Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias


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Einige Bewohner Asamuras kommen ursprĂĽnglich aus Caltharnae, das in Asche versank. Ihr Leben vor der Ăśberfahrt auf den neuen Kontinent wurde hier verewigt.
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Urako
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#11

Beitragvon Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:34

Urako stand da wie zu Gramnovenholz erstarrt.
Der arrogante Alb, der das wĂĽrdevolle Ende der schiefgelaufenen Exekution vereitelt hatte, verfiel in eine regelrechte Hasstirade, in welcher er Urakos KleinwĂĽchsigkeit und seinen niederen gesellschaftlichen Stand ansprach. Zwei Dinge, die ihm ziemlich zu schaffen machten.

Der Henker presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und seine zu Fäusten geballten Hände zitterten vor Wut. Mordgedanken kamen in ihm auf, er wollte dem Alben die Haut vom Gesicht ziehen und ihm dann Sumpfegel in die offenen Wunden legen, damit er langsam bei lebendigem Leibe von innen zerfressen wurde. Als der Alb dann auch noch anfing, mit seinem lächerlichen Gott Kargon zu drohen, hinter dem er sich offensichtlich verstecken musste, platzte Urako endgültig der Kragen.

Ein zweites Mal riss er sein Beil vom Rücken, um es dem Alben in die Stirn zu schleudern. Ordentliche Hinrichtung hin oder her, aber das ging zu weit! Er holte kraftvoll aus, doch mitten im Schwung nahm er eine schnelle Bewegung aus seinen Augenwinkeln war. Aprubt unterbrach er den tödlichen Wurf. Die Wucht des schweren Beiles, das er eigentlich hatte loslassen wollen, riss ihn ein paar Schritte vorwärts. Stolpernd kämpfte Urako um sein Gleichgewicht, ehe er zum stehen kam.

Ein Teil der Wachen wandte sich mit erhobenen Waffen der Gestalt zu, die da soeben auf der Plattform erschienen war, die übrigen Wachen behielten weiterhin den Alben im Auge. Grimmig musterte der Scharfrichter den Neuankömmling – es war ein hoch gewachsener Tieflingsmann – über einen Kopf größer als er selbst! - der schwarze Kleidung mit braunen Verzierungen trug. Auf seinem Rücken prangten prächtige schwarze Schwingen.

Urako blickte unwillkürlich auf seine eigenen fleischfarbenen, narbigen Flügel. Fleischfarben! So dass man jeden Pickel und jede Hautunreinheit sah, genau wie auf dem Rest seines Körpers! War er nicht schon genug mit seiner Kleinwüchsigkeit gestraft? Musste er auch noch obendrein diese unvorteilhafte und kränkliche Hautfarbe haben? Urako konnte regelrecht spüren, wie die Wachen respektvoll zu dem Fremden hinaufschauten – auf ihn selbst schauten sie notgedrungen immer herab. Urakos Fäuste schlossen sich fester um den Griff seines Beils. An diesem verfluchten Tage ging doch alles schief! Womit hatte er das verdient? Wenigstens waren die Leute alle evakuiert worden, so dass niemand diesen mittlerweile dritten Zwischenfall in der heutigen Exekution mitbekam.

Urako spannte jeden einzelnen Muskel an, als der stattliche Fremde sich vor ihm aufbaute. Die Wachen hoben die Waffen. Doch anstatt den Henker anzugreifen, wie er es erwartet hatte, hob der Neuankömmling beschwichtigend die Hände. Eine Geste, die Urako in seinem ganzen Leben noch nie ausgeführt hatte.


"Nun, also ihr beiden, ich habe keine Ahnung wer ihr seid“, sprach er ohne Angst zu zeigen, „aber langsam wird es lächerlich. Ihr habt ja schon sämtliche Leute hier verjagt. Ihr macht ihnen Angst mit eurere Streiterei. Beide seit ihr Narren, euch wegen so etwas fast um zu bringen. Ihr seit wie zwei Goblins im Sandkasten, die sich gegenseitig beweißen wollen, wer die größte Klexelburg gebaut hat! Normalerweise hätte die Albin eine anständige Verhandlung verdient gehabt und nicht so ein Schauspiel, dass ist widerwärtig.“

Dem Henker blieb vor Verblüffung der Mund offen stehen. Sollte das ein schlechter Scherz sein? Lauerte irgendwo einer, der ihn nicht leiden konnte, um sich ins Fäustchen zu lachen, wenn er auf diesen albernen Trick hereinfiel? Suchend blickte Urako sich um, konnte aber abgesehen von dem Alben und dem Tiefling nichts Verdächtiges entdecken.

„Hör mal, Grüner“, knurrte er und wippte mit der Axt, „schreib mir nicht vor, wie ich meine Arbeit zu verrichten habe. Die Deliquentin brach sich beim Sturz in das Seil darum nicht das Genick, weil ich es so wollte. Das war Absicht! Verschärfung des Strafmaßes nennt man das. Und wenn der da“, er wies mit dem Beil in Richtung des Alben, „meine Hinrichtung stört, dann stopfe ich ihm das Maul, ganz gleich, ob es dir passt – übrigens genauso wie deins, wenn du dich nicht gleich von meiner Richtgramnove verpisst!“

Urako richtete das Beil wie einen überdimensionierten Zeigefinger in die Ferne, um seine Worte zu unterstreichen. Der neu hinzu gekommene Tiefling mit der makellosen olivgrünen Haut tat daraufhin etwas, das Urako nicht für möglich gehalten hatte, ja, etwas geradezu Unerhörtes.

Er lud ihn auf eine Trinkrunde ein!

Urakos Verwirrung steigerte sich ins Unermessliche, sein gesamtes Weltbild stand Kopf. Nicht nur, dass der gesamte Tag heute wie verhext verlief, nein, jetzt lud ihn auch noch jemand, mit dem er sich eigentlich nur zu gern kloppen wĂĽrde, in die Kneipe ein!

Hinter dem Rücken des Henkers zischte einer der Kampfmagier, um seine Aufmerksamkeit zu wecken. Urako drehte sich um und konnte gerade noch sehen, wie der leidige Alb davon spazierte, als ob nichts gewesen wäre.
„Sollen wir ihn gehen lassen?“, fragte der Magier.
„Natürlich nicht!“, rief Urako aufgebracht. „Jagt ihn, fangt ihn, pfählt, rädert und vierteilt ihn! Am besten gleich in dieser Reihenfolge! Worauf wartet ihr noch? Hinterher!“
Die Kampfmagier sahen sich kurz an, nickten und stĂĽrmten dem FlĂĽchtigen hinterher.

Urako grinste triumphierend und wandte sich wieder dem Neuankömmling zu. Das Richtbeil hatte er lässig auf die Schulter gelegt.
„Du hast zwar komische Ansichten von Recht und Gerechtigkeit, Froschgesicht, aber wenn du mich auf ein starkes Getränk einlädst, da sag ich doch nicht nein! Vielleicht kannst du mir ja nebenbei verraten, was das für zwei seltsame Gestalten waren, die mir in meine fachgerechte Exekution reingepfuscht haben. Aber es sollte wirklich ein sehr starkes Gebräu sein, denn ich habe einen äußerst beschissenen Tag hinter mir.“
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#12

Beitragvon Kor » Sa 21. Mär 2015, 13:34

Die Naturgeister waren milde gestimmt. Die Umstände die die Natur vorfand änderten sich zwar, mal zum Guten und mal auch nicht, doch hielten sich die Bewohner der Siedlung meist in ihrem Terretorium auf, welches die Natur, vergebend und gutmütig wie sie es meistens war, ihnen überlassen hatte. Ja sogar der Pflanzenwuchs drängte nur noch wenig in das Siedlungsgebiet.

Auch wenn Kor manchmal immer noch nicht verstand warum die Völker Städte und Siedlungen bauen mussten, so musste er sich eingestehen, dass er früher nicht anders gewesen war. Sein Leben hatte sich verändert. Auch sein Art hatte sich verändert, doch war er glücklich mit der Änderung.

Erst jetzt merkte Kor, dass sich die Wogen in der Siedlung scheinbar ganz geglättet hatten. Nur vereinzelt konnte er noch negative Gefühle aufschnappen und die kamen zumeist von dem kleinen Henker, der, in seiner Ehre gekränkt, vor Wut schäumte, sich jedoch langsam wieder beruhigte.

In der Gestalt des Wolfes betrat er mit seiner Gefährtin,die er zuvor gerufen hatte, die Siedlung, die nun ruhig da lag und begutachtete wie es den Wesen hier erging. Die ängstlichen Blicke ignorierte er. Was kümmerte es ihn? Er war nunmal lieber in Tiergestalt unterwegs. Sein Gürtel hing an seiner Hüfte und der Dolch warf Regenbogenfarben auf den Boden, die durch das sich in der facettierten Klinge brechende Licht entstanden. Hoch erhobenen Hauptes liefen Kor durch die Straßen ohne aufgehalten oder behelligt zu werden. Wer wollte schon zwei Reitwölfe behelligen, die groß und stark genug waren um selbst den schwersten Poraha zu tragen. Seine Gefährtin war sehr unruhig, durch die vielen ungewohnten Zweibeiner, das spührte Kor, doch sand er ihr beruhigende Gefühle und sie vertraute ihm. Längst hatte sie sich an seine Gefühle gewohnt und es gab niemanden der Kor näher stand als diese Wölfin.

Zwei Kinder hatten die beiden Wölfe nicht bemerkt und rannten spielend und lachend durch die Straßen. Als sie den beiden Wölfen jedoch genau vor die Füße liefen blieben sie wie angewurzelt stehen. Angst spiegelte sich in ihren Augen, als die wölfin sich ihnen näherte und den Kopf nach ihnen ausstreckte. Interessiert beschnupperte sie die kleinen, die vor Angst wimmerten und die Hose des einen färbte sich langsam dunkel, als dieser vor Angst in die Hose machte. Vom Geruch des Urins angewiedert zog sie die Nase kraus und wand ihren Kopf ab. Die beiden Kinder ignorierend ging sie über sie hinweg als währen sie nicht existent und Kor folgte ihr belustigt.

Kor jedoch interessierte hauptsächlich die gesundheitliche Verfassung der Leute, denn auch wenn er kein all zu großese Interessa an ihnen hegte so hatte er jedoch nie an den Auffassungen seines Meisters gezweifelt für den Jedes leben kostbar war und wenn möglich erhalten wurde. Über die Möglichkeit der Erhaltung urteilte Kor jedoch selbst.
In den meisten Bereichen der Stadt roch die Bevölkerung gesund, doch stank es in einigen förmlich nach Krankheit und Verderben. Dort legte er Beutel von seinem Gürtel ab in denen die, seiner Meinung nach, richtige Salbe enthalten war und ging weiter.
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#13

Beitragvon Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:35

VerblĂĽfft und etwas ĂĽberrascht sah Selan der auf einmal verschwindenden schwarz angezogenen Person hinter her.

"Mhhh, eigenartig. Warum verschwindet er auf einmal? Habe ich ihn etwa verschreckt? Hoffe ihm geht es gut! Oder freut er sich so sehr mit mir einen trinken zu gehen, dass er schon vor raus rennt? Das wäre ja echt schön, vielleicht ist er ein genau so großer Genießer wie ich?", schwärmte Selan noch etwas. Wurde aber in seiner Hoffnung bald gebremst, als er sah, wie der Fremde in Richtung Stadtrand verschwand, verflogt von einigen Kampfmagiern.

"Tja mein Freund Henker, wie geht es dir so?", sprach er freundlichst und lächelte dabei, "ein Getränk hatte ich dir ja versprochen. Dann floge mir einmal! Ich kenne da einen Laden sage ich dir, oh Himmel! Das Gebräu wird deinem Hals schmeicheln, ein Genuss pur, einfach nur ein Rausch für die Sinne sag ich dir! Aber verrate ich dir mal lieber nicht zu viel, ich will dir den Geschmack nicht zu sehr verraten, lass dich überraschen.", schwärmte der Tiefling dem Herrn des Beiles vor, während er die Flügel ausbreitete und vom Gramnovenprodest in Richtung des Marktplatzes Flog.

"Sag mal, wie heißt du eigentlich? Zudem, was sollte die ganze Aktion hier, muss das sein? Kann man das nicht vielleicht auch einmal nett klären?"

Mit einem letzten Schlag seiner schwarzen Fledermaus FlĂĽgel landete der grĂĽne Tiefling auf dem Holzboden des Marktes. Langsam kamen die davon gerannten Markt Besucher zurĂĽck und schauten was passiert ist. Viel getuschelt und gemunkelt wurde sofort unter den Tieflingen. Hatte doch eigentlich keiner etwas gesehen, wollte doch aber jeder die neueste Neuigkeit verbreiten, so ĂĽbertrieb man schnell etwas, was schnell zu wildem Geschrei ausartete.
Böse blicke flogen schnell über den Marktplatz und aus der Höhe der Hängebrücken hinüber zum Henker und verfolgten ihn.

"Siehst du Henkerchen, hättest du nicht gehänkert, dann würden die Leute jetzt nicht böse auf dich sein. Das ist es, was ich vorhin schon sagte und keinen hier in den Kopf will. Muss man umbedingt jeden Köpfen, was lernt die Person den von einer Henkung?", mahnte Selan, als er den Mark entlang schlenderte und mit erhobenen Zeigefinger den Henker ermahnte.

"Klappe halten grĂĽner, sonst zieh ich dir gleich noch ne Flunder ĂĽber!"

Selan hingegen beachtete den verbalen Angriff des bös daher blickenden Tieflings nicht. Erregte doch etwas anderes seine Aufmerksamkeit. Überall verstreut am Rande des Marktes in der Nähe der Hütten, lagen kleine brauen Beutel herum. Schnell hob er einen der merkwürdigen Beutel zwischen Daumen und Zeigefinger nach oben, hielt ihn etwas vor seine Nase und roch an ihm.

"Mhhh, riecht aber komisch. Sag mal Henker, lasst ihr neuerdings nicht nur die Hinrichtungen auf dem Marktplatz durch führen, sondern hinterlasst auch noch euren Haushaltsmüll mitten auf der Straße? Also hinein sehen tuhe ich da sicher nicht noch. Ich möchte gar nicht wissen, was darin so stinkt.", murmelte Selan angewidert mit gerümpfter Nase.

"Hilf mir mal und sammel den Dreck hier mit auf.", sprach Selan und hielt dem Henker einen Stoffbeutel hin, den er aus seinem Mantel gezogen hatte.

"Wenn das ein kleines Tieflingskind in die Finger bekommt, ist ja wiederlich. Man Tieflinge wollt ihr noch tiefer sinken? Wenn das so weiter geht, kandidiere ich für den nächsten Fürstenposten, hier ist einiges ins Arge geraten. Selan muss hier wohl mal Hand anlegen!", sagte er vor sich hin als zwei weitere Ekel Beutel in seinen Müllsack wanderten. Einige Minuten lang rannte Selan quer durch den Markt, vorbei an genervten Bürgern und schimpfenden älteren Tieflingen. Stolperte er doch etliche male bald über die maroden Holzbretter aus dem der Markt bestand, auch ein kleines Kind, dass gerade einen Sumpfsaft trank, wurde beinahe umgerannt. Doch war seine gute Tat schnell beendet und Freude strahlend kam der Tiefling zum Henker zurück.

"Los komm Faulpelz, jetzt gehen wir mal einen Bechern!"

Einige Stände weiter standen beide vor einem Laden mit einem großen Schild mit gar Eindrucksvollen Worten. Lesen konnte man sie nicht, hatte doch der Ladenbesitzer eine sogar für einen Tiefling grauenvolle Krallenschrift.

"Hey Puschelohr, wir sind wieder da und schau mal wen ich mit gebracht habe. Zwei mal deinen besten, den du auf lager hast!", sagte Selan lachend, während er Urako dabei auf dessen rechte Schulter klopfte.

Mit leicht ängstlichen und verwirrt blickenden Augen zauberte Tarac schnell zwei Tonkrüge auf den Tisch, dazu eine voll gefüllte Karaffe. Flink füllte Tarac das leckere Tröpfchen ohne zu kleckern in die bereit gestellten Krüge. Kaum konnte Selan es noch erwarten und griff sogleich zu seinem Krug.

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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#14

Beitragvon Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:36

„Du, hoffst, dass es dem Typen mit der Schilfhalmfigur gut geht? Hah! Wenn dem so sein sollte, dann wird sich das gleich ändern. Meinen Jungs ist bisher noch niemand entkommen.“
Urako folgte dem Fremden durch das Dorf, zurĂĽck zum Marktplatz. Zwei groĂźe Hunde spazierten frei herum und schnĂĽffelten alles an.

„Hier ist Leinenpflicht“, brüllte er und sah sich nach dem Halter um, konnte ihn jedoch nirgends entdecken. „Wie ich diese Viecher hasse“, knurrte er, „stinken, scheißen alles voll und belästigen die Leute. Ganz zu schweigen von dem Dreck, den sie machen und den Krankheiteiten, die sie übertragen.“

Der Aufruhr im Dorf hatte sich weitestgehend wieder gelegt. Die Leute waren nach Hause gegangen oder besuchten den Markt. Dennoch war die Hinrichtung natürlich das Gesprächsthema Nummer eins. Wo Urako vorbei ging, erntete er finstere blicke und hörte gemeines Getuschel, gerade leise genug, dass er es nicht verstand. Er spitze die Ohren, um vielleicht doch ein paar Worte aufzuschnappen, damit er einen Grund hatte, sich mit jemandem zu kloppen. Irgendwie musste er den Frust des heutgen Tages loswerden. Doch niemand tat ihm den Gefallen.
Dafür quatschte ihn der Fremde unablässig in unangemessen fröhlichem Tonfall zu. Urako ging seine gute Laune auf die Nerven, aber er fühlte sich genötigt zu antworten. Schließlich sollte der Mann ihn auf ein, zwei oder drei Getränke einladen.

„Wie es mir geht, fragst du? Willst du mich verarschen?“ Urako lachte gequält.
„Nun ja – ich habe eine zornige Bevölkerung im Genick, von welcher mich sowieso schon kaum einer leiden konnte. Was glaubst du, wie das jetzt erst ist? Und nun kann ich nicht einmal mehr in die Kneipe gehen, mich an einen Einzeltisch setzen und dort mein Elend ertränken. Und da fragst du allen Ernstes, wie es mir geht?“

Er rempelte einen Tiefling, der ihm entgegen kam, mit der Schulter an, aber dieser ging leider nicht auf seine Provokation ein und ging weiter, als wäre nichts geschehen. Der Fremde fuhr derweile unbeschwert fort, ihn zuzutexten und über die Schlechtigkeit der Todesstrafe aufzuklären. Urako spuckte verächtlich aus.
„Ich sag dir das gleiche, wie auch dem Albenmagier: Ich bin bloß der Vollstrecker. Ich habe das Urteil nicht gefällt und auch nicht die entsprechenden Gesetze erlassen. Aber alle hacken auf mir rum! Der Richter hingegen genießt sogar noch hohes Ansehen, vom Fürsten und den Ratsmitgliedern ganz zu schweigen. Dabei sind sie es doch, die dafür verantwortlich sind. Aber so ist das immer – der Henker ist der Sündenbock. Ich muss den Kopf herhalten für alles, obwohl ich gar nichts dafür kann. Die eigentlichen Schuldigen, die bleiben unbeachtet und genießen auch noch gesellschaftliches Ansehen.“

Er ballte seine Fäuste.
„Darüber hinaus finde ich die Todesstrafe gut“, sagte er leise, „hast du eine Ahnung, was es kostet, einen für mehrere Jahre einzusperren? Phintias ist arm, wir können uns das nicht leisten. Also geht alles ganz fix: Anklage, Folter, Geständnis, Urteilssprechung, Exekution. So einfach ist das. Schnell und preiswert.“

Während er sprach hatte sein Begleiter angefangen, kleine Säckchen aufzulesen, die überall herum lagen.
„Was bei allen Sumpfdrachen ist das?“, murmelte Urako. Er hob eines der Säckchen auf, sah hinein und schleuderte es schreiend von sich. „Fass das nicht an!“, rief er. „Das ist ist irgendein Zauber, der die Bewohner der Häuser, vor denen die Säckchen liegen, schaden soll! Das bringt bestimmt Unheil, macht krank oder impotent! Vielleicht sogar alles zusammen!“
Doch der Fremde, der das alles fĂĽr herumliegenden MĂĽll hielt, fuhr fort, alles einzusammeln und in einen groĂźen Sack zu stecken. Urako hielt vorsichtshalber Abstand.

Der Fremde führte ihn zu dem Stand von Tarac, einem Tiefling mit Puschelohren, den Urako nur zu gut kannte. Er und der Fremde begrüßten sich überschwänglich wie zwei alte Kumpels. Der Henker beobachtete es argwöhnisch.
„Hallo, mein Freund“, grüßte Urako schließlich mit honigsüßer Stimme. Wenn ich mich recht entsinne, schulde ich dir noch einen Unterkieferbruch als kleines Dankeschön für eine aufgeplatzte Augenbraue.“

„Du hast gar keine Augenbrauen, Henker“, erwiderte Tarac unbeeindruckt. „Außerdem bin ich geschäftlich hier. Kaufe etwas oder verschwinde, sobald du ausgetrunken hast.“ Er goss zwei Krüge voll eines dampfenden Gebräus – offensichtlich Glühwein - und schob Urako und dem Fremden jeweils einen hin. Sie stießen an.

"So mein Freund, auf dein Wohl und nun erzähl mal was, alter Schweigerling!", sprach der Fremde überschwänglich. „Auf mein Wohl. Ich heiße übrigens nicht der Henker, auch wenn mich leider fast alle nur auf meine Arbeit reduzieren, sondern habe - man mag es nicht glauben - sogar einen Namen. Du kannst Urako zu mir sagen“, erwiderte er und nahm einen großen Schluck. Kaum hatte er das Getränk im Mund, stiegen ihm die Tränen in die Augen, er hustete, die Hälfte lief ihm aus dem Mund und die andere landete reflexartig in seinem Magen. Er würgte, hielt sich die Hand an den Hals und rülpste mehrmals hintereinande, als würde er sich gleich übergeben.
„Was ist das für eine Plärre?“, röchelte er. „Willst du mich vergiften?“

Im nächsten Moment kam ein Kind angerannt, offensichtlich der Sohn von Puschelohr und zupfte an der Kleidung seines Vaters. "Da sind zwei Wölfe!", sagte er immer wieder, doch Tarac lachte nur.
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#15

Beitragvon Kor » Sa 21. Mär 2015, 13:36

Kor war zufrieden mit sich. Die Leute hier würden genesen. Nun wo seine Pflicht in dieser Siedlung getan war konnte er sich wieder ruhigen Gewissens der Natur widmen. Also machte er kehrt und begab sich auf den Weg zurück in die Sümpfe, als er jemanden rufen hörte.

"Fass das nicht an! Das ist ist irgendein Zauber, der die Bewohner der Häuser, vor denen die Säckchen liegen, schaden soll! Das bringt bestimmt Unheil, macht krank oder impotent! Vielleicht sogar alles zusammen!", meinte die Stimme. Und Kor, der schon schlimmes beführchtete, hetzte um die Häuserecke, nur um zu sehen, dass jemand alle seine Arzneien entwendet hatte. Wutentbrand folgte er dem Geruch und fand die Säckchen jedoch nicht.

Außer sich vor Wut versuchte er den Schuldigen aufzuspühren, doch der Geruch der Medizin überdeckte den ohnehin schon schwachen Geruch der Person die er suchte. Knurrend schritt Kor durch die Straßen, seine Gefährtin im Schlepptau und wer ihm begegnete suchte, einer bösen Vorahnung folgend, das Weite, denn in seiner Wut schnappte Kor nach jedem der ihm zu nahe kam, ohne jedoch jemanden zu erwischen.

"Da sind zwei Wölfe!", hörte Kor gedämpft aus einiger Entfernung. Ein kleines Kind zupfte an der Kleidung seines Vaters. Dort stand auch der Henker und eine weitere Person, die Kor bis jetzt noch nicht gesehen hatte, doch roch sie nach seiner Medizin. Kor brannte vor Wut und er sand dieses Gefühl zur kleinen Gruppe auf die er knurrend zuging. Der Wind pfiff scharf, als reagiere die Natur auf seine Wut und stimme in seine Wut ein. Das Kind begann zu weinen und klammerte sich kniend an das Bein des Vaters, der, gepackt von der plötzlichen fremden Wut die er nun empfand, fast einen halben Krug der Flüssigkeit verschüttete, die er seinen Gästen servierte. Sie landete direkt auf dem Tisch und lief von dort in Richtung der Hose des einen der seine Medizin weggeworfen hatte.
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Selan Todaric
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#16

Beitragvon Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:37

"Na na na ihr beiden, nicht streiten! Seit lieb zu einander, in Ordnung? Nun gebt euch die Hand und vertragt euch wieder, vergeben und vergessen!", ermahnte Selan mit eindringlichen Worten und erhobenen rechten Zeigefinger, als der Henker gerade zum Glas griff und einen großen Schluck nahm. Schnell war der halbe Becher, den der Henker gierig getrunken hatte auch schon wieder aus ihm heraus gekommen und landete auf dem Holzboden. Etwas ungehalten reagierte Urako mit bösen Worten auf dieses gar köstlich mundende Getränk, dachte Selan.

„Pläre? Vergiften? Mein liebster Henker, dass ist Elbisch Grün! Einen der besten grünen Tees, die man in ganz Lordranion bekommen kann. Manche Tieflinge würden gar ihre ganze Schrumpfkopfsammlung verkaufen, nur um diesen Tee einmal riechen zu können. Halte also deine Zunge im Zaum und genieße einfach das vollendete Aroma, dieses so edlen Tropfens.", erwiederte Selan und nahm die Tasse am Henkel in Zeigefinger und Daumen. Mit geschlossenen Augen trank er einen kleinen Schluck und verharrte einen Moment in dieser Position.

Gerade in diesem Moment kam eine kleine Gruppe Kinder am Stand vorbei und schaute Urako kurz an. Wie im Chor begannen sie plötzlich zu singen und mit dem Finger auf Urako zu zeigen.

"Henkerlein du altes Schwein, machst dir in dir Hosen rein!", sangen sie und rannten danach eben so schnell lachend wieder weiter, wie sie her gekommen waren.

Mit einem hauchen aus dem Mund schaute Selan zu Urako herüber und erklärte ihm noch einmal Eindringlich, "Ein echter Teekenner genießt den Augenblick musst du verstehen. Wenn der Tee die Zunge und den Gaumen umschmeichelt, zudem den Rachen herunter fließt. Ich sage dir dieses Gefühl musst du erleben. Nimm doch noch einmal einen Schluck, schließe die Augen und versinke beinahe im Land der Träume wenn du ihn trinkst. Ich garantiere dir, dass ist ein Erlebnis für die Sinne. Öffne dich dem Tee Urako, öffne dich!"

Eindringlich waren die Worte Selans, beinahe ein Teegebet an den Teegott, der des öfteren auch einfach nur Teewirt genannt wird.

"Du musst noch viel lernen Henker, dann wirst du das auch alles zu schätzen wissen und nicht ausspucken. Ich gebe dir den Tip, reise in die Ferne und probiere Teesorten aus. Überall musst du sie kosten, nur so wirst du ein wahrer Teemeister Henker! Aber nun einmal zu etwas anderem, weil wir gerade bei Henker sind. Wie ich aus deinen Worten hörte, magst du deinen Beruf nicht sonderlich oder irre ich mich da? Wenn ja würde ich das schon merkwürdig finden, die meißten Kenker haben doch ein sehr merkwürdiges Verknügen an ihrem Beruf, nicht wahr? Weiß gerade nicht wie ich dich einschätzen soll, bist du eher ein einfaches Rad der Justiz oder doch der klein gaunrige Halsabschneider?", gab Seland grinsend von sich.

"Verstehst du? Halsabschneider und du bist Henker als Beruf!"

Lachend beugte sich Selan mit dem Oberkörper nach vorn, klopfte mit der rechten Hand auf Urakos Schulter und mit der linken hielt er sich sein Gesicht.

"Schuldige, der musste sein. Ach im übrigen, entschuldige, bin manchmal eine Quasselstrippe und habe ganz vergessen mich vor zu stellen. Ich bin übrigends Selan Todaric, freut mich sehr deine Bekanntschaft zu machen Henkerlein", sagte er und reichte Urako mit einem sehr freundlichen Lächeln die rechte Hand. Gerade wollte Selan weiter reden, als der Sohn Taracs winzelnd in sein Geschäft gerannt kam und schrie: "Da sind zwei Wölfe!" Sofort war sein Vater in heller Aufregung und verschüttete etwas von dem Tee der Kanne, die noch auf seinem Markttisch stand.

"Tarac, was tuhst du da nur, der Tee!", entsetzen stand auf Selans Gesicht. Ergoss sich doch der Tee auf den Fußboden und durch diesen hindurch mitten in die Sümpfe Phintias. Trauer machte sich in Selan bereit und eine Träne rann ihm bei diesem Anblick über das Gesicht. Einige Augenblicke dauerte es bis Selan wieder zu sich kam. Saß doch der Schock des vergossenen edlen Tees zu tief. Erst wenige Augenblicke später bemerkte er, dass der Sohn immer noch wie panisch über irgend welche Wölfe redete. Langsam ging der zwei Meter und neunzehn Zentimeter große Selan zu dem kleinen Jungen hinter den Tresen und legte seine Hand auf dessen Kopf.

"He Kleiner, keine Angst. Du hast bestimmt nur geträumt. In dieser Gegend gibt es keine Wölfe, die Leben viel weiter weg und kommen auch nicht hier her. Wölfte haben viel zu viel Angst vor uns, als das sie sich hier blicken lassen."

Mit Angst verzerrtem Gesicht stand der kleine Junge da, hob die rechte Hand und zeigte zu einer Stelle hinter Selan, so sich dieser darauf hin um drehte. So Standen in einem Abstand von weniger als fĂĽnt Meter zwei groĂźe Tiere vor dem Stand.

Vollkommen perplex und überglücklich sah er die beiden an und klatschte dabei in die Hände.
"Also nein, das gibts ja nicht, mei sind die niedlich!"

Schnell drehte er sich wieder zu Taracs Sohn um. "Nun mal ernsthaft kleiner, das sind keine Wölfe, das sind nur große Hunde. Das kommt schon mal vor, dass die so groß werden. Eindeutig überfuttert, dass ist alles! Ich hatte früher mal genau so einen. Nun ja... fast, hatte nur Puschelohren wie dein Vater, helleres Fell, Ringelrute und ein wenig kleiner. Aber ansonsten sah er fast genau so aus!", erzählte der Tiefling mit Stolz geschwellter Brust.

Schnellen schrittes ging Selan aus dem Stand heraus zu der nur wenige Meter entfernten Gramnove und fing dabei vor Freude leise an zu singen und zu summen. "Henkerlein du mhhh mhhh mhhhh, machst dir in die Hosen rein. Mhhh Mhhhhh Mmmmhhhhh, machst dir Hoden rein."

An der Gramnove angekommen brach er zwei niedrig hängende morsche Äste ab und schaute noch einmal zu dem kleinen Jungen herüber.

"Vor den Zwei Wau-Waus brauchst du gar keine Angst haben, selbst wenn sie ihre Zähne zeigen sollten. Die Lächeln doch nur und können das nicht anders.", schnell war Selan wieder am Stand und erklärte, "Kurzer, die wollen alle nur das selbe – spielen. Wirf ihn einen Stock hin und schon sind sie deine besten Freunde und wollen nur noch mit dir spielen. Ich zeig dir das mal."

Mit den zwie Stöcken in der linken und rechten Hand ging Selan unter den immer mehr werdenden Blicken der Marktbesucher einige Schritte nach vorn und witmete sich nun ganz den Hunden.

"Na komm Pfiffi Pfiffi. *Pfeif* Na komm her! *Pfeif* Nicht so faul ihr beiden, kommt her ihr paar lieben. Ja seit ihr niedlich? Ja seit ihr das?", versuchte Selan die beiden an zu locken.

"So, der Onkel Selan spielt mit euch jetzt Stöckchen Werfen, in Ordnung? Ich werfe die Stöcke und wer mir als erstes den Stock zurück bringt, bekommt von mir ein ganz leckeres Würstchen, habt ihr das verstanden? Achso, meine damit nicht Urako, dachte da an ein richtiges Würstchen vom Metzger.", versuchte Selan den Hunden zu erklären, während er kurz zu Urako grinsend herüber schaute.

Schon einen Augenblick später schnellten beide Stücke, die von Selan gewurfen wurden, hinüber zu den beiden großen Hunden. Gerade als die Stöcke flogen, sah er die beiden Hunde noch einmal sehr intensiv an. Hatter er doch schon die gesamte Zeit, seit sie da waren ein eigenartiges Gefühl. Aus irgendeinem Grund bauten sich in seinem innersten, nur ganz schwach fremdartige Gefühle auf. Konnte er doch die Gefühle nicht zu ordnen, waren sie doch zu schwach, aber sicher schien er sich zu sein, dass es nicht seine waren. Selan gab dies sehr zu denken und wurde den Gedanken nicht los, dass diese fremdartigen Gefühle die er leicht spührte und eindeutig nicht seine waren, etwas mit den beiden Hunden zu tun hatten.
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Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#17

Beitragvon Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:37

„Tee“, wiederholte Urako ausdruckslos. „Du sprichst von einem starken Getränk und lädst mich auf einen ordinären Blättersud ein? Na ja, was habe ich erwartet - der Tag hat beschissen angefangen, warum sollte er gut enden?“
Resigniert hielt der Henker seinen Krug zu Tarac hin. „Einmal nachschenken. Wenn ich meinen Frust schon nicht ertränken kann, so will ich mir wenigstens die Hände wärmen. Die sind ganz kalt geworden von all dem Stress. Und ja, ich hasse meine Arbeit... wobei, die Arbeit selber ist eigentlich ganz angenehm, aber das ganze Drumherum belastet mich ziemlich. Als Henker ist man der Sündenbock für alles. Dabei habe ich mir weder die Folterinstrumente noch die Todesstrafe überlegt - und für die Gesetzeslage kann ich auch nichts. Ich erledige bloß die Drecksarbeit, für welche die eigentlichen Verantwortlichen sich zu fein sind. Als Dankeschön behandelt die Bevölkerung mich wie den letzten Dreck und ich muss sogar in der Kneipe an einem Einzeltisch sitzen.“

Urako atmete tief durch, um wieder ruhig zu werden. Sich über all das aufzuregen hatte doch keinen Sinn, es gab ihm ohnehin heute niemand einen Vorwand, sich mit ihm zu kloppen, wozu also Energie verschwenden. Außerdem musste er einen kühlen Kopf erlangen, um darüber nachzudenken, wie er seinen jetzt noch miserablen Ruf wieder hinbiegen könnte. Die nächste Hinrichtung musste extra spektakulär ausfallen, so viel stand fest, vielleicht könnte er den Rat davon überzeugen, das vor einer Verurteilung stattfindende grausame Verhör öffentlich zu machen. Der Gedanke an brutale Gewalttaten beruhigte ihn zunehmend. Gab es etwas Schöneres, als Leute, die es verdient hatten, der Gerechtigkeit zu übergeben? Hart, aber gerecht, so war das Gesetz und es war gut. Gesegnet sei der neue Fürst! Er seufzte zufrieden. Tarac machte sich daran, einen neuen Tee für Urako aufzubrühen.

In dem Moment rannte eine Bande Lausbuben an ihnen vorbei und sang:
„Henkerlein, du altes Schwein, machst dir in die Hosen rein!“
Der leere Krug zersplitterte in Urakos Hand. Ein tiefes Grollen entrang sich seiner Kehle. War eigentlich öffentliche Züchtigung unerzogener Drecksblagen gestattet? Wahrscheinlich nicht. Hatte er sich gerade noch über die gegenwärtige harte Justiz gefreut?

„Ihr widerlichen Kinderlein, ich schlage euch den Schädel ein!“, äffte Urako den Singsang der Kinder nach, die lachend in die Luft flatterten und davon flogen. Der Henker kochte vor Wut. Der Fremde hielt ihm derweile selig lächelnd einen Vortrag über die beruhigende Wirkung des Kräutersuds. Urako spürte, wie sein Kopf rot wurde. Im gleichen Moment verschüttete Tarac auch noch den Tee, den er für ihn aufgebrüht hatte. Das war der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Eine Wut überkam ihn, wie er sie lange nicht gespürt hatte.
Der, der sich als Selan vorgestellt hatte, summte die Melodie des Spottliedes leise vor sich hin. Dann sang er es falsch nach: "Henkerlein du mhhh mhhh mhhhhmhhh, machst dir Hoden rein.“

Urakos geballte Fäuste zitterten. Er hatte den unbändigen Drang irgendetwas oder irgendjemanden zu zerstören. Am besten Selan. „Was gehen dich meine Eier an?“, fauchte er. Diese Frechheit war endgültig zu viel! Das war eindeutig ein Angriff auf seine Männlichkeit! Er würde diesem Grünspan zeigen, wo das Henkersbeil hängt! Er holte mit der Faust aus, um dem Fremden das Nasenbein in Stücke zu sprengen, hielt aber plötzlich mitten im Schlag inne, als wäre er zu Stein erstarrt.

Unvermittelt tauchten in seinem Blickfeld die beiden freilaufenden großen Hunde wieder auf. Sie starrten die beiden Tieflinge an und knurrten. Dieses Verhalten war ungewöhnlich, zumal die Tieflinge die Tiere nicht provoziert hatten. Außerdem hatte Urako das Gefühl, als würde dieser extreme Zorn, der ihn gepackt hatte, nicht nur von ihm selber kommen, sondern irgendwie... von außen.

Eines stand fest, dies waren keine gewöhnlichen Hunde. Sie benahmen sich zu unnormal und schienen eine seltsame Aura zu verströmen. War das... Telepathie? Kam der Zorn etwa von ihnen? Wenn ja, was wollten sie von ihnen? Sicherheitshalber nahm Urako sein Beil zur Hand, ging in in die Knie und spreizte die Flügel, um sich mit einem großen Sprung in die Lüfte erheben zu können.

Selan hingegen geriet beim Anblick der Hunde völlig aus dem Häuschen, schwärmte von ihnen, begann sie in Babysprache anzureden und warf ein Stöckchen. Der Typ musste ein entlaufener Irrer sein! So unverwüstlich gute Laune konnte kein normaler Tiefling haben! Irre oder nicht, jetzt würde er vielleicht seine Hilfe benötigen.
„Vorsicht, Magie“, zischte Urako und stieß ihn mit dem Ellebogen an, „halt dich bereit!“
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warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#18

Beitragvon Kor » Sa 21. Mär 2015, 13:38

Kor war wĂĽtend. Er war stocksauer, doch sein GegenĂĽber schien garnicht zu verstehen was hier eigendlich los war.
Kor lies seine Schultern sacken, doch sein vor Wut gestreubtes Nackenfall beruhigte sich noch nicht. Dieser arme Kerl verstand scheinbar noch nicht einmal mit wen er da verärgert hatte, geschweigedenn wie er ihn verärgert hatte.
Zwei mal tief durchatmend nahm er seine normale Form an und hielt seinem Gegenüber die offene Hand hin während er mit der Anderen auf die Medizinbeutel wies. Seine Gefährtin knurrte immer noch, doch Kor sand ihr beschwichtigende Gefühle.

Er versuchte sich angestrengt zu erinnern wie man normal sprach. So lange hatter das nicht mehr getan und er wusste nicht einmal warum er sich die MĂĽhe machte doch irgendwie tat ihm dieses Wesen leid.

"Gib....Beutel!", sagte er und verstärkte seine Aussage mit einem drängenden Gefühl, dass er seinem Gegenüber sand.
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#19

Beitragvon Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:38

"Siehst du mein Kleiner, die Hunde sind ganz lieb. Gleich kannst du erleben was geschieht, wenn sich jemand mit Hunden gut auskennt, so wie ich, das in die Hand nimmt. Schau nur hin, gleich rennen sie den Stöcken hinterher und kommen wedelnd wieder. Komm nur her, du darfst sie gern streicheln und auf ihnen reiten, wenn sie ihre Stöckchen geholt haben.", sprach Selan in seiner immer ruhigen Art zu Taracs Sohn.

"Ach ja Urako", sprach er während die Stöcke gerade über die beiden Hunde flogen, "zufrieden bist du ja nicht bei deiner Arbeit wie du ja schon selbst eingesehen hast. Auch wenn der Beruf dir spaß macht, wenn er dich belastet muss ich dir mitteilen, ist er eindeutig der falsche für dich. Wenn du weiter arbeitest wirst du nicht Glücklich, sondern er Beruf wird dich zerstören, schau dich nur an, was ist mit dir in 20 Jahren? Willst du dann immer noch einen Beruf ausüben, der dir nicht bekommt? Am Ende landest du noch bei einen verrückten Goblin Zauberer, der dir bei deinen Depressionen weiter helfen soll und dir zu einem übertriebenen Preis Wundermittelchen andreht. Ist dies die Zukunft die du dir wünscht? Urako, es gibt so viele andere schöne Berufe die zu dir passen würden.", erzählte Selan mit eindringlichen Worten und beruhigend ernster Mine.

"Wäre Gärtner nicht was für dich? So dermaßen beruhigend, dass würde deinen unruhigen Charakter immens beruhigen und dein Leben um gut 10 Jahre verlängern. Oder was ist mit Tee- Bauer? Stell es dir nur einmal vor." schwärmte Selan ausgelassen während er dabei selber etwas anfing zu träumen, "du lebst an einen wundervoll sonnigen Berghang in eine großen geräumigen Häuschen. Kilometer weit keine Seele die dein Gemüt trüben könnte. Ruhe so weit der Geist schweifen kann. Und dazu die Luft voll schwebender Aromen der Teepflanzen. Urako mein Freund! Ich glaube das muss ein Beruf für dich sein, nutze die Chance und ich helfe dir bei allem!", himmelte Selan Urako an, während ihm fast eine Träne über das Gesicht lief und er aus Freude und Entschlossenheit die Faust vor seinem Gesicht ballte.

Gerade fertig mit seiner Ansprache drehte Selan sich um, "hätten die Hunde nicht schon längst zurück sein müssen?"

Doch standen die beiden Hunde noch genau so da wie vor Selans Ansprache. Ein kurzes knuffen in den Rippen bemerkte er plötzlich. Urako war dies, war er doch hervor geschnellt und brüllte etwas von Magie. Gerade wollte Selan ihn noch überzeugen, das hier keine Magie am Werk seih, wurde er eines bessern belehrt. Verwandelte sich doch vor seinen verwunderten Augen einer der Hunde plötzlich in einen Poraha. Selan war fassungslos und sprachlos zugleich. Ungläubig blickte er die Gestalt an, hatte er doch so etwas vorher noch nie in seinem Leben gesehen.

Selan stand einfach da, perplex, was gerade geschehen war. Gerade wollte Selen etwas sagen, als der Fremde langsam seinen Arm hob und mit dem Finger auf ihn zeigte. Zuerst dachte der Tiefling noch er meinte ihn, doch bemerkte Selan recht schnell, dass er auf den MĂĽllbeutel zeigte, den Selan immer noch bei sich trug.

Der Fremde bewegte gar merkwürdig seinen Mund, als würde er etwas heraus würgen wollen. Doch kamen nur undeutliche Laute heraus, die sich schnell in verständliche Sprache verwandelten.

"Gib....Beutel!", sprach der Fremde, als hätte er Probleme beim Sprechen oder dies nie gelernt.

Selan wusste nicht recht wie er sich verhalten sollte. Doch wollte der Fremde unmissverständlich den Beutel haben.

"Meinst du den MĂĽllsack hier? Aber darin ist nur stinkendes Zeug was hier herum lag und ich dann noch weg bringen wollte. Aber wenn du willst, kannst du ihn haben, was auch immer du damit vor hast."

Mit einem kurzen Schwung schmiss Selan den Beutel kurz vor die FĂĽĂźe des Fremden.

"Mhhh, ach im übrigen, wer oder was bist du eigentlich und wie kannst du dich verwandeln, mal ehrlich, wie geht das? Ich bin ja nun viel herum gekommen, kenne unheimlich viele Rassen und Leute. Bin ein Freund des geschriebenen Wortes, aber von so einer Zauberei wie bei dir habe ich noch nie etwas gelesen oder gehört. Verrätst du mir, wie das geht?", gab Selan mit herzlichsten Worten von sich, während darin unmissverständlich Begeisterung mitschwang.
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#20

Beitragvon Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:39

„Gärtner? Teebauer? Du hast wohl nicht mehr alle Schilfhalme in der Hütte! Ein echter Mann beschäftigt sich nicht mit solchem Weiberkram. Auch wenn mein Job scheiße ist – also nicht der Job, aber wie die Leute auf einen Henker reagieren und so – aber solche Weichflötenarbeit mit Blümchen ist auch nicht besser. Dann halten sie mich am Ende nicht nur für den Sündenbock, sondern auch noch für schwul! Da fällt mir ein, was arbeitest du eigentlich so, hm? Lass mich raten: Du bist ein Töpfer und fertigst diese winzigen Teetässchen, die kein normaler Tiefling benutzen kann, weil sie so winzig sind, dass sie schon vom Angucken zerbrechen. Stimmts?“

Urako hatte das letzte Wort gerade ausgesprochen, da geschah etwas höchst Ungewöhnliches: Einer der Hunde verformte sich, als würde er aus Tonmasse bestehen und jemand würde ihn kräftig durchwalken, seine Hinterbeine langziehen, den Schweif eindrücken und die Schnauze mit der flachen Hand ins Gesicht pressen. Und plötzlich stand da kein Hund mehr, sondern ein ausgewachsener Poraha. Wenn Urako nicht bereits das Höchstmaß an Blässe aufweisen würde, er würde nun erbleichen. Stattdessen stand er da mit offenem Mund und glotzte.

Der Poraha wies auf den Müllsack, den Selan vorhin befüllt hatte und sagte etwas undeutlich, aber verständlich, dass er ihn haben wolle. Der geschwätzige Tiefling warf ihm den gewünschten Gegenstand kurzerhand vor die Füße. Auch er schien überrascht zu sein, doch erlangte seine Fassung relativ schnell wieder und fragte, wie der Poraha das gemacht hätte.

„Das würde mich auch mal interessieren“, murmelte Urako. „He, Tarac, gib mir noch `nen Tee. Geht auf Selans Rechnung. Irgendwas beruhigendes, bitte. Mit Schuss. Ach was, mix mir gleich `nen Doppelten.“

Ohne hinzusehen nahm er einen groĂźen Krug frischen Baldriantee entgegen, der ein wenig nach Schilfrohrschnapps roch.

„Ich hab`s gewusst“, sprach er leise vor sich hin, „da ist Magie im Spiel. Zum Glück hab ich die komischen Sachen nicht angefasst, die er überall im Dorf breitgeschmissen hat.“

Dann sagte er lauter:

„Was bist du überhaupt für einer – und warum verhext du unser schönes Dorf? Dir ist schon klar, dass so was hier nicht ungestraft bleibt?“
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