Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

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Einige Bewohner Asamuras kommen ursprĂŒnglich aus Caltharnae, das in Asche versank. Ihr Leben vor der Überfahrt auf den neuen Kontinent wurde hier verewigt.
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Ibn ald Salad
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Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#1

Beitrag von Ibn ald Salad » Sa 21. MĂ€r 2015, 13:26

Im Schatten des Dornhammers erstrecken sich riesige SĂŒmpfe, dunkel, trostlos, zuweilen tödlich und doch herrscht reges Leben inmitten dieser unwirtlichen Gegend. Hier, im FĂŒrstentum Phintias, einem Gebiet der Tieflinge, erblickt man zwischen toten BĂ€umen und Morast eigenartige Stelzen, welche ĂŒber dem Boden ein Plateu bilden, schĂŒtzend, einigermaßen trocken und mit einem einfachen Holzwall umrundet, wobei außerhalb des Walles nocheinmal ein rund zwei Meter breiter Weg zirkulĂ€r um den Markt verlief, auf dem patroulliert und vereinzelt auch die SeilbrĂŒcken bewacht wurden. Ein unscheinbarer, aber breiter und auf Ă€hnliche Weise angelegter Pfad aus Holzlatten fĂŒhrt durch den Sumpf, direkt ins Herz des Marktes, der, gemessen an seiner GrĂ¶ĂŸe, eher an eine zufĂ€llige Ansammlung von HĂ€ndlern erinnert. Jeweils sechs WĂ€chter stehen and den insgesamt vier Auffahrten zum Plateu, beĂ€ugen alle Ankömmlinge misstrauisch, aber zurĂŒckhaltend. Einige kleinere HolzhĂŒtten dienen als provisorische Lager, StĂ€nde stehen verteilt umher, KĂ€ufer tummeln sich von HĂ€ndler zu HĂ€ndler und ab und an sieht man Karren, die den Martk verlassen, beladen mit allerlei verschiedenen Dingen, jedoch verdeckt, um neugierige Blicke fernzuhalten. Von der Hauptplattform fĂŒhren viele SeilbrĂŒcken zu kleineren Plattformen, auf denen private HĂŒtten stehen, bewohnt von HĂ€ndlern, den Wachen und teilweise als Schlafplatz fĂŒr Zahlungswillige, die keine andere Möglichkeit haben.
Zu kaufen gibt es alles, was der Sumpf bietet, also hauptsĂ€chlich Zutaten fĂŒr Alchemisten, aber auch einiges, weniges Drachenfleisch, oder andere 'Köstlichkeiten', die sich in dieser Gegend tummeln.

Selan Todaric
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#2

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. MĂ€r 2015, 13:28

Auf einem breiten mit fackeln beleuchteten Holzsteg in mitten der SĂŒmpfe stand Selan. Um ihn herum strömten unmnegen an Tieflingen vorbei, die heiterster Stimmung waren. Viele redeten mit einander, scherzten, lachten und erfreuten sich ihres Lebens. Einige Ă€ltere Tieflinge jedoch konnten es nicht lassen und beschimpften einen kleinen Tiefling der einen ĂŒberdimensionalen Schlangenspies in der Hand hielt und sich rennend durch die Leute drĂ€ngelte.

Aber auch so ging es heute auf den Holzstegen Phintias, die um die großen GramnovenbĂ€ume gebaut wurden, etwas hektisch zu. So weit das Auge reichte waren Leute unterwerwegs. Auf den wirren Holzstegen, die wie ein Labyrinth fĂŒr einen nicht einheimischen wirken mussten, genau so wie in luftigen Höhen auf HĂ€ngebrĂŒcken und waghalsigen Holz konstruktionen.

Hier und da waren in der Ferne Laute von Straßenmusikern zu hören, die sich etwas Geld verdienen wollten. An einigen stellen blieben die Leute stehen. Manche Minuten lang und lauschten den ab und an schon beinahe bezaubernden Tönen der Musiker. Anderer Orts schritten die Leute lieber schneller an den Musikern vorbei und kamen nicht einmal auf die Idee ihnen etwas Geld zu geben.

Selan hingegen bemerkte von diesem Treiben nichts. Stand er doch mit geschlossenen Augen einfach nur da. Der liebliche Duft von modernden Holz und schwĂŒhler Luft drang in seine Nase und verriet ihm, dass er endlich wieder da war, in seinem zu Hause, seinem Phintias, seiner Heimat.

Langsam öffnete er seine Augen und erblickte das muntere treiben, was sich um ihn herum abspielte und wie von selbst schritten seine FĂŒĂŸe vorran. Einer nach dem anderen, als wollten sie ihn in seine alte Heimat tragen. Lange war er nicht mehr hier gewesen, beinahe drei Jahre und kaum etwas hatte sich verĂ€ndert. Es ist immer noch das Phintias, was er als kleiner Junge verlassen hat kam ihn in den Sinn. Es scheint als wĂŒrde die Zeit an manchen Orten still stehen dachte sich Selan, als er gemĂŒtlichen Schrittes gemĂ€chlich Richtung Markt lief.

Von fernen sah er schon die StĂ€nde, verteilt auf einer großen Sternförmigen Plattform. Von jeder Sternspitze zweige sich ein Weg ab, die in dem leicht diesigen SĂŒmpfen Phintias verschwanden. Überall konnten diese Wege hingehen. Zu Herbergen, GasthĂ€usern, GeschĂ€ften oder den Wohnungen der hier lebenden Leute. Aber Selan zog es gerade nur an einen Platz in Phintias und dies war der Markt, wollte er hier doch vieles erwerben, was es sonst nirgendwo gibt, außer hier.

Eher er sich versehen konnte war Selan in mitten der HĂ€ndler. Leicht abwesend war er heute mit seinen Gedanken, so hatte er doch kaum mit bekommen wie er hier her kam. Inmitten eines wild zusammen gewĂŒrfelter Haufen an kleinen StĂ€nden, stand er auf einmal und blickte sich um. FĂŒr Phintias Markt war heute sehr viel los dachte sich Selan, war doch sonst nicht einmal die HĂ€lfte aller Leute hier. Auch die Wachen die ĂŒberall herum standen vielen ihm auf und machten einen merkwĂŒrdigen und bedrohlichen Eindruck. Ist dies doch fĂŒr den Markt Phintias sehr unĂŒblich. WĂŒrde er doch aber bald seine Fragen beantwortet bekommen. Denn viele HĂ€ndler hier kannte er persönlich und sind wahre Plaudertaschen, die keinem GesprĂ€ch aus dem Weg gehen.

Just in diesem Moment rannte ein kleiner Tiefling Junge mit einem StĂŒck Schlangenfleisch in der Hand gegen Selan und viel sofort zu Boden. Erschreckt sah der Junge ihn an, der kaum Ă€lter als sieben Jahre gewesen sein dĂŒrfte.

"Alles in Ordnung mit dir kleiner? Hast du dir weh getahn?", behutsam reichte Selan ihm seine rechte Hand, um den Jungen beim Aufstehen zu helfen.

"Ähhhh, nein Sir, entschuldigen Sie bitte", sagte er eilig und war wenige Augenblicke spĂ€ter schon wieder bei seinen Freunden, die wenige Meter enternt auf ihn warteten und noch im gleichen Augenblick hinter einem Fischstand verschwanden.

Aber war dies nicht der Stand den er suchte, Selan suchte einen besonderen Stand und versuchte sich ein Überblick des Marktes zu verschaffen, denn leider stand ein GeschĂ€ft nie an der selben Stelle zwei mal. Hier gilt die Regel, wer zu erst kommt, hat den besten Platz.

Von Fisch ĂŒber GewĂŒrze und feinsten Stoffen war in den StĂ€nden alles zu sehn. Dabei spielte es fĂŒr keinen hier eine Rolle wie schĂ€big manche StĂ€nde aus sahen. Manche StĂ€nde fein gearbeitet standen neben halb verrotteten zum Laden umgebauten Pferdekarren und nur wenige Meter weiter war auch schon ein einfaches Zelt zu sehen, was als Handelsplatz diente. Den Leuten war es egal, ging es ihnen doch nur um den Handel und die Ware zum besten Preis zu verkaufen oder zu erstehen. So lange die Ware in Ordnung war, war hier jeder ein guter Handelspartner.

Auf einmal erblickte Selan den Stand den er suchte. Nur kurz hinter dem Fischstand, hinter dem der Junge Tiefling verschand konnte man das GeschĂ€ft sehen, dass Selan suchte, hatte er doch die mit am Abstand grĂ¶ĂŸte Werbetafel auf dem Markt. Selan musste sich schon etwas ĂŒber sich wundern, dass er diese bisher gar nicht bemerkt hatte.
Schnellen schrittes ging der Tiefling in Richtung des Landens, frohen herzens endlich seinen alten Freund Tarac Losino wieder zu sehen. Dieser war aber gerade anderweitig beschÀftigt. Hatte sich doch sein Sohn beim Spielen mit seinen Freunden an einer der zahlreichen Fackeln, mit dem alles am Holzsteg entlang beleuchtet ist, verbrannt.

"Na du doppelzĂŒngiges Puschelohr, heut schon was verkauft oder geht das geschĂ€ft sumpfen?", sprach Selan mit leicht ernster Stimme und musste sich da etwas das Lachen verkneifen.

"Verschwinde du besoffener Wicht, ich hab zu tun!", schallte es ihm sofort bösartig zurĂŒck.

"Ja das seh ich, albert doch dein Sohn auf den Holzstegen herum mit seinem Schlangenspies. Solltest vielleicht etwas besser auf ihn aufpassen, nicht das ich ihn dir noch mal eines Tages wieder beleben muss.", scherzte der Tiefling Nekromant.

Schnell drehte sich Tarac Losino mit großen Augen um, wĂ€hrend sein Sohn schon schnell das weite suchte.

"Bist du es wirklich Selan Todaric oder..."

"Ähmmm ja, aber sag mal hab ich gerade deinen Sohn sehr erschreckt? War gar nicht so gemeint.", schaunfte Selan besorgt.

"Ach um den mach dir keine Sorgen, der ist hart im nehmen! Aber brat mir einer nen DĂ€mon, du bist es wirklich!", ĂŒber glĂŒcklich stĂŒrmte der kleine aufgeregte TieflinghĂ€ndler um seinen hölzernen Stand herum und umarmte seinen Freund aufs herzlichste.

"Schön das du wieder da bist! Bist du gerade erst angekommen? Wie lange bleibst du hier? Was macht das GeschĂ€ft? Du bist doch noch im GeschĂ€ft oder was machst du nun? Bist du Arbeitslos? Was machen die Toten, immer noch so lebendig wie frĂŒher?", lachte der kleine Kerl, "Oh entschuldige, ich bin so aufgeregt, wir haben uns so lange nicht gesehen. Wart mal, ich mach uns gleich mal was feines auf und das geht zur Feier des Tages aufs Haus!", schnell eilte der hellbraune Tiefling mit seinen Puschelohren in seinen Laden, wĂŒhlte etwas und wenige Augenblicke spĂ€ter standen zwei TonkrĂŒge und eine Kanne auf der Ablage des Standes.

"Probier mal, 692iger Jahrgang, eine Wucht sag ich dir. Die Farbe, erstklassig, feinstes Sonnengelb, so wie es sein soll, keine TrĂŒbung, gar nichts und erst der Geschmack, Selan, ich sag dir ein Traum. Erst lieblich blas auf der Zunge und der Nachgeschmack im Rachen ZuckersĂŒĂŸ, er gleitet wahrlich den Rachen herab, wohl der beste Caltharnae Landtee seit Jahren! Hach was erzĂ€hl ich, probier ihn selbst und sag mir was du von ihm hĂ€llst."

Gerade wollte Selan freudig zu seiner Tasse greifen, als er unsanft von einer Wache bei Seite gestoßen wurde. War es wohl keine Absicht, da sie weiter ging, trotzdem sehr unhöflich wie Selan zu bedenken gab, was die Wache aber kein bisschen interessierte oder unter ihrer Eisenmaska gar nicht gehört hatte.

"Sehr unfreundliche Wachen habt ihr hier bekomme. Das war vor drei Jahren noch nicht, was ist hier los, dass hier auf einmal derart viele Wachen sind?", fragte Selan seinen alten Freund beherzt, der mit geknicktem Blick zeigend seine rechte Hand hob, "tja mein Freund schau mal auf das Schild da drĂŒben oder siehs dir am besten selber an, es geht in ein paar Minuten wieder los."

GrĂ¶ĂŸer wurden die Augen von Selan, konnte er doch nicht fassen, was auf dem Schild geschrieben stand.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Urako
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#3

Beitrag von Urako » Sa 21. MĂ€r 2015, 13:29

Die Exekutionsgruppe bahnte sich ihren Weg durch die aufgebrachte Menge. Die Tieflinge johlten, schlugen vor Begeisterung mit den FlĂŒgeln und schĂŒttelten die FĂ€uste in Richtung des EisenkĂ€figs, den die beiden Gehilfen des Henkers auf einem Karren vorran zogen. Die RĂ€der polterten ĂŒber die nassen Holzbohlen, in den Kurven rutschte das GefĂ€hrt und der hohe EisenkĂ€fig wankte bedrohlich hin und her.

Die Frau darin, die trotz der morgentlichen KĂŒhle nichts weiter am Leibe trug als ein Leichenhemd, klammerte sich an den GitterstĂ€ben fest. Diesmal traf es keinen Einheimischen, sondern einen der GĂ€ste – die Haut der Frau war schwarz wie Kohle, ihr Haar und ihre markanten Augenbrauen hingwegen leuchteten schlohweiß. Ihre Augen waren angstvoll aufgerissen, wĂ€hrend der KĂ€fig hin und her schaukelte.

Der Henker, ein kleiner, aber krĂ€ftiger Bursche mit langem weißem Haar und bleicher Haut, schritt schweigend vorneweg, das Richtbeil mit Lederriemen am RĂŒcken befestigt. Sein Gesicht zeigte keinerlei Regung. Er wĂŒrdigte die johlende Menge keines Blickes.

Die Exekutionsgruppe wurde von gepanzerten Wachen eskortiert, welche die jubelnden Tieflinge auf Abstand hielten, welche anlÀsslich des heutigen Ereignisses zum Teil schon arg betrunken waren. Die WÀcher drÀngten sie mit den Stielen ihrer Dreizacke ab und notfalls schlugen sie damit auch beherzt zu.

Die schwer bewachte Exekutionsgruppe ĂŒberquerte die große sternförmige Holzplattform, auf welcher zahlreiche Verkaufsbuden gedrĂ€ngt standen. Die Leute an den StĂ€nden machten große Augen, ihre Kundschaft zeigte mit dem Finger auf den KĂ€fig oder den Scharfrichter. Viele ließen die Waren, welche sie eben noch prĂŒfend in den HĂ€nden gewogen hatten, einfach fallen und hasteten der herumgrölenden Menge hinterher.

Der Karren bog schlingernd in einen Abzweig des Marktplatzes ein. Am Ende des geschwungenen Holzweges erhob sich eine mĂ€chtige Gramnove. Es war der grĂ¶ĂŸte und prĂ€chtigste Baum weit und breit, ihr Astwerk wĂŒrde sicher weit in den Himmel ragen, hĂ€tte man es nich mitten in der HĂ€lfte der Krone abgesĂ€gt und eine Holzplattform darauf gebaut. Von den Ästen darunter hingen zahlreiche ausgefranste Stricke hinab.

Der Karren mit der Deliquentin wurde polternd den spiralförmigen Aufstieg hinaufgezerrt, der um den Stamm herum verlief und durch ein Loch auf die Plattform fĂŒhrte. Der Zugang wurde gleich nach dem Heraufzerren des Karrens mit einer Klappe verschlossen und von den WĂ€chtern versperrt. Einige von ihnen blieben unten und bewachten den Aufgang, die ĂŒbrigen sicherten die RĂ€nder der Plattform.

Der Scharfrichter ließ seinen Blick ĂŒber das jubelde Volk schweifen. Hier in Phintias verlief normaler Weise jeder Tag gleich. Das diesige, schwĂŒle Wetter Ă€nderte sich nur geringfĂŒgig, die Waren an den StĂ€nden waren immer die selben und neue Gesichter sah man so gut wie nie. Höchtens ab und zu mal auf dem Markt. Das war es dann schon, was das Sumpfleben zu bieten hatte. Das FĂŒrstentum war im Grunde genommen nichts weiter als ein riesiges, modriges Kaff, einzelne HĂŒtten oder kleine Dörfchen, weit verstreut in den weiten des Dornsumpfes. Jede Abwechslung wurde mit Freuden begrĂŒĂŸt, selbst wenn es eine Hinrichtung war.

„Holt sie da raus“, sagte er zu seinen zwei Gehilfen, ohne sich zu ihnen umzuwenden. Er konnte hören, wie das Eisen klapperte, dann die heiseren Schreie der Frau und ein schleifendes GerĂ€usch. Barsche Worte seiner Mitarbeiter. Die wenigsten Deliquenten hatten die Kraft, selbst zum Richtklotz zu gehen, einer dicken Gramnovenscheibe, die schartig und mit dunklem Blut verfĂ€rbt war. So auch nicht die Albin, welche unsanft zu ihrem Henker gezerrt wurde. Der stand da, ohne sich zu rĂŒhren.

„Urako“, hörte er sie seinen Namen rufen. „Urako!“ Ihre Stimme klang schrill. Er wandte sich zu der Mondalbin um. Heute fiel ihm seine ihm sonst so gleichgĂŒltige Arbeit schwer. Die gestrige Nacht saß ihm noch wohlig kribbelnd in den Gliedern. Er hatte die Albin, wie jeden seiner Deliquenten, am Abend vor der Hinrichtung besucht, um sich ihre Statur zu besehen. Dies war wichtig fĂŒr die EinschĂ€tzung der StricklĂ€nge oder der Kraft, mit der er sein Beil schwingen musste. Vor allem die Beschaffenheit des Nackens war dabei von Interesse.

Wie die meisten weiblichen Deliquenten und manchmal sogar mĂ€nnliche, hatte sie versucht, seine Gnade zu erlangen, indem sie ihn verfĂŒhrte. Andere versprachen ihm ReichtĂŒmer, die sie angeblich irgendwo versteckten. Das kannte er alles. Was in dieser Nacht geschehen war, war ihm nur Recht gewesen. Warum sollte er sich auch strĂ€uben? Er hatte die gemeinsame Nacht genossen, doch die ersehnte Gnade wĂŒrde er ihr nicht gewĂ€hren können. Er war nur der Vollstrecker.

Er wandte sich ab von ihren flehenden gelben Augen und drehte sich wieder zu der ausgelassenen Menge um. „Ich verlese nun das Urteil“, rief er mit fester Stimme und zog ein beschriebenes Blatt Schilfpapier aus einem Umschlag, der ihm von seinem Gehilfen gereicht wurde. Applaus brach aus. „Die Verurteilte“, versuchte er den LĂ€rm zu ĂŒbertönen, „Frau Syra Nabora, Gast in unserem Lande, wurde vom Hohen Gericht zu Phintias fĂŒr schuldig befunden, den einheimischen Gastwirt Teron Zavuke hinterrĂŒcks mit einem Tonkrug bewusstlos geschlagen und dann erdrosselt zu haben, da sie ihre Zeche nicht zahlen konnte und er ihr daraufhin mit dem Einschalten der SicherheitskrĂ€fte gedroht hatte. SĂ€mtliche Gnadengesuche wurden von unserem FĂŒrsten abgeleht, ebenso Frau Naboras Antrag, in ihr Heimatland ĂŒberfĂŒhrt und dort gerichtet zu werden. Das Urteil fĂŒr den Mord lautet Todesstrafe, welches ich als amtierender Scharfrichter nun Vollstrecken werde.“

Er ließ eine Pause, um seine Worte auf das Publikum wirken zu lassen. Die Tieflinge johlten und winkten, die Leute feierten die Hinrichtung wie ein Volksfest. Es waren so viele Zuschauer gekommen, dass man die Holzplanken unter ihren FĂŒĂŸen nicht mehr sah. Überall nur grĂ€uliche Gesichter, spitze Ohren, Hörner und fledermausĂ€hnliche Schwingen. Sogar auf den Baumkronen und den weitausladenden Stelzenwurzeln der umstehenden Gramnoven hockten Tieflinge oder flatterten herum. Über der Plattform kreisten jene, die keinen Sitz- oder Stehplatz mehr abbekommen hatten und dem Schauspiel nun aus der Luft zusehen wollten. Die Sicherheitsleute wirkten angespannt angesichts dieser aufgebrachten Menge.

Urako versuchte, Gelassenheit auszustrahlen.
„Möchtest du noch ein paar letzte Worte sagen?“, fragte er an die Deliquentin gewandt. Deren schönes Gesicht verzerrte sich zu einer Fratze der Wut und des Abscheus. Dann spuckte sie ihm mitten ins Gesicht.
„Er hat mich vergewaltigt!“, rief sie, so laut sie konnte. „Er hat mir angedroht, es lang und qualvoll zu machen, wenn ich ihm nicht zu Willen bin!“

Der Scharfrichter ließ fassungslos die Hand mit dem beschriebenen Schilfpapier sinken. Die Sicherheitsleute auf der Plattform mussten sich das Lachen verkneifen, doch dieser leise Spott war nicht das Schlimmste. Der Mob unterhalb der Gramnove schĂŒttelte die FĂ€uste und buhte gegen dem Henker. Besonders die anwesenden Frauen beschimpften ihn ĂŒbel. Urako spĂŒrte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Eine so erzĂŒrnte Menge konnte sich rasch gegen den Henker selbst wenden, das hatte ihm sein Lehrmeister immer eindringlich gepredigt. Er musste die Stimmung schnellstmöglich wieder zu seinen Gunsten kippen, sonst wurde es gefĂ€hrlich!

„Eigentlich hatte ich fĂŒr dich eine ehrenvolle Hinrichtung durch das Beil vorgesehen“, sprach er gedehnt, aber leise. Er zog sein Henkersbeil vom RĂŒcken und fuhr mit dem Daumen ĂŒber die blitzende Klinge. „So als kleines Dankeschön fĂŒr deine ZĂ€rtlichkeit. Damit trotz des Verbrechens deine Ehre gewahrt wird. Aber aufgrund deines Verhaltens, liebe Deliquentin, Ă€ndere ich die Art der Exekution in Tod durch ErhĂ€ngen.“

Er wandte sich wieder an das Publikum.
„Der Tod erfolgt durch den Strang!“, rief er fĂŒr alle hörbar. Mit diesen Worten verwahrte er das Richtbeil wieder in den Lederschlingen auf seinem RĂŒcken und nahm eine vorbereitete Galgenschlinge zur Hand, die an einer langen Seilrolle hing. FĂŒr einen Moment hielt er inne und ließ das Seil nachdenklich durch seine behandschuhten HĂ€nde gleiten.

Er musste die LĂ€nge exakt so wĂ€hlen, dass bei dem Sturz von der Plattform das Genick der Deliquentin brach. War es zu lang, riss ihr Kopf ab. War es zu kurz, erfolgte ein minutenlanger Todeskampf, der fĂŒr das Publikum sehr unschön anzuschauen war und sich in Wut ĂŒber die StĂŒmperhaftigkeit des Scharfrichters entladen konnte. Er schĂ€tzte noch einmal das Gewicht der Deliquentin ab und hantierte mit der Seilrolle. Die Albin war sehr zierlich. Die meisten seiner Opfer waren MĂ€nner und weitaus schwerer. FĂŒr so leichte Deliquenten fehlte ihm die Erfahrung.

Auf gut GlĂŒck schnitt er eine SeillĂ€nge ab, die ungefĂ€hr passen könnte und legte ihr die Schlinge um den Hals. Er nickte seinen beiden Gehilfen zu, welche die Frau zur Kante der Plattform fĂŒhrten. Einer hielt die Albin weiterhin fest, der andere flog mit dem freien Seilende zu den abgesĂ€gten dicken Ästen unter der Plattform, an welchen er es festknotete, ehe er wieder neben der Deliquentin landete. Der Scharfrichter stellte sich genau hinter sie.

„Das Urteil wird nun vollzogen“, verkĂŒndete er lauthals und mit einem GefĂŒhl der Genugtuung. Leise zischte er: „Stirb so unehrenhaft, wie du es verdienst, Hure!“ Dann stieß er sie fest in die WirbelsĂ€ule. Mit einem Schrei, der jĂ€h abbrach, stĂŒrzte die Albin die Plattform hinab. Die Menge jubelte und klatschte Applaus, doch nur fĂŒr einen kurzen Moment. Dann kamen die Buhrufe und SchmĂ€hungen gegen den Scharfrichter. Der presste die Lippen zusammen. Er hatte es geahnt! Der Strick war zu kurz gewesen und jetzt krampfte sie da unten rum!

Zornige Stimmen erhoben sich gegen ihn.
„Ich hab gehört, dass er sie Hure genannt hat!“, rief eine Frau aus der ersten Reihe. „Er hat den Strick absichtlich zu kurz gewĂ€hlt!“
„Der Henker ist frauenfeindlich!“, brĂŒllte es aus einer anderen Ecke.
„Bei der letzten Frau hat er auch schon so stĂŒmperhaft gehenkt!“
„So ein Schwein!“

Langsam, aber sicher wurde ihm mulmig. Den nĂ€chsten weiblichen Deliquenten wĂŒrde er enthaupten, egal, wie sehr die Frau ihn provozierte! Das war dumm von ihm gewesen, unbeherrscht. Schweiß lief seine Stirn hinab und er wischte ihn mit dem Unterarm fort. Die WĂ€chter packten ihre Dreizacke fester und gingen in Gefechtshaltung.

„Der Gerechtigkeit wurde GenĂŒge getan!“, sagte Urako so deutlich und selbstbewusst wie es ihm in der gegenwĂ€rtigen Situation möglich war. Er bemĂŒhte sich um einen gemessenen und wĂŒrdevollen Gang, als er, von seinen Gehilfen und den WĂ€chtern eskoriert, auf der Plattform ein wenig nach hinten trat, um aus der Sicht des Mobs zu gelangen.

Am liebsten wĂŒrde er die FlĂŒgel ausbreiten und verschwinden, aber das war nicht möglich. Er musste den Tod der Deliquentin abwarten. Nervös schaute er auf die Sanduhr, die einer der Gehilfen umgedreht hatte. Zwei Minuten. Er wĂŒrde dieses Mal nicht zusehen, wie sein Opfer starb und den Tod dann ĂŒberprĂŒfen, wenn es so aussah, als wĂ€re sie verschieden. Diesmal wĂŒrde er aus SicherheitsgrĂŒnden einfach zwei Minuten warten, dann war sie ganz sicher tot und er musste nichts mehr ĂŒberprĂŒfen. Das sparte Zeit, die er in Sichtkontakt mit dem grölenden Publikum treten musste. Dann nichts wie rasch die Leiche abschneiden und nach Hause fliegen!

Nervös starrte Urako auf die Sanduhr. Die Rufe unter der Plattform wurden immer lauter.
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

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Kor
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#4

Beitrag von Kor » Sa 21. MĂ€r 2015, 13:29

GrĂŒnes Laub raste an ihm vorbei. Äste schlugen ihm ins Gesicht und gegen die Beine. Kor jedoch machte das nichts aus. Er war auf dem Weg zum Waldrand und rannte den Weg in Wolfsgestalt in einem Bruchteil der Zeit, die er normal gebraucht hĂ€tte, doch war ihm das egal, da seine WolfsgefĂ€hrtin ihn begleitete. Erst an der Grenze des Waldes verabschiedete er sich zĂ€rtlich von ihr. Sie war seine einzige Bezugsperson und er genoss jede Minute mit ihr.
Nun war es Zeit die Gestalt zu wechseln und so beschwor er die Form des Riesenadlers herrauf.

Er hatte sich vorgenommen die Natur in anderen Landesteilen zu studieren und so sein Wissen ĂŒber die Schöpfung zu erweitern. So hatte er sich vorgenommen seine Empathie zu nutzen um wĂ€hrend des Fluges die Empfindungen der Natur zu erspĂŒhren.

Er flog gen Osten und spĂŒhrte die Winde an seinen FlĂŒgeln zerren, doch hatte er zu viel Erfahrung um sich davon behindern zu lassen. Er genoss die behruigenden, wohligen GefĂŒhle die die gesunde Natur unter ihm ausstrahlte und freute sich, wie viel leben doch in der WĂŒste herrschte, die er im Anschluss auf die weiten Steppen seiner Heimat erreichte. Wenn er sich darauf konzentrierte merkte er, dass es dort unten vor verstecktem Leben nur so strotzte, welches den meisten woh lgarnicht bewusst war.

Die hitze gab ihm auftrieb, doch musste er immer wieder an höhe verlieren um den Kontakt zu den empfindungen der Natur nicht zu verlieren. Schnell kam er vorran und so in seine Gedanken versunken wie er war merkte er garnicht wie er das Ende eben jener erreichte. Nur die tatsache, dass er eine Stadt ĂŒberflog deren GefĂŒhlgewirr Kor aus seinen Gedanken riss. Es war eine rießige Stadt und Kor wollte sie schnellstmöglich hinter sich lassen. Einen Tag und eine Nacht war er geflogen und die MorgendĂ€mmerung hatte noch nicht eingesetzt als sich sein Wunsch erfĂŒllte und er nun endlich weit genug weg von der Stadt war.

Die Temperaturen wurden langsam wieder milder, doch blieben sie recht warm. Es war wieder mehr GrĂŒn zu sehen und ein riesiger Berg erhob sich vor ihm, auf den er schon einige Zeit unbewusst zusteuerte. Am Fuß des Berges wĂŒrde er Rast machen hatte Kor beschlossen und so machte er sich dorthin auf. Er hatte noch einen weiten Weg vor sich.

Als er in die nĂ€he des Berges kam fand er ein dristes, nebeliges Sumpf vor und die negativen Emotionen die ihm entgegenschlugen waren gewalig. Die Natur hier war nicht krank. Nein das war es nicht. Sie war Lebensfeindlich. NatĂŒrlich war die Natur selbst nicht feindlich, doch was hier wuchs, musste einiges aushalten und was hier leben wollte, durfte nicht anspruchsvoll sein. Erschaudernd Landete er auf einem Ast eines riesigen, alten Baumes, der so alt war das seine GefĂŒhle Kor noch die Geschichte dieses Ortes erzĂ€hlen konnte, bevor hier ĂŒberhaupt irgendestwas Anderes war. Es war der wohl Ă€lteste Baum in diesem Sumpf und Kor war fasziniert von den GefĂŒhlen des Baumes, die von Weißheit und Alter zeugten.

Der Zufall wollte es, dass ganz in der NĂ€he dieses Baumes ein Dorf lag. Eventuell war es auch eine Stadt. Kor wĂ€re es einerlei, doch nachdem er seine Faszination fĂŒr den Baum ĂŒberwunden hatte, merkte er welcher Hass und Welche Wut ihm von dort entgegenschlugen. Kor verĂ€rgerte es, dass dieses GefĂŒhlsgewirr ihn so von der Natur hier ablenkte, weshalb er sich dorthin aufmachte. Er wĂŒrde die Leute schon irgendwie beruhigen können.

Als er sich dem Dorf nĂ€herte sah er was die Leute so aufbrachte. Der vermalledeite Henker hatte seinen Job nicht richtig gemacht und war nicht Willens seinen Stolz beseite zu drĂ€ngen um seinen Fehler zu berichtigen. Außerdem Stank er nach Angst. Angst vor der Masse die immer mehr in Rage geriet. Dann fĂŒhlte er die Panik der verurteilten und er konnte sich vorstellen wie sehr sie sich gegen den Strick wehren wollte, wo ihr doch die Luft ausging. Kor landete auf der hölzernen Plattform und sand eine Woge des Zorns an die Zuschauer, die vereinzelt vor schreck ĂŒber diese fremde Empfindung erstickt aufschrien. WĂ€rend er sich in seine normale Gestalt wandelte lies er wieder vom Volk ab und lies sowohl die WĂ€chter, die schon auf ihn zustĂŒrmen wollten, als auch der Verurteilten beruhigende GefĂŒhle. "Halt!", schrie die Wache. "Im Namen des FĂŒrsten von Phintias", doch Kor zog zierliche Frau mit einer Hand am Seil wieder hoch auf die Plattform und zog mit der anderen, um die Arme von ihrem leid zu erlösen den Dolch. Sie konnte ihrem Schicksal nicht entrinnen. DafĂŒr war er weder Stark genug, noch hatte er ĂŒberhaupt den Wunsch sie zu befreien. Ohne Grund wĂŒrde sie ja wohl hier nicht hĂ€ngen. Deshalb stach Kor ihr nun mit einem ein schnell und geziehlt, zwischen den Rippen hindurch, ins Herz und sĂ€uberte den Dolch beim herausziehen an ihrem Oberteil.

Wie einen nassen Sack legte er sie nun auf den Boden und richtete seine Aufmerksamkeit wieder voll den Wachen zu, die wie Alle in Totenstille dastanden und die Situation nicht wirklich zu verstehen schienen. Jeder hatte wohl vermutet, dass er Sie retten wollte und war jetzt um so perplexer ĂŒber ihren schnellen Tod. Das jedoch war Kor egal. Die Leute wĂŒrden nun wieder ruhiger werden und er konnte sich seiner Natur widmen. Also nahm er wieder die Gestalt des Riesenadlers an und flog zurĂŒck zum alten Baum in der nĂ€he der Siedlung.

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Urako
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#5

Beitrag von Urako » Sa 21. MĂ€r 2015, 13:30

Einen solchen Arbeitstag hatte der Scharfrichter von Phintias noch nie erlebt. Erst war ein fremder Magier wie aus dem Nichts aufgetaucht, um ihm die Arbeit abzunehmen, dann hatte er sich einfach in einen Vogel verwandelt und war davongeflogen, als ob nichts gewesen wÀre. War das denn zu fassen?

Und als ob das nicht schon unerhört genug wĂ€re, stand plötzlich ein unbefugter Mann auf dem Richtplatz, welcher von der selben Rasse war wie die Deliquentin. Seiner Kleidung nach zu Urteilen wohl ein Magier. Wie war er hier hinauf gelangt? Nach Abschluss des ganzen Prozederes wĂŒrde Urako ein ernstes Wörtchen mit den Wachen reden!

Der fremde Alb baute sich vor dem Scharfrichter auf, verfiel in eine regelrechte Hasstirade und stellte dann auch noch rotzfrech Forderungen. Hatte es so etwas schon gegeben? Nach einem kurzen Moment der VerblĂŒffung warf Urako den Kopf in den Nacken und lachte schallend.

„Narr!“, rief er. „Glaubst du, wir haben hier zur Wache nur unsere Krieger, aber keine Magier? Phintias ist berĂŒhmt dafĂŒr, dass seine Bewohner ein HĂ€ndchen fĂŒr das Erlernen von Magie haben. Und natĂŒrlich setzen wir sie auch im Kampfe ein, mit Freuden sogar. Dein Gehirn hast du offenbar in deiner schwĂ€chlichen Heimat vergessen! Lass mich dir eins sagen, um dich zu erinnern, wo dein Platz ist: Ich bin dir keinerlei Rechenschaft schuldig.“
Er wies mit der Hand auf die Tote, ohne den Blick von dem Alb zu lassen.
„Du kannst noch so schimpfen wie ein Rohrspatz, meinetwegen noch stundenlang und mir dabei drohen. Das interessiert mich nicht.“

Er grinste und legte den Kopf schrĂ€g. Langsam zog er sein Richtbeil vom RĂŒcken, mit der anderen Hand machte er eine unauffĂ€llige Bewegung. Sofort sprangen aus dem Hintergrund zwei der WĂ€chter hervor, deren Hellebarden mit verschnörkelten Zeichen verziert waren. Sie hielten sie in kampfbereiter Position vor den Körper, als sie auf den Fremden zupreschten. Der Holzboden bebte unter ihren FĂŒĂŸen. Doch anstatt mit ihren Waffen auf den Eindringling loszugehen, schwangen sie diese mit schlĂ€ngelnden Bewegungen durch die Luft. Der Luftdruck schien sich zu erhöhen, die Umstehenden bekamen drĂŒckende Kopfschmerzen und die Luft fĂŒhlte sich aufgeladen an wie kurz vor einem Gewitter. Die Zuschauer wurden von fliegenden Wachen evakuiert. Schreiend entfernten sich die Tieflinge. ZurĂŒck blieben die WĂ€chter, der Henker und der Alb.

Und die Kampfmagier. Die Zeichen auf ihren Hellebarden begannen blau zu glĂŒhen, ebenso wie ihre Augen. Sie waren ein gut eingespieltes Team, keiner stand dem anderen im Wege herum, all ihre Aktionen fĂŒgten sich perfekt ineinander. Zwischen ihnen stand Urako mit gezogenem Beil und lĂ€chelte selbstgefĂ€llig.

„Ich sag dir was, Schwarzhaut: Du vergeudest deine Energie umsonst fĂŒr die Schlampe da. Sie ist tot und damit basta. Das kannst du nicht mehr rĂŒckgĂ€ngig machen. Ob das Recht oder Unrecht war, kann ich nicht entscheiden und es ist mir auch scheißegal. Ich bin der Vollstrecker - nicht mehr, nicht weniger. Weder habe ich die Gesetze erlassen, noch das Todesurteil gefĂ€llt.“

Urako schlug das Beil kraftvoll in das Holz zu seinen FĂŒĂŸen. Die Plattform erzitterte.
„Du bist ein kleiner Schreihals“, höhnte er, „und am liebsten wĂŒrde ich meinen WĂ€chtern befehlen, dich zu zerquetschen wie ein lĂ€stiges Insekt! Zu dumm, dass ich Ärger kriege, wenn ich unnötige Grausamkeit walten lasse. Sei dankbar fĂŒr diese Sitte, denn ich gebe dir hiermit noch eine letzte Möglichkeit, ungeschoren aus der Sache heraus zu kommen. Verzieh dich, verlasse Phintias und lass dich hier nicht wieder blicken!“

Er riss das Beil wieder aus dem Holzboden und steckte es mit einer beilĂ€ufigen Bewegung zurĂŒck auf seinen RĂŒcken. Dann schlenderte er betont gelangweilt zur Leiche der Deliquentin, ohne den Alb weiter zu beachten. Er trat die Tote krĂ€ftig mit dem Fuß, so dass sie von der Plattform rollte und mit einem dumpfen GerĂ€usch in einem Holzboot landete, mit welchem die Leichen nach den Hinrichtungen abtransportiert wurden. Die Kampfmagier verharrten in Gefechtsbereitschaft. Ihre Augen glommen wie blaue Kohlen.
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

Selan Todaric
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#6

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. MĂ€r 2015, 13:31

"Das ist nicht dein ernst, was geht denn in Phintias vor sich, wie kann so etwas sein, seit wann..."

Mit unglĂ€ubigen Augen stand Selan fassungslos da, keine Miene regte sich in seinem bleich gewordenen Gesicht. Nur auf das Schild starrend stand er da, was ihn in großen weiß- roten Buchstaben auf hölzernem Untergrund mitteilte, dass heute um 12 Uhr Mittags eine Hinrichtung zelebriert wird.

"Tja was soll ich sagen Selan, dass gibt es hier alle paar Wochen seit ca. drei Jahren. Nur wenige Tage nach dem du das letzte mal hier warst, ist der alte FĂŒrst an AltersschwĂ€che gestorben. Wenn du mich fragst, lags aber eher am Konsum gewisser Pilze, denen er sehr zu getahn war. Aber nun ja, was danach kam ist nicht schwer zu erraten, wir bekamen einen neuen FĂŒrsten. Ein ziemlich harter und rauher Geselle wenn du mich fragst. Sein Ruf schwankt bei den Tieflingen. Von den einen wird er geliebt, von den anderen gehasst. Er hat Steuern erhoben, angefangen ĂŒberall Wachen auf zu stellen, die Todesstrafe in die Öffentlichkeit zu bringen und noch so einiges anderes. Wenn du ein paar Tage hier bist wirst du es merken, es ist nicht mehr ganz das Phintias, was du kanntest. Mir und meiner Frau gefĂ€llt es hier auch nicht mehr so recht, aber wo wollen wir hin. Wir sind HalbdĂ€monen, keiner will uns irgendwo lange haben.", traurig in seinen Tonbecher blickend nahm Tarac einen beherzten Schluck.

"Siehst du, da fÀngt es an, die Leute sammeln sich, gleich wirst du das Schauspiel sehen, was hier insziniert wird. Wenn du mich fragst, es war besser als die Verurteilung noch auf der GefÀngnisgramnove war, weit ab von hier. Es ist einfach wiederlich eine Hinrichtung öffentlich zu machen!"

"Du mĂŒsstest mich eigentlich kennen Tarac, ich bin allgemein gegen so etwas. Was bringt es jemanden hin zu richten? Sollte man ihm nicht lieber seine Fehler auf zeigen, anstatt ihn ebenfalls zu töten. Lernt die verurteilte Person etwas aus dem Fehler, wenn sie stirbt?", gab Selan mit bedenklichen Worten und ernster Stimme zu bedenken.

"Zudem, wenn so viele den neuen FĂŒrsten nicht mögen, warum ist er immer noch an der Macht? Sollten sich die Tieflinge nicht zusammen schließen und rebellieren? Was ist mit den Leuten hier passiert? Mein Vater erzĂ€hlte mir noch, das in seiner Generation sich ein FĂŒrst nicht lange gehalten hat, wenn er schlecht war.", gab Selan bestĂŒtzt zu bedenken.

"Schlecht hin schlecht her, es liegt immer im Auge des betrachters. Wie gesagt, die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Was will man da machen? Heut zu Tage denkt jeder an sich. Irgendwie ist dem Zusammenhalt der Tieflinge etwas zu gestoßen. Ich weiß es leider auch nicht. Wart mal es geht los..."

Ein schwerer Wagen war zu hören, rÀder gepolter auf den durchnÀssten Holzbolen der Stege. Emsig drÀngten die Leute nach vorne, jeder wollte den besten Platz haben.

"Komm mit aufs Dach meines Ladens, da können wir besser sehen.", sprach Tarac, als er schon beinahe auf seinem Dach war. Mit Leichtigkeit folgte Selan seinem Freund aufs Dach und Recht hatte er. Konnte man doch von hier ĂŒber den ganzen Platz sehen.

Weit musste man nicht schauen, schon konnte man das Henkergespann erblicken.

"Der kleine Kerl da mit den langen weißen Haaren ganz vorn ist der neue Henker. Er arbeitet jetzt seit knapp drei Jahren. Wenn du mich fragst, ein ziemlich angeberischer und hochnĂ€ssiger Zeitgenosse. Hat schon ein paar mal bei Hinrichtungen Mist gebaut und auch so soll er eher ein, sagen wir mal nicht gerade netter Herr sein."

Schwer hatte es der klein Henkerstrupp durch die Menge zu kommen. Zur Hilfe waren schwer gepanzerte Wachen an der Seite des Henkers. Doch selbst sie hatten ihre liebe Not durch die Massen an Tieflingen zu strömen.

"Bevor du fagst, dass ist jedes mal hier das selbe. Alle jubeln und grölen bei der Hinrichtung, als wĂŒrde ein neuer Herrscher gekrönt. Die haben eindeutig nicht mehr alle Teetassen im Schrank.", sprach Tarac, als der Karren einen spiralförmigen Aufstieg hinauf gezerrt wurde und zum stehen kam.

Keine Minute spÀter zerrten zwei Wachen auf Befehl des Henkers eine Albenfrau aus ihrem Eisernen GefÀngnis und brachten sie zum starr da stehenden Henker.

"Wegen was wurde sie angeklagt Tarac,?"

"Wart nur, es wird gleich vorgelesen!", meinte Tarac und zeigte mit der rechten Hand Richtung Schafott.

„Frau Syra Nabora, Gast in unserem Lande, wurde vom Hohen Gericht zu Phintias fĂŒr schuldig befunden, den einheimischen Gastwirt Teron Zavuke hinterrĂŒcks mit einem Tonkrug bewusstlos geschlagen und dann erdrosselt zu haben, da sie ihre Zeche nicht zahlen konnte und er ihr daraufhin mit dem Einschalten der SicherheitskrĂ€fte gedroht hatte. SĂ€mtliche Gnadengesuche wurden von unserem FĂŒrsten abgeleht, ebenso Frau Naboras Antrag, in ihr Heimatland ĂŒberfĂŒhrt und dort gerichtet zu werden. Das Urteil fĂŒr den Mord lautet Todesstrafe, welches ich als amtierender Scharfrichter nun Vollstrecken werde.“

"Ich begreife es nicht. Muss man fĂŒr Mord jemanden ermorden? Macht das denn irgend einen Sinn? Bringt so etwas den toten ins Leben zurĂŒck bringen. Ahhh..."

Selan beumte sich auf, breitet seine schwarzen FlĂŒgel aus und brĂŒllte in die Menge.

"Hört mir zu Tieflinge von Phintias, dies ist ein Unrecht und ist nicht zu dulden, hört sofort auf damit!"

"Gib ruhe da oben!", war die erste Antwort die er zu hören bekam.

"Genau, halt die klappe du Spinner, was soll das.", schallte es aus einer anderen Ecke.

"Tieflinge, das ist der falsche Weg! Der Tod der Frau bringt gar nichts, was lernt sie so aus ihrem Fehler?"

"Sag das dem Gastwirt, der wollte auch noch Leben."

"Das war mein Lieblingsgastwirt, wo soll ich nun trinken gehn du Spinner?", schallte es aus unmittelbarer NĂ€he!

"Bist doch selber ein Spinner, das war der einzige Gastwirt hier.", schallte es von einer Frauenstimme herĂŒber.

"Dann ist das ja noch schlimmer als gedacht. HÄNGT SIE!"

"Genau hÀngt sie", war ein breiter Schrei aus der Masse.

"Können wir das denn nicht alle noch einmal bei einem guten TÀsschen Kamilletee bereden?"

Schon kamen die ersten Fische, TonkrĂŒge und DrachenfleischstĂŒcke auf Selan geflogen. Fast allem konnte er schnell ausweichen, nur ein Fisch traf ihn mittem ins Gesicht.

Mit einem Flunderförmigen roten Abdruck im Gesicht redete Selan bedingungslos weiter.

"Kamilletee ist hier eindeutig fehl am Platz. Meines erachtens braucht ihr alle sehr viel Johanniskrauttee um eure Nerven und euer hitziges GemĂŒt wieder zu beruhigen. Dann gehen wir erst einmal alle schlafen. Morgen frĂŒh reden wir dann noch einmal ĂŒber alles. Die Rechnung geht natĂŒrlich auf mich, seit ihr einverstanden?"

Am vordersten Teil des Tieflingaufmarsches war keiner, der Selans rede bemerkte, jedoch im hinteren Teil wurden die Proteste gegen ihn immer lauter. Mehr und mehr Tontassen, GemĂŒse und Fleischwaren erreichten den protestierenden.

Just in diesem Moment war ein mark durchdringender Schrei zu hören und die verurteilte hing am Strang. Der noch gerade anhaltende Blutdurst der Tieflinge verstummte und wich purem Hass. Ein murren war zu hören und auch schon die ersten Schreie gegen den Tieflinghenker. Hatte er doch einen Fehler bei der SeillĂ€nge gemacht. Durchbrach der Hals der Albin nicht, sondern quĂ€lte sie und raubte ihr Sekunde fĂŒr Sekunde mehr die Luft zum Athmen.

"Jetzt reichts mir aber!", mit einem beherzten Sprung nach oben breitete Selan seine FlĂŒgel aus und versuchte Aufwind zu erwischen, was dem guten Flieger auch ohne Probleme gelang. So schnell es geht flog Selan Richtung Schafott, wollte er doch die Albin befreien und ihr leid beenden.

Hingegen kam ihm jemand zu vor und war eher bei der Albin. Ein großer Adler setzt sich auf einmal auf den Ast ĂŒber sie und verwandelte sich in einen Poraha.

>Gerettet, es gibt also doch noch anstĂ€ndige Adler, Ă€hh Poraha, naja wie auch immer. Jedoch mache ich mir langsam Sorgen um mein Volk. So ein Blutdurst...<, dachte sich Selan, als der unbekannte blitz schnell die verurteilte nach oben zog. Jedoch nicht um sie zu retten, sondern stach er ihr ein schnell gezĂŒcktes Messer in die Rippen.

Selan war komplett per plex und landete auf einem Baum nur unweit der Galgengramnove entfernt.

"Was soll das? Warum hat er das getahn, war das nötig? Sie könnte noch Leben sein und nun ist sie wahrscheinlich nur noch Handelsware fĂŒr einen Nekromanten, elender Schuft!", gab Selan mit starrer Miene und bösartig blickenden Augen von sich als er die unbekannten davon fliegen sah. Just in diesem Augenblick betrat plötzlich eine schwarz gekleidete Person mit gauer Haut und weißen Haaren die HĂ€nkersplattform und begann ein GesprĂ€ch mit dem verduzten Henker. Aufmerkam belauschte Selan das GesprĂ€ch der beiden, schien doch der Neuankömmling die erste Ehrenhafte Person bei diesem mehr als sinnlosen Gewaltakt zu sein. Seinen Worten zu urteilen schien er ebenfalls wie die Frau ein Mondalb zu sein. Doch enderte sich das Bild Selans von
dem Neuankömmling binnen weniger Augenblicke. Merkte er doch, dass etwas mit ihm nicht stimmte, wusste er doch aber noch nicht sofort, was sein Misstrauen erregte.

>Vielleicht hat sie etwas GlĂŒck und ist noch am Leben.<, dachte sich Selan, als der Henker mit der Hand ein Zeichen gab und zwei weitere Personen auf dem Podest erschienen. Schnell erkannte Selan die zwei Personen an ihren engen schwarzen anzĂŒgen mit blauem Schnörkelmuster.

>Kampfmagier, also jetzt gehts hier gleich richtig rund und knapp wird meine Zeit zum eingreifen.<, Selan lies sich in die Tiefe stĂŒrzen, breitete seine FlĂŒgel aus und stĂŒrzte herab Richtung Podest. Kam er aber doch nicht rechtzeitig an, denn der Henker gab der Verurteilten im GesprĂ€ch mit dem Mann in Schwarz einen Tritt, so das sie Richtung Sumpf stĂŒrzte.

Selan legte seine FlĂŒgel eng an seinen Körper um dem Wind weniger AngriffsflĂ€che zu bieten und noch schneller in die Tiefe stĂŒrzen zu können. Mit atemberaubender Geschwindigkeit schoss er am Podest vorbei und wollte gerade die Hand der Frau ergreifen, als sie mit einem lauten knall in einem Holzboot landete. Nur knapp ĂŒber der SumpfoberflĂ€che flog Selan entlang, machte einen engen Bogen, um zu gleich auf dem Holzboot zu landen. Nach einer kurzen Pulskontrolle am Handgelenk musste Selan feststellen, dass er zu spĂ€t gekommen war.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#7

Beitrag von Kor » Sa 21. MĂ€r 2015, 13:31

Es war ruhiger geworden. Vereinzelt spĂŒhrte Kor noch aufgebrachte gemĂŒter, doch waren es wenige genug um sie zu ignorieren zu können.

Kor war fasziniert von der Natur hier und was eigendlich ein notgedrungener Zwischenstop war, wurde fĂŒr ihn allmĂ€hlich zur fesselndsten Entdeckung die er sich vorstellen konnte. Er lauschte den GefĂŒhlen des alten Baumes. Die ließen ihn die Natur hier mit ganz anderen Augen betrachten. Was anfangs so bedrohlich und er erkannte auch hier die natĂŒrlichen merkmale des Gebens un Nehmens wieder. Alles ergab wieder einen Sinn und Kor faszination stieg mit jeder neuen Entdeckung die er machte.

Auch das Aussehen des alten Baumes erzÀhlte seine Geschichte.
Er war groß. Er ĂŒberragte selbst den grĂ¶ĂŸen aller anderen BĂ€ume um einige Meter.
Sein Stamm war dick und stabil und auch wenn die eine oder andere Kerbe die Rinde zierte war sie ĂŒberall in Takt.
Hart und unnachgiebig war sie, doch auch grau und vom alter geprÀgt.
Die Wurzeln des Baumes gingenweitflĂ€chig in das Moor und durch den fehlenden Grund hĂ€tte man, wĂ€re der Boden fest unter den Wurzeln hindurchlaufen können ohne sich ein einziges mal bĂŒcken zu mĂŒssen.
Jede seiner Wurzeln hatte dabei die dicke des Rumpes eines ausgewachsenen Porohas und Kor wĂŒnschte sich dort eine HĂŒtte einrichten zu können.

Kor verwandelte in seine normale Gestalt zurĂŒck und beschwor die Geister der Natur herrauf. Er wollte von ihnen persönlich hören wie es um die Natur hier stand und wie sie sich mit der Siedlung in der Nachtbarschaft vertrug. So saß er dort und vollfĂŒhrte sein Ritual und die Naturgeister des Moores erschienen vor ihm. Ehrerweisend verbeugte sich Kor vor ihnen und kommunizierte mit ihnen wie er es immer tat. Mittels seiner GefĂŒhle.

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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#8

Beitrag von Ibn ald Salad » Sa 21. MĂ€r 2015, 13:32

Zum GlĂŒck war Ibns Kopf gesenkt, sodass niemand sein LĂ€cheln sehen konnte. BeilĂ€ufig musterte er die Tote nocheinmal genauer. Er konnte es wirklich nicht abschĂ€tzen, von wo die Dame herkam. Weder an ihrer Kleidung, noch an ihrem Aussehen, war es genau auszumachen. Kurz ĂŒberlegte er, ignorierte das ĂŒberhebliche GeklĂ€ffe des kleinen Tieflings. Caligo. Das war zumindest die nĂ€heste Stadt der Mondalben und soviel er wusste, waren die Bewohner weitestgehend KargonglĂ€ubige. Rasch zwang er sich, seine Haltung wieder einzunehmen und presste die Lippen zu einem Strich. Mit einem Ohr nahm er nun die Worte des Henkers auf. Der redete belangloses, beleidigte seine Heimat, drohte ihm natĂŒrlich und gab sich unbekĂŒmmert. Er verhielt sich, wie es fĂŒr komplexbeladene, zu kurz geratene HĂ€sslichkeiten eben ĂŒblich war.
WĂ€hrend der Shalar in seinem Kopf noch einen kleinen Plan zurecht legte, tauchten plötzlich Magier der Tieflinge auf, vertrieben die Zuschauermenge und gesellten sich zu ihren Kollegen. Die Wörter Mut und Ehre wurden hier wohl eher in der Version Feigheit und HinterhĂ€ltigkeit gefĂŒhrt. Kargon tat gut daran, diese Kreaturen zu verabscheuen.
"Zu gerne wĂŒrde ich diese hĂ€sslichen Fratzen dir zu Ehren opfern, Kargon, mein Gebieter."
Doch dieser Gedanke musste vorerst in seinem Kopf bleiben und auch sonst schwieg Ibn eisern. Diese glĂŒhenden Ungeheuer ignorierte er und selbst als Urako die Leiche der Albin von der Plattform trat, blieb er ruhig, betrachtete etwas belustigt das kleine Wesen, das sich Henker schimpfte. Aus den Augenwinkeln heraus sah der Nekromant plötzlich einen Schatten an ihnen vorbeifliegen. Interessiert schritt er zum Rand und sah einen weiteren, geflĂŒgelten DĂ€mon, der soeben den Puls der toten Albin kontrollierte. "Huch, sollte es unter diesen Witzfiguren etwa auch welche mit Verstand geben?"
Mit betrĂŒbtem Blick machte Ibn einige Schritte zurĂŒck und stellte sich neben Urako, als wĂ€ren sie alte Freunde. Der Mondalb ĂŒberragte den Tiefling um knappe 15 Zentimeter, nicht viel, aber doch nett anzuschauen.
"Weißt du, ich denke, du hast dein Gehirn heute zuhause gelassen." Ibns Tonfall war freundlich, als rede er mit einem kleinen Kind, dem es etwas zu erklĂ€ren galt, das weit ĂŒber seinen Horizont hinaus ging. "Ich weiß nicht, was du mit deinen Magiern willst, aber das hier..." Er deutete auf sein Gewand. "..., mein lieber Freund mit den kurzen Beinen, ist eine Priesterrobe. Sollte ich dir vorhin gedroht haben, tut mir das Leid, den es war Zeitverschwendung. Vergib mir. Eine Schande, dass mir nicht aufgefallen ist, dass du offensichtlich keine höhere Position bekleidest, geschweige denn mehr als ein Kind mit Beil bist, das die Drecksarbeit erledigen darf. Und auch noch kurz geraten, wenn ich mir deine Artgenossen hier so anschaue. Das ist ein prĂ€chtiges Exemplar!" EntzĂŒckt ging Ibn an Urako vorbei, der Stab klopfte rhythmisch gegen das Holz unter seinen FĂŒĂŸen und deutete auf eine der Wachen. "Groß gewachsen, krĂ€ftig, wahrscheinlich ein starker Krieger. Der Inbegriff eines Tieflings. Stell dich nicht neben ihn, kleiner Henker, das wĂŒrde etwas ungĂŒnstig fĂŒr dich aussehen." Ein glasklares, glockenhelles, aber keineswegs böse wirkendes Lachen Ibns schallte ĂŒber die Plattform. Die beiden Kampfmagier warfen sich Blicke zu.
"Ach ja, jemandes Heimat als schwĂ€chlich zu bezeichnen, wenn man gleichzeitig damit droht, dass die eigenen WĂ€chter den Gast zerquetschen werden, wirkt unglaubwĂŒrdig, findest du nicht? Aber egal, vielmehr solltest du, solltet ihr alle euch eine Frage stellen. NĂ€mlich, was ist das?" Sanft tippte er gegen das Symbol Kargons auf der Brustseite seiner Robe. "Das, meine Freunde der Unterwelt, ist das Zeichen meines Gottes, Kargon. Nun begibt es sich, dass die Dame, die der kleine Henker dort drĂŒben gerade Ă€ußerst schlampig gerichtet hat, offenbar aus Caligo stammt. Eine unserer StĂ€dte, unweit von hier. Und es begibt sich weiters, dass die dort lebenden Mondalben einen gewissen Hang zum Fanatismus haben, wenn es um ihren Gott geht, bei dem es sich zufĂ€llig auch um den meinigen handelt. Erschwerend kommt hinzu, dass Kargon die Tieflinge nicht sehr...mag." "Weil ihr nur eine Ausgeburt an Schattenteufelscheiße seid.", fĂŒgte er in Gedanken hinzu. "Einer der Punkte, die ich nicht gĂ€nzlich akzeptiern möchte, so sehr ich Kargon auch verehre. Ich habe euer Volk als zurĂŒckhaltend, aber dennoch gastfreundlich erlebt. Reserviert, aber respektvoll. Bis auf eine kleine Ausnahme. Es widerstrebt mir, euch das zu sagen, aber fanatische Mondalben, die auf Rache aus sind, können unangenehme Zeitgenossen werden, egal wie zerbrechlich sie wirken. Und genau so etwas möchte ich mit allen KrĂ€ften verhindern. Mein Volk ist weitestgehend friedlich und einen solchen Konflikt können wir alle nicht gebrauchen." Sich selbst bestĂ€tigend, nickte Ibn einige Male, schritt, gefolgt von wachsamen Blicken, auf eine der Wachen zu und stellte sich neben sie. Die Hand hatte der Krieger an seinem Schwert. "Meine Worte vorhin waren wohl etwas unbedacht. Geboren aus einem zutiefst emotionalen Moment heraus. Es steht mir natĂŒrlich nicht zu, euer Rechtssystem in Frage zu stellen, ferner bin ich sicher, dass die soeben gerichtete einen fairen Prozess erhielt, Anwesenheit der Mondalben hin oder her. Nur die AusfĂŒhrung ist wohl etwas verbesserungswĂŒrdig. Sollte es ein gewisse Regelung fĂŒr die Leichname Hingerichteter geben, werde ich mich dieser natĂŒrlich beugen, sosehr es mein Herz auch mit Trauer erfĂŒllt." VerstĂ€ndnisvoll nickte Ibn Urako zu und horchte in sich hinein. Nein, da war nichts. Keine Trauer. Vielmehr KĂ€lte. Die Tieflinge um ihn herum waren teilweise etwas perplex und unsicher, inwiefern sie den Worten des Mondalben Glauben schenken konnten.
"Trotzdem habe ich noch eine Bitte, werte Tieflinge. GewĂ€hrt mir eine Audienz beim Herrn von Phintias, sodass ich zumindest ein SchriftstĂŒck oder etwas in der Art habe, um die Angehörigen der Toten vollends aufzuklĂ€ren und unbedachtes Handeln ihrerseits zu verhindern."
Ibn deutete eine Verbeugung an und stĂŒtzte sich mit beiden HĂ€nden auf seinen Stab, ein mildes LĂ€cheln auf den Lippen.

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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#9

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. MĂ€r 2015, 13:32

Nach wenigen Sekunden bemerkte Selan, dass bei der Albin kein Puls mehr zu fĂŒhlen war.

"Zu spÀt, ich war nicht schnell genug."

Leicht verĂ€rgert sah Selan zum Podest hinauf. Immer noch standen diese zwei gar merkwĂŒrdigen Figuren da und versuchten immer wieder den anderen davon zu ĂŒberzeugen, wer nun der stĂ€rkere war. Beeindruckt war Selan kurz von dem Herrn in schwarz. Hatte er doch kein bisschen Skrupel weiter aggressive Töne verlauten zu lassen, obwohl der andere bereits Kampfmagier zur Hilfe gerufen hatte. Ironisch wurde er sogar ihm gegenĂŒber, ob derSchwarzkutte wohl bewusst ist, in was fĂŒr einer Gefahr sie sich gerade begibt?

"Die Frau könnte noch leben und einen anstÀndigen Prozess bekommen, aber nun ist sie tot! Jedoch nicht durch die Pfuscherei des Henkers. Sie ist kaum blau angelaufen, also nicht erstickt. Das muss eindeutig der Messerstich dieses Poraha gewesen sein, er hat sie auf dem gewissen. Und nichts desto trotz streiten sich die beiden immer noch. Dabei ist doch der Streitpunkt tot, toter geht es ja schon gar nicht mehr! Warum also dann der Streit?"

Selan breitete seine großen schwarzen FledermausflĂŒgel aus und mit einem beherzten Sprung gewann er schnell an Höhe. Nur wenige Sekunden spĂ€ter landete er sacht am Rande des Podests. Links und rechts einige Meter entfernt, standen die beiden Streitparteien.

"Nun, also ihr beiden, ich habe keine Ahnung wer ihr seit, aber langsam wird es lĂ€cherlich. Ihr habt ja schon sĂ€mtliche Leute hier verjagt. Ihr macht ihnen Angst mit eurere Streiterei. Beide seit ihr Narren, euch wegen so etwas fast um zu bringen. Ihr seit wie zwei Goblins im Sandkasten, die sich gegenseitig beweißen wollen, wer die grĂ¶ĂŸte Klexelburg gebaut hat! Normalerweise hĂ€tte die Albin eine anstĂ€ndige Verhandlung verdient gehabt und nicht so ein Schauspiel, dass ist widerwĂ€rtig.", sprach Selan bestĂŒrzt und schaute dabei sehr erzĂŒrnt den Henker an.

Freundlich und offen ging der Tiefling ein paar Schritte nach vorn und hielt seine HĂ€nde versöhnlich vor seinen Körper. "Aber nun ist sie tot, daran ist nichts mehr zu machen. Wollen wir uns alle nicht wieder vertragen? Kommt schon ihr beiden, umarmt euch einfach ganz lieb. Als dank lade ich euch auf ein großes krĂ€ftiges GetrĂ€nk ein! Wollen wir nicht lieber Frieden schließen? Kommt schon ihr zwei, reicht euch die Arme. Zudem braucht ihr die Leiche noch? Seht ihr, ich bin Nekromant und von daher habe ich da durch aus Verwendung?!"

>Hoffentlich lenken die beiden ein. Da ist ja der eine Sturer als der andere. WĂ€re ziemlich unpassend hier auf dem schönen Markt einen Kampf an zu zetteln.<, dachte sich Selan, als er kurz Richtung Osten schaute. Einen großen Schatten hatte er kurz gesehen, der sich hinter den BĂ€umen verstecke. Jedoch war er sich doch dann nicht ganz sicher, hatte er es sich vielleicht nur eingebildet?
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#10

Beitrag von Ibn ald Salad » Sa 21. MĂ€r 2015, 13:33

Ibn ging seines Weges und wurde nie wieder gesehen ...

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