Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

Archiv der Siedler
Einige Bewohner Asamuras kommen ursprünglich aus Caltharnae, das in Asche versank. Ihr Leben vor der Überfahrt auf den neuen Kontinent wurde hier verewigt.
Selan Todaric
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Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#1

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 14:04

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Hier spielt der erste Teil der Reise:
Link
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Die Werbung Urakos schien Wirkung entfaltet zu haben, schon wenige Minuten später stand bereits der erste Kunde vor Selans Fliederfarbenem Zelt und bat um Einlass.

"Nur herein, werter Herr, was kann ich für sie tun?"

Ungläubig blickte sich der ältere, etwas tattrige Herr um. "Sind sie ein Nekromant? Sieht mir eher nicht danach aus, sieht mir fast eher wie eine Schneiderei aus?!", krächzte der alte Mann, während er zittrig herein trat. "Überall ihre feinen silbernen Leuchter, die Deckchen und Stickerein auf ihrem Tisch, sind sie sicher, dass sie ein Nekromant sind? Wo sind die Totenköpfe auf denen Kerzen stehen, die dunklen Vorhänge. Gibt es nicht eigentlich auch immer gruselige Musik in ihren Zelten? Warum haben sie eigentlich keine dunkle und düstere Robe an und vor allem warum lächeln sie?"

Geduldig hörte Selan die Worte des alten Weißlings an, während er immer weitere Fragen aus seinem arg Zahnlosen Mund heraus kamen.

"Gutes Väterchen, ja ich bin ein Nekromant, ein guter um genau zu sein und aus gewissem Respekt den Toten gegenüber, stelle ich keine Kerzen auf Totenschädel.", dabei musste er unweigerlich daran denken, wie es aussah, wenn Ralogg mit einer Kerze auf seinem Schädel umher rennen würde und musste leicht grinsen.

"Was gibts da zu grinsen Bübchen? Mhhhh? Und nenn mich nicht Väterchen, ich bin erst 45!"

"Nun denn, junger Mann, was kann ich für sie tun?"

"Nenn mich nicht junger Mann, so jung an Jahren bin ich nun auch nicht mehr!", erwiederte der alte sichtlich wütend.

Unweigerlich verzog sich Selans Miene in etwas angestrengtes und ein leichtes Schnaufen war zu hören.

"Wie denn auch seih, werter Herr. Mit welchem Dienst kann ich mich bei ihnen erkentlich zeigen?"

"Mhhh? Was? Sprich lauter!"

"Ich sagte: Wie denn auch seih, werter Herr. Mit welchem Dienst kann ich mich bei ihnen erkentlich zeigen?"

"Mhhhh? Wo bin ich eigentlich? Was halten sie eigentlich einen ehrbaren Bürger mit sinnlosen Gesprächen auf, wenn er einfach eine Marktbummelei machen will! Frechheit!", wild gestikukulierend verschwand der ältere Mann wieder aus dem Zelt, jedoch nicht ohne nebenbei einige Floskeln daher zu reden, die besser unausgesprochen blieben.

Selan setzte sich wieder auf seinen Stuhl, hinter seinen großen Tisch und stützt sein Kinn in die rechte Handfläche und schmunzelte etwas verträumt vor sich hin. "Na das fängt ja gut."

"Werter Herr, sind sie sie Sir Nekromante?", sprach den Tiefling plötzlich eine Stimme an. Der Tiefling erschrag etwas und blickte nach vorn. Vor ihm stand ein junger Herr in eine dunkelbraune Robe gekleidet da und sah ihn mit traugrigem Gesichtsausdruck an.

"Oh, ähmm, ja Entschuldigung, ich war gerade gedanklich etwas weg. Natürlich, aber nennen sie mich einfach Selan, was kann ich für sie tun?"
Schnell kam der junge Bursche näher und setzte sich auf dem Stuhl der gegenüber Selans stand. Schnell beugte er sich verschwörerisch nach von und begann zu tuscheln.

"Die Erstberatung ist doch Kostenlos oder?"

"So ist es, wie kann ich ihnen weiter helfen?"

"Nun ja...", sprach der Fremde, der noch näher kam und sich nervös umschaute und aus der sichtlich verwirrt schien, "gestern Nacht, nun ja. Ich hatte eine Meinungsverschiedenheit mit meinem Meister. Sie müssen wissen ich bin im letzten Ausbildungsjahr zum Müller. Nun ja es gab Streit über die Belohnung, es kam zu einem Handgemänge und irgendwie ist er auf meinen Dolch gefallen...", wieder blickte sich merkwürdige Kerl um, während sein rechtes Auge anfing zu zucken.

Selan erhob schon mahnend den Finger, als der Fremde seine Hand herunter schlug und noch näher rückte. Schon halb auf den Tisch liegend schaute er Selan tief in die Augen.

"Es war ein Unfall, der Dolch ist von selbst aus meinem Umhang gekommen und hat sich in den Bauch des Müllers gebohrt. Jaaa, genau so war es, Iskir hat keine Schuld, nein? Ich, jaaa, ich wollte dem Müller gern eine ordentlich Begräbnisfeier ausrichten, nur weiß ich nicht wo sein Geld ist. Ja das wollte ich und jaaa......", der Fremde verstummte und schaute Selan einfach nur noch in die Augen.

Sekunden vergingen, bis es plötzlich aus ihm heraus brach und er schrie, "Ich muss wissen wo das ganze Geld des Müllers ist, sag mir, jetzt! Hier ist sein Kopf und beide Hände, lies aus ihnen, mach deinen Hokus Pokus, los!", sprach er und holte unter dem Mantel zwei Blutverschmierte Hände und einen frischen Kopf aus einem Lederbeutel. "Los, fang an, ist der Geist schon da?"

Selan schaute die Person vor sich an und wegte ab wie er sich am besten zu verhalten hatte. Das vor ihm ein verrückter und Mörder saß, war ihm sofort klar. Wie konnte er ihm aber am besten der Stadtwache übergeben ohne, dass er ihn angreifen würde oder er handgreiflich werden würde?
Der Tiefling dachte kurz nach, Falten auf seiner Stirn breiteten sich auf den ernst daher blickenden Augen aus.

"Ich spühre den Geist bereits, ja er ist hier, der Müller ist hier! Warte!"

Andächtig schaute der junge Kerl mit großen Augen Selan an, schon nach diesen wenigen Worten hing er förmlich an Seelans Lippen. Zu groß schien die Gier auf das ganze Gold, was ihn erwartete zu sein.

"Ja er ist hier. Warte, er sagt, wir sollen ihm folgen, siehst du ihn? Er steht da! Genau da.", sprach Selan und zeigte mit seiner rechten Hand in die leere vordere rechte Ecke des Zeltes. Der Bursche drehte sich um und starrte einfach nur. "Ja, nein, vielleicht – wo ist er?"

"Geduld, die Verbindung ist schlecht, aber ich sehe ihn durch meine Kräfte.", entgegnete ihm Selan beschwichtigend. "Er meint wir sollen ihm folgen, er führt uns zu seinem Gold."

Geschwind sprang der Mörder vom Tisch, lud seine Sachen ein und folgte an des Tiefling Seite ihm aus dem Zelt. Schritt um Schritt näherte man sich dem Markt und folgte dem nicht anwesenden Geist. Etwas mulmig war Selan schon zur Mute, war dies schon sehr riskant was er vor hatte. Bisher war er schon in ziemlich vielen bemsligen Situationen, doch war dies für ihn eine neue Erfahrung. Unbewaffnet direkt neben einem Mörder, der jede Sekunde einen Anfall haben könnte. Selan der bisher ruhig war und seine innere Anspannung unterdrücken konnte, liefen langsam wenige Schweißperlen über die Stirn. Sichtlich schneller schlug sein Herz um so näher sie dem Ziel kamen, was Selan auserkoren hatte.

Kurz nach dem Ausgang aus der Gasse bogen beide nach links ab. Besser konnte es nicht laufen, drei Stadtwachen die Patrollierten, kamen ihnen genau entgegen. Der Nekromant blickte kurz nach rechts. Der junge sah immer nervöser aus, sein rechtes Auge zuckte ununterbrochen mittlerweile umher. Keine drei Meter vor den Wachen war es soweit, jetzt war handeln gefragt. Innerhalb eines Augenblickes schubste Selan den jungen Kerl etwas nach vorne und schrie den Wachen sofort entgegen.

"Achtung, dies ist ein Mörder, sofort festhalten, er trägt die Beweise bei sich."

Sowohl die drei Stadtwachen, als auch der Junge waren sichtlich überrascht. Jedoch fingen sich die Stadtwachen wesentlich schneller und ein Fluchtversuch scheiterte. Sofort packten ihn zwei Stadtwachen links und rechts am Arm, während der Bursche wild gestikulierte, um sich trat und fluchte. Die dritte Stadtwache trat unter den neugierigen Blicken der umliegenden Marktbesucher an Selan heran.

"Hauptmann Droka, mit wem habe ich die Ehre? Und was sprachen sie da gerade von einem Mörder?"

"Guten Tag, Selan Todaric. Ich bin Nekromant und habe meinen Stand angemeldet die Straße dort hinten aufgebaut.", entgegnete Selan dem Haupmann und zeigte zu der Gasse, aus der die beiden gerade gekommen waren.

"Der Junge da suchte mich sichtlich Nervös auf und erzählte mir, dass er gestern Nacht einen Streit mit seinem Müllermeister hatte und sein Dolch ihn ausversehen getroffen hätte. Nun würde er gern eine Begräbnisfeier für ihn abhalten und ich solle ihm verraten wo des Müllers Geld ist. Dazu hat er mir den Kopf des Müllers und seine Hände mit gebracht, so das ich es ihm verrate, was ich nicht getahn habe, sondern ihn zu ihnen gelockt habe."

Entsetzt folge der Hauptmann des Tieflings Worten. "Den Kopf und die Hände?"

"Ja, er trägt beides in deinem Beutel an seinem Leib."

Der Hauptmann machte kehrt und erblickte den Inhalt des Beutels.

"Oh mein Gott.", der Hauptmann erbrach sich kurz auf der Straße, es war zu viel für ihn. Um ihn herum hörte man das entsetzen in den Stimmen der Marktesucher. Überall hörte man die Worte Wiederling, Mörder, Eklig, Monster. Schnell waren auch die ersten Aufrufe auf dem Markt zu hören

"Hängt ihn!", hörte man es plötzlich schrein. Von einer anderen Seite schon die nächste Stimme, eindeutig von einer älteren Frau, "Rübe ab, ist sie ab! Runter damit! Eleneder Mörder!"

Wie ein Lauffeuer ging die Kunde des toten Müllers und des Mörders über den Markt. Nach wenige Minuten hatte sich der Hauptmann wieder gefangen.

"Bringt ihn weg, ab in die Zelle!", befehligte der Hauptmann seinen Soldaten, die ihn unter großem Protest weg vom Markt in Richtung Kerker zogen.

"Elender Nekro, ich bring dich um! Dein Kopf gehört mir und aus deinen hässlichen Flügeln mach ich mir ne Sülze, dein Kopf wird genau so rollen, wie der des Müllers! Hahahaha!", sprach er und blickte die Stadtwachen anerkennd suchend an, diese jedoch schleiften ihn Stumm um die nächste Ecke.

"Danke, für die Hilfe Herr Todaric! Es war aber auch sehr gefährlich den Kerl hier her zu locken, alle Achtung. Sie können sich später bei mir im Haus der Stadtwache melden, die Straße runter rechts, dann erhalten sie eine kleine Belohnung, nun muss ich erst einmal gehen. Einen guten Tag noch!"

"Danke, ebenfalls.", entgegnete der Tiefling, während der Hauptmann von dannen schritt. Eben wollte sich Selan umdrehen, als ein Schreien durch den Marktplatz rauchte, immer näher kam es. Leute sprangen zur Seite und aus dem dichten Gemänge hervor kam plötzlich Ralogg.

"Sag mal kurzer, ähmmmm....", Selan schaute sich Ralogg genauer an, "was hast du mit deinen Beinen gemacht, bist du gewachsen?", sprach Selan nachdenklich.

"Keine Zeit zur Erklärung. Urako hat mich her geschickt, ich soll dir ausrichten das auf der anderen Seite des Marktes noch ein Nekromant ist und wie Urako sich anhörte macht ihm das ziemlich sorgen."

Selan merkte sofort, dass hier etwas nicht stimmte. Urako würde nicht Ralogg hier her schicken, wenn nicht wirklich etwas im Aren lag. "Wie sah er aus?"

"Nun ja dunkle Robe, ziemlich groß. Ähmm dunkelgrüne Haut, weiße Haare, ziemlich fies daher blickend. Und sein Name ist Schrumpfkopf, nein, Schrumpfsa..., nein, Neusala, nein ähmmm wie war sein Name noch?"

Besorgt blickte Selan Ralogg an und kniete sich vor ihm. "Er heißt aber nicht Ibn Altsalat oder?"

"Doch genau, so heißt er, wusste ich doch das er irgendwas mit Schrumpfkopf hieß!"

"Komm, zeig mir wo er ist Ralogg!"

So schnell den kleinen Kerl die Beine trugen, rannten Sie durch die Menge der Stände. Unbeeindruckt liesen Selan die anderen Leute und die Stände des Marktes. Hier und da rempelte er fast jemanden um, aber das bemerkte der sonst so beachtliche Selan kaum. Selan war in größter Sorge. Die Menschenmänge spaltete sich und Selan blickte aus gut 10 m Entfernung das Zelt an, in dessen inneren Ibn Altsalat gerade einen alten Mann bediente.

"Er ist es und.... das kann nicht sein!", Selan blickte auf die Rüstungen der beiden Kampfmagier und den Umhang Ibn`s. Auf ihren dunklen Umhängen brangte das schwarze Symbol einer Skeletthand, an dessem Ende Blut tropfte. Selan war starr vor Schock, genau dieses Symbol war es, was Selan im letzten Brief seines ersten Lehrlings bekam, bevor er starb. Dies ist das Symbol des Nekromantenordens, welcher ungeahnte Macht sammelt, welche Selans Lehrling entdeckte. Aber warum sollte Ibn dieses geheime Symbol in der Öffentlichkeit zeigen?
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#2

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 14:07

Ibn Altsalat empfing einen Kunden nach dem nächsten. Und jeder einzelne verließ das schwarze Zelt mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Offenbar blieben hier wirklich keine Wünsche offen. Ob Selan auch derart viele Kunden in so kurzer Zeit abfertigte? Urako war erstaunt, wie schnell das Prozedere bei Herrn Altsalat vonstatten ging. Der Henker hatte sich unter Nekromantie immer langwierige Rituale und ausufernde Beschwörungen vorgestellt, aber offensichtlich ging es auch anders. Die Kundschaft des Alben schien sehr zufrieden zu sein, zumindest grinsten sie wie zugedröhnt.

Wo blieben bloß Selan und Arafis! Je länger es dauerte, umso mehr Kunden verloren sie an Kohlegesicht!

Urako fixierte das Zelt Ibns mit zusammengekniffenen Augen. Was ihn noch mehr ärgerte als die Tatsache, dass seinem Lehrmeister hier reihenweise die Kundschaft streitig gemacht wurde, waren die beiden Kampfmagier, die lässig auf einem dicken Teppich im Vorzelt herumlungerten. Sie tranken sogar Tee. Alles deutete darauf hin, dass sie sich hier sehr wohl fühlten, ganz im Gegensatz zu ihrem alten Arbeitsplatz auf der Richtgramnove, wo sie tagein, tagaus einen Flunsch gezogen hatten.
Urako fühlte sich hintergangen.
Gegen diese beiden schürte er noch mehr Wut als gegen den Nekromanten, der sich in die fachgerechte Exekution der letzten Deliquentin eingemischt hatte.

Urako ballte seine Hände so fest zu Fäusten, dass sie knackten.
Den Stein, er brauchte seinen Wutstein! Andernfalls würden hier gleich Köpfe rollen.
Er angelte das pinke Geschenk von Arafis hervor und legte es in seine Hand. Die Stacheln bohrten sich tief in die Haut hinein.
Ruhig. Ganz ruhig, sprach er gedanklich zu sich selbst.
Sein Herzschlag wurde wieder langsamer und sein Atem tief und gleichmäßig. Und vor allem wurde sein Kopf wieder klar. Er musste warten, allein hatte er keine Chance. Seine Muskeln entspannten sich.

Jetzt erst bemerkte er den Duft des Standes nebenan, wo Fisch vor Ort geräuchert und verkauft wurde. Urakos Lieblingsessen, nur leider unerschwinglich teuer. Daneben bot ein Töpfer seine bunt bemalte Ware feil. Die farbenfrohen Tassen und Kannen würden Selan sicher gefallen. Urakos Blick schweifte über die zahllosen Stände, Zelte und Karren, die er zuvor nur am Rande bemerkt hatte. Es gab hier eine verschwenderische Vielfalt an Nahrungsmitteln. Duftender Spießbraten, Schinken, so groß wie er selbst und meterlange Wurstketten. Dazwischen Händler, die exotische Stoffe feilboten, einen Stand mit einem Regal voller Pülverchen, aus denen eine Frau ihren Kunden aus Kräutern duftende Mixturen bereitete. Ein fahrender Barbier rasierte die Leute, während ein junger Sklave mit langen Wimpern und Schmollmund ihnen die Schuhe putzte. Der Sklave gefiel Urako, so einen wollte er auch haben. Auch, wenn er selbst keine Schuhe trug.

Aus einer Nebengasse hörte er plötzlich unangenehme Stimmen, welche die Hinrichtung von jemandem forderten.
"Hängt ihn!"
"Rübe ab, ist sie ab! Runter damit! Elender Mörder!"
Ihn erinnerte das unangenehm daran, wie man ihn aus seiner Heimat fort gejagt hatte. Er biss sich auf die Unterlippe. Die Erinnerung tat mehr weh, als er sich eingestehen wollte. Er glotzte dem Sklaven auf den Hintern um sich abzulenken.

„Urako!“, riss ihn die schrille Stimme von Arafis aus seinen Betrachtungen. Offenbar hatte Ralogg ihr endlich die Botschaft von dem konkurrierenden Nekromanten überbracht. Der Henker drehte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam und wollte ein Wurde aber auch Zeit! motzen, doch ihm blieben die Worte im Halse stecken.

Arafis wurde von einem hühnenhaften Tiefling mit langem schwarzem Haar verfolgt, der sie nach wenigen Schritten einholte und nach ihrer Kleidung grabschte.
„Ich werd dir schon zeigen, was es heisst, sich Orobas zu widersetzten!“
Sein Blick war starr auf die Albin gerichtet. Urako kannte diesen Blick. Er verhieß nichts Gutes – zumindest nicht für Arafis. Über sich hörte er lautes Flügelschlagen und mehrmals hintereinander fuhren ihm stoßartige Windböen ins offene Haar. Er brauchte nicht nach oben zu sehen um zu ahnen, dass sich hier die Verstärkung für Orobas näherte.

Urako griff in seine Hosentasche. Er ließ den Stein hinein gleiten und holte stattdessen sein Haarband heraus, mit dem er sich mit wenigen Handgriffen einen festen Haarknoten machte – die Frisur, die er anlegte, unmittelbar bevor eine Schlägerei bevor stand.

Entschlossen trat er Arafis in den Weg, so dass sie von beiden Seiten eingekesselt war.
„In Ordnung, Schwarzer, was bietest du, damit ich euch helfe?“
Orobas hielt verdutzt inne und musterte Urako misstrauisch.
„Was willst du denn haben?“
„Ich will als Erster.“
„Kommt nicht in Frage!“
„Als zweiter.“
Der Schwarzhaarige blickte nach oben. „Firxas! Der da will als zweiter, wenn er uns hilft!“
„Nichts da! Mit der Albin werden wir auch alleine fertig.“
„Tja, wenn das so ist...“

Urako trat zur Seite und gab Arafis den Weg frei. Dann verpasste er dem Hühnen einen Kinnhaken, der sich gewaschen hatte. Orobas Kopf wurde ins Genick geschleudert, gleichzeitig schlug Urako ihm mit der anderen Faust in den Kehlkopf. Der Hühne ging zu Boden und rollte sich sofort ein. Urako wollte sich auf ihn stürzen, doch da trat ihm jemand von der Seite gegen den Kopf und er stolperte ein paar Schritte von seinem Opfer fort. Der andere Tiefling, den Orobas mit Firxas angesprochen hatte, landete vor ihm und ein Hagel von Fäusten ging auf Urako nieder. Der prügelte nicht minder heftig zurück. Er spürte keinen Schmerz, obwohl die Pflastersteine bereits nach wenigen Sekunden rot besprenkelt waren.
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#3

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 14:07

Völlig verschreckt starrte Arafis ihr Gegenüber an. Seine Augen blitzten siegessicher und ein fieses Grinsen zeigte sich auf seinem Gesicht. Obwohl die Albin sich nicht scheute, sich gegen wilde Tiere zur Wehr zu setzen, schüchterte sie der hünenhafte Tiefling ein.
Hätte ich nur Fricai mitgenommen… oder noch besser, wäre ich erst gar nicht so neugierig auf diesen blöden Markt gewesen!
Doch jetzt war es schon zu spät, und sie sass in der Falle. Sie hoffte, dass Urako sie gehört hatte, doch auch wenn es so wäre, war damit immer noch nicht klar, ob er sich überhaupt um ihr Leid scheren würde.
Im selben Augenblick nahm sie eine Bewegung hinter ihrem Rücken wahr: „In Ordnung Schwarzer, was bietest du, damit ich euch helfe?“
Arafis war wie erstarrt, hatte sie gerade richtig gehört?! Auch Orobas schien nicht zu wissen, wie er Urako einschätzen sollte, der sich zwischen der Albin und ihrem Fluchtweg aufgebaut hatte.
Schliesslich fragte der bösartige Tiefling nach dem Begehren seines Artgenossen. „Ich will als Erster!“ Die Albin schien wie vor den Kopf gestossen und sie schnappte panisch nach Luft. Anstatt ihr zu Hilfe zu eilen, wollte sich dieser mickrige Dämon an ihr vergehen!
Ihr Kopf schwirrte und sie bemerkte, wie ihre Angst und Verzweiflung zunahm. Ich muss hier weg!
Nichts da, mit der Albin werden wir auch alleine fertig“, hörte sie über sich plötzlich eine krächzende Stimme. Das musste der Kumpan von Orobas sein. Wie sollte sie alleine gegen drei Tieflinge ankommen? Sie blickte sich um, doch die Leute in ihrer Umgebung schienen sie gar nicht zu bemerken, oder solche Situationen waren hier ganz alltäglich und niemand interessierte sich dafür.

„Tja, wenn das so ist…“, plötzlich trat Urako beiseite. Nur einen kurzen Augenblick lang war Arafis zu erstaunt zu reagieren, dann riss sie sich mit einem heftigen Ruck aus dem Klammergriff des Dämonen los, so dass der Ärmel ihres Gewandes einriss und sie einige Schritte vorwärts stolperte.
Als sie sich ängstlich nach einem möglichen Verfolger umblickte, sah sie gerade, wie Urako ihrem Peiniger einen heftigen Haken verpasste und dieser zurücktaumelte. Innerlich jubelte die Albin, doch dann schrie sie erschrocken auf, als der zweite Dämon plötzlich vor Urako landete und rücksichtslos begann, auf ihn einzuprügeln.
Die junge Frau war hin und her gerissen. Ihre Instinkte sagten ihr, davonzurennen und sie spürte auch das bekannte Ziehen in ihrem Innern, das bei einer Verwandlung zur Wölfin zugegen war. Sie war so voller Adrenalin, dass ihr Körper die Kontrolle übernehmen wollte.
Doch Arafis weigerte sich, der Wandlung nachzugeben und sträubte sich dagegen. Sie wollte jetzt hier, mitten in dieser Menschenmenge, auf keinen Fall zum Tier werden.

Urako und Firxas prügelten sich unterdessen auf dem Boden. Firxas blutete aus der Nase, und bei Urako schien sich bereits ein blaues Auge abzuzeichnen. Plötzlich nahm Arafis eine Bewegung wahr und erkannte angsterfüllt, dass Orobas sich aufrappelte und sich ebenfalls auf Urako stürzen wollte.

Wieder spürte Arafis die Energie durch ihren Leib pulsieren. Entschlossen trat sie einen Schritt vorwärts. Bevor sich der dunkelhaarige Dämon den beiden am Boden ringenden nähern konnte, murmelte die Druidin das magische Wort „kiruda!“, und machte eine heftige, stossende Bewegung in Richtung des Angreifers. Sofort war ein Rauschen zu hören und heftiger Windstoss stiess den Dämonen zurück und liess ihn taumeln. Sein Maul war erstaunt geöffnet und eine Reihe scharfer Zähne war zu erkennen. Dann prallte er an einen Marktstand, und lautes Fluchen des Händlers war zu hören, als die Kohlköpfe und Äpfel über die Strasse rollten.

Orobas funkelte die Albin wütend an, und wollte sich wieder aufrappeln. Arafis griff nach einer Tonschale, die hinter ihrem Rücken auf einem Markttisch stand, und unter dem entrüsteten Rufen des Verkäufers, schleuderte sie sie zielsicher an den Kopf des Dämonen. Doch zu ihrem Erstaunen schien das den Hünen nicht zu beeindrucken. Kurz schien er aus dem Konzept gebracht zu sein, schüttelte dann aber seinen Kopf, so dass die schwarze Mähne um seine zwei Hörner wehte und richtete sich zu seiner vollen Grösse auf. „Ich bring Dich um, Spitzohr! Aber vorher werd ich Dir zeigen, was es heisst, nen Dämonen von sich zu stossen! Und deinen kleinen, rosa Hätschel-Tiefling werden wir grün und blau prügeln, bevor wir ihn im nächsten Brunnen ertränken.“

Als er nun auf sie zustapfte, wich Arafis zurück. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Urako war noch immer mit dem Kumpanen beschäftigt, und die anderen Leute waren zwar teilweise stehen geblieben, beobachteten das Geschehen aber nur aus sicherer Entfernung.

Beim Lager
Während immer mehr Besucher Selan’s Zelt stürmten, lag Fricai friedlich, aber aufmerksam neben dem Eingang und döste mit halb geschlossenen Augen vor sich hin. Nur seine Ohren bewegten sich und verfolgten die aufgeregten Stimmen.
Der schwarze Wolf war nicht gerne ohne Arafis unterwegs, doch da sie ihm befohlen hatte, hier auf sie zu warten, wollte er auf das Lager und auf den grossen Zweibeiner mit den Flügeln Acht geben.

Im nächsten Moment horchte Fricai auf, als er die Stimme eines Fremden vernahm, die nicht sehr vertrauenswürdig wirkte. Eine Weile redete Selan ruhig mit ihm, dann begann der Kunde plötzlich loszuschreien. Der Wolf setzte sich auf und legte den Kopf schief. Sein Nackenfell sträubte sich beim Tonfall, den der Eindringling eingeschlagen hatte. Doch der geflügelte Zweibeiner blieb gelassen und so verharrte das Tier an seinem Platz. Kurz darauf erhoben sich die beiden jedoch, und verliessen das Zelt in die Richtung des Stadtzentrums. Fricai wurde nervös.
Die Pferde standen ruhig im Schatten der Häuser, so dass der Wolf schliesslich seinen Platz ebenfalls verliess, und den beiden Gestalten in einiger Entfernung hinterhertrottete.

Dann bogen die beiden um eine Ecke, und waren aus seinem Sichtfeld verschwunden. Neugierig hielt Fricai die Nase in die Luft und schnüffelte. Er konnte Selan’s Geruch wahrnehmen, doch viel verlockender erschien ihm der Duft nach Fisch und anderen Leckereien.
Der erst zweijährige Rüde war abenteuerlustig und verspielt. Er brauchte Action. So folgte er seiner Nase, die ihn durch einige Gassen direkt zum Marktplatz führte.

Unbeachtet schlich er zwischen den Marktständen hindurch. Die Leute waren zu sehr mit den Einkäufen und dem Gedränge um sie herum beschäftigt, um auf einen schwarzen Köter zu achten. Gerade, als der Fischduft sich verstärkte und der Stand sich einige Meter entfernt aus der Menge abhob, hörte der Wolf ein Klappern, das ihn ablenkte. Er spitze die Lauscher und blickte sich gespannt um. Kurz darauf rannte ein kurzbeiniger Knochenhaufen an ihm vorbei, direkt auf ein Zelt in der Nähe zu. Obwohl das Skelett äusserst verlockend wirkte, erinnerte sich Fricai an die tadelnden Worte von Arafis, als er einmal versucht hatte, Ralogg anzuknabbern. So schüttelte er sich nur kurz, und blickte sich wieder nach dem Fisch um.

Während er auf der Lauer lag, und auf eine passende Gelegenheit wartete, brach in der Nähe plötzlich ein Tumult los. Die Menge versammelte sich um einige Gestalten herum und die ganze Aufmerksamkeit war auf das Gedränge gerichtet. Fricai hatte nur auf so einen Moment gewartet. Mit wenigen Sätzen sprang er vor und rannte dabei fast eine Frau über den Haufen, die erschreckt aufschrie. Ohne sich umzuschauen strebte er zielsicher auf den Fischstand zu, blitzschnell schnappten seine Fänge zu und ergatterten einen fetten Fisch. Bevor jemand auf den Diebstahl reagieren konnte, schlängelte sich der schwarze Räuber auch schon zwischen den Leuten hindurch und hatte bald zufrieden mit seiner Beute das Lager erreicht, wo er stolz auf die Rückkehr der Zweibeiner wartete.
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Selan Todaric
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#4

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 14:08

Selan, der sonst so ruhig und gewuldig ist, kochte vor Wut. Er fletschte seine Zähne, das schwarfe weiße Gebiss kam zum Vorschein, beide Händen ballten sich krafvoll zu einer Faust, jeder Muskel in Selan war angespannt. Doch versuchte er sich wieder zu beruhigen, unüberlegte Handlungen genau hier waren Fehl am Platz. Hier sollte man mit List und Tücke vor gehen.

"Komm wir gehen."

"Was? Aber warum? Hast du nicht das Zeichen von diesem Krautsalat gesehen?", erwiederte Ralogg Fassungslos.

Selan drehte sich um und ging schnellen schrittes Richtung ihrer Gasse. "Doch, das war gleich das erste was ich gesehen habe, komme schon."

"Und du willst nichts machen? Was ist mit Shodyn, vielleicht haben die ihn auf dem Gewissen, sollten wir nicht angerifen?“

Selan blieb stehen und schnaufte. Sein Kopf neigte sich etwa nach vorn, dann zu Ralogg. „Und dann? Der Typ ist mindestens so stark wie ich als Nekromant, zu dem hat er zwei Kampfmagier bei sich, falls du die nicht gesehen hast?!“

„Ähmmm...... schon.“, nörgelte Ralogg.

„Was machen wir gegen die beiden? Ich kann nicht gegen alle drei gleichzeitig antreten, zudem weißt du, habe ich schon vor langer Zeit beschlossen keine Kampfzauber zu lernen. Hier gehen wir etwas anders vor, wart nur ab.“

Keine fünf Minuten später waren beide wieder am Wagen. Sofort begann Selan mit hektischem Treiben in seinem Waagen. Ralogg der außerhalb des Waagens wartete hörte nur wie Kisten hin und her geschoben wurden, geöffnet und geschlossen wurden. Eindeutig war sich Ralogg sicher, suchte Selan etwas.

„Raglogg? Sag mal haben wir noch Schrumpfköpfe?“

Ralogg grinste und simmulierte grübeln, „Bis auf den meinigen.... ähmmmm....“

„Ralogg, bitte, es ist mir Ernst!“, drang eine ernste Stimme aus dem Waagen hervor.

„Schon gut, schon gut, erst abhauen und nun einen auf Miesepeter machen. So weit ich weiß waren noch ein oder zwei in der Kiste für Gebeineüberbleibsel.“

„Hab sie! Danke! Damit würde alles klappen, geh vorn zum Markteingang und nimm das Schild weg, für heute ist geschlossen! Danach komm wieder her und mach das Zelt zu. Ich kümmere mich um den Rest.“

Ralogg klapperte schnell die Straße entlang. Dank seiner neuen Beine, wie er selbst feststellen musste, war er nun wesentlich schneller unterwegs. Obwohl er zugeben musste, dass er seine alten lieb gewordenen Beine etwas vermisste. Er würde später noch einmal auf den Markt gehen und sie sich von dem anderen Kerl wieder holen, als Ersatz wie er beschloss. Vielleicht ist der Kerl auch nicht so stark, da könnte man noch mehr Ersatzteile bekommen. Schnell weg rennen wird er mit den kurzen Beinen, für seinen sonst so großen Körper nicht, musste Ralogg etwas in sich hinein grinsen. Wenige Minuten später war Ralogg wieder am Zelt. Selan hatte bereits seinen Tisch und die Stühle beiseite geräumt und angefangen einen Zauberzirkel auf den Boden zu mahlen. Wieder benutzte er dazu sein magisches lila Pulver.

Ralogg schloss das Zelt, wie es ihm gesagt wurde. Neugierig betrachtete er das Werk Selans, welcher gerade fertig war, sein müstisches Zeichen auf den Boden zu mahlen. "Was machst du da eigentlich, Selan? Ein Großer Doppelkreis mit einem großen Dreieck drum herum, dazwischen ein paar haufen Dreck? Was soll das sein?"

"Dieser haufen Dreck sind Beschwörungssymbole, der Rest ein Zauberzirkel. Jetzt bitte nicht mehr stören Ralogg, dass dauert jetzt ein paar Minuten."

Selan stellte die Karaffe zur Seite und legte den kleinen schrumpligen, keine fünf cm großen Kopf grauen Kopf, mit den schwarzen Haaren inmitten des Zirkels und setzte sich genau vor ihn.
Selan athmete tief durch und sprach:

“Mortuum speculatorem audieritis vocem meam.
Audite me mortuum speculatorem.
Mortuum speculatorem me expectant.
Ut sit in loco.
Et in eodem loco.
Sit mihi quod idem videre.
Dominus oculos auresque dominantur.”
*

30 Minuten lang wiederholte Selan diesen Zauberspruch, immer wieder abgelöst von Pausen, dabei glitten seine Hände in Mystischen Bewegungen immer wieder über den Zauberzirkel und dem Schrumpfkopf. Raum war von dunkelheit erfüllt. Jeder Sonnenstrahl war aus dem Zelt gebannt.
Nur der Zauberzirkel leuchtete in einem dunkel Lila, bis das Licht immer schwächer wurde, die Sonnenstahlen wieder in das Zelt vordrangen und nach wenigen Augenblicken wieder alles normal war. Nur der Schädel, dieser war anders geworden, seine Augen leuchteten schwach in einem dunklen grün.

Selan athmete tief aus. Die Ruhe bei dem Ritual schien in sichtlich beruhigt zu haben. Seine Wut hielt sich wieder in grenzen und seine Gedanken waren wieder klar. Nun war alles bereit.

"Ralogg, geh bitte in den Waagen und hol mir meine alte Umhang."

"Den alten zotteligen braunen Umhang mit der Kapuze? Wen willst du erschreckin? Die Albin oder den süßen Urako. Ich sags dir gleich, lass Urako in Ruhe, sonst....", Ralogg schüttelte die Knochenhand in Selans Richtung.

"Immer ruhig bleiben, die beiden sind in Ruhe auf dem Markt, denen wird es gut gehen, haben damit auch nichts zu tun. Also los, hol mir schon den Umhang."

Ralogg eilte und schnell war der alte Umhang angelegt und die dazugehörige Kapuze tief in das Gesicht gezogen wurden.

"Also wenn du mich fragst, Modisch ein absoluter Skandal! Wenn ich das mit der tollen Kleidung Urakos vergleiche...."

"Ein Gerippe, will mir sagen, was ich anziehen soll.", Selan schaute unter seiner Kapuze Ralogg verschmitzt an, "Du legst es wohl echt noch drauf an, wieder in die Kiste zu wandern, wenn du so frech bist oder?"

Unter den flehenden und bettelnden Gnadenerufen von Ralogg, der nicht schon wieder tot in der Kiste sein möchte, steckte der Tiefling den Schrumpfkopf unter seinen Umhang und verlies das Zelt in Richtung des Marktes.

"Ralogg, pass auf die Pferde, den Waagen und alles auf, ich bin schnell zurück."

"So und jetzt noch etwas die Stimme verstellen.", murmelte der Nekromant zu sich selbst. Selan hustete und krächzte leise vor sich hin, während die ersten Marktstände an ihm vorbei glitten.
Wie er erst jetzt fest stellte, roch es nur so vor Köstlichkeiten. Als er vor weniger als einer Stunde hier war, übersah er dies im Eifer seiner Arbeit komplette. Aber jetzt wurden alle Sinne von ihm belebt. Zu seiner rechten, breiste ein junger Bäckermeister gerade frisches Bort an, was so frisch
war, dass es noch dampfte. Der Geruch war athemberaubend, jedoch nicht so Athemberaubend, wie der Stand nebenan, ein Gemüsestand und Kräuterstand, mit einer rießigen Auswahl an Gewürzen. Ingwar, Salz, Pfeffer, Paprika, Oregano, Basilikum, und noch viel mehr. Die Auswahl überraschte ihn, so gut ist eine Auswahl selten, aber sah er schnell woran es lag. Der Herr, der dies verkaufte war ein Taijik. Selen wusste, dass vor allem die Taijim aus dem fernen Süden dafür berühmt sind ihre Speisen gut zu würzen und ab und an ihre Kräuter zu guten Preisen auf dem Markt zu verkaufen. Selan nahm sich fest vor, ihm später noch einen Besuch ab zu statten und seine Kräuterbestände wieder auf zu füllen. Unter den schnellen Fingern eines kleinen Buben, der vom selben Stand schnell zwei Äpfel stahl, wollte sich Selan so eben entfernen. Doch der Ladenbesitzer war schneller und packte den Jungen am Arm.

"Na wen haben wir denn hier, einen kleinen Dieb! Na warte freundchen jetzt gibts was hinter die Löffel!", sprach der Taijik und holte gerade mit seiner Hand aus.

"He los lassen, alte Kartoffelrübe, lass mich runter."

Selans Arm schnellte nach vorn und umschloss das Handgelenk des Ladenbesitzers, welche gerade zum Schlag ausholte. Der Tiefling blickte immer noch nach unten und sprach zu dem Taijik.

"Lassen sie ihn bitte, er hatte nur Hunger, dass sieht man an seiner zerfetzten Kleidung, er ist bestimmt Weise. Hier haben sie drei Kupferstücke, dass dürfte bei weitem genug sein und hier noch fünf weitere, packen sie dem kleinen bitte noch ein paar andere Früchte für das Geld zusammen. Und du mein kleiner, stehlen ist nicht so gut, dass erzeugt einen üblen Charakter. Ich weiß du hast es schwer, warum gehst du nicht ins Weisenhaus, da ist es meißtens nicht schön, das ist mir bewusst, aber du hättest etwas zu essen und warme Kleidung."

Der Taijik lies den kleinen los und fing an Netz mit Früchten zu füllen. "Das ist großzügig mein Herr, ich packe noch etwas zusammen. Eigentlich hab ich auch nichts gegen den Jungen, aber gestohlen wird nicht!"

Der Junge schaute Selan nur an und stammelte, "Ich, ähmm ich.... ähmmm.... habe keine Eltern mehr.... sie sind bei einem Überfall vor zwei Wochen gestorben.... meine Großeltern sind auch nicht mehr am Leben und mein Onkel hat das Gut meiner Eltern übernommen und mich ausgesetzt....", sprach der Junge tot unglücklich und die Tränen fingen an über sein Gesicht zu laufen. "Ich weiß nicht wo ich hin soll..... was ist ein Weisenhaus...."

"Ein Ort, wo Kinder wohnen die keine Eltern mehr haben. Du bekommst da warmes Essen und etwas Kleidung. Ich muss zu geben, es ist nicht immer schön da, aber du hättest mehr Chancen zu überleben, als hier auf der Straße.", versuchte Selan einfühlsam dem Jungen zu erklären.
Derweil fing der Händler an zu schniefern und einige Tränen liefen ihn über die Augen.

"Das kommt mir irgendwie bekann vor.", sprach er und wischte sich mit der Hand einige Tränen aus dem Gesicht. "Mir erging es so ähnlich. Als ich sechs Jahre alt war, waren meine Eltern und ich gerade in der Nähe der Grenze unterwegs. Sie waren Handelsreisende, wir gerieten mitten in einen Kampf und wurden geplündert. Weil meine Eltern ihre Kostbarkeiten nicht freiwillig gaben, wurden sie von Soldaten des Nordens einfach getötet. Ich sehe jetzt noch in meinen Träumen immer wieder die Bilder wie sie starben. Dies lässt mich schon mein ganzes Leben nicht los...."

Einen Moment schwieg der Taijik und sah sich den Jungen an. "Junge, du sagtest, dass du auf einem Gut mit deinen Eltern arbeitest, stimmt doch? Musstest du da auch mit arbeiten, warst du fleißig?"

Zögerlich schaute der Junge, den schon etwas älteren Taijik an. "Ja. Ich musste eigentlich immer mit arbeiten. Heu machen, früh Kühe melken, mit auf das Feld gehen und solche sachen...
Und fleißig, nun ja ja Vater sagte immer, ich arbeite schon wie ein großer."
, erzählte der Junge und fing dabei stolz an zu lächeln.

"Nun gut, ich mache euch ein Angebot junger Mann. Ich und meine Frau haben ein Gut nicht Weit von hier. Wir haben drei Kinder, zwei angestellte und mehr als viel zu tun. Vor allem dann, wenn ich unterwegs bin und unsere Produkte verkaufe. Einmaliges Angebot von mir! Junge du tuhst mir echt leid, du erinnerst mich an mich in meiner Jugend, ich war genau so allein und wusste nicht wo ich hin gehöre. Wenn du willst kannst du bei uns als Teil unserer Familie mit auf dem Gut leben. Vorraussetzung ist, dass du hart arbeitest. Ein zuätzliches Maul zu stopfen ist nicht leicht, ich erwarte also Einsatz, was hällst du davon?"

Selan lächelte und der junge sprang vor Freude herum. Der Tiefling war beeindruckt, wie viel Herzenswärme in diesem Mann steckte. Waren doch eigentlich Kinder in diesen Finsteren Zeiten eher Last, als etwas schönes. Aber Selan sah ihm an, es war etwas in den Augen des Taijik, was ihm zuversichtlich machte, dass es dem jungen gut gehen sollte.

"Hier haben sie noch ein paar Kupferstücke, als Dank und für den Start des Jungen.", sprach Selan und zog weiter den Markt entlang. Von fernen hörte er noch die beiden neuen Freund reden.

"So mein kleiner, nun iss erst einmal deine Äpfel, dann ran ans Werk, es müssen noch einige Kisten von meinem Laden geholt werden, da kannst du dich gleich nützlich machen.", befahl er freundlich.

"Geht klar!", waren die letzten Worte des kleinen Jungen, bis er ausser Hörereichweite war und die anderen Geräusche des Marktes ihn übertönten.

Nun aber wieder zum eigentlichen Grund meines hierseins dachte sich Selan und langsam konnte er das schwarze Zelt am Ende des Markes erahnen. An einem Stand kurz am Ende des Marktes, hielt Selan kurz an und kaufte sich eine Flasche Feuerathem, ein hochprozentiger Schnaps, der schnell nach einigen Schlucken die hart gesottensten Trinker umhaut. Selan wusste dies auch, aber wollte er ihn gar nicht trinken, kurzes gurgeln sollte den gewünschten Effekt erzielen und so war es auch. Mit einem male war die Stimme des Tieflings wesentlich tiefer und kratziger. Was nun auch zu seinem altertümlichen und humpelten Gang passte, den Selan immitierte. So stand Selan vor dem Zelt des Nekromanten Ibn Altsalat. Die Schlange war gerade zum Glück nicht lang, nur zwei Leute vor ihm. Alle die nicht dran waren, mussten Außerhalb des Zeltes warten. Der verkleidete Tiefling stellte sich auf eine lange Wartezeit ein, aber nach nicht einmal 15 Minuten war er schon dran, so trat er ein in das schwarze Zelt.

Ein großer dunkler Teppich zierte den Boden, auf denen es sich zwei Kampfmagier gemütlich gemacht hatten. Selan rümpfte die Augenbraun, wie man nur solch angeberische Kleidung tragen konnte. Dunkle Kleidung mit blauem magischem Leuchten und dann auch noch dieses Symbol! Selan aber unterdrückte die Wut die in ihm steckte und setzt sich auf den dunklen hölzernen Stuhl, der Gegenüber Ibn Altsalat aufgestellt war und mit Knochen und Schädeln dekoriert war. Der Tiefling schaute sich schnell um. Eindeutig ein Nekromant der üblen Sorte. In einer Ecke lagen Gebeine herum, manche nur halb Verwest, vier große Leuchter mit mehreren Armen, die ebenfalls an einen toten erinnerten. Vor sich vier Schädel auf dem Tisch mit Kerzen auf ihrem Haupt. Selan war angebiedert von so viel Respektlosigkeit der Toten. Selan blickte unter seiner Tiefen kaputze vorsichtig nach oben, sollte doch Ibn keinesfalls sein Gesicht sehen und da war er, breitbeinige, in seinen Stuhl gelümmelt mit einem Gesichtsausdruck voller Arroganz und Argwohn saß er.

"Nun denn, alter Mann, der Tag ist kurz und mein Geldbeutel immer noch Leer, was willst du?", sprach Ibn mit einer mehr als eingebildeten Stimme.

Selan räusperte kurz vor ich her und sprach in möglichst kränklich und krazendem Ton. "Guten Tag der Herr, mein Name ist Odu Mardu und möchte bitte wissen wo meine Frau ist."

"Pfff...", war nur aus Ibn`s Mund zu hören, "Sehe ich aus wie das Rathaus, wenn jemand vermisst ist, dann geh doch dahin und dann verschwinde alterchen!"

"Nein, nein, sie ist tot und habe vergessen wo sie begraben liegt. Leider wurde sie mit einem Schlüssel begraben, den ich brauche, könnt ihr mir nicht sagen wo sie liegt?"

"Das wäre eine Kleinigkeit für einen derart guten Nekromanten wie mich, hast du etwas bei dir was ihr gehört, dass brauche ich, sonst funktioniert er Zauber nicht."

"Brauchen sie denn dazu umbedingt etwas von ihr?"

Ibn Altsalat schnelle aus seinem Stuhl sichtlich erregt hervor. "Sag mal bist du Taub Alterlichen, Senil, verkalkt oder alles zusammen. Habe ich dir doch eben gesagt, bist du schwerhörig?"

"Nein, habe ich nicht, geht es denn nicht auch so?", fragte Selan scheinheilig.

Wütend und plärrend Antwortete Ibn mit dem Fingerzeig nach draußen, "Nein, verdammt noch mal und jetzt raus, ansonsten schmeiß ich dich raus alter Narr! Meine Zeit die ich für dich verplempert habe, bezahlst du mir so gleich. 50 Kupferstücke und kein Stück weniger, verstanden?!"

"50 Kupferstücke, ist das nicht sehr viel?"

"70 Kupferstücke wegen Nerverei, ansonsten setzt es was!"
Nickend gab Ibn Altsalat den zwei Kampfmagiern ein Zeichen. Selan konnte aus den Augenwinkeln sichtlich erkennen, dass die beiden sich aufrichteten und näher kamen.

"Schon gut, schon gut ich gehe und hier habt ihr das Geld."

Schnell, schmiss Selan das Geld auf den Tisch, stand auf und humpelte gebrechlich Richtung Ausgang, jedoch stolperte er absichtlich noch beim Ausgang etwas nach rechts Richtung einer Truhe, die genau hinter der Zetplane stand. Just in diesem Moment warf er schnell den Schrumpfkopf, den er zwischenzeitlich in einen kleinen Beutel verschnürte hinter die Truhe.

"Demolier mir nicht noch meine Einrichtung.", fluchte Ibn dem alten noch hinterher, der sobald in der Menge der Leute verschwand.

>Hat doch besser geklappt als gedacht, der Schrumpfkopfspion wäre plaziert, nun heißt es warten.<
Dachte sich Selan, während er wieder Richtung seines Waagens ging.


╔════════════════════════════════════════════════════════╗
*
Selans Zauberspruch -Toter Spion:

Toter Spion gehorche mir.
Toter Spion höre für mich.
Toter Spion sehe für mich.
Mögest du sein an einem Ort.
Und ich an einem anderen Ort.
Möge gleich sein mit mir was du siehst.
Herr und gebieter über Auge und Ohr.
╚════════════════════════════════════════════════════════╝
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


Kleine Legende:
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#5

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 14:09

Urako konnte kaum noch etwas sehen.
Er hatte mittlerweile derart viele Schläge ins Gesicht kassiert, dass sein Blickfeld flackerte. Immer wieder wurde ihm schwarz vor Augen. Der kahlköpfige Tiefling, der auf ihn eindrosch, war gut einen Kopf größer und hatte entsprechend längere Arme. Und er war in Prügeleien offenbar erfahren genug, um diesen Vorteil voll auszukosten. Urako versuchte mehrmals ihn zu packen, aber Firxas hielt ihn geschickt auf Distanz, indem er ihm tänzelnd auswich. Urako sprang immer wieder nach vorn, der andere wich aus und so bewegten sie sich quer über die Straße, während sie sich unablässig gegenseitig schlugen.

Urako traf den Unterkiefer seines Kontrahenten, gleichzeitig kassierte er einen heftigen Schlag mitten auf den Mund. Er taumelte kurz, doch fing sich gleich wieder. Er war so im Kampfrausch, dass er nur am Rande registrierte, dass sein Speichel sich mit Blut und scharfkantigen Splittern vermengte. Er spuckte aus, ohne darauf zu achten, wohin und kämpfte weiter. Immer öfter strauchelte er.

Wie aus dem Nichts kamen plötzlich lauter Früchte über das Pflaster gerollt. Firxas trat beim Tänzeln genau auf einen Kohlkopf, der unter seinem Fuß fort rollte. Der Tiefling fuchtelte einen Moment mit den Armen, um sein Gleichgewicht wieder zu erlangen. Urako trat ihm beherzt in den Bauch, so dass er rücklings zu Boden stürzte.
„Hah ich dich!“, nuschelte Urako und baute sich breitbeinig über Firxas auf. Der lag da mit schreckgeweiteten Augen. Sein graubraunes Gesicht war ein einziger aufgequollener Klumpen.

Urako stierte in seine Augen und wartete.
Was nun geschah, lag nach den Regeln in Phintias bei dem, der auf dem Boden befindlich war. Setzte er sich zur Wehr, ging der Kampf weiter und ab jetzt durften auch Klauen, Hörner und Zähne eingesetzt werden. Solche Kämpfe endeten meist mit schweren Verletzungen, indem man versuchte, sich gegenseitig die Ohren und die Nase abzubeißen oder die Augen mit den Klauen zu attackieren. Verhielt der Gestürzte sich hingegen still, akzeptierte er seine Niederlage und der Sieger ließ von ihm ab.

Firxas rührte sich nicht einen Millimeter. Blut tropfte von oben auf ihn herab. Urako keuchte mit offenem Mund, während ihm Blut und Speichel vom Kinn tropfte. Er deutete den traditionellen Tritt in die Weichteile seines besiegten Gegners an, um seine Überlegenheit zu betonen, dann trat er zurück und ließ ihn aufstehen. Firxas erhob sich schwankend. Ohne Urako noch einmal anzusehen stolperte er mit eingezogenem Schweif von dannen.

Urako hätte ihn gern ausgelacht und ihm Schmähungen hinterher gerufen, doch ihm war alles andere als zum Lachen zumute. Seine Knie gaben nach, er musste sich setzen und schaffte es gerade noch auf einen herumliegenden Strohballen. Er plumste mit dem Hintern voran hinein und blieb keuchend und zitternd so sitzen.

Jemand erbarmte sich und hielt ihm ein glänzendes Bronzetablett mit einer Tontasse darauf vor die Nase. Auf der geschliffenen Oberfläche des Tabletts spiegelte sich das, was einstmals Urakos Gesicht gewesen war. Die Augen waren wegen der Schwellung seiner Wangenknochen und der Augenbrauenwülste zu schmalen Schlitzen verengt, eins davon konnte er kaum offenhalten. Blut lief aus einer Platzwunde im Augenlid darüber. Auch die Netzhaut schien etwas abbekommen zu haben. Seine Nase war einmal mehr gebrochen worden, sie sah flacher und breiter aus als sonst und blutete wie verrückt. Wahrscheinlich würde sie so bleiben.
Das Schlimmste jedoch war sein Mund – all seine Frontzähne waren bis zur Hälfte abgebrochen. Nur noch Stumpeln waren geblieben. Wenn er zubiss, konnte er trotzdem die Zunge heraus stecken.
„Chöne Cheise“, murmelte er.
Firxas hatte wahrlich einen Volltreffer gelandet. Vielleicht hätte er ihm doch in die Eier treten sollen.
Urako versuchte, mit dem Handrücken das Blut fortzuwischen, dass ihm aus Nase und Mund lief, doch er schmierte es nur breit. Er griff nach der Tasse. Seine Knöchel waren blutig und die Finger zu steifen Würsten geschwollen, so dass er sie nicht krümmen konnte. Wahrscheinlich waren etliche davon gebrochen.
Er gab den Versuch auf, die filigrane Tasse anzuheben und schüttelte nur den Kopf. Mit seinen Zähnen und den aufgeplatzten Lippen konnte er momentan ohnehin nicht trinken.
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#6

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 14:09

Die Albin wusste nicht weiter. Immer mehr wich sie zurück, bis sie gegen eine Häuserwand stiess. Ihr Peiniger kam immer näher und ein siegessicheres Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus und liess die spitzen Zähne aufblitzen.
Panisch blickte sich Arafis um. Einige Leute glotzten sie an, die meisten beobachteten jedoch zwei sich prügelnde Gestalten. Beide sahen sehr mitgenommen aus und überall waren die Pflastersteine mit rotem Blut bespritzt. Erschrocken schnappte die junge Frau nach Luft, als sie erkannte, dass Urako einer der beiden Rangelnden war. Sie konnte es kaum glauben, dass er sich wirklich für sie einsetzte, welche Gründe ihn auch immer dazu getrieben haben mochten.

Um sich Sorgen zu machen, hatte sie jedoch keine Zeit, denn Orobas war nur noch wenige Meter entfernt, und der Fluchtweg war versperrt. Plötzlich nahm sie hinter ihm, neben einem Stand, einen hellbraunen Körper wahr. Ein grosser Hund lang friedlich neben seinem Meister am Boden und beobachtete das Geschehen um sich herum. Vielleicht war dieses Tier ihre einzige Hoffnung.

Trotz ihrer Angst versuchte sich Arafis zu konzentrieren und wollte zu den Gefühlen des Hundes vordringen. Es war nicht einfach, denn viele Individuen scharten sich auf dem Marktplatz. Doch da Tiere eine andere Aura haben als die Zweibeiner, gelang es der Albin doch mit Hilfe ihrer Empathie Fähigkeit, das Tier zu erreichen. Sie blickte den Hund an und schickte ihm ihre ganze Wut und Angst auf den Tiefling zu. Ihre Fäuste waren geballt, und sie knurrte leicht. Einen Moment schien das Tier nicht zu reagieren, und die Albin hatte schon Angst, versagt zu haben. Bitte, bitte, es muss klappen!

Im nächsten Moment sprang der Rüde jedoch auf die Beine und starrte Orobas an. Seine Haltung hatte sich verändert. Seine Nackenhaare waren gesträubt, er fletschte die Zähne und ein Knurren kam über seine Lefzen. Seine freundliche Ruhe von vorhin war Aggression gewichen.

Orobas schien davon nichts mitzubekommen.
„Jetzt hab ich Dich, Spitzohr!“, brummte er zufrieden. Er war nur noch zwei Meter von Arafis entfernt, weiter kam er jedoch auch nicht. Aus den Augenwinkeln sah die Albin, wie der Hund plötzlich wie auf Kommando losstürzte, so als hätte er eine weitere Welle der Wut von der Druidin aufgefangen. Im nächsten Moment schrie Orobas auf, nein er kreischte auf!
Wie von der Tarantel gestochen fuhr er herum und fauchte den Vierbeiner an, der seine Zähne in den Schweif des Tieflings gerammt hatte und nicht so aussah, als würde er im nächsten Augenblick wieder loslassen.
„Brutus, zurück! Komm sofort her!“, hörte Arafis vom Stand her den Besitzer des Tieres rufen. Doch durch Arafis’s Angst und Wut angestachelt machte der ansonsten ruhige Hund keine Anstalten, seinem Herrchen zu gehorchen. Stattdessen zog er immer wieder an dem Schweif und schüttelte sein mächtiges Haupt. Orobas war wie von Sinnen vor Schmerz und schlug mit seinen Klauen nach dem Hund. Die Albin wollte nicht, dass dem Hund etwas geschehen würde. Sie wusste, dass wenn sie selber genug weit entfernt war, ihre Empathiefähigkeit wie ein alter Pelz von dem Hund abfallen und er höchstwahrscheinlich das Weite suchen würde, wenn ihm ein wilder Dämon gegenüberstand.

Also nutzte sie das Chaos und nahm ihre Füsse in die Hände. Geschickt schlängelte sie sich zwischen den Ständen hindurch. Urako und Firxas konnte sie nirgendwo erkennen, auch das Kampfgeschrei war verklungen. Während sie in einer Seitengasse verschwand, konnte sie mitten in dem Getümmel eine Gestalt sitzen sehen. Doch sie war sich nicht sicher, ob es wirklich ihr Reisebegleiter war.

Arafis rannte und rannte. Ihre Wut war gewichen, und nur noch eine dumpfe Angst war zurückgeblieben. Sie fürchtete sich vor dieser Stadt. Vor den dunklen Ecken und Gassen, vor den düsteren Gestalten, die überall herumlungerten. Sie wünschte sich zurück in den Wald, zusammen mit Fricai. All diese Dämonen und anderen zwielichtigen Gestalten sollten ihr bloss fern bleiben.
Irgendwann konnte sie nicht mehr rennen, ausserdem hatte sie keine Ahnung, wo sie sich befand. Sie hatte das Zeitgefühl verloren und sich in den wirren Gassen verirrt.
Sie fühlte sich blossgestellt, wenn sie angestarrt wurde, wenn ihr jemand über den Weg lief. Einmal wurde ihr nachgepfiffen, ein anderes Mal hörte sie Beleidigungen gegenüber dem Albenvolk.

Schliesslich liess sie sich in einer abgeschiedenen Gasse auf die Knie sinken. Verzweiflung machte sich in ihr breit. Sie schloss ihre Augen und versuchte sich zu beruhigen. Das Bild eines weissen Wolfes stieg in ihr auf. Er war es gewesen, der ihr sein Gebiss für immer in den Arm tätowiert und ihr so gezeigt hatte, was ihre tierische Gestalt sein sollte.
Während ihre Gedanken bei dem Tier verweilten, spürte sie ein Ziehen in ihrem Körper. Diesmal wehrte sich die Druidin nicht gegen die Verwandlung, nein, sie wollte sie sogar herbeiführen.
Sie spürte, wie die Kleider an ihrem Leib rissen, als sie in den Körper einer Wölfin gezogen wurde.

Als sie diesmal aufstand, und die Fetzen ihrer Gewänder von sich abschüttelte, erinnerten nur noch ihre sandfarbenen Augen an ihre natürliche Gestalt.
Arafis schüttelte zufrieden ihr weiss-grau-braunes, leicht struppiges Fell.
Sie fühlte sich nun sicherer, auch wenn sie vorsichtig bleiben wollte.
Jetzt musste sie erst einmal den Rückweg zum Lager finden.
Die Nase am Boden und in der Luft, folgte sie ihrer eigenen Spur zurück. Der Geruch war noch relativ frisch und ihre Sinne gestärkt. Es war bereits dunkel geworden. Auf dem Marktplatz waren die Stände geschlossen und nur noch einige Gestalten eilten durch die Nacht.

Der heftige Geruch von Blut liess die Wölfin innehalten.
Entfernt kam er ihr bekannt vor, das musste wohl Urako sein. Eine Weile schnüffelte sie zwischen den Ständen herum, bis sie schliesslich zum Lager zurück wollte.
Gerne hätte sie wieder ihre natürliche Gestalt angenommen, doch ohne Kleidung konnte sie sich unmöglich vor den beiden Tieflingen zeigen.
Vielleicht sollte ich erst gar nicht mehr zurückgehen! Urako reisst mich bestimmt in Stücke, weil er wegen mir eine Tracht Prügel bekommen hat... Andererseits muss ich mich schon bei ihm bedanken, wer weiss, wie es ohne seine Hilfe ausgegangen wäre.

Während sie diesen Gedanken nachhing, stand sie plötzlich vor dem Lager. Eine Laterne flackerte an der Seite des Wagens, ansonsten war es still.
Da hörte sie ein aufgeregtes Winseln und im nächsten Moment sprang ein fröhlicher Fricai um sie herum. Erleichtert drückte sich die Wölfin an ihren schwarzen Begleiter und genoss seine Nähe.
Arafis war müde, den ganzen Tag war sie herumgeirrt, nun war sie ausgelaugt.
Sie machte sich nicht die Mühe, nach den Tieflingen Ausschau zu halten, sie würde die beiden noch früh genug sehen.
Stattdessen trottete sie in die Nähe der Pferde und liess sich dort erschöpft zu Boden sinken. Fricai tat es ihr gleich und so fielen die beiden Wölfe dicht nebeneinander liegend in einen traumlosen Schlaf.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#7

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 14:10

>Das hat ja besser geklappt ales gedacht.<, ging dem Tiefling durch den Kopf, fährend er durch die belebte Marktpassage schlenderte. >Eigentlich ist das Versteck gut gewählt, der Markt ist sowie so noch für zwei weitere Tage angesetzte, ich bezweifle das sich Ibn Altsalat das Geschäft entgehen lassen würde. So muss ich mir denke ich, keine Sorgen machen, dass mein kleiner Spion gefunden wird und wenn, dann weiß er sowie so nicht von wem er ist.<, grinste Selan zufrieden vor sich her, während er langsam wieder einen normalen Gang annahm und auf die körperlich ältere Haltung verzichtete. >Eigentlich ist schon merkwürdig. Was hat der Kerl eigentlich mit dieser geheimnisvollen Nekromantengilde zu tun und vor allem die beiden Kampfmagier..... Das waren die beiden gleichen Kerle, die damals Urako noch in Phintias befehligte. Damals waren sie gegen Ibn. Warum sind sie nun auf seiner Seite. Hat er sie sich angekauft oder steckt da mehr dahinter? Ob Phintias vielleicht mit der Nekromantengilde etwas zu tun hat? Aber das wäre doch gar nicht möglich oder doch? Würde vielleicht auch einige Merkwürdigkeiten die in Phintias vor sich gingen erklären, aber wieso das?<, zermaterte Selan sich den Kopf, bis er mitten in einer Marktpassage mit jemanden zusammen stieß. Leicht erschrocken wurde er aus seiner Gedankenwelt gerissen um gleich noch einmal einen schrecken zu bekommen.

Vor ihm stand ein Tiefling, der gelinde gesagt etwas einstecken musste. Seine Graubraune Haut war übersäht mit Blutergüssen, überall Kratzer und auch einige Bissspuren waren zu erkennen. Kratzer auf den Flügel und am schlimmsten sah sein Gesicht aus. Verquollen, fehlende Zähne, zwei zugeschwollene Augen, Ober- und Unterlippe aufgeplatzt. Alles in allem glich es mehr einer Trümmerlandschaft als einem Gesicht.

"Wa klufzt du fo?", versuchte Selans gegenüber ein Gespräch an zu fangen. Was ihm aber dank der blessuren um den Mund nur sehr schwer viel.

"Verzeihung, was sagten sie?"

Der Tiefling schien sehr viel schlechte Laune in sich zu tragen, nicht umsonst würde er derart Agressiv Antworten und Selan die Faust vor sein Gesicht halten. "I haf gefagt was klufzt du fo?"

"Ach, jetzt hab ich dich verstanden. Man versteht dich etwas schlecht, bist wohl in eine Schlägerei geraten oder?"

"Wa geft dif daf an kfurzer?"

"Na na na!", sprach Selan und erhob den Zeigefinger. Alles in allem tat ihm Selan leid, er hatte bestimmt starke schmerzen. Selan ging das an die Seele, er konnte es nur schwer mit ansehen, wenn Leute krank waren oder leiden mussten. Bei so etwas konnte der Tiefling nur schwer wegsehen. Es war seine innerste Überzeugung, dass man helfen sollte, wo man nur kann. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, die nur zu selten auch von anderen genutzt wurde. Doch wollte er mit gutem Beispiel vorran gehen, einer muss ja anfangen und ein Zeichen der Freundschaft und Hilfe setzen, war sein Motto.

"Ich versuch dir ja nur zu helfen. Von Beruf bin ich eigentlich Nekromant, dazu gehört auch etwas medizinische Ausbildung, wenn du willst schau ich mir mal deine Wunden etwas genauer an, was meinst du?"

"Mhhh und was koft das?"

"Sagen wir 10 Kupferstücke und du bist hinterher so gut wie neu?"

"Mhhh, klingft pfair. Dortf wo if gerod pfin wold koftet 20 Kupferfrücke."

"Na sieh mal an, ein paar nette Worte und schon hilft einem einer weiter, nicht wahr? Na dann komm mal mit, sehen wir mal, was wir für dich tun können. Komm mit, wir gehen zu meinem Wagen.", lud Selan den fremden freundlich ein.

"Ich heiße übrigends Selan Todaric und du? Wie ist das eigentlich passiert?"

"Firfxas heif if. Ach, ärfer mit den Frauen pfie imme! Dumfes Fitzohr – pppfff! Pfollt mif einfaf etfas an fie ran mafen, relatif nett. Dann kam fo ein Kerl dafwischen, nen kleiner häflicher Pfiefling mit weifen Haaren. Zudem fah er auf wie ein rofa Fchweinfchen.", lachte der beschundene Tiefling, während Blut aus seinem Mund spritzte. Sehr zum Leidwesen der anderen Marktbesucher die es am bekamen. Schnell wollten die meißten etwas sagen, doch schreckte der Imposante Kerl ein und murrten nur vor sich hin.

"Mhhhh, so was kommt schon mal vor, aber das ihr euch da gleich prügeln müsst? Sollten nicht Worte das sein, was zwischenmenlich auch das größte Problem löse?"

"Pff, redfen, Pfworte. Geht dof nichtf üfer eine orfentlife Fchlägerei am Mittag. Daf bringt daf Blut in Wallung..."

"....und in deinem Fall auch auf die Straße, wenn ich das bemerken darf! So wie du aussiehst, scheinst du aber nicht der Gewinner gewesen zu sein oder? Vielleicht solltest du dich im Kampf mit Worten üben, ist zumindest weniger Schmerzvoller, wenn man einmal verliert."

"Hach! Dad kleine rofe Vieh haffe ich fon faft am Boden, bif ich hingefal fin. Daf hat der Pferl famlof aufgenuft. Elender Weifkop... Wahhh wie der Aufah, daff der fich nicht Fämt so rum zu laufn...."

"Scheint ja ein übler Typ gewesen zu sein, wenn er so hinterhälltig ist. Sagtest du eigentlich er hatte pinkne Haut mit weißen Haaren?"

"Ja, ne echtf miefef Fwein, im wahrften Finne des Wortef.", lachte der Tiefling schon besser gelaunt, "Ja genau, so sah er aus, kennst du ihn?"

"Nein ich denk nicht. Ich habe einen Schüler der ihm nach der Beschreibung etwas ähnlich sieht, aber der fängt keine Schlägereien an, er ist zwar etwas mürrisch, aber so schätze ich ihn nicht ein. Er kanns also nicht gewesen sein, ich denke sowie so er sitzt schon wieder bei Ralogg im Zelt und macht wieder Albinwitze. Meiner Meinung nach werdet ihr euch bestimmt mögen, ist genau so ein Grobholz wie du."

Etwas misstrauisch schaute der Blutverschmierte Tiefling Selan an, "Mhhh, ach fo achfo, ne, wenn er Albfenwitze macht hat, kann erf ficherlich nicht gepfefen sein.... Wer ift nu wieder Rapflog?"

Selan zeigte mit dem Finger nach vorn in die Gasse in der schon Ralogg stand und Selan zu wank. "Das da vorn ist Ralogg. Siehst du?"

"Wafff??? Daf ift ja ein Gefpenft?", sprach der Tiefling plötzlich vollkommen verängstigt, als er stehen blieb und schon anstalten machte weg zu rennen.

"Nein, kein Gespenst, ein Gerippe. Genauer gesagt, ein Goblingerippe. Nun komm, der tut keinem weh, außer vielleicht deinen Ohren, wenn du keine Albenwitze magst. Das ist das einzig wirklich gefährliche an ihm.", war Selans Versuch ihn auf zu klären.

"Nu ja wenn pfu meinpft?!"

"Was ist das denn für einer Selan?"

"Ein Kunde Ralogg. Hol Geschwind etwas Verbandsmaterial und meinen Medizinkoffer – schnell! Und du großer, Setz dich bitte ins Zelt, dann kümmer ich mich mal um dich."

Geschwind verschwand Ralogg wieder einmal im Wagen und holte wenige Minuten später Verbandsmaterial und eine größere Holztruhe in das Vorzelt, in dem Selan und der Fremde bereits platz genommen hatten. Selan öffnete den Koffer und nahm zuerst eine größer Glasfalsche heraus, dazu ein Tuch.

"Beis die Zähne zusammen, dass brennt jetzt sicher ziemlich. Das ist Wundalkohol zur Desinfektion. Muss leider sein, sonst könnte es sein, dass sich was entzündet, was wiederrum nicht gerade sehr gut für dich wäre."

"Pfeine Forge, ich halt pfo waf auf, bin doch ein echter AUUUUUUUUUUU.", sprach er noch, bevor Selan die ersten Wunden mit dem Alkohol auswusch, unter den schreienden Schmerzen des Tieflings, der sich mit beiden Händen fest an den Stuhllehnen fest hielt.

"Na na, so schmerzvoll ist das nun wieder auch nicht. Bin auch schon fertig."
Schon räumte Selan die Flasche weg und holte einen Mörser und einen Stösel aus seiner Truhe. Etwas Öl aus einer kleinen Flasche füllte er hinein, dazu aus einigen Metallenen Behältern Blätter und Blüten. Zugleich begann Selan damit eine Paste im Mörser mit dem Stösel her zu stellen, in dem er alles mit einander kräftig verrieb.

"Waf machpf du da eifenflich?"

"Mein beschundener Freund, dass wird eine Paste, die du gleich auf die Haut bekommst. Darin sind viele Wirkstoffe zur Wunddesinfektion und zur Heilung. Darauf kommt dann noch ein Verband, den du die nächsten zwei Trage tragen wirst, danach sind die Wunden geschlossen. Wichtig wäre, dass du die Wunden danach nicht mit etwas bedeckst. Die Wirkstoffe ziehen in deine Haut und werden da nach und nach für die Wundheilung auf gebraucht. Ein Tuch würde sie wieder heraus ziehen. Verstehst du? Hingegen deine Zähne, da müsste ich erst einmal in meinen Büchern nach schlagen, wenn du etwas Zeit hast, dann komm morgen noch einmal vorbei."

"Pflar gern und ja ferpfeh ich, bin doch nicht pflöd."

Fast eine halbe Stunde dauerte die Prozedur, bis der Tiefling auf allen Wunden die Paste hatte und bandagiert war, aber es lohnte sich, die Schmerzlindernden Stoffe taten ihre Arbeit und der Tiefling war sichtlich erfreut.

"Hey daf ist ja pfuper! Tut gar nift mehr weh, wenn ich da den anderen Quackfalber pfo anfehe, daf tut nach Tagen noch weh. Hier ifft dein Geld, hapft du dir verdient."

Selan hielt die Hand auf und 20 Kupferstücke vielen in seine Hand.

"Das sind aber zehn Kupferstücke zu viel."

"Wenn pfer Kurpfufcher fon 20 Kupferfücke nimmt, für eine fechte Befandlung, hafft du 20 Kupferfücke fon lange ferdient, alfo nimm fie."

Selan freute sich, ein lächeln machte sich in seinem Gesicht breit. Wieder einmal war bewiesen, seih freundlich zu den Leuten und sie sind freundlich zu dir.
"Vielen Dank, der Arzt freut sich. Eigentlich bist du ja ganz nett, willst du vielleicht noch etwas mit zu Abend essen, es ist schön spät geworden.", ein kleiner Schatten wurde auf der Zeltwand immer größer. Selan merkte sofort am Abdruck, dass es Urako sein musste, "Wie ich sehe kommt gerade mein Lehrling zurück, dann können wir ja schon anfangen essen zu machen, bist du einverstanden?"

Der verarztete Tiefling nickte zufrieden.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#8

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 14:10

Nach einer gefühlten Ewigkeit war es Urako gelungen, zurück zum Wagen zu taumeln.

Vergebens hatte er auf dem Strohballen sitzend gewartet, dass ihm jemand zu Hilfe kam, aber Pustekuchen. Weder Selan noch Ralogg hatten sich dazu erbarmt, mal nach ihm zu sehen, dabei wusste das feige Gerippe doch genau, wo er sich befand! Und die Albin war einfach fortgerannt, undankbar, wie Alben nun mal waren. Zu allem Überfluss hatte er sich auf dem Heimweg auch noch verirrt.

Nach endlosem Taumeln, hinfalllen, wieder aufrappeln und weiter taumeln stand er nun hier, vor dem Zelt seines Meisters – und der Eingang war verschlossen. Es schien ihm wie einschlechter Scherz und als ob das Leben selbst mit dem Finger auf ihn wies und ihn auslachte.

Eine getrocknete Rosenblüte war in Augenhöhe durch die Lasche am Zelteingang gesteckt und prangte nun dort – als Zeichen, dass Selan gerade einen Kunden bediente und nicht gestört werden wollte. Während Urako blutüberströmt war und sich kaum auf den Beinen halten konnte.

„Arch leckn“, knurrte er, schlug die Zeltbahn zur Seite und trat ein. Vor Empörung blieb ihm der Mund offen stehen. Was er da sah, war der Gipfel allen Spottes, der jemals auf ihn eingeprasselt war.
War das denn die Möglichkeit?

„Chuft!“, rief er empört und richtete den Zeigefinger auf Selan, der sich gerade führsorglich um den ramponierten Firxas kümmerte. Der lag entspannt in einem Liegestuhl, die Beine in eine warme Decke gewickelt und die Füße bequem hochgelegt. Sein Gesicht war mit einer duftenden Paste eingepinselt, zwei Gurkenscheiben auf die Augen gelegt und im Hintergrund köchelte das Abendbrot. Der Duft von Räucherstäbchen erfüllte die Luft, während Ralogg leise auf einer Laute klimperte.

„Du hilhst diesen Sack?! Hährend ich hier chdehn nuss und noch nichd nal einen Sidshlatz angehoden hekonne?“

Firxas lüpfte eine Gurkenscheibe.

„Du bift tfu laut!“, tadelte er. „Ich verpfuche miff gerade tfu entpfannen! Tfelan fagt, daff würde mir gut pfun und gegen dfie Aggrepfionen helpfen!“

„Hern ersd nal redn!“, fauchte Urako. Dann merkte er, dass er sich mit diesem Ausspruch gerade blamiert hatte. Ohne Frontzähne wetterte es sich einfach nur beschissen.

„Irgendhas is Arahis hassierd...“, sagte er dann und hob die zerissenen Kleider an, die er die ganze Zeit bei sich getragen hatte. „Ich glauhe, Orohas had sie doch noch erwichd... hährend ihr heiden euch hier hergnügd.“
Er warf die Sachen vor Selan auf den Teppich und ging nach draußen. Er nahm seinen Rucksack, zog seine warme Jacke an und stieg auf das Dach des Wagens, wo er sich in seine Kuscheldecke einrollte und finster vor sich hin brütete.

Die Nacht senkte sich auf Shizu hinab. Urako lag hellwach und konnte nicht schlafen. Da erweckte ein Fiepen und Miepen seine Aufmerksamkeit. Das hörte sich doch an wie ein Hund? Urako stemmte sich auf seine Unterarme und spitzelte über den Rand des Waagens. Tatsächlich, Arafis` großer Hund hatte eine ebenso große Hündin aufgegabelt und jetzt balzten sie.

Gar nicht schlecht , dachte Urako.Wenn sie sich vermehren, können wir die Welpen verkaufen.
Er beschloss, es Selan zu sagen, sprang von dem Wagen und trat ins Zelt.

"Selan."
Ah, das Sprechen ging wieder etwas besser. Seine Aussprache war zwar immer noch undeutlich, aber besser als vorher. Firxas war inzwischen gegangen, also ließ Urako sich demonstrativ in dessen Stuhl fallen um zu zeigen, dass er nun auch betüdelt werden wollte.
"Aus dem Hund sind zwei geworden. Und noch was. Willst du Arafis suchen", fragte er. "Nicht, dass mir was an ihr liegen würde - pah, von mir aus kann sie unbekleidet in der Gosse liegen und erfrieren - aber du bist doch hier der gute Onkel. Vielleicht hat Orobas sie ans nächste Freudenhaus verkauft. Du könntest mir mein Taschengeld auszahlen und ich geh mal nachsehen."
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warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#9

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 14:10

Arafis hatte geschlafen und sprang erschrocken auf, als sie einen dumpfen Klang hörte. Durch die gestrigen Ereignisse war sie noch vorsichtiger als sonst, und jedes unbekannte Geräusch brachte sie in eine defensive Position.
In einiger Entfernung sah sie eine Person vor dem Wagen, die kurz darauf ins Zelt hinein trat. Urako? Obwohl es dunkel war, meinte die Wölfin, die Gestalt erkannt zu haben.
Neugierig und auf leisen Pfoten schlich sie sich näher an den Eingang heran und lauschte gespannt.

"Aus dem Hund sind zwei geworden. Und noch was. Willst du Arafis suchen", hörte sie die Stimme von Urako. "Nicht, dass mir was an ihr liegen würde - pah, von mir aus kann sie unbekleidet in der Gosse liegen und erfrieren - aber du bist doch hier der gute Onkel. Vielleicht hat Orobas sie ans nächste Freudenhaus verkauft.“
Etwas bestürzt erkannte Arafis, dass Urako sie wohl gesehen hatte. Ich war nicht vorsichtig gewesen! Doch immerhin hält er mich für einen Hund… er konnte wohl nicht mal einen Wolf von einem gewöhnlichen Strassentier unterscheiden.
Was sie jedoch noch mehr überraschte war, dass Urako sie suchen wollte. Obwohl seine Worte verdeutlichen sollten, dass er kein Interesse daran hatte, sie zu finden, zeigte seine Geste doch Sorge. Zumindest wollte die Albin gerne daran glauben.

Sie hoffte, dass Selan und Ralogg mitgehen würden, dann könnte sie sich in den Wagen stehlen und immerhin vorübergehend irgendein langes Gewand von Selan ausleihen, bevor sie auf dem Markt neue Kleidung kaufen könnte.

Verwundert bemerkte sie, dass der kleine Tiefling eine sehr seltsame Aussprache hatte. Ob er sich vielleicht die Zunge an Selan’s Suppe oder Tee verbrannt hatte?

Plötzlich öffnete sich der Zelteingang und Urako trat mit seinem Rucksack auf dem Rücken heraus. Arafis starrte ihn an und war nicht in der Lage, sich abzuwenden. Sein Anblick war schrecklich! Überall blaue und violette Flecken. Doch das schlimmste war sein Mund.
„Du könntest mir mein Taschengeld auszahlen und ich geh mal nachsehen.", sagte er zu Selan. Dabei zeigten sich seine Zähne, oder das, was davon übrig war. Die Albin gab ein mitleidiges Winseln von sich.

Gerade als sie daran dachte, Urako wohl besser aus dem Weg zu gehen, hörte sie aus einer Gasse heraus laute Stimmen und Schritte, die schnell näher kamen.
Eine mürrische Menge von etwa zehn Leuten näherte sich dem Zelt.
Es waren sowohl Tieflinge, als auch Menschen darunter, und Arafis erkannte die zwei Händler vom Markt wieder. Der eine hatte Tontöpfe verkauft, dem anderen gehörte der Gemüsestand.

Da ist er! Ich habe gesehen, wie er auf den werten Herrn Firxas eingeprügelt hat, so dass das Blut nur noch spritzte!“„Jawohl, und Meister Orobas hat er einen Kinnhaken verpasst, obwohl er nur freundlich dem Albenweib den Weg weisen wollte!“
„Wo ist die Baumkuschlerin, Eindringling?! Sie hat einen meiner Tontöpfe zerstört und als Waffe benutzt! Ich will Schadenersatz!“,hörte Arafis die zornige Stimme des einen Händlers.
„Ja, und was soll ich denn sagen? Mein ganzes Gemüse ist auf der Strasse gelandet wegen dieser Prügelei. Wer soll mir das bezahlen? Wir verlangen eine Entschädigung oder sie sollen an den Pranger!“
Die wütende Menge kam immer näher. Die Tieflinge zeigten bedrohlich ihre spitzen Zähne, und zwischen den Menschen erkannte Arafis sogar eine Heugabel und eine Bratpfanne, mit der tobend herumgefuchtelt wurde.

Die Wölfin schaute etwas ängstlich zu Urako hinauf. So wie er aussah, wäre ein zweiter Kampf wohl nicht so eine gute Idee. Sie näherte sich ihm etwas und blickte dann stur dem Pöbel entgegen.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#10

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 14:13

Der Duft gebratener Zwiebeln, war gerade vergangen, als schöne frisch sehr klein geschnittene Tomaten, Tomatenpase, Basilikum, Oregano, etwas Wasser und ein paar kein geschnittene Kartoffeln in den Topf vielen. Selan schwung den Kochlöffel und musste sofort probiereren. "Mhhh, ja noch etwas Salz und Pfeffer, dann hätten wirs. Ich denke die Suppe wird euch heute Abend kräftig munden."

"Für mif bife fiel, haf groffen Funger, nach der Fägerei. Üfrigendf nof ma fiefen Dank füf diefen Ferffice hier. Meine Augen tun auf kaum nof weh, die Gurfenfcheiben waren eine effellente Idee. Muff ich mir fr die näfte Fägerei umbedingt merken."

Selan schaute leicht argwönisch über die Schulter. "Wolltest du die Schlägerein nicht sein lassen und mehr auf diplomatischem Wege alles lösen?"

"Mhhh ja fon afer...."

„Du hilhst diesen Sack?! Hährend ich hier chdehn nuss und noch nichd nal einen Sidshlatz angehoden hekonne?“, hallte es plötzlich durch das Zelt. Selan hatte sich nicht geirrt, sein Freund war zurück – jedoch schlecht gelaunt, wie man unschwer an seiner gekrümmten Körperhaltung und seiner agressiven ussprache bemerkte.

"Hallo Urako wie gehts dir?", wunk Selan ihm freundlich zu, bis er aber Urako etwas näher ansah, "Was ist denn mit dir passiert? Siehst ja aus als wärst du unter die Pferde gekommen! Merkwürdig, damit wärst du heute schon der zweite der dermaßen ramponiert ist. Und warum sollte ich ihm nicht helfen?", kratze sich dabei Selan am Kopf und grübelte.

"Du bift tfu laut!“, tadelte der wohlig eingewickelte verbundene Tiefling. „Ich verpfuche miff gerade tfu entpfannen! Tfelan fagt, daff würde mir gut pfun und gegen dfie Aggrepfionen helpfen!“

„Hern ersd nal redn!“, fauchte Urako. Dann bemerkte er erst, dass er sich mit diesem Ausspruch gerade blamiert hatte. Ohne Frontzähne wetterte es sich einfach nur beschissen. Selan indessen strich sich immer noch über sein Kinn und grübelte nach. >Was hat er denn blos, die beiden haben sich doch noch nie gesehen, warum ist Urako so wütend. Wenn er unter die Räder eines Wagens kommt, was kann der nette Herr hier dafür? Oder war es etwas sein Wagen und Pferd was ihn überrollt hat? Woher sollte er sonst diese extremen Wunden haben?< Selan lief mittlerweile im Zelt auf und ab. So richtig wollte alles keinen Sinn ergeben, was aber auch daran liegen konnte, dass beide nur sehr schwer zu verstehen war.

„Irgendhas is Arahis hassierd...“, riss den Nekromaten wieder aus seinen Gedankenspirale. Urako stand da und hob die zerissenen Kleider an, die er die ganze Zeit bei sich getragen hatte. „Ich glauhe, Orohas had sie doch noch erwichd... hährend ihr heiden euch hier hergnügd.“ Er warf die Sachen vor Selan auf den Teppich und ging nach draußen.

Die zerrissenen Sachen von Arafis lagen auf dem Boden vor Selan, dieser wiederrum schaute sich alles sehr besorgt an. "Orohas, wer ist das nun wieder? Kennst du den Firxas? Kannst du mir helfen?"

"Orofaf? Orofaf? Auhhh! Nein, der Name fagt mi nift.", sprach der Tiefling, während er sich gerade bei der über dem Feuer köchelden Tomatensuppe kräftig bediente.

"If will dir auf nift weiter fu Laft fallen. Danke fr die Gute Befandlung und Befirtung, hier haft du nof mal fehn Kupferfrücke, fo etwaf muff belohnt werde. Machf gut...", sprach der Tiefling und verschwand aus dem Zelt, ohne das Selan noch ein Wort sagen konnte.

"Pff, Orofaf, kfeiner Ganopfe und left mir wieder nift übrig, na warte....", hörte Selan noch flüsternd leise vor dem Zelt. Doch wusste er nicht ob er sich verhört hatte oder ob dies Firxas wirklich sagte. Der Tiefling rannte an den Eingang vom Zelt, wollte Firxas noch einmal zur Rede stellen, doch weit und breit niemand zu sehen. Nur eine ruhige vom zunehmenden Vollmond beleuchtete Straße und ein leerer Markt waren in sein Blickfeld getreten. So konnte er nur ins Zelt gehen und überlegen wie er Arafis helfen konnte. Selan grübelte lange und überlegte, auch Ralogg wusste keine Antwort, nicht einmal einen Anhaltspunkt hatte er. Während er etwas Suppe aus einer hölzernen Schale mit etwas Brot aß, platzte plötzlich Urako ins Zelt herein. Erschrocken verschluckte sich Selan gleich an einem Stück Brot, er klopfte sich mit der Faust auf die Brust und hustete stark, bis er wieder etwas Luft schnappen konnte.

"Aus dem Hund sind zwei geworden. Und noch was. Willst du Arafis suchen"

Selan hustete, "Natürlich, was denkst du denn. Nur hab ich gerade keine Ahnung wo ich überhaupt anfangen sollte zu suchen?"

"Nicht, dass mir was an ihr liegen würde - pah, von mir aus kann sie unbekleidet in der Gosse liegen und erfrieren - aber du bist doch hier der gute Onkel. Vielleicht hat Orobas sie ans nächste Freudenhaus verkauft. Du könntest mir mein Taschengeld auszahlen und ich geh mal nachsehen."

"Was so etwas würde der Kerl machen?", Selan sprang vom Stuhl auf und schlug mit der Faust auf dem Tisch, "So ein elender Schuft! Urako! Hier hast du 20 Kupferstücke, klappere die Freudenhäuser der Stadt ab, versuch Arafis zu finden! Ich bin echt froh, dass du dich so für sie einsetzt Freund! Wenn du sie hast, komm wieder her, dann befreien wir sie. Keine eigenen Aktionen starten, dazu scheinst du nicht in der Verfassung zu sein. Tut mir leid freund, ich würde dir gern helfen und dich verarzten, jedoch ist Arafis finden erst einmal wichtiger. Du bekommst dann mein medizinisches können zu spühren.", sprach Selan sehr ernst. Sorgenfalten machten sich auf seiner Stirn breit, seine Hände zitterten etwas. Der Tiefling kam auf Urako zu und klopfte ihn freundschaftlich auf die Schulter. "Urako, du bist und bleibst ein guter Kerl, auch wenn du dich verstellst! Komm wir gehen. Ralogg, du bleibst hier und passt auf alles auf."

Kaum waren Selan und Urako aus dem Zeltgetreten, erhellte die Nacht Fackelschein, der durch die Gasse näher kam.

"Da ist er! Ich habe gesehen, wie er auf den werten Herrn Firxas eingeprügelt hat, so dass das Blut nur noch spritzte!“, sprach ein Mann aus der ersten reihe und zeigte auf Urako.

„Jawohl, und Meister Orobas hat er einen Kinnhaken verpasst, obwohl er nur freundlich dem Albenweib den Weg weisen wollte!“, brüllte ein Kerl von der Seite und wedelte Bedrohlich mit der Mistgabel.

Gleich neben ihm, die nächste wütende Person, die ein beachtliches Schlagholz in der Hand hielt und sich damit immer wieder sanft in die andere Handfläche schlug. „Wo ist die Baumkuschlerin, Eindringling?! Sie hat einen meiner Tontöpfe zerstört und als Waffe benutzt! Ich will Schadenersatz!“

„Ja, und was soll ich denn sagen? Mein ganzes Gemüse ist auf der Strasse gelandet wegen dieser Prügelei. Wer soll mir das bezahlen? Wir verlangen eine Entschädigung oder sie sollen an den Pranger!“
Die wütende Menge kam immer näher.

"Los, nehmt ihn gefangen!"

Selan streckte seine Hand quer nach rechts aus und versperrte somit den Leuten den Zugriff auf Urako.

"Werte Bürger, welches Anliegen habt ihr, was ist los?", versuchte Selan mit besänftigenden Worten den Mob zu beruhigen.

"Anliegen, wohl eher um ein Ableben gehts hier und zwar für den Kerl da hinter dir, geh zur Seite!", scherze ein kräftiger Kerl in der ersten Reihe.

"Werte Freunde, wollen wir nicht einmal reden, um was geht es denn hier. Das können wir doch sicherlich friedlich klären oder?"

"Er hat Firxas und Orobas verprügelt! Auspeitschen soll man den Randale!"

"Warum nicht gleich hängen?", krähte eine großmütterliche Stimme von ganz hinten nach vorn.

"Liebe Leute, dass kann nicht sein, hier hat sich niemand geprügelt, außer Firxas. Dieser hingegen mit jemanden ganz anders, ihn müsst ihr verwechseln?"

"Willst du uns verarschen, schau ihn dir doch an! Läuft der so immer rum oder war er in eine Schlägerei verwickelt Klugscheißer?", brüllte der Salatmann und fuchtelte dabei mit der Mistgabel vor Selans Gesicht herum.

Dieser wiederrum lächelte nur und packte einen Zinken zwischen Daumen und Zeigefinger und drückte die Gabel links zur Seite. "Mein Schüler hier wurde beinahe von einem Pferdewagen überrollt, sieht man doch! Firxas kann sich also mit ihm nicht geprügelt haben, der Kerl war Moment, ich erinnere mich... Er war rose Hautfarben meinte Firxas vorhin, von kleiner Statur und mit weißen Haaren und....", plötzlich dämmerte es Selan mittem im Sprechen. Falsch verstanden hatte er die beiden vorhin – kommt wohl von der guten Aussprache der beiden. Somit war Urako doch der Kerl mit dem sich Firxas prügelte.

"Ja genau, die Beschreibung stimmt Tiefling und nun rate mal wer genau so aussieht – mhhh?"

Der Tiefling lächelte etwas verlegen und versuchte schnell eine Lösung zu finden. "Das ist jetzt aber komisch, da haben wir uns ja vorhin komplett falsch verstanden."

"Na was für ein Zufall...", murmelte der Derb dahin blickende Gemüseverkäufer, "Und nun rück ihn raus, sonst setzt es was."

Selans Augenbraun schnellten nach oben, schnell blinzelte er zu Urako, "Ist das eigentlich Absicht, dass wo wir sind dir ständig ein Mob auflauert, eine Art Scherz oder Hobby von dir? Liebe Leute, was ist denn für Schaden entstanden, das lässt sich sicher beheben mit ein wenig Geld oder?"

"Das ist doch das mindeste!"

"Also, da wären acht Kohlköpfe, 27 paar Tomaten, eine Kiste Kartoffeln die mir die Mäuse auch noch geklaut haben. Dann wären noch vier Rettiche, acht Knoblauzehen, 13 Bund Mangold und zu allem Überfluss 40 Radieschen! Macht zusammen eine Stolze Summe von 220 Kupferstücke.", zählte der Gemüseverkäufer Finger für Finger auf. Selan klappte etwas der Mund herunter.
"Also, 220 Kupferstücke...."

"Wart mal Tiefling, dazu kommen noch die Kosten für die zerstörten Tonwaren. Das wären fünf Amphoren, ein großer Krug und sieben tönerne Nachttöpfe! Macht alles zusammen 174 Kupferstücke!"

"Ja und meinen Mist hat er auch ruhiniert?", krähte es von einem alten Mann rechts.

"Mist?", schallte es von mehreren Leuten plötzlich heraus.

"Ja der Tiefling hat sich auf eine Ladung Heu gesetzt und alle mit Blut verschmirt. An wen soll ich so was verkaufen, dass frisst doch kein Tier mehr, sollen die sich vergiften?"

Selan griff sich derweil an den Kopf, "Wie viel?"

"Zwei Kupferstücke und keines weniger oder mehr! Nein Warte, mehr geht doch!"

Selan athmete tief durch. So langsam begann in ihm wieder der Gedanke auf zu kommen, dass es keine gute Idee war Urako als Lehrling auf zu nehmen. Warum das alles nur? Keine zwei Wochen in der Lehre und er hat noch keinen Kupferling verdient, doch Ausgaben von 396 Kupferstücke vollbracht. Dabei ist seine Verfressenheit noch nicht mit eingerechnet. Wenn das so weitergehen würde, wäre Selan bald pleite.

"Bevor wir hier irgend etwas bezahlen, was ist eigentlich richtig geschehen?"

"Haben wir doch gesagt, der Kerl hat Farxis und Orobas zusammen geschlagen als sie mit einer Baumkuschlerin, so ner Albin reden wollte. Komplett Brutal ist der Kerl!"

"Quatsch, schallte es plötzlich aus dem Zelt heraus. Die beiden haben sich an Arafis vergangen, ihr lügt. Urako hat sie heldenhaft verteidigt!"

Selan sah zu Urako, er konnte in seinem Gesicht sehen, dass Ralogg ihn nicht nur verteidigen wollte, sogut konnte er Urako wenigstens schon einschätzen. Der Tiefling schnaufte tief durch. "Ich bin froh das du die Schlägerei nicht so angefangen hast, sondern Arafis verteidigt hast. Gut wütender Mob, ich werde für seine Schäden aufkommen."

"Das ist ja auch das mindeste, aber Strafe hat er trotzdem verdient. Auspeitschen soll man den Schläger!"

"Ich denke das ist nicht notwendig, die Schuld wird beglichen. Zumal waren die anderen beiden, die die angefangen haben und die Baumku... ALBIN belästigt haben.", korregierte sich Selan schnell.

"Nichts da wir wollen Blut sehen!"

"Hört auf, wenn dann kommt er vor ein Gericht! Ein Lynchmob würde mehr Schuld auf sich nehmen, als bei einer harmlosen Schlägerei!", doch Selans Worte prallten ab. Die Leute waren rasend vor Wut! Erst jetzt erblickte Selan einen Schatten in gut 30 m Entfernung. >Ibn?<
Selan war klar, das hier etwas nicht stimmen konnte. Nur wegen einer Schlägerei, wären die Leute hier nicht so wütend. So etwas gehört zum Alltag in so einer Zeit wie jetzt, wie der Tag auf die Nacht folgte. Selan breitete die Arme nach links und rechs aus, nur knapp 20 cm neben seinen Körper und begann leise vor sich her zu murmeln.

"Mortuus exaudivit me.
Ego opus opem.
Rogo fœtor.
Arcerent hostem.
Fiat mihi fugite.
Quod in imo hostium.
Distentio et foetore plenum eget immortuorum spíritus. *1


Mortuus exaudivit me.
Mihi opus est opera tua.
Clama, territent.
timore adducti.
causali terrorem.
Ossi et medullae, illuc.
Clamor geschen defunctorum. *2”


Es wurde dunkel um Selan, sein Kopf neigte sich nach unten, seine Arme hob er langsam seitlich am Körper nach oben. Wie dunkler Nebel kroch er von hinten um Selan hervor nach vorn und begann alles um herum ein zu nehmen. Ein Wundhauch lies alle Fackeln und lichter ausgehen. Alle Leute begannen plötzlich zu murmeln, Unruhe machte sich breit. Der Mob der gerade noch voller Aggression war, wich plötzlich zurück, sie fassten sich an die Nase, sie übergaben sich mitten auf dem Weg. Ein Gestank machte sich breit, der unbeschreiblich war, fäulis, Tod, Verwesung, näher konnte man es nicht beschreiben. Die Tränen liefen den Leuten über das Gesicht, sie sanken zu Boden. Manche schafften es weg zu laufen, andere lagen nur noch auf dem Boden und brachen sich die Seele aus dem Leib. Arfis Wolf jaulte auf und just in diesem Moment durchdrang ein Schrei die Gasse, welche einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Er war schrill, schmerzvoll, unheimlich, die Angst der Leute spiegelte sich in ihren schnee weißen Gesichtern wieder. Blankes Entsetzen machte sich in ihnen breit. Die wenigen übrig gebliebenen sahen Selan nur mit großen Augen an.

“Ihre werdet euch an nichts erinnern, Verschwindet!”, sprach Selan, bevor der einst große Mob schreiend in der Dunkelheit der Stadt verschwand.

╔════════════════════════════════════════════════════════╗
*1
Selans Zauberspruch -Totengestank:

Tote erhöret mich
Eure Hilfe benötige ich
Euren Gestank erbitte ich
Halte die Gegner
Lasset mich fliehen
Am Boden liegen die Gegner
Voller Krampf und Gestankchemie

*2
Selans Zauberspruch – Schrei der Toten:

Tote erhöret mich.
Eure Hilfe benötige ich.
Euren Schrei verängstige sie.
Verursache Furcht.
Verursache Schrecken.
In Bein und Mark, sie es gehn.
Der Schrei der Toten soll geschen.
╚════════════════════════════════════════════════════════╝
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


Kleine Legende:
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