Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

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Einige Bewohner Asamuras kommen ursprünglich aus Caltharnae, das in Asche versank. Ihr Leben vor der Überfahrt auf den neuen Kontinent wurde hier verewigt.
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Urako

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#11

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 14:13

"Urako, du bist und bleibst ein guter Kerl, auch wenn du dich verstellst!

Ein sardonisches Grinsen spaltete Urakos Gesicht in zwei Hälften, als Selan ihm das Geld aushändigte. „Tja, ich kann eben auch nett sein“, sprach er undließ das Geld in seine Hosentasche gleiten. In Gedanken war er schon im Inneren der Freudenhäuser, wo ihn exotische Schönheiten verwöhnten.

„Komm wir gehen“, befahl Selan und ging in Richtung des Zelteinganges. „Ralogg, du bleibst hier und passt auf alles auf."

„Richtig, keine Zeit zu verlieren. Ich werde umgehend mit den Nachforschungen beginnen und dabei sehr gründlich und gewissenhaft vorgehen! Ich werde kein -“
Er stieß gegen Selans breiten Rücken. Der Schmerz schoss von seinem ramponierten Gesicht durch sein gesamtes Rückenmark. „Auuuu“, jaulte er und hielt sich die Hände vor die Nase. „Musst du so plötzlich stehenbleiben!“

„Da ist er!“, keifte eine fremde Stimme. „Ich habe gesehen, wie er auf den werten Herrn Firxas eingeprügelt hat, so dass das Blut nur noch spritzte!“ Urako lugte vorsichtig hinter seinem Lehrmeister hervor. Sein Unterkiefer sackte nach unten. „Jawohl“, lamentierte eine zweite Stimme. „Und Meister Orobas hat er einen Kinnhaken verpasst, obwohl er nur freundlich dem Albenweib den Weg weisen wollte!“

Ein Mob hatte sich vor Selans liebevoll dekoriertem Zelt versammelt. Urako sah Heugabeln, die in die Luft gestoßen wurden, Fackeln und sogar eine Bratpfanne. „Wo ist die Baumkuschlerin, Eindringling?! Sie hat einen meiner Tontöpfe zerstört und als Waffe benutzt! Ich will Schadenersatz!“

„Da müsst ihr euren geschätzten Orobas fragen, der hat ihr die Kleider vom Leibe gerissen und sie verschleppt“, brüllte Urako hinter Selan hervor und schüttelte zornig die Faust. Doch ihm war alles andere als zum Kämpfen zumute. Ihm war immer noch hundeelend und er außerdem wollte er sich vom fachkundigen Personal der Freudenhäuser trösten lassen.

„Ja, und was soll ich denn sagen? Mein ganzes Gemüse ist auf der Strasse gelandet wegen dieser Prügelei. Wer soll mir das bezahlen? Wir verlangen eine Entschädigung oder sie sollen an den Pranger!“

Die Wölfin schaute etwas ängstlich zu Urako hinauf. So wie er aussah, wäre ein zweiter Kampf wohl nicht so eine gute Idee. Sie näherte sich ihm etwas und blickte dann stur dem Pöbel entgegen.

„Du bist ein gutes Tier“, murmelte Urako, obwohl er Tiere eigentlich nicht leiden konnte. Aber dieser Hund hier schien ihm beistehen zu wollen. Außerdem mochte er Hündinnen sowieso mehr als Rüden. Er überwand sich und strich ihr kurz über den Kopf, um sie zu loben. Vielleicht ließ sie sich ja dazu abrichten, auf Kommando Leute zu zerfleischen.

"Los, nehmt ihn gefangen!"

Selan streckte seine Hand quer nach rechts aus und versperrte somit den Leuten den Zugriff auf Urako.
"Werte Bürger, welches Anliegen habt ihr, was ist los?", versuchte er mit besänftigenden Worten den Mob zu beruhigen.

Urako nutzte die Gelegenheit, um zurück ins Zelt zu huschen. Auf der Rückseite kroch er unter der Zeltbahn hindurch und schlich hinter dem Wagen entlang. Er hielt sich in der Deckung der angebundenen Pferde, dann bog er schnell in eine schmale Gasse ein. Niemand hatte ihn bemerkt.

Das Pflaster wurde zu gestampftem Lehm und es roch nach Urin. Urako folgte dem Weg in die Untiefen eines äußerst schäbigen Viertels hinein. Überall lag Abfall herum, vertrocknete Exkremente säumten den Rinnstein. Aus den Häusern derangen die Stimmen von betrunkenen Männern, auf offener Straße verprügelte jemand seine Frau.

Die Gegend sah vielversprechend aus.
Urakos Gefühl sollte ihn nicht täuschen – bald stand er vor einer mehrstöckigen Bretterbude. Animalische Geräusche drangen an sein Ohr und es stank nach Schweiß, dessen Geruch sich mir übertrieben süßem Räucherwerk mischte. Über dem Eingang stand in falscher Rechtschreibung „Sünndenpfuhl“.

Ohne zu zögern trat Urako ein.
Das erste, was er feststellte war, dass er früher in der falschen Stadt garbeitet hatte – denn hier in Shizu war der örtliche Henker gleichzeitig auch der Aufseher über das Freudenhaus. Er erfuhr, dass dies das einzige Freudenhaus hier war. Der zuständige Henker war gerade anwesend und als er in Urako einen Kollegen erkannte, zeigte er ihm persönlich das Angebot, gab ihm hinter vorgehaltener Hand Empfehlungen und versprach ihm einen Sonderpreis für das „Fünf-Gänge-Menü für Feinschmecker“. Das hörte sich vielversprechend an.

Nach einem kurzen, lebhaften Gespräch verschwand Urako als erstes mit einer Zwergin. Sie trug eine äußerst knappe Rüstung, die einen großzügigen Blick auf ihr Dekolletee bot, dessen Haarwuchs jeden Mann vor Neid erblassen ließ. Die kleine, muskulöse Dame versohlte ihm mit der nackten Hand den Hintern. Dann überschüttete sie ihn mit wüsten Beschimpfungen, während sie auf ihm herum ritt, ehe sie ihn kurz vor dem entscheidenden Moment einfach liegen ließ und aus dem Raum stampfte. Selig grinsend wartete Urako auf den zweiten Gang.

Die Tür öffnete sich und eine Sonnenalbe mit großen blauen Augen streckte vorsichtig den Kopf herein und fragte kaum hörbar, ob sie eintreten dürfte. Sie entpuppte sich unter ihrem Kleid als junger Burche in hochhackigen Schuhen. Urako vernaschte ihn nach allen Regeln der Kunst.

Der dritte Gang war eine blauhäutige Trolldame mittleren Alters. Sie war nur mit einem Gürtel aus Tierknochen bekleidet. Urako musste sich auf den Bauch legen. Sie trampelte mit den nackten Füßen auf seinem Rücken herum, wobei sie einen martialischen Kriegsgesang johlte und nannte dies eine yatekische Massage. Der Henker schmolz vor Wohlgefallen dahin. Er war danach viel zu entspannt für andere Dinge und so ging sie wieder, nachdem sie auch noch auf seinen Flügeln und dem Schweif herumgetrampelt war und überließ ihn dem vierten Gang.

Die Tür flog gegen die Wand und ein Poraha mit Stiernacken stürmte herein, brüllte, dass ihm das Schlafen schon noch vergehen würde, zeriss Urakos herumliegende Unterwäsche und knebelte ihn damit an der Pritsche fest. Urako flehte vergebens darum, ob er denn nicht wenigstens die Tür zumachen könnte, weil ständig Gäste daran vorbeigingen. Der Poraha schrie ihm ins Ohr, dass er die Fresse zu halten habe, er müsse sich auf seine Arbeit konzentrieren. Urako fühlte sich gleich darauf, als ob er gepfählt würde. Der Poraha brüllte, dass er ihm schon Manieren beibringen würde und schlafen sei etwas für Weicheier – er würde schon noch einen echten Kämpfer aus ihm machen. Urako schwebte auf Wolke sieben, während sein Kopf rhythmisch gegen das Kopfende des Bettes stieß. Die offene Tür störte ihn plötzlich überhaupt nicht mehr

Zu guter Letzt kam der fünfte Gang - eine tattrige Nordländergreisin mit Glatze. Auf der kahlen Kopfhaut zeichnete sich ein Netz blauer Adern ab. Sie löste Urakos Unterwäsche-Fesseln, massierte ihm die Handgelenke und bedauerte ihn lautstark. Urako schmiegte sich an sie und heulte sich in ihren dürren Armen über die Schlechtigkeit der Gesellschaft aus, während sie ihn unentwegt streichelte und bedauerte. Irgendwann landeten sie beide unter der Bettdecke, wo Urako nach vollbrachtem Werk zwischen ihren welken Schenkeln friedlich einschlief.

Als er aufwachte, war sie nicht mehr da. Wusste der Kuckuck, wie sie es geschafft hatte, sich unbemerkt unter ihm hervor zu winden. Urako zog die Überreste seiner Kleidung an und ging bezahlen. Er lobte den Service und ließ ein dickes Trinkgeld für die Angestellten da, die ihn bedient hatten. Gückselig lächelnd kehrte er zu Selan zurück.

„Keine Arafis im Freudenhaus. Habe das Angebot gründlich untersucht! Falls du mal rein schauen willst, kann ich dir den Mitternachts-Imbiss empfehlen. Der könnte dir gefallen, hat was mit geschmolzenem Schweineschmalz zu tun. Ich selber habe das Fünf-Gänge Menü genommen, natürlich nur deshalb, um einen möglichst breiten Überblick zu haben. Das war klasse, aber ist wohl eher nichts für Weicheier wie dich. Dafür muss man schon ein gestandener Kerl sein.“

Er strahlte dabei über beide Ohren, was zusammen mit seinem ramponierten Gesicht und den fehlenden Zähnen sicher gruslig aussah. Er war rundum glücklich.
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#12

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 14:14

Erleichtert erkannte Arafis Selan, der herausgetreten war und die Menge zu beruhigen versuchte. Sie diskutierten darüber, dass Urako die beiden Fieslinge verprügelt hatte und sie wollten ihn deswegen bestrafen. Die Albin war entrüstet! Hatten die denn nicht gesehen, was für ein Widerling Orobas war?
Immer wilder wurde die Menge und schien gar nicht auf Selan’s Problemlöseversuche eingehen zu wollen.
Im selben Augenblick streichelte eine Hand über ihren Kopf und sie zuckte überrascht zusammen. Es war tatsächlich Urako. Und sie glaubte etwas wie „du bist ein gutes Tier“, aus seinem Mund zu hören. Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen, genoss es aber, von ihm einmal nicht angezickt zu werden. Sie wollte lieber nicht überlegen, was es bedeutete, als Tier mehr wert zu sein, als in ihrer natürlichen Gestalt.
"Das ist ja auch das mindeste, aber Strafe hat er trotzdem verdient. Auspeitschen soll man den Schläger!", vernahm sie in diesem Moment die Worte. Sie war so abgelenkt von der Meute, dass sie gar nicht bemerkte, wie Urako verschwand.
„Ich denke das ist nicht notwendig, die Schuld wird beglichen. Zumal waren die anderen beiden, die die angefangen haben und die Baumku... ALBIN belästigt haben.", korregierte sich Selan schnell.
Arafis blickte entrüstete zu dem Dämonen hoch. Doch Selan beachtete sie gar nicht.
Erst jetzt bemerkte sie, dass auch Urako verschwunden war. Sie schüttelte den Kopf.

Ich such mir jetzt besser was zum Anziehen, dann kann ich die Situation vielleicht klären!
Sie sprang auf und schaffte es, sich zwischen der Menge hindurchzuzwängen. Aller Augen waren nur auf Selan gerichtete und niemand beachtete sie.
Die Leute wurden immer aggressiver und die Wölfin sah Schaufeln und andere Geräte herumfuchteln. Knapp konnte sie einem Knüppel ausweichen, der herumgewedelt wurde.
Doch plötzlich wurde es dunkel zwischen der Gasse und der Mob wurde unruhig.
Arafis‘ sensible Nase nahm den Geruch wahr, bevor auch die Menge sich die Riecher hielt. Ein unglaublicher Gestank breitete sich aus, so dass einem Tränen in die Augen stiegen und man dachte, man würde mitten in einem Leichenhaufen sitzen. Arafis hörte Fricai aufheulen und auch sie selber unterdrückte nur mit Mühe ein Jaulen. Doch es war noch nicht das Schlimmste.

Im nächsten Moment ertönte ein Schrei, der ihr das Blut in den Adern gefrieren liess. Sie zog den Schwanz ein und duckte sich und begann zu zittern. Auch die Menschen schienen in Panik und Entsetzen verfallen zu sein und begannen davon zu rennen. Nur einige standen noch wie erstarrt da und blickten zu Selan hinauf.
“Ihre werdet euch an nichts erinnern, Verschwindet!”
Der Mob verschwand in alle Richtungen.
Arafis fühlte sich plötzlich seltsam.
Eine Leere hatte sich in ihr ausgebreitet und sie blickte sich, noch immer schlotternd, um.
Was ist passiert?
Sie befand sich auf einem kleinen Platz, wo verschiedene Gassen wegführten. Alles war still geworden. Sie hatte den Drang, wegzulaufen. Schliesslich liess sie ihren Beinen freien Lauf und fühlte sich gleich viel besser, als sie sich von dem Ort entfernte.

Irgendwann blieb sie stehen und schaute sich irritiert um.
Ihr Bewusstsein begann sich wieder neu zu formieren. Ihr erster Gedanke galt ihrem Begleiter. Wo war Fricai? Und warum war sie weggerannt? Sie hatten doch gerade erst den Stand aufgestellt.
Vage erinnerte sie sich daran, dass sie Urako zum Marktplatz folgen wollte. Genau, sie wollte sich etwas umsehen. Dann erkannte sie, dass sie in ihrer Wolfsgestalt war. Seltsam. Doch vermutlich wollte sie nur weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So trottete sie schliesslich los, Richtung Marktplatz.
Dort angekommen herrschte das alltägliche Lärmen und Schreien. Sie blieb stehen und blickte sich neugierig um.
Schliesslich ging sie ziellos umher und schaute sich zwischen den Ständen nach der bekannten Gestalt des Tieflings um.

Als sie irgendwann genug gesehen hatte, beschloss sie, sich auf den Rückweg zu machen. In dem Gassengewirr konnte man sich leicht verirren, doch sie fand den Weg zurück zu ihrem Lager. Dort lag Fricai friedlich zwischen den Pferden und schien sich von dem Schreck erholt zu haben. Das Tier hatte von Selan's Vergessenszauber nichts abbekommen, wohingegen Arafis' albisches Wesen sehr wohl darauf reagiert hatte, doch das konnte die junge Frau nicht ahnen.

Im gleichen Moment, wie sie auf das Zelt zulief, hörte sie Schritte und sah seltsam erfreut Urako mit einem riesigen Grinsen herbeilaufen.
„Keine Arafis im Freudenhaus. Habe das Angebot gründlich untersucht! Falls du mal rein schauen willst, kann ich dir den Mitternachts-Imbiss empfehlen. Der könnte dir gefallen, hat was mit geschmolzenem Schweineschmalz zu tun. Ich selber habe das Fünf-Gänge Menü genommen, natürlich nur deshalb, um einen möglichst breiten Überblick zu haben. Das war klasse, aber ist wohl eher nichts für Weicheier wie dich. Dafür muss man schon ein gestandener Kerl sein.“
Die Albin lauschte seinen Worten verständnislos. Freudenhaus? Was hatte sie in einem Freudenhaus verloren? Und warum suchte sie Urako? Erst jetzt ging ihr auf, dass die beiden von ihrer Wolfsgestalt noch gar nichts wissen konnten. Wie vergesslich ich bin!
Sie blickte sich suchend um. Wo sind bloss meine Kleider?
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#13

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 14:15

Vorsichtig schob Ralogg den lila Vorhang des Vorzelts zur Seite. Milimeter für Millimeter kam der knöchrige Kopf zum Vorschein.

"Das war aber ganz schön knapp mein Freund, die sahen ziemlich ungemütlich aus. Was war das eigentlich für ein Mob, sind die seit meinem Ableben irgendwie abgedrehter und brutaler geworden. Richtig bösartige Mobs in meiner Jugend warn nicht so drauf, wegen so ner kleinen Schlägerei. Ich mein mal, was machen die dann bei nem Mord, die Stadt abbrennen? Ihm bei lebendigem Leibe die Haut abziehen? Den bösen Wicht in den Kerker sperren und Lebenslang jeden Tag mit einer Blumenkohl- Brokkolisuppe quälen? Hast du mal die alte gesehen, die wollte doch Urako gleich hängen!", stotterte der kleine Knochenhaufen vor sich her.

In mitten der vom Mondschein erleuchteten Stadt, stand Selan da. Seine Augen sturr gerade aus gerichtet. "Das war kein normaler Mob, dass war Ibn!"

"Dieser Gemüsekopf oder wie der hieß war der Mob, was redest du da?"

"Nein, ich hab Ibn gesehen. Er stand die gesammte Zeit da hinten, bei den Pferdestellen und hat alles beobachtet. Noch mehr, ich bin mir fast sicher, dass er die Leute irgendwie manipuliert hat. Menschen sind von Natur aus Streitlustig und jähzornig, aber dies hier war was anderes. Hast du ihre Augen gesehen?"

Ralogg kroch derweil langsam aus dem Vorzelt. Wild um sich blickend sondierte die sich klein
machende Person ihre Umgebung. Immer darauf aus, sofort wieder in das für ihn sichere Vorzelt zu fliehen.

"Wie denn, ich saß im Zelt und hatte mühe Not meine Knochen bei einander zu halten. Hast du eine Ahnung wie die gezittert haben? Weiß der Gellos was mir hätte passieren können, ich hätte den Kopf verlieren können oder das Schlüsselbein! Moment mal!", Ralogg fing sich an mit den knöchrigen Händen zu untersuchen. Jeden seiner Knochen fing er an zu suchen. Seine Blicke schweiften über den Knochenhaufen. Hastig ging es zu, ahnte er schon das schlimmste, bis ein Schrei aus ihm hervor brach. "Ahhhh, ich hatte Recht! Mein rechtes Schlüsselbein fehlt!"

Der Goblin- Knochenhaufen verlor das gleichgewicht. Halb liegend, halb sitzend war das häufchen Elend auf der straße wieer zu finden.

"Ralogg, schluss jetzt mit dem quatsch, wir haben zu tun, komm bitte mit."

"Quatsch? Quatsch? Quatsch? Hätte ich noch Ohren würde ich mal sagen, ich hör wohl nicht schlecht! Hier geht es jetzt um etwas ernstes, es geht Schließlich um mein Schlüsselbein!"

"Ralogg komm jetzt, wir suchen dein Schlüsselbein später. Nun gibt es wichtigeres zu tun. Immerhin ist Arafis noch weg und Ibn hat irgen etwas vor und genau das ergründen wir jetzt.", entgegnete Selen mir ernster Stimme und Verschwand ohne weitere Worte im Zelt.

Verdutzt blickte Ralogg Selan hinterher. Wollte es ihm doch nicht in den Kopf was mit Selan los ist.
So ohne Freud im Gesicht und Todernst hatte er Selan noch nie zuvor gesehen. Etwas sehr großes schien Selan zu bedrücken, aber was?

Ralogg richtete sich gerade wieder auf und klopfte sich den Staub und Dreck der Straßen un blickte sich ein letztes mal um. Fast im Zelt verschwunden, bemerkte er Arafis Wolf der genüsslich eingerollt bei den Pferden lag und da schimmerte es im Augenblick einer Sekunde!

"Ahrrr du billige Promenadenmischung, wenn ich dich erwische, lass mein Schlüsselbein in Ruhe!", schrie Ralogg und rannte wild mit den Armen fuchtelnd auf den lieb da liegenden Fricai zu.
Dieser knabberte in einer Seelenruhe an seinem kleinen Knochen herum. Der Wolf welzte sich hin und her, es machte schon den Anschein als habe er gute Laune, was wohl, so interpretierte es Ralogg eindeutig an dem Knochen lag. Mit einem male stand Ralogg direkt vor Fricai.

"Du wandelnder Bettvorläger wagst es!"

Fricai erschrag vor dem plötzlich neben ihm stehenden Golin und sprang etwas zur Seite, verlor dabei aber das Schlüsselbein, was triefend nass in die schnell reagierenden Hände Raloggs viel.
Immer noch stink sauer, aber schon wieder etwas beschwichtigt, standen sich nun Ralogg und Fricai gegenüber. Der Wolf kam langsam mit gesenktem Kopf auf Ralogg zu und leckte sich dabei die Lefzen. Ralogg wich langsam zitternd ebenfalls Schritt für Schritt zurück.

"Komm nicht auf dumme Ideen! Ich warn dich, keine falsche Bewegung, ich hab hier, hier....", total in Panik blickte Ralogg sich um. Jedoch fand er nichts auf die Schnelle, was nur ansatzweise als Waffe taugen könnte. "Ähmm, meine Knochen sind vergiftet! Ein Biss und Wuahhhh, schluss mit dem Wolfsleben!", versuchte Ralogg mit zitternder Stimme und mittlerweile zitterndem Unterkiefer den Wolf ab zu wehren, der jedoch wenig von den Worten beeindruckt war.

"Oh nein, du willst mich jetzt nicht anknabbern oder? Selan wo bist du?"

Immer noch kam Fricai näher, eine Nackenhaare stellten sich auf, angespannt wirkte er. Seine beiden Augen durchbohrten Ralogg fast mit seinen Blicken.

Ralogg zeigt mit seinem Finger in die Ferne hinter Fricai, "Schau mal da ein Riesenknochen!" und rannte so schnell ihm seine Beine trugen. Die eine Sekunde die der Wolf erst einmal nicht reagierte, war des Goblins Glück. Sie war die Sekunde die ihm fehlte. Nur knapp konnte er dem Wolf entkommen und flüchtete in Selans Zelt.

"Da bist du ja endlich Ralogg, komm wir haben zu tun?"

"Zu tun? Ich mach heut gar nichts mehr. Zumindest nicht so lange diese Besteie da draussen ist!", gestikulierte er wild Fuchtelnd am Zeltausgang herum.

Selan, der mitten im Zelt saß und mittlerweile einen Kreis aus Kerzen aufgestellt hatte, in dem er saß, drehte nur den Kopf etwas. "Warum bist du denn so wütend und von welcher Bestie redest du denn?"

"Dieses Wolfsding da draußen. Weißt du was der gemacht hat? Der hat an meinem Schlüsselbein rum genagt. Schauß dir an!", sprach Ralogg und hielt es Selan hin, "Schaus dir an, überall bisspuren und igit, komplett voll gesabbert, dass bekomm ich doch nie wieder sauber!"

Schnüffelde Geräusche kamen plötzlich dem Zelteingang näher. Eine lange Schnauze mit einer schwarzen Nase kam zum Vorhang herein. Verzweiflung machte sich in Ralogg breit und hehtete hinter den nächsten Stuhl und schaute unter den Stuhlbeinen hervor.

"Selan.... bitte.... der Frisst mich!", flehte er bereits.

"Ach stimmt doch gar nicht. Der will nur spielen.", der Nekromant drehte sich kurz um zum Zelteingang, "Na mein lieber Fricai. Ggeh bitte raus, Ralogg hat Angst vor dir. Ich kümmer mich dann mal um dich, aber erst einmal muss Onkel Selam arbeiten. Ach und Ralogg, ich kümmer mich dann mal um deinen Knochen, vielleicht hab ich noch Ersatz da, einverstanden?"
Unter den misstrauischen Augen Raloggs verschwand die Wolfsnase wieder. "Der will nur spielen? Nur spielen? Ja stimmt und am liebsten Stöckchenwerfen mit meinen Knochen oder? Na da hoffen wir mal das du Ersatz hast, mit so einem zerkauten Knochen getraut man sich doch nicht auf Sraße und was würde Urako dazu nur sagen? Ach Urako....", murmelte der Knochenhaufen und fing in der hinteren Ecke des Zelts in einer Schüssel an seinen Knochen zu maschen.

"Moment Ralogg, still jetzt, mein Schädelspion hat da gerade etwas."

Selan ging in einen meditativen Schneidersitz, schloss die Augen und versuchte sich so gut es geht auf den toten Schädelspion zu konzentrieren. Dadurch das er ihn in einen Beutel hinter eine Truhe geschmissen hatte, sah er zwar nicht was vor sich ging, verstand aber jedes Wort. Immer weiniger hörte Selan die Geräusche um sich, immer deutlicher wurden die Stimmen die er empfing, bis sie so deutlich waren, als wäre er ebenfalls im Zelt Ibn`s. Das erste was der Nekromant hörte, war eine furchtbar schlecht gelaunte und erregte Stimme, eindeutig die von Ibn Altsalat.

".....ihr ja endlich, warum hat das so lange gedauert?"

"Es dauert nun einmal alles seine Zeit, so ist der lauf der Dinge. Du wirst dich gedulden müssen Ibn. Zuerst einmal Grüße vom Zirkel. Zu dem gleich die Frage, was ist mit dem anderen Nekromanten hier in der Stadt?"

"Mhhh, den hab ich etwas Beschäftigung gegeben, damit hat er eine weile zu tun. Wir sind also ungestört. Zudem ist seine Gruppe aufgespalten, einer von ihnen ist verschwunden wie ich in Erfahrung bringen konnte, damit sind sie erst einmal nicht mehr von Interesse. Aber was machst du hier eigentlich Burcas? Wo ist Nocro? Er sollte sich mit mir hier treffen, nicht du? Wo ist er?"

Beschwichtigendes und doch etwas verschlagenes lag in seiner Stimme des anderen Fremden, was wohl Ibn ein Dorn im Auge war oder störte. Selan bemerkte schnell, dass Ibn diesen Kerl nicht mögen konnte, denn von Wort zu Wort wurde Ibn`s Stimmlage aggressiver.

"Nur mit der Ruhe, er ist hier, ganz in der Nähe. Zügle dich, immerhin stehe ich Rangmäßiger immer noch über dir, verstanden? Seih froh, dass ich für dich überhaupt den Botenjungen spiele. Du weißt sehr wohl das Necro sich niemals in der Öffentlichkeit blicken lässt. Er wartet auf dich in den Katakomben, hier ist die Karte."

"In den Katakomben? In diesem vor Dreck, ungeziefer und Krankheiten wimmelnden Ekelbreich. Mir kommt das Kotzen wenn ich nur daran denke da runter zu gehen. Was soll das?"

"Mein Freund, ein letztes mal zügle deine Worte in meiner Gegenwart!"

Röchelnde Geräusche machten sich enige Sekunden breit, wispern war zu hören, dann ein Husten, eindeutig das von Ibn.

"... ahrrr, schon gut, übertreibs mal nicht. Wann soll ich da sein?"

"Geht doch, man muss nur wollen oder? Punkt 3 Uhr heute Nacht, keine Sekunde später oder früher. Verspätest du dich, ist er weg, verstanden?"

"Verstanden, dass wäre dann in vier Stunden, dass ist zeitlich zu schaffen. Was meinst du wie lange ich da runter brauche?"

"Was weiß ich, bin ich dein Fremdenführer? Ich brauche keine Stunde. Ich gehte jetzt und seih pünktlich!"

Die Worte verstummten, Selan machte die Augen wieder auf.

"Damit weiß ich alles, Ralogg, wir werden heute Nacht noch einen kleinen Ausflug machen. Ralogg, kletter auf das Dach des Hauses neben unserem Wagen, da hast du eine gute sicht auf Ibn`s Lager. So bald sich was tut, meldest du es. Hoffen wir mal, dass bis dahin Urako und Arafis wieder auftauchen."

Doch die Stunden vergingen. Selan saß in seinem Schaukelstuhl, den er sich aus seinem Wagen geholt hatte und vertiefte sich in ein Buch der Nekromantie. Lies es ihn nicht locker, wie Ibn es geschafft hat die Leute zu manipulieren. Tief in den Wörtern war er versunken, als plötzlich der Vorhang des Zelts beiseite flog und ein innig grinsendes bekanntes Gesicht herein kam.

„Keine Arafis im Freudenhaus. Habe das Angebot gründlich untersucht! Falls du mal rein schauen willst, kann ich dir den Mitternachts-Imbiss empfehlen. Der könnte dir gefallen, hat was mit geschmolzenem Schweineschmalz zu tun. Ich selber habe das Fünf-Gänge Menü genommen, natürlich nur deshalb, um einen möglichst breiten Überblick zu haben. Das war klasse, aber ist wohl eher nichts für Weicheier wie dich. Dafür muss man schon ein gestandener Kerl sein.“

Etwas übrrrumpelt saß Selan in seinem Stuhl, hatte er eher mit Ralogg gerechnet als mit Urako der ihm etwas über Schweineschmalz erzählte.

"Wolltest du nicht eigentlich Arafis in den Freundenhäusern suchen? Warum bist du dann essen gegangen? Urako ich bin enttäuscht! Arafis kann sonst etwas zu gestoßen sein und du hast deinen Bauch mit einem Fünf- Gänge- Menü gefüllt. Also wirklich!", Selan schloss das Buch, Sorgenfalten machten sich in ihm breit. Sichtlich war er von Urako enttäuscht, hatte er doch mehr von ihm erwartet.

"Schau nicht so trüb, er war Arafis suchen. Nun wie erkläre ich es dir das am besten... Nun ja das Fünf- Gänge- Menü ist da ein Angebote im Freudenhaus Selan, ähmmmm... jaaa.... ähmmm..... Nun ja und er nutzte es um Arafis zu suchen und ähmmm...."

"Na dann bin ich erst einmal beruhigt, dass du doch suchen warst, aber wo ist sie dann?", Selan strich sich über das Kinn und lief im Kreis im Zelt herum. In Gedanken, ging er jeden einzelnen Punkt der Stadt durch, wo sie sein konnte, aber konnte er sich keinen Reim darauf machen. Wo sollte sie denn sein?

In Selans Grübelphase husche Ralogg schnell zu Urako herüber und tuschelte hinter hervor gehaltener Hand. "Ahja, Fünf- Gänge- Menü mhhh? Ist eigentlich der Poraha Herr mit Stiernacken noch da?"

Der Nekromant widmete sich nun Urako und erzählte ihm alles, was er in Erfahrung bringen konnte.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


Kleine Legende:
"Text" -> Gesprochener Text /\ >Text< -> Gedachter Text

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#14

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 14:15

Selan saß für ein paar Sekunden wie versteinert in seinem Stuhl und starrte Urako ausdruckslos an. Dann sagte er:

"Wolltest du nicht eigentlich Arafis in den Freundenhäusern suchen? Warum bist du dann essen gegangen? Urako ich bin enttäuscht! Arafis kann sonst etwas zu gestoßen sein und du hast deinen Bauch mit einem Fünf- Gänge- Menü gefüllt. Also wirklich!"

Dem Henker gefror das Grinsen. Er zwinkerte ein paar Mal und wusste für einen Moment nicht, was er sagen sollte. Ralogg sprang ihm bei und übernahm die Aufklärung des unbedarften Nekromanten.

"Schau nicht so trüb, er war Arafis suchen. Nun wie erkläre ich es dir das am besten... Nun ja das Fünf- Gänge- Menü ist da ein Angebote im Freudenhaus Selan, ähmmmm... jaaa.... ähmmm..... Nun ja und er nutzte es um Arafis zu suchen und ähmmm...."

„Was Ralogg sagen will, ist, dass ich das Personal regelrecht vernascht habe!“ Urako lachte. „Ich weiß ja nicht, auf was du so stehst, aber die haben dort im Sünndenpfuhl wirklich alles. Da ist was für jeden noch so schmutzigen, ähm, erlesenen Geschmack dabei. Sicher auch für deinen.“

"Na dann bin ich erst einmal beruhigt, dass du doch suchen warst, aber wo ist sie dann?", Selan erhob sich und begann nachdenklich im Zelt auf und ab zu gehen.
In Selans Grübelphase husche Ralogg schnell zu Urako herüber und tuschelte hinter hervor gehaltener Hand. "Ahja, Fünf- Gänge- Menü mhhh? Ist eigentlich der Poraha Herr mit Stiernacken noch da?"

„Woher soll ich das wissen?“, fauchte Urako übertrieben laut. „Ich habe mich dort nur von hübschen jungen Mädels verwöhnen lassen. Ich weiß nicht mal, ob es dort überhaupt männliche Angestellte gibt. Selan, ich glaube, dein Skelett ist schwul, du solltest ihm etwas anderes zu essen geben. Das muss an diesem verdammten Gemüse liegen.“

Selan begann vor sich hin zu brabbeln, während er hin und her tigerte. Er berichtete Urako, was der Schädelspion in Erfahrung gebracht hatte. Als er seinen Plan offenbarte, Ibn in irgendwelche Katakomben hinab zu folgen, sackten Urakos Mundwinkel nach unten.

„Was, unter die Erdoberfläche? Und das nachts um drei? Mein lieber Selan, auch wenn fast alle Tieflinge nachtaktiv sind – ich gehöre zu der Minderheit, welche das Tageslicht bevorzugt. Außerdem habe ich heute hart geschuftet, die Nachforschungen waren ziemlich anstrengend. Und mir tut der Hintern weh. Vom vielen laufen“, ergänzte er schnell.

Er räusperte sich.

„Auf jeden Fall will ich eine Taschengeldserhöhung für die Zeit da unten. Und einen Schmutzzuschlag, denn wo es dunkel ist gibt es Spinnen und wo es Spinnen gibt, gibt es Spinnenweben mit lauter toten Insektenhülsen darin. Unter diesen Vorraussetzungen könnte ich mich vieleiiicht dazu überreden lassen mitzukommen, obwohl das Verfolgen feindlicher Nekromanten mit meiner Ausbildung rein gar nichts zu tun hat.“

Er ging zu der Kochgelegenheit, die Selan im Zelt aufgebaut hatte, was im Hinblick auf den Brandschutz sicher nicht ganz ungefährlich war. Etwas von dem Essen war noch übrig. Er langte mit den Fingern hinein und angelte sich ein paar Gemüsestreifen heraus.

„Aber was machen wir mit der Botanikknutscherin. Von mir aus kann sie zwar verschollen bleiben, aber ich dachte, vielleicht kannst du sie noch gebrauchen. Immerhin habt ihr beide euch ganz gut verstanden.“

Er verzehrte das Gemüse und wischte sich die Finger an Arafis herumliegender Kleidung ab.
„Wahnsinn, wie man ihr die Klamotten vom Leib gerissen hat", murmelte er. "Der Stoff ist regelrecht zerfetzt worden. Dieser Orobas muss es bitter nötig gehabt haben.“ Er besah sich die Kleidung in seinen Händen und schwieg. Dann warf er sie in eine Ecke. „Mir doch egal.“

Er ließ Selan stehen und trat aus dem Zelt. Er brauchte plötzlich dringend frische Luft.
Langsam schlenderte er zu den Satteltaschen der Albin und wühlte, einer plötzlichen Eingebung folgend, darin herum.
„Wusste ich`s doch.“
Triumphierend hielt er eine Kette getrockneter Würste empor, ein Teil ihrer Marschverpflegung. Er legte sie vor die weiße Hündin.
„Damit du mir nicht vom Fleisch fällst. Immerhin sollst du schöne kräftige Welpen bekommen, die ich dann teuer verkaufen kann.“
Er tätschelte ungeschickt ihren Kopf.
„Aber du kriegst nichts“, blaffte er den Rüden an, der verliebte Nasenlöcher in Richtung der Würste machte. „Du hast mich angeknurrt. Wer den Henker anknurrt, der hungert, verstanden? Mach dich nützlich und fang ein paar Ratten, dann hast du was zu fressen."

Dann band er der weißen Hündin seine Halskette mit der Glücksaxt um, die aus einem echten Henkersbeil gschmiedet war. „Da. Jetzt weiß jeder, dass du einen Besitzer hast. Hunde ohne Halsband holt der Hundefänger und dann gibt es abends Gulasch für die ganze Familie. Bis ich was Besseres gefunden habe, sollte das erstmal reichen. Aber wehe, du verlierst es - dann ziehe ich dir das Fell über die Ohren.“

Er klopfte ihr die Seite.

„Schade, dass ihr Tiere so unsagbar dumm seid. Ansonsten würde ich dir nun befehlen, die Spur von diesem verdammten Hurenbock Orobas aufzunehmen. Aber so kann ich nur hoffen, dass du wenigstens das Zelt und den Wagen bewachst, während ich mit Selan in die Katakomben steige. So ein Aufwand und das alles nur wegen dem bekloppten Altsalat! Da unten könnten wir deine Nase sicher gut gebrauchen, aber ich glaube kaum, dass ich dich da mit runter nehmen kann. Das dauert sicher noch ein paar Würste, ehe du mir folgst.“


Dann legte er sich auf seinen Platz auf dem Dach des Wagens, wo er bis zur vereinbarten Zeit schlafen wollte.
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warum soll`s nicht auch der Henker können?"
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#15

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 14:16

Aus dem Zelt drangen die gedämpften Stimmen ihrer Reisegefährten. Arafis sass bei Fricai, der immernoch beleidigt darüber zu sein schien, dass man ihm Ralogg’s leckeren Knochen weggenommen hatte, lauschte aber den Worten. Als sie wieder einmal den Namen „Ibn“ vernahm, tratt sie etwas an das Zelt heran und horchte aufmerksam. Die Tieflinge mussten einen grossen Streit zwischen sich haben, dass sie sogar Pläne schmiedeten, einander zu verfolgen und auszuspionieren.
Damit wollte die Albin nichts zu tun haben. Sie mochte zwar Selan, doch das war nicht ihre Angelegenheit, darum sollten sich die Dämonen allein kümmern.
Sie drehte sich wieder um, und trottete zu ihrem tierischen Begleiter zurück.

Im Hintergrund hörte sie noch immer Urako’s unsensible Worte: „Aber was machen wir mit der Botanikknutscherin. Von mir aus kann sie zwar verschollen bleiben, aber ich dachte, vielleicht kannst du sie noch gebrauchen. Immerhin habt ihr beide euch ganz gut verstanden.“Dann brummte er etwas von einem Orobas, der ihr angeblich die Kleider vom Leibe gerissen haben sollte.
Nun war Arafis doch etwas verwirrt. Wer war Orobas? Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass ihr jemand die Kleider zerrissen haben sollte. Doch vielleicht war das die Lösung, weshalb sie als Wölfin unterwegs war? Doch wieso konnte sie sich daran nicht erinnern?
Plötzlich öffnete sich der Zelteingang und Urako trat heraus. Er blickte sich kurz prüfend um, dann schlenderte er rein zufällig zu ihrem Proviantbeutel hinüber. Arafis beobachtete ihn aufmerksam, denn sie traute ihm nicht über den Weg. Tatsächlich begann er in ihrer Tasche herumzuwühlen. Misstrauisch musterte sie den Dämonen, jeden Moment bereit, ihr Hab und Gut zu verteidigen, sollte er es denn wagen, etwas von ihren wenigen Habseligkeiten zu entwenden.

„Wusste ich`s doch.“, triumphierte er schliesslich und zog eine Würstekette hervor, die sie für unterwegs mit sich trug. Sie schnaubte ungehalten. Hatte dieser verfressene Tiefling den nie genug?!
Zu ihrem Erstaunen kam er jedoch direkt auf sie zugelaufen und legte ihr die würzig duftenden Leckerbissen vor die Füsse. „Damit du mir nicht vom Fleisch fällst. Immerhin sollst du schöne kräftige Welpen bekommen, die ich dann teuer verkaufen kann.“
Etwas verständnislos blickte sie ihn an. Wie berechnend dieser Kerl doch wieder war…
Trotzdem freute sie sich über den leckeren Happen, auch wenn er aus ihrem eigenen Vorrat entwendet war. Als Urako ihr den Kopf tätschelte, hätte sie wohl gekichert, wenn sie keine Wölfin gewesen wäre. Er wirkte etwas unbeholfen und man sah ihm an, dass Streicheleinheiten nicht zu seinem Henkersrepertoir gehörten. Arafis versuchte sich erfreut zu zeigen, und wedelte freundlich mit der Rute. Schliesslich sollte man ihm schon zeigen, wenn er sich mal richtig verhielt…

„Aber du kriegst nichts“, blaffte er den Rüden an, der verliebte Nasenlöcher in Richtung der Würste machte. „Du hast mich angeknurrt. Wer den Henker anknurrt, der hungert, verstanden? Mach dich nützlich und fang ein paar Ratten, dann hast du was zu fressen."
Fricai blickte unsicher von Arafis zu Urako. Die Druidin schickte ihm einige beruhigende Emotionen und der junge Wolf trottete ergeben zu den Pferden zurück. Aus Erfahrung wusste er, dass seine Begleiterin ihn nicht verhungern lassen würde.

Urako schien zufrieden damit, dass Fricai scheinbar so gut auf ihn hörte. Plötzlich beugte er sich zu Arafis hinunter und legte ihr etwas um den Hals. „Da. Jetzt weiß jeder, dass du einen Besitzer hast. Hunde ohne Halsband holt der Hundefänger und dann gibt es abends Gulasch für die ganze Familie. Bis ich was Besseres gefunden habe, sollte das erstmal reichen. Aber wehe, du verlierst es - dann ziehe ich dir das Fell über die Ohren.“
Arafis wusste nicht, wie sie sich verhalten wollte. Es gefiel ihr, einen Glücksbringer bekommen zu haben, auch wenn es eine Axt darstellte. Nach kurzem Zögern leckte sie Urako über den Handrücken.
Kurz darauf verschwand der auf dem Wagendach, und einige Minuten später ertönte bereits das regelmässige Schnarchen.

Sobald der Dämon verschwunden war, kam Fricai wieder herbeigelaufen und die beiden Wölfe futterten zusammen ihr Abendessen.

Langsam brach die Nacht herein. Durch die Ritzen des Zeltes flackerte das Licht einer Laterne. Arafis döste schliesslich ein. Sie wurde erst mitten in der Nacht wach, als sie Schritte und Stimmen hörte.
Es waren ihre Gefährten, welche sich auf den Weg zu Ibn machten.
Die Albin stellte sich schlafend und wartete ab, bis die Schritte in den Gassen verklungen waren.

Dann schlich sie sich auf leisen Pfoten zum Zelteingang und hinein in die Wärme. Drinnen brannte eine Laterne. Arafis tapste vorsichtig herum und schaute sich nach etwas Kleidsamem um. Plötzlich hörte sie ein Schnarchen und leises Klappern und blieb erschrocken stehen. Es war Ralogg. Er schien friedlich zu schlafen und ihre Anwesenheit nicht bemerkt zu haben.
Die Wölfin schaute sich um und entdeckte in einer Ecke einen frischen, blauen Umhang, der über eine Stuhllehne gehängt war. Als sie nochmals einen prüfenden Blick auf das Skelett geworfen hatte, verwandelte sie sich in ihre natürliche Gestalt. Sie spürte ein Ziehen im ganzen Körper. Mit einem leisen Keuchen beendete sie ihre Verwandlung und kniete in ihrer natürlichen Gestalt und völlig entblösst auf dem mit Teppich ausgelegten Boden. Ihre Haut schimmerte leicht grün im Licht der flackernden Laterne und die blaue Blume, welche ihre Mutter ihr auf die rechte Schulter tätowiert hatte, war gut zu sehen. Sie wollte gerade aufstehen, als sie ein entsetztes Klappern hörte: „D..du…DU!“

Erschrocken schnappte Arafis nach Luft und blickte direkt in die weit aufgerissenen Augen von Ralogg. „Ich.. das… Hexerei!“, kreischte er aufgebracht, war aber offensichtlich noch nicht in der Lage, sich aus seiner Starre des Erstaunens zu befreien. Ausgerechnet die Erschaffung eines Nekromanten muss sich über Magie aufregen...
Die Albin bedeckte mit den Händen ihre Blösse, sprang auf und hastete zu dem Umhang hinüber. Er war ihr viel zu gross, so dass sie ihn schliesslich wie ein Wickelkleid um ihren Körper schlang.
„Ein Wort von Dir zu irgendjemandem, und ich verteile deine ganzen Knochen eigenhändig in der ganzen Stadt und vielleicht überlasse ich einige davon auch Fricai! Bei Manir, das werde ich machen“, versicherte sie dem Knochenhaufen todernst und blickte ihn drohend an. Ralogg klapperte am ganzen Körper und wusste anscheinend nicht so ganz, wie er darauf reagieren sollte.

Schliesslich sagte er gar nichts, nur seine Augen schauten sie undurchdringlich an und Arafis erschauerte.
Mit einem letzten bedrohlichen Blick trat sie aus dem Zelt heraus und liess das Skelett alleine vor sich hingrübeln.
Sie hingegen setzte sich auf eine kleine Mauer in der Nähe und beobachtete den Sternenhimmel über der Stadt. In der ganzen Aufregung hatte sie völlig vergessen, dass sie noch immer Urako’s Glücksbringer um den Hals trug, der nun auf ihrer Haut silbern schimmerte.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#16

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 14:16

Fledermäuse flogen durch die Finstere Nacht neben Ralogg vorbei, diese aber im schwachen Mondlicht kaum zu erkennende Gestalt interessierte das Treiben der kleinen Blutsauger nicht im geringsten. Als die vier Fledermäuse um ihn herum flogen und eine sich an seinen Arm dar lieder lies regte sich nichts an Ralogg, gespannt waren seine Augen auf ein Ziel nur wenige hundert Meter entfernt gerichtet. Der Knochenhaufen hatte eine Aufgabe und wenn er eine hatte, war beinahe alles um ihn herum nebensache, Ralogg war jemand, der Aufgaben sehr ernst nahm und diese besonders.

Ein Nachtwächter mit einer Laterne, an einem langen stab schritt leise durch die Gassen und verkündete lauthals, dass es zwei Uhr Nachts wäre und alles ruhig ist. Ralogg wurde unruhig, hatte er vielleicht doch etwas übersehen? Oder würde Ibn doch erst kurz vor dem Termin aufbrechen. Er grübelte und schlich auf dem Flachdacht etwas weiter, an der Brüstung des Daches entlang und versuche einen anderen Blickwinkel auf den Wagen Ibn`s zu bekommen.

Doch hätte er dies nicht tun müssen, anscheinend machte Ibn um seinen Ausflug zu nächtlicher Stund kein Geheimnis. Zusammen schritt er mit zwei groß Gewachsenen Personen aus dem Vorzelt.
Sie unterhielten sich kurz und machten sich auf in Richtung Süden, dass war Raloggs Stichwort.
Sofort rannte er auf die andere Seite des Daches und kletterte an den Vorsprüngen, der Fenster und den Verzierungen im Stein der Mauern, den dem reich verzierten Hauses hinunter.

Ein beherzter Sprung vom zweiten Stock auf das Dach von Seelans Wagen, sollte der Abschluss der Kletterei werden, doch erst im letzten Augenblick bemerkte Ralogg das mitten auf dem Dach Urako lag. Eine weiche Landung war Ralogg auf Urakos Bauch garantiert, zum Leidwesen Urakos, der mit Schmerzensschrei aufwachte.

"Tut mir leid Urako, hab dich leider nicht gesehen.", sprach Ralogg noch während er auf Urakos Bauch saß und erst nach einigen Augenblicken der Entschuldigung von ihm wich.

"Seelan! Ibn ist unterwegs!", versuchte er so laut wie nötig, aber so leise wie möglich Seelan zu zu rufen, so das keiner die Aufruhr im Lager mit bekommt. Der Nekromant Seelan, wusste aber schon bescheid. Sein Spion, der immer noch am Eingang von Ibn´s Lager aktiv war, hatte Selan schon informiert, hatten doch die drei Gestalten noch eine Plauderei abhalten müssen, zu Selans Glück, somit wusste er auch gleich wo Ibn hin wollte – in den hießigen Tempel von Athronos!

Seelan eilte mit einer dunkelbraunen ledernen Umhängetasche aus dem Zelt, "Urako schnell, bevor wir sie verlieren. Ralogg, pass auf alles auf und halt nach Arafis ausschau. Urako, beeil dich und trödel nicht so rum, zum schlafen ist später auch noch Zeit.", sprach Seelan und hastete die Straße entlang nach vorn und eilte um die Ecke.

Eigentlich war Seelan ein Tiefling, den nichts in Eile versetzen würde. Ruhe war eine der Grundprinzipien des Tieflings, Hektik, Eile und Stress waren ihm sonst fremd und scheute er wie der Teufel das Weihwasser. Alles sollte in Ruhe und Ordnung geschehen, doch dies war etwas anderes, hier ging es darum ein Verbrechen auf zu klären, den Tod seines ehemaligen Schülers und Freund. Der Mörder dessen, hatte Seelan sich vorgenommen, wollte er finden, so lies Selan sogar seinen geliebten Kamille Tee stehen, den er sich noch gerade im Zelt hatte aufgebrüht, bevor ihm sein Spion warnte.

Quer durch die Stadt ging es im flotten Tempo durch die Straßen und Gassen. Das Wasser des vor wenigen Minuten aufhörenden Regens spritzte nur so umher, schnell waren Seelans Hosen durchnässt, doch störte ihm das im Moment nicht im geringsten. Am Anfang versuchte Seelan noch den meißten Pfützen aus zu weichen, war dies aber fast unmöglich, da sich vor ihm ein ganzes Meer kleiner Pfützen erstreckte. So ging es weiter, schnell um die nächste Ecke nach links, gerade aus, noch einmal rechts.

"Wir sind gleich da Urako, der Tempel ist gleich da vorn um die Ecke."

Ein paar Meter weiter haste Seelan um die Ecke, um sofort zurück zu schrecken. Er drückte seinen Körper an die kalte Mauer hinter seinem Rücken. Mit seinem linken ausgestreckten Arm bildete Seelan eine Barriere, so das Urako keinesfalls noch an ihm vorbei rennen konnte. Sein Herz schlug wie Wild, Scheiß tropfte ihm von der Stirn. Aber nicht nur daran sah man das Seelan sichtlich Nervös war, seine Hände zitterten etwas, seine Augen schienen im Licht des Vollmondes zu pulsieren. Seelan war diese Art der Aufregung nicht gewöhnt, war doch sonst sein Leben eher ruhig. Schließlich war er nur ein Händler, wie jeder andere auch, selbst wenn er Nekromant.

Der Nekromant flüsterte leise, "Urako, ganz leise, ich schau einmal nach wie es aussieht und bitte keine eigenmächtigen Aktionen, wir wollen sie verfolgen, nicht verprügeln!"

Seelan kniete sich hin und blickte vorsichtig um die Ecke. In gut 100 m Entfernung stand Ibn und zwei andere Gestalten. Wer diese waren konnte Seelan in der Dunkelheit schlecht Einschätzen, vermutete aber, das dies die Kampfmagier von heute Nachmittag waren.

Seelan blinzelte mit den Augen, in der Hoffnung mehr erkennen zu können, doch war dies wenig von Erfog gekrönt, doch wie es danach aussah öffnete Ibn gerade die Tür zu Athronos Tempel. Eigenartig, wunderte sich der Nekromant, warum hatte Ibn einen Schlüssel für den Tempel? Den haben sonst nur höhere Priester, aber sollte dies nicht das letzte kleine Mysterium für den heutigen Abend bleiben. Nur wenige Sekunden später waren die drei gestalten im Eingang des Tempels verschwunden. Seelan wartete noch einen Moment und rannte sogleich auf den Eingang des Tempels zu, jedoch nicht gerade, sondern nutzte jede Versteckmöglichkeit die sich ihm bot. Hier ein kleiner Anbauschuppen, da ein Hauwaagen, da ein paar Kisten.
Der Tiefling rannte von einem Punkt zum anderen und kam den Haus Athronos immer näher. Für einen Aussenstehenden musste dieses hin und her gerenne von Seelan schon etwas komisches gehabt haben.

Seelan hatte schon des öfteren Tempel Athronos gesehen, aber bewunderte er die monumentalen Bauwerke der Tajik für den Seelenschmied immer wieder. Ein gewaltiger Kuppelbau, wurde hier Athronos zu ehren gebaut, ein aus Stein und Holz geschaffenes Meisterstück. Für einen Aussenstehenden ist es nur schwer zu erklären, überall auf der Kuppel waren feine beinahe gotheische Fenster ein gearbeitet, Verzierungen die sich über den gesamten Bau erstreckten. Es wurde von Meisterhand erbaut, nur so ist die in sich stimmige Form zu erklären. Kein Stein, kein Stück Holz war zu viel. Alles fügte sich Natlos in einander, es war wirklich ein Haus für einen Gott, nur ein Gott sollte so ehrwürdige Mauern sein eigen nennen dürfen. Seelans Augen huschten über das Kunstwerk, es war ihm an zu merken, welche Erfurcht dieses Gebäude in ihm auslöste. War es weder die göttliche Macht, als eher die monumentale Baukunst die ihn beeindruckte, denn Selan hielt nichts von Göttern und der gleichen. Trotzdem beeindruckten ihn die Bauwerke immer wieder.
So hätte er sich nur alt zu gern, als Kultur faszinierter Tiefling auf dieses Bauwerk noch näher angeschaut, doch war es ihm gerade nicht vergönnt, so nahm er sich fest vor mit Arafis und Urako die nächsten Tage diesen Tempel zu besuchen und seine schönheit zu bewundern. Aber erst musste eine andere Sache beendet werden.

Endlich war Seelan an der Tür angekommen. Ein großes hölzernes Tor mit geschwungenen und verzierten Eisenverschlägen versperrte ihm den Weg.

"Wir haben Glück, die drei haben vergessen wieder ab zu schließen."

Der Nekromant legte die Hand auf die Türklinke und drückte sie langsam mit leicht zitternder Hand und angespanntem Gesicht nach unten.
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#17

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 14:17

Urako hatte in den süßesten Träumen geschwelgt, aus denen er nun denkbar unsanft gerissen wurde: Mit einem kräftigen Schlag in seinen Bauch, während er gemütlich auf dem Rücken lag. Mit einem „Uffpfff!“ entwich ihm alle Luft aus den Lungen, sein Oberkörper schnellte nach oben und er blickte in die leeren Augenhöhlen eines Gerippes, das auf seinem Schoße saß und das ihn – typisch für dieses Spezies – breit angrinste.

„Ralogg, du mieser Knochenhaufen! Sitzt es sich gut auf mir?“
"Tut mir leid Urako, hab dich leider nicht gesehen."
„Ja, klar, natürlich. Von wegen! Du hast nur einen Vorwand gesucht, mich wieder zu betatschen! So klein, dass man mich übersieht, bin ich nun auch wieder nicht. Jetzt mach dich runter von mir, Spitzarsch.“

Das Gerippe gehorchte – widerstrebend, wie Urako fand. Nun ja, er konnte es ihm nicht verübeln. Gäbe es ihn zwei Mal, würde er sich selber heiraten. Rallog hielt die Knochenhände wie einen Trichter vor die Kiefer und brüllte:
"Selan! Ibn ist unterwegs!"

„Ibn“, widerholte Urako. „Der Kerl interessiert mich eigentlich nicht. Aber die zwei Kampfmagier... diese treulosen Hunde. Ich habe sie zwar nie ohne ihre rituellen Masken gesehen, von daher kenne ich sie nicht wirklich, aber sie haben immer gut gearbeitet.“

„Ähm, Urako...“

„Halt die Klappe, Gerippe, jetzt rede ich! Dabei war ich sogar regelrecht nett zu denen, was wohl mein Fehler war. Hätte ich sie mehr gestriezt, wären sie sicher nicht zu Altsalat übergelaufen sondern hätten diese Vogelscheuche festgenommen und zurück nach Phinitas geschleppt, wie es sich gehört.“


„Ich unterbreche dich nur ungern, aber..“

„Ich hätte die beiden ab und zu mit der Schwarzländer Eisenpeitsche versohlen sollen, wie meine Folterknechte, bei denen hat das immer Wunder gewirkt.“

„Urako, großmächtiger Scharfrichter von Phinitas!“

„Was willst du denn, du blödes Klappergestell?!“

„Ich glaube, es war angedacht, dass du Selan folgst und ihn bei der Jagd nach dem finsteren Nekromanten unterstützt. Er ist schon ziemlich weit vorraus, nicht, dass du den Anschluss verlierst.“

„Ich entscheide selber, was ich mache, kapiert? Also, wo war ich? Ach ja, ich wollte noch mal nach meinem Hund sehen. Wo treibt sie sich nur rum?“

Nirgends konnte er seine Hündin entdecken. Stattdessen sah er – Arafis. Die Waldalbin, die sie den ganzen Tag gesucht hatten. Sie saß allein auf einem Mäuerchen, als wäre nichts gewesen und betrachtete den Nachthimmel. Urako stutze.

„Arafis! Wie kommst du denn hier her? Und warum trägst du Selans Schlafgewand?“
Doch seine Verblüffung verflog so schnell, wie sie gekommen war. „Wir haben dich stundenlang gesucht und du sitzt hier mir nichts, dir nichts, auf dieser verschissenen Mauer!“

Er wies mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Albin um seiner Rüge Nachdruck zu verleihen. „Selan hat sich vielleicht Sorgen gemacht! Und ich habe vom vielen Suchen Muskelkater, weil ich so gutmütig war, ihm zu helfen, auch wenn du mir piepegal bist.“

Er machte eine Pause und musterte sie von Kopf bis Fuß. Verletzt sah sie auf den ersten Blick nicht aus. Offenbar hatte sie sich nur halbherzig gegen den Übergriff gewehrt. Dieser Orobas hatte nicht gerade zimperlich gewirkt, wenn der Ernst gemacht hätte, dann sähe sie jetzt wohl anders aus. Oder sie fand langsam Gefallen an Tieflingen. Er warf er einen prüfenden Blick in ihren Ausschnitt. Vielleicht entdeckte er ja ein paar Knutschflecken, wo Orobas seine Lippen festgesaugt hatte.

Stattdessen entdeckte er etwas anderes.

„Wo hast du das her!“, blaffte er, als er sein geliebtes Äxtchen zwischen ihren Brüsten baumeln sah. „Das hatte ich meinem neuen Hund umgebunden, damit ihn nicht der Scheiß Hundefänger holt – du hast es ihm abgenommen. Und jetzt ist er weg! Futsch!“
Vor Wut richtete er sein Richtbeil auf Arafis.

„Du blöde Waldschnepfe hast meinen Hund auf dem Gewissen! Jetzt vegetiert er in irgendeinem Zwinger und wartet auf den sicheren Tod! Die Welpen wollte ich verkaufen und jetzt habe ich das Vieh umsonst gefüttert!“

"Urako“, rief Selan, der offenbar extra noch einmal zurückgekommen war. „Schnell, bevor wir sie verlieren. Ralogg, pass auf alles auf und halt nach Arafis ausschau. Urako, beeil dich und trödel nicht so rum, zum schlafen ist später auch noch Zeit."

Dann hastete die Straße entlang nach vorn und eilte um die Ecke. Eine dicke Ledertasche hüpfte beim Laufen auf seinem Rücken herum. Die Albin hatte er in seiner Aufregung einfach übersehen.
Urako war hin und her gerissen und blickte zwischen Selan und Arafis hin und her.

Schließlich kommandierte er:

„Sieh zu, dass du meinen Hund wieder lebend auftreibst,
oder ich ziehe dem deinigen ebenfalls das Fell über die Ohren.“


Er steckte die Axt wieder in die Halteriemen auf seinem Rücken, funkelte Arafis noch einmal böse an und rannte dann seinem Lehrer hinterher. Er musste sich ziemlich anstrengen, um ihn einzuholen und war bald völlig außer Atem.

"Wir sind gleich da Urako, der Tempel ist gleich da vorn um die Ecke."

„Was für ein Tempel?“, keuchte der Henker im Rennen. Er war nach der Schlägerei und den Anstrengungen im Freudenhaus immer noch erschöpft. „Und wann werde ich endlich verarztet? Mir tut alles weh! Für diesen Firxas hattest du dir die Zeit genommen, aber ich bin ja bloß dein blöder Lehrling.“

Plötzlich hielt Selan mitten im Lauf inne und drückte seinen Körper an die kalte Mauer hinter seinem Rücken. Mit seinem linken ausgestreckten Arm bildete er eine Barriere, so das Urako gezwungener Maßen ebenfalls stoppte und sich neben ihn an die Wand presste. Sein neuer Lehrer sah angespannt aus. Schweiß tropfte ihm von der Stirn, die Hände zitterten und seine Augen schienen im Licht des Vollmondes zu pulsieren.

Der Nekromant flüsterte: "Urako, ganz leise, ich schau einmal nach wie es aussieht und bitte keine eigenmächtigen Aktionen, wir wollen sie verfolgen, nicht verprügeln!"

Seelan kniete sich hin und blickte vorsichtig um die Ecke. In gut hundert Meter Entfernung standen Ibn und zwei andere Gestalten. Sie machten sich daran, das Tor zu öffnen. Selan huschte los, rannte auf den Eingang zu und nutzte jede Versteckmöglichkeit die sich ihm bot.

„Warte“, schnaufte Urako und hastete seinem Lehrer hinterher. „Nicht so schnell... ich bin völlig außer Puste...“ Die drei Gestalten verschwanden im Inneren des Tempels. Kurz darauf erreichte Selan das Tor und drückte prüfend die Klinke hinab.

"Wir haben Glück, die drei haben vergessen wieder ab zu schließen."

Vorsichtig öffnete er einen Spalt.

„Lass mich mal“, raunzte Urako und quetschte sich unter seinen Armen hindurch. Dabei schob er ihm den Flügel ins Gesicht, um sich Platz zu verschaffen. Ein kühler Windhauch und der Geruch von Stein schlugen ihm entgegen. Gedämpfte Stimmen halten in dem Gotteshaus wieder. Sie schienen weit entfernt und so schlich Urako in das Gebäude hinein. Seine nackten Füße traten auf vollkommen ebene Kacheln. Er musste die Zehen beim Schleichen nach oben biegen, damit seine Klauen kein kratzendes Geräusch verursachen.

In seinem ganzen Leben war er noch nie in einem so großen Haus gewesen. Er kannte nur die Holz- und Schilfhütten aus Phintias. Misstrauisch besah er das gigantische Kuppelgewölbe. Wie konnten so große, schwere Steine so hoch übereinander gestapelt werden, ohne dass sie einstürzten? Das... das konnte gar nicht stabil sein! Urakos Kehle schnürte sich zusammen. Er hatte das Gefühl, durch einen Schilfhalm atmen zu müssen, jeder Atemzug schmerzte wie ein Messerstich. Er griff sich an den Hals, und begann zu taumeln.

Das Gewölbe begann sich über ihm zu drehen. Die gewaltigen Steinquader schienen zu verrutschen, es dröhnte in seinen Ohren und knisterte, die Schatten wurden Risse, die das gesamte Mauerwerk durchdrangen und die Steine spalteten.

„Hah... hah...“, keuchte er, die Hände an die Kehle gepresst. Er versuchte, den Weg zurück zu taumeln, doch der Boden wogte wie ein See, der vom Unwetter gepeitscht wird. Seine Füße fanden keinen Halt, mit den Flügeln versuchte er, die Balance zu halten, sein Herz raste wie wirbelnde Trommeln. Die Knie sackten unter ihm zusammen und er stürzte rücklings auf die Kacheln.

Mitten im Tempel blieb er liegen, Arme, Beine und die Flügel weit von sich gestreckt, während über ihm das Gewölbe einen rasenden Tanz aufführte. Kalter Schweiß bedeckte seinen ganzen Körper.

„Meister, da war ein Geräusch“, raunte eine Stimme, die von den Wänden wiederhallte.
„Du bist paranoid, das habe ich dir schon einmal gesagt, Orobas. Aber sieh meinetwegen nach, wenn dich das beruhigt, nur beeile dich. Wir haben nicht viel Zeit, der Schlüssel muss bei Sonnenaufgang wieder an Ort und Stelle hängen. Firxas, du bleibst hier und hilfst mir.“

„Kann ich die Ritualmaske heute ausnahmsweise weglassen? Dieses Arschloch hat mir vorhin mein Gesicht dermaßen verbeult, dass es ganz geschwollen ist.“

„Was fällt dir ein, natürlich musst du die Maske aufsetzen! Ich denke, ihr zwei seid Kampfmagier? Du solltest am besten Wissen, dass es absolut lächerlich aussieht, wenn ihr nicht ansprechend gekleidet seid. Erstes Ausbildungsjahr in der Magierakademie von Doremas! Und jetzt hör auf, herumzualbern und steig in deinen Anzug!“

Die Stimmen kamen wie aus weiter Ferne. Urakos Mageninhalt quoll aus seinem Rachen und seiner Nase und er musste husten. Schritte hallten im Tempel wieder und kamen rasch näher.
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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#18

Beitrag von Arafis » Sa 21. Mär 2015, 14:17

Die Albin wäre beinahe von der Mauer gefallen, als sie plötzlich die Stimme von Urako vernahm. Warum ist denn der noch hier?, dachte sie sich erschrocken und starrte den Tiefling an.

„Arafis! Wie kommst du denn hier her? Und warum trägst du Selans Schlafgewand? Wir haben dich stundenlang gesucht und du sitzt hier mir nichts, dir nichts, auf dieser verschissenen Mauer!“, seine Stimme klang anklagend und nicht gerade freundlich.
Die Albin blickte an sich herunter. Selans Schlafgewand also… Macht sich doch ganz gut als Wickelkleid, sie verkniff sich den Kommentar aber, da sie erkannte, dass Urako nicht zum Spassen aufgelegt war.

„Selan hat sich vielleicht Sorgen gemacht! Und ich habe vom vielen Suchen Muskelkater, weil ich so gutmütig war, ihm zu helfen, auch wenn du mir piepegal bist.“
Arafis, die von Selans Zauber noch immer etwas vernebelte Gedanken hatte und nichts von der Verfolgungsjagd durch Orobas wusste, blickte Urako nur verständnislos an.
„Ich wollte nur die Stadt etwas kennenlernen“, machte sie einen vorsichtigen Versuch, sich zu rechtfertigen. Doch warum sie Selans Schlafgewand trug, konnte sie dem Tiefling ja schlecht verraten. Schliesslich wusste sie ja selber nicht, wieso sie in ihrer Wolfsgestalt unterwegs gewesen und wo ihre Gewänder abgeblieben waren.
„Und meine Kleider… nunja, ich… wollte sie Mal wieder waschen und hatte mir als Übergang Selans Gewand ausgeliehen und irgendwie… waren meine Kleider danach verschwunden“, sie stockte und blickte Urako etwas unsicher an. Hoffentlich fragt er nicht weiter nach!

Doch ihm schien etwas ganz anderes ins Auge gestochen zu sein, denn plötzlich änderte sich seine Haltung und er wirkte auf einmal verärgert, wenn nicht gar richtig wütend.
„Wo hast du das her!“, blaffte er, als er sein geliebtes Äxtchen zwischen ihren Brüsten baumeln sah. „Das hatte ich meinem neuen Hund umgebunden, damit ihn nicht der Scheiß Hundefänger holt – du hast es ihm abgenommen. Und jetzt ist er weg! Futsch!“

Arafis erstarrte. Das hatte sie völlig vergessen. Reflexartig griff sie nach dem Anhänger und umklammerte ihn mit der Hand. Wie sollte sie das bloss erklären? Doch immerhin brachte Urako sie nicht mit der Wölfin in Verbindung.
Unterdessen zetterte der Tiefling weiter: „Du blöde Waldschnepfe hast meinen Hund auf dem Gewissen! Jetzt vegetiert er in irgendeinem Zwinger und wartet auf den sicheren Tod! Die Welpen wollte ich verkaufen und jetzt habe ich das Vieh umsonst gefüttert!“
Einen Moment war die Albin erstaunt, dass der Dämon sich solche Sorgen um einen Hund machte, doch als sie im nächsten Augenblick seine egoistischen Absichten erkannte, schnaubte sie nur ebenfalls verärgert und ihre Augen blitzten den Tiefling wütend an.
Im nächsten Moment richtete Urako jedoch sein Beil auf die Albin. Sie sprang sofort auf die Füsse und ihr Körper war von einem Moment auf den nächsten angespannt. Sie hatte keine Ahnung, was sie machen sollte, falls der Dämon sie angreifen würde, doch er war schon so verbeult, warum auch immer, dass die Albin vielleicht sogar eine Chance gehabt hätte.

Doch bevor es zu einer solchen Ausschreitung kommen konnte, hörte sie plötzlich die bekannte Stimme von Selan nach Urako rufen: „Schnell, bevor wir sie verlieren. Ralogg, pass auf alles auf und halt nach Arafis ausschau. Urako, beeil dich und trödel nicht so rum, zum schlafen ist später auch noch Zeit."
Der grössere Tiefling hatte in seinem Eifer die Albin gar nicht gesehen und die angespannte Situation nicht mitbekommen. Urako schien zu zögern und hin und her gerissen zu sein.
Schliesslich knurrte er: „Sieh zu, dass du meinen Hund wieder lebend auftreibst,
oder ich ziehe dem deinigen ebenfalls das Fell über die Ohren.“
Er packte sein Beil weg und mit einem letzten drohenden Blick rannte er dem Nekromanten hinterher.

Arafis war wie erstarrt. Was nun? Wo waren die beiden hingegangen? Was hatte das alles zu bedeuten?
Sie überlegte kurz. Irgendwie musste sie Urako zeigen, dass die angebliche Hündin noch lebte und seinen Anhänger trug. Folglich musste sie sich ihm in ihrer Tiergestalt zeigen. Danach könnte sie den Glücksbringer in ihrer Albengestalt nur noch versteckt tragen und die Hündin wäre auf seltsame Weise verschwunden, natürlich mit dem Anhänger… und Arafis wäre aus dem Schneider. Oder sie könnte das Teil danach auch einfach loswerden
Dann dachte sie jedoch an den Blick von Urako, als er es ihr unwissentlich um den Hals gelegt hatte, und wie viel es ihm scheinbar bedeutete.
Vielleicht konnte sie es auch irgendwie gegen ihn verwenden, schliesslich hatte sie noch immer eine Rechnung mit ihm offen…

Schliesslich beschloss sie, den beiden Tieflingen zu folgen. Sie ging zu den Pferden und Fricai hinüber, und als sie niemanden in der Nähe erkennen konnte, legte sie Selans Gewand ab und versteckte es bei den Tieren, so dass sie diesmal nicht wieder ohne Kleidung dastehen würde, sobald sie zurückkam.
Den Anhänger von Urako liess sie umgehängt und verwandelte sich dann in ihre Wolfsgestalt und liess Fricai und die Pferde bei Ralogg zurück.

Arafis konnte sich einfach nicht mit der Stadt anfreunden. Und als sie, die Nase immer schnüffelnd am Boden, der Spur von Urako und Selan folgte, fühlte sie sich unbehaglich.

Immer weiter durch die Stadt und durch enge Gassen ging die Verfolgung. Die Wölfin hastete weiter und war schliesslich vollkommen durchnässt, als die Verfolgung vor dem Eingang eines riesigen Gebäudes endete. Arafis hatte so etwas noch nie gesehen, und blickte beeindruckt das gigantische Tor an, das sich vor ihr in die Höhe erstreckte.
Schliesslich schnüffelte sie neugierig den Eingangsbereich ab, um mögliche Hinweise zu entdeckten.

Gerade als sie überlegte, wie sie denn nun in das Gebäude hineinkommen sollte, hörte sie eine wütende Stimme hinter sich rufen: „Verschwinde Köter! Du hast hier nichts verloren, das ist ein heiliger Ort!“
Die Wölfin kratzte kurz vergeblich an der grossen Tür, doch so leicht liess sie sich nicht öffnen.
Mit eiligen Schritten kam ein mittelalter Mann in langem Gewand auf sie zugelaufen und fuchtelte drohend mit einem Stab in der Hand herum.
Arafis versuchte zurückzuweichen, reagierte aber nicht schnell genug und der Holzstab traf sie unglücklich in die Seite. Sie winselte überrascht vor Schmerz und duckte sich unter dem nächsten Hieb hinweg, um hinter eine Säule vor dem Tempel auszuweichen. Der Mann liess jedoch nicht locker und schimpfend kam er hinter dem vermeintlichen Köter hergelaufen, so dass es wie ein Fangenspiel anmutete, wie Arafis ihm auswich und er sie mit grimmiger Miene verfolgte.
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Selan Todaric

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#19

Beitrag von Selan Todaric » Sa 21. Mär 2015, 14:18

Selan pulsierte das Herz als er seine rechte zittrige Hand auf die Türklinke legte. In diesem Moment schossen ihm 1000 Dinge durch den Kopf. Hatten sie ihn und Urako beim verfolgen gesehen? Würden sie hinter der Tür auf ihn lauern? Wird er gleich Dinge über seinen ehemaligen Schüler erfahren, die er lieber nicht wissen wollte? Was hat Ibn mit diesem mysteriösen Nekromantenorden zu tun? Gleich würde es Selan wissen, er schluckte noch einmal und drückte langsam die Klinke nach unten. Noch im Drücken der Klinke quetschte sich Urako unter seinem Arm hindurch.

„Lass mich mal!“, raunzte er den Nekromanten an und schob ihm dabei seine Flügel ins Gesicht um Selan beiseite zu stoßen. Zuerst wahr Selan von Urakos tun nicht begeistert, war Urako doch verletzt und wollte ihn trotz, dass er seine Hilfe benötigte beschützen, doch dann war er froh das er ihm die schwere Bürde abgenommen hatte. Zum Glück war hinter der Tür keine Seele die auf sie gewartet hatte, ihre Verfolgung blieb also unentdeckt. Nur ein kalter Windhauch, der den Geruch von Stein mit sich trug begrüßte die beiden Tieflinge am Eingang des geweihten Ortes.

Vorsichtig schob sich Selan in das Gemäuer herein, gedämpfte Stimmen hallten durch das Gotteshaus, weit entfernt schienen sie zu sein. Selan war froh, hatte sich doch die Schlimme Vorahnung nicht bewahrheitet. Vorsichtig ging Selan noch einen Schritt weiter und schaute sich etwas um. Der seichte Schein des Mondlichtes erhellte das Gotteshaus nur sacht. Hier und da konnte man hölzerne Schränke, Bänke, Tische und eine Art gemauerten etwas weiter vorn erkennen. Überall waren steinerne Säulen zu erkennen, die wohl dafür da waren, die ganze Kuppel zu stützen. Hier und da standen große Eisenstände, was wohl Kerzenhalter sein mussten, die sonst für das Licht in dieser Halle sorgen, dachte sich Selan.

Nach wenigen Sekunden schafften es Selans Augen sich endlich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
Nun sah er auch die Teppiche, die überall verteilt waren. Der Tiefling war begeistert, wie musste dieser Ort erst aussehen, wenn er festlich mit all den Kerzen erleuchtet wurde. Wunderschön vermutete er, die Teppiche, das fein bearbeitete Gewölbe, die reich verzierten Fensterläden und die langen, bis zum Boden reichenden Vorhänge mit den Kordeln, unglaublich. Selan staunte über ein solch wohlsam eingerichtetes Gotteshaus.

Urako hingegen schien kein Freund von Schönheit im eigentlichen Sinne zu sein, für Kultur hatte er, wie Selan feststellen musste kein Auge. Muffig wie eh und je schlich Urako unachtsam in das Gebäude herein.

"Urako, warte ich höre etwas!", wollte Selan ihm noch zuflüstern, aber Urako hörte nicht und lief immer weiter hinein in das Gemäuer.

Und da waren sie wieder die Stimmen, die Selan gehört hatte.

„Meister, da war ein Geräusch“

„Du bist paranoid, das habe ich dir schon einmal gesagt, Orobas. Aber sieh meinetwegen nach, wenn dich das beruhigt, nur beeile dich. Wir haben nicht viel Zeit, der Schlüssel muss bei Sonnenaufgang wieder an Ort und Stelle hängen. Firxas, du bleibst hier und hilfst mir.“

„Kann ich die Ritualmaske heute ausnahmsweise weglassen? Dieses Arschloch hat mir vorhin mein Gesicht dermaßen verbeult, dass es ganz geschwollen ist.“

„Was fällt dir ein, natürlich musst du die Maske aufsetzen! Ich denke, ihr zwei seid Kampfmagier? Du solltest am besten Wissen, dass es absolut lächerlich aussieht, wenn ihr nicht ansprechend gekleidet seid. Erstes Ausbildungsjahr in der Magierakademie von Doremas! Und jetzt hör auf, herumzualbern und steig in deinen Anzug!“

Selan erschrag, hatte er sich doch nicht geirrt. Schnell wollte er noch nach vorn hasten und Urako aufhalten, da er vermutete, er hatte die Stimmen nicht gehört, war es auch schon zu spät. Plötzlich brach Urako zusammen und sein Mageninhalt verteilte sich auf dem Boden vor ihm.

Selan schoss das Blut in den Kopf, da lag er nun, sein Schüler Urako und just in diesem Moment kamen drei Gestalten auf ihn zu, die ihn wohl ohne zu zögern umbringen würden, wenn Selan nicht eingreifen würde. Selan schoss es wie einen Blitz durch den Kopf, wieder einmal war einer seiner Schüler dem Leben näher als dem Tode. Jetzt rächte es sich, dass Selan so Gedankenverloren war, hatte er doch vorhin vergessen Urako zu verarzten, wie konnte ihm nur so etwas passieren? War es ihm wichtiger die Mörder seines ersten Schülers zu finden, als sich nun um seinen neuen Schüler zu kümmern? Selan was war mit dir los, ging es ihm noch durch den Kopf, als sich schon das nächste Problem anbahnte.

„Verschwinde Köter! Du hast hier nichts verloren, das ist ein heiliger Ort!“

Brüllte es plötzlich hinter ihm. Augenblicklich drehte er sich um, um sah einen wütenden mittelalten Mann mit langem Gewand heran geeilt, der mit erhobenem Stab wild herum fuchtelte.
Zuerst verstand Selan gar nicht was los war, warum bezeichnete der alte Mann ihn als Köter?
Doch auf den zweiten Blick verstand Selan. Ein Hund stand nur unweit von ihm entfernt, den meinte der Mann wahrscheinlich. Der Tiefling wollte es zuerst nicht glauben, griff doch der alte Mann plötzlich den Hund mit einem Stock an. Zum Glück war der Hund sehr wendig, immer wieder weichte er ihm aus, schlug Harken, duckte sich, wich wieder einem Schlag aus.

"Lassen sie doch bitte den Hund in frieden, er hat doch keinen etwas getahn. Er ist ein Kind der Götter, er hat auch das Recht hier zu sein.", versuchte Selan den wild gewordenen zu besämpftigen, jedoch war dieser zu sehr mit seiner Jagd beschäftigt.

Jedoch gerade als Selan eingreifen wollte, kam der Hund auf ihn zu gerandt und windelte ihn an. Ein Blick in die traurigen, verletzten und Angst erfüllten Augen des Tieres reichten Selan aus um zu begreifen. Sofort nahm er den vermeindlichen Hund hoch und drehte sich etwas abseits zu dem alten, denn ihn würde der alte sicherlich nicht angreifen, so zumindest hoffte er.

Der Hund war sichtlich froh über diese Geste und leckte Selan zart über die Wange, unschwer zu erkennen war dabei das Halsband was er um sich trug.

"He moment mal, dass ist doch Urakos Anhänger stimmts? Bist du etwa sein neuer Hund, von dem ich gehört habe? Eigentlich siehst du mir ja eher wie ein Wolf aus mein bester. Ach nein, du warst ja eine sie, meinte Urako, verzeihung bitte!", lächelte Selan den Wolf freundlich an.

Unerwartet kam der ältere Mann mit erhobendem Stock auf Selan doch zu, "Gib das Mistvieh her, dass hat hier an diesem geweihten Ort nichts zu suchen."

"Dieses Mistvieh, wie sie es bezeichnen ist mein Hund und ich verbiete es ihnen so mit ihr zu reden. Zumal frage ich mich eh, wer mehr das Tier ist. Ein Tier was ohne etwas angestellt zu haben gehetzt wird und brügel angedroht bekommt. Oder ein alter Mann, der eine selbst ernannte Wache spielt und dabei in der Nähe eines Gotteshauses dermaßen mit ausdrücken um sich wirft und dazu noch ein Tier quält. Geh lieber, dann bete ich auch um Vergebung deiner Sünden diesem Tier gegenüber."

Die Ansprache des Nekromanten schien Wirkung zu zeigen, total perlex war der Mann und nahm seinen Stock wieder runter. Völlig entgeistert gehrte er langsam ein und entfernte sich von Athronos Haus, ohne auch nur noch ein Wort zu sagen.

"Den hätten wirs gezeigt, nicht wahr?", sprach Selan zu Urakos Wolf und setzte sie langsam wieder ab.

Sogleich wich aber die Freunde über diesen kleinen Erfolg aus Selans Gesicht und der Ernst der Lage kehrte wieder in sein Gedächtnis zurück. Immer noch lag Urako sich krümmend vor Schmerzen auf dem Boden und durch den alten Mann hatte er auch noch viel kostbare Zeit verloren.

Vorsichtig streichelte Selan den Wolf über den Kopf, "Deine Rettung hat mich ganz schön viel Zeit gekostet, weißt du das, nun hat dein Herrchen echte Probleme, er ist Gefahr. Aber schau nicht so, ich mach dir kein Vorwurf, ich bin froh das du erst einmal in Sicherheit bist. Bleib bitte hier, ich werde versuchen dein Herrchen nun auch noch in Sicherheit zu bringen."

Die Ohren des Tieflings lauschten, die Schritte kamen immer näher, nur noch wenige Sekunden wären es, bis sie hier wären.

Jetzt oder nie, dachte sich Selan und huschte geduckt in das innere des Tempels hinüber zu Urako. Schnell packte er Urako an den Beine und schliff ihn hinter die nächste Reihe aus Sitzbänken, dessen Lehne zum Glück bis zum Borden reichte. Gerade der rechte Moment, denn in diesem Moment erhellte Kerzenschein in unmittelbarer Entfernung einem Gang, der aus der Tiefe kommt.

"Pssssst, Urako, wach auf!", flüsterte Selan Urako leise zu und klopfe ihm ein wenig auf die Wangen.

"Urako, bitte, deine Sture Art kostet uns gleich das Leben, wenn du nicht gleich wieder bei dir bist."

"Dann schau mal nach wo hier deine Geräusche sind, viel Spaß du Idiot.", schallte es plötzlich durch den Raum. Selan rannen Schweißperlen über die Stirn, damit stand fest sie sind hier. Damit war Selan in bedrängnis, der hatte sich geschworen keinerlei Angriffszauber zu erlernen und auch im Nahkampf ist er nicht zu gebrauchen. Eine letzte Chance war nun ein Zauber beschloss Selan, aber ob dieser die Rettung sein sollte, selbst Selan selbst war sich dabei nicht sicher.

So flüsterte Selan so leise es ging die Worte.

"Mortuus exaudivit me
Ego opus opem
Rogo fœtor
Arcerent hostem,
Fiat mihi fugite
Quod in imo hostium
Distentio et foetore plenum eget immortuorum spíritus 1*"


Und der Gestank der Totren breitete sich langsam im Hause Athronos aus.

╔════════════════════════════════════════════════════════╗
*1
Selans Zauberspruch -Totengestank:

Tote erhöret mich
Eure Hilfe benötige ich
Euren Gestank erbitte ich
Halte die Gegner
Lasset mich fliehen
Am Boden liegen die Gegner
Voller Krampf und Gestankchemie
╚════════════════════════════════════════════════════════╝
Nur ein Tag mit Tee, ist ein lebenswerter Tag. (von Selan Todaric)

Wenn sie mit dir streiten wollen, biete Tee an. Wenn das nicht hilft, schlag sie tot! (von Selan Todaric)


Kleine Legende:
"Text" -> Gesprochener Text /\ >Text< -> Gedachter Text

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Re: Teebeutel - Kap. II - Ärger in Shizu

#20

Beitrag von Urako » Sa 21. Mär 2015, 14:19

Selan tauchte auf, packte Urako an den Füßen und schleifte ihn zwischen zwei Bankreihen. Dabei zog er ihn mit dem Kopf genau durch sein Erbrochenes und sein Pferdeschwanz hinterließ eine hässliche Schleifspur. Jedoch war der Henker ausnahmsweise nicht in der Stimmung, sich darüber zu beschweren. Die Angst, dass das massive Steingebäude zusammenbrechen und ihn unter sich begraben würde, füllte sein gesamtes Denken aus. Erst, als die Holzbänke die Sicht auf das Dach verdeckten, wich die Übelkeit und er konnte wieder besser atmen.

"Pssssst, Urako, wach auf!", flüsterte Selan Urako leise zu und klopfe ihm auf die Wangen.
"Urako, bitte, deine Sture Art kostet uns gleich das Leben, wenn du nicht gleich wieder bei dir bist."
Der Henker ging vor Schmerz fast an die Decke. „Ich bin doch gar nicht ohnmächtig, du Hornochse“, zischte er. „Hör auf, mir auf die Beulen zu fassen, sonst verpasse ich dir auch welche!“ Er rappelte sich mühsam auf. Der Schmerz hatte den letzten Rest Benommenheit verjagt, nur die Übelkeit blieb.

Zwischen den Bankreihen hindurch konnten sie Orobas in voller Kampfmontur beobachten, was in seinem Falle hieß, dass er komplett in eng anliegendes dunkles Leder gekleidet war, das schnelle, raumgreifende Bewegungen ermöglichte. Sein Gesicht war von einer passenden Maske bedeckt und in der Hand trug er einen mannshohen Zauberstab. Die verschnörkelten Symbole, die in das Leder geprägt waren, glommen leicht blau, was bedeutete, dass Orobas sich in Bereitschaft befand, aber nicht vorhatte, einen unmittelbaren Zauber zu wirken.

Er schlenderte langsam die Strecke zwischen Opferaltar und Tor entlang, wobei er sich umsah. Er konnte sie von da aus nicht sehen, jedoch würde er bald in Urakos halbverdaute letzte Mahlzeit hineintreten und spätestens dann auch die Schleifspur entdecken, die zu ihrem Versteck führte.

Ein Kampf mit diesem Mann war aussichtslos, denn wenn er seine Amtsrobe trug, war ihm auch gestattet,
jene mächtigen Kampfzauber zu wirken, die sonst in der Öffentlichkeit verboten waren.

Selan wirkte gerade wieder seinen Stinkzauber, woraufhin Orobas sich mehrmals räusperte.

„Diesen Leichenpupszauber musst du mir unbeding auch beibringen“, flüsterte Urako seinem Lehrer zu. „stell dir mal vor, ein Trupp schöner Tänzerinnen auf dem Markt und plötzlich geht von ihnen so ein bestialischer Mief aus. Furzende Zappeltanten, das wär mal was! Stell dir die Gesichter von dem Publikum vor!“

Orobas jedoch störte der Gestank, den Selan verbreitet hatte, nicht weiter. Er setzte seinen Rundgang unbeeindruckt fort. Etwas wehmütig betrachtete Urako seine Fäuste, die er dem Verräter gern ins Gesicht gehämmert hätte. Da fiel ihm etwas ein. Selan und Orobas waren nicht die einzigen hier, die Magie wirken konnten. Der Henker grinste breit.

„Pass auf Selan, gleich bietet sich dir eine Vorstellung, wie du sie noch nie gesehen hast. Da kannst du mit deinem bisschen Hokuspokus einpacken. Sieh zu und staune!“

Urako formte mit den Händen einen Hohlraum, brachte sie an seinen Mund und pustete hinein. Rauch quoll zwischen seinen Fingern hervor und stieg beißend in seine Nase, doch das reichte noch nicht. Er blies weiter, es wurde heiß in seinen Händen, so heiß, dass er die Hände öffnete und vor sich hielt, als würde er damit Wasser schöpfen wollen. Darin saß nun, von Rauch umhüllt, ein kleiner Vogel, der aus purem Feuer bestand.

„Na ja, eigentlich sollte es ein Falke werden, aber für unsere Zwecke tut es auch ein Spatz.
Flieg, Kleiner. Flieg!“


Der Feuerspatz flatterte unter den Bänken entlang, damit er sich nicht durch sein Leuchten verriet. Orobas jedoch hatte die Energie gespürt, die Urako für die Beschwörung freigesetzt hatte. Die Symbole auf seiner Kleidung leuchteten auf, er packte seinen Stab fest mit beiden Händen und schritt zielstrebig auf die beiden Eindringlinge zu.

Der Flammenspatz schoss unter den Bänken hervor und auf ihn zu.

Am Ende des Stabes erschien eine bläulich-transparente Kugel, Orobas machte eine kaum wahrnehmbare Bewegung und noch ehe der Feuervogel auch nur in die Nähe des Magiers kam, wurde er mit einem leisen Zischen ausgelöscht und das einzige, was noch daran erinnerte war ein nasser Fleck auf dem Teppich.
Wassermagie.

Orobas grinste unter seiner Maske fast mitleidig ob dieses stümperhaften Angriffs. Doch plötzlich wurde seine Aufmerksamkeit von einem Knistern geweckt. Er fuhr herum und musste sehen, dass einer der langen Vorhänge in Flammen stand. Das Feuer breitete sich auf dem trockenen Stoff in rasender Geschwindigkeit aus, schon griff es auf den nächsten Vorhang über.

Übeltäter war Urako, der während des kurzen Moments der Ablenkung unter den Bänken hindurch gekrochen war und von dort aus mit einer beschworenen Flammenpeitsche den Vorhang in Brand gesteckt hatte. Jetzt entzündete er gerade einen Teppichläufer, der über die gesamte Länge des Tempels verlief.

Orobas schoss ein paar Wasserkugeln, doch der Stoff war so trocken, dass er damit keine Chance hatte.
„Meister Altsalat!“, schrie er, „Firxas!“
Panisch rannte er dahin zurück, wo er hergekommen war, während das Feuer immer stärker loderte
und der Qualm die Sicht verdeckte.

„Na, was sagst du?“, posaunte Urako und kroch wieder zu Selan. „Du kannst stolz auf mich sein. Dein Schüler hat soeben einem professionell ausgebildeten Zauberer ein Schnippchen geschlagen. Tja, das kommt davon, wenn man bloß Magie beherrscht, die zum Kämpfen gut ist. Feuerlöschen steht wohl nicht auf seiner Fähigkeitenliste, obwohl man ja meinen könnte, dass es das Naheliegendste für einen Wassermagier wäre. Allerdings muss ich zugeben, dass wir in Phintias auch nur äußerst selten Brände haben und er darum wohl auf das Erlernen eines passenden Zaubers verzichtet hat.“
Er lachte über seinen eigenen Witz und erhob sich.
„Los komm, Grünspan, nutzen wir die Gelegenheit um … oh, hmmm.
Jetzt haben wir ein Problem.“


Die Hälfte des Tempels, in der sie sich befanden, stand bis unter das Dach in Flammen. Die Vorhänge brannten, die Teppiche und die ersten Bänke loderten lichterloh. Der Weg zum Ausgang war von einer mehreren Meter hohen Flammenwand versperrt. Aus den Fenstern konnten sie auch nicht fliegen, da die brennenden Vorhänge dies unmöglich machten.

„Scheiße, das war wohl etwas viel des Guten! Können die hier nichts ordentliches bauen? In Phintias wäre das nicht passiert, da ist alles aus schön matschigem Schilf gebaut und von nassem Moos überzogen. Sollten die hier auch mal probieren. Komm schon, Selan, uns bleibt nur der Weg, den Orobas genommen hat! In dieser Richtung brennen die Vorhänge noch nicht, dort können wir aus einem Fenster fliegen!“

Urako hielt jedoch noch einmal inne und pfiff nach der Hündin, ehe er flüchtete.

Er rannte neben dem brennenden Läufer entlang, die Hitze wurde langsam unerträglich und Urako hatte Mühe, in dem Qualm noch zu atmen. Er hustete im Rennen. Doch obwohl er sich alle Mühe gab, war er schon zu erschöpft. Die Flammen überholten ihn und bald standen alle Vorhänge und ein Großteil der Bänke in Brand. Urako erkannte mit Entsetzen, dass sie in der Flammenhölle eingeschlossen waren. Mit aufgerissenen Augen drehte er sich um die eigene Achse auf der Suche nach einem Ausweg. Doch da war keiner.
Er würde verbrennen.

Aber wo waren Orobas, Ibn und Firxas? Er hatte das andere Ende des Tempels erreicht und keiner von den dreien war zu sehen. Konnten sie sich etwa teleportieren? Nein, das war unmöglich, einen solchen Zauber gab es nicht! Sie mussten einen anderen Ausweg gefunden haben!

Plötzlich stolperte Urako über etwas hartes, das aus dem Boden ragte. Einer der Teppiche war zur Seite geschlagen und die darunter liegende Falltür war sichtbar, in der noch der Schlüssel steckte.

„Selan, hier rein! Und bring den Hund mit!“, rief Urako, öffnete die Klappe und sprang als erster in den Schacht. Ihn empfing angenehme Kühle und Dunkelheit.
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"Wenn Kaiser, Könige und Diktatoren ruhig schlafen,
warum soll`s nicht auch der Henker können?"
Charles Henry Samson, Scharfrichter

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