Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu


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Einige Bewohner Asamuras kommen ursprĂŒnglich aus Caltharnae, das in Asche versank. Ihr Leben vor der Überfahrt auf den neuen Kontinent wurde hier verewigt.
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Urako
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#11

Beitragvon Urako » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:13

"Urako, du bist und bleibst ein guter Kerl, auch wenn du dich verstellst!

Ein sardonisches Grinsen spaltete Urakos Gesicht in zwei HĂ€lften, als Selan ihm das Geld aushĂ€ndigte. „Tja, ich kann eben auch nett sein“, sprach er undließ das Geld in seine Hosentasche gleiten. In Gedanken war er schon im Inneren der FreudenhĂ€user, wo ihn exotische Schönheiten verwöhnten.

„Komm wir gehen“, befahl Selan und ging in Richtung des Zelteinganges. „Ralogg, du bleibst hier und passt auf alles auf."

„Richtig, keine Zeit zu verlieren. Ich werde umgehend mit den Nachforschungen beginnen und dabei sehr grĂŒndlich und gewissenhaft vorgehen! Ich werde kein -“
Er stieß gegen Selans breiten RĂŒcken. Der Schmerz schoss von seinem ramponierten Gesicht durch sein gesamtes RĂŒckenmark. „Auuuu“, jaulte er und hielt sich die HĂ€nde vor die Nase. „Musst du so plötzlich stehenbleiben!“

„Da ist er!“, keifte eine fremde Stimme. „Ich habe gesehen, wie er auf den werten Herrn Firxas eingeprĂŒgelt hat, so dass das Blut nur noch spritzte!“ Urako lugte vorsichtig hinter seinem Lehrmeister hervor. Sein Unterkiefer sackte nach unten. „Jawohl“, lamentierte eine zweite Stimme. „Und Meister Orobas hat er einen Kinnhaken verpasst, obwohl er nur freundlich dem Albenweib den Weg weisen wollte!“

Ein Mob hatte sich vor Selans liebevoll dekoriertem Zelt versammelt. Urako sah Heugabeln, die in die Luft gestoßen wurden, Fackeln und sogar eine Bratpfanne. „Wo ist die Baumkuschlerin, Eindringling?! Sie hat einen meiner Tontöpfe zerstört und als Waffe benutzt! Ich will Schadenersatz!“

„Da mĂŒsst ihr euren geschĂ€tzten Orobas fragen, der hat ihr die Kleider vom Leibe gerissen und sie verschleppt“, brĂŒllte Urako hinter Selan hervor und schĂŒttelte zornig die Faust. Doch ihm war alles andere als zum KĂ€mpfen zumute. Ihm war immer noch hundeelend und er außerdem wollte er sich vom fachkundigen Personal der FreudenhĂ€user trösten lassen.

„Ja, und was soll ich denn sagen? Mein ganzes GemĂŒse ist auf der Strasse gelandet wegen dieser PrĂŒgelei. Wer soll mir das bezahlen? Wir verlangen eine EntschĂ€digung oder sie sollen an den Pranger!“

Die Wölfin schaute etwas Àngstlich zu Urako hinauf. So wie er aussah, wÀre ein zweiter Kampf wohl nicht so eine gute Idee. Sie nÀherte sich ihm etwas und blickte dann stur dem Pöbel entgegen.

„Du bist ein gutes Tier“, murmelte Urako, obwohl er Tiere eigentlich nicht leiden konnte. Aber dieser Hund hier schien ihm beistehen zu wollen. Außerdem mochte er HĂŒndinnen sowieso mehr als RĂŒden. Er ĂŒberwand sich und strich ihr kurz ĂŒber den Kopf, um sie zu loben. Vielleicht ließ sie sich ja dazu abrichten, auf Kommando Leute zu zerfleischen.

"Los, nehmt ihn gefangen!"

Selan streckte seine Hand quer nach rechts aus und versperrte somit den Leuten den Zugriff auf Urako.
"Werte BĂŒrger, welches Anliegen habt ihr, was ist los?", versuchte er mit besĂ€nftigenden Worten den Mob zu beruhigen.

Urako nutzte die Gelegenheit, um zurĂŒck ins Zelt zu huschen. Auf der RĂŒckseite kroch er unter der Zeltbahn hindurch und schlich hinter dem Wagen entlang. Er hielt sich in der Deckung der angebundenen Pferde, dann bog er schnell in eine schmale Gasse ein. Niemand hatte ihn bemerkt.

Das Pflaster wurde zu gestampftem Lehm und es roch nach Urin. Urako folgte dem Weg in die Untiefen eines Ă€ußerst schĂ€bigen Viertels hinein. Überall lag Abfall herum, vertrocknete Exkremente sĂ€umten den Rinnstein. Aus den HĂ€usern derangen die Stimmen von betrunkenen MĂ€nnern, auf offener Straße verprĂŒgelte jemand seine Frau.

Die Gegend sah vielversprechend aus.
Urakos GefĂŒhl sollte ihn nicht tĂ€uschen – bald stand er vor einer mehrstöckigen Bretterbude. Animalische GerĂ€usche drangen an sein Ohr und es stank nach Schweiß, dessen Geruch sich mir ĂŒbertrieben sĂŒĂŸem RĂ€ucherwerk mischte. Über dem Eingang stand in falscher Rechtschreibung „SĂŒnndenpfuhl“.

Ohne zu zögern trat Urako ein.
Das erste, was er feststellte war, dass er frĂŒher in der falschen Stadt garbeitet hatte – denn hier in Shizu war der örtliche Henker gleichzeitig auch der Aufseher ĂŒber das Freudenhaus. Er erfuhr, dass dies das einzige Freudenhaus hier war. Der zustĂ€ndige Henker war gerade anwesend und als er in Urako einen Kollegen erkannte, zeigte er ihm persönlich das Angebot, gab ihm hinter vorgehaltener Hand Empfehlungen und versprach ihm einen Sonderpreis fĂŒr das „FĂŒnf-GĂ€nge-MenĂŒ fĂŒr Feinschmecker“. Das hörte sich vielversprechend an.

Nach einem kurzen, lebhaften GesprĂ€ch verschwand Urako als erstes mit einer Zwergin. Sie trug eine Ă€ußerst knappe RĂŒstung, die einen großzĂŒgigen Blick auf ihr Dekolletee bot, dessen Haarwuchs jeden Mann vor Neid erblassen ließ. Die kleine, muskulöse Dame versohlte ihm mit der nackten Hand den Hintern. Dann ĂŒberschĂŒttete sie ihn mit wĂŒsten Beschimpfungen, wĂ€hrend sie auf ihm herum ritt, ehe sie ihn kurz vor dem entscheidenden Moment einfach liegen ließ und aus dem Raum stampfte. Selig grinsend wartete Urako auf den zweiten Gang.

Die TĂŒr öffnete sich und eine Sonnenalbe mit großen blauen Augen streckte vorsichtig den Kopf herein und fragte kaum hörbar, ob sie eintreten dĂŒrfte. Sie entpuppte sich unter ihrem Kleid als junger Burche in hochhackigen Schuhen. Urako vernaschte ihn nach allen Regeln der Kunst.

Der dritte Gang war eine blauhĂ€utige Trolldame mittleren Alters. Sie war nur mit einem GĂŒrtel aus Tierknochen bekleidet. Urako musste sich auf den Bauch legen. Sie trampelte mit den nackten FĂŒĂŸen auf seinem RĂŒcken herum, wobei sie einen martialischen Kriegsgesang johlte und nannte dies eine yatekische Massage. Der Henker schmolz vor Wohlgefallen dahin. Er war danach viel zu entspannt fĂŒr andere Dinge und so ging sie wieder, nachdem sie auch noch auf seinen FlĂŒgeln und dem Schweif herumgetrampelt war und ĂŒberließ ihn dem vierten Gang.

Die TĂŒr flog gegen die Wand und ein Poraha mit Stiernacken stĂŒrmte herein, brĂŒllte, dass ihm das Schlafen schon noch vergehen wĂŒrde, zeriss Urakos herumliegende UnterwĂ€sche und knebelte ihn damit an der Pritsche fest. Urako flehte vergebens darum, ob er denn nicht wenigstens die TĂŒr zumachen könnte, weil stĂ€ndig GĂ€ste daran vorbeigingen. Der Poraha schrie ihm ins Ohr, dass er die Fresse zu halten habe, er mĂŒsse sich auf seine Arbeit konzentrieren. Urako fĂŒhlte sich gleich darauf, als ob er gepfĂ€hlt wĂŒrde. Der Poraha brĂŒllte, dass er ihm schon Manieren beibringen wĂŒrde und schlafen sei etwas fĂŒr Weicheier – er wĂŒrde schon noch einen echten KĂ€mpfer aus ihm machen. Urako schwebte auf Wolke sieben, wĂ€hrend sein Kopf rhythmisch gegen das Kopfende des Bettes stieß. Die offene TĂŒr störte ihn plötzlich ĂŒberhaupt nicht mehr

Zu guter Letzt kam der fĂŒnfte Gang - eine tattrige NordlĂ€ndergreisin mit Glatze. Auf der kahlen Kopfhaut zeichnete sich ein Netz blauer Adern ab. Sie löste Urakos UnterwĂ€sche-Fesseln, massierte ihm die Handgelenke und bedauerte ihn lautstark. Urako schmiegte sich an sie und heulte sich in ihren dĂŒrren Armen ĂŒber die Schlechtigkeit der Gesellschaft aus, wĂ€hrend sie ihn unentwegt streichelte und bedauerte. Irgendwann landeten sie beide unter der Bettdecke, wo Urako nach vollbrachtem Werk zwischen ihren welken Schenkeln friedlich einschlief.

Als er aufwachte, war sie nicht mehr da. Wusste der Kuckuck, wie sie es geschafft hatte, sich unbemerkt unter ihm hervor zu winden. Urako zog die Überreste seiner Kleidung an und ging bezahlen. Er lobte den Service und ließ ein dickes Trinkgeld fĂŒr die Angestellten da, die ihn bedient hatten. GĂŒckselig lĂ€chelnd kehrte er zu Selan zurĂŒck.

„Keine Arafis im Freudenhaus. Habe das Angebot grĂŒndlich untersucht! Falls du mal rein schauen willst, kann ich dir den Mitternachts-Imbiss empfehlen. Der könnte dir gefallen, hat was mit geschmolzenem Schweineschmalz zu tun. Ich selber habe das FĂŒnf-GĂ€nge MenĂŒ genommen, natĂŒrlich nur deshalb, um einen möglichst breiten Überblick zu haben. Das war klasse, aber ist wohl eher nichts fĂŒr Weicheier wie dich. DafĂŒr muss man schon ein gestandener Kerl sein.“

Er strahlte dabei ĂŒber beide Ohren, was zusammen mit seinem ramponierten Gesicht und den fehlenden ZĂ€hnen sicher gruslig aussah. Er war rundum glĂŒcklich.
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#12

Beitragvon Arafis » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:14

Erleichtert erkannte Arafis Selan, der herausgetreten war und die Menge zu beruhigen versuchte. Sie diskutierten darĂŒber, dass Urako die beiden Fieslinge verprĂŒgelt hatte und sie wollten ihn deswegen bestrafen. Die Albin war entrĂŒstet! Hatten die denn nicht gesehen, was fĂŒr ein Widerling Orobas war?
Immer wilder wurde die Menge und schien gar nicht auf Selan’s Problemlöseversuche eingehen zu wollen.
Im selben Augenblick streichelte eine Hand ĂŒber ihren Kopf und sie zuckte ĂŒberrascht zusammen. Es war tatsĂ€chlich Urako. Und sie glaubte etwas wie „du bist ein gutes Tier“, aus seinem Mund zu hören. Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen, genoss es aber, von ihm einmal nicht angezickt zu werden. Sie wollte lieber nicht ĂŒberlegen, was es bedeutete, als Tier mehr wert zu sein, als in ihrer natĂŒrlichen Gestalt.
"Das ist ja auch das mindeste, aber Strafe hat er trotzdem verdient. Auspeitschen soll man den SchlÀger!", vernahm sie in diesem Moment die Worte. Sie war so abgelenkt von der Meute, dass sie gar nicht bemerkte, wie Urako verschwand.
„Ich denke das ist nicht notwendig, die Schuld wird beglichen. Zumal waren die anderen beiden, die die angefangen haben und die Baumku... ALBIN belĂ€stigt haben.", korregierte sich Selan schnell.
Arafis blickte entrĂŒstete zu dem DĂ€monen hoch. Doch Selan beachtete sie gar nicht.
Erst jetzt bemerkte sie, dass auch Urako verschwunden war. Sie schĂŒttelte den Kopf.

Ich such mir jetzt besser was zum Anziehen, dann kann ich die Situation vielleicht klÀren!
Sie sprang auf und schaffte es, sich zwischen der Menge hindurchzuzwÀngen. Aller Augen waren nur auf Selan gerichtete und niemand beachtete sie.
Die Leute wurden immer aggressiver und die Wölfin sah Schaufeln und andere GerĂ€te herumfuchteln. Knapp konnte sie einem KnĂŒppel ausweichen, der herumgewedelt wurde.
Doch plötzlich wurde es dunkel zwischen der Gasse und der Mob wurde unruhig.
Arafis‘ sensible Nase nahm den Geruch wahr, bevor auch die Menge sich die Riecher hielt. Ein unglaublicher Gestank breitete sich aus, so dass einem TrĂ€nen in die Augen stiegen und man dachte, man wĂŒrde mitten in einem Leichenhaufen sitzen. Arafis hörte Fricai aufheulen und auch sie selber unterdrĂŒckte nur mit MĂŒhe ein Jaulen. Doch es war noch nicht das Schlimmste.

Im nÀchsten Moment ertönte ein Schrei, der ihr das Blut in den Adern gefrieren liess. Sie zog den Schwanz ein und duckte sich und begann zu zittern. Auch die Menschen schienen in Panik und Entsetzen verfallen zu sein und begannen davon zu rennen. Nur einige standen noch wie erstarrt da und blickten zu Selan hinauf.
“Ihre werdet euch an nichts erinnern, Verschwindet!”
Der Mob verschwand in alle Richtungen.
Arafis fĂŒhlte sich plötzlich seltsam.
Eine Leere hatte sich in ihr ausgebreitet und sie blickte sich, noch immer schlotternd, um.
Was ist passiert?
Sie befand sich auf einem kleinen Platz, wo verschiedene Gassen wegfĂŒhrten. Alles war still geworden. Sie hatte den Drang, wegzulaufen. Schliesslich liess sie ihren Beinen freien Lauf und fĂŒhlte sich gleich viel besser, als sie sich von dem Ort entfernte.

Irgendwann blieb sie stehen und schaute sich irritiert um.
Ihr Bewusstsein begann sich wieder neu zu formieren. Ihr erster Gedanke galt ihrem Begleiter. Wo war Fricai? Und warum war sie weggerannt? Sie hatten doch gerade erst den Stand aufgestellt.
Vage erinnerte sie sich daran, dass sie Urako zum Marktplatz folgen wollte. Genau, sie wollte sich etwas umsehen. Dann erkannte sie, dass sie in ihrer Wolfsgestalt war. Seltsam. Doch vermutlich wollte sie nur weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So trottete sie schliesslich los, Richtung Marktplatz.
Dort angekommen herrschte das alltÀgliche LÀrmen und Schreien. Sie blieb stehen und blickte sich neugierig um.
Schliesslich ging sie ziellos umher und schaute sich zwischen den StÀnden nach der bekannten Gestalt des Tieflings um.

Als sie irgendwann genug gesehen hatte, beschloss sie, sich auf den RĂŒckweg zu machen. In dem Gassengewirr konnte man sich leicht verirren, doch sie fand den Weg zurĂŒck zu ihrem Lager. Dort lag Fricai friedlich zwischen den Pferden und schien sich von dem Schreck erholt zu haben. Das Tier hatte von Selan's Vergessenszauber nichts abbekommen, wohingegen Arafis' albisches Wesen sehr wohl darauf reagiert hatte, doch das konnte die junge Frau nicht ahnen.

Im gleichen Moment, wie sie auf das Zelt zulief, hörte sie Schritte und sah seltsam erfreut Urako mit einem riesigen Grinsen herbeilaufen.
„Keine Arafis im Freudenhaus. Habe das Angebot grĂŒndlich untersucht! Falls du mal rein schauen willst, kann ich dir den Mitternachts-Imbiss empfehlen. Der könnte dir gefallen, hat was mit geschmolzenem Schweineschmalz zu tun. Ich selber habe das FĂŒnf-GĂ€nge MenĂŒ genommen, natĂŒrlich nur deshalb, um einen möglichst breiten Überblick zu haben. Das war klasse, aber ist wohl eher nichts fĂŒr Weicheier wie dich. DafĂŒr muss man schon ein gestandener Kerl sein.“
Die Albin lauschte seinen Worten verstÀndnislos. Freudenhaus? Was hatte sie in einem Freudenhaus verloren? Und warum suchte sie Urako? Erst jetzt ging ihr auf, dass die beiden von ihrer Wolfsgestalt noch gar nichts wissen konnten. Wie vergesslich ich bin!
Sie blickte sich suchend um. Wo sind bloss meine Kleider?
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#13

Beitragvon Selan Todaric » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:15

Vorsichtig schob Ralogg den lila Vorhang des Vorzelts zur Seite. Milimeter fĂŒr Millimeter kam der knöchrige Kopf zum Vorschein.

"Das war aber ganz schön knapp mein Freund, die sahen ziemlich ungemĂŒtlich aus. Was war das eigentlich fĂŒr ein Mob, sind die seit meinem Ableben irgendwie abgedrehter und brutaler geworden. Richtig bösartige Mobs in meiner Jugend warn nicht so drauf, wegen so ner kleinen SchlĂ€gerei. Ich mein mal, was machen die dann bei nem Mord, die Stadt abbrennen? Ihm bei lebendigem Leibe die Haut abziehen? Den bösen Wicht in den Kerker sperren und Lebenslang jeden Tag mit einer Blumenkohl- Brokkolisuppe quĂ€len? Hast du mal die alte gesehen, die wollte doch Urako gleich hĂ€ngen!", stotterte der kleine Knochenhaufen vor sich her.

In mitten der vom Mondschein erleuchteten Stadt, stand Selan da. Seine Augen sturr gerade aus gerichtet. "Das war kein normaler Mob, dass war Ibn!"

"Dieser GemĂŒsekopf oder wie der hieß war der Mob, was redest du da?"

"Nein, ich hab Ibn gesehen. Er stand die gesammte Zeit da hinten, bei den Pferdestellen und hat alles beobachtet. Noch mehr, ich bin mir fast sicher, dass er die Leute irgendwie manipuliert hat. Menschen sind von Natur aus Streitlustig und jÀhzornig, aber dies hier war was anderes. Hast du ihre Augen gesehen?"

Ralogg kroch derweil langsam aus dem Vorzelt. Wild um sich blickend sondierte die sich klein
machende Person ihre Umgebung. Immer darauf aus, sofort wieder in das fĂŒr ihn sichere Vorzelt zu fliehen.

"Wie denn, ich saß im Zelt und hatte mĂŒhe Not meine Knochen bei einander zu halten. Hast du eine Ahnung wie die gezittert haben? Weiß der Gellos was mir hĂ€tte passieren können, ich hĂ€tte den Kopf verlieren können oder das SchlĂŒsselbein! Moment mal!", Ralogg fing sich an mit den knöchrigen HĂ€nden zu untersuchen. Jeden seiner Knochen fing er an zu suchen. Seine Blicke schweiften ĂŒber den Knochenhaufen. Hastig ging es zu, ahnte er schon das schlimmste, bis ein Schrei aus ihm hervor brach. "Ahhhh, ich hatte Recht! Mein rechtes SchlĂŒsselbein fehlt!"

Der Goblin- Knochenhaufen verlor das gleichgewicht. Halb liegend, halb sitzend war das hĂ€ufchen Elend auf der straße wieer zu finden.

"Ralogg, schluss jetzt mit dem quatsch, wir haben zu tun, komm bitte mit."

"Quatsch? Quatsch? Quatsch? HĂ€tte ich noch Ohren wĂŒrde ich mal sagen, ich hör wohl nicht schlecht! Hier geht es jetzt um etwas ernstes, es geht Schließlich um mein SchlĂŒsselbein!"

"Ralogg komm jetzt, wir suchen dein SchlĂŒsselbein spĂ€ter. Nun gibt es wichtigeres zu tun. Immerhin ist Arafis noch weg und Ibn hat irgen etwas vor und genau das ergrĂŒnden wir jetzt.", entgegnete Selen mir ernster Stimme und Verschwand ohne weitere Worte im Zelt.

Verdutzt blickte Ralogg Selan hinterher. Wollte es ihm doch nicht in den Kopf was mit Selan los ist.
So ohne Freud im Gesicht und Todernst hatte er Selan noch nie zuvor gesehen. Etwas sehr großes schien Selan zu bedrĂŒcken, aber was?

Ralogg richtete sich gerade wieder auf und klopfte sich den Staub und Dreck der Straßen un blickte sich ein letztes mal um. Fast im Zelt verschwunden, bemerkte er Arafis Wolf der genĂŒsslich eingerollt bei den Pferden lag und da schimmerte es im Augenblick einer Sekunde!

"Ahrrr du billige Promenadenmischung, wenn ich dich erwische, lass mein SchlĂŒsselbein in Ruhe!", schrie Ralogg und rannte wild mit den Armen fuchtelnd auf den lieb da liegenden Fricai zu.
Dieser knabberte in einer Seelenruhe an seinem kleinen Knochen herum. Der Wolf welzte sich hin und her, es machte schon den Anschein als habe er gute Laune, was wohl, so interpretierte es Ralogg eindeutig an dem Knochen lag. Mit einem male stand Ralogg direkt vor Fricai.

"Du wandelnder BettvorlÀger wagst es!"

Fricai erschrag vor dem plötzlich neben ihm stehenden Golin und sprang etwas zur Seite, verlor dabei aber das SchlĂŒsselbein, was triefend nass in die schnell reagierenden HĂ€nde Raloggs viel.
Immer noch stink sauer, aber schon wieder etwas beschwichtigt, standen sich nun Ralogg und Fricai gegenĂŒber. Der Wolf kam langsam mit gesenktem Kopf auf Ralogg zu und leckte sich dabei die Lefzen. Ralogg wich langsam zitternd ebenfalls Schritt fĂŒr Schritt zurĂŒck.

"Komm nicht auf dumme Ideen! Ich warn dich, keine falsche Bewegung, ich hab hier, hier....", total in Panik blickte Ralogg sich um. Jedoch fand er nichts auf die Schnelle, was nur ansatzweise als Waffe taugen könnte. "Ähmm, meine Knochen sind vergiftet! Ein Biss und Wuahhhh, schluss mit dem Wolfsleben!", versuchte Ralogg mit zitternder Stimme und mittlerweile zitterndem Unterkiefer den Wolf ab zu wehren, der jedoch wenig von den Worten beeindruckt war.

"Oh nein, du willst mich jetzt nicht anknabbern oder? Selan wo bist du?"

Immer noch kam Fricai nÀher, eine Nackenhaare stellten sich auf, angespannt wirkte er. Seine beiden Augen durchbohrten Ralogg fast mit seinen Blicken.

Ralogg zeigt mit seinem Finger in die Ferne hinter Fricai, "Schau mal da ein Riesenknochen!" und rannte so schnell ihm seine Beine trugen. Die eine Sekunde die der Wolf erst einmal nicht reagierte, war des Goblins GlĂŒck. Sie war die Sekunde die ihm fehlte. Nur knapp konnte er dem Wolf entkommen und flĂŒchtete in Selans Zelt.

"Da bist du ja endlich Ralogg, komm wir haben zu tun?"

"Zu tun? Ich mach heut gar nichts mehr. Zumindest nicht so lange diese Besteie da draussen ist!", gestikulierte er wild Fuchtelnd am Zeltausgang herum.

Selan, der mitten im Zelt saß und mittlerweile einen Kreis aus Kerzen aufgestellt hatte, in dem er saß, drehte nur den Kopf etwas. "Warum bist du denn so wĂŒtend und von welcher Bestie redest du denn?"

"Dieses Wolfsding da draußen. Weißt du was der gemacht hat? Der hat an meinem SchlĂŒsselbein rum genagt. Schauß dir an!", sprach Ralogg und hielt es Selan hin, "Schaus dir an, ĂŒberall bisspuren und igit, komplett voll gesabbert, dass bekomm ich doch nie wieder sauber!"

SchnĂŒffelde GerĂ€usche kamen plötzlich dem Zelteingang nĂ€her. Eine lange Schnauze mit einer schwarzen Nase kam zum Vorhang herein. Verzweiflung machte sich in Ralogg breit und hehtete hinter den nĂ€chsten Stuhl und schaute unter den Stuhlbeinen hervor.

"Selan.... bitte.... der Frisst mich!", flehte er bereits.

"Ach stimmt doch gar nicht. Der will nur spielen.", der Nekromant drehte sich kurz um zum Zelteingang, "Na mein lieber Fricai. Ggeh bitte raus, Ralogg hat Angst vor dir. Ich kĂŒmmer mich dann mal um dich, aber erst einmal muss Onkel Selam arbeiten. Ach und Ralogg, ich kĂŒmmer mich dann mal um deinen Knochen, vielleicht hab ich noch Ersatz da, einverstanden?"
Unter den misstrauischen Augen Raloggs verschwand die Wolfsnase wieder. "Der will nur spielen? Nur spielen? Ja stimmt und am liebsten Stöckchenwerfen mit meinen Knochen oder? Na da hoffen wir mal das du Ersatz hast, mit so einem zerkauten Knochen getraut man sich doch nicht auf Sraße und was wĂŒrde Urako dazu nur sagen? Ach Urako....", murmelte der Knochenhaufen und fing in der hinteren Ecke des Zelts in einer SchĂŒssel an seinen Knochen zu maschen.

"Moment Ralogg, still jetzt, mein SchÀdelspion hat da gerade etwas."

Selan ging in einen meditativen Schneidersitz, schloss die Augen und versuchte sich so gut es geht auf den toten SchÀdelspion zu konzentrieren. Dadurch das er ihn in einen Beutel hinter eine Truhe geschmissen hatte, sah er zwar nicht was vor sich ging, verstand aber jedes Wort. Immer weiniger hörte Selan die GerÀusche um sich, immer deutlicher wurden die Stimmen die er empfing, bis sie so deutlich waren, als wÀre er ebenfalls im Zelt Ibn`s. Das erste was der Nekromant hörte, war eine furchtbar schlecht gelaunte und erregte Stimme, eindeutig die von Ibn Altsalat.

".....ihr ja endlich, warum hat das so lange gedauert?"

"Es dauert nun einmal alles seine Zeit, so ist der lauf der Dinge. Du wirst dich gedulden mĂŒssen Ibn. Zuerst einmal GrĂŒĂŸe vom Zirkel. Zu dem gleich die Frage, was ist mit dem anderen Nekromanten hier in der Stadt?"

"Mhhh, den hab ich etwas BeschÀftigung gegeben, damit hat er eine weile zu tun. Wir sind also ungestört. Zudem ist seine Gruppe aufgespalten, einer von ihnen ist verschwunden wie ich in Erfahrung bringen konnte, damit sind sie erst einmal nicht mehr von Interesse. Aber was machst du hier eigentlich Burcas? Wo ist Nocro? Er sollte sich mit mir hier treffen, nicht du? Wo ist er?"

Beschwichtigendes und doch etwas verschlagenes lag in seiner Stimme des anderen Fremden, was wohl Ibn ein Dorn im Auge war oder störte. Selan bemerkte schnell, dass Ibn diesen Kerl nicht mögen konnte, denn von Wort zu Wort wurde Ibn`s Stimmlage aggressiver.

"Nur mit der Ruhe, er ist hier, ganz in der NĂ€he. ZĂŒgle dich, immerhin stehe ich RangmĂ€ĂŸiger immer noch ĂŒber dir, verstanden? Seih froh, dass ich fĂŒr dich ĂŒberhaupt den Botenjungen spiele. Du weißt sehr wohl das Necro sich niemals in der Öffentlichkeit blicken lĂ€sst. Er wartet auf dich in den Katakomben, hier ist die Karte."

"In den Katakomben? In diesem vor Dreck, ungeziefer und Krankheiten wimmelnden Ekelbreich. Mir kommt das Kotzen wenn ich nur daran denke da runter zu gehen. Was soll das?"

"Mein Freund, ein letztes mal zĂŒgle deine Worte in meiner Gegenwart!"

Röchelnde GerÀusche machten sich enige Sekunden breit, wispern war zu hören, dann ein Husten, eindeutig das von Ibn.

"... ahrrr, schon gut, ĂŒbertreibs mal nicht. Wann soll ich da sein?"

"Geht doch, man muss nur wollen oder? Punkt 3 Uhr heute Nacht, keine Sekunde spĂ€ter oder frĂŒher. VerspĂ€test du dich, ist er weg, verstanden?"

"Verstanden, dass wÀre dann in vier Stunden, dass ist zeitlich zu schaffen. Was meinst du wie lange ich da runter brauche?"

"Was weiß ich, bin ich dein FremdenfĂŒhrer? Ich brauche keine Stunde. Ich gehte jetzt und seih pĂŒnktlich!"

Die Worte verstummten, Selan machte die Augen wieder auf.

"Damit weiß ich alles, Ralogg, wir werden heute Nacht noch einen kleinen Ausflug machen. Ralogg, kletter auf das Dach des Hauses neben unserem Wagen, da hast du eine gute sicht auf Ibn`s Lager. So bald sich was tut, meldest du es. Hoffen wir mal, dass bis dahin Urako und Arafis wieder auftauchen."

Doch die Stunden vergingen. Selan saß in seinem Schaukelstuhl, den er sich aus seinem Wagen geholt hatte und vertiefte sich in ein Buch der Nekromantie. Lies es ihn nicht locker, wie Ibn es geschafft hat die Leute zu manipulieren. Tief in den Wörtern war er versunken, als plötzlich der Vorhang des Zelts beiseite flog und ein innig grinsendes bekanntes Gesicht herein kam.

„Keine Arafis im Freudenhaus. Habe das Angebot grĂŒndlich untersucht! Falls du mal rein schauen willst, kann ich dir den Mitternachts-Imbiss empfehlen. Der könnte dir gefallen, hat was mit geschmolzenem Schweineschmalz zu tun. Ich selber habe das FĂŒnf-GĂ€nge MenĂŒ genommen, natĂŒrlich nur deshalb, um einen möglichst breiten Überblick zu haben. Das war klasse, aber ist wohl eher nichts fĂŒr Weicheier wie dich. DafĂŒr muss man schon ein gestandener Kerl sein.“

Etwas ĂŒbrrrumpelt saß Selan in seinem Stuhl, hatte er eher mit Ralogg gerechnet als mit Urako der ihm etwas ĂŒber Schweineschmalz erzĂ€hlte.

"Wolltest du nicht eigentlich Arafis in den FreundenhĂ€usern suchen? Warum bist du dann essen gegangen? Urako ich bin enttĂ€uscht! Arafis kann sonst etwas zu gestoßen sein und du hast deinen Bauch mit einem FĂŒnf- GĂ€nge- MenĂŒ gefĂŒllt. Also wirklich!", Selan schloss das Buch, Sorgenfalten machten sich in ihm breit. Sichtlich war er von Urako enttĂ€uscht, hatte er doch mehr von ihm erwartet.

"Schau nicht so trĂŒb, er war Arafis suchen. Nun wie erklĂ€re ich es dir das am besten... Nun ja das FĂŒnf- GĂ€nge- MenĂŒ ist da ein Angebote im Freudenhaus Selan, Ă€hmmmm... jaaa.... Ă€hmmm..... Nun ja und er nutzte es um Arafis zu suchen und Ă€hmmm...."

"Na dann bin ich erst einmal beruhigt, dass du doch suchen warst, aber wo ist sie dann?", Selan strich sich ĂŒber das Kinn und lief im Kreis im Zelt herum. In Gedanken, ging er jeden einzelnen Punkt der Stadt durch, wo sie sein konnte, aber konnte er sich keinen Reim darauf machen. Wo sollte sie denn sein?

In Selans GrĂŒbelphase husche Ralogg schnell zu Urako herĂŒber und tuschelte hinter hervor gehaltener Hand. "Ahja, FĂŒnf- GĂ€nge- MenĂŒ mhhh? Ist eigentlich der Poraha Herr mit Stiernacken noch da?"

Der Nekromant widmete sich nun Urako und erzÀhlte ihm alles, was er in Erfahrung bringen konnte.
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Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


Kleine Legende:
"Text" -> Gesprochener Text /\ >Text< -> Gedachter Text

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#14

Beitragvon Urako » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:15

Selan saß fĂŒr ein paar Sekunden wie versteinert in seinem Stuhl und starrte Urako ausdruckslos an. Dann sagte er:

"Wolltest du nicht eigentlich Arafis in den FreundenhĂ€usern suchen? Warum bist du dann essen gegangen? Urako ich bin enttĂ€uscht! Arafis kann sonst etwas zu gestoßen sein und du hast deinen Bauch mit einem FĂŒnf- GĂ€nge- MenĂŒ gefĂŒllt. Also wirklich!"

Dem Henker gefror das Grinsen. Er zwinkerte ein paar Mal und wusste fĂŒr einen Moment nicht, was er sagen sollte. Ralogg sprang ihm bei und ĂŒbernahm die AufklĂ€rung des unbedarften Nekromanten.

"Schau nicht so trĂŒb, er war Arafis suchen. Nun wie erklĂ€re ich es dir das am besten... Nun ja das FĂŒnf- GĂ€nge- MenĂŒ ist da ein Angebote im Freudenhaus Selan, Ă€hmmmm... jaaa.... Ă€hmmm..... Nun ja und er nutzte es um Arafis zu suchen und Ă€hmmm...."

„Was Ralogg sagen will, ist, dass ich das Personal regelrecht vernascht habe!“ Urako lachte. „Ich weiß ja nicht, auf was du so stehst, aber die haben dort im SĂŒnndenpfuhl wirklich alles. Da ist was fĂŒr jeden noch so schmutzigen, Ă€hm, erlesenen Geschmack dabei. Sicher auch fĂŒr deinen.“

"Na dann bin ich erst einmal beruhigt, dass du doch suchen warst, aber wo ist sie dann?", Selan erhob sich und begann nachdenklich im Zelt auf und ab zu gehen.
In Selans GrĂŒbelphase husche Ralogg schnell zu Urako herĂŒber und tuschelte hinter hervor gehaltener Hand. "Ahja, FĂŒnf- GĂ€nge- MenĂŒ mhhh? Ist eigentlich der Poraha Herr mit Stiernacken noch da?"

„Woher soll ich das wissen?“, fauchte Urako ĂŒbertrieben laut. „Ich habe mich dort nur von hĂŒbschen jungen MĂ€dels verwöhnen lassen. Ich weiß nicht mal, ob es dort ĂŒberhaupt mĂ€nnliche Angestellte gibt. Selan, ich glaube, dein Skelett ist schwul, du solltest ihm etwas anderes zu essen geben. Das muss an diesem verdammten GemĂŒse liegen.“

Selan begann vor sich hin zu brabbeln, wÀhrend er hin und her tigerte. Er berichtete Urako, was der SchÀdelspion in Erfahrung gebracht hatte. Als er seinen Plan offenbarte, Ibn in irgendwelche Katakomben hinab zu folgen, sackten Urakos Mundwinkel nach unten.

„Was, unter die ErdoberflĂ€che? Und das nachts um drei? Mein lieber Selan, auch wenn fast alle Tieflinge nachtaktiv sind – ich gehöre zu der Minderheit, welche das Tageslicht bevorzugt. Außerdem habe ich heute hart geschuftet, die Nachforschungen waren ziemlich anstrengend. Und mir tut der Hintern weh. Vom vielen laufen“, ergĂ€nzte er schnell.

Er rÀusperte sich.

„Auf jeden Fall will ich eine Taschengeldserhöhung fĂŒr die Zeit da unten. Und einen Schmutzzuschlag, denn wo es dunkel ist gibt es Spinnen und wo es Spinnen gibt, gibt es Spinnenweben mit lauter toten InsektenhĂŒlsen darin. Unter diesen Vorraussetzungen könnte ich mich vieleiiicht dazu ĂŒberreden lassen mitzukommen, obwohl das Verfolgen feindlicher Nekromanten mit meiner Ausbildung rein gar nichts zu tun hat.“

Er ging zu der Kochgelegenheit, die Selan im Zelt aufgebaut hatte, was im Hinblick auf den Brandschutz sicher nicht ganz ungefĂ€hrlich war. Etwas von dem Essen war noch ĂŒbrig. Er langte mit den Fingern hinein und angelte sich ein paar GemĂŒsestreifen heraus.

„Aber was machen wir mit der Botanikknutscherin. Von mir aus kann sie zwar verschollen bleiben, aber ich dachte, vielleicht kannst du sie noch gebrauchen. Immerhin habt ihr beide euch ganz gut verstanden.“

Er verzehrte das GemĂŒse und wischte sich die Finger an Arafis herumliegender Kleidung ab.
„Wahnsinn, wie man ihr die Klamotten vom Leib gerissen hat", murmelte er. "Der Stoff ist regelrecht zerfetzt worden. Dieser Orobas muss es bitter nötig gehabt haben.“ Er besah sich die Kleidung in seinen HĂ€nden und schwieg. Dann warf er sie in eine Ecke. „Mir doch egal.“

Er ließ Selan stehen und trat aus dem Zelt. Er brauchte plötzlich dringend frische Luft.
Langsam schlenderte er zu den Satteltaschen der Albin und wĂŒhlte, einer plötzlichen Eingebung folgend, darin herum.
„Wusste ich`s doch.“
Triumphierend hielt er eine Kette getrockneter WĂŒrste empor, ein Teil ihrer Marschverpflegung. Er legte sie vor die weiße HĂŒndin.
„Damit du mir nicht vom Fleisch fĂ€llst. Immerhin sollst du schöne krĂ€ftige Welpen bekommen, die ich dann teuer verkaufen kann.“
Er tÀtschelte ungeschickt ihren Kopf.
„Aber du kriegst nichts“, blaffte er den RĂŒden an, der verliebte Nasenlöcher in Richtung der WĂŒrste machte. „Du hast mich angeknurrt. Wer den Henker anknurrt, der hungert, verstanden? Mach dich nĂŒtzlich und fang ein paar Ratten, dann hast du was zu fressen."

Dann band er der weißen HĂŒndin seine Halskette mit der GlĂŒcksaxt um, die aus einem echten Henkersbeil gschmiedet war. „Da. Jetzt weiß jeder, dass du einen Besitzer hast. Hunde ohne Halsband holt der HundefĂ€nger und dann gibt es abends Gulasch fĂŒr die ganze Familie. Bis ich was Besseres gefunden habe, sollte das erstmal reichen. Aber wehe, du verlierst es - dann ziehe ich dir das Fell ĂŒber die Ohren.“

Er klopfte ihr die Seite.

„Schade, dass ihr Tiere so unsagbar dumm seid. Ansonsten wĂŒrde ich dir nun befehlen, die Spur von diesem verdammten Hurenbock Orobas aufzunehmen. Aber so kann ich nur hoffen, dass du wenigstens das Zelt und den Wagen bewachst, wĂ€hrend ich mit Selan in die Katakomben steige. So ein Aufwand und das alles nur wegen dem bekloppten Altsalat! Da unten könnten wir deine Nase sicher gut gebrauchen, aber ich glaube kaum, dass ich dich da mit runter nehmen kann. Das dauert sicher noch ein paar WĂŒrste, ehe du mir folgst.“


Dann legte er sich auf seinen Platz auf dem Dach des Wagens, wo er bis zur vereinbarten Zeit schlafen wollte.
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warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#15

Beitragvon Arafis » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:16

Aus dem Zelt drangen die gedĂ€mpften Stimmen ihrer ReisegefĂ€hrten. Arafis sass bei Fricai, der immernoch beleidigt darĂŒber zu sein schien, dass man ihm Ralogg’s leckeren Knochen weggenommen hatte, lauschte aber den Worten. Als sie wieder einmal den Namen „Ibn“ vernahm, tratt sie etwas an das Zelt heran und horchte aufmerksam. Die Tieflinge mussten einen grossen Streit zwischen sich haben, dass sie sogar PlĂ€ne schmiedeten, einander zu verfolgen und auszuspionieren.
Damit wollte die Albin nichts zu tun haben. Sie mochte zwar Selan, doch das war nicht ihre Angelegenheit, darum sollten sich die DĂ€monen allein kĂŒmmern.
Sie drehte sich wieder um, und trottete zu ihrem tierischen Begleiter zurĂŒck.

Im Hintergrund hörte sie noch immer Urako’s unsensible Worte: „Aber was machen wir mit der Botanikknutscherin. Von mir aus kann sie zwar verschollen bleiben, aber ich dachte, vielleicht kannst du sie noch gebrauchen. Immerhin habt ihr beide euch ganz gut verstanden.“Dann brummte er etwas von einem Orobas, der ihr angeblich die Kleider vom Leibe gerissen haben sollte.
Nun war Arafis doch etwas verwirrt. Wer war Orobas? Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass ihr jemand die Kleider zerrissen haben sollte. Doch vielleicht war das die Lösung, weshalb sie als Wölfin unterwegs war? Doch wieso konnte sie sich daran nicht erinnern?
Plötzlich öffnete sich der Zelteingang und Urako trat heraus. Er blickte sich kurz prĂŒfend um, dann schlenderte er rein zufĂ€llig zu ihrem Proviantbeutel hinĂŒber. Arafis beobachtete ihn aufmerksam, denn sie traute ihm nicht ĂŒber den Weg. TatsĂ€chlich begann er in ihrer Tasche herumzuwĂŒhlen. Misstrauisch musterte sie den DĂ€monen, jeden Moment bereit, ihr Hab und Gut zu verteidigen, sollte er es denn wagen, etwas von ihren wenigen Habseligkeiten zu entwenden.

„Wusste ich`s doch.“, triumphierte er schliesslich und zog eine WĂŒrstekette hervor, die sie fĂŒr unterwegs mit sich trug. Sie schnaubte ungehalten. Hatte dieser verfressene Tiefling den nie genug?!
Zu ihrem Erstaunen kam er jedoch direkt auf sie zugelaufen und legte ihr die wĂŒrzig duftenden Leckerbissen vor die FĂŒsse. „Damit du mir nicht vom Fleisch fĂ€llst. Immerhin sollst du schöne krĂ€ftige Welpen bekommen, die ich dann teuer verkaufen kann.“
Etwas verstÀndnislos blickte sie ihn an. Wie berechnend dieser Kerl doch wieder war

Trotzdem freute sie sich ĂŒber den leckeren Happen, auch wenn er aus ihrem eigenen Vorrat entwendet war. Als Urako ihr den Kopf tĂ€tschelte, hĂ€tte sie wohl gekichert, wenn sie keine Wölfin gewesen wĂ€re. Er wirkte etwas unbeholfen und man sah ihm an, dass Streicheleinheiten nicht zu seinem Henkersrepertoir gehörten. Arafis versuchte sich erfreut zu zeigen, und wedelte freundlich mit der Rute. Schliesslich sollte man ihm schon zeigen, wenn er sich mal richtig verhielt


„Aber du kriegst nichts“, blaffte er den RĂŒden an, der verliebte Nasenlöcher in Richtung der WĂŒrste machte. „Du hast mich angeknurrt. Wer den Henker anknurrt, der hungert, verstanden? Mach dich nĂŒtzlich und fang ein paar Ratten, dann hast du was zu fressen."
Fricai blickte unsicher von Arafis zu Urako. Die Druidin schickte ihm einige beruhigende Emotionen und der junge Wolf trottete ergeben zu den Pferden zurĂŒck. Aus Erfahrung wusste er, dass seine Begleiterin ihn nicht verhungern lassen wĂŒrde.

Urako schien zufrieden damit, dass Fricai scheinbar so gut auf ihn hörte. Plötzlich beugte er sich zu Arafis hinunter und legte ihr etwas um den Hals. „Da. Jetzt weiß jeder, dass du einen Besitzer hast. Hunde ohne Halsband holt der HundefĂ€nger und dann gibt es abends Gulasch fĂŒr die ganze Familie. Bis ich was Besseres gefunden habe, sollte das erstmal reichen. Aber wehe, du verlierst es - dann ziehe ich dir das Fell ĂŒber die Ohren.“
Arafis wusste nicht, wie sie sich verhalten wollte. Es gefiel ihr, einen GlĂŒcksbringer bekommen zu haben, auch wenn es eine Axt darstellte. Nach kurzem Zögern leckte sie Urako ĂŒber den HandrĂŒcken.
Kurz darauf verschwand der auf dem Wagendach, und einige Minuten spÀter ertönte bereits das regelmÀssige Schnarchen.

Sobald der DÀmon verschwunden war, kam Fricai wieder herbeigelaufen und die beiden Wölfe futterten zusammen ihr Abendessen.

Langsam brach die Nacht herein. Durch die Ritzen des Zeltes flackerte das Licht einer Laterne. Arafis döste schliesslich ein. Sie wurde erst mitten in der Nacht wach, als sie Schritte und Stimmen hörte.
Es waren ihre GefÀhrten, welche sich auf den Weg zu Ibn machten.
Die Albin stellte sich schlafend und wartete ab, bis die Schritte in den Gassen verklungen waren.

Dann schlich sie sich auf leisen Pfoten zum Zelteingang und hinein in die WÀrme. Drinnen brannte eine Laterne. Arafis tapste vorsichtig herum und schaute sich nach etwas Kleidsamem um. Plötzlich hörte sie ein Schnarchen und leises Klappern und blieb erschrocken stehen. Es war Ralogg. Er schien friedlich zu schlafen und ihre Anwesenheit nicht bemerkt zu haben.
Die Wölfin schaute sich um und entdeckte in einer Ecke einen frischen, blauen Umhang, der ĂŒber eine Stuhllehne gehĂ€ngt war. Als sie nochmals einen prĂŒfenden Blick auf das Skelett geworfen hatte, verwandelte sie sich in ihre natĂŒrliche Gestalt. Sie spĂŒrte ein Ziehen im ganzen Körper. Mit einem leisen Keuchen beendete sie ihre Verwandlung und kniete in ihrer natĂŒrlichen Gestalt und völlig entblösst auf dem mit Teppich ausgelegten Boden. Ihre Haut schimmerte leicht grĂŒn im Licht der flackernden Laterne und die blaue Blume, welche ihre Mutter ihr auf die rechte Schulter tĂ€towiert hatte, war gut zu sehen. Sie wollte gerade aufstehen, als sie ein entsetztes Klappern hörte: „D..du
DU!“

Erschrocken schnappte Arafis nach Luft und blickte direkt in die weit aufgerissenen Augen von Ralogg. „Ich.. das
 Hexerei!“, kreischte er aufgebracht, war aber offensichtlich noch nicht in der Lage, sich aus seiner Starre des Erstaunens zu befreien. Ausgerechnet die Erschaffung eines Nekromanten muss sich ĂŒber Magie aufregen...
Die Albin bedeckte mit den HĂ€nden ihre Blösse, sprang auf und hastete zu dem Umhang hinĂŒber. Er war ihr viel zu gross, so dass sie ihn schliesslich wie ein Wickelkleid um ihren Körper schlang.
„Ein Wort von Dir zu irgendjemandem, und ich verteile deine ganzen Knochen eigenhĂ€ndig in der ganzen Stadt und vielleicht ĂŒberlasse ich einige davon auch Fricai! Bei Manir, das werde ich machen“, versicherte sie dem Knochenhaufen todernst und blickte ihn drohend an. Ralogg klapperte am ganzen Körper und wusste anscheinend nicht so ganz, wie er darauf reagieren sollte.

Schliesslich sagte er gar nichts, nur seine Augen schauten sie undurchdringlich an und Arafis erschauerte.
Mit einem letzten bedrohlichen Blick trat sie aus dem Zelt heraus und liess das Skelett alleine vor sich hingrĂŒbeln.
Sie hingegen setzte sich auf eine kleine Mauer in der NĂ€he und beobachtete den Sternenhimmel ĂŒber der Stadt. In der ganzen Aufregung hatte sie völlig vergessen, dass sie noch immer Urako’s GlĂŒcksbringer um den Hals trug, der nun auf ihrer Haut silbern schimmerte.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#16

Beitragvon Selan Todaric » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:16

FledermÀuse flogen durch die Finstere Nacht neben Ralogg vorbei, diese aber im schwachen Mondlicht kaum zu erkennende Gestalt interessierte das Treiben der kleinen Blutsauger nicht im geringsten. Als die vier FledermÀuse um ihn herum flogen und eine sich an seinen Arm dar lieder lies regte sich nichts an Ralogg, gespannt waren seine Augen auf ein Ziel nur wenige hundert Meter entfernt gerichtet. Der Knochenhaufen hatte eine Aufgabe und wenn er eine hatte, war beinahe alles um ihn herum nebensache, Ralogg war jemand, der Aufgaben sehr ernst nahm und diese besonders.

Ein NachtwĂ€chter mit einer Laterne, an einem langen stab schritt leise durch die Gassen und verkĂŒndete lauthals, dass es zwei Uhr Nachts wĂ€re und alles ruhig ist. Ralogg wurde unruhig, hatte er vielleicht doch etwas ĂŒbersehen? Oder wĂŒrde Ibn doch erst kurz vor dem Termin aufbrechen. Er grĂŒbelte und schlich auf dem Flachdacht etwas weiter, an der BrĂŒstung des Daches entlang und versuche einen anderen Blickwinkel auf den Wagen Ibn`s zu bekommen.

Doch hĂ€tte er dies nicht tun mĂŒssen, anscheinend machte Ibn um seinen Ausflug zu nĂ€chtlicher Stund kein Geheimnis. Zusammen schritt er mit zwei groß Gewachsenen Personen aus dem Vorzelt.
Sie unterhielten sich kurz und machten sich auf in Richtung SĂŒden, dass war Raloggs Stichwort.
Sofort rannte er auf die andere Seite des Daches und kletterte an den VorsprĂŒngen, der Fenster und den Verzierungen im Stein der Mauern, den dem reich verzierten Hauses hinunter.

Ein beherzter Sprung vom zweiten Stock auf das Dach von Seelans Wagen, sollte der Abschluss der Kletterei werden, doch erst im letzten Augenblick bemerkte Ralogg das mitten auf dem Dach Urako lag. Eine weiche Landung war Ralogg auf Urakos Bauch garantiert, zum Leidwesen Urakos, der mit Schmerzensschrei aufwachte.

"Tut mir leid Urako, hab dich leider nicht gesehen.", sprach Ralogg noch wĂ€hrend er auf Urakos Bauch saß und erst nach einigen Augenblicken der Entschuldigung von ihm wich.

"Seelan! Ibn ist unterwegs!", versuchte er so laut wie nötig, aber so leise wie möglich Seelan zu zu rufen, so das keiner die Aufruhr im Lager mit bekommt. Der Nekromant Seelan, wusste aber schon bescheid. Sein Spion, der immer noch am Eingang von IbnÂŽs Lager aktiv war, hatte Selan schon informiert, hatten doch die drei Gestalten noch eine Plauderei abhalten mĂŒssen, zu Selans GlĂŒck, somit wusste er auch gleich wo Ibn hin wollte – in den hießigen Tempel von Athronos!

Seelan eilte mit einer dunkelbraunen ledernen UmhĂ€ngetasche aus dem Zelt, "Urako schnell, bevor wir sie verlieren. Ralogg, pass auf alles auf und halt nach Arafis ausschau. Urako, beeil dich und trödel nicht so rum, zum schlafen ist spĂ€ter auch noch Zeit.", sprach Seelan und hastete die Straße entlang nach vorn und eilte um die Ecke.

Eigentlich war Seelan ein Tiefling, den nichts in Eile versetzen wĂŒrde. Ruhe war eine der Grundprinzipien des Tieflings, Hektik, Eile und Stress waren ihm sonst fremd und scheute er wie der Teufel das Weihwasser. Alles sollte in Ruhe und Ordnung geschehen, doch dies war etwas anderes, hier ging es darum ein Verbrechen auf zu klĂ€ren, den Tod seines ehemaligen SchĂŒlers und Freund. Der Mörder dessen, hatte Seelan sich vorgenommen, wollte er finden, so lies Selan sogar seinen geliebten Kamille Tee stehen, den er sich noch gerade im Zelt hatte aufgebrĂŒht, bevor ihm sein Spion warnte.

Quer durch die Stadt ging es im flotten Tempo durch die Straßen und Gassen. Das Wasser des vor wenigen Minuten aufhörenden Regens spritzte nur so umher, schnell waren Seelans Hosen durchnĂ€sst, doch störte ihm das im Moment nicht im geringsten. Am Anfang versuchte Seelan noch den meißten PfĂŒtzen aus zu weichen, war dies aber fast unmöglich, da sich vor ihm ein ganzes Meer kleiner PfĂŒtzen erstreckte. So ging es weiter, schnell um die nĂ€chste Ecke nach links, gerade aus, noch einmal rechts.

"Wir sind gleich da Urako, der Tempel ist gleich da vorn um die Ecke."

Ein paar Meter weiter haste Seelan um die Ecke, um sofort zurĂŒck zu schrecken. Er drĂŒckte seinen Körper an die kalte Mauer hinter seinem RĂŒcken. Mit seinem linken ausgestreckten Arm bildete Seelan eine Barriere, so das Urako keinesfalls noch an ihm vorbei rennen konnte. Sein Herz schlug wie Wild, Scheiß tropfte ihm von der Stirn. Aber nicht nur daran sah man das Seelan sichtlich Nervös war, seine HĂ€nde zitterten etwas, seine Augen schienen im Licht des Vollmondes zu pulsieren. Seelan war diese Art der Aufregung nicht gewöhnt, war doch sonst sein Leben eher ruhig. Schließlich war er nur ein HĂ€ndler, wie jeder andere auch, selbst wenn er Nekromant.

Der Nekromant flĂŒsterte leise, "Urako, ganz leise, ich schau einmal nach wie es aussieht und bitte keine eigenmĂ€chtigen Aktionen, wir wollen sie verfolgen, nicht verprĂŒgeln!"

Seelan kniete sich hin und blickte vorsichtig um die Ecke. In gut 100 m Entfernung stand Ibn und zwei andere Gestalten. Wer diese waren konnte Seelan in der Dunkelheit schlecht EinschÀtzen, vermutete aber, das dies die Kampfmagier von heute Nachmittag waren.

Seelan blinzelte mit den Augen, in der Hoffnung mehr erkennen zu können, doch war dies wenig von Erfog gekrönt, doch wie es danach aussah öffnete Ibn gerade die TĂŒr zu Athronos Tempel. Eigenartig, wunderte sich der Nekromant, warum hatte Ibn einen SchlĂŒssel fĂŒr den Tempel? Den haben sonst nur höhere Priester, aber sollte dies nicht das letzte kleine Mysterium fĂŒr den heutigen Abend bleiben. Nur wenige Sekunden spĂ€ter waren die drei gestalten im Eingang des Tempels verschwunden. Seelan wartete noch einen Moment und rannte sogleich auf den Eingang des Tempels zu, jedoch nicht gerade, sondern nutzte jede Versteckmöglichkeit die sich ihm bot. Hier ein kleiner Anbauschuppen, da ein Hauwaagen, da ein paar Kisten.
Der Tiefling rannte von einem Punkt zum anderen und kam den Haus Athronos immer nĂ€her. FĂŒr einen Aussenstehenden musste dieses hin und her gerenne von Seelan schon etwas komisches gehabt haben.

Seelan hatte schon des öfteren Tempel Athronos gesehen, aber bewunderte er die monumentalen Bauwerke der Tajik fĂŒr den Seelenschmied immer wieder. Ein gewaltiger Kuppelbau, wurde hier Athronos zu ehren gebaut, ein aus Stein und Holz geschaffenes MeisterstĂŒck. FĂŒr einen Aussenstehenden ist es nur schwer zu erklĂ€ren, ĂŒberall auf der Kuppel waren feine beinahe gotheische Fenster ein gearbeitet, Verzierungen die sich ĂŒber den gesamten Bau erstreckten. Es wurde von Meisterhand erbaut, nur so ist die in sich stimmige Form zu erklĂ€ren. Kein Stein, kein StĂŒck Holz war zu viel. Alles fĂŒgte sich Natlos in einander, es war wirklich ein Haus fĂŒr einen Gott, nur ein Gott sollte so ehrwĂŒrdige Mauern sein eigen nennen dĂŒrfen. Seelans Augen huschten ĂŒber das Kunstwerk, es war ihm an zu merken, welche Erfurcht dieses GebĂ€ude in ihm auslöste. War es weder die göttliche Macht, als eher die monumentale Baukunst die ihn beeindruckte, denn Selan hielt nichts von Göttern und der gleichen. Trotzdem beeindruckten ihn die Bauwerke immer wieder.
So hÀtte er sich nur alt zu gern, als Kultur faszinierter Tiefling auf dieses Bauwerk noch nÀher angeschaut, doch war es ihm gerade nicht vergönnt, so nahm er sich fest vor mit Arafis und Urako die nÀchsten Tage diesen Tempel zu besuchen und seine schönheit zu bewundern. Aber erst musste eine andere Sache beendet werden.

Endlich war Seelan an der TĂŒr angekommen. Ein großes hölzernes Tor mit geschwungenen und verzierten EisenverschlĂ€gen versperrte ihm den Weg.

"Wir haben GlĂŒck, die drei haben vergessen wieder ab zu schließen."

Der Nekromant legte die Hand auf die TĂŒrklinke und drĂŒckte sie langsam mit leicht zitternder Hand und angespanntem Gesicht nach unten.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#17

Beitragvon Urako » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:17

Urako hatte in den sĂŒĂŸesten TrĂ€umen geschwelgt, aus denen er nun denkbar unsanft gerissen wurde: Mit einem krĂ€ftigen Schlag in seinen Bauch, wĂ€hrend er gemĂŒtlich auf dem RĂŒcken lag. Mit einem „Uffpfff!“ entwich ihm alle Luft aus den Lungen, sein Oberkörper schnellte nach oben und er blickte in die leeren Augenhöhlen eines Gerippes, das auf seinem Schoße saß und das ihn – typisch fĂŒr dieses Spezies – breit angrinste.

„Ralogg, du mieser Knochenhaufen! Sitzt es sich gut auf mir?“
"Tut mir leid Urako, hab dich leider nicht gesehen."
„Ja, klar, natĂŒrlich. Von wegen! Du hast nur einen Vorwand gesucht, mich wieder zu betatschen! So klein, dass man mich ĂŒbersieht, bin ich nun auch wieder nicht. Jetzt mach dich runter von mir, Spitzarsch.“

Das Gerippe gehorchte – widerstrebend, wie Urako fand. Nun ja, er konnte es ihm nicht verĂŒbeln. GĂ€be es ihn zwei Mal, wĂŒrde er sich selber heiraten. Rallog hielt die KnochenhĂ€nde wie einen Trichter vor die Kiefer und brĂŒllte:
"Selan! Ibn ist unterwegs!"

„Ibn“, widerholte Urako. „Der Kerl interessiert mich eigentlich nicht. Aber die zwei Kampfmagier... diese treulosen Hunde. Ich habe sie zwar nie ohne ihre rituellen Masken gesehen, von daher kenne ich sie nicht wirklich, aber sie haben immer gut gearbeitet.“

„Ähm, Urako...“

„Halt die Klappe, Gerippe, jetzt rede ich! Dabei war ich sogar regelrecht nett zu denen, was wohl mein Fehler war. HĂ€tte ich sie mehr gestriezt, wĂ€ren sie sicher nicht zu Altsalat ĂŒbergelaufen sondern hĂ€tten diese Vogelscheuche festgenommen und zurĂŒck nach Phinitas geschleppt, wie es sich gehört.“


„Ich unterbreche dich nur ungern, aber..“

„Ich hĂ€tte die beiden ab und zu mit der SchwarzlĂ€nder Eisenpeitsche versohlen sollen, wie meine Folterknechte, bei denen hat das immer Wunder gewirkt.“

„Urako, großmĂ€chtiger Scharfrichter von Phinitas!“

„Was willst du denn, du blödes Klappergestell?!“

„Ich glaube, es war angedacht, dass du Selan folgst und ihn bei der Jagd nach dem finsteren Nekromanten unterstĂŒtzt. Er ist schon ziemlich weit vorraus, nicht, dass du den Anschluss verlierst.“

„Ich entscheide selber, was ich mache, kapiert? Also, wo war ich? Ach ja, ich wollte noch mal nach meinem Hund sehen. Wo treibt sie sich nur rum?“

Nirgends konnte er seine HĂŒndin entdecken. Stattdessen sah er – Arafis. Die Waldalbin, die sie den ganzen Tag gesucht hatten. Sie saß allein auf einem MĂ€uerchen, als wĂ€re nichts gewesen und betrachtete den Nachthimmel. Urako stutze.

„Arafis! Wie kommst du denn hier her? Und warum trĂ€gst du Selans Schlafgewand?“
Doch seine VerblĂŒffung verflog so schnell, wie sie gekommen war. „Wir haben dich stundenlang gesucht und du sitzt hier mir nichts, dir nichts, auf dieser verschissenen Mauer!“

Er wies mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Albin um seiner RĂŒge Nachdruck zu verleihen. „Selan hat sich vielleicht Sorgen gemacht! Und ich habe vom vielen Suchen Muskelkater, weil ich so gutmĂŒtig war, ihm zu helfen, auch wenn du mir piepegal bist.“

Er machte eine Pause und musterte sie von Kopf bis Fuß. Verletzt sah sie auf den ersten Blick nicht aus. Offenbar hatte sie sich nur halbherzig gegen den Übergriff gewehrt. Dieser Orobas hatte nicht gerade zimperlich gewirkt, wenn der Ernst gemacht hĂ€tte, dann sĂ€he sie jetzt wohl anders aus. Oder sie fand langsam Gefallen an Tieflingen. Er warf er einen prĂŒfenden Blick in ihren Ausschnitt. Vielleicht entdeckte er ja ein paar Knutschflecken, wo Orobas seine Lippen festgesaugt hatte.

Stattdessen entdeckte er etwas anderes.

„Wo hast du das her!“, blaffte er, als er sein geliebtes Äxtchen zwischen ihren BrĂŒsten baumeln sah. „Das hatte ich meinem neuen Hund umgebunden, damit ihn nicht der Scheiß HundefĂ€nger holt – du hast es ihm abgenommen. Und jetzt ist er weg! Futsch!“
Vor Wut richtete er sein Richtbeil auf Arafis.

„Du blöde Waldschnepfe hast meinen Hund auf dem Gewissen! Jetzt vegetiert er in irgendeinem Zwinger und wartet auf den sicheren Tod! Die Welpen wollte ich verkaufen und jetzt habe ich das Vieh umsonst gefĂŒttert!“

"Urako“, rief Selan, der offenbar extra noch einmal zurĂŒckgekommen war. „Schnell, bevor wir sie verlieren. Ralogg, pass auf alles auf und halt nach Arafis ausschau. Urako, beeil dich und trödel nicht so rum, zum schlafen ist spĂ€ter auch noch Zeit."

Dann hastete die Straße entlang nach vorn und eilte um die Ecke. Eine dicke Ledertasche hĂŒpfte beim Laufen auf seinem RĂŒcken herum. Die Albin hatte er in seiner Aufregung einfach ĂŒbersehen.
Urako war hin und her gerissen und blickte zwischen Selan und Arafis hin und her.

Schließlich kommandierte er:

„Sieh zu, dass du meinen Hund wieder lebend auftreibst,
oder ich ziehe dem deinigen ebenfalls das Fell ĂŒber die Ohren.“


Er steckte die Axt wieder in die Halteriemen auf seinem RĂŒcken, funkelte Arafis noch einmal böse an und rannte dann seinem Lehrer hinterher. Er musste sich ziemlich anstrengen, um ihn einzuholen und war bald völlig außer Atem.

"Wir sind gleich da Urako, der Tempel ist gleich da vorn um die Ecke."

„Was fĂŒr ein Tempel?“, keuchte der Henker im Rennen. Er war nach der SchlĂ€gerei und den Anstrengungen im Freudenhaus immer noch erschöpft. „Und wann werde ich endlich verarztet? Mir tut alles weh! FĂŒr diesen Firxas hattest du dir die Zeit genommen, aber ich bin ja bloß dein blöder Lehrling.“

Plötzlich hielt Selan mitten im Lauf inne und drĂŒckte seinen Körper an die kalte Mauer hinter seinem RĂŒcken. Mit seinem linken ausgestreckten Arm bildete er eine Barriere, so das Urako gezwungener Maßen ebenfalls stoppte und sich neben ihn an die Wand presste. Sein neuer Lehrer sah angespannt aus. Schweiß tropfte ihm von der Stirn, die HĂ€nde zitterten und seine Augen schienen im Licht des Vollmondes zu pulsieren.

Der Nekromant flĂŒsterte: "Urako, ganz leise, ich schau einmal nach wie es aussieht und bitte keine eigenmĂ€chtigen Aktionen, wir wollen sie verfolgen, nicht verprĂŒgeln!"

Seelan kniete sich hin und blickte vorsichtig um die Ecke. In gut hundert Meter Entfernung standen Ibn und zwei andere Gestalten. Sie machten sich daran, das Tor zu öffnen. Selan huschte los, rannte auf den Eingang zu und nutzte jede Versteckmöglichkeit die sich ihm bot.

„Warte“, schnaufte Urako und hastete seinem Lehrer hinterher. „Nicht so schnell... ich bin völlig außer Puste...“ Die drei Gestalten verschwanden im Inneren des Tempels. Kurz darauf erreichte Selan das Tor und drĂŒckte prĂŒfend die Klinke hinab.

"Wir haben GlĂŒck, die drei haben vergessen wieder ab zu schließen."

Vorsichtig öffnete er einen Spalt.

„Lass mich mal“, raunzte Urako und quetschte sich unter seinen Armen hindurch. Dabei schob er ihm den FlĂŒgel ins Gesicht, um sich Platz zu verschaffen. Ein kĂŒhler Windhauch und der Geruch von Stein schlugen ihm entgegen. GedĂ€mpfte Stimmen halten in dem Gotteshaus wieder. Sie schienen weit entfernt und so schlich Urako in das GebĂ€ude hinein. Seine nackten FĂŒĂŸe traten auf vollkommen ebene Kacheln. Er musste die Zehen beim Schleichen nach oben biegen, damit seine Klauen kein kratzendes GerĂ€usch verursachen.

In seinem ganzen Leben war er noch nie in einem so großen Haus gewesen. Er kannte nur die Holz- und SchilfhĂŒtten aus Phintias. Misstrauisch besah er das gigantische Kuppelgewölbe. Wie konnten so große, schwere Steine so hoch ĂŒbereinander gestapelt werden, ohne dass sie einstĂŒrzten? Das... das konnte gar nicht stabil sein! Urakos Kehle schnĂŒrte sich zusammen. Er hatte das GefĂŒhl, durch einen Schilfhalm atmen zu mĂŒssen, jeder Atemzug schmerzte wie ein Messerstich. Er griff sich an den Hals, und begann zu taumeln.

Das Gewölbe begann sich ĂŒber ihm zu drehen. Die gewaltigen Steinquader schienen zu verrutschen, es dröhnte in seinen Ohren und knisterte, die Schatten wurden Risse, die das gesamte Mauerwerk durchdrangen und die Steine spalteten.

„Hah... hah...“, keuchte er, die HĂ€nde an die Kehle gepresst. Er versuchte, den Weg zurĂŒck zu taumeln, doch der Boden wogte wie ein See, der vom Unwetter gepeitscht wird. Seine FĂŒĂŸe fanden keinen Halt, mit den FlĂŒgeln versuchte er, die Balance zu halten, sein Herz raste wie wirbelnde Trommeln. Die Knie sackten unter ihm zusammen und er stĂŒrzte rĂŒcklings auf die Kacheln.

Mitten im Tempel blieb er liegen, Arme, Beine und die FlĂŒgel weit von sich gestreckt, wĂ€hrend ĂŒber ihm das Gewölbe einen rasenden Tanz auffĂŒhrte. Kalter Schweiß bedeckte seinen ganzen Körper.

„Meister, da war ein GerĂ€usch“, raunte eine Stimme, die von den WĂ€nden wiederhallte.
„Du bist paranoid, das habe ich dir schon einmal gesagt, Orobas. Aber sieh meinetwegen nach, wenn dich das beruhigt, nur beeile dich. Wir haben nicht viel Zeit, der SchlĂŒssel muss bei Sonnenaufgang wieder an Ort und Stelle hĂ€ngen. Firxas, du bleibst hier und hilfst mir.“

„Kann ich die Ritualmaske heute ausnahmsweise weglassen? Dieses Arschloch hat mir vorhin mein Gesicht dermaßen verbeult, dass es ganz geschwollen ist.“

„Was fĂ€llt dir ein, natĂŒrlich musst du die Maske aufsetzen! Ich denke, ihr zwei seid Kampfmagier? Du solltest am besten Wissen, dass es absolut lĂ€cherlich aussieht, wenn ihr nicht ansprechend gekleidet seid. Erstes Ausbildungsjahr in der Magierakademie von Doremas! Und jetzt hör auf, herumzualbern und steig in deinen Anzug!“

Die Stimmen kamen wie aus weiter Ferne. Urakos Mageninhalt quoll aus seinem Rachen und seiner Nase und er musste husten. Schritte hallten im Tempel wieder und kamen rasch nÀher.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#18

Beitragvon Arafis » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:17

Die Albin wÀre beinahe von der Mauer gefallen, als sie plötzlich die Stimme von Urako vernahm. Warum ist denn der noch hier?, dachte sie sich erschrocken und starrte den Tiefling an.

„Arafis! Wie kommst du denn hier her? Und warum trĂ€gst du Selans Schlafgewand? Wir haben dich stundenlang gesucht und du sitzt hier mir nichts, dir nichts, auf dieser verschissenen Mauer!“, seine Stimme klang anklagend und nicht gerade freundlich.
Die Albin blickte an sich herunter. Selans Schlafgewand also
 Macht sich doch ganz gut als Wickelkleid, sie verkniff sich den Kommentar aber, da sie erkannte, dass Urako nicht zum Spassen aufgelegt war.

„Selan hat sich vielleicht Sorgen gemacht! Und ich habe vom vielen Suchen Muskelkater, weil ich so gutmĂŒtig war, ihm zu helfen, auch wenn du mir piepegal bist.“
Arafis, die von Selans Zauber noch immer etwas vernebelte Gedanken hatte und nichts von der Verfolgungsjagd durch Orobas wusste, blickte Urako nur verstÀndnislos an.
„Ich wollte nur die Stadt etwas kennenlernen“, machte sie einen vorsichtigen Versuch, sich zu rechtfertigen. Doch warum sie Selans Schlafgewand trug, konnte sie dem Tiefling ja schlecht verraten. Schliesslich wusste sie ja selber nicht, wieso sie in ihrer Wolfsgestalt unterwegs gewesen und wo ihre GewĂ€nder abgeblieben waren.
„Und meine Kleider
 nunja, ich
 wollte sie Mal wieder waschen und hatte mir als Übergang Selans Gewand ausgeliehen und irgendwie
 waren meine Kleider danach verschwunden“, sie stockte und blickte Urako etwas unsicher an. Hoffentlich fragt er nicht weiter nach!

Doch ihm schien etwas ganz anderes ins Auge gestochen zu sein, denn plötzlich Ă€nderte sich seine Haltung und er wirkte auf einmal verĂ€rgert, wenn nicht gar richtig wĂŒtend.
„Wo hast du das her!“, blaffte er, als er sein geliebtes Äxtchen zwischen ihren BrĂŒsten baumeln sah. „Das hatte ich meinem neuen Hund umgebunden, damit ihn nicht der Scheiß HundefĂ€nger holt – du hast es ihm abgenommen. Und jetzt ist er weg! Futsch!“

Arafis erstarrte. Das hatte sie völlig vergessen. Reflexartig griff sie nach dem AnhÀnger und umklammerte ihn mit der Hand. Wie sollte sie das bloss erklÀren? Doch immerhin brachte Urako sie nicht mit der Wölfin in Verbindung.
Unterdessen zetterte der Tiefling weiter: „Du blöde Waldschnepfe hast meinen Hund auf dem Gewissen! Jetzt vegetiert er in irgendeinem Zwinger und wartet auf den sicheren Tod! Die Welpen wollte ich verkaufen und jetzt habe ich das Vieh umsonst gefĂŒttert!“
Einen Moment war die Albin erstaunt, dass der DĂ€mon sich solche Sorgen um einen Hund machte, doch als sie im nĂ€chsten Augenblick seine egoistischen Absichten erkannte, schnaubte sie nur ebenfalls verĂ€rgert und ihre Augen blitzten den Tiefling wĂŒtend an.
Im nĂ€chsten Moment richtete Urako jedoch sein Beil auf die Albin. Sie sprang sofort auf die FĂŒsse und ihr Körper war von einem Moment auf den nĂ€chsten angespannt. Sie hatte keine Ahnung, was sie machen sollte, falls der DĂ€mon sie angreifen wĂŒrde, doch er war schon so verbeult, warum auch immer, dass die Albin vielleicht sogar eine Chance gehabt hĂ€tte.

Doch bevor es zu einer solchen Ausschreitung kommen konnte, hörte sie plötzlich die bekannte Stimme von Selan nach Urako rufen: „Schnell, bevor wir sie verlieren. Ralogg, pass auf alles auf und halt nach Arafis ausschau. Urako, beeil dich und trödel nicht so rum, zum schlafen ist spĂ€ter auch noch Zeit."
Der grössere Tiefling hatte in seinem Eifer die Albin gar nicht gesehen und die angespannte Situation nicht mitbekommen. Urako schien zu zögern und hin und her gerissen zu sein.
Schliesslich knurrte er: „Sieh zu, dass du meinen Hund wieder lebend auftreibst,
oder ich ziehe dem deinigen ebenfalls das Fell ĂŒber die Ohren.“
Er packte sein Beil weg und mit einem letzten drohenden Blick rannte er dem Nekromanten hinterher.

Arafis war wie erstarrt. Was nun? Wo waren die beiden hingegangen? Was hatte das alles zu bedeuten?
Sie ĂŒberlegte kurz. Irgendwie musste sie Urako zeigen, dass die angebliche HĂŒndin noch lebte und seinen AnhĂ€nger trug. Folglich musste sie sich ihm in ihrer Tiergestalt zeigen. Danach könnte sie den GlĂŒcksbringer in ihrer Albengestalt nur noch versteckt tragen und die HĂŒndin wĂ€re auf seltsame Weise verschwunden, natĂŒrlich mit dem AnhĂ€nger
 und Arafis wĂ€re aus dem Schneider. Oder sie könnte das Teil danach auch einfach loswerden

Dann dachte sie jedoch an den Blick von Urako, als er es ihr unwissentlich um den Hals gelegt hatte, und wie viel es ihm scheinbar bedeutete.
Vielleicht konnte sie es auch irgendwie gegen ihn verwenden, schliesslich hatte sie noch immer eine Rechnung mit ihm offen


Schliesslich beschloss sie, den beiden Tieflingen zu folgen. Sie ging zu den Pferden und Fricai hinĂŒber, und als sie niemanden in der NĂ€he erkennen konnte, legte sie Selans Gewand ab und versteckte es bei den Tieren, so dass sie diesmal nicht wieder ohne Kleidung dastehen wĂŒrde, sobald sie zurĂŒckkam.
Den AnhĂ€nger von Urako liess sie umgehĂ€ngt und verwandelte sich dann in ihre Wolfsgestalt und liess Fricai und die Pferde bei Ralogg zurĂŒck.

Arafis konnte sich einfach nicht mit der Stadt anfreunden. Und als sie, die Nase immer schnĂŒffelnd am Boden, der Spur von Urako und Selan folgte, fĂŒhlte sie sich unbehaglich.

Immer weiter durch die Stadt und durch enge Gassen ging die Verfolgung. Die Wölfin hastete weiter und war schliesslich vollkommen durchnÀsst, als die Verfolgung vor dem Eingang eines riesigen GebÀudes endete. Arafis hatte so etwas noch nie gesehen, und blickte beeindruckt das gigantische Tor an, das sich vor ihr in die Höhe erstreckte.
Schliesslich schnĂŒffelte sie neugierig den Eingangsbereich ab, um mögliche Hinweise zu entdeckten.

Gerade als sie ĂŒberlegte, wie sie denn nun in das GebĂ€ude hineinkommen sollte, hörte sie eine wĂŒtende Stimme hinter sich rufen: „Verschwinde Köter! Du hast hier nichts verloren, das ist ein heiliger Ort!“
Die Wölfin kratzte kurz vergeblich an der grossen TĂŒr, doch so leicht liess sie sich nicht öffnen.
Mit eiligen Schritten kam ein mittelalter Mann in langem Gewand auf sie zugelaufen und fuchtelte drohend mit einem Stab in der Hand herum.
Arafis versuchte zurĂŒckzuweichen, reagierte aber nicht schnell genug und der Holzstab traf sie unglĂŒcklich in die Seite. Sie winselte ĂŒberrascht vor Schmerz und duckte sich unter dem nĂ€chsten Hieb hinweg, um hinter eine SĂ€ule vor dem Tempel auszuweichen. Der Mann liess jedoch nicht locker und schimpfend kam er hinter dem vermeintlichen Köter hergelaufen, so dass es wie ein Fangenspiel anmutete, wie Arafis ihm auswich und er sie mit grimmiger Miene verfolgte.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#19

Beitragvon Selan Todaric » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:18

Selan pulsierte das Herz als er seine rechte zittrige Hand auf die TĂŒrklinke legte. In diesem Moment schossen ihm 1000 Dinge durch den Kopf. Hatten sie ihn und Urako beim verfolgen gesehen? WĂŒrden sie hinter der TĂŒr auf ihn lauern? Wird er gleich Dinge ĂŒber seinen ehemaligen SchĂŒler erfahren, die er lieber nicht wissen wollte? Was hat Ibn mit diesem mysteriösen Nekromantenorden zu tun? Gleich wĂŒrde es Selan wissen, er schluckte noch einmal und drĂŒckte langsam die Klinke nach unten. Noch im DrĂŒcken der Klinke quetschte sich Urako unter seinem Arm hindurch.

„Lass mich mal!“, raunzte er den Nekromanten an und schob ihm dabei seine FlĂŒgel ins Gesicht um Selan beiseite zu stoßen. Zuerst wahr Selan von Urakos tun nicht begeistert, war Urako doch verletzt und wollte ihn trotz, dass er seine Hilfe benötigte beschĂŒtzen, doch dann war er froh das er ihm die schwere BĂŒrde abgenommen hatte. Zum GlĂŒck war hinter der TĂŒr keine Seele die auf sie gewartet hatte, ihre Verfolgung blieb also unentdeckt. Nur ein kalter Windhauch, der den Geruch von Stein mit sich trug begrĂŒĂŸte die beiden Tieflinge am Eingang des geweihten Ortes.

Vorsichtig schob sich Selan in das GemĂ€uer herein, gedĂ€mpfte Stimmen hallten durch das Gotteshaus, weit entfernt schienen sie zu sein. Selan war froh, hatte sich doch die Schlimme Vorahnung nicht bewahrheitet. Vorsichtig ging Selan noch einen Schritt weiter und schaute sich etwas um. Der seichte Schein des Mondlichtes erhellte das Gotteshaus nur sacht. Hier und da konnte man hölzerne SchrĂ€nke, BĂ€nke, Tische und eine Art gemauerten etwas weiter vorn erkennen. Überall waren steinerne SĂ€ulen zu erkennen, die wohl dafĂŒr da waren, die ganze Kuppel zu stĂŒtzen. Hier und da standen große EisenstĂ€nde, was wohl Kerzenhalter sein mussten, die sonst fĂŒr das Licht in dieser Halle sorgen, dachte sich Selan.

Nach wenigen Sekunden schafften es Selans Augen sich endlich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
Nun sah er auch die Teppiche, die ĂŒberall verteilt waren. Der Tiefling war begeistert, wie musste dieser Ort erst aussehen, wenn er festlich mit all den Kerzen erleuchtet wurde. Wunderschön vermutete er, die Teppiche, das fein bearbeitete Gewölbe, die reich verzierten FensterlĂ€den und die langen, bis zum Boden reichenden VorhĂ€nge mit den Kordeln, unglaublich. Selan staunte ĂŒber ein solch wohlsam eingerichtetes Gotteshaus.

Urako hingegen schien kein Freund von Schönheit im eigentlichen Sinne zu sein, fĂŒr Kultur hatte er, wie Selan feststellen musste kein Auge. Muffig wie eh und je schlich Urako unachtsam in das GebĂ€ude herein.

"Urako, warte ich höre etwas!", wollte Selan ihm noch zuflĂŒstern, aber Urako hörte nicht und lief immer weiter hinein in das GemĂ€uer.

Und da waren sie wieder die Stimmen, die Selan gehört hatte.

„Meister, da war ein GerĂ€usch“

„Du bist paranoid, das habe ich dir schon einmal gesagt, Orobas. Aber sieh meinetwegen nach, wenn dich das beruhigt, nur beeile dich. Wir haben nicht viel Zeit, der SchlĂŒssel muss bei Sonnenaufgang wieder an Ort und Stelle hĂ€ngen. Firxas, du bleibst hier und hilfst mir.“

„Kann ich die Ritualmaske heute ausnahmsweise weglassen? Dieses Arschloch hat mir vorhin mein Gesicht dermaßen verbeult, dass es ganz geschwollen ist.“

„Was fĂ€llt dir ein, natĂŒrlich musst du die Maske aufsetzen! Ich denke, ihr zwei seid Kampfmagier? Du solltest am besten Wissen, dass es absolut lĂ€cherlich aussieht, wenn ihr nicht ansprechend gekleidet seid. Erstes Ausbildungsjahr in der Magierakademie von Doremas! Und jetzt hör auf, herumzualbern und steig in deinen Anzug!“

Selan erschrag, hatte er sich doch nicht geirrt. Schnell wollte er noch nach vorn hasten und Urako aufhalten, da er vermutete, er hatte die Stimmen nicht gehört, war es auch schon zu spÀt. Plötzlich brach Urako zusammen und sein Mageninhalt verteilte sich auf dem Boden vor ihm.

Selan schoss das Blut in den Kopf, da lag er nun, sein SchĂŒler Urako und just in diesem Moment kamen drei Gestalten auf ihn zu, die ihn wohl ohne zu zögern umbringen wĂŒrden, wenn Selan nicht eingreifen wĂŒrde. Selan schoss es wie einen Blitz durch den Kopf, wieder einmal war einer seiner SchĂŒler dem Leben nĂ€her als dem Tode. Jetzt rĂ€chte es sich, dass Selan so Gedankenverloren war, hatte er doch vorhin vergessen Urako zu verarzten, wie konnte ihm nur so etwas passieren? War es ihm wichtiger die Mörder seines ersten SchĂŒlers zu finden, als sich nun um seinen neuen SchĂŒler zu kĂŒmmern? Selan was war mit dir los, ging es ihm noch durch den Kopf, als sich schon das nĂ€chste Problem anbahnte.

„Verschwinde Köter! Du hast hier nichts verloren, das ist ein heiliger Ort!“

BrĂŒllte es plötzlich hinter ihm. Augenblicklich drehte er sich um, um sah einen wĂŒtenden mittelalten Mann mit langem Gewand heran geeilt, der mit erhobenem Stab wild herum fuchtelte.
Zuerst verstand Selan gar nicht was los war, warum bezeichnete der alte Mann ihn als Köter?
Doch auf den zweiten Blick verstand Selan. Ein Hund stand nur unweit von ihm entfernt, den meinte der Mann wahrscheinlich. Der Tiefling wollte es zuerst nicht glauben, griff doch der alte Mann plötzlich den Hund mit einem Stock an. Zum GlĂŒck war der Hund sehr wendig, immer wieder weichte er ihm aus, schlug Harken, duckte sich, wich wieder einem Schlag aus.

"Lassen sie doch bitte den Hund in frieden, er hat doch keinen etwas getahn. Er ist ein Kind der Götter, er hat auch das Recht hier zu sein.", versuchte Selan den wild gewordenen zu besÀmpftigen, jedoch war dieser zu sehr mit seiner Jagd beschÀftigt.

Jedoch gerade als Selan eingreifen wollte, kam der Hund auf ihn zu gerandt und windelte ihn an. Ein Blick in die traurigen, verletzten und Angst erfĂŒllten Augen des Tieres reichten Selan aus um zu begreifen. Sofort nahm er den vermeindlichen Hund hoch und drehte sich etwas abseits zu dem alten, denn ihn wĂŒrde der alte sicherlich nicht angreifen, so zumindest hoffte er.

Der Hund war sichtlich froh ĂŒber diese Geste und leckte Selan zart ĂŒber die Wange, unschwer zu erkennen war dabei das Halsband was er um sich trug.

"He moment mal, dass ist doch Urakos AnhÀnger stimmts? Bist du etwa sein neuer Hund, von dem ich gehört habe? Eigentlich siehst du mir ja eher wie ein Wolf aus mein bester. Ach nein, du warst ja eine sie, meinte Urako, verzeihung bitte!", lÀchelte Selan den Wolf freundlich an.

Unerwartet kam der Àltere Mann mit erhobendem Stock auf Selan doch zu, "Gib das Mistvieh her, dass hat hier an diesem geweihten Ort nichts zu suchen."

"Dieses Mistvieh, wie sie es bezeichnen ist mein Hund und ich verbiete es ihnen so mit ihr zu reden. Zumal frage ich mich eh, wer mehr das Tier ist. Ein Tier was ohne etwas angestellt zu haben gehetzt wird und brĂŒgel angedroht bekommt. Oder ein alter Mann, der eine selbst ernannte Wache spielt und dabei in der NĂ€he eines Gotteshauses dermaßen mit ausdrĂŒcken um sich wirft und dazu noch ein Tier quĂ€lt. Geh lieber, dann bete ich auch um Vergebung deiner SĂŒnden diesem Tier gegenĂŒber."

Die Ansprache des Nekromanten schien Wirkung zu zeigen, total perlex war der Mann und nahm seinen Stock wieder runter. Völlig entgeistert gehrte er langsam ein und entfernte sich von Athronos Haus, ohne auch nur noch ein Wort zu sagen.

"Den hÀtten wirs gezeigt, nicht wahr?", sprach Selan zu Urakos Wolf und setzte sie langsam wieder ab.

Sogleich wich aber die Freunde ĂŒber diesen kleinen Erfolg aus Selans Gesicht und der Ernst der Lage kehrte wieder in sein GedĂ€chtnis zurĂŒck. Immer noch lag Urako sich krĂŒmmend vor Schmerzen auf dem Boden und durch den alten Mann hatte er auch noch viel kostbare Zeit verloren.

Vorsichtig streichelte Selan den Wolf ĂŒber den Kopf, "Deine Rettung hat mich ganz schön viel Zeit gekostet, weißt du das, nun hat dein Herrchen echte Probleme, er ist Gefahr. Aber schau nicht so, ich mach dir kein Vorwurf, ich bin froh das du erst einmal in Sicherheit bist. Bleib bitte hier, ich werde versuchen dein Herrchen nun auch noch in Sicherheit zu bringen."

Die Ohren des Tieflings lauschten, die Schritte kamen immer nÀher, nur noch wenige Sekunden wÀren es, bis sie hier wÀren.

Jetzt oder nie, dachte sich Selan und huschte geduckt in das innere des Tempels hinĂŒber zu Urako. Schnell packte er Urako an den Beine und schliff ihn hinter die nĂ€chste Reihe aus SitzbĂ€nken, dessen Lehne zum GlĂŒck bis zum Borden reichte. Gerade der rechte Moment, denn in diesem Moment erhellte Kerzenschein in unmittelbarer Entfernung einem Gang, der aus der Tiefe kommt.

"Pssssst, Urako, wach auf!", flĂŒsterte Selan Urako leise zu und klopfe ihm ein wenig auf die Wangen.

"Urako, bitte, deine Sture Art kostet uns gleich das Leben, wenn du nicht gleich wieder bei dir bist."

"Dann schau mal nach wo hier deine GerĂ€usche sind, viel Spaß du Idiot.", schallte es plötzlich durch den Raum. Selan rannen Schweißperlen ĂŒber die Stirn, damit stand fest sie sind hier. Damit war Selan in bedrĂ€ngnis, der hatte sich geschworen keinerlei Angriffszauber zu erlernen und auch im Nahkampf ist er nicht zu gebrauchen. Eine letzte Chance war nun ein Zauber beschloss Selan, aber ob dieser die Rettung sein sollte, selbst Selan selbst war sich dabei nicht sicher.

So flĂŒsterte Selan so leise es ging die Worte.

"Mortuus exaudivit me
Ego opus opem
Rogo fƓtor
Arcerent hostem,
Fiat mihi fugite
Quod in imo hostium
Distentio et foetore plenum eget immortuorum spĂ­ritus 1*"


Und der Gestank der Totren breitete sich langsam im Hause Athronos aus.

╔════════════════════════════════════════════════════════╗
*1
Selans Zauberspruch -Totengestank:

Tote erhöret mich
Eure Hilfe benötige ich
Euren Gestank erbitte ich
Halte die Gegner
Lasset mich fliehen
Am Boden liegen die Gegner
Voller Krampf und Gestankchemie
╚════════════════════════════════════════════════════════╝
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Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


Kleine Legende:
"Text" -> Gesprochener Text /\ >Text< -> Gedachter Text

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#20

Beitragvon Urako » Sa 21. MĂ€r 2015, 14:19

Selan tauchte auf, packte Urako an den FĂŒĂŸen und schleifte ihn zwischen zwei Bankreihen. Dabei zog er ihn mit dem Kopf genau durch sein Erbrochenes und sein Pferdeschwanz hinterließ eine hĂ€ssliche Schleifspur. Jedoch war der Henker ausnahmsweise nicht in der Stimmung, sich darĂŒber zu beschweren. Die Angst, dass das massive SteingebĂ€ude zusammenbrechen und ihn unter sich begraben wĂŒrde, fĂŒllte sein gesamtes Denken aus. Erst, als die HolzbĂ€nke die Sicht auf das Dach verdeckten, wich die Übelkeit und er konnte wieder besser atmen.

"Pssssst, Urako, wach auf!", flĂŒsterte Selan Urako leise zu und klopfe ihm auf die Wangen.
"Urako, bitte, deine Sture Art kostet uns gleich das Leben, wenn du nicht gleich wieder bei dir bist."
Der Henker ging vor Schmerz fast an die Decke. „Ich bin doch gar nicht ohnmĂ€chtig, du Hornochse“, zischte er. „Hör auf, mir auf die Beulen zu fassen, sonst verpasse ich dir auch welche!“ Er rappelte sich mĂŒhsam auf. Der Schmerz hatte den letzten Rest Benommenheit verjagt, nur die Übelkeit blieb.

Zwischen den Bankreihen hindurch konnten sie Orobas in voller Kampfmontur beobachten, was in seinem Falle hieß, dass er komplett in eng anliegendes dunkles Leder gekleidet war, das schnelle, raumgreifende Bewegungen ermöglichte. Sein Gesicht war von einer passenden Maske bedeckt und in der Hand trug er einen mannshohen Zauberstab. Die verschnörkelten Symbole, die in das Leder geprĂ€gt waren, glommen leicht blau, was bedeutete, dass Orobas sich in Bereitschaft befand, aber nicht vorhatte, einen unmittelbaren Zauber zu wirken.

Er schlenderte langsam die Strecke zwischen Opferaltar und Tor entlang, wobei er sich umsah. Er konnte sie von da aus nicht sehen, jedoch wĂŒrde er bald in Urakos halbverdaute letzte Mahlzeit hineintreten und spĂ€testens dann auch die Schleifspur entdecken, die zu ihrem Versteck fĂŒhrte.

Ein Kampf mit diesem Mann war aussichtslos, denn wenn er seine Amtsrobe trug, war ihm auch gestattet,
jene mĂ€chtigen Kampfzauber zu wirken, die sonst in der Öffentlichkeit verboten waren.

Selan wirkte gerade wieder seinen Stinkzauber, woraufhin Orobas sich mehrmals rÀusperte.

„Diesen Leichenpupszauber musst du mir unbeding auch beibringen“, flĂŒsterte Urako seinem Lehrer zu. „stell dir mal vor, ein Trupp schöner TĂ€nzerinnen auf dem Markt und plötzlich geht von ihnen so ein bestialischer Mief aus. Furzende Zappeltanten, das wĂ€r mal was! Stell dir die Gesichter von dem Publikum vor!“

Orobas jedoch störte der Gestank, den Selan verbreitet hatte, nicht weiter. Er setzte seinen Rundgang unbeeindruckt fort. Etwas wehmĂŒtig betrachtete Urako seine FĂ€uste, die er dem VerrĂ€ter gern ins Gesicht gehĂ€mmert hĂ€tte. Da fiel ihm etwas ein. Selan und Orobas waren nicht die einzigen hier, die Magie wirken konnten. Der Henker grinste breit.

„Pass auf Selan, gleich bietet sich dir eine Vorstellung, wie du sie noch nie gesehen hast. Da kannst du mit deinem bisschen Hokuspokus einpacken. Sieh zu und staune!“

Urako formte mit den HĂ€nden einen Hohlraum, brachte sie an seinen Mund und pustete hinein. Rauch quoll zwischen seinen Fingern hervor und stieg beißend in seine Nase, doch das reichte noch nicht. Er blies weiter, es wurde heiß in seinen HĂ€nden, so heiß, dass er die HĂ€nde öffnete und vor sich hielt, als wĂŒrde er damit Wasser schöpfen wollen. Darin saß nun, von Rauch umhĂŒllt, ein kleiner Vogel, der aus purem Feuer bestand.

„Na ja, eigentlich sollte es ein Falke werden, aber fĂŒr unsere Zwecke tut es auch ein Spatz.
Flieg, Kleiner. Flieg!“


Der Feuerspatz flatterte unter den BĂ€nken entlang, damit er sich nicht durch sein Leuchten verriet. Orobas jedoch hatte die Energie gespĂŒrt, die Urako fĂŒr die Beschwörung freigesetzt hatte. Die Symbole auf seiner Kleidung leuchteten auf, er packte seinen Stab fest mit beiden HĂ€nden und schritt zielstrebig auf die beiden Eindringlinge zu.

Der Flammenspatz schoss unter den BĂ€nken hervor und auf ihn zu.

Am Ende des Stabes erschien eine blÀulich-transparente Kugel, Orobas machte eine kaum wahrnehmbare Bewegung und noch ehe der Feuervogel auch nur in die NÀhe des Magiers kam, wurde er mit einem leisen Zischen ausgelöscht und das einzige, was noch daran erinnerte war ein nasser Fleck auf dem Teppich.
Wassermagie.

Orobas grinste unter seiner Maske fast mitleidig ob dieses stĂŒmperhaften Angriffs. Doch plötzlich wurde seine Aufmerksamkeit von einem Knistern geweckt. Er fuhr herum und musste sehen, dass einer der langen VorhĂ€nge in Flammen stand. Das Feuer breitete sich auf dem trockenen Stoff in rasender Geschwindigkeit aus, schon griff es auf den nĂ€chsten Vorhang ĂŒber.

ÜbeltĂ€ter war Urako, der wĂ€hrend des kurzen Moments der Ablenkung unter den BĂ€nken hindurch gekrochen war und von dort aus mit einer beschworenen Flammenpeitsche den Vorhang in Brand gesteckt hatte. Jetzt entzĂŒndete er gerade einen TeppichlĂ€ufer, der ĂŒber die gesamte LĂ€nge des Tempels verlief.

Orobas schoss ein paar Wasserkugeln, doch der Stoff war so trocken, dass er damit keine Chance hatte.
„Meister Altsalat!“, schrie er, „Firxas!“
Panisch rannte er dahin zurĂŒck, wo er hergekommen war, wĂ€hrend das Feuer immer stĂ€rker loderte
und der Qualm die Sicht verdeckte.

„Na, was sagst du?“, posaunte Urako und kroch wieder zu Selan. „Du kannst stolz auf mich sein. Dein SchĂŒler hat soeben einem professionell ausgebildeten Zauberer ein Schnippchen geschlagen. Tja, das kommt davon, wenn man bloß Magie beherrscht, die zum KĂ€mpfen gut ist. Feuerlöschen steht wohl nicht auf seiner FĂ€higkeitenliste, obwohl man ja meinen könnte, dass es das Naheliegendste fĂŒr einen Wassermagier wĂ€re. Allerdings muss ich zugeben, dass wir in Phintias auch nur Ă€ußerst selten BrĂ€nde haben und er darum wohl auf das Erlernen eines passenden Zaubers verzichtet hat.“
Er lachte ĂŒber seinen eigenen Witz und erhob sich.
„Los komm, GrĂŒnspan, nutzen wir die Gelegenheit um 
 oh, hmmm.
Jetzt haben wir ein Problem.“


Die HÀlfte des Tempels, in der sie sich befanden, stand bis unter das Dach in Flammen. Die VorhÀnge brannten, die Teppiche und die ersten BÀnke loderten lichterloh. Der Weg zum Ausgang war von einer mehreren Meter hohen Flammenwand versperrt. Aus den Fenstern konnten sie auch nicht fliegen, da die brennenden VorhÀnge dies unmöglich machten.

„Scheiße, das war wohl etwas viel des Guten! Können die hier nichts ordentliches bauen? In Phintias wĂ€re das nicht passiert, da ist alles aus schön matschigem Schilf gebaut und von nassem Moos ĂŒberzogen. Sollten die hier auch mal probieren. Komm schon, Selan, uns bleibt nur der Weg, den Orobas genommen hat! In dieser Richtung brennen die VorhĂ€nge noch nicht, dort können wir aus einem Fenster fliegen!“

Urako hielt jedoch noch einmal inne und pfiff nach der HĂŒndin, ehe er flĂŒchtete.

Er rannte neben dem brennenden LĂ€ufer entlang, die Hitze wurde langsam unertrĂ€glich und Urako hatte MĂŒhe, in dem Qualm noch zu atmen. Er hustete im Rennen. Doch obwohl er sich alle MĂŒhe gab, war er schon zu erschöpft. Die Flammen ĂŒberholten ihn und bald standen alle VorhĂ€nge und ein Großteil der BĂ€nke in Brand. Urako erkannte mit Entsetzen, dass sie in der Flammenhölle eingeschlossen waren. Mit aufgerissenen Augen drehte er sich um die eigene Achse auf der Suche nach einem Ausweg. Doch da war keiner.
Er wĂŒrde verbrennen.

Aber wo waren Orobas, Ibn und Firxas? Er hatte das andere Ende des Tempels erreicht und keiner von den dreien war zu sehen. Konnten sie sich etwa teleportieren? Nein, das war unmöglich, einen solchen Zauber gab es nicht! Sie mussten einen anderen Ausweg gefunden haben!

Plötzlich stolperte Urako ĂŒber etwas hartes, das aus dem Boden ragte. Einer der Teppiche war zur Seite geschlagen und die darunter liegende FalltĂŒr war sichtbar, in der noch der SchlĂŒssel steckte.

„Selan, hier rein! Und bring den Hund mit!“, rief Urako, öffnete die Klappe und sprang als erster in den Schacht. Ihn empfing angenehme KĂŒhle und Dunkelheit.
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