsch geschoben...", knurrte Dave. Dave wurde schlecht. Und er wurde wütend. Alle waren so, jeder! Der Stein um seinen Hals den ihm Varmikan geschenkt hatte, fühlte sich auf einmal an, als wog er Tonnen. Varmikan war genau wie alle anderen! Der Alb war keinen Deut besser! Alastair, Dunwin, die Narbenfresse, Mo, Puschel, der Dekan und diese seltsame Lichtalbin in der Akademie - jeder meinte ihn nach Gutdünken benutzen zu können und bei Rakshor sie taten es auch! Dieses ganze verlogene Dreckspack gehörte in den Abgrund gepustet! Was war er in deren Augen? Pavo verstand ihn und Wolfram hatte ihn verstanden. Sein eigener Wolfram saß nun hinter ihm. Er brauchte einen Schnaps und zwar ganz dringend... nein das brauchte er nicht. Dave drehte sich zu Vanja um und küsste ihn fest auf den Mund. "Danke fürs Zuhören", sagte er mit schiefem Grinsen. Er schaute sich das große Schiff an und die Haie die es umkreisten, der Anblick war fremd und vertraut zugleich. "Einer Deiner Leute ja? Sieht aus wie ein Familientreffen, der Wigberg auf dem Kahn, die Hohenfelde umkreisen das Schiff und die Geier in den Lüften sind auch schon als Eibenbergs da".

Vanja von Wigberg
Als Davard die Lippen auf Vanjas Mund presste, spürte er, dass Vanja ihm entgegenkam, dass er den Kuss erwidern wollte, der viel zu kurz währte, aber sie waren auch gerade in einer sehr ungünstigen Haltung dafür. Davard merkte jedoch, dass er nun noch fester umarmt wurde. Eine Hand streichelte seine Flanke. Es war kein gieriges Grabschen, kein Fummeln, sondern eine wohltuende, gleichmäßige Berührung, der nichts Bedrohliches oder Besitzergreifendes innewohnte. Es war eine Einladung, sich in diesen Armen zu entspannen. Und Davard spürte auch, dass er theoretisch zu jedem Moment hätte signalisieren können, dass Vanja aufhören sollte und dass dies keinen Groll nach sich ziehen würde, sondern Verstehen. Vanja wusste nun mehr als die meisten anderen, welche Last Davard in seiner Seele trug, was ihn hinter seiner ruhigen Maskerade quälte wie ein ewiger, eiternder Dorn im Fleisch.
»Danke, dass du mich an deinem Lebensweg teilhaben lässt«, sagte Vanja ruhig und freundlich »Ich habe als Pater Syrell viele Lebensbeichten entgegengenommen. Der Dreck bist nicht du, Dave. Der Dreck sind jene, die einen Menschen glauben lassen, dass er Dreck sei. Ein Kind ist immer unschuldig, wie soll es sich auf seinem Lebensweg behaupten, wenn seine Eltern ihm nicht den Weg vorgeben? Es ist leicht, sein Kind in den Staub zu stampfen und ihm Versagen vorzuwerfen. Die Versager sind die Eltern, die es nicht schafften, ihr Kind zu seiner Entfaltung zu bringen. Nein, du bist kein Dreck, Dave. Lass dir das von einem Mann gesagt sein, in dessen Beichtkammern der Dreck ein und aus ging. Denn natürlich wurde nicht nur gebeichtet im Tempel, sondern so wurden mir die Bestellungen aufgegeben und ich übermittelte unsere neuen Angebote. Die Sippe hinter sich zu lassen, ist nicht möglich. Wir könnten fliehen, unter falschem Namen leben, aber am Ende holt es uns oder unsere Nachfahren doch immer wieder ein. Blut singt zu Blut, das wissen wir alle. Am Ende kehrt jeder über den einen oder anderen Umweg zur Sippe zurück. Du bist gerade der zornig. Wenn du deinen Zorn nutzen willst, um Zerstörung zu sähen, dann lande. Wenn dir nach Entspannung zumute ist, kehre um und wir suchen uns eine Unterkunft in Ehveros. Ich bleibe bei dir, wie auch immer deine Entscheidung ausfallen wird.«

Davard von Hohenfelde
Dave musterte Vanja und schüttelte langsam den Kopf. "Danke? Vanja, bedanke Dich nicht dafür. Ich wünschte ich hätte nichts anderes als langweiliges Adelsmist zu erzählen. Dich an meiner Welt teilhaben lassen, bedeutet Dich zu einem Teil dessen zu machen. Selbstsüchtig? Vielleicht, aber hier oben hat das alles keine Bedeutung. Sobald wir beide wieder Boden unter den Füßen haben, kannst Du Dich entscheiden ob Du Dich noch erinnern möchtest, oder nicht. Ich rate zu... nicht. Manchmal muss man Dinge einfach aussprechen, um ihnen das Grauen zu nehmen. Deshalb werden sie nicht weniger, sie verlieren nichts an ihrer Substanz, aber sie verlieren an Grauen. Denn das wahre Grausige neben den Taten ist, dazu schweigen zu müssen. Du kannst es niemandem sagen, Du kannst niemanden anklagen, Du kannst es Deinen Peinigern nicht ins Gesicht brüllen. Alles was Du kannst ist schweigen und ertragen... oder sterben. Vermutlich wirst Du sogar alles davon, schweigen, ertragen und jedes mal ein bisschen mehr sterben, obwohl Du noch atmest. Siehst Du, ich erzähle es wieder in einer anderen Person. Dabei sollte ich ich sagen, das tue ich aber selten. Sollte ich es dennoch tun, dann weil ich für fünf Minuten den Mumm dazu habe. Rede ich von mir, dann kommen damit die Erinnerungen wieder hoch. Ich hatte mal vor zu einem Geistheiler zu gehen, aber wie ich hörte muss man dieser Person auch alles erzählen. Da habe ich mir überlegt, ob ich dann nicht schlimmer dran bin als jetzt. Denn so habe ich garantiert das eine oder andere vergessen aus Eigenschutz. Was Du über die Familie gesagt hast ist wahr. Es gibt kein Entkommen, gleich wieviel Abstand man zwischen sich und die Sippe bringt, es ist nie genug. Denn vor sich selbst kann keiner davonlaufen. Einem Hohenfelde begne ich jeden Tag - mir. Und der Kampf gegen sich selbst, ist oft der Härteste. Du hast keine Vorstellung davon, was ich mir manchmal für eine Scheiße ausmale, was ich gerne tun würde. Nur um mir dann selbst den ganzen Tag sagen zu müssen, dass ich dann genauso ein Schwein wäre wie Dunwin und Archibald. Auf der anderen Seite wiederrum, gibt es Situationen, wo ich bewusst wie sie handele, weil es die Person verdient hat. Siehe Varmikan, es hätte nie so enden müssen. Aber dass es so anfangen durfte, dass war meine Schuld, beruhend auf meiner Schwäche. Hätte ich ihm gleich die Stirn geboten, hätte es keinen Ork, keinen Puff, keinen Zwangsfick mit Puschel und so einiges anderes nicht gegeben. Aber ich tat was ich immer tat, ich schwieg. Der Trugschluss den viele aufsitzen, unter anderem auch ich ist, man denkt man überlebt dabei. Wer ist auf dem Schiff? Ich will wissen wer das ist und danach fliegen wir nach Ehveros. Heute kann ich niemanden ermorden Vanja, ich bin zu aufgebracht, zu wütend, um logisch, kalt und berechnend agieren zu können. Das würde nur ins Selbstmord enden, ein Himmelfahrtskommando habe ich aber nicht vor. Ich habe ganz andere Dinge vor. Das was uns verbindet, wollte ich nicht mit Worten der Planung zerstören. Ich wollte es aussprechen um ihm Realität zu verleihen, damit es in der Welt steht. Damit es ausgesprochen ist, einmal nicht schweigen Vanja. Wer kam zu Dir und beichtete? Sie beichten ihre Taten und geben eine Bestellung auf? Muss ich mir das so vorstellen? Das wäre an Widerlichkeit kaum zu überbieten. Du darfst die Unterkunft in Ehveros aussuchen, der Palast ist aber Tabu", schmunzelte Dave.

Vanja von Wigberg
»Ich habe mich bedankt, weil du mir dein Herz gezeigt hast. Und das werde ich nicht vergessen, wie könnte ich, aber ich werde schweigen. Du bist der Einzige, der das Recht hat, zu entscheiden, wer diese Dinge erfahren soll. Dass du mich eingeweiht hast, ist nicht selbstsüchtiger, als einem Schwerverletzten jede Hilfe zu verweigern, weil ich den Wunsch in mir trage, den Platz einzunehmen, den er geräumt hat. Das ist Dun-Haru-Mar in Reinstform, dabei habe ich nicht einen Finger krumm gemacht. Es lebt in uns allen. Wer in den Beichtkammern waren, um zu bestellen, das waren die Kontaktmänner des Rings. Ich kann dir keine Namen sagen, denn wenn auch der Ring in Souvagne zerschlagen wurde, lebt ein Teil dieses Netzwerks in Naridien weiter. Und ich bin noch immer Teil davon. Lande, Davard, sieh dich unverfänglich auf dem Schiff um. Die fragliche Person, die sich der Schwarze Skorpion nennt, ist der Wahlbruder von Boldiszàr Bovier, dem Eigner dieses Schiffs. Siehe selbst und du wirst verstehen. Dann fliegen wir wieder ab und du denkst über die möglichen Schritte nach oder vergisst einfach, was du gesehen hast. Aber ich denke, ein Vergessen wird dann nicht möglich sein.«

Davard von Hohenfelde
Dave fand war mit der Erläuterung von Vanja zufrieden. Sie klang freundlich, nah, sie klang nach Sorge und Mitgefühl. Sollte das Gefühl wahr sein, würde er es mit Gleichem vergelten. Sollte es geheuchelt sein, wusste er auch das zu würdigen. Aber Vanja sah nicht so aus, als würde er hier und jetzt heucheln. Das hatten sie beide nicht nötig. Hier oben auf dem Drachenhuhn fern ab aller Ohren, sagten sie sich die Wahrheit. Ebenso wie sie es im Herzen des Geisterhauses getan hatten. "Ich Danke Dir für Deine Worte", sagte Dave gerührt. Das Drachenhuhn flog eine riesige Schleife und landete dann auf der Tordalk. Die Matrosen stoben selbst wie kopflose Hühner auseinander, als das gewaltige Tier zwischen den Masten aufsetzte. Dave schaute sich mit grimmigem Blick um. "SKORPION!!!", brüllte er.

Boldiszàr
Der Mann, der sich näherte, konnte nur der von Vanja erwähnte Halbbruder sein. Er sah ihm wirklich überhaupt nicht ähnlich, war deutlich kleiner als Davard, dafür aber deutlich schwerer. Sein Haar war schwarz, an den Schläfen silbrig und seine Augen blau wie Eis - so wie die Augen des Schiffs. Er wirkte unaufgeregt, als er sich den Gästen näherte - für die Aufregung würde schon sein Mann sorgen. »Darf man fragen, wer ihr seid und was ihr hier wollt, dass ihr hier so einen Krach macht?«, murrte Boldiszàr und zündete sich demonstrativ eine Rauchstange an.

Davard von Hohenfelde
"Den Skorpion", antwortete Dave knapp und musterte seinerseits den sich nähernden Mann aus dem Schatten seiner Kapuze. Schwarze Haare und hellblaue Augen, wie der Vater aller Monster. So hieß es jedenfalls. Und falls man dem Portrait von Dunwolf Glauben schenkte. Natürlich konnte er genauso ausgesehen haben wie der Gesichtskrüppel, dessen Fratze im Souvagnischen Hof zur Belustigung der Leute ausgestellt wurde. Warum sollte der Maler bei Dunwolf nicht geschönt haben? Der Kerl vor ihm sah jedenfalls aus, wie die Kompaktversion von Dunwolf, klein, stämmig, breit, grimmig und eigentlich ganz umgänglich. Dave schloss jede Verwandschaft beim letzten Punkt sofort aus.

Boldiszàr
»Zum Skorpion kann ich dich führen. Er wird nicht an Deck treten. Aber was willst du von meinem Bruder? Und wen darf ich ihm ankündigen?«

Davard von Hohenfelde
"Er weiß wer ich bin, ist der Kerl fußlahm? Er soll seinen Arsch hierher bewegen, zügig", sagte Dave kalt.

Boldiszàr
»Ich mag deinen Tonfall nicht«, knurrte Boldiszàr. »Wenn du so weitermachst, kannst du dich auch gleich wieder verpissen. Würde er dich kennen, wüsste ich davon. VANO!«

Vano:
Vano war gerade eingedöst, als sein Mann um Hilfe schrie. Er war sofort auf den Beinen und eilte Boldi entgegen. Auf der Tordalk stand mitten auf dem Deck ein Drachenhuhn, dass eindeutig nicht zur Mannschaft gehörte. Vano zückte seinen Haken und schaute mit schräg gelegtem Kopf vom Tier zu den Reitern hoch. "Boldi mag es nicht, wenn Fremdlinge auf seinem Deck landen. Ich biete Euch die einmalige Gelegenheit jetzt zu verschwinden und diesen Besuch zu überleben. Ansonsten gibt es heute Hühnerfrikassee mit Bonus", knurrte Silvano.

Vanja von Wigberg
Vanja hob beschwichtigend die leeren Hände und trat nach vorn. »Bitte, hier liegt ein Missverständnis vor. Wir möchten nur dem Schwarzen Skorpion eine persönliche Botschaft vorbeibringen. Wenn ihr uns nicht traut, gern auch unter Bewachung. Wobei ich nicht denke, dass das nötig sein wird. Die Botschaft ist verbaler Natur und der Skorpion ist ja nicht gerade wehrlos. Es dauert eine Minute und dann sind wir schon wieder weg.«

Vano:
"Boldi kann es nicht ausstehen, wenn sein Bruder obskure Botschaften erhält. Sprecht zu Boldi, er wird sie übermitteln und dann verschwindet von seinen heiligen Planken oder werdet Fischfutter!", drohte er mit dem Haken.

Tekuro Chud
»Ich will die Botschaft hören«, piepste es aus Boldiszàrs Pullover. »Ich brauch keinen Schutz, bring mich unter Deck.«

Boldiszàr
Äußerst widerwillig nur ließ Boldiszàr sich dazu breitschlagen. »Nun gut. Geht voran, da drüben ist die Klappe, die in die unteren Etagen führt. Wir werden euch folgen.« Er warf Silvano einen Blick zu, damit er sich um die Sicherheitsvorkehrungen kümmerte, während er die pelzige Fracht transportierte.

Vano:
Schaute seinen Mann an, steckte den Haken weg und schnappte sich eine der Harpunen. Mit der Spitze zeigte er den beiden Eindringlingen den Weg. "Folgt Boldi und keine flasche Bewegung, das Wort von Boldi ist hier Gesetz. Also übertreibt es nicht. Mir passt es nicht, aber das ist nicht mein Schiff. Sonst hätte Euch schon die Bruderschaft begrüßt, Abmarsch!", befahl Vano in einem Ton, dass Vanja und Dave die Ohren klingelten.

Tekuro Chud
Tekuro war neugierig, er wollte wissen, wer das Großmaul und der Heuchler waren, die er durch die lichtdichten Schichten von Boldiszàrs Kleidung vernahm, die er extra für Tekuro angelegt hatte, obwohl er sich eigentlich gern gesonnt hätte.
»Du kannst jetzt herauskommen«, brummte Boldiszàr.
Der Ärmel bewegte sich, als die Fledermaus nach vorn kletterte. Ein schwarzes Köpfchen mit spitzen Ohren und langer Schnauze kam hervor. Die Fledermaus fiel einfach zu Boden und landete wie ein zu Boden geworfenes Kuscheltier. Träge krabbelte sie über die Planken und äugte in Richtung der Gäste. Dann begann die Verwandlung. Aus dem possierlichen Tierchen wurde ein großer, kräftig gebauter Mann, der die Gäste aus schmalen, schwarzen Augen anfunkelte. »Der Schwarze Skorpion steht vor euch.« Reglos wartete er, was die beiden Gäste wollten. Nicht zufällig standen er, Boldiszàr und Silvano im Dreieck um die beiden herum.

Davard von Hohenfelde
Dave verschränkte die Arme in den Ärmeln seiner Robe um zu demonstrieren, dass es ihn nicht störte. Und zeitgleich um nach seinem Dolch zu greifen. Würde sich nur einer der Drei zu ihnen beugen, hätte er die Kehle aufgeschlitzt, bevor er es begreifen würde. Aber das erste Blut bedeutete nicht, auch Anrecht auf das letzte zu haben. Und die Drei waren trainiert, genau wie sie beide. Möglicherweise sogar besser. Der erste Sprecher namens Boldi bewegte sich wie ein Soldat, nicht wie ein Attentäter und sein Mann war eindeutig ein Marine. Das hieß auch er konnte kämpfen, ganz gewiss sogar. Die unbekannte Konstante war der Skorpion, der in Wahrheit eine Fledermaus war. Also ein Vampir. Dave schaute ihn sich von oben bis unten an und konnte sich keinen Reim auf den Kerl machen. Er unterdrückte den Reflex sich nach Vanja umzusehen und zu fragen. Er hatte gerade schon seine mentalen, magischen Fühler nach Vanja ausgestreckt um nonverbal nachzuhaken, als er sie unverrichteter Dinge wieder zurückzog. Vanja war nicht zu spüren gewesen, das war ein unnützes Unterfangen. Dave konzentrierte sich auf den besagten Skorpion, bis ihm schlagartig dämmerte, an wen ihn das Gesicht erinnerte. `Hiwi und Narbenfresse, Hiwis... Sohn???´, schoss es ihm durch den Kopf. War diese Arashi-Natter ebenfalls an Bord? Der Drecksack war doch tot, Ansgar und er hatten ihn ermordet. Nun der Gedanke war absurd, nur weil sein Sohn hier stand, musste nicht der Alte wieder von den Toten auferstanden sein. Dennoch sagte ihm sein Gespür, dass hier etwas total im Argen lag und das lag nicht an der seltsamen Trinität die dort vor ihm stand. "Wie lautet Dein Name", fragte Dave an den Skorpion gerichtet.

Tekuro Chud
»Den kannst du wissen, wenn du mir deinen gesagt hast«, antwortete Tekuro und beobachtete den Mann unverwandt. Dass der seine Hände versteckte, gefiel ihm nicht. Er trug eine Magierrobe, so lange das kein Bluthexer war, konnte es ihm egal sein. Vermutlich war er eher ein Kampfmagier, seine Wangenpartie wirkte hager und muskulös. Wer auch immer der Mann war und was er konnte, er hätte seinen Begleiter nicht mitbringen dürfen, denn der hatte ausgesehen, als wäre er leichte Beute. Notfalls nahm man sich ihn als Geißel, um den unbekannten gefügig zu machen.

Davard von Hohenfelde
"Sacha Desseau, Himmelsauge. Du bist dran Skorpion", sagte Dave absolut ruhig, auch wenn er dem Mann am liebsten die Augen ausgedrückt hätte. Dass der Hiwi einen Sohn hatte, war ein Schlag ins Gesicht. Aber es war auch eine Chance. Eine Möglichkeit der Wiedergutmachung. Was wenn dieses "Kind" mal die Medizin von Papas Schöpfung kostete? Wenn es durch die gleiche Knochenmühle gejagt wurde, wie es Hiwi mit anderen getan hatte? Einmal Abgrund und zurück. Ein Reise, die ihm Dave gerne spendieren wollte. Ob dieser Mann schuldig oder unschuldig war, spielte keine Rolle, sie hatte auch bei ihm keine Rolle gespielt. Niemand hatte danach gefragt, er würde ebenso wenig danach fragen. Er hatte sich nicht die Gerechtigkeit auf die Fahne geschrieben, auf seiner stand Rache!

Tekuro Chud
»Tekuro Chud«, antwortete Tekuro genüsslich. Er liebte es, sich mit diesem neuen Namen vorzustellen, seinem wahren Namen. »Was willst du?«

Davard von Hohenfelde
"Ein Arashi, also... Chud? Ganz sicher ein Chud?", hakte Dave nach, während Vano misstrauisch von Teku zu dem Magier schaute. Er hatte es immer gewusst, das Magier an Bord nur Ärger und Unglück brachten. Vor allem Himmelsaugen. "Ich wollte jenen Chud treffen, den man den Skorpion nennt", sagte Dave tonlos.

Tekuro Chud
»Der steht vor dir. Wolltest du mich treffen ... oder ist es der Skorpion, nach dem du verlangst? Du schleichst um den heißen Brei rum. Was ist es? Warum du wirklich hier bist?« Er beobachtete sehr genau das veränderte Mienenspiel des Himmelsauges, das sich als Sacha vorgestellt hatte. »Du heißt genau wie mein missratener Sohn«, stellte Tekuro fest. »Zumindest, wie er sich nennt.«

Davard von Hohenfelde
"Und wenn es mich nach dem Skorpion verlangt? Was dann, würdest Du mich begleiten und... liefern?", fragte Dave mit süffisantem Lächeln, dass alles andere als freundlich aussah. Ehr wie eine fast originalgetreue Kopie von Archibalds Zähnefletschen, dass dieser hinter einem Lächeln versteckte. "Allein unterwegs Tekuro... Chud? Du hast Kinder? Erfreulich... wie alt?", fragte Dave mit echtem, mörderischen Interesse.

Tekuro Chud
»Ich mag deinen Blick nicht«, stellte Tekuro fest. »Macht nichts. Dein Gesicht ist das Letzte, was mich interessiert. Wenn du den Stachel schmecken willst, bück dich und heb die Robe«, verlangte er. Boldiszàr warf ihm einen warnenden Blick zu, den Tekuro mit einem kaum wahrnehmbaren Blinzeln erwiderte. Er sah die Gefahr, er war ja nicht blind.

Davard von Hohenfelde
"Ich kaufe nur selten den Stachel im Sack... zeigen", grinste Dave. Vano zog fragend eine Augenbraue hoch und fragte sich, in welche Posse sie hineingeraten waren. Wer waren die beiden blinden Passagiere und woher kannte Tekuro sie. Er tippte Boldi warnend an. Lange würde er sich das nicht mehr anschauen, dann musste er zustechen.

Tekuro Chud
»So läuft das nicht«, knurrte Tekuro. »Ich mag nur brave Sklaven. Bist du ein Sklave? Dann benimm dich wie einer. Bück dich und bitte mich darum, dass ich dir gebe, wonach dein dreckiges kleines Loch verlangt. Zeig mir, was du brauchst und vielleicht. Bekommst du es dann. Oder zisch ab und nimm deinen Priester mit, die haben an Bord nichts zu suchen.«

Davard von Hohenfelde
Dave grinste Tekuro an und legte ebenfalls den Kopf schief. In Zeitlupe ging er auf die Knie, ohne den Skorpion dabei auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Er benutzte weder die Hände um sich abzustützen, sondern ließ sich so nieder, was einen seltsamen Anblick bot, da er immer noch die Hände in den Ärmeln versteckt hielt. Er schaute zu Tekuro auf und lächelte ihn einladend und willig an. "Ich bin hier, weil ich von Deinem unvergleichlichen Können gehört habe... schwarzer Skorpion... Du sollst die härtesten Pforten aufbrechen können... Du sollst noch jeden zum Schreien und Winseln gebracht haben. Vielleicht war ich ein kleines bisschen zu neugierig... aber wo ich schon einmal hier bin, könntest Du mir doch Dein Können demonstrieren. Oh ja ich bin ein Sklave, ich hatte viele... Herren. Und ich diente jedem absolut gehorsam... Ich trug ihre Zeichen... heute ist der Orden mein Herr... aber er befriedigt tiefe Gelüste nur sehr selten, ich würde behaupten eigentlich gar nicht. Also was ist Skorpion? Machst Du Deinem Namen alle Ehre? Oder ist der Stachel... nicht der Rede wert? Ich war ein böses Himmelsauge... dem Orden untreu... auf der Suche nach dem besonderen Kick, nach der verbotenen Frucht... Ich brauche es, ich brauche Dich. Stopf mir das Maul und füll mich ab, lass mich nach Deinem Namen winseln und vor Angst stöhnen... wenn Du Dich traust und Dein Stachel überhaupt sticht...", grinste Dave herausfordernd.

Boldiszàr
Tekuros Blick flackerte einen Moment. Wie dieser Effekt zustandekam, konnte Boldiszàr nur vermuten. Wahrscheinlich eine Kombination aus dem Zittern seiner Augen und einem Flattern seiner Lider, was nur den Bruchteil einer Sekunde andauerte. Es war kein gutes Zeichen, es zeigte, dass Tekuro unter großem inneren Stress stand. Er selbst empfand diesen Zustand in der Regel als angenehm, aber Boldiszàr wusste, dass er nicht vernünftig war in diesen Momenten. Er gab Silvano ein Zeichen, sich genau hinter den Magier zu stellen.

Tekuro Chud
Tekuro leckte sich mit nun unverhohlener Gier über die Unterlippe. »Wer war es ... der dir davon berichtet hat? Den Stachel siehst du vor dir. Die ganze Zeit. Ich bin nackt, du dummes Gör. Wenn er noch nicht steht, ist das deine Schuld. Du willst ihn, dann tu was dafür. Ich will deine Markierung sehen ... bist du ausgebüchst? Und jetzt fehlt dir dein Herr? So sind sie alle. Heulen und betteln um Freiheit und wenn man sie ihnen schenkt - kehren sie freiwillig zurück und winseln nach der strengen Hand ihres Herrn. Zieh dich aus, Sacha. Ich will dich ganz sehen. Und wenn mir dein Anblick gefällt, darfst du mir den Stachel küssen.«

Davard von Hohenfelde
"Ausgebüchst? Aber nein ich habe meinen Herrn verloren, er starb. Die Freiheit habe ich nie angestrebt, ich war nie frei. Ein wahrer Mann weiß, dass jeder eines anderen Sklave ist. Sogar der mächtigste Marquis wie der de la Grange ist der Sklave des Duc. Nur wem der Duc gehört, dass ist eine andere Frage.... Von Deinem Stachel wurde anderes berichtet... dauerhart... glänzend willig... bis jetzt sehe ich nur ein Hängewürstchen... das die Hilfe eines Fremden benötigt.... ob Du mich verdient hast wäre da die Frage.... lass uns das doch in Ruhe aushandeln hm?", sagte Dave freundlich und nahm Tekuros Schwanz bis zum Anschlag in den Mund um ihn fest und hart zu lutschen.

Tekuro Chud
Tekuro wollte wütend werden, weil sein Stachel beleidigt worden war, doch der ungezogene Sklave erstickte die Wut mit den Lippen und der Zunge und einem Rachen, der sich herrlich heiß anfühlte für die kalte Haut eines Vampirs. »Hol ... Belly ...«, stöhnte Tekuro. Brummlig machte Boldiszàr sich auf den Weg. Tekuro sah ihm nicht nach, seine Hand grub sich in das kurze braune Haar. Der Sklave war alt und faltig, verhärmt, absolut nicht sein Geschmack. Aber er hatte schöne blaue Augen und er konnte lutschen. Und wie er das konnte! »Und du ... vermisst deinen Herrn, ja? Ich bin kein Sklave, Sacha. Über mir gibt es nur meinen Vater und den Ältesten. Und an meiner Seite, den einen oder anderen. Unter mir - den gesamten Rest. Die meisten sind zum Dienen geboren. Das macht sie glücklich und das freut ihre Herren, also sollen sie dienen.« Der Stachel in Davards Mund wurde rasant größer und vor allem sehr hart. Tekuro unterdrückte seinen Drang, in seinen Rachen hineinzustoßen. Kazrar hatte ihn anderes gelehrt. Es war am Sklaven, ihn zu bedienen, nicht umgekehrt. »Mach`s fester«, keuchte er. »Richtig fest!«

Vano:
Silvano schaute Boldi nach und wusste nicht ob er bleiben oder gehen sollte. Ging er, war Tekuro in Gefahr. Blieb er, war Boldi in Gefahr. Das gab es doch nicht, so ein Durcheinander auf dem Schiff. Wo war der verfluchte Kapitän? Wo war Alessio? Wofür wurde die Ratte von Boldi fürstlich bezahlt, wenn hier einfach Leute an Bord kommen konnten um Tekuro einen zu blasen???

Davard von Hohenfelde
Dave besorgte es Tekuro fester, so hart, dass es an der Grenze zum Unangenehmen war. Allerdings überschritt er die Grenze nicht. Während er den Schaft auf und ab fuhr, streichelte er den Stachel mit der Zunge und gab ihn immer erst einen Moment zu spät frei, damit Tekuro einen festen Zug auf seinem Riemen fühlte... so wie es sein Papa liebte... ein bisschen Gelutsche und schon sackte ihm das Hirn in die Hose... und er erzählte Dinge, nach denen Dave noch nicht einmal gefragt hatte... Der Älteste... es gab nur den einen... Dun-Haru-Mar... jetzt nur noch Dun... Dave gab den Schwanz von Tekuro frei und leckte einmal der Länge nach drüber. "Na bitte es geht doch... Du verdienst einen guten Sklaven... einen willigen Sklaven... der Dich nicht mit hängendem Rohr herumlaufen lässt... jemand der Deine Fähigkeiten zu würdigen weiß.... jemanden wie mich.... Du weißt was ein Sklave braucht... Du weißt, dass man Loyalität und Treue erzwingen muss... Liebe und Zuneigung sind eine Illusion... die wahre Macht ist Angst... Schmerz... Blut... aber wem sage ich das? Du bist ein Vampir... und vielleicht schenkst Du mir sogar eines Tages das ewige Leben... damit ich Dir für immer dienen kann... aber jetzt würde mir ein ausgiebiger Stich und ein Nackenbiss reichen....", raunte Dave Tekuros Bauch hoch. Er drehte sich in der Hocke um und musterte ihn auffordernd über die Schulter. Dabei zog er sich die Robe hoch und neigte leicht den Kopf. "Stich mich... mach mich zu Deinem Eigentum.... ich will Dich... stich mir Deinen heißen Dorn ins Fleisch... zeichne mich... zeig mir das die Legenden vom schwarzen Skorpion der Wahrheit entsprechen.... Schone mich nicht... ich brauche es hart.... fest... unnachgiebig... ich suche einen Meister.... keinen Schwächling.... ich will noch Tage danach spüren, dass Du mich gestoßen hast.... ich will bei jedem Sitzen Deinen Namen wimmern.... lass mich die anderen Schwänze vergessen, Legende der Dunklen Gassen... na komm...", gurrte Dave und beugte sich leicht nach vorne um Tekuro einzuladen, während Vano schwitzend neben Tekuro stand und sich fragte was im letzten Rum war.

Tekuro Chud
»Ich will, ich will, ich will«, äffte Tekuro den Magier nach. »Du hast nicht zu wollen, du hast zu erbitten.« Für mehr an Hohn reichte es gerade nicht, sein Hirn war kurz davor, sich endgültig zu verabschieden, bis der Stich vollzogen war. »Du hast ... keine Unterhose«, keuchte Tekuro extrem erregt. Er hockte sich hinter Sacha. »Ich habe einen Sklaven. Den ich nicht mehr wie einen behandeln darf. Ein neuer ... wäre nicht schlecht.« Er lauschte kurz, ob Bellamy schon nahte. Sein Stachel pulsierte vor Gier. Bellamy würde sicher gleich da sein, dann teilten sie sich diesen merkwürdigen Gast. »Ich bin hinter dir, du weißt, wie es nun läuft. Setz dich auf mich, bis ich ganz in dir bin. Und dann sollst du erfahren, wofür man mich. Den Schwarzen Skorpion nennt. Ich lass dich nicht wieder los, bevor du meinen Namen schreist.«

Davard von Hohenfelde
"Von bitten konnte noch nicht die Rede sein, wo er so baumelte... aber Du hast Recht, ich war ungezogen... schon zu lange ohne Herr.... Unterhose? Du stehst auf diesen neumodischen Quatsch? Ich bevorzuge es luftig... Hier spielt die Musik", sagte Dave und verpasste Teku eine Kopfnuss das ihm der Schädel dröhnte. Zeitgleich ließ er sich genüsslich auf dessen Stachel nieder. Erst ein winziges Stück, so das Teku fast das Rohr platzte, weil er gerade mit der Spitze seines Knüppels in Dave eindrang, bevor sich dieser wieder erhob und das Spiel von neuem startete. Er ließ sich ein Stück tiefer hinab sinken, so das Tekus Stachelspitze die Pforte passierte. Tekuro fühlte sich, als würde ihm schlagartig der Schwanz abgeschnürt, als Dave seine Muskeln knallhart anspannte. Konzentrisch wurde sein Stachel geknetet, während Dave anfing ihn zu reiten. "Du fühlst Dich super an.... ich bin beeindruckt... keiner war bis jetzt so hart gebaut wie Du... so heiß und prall... Du hast nicht zuviel versprochen.... ich bin froh, dass ich Dich aufgesucht habe und Dir zu Diensten sein darf...", stöhnte Dave und ritt Tekuro so hart und fest, wie Teku ihn selbst geknallt hätte. Teku spürte wie die Reibung seinen Schwanz noch härter und dicker werden ließ. Sie seine Juwelen derart spannten, dass er dachte ihm reißt die Sackhaut und dann erhöhte Dave noch das Tempo. Teku wusste, dass "Sacha" dabei Schmerzen haben musste, aber er verhielt sich absolut so, wie man es von einem Sklaven erwartete. Er bediente Tekuro, es ging um ihn, alles drehte sich um den Stachel und dessen Befriedigung.

Tekuro Chud
Als der Magier ihn schlug, packte Tekuro ihn von hinten am Schopf. Er war ein Stück größer als der ungezogene Kerl und hatte entsprechend längere Arme. So hielt er ihn auf Abstand, aber behinderte nicht die Kunstfertigkeit, die Sacha ihm nun vorführte. Tekuro wurde vor Schmerzen und Geilheit schier wahnsinnig. Völlig egal, was Kazrar ihm beigebracht hatte, er wollte nicht nur stillhalten. Er wollte seinen Stachel benutzen. Der Griff in Sachas Haar wurde schraubstockartig, als würde er ihm jeden Moment den Skalp mit bloßer Hand vom Schädel reißen. Die andere Hand riss ihm die Robe von den Schultern. Die Robe war danach nur noch ein Fetzen. Gierig betrachtete er die verschwitzte, nasse Haut, wie gemacht für seine Vampirzähne. Narbig war sie. Sacha hatte es gesagt, er wollte Vampir werden. Das wollten sie alle, doch warum sollte er die Gabe an irgendwen verschenken? Tekuro griff mit der freien Hand zwischen Davards Beine, packte zu, und dann begann er ihn noch fester zu stoßen, als er es zuvor beim Ritt spendiert bekommen hatte. Er stieß ihn, bis sie beide bluteten. »Belly«, stöhnte Tekuro, der sich nur noch mühsam zurückhalten konnte. Er hielt kurz inne und keuchte schwer. »Wo bleibt ... mein Mann. Vano. Er soll auch ... naschen.« Der Magier spürte eine Nase, die mit zitternden Nüstern über seinen Trapezmuskel strich, darunter kratzten Bartstoppeln. Und darunter - kalte Zähne. Er spürte nicht die Spitzen, es fühlte sich eher so an, als ob der Vampir die Zähne aufeinanderbiss und sie so fletschte, um sie über seine Haut zu streichen. Speichel rann wie kalter Regen von der warmen Haut hinab. »Schöne Narben ... dein Herr muss dich sehr geliebt haben. Wenn er dich so zeichnete.«

Vano:
Silvano starrte Tekuro und Sacha an. Was immer hier lief, es lief ziemlich geil, auch wenn er befürchtete nicht gut. Die Harpune in der Hand hatte er versehentlich auf und ab gestreichelt und irgendwie fühlte er sich gerade als durchfuhren sie die Tropen! Wo war nur der verfluchte Palaisin? Und wieso landete hier wer für Tekuro? Die Tordalk schien nur Vampiren Glück zu bringen. Jendro hatte einen Drachen, er hätte auch auf der Tordalk landen können um ihn zu lutschen. Aber nein, nichts dergleichen. Ainuwar musste ihn hassen und Davy dazu. Vano musste sich ins Gedächtnis rufen zu blinzeln und den Mund zuzumachen. Es nützte nichts, wenn er mit offenen Mund wie ein Idiot die beiden notgeil anstarrte. Es war allerdings auch nicht sonderlich schlimm. Nur etwas entwürdigend.

Davard von Hohenfelde
Als Tekuro ihn fest ins Haar packte, keuchte Dave auf, so wie man es von ihm erwartete. Er hielt nicht dagegen, sondern gab sich der Kraft hin, die der Vampir in den Griff legte. "Ja... zeig mir wie stark Du bist... Meister... ich gehöre Dir.... Das Du den Ritt noch toppen kannst... ich... ich bin beeindruckt...", stöhnte Dave genüsslich unter ihm, während Teku nach seinen Juwelen griff und es ihm so hart gab, dass er sich wirklich bemühen musste ruhig zu bleiben. Aber gelernt war gelernt, gegen Archibalds Ritte war das hier ein Sonntagsausflug. Er drückte seinen Hintern fast anschmiegend in Tekuros Schritt und wiegte dabei die Hüften um ihn zusätzlich zu verwöhnen. "Du machst das erstklassig... wundervoll... ich danke Dir für den Ritt... darf ich Dich küssen?"

Tekuro Chud
Tekuro war nicht mehr danach, zu reden. Er hielt seinen Samen nur mit Mühe im Inneren seines Leibes und lauschte nach Bellamy, der vermutlich schon wieder das Beste verschlief. Dann wanderte sein Blick zu Silvano. Vielleicht konnte Silvano mitspielen ... doch der Sklave riss ihn aus seinen Gedanken. »Mich küssen?«, fragte er mit unverhohlenem Misstrauen. »Du kannst mein Arschloch küssen, Balg.«

Davard von Hohenfelde
"Wenn Du es wünscht... tue ich es Herr...", stöhnte Dave unter ihm und presste sich so fest er konnte auf Tekuro. Er spannte seine Muskeln bis zum Zerreissen an, drehte sich über die Schulter und grabschte Tekuro an der Kehle und genau so in dem seltsamsten Klammergriff aller Zeiten wurde Tekuro nach draußen gezerrt. Sein Stachel fest gefangen im Arsch von Sacha und seine Kehle im Schraubstockgriff kam er dem Licht immer näher. "Wollen wir ein bisschen in der Sonne spielen... Meister?", zischte Dave.

Tekuro Chud
Tekuro wurde auf einer sehr schmerzhafte und gleichzeitig geile Weise huckepack getragen - in Richtung Luke. »Du störrisches Biest«, knurrte er. Durch die würge an seiner Kehle verstand man ihn kaum. »Bleib stehen, sonst muss ich dir die Augen herausdrücken.« Tekuros Pranke ließ den Haarschopf los und packte sein Gesicht, eine der Klauen war an dem Auge des Magiers. Und die Hand an seinen Hoden begann, sich noch fester darum zu schließen. »Ich werde dich fertig ficken. Du hast zu lang deinen Meister vermisst. Der Schmerz. Aber du kriegst, was du brauchst, von mir. Halt jetzt.«

Vano:
Vano nahm die Hand aus der Hose und schaute den beiden zu. Weshalb wollte der Magier den Vampir an die Sonne zerren? Es war doch hellichter Tag! Die Nummer würde in Rauch aufgehen. Irgendwie war sein Denken schwer und zähflüssig, gut das Denken ehr weniger zähflüssig als der Inhalt seiner Hose. Wo war nur Boldi? Oder Belly oder der Käptn? Das hier war ein Irrenschiff. Er sollte ein Machtwort sprechen. Vano setzte auch dazu an, aber irgendwie war das ein Bild für die Götter. Das erste Armdrücken, dass zwei Etagen tiefer geschah. Der Magier zog dem Vampir den Prügel lang. Tekuro zog Sacha die Eier in die Länge. Also er hatte schon einige Kämpfe gesehen und selbst geführt, aber solche? Vano kniff sich selbst in die Wange, doch er war wach. Es sei denn er träumte auch das Kneifen.

Davard von Hohenfelde
"Du wirst sterben Chud, Du hättest gar nicht geboren werden soll. Ich äschere Dich ein, Du hast es verdient Du falsche Schlange. Du widerliche Ausgeburt des Hiwi. Und hat Papa Dich als Kind immer schön ins Bett gefistet?", blaffte Dave Tekuro an.

Tekuro Chud
»Papa?«, fragte Tekuro ungläubig. »Was faselst du für Scheiße? Mein Papa ist ein guter Papa!« Jetzt wurde er richtig wütend. Er bäumte sich auf dem Rücken des Magiers auf und quetschte ihm die Eier. »Ich verstehe, du brauchst es noch härter, du willst den Endfick! Du sollst ihn kriegen, jetzt. Runter mit dir!« Gleichzeitig versuchte er, seinen herrlichen Stachel aus dem Hinterteil zu befreien, das ihm auf einmal wie eine böse Falle vorkam.

Davard von Hohenfelde
"Du wirst das Licht kennenlernen. Dir wird ein Licht aufgehen, wer Dein Vater wirklich war. Nur schade um die Salami für den dreckigen Arashihintern. Du bist vermutlich jetzt schon so ausgeleiert, wie er nach der letzten Ansprache war. Lag er oft bei Dir im Bett, warst Du oft seine Handpuppe Tekuro Chud?", fagte Dave gehässig und zerrte Teku weiter dem Deck entgegen.

Tekuro Chud
»Du«, brüllte Tekuro außer sich. »Wer von den undankbaren Dreckschweinen bist du, Davard oder Ansgar?« Im nächsten Moment spürte Davard, wie Tekuro ihm unter den Händen wegschrumpfte und der schmerzhafte Druck in seinem Gesäß wich und sein Schließmuskel sich wieder entspannen konnte. Die Fledermaus schoss zurück in die Schatten. »Halt ihn auf«, brüllte er Vano an. »Der Sklave gehört meinem Vater! Schießt das Drachenhuhn ab, er darf nicht entkommen!«

Davard von Hohenfelde
"Scheiße!", fluchte Dave und jagte der Fledermaus hinterher. "Du feiger kleiner Bastard, komm sofort zurück Du Schlappschwanz. Wer ich bin? Dein Henker, das reicht als Info. Ich wäre Deinen pelzigen Arsch auf einem Miniwürstchen pfählen und Du aus dem Weg Blondie!", warnte Dave Vano.

Vano:
"Also eben habt Ihr Euch noch vertragen, Teku Du machst mittendrin vor dem Abspritzen irgendwas falsch. Lass Dir das gesagt sein!", stöhnte Mancini.

Tekuro Chud
Die Fledermaus schlitterte über den Boden, wurde wieder zu einem Mann und rollte sich ab, bis Tekuro wieder auf den Füßen stand. Er rannte noch tiefer in die Dunkelheit. »Der Sklave war zu willig, den Fehler hatte Papa bei Patti gemacht und dann quetschte er ihm die Eier. Meine eigene Blödheit, ich war zu gierig! Hol Kazrar!«, bellte Tekuro. »Er weiß diesen Sklaven zu nehmen!« Er schoss in einen Raum voll tiefer Dunkelheit. »Mein Papa war immer gut zu mir«, grollte es aus der Finsternis. Im Dunkel sah man keinen Körper, es wirkte, als spräche die Finsternis selbst. »Und er war auch zu dir gut. Du hast es nur nie begriffen.«

Davard von Hohenfelde
"Gut zu mir? Du kleine Bestie... einen Scheiß war diese Natter! Er hat nicht ansatzweise so einen humanen Tod verdient, wie er geschenkt bekam. Was war denn gut? Das er mich gequält hat? Das er Archibalds Stiefellecker war? Willfähiger Helfer, weil er selbst zu allem zu blöde war? Seine Unfähigkeit hat er an anderen ausgelassen. Eine Bestie, wie Archibald nur ohne Zähne und völlig ohne Grips. Und dann noch sein dussliges Narbenschwein. Blond und blöd, zu allem bereit aber zu nichts zu gebrauchen. Weißt Du was Dein Vater getan hat, ja? Weißt Du das?", fauchte Dave leise, so das es wesentlich bedrohlicher klang, als hätte er geschrien. Einen Moment später starrte er auf die Harpune die wie eine Barke den Weg in den Raum versperrte.

Vano:
"Raus, geh!", befahl Vano. Was immer hier geschah, er wusste nicht worum es ging. Aber beide Seiten schienen ihre Gründe zu haben. Alles was Silvano sah, war ein weiterer Patrice, wie immer dieser Mann heißen mochte. Fran hatte Patrice retten wollen, er hatte sogar eine Herausforderung ausgesprochen. Ausgerechnet er, der nicht kämpfen konnte. Und hier stand erneut ein Mann, der alles verloren hatte. Welcher Wahnsinn Tekuro umgab, nahm langsam Gestalt an und die Dimensionen gefielen Silvano ganz und gar nicht. Patty lag heute noch neben Tekuro. Ein guter, liebenswerter Kerl, der sich selbst aufopferte, sich völlig aufgegeben hatte. Davon war dieser hier weit entfernt. Oder er war schon wieder auf dem Rückweg. Einmal Abgrund und zurück, er kannte den Blick der Verzweiflung und er wusste wie geschundene Körper aussahen. Die rasiermesserscharfe Harpune zog wie eine Lanze einen Cut über Daves Brustmuskeln. Der Magier wich langsam zurück, falls er wirklich ein Magier war. Vano ging davon aus, denn niemand würde sonst sich in den Hort des Feindes begeben. Er hatte alles getan um Teku festzunageln. Er hatte sich selbst verkauft. Aber wer war Vano das zu verurteilen? Was hatte er alles getan um die Farisin bluten zu lassen? Seine Form von Wahnsinn kam nur über die Wellen geritten, dieser Mann kam aus dem Wolken auf einem Drachenhuhn. "Geh solange Du noch kannst", zischte Vano. Offen war, ob dies eine Warnung, Drohung oder ein guter Rat war.

Davard von Hohenfelde
Dave starrte noch einen Moment in die Dunkelheit, ehe er sich so abrupt umdrehte, dass Vano ein Zucken unterdrücken musste. Er grabschte sich seine Robe und kehrte auf Deck zurück. Oben angekommen schwang er sich auf sein Drachenhuhn. "Priester", rief er nach Vanja.

Tekuro Chud
»Ja, ich weiß, was Kazrar getan hat.« In Tekuros Stimme schwang eine schwere Anklage mit. »Du hattest die Kindheit an seiner Seite, die er mir aus Gütmütigkeit verwehrt hat. Er wusste nicht, dass ich alles, voll Dankbarkeit, ertragen hätte. Wenn ich nur. Bei Papa sein könnte. Er hat ... dich umsorgt. Deine Wunden. Du durftest bei ihm sein und bei meiner Mama! Das war mein Platz«, brüllte Tekuro nun außer sich. »Meiner! Was Kazrar getan hat? Er hat dich geliebt!« Im nächsten Moment gab Silvano den Weg frei. Warum tat er das?! Sie hatten ihn doch schon! Tekuro schoss an ihm vorbei - in Menschengestalt. Er hatte sich von der Wand hinter ihm abgestoßen und wie ein Geschoss quer durch den Raum katapultiert, landete mit allen vieren an der nächsten Wand und stieß sich erneut ab. Doch kurz bevor er ihn zu packen bekam, verschwand der Magier im rettenden Licht. »Ich krieg dich!«, brüllte Tekuro ihm hinterher.

Vano:
Silvano packte Tekuro an der Schulter und hielt ihn fest. "Hör auf und lass es. Ihr tötet Euch gegenseitig für etwas das keiner von Euch beiden verbrochen hat. Du kannst es nicht sehen, er will es nicht sehen. Der Einäugige ist unter den Blinden König - der Einäugige bin ich, Ihr seid die Blinden. Lass ihn gehen, sonst findest Du den Tod. Nicht so, nicht für Deines Vaters Frevel Teku", sagte Vano. Sein Griff war fest, aber er war noch eines - liebevoll.

Vanja von Wigberg
Vanja hatte sich gerade noch mit einem jungen Mann unterhalten, der sich an Deck zu ihm gesellt hatte. Als er das wütende Geheul hörte und Davard sich auf das Drachenhuhn schwang, ahnte er, dass es nun schnell gehen musste. »Gehabt Euch wohl«, sprach er seinen Abschiedsgruß und dann saß er schneller, als man es ihm zutraute, hinter Davard auf dem Ungetüm.

Tekuro Chud
Tekuro schlug die Hand von seiner Schulter weg. »Du hattest einen Befehl«, brüllte er. »Ihn aufzuhalten! Das Huhn abzuschießen! Er sollte zu mir kommen, in die Schatten, da wäre er blind gewesen! Ich entscheide, wen ich jage, du hast keine Ahnung! Das ist Papas Sklave, er erntete Papas Liebe, die mir gebührt hätte, er ist Schuld!«

Davard von Hohenfelde
Dave starrte den Mann an, der in der Dunkelheit des Schiffes blieb. "Deinen Platz hätte ich Dir gegeben, ich wollte ihn niemals haben. Geliebt? Dein Vater liebt niemanden, außer sich selbst. Ebenso wie Archibald. Du hättest nicht einen Tag ihrer Tortur überlebt. Und ich bin nicht Schwein genug Dir das zu wünschen. Aber ja, ich hätte Dich getötet, hätte ich die Gelegenheit dazu. Und ich werde Dich töten, nicht aus persönlichen Gründen. Sondern um Deinen Vater zu zeigen, wie es sich anfühlt, etwas zu verlieren, was man angeblich liebt. Du bist nur Mittel zum Zweck. Für mich.... und vor allem für ihn... wo hat er Dich denn all die Jahre gebunkert? Und vor allem warum? So viel Liebe.... dass er Dich fortgab? Ausrede... er wäre Dich angegangen? Hätte er Dich geliebt... wäre er sich angegangen... hätte Heilung gesucht.... aber er gab Dich weg... der einfachste Weg. Wir sehen uns wieder", sagte Dave tonlos und das Drachenhuhn stieß sich ab und flog davon.

Vano:
Silvano nahm Tekuro fest in die Arme und hielt ihn. "Ruhig jetzt, hör auf Teku. Hör auf das nachzuplappern, was man Dir einbleute. Denke nach, werde ruhig. Du warst kopflos, ich auch, komm reg Dich ab. Du weißt was Du mir bedeutest. Man sieht sich immer zweimal im Leben und Du weißt wer er ist", beruhigte Vano Tekuro.

Tekuro Chud
Tekuros Kopf sank auf Silvanos Schulter und er umarmte ihn fest. Silvano spürte, dass Tekuro vor Hass am ganzen Körper zitterte. »Er hat Papa ermordet. Er war es ... die Salami! Er hat ihn ... zu Tode ... gequält, meinen Papa. Er ist Schuld an allem, Vano. Das plappere ich nicht nach, das ist Fakt. Ich möchte jetzt ... Patti ficken.«

Vano:
Silvano hielt Tekuro so, wie er ein Baby gehalten hätte, warm und sicher. Er spürte dessen Körper vor Hass und unterdrückter Wut beben. Wer konnte es ihm verdenken? Alles Sehnen, alles Wünschen, war ihm vor die Füße gekippt worden und zwar in negativer Weise. Schuld war Tekuro nicht, er war von Anfang an das Opfer gewesen. Vermutlich schon vor der Geburt. Wer wusste wie Kazrar an die Mutter gekommen war. War sie ein weiblicher Patty? Alle in Tekuros Nähe zahlten einen Preis, den Tekuro servierte. Aber der Preis hätte von Kazrar bezahlt werden müssen. Er zeugte ein Kind in Hass oder seiner tödlichen Gier. Er gab es fort. Und nun band er es an sich und formte es nach seinen Gutdünken neu, zu etwas das ihm glich. Wo Tekuro schon auf einem finsteren Pfad war, zog ihn Kazrar noch tiefer in die Abgründe hinab. Tekuro hatte keine Havarie erlitten, er sank bereits und zwar Richtung Tiefsee. Mit Liebe war das nicht mehr zu erklären, denn Vano wusste was dies war. Er hatte einst den selben Weg genommen. Aber anstatt ihn in die endlose Schwärze der Tiefsee zu reißen, hatte Boldi ihn am Arsch gepackt zu zurück an die Wasseroberfläche geholt. Dort wo die Wellen den endlosen Tanz des Lebens aufführten. Dort wo er hingehörte. Er würde das Gleiche für Boldis Bruder tun. Teku gehörte zu Boldi, nicht zu Kazrar. Wo war der Mann denn, als Teku ihn wirklich brauchte? Er glänzte durch Abwesenheit. Und Boldi? Er war da. Nun stand Boldi zwar nicht persönlich hier, aber er stand für seinen Mann vor Teku und hielt ihn. So wie es Boldi getan hätte. "Patty ist Dein Bester, er wird nicht gefickt. Wasch Dir den Schwanz von diesem Verrat ab Teku. Sex und Kampf gehen niemals Hand in Hand. Wenn Du nichts von mir lernen magst, lerne wenigstens dass für Dich selbst", flüsterte ihm Vano ins Ohr und küsste drauf. "Ich bitte Dich".

Tekuro Chud
»Aber ich bin geil«, entgegnete Tekuro. »Und es ... will raus. Wenn ich wütend bin, oder traurig, muss ich das tun. Ich kann mich waschen gehen, damit ich nicht mehr nach ihm stinke. Aber danach. Muss wer für mich. Stillhalten. Du meinst es lieb, Vano. Aber du verstehst leider nicht. Was ich fühle. Ich ... leide. Das geht nicht weg durch Schönreden. Es ist zu gewaltig. Du kennst es, erinnere dich daran, wie du Rache geschworen hast. Du hattest keine Wahl, du musstest das tun. Und so muss es auch ich.«

Vano:
"Ja darum rede ich mit Dir, oder ich helfe Dir auch. Wenn Du das möchtest, tun wir beide es. Du redest von der Rache. Die verstehe ich. Ich rede von der Einsamkeit des Heims, beides unsere Themen. Darum geht es, um Deine Einsamkeit, um Deine Hilflosigkeit, um Deine Unschuld Teku. Du bist nicht Schuld, dass Du im Heim gesessen hast. Das bist Du nicht. Wasch Dich, komm zurück, ich halte Dich und mehr, wenn Du möchtest. Aber nur im Guten, ohne Schmerz", antwortete Vano und küsste Teku auf den Mund.

Tekuro Chud
Tekuro erwiderte den Kuss mit harten Lippen, die noch immer zitterten. »Einver. Standen. Vano.« Tekuro entzog sich ihm, verschwand und kehrte nur wenige Minuten später nach Seife duftend zurück. Er hatte sich von Kopf bis Fuß gewaschen. »Kein Schmerz«, versprach er, griff um Silvanos Oberarme und ließ ihn auf den Boden sinken, wo er sich zwischen seinen Beinen kniete und auf ihn legte. »Kein Schmerz«, wiederholte er wimmernd. »Ich bin nicht Schuld. Aber er ist es! Papa wollte nicht mich benutzen, also nutzte er ihn. Die ganze Kindheit, die ich im Heim verbrachte, die hatte dieser Hohenfelde bei meinem Papa und meiner Mama. Und dann quälte er sie beide u Tode. Du hast ihre Leichen nicht gesehen ... aber ich. Ja, ich bin einsam Vano. Das werde ich nicht mehr los, die Gedanken, dass ihr alle wieder weg seid.«

Vano:
"Mach die Augen zu und fühle, wir sind nicht weg, wir verlassen Dich nie wieder. Jedenfalls nicht freiwillig. Dazu gehört aber auch, dass Du bei uns bleibst. Er war ein Spielzeug Tekuro, das was Du Dir wünscht, dass hatte dieser Mann nicht. Er hat vermutlich die Qual erdulden müssen, die Dein Paps empfand, weil er Dich weggab. Und irgendwer hat es ihm erlaubt, seinen Frust an diesem Jungen auszulassen. Nein ich weiß nicht wie Dein Vater ausgesehen hat. Du kannst es mir sagen. Ich habe schon viele Opfer gesehen Tekuro, drum möchte ich, dass Du keines wirst. Ich bin manchmal verrückt und rasend vor Rache. Also vertraue mir, wenn ich Dir da einen Rat gebe. Das hier ist die völlig falsche Adresse. Auch Dein Papa ist die falsche Adresse. Wir müssten den Absender des ganzen Wahnsinns finden. Jemand der Dich bereits bevor Du gezeugt wurdest, mit seinen Schandtaten zur Einsamkeit verdammte. Du hast so jemanden irgendwo sitzen, der die Fäden zieht. Und ich habe das auch. Darin sind wir uns gleich. Du kannst keine Liebe annehmen und ich konnte es lange auch nicht. Auch darin gleichen wir uns. Helfen wir uns gegenseitig, so wie immer. Ich halte Dich", sagte Vano und drückte Teku die Lippen auf den Mund, während er ihn mit Armen und Beinen umschlang und ihn wirklich felsenfest hielt.

Tekuro Chud
Im selben Moment drang Tekuro tief in Silvano ein. Mit dem verebbenden Wutrausch kehrte Tekuros Empfindsamkeit zurück und er zuckte vor Schmerzen zusammen. Dieser Sklave hatte ihn voller Absicht zuschandengeritten. Und er hatte ihm Nachschlag serviert, um ihm zu beweisen, dass er ihm nichts konnte. Nun hatte er den Salat. »Nur meine Schmerzen«, sprach er leise. »Nicht deine. Keine Angst. Ich tu dir ... nichts.« Silvano umschlang ihn und Tekuro nahm ihn sehr viel sanfter als sonst. Zum einen, weil er es Silvano versprochen hatte, zum anderen, weil er sehr damit kämpfte, nun weiterzumachen, obgleich sein Körper nach Erlösung schrie. So musste Patrice sich fühlen oder ein anderer Sklave, hin und hergerissen zwischen Lust und Pein. Der ideale Sklave genoss die Kombination daraus. »Ich kann den Hohenfelde nicht laufen lassen, ob schuldig oder nicht. Ich habe es Papa versprochen. Ihn zu rächen. Ich liebe meinen Papa, verdammt, verstehst du das denn nicht?«

Vano:
Silvano streichelte Tekuro den Rücken, kraulte ihm die Flanken und küsste ihn sanft und liebevoll. "Ich verstehe es Teku. Du verstehst nicht, Du musst Dir was versprechen, Dir selbst. Aber nicht jetzt, keine Grundsatzdiskussion wo fühlen angesagt ist. Nicht in Wut, nicht in Trauer, später. Du hast den Kompass nicht umsonst bekommen", raunte ihm Vano ins Ohr und zog ihn in seine Arme. Er fühlte wie verletzlich Tekuro gerade war, seelisch und auch an seinem besten Stück. Die beiden hatten gerammelt wie die Weltmeister. Im Grunde war es mehr eine sexuelle Schlägerei gewesen, wo Lust in Loch hämmerte, mit Sex hatte das nichts mehr zu tun gehabt. Dementsprechend litt Teku nun. "Soll ich Dir anders helfen? Du fühlst Dich super an, so sanft, aber Du hast Schmerzen Teku", sagte Vano und kraulte ihm die Brust.

Tekuro Chud
»Nein, ich muss das tun.« Tekuro küsste Silvano, vorsichtig, um ihn nicht mit den Vampirzähnen zu verletzen, dann hörte er auf, zu sprechen. Er umschlang Silvano ganz eng, so dass sie ein festes Knäuel bildeten, das kaum Raum für Hüftstöße gab. Aus den Bauchmuskeln heraus drückte er sich dennoch rhythmisch in Silvanos Körper, so dass Silvano ihn sehr tief spürte. Es dauerte nicht lange, da vernahm Silvano einen langgezogenen Heulton in seinem Ohr, als Tekuro unter immensen Schmerzen kam. Danach sank er mit Herzrasen auf ihm zusammen. Klarheit. Besser. »Danke. Du bist ein echter Freund. Ich habe das gebraucht, mir tut das gut. Was ist es, das ich nicht verstehe? Der Kompass, den du mir nur schenktest, weil du ihn eh nicht mehr brauchtest? Meinst du den?«

Vano:
Silvano hielt still, als sich Teku in ihm ergoss. Er selbst fühlte keine Entspannung, aber er war nicht Ziel dieses Aktes. Er schenkte Teku Erlösung. "Der Kompass ist ein Geschenk des Herzens, damit Du immer wieder den Kurs findest und zwar Deine Route und nicht die eines anderen. Und im Moment läufst Du im falschen Fahrwasser. Du steuerst auf ein Ziel zu, dass Du gar nicht möchtest. Dein Ziel ist die Ehe mit Belly, Eure Hochzeitsreise. Pass auf das es so bleibt, das ist immens wichtig für Dich. Schlaf jetzt. Leg Dich auf mich ab und schlaf", bat Vano.

Tekuro Chud
»Ich gab meinem Papa mein Wort«, erklärte Tekuro, während er seinen Kopf auf Silvanos magere Brust bettete. »Mein Weg wird immer der eines anderen sein. Denn nur so kann ich leben. Aber dein Kompass wird mit helfen, den richtigen Mann zu erkennen. Ich habe ihn schon gefunden, Bellamy. Er ist der Mann, den ich liebe und den ich schon immer geliebt habe. Und bei uns beiden wird Patti im Schlepptau bleiben, ich brauche die kleine Nervensäge. Aber das entbindet mich nicht von meinem Versprechen.« Eine Weile sagte er nichts mehr. Dann: »Ich höre dein Herz. Ich kann es sogar fühlen.« Silvano spürte, wie Tekuros Zunge über seine Haut fuhr. »Ich werde jetzt schlafen. Wie du es wünschst.« Mehr sagte er nicht mehr. Seine Muskeln erschlafften und sein Atem veränderte sich, als er in Silvanos Umarmung einschlief.

Vano:
Mancini hielt ihn die ganze Zeit über fest. Tekuro hatte sich sehr gut selbst erkannt. Vielleicht war es ihm gar nicht möglich den Kurs zu ändern, da er den Kurs niemals selbst bestimmt hatte. Der Mann brauchte keinen Kompass, er brauchte einen Navigator. Vano beschloss Bellamy auf seine Navigator Tauglichkeit zu testen. Er kuschelte sich an Tekuro an und schlief ebenfalls ein, mit dem Lied der Wellen in den Ohren.

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Davard von Hohenfelde

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Re: Der Dolch und der Pilgerstab

#7

Beitrag von Davard von Hohenfelde » So 29. Sep 2019, 23:59

Nachwehen


Davard von Hohenfelde
Die Tordalk blieb unter ihnen zurück und mit dem gewaltigen Schiff auch Tekuro Chud, Sohn von Kazrar Chud, einer seiner Erzfeinde. In diesem Moment bedauerte Dave, wie in keinem zweiten, dass er kein Pyro war. Er hätte das Schiff am liebsten in Brand gesteckt, damit es mit allen an Bord in Flammen aufging. Was die Sonne nicht geleistet hatte, hätte ein Pyro leisten können. Geistmagie war bei Vampiren nutztlos und Holz ließ sich nicht zum Kentern beeinflussen. Selten verrutschte die Maske eines Hohenfelde, aber Dave hatte sich in der Tordalk abgesetzt. Hasserfüllt starrte er auf das Schiff zurück und machte sich gedanklich seine Notizen. Kurzum er fertige eine schwarze Liste. Jene Namen die er aufgeschnappt hatte und die er umbringen würde. Er würde Mittel und Wege finden, einem nach den anderen verschwinden zu lassen. Das war seine Pflicht .Ein Schiff voller Bestien, die Haie die es umkreisten waren reine Seelen dagegen. Das Grauen lauerte an Bord. Allen voran Tekuro Chud, diesen hinterhältigen Vampir. Dort wurde sicher niemand über die Panke zu den Haien geschickt, die Sache lief wohl andersherum. Dave drehte sich zu Vanja um und für einen Moment wusste der Ainuwarpriester, mit welchem Blick ein Opfer eines Hohenfelde bedacht wurde. Der Ausdruck in Daves Augen galt allerdings nicht ihm, sondern Tekuro. "Das ist super gelaufen, findest Du nicht auch?", zischte Dave und dachte angestrengt nach.

Vanja von Wigberg
»Ich hatte das alles etwas anders im Kopf«, murmelte Vanja. Er war nicht sicher, was Davard nun mit ihm vorhatte, ob zerstört worden war, was gerade hatte beginnen wollen. Sein Plan hatte vorgesehen, dass sie sich ein Bild der Lage machten und wieder verschwanden, um in der Ferne zu entscheiden, wie zu verfahren sei. Davard aber hatte das anders aufgefasst oder keinen Grund dazu gesehen, an diesem Vorgehen festzuhalten - und beinahe dafür bezahlt. Laut sagte er: »Moritz von Wigberg war nicht an Bord. Aber dessen Persona, Patrice Vertcuis, mit der ich sprechen konnte. Sie teilen keinen gemeinsamen Körper mehr, sie wurden magisch getrennt. Ich habe dich also unnötig mit diesem Gesicht konfrontiert. Moritz ist längst in Sicherheit. Wie fühlst du dich nun, da du gesehen hast, dass das Monster in die nächste Generation gegangen ist?«

Davard von Hohenfelde
Dave starrte Vanja noch einen Moment an, dann schaute er weg in unbekannte Fernen. Das Drachenhuhn flog weiter und landete am erst besten Strand den es finden konnte. Dave ließ sich von dem großen Vogel in den Sand fallen, genauso fiel seine Wut und sein Hass von ihm ab. Er rappelte sich auf und hockte sich in den Sand. Das Drachenhuhn verfolgte jede seiner Bewegungen, unschlüssig was der Mensch dort tat. Selbst so einem Geschöpf wie diesem Vogel, sah man seine Verunsicherung an. Dave erhob sich und marschierte zum Wasser. Dort wusch er sich mit Sand, als hätte er vor sich die Haut vom Körper zu schmirgeln. "Es ist nicht Deine Schuld Vanja, es war meine. Ich hätte mich nicht gehen lassen dürfen. Nicht seelisch und nicht als Kind, dass dort nichts zu suchen hat. Denn wer suchet, der findet und was ich gefunden habe spottet jeder Beschreibung. Die Bestie lebt, sie hat überlebt. Und sie ist dort heimisch mit ihren Lieben. Ein Ausflugsschiff voller Monster, in den Bugwellen keine Delphine wie man es sonst öfter sieht, sondern Haie. Das ganze verdammte Schiff ist ein Seelenfänger und die Seelenverschlinger sind längst an Bord. Jeder einzelne von ihnen ist schuldig und ich werde sie zur Strecke bringen. Ich habe mir ihre Gesichter und Namen gemerkt. Ich werde sie finden, das schwöre ich und dann werden sie sterben... oh ja.... das werden sie... Vermutlich überlebt auch noch Varmikan. Ich kann nichts, gar nichts. Nicht mal vernünftig wen ermorden! Tot war er, wir hatten ihm den Kopf abgeschnitten. Aber scheinbar ist der Kopf bei Kazrar Chud kein Lebenswichtiges Organ! Da soll einer drauf kommen!", blaffte Dave um sich dann ins Wasser zu hocken und lautlos zu weinen. Das er weinte sah Vanja nur an dem Zucken seiner Schultern.

Vanja von Wigberg
Vanja rutschte von dem glatten Gefieder des Cockatrice und landete im Sand. Er beobachtete, wie Davard in einigen Schritten Entfernung hockte, sich wusch und dann lautlos weinend verharrte. Vanja nahm sich ein Herz. Er setzte sich neben ihn und legte seine blaue Chaperon neben sich ab. »Ich hatte gehofft, dass du dich um Tekuros Ableben kümmern würdest. Aber das ganze Schiff? Wie willst du sie alle verschwinden lassen, ohne dass jemand ahnt, was du getan hast? Mord an Landsleuten wird in Souvagne hart bestraft. Und ich vermute, aufgrund deiner naridischen Vorfahren, womöglich noch härter. Du trägst damit nicht nur die Menschenverschlinger zu Grabe, sondern auch deine Zukunft innerhalb des Landes.«

Davard von Hohenfelde
Dave lehnte sich an Vanja an und wusch sich das Gesicht sauber. "Das ist ein Irrglaube Vanja. Mord wird nicht bestraft, sondern sich erwischen lassen. Zudem ist Tekuro doch schon tot. Kann man Tote ermorden? Der Rest, damit hast Du vermutlich Recht. Aber wer sich mit solchen Leute abgibt, macht sich mitschuldig. Wie kann man mit so einer Bestie befreundet sein? Würden andere Dich möglicherweise auch fragen, bezogen auf mich. Tekuros Ableben... gut gesagt, ja ich werde mich darum kümmern. Er kommt von seinem Ausflug nicht zurück. Das wäre das Beste. Es tut mir leid, dass ich die Fassung verloren habe. Das war nicht gegen Dich gerichtet Vanja. Und das da drin... versteh das nicht falsch... das war... dienstlich", sagte Dave tonlos.

Vanja von Wigberg
»Was war denn da unten im Schiffsrumpf geschehen?«, erkundigte Vanja sich besorgt. Er legte einen Arm um Davard. Er hätte ihn gern auch schon zuvor in den Arm genommen, aber da er nicht wusste, ob Davard Nähe in diesem Zustand überhaupt als angenehm empfand, hatte er sich nur neben ihn gesetzt. Vanja strich ihm ein paar Wassertropfen aus dem Gesicht. »Die Frage ist gut, ob der Mord an Untoten überhaupt als Mord gilt.«

Davard von Hohenfelde
Dave hielt still, als Vanja ihm das Wasser aus dem Gesicht strich. Die Berührung von Vanja scheute er nicht, denn sie war anders. Freundlich, beschützend, tröstend, er verlangte nichts, er tat ihm nichts. Er war für ihn da und das war eine Berührung, die etwas ganz anderes bedeutete, als jene die er über Jahrzehnte ertragen hatte. Manche mit einem ähnlichen Schicksal machten da keine Unterschiede mehr. Ihm bedeutete der Unterschied alles. "Ich kann es Dir nicht sagen, nicht wirklich. Der Vater von Tekuro hat mich darauf gedrillt, er genau wie Archibald. Und ich tat das, was er mir beibrachte. Um seinen Sohn ins Freie zu locken, dass hätte ihn getötet. Warum ich auf diese grandiose Idee kam... lassen wir das lieber... ich habe selbst keine Antwort darauf und nachdenken möchte ich darüber nicht. Habe ich es versaut? Nicht das auf dem Schiff, das mit uns", fragte Dave.

Vanja von Wigberg
Vanja hörte auf, ihn zu streicheln und legte den Arm um Davards Nacken, um ihre Köpfe aneinander zu drücken. »Aber nein, wie kommst du denn darauf? Du hast dir dein Schicksal nicht ausgesucht und du hast getan, was du all die Jahre getan hast, um zu überleben. Mit einem Unterschied. Du warst diesmal nicht hilflos, ich habe den Vampir herumschreien gehört. Du hast ihn mächtig wütend gemacht. Was das bedeutet, ist klar - du hast ihm die Grenzen seiner Macht aufgezeigt. Arroganz ist eine tückische Schwäche, da sie sich anfühlt wie Stärke. Mich interessiert, ob es Tekuro war, denn du als Ziel vor dir gesehen hast oder ob er nur der Sohn von Kazrar war in diesem Moment?«

Davard von Hohenfelde
Dave rutschte näher zu Vanja, dass Wasser wurde langsam kalt. Jedenfalls fühlte es sich so für ihn an. Die zerfetzte Robe bot weder Wärme noch Blickschutz. Er riss sich die Reste vom Körper und schmiss sie ins Wasser. Langsam versank sie in den Fluten. "Tekuro? Was ich in ihm sah, war ein Mittel zum Zweck. Mit seinem Tod würde ich seinem Vater enorm schaden. Der Schmerze wäre unerträglich und nur gerecht für dass, was er uns all die Jahre angetan hat. Du hättest ihn hören sollen, wie er über Kazrar sprach. Er wäre gerne an meiner Stelle gewesen. Er hätte gerne die Zeit mit ihm verbracht, die ich mit diesem Schwein verbringen musste. Nun könnte ich die Zeit zurückdrehen, dann hätte ich ihm gerne seinen Wunsch erfüllt. Aber eins zu eins, er hätte meinen Platz einnehmen müssen. Dann hätte ich ihn nochmal gefragt, ob er sich das immer noch wünscht. Es heißt schließlich, sei vorsichtig mit dem was Du Dir wünscht, es könnte sein es geht in Erfüllung. Ein Spruch den ich nicht rezitieren sollte, er stammt von Archibald. Kennst Du ihn, weißt Du wer das ist? Er ist die Pest Vanja, eine Krankheit auf zwei Beinen und es gibt Wahnsinnige wie das fette Schwein Jesper, die solche Unpersonen lieben. Die Ausreden finden, für ein Verhalten für das es nicht eine einzige Entschuldigung gibt. Manchmal habe ich mich gefragt, wer eigentlich die Monster sind. Jene die mich quälen, oder jene die einfach zuschauen und kein Ton dazu sagen. Die es geschehen ließen. Wo wollen wir hin Vanja?", fragte Dave und stand auf. Er zog Vanja mit hoch und setzte sich mit ihm gemeinsam in den Sand.

Vanja von Wigberg
Vanja ließ sich mitziehen, doch bevor er sich setzte, zog er seine Pilgerrobe aus, unter der er eine zweite trug, eine dünnere Unterrobe. Die dickere der beiden legte er zusammen und platzierte das Päckchen neben Davard im Sand. »Für jetzt oder später, eine Robe reicht mir.« Erneut schlang er den Arm um Davard, um ihm einen Kuss auf die Schläfe zu drücken. »Ich kenne sie alle. Jemand aus meiner Familie ist einer von ihnen. Die Bande der Sippe sind stark, seit Jahrhunderten kreuzen sich die Wege von Wigberg, Hohenfelde und Eibenberg immer wieder. Nicht nur hier draußen, auch im Untergrund. Tekuro ist nicht in der Lage zu begreifen, welchen Wunsch er aussprach. Er hat nie von dieser bitteren Medizin kosten müssen, sondern stand stets am anderen Ende der Leiter. Sieh seine Zähne, er ist eines dieser Tiere in Menschengestalt. Wir können fliegen, wohin du möchtest, in ein Gasthaus, auf eine der Inseln oder wir schauen uns in Naridien um. Aber bedenke, du hast auch einen Auftrag in Ehveros, der nicht ewig aufgeschoben werden kann. Eine Frage noch, aus persönlichem Interesse. Tekuro Chud selbst hat dir nie etwas getan. Er ist nicht nur Sohn von Kazrar, sondern auch Vater, Ehemann und Bruder. Spürst du keine Gewissensbisse?«

Davard von Hohenfelde
Dave schmunzelte Vanja dankbar an. Das er ihm Kleidung abgab, war mehr als er erwarten konnte. "Nein Vanja, ich verspüre keine Gewissensbisse. Jedes Opfer hat Familie, Freunde, Verwandte und Bekannte. Und jede Bestie hat jemanden, der genau das Gegenteil behaupten würde. Und jene Menschen interessiert es nicht, was die Bestie tut. Es interessiert sie nicht, was die Bestie anderen antut, Hauptsache sie ist gut zu ihr. Darum werden solche Wesen geliebt und manche werden sogar vom Reiz der Gefahr angezogen, wie Motten vom Licht. Ob ich es möchte oder nicht Vanja, auch ich bin ein Hohenfelde. Wenn ich muss, kann ich skrupellos sein. Bei einem Mord, kann ich es mir nicht erlauben, ein Gewissen zu pflegen. Soll ich mir vorher aufzählen, welches Loch ich mit dem Mord reiße? Wie eine weinende Witwe zurückbleibt? Waisen? Wer hat sich denn gefragt, was Kaz zurückließ als er von mir runterstieg? Wer von all den Leuten in unserem Haus fragte sich das? Keiner Vanja und meine Familie fragte sich das sogar als Letztes. Ausnahme Ansgar. Mein Vater ließ es lachend zu, mein Großvater erlaubte es Archibald, die anderen schauten und sagten nichts. Und andere taten genau das was Archibald und Kaz taten, denn es war ja legitim. Erklär mir was Du damit meinst, dass die Bande der Sippe stark sind. Was haben sie mit der Sippe zu tun? Sie waren Bedienstete, die sich erlaubt haben, was sich niemals wer erlauben sollte. Mein Vater gab die Erlaubnis, mein Großvater, aber wer sind sie? Ja ich habe seine Zähne gesehen, die gleichen Zähne wie Tekuro trägt Archibald. Es gibt kein widerlicheres Grinsen Vanja", antwortete Dave. "Hältst Du mich für ein Monster?", fragte er nach einer Weile und strich über die gespendete Robe. "Dankeschön dafür".

Vanja von Wigberg
»Sie waren Bedienstete, Davard, aber sie waren mehr als das. Es gibt einen Ort, dann dem sich alle Wege immer wieder kreuzen, auch die der verlorenen Schäfchen. Dieser Ort ist nicht hier, er liegt in Naridien, Drehscheibe des Schicksals von Dun-Haru-Mar. Doch lassen wir dieses düstere Thema für heute, ein solches Maß an Dunkelheit kann kein Mensch ertragen, irgendwann verschluckt sie einen. Dann war es das mit der Menschlichkeit und dann wird vielleicht auch Davard von Hohenfelde einen Namen wie Bestie, Monster oder Skorpion annehmen. So lange ich die Dunkelheit vertreiben kann, werde ich das tun. Fliegen wir nach Ehveros, in Drakenstein kenne ich ein schönes Kellerlokal im ehemaligen Bärenzwinger. Dort wird es dir gefallen.« Er reichte Davard die Hand und zog ihn wieder auf die Beine. Davard wurde mit einem Lächeln, einer Umarmung und einem Kuss zurück im Leben begrüßt.

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Re: Der Dolch und der Pilgerstab

#8

Beitrag von Davard von Hohenfelde » Mo 30. Sep 2019, 23:50

Trotz, Trost und Tatendrang


Davard von Hohenfelde
Dave zog in aller Seelenruhe die Robe von Vanja über und strich sie glatt. Es war mehr als die Robe, die er fühlte. Es war das Geschenk dahinter, ein Teilen, dass es so in seiner Familie nicht gab. Dort gab es vieles nicht, was für andere normal war. Ebenso gab es unvorstellbare Dinge, die niemand für möglich hielt. So schlicht die Geste von Vanja auch war, sie bedeutete Dave sehr viel. Dave streckte kurz seine magischen Fühler nach Vanja aus, ehe er sie wieder zurückzog. Der Mann war nicht auszulesen. Alles was er von Vanja wissen wollte, musste er erfragen. Vielleicht war es besser so, denn so bestimmte Vanja die Informationsdosis und nicht er selbst. Er war gerade viel zu aufgebracht, zu trotzig und Vanja spendete Trost. Er hielt ihm keinen Köder hin, dass musste Dave sich bewusst machen. Vanja warnte ihn. Es gab Dinge ebenso wie Informationen, die blieben besser unangetastet. Aber Dave war niemand, der Dinge so einfach hinnehmen konnte. Nach außen hin schon, aber all das hatte seinen Preis. Wäre er kein Magier gewesen, wäre es ihm vielleicht nicht möglich gewesen, seinen Körper tatsächlich zu verlassen, während man ihn quälte und schändete. Aber er war einer und ihm war es möglich in den Nexus zu fliehen. Andere hingegen flohen wo auch immer hin. Er hatte davon gelesen. Und für sie war es oft genauso schwer zurück in die Realität zu finden, wie für ihn zurück in die Physis. Bedienstete und doch mehr? Die Information nagte an ihm, eine Drehscheibe des Schicksals, eine der Sippe. Dave schaute Vanja abwartend ohne das geringste Zögern in die Augen. "Du meinst das Herrenhaus und seine internen Machtkämpfe? Du meinst den Tempel der Trinität tief unten im Herzen der Schwärze?", fragte Dave leise und offen.

Vanja von Wigberg
Als Davard seine magischen Sinne nach Vanja greifen ließ, fing dieser reflexartig an, gedanklich eine zu diesem Zwecke auswendig gelernte Speisekarte aufzusagen. Da brach die Verbindung schon wieder ab, bevor sie richtig hergestellt worden war. Es fühlte sich resigniert an, als hätte er aufgegeben. »Ich bin kein Antimagier, Davard. Viele meiner Familie sind es, aber ich gehöre nicht dazu. Wenn du das wünschst, zeige ich dir, dass ich ohne finstere Hintergedanken an dich herangetreten bin. Natürlich habe ich gehofft, deinen Hass zu schüren, wenn du dieses Gesicht siehst, da du ein hocheffektiver Attentäter bist und ich in Sorge um meinen Neffen bin. Aber ich denke, ich gehe recht in der Annahme, dass du froh darüber bist, von dem Fortbestehen der Linie Chud erfahren zu haben.« Er streichelte Davards Rücken, der nun wieder in einer trockenen und heilen Robe steckte. »Ich sprach nicht vom Herrenhaus, denn das ist eine Sache, welche nur die Hohenfeldes allein betrifft. Ich sprach vom Zirkel der Menschenfresser.«

Davard von Hohenfelde
Dave rutschte noch näher und legte Vanja einen Arm um die Hüfte. "Kein Antimagier? Nun trotzdem sollte ich die Dinge erfragen, die ich von Dir wissen möchte. Anstatt Dich einfach auszulesen. Genau genommen auch eine Form von Missbrauch, ungefragt in anderer Leute Gedanken eindringen. Schließlich sind Deine Gedanken, Dein Privateigentum. Das ist Du ganz persönlich, ungefiltert und jeder hat so seine kleinen Geheimnisse die er für sich behalten möchte. Deshalb liest man sie aus. Damit hat man sie in der Hand. Sie selbst legen sich durch falsche Scham und dummen Stolz in anderer Leute Hände. Das darf niemand erfahren, stellt Euch nur vor... meist ist es genau das... die Vorstellung. Das was sie sich ausmalen ist hundert mal schlimmer, als das was tatsächlich geschehen würde. Kapitalverbrechen ausgenommen, die dort zu Tage treten. Hocheffektiv? Na damit hast Du mir einen ganzen Topf Honig ums Maul geschmiert. Effektiv geht anders. Ich kann es sein, ja, zweifelsohne. Aber heute war ich ein kopfloses Huhn. Nun das sollte ich nicht sagen, in der Nähe unseres Drachenhuhns. Es schaut so... verstört. Froh über den Fortbestand der Linie? Nein. Es halst mir die Aufgabe auf, sie mit Stumpf und Stiel auszurotten, wie eine pestilenzartige Sumpfpflanze. Leider halte ich nichts von Sümpfen, ich hasse sie. Und ich bin auch kein strahlender Held in Rüstung, der das leichtfertig vollbringt. Ich warte die Nacht ab, wie immer. Heißt irgendwann, wenn sie nicht damit rechnen dünne ich ihre Reihen aus. Das ist zwar genau dass, was ich nicht tun sollte, aber hey was hunderte von Jahren funktioniert hat, wird auch noch für die Unkrautvernichtung funktionieren. Danach schauen wir mal. Der Zirkel der Menschenfresser liegt in Obenza. Wir sollten Derya ausfindig machen und wir haben herausgefunden, dass er in Obenza liegt. Wo genau, das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber Obenza ist nicht so riesig, dass man es nicht herausfinden könnte. Ich weiß, dass Archibalds missratene Tochter dort lebt. Was hat es mit dem Ring auf sich? Was hat die ganze Sippe damit zu tun? Hat es mit Alastair zu tun und seinem Tick?", fragte Dave und legte seinen Kopf auf Vanjas Schulter ab.

Vanja von Wigberg
»Froh darüber, erfahren zu haben, dass die Linie fortbesteht - denn so kannst du sie tilgen. Kopflos warst du, weil du nicht damit gerechnet hast, je noch einmal in Kazrars Gesicht blicken zu müssen, nachdem du ihn erledigt hast - niemand konnte ahnen, dass er einen Sohn vor euch versteckt, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist und seine Leidenschaft teilt. Ich schwieg lange, aber ich habe beschlossen, dieses Geheimnis zu lüften, um Moritz zu helfen. Ich selbst kann es nicht.« Er schmiegte sich in Daves Arm hinein und bettete seinen Kopf auf dem des Magiers. »In die Gedanken anderer Leute eindringen, du hast eine treffende Formulierung gewählt. Nichts anderes ist es als eine magische Penetration. Jeder Geistmagier sollte sich bewusst sein, auf welche Ebene er sich damit begibt. Wo genau der Zirkel liegt, weiß ich nicht. Ich habe ihn niemals betreten. Das lief alles über Mittelsmänner. Aber dort liegen viele Antworten auf die Fragen zu unserer Familie. Denn alle Fäden laufen dort zusammen.«

Davard von Hohenfelde
Dave schmunzelte als Vanja sich ebenso an ihn schmiegte. "Nichts anderes ist es, man könnte es als magischen Missbrauch bezeichnen. Jemanden gegen seinen Willen nehmen, ihm etwas rauben und ihm dabei Schmerzen zufügen. Was sollte es anderes sein Vanja? Aber wir beide müssen das nicht ausdiskutieren, denn wir sind einer Meinung. Wir verstehen uns. Was genau hat es mit Moritz auf sich und was hat es mit dem Zirkel auf sich? Er wird von Deiner Familie geleitet oder Ihr habt einen besonderen Bezug dazu? Sonst würdest Du es doch nicht so erwähnen. Sprich offen, so haben wir uns kennengelernt. In einer Welt voller Lügen, waren wir beide ehrlich zueinander. Wir haben die Welt der Lügen nicht erschaffen Vanja, wir müssen nur drin leben. Aber das können wir auch zu unseren Bedingungen, jedenfalls gemeinsam. Du verstehst worauf ich hinaus möchte?", fragte Dave aufmerksam.

Vanja von Wigberg
»Der Zirkel liegt nicht in der Hand meiner Familie, das glaube ich nicht. Aber auch meine Familie hat Bezug dazu. Die meisten Wigbergs sind umgänglich, aber auch wir haben Mitglieder, in denen das Erbe der Hohenfelde stark ist. Und diese halten die Verbindung zum Zirkel. Was genau sich dort abspielt, wer welche Fäden zieht, müsste dir ein anderer sagen. Ich weiß nur, dass Kazrar und Tekuro Chud dort ebenso ein und ausgingen wie Archibald. Die verlorenen Schäfchen, von denen ich schon sprach. Wenn du das Übel mit Stumpf und Stiel ausreißen möchtest, wäre dort ein Punkt, um anzusetzen. Moritz lebte in einer ganz ähnlichen Situation wie du, er war das Lieblingsspielzeug von Kazrars Sohn, mit dem einzigen Unterschied, dass er sich ihm freiwillig auslieferte und nicht mehr von ihm loskam. Nun scheint er allerdings doch einen Weg gefunden zu haben - den schädlichen Anteil seiner Seele haben sie ihm kurzerhand magisch-operativ entfernt. Er lebt nun in Gestalt von Patrice weiter bei Tekuro.«

Davard von Hohenfelde
"Sie haben... sie haben ihn zerstückelt?", fragte Dave fassungslos. "Freiwillig ist niemand in den Fängen einer Bestie Vanja. Es hat mit Schmerz und Logik zu tun. Irgendwann begreifst Du, dass er Dich überall findet, gleich wo Du Dich versteckst. Dass Dir niemand helfen wird. Dass Du in einer Gruppe von Leuten stehen kannst und er kommt um Dich zu holen. Er wird Dich holen und keiner wird Dir beistehen. Also wirst Du freiwillig zurückgehen oder bei ihm bleiben. Weil Du weißt, die Strafe für Ungehorsam oder Flucht wird derart hart, dass Du seine Torturen erträgst. Zur Loyalität gezwungen, nennt man das. Herrschen durch Angst, ist eine passende Erklärung. Die Linien der Häuser haben sich oft gekreuzt, vielleicht sogar schon vor den Siedlern, wer weiß das schon Vanja. Seltsamerweise ist Deine Familie oft Puffer oder Bindeglied. Hohenfelde und Wigberg passt oft sehr gut zusammen, ebenso ein Eibenberg und ein Wigberg. Aber Eibenberg und Hohenfelde knallt meist, siehe mein Vater und meine Mutter. Was immer die Eibenbergs an sich haben, sie bringen uns zur Weißglut. Nun einige jedenfalls, denn meine Mutter tat nichts, was die Quälerei meines Vaters rechtfertigte. Sie war einfach da, das reichte ihm schon aus. Und sie besitzt die magische Gabe. Vor langer Zeit also genauer gesagt vor zwei Jahren hatte ich eine ähnliche Überlegung, bezogen auf einen... Freund und meinen Mann, das war nach einem Streit.... Nach jenem Streit musterte ich Urako mit nicht zu deutender Miene. Es war meine Wahl gewesen, mich auf den Tiefling einzulassen, ich wusste was er tat. Hätte ich unsere Beziehung nicht gewollt, dann hätte ich mich gegen Varmikan und Puschel stellen müssen. Das hatte ich aber nicht. Im Gegenteil, ich war froh gewesen, dass ich zwei Personen im Leben hatte, die mich auf diese Weise liebten. Vielleicht war dies eigennützig, aber sich Liebe und Zuneigung zu wünschen war kein Verbrechen. Das nichts für die Ewigkeit geschaffen war, selbst nicht einmal Beziehungen oder Liebe, war mir klar gewesen. Die Frage die ich mir schon oft im Leben gestellt hatte war nicht ob mich eine Person verließ, sondern wann. Wann würde Pavo mich verlassen, Varmikan oder Urako? Manchmal hatte das Schicksal es in der Hand und riss mir eine geliebte Person wie Zhou von der Seite, die eine meiner besten Freunde gewesen war. Ein Geist der ersten Stunde. Bei Pavo und Varmikan war es der Lauf der Zeit, die Natur ihres Volkes. Etwas dass ich persönlich zu verhindern gedachte. Damals. Bei Urako waren es die äußeren Umstände. Ich war ihm nicht böse, dass er nichts mehr von mir wissen wollte. Die meisten Personen waren so. Sie profitierten gerne von meinen Fähigkeiten, sie nahmen gerne mein Geld in Anspruch, oder mich direkt persönlich. Und hatten sie die Schnauze von mir voll, ließen sie mich fallen wie eine heiße Kartoffel. So war das eben, wenn man als Person durch einen Titel samt Geld zur Unsichtbarkeit verdammt wurde. Das bedeutete aber nicht, dass mich der Verlust nicht schmerzte und die erneute Erkenntnis dessen wie es wahr, mir nicht wehtat. Vor allem da ich mit diesem Mann weitaus mehr geteilt hatte, als mit jedem anderen vorher. Sogar noch vor Varmikan. Aber auch das war für Urako bedeutungslos geworden, da er eine Familie gegründet hatte. Einerseits hätte ich Urako damals am liebsten angebrüllt, ihn angeschrien und ihm gesagt was ich für ihn empfand. Aber das war sinnlos, ich hätte mich damit nur lächerlich gemacht. Ich hatte es ihm sogar einst übermittelt, meine eigene Seele mit der von Urako verbunden und dennoch war es nicht genug. Vielleicht war ich einfach nicht genug. Manchmal war ich das alles so leid, aber ich hatte keine Möglichkeit daran etwas zu ändern, außer wie üblich wegzulaufen. Aber den Weg hatte damals mein Bruder schon eingeschlagen, so dass ich für Wolfi verantwortlich war, ebenso für Marcella. Und nun das, was mir im Jahr 202 dazu einfiel... Irgendwas hatte mir die Bestie vor langer Zeit gestohlen, dass mich nun zu einem Aussätzigen machte. Für die einen Opfer, für die anderen Mittel zum Zweck. Aber bis auf sehr wenige Ausnahmen war ich für andere niemals einfach nur ich - Dave. Niemand sah mich, niemand wollte mich. Für einen Moment musste ich mit meinen Gefühlen kämpfen, da ich es zu der Zeit gewagt hatte, von einer anderen Zukunft zu träumen. Einer guten, glücklichen Zukunft für sie alle, einschließlich mir selbst.... Von daher verurteilte Moritz nicht, für etwas, was er sich nicht aussuchen kann. Er kann nicht fliehen und Du kannst ihn nicht befreien. Nur der Tod der Bestie, wird ihm seine Freiheit zurück geben, falls überhaupt. Sie stehlen etwas von einem, dass Du nicht erklären kannst und dennoch ist es... fort...", sagte Dave tonlos.

Vanja von Wigberg
Vanja streichelte Dave die ganze Zeit, während er erzählte, und hörte ihm einfach nur zu. Es musste raus, es lastete auf seiner Seele. Vielleicht tat es ihm gut, es auf diese Weise loszuwerden, zumindest aber half es Vanja, ihn besser zu verstehen. »In Sachen Titel und Geld sind wir beide ebenbürtig. Mir ist es vergönnt, Dave zu sehen und nicht den Marquis, so wie du auch Vanja sehen kannst. Was die Eibenbergs so unausstehlich macht, ist ihre Fixierung auf das Materielle. Damit erfüllen sie eine wichtige Rolle in der Triade unserer Sippe, sie sichern unsere materielle Basis. Aber es macht sie bisweilen auch unerträglich. Der klassische Wigberg würde es mit schierer Geduld ertragen, der klassische Hohenfelde ärgert sich über so viel Verbohrtheit und geht an die Decke. So kalt ihr auch agieren könnt, auch in eurer Brust schlägt ein Herz, das sich danach sehnt, dass man es liebt. Der Eibenberg schaut auf euren Geldbeutel und prüft, ob sich die Hochzeit auch finanziell lohnt und wenn ja, dass der Ehepartner auch seine Finanzen in Ordnung hält, er misch sich ein, ist unbequem bis lästig, dabei meint er es auf seine Weise gut mit uns ökonomischen Stümpern. Der Wigberg hingegen ist am Miteinander interessiert, wir glauben daran, dass man gemeinsam mehr vollbringen kann als der Einzelne. Das macht uns zu dem, was manche den Kitt nennen. Es liegt mir fern, Moritz zu verurteilen, im Gegenteil, ich habe Angst um ihn. Er ist ein lieber Junge, du würdest ihn vermutlich mögen. Er kommt sehr nach meinem Vater, seinem Großvater. Dass ihn nichts und niemand befreien konnte von seiner persönlichen Bestie, musste ich leider erleben. Daraus resultierte meine Bitte an dich, den Skorpion zu beseitigen. Was war es, was deine eigene Bestie dir raubte? Die Fähigkeit, zu vertrauen? Deine Kindheit?«

Davard von Hohenfelde
Dave hörte Vanja aufmerksam zu und konnte nur beipflichtend nicken. "Ja damit hast Du es auf den Punkt gebracht. Selbst ein Eibenberg der es gut meint, möglicherweise sogar lieb meint ist trotzdem schwer erträglich. Sie denken in völlig anderen Bahnen. Das tun wir ebenso und sind vermutlich für sie genauso schwer verdaulich", grinste Dave. "Ich kenne Moritz nicht, folglich kann ich nicht beurteilen ob ich ihn mögen würde. Das spielt allerdings auch keine Rolle Vanja, wir sind Brüder im Leid und ich werde ihm helfen. Auf Deine Frage bezüglich der Bestie, kann ich Dir keine Antwort geben. Ich weiß es selbst nicht, irgendwas hat er mir genommen, dass mich auch andere Bestien als Beute erkennen. Oder versuchen sich ihren Anteil zu rauben. Heute schafft das kaum noch eine, es sei denn sie ist clever und kommt im weißen Mantel daher wie Varmikan. Oh er hatte nicht nur schlechte Seiten, er hatte auch gute. Wobei das natürlich Auslegungssache ist. Schützte er mich vor Dunwins Geist aus Liebe oder aus Eigennutz um sein Eigentum zu behalten? Vielleicht sehe ich ihn mit anderen Augen, es könnte sein ich bin ungerecht, aber nach unserem Gespräch im Geisterhaus war alles anders. Unsere Beziehung habe ich schlagartig anders gesehen, da mir das Gesagt nicht aus dem Kopf ging. Mit jemanden derart offen zu reden, öffnet einem selbst die Augen und den Geist. Und es öffnete mein Herz. Ich habe mich in Dich verliebt Vanja und da habe ich beschlossen, das Varmikan den Platz räumen muss. Ergo räumte ich ihn beiseite", sagte Dave freundlich.

Vanja von Wigberg
»In mich? Nun bin ich Schuld am Ableben deines geschiedenen Mannes? Herrje, es war nicht meine Absicht, mich in deine Ehe zu mogeln, ich wusste ja, dass du ein verheirateter Mann bist. Anderseits ... für einen Hohenfelde ist das noch nie ein Hindernis gewesen, das hätte ich wissen müssen.« Vanja legte die Hand an Daves Wange, die leicht von seinen Bartstoppeln kratzte. Der Kuss, den er ihm nun schenkte, war länger als all die Küsschen, die sie bisher ausgetauscht hatten, gleichwohl ein wortloses Lippenbekenntnis. Dennoch zögerte Vanja, auszusprechen, was in ihm selbst vorging. Das lag nicht an Davard, dessen Gegenwart er mehr als nur genoss. Es lag an der Situation, in der er sich momentan befand. »Hast du dir das gut überlegt, was diese Worte bedeuten können?«, fragte er, nachdem ihre Lippen sich wieder voneinander gelöst hatten. »Ein erneuter Pakt unserer Familien mit all ihren Schatten. So, wie das Dunkel deiner Familie hernach auch das meine wäre, würdest du das Dunkel der Wigbergs teilen. Es würden Verbindlichkeiten auf der einen und Tabus auf der anderen Seite folgen, denn wir sind keine Einzelkämpfer. Man würde erwarten, dass du einige unserer Regeln respektierst, selbst wenn du den Namen Hohenfelde für dich behältst.«

Davard von Hohenfelde
"Varmikan stirbt weil er eine Metallallergie hat, dafür kann ich nichts. Hätte er sich besser um sich und seinen aufgedunsenen Körper gekümmert, wäre das alles nicht geschehen. So etwas kommt davon, wenn man meint andere benutzen zu können wie ein Bumslappen. Das man sich stets zweimal im Leben sieht und das nun mit ihm der Boden gewischt wurde, war nur der natürliche Lauf der Welt. Wäre zudem nicht möglich gewesen, hätte er etwas seinen Grips, seine Reflexe und seinen Körper trainiert. Er hat sich auf meine Zuneigung verlassen. Zeigleich tat er sehr viel dafür, dass sie ins Bröckeln geriet. Du hast damit nichts zu tun, nicht direkt. Du hast mich nur mit der Nase draufgestoßen, was ich von Anfang an selbst wusste, aber nicht sehen wollte. Was mein Geständnis bedeutet? Das was ich sagte. Solltest Du Interesse an mehr haben, als ein paar Stunden der Zweisamkeit vor einem gepflegten Mord, dann bin ich mir der Konsequenzen durchaus bewusst. Ich bin auch kein Einzelkämpfer Vanja, ich habe die Geister... nun heißen sie Fantome und wir dienen Souvagne. Nun manche Dinge wie die Auseinandersetzung mit Varmikan sind auch privat, dass gebe ich zu. Aber irgendwann ist auch bei mir Schluss. Ich wollte und konnte das nicht länger ertragen. Das er ein Archibald ist, wurde mir klar. Und warum ich ihn wählte auch, bekanntes Schema. Ich habe immer nach jemandem gesucht, der anders ist. Frauen, mit denen konnte ich nichts anfangen und die nicht mit mir. Außer dass sie sich bescheiden verhielten. Varmikan... ein bleicher, mopsiger Archibald. Wieso suche ich das Grauen und nicht das was mir gut tut? Weil ich es so eingeprügelt bekam. Das ist nicht meine Wahl, das ist die meiner "Meister". Also wählte ich ab und wählte neu, ich wählte und ich habe Dich ausgesucht. Was Du daraus machst, ist Deine Sache. Ich überlasse es Dir ob es Stunden, Wochen oder für immer hält. Ich bin bereit dazu den Preis zu zahlen Vanja", antwortete Dave und küsste Vanja fest und verlangend zurück.

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Re: Der Dolch und der Pilgerstab

#9

Beitrag von Vanja von Wigberg » Di 1. Okt 2019, 13:38

Diese Worte zu hören, ließ Vanja vor Wohlbefinden einen Moment lang die Augen schließen. Doch sie ließen ihn nicht die Realität vergessen, die kälter und dunkler war als der Traum, der sich gerade in seinen Gedanken wob.

»Den Preis bestimme nicht ich, sondern das Familienoberhaupt unseres Zweiges«, erinnerte er Davard. »Wir beide haben uns gegenseitig Offenheit zugesichert, darum werde ich die Dinge beim Namen nennen, so deutlich ich das vermag. Unser Oberhaupt ist ein Wigberg der alten Schule, seine Loyalität gilt dem Dunklen Pfad. Er dient dem Duc de Souvagne so lange, wie es Vorteile für die Familie bringt. Jene Krone, welche die besten Konditionen bietet, kann auf ihn zählen. Ob sie nun auf dem Haupte Souvagnes sitzt, auf dem von Ehveros, Ledwick oder Naridien, das spielt für ihn keine Rolle. Er ist kein Almane, er ist kein Naridier, er ist ein Wigberg. Staaten sind ein Nährboden für ihn, um den Einfluss der Familie zu sichern und unser Netzwerk auszubauen, ihre Traditionen, Werte und Normen haben für ihn keine Bedeutung. Im Herzen dient er niemand anderem als dem alten Dunkel, das so lange schon unser Wegweiser war. Der Dunkle Pfad, dem du abgeschworen hast, ist jener, dem mein Zweig folgt. Mir die Hand zum ewigen Bunde zu reichen, hieße, erneut den Fuß auf diesen Weg zu setzen. Ist es wirklich das, was du möchtest?

Du bist der Krone gegenüber loyal - mein Zweig - und das sage ich dir im Vertrauen - ist das nur bedingt. Sollte je der Tag kommen, an dem die Krone und meine Familie konträre Interessen vertreten, ist klar, welche Entscheidung man von mir erwartet. Ich bin ein potenzieller Verräter, Davard, ein Schläfer, und du bist der Dolch der Krone. Dass ich dir das so deutlich sage, zeigt, wie ernst es mir ist und ich kein Spiel mit dir spiele. Nach diesen Worten könntest du mich auf den Block bringen oder gleich an Ort und Stelle richten.

Wie fest und wie bindend möchtest du jemanden wie mich an deiner Seite wissen? Überlege dir das gut. Es muss auch nicht Ja oder Nein heißen, Schwarz oder Weiß. Zwischen einer lockeren Romanze und einer Ehe liegt ein weites Feld der Möglichkeiten. Genuss ohne Verbindlichkeiten und ohne Reue oder das Komplettpaket mit ehelicher Verschmelzung bis zum bitteren Ende.

Mich gibt es leider nur mit einem riesengroßen Aber und das heißt Wigberg. Und darum bin ich bis heute allein.«


Es gab so viel mehr, was Vanja ihm gern gesagt hätte. So vieles blieb ungesagt und ungetan und mehr denn je fühlte sich das Prädikat 'Wigberg' an wie ein Korsett, das ihm die Luft zum Atmen raubte. Und hinten an den Schnüren zog Vendelin, der Muttermörder, den Fuß fest in sein Kreuz gestemmt. Vanja hatte schon zu viel gesagt, viel zu viel. Seine Finger strichen über die geschenkte Robe, die Davard trug.

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