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Politisches Intrigenspiel

Verfasst: Fr 8. Sep 2017, 13:01
von Sal'jil
Es war einfach nur widerwertig! Der abscheuliche Gestank des niederen Abschaums stieg dem Tajik in die Nase. Es stank grässlich. Es stank nach widerlichen Geschwüren und Pestiziden, nach verdorbenem Fisch, Schweiß, Pisse und anderen Fäkalien. Mit rümpfender Nase und gequältem Gesichtsausdruck, japste Sal'jil nach Luft. Doch es wurde nicht besser. Niederes Pack!, schimpfte der Reiche innerlich. Er verachtete diese Brut.

Sal'jil befand sich auf seinem Weg zu seinem Zielort in dem heruntergekommenden Fischereihafenviertel von Danos, wo man nach Meinung des gemeinen Volkes die Meuchlergilde "Blüte des Nachtschattens" auffinden konnte. Das heruntergekommende Fischerviertel bot einen erbärmlichen Anblick. Es war das Viertel der allerärmsten Leute von Danos. Im Allgemeinen war Danos keine reiche Stadt und einziges Drecksloch voller Verbrecher. Der Kalif hatte nämlich seine Residenz außerhalb der Stadt und kümmerte sich nicht um die Belange des gemeinen Volkes. In Danos selbst gab es keine Stadtwache und niemand mehr, der sich um das öffentliche Recht kümmerte. Das war nicht immer so gewesen, denn bevor Kalif Jikhbar vor 30 Jahren an die Macht kam, war Danos noch ein Lichtblick des Südens gewesen. Im Laufe seines Lebens war der Kalif aber dem Machtstreben des Lichskaiser von den Schatteninseln verfallen, der einen starken Einfluss auf Jikhbar ausübte.

"Edler Herr, helft mir...bitte, nur ein Taler...", jammerte ein hungerleidender Bettler, der sich an Sal'jil edles Gewand klammerte und ihn damit aufhielt. Mit seiner grazilen Gangart, seiner vornehmen Kleidung und aufgrund seines blumig, wohlriechenden Duftes stellte Sal'jil eine groteske Kontrastfigur zu dem Bild der Stadt dar.
"Scher dich weg elender Schnorrer!", wetterte der reiche Tajik voller Missachtung und warf den armseligen Bettler zu Boden. "Oder ich schneide dir deine unwürdige Kehle durch!" Sal'jil zog drohvoll seinen Säbel hervor. Nachdem sich der Bettler, aber wieder in die Pfütze warf, wo er hergekommen war, steckte er den Säbel wieder ein. Mit pedantischer Sorgfalt klopfte Sal'jil mögliches Dreck von seinem Gewand ab und nach einigen Minuten, nachdem er sich sicher war, dass der "Dreck des Unwürdigen" weg war, setzte er seinen Weg fort.

Als Sal'jil schließlich den äußersten Rand des Fischerviertels erreicht hatte, machte er sich auf die Suche nach den Mann, den man "die Zunge" nannte. Da Sal'jil aber keine Ahnung, wo er zu suchen hatte, er den ersten Mann zu sich, der an ihm vorbeiging und schrie den Mann mit befehlerischem Ton an, ob er wisse, wer die Zunge sei. Der Mann reagierte und antwortete aber nicht. "Sag mir sofort, wer diese Zunge ist," kommandierte Sal'jil.

"Bei ihm wirst du kein Erfolg haben", hörte er plötzlich eine Stimme, die von hinten kam. Sofort drehte sich Sal'jil um und war umso verwunderter, als er hinter ihm keine Person erkannte. "Hier oben", kicherte wiederum die gleiche Person und sprang dann mit erstaunlicher Leichtigkeit vom Dach einer Barracke herunter. Der fremde Mann war vielleicht Mitte 20, trug dunkle Kleidung und einen schwarzen Kopftuch, der sein komplettes Gesicht bedeckte und nur seine dunkelbraunen Augen freihielt. In seinen Händen hielt er zwei Dolche mit denen er bedrohlich in Richtung Sal'jils zeigte.

"Dieser Mann hier," der Fremde deutete mit dem Dolch auf den stummen Mann. "Ist die Zunge. Er bewacht unseren Eingang und ist tatsächlich taubstumm...der Bastard hat noch nie ein Wort gesprochen," lachte der Fremde und fügte dann hinzu: "Aber nun verrate mir was solch ein vornehmer Schleimlecker hier in unserem Viertel macht... Der Kalif hat hier nichts mehr zu sagen, dieses Viertel gehört der Blüte des Nachtschattens!"

"Ich bin der Gesandte des Kalifen," sprach Sal'jil. "Du bist armseliger Abschaum und wirst das tun, was ich dich von dir verlange! Mein Herr braucht einen Attentäter und wir sind bereit einen hohen Preis für euch zu zahlen". Provoziert vom Tonfall des reichen Tajik wollte der Maskierte zunächst seine Waffe ziehen und ihn zurechtweisen. Der Maskierte wusste aber, wann man ein Geschäft nicht abschlagen sollte und ignorierte sein Ehrgefühl.
"Ach wenn das so ist", antwortete der Fremde, der offensichtlich einer der führenden Köpfe der Gilde war, "dann folgt mir."

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Unter lautem Protest hatte der Maskierte Sal'jil die Augen verbunden und ihn dann durch ein Kanalisationssystem zum Sitz der Blüte des Nachtschattens geführt. Dort angekommen, wurde Sal'jil zunächst in eine Ecke gesetzt, bis nach einiger Zeit der gleiche Mann wieder zurückkam, mit dem Sal'jil heruntergekommen war. Der Attentäter nahm ihn die Augenbinde wieder ab und sprach dann:
"Das hier ist Namik. Er wird euch zur Seite stehen und euren Auftrag ausführen". Sal'jil brauchte einen kurzen Moment, damit sich sein Augenlicht, an die Umgebung gewöhnte. Dann antwortete Sal'jil: "In Ordnung," und überreichte dem Mann den Geldbeutel, welcher immer noch maskiert war.
"Abgemacht," grinste der Fremde. Er reichte Sal'jil als Zeichen des Geschäftsabschlusses die Hand. Aber der Hofmagier ignorierte den Handschlag, und schaute nur verachtensvoll sowie überheblich auf den Maskierten herab. Schließlich befahl er Namik: "Pack deine Sachen."

Re: Politisches Intrigenspiel

Verfasst: Fr 8. Sep 2017, 13:01
von Namik al-Nadeem
Die unterirdischen Gänge der Hafenstadt entpuppte sich wie bereits erwartet als ein düsteres, stinkendes Nest - kaum zu glauben, dass sich die Blüte des Nachtschattens in dieser Umgebung repräsentierte. Sicherlich - der eigentliche Hauptsitz der Gilde, welcher dieser Stadt weit entlegen und sich östlich der Wüste Raschidstans befand, wäre geeigneter gewesen den offensichtlichen Auftraggeber zu empfangen - zumindest war es in der Festung sauberer als dieses Loch, für welches man sich nur schämen konnte. Namik konnte sich erinnern, dass einer seiner Brüder ihm berichtete, dass zur Erhaltung der Anonymität der Gilde der tatsächliche Standort des Hauptsitzes ausschließlich den Gildenmitgliedern bekannt sein sollte und man daher auf solchen Alternativen zurückgriff. Es war inzwischen allgemein bekannt geworden, dass sich Meuchelmörder in Danos niedergelassen hatten und obwohl man alles seitens der Stadtwache dagegen setzte, konnten sich die Gesetzeslosen durchsetzen und hatten mittlerweile die gesamte Stadt mehr oder weniger in ihrer Kontrolle. Daher verwundert es nicht, dass hier auch überwiegend die Geschäfte abgewickelt wurden. Trotzdem konnte Namik kaum fassen, dass man tatsächlich einen Gesandten des Kalifen, welcher offensichtlich einen bedeutungsvollen Auftrag übermittelte, in einer Kanalisation empfangen wollte. Es war unpassend und zudem beleidigend zumal Namik sich hier unten selbst wie einer der Ratten fühlte, welche ständig an ihm vorbeihuschten. Esadh - ein Kamerad und zeitgleich trotz seines jungen Alters einer der führenden Mitglieder der Gilde - hatte Namik aufgesucht und begleitete ihn durch die schmalen Gänge der Kanalisation um ihn zum vermeintlichen Gesandten zu führen. Der junge Mann hatte den Gesandten zuerst gesprochen und ihn wie es üblich war vor wenigen Minuten erst mit verbundenen Augen durch die Kanalisation geführt. Offensichtlich etwas empört von der Art und Weise des Gesandten, versuchte Esadh die Begebenheiten eilig zu erklären. Namik musste amüsiert feststellen, dass Esadh sich zwar in Sachlichkeit seiner Aussagen bemühte, aber daran scheiterte, weil dessen Empörung nach wie vor einfach zu groß war. Die Informationen, welche sein Kamerad übermittelte, waren ebenso beunruhigend als die Tatsache in wenigen Sekunden einen übelgelaunten, arroganten Gesandten gegenüber zu treten, der nach Aussage seines Kameraden das bisher gekannte Maß an Dreistigkeit bei weitem überschritt.

Mit einem leisen Seufzen betrachtete Namik die nur spärlich beleuchtete Umgebung während er den Raum betrat. Die recht großzügige aber niedrige Kammer, welche sich weit unterhalb der Keller dieser Stadt befand, unterschied sich zumindest etwas von den Gängen, welche zu ihr führten. Das Gemäuer, welche ihm umgaben waren von schmierigem Moos und dunklen Flecken überzogen während der Steinboden hier zumindest trocken und von schmutzigen Teppichen bedeckt war. Diese waren wohl noch nie besonders kostbar gewesen und nun waren sie zudem schadhaft und fleckig. Einige Truhen dessen Schlösser aufgebrochen waren, standen eng zusammengeschoben an der Wand. In der Mitte des Raumes stand ein leerer Tisch, umgeben von schlichten Stühlen. In der Ferne hörte man das dumpfe Rauschen der Kanalisation und ganz nebenbei stank es auch beinahe unerträglich. Irgendwo tropfte Wasser von der kahlen Decke des Raumes. Sein Blick wanderte zu dem augenscheinlich jungen Mann, welcher auf einen der schlecht verarbeitete Stühle saß und unwillkürlich musterte Namik diesen. Obwohl Stoff noch die Augen des Mannes bedeckten und er somit nur ein Teil des Gesichtes erkennen konnte, befand Namik ihn als recht gutaussehend. Selten hatte Namik bisher Männer erblickt, welche man wirklich nachsagen konnte, dass diese von Schönheit gesegnet waren und offensichtlich war der Gesandte einer dieser Männer. Kleidung aus den feinsten Stoffen, welche Namik sich wohl niemals in seinem Leben hätte leisten können und zahlreicher Schmuck aus purem Gold zierten den offenkundig gepflegten Körper. Nachdem Esadh die Augenbinde abgenommen hatte, konnte Namik auch dessen Augen erkennen, welche wie erwartet das Gesamtbild des Gesichtes perfektionierten. Ohne irgendwelche überflüssige Förmlichkeiten ließ sich Namik von Esadh dem Gesandten vorstellen, bemerkte wie dieser ihn oberflächlich musterte und dann nur mit einem "In Ordnung" zustimmte. Diese Art und Weise missfiel Namik. Er sollte für seine Dienstleistungen zahlen und ihn nicht anhand seines Erscheinungsbildes urteilen, ob dieser nun für seine Absichten geeignet war oder nicht. Anderseits war dies auch das gute Recht des Mannes und völlig gleich ob es Namik unangenehm war wie ein Vieh auf dem Markt begutachtet und anschließend als nützlich befunden zu werden, musste er es hinnehmen - immerhin zahlte dieser Mann eine beträchtliche Summe. Ein gut gefüllter Geldbeutel wechselte den Besitzer und Namik staunte nicht schlecht als der Mann, welcher es auch nicht wirklich für nötig befand sich einmal vorzustellen, den Handschlag seines Kameraden ignorierte. Die Verachtung, die sich in den Augen des Fremden widerspiegelte war unübersehbar. Schließlich wandte sich der Mann erneut Namik zu und der Befehlston der daraufhin folgte, gefiel Namik überhaupt nicht. Er schien ihn für einen Menschen niederer gesellschaftlicher Herkunft oder für einen Leibeigenen zu halten, aber er war weder das eine noch das andere. Sich in allen Maßen zusammenreißend obwohl es ihm brodelte erwiderte er dessen Augenkontakt, etwas herausfordernd. „Würdet Ihr denn so freundlich sein, euch einmal vorzustellen?“ Namik bemühte sich seine aufkommende Wut in Zaum zu halten und sich gelassen, wenn auch selbstsicher zu geben. Esadh wandte sich inzwischen vom Geschehen ab, lief zu einem schäbigen, beinahe in sich zusammenfallenden Schrank auf der linken Seite des Raumes und entnahm diesen einen Krug gefüllt mit einer rotfarbenen Flüssigkeit, welche einen angenehmen süßlichen Duft verströmte. Des weiteren nahm der Attentäter einen schmucklosen Becher aus Ton aus dem Schrank, befüllte diesen mit der Flüssigkeit und schlenderte dann langsam wieder zu dem Gesandten hinüber. „Ihr seid sicherlich durstig.“, brachte Esadh in seiner freundlichsten Stimmlage hervor und reichte ihm den Becher. „Befeuchtet eure Kehle doch etwas mit diesem köstlichen Wein.“ Der Wein roch intensiv nach einem Gemisch aus Kirsche, Blaubeere und südländischen Gewürzen. Namik entging nicht, dass Esadh sich bemühte die Stimmung etwas aufzulockern.

Re: Politisches Intrigenspiel

Verfasst: Fr 8. Sep 2017, 13:01
von Sal'jil
Auf die Frage, wie er hieße, antwortete Sal’jil zunächst nur mit Schweigen. Einen kurze Zeit beäugte er seinen Gegenüber, der ihn herausfordernd anblickte. Namik sah recht durchschnittlich und einfach aus, war aber für einen Mann seines niedrigen Standes erstaunlich gepflegt, stellte Sal’jil fest. Auf die Herausforderung seines Gegenübers jedoch ging Sal’jil nicht ein, sondern wandte seinen Blick direkt von Namik ab. Unterstützt mit einem leichten Schnauben signalisierte Sal’jil damit, dass er es nicht nötig hatte auf die Herausforderung eines so niedrigen Mannes einzugehen. Statt zu antworten ging der Hofmagier stattdessen wichtigtuerisch einige Schritte durch den Raum, so als ob er über etwas sehr Ernsthaftes nachdenken würde und zögerte eine Antwort so weit wie möglich hinaus, um seinen Gegenüber auf die Folter zu spannen und ihn dazu zu bringen, dass er sich Gedanken über Sal'jil machen musste. Der Hofmagier strahlte inzwischen eine starke Selbstsicherheit und Geduld aus.
Als Sal'jil spürte, dass die Zeit reif war, durchbrach er das Schweigen, indem er theatralisch laut seufzte und mit stolzer Stimme verkündete: "Ich bin Sal'jil, Sohn des großen Meistermagiers Al-Sahif, Gesandter und Hofmagier des Kalifen Jikhbar von Danos."
Obwohl Sal'jil nicht mehr Titel als die oben genannten besaß, sprach er diese trotzdem mit Würde aus, da er genau wusste, wie man als Adliger auftreten musste, selbst wenn Sal'jil selbst keiner war. Denn ein Gesandter hatte normalerweise nichts zu sagen, und war nicht mehr als ein Botenjunge. Darüber hinaus war der Titel des Hofmagiers ebenso nicht viel wert, da diese Art von "Magier" meist nur einfache Zauber beherrschten und am Hofe der Adligen mehr zur Belustigung dienten. Der Name seines Vaters hingegen war legendär und brachte normalerweise eine Welle der Bewunderung herbei. Weiteres erläuterte Sal’jil zunächst nicht und starrte nun auf Namik, um ihm zu zeigen, dass er auf ihn wartete.

Esadh bemerkte aber die Anspannung und begann die Situation zu entschärfen. Er hatte tatsächlich gute Menschenkenntnisse und ein gutes Gespür für Geschäfte, sodass er Sal’jil den Wein anbot. Mit einem ganz leichten Nicken signalisierte Sal’jil, dass er etwas trinken würde. Esadh goss Sal’jil als Erstes ein und holte danach zwei weitere Tonbecher hervor, die er ebenfalls auffüllte.
Doch Sal’jil wartete nicht auf eine Geste, oder einen Trinkspruch des großzügigen Spenders, sondern trank einfach drauf los, noch bevor Esadh die beiden anderen Gläser aufgefüllt hatte. Der Wein war für Sal'jils verwöhnten Gaumen nicht unbedingt befriedigend. Der Hofmagier hatte nämlich schon zahlreiche exzellente Weine getrunken. So auch im Palast des inzwischen verstorbenen Sultans Bayezid II., wo er diverse Importweine aus Elas, Heinan, der Yatekenstadt Laga oder den Nordlanden probiert hatte. Verglichen damit war der angebotene Wein des Meuchelmörders natürlich eine Farce ohnegleichen.

Mit gekonnter Rhetorik begann Sal’jil mit einem kleinen Vortrag: "Wohlan, schmeckt provinziell…vermutlich vom Danos Delta. Leider viel zu süß und zu würzig im Abgang. Wobei der elanische Wein wirklich der Grässlichste ist, ja wirklich noch schlimmer, als dieser hier", meinte Sal'jil beiläufig, wobei er keinerlei Provokation in der Stimme hatte, dennoch verzog Sal'jil bei einem weiteren Schluck das Gesicht. Dann fuhr er fort: "Schaut euch die Farbe an. An der Intensität erkennt man, dass der Wein stark verunreinigt ist. Ich bevorzuge die trockenen Weine aus dem Norden, sie sind meist harmonisch gut abgestimmt und nicht zu fruchtig, wie die Weine aus Laga. Wobei die lieblichen, tiefen, vollmundigen Weine aus Heinan auch nicht schlecht sind. Sie gerinnen geschmeidig die Kehle hinunter und haben trotzdem den erforderlichen Biss“, wohl ahnend, dass keiner der Beiden vermutlich darauf antworten könnte. Trotz des Geschmacks, die Sal’jils Gaumen nicht zufriedenstellte, trank Sal’jil den Wein dennoch ganz aus. Dies war wohl die erste Geste des Hofmagiers, die zeigte, dass Sal’jil tatsächlich höflich sein konnte, wenn er wollte.

Mit seinen Augen und mit allen seinen Sinnen fixierte der Magier das inzwischen leere Weinglas. Wie aus dem Nichts schien sich das Weinglas plötzlich wieder aufzufüllen, ohne dass Sal’jil seine Hände bewegt hätte. Der Magier hatte nämlich den Zauber „Schmackhafter Wein“ beschworen und erzählte nun: "Alle Extrakte, die ich mal getrunken habe, kann ich zu einem Ganzen zusammenfließen lassen… Die gewünschte Alkoholwirkung tritt nicht ein, aber dies ist bei der Hitze draußen sowieso nicht nötig“, und fing an zu schwafeln, was ein Zeichen dafür war, dass sich Sal'jil nicht mehr ganz so unbehaglich fühlte. "Bei den Temperaturen entwässert man schnell und die alkoholischen Ingredienzien führen zu Termina Totalis," wobei er das letzte Wort besonders betonte. Er hatte das Wort von seinem Lehrer Rashid abu'l kitâb gehört. Die Bedeutung hatte er wohlgemerkt aber nie richtig verstanden. Aber bei den hier Anwesenden würde kaum einer dieses Wort kennen und von daher wusste Sal'jil, dass er mit seinem Wissen auftrumpfen konnte, um so Status und Anerkennung in dieser armseligen Gemeinschaft zu gewinnen.
" Doch der Geschmack dieses hervorrangenden Weines ist einmalig. Sämtliche Aromen Lodranions vereint zur kostspieligen Glanz. Nicht mal so einer wie du könnte da nein sagen“, meinte Sal’jil und zeigte auf Namik. Auch diesmal lag keine Provokation in seiner Stimme. Im Tonfall lag eher etwas Selbverständliches oder Nebensächliches.

Re: Politisches Intrigenspiel

Verfasst: Fr 8. Sep 2017, 13:02
von Namik al-Nadeem
Vermutlich bereitete es dem Gesandten höchstes Vergnügen Menschen in spannende Erwartung zu versetzen, indem er ihnen eine entscheidende Information vorenthielt beziehungsweise die Antwort dementsprechend hinauszögerte. Ungeachtet dessen, dass dieser ihn eindringlich musterte, hielt Namik weiterhin Augenkontakt, blickte in für südländischer Herkunft charakteristische dunkelbraunfarbene Augen, die allerdings einen schöneren Farbnuance aufwiesen als die meisten, welche er bisher gesehen hatte. Das verächtliche Schnauben des Gesandten und die Missachtung zugleich, welche der eindringlichen Musterung folgte, entging Namik selbstverständlich nicht und verdeutlichte, dass dieser nichts von dem Meuchelmörder hielt. Innerlich stellte Namik sich die Frage, ob dieser von unbeschreiblicher Hochmut geprägte Mann diese Überheblichkeit nutzte um eine Distanz zwischen sich selbst und seinen Gegenüber zu schaffen - eine Art Selbstschutz. Sicherlich empfand dieser Mann ein intensives Gefühl der Unvollkommenheit, welche er offenbar erfolgreich vor den Menschen in seiner Umgebung verbarg. Bereits diese recht unwahrscheinliche Erkenntnis - ob diese zutreffend war sei dahingestellt - minderte seinen auf die Kränkung folgenden, aufkommenden Zorn. Doch um so länger Namik seinen Gegenüber beobachtete, um so intensiver zweifelte dieser an seine Theorie. Dieses Maß an Selbstsicherheit konnte man einfach nicht vortäuschen. Namik hob überrascht eine Augenbraue als der Mann, dessen Name letztlich Sal'jil lautete, verkündete, dass er der Sohn des berühmten und in Radschistan hochgeschätzten Magiers Al-Sahif sei. Die restliche Anreihung von irgendwelchen Beinamen und Titel nahm dieser dann anschließend gar nicht mehr wahr. Al-Sahif war nicht bloß aufgrund seiner bemerkenswerten magischen Begabung dermaßen bekannt, sondern auch seine Aufzeichnungen bezüglich der Erforschung der allgemeinen Magie waren beliebt und angesehen zugleich. Sofern Sal'jil nur annähernd über entsprechende magische Begabungen verfügte wie dessen Vater, so sollte man ihn fürchten beziehungsweise ihn eher einen Freund als einen Feind nennen. Nicht eher als sein Bruder ihm den Becher Wein reichte, wurde Namik aus seinen Gedanken gerissen, schaute etwas überrascht auf diesen und lehnte dann mit einer freundlichen Geste diesen stillschweigend ab. Der Genuss von Alkohol war in dieser Situation nicht unbedingt nutzbringend, zumal er sich in Beherrschung üben musste. Außerdem mochte Namik Weine nie sonderlich. Nachdem dieser Sal'jil anschließend auch noch meinte, den sicherlich kostenintensiven Wein zu bemängeln, nebenbei auch noch einen Vortrag über verschiedene Weine hielt stellte Namik fest, dass Esadh genauso wenig Ahnung von dem hatte, was dieser Mann da sprach, wie er selbst. Den überraschten Blick, den beiden untereinander wechselten als der Magier ihnen dann auch noch dieses kleine aber durchaus bewundernswerte Kunststück präsentierte war sicherlich unbeschreiblich. Würde Namik dies nicht mit eigenen Augen sehen, hätte er wahrscheinlich niemals geglaubt, dass es tatsächlich Menschen gab, welche Weine einfach wie in alten Märchen aus seiner Kindheit herbeizaubern konnten. Die darauffolgende Aussage des Magiers war wiederum so anmaßend, dass Namik alsbald seine stille Begeisterung verdrang und ihn mit einen drohenden Blick strafte. Dieser Mann wagte es tatsächlich ihn permanent verbal anzugreifen, zu provozieren und ungeachtet dessen, dass dieser Jemand das verzogene Balg eines Meistermagiers war, war Namik hin - und hergerissen diesen Mann in seine Schranken zu weisen. Diese unbeschreibliche Eingenommenheit von sich selbst und die von ihm viel schlimmer empfundene Feindseligkeit erinnerte ihn an seine eigene Familie oder vielmehr an die Familie seiner Mutter. Sie waren allesamt gleich in ihrer unglaublichen Selbstherrlichkeit und Namik wusste nun wiederholt warum er diese Menschen höherer Gesellschaft dermaßen verachtete. Namik wartete einen Moment, atmete einmal tief durch um nicht seine Haltung zu verlieren. „Noch nicht einmal so einer wie ich, ja? Möchtet Ihr mir etwas vermitteln? Wenn ja sprecht euch ruhig aus.“ Seine Stimme wirkte ruhig, allerdings konnte man in dieser unschwer seinen Zorn erkennen und er lächelte freudlos ein wenig dabei. Er war es mehr als leid sich weiterhin tatenlos beleidigen zu lassen. „Anstatt eure Defizite hinter eure erbärmlichen Versuche andere Menschen in irgendeiner Form zu beleidigen, zu verstecken, solltet ihr uns zunächst aufklären. Mit wem möchte der werte Kalif denn abrechnen oder bezahlt er Euch dafür, dass Ihr euch zu uns in eine Kanalisation stellt und mit Euren kleinen Kunststückchen unterhaltet?“ Namik erkannte recht zügig, dass diese Aussage mehr als anmaßend war und er spürte bereits den warnenden Blick seines Bruders. Sicherlich würde dies eine Konsequenz seitens der Gilde nach sich ziehen, aber dies war ihm momentan völlig gleich. Kein Mensch - weder Auftraggeber sonst irgendjemand hatte das Recht dazu, ihn so zu behandeln. Nichtsdestotrotz erhoffte sich Namik, dass dies gesessen hatte und dieser Sal’jil nicht gleich in einem Gelächter ausbrach, weil er erkannte, dass Namik nicht so recht überzeugt von seiner eigenen Aussage war. Defizite waren hier sicherlich nicht zu erkennen, höchstens vielleicht aufgrund seiner Reaktion in seiner eigenen Person und diese Tatsache war bereits blamabel genug.

Re: Politisches Intrigenspiel

Verfasst: Fr 8. Sep 2017, 13:02
von Sal'jil
Dieser Mann war…recht amüsant, stellte Sal’jil fest. Er fühlte sich von den Worten Namiks in keinster Weise herausgefordert, sondern eher bestätigt. Er fand es ungewöhnlich, dass ein einfacher Mann, wie Namik es war, den Schneid hatte ihn verbal zu attackieren. Normalerweise griff das Gesindel schnell zu den Waffen. Auf einen Gegner gestoßen zu sein, der mit Worten umgehen konnte, gefiel Sal’jil. Es sprach dafür, dass Namik Bildung genossen hatte, auch wenn sie im Vergleich zu Sal’jil vermutlich ziemlich rudimentär war. Namik war nicht ganz so eindimensional und einfach, wie der Tajik zunächst gedacht hatte. Ich bin ihm überlegen, aber ich sollte etwas vorsichtiger sein, gestand sich Sal’jil. Der Hofmagier ließ sich seine Gedanken aber nicht anmerken, sondern grinste nur leicht.

„Werde bloß nicht philosophisch. Das steht dir nicht,“ forderte Sal’jil. Er umkreiste den Tajik, wie ein Raubtier seine Beute. Auf Namiks zweite Frage reagierte dann Sal’jil: „Nie würde ich freiwillig in solch ein Rattenloch steigen. Ich kenne solche Orte nicht,“ begann Sal’jil zu antworten und hatte seinen Blick fest auf Namik. Er entschied die Beleidigung nicht zu erwidern, da er wusste, dass die Situation dadurch eskalieren könnte. Ein kleines Sensibelchen dieser Mann. Wäre er nicht so verdammt ernst könnte man ihn als Hofnarren einstellen, lachte er innerlich. Damit die Arbeit reibungslos verläuft, da es schließlich nicht nur um Sal’jil selbst ging, sondern es eine Sache des Kalifen war, beschloss Sal’jil seine Verachtung für diesen Mann vorerst zu verbergen.

„Die Beweggründe für meine Tat sind unerheblich. Ich werde für meine Dienste vom Kalifen reichlich entlohnt. Auch du wirst dies.“ Sal’jil schaute kurz zu Esadh. Dann plötzlich wurde Sal’jils Stimme ernst.
„Du solltest es als Ehre empfinden für den Kalifen zu arbeiten, stattdessen ziehst du seinen Namen in den Dreck,“ bemerkte er mit rhetorischer Genialität. „Entsinnst du dich nicht deiner gesellschaftlichen Position?“, fragte er fatalistisch. „Du wirst schnell einen Kopf kürzer gemacht, wenn der Kalif davon erfährt, dass du ihn beleidigt hast… Möchtest du dies?"
Sal’jil ließ keine Zeit zu antworten, sondern fuhr weiter fort: „Also unterlasse jene Artikulation, die dein Mundwerk verlässt, denn der Kalif ist nicht so geduldig wie ich!“

„Bei solch einer unprofessionellen Haltung wage ich zu behaupten, dass dieser Mann ungeeignet für den Auftrag ist“, meinte Sal’jil und sprach damit zu Esadh. Esadh überlegte und machte eine Geste, die bedeutete, dass ihm das gleichgültig wäre. „Entschuldigt ihn, er hat sich vergessen,“ erwiderte Esadh und schaute gereizt auf Namik. „Er wird sich in Zukunft zu benehmen wissen, betonte Esadh.

Re: Politisches Intrigenspiel

Verfasst: Fr 8. Sep 2017, 13:02
von Namik al-Nadeem
Wie bereits erwartet wurde sein schwachsinniger Versuch seinen Gegenüber zu verunsichern, ihn zumindest ansatzweise aus den Konzept zu bringen, belächelt. Namik musste sich eingestehen, dass es zwecklos war, sich mit einem Menschen zu messen, dessen Bildung offensichtlich die seine bei weitem überstieg. Er bereute seine reichlich unfreundliche Anmerkung mit jeder Sekunde, die weiterhin verging. Die darauffolgende Antwort ließ Namik dann stillschweigend über sich ergehen - auch wenn diese zweifelsohne saß. Abgesehen davon, dass Namik sich wahrscheinlich weiterhin lächerlich machen würde, sofern er sich weiterhin auf eine Diskussion einließ, spürte er den vorwarnenden Blick seines Bruders fortwährend. Wenn er es jetzt übertreiben würde, müsste er mit Konsequenzen rechnen und dies wollte er möglichst umgehen. Namik rührte sich nicht, ließ ihn gewähren, selbst als der Magier ihn gemächlichen Schrittes umkreiste, als suchte er eine Schwachstelle seiner Persönlichkeit, auf welche er sich schließlich stürzen und diese dann auseinanderreißen könnte. Hätte er versucht seinen Gegenüber im Auge zu behalten hätte es ihn wahrscheinlich nur noch mehr amüsiert. Stillschweigend nahm sich der Meuchelmörder vor ihn diese Möglichkeiten nicht weiterhin zu bieten und trotzdem spürte Namik wie ein kalter Schauer über seinen Rücken lief, er zeitgleich schwitzte als Sal’jil sich hinter ihm befand - es war wie vollkommen ausgeliefert zu sein und einen Moment lang gestand sich Namik ein, dass er sich wünschte einer seiner Brüder hätte diesen Auftrag angenommen. Gewiss verspürte er keine Angst, aber ein anderes unangenehmes Gefühl, welches ihn beinahe erdrückte. Namik konnte diese Empfindung beim besten Willen nicht einordnen und dies beunruhigte ihn wiederum. Hatte seine plötzliche Unsicherheit mit seinem letzten, misslungenen Attentat und seiner darauffolgenden Verwundung zu tun gehabt? Das konnte doch nicht derartige Auswirkungen auf sein Gemüt haben und eine solche Unsicherheit bewirken. Diese Gedanken des Selbstzweifels beiseite schiebend, versuchte Namik sich gelassen zu geben, auch wenn seine Körperhaltung etwas anderes verriet. Erst nachdem Sal’jil sich wieder vor ihm befand, stieß Namik seinen angehaltenen Atem aus, von dem er gar nicht erst bemerkt hatte, dass er ihn angehalten hatte. Es verwunderte Namik etwas, dass Sal’jil sich vielmehr der Anmaßung seinerseits gegenüber des Kalifen annahm, als den Beleidigungen seiner Person. Sal’jil sprach davon, dass es ihm eine Ehre sein könnte, dem Kalifen zu dienen und Namik musste sich beinahe auf die Zunge beißen um nicht zu verkünden, dass er nichts von diesem Bastard hielt. Kalif Jikhbar von Danos war seines Erachtens ein unfähiger und vor allem selbstsüchtiger Mann, welcher eine verschwenderische Lebensweise führte, während armselige Kinder an der nächsten Straßenecke verreckten und Frauen aus Hungersnot ihre Körper an den nächstbesten Mann verkaufen mussten. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die ärmlichen Umstände dieser Stadt das Anwesen seines Kalifen nicht erreichten und alleine die Tatsache, dass Jikhbar dies hinnahm und weiterhin sein ach so schönes Leben genoss, veranlasste Namik nicht unbedingt dazu dies als Ehre zu empfinden. Die Botschaft, welche Sal’jil so malerisch übermittelte, war dennoch angekommen und er würde sich auch an diese halten - denn seinen Kopf verlieren aufgrund so eines Unsinns stand eigentlich nicht zur Debatte. Er schnaubte verächtlich als der Magier ihm anschließend den Mund verbot und offensichtlich war dies zuviel des Guten, denn daraufhin meinte Sal’jil, dass er nicht über die nötige Professionalität verfügte. Hilfesuchend blickte Namik zu seinen Bruder, der sichtlich unerfreut über den Verlauf dieses Gespräches war. Ihm wurde plötzlich klar, dass dieser Auftrag eine Möglichkeit sein könnte, seinen Meister nochmals von sich zu überzeugen. Nachdem er damals versagte, hatte man ihn stets mit belanglosen Botengängen beauftragt und nun konnte er endlich sich wieder beweisen. Sofern sich Sal’jil dennoch für einen anderen Meuchelmörder der Gilde entscheiden sollte, würde Esadh sicherlich seinen Meister von dieser Situation hier berichten und dies würde diesmal nicht einfach wieder im Sande verlaufen. Er räusperte sich um auf sich aufmerksam zu machen. „Lasst uns diese Unannehmlichkeiten vergessen.“ Es klang unbeabsichtigt mehr nach einer Bitte als eine Aufforderung. „Ich schätze mal, dass Ihr mir weitere Informationen zunächst vorenthalten und mich noch nicht über das genaue Auftragsziel in Kenntnis setzen werdet, doch wäre es zunächst schon nutzbringend zu wissen, wohin uns unsere Reise führen wird, da auch ich mich darauf vorbereiten muss.“ Namik erhoffte sich, dass Sal’jil darauf eingehen würde, denn dann stünde außer Frage, dass er diesen Auftrag ausführen durfte. Andererseits war für Namik bereits der Gedanke, mit diesem unglaublich unangenehmen Zeitgenossen zu reisen durchaus erschreckend. Aber dies musste er letztlich akzeptieren, seine eigene Belange in den Hintergrund stellen und professionell seine Arbeit verrichten. Ein Bäcker ließ ja schließlich auch nicht das Brot absichtlich anbrennen nur weil ihm die Nase des Kunden nicht gefiel und so verhielt es sich auch mit seiner Tätigkeit.

Re: Politisches Intrigenspiel

Verfasst: Fr 8. Sep 2017, 13:02
von Namik al-Nadeem
In der Tat überlegte Sal’jil einige Zeit darüber nach, nach einem anderen Mann zu verlangen, denn dieser schien mit seinen Emotionen nicht umgehen zu können. Und ein Attentäter, der seine Emotionen nicht im Zaum halten konnte, war nicht sonderlich vielversprechend. Doch irgendwie gefiel ihm dieser Mann auch. Denn kaum ein Mann des niederen Volkes wagte es normalerweise Sal’jil mit Worten entgegenzutreten. Trotz offensichtlicher Unterlegenheit, wie Sal’jil empfand, war dieser Mann dennoch mutig und wortgewandt für seine Verhältnisse. Der Hofmagier beschloss abzuwarten und ihm noch eine Chance zu geben. Sal’jils nächste Aussage beinhaltete sogar ein Kompliment, was sehr untypisch für Sal’jil war, da er für gewöhnlich nur gleichrangigen Menschen Komplimente machte. Doch Sal’jil hatte das Gefühl, dass dieser Mann für seine Verhältnisse tatsächlich recht schlau war. Jenes Kompliment war aber direkt mit einer erneuten Erniedrigung gekoppelt.

„Du besitzt Schneid, doch dein Verhalten ist zutiefst unehrenhaft und schändlich! Hat man dir nicht Gehorsam und Unterwürfigkeit gegenüber deinem Schirmherren beigebracht?“
Sal’jil beschloss ihm eine Lektion in Manieren zu verpassen: „Man spricht einen höher gestellte Person wie mich stets mit „mein Herr“ an. Am Hofe des Kalifen müsstest du für diese Respektlosigkeit zahlen.
Ich bin ein Gutmensch“
, behauptete Sal’jil, was entschieden nicht der Wahrheit entsprach, aber nach Meinung Sal’jils zutraf. „Deswegen gewähre ich dir deine Fehler. Gleichwohl entsinne dich deiner gesellschaftlichen Stellung und verhalte dich von nun an angemessen. Nächstes Mal werde ich nicht mehr gnädig sein.“

Als Namik weiter im darauffolgenden Satz behauptete, Sal’jil würde ihm Informationen vorenthalten wollen, schaute Sal’jil ihn vorwurfsvoll an und schüttelte den Kopf. Was erlaubt er sich? Gereizt schwärzte ihn Sal’jil an: „Warum sollte ich dir Informationen vorenthalten?! Es wäre nicht sonderlich gewinnbringend dir nur die halbe Wahrheit zu sagen.“
Der Tajik blickte sich kurz um und sagte: „Ich weiß nicht, wie sicher dieser Ort ist, deswegen würde ich dieses Gespräch an einem späteren Zeitpunkt fortführen. Doch was ich verraten kann ist, dass wir zur Totenstadt reisen und wir dort einen langen Aufenthalt planen.“

„Jetzt pack deine Sachen! Wir brechen gleich auf! Wir sollen bei Sonnenuntergang beim Kalifen sein. Im Morgengrauen geht’s dann weiter.“ Nach einer kurzen Pause meinte Sal’jil noch: „Ich stelle Proviant und Verpflegung.“
Darauf suchte sich Sal’jil die beste Sitzgelegenheit, die der Raum zu bieten hatte. Es handelte sich um den gepolsterten Lehnsessel des Gildenmeisters, wo sich sonst kein Anderer hinsetzen durfte bis auf den Meister selbst. Esadh schüttelte heimlich den Kopf und murmelte, dass es eine „ungeheure Anmaßung“ wäre. Er erduldete diese Aktion Sal’jils aber, da er keinen weiteren Streit mehr riskieren konnte. Dort wartete Sal’jil geduldig auf Namik, während er an seinem Wein nippte und dabei eine Melodie aus einem Kinderlied summte.

Re: Politisches Intrigenspiel

Verfasst: Fr 8. Sep 2017, 13:03
von Zeexmix Fizzlegrinder
Namik bemerkte wie Sal’jil einen Moment nichts sagend scheinbar nachdachte und erhoffte sich nach wie vor, dass dieser sich für seine Person entschied. Namik musste sich eingestehen, dass er sich selbst mit seinen dummen Äußerungen Steine in den Weg gelegt hatte. Wäre ihm davor bewusst geworden, welche günstige Gelegenheit sich hier bot um seine Ehre innerhalb der Gilde wieder herzustellen, wäre er umsichtiger im Umgang mit seinem Auftraggeber gewesen. Aber nun war das Kind bereits in den Brunnen gefallen und er musste entweder versuchen dieses noch da rauszubekommen oder sich mit den Konsequenzen zu arrangieren. Die darauffolgende Worte, welche Sal’jils Lippen verließen, waren zunächst positiv aufzufassen, doch wie erwartet musste ja eine Herabsetzung seiner Person folgen. Tatsächlich hatte Sal’jil die Impertinenz von Namik Gehorsam und Unterwürfigkeit zu erwarten und Namik fragte sich mit welchem Recht er dies tat. Sofern er tatsächlich jemanden gegenüber mit Demut begegnete, dann ausschließlich seinem Meister und dieser sollte sicherlich auch nicht mit uneingeschränkten Gehorsam rechnen, denn Namik ließ sich von niemanden niederhalten - das taten schließlich nur charakterschwache Menschen oder Menschen, welche das Recht verloren hatten, Herr ihrer selbst zu sein und er war gewiss keiner von denen. Namik musste verächtlich schnauben, als Sal’jil dann auch noch darauf insistierte, dass er diesem den nötigen Respekt mit der von ihm geglaubten, angemessenen Anrede entgegen bringen sollte. Es war ausgesprochen dreist dies zu verlangen und obwohl Namik seinem Gegenüber liebend gerne die Kehle durchgeschnitten hätte, damit dieser endlich verstummte, schwieg er dazu. Dieser unverschämte Bastard konnte lange darauf warten, dass Namik sich die Blöße geben und diesen als seinen Herrn bezeichnen würde, auch wenn ihm durchaus bekannt war, dass dies eine reine Höflichkeitsform war. Er würde dessen Ansprache vorerst vermeiden um weitere Streitigkeiten zu umgehen, doch wenn Sal’jil nochmals diese Angelegenheit ansprechen würde, würde Namik ihm schon begreiflich machen, dass dieser sicherlich nicht das Recht dazu hatte, dies abzuverlangen. Auch wenn dieser Mann meinte, die ganze Welt lag ihm förmlich zu Füßen, so würde Namik sich nicht wie ein Leibeigener diesen beugen. Andererseits hatte Namik das Gefühl oder besser gesagt die Befürchtung, dass Sal’jil versuchte ihm zu vermitteln, wie man sich in dessen Gesellschaftskreisen verhielt, weil er bereits eine Begegnung dieser Art für unausweichlich befand. Sofern seine Vermutung stimmte, so war es, wenn auch diese Belehrung wie üblich mal wieder unverschämt wirkte, eine durchaus freundliche Geste seines Gegenübers um Schlimmeres in der Zukunft zu vermeiden. Obgleich Namik versuchte nicht mehr auf dessen Provokationen einzugehen, verzogen sich seine Lippen zu einen leichten, wenn auch freudlosen Grinsen als er vernahm, dass Sal’jil es tatsächlich in Betracht zog, ihm eine Strafe aufzuerlegen sofern er dessen Ermahnung ignorierte. Er wollte also bei weiteren „Vergehen“ keine Gnade mehr walten lassen? Gut, dass konnte er gerne haben, denn Namik bereitete bereits die Vorstellung, diesen Mann sämtliche Knochen zu brechen bis dieser dann nur noch flehend versucht wegzukriechen, höchste Freude und ihm war bewusst, dass wenn Sal’jil es weiterhin übertreiben würde, dieser nicht mehr weit davon entfernt. Zumindest war der scheinbar nahelose Hofmagier etwas gereizt, als Namik ihm gegenüber frei heraus aussprach, dass er dem Glauben sei, erwürde ihm Informationen fernhalten und dabei war dies gar nicht mal so gemeint, wie dieser es aufgefasst hatte. Das man ihm früher oder später sämtliche Informationen geben würde, war Namik durchaus bewusst. Die Frage war dennoch zu welchen Zeitpunkt dies geschehen sollte. Er hatte Sal’jils Worte anschließend gar keine Aufmerksamkeit geschenkt, vernahm nur beiläufig, dass dieser irgendetwas von dem Kalifen sprach, welcher ihre Anwesenheit vor Ablauf des Tages erwartete - aber das war Namik auch letztlich gleich, denn wahrscheinlich war auch in dieser Aussage sicherlich eine Anmerkung verborgen, welche eine Beleidigung beinhaltete. Er nickte anschließend nur. „Gebt mir einen Moment, dann bin ich wieder bei Euch.“ Mit diesen Worten verließ Namik die Kammer, sichtlich erleichtert, dass er diese für einen kurzen Moment verlassen durfte. Die Anwesenheit eines solchen Menschen wie Sal’jil war tatsächlich nervenaufreibend und anstrengend zugleich - bereits die Selbstbeherrschung, in welcher er sich in dieser kurzen Zeit bemühen musste, war unausgesprochen erschöpfend und er wusste beim besten Willen nicht, wie er die Reise bis nach Totenstadt mit diesen Mann überstehen sollte ohne einen Mord zu begehen. Es dauerte nicht lange bis Namik die Nebenkammer erreichte, in welcher er eigentlich nächtigen sollte - ein feuchter, heruntergekommener Raum, in welcher er sich sicherlich bereits nach einer Nacht eine Lungenentzündung weggeholt hätte. Selbst der vorgesehene Schlafplatz war nichts weiter als eine ungemütliche Holzbank und obwohl Namik nicht sonderlich anspruchsvoll war, empfand er diesen Schlafplatz als etwas ungemütlich. Er war erst seit wenigen Stunden in Danos zugegen, daher waren seine Sachen noch im Reisegepäck verstaut. Dieses über die Schulter geworfen kehrte Namik schließlich nach wenigen Minuten zurück und stellte fest, dass Sal’jil die Frechheit besaß, sich auf den eigens für den Meister platzierte Stuhl niederzulassen und dem Blick seines Bruders zufolge, war dieser recht aufgebracht über dessen Anmaßung. Er lauschte einen Moment der Melodie, welche Sal’jil dahinsummte und erkannte es umgehend. Seine Mutter hatte es ihm und seiner Schwester mit ihrer lieblichen Stimme damals manchmal vor der Nachtruhe vorgesungen und die Erinnerung daran, brachte ihm leicht zum Lächeln. „Das Lied vom Stern, der vom Himmel fiel?“, meinte er mehr wissend als fragend ohne zu Sal’jil aufzuschauen, während er seine Armschienen, welche nicht so recht sitzen wollten, richtete. Die Geschichte, welche das Lied erzählte, war schön und traurig zugleich, auch wenn Namik als Kind in seiner Unwissenheit den tiefgreifenden Sinn dieser nicht wirklich verstand. Seltsamerweise erschien Sal’jil irgendwie menschlicher für Namik und einen Moment lang vergaß er seinen Zorn ihm gegenüber.

Re: Politisches Intrigenspiel

Verfasst: Fr 8. Sep 2017, 13:03
von Sal'jil
„Ja... Stimmt... “ entgegnete Sal’jil überrascht und versuchte ein Lächeln zu unterdrücken, was dem Hofmagier nur mit Mühe gelang. Als er schließlich sah, dass Namik gepackt war, fügte er hinzu: „So schnell also? Nun dann machen wir uns auf den Weg
…Esadh?!“

Einen Augenblick später kam Esadh wieder zurück. „Fertig? Gut, ich werde Euch hinausbegleiten, mein Herr“, meinte er.

Sie benutzten einen Seitenausgang mussten dafür aber durch ein paar Räume hindurch, die Sal’jil meistens naserümpfend und ekelerregt durchquerte. Der Versammlungsraum sah ja noch gepflegt aus, aber die weiteren Räume im Kellergewölbe waren sehr runtergekommen. Endlich erreichten sie den Seitenausgang. Als es Zeit war sich zu verabschieden gab Sal’jil Esadh erneut nicht die Hand. Diesmal dafür aber eine Silbermünze, welche eine eigenartige Prägung hatte und offenbar aus Kross stammte. Sal’jl meinte: „Für deine Mühen“, nickte kurz und verabschiedete sich somit. Esadh schien erfreut. Eine Silbermünze war nicht gerade wenig Geld. Er bedankte sich kurz, aber Sal’jil winkte mit der Hand belanglos ab, so als ob es nichts wäre. So betraten Namik und Sal‘jil die Stadt.

Zurück im Tageslicht musste Sal’jil erstmal die Hand vor den Augen halten, da die Sonne ihn so stark blendete. Er musste zuerst gucken, wo sie hinmussten. Dummerweise wusste er absolut nicht wo sie sich befanden und hatte vergessen Esadh nach den Weg zu fragen. Alle Straßen sahen in Danos irgendwie gleich hässlich aus, sodass Sal’jil sie nur schwer voneinander unterscheiden konnte. Er entschied sich aber Namik nicht zu fragen, da Sal’jil nur ungern zugab, dass er etwas nicht wusste und Hilfe brauchte. Daher folgte er seinem Orientierungssinn und bog nach rechts. „Ich denke hier geht’s weiter“, bestimmte Sal’jil. Er schwieg erstaunlich lange, da er die Umgebung beobachtete um sich zu orientieren und den richtigen Weg zu finden. Wenig später waren sie an einer alten Garnison von Danos, wo einst die Stadtwache von Danos stationiert war. Seit Kalif Jikhbar aber vor 30 Jahren an die Macht gekommen war, gab es keine Stadtwache mehr und dieses Gebäude bot mittlerweile Obdachlosen und Schnorrern als Zufluchtsort. Sal’jil wies an nach links zu gehen. Sie gingen an ein paar Waschweibern vorbei, die im dreckigen Flusslauf ihre Kleidung wuschen. Dann erreichten sie das Gerber und Kürschnerviertel, bogen nach links zu den Färbern, die alle geschäftig ihrer Arbeit nachgingen. Schließlich nach einer halben Stunde ungefähr erreichten sie das nördliche Stadttor. Von dort folgten sie der Zugangsstraße in nördlicher Richtung zu Fuß zum Außensitz des Kalifen von Danos.

Am frühen Abend erreichten sie den Palast. Er war gemeinhin als der „Kristallpalast“ bekannt, denn schon von Weiten konnte man die Glaskuppel sehen, die den Palast so charakteristisch machte. Er war gigantisch und pompös, und durch das Sonnenlicht, was auf die Glaskuppel fiel, wurde jeder Reisende zunächst geblendet. Wenn man von Süden her den Palast erreichte, überquerte man eine Brücke über einen kleinen Flusslauf des Danos Delta. Auf der anderen Seite waren mehrere Wachen, die an einer Art Tor/Triumphbogen stationiert waren. Da der Süden der einzige Eingang war, der nicht direkt mit der Mauer verbunden war, war das Wachaufgebot hier besonders hoch. Um die 200 Männer standen seitwärts in Formation nebeneinander. Jeweils um 13.00, 19.00, 01.00 und 07.00 fand ein Wachwechsel statt, sodass die Wachmänner dort für 6 Stunden am Fleck stehen mussten, ohne sich besonders regen zu dürfen. Dieser Gehorsam war eindrucksvoll. Der Norden und Osten des Palasts gehört zum Binnenteil der Halbinsel. Ein zweiter Eingang befand sich noch im nördlichen Teil. Der westliche Teil des Palasts befand sich direkt am Wasser, wo auch die riesige Gartenanlage des Kalifen war.

Kurz vor der Südbrücke hielt Sal’jil aber an. Er hatte seitdem sie das Kellergewölbe der Gilde verlassen hatte, fast nur geschwiegen. Nun signalisierte der Hofmagier Namik stehen zu bleiben und erklärte ihm zu gewandt: „Wir erreichen den Palast des Kalifen. Die Wachmannschaft wird dir deine Waffen abnehmen, da der Kalif keinerlei bewaffneten Fremden in seinem Heim duldet.“
Nach einer kurzen Pause, wo er seinen Blick auf die Wache schweifen ließ, empfahl er: „Bleibt stets hinter mir und spreche nur, wenn man es von dir verlangt. Ich mag über deine impertinente Ignoranz zwar erhaben sein und Gnade haben, doch der Kalif ist streng und besteht auf Ansprache. Nenne ihn daher immer „mein Herr“, sonst wird er dir Gehorsam einprügeln. Dies habe ich inzwischen mehrmals mit ansehen müssen.“
Sal’jil war nicht nach scherzen zu Mute und fast schien es, als ob er tatsächlich mal so etwas wie Mitgefühl empfand. Sein Gesicht verspannte sich und er seufzte kurz auf. Doch nach ein paar Sekunden verbarg er seine Gefühle wieder unter dem Deckmantel der Arroganz und erwiderte wieder mit nüchterner Sachlichkeit: „Dies ist ein gut gemeinter Rat“. Anschließend fragte er: „Bereit?“

Re: Politisches Intrigenspiel

Verfasst: Fr 8. Sep 2017, 13:03
von Namik al-Nadeem
Namik bemerkte die Verwunderung seitens Sal’jil und zuckte mit seinen Achseln. „Ich bin ehrlich gesagt, nicht dazu gekommen, mein Gepäck auszupacken.“ , gestand er. Daraufhin wurden beide durch die unterirdischen Gänge der Kanalisation geführt. Obwohl hier - ausgenommen der Empfangsraum, welchen sie gerade verließen - die Durchgänge sich beinahe ausnahmslos glichen, konnte Esadh sie problemlos hinausführen. Das fand Namik bemerkenswert, andererseits war er froh darüber, dass er an diesen übel riechenden Ort nicht länger bleiben musste als notwendig oder gar solange wie sein Bruder hier, der jede Ecke und Winkel offenbar kannte. Angekommen am Ausgang beobachtete Namik wie Sal’jil seinen Bruder recht großzügig bezahlte. Eine Silbermünze als Bezahlung empfand Namik als ungerechtfertigt und überzogen, da letztlich Esadh nichts weiter getan hatte, als zu vermitteln und im Dreck zu kriechen um etwas mehr Zuzahlung herauszuschlagen - fehlte letztlich nur noch das Esadh die Stiefel des sogenannten Magiers leckte. Doch diese Art von Unterhaltung verwehrte sein Bruder ihm dann schließlich doch. Namik verabschiedete sich nur mit einem wortlosen Nicken. Er vermochte passende Worte nicht finden, da er Esadh nicht sonderlich leiden konnte. Die Kanalisation schlussendlich verlassen erfreute sich Namik stillschweigend an der der frischen und salzigen Seeluft, atmete einmal ganz tief durch um seine Lunge mit sauberer Luft zu füllen. Die wohltuende Wärme der am wolkenlosen Himmel stehenden Sonne durchströmte seinen Körper während eine laue Brise recht angenehm erschien. Von der Seite trat er ein anderer Mann hinzu, welcher Namik unter den Namen „die Zunge“ bekannt war und auch dementsprechend von anderen genannt wurde und hielt Namik die Zügel seines Hengstes entgegen. Esadh hatte nach Namiks Ankunft in Danos diesen aufgetragen sich um die Versorgung des Pferdes zu kümmern, solange Namik mit anderen Dingen beschäftigt sei. Namik selbst hatte bisher nicht die Gelegenheit gehabt diesen Mann etwas näher kennenzulernen, dennoch verspürte er etwas Mitleid mit diesem. Es musste schrecklich sein, nicht sprechen zu können. Prüfend betrachtete Namik den kräftig gebauten Hengst, welcher bereits gesattelt war, streichelte liebevoll über dessen Nüstern und nahm die Zügel entgegen, befestigte daraufhin sein Gepäck an diesen. „Danke….“ Eine Antwort bekam er wie erwartet nicht, nur ein Nicken. Entschlossen auf dem schnellsten Wege die Stadt zu verlassen wollte Namik sich gerade umdrehen und in Richtung des Marktplatzes laufen um dann direkt die Stadttore zu erreichen, doch bemerkte er wie Sal’jil einen anderen Weg einschlug. Etwas verwirrt runzelte er die Stirn, verzichtete allerdings darauf darüber zu diskutieren, da es nur wieder Ärger und irgendwelche Beleidigungen seinerseits nach sich ziehen würde. Seinen Gaul Ansari weiterhin an den Zügel führend folgte Namik seinen Begleiter stumm und hoffte, dass dieser sich dann irgendwann mal bequemen würde ihm die alles entscheidende Frage zu stellen. Aber darauf wartete Namik letztlich vergebens und sie erreichten nach einer unglaublichen, halben Stunde das Stadttor, welches bestenfalls fünfzehn Minuten von deren Ausgangspunkt entfernt war. Es dauerte weitere von unterbrochenen Schweigen erfüllte Stunden bis sie zu guter Letzt den Palast des Kalifen erreichten. Irgendwie missfiel ihm das Schweigen seines Begleiters, da dieser damit wieder einmal deutlich machte, dass Namik gar nicht würdig war sich mit ihm zu unterhalten, wohingegen die Ruhe ihm die Möglichkeit gab, über die Angelegenheit und seinen zukünftigen Auftrag Gedanken zu machen. Innerlich und vor allem nichts ahnend ging er bereits alle möglichen Auftragsziele durch. Sicher war, dass es sich um ein politisches Ziel handelte. Aber welches? Ein weiterer Kalif eventuell? Seine Überlegungen wurden allerdings beim atemberaubenden Anblick des Palastes bereits aus weiter Entfernung beiseite geschoben. Zu keiner Zeit seines Lebens hatte der Meuchelmörder ein schöneres und prunkvolleres Gebäude zu Gesicht bekommen als dieses. Die Massen an gut positionierten Wachmänner waren ebenso beeindruckend wie der Umfang und die Schönheit dieser Anlage. Beinahe automatisiert folgte Namik Sal’jil, achtete längst nicht mehr auf den Pfad, welchen er folgte, während er den Anblick des wirklich gelungenen Bauwerkes bestaunte. Dementsprechend überrascht wirkte er als Sal’jil plötzlich stehen blieb und es tat es ihm nach. Sal’jil berichtete ihm, dass man seine Waffen in Gewahrsam nehmen würde. Dies gefiel Namik nicht wirklich. Entwaffnet fühlte er sich schutzlos und schwach. Allerdings konnte er diese Vorgehensweise auch verstehen. Kein Kalif, welcher nur ansatzweise bei Verstand war, würde bewaffnete, völlig fremde Menschen in seinen Palast rumspazieren lassen. Nichtsdestotrotz begegnete Namik Sal’jils Anweisungen mit stillen Unverständnis. Wie ein treuer Hund sollte er Sal’jil folgen und sprechen durfte er dann auch nur mit Genehmigung. Obendrein wusste Namik noch nicht einmal was das Wort „impertinent“ bedeutete. Namik musste bei der letzten Aussage seines Begleiters verächtlich schnauben. Er wollte bereits auf diese Drohung eingehen, ihm in aller Deutlichkeit klar machen, dass auch ein Kalif seiner Gesundheit wegen davon absehen sollte, solche Vorhaben wahrzumachen, doch dann bemerkte er, dass es Sal’jil ohne jegliche Provokation, Schadensfreude oder Ähnliches wiedergab. Namik erkannte, dass es tatsächlich ein gut gemeinter Rat war. Auf die Frage ob er bereit sei, zögerte Namik. Im Grunde genommen war er nicht bereit dazu einen dermaßen mächtigen Mann gegenüber zu treten. Er war ein Mann, welcher Gesetze gebrochen hatte und nun sollte er seine Anonymität aufgeben und einen Palast voller Wachmänner betreten. Man könnte ihn einfach festnehmen und hinrichten lassen wie einst seinen Vater. Einfach so und er könnte nichts, aber wirklich gar nichts dagegen tun. Sicherlich war es unwahrscheinlich. Dennoch war es ein beunruhigendes Gefühl. „Nein.“, antwortete er knapp. „Wer garantiert mir eigentlich, dass ich nach Ausführen meines Auftrages nicht hingerichtet werde? Wer auch immer das Ziel meines Auftrages sein wird, er wird sicherlich von politischer Bedeutung sein. Ihr braucht nachher gewiss einen Sündenbock.“ Er bedachte Sal’jil mit einem prüfenden, eingehenden Blick. Es war einer außerordentlich schwachsinnige Frage, wie er feststellte, nachdem er sie gestellt hatte. In seinen Gedanken wirkte sie berechtigt und ausgesprochen war sie letztlich nur Zeugnis seiner Unsicherheit. Er bereute es diese Frage gestellt zu haben, bemühte sich dennoch dies zu verbergen.