Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

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Einige Bewohner Asamuras kommen ursprĂĽnglich aus Caltharnae, das in Asche versank. Ihr Leben vor der Ăśberfahrt auf den neuen Kontinent wurde hier verewigt.
Selan Todaric
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#31

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:49

„Wie jetzt, das soll mein neues zu Hause sein? Du haust wie ein Penner in einer scheiß Baumgruppe?“

"Mit nichten junger unerfahrener Freund, ich wohne nicht in irgendeiner Baumgruppe, ich wohne mit Stil. Hilf mal mit anfassen."
Selan schritt einige Schritte in den Wald vorran und begann Äste, Mosse und Gestrüpp umher zu räumen.

"Was schaust du denn so ungläubig, das ist nur die Tarnung meines Waagens. Was glaubst du denn wie viel Gesindel hier rum läuft, die würden sich freuen zwei Pferde und einen gut eingeräumten Waagen wie diesen zu finden. Ich denke du kennst da sicherlich genug Galunken, Räuber und Diebe, du müsstest doch wissen wie sie denken. Diese Banausen, lassen sich doch keine Chance entgehen. Schau nur, was denkst du machen diese Strolche mit zwei so wunderschönen anmutigen dunkelbraunen Pferden wie diesen hier?"

Behutsam strich Selan den beiden Pferden über die Mähne. Aus einer seiner Taschen holte er etwas Zucker, worüber sich die Pferde sichtlich erfreuten. "So meine Guten, lasst es euch schmecken. Nein, euch bekommt kein böser böser Räuber, dafür sorgt Papa Selan schon. Mhhh? Du stehst ja immer noch da wie angewurzelt. Wenn du weiterhin vor Arbeitseifer so glänzt muss ich mir das mit dem Taschengeld echt noch einmal überlegen.", sprach Dragan nachdenklich, während sich seine Augenbraun sichtbar in Sorge hüllten.

Doch nach einiger Zeit war es geschafft, das Dickicht mit seinen Zweigen, Ästen, Moosen und Blättern war befreit. Stolz stand Selan mit verschränkten Armen vor seinem zu Hause. "Nun was sagst du, toll oder? 6 Achsen an einem Fuhrwerk, dass hat nicht jeder. Eisenbeschlägende Räder, feinstes Holz aus Goblinwäldern, ebenfalls von ihnen bearbeitet. Ich sag dir, dieser Waagen ist nicht nur Wasserdicht für die nächsten 100 Jahre, sondern trotzt auch jedem Wetter was du dir vor stellen kannst. Schau dich einfach mal um, auch drinnen, mein Waagen ist übrigends geräumiger als er aussieht. Wobei, mit 4,17 länge und 1,64 breite, dazu noch mehr doppelt so hoch wie du. Ja ich denke wir beide passen da schon rein, andernfalls sind auch noch unter dem Waagen vier Britschen. Die sind aber eher meist für die Leichen die ich mit transportieren muss. Wenn dich der Geruch nicht stört und du gern im freien schläfst, wäre das auch ein Platz für dich. Das einzige was mich noch leicht stört an dem Waagen, es fehlt die Detailverliebtheit, aber das war nie eine stärke von Ungar Kodur, der mir diesen Waagen schänkte. Ich denke da so an ein Florales Teemuster oder der gleichen, was meinst du?"
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#32

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:49

"Mitnichten junger unerfahrener Freund, ich wohne nicht in irgendeiner Baumgruppe, ich wohne mit Stil. Hilf mal mit anfassen."

Selan zerrte große Äste und Gestrüpp aus dem Dickicht, eine Schicht nach der anderen, bis nach und nach ein großer hölzerner Kasten zum Vorschein kam. Urako stand daneben und sah ihm bei der Arbeit zu. Nebenbei nörgelte er über die nasse Erde, in der seine Füße versanken und beschwerte sich über die stechenden Insekten.

"Was schaust du denn so ungläubig", bemerkte Selan, während er einen Ast beiseite warf. "Das ist nur die Tarnung meines Waagens. Was glaubst du denn wie viel Gesindel hier rum läuft, die würden sich freuen zwei Pferde und einen gut eingeräumten Waagen wie diesen zu finden. Ich denke du kennst da sicherlich genug Galunken, Räuber und Diebe, du müsstest doch wissen wie sie denken.“

„Was soll denn das heißen? Henker gilt zwar als ehrloser Beruf, aber das heißt nicht, dass ich ein Gauner bin, du Froschgesicht!“

„Diese Banausen, lassen sich doch keine Chance entgehen“, quatschte Selan weiter, ohne auf Urakos Einwand einzugehen. „Schau nur, was denkst du machen diese Strolche mit zwei so wunderschönen anmutigen dunkelbraunen Pferden wie diesen hier?"

Urako wich einen Schritt zurĂĽck. Die Erde schmatze unter seinen FĂĽĂźen. Entsetzen war in sein Gesicht geschrieben.

„Moment, hast du gerade Pferde gesagt? Pferde?“


Zwischen den Büschen raschelte es. Selan riss ein paar weitere Äste aus dem Dickicht. Und dann konnte Urako sie sehen – riesige haarige Tiere mit viel zu langen Gesichtern! Pelzig, stinkend, deformiert! Und sie blickten genau in seine Richtung! Am liebsten hätte Urako auf dem Absatz kehrt gemacht und wäre zurück nach Hause geflogen. Allein der Umstand, dass es keinen Ort mehr gab, an den sich er hätte flüchten können, hielt ihn davon ab.

Selan kramte derweile in der Tasche seines Mantels und zauberte ein paar Zuckerwürfel hervor. Urakos Gesicht hellte sich auf. Selan wurde ihm plötzlich doch ein wenig sympathisch. Wenigstens dachte er daran, seinen schüler mit Süßwaren aufzumuntern, damit er sich wieder beruhigte. Urako und wollte danach greifen, doch Selan ging einfach an ihm vorbei und verfütterte sie an die Pferde. An die haarigen Riesenviecher! Mit bloßen Händen!

„Iiiih!“, machte Urako und zeigte mit dem Finger auf Selan. „Du lässt dich von diesen Biestern ansabbern? Hast du eine Ahnung, wie widerlich das ist?“

Doch der fröhliche Nekromant sprach die ganze Zeit mit seinen Pferden hörte ihm nicht zu. „Mhhh?“, machte er dann plötzlich, als er bemerkte, dass Urako mit ihm geredet hatte. „Du stehst ja immer noch da wie angewurzelt. Wenn du weiterhin vor Arbeitseifer so glänzt muss ich mir das mit dem Taschengeld echt noch einmal überlegen."

Der Scharfrichter knurrte und half widerstrebend, die letzten Äste von dem Wagen zu ziehen. Dabei drückte er sich jedoch wohlweislich vor den großen und nahm nur solche, die er bequem mit einer Hand fortwerfen konnte. Mochte Selan sich selber die Hände schmutzig machen! Eines der Pferde schnaube und schüttelte seinen Kopf. Urako schrie erschrocken auf und sprang zurück. Dabei trat er zu allem Unglück in einen Pferdeapfel, den die Tiere wohl beim Einparken fallen gelassen hatten.

„Scheiß Mistviecher, das ist so was von ekelhaft“, brüllte Urako und schmierte den Dung an einem Grasbüschel ab. „Ich könnte kotzen! Wie ich Tiere hasse!

Selan hingegen stand vor dem befreiten Wagen, die Hände in die Hüften gestemmt und strahlte.
"Nun was sagst du, toll oder? 6 Achsen an einem Fuhrwerk, dass hat nicht jeder.“
„Ich kann mir tollere Dinge vorstellen als das da“, murrte Urako und wickelte den beschmutzen Fußlappen mit zwei Fingern von seinem Fuß. Er hing ihn in eine Pfütze und tunkte ein paar Mal. „Scheiße, wie kriege ich das Ding wieder sauber, ohne es anfassen zu müssen? Wie wäschst du deine Wäsche, wenn du unterwegs bist – wäschst du sie überhaupt?“ Urako musterte seinen neuen Lehrmeister kritisch von Kopf bis Fuß, während dieser fortfuhr, von seinem Wagen zu schwärmen.

„Das einzige was mich noch leicht stört an dem Wagen, es fehlt die Detailverliebtheit, aber das war nie eine stärke von Ungar Kodur, der mir diesen Wagen schenkte. Ich denke da so an ein florales Teemuster oder der gleichen, was meinst du?"

„Ich kann den Karren gern mit der Axt bearbeiten, wenn er dir zu langweilig aussieht. An der ollen Möhre kann man ohnehin nichts mehr verderben. Sechs Achsen! Man kann`s auch übertreiben! Musst du mit dem Riesending irgendwas kompensieren?“

Selan stieg auf den Kutschbock und lud seinen neuen Schüler ein, sich neben ihn zu setzen. Misstrauisch beäugte dieser die Pferde und rümpfte die Nase. Selan schnalzte mit der Zunge und gab die Zügel. Holpernd setzte sich das Gefährt in Bewegung. Es wankte bedrohlich hin und her, das Holz knarrte. Urako wurde durchgeschüttelt und immer wieder gegen die Rücklehne geschleudert. Panisch krallte er sich an der Sitzbank fest. „Bei Kargons Eiern“, ächzte er. „Meine Knochen! Halt an, ich fliege lieber!“

Er sprang ab, ohne auf das Anhalten des Wagens zu warten und erhob sich mit kräftigen Flügelschlägen in die Lüfte. Er war erschöpft, aber nicht erschöpft genug, um auf diesem unbeqemen Gefährt sitzen zu bleiben. Dafür hatte er den schmutzigen Fußlappen neben Selan liegen lassen, der ein fröhliches Lied zu pfeifen begann. Er kam nur langsam mit seinem Wagen voran. Selbst zu Fuß wären sie schneller gewesen, doch Urako ekelte sich zu sehr vor dem ungewohnten Untergrund, um nebenher zu gehen. Stattdessen flog er große Kreise und kundschaftete den günstigsten Weg aus, was in Anbetracht der Ausmaße des Wagens nicht immer einfach war.

Die Sonne erreichte ihren Höhepunkt und die Luft wurde unsagbar schwül. Urako zog seine Jacke aus. Am liebsten hätte er auch sein Oberteil ausgezogen, doch wegen seiner hellen Haut bekam er sehr schnell Sonnenbrand, so dass er es bleiben ließ, obwohl es ihm schon schweißnass am Leibe klebte. Er überlegte ernsthaft, sich wieder neben Selan auf den Kutschbock zu setzen, doch sein Stolz stand ihm im Wege. Wäre ja noch schöner, seine Erschöpfung vor ihm einzugestehen!

Er war froh, als Selan gegen Abend endlich eine Baumgruppe ansteuerte und dort hielt. Er lobte die Pferde, klopfte sie und befreite sie aus ihrem Geschirr. Ohne sie irgendwo anzubinden ließ er sie die kargen Gräser weiden.

Urako kletterte erschöpft auf den Kutschbock. Mit dem Fuß schubste er das schmutzige Stück Stoff zu Boden, setzte sich und kramte in seinem Rucksack nach den beiden Krabben. Er konnte sich vor Müdigkeit kaum noch bewegen.
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Arafis
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#33

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 13:50

Reise durch die WĂĽste Beran
Nachdem Arafis den Lichtwald verlassen und sich das Ziel gesetzt hatte, das Königreich Elas so schnell als möglich hinter sich zu bringen, hatte sie keine Zeit mehr verloren. Obwohl sie zuerst Richtung Norden gehen wollte, hatten sie Goblintruppen immer wieder von ihrem Weg abgebracht, so dass sie schliesslich gegen Osten wanderte. Die meiste Zeit war sie in ihrer Wolfsgestalt unterwegs, mit ihrem Begleiter Fricai an der Seite. So konnte sie unerkannt bleiben und musste sich nicht fürchten, von den Elaniern angegriffen zu werden, welche in einem ständigen Streit mit den Waldalben standen.

So kamen die beiden Gefährten gut voran, bis sie schliesslich an die Grenze des Königreiches gelangten. Auf ihrer Reise machte die Waldalbe grosse Bogen um die Städte und besuchte nur mit äusserster Vorsicht die Dörfer, wenn sie Kleidung oder Nahrung benötigte.
Die Druidin war froh um ihre Wolfsgestalt, denn durch sie besass sie viel Ausdauer und konnte längere Wegstrecken ohne oder mit kurzen Unterbrechungen zurücklegen. Und sie war glücklich darüber, den Wolf an ihrer Seite zu haben. Es machte das Jagen einfacher, er war ein guter Beschützer und ausserdem ein treuer Freund.

Schon einige Zeit waren die beiden nun schon im Sultanat Raschidstan unterwegs. Arafis kannte sich nicht gut aus in dieser Gegend, war sie doch noch nie über die Grenzen des Lichtwaldes gekommen und wusste von den anderen Reichen nur vom Hörensagen.
So kam es schliesslich, dass Albe ohne es zu wissen, immer weiter in die Wüste Benar hineinlief. Natürlich war ihr aufgefallen, dass die Pflanzen immer spärlicher wurden, doch sie hatte es auf die Hitze geschoben, welche in diesem Teil des Landes zu herrschen schien.

Als Fricai jedoch irgendwann laut zu hecheln begann und immer langsamer neben ihr hertrottete, wurde die Waldalbe nachdenklich. Schliesslich blieb sie stehen und blickte sich suchend um. Doch weit und breit war nur Sand, Sonne und blauer Himmel zu sehen. Auch die wenigen Grasbüschel hatten sich verabschiedet und vertrockneter Erde Platz gemacht. Arafis kramte in ihrem Proviantbeutel und zog die Wasserflasche hervor. „Hier mein Guter!“, lockte sie den Wolf zu sich her und liess etwas von dem wenigen Wasser in ihre Handfläche laufen. Gierig leckte das Raubtier jeden Tropfen auf und schaute sie dann fragend an. „Tut mir Leid, Fricai. Aber ich fürchte, den Rest müssen wir noch aufsparen. Ich glaube, wir haben uns verlaufen.“ Das schwarze Tier liess seinen Kopf hängen, als es begriff, dass es vorerst nichts Weiteres zu geben schien. „Mein Armer! Dir muss furchtbar heiss sein mit deinem dunklen Fell“, sie streichelte über den zerzausten, staubigen Pelz. „Na los, lass uns weitergehen. Wenn wir hier festwurzeln, werden wir wohl kaum eine Wasserquelle finden.“

So trottete das Paar weiter in der tödlichen Hitze der Wüste Benar. Seltsamerweise kühlte es in der Nacht stark ab, so dass die Waldalbe froh um den warmen Wolfspelz war. Doch ihr Schlaf war unruhig, denn bestimmt lauerten auch in so kargen Gebieten allerlei Gefahren. So vergingen die Tage, bis kein Tropfen Wasser mehr in der Flasche war. Arafis brannten die Augen und ihre Füsse wollten sie nicht mehr tragen. Fricai strauchelte immer Mal wieder über lose Steine und hatte Mühe, Schritt zu halten.
Plötzlich blieb die Druidin abrupt stehen. „Fricai! Siehst du das? Eine Oase, mitten in diesem Ödland!“, die junge Frau nahm ihre Kraft zusammen und wollte schneller auf das neue Ziel zu gehen. Doch mit einem Mal, verschwamm ihre Sicht. Sie taumelte, rang nach dem Gleichgewicht. Als sie zu Boden fiel, waren ihre Sinne bereits entschwunden und alles um sie herum war in Dunkelheit versunken.

Eine neue Freundschaft
Die Waldalbe erwachte von einem seltsamen Ruckeln. War sie tot? Wo ist Fricai? Ihre ersten Gedanken galten ihrem treuen Begleiter. Schliesslich öffnete sie vorsichtig die Augen und blinzelte in das helle Licht der Sonne. „Hallo?“, flüsterte sie leise. Sie verspürte einen unglaublichen Durst. Plötzlich kam ein grosser, schwarzer Kopf in ihr Blickfeld, blickte sie neugierig an und im nächsten Moment spürte sie eine rauhe, nasswarme Zunge über ihr Gesicht lecken. „Fricai!“, freudig streckte Arafis die Arme aus und umarmte ihren Liebling, der wohlauf zu sein schien.

„Du bist wach geworden. Das ist gut, Du hast lange geschlafen. Wie fühlst du Dich?“, es war die wohlklingende Stimme einer Frau. Die Waldalbe setzte sich vorsichtig auf und schaute sich um. Sie sass auf einer Art Fuhrwerk. Um sie herum standen Fässer und Kisten. Das Gefährt wurde von einem weissen Pferd gezogen. Auf dem Kutschbock befand sich eine schlanke Gestalt und blickte neugierig zu Arafis herüber. Es war eindeutig eine Albe, das erkannte man an ihrer grazilen Figur und den Ohren. Doch ihre Hautfarbe irritierte die Druidin. Sie war schwarz wie Kohle. Nur ihre Haare und Augenbrauen waren von einem leuchtenden Weiss. Ihre Augen hatten einen gelben Farbton und blickten Arafis direkt und freundlich an.

„Wo… Wo bin ich? Was ist geschehn?“ „Es scheint Dir schon etwas besser zu gehen, wenn Du wieder Fragen stellen kannst“, lächelte die Frau. „Mein Name ist Syra Nabora und ich bin eine Mondalbin. Ich lebe mit meinem Volk in dem Gebiet der Wüste Beran. Ich handle mit Töpferwaren und auf meinem Weg in die Stadt Phintias habe ich Euch gefunden. Der Wolf ist ein schönes Tier, und ausserdem ziemlich schlau. Er hat gut auf Euch Acht gegeben! Mögt Ihr noch einen Schluck trinken?“, sie hält Arafis eine Wasserflasche entgegen. Dankbar trinkt die durstige Albe davon. „Ihr hab uns das Leben gerettet! Vielen herzlichen Dank. Wie kann ich das bloss wieder gut machen? Aber ich bin unhöflich. Mein Name ist Arafis und das ist mein treuer Begleiter Fricai. Wir stammen aus dem Lichtwald, der Heimat der Waldalben.“

Syra lauschte aufmerksam den Worten der Druidin. Schliesslich schlug sie freundlich vor: „Ach, das war doch keine Frage, dass ich Euch nicht einfach da liegen gelassen habe. Aber wenn du möchtest, darfst du gerne noch etwas mit mir reisen. Etwas Gesellschaft ist immer schön und macht das Leben viel gemütlicher.“
So kam es schliesslich, dass die beiden Alben zusammen in Richtung Phintias reisten. Die Mondalbin plauderte gerne, was Arafis nur recht war, denn so konnte sie still zuhören. Mit der Zeit kamen sich die beiden Frauen etwas näher und bis sie Phintias erreichten, hatte sich eine Freundschaft zwischen ihnen entwickelt.

Phintias
In der Stadt, mitten im Moor, fühlte sich Arafis äusserst unwohl. Überall waren diese seltsamen Gestalten mit Flügeln, Hörnern, Reisszähnen und sogar Schwänzen unterwegs. Syra nannte sie Tieflinge. Sie erklärte, dass es niedere Dämonen seien. Auch Fricai passte nicht in diese düstere Stadt und einmal wurde die Waldalbe sogar von einem der kuriosen Bewohner angesprochen, der sich tatsächlich wagte zu fragen, ob der Köter zu kaufen sei, er würde daraus ein leckeres Hunderagout zaubern. Als sie entsetzt verneinte, blickte er sie böse an und murrte etwas, dass nach „garstige Baumkuschler“ klang.
Einige Tage wollten die beiden Albenfrauen in der Stadt bleiben, dann wĂĽrden sie weiterziehen. Leider kam es nicht mehr dazu.

Was in den folgenden Tagen geschah, vermochte Arafis nur bruckstĂĽckhaft zusammenzusetzen.

Sie war mit Syra in dem einzigen Wirtshaus gewesen, das Phintias bot. Es war eine Spelunke, doch die Getränke waren gut und das Essen warm. Während die Waldalbe nur ein Glas Wasser zu sich genommen hatte, war die hungrige Mondalbin über eine heisse Suppe hergefallen. Nun tastete sie an ihrem Gurt nach dem Geldbeutel mit ihren Münzen. Doch – er war verschwunden! Entsetzt blickte sie Arafis an und die beiden Frauen suchten unter dem Tisch nach dem Geld. Doch jemand schien es der jungen Albin entwendet zu haben.
In diesem Moment tauchte auch noch der Wirt auf. „Ich hätte gern die Bezahlung, wir schliessen bald!“, brummte er und streckte seine dämonischen Krallen fordernd aus. Syra schaute ihn entschuldigend an. „Es tut mir furchtbar Leid, doch mein ganzes Geld wurde mir offensichtlich gestohlen!“ Die Augen des Tieflings blitzten wütend auf. „Habe ich das richtig verstanden?“, grollte er misstrauisch, „Ihr futtert hier fröhlich mein Essen und könnt mich danach nicht bezahlen? Wollt Ihr mir etwa die Haare vom Kopf fressen?“ Die schöne Mondalbin versuchte sich vergeblich zu entschuldigen und zu rechtfertigen. Schliesslich grinste der Wirt plötzlich anzüglich, beugte sich vor, fasste in das weissglänzende Haar der Frau und flüsterte ihr zu: „Wisst Ihr, ich könnte ja vergessen, dass Ihr hier gegessen habt… War ja kein Wildbraten… Aber dafür verlange ich ein kleines Entgegenkommen Eurerseits!“
Arafis beobachtete sie Szene mit weit aufgerissenen Augen. Hatte sie das gerade richtig verstanden? Syra war nicht aufs Maul gefallen und fauchte den Tiefling drohend an: „Nehmt Eure dreckigen Pfoten weg!“ Durch die Abfuhr noch wütender geworden, krallte der Wirt plötzlich seine Klauen in das Gewand der Albin und wollte sie zu sich heranziehen.
Dann ging alles ganz schnell.
Im nächsten Moment hatte Syra den Teller, der kurz davor vor ihr auf dem Tisch gestanden hatte, in der Hand und knallte ihn mit voller Wucht dem schmierigen Dämon über den Schädel. Dieser gab ein erstauntes Grunzen von sich, dann verdrehten sich seine Augen und er kippte hinten über. Im Raum war es still geworden. „Der Wirt ist tot!“, „Mörderin!“, erklangen da bereits die ersten aufgebrachten Stimmen.
Arafis konnte sich nicht bewegen, sie war vor Schreck erstarrt. Als Syra jedoch den Ernst der Lage erkannte, und sich aus dem Staub machen wollte, war es bereits zu spät. Einige heldenhafte Tieflinge hatten sich auf sie gestürzt und führten sie nun laut johlend nach Draussen. In dem ganzen Gewirr gelang es der Waldalbe unterzutauchen.

Sie wusste nicht, wie Ihr geschehen war. Sie hatte noch nie einen Menschen ermordet und nun war sie Zeugin einer solchen Tat geworden, auch wenn es sich bei dem Opfer um einen schmierigen Tiefling handelte.
So nahmen die Dinge ihren Lauf. Die Mondalbin wurde festgenommen und zu dem Entsetzen ihrer Freundin zum Tode verurteilt. Arafis hatte noch nie eine Hinrichtung miterlebt, doch das Erlebnis sollte sie nicht so schnell vergessen.

Zuerst wollte sie auf keinen Fall dabei sein. Es widerstrebte ihr, dem Todesurteil ihrer Lebensretterin untätig zusehen zu müssen. Doch sie wusste auch, dass sie keine wirkliche Chance hatte, etwas dagegen zu unternehmen. Sie hatte versucht, zu ihr vorzudringen, doch die Meute war zu dicht gewesen und liess sie nicht durch. Doch wollte sie ihrer Freundin wenigstens mental beistehen.

Die Hinrichtung wurde zu einer Katastrophe. Arafis begriff, dass etwas schief gelaufen war, als die Menge wütende Rufe ausstiess und den Henker beschimpfte. Der Henker – Arafis sträubten sich die Nackenhaare, wenn sie ihn nur schon anschaute. Er war keine mächtige Gestalt, doch etwas an seiner Art schreckte sie ab. Er scheint kein Mitleid zu besitzen, womöglich macht ihm das grausame Töten sogar noch Spass! Immer wütender wurde die Waldalbe, als sie ihre Freundin schliesslich an dem Strick baumeln und das Grinsen des Henkers sah. Und was waren die letzten Worte der Mondalbin gewesen? Er hätte sich an ihr vergangen? Und hatte sie nicht „Hure“ aus seinem Mund vernommen?

Während sich ihre Wut vervielfachte und das Raubtier in ihrem Innern zu erwachen schien, brach plötzlich ein Tumult los. Eine Gestalt kam aus der Luft geflogen, landete auf dem Podest, eine Welle der Wut ging durch die Zuschauermenge. Der grosse Mann zog die Mondalbin hoch und rammte ihr dann plötzlich seinen Dolch zwischen die Rippen. Kurz darauf verschwand der Gestaltwandler so schnell, wie er aufgetaucht war.

Viel bekam Arafis davon jedoch nicht mit, da sie mit ihren eigenen GefĂĽhlen auszukommen versuchte. Sie erkannte den Henker mit einer anderen Gestalt diskutieren. Diese erinnerte die Waldalbe an die verstorbene Mondalbin. Doch eine dunkle Aura umgab den Mann. Die Leiche von Syra wurde zur Seite geschafft.
Arafis versuchte zu ihr zu gelangen, doch eine Person beugte sich bereits zu ihrer Freundin hinunter und hielt die Druidin davon ab, sich zu nähern. So beobachtete sie aus einiger Entfernung das weitere Geschehen.
Da sich jedoch immer mehr Tieflinge und andere Wesen um die Leiche scharten und noch immer ein heilloses Chaos herrschte, wurde die Waldalbe immer weiter beiseitegeschoben, bis sie sie schliesslich aus den Augen verloren hatte.

Müde und immer noch geschockt machte sie sich schliesslich auf den Weg zum Fuhrwerk der Mondalbin, wo deren Pferd und Fricai auf sie warteten. Sie tätschelte dem Pferd den Hals und streichelte über das Fell des Wolfes. „Jetzt sind wir wohl nur noch zu dritt“, murmelte sie. Schläfrig liess sie sich auf den Wagen sinken und fiel in einen traumlosen, unruhigen Schlaf.

Als sie aufwachte, musste einige Zeit vergangen sein. Syra hatte ihr erzählt, dass es weiter im Osten eine Stadt namens Shizu gebe. Da sei auch ein grosser See und tiefe Wälder. Arafis vermisste die Wälder und so beschloss sie, ihre Reise in diese Richtung fortzusetzen.
Da sie eine positive Ausstrahlung auf Tiere hatte, war es kein Problem für sie, auf dem Schimmel zu reiten, auch wenn sie keinen Sattel oder Zaumzeug besass. Mit ihrer Empathiefähigkeit konnte sie das Tier gut lenken.
Sie nahm nur das Nötigste mit auf den Weg, denn sie wollte rasch vorankommen. Auch Fricai schien froh darüber zu sein, der Stadt in den Sümpfen entkommen zu sein. Fröhlich rannte er umher, schnüffelte hier und dort und schien glücklich zu sein.

So verging die Zeit, und sie hatten die SĂĽmpfe hinter sich gelassen. Vor ihnen breiteten sich ein Waldgebiet und grĂĽne Landschaften aus.
Gerade, als Arafis sich so richtig wohl fĂĽhlte, sollte sie auf alte Bekannte treffen.

Alte Bekannte
Es war bereits gegen Abend, als sie von der Strasse abbog, um einen sicheren Platz für die Rast zu suchen. „Hoo, Vilya“, brachte sie die weisse Stute zum Stehen. Sie liess sich von dem Pferd gleiten und führte es zu einigen bemoosten Felsbrocken, die in der Nähe von einigen Bäumen herumlagen. Sie legte ihren Proviantbeutel ab und blickte sich dann suchend um. „Ich werde auf die Jagd gehen. Vielleicht finde ich etwas zu Essen für uns, Fricai.“ Sie bedeutete dem jungen Wolf bei dem Pferd zu bleiben und auf sie zu warten. Sie zog ihre Kleidung aus, legte sie in einem Bündel neben sich. Dann setzte sie sich auf die Erde, schloss die Augen und konzentrierte sich auf ihre Sinne. Einige Minuten später stand sie auf, jetzt in ihrer Wolfsgestalt.
Für diese Verwandlung benötigte sie immer einen Moment, wohingegen die Rückverwandlung in Sekundenschnelle vollzogen werden konnte.

Sie spürte das weiche Gras und die kühle Erde unter ihren Pfoten. Sie schüttelte ihr braun-weiss-graues, leicht struppiges Fell. Dann schnüffelte sie mit ihrer sensiblen Nase in der Luft und lief los, um Beute zu machen. Obwohl es langsam dunkel wurde, waren ihre Sinne geschärft und sie konnte auch so ihre Umgebung gut erkennen.
Plötzlich hörte sie in einiger Entfernung etwas rascheln und ein leises Wiehern. Pferde?

Leise schlich sich die Wölfin näher und erkannte im Schutz einer Baumgruppe zwei der edlen Tiere grasen. Sie schienen ihre Nähe wahrzunehmen, und das eine scharrte unruhig mit den Hufen.
Doch Arafis war nicht an den Pferden interessiert. Viel mehr witterte sie einen anderen Geruch, der ihr irgendwie bekannt vorkam. Doch sie konnte ihn nicht zuordnen…
Neugierig und trotzdem voller Vorsicht näherte sie sich dem Lager. Sie erkannte einen Karren dastehen und daneben im Gras… Das kann doch nicht wahr sein!

Ungläubig starrte die Wölfin auf die Gestalt, welche laut vor sich hinschnarchte. Beim Henker! Das Ist der Henker! Ihre feine Nase hatte sie also nicht getäuscht. Als sie genauer hinschaute, konnte sie etwas daneben eine zweite Figur ausmachen. Das war doch unmöglich! Leise knurrte sie, dann machte sie kehrt und rannte zu ihrem Lager zurück. Bloss weg hier!

Als sie wieder in ihrer Albengestalt war und sich angezogen hatte, kamen ihr jedoch Zweifel. Soll ich einfach abhauen? Hat Syra es nicht verdient, dass dieser Wicht zur Rede gestellt wird? Vielleicht sogar, dass sie gerächt werden sollte? Arafis war sich nicht sicher, wie sie vorgehen sollte. Doch schliesslich beschloss sie, die beiden Tieflinge nochmals aufzusuchen, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun. Fricai, ihre Tasche und Vilya liess sie zurück, als sie sich wieder zum Schlafplatz der beiden aufmachte. Ein wenig Bammel hatte sie schon, das musste sie sich eingestehen. Doch wenn sie an den schrecklichen Tod der Mondalbin dachte, brannte die Wut durch ihren Körper.

Niemand schien sie bemerkt zu haben, als sie sich an das Lager heranschlich. Noch immer schnarchte der Henker laut vor sich hin, und auch sein Gefährte schien tief zu schlafen.
Da Arafis nicht viel von Gewalt hielt, wollte sie den Tiefling nicht direkt angreifen. Stattdessen beschloss sie, ihm einen Schrecken einzujagen, da Syra ihr erzählt hatte, dass Dämonen oft nicht an Götter glaubten oder sogar abergläubisch waren. Behände und lautlos, kletterte sie auf einen der umstehenden Bäume hinauf und beobachtete die beiden Gestalten.
Dann plötzlich flüsterte sie das magische Wort „kiruda!“, machte eine stossende Handbewegung in die Richtung des Henkers und liess in einem kräftigen Luftstoss einen Haufen Äste und lose Blätter auf den Unglücklichen herabregnen.
Sie hatte jedoch den Schwung des Windzaubers unterschätzt. Im nächsten Moment stiess sie einen spitzen Schrei aus und verlor das Gleichgewicht. Sie versuchte sich an einem der Äste festzuhalten, verfehlte ihn jedoch um eine Handbreite und stürzte zu Boden. „Auu“, ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen und Sterne tanzten vor ihren Augen. Sie war Mitten in dem Lager der beiden Reisenden gelandet.
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#34

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:51

Selan so sanftmütig wie er war, erdulte Urako mit einer Ruhe, wie eine Mutter, die ihr schreiendes Kind in den Schlaf wiegte, während er die letzten Äste entfernte. Er freute sich sogar etwas über den neuen gefährten. Wie nervig er auch war, so oft er sich auch über jede Kleinigkeit aufregte, Selan sah es trotzdem im positivem Sinne, er hatte seit sehr langer Zeit endlich wieder einen Reisegefährten. Stille war das schwerste, was Selan auf seinen langen Reisen zu ertragen hatte. Tage, manchmal Woche war niemand da mit dem er reden konnte, waren doch manche Stellen des Südens wie leer gefegt. Nur selten war eine Menschenseele irgendwo an zu treffen. Jedoch war es dann um so schöner jemanden zu treffen – was auch bis jetzt immer auf gegenseitigkeit beruhte. Denn vielen erging es so wie ihm, meist waren es Händler oder einfach nur Herumtreiber, Tagelöhner die durch die Lande zogen um nach Arbeit zu suchen. Doch jetzt sollte sich alles ändern. Gerade noch in Gedanken versunken, hörte er wieder die unangenehme Stimme in seinem Kopf, die wieder etwas zu meckern hatte.

„Ich kann den Karren gern mit der Axt bearbeiten, wenn er dir zu langweilig aussieht. An der ollen Möhre kann man ohnehin nichts mehr verderben. Sechs Achsen! Man kann`s auch übertreiben! Musst du mit dem Riesending irgendwas kompensieren?“

"Urako, Freund, Lehrling, dies ist mein zu Hause, ich habe es von Ungar Kodur, meinem alten Lehrmeister geschenkt bekommen. Er war genau so wie ich mehr auf Reisen als in einer festen bleibe. Wir sind sehr viel umher gereist, mehr als du dir je vorstellen könntest und habe Orte gesehen, deren Namen du noch nicht einmal kennst. Bitte etwas respekt und behandle den Waagen gut.", sprach Seelan und klopfte Urako Freundschaftlich mit dem leicht, durch Pferdesabber feuchten Händen auf die Schulter.

Gerade war er am Aufsteigen auf den Waagen, "Ach ja und von wegen etwas Kompensieren. Heißt es nicht auch das zu Hause sieht aus wie dessen Besitzers Seele? Zumindest ich kann auf ein sehr gut aufgeräumtes und sauberes zu Hause blicken. Wie sieht es da bei dir aus?", grinste Seelan während er auf den Kuschbock platz nahm und die Zügel in die Hand.

"Na komm schon, wir wollen los, setz dich hin, neben mir ist auch noch Platz frei. Brauchst keine Angst haben, bin ein guter, nicht langweiliger Gesprächspartner."

Keine Minute später saß Urako neben Seelan und das Gespann setzte sich in Bewegung. Jedoch dauerte es nicht einmal eine weitere Minute, bis wieder die miesmürrische Stimme Urakos zu hören war.

„Bei Kargons Eiern“, ächzte er. „Meine Knochen! Halt an, ich fliege lieber!“

"Mhhh? Wie so das und was hast du mit Kargons Frühstück zu tun?", aber schon war der Tiefling Urako in den Lüften, weit über dem Waagen. Schwer athmete Selan aus, leicht würde es mit Urako nicht werden, das spührte er. Jedoch noch mehr Fragte er sich, ob Urako vielleicht einmal in einem Tempel gearbeitet hat, wie sonst konnte er sonst über das Frühstück der Götter bescheid wissen. Selan begann darüber nach zu denken. So vergingen die Stunden, eisiges Schweigen lag bis zum Abend in der Luft. Kein Wort erhallte die Luft zwischen den beiden Tieflingen, nicht einmal ein Meckern, des Obermufflers Urako war zu vernehmen. So zogen die Stunden sich ewig durchs Land, Selan langweilte sich, hatte er sich doch auf nette Gespräche mit Urako gefreut. So musste er aber allein die Landschaft genießen. Killometer Weit nur Wiese und Bäume, Wälder und Sträucher an einem herrlichen Tag. Sonst vermochte Selan an solch schöner Landschaft zu erfreuen und schaute gern, ob er Tiere sah um sie zu beobachten. Doch irgedwie war Selan heute die Lust daran vergangen, zu sehr ärgerte es ihm, dass heute aus den Gesprächsparter außer Meckern wahrscheinlich nichts Sinnvolles mehr kommen würde.

Gen Abend schwenkte Selan von der Hauptstraße ab Richtung eines größeren Wäldchens und brachte den Waagen am Waldrand unter den Bäumen zum stehen. "So, dass wars für heute, die Reise war lang genug, ich hab Hunger, was meint der Flattermann da oben, lust auf ein gutes Essen?"

Selan stieg vom Waagen und steckte seinen Rücken. "Ach ja, voll ins Kreus gefahren, in der nächsten Stadt muss ich umbedingt mal nach der Federung beim nächsten Schmied schaun lassen. Aber genug des Jammerns, dafür gibt es ja andere, nicht wahr Urako?", grinste Seelan vergnüglich. "Du kannst im übrigends schon mal etwas Feuerholz und ein Lagerfeuer entfachen, ich kümmer mich ums essen. Aber erst mal seit ihr beiden dran.", behutsam Band Seelan die Zügel seiner beiden Pferde ab und führte sie zu frischem Gras, "habt ihr gut gemacht, danke euch beiden für eure gute Arbeit heute lassts euch schmecken."

Einige Zeit verging, bis endlich das Lagerfeuer entfacht war und Seelan im Waagen das Essen zubereitet hatte. Kochen war neben Tee zubereiten eine von Seelans Leidenschaften, drum war er auch schon gespannt, was Urako zu seinem Mahl sagen würde. Immer wieder probierte der Tiefling die Suppe, würzte nach, verfeinerte mit Kräutern und Gewürzen, so lange bis die endlich perfekt war.

"Urako, komm schon das essen ist fertig! Es gibt einen vorzĂĽglich Delikaten GemĂĽseeintopf, probier mal!", kaum gesprochen war das Essen auch schon schnell in den feinen Tellerchen, die Seelan von seiner GroĂźmutter geerbt hatte. Heute sollte es ganz fein sein, schlieĂźlich bekommt man nicht jeden Tag einen neuen Gesellen.

So verlief der Abend mĂĽde und schleppend. Das Gejammer des Tieflings Urako nahm kein Ende, so holte Selan Decken aus dem Waagen, gab einige Urako, erledigte seine Abendtoilette und richtete sein Nachtlager her.

"Gute Nacht wĂĽnsch ich dir, alter Meckersack, bis morgen frĂĽh, ich schlaf jetzt erst eimal.", waren Seelans letzte Worte bis er in einen friedlich tiefen Schlaf viel.

Tiefe Nacht war es mittlerweile geworden. Der Vollmond wart oben am Himmelszelt. Hier und da hörte man Schleiereulen, ab und zu knistern im Wald, dass von den Tieren im Wald stammte. Selan schlief tief und fest, war er es doch schon seit vielen Jahren gewohn. So vertraute er auch auf das große Lagerfeuer, vor dem die meißten Tiere Angst hatten. Auch seine Pferde waren ihm Schutz. Machten sie sich doch bei der geringsten Gefahr dorch lautes Wiehren schnell bemerktbar.

Gerade noch war Selan in einem tiefen zufriedenen Traum, in dem er zum König der Teekenner ernannt und gefeiert wurde. Auch seine Eltern und seine geliebte Großmutter waren Anwesend und beglückwünschten ihm, bis ihm ein lautes Geräusch aus dem zu tiefst schönen Traum riss.
Verdrahnt, mit zerzausten Haaren, vollkommen Müden und verdrehten Augen richtete er seinen Oberkörper auf.

"Mhhhh? Mama? Ich will aber kein Meet trinken, ich trink doch lieber Tee. Was soll das?", mit vollkommen verwirrten Blick sah er die Person neben sich an.

"Mama? Redest du nicht mehr mit mir?"

"Auu“, sprach die Person nur.

"Hast du dich am Tee verbrannt? Mhhhh, Oma? Bist dus? Was machst du hier?", Seelan rieb sich die Augen, langsam wurde er munter. Er blinzelte einigie male und sah nun wieder klar.

"Na guten Morgen junge Frau, wer sind sie denn? Was haben sie in meinem Nachtlager zu suchen? Sind sie von der Teekennerjury?"
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#35

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:52

Urako mühte sich damit ab, das Innere aus den beiden Krabben zu pulen. Vor Müdigkeit fielen ihm fast die Augen zu. Als er es endlich geschafft hatte, war Selan schon eifrig beim kochen. Es duftete nach Eintopf und exotischen Gewürzen, der Duft ferner Länder, wie Urako ihn schon manchmal auf dem Markt erschnuppert hatte. Doch waren diese Gewürze für ihn unbezahlbar und stets hatte er an ihnen vorbei gehen müssen. Das Gleiche galt für die seltsam geformten bunten Gemüse, die Selan in seine Suppe gab – dunkelgrüne Blätter mit blutrotem Adernetz, dicke rosa Knollen und gelbliche Stangen, die eine unanständige Form aufwiesen.

Selan strahlte eine tiefe, scheinbar unerschütterliche Ruhe aus, während er sein Abendessen zubereitete. Er hatte sich den ganzen Tag über nicht auf eine einzige von Urakos Provokationen eingelassen. Mit seiner übernatürlichen Geduld ließ er die Sticheleien an sich abperlen so wie Regen von den eingeölten Holzdächern der besseren Häuser seines Dorfes abperlte. Er hatte ihn nicht beschimpft, ihm keine gebrochene Nase angedroht und war auch nicht handgreiflich geworden. Was war mit diesem Mann los?

Urako beobachtete ihn nachdenklich. Vielleicht war es doch nicht so schlecht, dass er seine alte Arbeit verloren hatte. Vielleicht war Selan ja gar kein so schlechter Lehrmeister.

Nur eines wurmte Urako.
Der Nekromant hatte, bevor sie abgefahren waren, etwas zu ihm gesagt.
„Heißt es nicht auch das zu Hause sieht aus wie dessen Besitzers Seele? Zumindest ich kann auf ein sehr gut aufgeräumtes und sauberes zu Hause blicken. Wie sieht es da bei dir aus?“
„Ich habe kein zu Hause mehr“, hatte er geantwortet.
Es hatte schroff klingen und Selan zeigen sollen, dass ihn seine Binsenweisheiten nicht interessierten. Doch nun spukte ihm sein eigener Satz immer wieder durch den Kopf.
Ich habe kein zu Hause mehr.

Die zerlegten Krabben, die er gerade zum Rösten ans Feuer bringen wollte, rutschten ihm aus den Fingern. Er starrte auf seine leeren Hände.

Phintias war seine Heimat gewesen. Und er hatte sie zeit seines Lebens niemals verlassen.
Er war dort in einem Holzhaus geboren, hatte seine Kindheit in den Sümpfen verbracht und mit den anderen Jungs in den Ästen der Gramnoven Hascher gespielt. Als er älter wurde, hatte er das Angeln und das Auslegen von Reusen in den Wasserlöchern gelernt. Sein Vater war eine Amtsperiode lang Fürst von Phintias gewesen. Seither hatte Urako den innigen Wunsch, selbst einmal Fürst zu werden, über seine Heimat zu regieren, sich gutes Essen und schöne Kleider leisten zu können. Doch was war aus ihm geworden? Ein Henker.

Er lebte in bitterster Armut, hauste in einer selbst zusammengeflickten Schilfhütte und die Leute mieden ihn wie einen Pestkranken. Als er kein Geld mehr für etwas zu Essen hatte, war es Sumpf gewesen, der ihn ernährte. Wenn es ihm elend ging, saß er oft allein in den mächtigen Ästen der Gramnoven, in denen er als Kind gespielt hatte. Der schwüle Wind strich ihm tröstend durchs Haar, das Laub schützte ihn vor den verächtlichen Blicken und das raschelnde Schilf sang ein beruhigendes Lied. Der Sumpf war sein einziger Freund.

Er wĂĽrde ihn niemals wiedersehen.

Seine Hände zitterten. Die untergehende Sonne tauchte das Land in ein blutiges Licht. Hier war so viel harte Erde zwischen den Bäumen und große Steine lagen herum. Die Bäume sahen fremdartig aus, ihre Wurzeln waren kaum zu sehen und versanken vollständig in der harten Erde. Nur am Flussufer erhoben sich vereinzelte Gramnoven auf ihren verzweigten Stelzenwurzeln. Dort sah es normal aus, dort roch es vertraut.

Urako fuhr sich mit den nach Krabben riechenden Händen durchs Gesicht.
Schluss mit dem Selbstmitleid! Das hatte ihm noch nie weiter geholfen. Er musste sich zusammenreißen und dem Leben die Hörner bieten.

Er sammelte das Krabbenfleisch auf, ging zu Selan und spießte es auf eine angespitzte Gerte, die er an einen Stein nahe des Feuers lehnte, so dass das Fleisch in der Glut geröstet wurde.
„Pass mal hierauf auf, ich muss meine Klamotten waschen“, sagte er zu dem Nekromanten. Er stieg in den Wagen und entdeckte einen Stapel Töpfe, die der Größe nach geordnet waren. Er griff sich einen mittleren, füllte ihn mit Wasser vom Fluss, warf ein halbes Stück Seife hinein und stellte es auf ein zweites Feuer. Dann warf er seinen verunreinigten Fußlappen und das Oberteil, welches Selan mit den Pferdehänden angefasst hatte, hinein, um die Kleider auszukochen.

Nur mit der Hose bekleidet ging er zum Fluss. Am Ufer kniete er sich nieder und betrachtete prüfend das Wasser. Es war klar und roch sauber. Also zog er sich gänzlich aus, stieg hinein und wusch Haut und Haare mit der verbliebenen Seifenhälfte. Immerhin hatte Selan auch sein offenes Haar mit den Sabberfingern berührt, als er ihm auf die Schultern klopfte. Es war erstaunlich genug, dass er es überhaupt getan hatte, galt doch die Berührung des Henkers gemeinhin als Unglück verheißend. Machte Selan sich denn deswegen gar keine Sorgen?

Urako war verwirrt. Er stieg wieder ans Ufer und schĂĽttelte sich trocken. Da er kaum Fell besaĂź, war das nicht allzu schwer. Den Rest mochten die Flammen trocknen. Er zog seine Hose ĂĽber und ging zurĂĽck zum Lagerfeuer, wo Selan gerade seinen Eintopf verkostete.

„Scheiß kaltes Wasser“, murrte er vor sich hin, während der abendliche Wind ihm eine Gänsehaut verursachte. Er nahm den Topf mit seinen ausgekochten Kleidern vom Feuer, angelte sie mit einem Stock heraus und trug sie zum Fluss, wo er sie gründlich ausspülte, ehe er sie zum Trocknen aufhing.

„So, alles erledigt. Kommen wir zum angenehmen Teil des Tages.“

Er setzte sich mit seinen Krabbenspießen etwas abseits auf einen Baumstamm und wollte gerade sein kärgliches Abendbrot zu sich nehmen, da sprach Selan ihn an:

"Urako, komm schon das essen ist fertig! Es gibt einen vorzĂĽglich Delikaten GemĂĽseeintopf, probier mal!"

Hatte er das gerade richtig gehört? Der Nekromant lud ihn zum essen ein? Urako blieb der Mund offen stehen. Das war ihm noch nie passiert. Verdattert kam er näher und wusste nicht, was er sagen sollte. Er war es nicht gewohnt, dass man nett zu ihm war und hatte keine Ahnung, wie er damit umgehen sollte.

„Die Bäume hier haben spitze Nadeln als Blätter und schmeißen sie überall breit. Die Mistdinger stechen andauernd in meine Füße“, sagte er, um überhaupt etwas zu sagen.

Selan reichte ihm lächelnd eine große Schüssel von dem Eintopf, der verführerisch dampfte. Urako stand da wie angewurzelt und hielt noch immer die Spieße in den Händen. Dabei kam er sich ziemlich dümmlich vor. Er rammte sie mit den unteren Enden in die Erde und nahm wortlos die Schüssel entgegen.

Dann setzte er sich Selan gegenüber und begann zu essen. Sein Hunger war so groß, dass er nur wenige Augenblicke brauchte, um die Schüssel zu leeren. Zu seiner Überraschung durfte er sich noch eine weitere einschenken – und noch eine und noch eine. Urako konnte gar nicht mehr aufhören zu essen. Nachdem sein größter Heißhunger gestillt war, schmeckte er erst, wie köstlich Selan den Eintopf zubereitet hatte. Mit viel Liebe waren die Gewürze aufeinander abgestimmt. Feine Kräuter rundeten das süßliche Aroma der exotischen Gemüse ab, die auf seiner Zunge zergingen wie Fett, das in der Pfanne schmilzt. Urako stopfte sich voll, bis ihm der Bauch weh tat.

„Das ist... also so was Leckeres habe ich noch nie gegessen.“
Schnell sah er weg. Er bekam einen roten Kopf, weil er etwas Freundliches zu Selan gesagt hatte. Er schämte sich, stellte schnell die leere Schüssel ab und flüchtete auf den Kutschbock, wo sein Rucksack lag. Er nahm ihn und versteckte sich damit oben auf dem Wagen.

Selans Schritte näherten sich und er warf ihm ein paar Decken hoch. „Gute Nacht wünsch ich dir, alter Meckersack, bis morgen früh, ich schlaf jetzt erst eimal.“
„Nacht“, murrte Urako leise und rollte sich in den Decken ein.
Lange fand er keinen Schlaf, zu viel hatte er heute erlebt.

„Heißt es nicht auch das zu Hause sieht aus wie dessen Besitzers Seele? Zumindest ich kann auf ein sehr gut aufgeräumtes und sauberes zu Hause blicken. Wie sieht es da bei dir aus?“
„Ich habe kein zu Hause mehr.“


Schließlich fiel er in einen unruhigen Schlaf. Alpträume ließen ihn immer wieder hochschrecken. Dann wunderte er sich jedes Mal, wo er hier war und betrachtete irritiert die fremden Bäume, bis es ihm wieder einfiel und er erneut einschlief.

Der Mond war schon ein ganzes Stück gewandert, als plötzlich ein starker Wind durch die Decken fuhr, in die er sich eingewickelt hatte. Mit lautem Knacken brachen Äste und Zweige aus der Gramnove, die sich über ihn beugte und regneten auf ihn herab.

„Verfluchte Natur“, wetterte er und fegte die Blätter aus seinem frisch gewaschenen Haar. „Selbst der Wind hat sich gegen mich verschworen!“
Da entdeckte er auf einmal etwas Erstaunliches.

Neben Selans Nachtlager saĂź eine junge Frau.
Wo hatte er die aufgegabelt? War das eines seiner untoten Fabrikate?
Keine schlechte Idee von dem Nekromanten, vielleicht durfte Urako sie ja auch mal benutzen, wenn sein neuer Lehrer fertig war. Die beiden schienen sich zunächst zu unterhalten. Nun ja, es sollte ja Leute geben, die erst miteinander reden wollten, ehe sie zur Sache kamen. Urako grinste dreckig und zog sich die Decken über den Kopf, als ob er schlafen würde – nicht jedoch, ohne sich einen Spalt zum Beobachten frei zu lassen.
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#36

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 13:52

Eigentlich wollte Arafis aufspringen, um sich aus dem Staub zu machen, doch in ihrem Kopf drehte sich noch alles von dem Sturz aus der Höhe. Sie blinzelte in das diffuse Licht des Lagerfeuers hinein, dem sie ihrer Meinung nach schon viel zu nahe war. Sie hasste Feuer. Sie fürchtete sich regelrecht davor. Sie wusste, was für einen Schaden es anrichten konnte. Die gefrässigen Flammen konnten unaufhaltsam alles vernichten, was ihnen im Weg war.
In ihre Gedanken versunken und noch etwas benebelt, bemerkte sie nicht, wie Urako fluchend und meckernd die Blätter und Zweige wegfegte und sich wieder unter der Decke verkroch.

Als sie jedoch neben sich eine Bewegung wahrnahm, richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf die Gestalt, welche sich gerade mĂĽde aufrichtete und ihre Benommenheit war mit einem Schlag verschwunden.
"Mhhhh? Mama? Ich will aber kein Meet trinken, ich trink doch lieber Tee. Was soll das?“, das Wesen starrte sie verwirrt an und schien nicht ganz zu begreifen, ob es noch träumte oder bereits in der Realität angekommen war. "Mama? Redest du nicht mehr mit mir?"
Der Waldalbe reichte es, sie musste hier so schnell wie möglich verschwinden, bevor der Dämon oder was er sein mochte, ganz aus dem Traumland erwacht war. Und ausserdem war da ja auch noch dieser brutale Henker in der Nähe und der würde bestimmt nicht zögern, mit seinem Henkersbeil auf sie loszugehen.

Geschwind wollte sie aufspringen, doch ein Schmerz fuhr durch ihr rechtes Knie und liess sie wieder zu Boden sinken. „Auu", jammerte sie und mit einem Blick auf ihr Bein erkannte Arafis, dass sie wohl etwas ungünstig gelandet war, so dass eine blutende Schürfwunde zu sehen war und ein grosser blauer Fleck sich langsam auf ihrer grünlichen Haut ausbreitete.
"Hast du dich am Tee verbrannt? Mhhhh, Oma? Bist dus? Was machst du hier?“
Der Mann schien immer noch nicht bemerkt zu haben, dass die Albe weder seine Mutter noch seine Oma war. Und was faselt er da die ganze Zeit von Tee?

Die junge Frau fühlte sich plötzlich hilflos und ausgeliefert. Instinktiv wollte sie nach ihrem Jagdmesser greifen, um sich wenigstens sporadisch gegen ihre Feinde verteidigen zu können, doch der Griff ging ins Leere. Warum musste ich auch so blöd sein, meine Waffen zurückzulassen? Wütend über sich selbst schaute sie sich suchend nach einem Fluchtweg um, während ihre Hand nach einem kleinen Stein tastete, der neben ihr lag. Mit etwas Magie und Zielgenauigkeit konnte auch ein kleiner Gegenstand Schaden anrichten, das wusste die Druidin.

Plötzlich blickte sie der Fremde direkt an. "Na guten Morgen junge Frau, wer sind sie denn? Was haben sie in meinem Nachtlager zu suchen? Sind sie von der Teekennerjury?"
Erschreckt rappelte sich Arafis nun doch auf, und wich langsam zurĂĽck, bis sie mit dem RĂĽcken an den Baum hinter ihr stiess.
„Ich…ich...“, stotterte sie, brachte aber keinen weiteren Ton heraus.
Der Tiefling, und das schien er bei näherer Betrachtung zu sein, irritierte sie. Seine dunkel gelben Augen blickten sie freundlich an, doch gleichzeitig verliehen ihm die ovalen, roten Formen über seinen Augen einen gefährlichen Ausdruck. Zudem schien er kräftig gebaut und von stattlicher Grösse zu sein. Niemand, mit dem sie sich anlegen wollte.

Was soll ich bloss tun? Ich glaube nicht, dass mir eine Flucht gelingen würde und ich möchte ihm nur ungern den Rücken zukehren… Doch ich kann ihm wohl kaum erklären, warum ich wirklich hier bin, das wäre bestimmt reiner Selbstmord!
Die Gedanken wirbeln wie wild durch ihren Kopf, als sie plötzlich einen Entschluss fasst. „Ich... mein Name ist Arafis. Ich Reise Richtung Osten, doch bin von der Strasse abgekommen und habe mich wohl verlaufen. Als ich das Lagerfeuer gesehen hatte, habe ich gehofft, hier jemanden aufzufinden, der mir vielleicht den Weg weisen könnte. Verzeih, dass ich Dich erschreckt habe.“
Ganz unschuldig blickte sie dem kräftigen Tiefling ins Gesicht und einer plötzlichen Eingebung folgend fügte sie schmeichelnd an: „Ausserdem hat mich ein unglaublich guter Duft hierher gelockt. Ich habe so etwas noch nie gerochen, doch es muss ein magisches Gewürz sein. Ist es das, was Du vorhin Tee genannt hast?“ Sie hoffte, dass sie nicht unhöflich klingen mochte. Lange Zeit hatte sie die Höflichkeitsfloskeln der verschiedenen Völker nicht mehr anwenden müssen und war sich nicht sicher, ob sie den richtigen Ton getroffen hatte. Doch ein wenig Neugier wird bestimmt nicht schaden.

Während sie auf die Antwort des Mannes wartete, blickte sie sich unauffällig nach dem Henker um. Auf dem Karren bemerkte sie eine kleine Bewegung und meinte, ein leuchtend gelbes Augenpaar unter einer Decke hervor aufblitzen zu sehen. Doch vielleicht war es auch nur der Schein des Feuers gewesen, der ihr etwas vorzutäuschen versuchte.
Na warte, ich werde dich schon noch drankriegen, Henkerlein. Wenn nicht jetzt, dann etwas später... Alles braucht seine Zeit!

„Reist Du alleine, wenn mir die Frage gestattet ist?“, fragte sie scheinbar ahnungslos den olivfarbenen Tiefling. Etwas nervös spielte sie mit dem Stein zwischen ihren Fingern und hoffte, dass das Chaos beim Schauplatz der Hinrichtung zu gross gewesen war, als dass man sie unter den vielen anderen Zuschauern hätte erkennen können.
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#37

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:53

Immer noch etwas verkatert sah Selan die junge Frau an, die eindeutig äußerst verwirrt war. Immer wieder fing sie an Sätze zu beginnen, um sie nach ein bis zwei Worten wieder zu beenden. Ihr schieb sichtlich unwohl zu sein. Selan bemerkte es, schien sie doch zwischen dem drang sich zu erklären und weg zu laufen extrem hin und her gerissen zu sein. Ihre Körpersprache und ihr Verhalten waren eindeutig. Auch ihre Augen verrieten viel – Angst versprühten sie, obwohl Selan beim besten Willen nicht erklären konnte vor was oder wem, so lächelte Selan einfach mit einem gutmütigem Lächeln und hoffte erst einmal das sie sich selber wieder beruhigt. Selan ging schon der Gedanke durch den Kopf, ob sie etwa ein wildes Tier verfolgt oder gejagt habe könnte, als sie sich langsam fasste.

„Ich... mein Name ist Arafis. Ich Reise Richtung Osten, doch bin von der Strasse abgekommen und habe mich wohl verlaufen. Als ich das Lagerfeuer gesehen hatte, habe ich gehofft, hier jemanden aufzufinden, der mir vielleicht den Weg weisen könnte. Verzeih, dass ich Dich erschreckt habe. Ausserdem hat mich ein unglaublich guter Duft hierher gelockt. Ich habe so etwas noch nie gerochen, doch es muss ein magisches Gewürz sein. Ist es das, was Du vorhin Tee genannt hast?"

Gutmütig lächelte Selan die Elbe an, "Na alles wieder in Ordnung, der größte Schreck vorbei? Du brauchst keine Angst haben, ich tuh dir nichts.", Seelan musste lachen, "Und keine Sorge du hast mich nicht erschreckt, hast mich nur aus einem Wunderbaren Traum gerissen. Erschreckt hab wohl eher ich dich oder? Aber wart einmal kurz – nicht weglaufen, versprochen?"

Schnell ging Selan in seinen Waagen, etwas Geschirr klapperte, Schränke wurden auf und zu gezogen und nach wenigen Minuten kam Seelan mit einem Servierbrett zurück, setzet sich wieder ans Lagerfeuer und reichte der Elbin eine kleine fein verzierte Tontasse.

"Hier trink. Keine Sorge, dass ist der Tee den du angesprochen hattest. Probier einmal, eine Eigenmischung aus Baldrian, Johanniskraut, Kamille und Fenchel. Hilft sehr gut, bei unruhigem GemĂĽt, trink nur ein paar Schlucke, dann merkst du, dass du wieder etwas ruhiger wirst."

Sogleich sprach Selan wieder auf und holte eine große Schüssel und einen Löffel und gab es der Frau.

"So Moment, vorsicht heiß!", sprach Seelan, als er die Schüssel beinahe Rand voll mit Suppe füllte. "Nimm es mir nicht übel, wenn ich dich damit so überrumpel, aber deine Andeutungen waren eindeutig, du suchst etwas zu essen. Zudem hört man deinen Bauch sicherlich bis Shizu. Lass es dir schmecken."

Seelan setzte sich wieder ans Feuer, zerbrach einige Stöcke und wurf sie ins Feuer. Ein währmendes wohliges Gefühl machte sich in ihm breit als er ins Feuer blickte.

Plötzlich durchbrach die immer noch unruhige Person, „Reist Du alleine, wenn mir die Frage gestattet ist?“

"Eigentlich reise ich allein als fahrender Händler mit meinen Pferden durch die Lande. Seit gestern nicht mehr, irgendwie ist mir einfach ein Lehrling zugelaufen, tja nun hab ich ihn die nächsten Jahre an der Seite. Er schläft übrigends da drüben.", erwiederte er und zeigte auf die große eingemulmte Decke, unter der es sich Urako gemütlich gemacht hatte.

"Und du? Was macht eine Elbe so weit weg von zu Hause, wohin willst du? Seit ihr Waldelben nicht eigentlich eher Ortsansässig, dein zu Hause ist ja nicht gerade um die Ecke. Ich denk einmal, ist für dich sicher unheimlich sich auf freiem Land zu bewegen, wenn man eigentlich nur den Schutz der Bäume gewöhnt ist oder?"
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#38

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 13:54

Urako begann sich zu langweilen. Die beiden redeten und redeten... jetzt bot Selan ihr auch noch Tee an und gab ihr etwas von dem Eintopf. War der Mann denn von allen guten Geistern verlassen, sein Essen mit irgendeiner dahergelaufenen Trulla zu teilen? Denn eine solche war sie mit Sicherheit, denn wenn sie untot wäre, bräuchte sie nichts mehr zu essen oder zu trinken.

Schlecht gelaunt zog Urako seine Hose wieder hoch. So stümperhaft, wie Selan sich an die Frau heranschmiss, würde es heute nichts mehr zu gucken geben. Urako trommelte leise mit den Klauen auf dem Dach des Wagens, während er überlegte. Sollte er sich zu den beiden setzen und Selan zeigen, wie man das machte? Oder sollte er noch ein wenig warten? Vielleicht war in dem Tee ja eine Droge, welche die Albin gefügig machen würde.

Er grinste in sich hinein. Ja, das wĂĽrde es sein. Selan verabreichte ihr einen Trunk, der liebestoll machte, es dauerte nur eine Weile, ehe er wirkte! Zufrieden ĂĽber seine Erkenntniss kuschelte Urako sich wieder bequem ein und beobachtete weiter das Geschehen.

Doch nach mehreren Minuten des Wartens passierte immer noch nichts. Zumindest nichts, was ihn interessierte. Selan warf nicht mal einen Blick in ihren Ausschnitt. Verdammter Bockmist, war wohl nix mit Liebestrank - oder das Gebräu brauchte verdammt lange um anzuschlagen. Vielleicht war es zu stark mit Tee verdünnt.

Urako schnaubte missmutig. Sein Atem spie Dampf, ein untrügliches Zeichen, dass es bald dämmern würde. Und so wie er Selan einschätzte, würde der pünktlich zu Sonnenaufgang beginnen, die Pferde einzuschirren. Für heute lief hier nichts mehr.

Also schlug Urako die Decken zurĂĽck, schnappte sich seinen Rucksack und seine Axt und sprang mit einem FlĂĽgelschlag vom Dach des Wagens. Steinchen knirschten unter seinen FuĂźsolen und erinnerten ihn unangenehm daran, wie fremd hier alles war. Ohne Guten Morgen zu wĂĽnschen schlenderte er an Selan und der Frau vorbei, zog sich seine getrocknete Kleidung wieder an und schnappte sich den Suppentopf vom Feuer. Er nahm sich vor, alles darin aufzuessen, damit die Albin nichts mehr davon ab bekam. Viel war ohnehin nicht mehr ĂĽbrig.

Er warf Rucksack und Axt auf den Boden und setzte sich neben Selan und seine Gesprächspartnerin. Nach Verwesung roch sie wirklich nicht, also war sie ganz sicher lebendig.

Nachdem er fertig gegessen hatte, wies er mit dem Löffel auf die Suppenschüssel der Albin.
„Macht fünf Kupferstücken. Und zwei für den Tee.“
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#39

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 13:54

"Na alles wieder in Ordnung, der größte Schreck vorbei? Du brauchst keine Angst haben, ich tu dir nichts.", Seelan musste lachen, "Und keine Sorge du hast mich nicht erschreckt, hast mich nur aus einem Wunderbaren Traum gerissen. Erschreckt hab wohl eher ich dich oder? Aber wart einmal kurz – nicht weglaufen, versprochen?"
Etwas perplex über diesen ganzen Wortschwall blieb Arafis an Ort und Stelle stehen. Der Tiefling, dessen Namen sie noch nicht erfahren hatte, ging zielstrebig auf den Wagen zu, dann rumpelte und klapperte es aus dem Inneren heraus und kurz darauf kam er wieder, mit einem seltsamen Brett in den Händen. Fasziniert betrachtete die junge Waldalbe die Tasse, welche sie in die Hand gedrückt bekam. „Sie ist wunderschön. Ich… meine Mutter hat auch alle möglichen Gegenstände mit Mustern und Figuren verziert“, flüsterte sie leise. Schon lange hatte sie kein Tongeschirr mehr in den Händen gehabt.
"Hier trink. Keine Sorge, dass ist der Tee den du angesprochen hattest. Probier einmal, eine Eigenmischung aus Baldrian, Johanniskraut, Kamille und Fenchel. Hilft sehr gut, bei unruhigem GemĂĽt, trink nur ein paar Schlucke, dann merkst du, dass du wieder etwas ruhiger wirst."
Nun wurde die Druidin doch etwas misstrauisch. Ist es nicht zu gefährlich, von einem Fremden, und dann noch einem Tiefling, etwas zu trinken anzunehmen?
Doch sie wollte nicht als unhöflich erscheinen. Ausserdem wirkte er ziemlich aufrichtig und der Elan, mit welchem er von dem Tee sprach, lockte ihr ein Lächeln auf die Lippen. Zusätzlich… war der Duft auch einfach zu verführerisch. Wenn er mich töten wollte, hätte er es bestimmt schon getan und würde nicht abwarten, und mich mit seinem Teegeschirr vergiften.
Nachdem Arafis ihre Mutmassungen abgetan hatte, nahm sie vorsichtig einen Schluck von dem heissen Getränk. Der Dämon war unterdessen schon wieder aufgesprungen und kam mit einer Schüssel und einem Löffel zurück. Schliesslich liess sich die Waldalbe vorsichtig zu Boden sinken, mit genügend Abstand zu dem Lagerfeuer. Gleich darauf schöpfte der grosse Mann ihr die Schüssel voll mit Suppe. Er behauptete doch tatsächlich, man würde ihren Bauch knurren hören! Aber vielleicht hat er da ja gar nicht so unrecht… Erst jetzt erinnerte sie sich wieder daran, dass sie ja eigentlich auf Beutejagd gehen wollte, bevor sie auf diese alten Bekannten getroffen war. „Lass es dir schmecken“, meinte da der Tiefling. Diesmal liess es die junge Frau sich nicht zweimal sagen. Sie spürte selber, wie hungrig sie war.
Ohne zu überlegen, nahm sie den Teller, führte ihn an ihre Lippen und nahm einen grossen Schluck. Beinahe hätte sie sich die Zunge verbrannt! Den Löffel hatte sie vollkommen vergessen, hatte sie ein solches Gerät auch schon lange nicht mehr benutzt.
„Du bist ein wahrer Meisterkoch!“, sprach sie schliesslich ein Lob aus. „Reist du alleine, wenn mir die Frage gestattet ist?“
Der Händler erklärte ihr, dass er eigentlich ein Einzelgänger war, jedoch seit Kurzem einen Lehrling hatte. Beinahe verschluckte sich Arafis. Lehrling? Der Henker? Sie verkniff sich einen Kommentar und lauschte weiter seinen Worten. Sie mochte den Klang seiner Stimme, es wirkte irgendwie beruhigend, wenn er sprach.

„Und du?“, fragte er schliesslich nach ihrer Heimat. Die junge Frau zögerte einen Moment. Sie wollte nicht zu viel von sich offenbaren, doch etwas musste sie ihm wohl schon erzählen, wenn sie mit ihm reisen wollte. Denn genau das war ihre neue Idee. Sie würde mit dem Händler und dem Henkerlein mitgehen. Nur so würde sich vielleicht eine Gelegenheit ergeben, sich für den grausamen Tod ihrer Freundin zu rächen. Oder zumindest dem Henkerlein eine kleine Lektion zu erteilen!
„Ja, ich bewege mich lieber zwischen den Bäumen. Deshalb bin auch auf dem Weg Richtung Osten. Da soll es in der Nähe von Shizu grosse Wälder und ein Seegebiet geben. Aber ich lebe schon lange nicht mehr nur an einem Ort. Mein zu Hause ist immer dort, wo ich mich gerade wohlfühle.“ Und wo mein treuer Begleiter Fricai ist, fügte sie in Gedanken dazu. Sie hatte nicht vor, den beiden zu erzählen, dass sie selbst oft als Wölfin durch die Wälder streifte. Und auch sonst wollte sie nicht allzu viel von sich erzählen.

Plötzlich raschelte etwas auf dem Wagen und im nächsten Moment landete das Henkerlein nur halb bekleidet auf dem Boden. Mit Rucksack und Axt marschierte er an seinem Lehrmeister und der Waldalbin vorbei, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Er ist es sich wohl gewohnt, wenn sein Meister Frauenbesuch hat, überlegte sich Arafis nachdenklich. Oder das Henkerlein kann nichts mit Frauen anfangen…Vermutlich sieht er sie sowieso lieber an Stricken baumeln!
Bei dem Gedanken schnaubte die Waldalbe abfällig und konzentrierte sich wieder auf die leckere Suppe. Viel zu schnell war die Schüssel leergegessen und auch der würzig duftende Tee ging zu Ende.
Inzwischen hatte sich der kleine Tiefling wortlos zu ihnen gesetzt und futterte munter den Rest der BrĂĽhe.
Arafis beobachtete ihn aus den Augenwinkeln. Im Gegensatz zum grösseren, olivfarbenen Dämon war er ein richtiges Bleichgesicht. Nur seine Augen leuchtetn gelb und stachen aus dem blassen Gesicht heraus. Obwohl er recht kräftig gebaut war, schien er nicht viel grösser als die Waldalbe selbst zu sein, was ihr ein zufriedenes Grinsen entlockte.

Plötzlich zeigte er auf die Schüssel, welche Arafis noch in der Hand hielt. „Macht fünf Kupferstücken. Und zwei für den Tee.“
Sprachlos schaute die junge Frau den selbstgefälligen Tiefling an. Sie hatte nicht daran gedacht, dass sie womöglich für die warme Mahlzeit bezahlen müsste. Als sie jedoch daran dachte, was beim letzten Mal geschehen war, als ihre Freundin nicht für ihr Essen aufkommen konnte, zuckte sie erschreckt zusammen. Ohne Zweifel würde dieser garstige Henker nicht zögern, sie an dem nächsten Baum aufzuknüpfen!

Schnell kam sie auf ihre Füsse und stellte Tasse und Teller auf den Boden. „Natürlich werde ich dafür aufkommen“, versicherte sie in die Richtung des freundlichen Tieflings mit der ruhigen Ausstrahlung. „Mein Lager ist ganz in der Nähe. Ich werde nur schnell meine Sachen und meine...Reisegefährten... holen und wieder zu euch zurückkehren. Vielen Dank für die warme Mahlzeit, es war sehr lecker!“

Sie machte einige Schritte in die Richtung, in welcher sich Fricai und Vilya befinden mussten. Dann drehte sie sich noch einmal um und fragte vorsichtig: „Wenn euer Weg euch auch Richtung Osten führt, könnten wir vielleicht zusammen weiterreisen. Es soll gefährliche Gestalten auf diesen Strassen geben und in einer Gruppe ist man bestimmt sicherer vor Angriffen. Ausserdem ist ein wenig Gesellschaft auch nicht zu verachten.“ Sie hatte ihren Blick dabei auf den grösseren Mann gerichtet, das Henkerlein würde sie sicher nicht um seine Gesellschaft bitten. „Ich werde gleich zurückkehren, bis dahin könnt ihr gerne über meinen Vorschlag nachdenken und mir vielleicht auch eure Namen verraten.“
Dann verschwand die Waldalbe auch schon in der Morgendämmerung.
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Selan Todaric
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Re: Teebeutel - Kap. I – Der Marktplatz von Phintias

#40

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 13:55

Selan war fröhlich, freute er sich doch endlich einmal wieder mit jemanden normalen zu reden. Auch bemerkte er, dass sie langsam etwas ruhiger wurde. Die Anspannung war noch da, wie es nun einmal bei unbekannten durch aus normal war. Aber ihre direkte Angst verflog, dies freute Selan sehr, hatte er schon Angst, dass es an ihm lag, dass sich die Waldalbin so unwohl wühlte.

Nach wenigen Minuten setzte sich plötzlich Urako mit ans Feuer und begann nicht zu essen, sondern schon eher zu schlingen. Aus den Augenwinkeln betrachtete Selan ihn, gleich war ihm wieder klar, Urako hat schlechte Laune, was aber wohl nicht schwer zu erraten war, da Urako eigentlich immer schlechte Laune hatte, dachte sich der Nekromantentiefling.

Kein Wort der Begrüßung kam über Urakos lippen, nur das unhöfliche gierige Schmatzen war zu hören, bis es plötzlich aus ihm heraus brach, „Macht fünf Kupferstücken. Und zwei für den Tee.“

Die Waldalbin erschrag, auch Seelan war etwas perplex. Sofort sprang sie auf und wurde wieder so nervös wie vorher. Angst machte sich in ihrer Stimmlage breit, irgendetwas hatte sie furchtbar erschreckt.

„Natürlich werde ich dafür aufkommen. Mein Lager ist ganz in der Nähe. Ich werde nur schnell meine Sachen und meine...Reisegefährten... holen und wieder zu euch zurückkehren. Vielen Dank für die warme Mahlzeit, es war sehr lecker!“, sprach sie mehr als scheu und schaute dabei immer wieder zu Selan, als wollte sie seinen Schutz erflehen, so zumindest kam es Selan vor.

Selan aber lächelte wieder nur, "Schön das es dir geschmeckt hat. Kannst auch gern noch mehr haben wenn du möchtest, kann ja ein schönes Frühstück für uns machen, falls du und deine Reisegefährten hunger habt. Ihr seit alle sehr gerne eingeladen. Ach ja," sprach Seelan zu Urako und blickte ihn etwas Missmürrisch an, "Falls die Albin dir deine sieben Kupferstücke geben sollte, siehe ich dir die sieben Kupferstücke am Ende des Monats von deinem Taschengeld ab! Ich finde es schon unhöflich vor einer Dame so rum zu rennen, wie du rum rennst und dann auch noch Geld für etwas zu verlangen, was du nicht einmal bezahlt hast. Wie wäre es, wenn ich dir deine Essenskosten auch vom Taschengeld abziehe? Wenn ich dabei bedenke, was du allein gestern Abend und gerade eben so rein geschlungen hast... Mal hochgerechnet auf einen Monat, Urako alter Freund....", klatschte er seine Hand freundschaftlich auf den Rücken des Henkers, "....dann bekomm ich am Ende des Monats noch etwas raus von dir!", sprach Selan und lachte dabei.

"Keine Sorge, du musst für das Essen und den Tee nichts bezahlen. Lass den Muffelkopf einfach reden, der ist wieder einmal schlecht drauf. Einfach nur auf seine netten Worte achten, sofern welche es aus dem Mund schaffen.", Selan muste etwas grinsen, "Zudem einfach ruhig bleiben, dann kommt man gut mit ihm aus. Ich habe dich eingeladen und deine Freunde ebenfalls, also hol sie nur, ich bereite schon einmal das Frühstück vor.", sprach Seelan und ging gemachlich Richtung Waagen, während langsam die ersten Sonnenstrahlen Seelan in die Augen blitzten. Er grinste, fröhlich in den Sonnenaufgang, "Ich denke heute wird ein wundervoller Tag, schön angefangen hat er ja schon."

„Wenn euer Weg euch auch Richtung Osten führt, könnten wir vielleicht zusammen weiterreisen. Es soll gefährliche Gestalten auf diesen Strassen geben und in einer Gruppe ist man bestimmt sicherer vor Angriffen. Ausserdem ist ein wenig Gesellschaft auch nicht zu verachten."

Seelan war etwas verdutzt, war er doch von der Frage sehr ĂĽberrascht, doch machte sein Herz einen kleinen Sprung. Gleich zwei Begleiter, mit denen man den lieben langen Tag ĂĽber die Welt philosophieren konnte.

"Du hast recht, ist gar nicht schlecht der Gedanke. Aber wenn du zurück bist nicht mehr so schüchtern und ängstlich sein, einverstanden? Also bis gleich!", erwiederte Seelan.

„Ich werde gleich zurückkehren, bis dahin könnt ihr gerne über meinen Vorschlag nachdenken und mir vielleicht auch eure Namen verraten.“
Dann verschwand die Waldalbe auch schon in der Morgendämmerung.

"Also mhhh, hatte ihr doch schon meine Antwort gesagt.... MerkwĂĽrdiges Frauenzimmer. Aber nett ist sie ja, nun gut, ab gehts ans Essen machen.", gerade wollte Seelan in den Waagen gehen, als er Urako immer noch am Lagerfeuer hocken sah.

"Bist wohl mit dem verkehrten Flügel zuerst aufgestanden oder? War nicht gerade sehr höflich von dir. Hast du Angst vor ihr oder warum benimmst du dich so komisch?"
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


Kleine Legende:
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