Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. Während die Urvölker auf Altbewährtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimbünde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Floh und ihr Ausflug ins Paradies

Taverne Zum Schluckspecht
Die Taverne ist politisch neutrales Territorium und jeder ist hier willkommen, unabhängig von Fraktion oder Abstammung. Der Schluckspecht ist daher ein belieter Treffpunkt für Abenteurer aus aller Herren Länder, um in rustikaler Atmosphäre einen heben zu gehen, Mitrstreiter zu finden oder von hier aus die gemeinsame Reise zu planen.
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Floh
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Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#1

Beitrag von Floh » Mo 7. Mär 2016, 21:22

Floh, wie ihre Freunde sie immer nannten, da sie sogar für eine Goblinfrau sehr klein gewachsen war, bibberte vor Aufregung. Heute würde sie endlich ihre Lieblingsband hören!
Auf dem grossen Markt hatten die Leute eifrig gemunkelt, dass Ghuls’n’Goblins in der Taverne zum Schluckspecht spielen würden. Ghuls’n’Goblins! Nur schon der Name sagte doch alles aus! Eine spritzige Mischung von gut aussehenden Goblins und… nun ja, einem nicht ganz so attraktiven Ghul. Doch das mochte man ihm verzeihen, wenn man erst hörte, welch wundervolle Klangfarben er seiner Knochenflöte entlockte.

Verträumt hüpfte sie deshalb an diesem Abend in einem Kleidchen, das viele bunte Flicken aufwies und ihre stämmigen Goblinbeinchen zur Geltung brachte, den beleuchteten Weg entlang, der zu der weithin bekannten Gaststätte führte. Ihre pinkgefärbten Haare hatte sie mit getupften Bändern zu zwei vorwitzigen Schwänzen zusammengebunden. Ihre langen spitzen Lauscher waren mit bunten Ohrsteckern versehen. Ihre Mutter nannte sie zwar oft liebevoll Schlappohr, doch trotzdem mochte Floh ihre leicht hängenden Ohren gerne.
Ausnahmsweise trug sie sogar ein Paar Schuhe, was sie normalerweise nicht für nötig befand, weil sie lieber die Freiheit hatte, mit den Zehen herum zu wackeln. Nichts desto trotz hatte sie sowohl die Finger- als auch die Zehennägel passen zu ihren Haaren lackiert.

Die Nacht war bereits hereingebrochen und so herrschte ein reges Treiben vor dem Schluckspecht. Eine riesige Schlange hatte sich vor dem Eingang gebildet und alle möglichen und unmöglichen Kreaturen warteten darauf, eingelassen zu werden. Es herrschte ein reges Gedränge und bereits waren genervte Stimmen zu vernehmen.
Floh trippelte unruhig von einem Fuss auf den anderen und versuchte einen Blick auf die Tür zu erhaschen. Einmal mehr schimpfte sie über ihre Grösse – sie erreichte gerade einmal 88cm, obwohl sie immer steif und fest behauptete 90cm gross zu sein. Leider nützten ihr diese Behauptungen im Augenblick wenig, denn obwohl auch viele Goblins anwesend waren, um die Band zu sehen, war sie eindeutig die kleinste Persönlichkeit hier.
Als ein junger Alb sie beinahe ĂĽber den Haufen rannte, funkelte sie ihn wĂĽtend an und schimpfte ihn einen Kamelfuss, was ihr jedoch keine weitere Beachtung einbrachte.
Kurz überlegte Floh, sich durch die vielen Beine hindurchzuzwängen, doch schnell verwarf sie diesen lebensmüden Gedanken wieder. Nicht einmal einen Blick durch eines der Fenster konnte sie erhaschen, denn zu viele andere hatten sich bereits dort versammelt und kämpften darum, einen Blick ins Innere des Hauses zu erhaschen.

Frustriert kickte das Goblinmädel nach einem Stein, welcher wie eine kleine Kanonenkugel davonspickte. „Miiiaaaauuu!“, erklang ein schmerzliches Fauchen und eine getigerte Katze huschte wie vom Blitz getroffen um die Ecke herum davon. Schuldbewusst zuckte Floh zusammen. Sie war zwar im Allgemeinen keine Tierliebhaberin, aber bei Katzen machte sie da eine Ausnahme. Der eigensinnige und unabhängige Charakter faszinierte sie, ebenso wie die berechnende Intelligenz dieser Wesen. Da sie momentan sowieso nicht näher ans Haus herankommen würde, beschloss sie, kurz nach der Katze zu sehen. Womöglich war sie verletzt. Und vielleicht gab es hinter dem Haus ja doch noch ein Fenster, wo sie in den Schankraum blicken oder wenigstens die bombastische Musik mithören konnte!

Ohne zu zögern nahm sie ihre Beinchen in die Hände und rannte der Katze hinterher.
Von dem Tier war weit und breit nichts zu erkennen, was vielleicht aber auch an der Dunkelheit liegen mochte. Hier war der Geräuschpegel nur noch gedämpft zu vernehmen. Leider auch die Trommel- und Flötenklänge, welche nun plötzlich eingesetzt hatten. Sie wurden von lauten Jubelrufen untergraben und Floh ballte wütend und verzweifelt zugleich ihre kleinen Fäuste.
„Das ist doch Mäusemist!“, schimpfte sie. Wann kam es schon einmal vor, dass sie am Abend nicht arbeiten musste und gleichzeitig noch Ghuls’n’Goblins ein Konzert gaben? NIE!
Und ausgerechnet jetzt hatte sie sich keinen Platz ergattern können.

Plötzlich hörte sie ein Rascheln und ihr Blick wanderte erschrocken in die Höhe. Doch es war nur die Katze, welche sich auf einen Brennholzstapel geflüchtet hatte, der an der Wand der Gaststätte angelehnt war. Die orangefarbenen Augen leuchteten vorwurfsvoll und Floh murmelte eine halbherzige Entschuldigung. „Jetzt sind wir aber quitt, du hast mich auch erschreckt!“, brummte sie der Katze zu. Diese drehte sich um, und zottelte mit hoch erhobenem Schweif über den Stapel hinweg davon.

Floh stutzte plötzlich. Ihr Blick war an einem Fenster hängen geblieben, welches sich nur etwa eineinhalb Meter über dem ordentlich gestapelten Holzhaufen befand. Ihr Herz jubelte vor Freude auf, als sie erkannte, dass der Schimmer einer Lampe hervorzüngelte und es einen Spalt breit offen stand, damit der Bewohner in den Genuss der kühlen und erfrischenden Nachtluft kommen konnte.
Einen Moment zögerte sie. Ihre Mutter hatte ihr oft erklärt, dass ihre Kletterkünste keine Tugend seien und sie besser wichtigere Fertigkeiten präzisieren sollte. Denn Floh hatte ihren Namen nicht nur allein wegen ihrer Grösse, sondern auch, weil sie wie ein Floh alles zu erklimmen vermochte, was ihr im Weg stand oder einfach darunter hinwegkroch.
Als jedoch die Menge im Haus erneut aufjubelte und somit den grossen Ginimo stürmisch begrüsste, war dies für das Goblinmädel Ansporn genug. Sie musste in den Schluckspecht hineingelangen- koste es, was es wolle!

In ihrem Eifer flogen die Schuhe in hohem Bogen davon und verfehlten nur um Haaresbreite die Katze, welche sich neugierig wieder näher gewagt hatte.
Dieses Mal hatte Floh jedoch keinen Gedanken für das Tier übrig, stattdessen konzentrierte sie sich auf ihre weiteres Vorgehen. Tatsächlich war es eine Leichtigkeit, den Brennholzstapel zu erklimmen. Ihre beweglichen Zehen nutzten jeden hervorstehenden Ast und ihre kräftigen Finger klammerten sich an das raue Holz, während sie so zwei Meter in die Höhe kletterte.
Oben angekommen liess sie sich bäuchlings auf die Hölzer plumpsen. Sie war etwas aus der Übung und es hatte sie einiges an Anstrengung gekostet. Mit spitzen Fingern klaubte sie einige Spiessen aus ihren Handflächen, welche sich schmerzhaft hineingebohrt hatten.
Als jedoch ihr Lieblingsbarde zu trällern begann im Takt mit den Trommeln und der Laute, schob sie ihre Müdigkeit beiseite. Wenn sie sich nicht beeilte, wäre das Konzert schon vorbei, wenn sie endlich drin war!

Etwas kritischer betrachtete sie nun die Wand vor sich. Glücklicherweise war das Haus aus grobem Sandstein gebaut und schon länger nicht mehr richtig saniert worden. Überall ertastete sie bei der Suche Einbuchtungen, wo ihre Finger und Zehen Halt finden würden. Die ersten zwei Versuche schlugen trotzdem fehl und sie landete unsanft auf ihrem üppigen Hintern. Sie beglückwünschte sich dafür, nicht der neuesten Mode der jüngeren Goblinfrauen zu folgen und Diät zu machen, denn dann wäre die Landung um einiges unangenehmer ausgefallen. Sie würde mit ein paar blauen Flecken davonkommen, doch das ist es allemal wert!
Auch ihre Haarschwänze lösten sich zunehmend und einige Haarsträhnen standen frech in alle Richtungen ab. Nur ihr Kleidchen war noch mehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Es hatte sich immer wieder im Holz verfangen, war an vielen Stellen eingerissen oder durchlöchert.

Mit einem letzten Kraftakt hievte sich Floh mit einem lauten Schnaufen auf den Fenstersims. Sie hatte sich etwas überschätzt. Ihr Atem ging heftig und sie klammerte sich am Rahmen fest, als es ihr plötzlich schwindlig wurde. „Wuuooh“, kreischte sie auf, als sie trotzdem das Gleichgewicht verlor, und kopfvoran in das Zimmer hineinpurzelte. „Auu“, stöhnte sie auf. Sie hatte sich an einem harten Gegenstand den Kopf gestossen und Sternchen tanzten vor ihren Augen. In einer Stunde sähe sie vermutlich aus wie ein Einhorn.

Offensichtlich befand sich keiner im Raum, denn niemand schien sich ab ihrer Anwesenheit zu stören. Langsam erlangte sie ihr Sehvermögen wieder zurück. Von unten Pochte der Bass der Trommel herauf und das euphorische Kreischen des Publikums war zu hören. Mindestens die Hälfte des Konzerts musste bereits um sein!
Floh rappelte sich etwas umständlich hoch und klopfte den Staub von ihrem Flickenkleid. Dann liess sie den Blick durch den Raum schweifen und erstarrte.
Das Flackern einer Öllampe, die wohl jemand in der Hektik vergessen hatte zu löschen, tauchte das Zimmer in ein warmes Licht, liess jedoch gespenstische Schatten an den Wänden tanzen.
Doch dies war es nicht, was die kleine Goblinfrau in eine Starre versetzt hatte.

Ihre Augen krallten sich in das Bild, das nur einige Meter entfernt hing. Es zeigte eine wirklich künstlerisch ausgearbeitete Zeichnung der drei Musiker – in Vollformat!
Anscheinend war sie im Zimmer eines Fans gelandet.
Im selben Moment erinnerte sie sich jedoch auch wieder, weshalb sie hier war. Mit wenigen Schritten hatte sie die Tür erreicht, stellte sich auf die Zehenspitzen, zog die Klinke nach unten, um die Tür schwungvoll aufzureissen und… - die Tür liess sich nicht öffnen!
Erst wütend, dann verzweifelt zerrte Floh an der Türfalle, stemmte sich gegen das Holz und klopfte mit den Fäusten dagegen. Doch die Tür blieb verriegelt und in dem Tumult der unten vorherrschte bestand kaum die Chance, dass jemand sie hören würde.
Niedergeschlagen liess sich Floh hinabsinken und blieb mit ausgestreckten Stummelbeinchen an die TĂĽr gelehnt sitzen. Ihre Schultern hingen herab und ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle.
Warum musste das ausgerechnet ihr passieren? Warum konnte sie nicht einmal im Leben wenigstens einen Funken GlĂĽck haben?
Immer trat sie in irgendein Fettnäpfen und wurde von allen nur mitleidig belächelt oder mit einem Kopfschütteln bedacht. Was ja auch verständlich war, wenn man ihre jetzige Situation betrachtete.

Wütend stand sie auf, und lief wie ein Tiger im Käfig herum. Sie achtete dabei nicht auf ihre Umgebung, so sehr drehten sich ihre Gedanken im Kreis. Wie gerne wäre sie doch ein Stockwerk tiefer gewesen, hätte der Musik gelauscht, wäre im Takt mitgehüpft und hätte mit seeligen Blicken die drei Bandmitglieder angeglubscht. Sie hätte es sogar in Kauf genommen, wenn ihr dabei jemand auf die Zehen getreten wäre!
Im Flackerschein übersah sie beim Herumtigern einen herumliegenden Gegenstand, und wäre beinahe wieder auf dem Bauch gelandet. Das war für Floh das i – Tüpfelchen. Ihren ganzen Zorn legte sie in den Tritt, als sie ihren nackten Fuss voller Schwung gegen einen in der Nähe befindlichen Gegenstand donnern liess. Es gab ein lautes Knacksen, ein dumpfer Klang wie von einer Trommel tönte durch den Raum und das schmerzliche Aufquietschen von Floh war zu hören.
Das Goblinmädel unterdrückte den Tränenfluss mit grösster Mühe und zog unüberhörbar den Rotz in ihrer Nase hoch. Ihre grosse Zehe fühlte sich dreimal grösser an als sonst. Sie liess sich auf den Hintern plumpsen und zog ihren Fuss in einer unmöglichen Verrenkung hoch, um das in Mitleidenschaft gezogene Körperteil in ihren Mund zu stecken und wie ein kleines Kind am Daumen daran zu lutschen.

Als sie sich wieder etwas beruhigt hatte beschloss sie, den Raum genauer unter die Lupe zu nehmen. Eigentlich war es ja ganz interessant, anderer Leute Schlafstätte zu durchwühlen, und wenn er ein Fan war, hatte er vielleicht sogar ein Erinnerungsstück an die Band bei sich.
Mit neuem Schwung humpelte Floh durch das Zimmer, zog Schubladen auf, guckte neugierig in Schränke und Truhen. Was sie entdeckte, liess sie immer erstaunter werden.

Auf dem Schreibtisch entdeckte sie ein Tintenfass, Schreibfedern und viele Blätter lagen kreuz und quer darauf verstreut herum. Was jedoch viel spannender war…, dass es nicht irgendwelche Blätter waren… sondern handbeschriebens Pergament mit Noten und dazugehörigen Liedtexten. Die kraxelige Schrift erinnerte stark an die Künstlerklaue eines Goblins, über den Floh alles zu wissen meinte. Jeder Klatschrunde, jedem Aushang war sie gefolgt, um alles über den grossen Ginimo und seine Kumpanen zu erfahren.
Nun musste sie Gewissheit erlangen. Ungestüm purzelte sie durch den Raum und suchte Anhaltspunkte für ihre Vermutung, nicht ohne dabei ein kleines Chaos zu hinterlassen. Und bald sah sie sich bestätigt. Sie fand unterschiedliche Tinkturen, welche versprachen die Stimme zu ölen, bis selbst das Quietschen einer verrosteten Tür wie Engelsmusik klingen würde. Zudem fand sie eine alte Holzflöte und weitere Zeichnungen und Kritzeleien von den Bandmitgliedern.
Auf einem Stuhl lag ein Kissen, auf dessen Bezug ein Fan in rosaroten Buchstaben „in Liebe dein grösster Fan Rosie!“ gestickt hatte.
Über den Boden war ein Stapel mit Ausschnitten von Plakaten verteilt, welche Floh versehentlich umgestossen hatte. Darauf waren die Schlagzeilen mit Neuigkeiten und Lobreden über die Künstler vermerkt, und immer wieder grinste ihr das langnasige Gesicht von dem grossen Ginimo höchstpersönlich entgegen. In einer Ecke stapelten sich Spitzhüte, wie der Barde und Pianist selbst oft auf seinem Haupte trug.

Floh war im Paradies gelandet!
Vergessen waren alle Unannehmlichkeiten. Das Schicksal meinte es endlich einmal gut mit ihr. Das war tausendmal besser, als unten mit hunderten anderen Fans um einen Platz zu streiten!
Sie fĂĽhrte einen Freudentanz auf und humpelte wie eine VerrĂĽckte im Zimmer herum.
Plötzlich fiel ihr auf, dass die Musik ausgesetzt hatte. Machten sie etwa eine Pause? Oder war das Konzert bereits um?!
Erst jetzt registrierte Floh, dass ihre Lage vielleicht doch ein wenig prekär war. Was würde man von ihr halten, wenn man sie im Zimmer des grossen Ginimo entdeckte?! Man würde sie als Diebin und Spannerin abstempeln… man würde sie ins Gefängnis stecken, oder weit Schlimmeres!

Sie musste von hier verschwinden… sie wollte zum Fenster stürmen, doch dann beschloss sie, nicht ohne ein Andenken zu gehen. Sie blickte sich im Raum um und erblickte eine Socke, welche lose über dem Bettpfosten hing. Sie griff beherzt danach und hielt sich die Stinkesocke an den Zinken. Für sie war der muffelige Geruch besser als ein Garten voller Rosen.
Im selben Moment hörte sie, wie der Schlüssel sich im Schloss drehte. „Oh weia!“
Als die Klinke nach unten gedrückt wurde, krabbelte Floh gerade noch unter das Bett des Goblins, ihren neuen Schatz fest umklammert. Sie meinte, dass man ihren Puls bestimmt wie die Trommeln zuvor, durch das ganze Gasthaus hören müsste.
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Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#2

Beitrag von Der groĂźe Ginimo » Do 10. Mär 2016, 20:21

„Ich bin müde. Ich gehe pennen. Erstklassige Show, Zakrok!“ rief Ginimo dem halbstarken Goblin hinterher, als er über die private Hintertreppe, sein Zimmer ansteuerte. Zwar hatte Ali wie immer einige rhythmische Fehler gemacht. Aber langsam wurde der Ghul besser. Haben die vielen Proben, doch was gebracht, dachte Ginimo sich bloß.

Fröhlich pfeifend ging er den Korridor entlang, bis er schließlich sein Zimmer erreichte und das Schloss öffnete. Kurz meinte er eine liebliche Frauenstimme gehört zu haben, doch Ginimo schüttelte nur ungläubig den Kopf. So ein Quatsch! Jetzt hörst du schon Stimmen…muss am Bier liegen, der benebelt die Sinne…oder die laute Musik! Ja, das ist der Tinnitus Schuld!, sagte er und fummelte wild an seinen Ohren rum.
Doch das hohe Fiepsen blieb. Nerviger Ali, muss er ausgerechnet die Becken direkt an meinem Ohr zum Scheppern bringen!, beschwerte er sich.

Während er all dies dachte hatte sich Ginimo schon entkleidet. Sein Spitzhut beförderte er mit einem eleganten Wurf auf den Garderobenständer. Unter seinem Hut befand sich sogar schönes, und dichtes Haar. Sein Spitzhut war lediglich sein Markenzeichen, aber seine Haare brauchte er nun wirklich nicht zu verstecken. Denn diese waren auch gut gepflegt.

Ginimo zog sich darauf bequeme Schlafklamotten an und ließ sich müde auf sein Bett fallen. So ein Auftritt konnte schon sehr anstrengend sein. Vorallem für den Bandleader war es immer eine deutlich größere Verantwortung. Für das Bierchen danach hatte Ginimo heute jedoch keinen Nerv mehr gehabt. Denn während des Konzerts war ihm ein einprägsamer Basslauf eingefallen, den er sofort aufschreiben wollte und umsetzen musste. Er frickelte einige Minuten und schmierte ein paar Noten auf das Papier.

Dann öffnete er den Barschrank, der in Wahrheit ein Klavier war, kramte den Klavierhocker hervor und begann zu spielen. Nach nur ein 5 Tönen meckerte Ginimo bereits: „Ach, das wird besser auf e-moll mit klassischer frostalbischer Tonleiter klingen“.
Er verfeinerte die Bassmelodie dahingehend und schuf ein dĂĽsteres Klangbild, was aber eine bestimmte Art von Groove erzeugte, die zwar dĂĽster, aber gleichzeitig zum Mitschwingen animierte. Ein Frostalbischer Dark Swing, dachte er sich.

Als endlich der Basslauf soweit fix war, kĂĽmmerte er sich um die Akkorde in der rechten Hand.
„Zu dicht, es sollte offener klingen. Mehr nach…“, murmelte Ginimo.
Ihm half es ungemein seine vielen Ideen zu sortieren, wenn er mit sich selbst sprach, weswegen man Ginimo häufig in Selbstgespräche verwickelt sah. Diese waren aber meist auf einem musikalischen hohem Niveau.

„Die Terz im 6. Durchlauf ist zu unpassend. Ein Sept-Non Akkord mit alteriender None. Ja…“, hörte man Ginimos Gedankenflut.
Schnell kritzelte er ein paar Noten aufs Papier. Er schaffte aber nur die Hälfte, als er eine weitere Idee bekam.
„Nein, der Refrain sollte klassischer sein. Ein Kontrast zum bisherigen Klangbild. Wie wäre die dorische Tonleiter…?“. Er spielte ein paar Töne, aber schüttelte nur den Kopf.

Der Kontrast ist zu stark. Ich würde etwas tragischeres bevorzugen. Wie wäre es mit der Paralleltonart allerdings mit einem Rhythmus, der auf den Offbeat geht?
Ginimo spielte die erdachte Sequenz und schien immer noch unzufrieden.

„SCHEIßE VERDAMMT. SO EIN GUTER ANFANG. UND SO EIN KACK REFRAIN!“, maulte er enttäuscht von seinen Qualitäten.
Er brauchte jetzt erstmal ein Bier. Genervt von sich, verlieĂź er sein Zimmer, hinterlieĂź es unabgeschlossen. Und holte sich ein Bier unten in der Taverne.
"Es schwinden jedes Kummers Falten,
solang des Liedes Zauber walten."

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Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#3

Beitrag von Floh » Sa 12. Mär 2016, 13:55

Unter dem Bett verborgen hatte sich Floh die Socke in den Mund gestopft, um vor Begeisterung nicht freudig zu piepsen. Das musste ein Traum sein!
Etwas anderes wäre allzu unglaublich. Doch der käsige Geschmack und die Fusel in ihrem Mund belehrten sie eines Besseren. Allzu gerne hätte sie den Kopf aus ihrem Versteck hervorgereckt, doch die Angst vor einer Entdeckung liess sie Vorsicht walten. Stattdessen beobachtete sie entzückt, wie sich der grosse Ginimo sozusagen vor ihr entkleidete. Die Klamotten landeten auf einem ordentlichen Haufen am Boden.
Floh hielt den Atem an und meinte zu erröten, als die nackten Füsse des Goblins nur wenige Zentimeter von ihr entfernt über den Boden schlurften. Unwillkürlich wackelte Floh mit ihren eigenen Zehen und ihre Augen funkelten vor Erregung. Als er sich aufs Bett plumpsen liess, knarrten die Federn und die Matratze wölbte sich ihr entgegen.
„Was werden die anderen bloss sagen, wenn ich ihnen erzähle, dass der grosse Ginimo über mir gelegen hat?“, sie beschloss dabei auszulassen, dass eine Matratze sie von ihrem Sternchen trennte und er nicht einmal Kenntnis von ihr besass.

Im nächsten Moment zuckte sie erschrocken zusammen, als plötzlich seine Stimme erklang. Aus der Nähe tönte sie noch viel aufregender als bei den Konzerten. Sie konnte sich direkt vorstellen, wie er mit seinen Kumpanen Scherze riss oder einer Frau romantische Liedtexte ins Ohr wisperte. Jetzt jedoch war sie nachdenklich gestimmt und Floh begriff nach dem ersten Schreck, dass er künstlerische Selbstgespräche führte.
Zwischendurch hörte sie das kratzende Geräusch einer Feder, die eilig über das Pergament geführt wurde.

Der Staub kitzelte Floh in der Nase und sie musste einen Nieser unterdrĂĽcken. Nur ein leises Schnauben war zu erahnen, das jedoch in den goblinischen AusfĂĽhrungen unterging.
Als sich Ginimo darauf jedoch hörbar bewegte und das Bett ächzte, meinte Floh, in Ohnmacht fallen zu müssen. Er hat mich bemerkt!, zuckte ihr der Gedanke durch den Kopf.
Wie soll ich ihm meine Anwesenheit bloss erklären? Unter seinem Bett?? Ich kann schwer behaupten, dass ich mich verlaufen hätte!
Doch zu ihrer Erleichterung tauchte kein krummer Goblinzinken und erbost funkelnde Augen in ihrem Gesichtsfeld auf, stattdessen bewegten sich die FĂĽsse vom Bett weg, um sich kurz darauf bei einem Klavierschemel niederzulassen.

Was nun folgte, versetzte Floh in andächtiges Lauschen.
Für das Goblinmädel waren die losen Tonabfolgen schöner als jedes Liedstück, das der grosse Ginimo bereits gespielt hatte. Denn diese Musik war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und bloss ihre eigenen bescheidenen Schlappohren kamen in den Genuss, den Klängen zu lauschen, welche von aufgeschlossenem Geklimper in eine weiche, melancholische Melodie übergingen, um dann wieder härter und beschwingter vorangetrieben zu werden. Egal, was Ginimo spielte, Floh war verzaubert.
Sie begriff nicht, was er dauernd dazwischen laberte und am liebsten hätte sie ihm zugerufen endlich das Maul zu halten und sich von der Melodie dahintreiben zu lassen, wie sie selbst es gerne getan und sich zu der Melodie bewegt hätte. So hielt sie einfach ihre goldfarbenen Augen geschlossen und wippte sanft mit dem Kopf dazu.

Doch plötzlich wurde Floh abrupt aus ihrer Ekstase gerissen, als der Goblin wie eine Furie loswetterte. Die Enttäuschung war ihm anzuhören und Floh hatte das ungezähmte Bedürfnis, ihn zu trösten. Sie kam jedoch schnell wieder von dem Gefühl los, als sie sich vorstellte, wie sie mitten in seinem Wutanfall unter dem Bett hervorgekrochen käme. Unvorstellbar!
Dann wurde der Stuhl weggeschoben, und im nächsten Augenblick entfernten sich die moosgrünen Füsse, welche halb unter einer langen, gestreiften Pyjamahose hervorlugten.
Die TĂĽr knallte zu, dann verschwanden die Schritte in Richtung der Taverne.

„Ist er weg?“, Floh murmelte die Worte ganz unbewusst und schlug sich schnell die Socke vor den Mund. Doch es blieb still, nichts regte sich in dem Zimmer.
Hektisch krabbelte sie unter dem Bett hervor, nachdem sie sich mit vorsichtigen Blicken davon überzeugt hatte, dass der betörende Musiker verschwunden war. Ihr Kleidchen war von einer Staubschicht bedeckt, und ihre Beine fühlten sich verkrampft an.
Erst jetzt quietsche sie vor Freude los und hüpfte wie ein Flummi durch das Zimmer, um ihrer angestauten Aufregung Luft zu machen. Als sie sich wieder einigermassen gefasst hatte, trippelte sie zum Klavierhocker hinüber. Liebevoll strich ihre Hand über das Leder und sie konnte die Wärme fühlen, welche SEIN Körper darauf hinterlassen hat.
Ob sie wohl einige Töne spielen konnte?
Ihr Blick glitt misstrauisch zur TĂĽr hinĂĽber, welche jeden Moment aufgerissen werden konnte.

Floh hatte noch niemals ein Klavier aus solcher Nähe gesehen, geschweige denn berührt.
Zögerlich rutschte sie mit ihrem Po auf den Hocker, welcher etwas zu tief gelegen war, als dass sie bequem an die Tasten gelangen konnte. Etwas mutiger geworden, kniete sie sich schliesslich hin und hatte nun einen guten Überblick über das Instrument.
Als wäre es aus Glas liess sie ihre Finger über das Holz streicheln. Damit konnte der grosse Ginimo solch wundervolle Melodien hervorbringen.
Nachdem sie ein letztes Mal zur TĂĽr geschaut hatte, siegte ihre Neugier.
Nur ganz leicht berührte sie eine Taste an der unteren Hälfte der Tastatur. Ein tiefer Klang erfüllte den Raum und etwas perplex liess Floh den Finger davonschnellen. War es wirklich so einfach?

Vergessen war, dass sich Ginimo gerade noch hier befunden hatte, vergessen, dass er irgendwann zurĂĽckkehren wĂĽrde.
Ihre Finger glitten über das Klavier und entlockten ihm unzusammenhängende Töne, welche mal weicher und mal härter im Raum verklangen. Ein seeliges Lächeln hatte sich auf Flohs Gesicht ausgebreitet. Das war ja einfach toll!

Erst nachdem sie eine gefühlte Ewigkeit lang jenste Kombinationen von Tasten ausprobiert und dazu leiste mitgesummt hatte, erkannte sie, dass sie sich wieder von dem Instrument trennen musste. Immer grösser wurde die Gefahr, entdeckt zu werden.
Mit einem wehmütigen Blick schnappte sie sich also ihre Socke, denn diese wollte sie auf keinen Fall zurücklassen – zu viel hatten sie in dieser kurzen Zeitspanne bereits miteinander durchlebt.

Dann stapfte die kleine Goblinfrau zur Tür, welche glücklicherweise nicht mehr abgeschlossen war. Sie prägte sich noch einmal jedes kleinste Detail ein, sog die Bilder in sich auf, um sie schubladenweise in ihren Erinnerungen zu stapeln. Die Öllampe, welche unruhig flackerte, die Spinne, die in einer Ecke ihr Netz baute, die Pergamentblätter, welche lose herumlagen, der Spitzhut über der Stuhllehne und natürlich dieses einzigartige Instrument und die nackten Goblinmännnerfüsse,…

Dann öffnete sie die Pforte einen Spalt breit und schlüpfte hindurch. Sie fühlte sich, als würde sie langsam aus einem Traum erwachen. Kaum war die Tür zum Paradies geschlossen, holte die Realität sie ein.
Schnell trippelte sie den Flur entlang und erreichte die Treppe, die in die Gaststube hinunterfĂĽhrte.
Als sie hinter sich plötzlich unbekannte Stimmen vernahm, nahm sie gleich zwei Stufen auf einmal, übersah dabei aber einen Tritt, der durch die viele Benützung ziemlich abgeschliffen war und rutschte aus. Stolpernd purzelte sie die Treppe hinunter. Vor Schreck kam sie nicht einmal dazu, einen Schrei auszustossen. Erst als sie am Fusse hart auf dem Bauch aufkam entrang sich ein Schluchzen ihrer Kehle. Sie rappelte sich hoch und betastete ihren Zinken. Nichts gebrochen!

Von oben näherten sich Schritte. Floh bewegte sich leicht humpelnd und die Finger um die Socke gekrampft den Gang entlang, dann stiess sie das Tor auf, das in die Gaststube führte.
Erleichtert tauchte sie in der Menge unter, welche noch immer die Taverne bevölkerte und inzwischen ziemlich angeheitert war. Der Geruch von Bier und Rauch umhüllte sie wie ein schweres Parfum. Sie rieb sich die Augen, denn noch immer tränten sie von dem schmerzlichen Aufprall.
Dabei stiess sie mit jemandem hart zusammen, und ein Schwall Bier verteilte sich klebrig und nass ĂĽber ihre Schultern und das inzwischen nicht mehr ganz so hĂĽbsche Flickenkleid. Wie konnte man nur so viel GlĂĽck und so viel Pech an einem einzigen Abend zugleich haben?!
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Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#4

Beitrag von Der groĂźe Ginimo » Di 26. Apr 2016, 16:32

Der Musiker betrat die Taverne mit einem erbosten TĂĽrknallen.
"Zott, mach das Bier kalt. Es läuft mal wieder nicht", maulte Ginimo.
Dass er im Schlafanzug in der Taverne saß, störte den Pianisten nicht. Er galt ohnehin als Exzentriker und es war nicht das erste Mal, dass er mit seinem Schlafanzug in der Taverne saß. Nein, um genau zu sein, passierte das eigentlich jeden Tag, denn Ginimo war so ein großer Perfektionist, was seine musikalischen Werke anging, dass er fast jeden Abend von sich und seinen "unkreativen Ideen" genervt war. Dabei war es unerheblich, dass ein neutraler Dritte die musikalischen Ideen von Ginimo als gut genug befunden hätte. Für Ginimo war es nicht gut genug.

Zott kannte diese Eigenart von Ginimo bereits und eilte sofort mit einem Bier zur Stelle, was Ginimo dankend annahm. Da Zott gerade viel zu tun hatte, hatte er keine Zeit sich mit Ginimo zu unterhalten, also suchte sich der gesprächige Goblin zur Ablenkung andere Gesprächspartner.

Kurz spitzte er seine hervorragenden Ohren und hörte, worüber sich seine Tischnachbarn unterhielten...Steuern..., ...des Königs Sold ist gestiegen.... Langweilig, stellte Ginimo fest und fixierte mit seinen Lauschern ein anderes Gespräch an.
Tochter...7 Jahre...Grippe, hörte er etwas weiter entfernt zwei Almanenweiber, die sich über Kinderkrankheiten unterhielten. Auch darauf hatte Ginimo keine Lust.
Der groĂźe Drachenfels...glorreich...mit dem Schwert.... Das klang schon eher interessant! Ginimo bestellte noch zwei weitere Bier und ging dann mit 3 BierkrĂĽgen zu dem Zwergkrieger und Almanenritter, die sich ĂĽber den Drachenfelsen unterhalten hatten.

"Ich hörte die Herrschaften über den Drachenfelsen schwadronieren?," plauderte Ginimo und reichte den beiden Herren das Bier. Die beiden Gäste wirkten aufgrund des Schlafanzugs etwas verwirrt, aber ein kostenloses bier konnte niemand abschlagen. Also nahmen sie es dankend an und stellten sich vor. "Man nennt mich Ginimo," erwiderte der naridische Goblin die Begrüßung, worauf die beiden plötzlich erstaunt wirkten.

"DER groĂźe Ginimo", fragte ihn der Almane.
Ginimo nickte.
"Durchaus. FĂĽrwahr ohne Spitzhut. Und im Schlafanzug sehe ich anders aus. Aber ja ich bin es," sagte er und verneigte sich kĂĽnstlerisch, wie vor einem Publikum.
"Oh, es war eine groĂźartige Show. Ich hab selten so getanzt!", entgegnete der Zwerg euphorisch.
Ginimo nickte wiederum bescheiden als Antwort.
"Dankt euch. Ja, die Show war gut. Wobei Ali mal wieder so schlecht gespielt hat, dass unser guter Lautentod mal wieder seine Laute zertrümmern musste," scherzte er, wobei die beiden Krieger in Gelächter fielen.

Die Drei unterhielten sich darauf rund 5 Minuten ĂĽber das Abenteuer der beiden Krieger am Drachenfels. Ginimo stellte viele neugierige Fragen und gab ein paar Kommentare von sich. SchlieĂźlich entschuldigte er sich kurz um neues Bier zu holen.

"Gleich wieder da."
Doch auf dem RĂĽckweg stieĂź er mit einer Goblinfrau zusammen, die Ginimo einfach ĂĽbersehen hatte.
"Oh verdammt. Entschuldigt vielmals meine Dame," meinte er freundlich. Er stellte das Bier an der Theke ab und half der Dame auf.
"Ich hab Euch nicht gesehen," sprach er und erhaschte beim Aufhelfen unfreiwillig einen Blick auf ihre Oberweite.
Er lächelte sie an und wartete darauf, dass sie etwas erwiderte. Sie sah hübsch aus, zumindenst wenn man von ihren grausamen Schlappohren absah, stellte Ginimo fest.

"Ich bin Ginimo", stellte er sich vor. "Braucht Ihr irgendwie ein Lappen, oder so?"
"Hallo?", fragte er etwas verwirrt. "Hört Ihr mich?"
"Es schwinden jedes Kummers Falten,
solang des Liedes Zauber walten."

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Die Handelsallianz

Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#5

Beitrag von Floh » Di 17. Mai 2016, 14:09

Im ersten Moment wollte die kleine Goblin wütend losschimpfen, doch Worte wie „Trampeltier, Dummbo oder Blindwurm“ blieben ihr im Hals stecken, als der Blick an dem vertraut gestreiften Pyjamastoff und den moosgrünen Füssen haften blieb.
Benommen liess sie sich aufhelfen und meinte danach ein Kribbeln zu spĂĽren, dort wo seine langen Finger sie berĂĽhrten. Hatte der Sturz sie so verwirrt, dass sie nun schon Gespenster sah?
Doch nein, die Stimme, welche sich gerade bei ihr entschuldigte, gehörte eindeutig dem grossen Ginimo.
Was für ein Abend – und er war noch nicht vorüber!

Unverwandt starrte sie den Goblin an, und war sich dabei nicht bewusst, dass sie ihn geradezu mit den Augen auszuziehen schien.
Erst seine nächsten Worte rissen sie aus ihrer Lethargie und sie schnappte aufgeregt nach Luft.
„Ich hab Euch nicht gesehen.“

Er hat mich nicht gesehen?!
Enttäuschung durchflutete sie in mächtigen Wellen und ihr Körper versteifte sich. Plötzlich türmten sich Erinnerungen vor ihr auf, und ein Déjà vu jagte das nächste. Als kleines Kind wäre sie einmal beinahe von einem Ork zertrampelt worden. Bei der Arbeit in der Küche hatte der Koch sie zwischen den vielen Mehl-, Erbsen und Getreidesäcken in der Vorratskammer übersehen und sie über Nacht versehentlich eingeschlossen. Beim Kinderhüten musste sie Angst haben, für einen ihrer Schützlinge gehalten zu werden, wenn sie mit den Kleinen draussen spielte. Und als sie einmal den Wunsch hatte, auf einem Pony zu reiten, hatte man sie auf ein zotteliges Hausschwein verwiesen, das ihr danach den restlichen Tag fröhlich grunzend hinterhergetrottet war, um seine Streicheleinheiten einzufordern.

"Ich bin Ginimo", stellte sich da ihr GegenĂĽber vor. "Braucht Ihr irgendwie ein Lappen, oder so?"
"Hallo?
", fragte er etwas verwirrt. "Hört Ihr mich?"
Flohs Blick klarte sich auf und sie erkannte, dass er sie freundlich anlächelte. Doch so liebenswert schien ihr sein Lächeln plötzlich nicht mehr zu sein. Ihr ganzer angestauter Frust über die Ungerechtigkeit, mit welcher diese Welt der Grossen alle Kleinen behandelte, brodelte aus ihr heraus.

„Ihr habt mich übersehen? So ist das also ja? Nur weil ihr hier in dieser Spelunke ein bekannter Musiker seid und im richtigen Moment die richtigen Töne von Euch zu geben in der Lage seid, heisst das noch lange nicht, dass Ihr Euch für was Bessres halten müsst!“
Ihre Augen funkelten den ahnungslosen Ginimo wĂĽtend an.
„Euer selbstgefälliges Grinsen könnt Ihr Euch sparen! Darauf falle ich nicht herein! Nur weil ich eine kleine Frau bin, heisst das noch lange nicht, dass ich mich wie ein Hühnchen herumschubsen lasse!“
„Und natürlich höre ich Euch! Im Gegensatz zu Euch spaziere ich mit offnen Augen und Ohren durch diese Welt.“


Inzwischen hatte sich eine kleine Menschentraube um die beiden geschart und beobachtete amüsiert, wie die kleine Dame mit den pinken Haaren und langen Schlappohren mit empörtem Stimmchen auf den Goblinmann ein schimpfte.
Erst als sie mit der roten Socke vor seinem Gesicht herumwedelte und das Grölen der Umstehenden sie aus ihrer Tirade riss, wurde ihr auf einen Schlag bewusst, was sie da gerade machte.
Sie beschimpfte den grossen Ginimo! Ihr Ein und Alles! Ihr Idol!

Mit einem Mal wurde ihr heiss und kalt zu gleich und sie spĂĽrte, wie ihr Gesicht rosa anlief. Oh, was mache ich da bloss! Mir wird gleich schlecht, dachte sie voller Panik.
„Und so toll ist deine Musik gar nicht, mir gefällt Ali Gammelghul sowieso viel besser!“, schleuderte sie dem verwirrten Goblin noch hilflos an den Kopf, bevor sie ihr triefendes Kleidchen raffte und die Flucht ergriff. Bloss raus hier, an die frische Luft - und bloss nicht umdrehen!
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Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#6

Beitrag von Der groĂźe Ginimo » So 29. Mai 2016, 22:57

Es wäre gelogen zu behaupten, dass die Worte der wütenden Goblindame, den Musiker nicht getroffen hätten. Selbstgefällig und "was Besseres"?
Ginimo dachte ĂĽber ihre Worte nach. Ich und was Besseres? Ich bin doch nur ein Schandfleck fĂĽr meine Familie! Ein Faulpelz, der sich hier lieber der Musik hingibt, als weiter sein Studium fortzusetzen. Nein! Was Besseres bin ich definitiv nicht.

Ginimo bemerkte, wie das Mädchen hinauslief, wobei Ginimo zusammenzuckte, als sie ihm zurief, dass Ali Gammelghul ein deutlich besserer Musiker wäre. Ginimo traf das im ersten Moment sehr. Er war immer mit vollem Ehrgeiz seiner Profession nachgegangen, sowie es die Goblins mit ihrer Arbeit taten. Er hatte viel an seiner Fingerfertigkeit gearbeitet, übte jeden Tag stundenlang und komponierte, weil seine große Leidenschaft die Musik war. Von irgendeinem dahergelaufenen Mädchen sowas zu hören, stimmte ihn traurig.

War seine Arbeit vergebens gewesen? Hatte er vielleicht kein Talent zum Musizieren? Ginimo schaute niedergeschlagen auf dem Boden. Er dachte einige Minuten nach und wirkte sehr melancholisch, bis er sich schließlich wieder gefangen hatte und mit einem Getränk nach draußen ging.

In der Hoffnung die Goblindame wiederzufinden und sie zur Rede zur stellen, woran er in seinen musikalischen Fähigkeiten noch arbeiten muss und was besser werden muss. Nach Ginimos ganz unvoreingenommener Einschätzung war Ali Gammelghul zwar besser im Flötenspiel, aber sein Gesang, sein Rhythmusgefühl und schlichtweg sein ganzes theoretisches Wissen über Musik war mangelhaft.

Mochte sie gar das Flötenspiel so sehr? Vielleicht sollte er Flöte lernen. Aber wieso sollte er überhaupt?

Als er schließlich draußen angekommen war, war von der Goblindame nichts mehr zu sehen. Und so stand Ginimo dort draußen im Pyjama mit zwei Biergläsern in der Hand und fing bloß laut an zu lachen. "So eine Zicke! Natürlich hat sie Unrecht!," lachte er und ging mit den Worten wieder rein.

Sie hatte ja noch nicht mal den Schneid zu ihren Worten zu stehen, sondern war feige, wie ein kleines KĂĽken, was das erste Mal von zu Hause ausgebĂĽchst war, stellte Ginimo fest.
"Es schwinden jedes Kummers Falten,
solang des Liedes Zauber walten."

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Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#7

Beitrag von Floh » Sa 4. Jun 2016, 18:41

Seit jenem Abend war einiges an Zeit vergangen. Einige Wochen, gar Monate trennten Floh von der Begegnung mit dem grossen Ginimo und oftmals meinte sie, dass es nur ein ziemlich fantastischer und schrecklicher Traum zugleich sein konnte. Erst wenn sie abends nach der roten Socke tastete, welche sie unter ihrem Kopfkissen versteckt hatte – natürlich ohne sie vorher zu waschen – holte die Wahrheit sie wieder ein.

Noch immer sah sie jedes Detail seines Zimmers vor ihnen Augen, hörte seine aufgebrachte Stimme schimpfen, roch den Duft seiner Käsefüsse und spürte die Tasten seines Klaviers unter ihren unbeholfenen Fingern vibrieren.
Gleichzeitig war sie sich ihrer Schmach bewusst. Obgleich sie den jungen Goblin beschimpft hatte, und sich dabei nicht ganz im Unrecht fĂĽhlte, war sie sich durchaus bewusst, dass sie zu weit gegangen war. Ihm sein musikalisches Talent abzusprechen, dazu war sie eindeutig nicht in der richtigen Position.
Floh hatte sich nicht mehr in den Schluckspecht getraut und auch sonst hielt sie sich von den Auftritten der Band fern, was ihr nicht immer ganz leicht fiel. Die Musik bedeutete ihr viel.

„Floh, was summst du da?“, piepste da eine Kinderstimme direkt neben ihr. Die Goblin schreckte auf und betrachtete das fragende Kindergesicht mit der dicken Knubbelnase und den grossen Kulleraugen nachdenklich.
„Ach nichts, nur ein Lied, das ich einmal gehört habe“, antwortete sie. Es war eine der Melodien gewesen, die sie als ungebetener Gast in Ginimos Gemach belauscht hatte.
„Mammi sagt, dass Singen unnütze Zeitverschwendung ist“, mischte sich da die Schwester des kleinen Goblinjungen ein und blickte Lob heischend zu Floh auf. Obwohl Floh dies innerlich verneinte, nickte sie dem Mädchen resigniert zu.

Die beiden Geschwister waren ihre Hütekinder. Normalerweise verliess sie mit den Küken das sichere Haus nicht, doch die beiden hatten sie rumgekriegt. Bei dem Gedanken, dass sie Kekse backen wollten, konnte Floh bloss lächeln. In einigen Jahren würden sie beide dies vermutlich ebenfalls als Zeitverschwendung abtun, doch solange dies nicht der Fall war, wollte sich Floh dieses Vergnügen nicht entgehen lassen. Da es jedoch keine Kakaobohnen mehr im Vorratsschrank der Mammigoblin zu finden gab (oder nie gegeben hatte), mussten sie zusammen einkaufen gehen.

Floh hatte Mühe, die beiden Zwirbel in ihrer Nähe zu halten. Immer wieder wollten sie ausbüxen, um die bunten Marktstände genauer unter die Lupe zu nehmen oder Leckereien zu erhaschen. Schliesslich hatte Floh sie fest an den Händen genommen und ihnen gedroht sofort umzudrehen, falls sie nicht bei ihr bleiben wollten. Es schien Wirkung zu zeigen.

Trotzdem war es nicht einfach, sich zwischen den grossen und kleinen Gestalten hindurchzuzwängen.
„Da sind die Süssigkeiten“, Lilli zerrte an Flohs rechter Hand, um sie auf einen Stand aufmerksam zu machen, der über und über mit bunten Bonbons in allen Formen und Farben befüllt war.
Gleichzeitig jedoch zog plötzlich Bino in die entgegengesetzte Richtung, um auf einen düsteren Stand zuzusteuern. Mit einem kurzen Blick erkannte Floh die zwiebelartigen Spinnen mit den glühendroten Augen in den Käfigen, welche offenbar das Interesse des Goblinjungen erweckt hatte.

„Hey, jetzt wartet doch! Wir können nicht überall gleichzeitig hingehen!“, doch die beiden Kinder hörten nicht auf Floh. Mit einem Ruck riss Bino sich plötzlich von der jungen Goblinfrau los und rannte zwischen den Beinen der Marktbesucher hindurch davon.
„Mäusemist! Biinooo!“, versuchte Floh über den Lärm hinweg zu rufen, doch der Goblin konnte oder wollte sie nicht hören.
„Du hast geflucht!“, mit vor Aufregung runden Augen und roten Wangen starrte klein Lilli Floh an.
„Was? Nein… hab ich nicht… da drüben… kann man Mäusemist kaufen!“, wurstelte Floh wirr, dann zog sie das Mädchen hinter ihrem Bruder her durch das Gewühl.

Als sie bei dem Stand mit dem seltsamen Getier ankamen, war jedoch kein Bino zu sehen. Lilli betrachtete nun ihrerseits begeistert eine flauschige sandfarbene Kugel, die in einem Behälter unruhig umhertrollte.
„Möchte die Lady vielleicht das Kuli streicheln?“, bemerkte der Verkäufer, ein dicker Zwerg, das Interesse des Mädchens.
Bevor Lilli etwas erwidern konnte, hatte Floh ihren Bruder entdeckt. Ohne abzuwarten stürmte das Kindermädchen erleichtert samt ihrem Küken unter den entrüsteten Blicken des Händlers zum Stand auf der gegenüberliegenden Seite hin.

„Bino! Habe ich dir nicht gesagt, dass wir zusammen bleiben müssen?! Weisst du nicht wie gefährlich das ist, in der Stadt verloren zu gehen? Deine Mammi kündet mir noch meine Stelle, wenn sie davon erfährt – dann gibt’s keine Kekse mehr und auch kein Fangenspiel in Mammi’s und Papi’s Schlafzimmer!“
Der kleine Goblin blickte betreten zu Boden und bereits füllten sich seine grossen Kulleraugen mit Tränen. Floh war hin- und hergerissen. Am liebsten hätte sie ihn in den Arm genommen und geknuddelt, gleichzeitig wäre sie vor Sorge um den kleinen Wicht jedoch beinahe gestorben und musste streng bleiben.

Lilli lenkte sie von ihrem Dilemma ab, als sie an Flohs (heute himmelblauen) Flickenkleidchen zupfte.
„Guck mal. Was ist das da?“
Erst als die junge Goblinfrau ihren Blick umwandte, erkannte sie, was Bino hierhergelockt hatte. Der Stand gehörte einem Instrumentenhändler. Auf dem Tisch lagen unterschiedlichste Flöten in allen Holzvariationen und Formen. Einige waren grösser als Floh selbst.
Lillis Finger zeigte auf ein Arsenal an Trommeln, die mit Leder und anderen Materialien bezogen waren und zum Musizieren einluden.

„Das, meine Kinder, sind Instrumente. Sie wurden uns einfachen Geschöpfen von der Gottheit Noldil geschenkt, damit wir Erinnerungen und Gefühle in Form von Musik in die Welt hinaustragen können“, die Antwort kam von dem älteren Verkäufer, der belustigt die staunenden Kinder beobachtete. Er war schlicht angezogen, doch um seinen Hals hing eine Unmenge an bunten Trillerpfeifen und anderem Krimskrams, das auch Floh nicht zuzuordnen vermochte und auf seinem Haupt thronte eine gelbe Mütze.

Der Händler war so freundlich, den Kleinen das Spielen auf den Trommeln zu zeigen, während Floh sehnsüchtig die Flöten betrachtete. Eine hatte es ihr besonders angetan und sie nahm sie beinahe ehrfurchtsvoll in die Hand, um das Holz zwischen ihren Fingern zu spüren.
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Der groĂźe Ginimo
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Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#8

Beitrag von Der groĂźe Ginimo » Fr 9. Sep 2016, 00:52

Es war eine lange Zeit her gewesen, dass Ginimo seiner alten Heimatstadt Trux einen Besuch gestattet hatte. Ehrlich gesagt, fühlte er sich dabei auch sehr unwohl und war nervös, da ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Familienmitglied aus seinem Clan über den Weg laufen konnte.
Aus dem Grund war der 1,20 m große Grünling verkleidet unter Anderem mit falschem Bart, Brille, unauffälliger Kleidung und weiteren Sachen, um nicht in der Öffentlichkeit erkannt zu werden. Natürlich hatte er auf seine übliche bunte Kleidung und seinen berühmten Hut verzichten müssen. Sehr zu seinem Leidwesen.

Doch was war überhaupt der Grund, warum sich der Musiker auf die gefährliche Reise in seine Heimatstadt gemacht hatte? Dazu gab es eine simple Antwort: Klaviersaiten! Denn die besten Klaviersaiten mit Abstand in ganz Asamura (und Ginimo hat schon so ziemlich jeden Händler ausprobiert) gabs nun mal bei Jaroslav Korincki einen naridischen Almanen. Sein Stand war schon seit vielen Jahren immer an der selben Stelle. Er war freundlich und feilschte nicht zuviel, was Ginimo recht kam, da er es hasste zu feilschen.
Jeden Mittag war Jaroslav fĂĽr 2-3 Stunden am Markt und versuchte dort den BĂĽrgern der Stadt oder Reisenden aus weiter Ferne seine Ware zu verkaufen. Heute schien nicht viel los zu sein. Es gab keine groĂźe Warteschlange von Kunden, nur eine Familie stand dort an, aber es nicht danach aus, dass sie etwas kaufen wĂĽrden.

Ginimo musste vorsichtig sein. Immerhin kannte Jaroslav ihn schon lange. Er war hier schon seit etlichen Jahren nicht mehr gewesen und die Gefahr erkannt zu werden, machte ihn ganz nervös. Doch für gute Klangqualität war Ginimo bereit ein Risiko einzugehen.
Deswegen stand er zunächst etwas entfernt von der Dame mit ihren beiden Kindern und beobachtete sie. Er versuchte so unauffällig wie möglich zu sein. Doch er war kein Schauspieler und gar nicht erfahren sich zu verkleiden und unter die Leute zu mischen. Ein geübtes, oder aufmerksames Auge hätte auf jeden Fall erkannt, dass Ginimo etwas verbarg.
Als er näher auf die Dame schaute, musste Ginimo feststellen, dass ihm irgendwie bekannt vor kam. Er konnte aber nicht recht sagen, woher er ihr Gesicht kannte.

Wie lange dauert das denn, dachte er sich. Was ist das denn für eine Mutter, die soviel Zeit mit Quatschen vergeudet..., fragte sich der Goblin. Er wurde immer nervöser und piff eine Melodie, um sich abzulenken und gleichzeitig auch, um wie ein "zufälliger Reisender" zu wirken. Dummerweise war es eine bekannte Melodie aus dem Lied Goblication von Ghuls n Goblins, was dem Musiker aber nicht auffiel.
ScheiĂźe verdammt, was reden die da so lange?, fragte er sich.
Er war zu weit entfernt, um das Gespräch zwischen Jaroslav und der Goblindame belauschen zu können, doch es nervte ihn. Konnte sie ihre Wurstfinger nicht wann anders herausholen...Je länger er hier blieb, desto wahrscheinlicher war es, dass er auffiel.

"Heh...", hörte Ginimo plötzlich eine Stimme. "Schau mal Voliz, ist das nicht Vadik, der alte Taugenichts?". Ginimo erschrak, als er die Stimme des Garlik erkannte. Er fasste sich nervös an den Kopf.
ScheiĂźe, ich wurde erkannt. Jetzt nur nichts anmerken lassen, gaaaaaanz ruhig!
"Ne, Garlik. Bist du dämlich? Der Versager würde sich niemals trauen hierher zu kommen. Er spielt seine lächerliche Musik in irgendeiner schäbigen Kneipe. Jetzt komm weiter wir haben keine Zeit!"
"Doch, ich glaube schon das er es ist!", meinte Garlik aufgebracht und entschied sich die Sache zu klären, in dem er auf ihn zuging.

Bist du es, Vadik?", fragte er Ginimo, als er direkt bei ihm stand.
"Ich? Nein! Ich heiĂźe Gonimi", antwortete er und verstellte seine Stimme.
"Gonimi, was ist das denn für ein bescheuerter Name?", fragte ihn Garlik und wurde noch misstrauischer. "Ich könnte schwören, dass du es bist."
"Lass es endlich. Wir mĂĽssen weiter!", schrie Vodiz aufgebracht. Wir haben keine Zeit fĂĽr den Mist!"
"Der Name wurde mir von meinen Eltern gegeben. Äh, ich bin vom Vene-Clan," log Ginimo und wurde immer nervöser.
"Vene-Clan...aso", meinte Garlik wissend. "Das erklärt alles. Die vom Vene-Clan sind alle bescheuert.".

Ginimo atmete tief durch, als der Verwandte weg war. Endlich war auch die Goblindame weg und so ging zum Händler Jaroslav und besorgte die Saiten, die er so dringend benötigte.
Als Ginimo sich gerade verabschieden wollte, zwinkerte ihm Jaroslav zu und murmelte ihm leise zu: "Schönen Tag noch Vadik."
Ginimo fing an zu schwitzen, doch Jaroslav war die Ruhe selbst. "Keine Sorge!", sagte er.

Als Ginimo mit seinen Klaviersaiten im Gepäck von dannen zog, lief ihm wenig wenig noch zufällig die Goblindame über den Weg, die mit ihren Kindern spielte. Nachdenklich schaute er sie noch einen Augenblick an und zuckte nur die Schultern. Naja, was solls. Zurück zur Taverne!
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Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#9

Beitrag von Floh » Do 24. Nov 2016, 17:25

Endlich schaffte es Floh, die beiden Zwerge von den Trommeln und Flöten loszulösen. Nur mit grosser Überredungskunst und dem Versprechen Erdbeerbohnen zu kaufen, konnte sie ein lautstarkes Drama verhindern. Manchmal staunte sie über die Fähigkeit der Knirpse, innerhalb von Sekunden Tränen in Strömen fliessen zu lassen. Da sie die unwillige Miene eines wartenden Kunden bemerkte war sie jedoch heil froh, schliesslich mit Bino und Lilli Hand in Hand abzuziehen.

Gemeinsam schlängelten sie sich zwischen den Marktbesuchern hindurch, um schliesslich die versprochenen Süssigkeiten einzuheimsen.
Obwohl der Ausflug nicht einmal eine Stunde gedauert haben konnte, fühlte sich Floh total erschöpft, als sie sich mit den beiden munter auf den Bohnen kauenden Goblins auf den Rückweg machte.
«Hier, du musst auch eine Erdbeerbohne probieren!», raunte ihr Bino zu und hielt ihr mit einem strahlenden Lächeln eine Handvoll der Süssigkeiten entgegen. Dabei blitzen seine Zähne rosarot zwischen seinen grünen Lippen auf, was wohl den kleinen süssen Dingern geschuldet war.
Als auch Lilli sie dazu drängte, konnte Floh nicht weiter widerstehen. Genüsslich kaute sie auf der Leckerei herum und sich an ihre eigene Kindheit zurückerinnerte, als ihre Mutter grösste Mühen gehabt hatte, sie von den Bonbons fernzuhalten.

Gerade, als sie in eine Strasse einbogen, fiel ihr ein Goblin in die Augen. Sein Gang kam ihr seltsam bekannt vor, doch sie vermochte ihn nicht zuzuordnen. Als sie noch ĂĽberlegte bemerkte sie, wie ihm im Gehen etwas aus seiner Tasche rutschte und unbemerkt auf der Strasse liegen blieb.
Auch Lilli hatte es gesehen: «Der hat was verloren!», rief sie auch sogleich und zerrte an Flohs Hand. Etwas musste man den Kindern lassen – sie waren gut erzogen – und so war es für die beiden selbstverständlich, den Eigentümer auf seinen Verlust hinzuweisen.
Zu dritt stolperten sie also dem Goblin hinterher. Bino klaubte den SchlĂĽsselbund vom Boden auf, nicht ohne ihn dabei mit seinen klebrigen rosaroten Fingern vollzuschmieren.
«Hey, Sie da!», Lilli hatte sich von Floh befreit und stürmte auf den Herren zu und zupfte mutig an seinem Rockzipfel, um ihn auf sich aufmerksam zu machen.

Als er sich zu ihnen umwandte, erkannte Floh den Goblin vom Marktstand wieder. Seine Miene war noch immer angespannt, zeigte jedoch Erleichterung, als da bloss ein Goblinkind vor ihm stand und mit unschuldigem Blick zu ihm aufschaute.
«Sie haben Ihren Schlüsselbund verloren!», plapperte da auch gleich Bino los, der nun zusammen mit dem Kindermädchen herangelaufen kam.
«Gib ihn dem Herrn!», fauchte ihn da auch schon seine ältere Schwester an, worauf ihr Bruder dem Bartträger den Fund stolz entgegenreckte.
Auch Floh hatte ihren Blick nun auf den Goblin gerichtet, der ein Paket unterm Arm hielt. Offensichtlich war sein Einkauf erfolgreich verlaufen.

Nachdem der Herr den SchlĂĽssel eingesteckt hatte, starrte Bino ihn eine Weile erwartungsvoll an. Als das erhoffte Ereignis jedoch nicht eintrat, zupfte er an Flohs himmelblauem Kleidchen, bis sie sich zu ihm hinunterbĂĽckte.
«Bekommen wir denn jetzt keinen Finderlohn?», flüsterte er unschuldig und für alle hörbar. Floh konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Typisch Goblin, aus allem musste Kapital geschlagen werden.
Sie wandte sich an den Herrn, der ihr mit seinen spitzen Ohren ziemlich attraktiv war: «Entschuldigen Sie die Kinder. Sie sind nicht oft ausserhalb des Hauses unterwegs. Vielleicht können wir ja ein Stück weit zusammengehen? Wir müssen in dieselbe Richtung.»
Damit schubste sie die beiden Zwerge auch bereits liebevoll vor und drĂĽckte ihnen die ErdbeerbohnentĂĽte in die Hand, so dass der Finderlohn schnell vergessen war.

«Sind Sie auch ein Fan von Ghuls´n´Goblins? Entschuldigen Sie meine Neugierde, ich habe Sie zuvor am Marktstand eine Melodie pfeifen hören», begann sie sogleich nichtsahnend das Gespräch mit dem Goblin, neben dem sie nun herschritt. Dabei hatte sie Bino und Lilli jedoch fest im Blick, was es ihr nicht erlaubte, genauer ihren Wegbegleiter in Betracht zu nehmen.
Ihr Gespräch wurde abrupt unterbrochen, als die beiden Kinder in Streit gerieten, wer die letzten Leckereien bekommen dürfte, und Bino dabei über einen losen Pflasterstein stolperte.
Lautes Geplärre und ein offenes Knie waren die Folge.
Lilli stand gleichmütig daneben und stopfte schnell die letzten Bohnen in den Mund, während Floh den kleinen Goblin tröstete.
Entschuldigend blickte Floh zu dem Herren auf.
«Hier trennen sich wohl unsere Wege sowieso. Das Haus der Familie ist gleich in der nächsten Nebengasse. Hat mich gefreut, mit ihnen zu plaudern! Vielleicht läuft man sich ja wieder einmal über den Weg?»

Kurz darauf zottelte das Dreiergespann davon – Unter einem Arm hatte Floh den Korb mit den Einkäufen, an der anderen Hand führte sie Bino, dem der Rotz zur Stubsnase herunterlief. Währenddessen hüpfte Lilli gutgelaunt neben den beiden einher.
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Re: Floh und ihr Ausflug ins Paradies

#10

Beitrag von Der groĂźe Ginimo » So 27. Nov 2016, 12:36

Der Einkauf war erfolgreich gewesen und so machte sich Ginimo angespannt, aber nicht mehr so nervös wie zuvor, auf den Weg zurück zur Taverne. Doch auf dem Weg dahin wurde er unvermittelt von einer Person aufgehalten. Er erschrak, als er eine Person schreien hörte:
"«Hey, Sie da!»
Ginimo schaute sich um, doch konnte er weit und breit keine Person sehen, zu der diese Stimme passen könnte. Als er einfach weitergehen wollte, vermutlich war er gar nicht gemeint gewesen, wurde er an seiner Kleidung gepackt.

Erschrocken drehte sich Ginimo um, in der Gefahr jemand hätte ihn erkannt, oder ein Dieb wollte an seine Habseligkeiten. Doch als er sah, dass es sich um ein kleines Goblinmädchen handelte, löste sich die Anspannung und der Goblin lächelte amüsiert, sowie erleichtert.
"Wie kann ich dir helfen?"
Schon meldete sich ein weiterer kleiner Bursche zu Wort. Vermutlich ihr Bruder und er wies ihn darauf hin, dass Ginimo seinen SchlĂĽsselbund verloren hatte.
"Oh, wie aufmerksam von euch!"
Woraufhin ihn der Bursche auch den SchlĂĽsselbund ĂĽbergab.
"Hab Dank. Solch eine Freundlichkeit trifft man selten!," sagte er zu den Kindern, halb zu der Mutter (das zumindenst vermutete er) zugewandt.

Der Kleine beschwerte sich darauf, dass er keinen Finderlohn bekommen hätte. Ginimo fasste sich beschämt an den Kopf.
"NatĂĽrlich, ein Finderlohn! Lasst mich gucken, ob ich irgendwas in meinen Taschen habe."
Doch er hatte nichts außer seinem Schlüsselbund, dem Geldbeutel und den Klaviersaiten in der Jackentasche. Die Mutter löste daraufhin den Konflikt, in dem sie den Kleinen eine Tüte voll Erdbeerbohnen übergab. Ginimo kannte diese Süßigkeit nicht, es schien aber unpassend danach zu fragen.
"Gerne begleite ich Euch ein StĂĽck. Ich muss zur Taverne, ich arbeite dort...ich meine als Kellner," rettete der Musiker sich noch gerade so raus.

Ginimo lächelte charmant, als sich Floh und er unterhielten. Sie schien eine sehr nette Frau zu sein. Waren das ihre Kinder? Oder war sie bloß Erzieherin? Eine Kinderhüterin? Eine Profession, die im Goblinsektor immer wichtiger wurde.
Die Kinder schienen auf jeden Fall gut erzogen zu sein.
"Eure Kinder sind wahrlich lustige Lausbuben!," grinste Ginimo.

Ginimo machte diese kleine Unterhaltung echt viel Spaß. Zwar hatte er nie sonderlich viele Probleme Frauen kennenzulernen, doch interessierten sich die Meisten nur für ihn, weil er so erfolgreich und berühmt mit seiner Musik war. Klar, ein erfolgreicher Mann war deutlich attraktiver, als der Durchschnittsgoblin von nebenan. Aber wer interessierte sich wirklich für ihn? Welcher der vielen Goblinfrauen hatte wirklich Gefallen an Ginimo? Welche der Frauen schätzte seinen Charakter? Ginimo wollte eine Frau fürs Leben. Er war ein Romantiker, hoffnungslos unter den Goblins, da es für Romantik keine Zeit gab, doch tief in sich glaubte er, dass es jemanden gab, der genauso dachte wie er. Eine Frau, die wusste das Zeit nicht das Wichtigste im Leben ist, sondern eine andere Sache deutlich wichtiger ist, und die Zeit dem untergeordnet werden sollte: Die Liebe.

"Ja, die Melodie ist eine auf Gmoll transponierte Melodie orginal, aus einer almanischen Volksweisheit. Längst vergessen im eigenen Land. Im Mittelteil kommt es zu einer dramatischen Steigerung, wird durch vorzeitige Coda zum Kadenzwechsel gebracht. Ja, ich liebe das Stück. Es ist gut gelungen. Selten für m...", "...mi..." fast schon wollte Ginimo "mich" sagen, konnte sich aber noch gerade so retten. "meinen Cousin!"
"Ihr müsst wissen, mein Cousin ist der Bandleader von Ghuls n Goblins. Der große Ginimo, wie er genannt wird. Wobei ich gehört habe, dass er so nicht mehr genannt werden möchte, und einfach nur noch Ginimo genannt werden möchte."

"Vorsicht Kleiner!", rief er, als der Junge das Gleichgewicht verlor. Ginimo sah den Unfall schon kommen, bevor es passierte.
Der kleine Junge stolperte dennoch zu Boden und ratschte sich das Knie blutig auf. Dies erforderte eine sofortige Behandlung der Wunde. Und ohnehin war die Gobinfrau jetzt am Ziel angekommen.

Sie verabschiedete sich, und Ginimo tat es ihr gleich.
Er schaute der Familie noch etwas länger wehmütig hinterher.
So eine nette Familie..., dachte er sich. Schade, dass sie vergeben ist.
Während er da so stand und zuguckte, wie die Goblinfrau mit dem weinenden Kind von dannen zog, fiel ihm erst jetzt etwas auf, was Floh zu ihm gesagt hatte: 'Das Haus der Familie ist gleich in der nächsten Nebengasse.'

Sie hatte nicht 'unser Haus' gesagt! Das bedeutete, dass sie gar nicht die Mutter war! "Verdammt!", fluchte er und sprintete los.
"Warten Sie, warten Sie!", rief er hinterher. Völlig aus der Puste erreichte er sie noch bevor die Drei das Haus betraten.
"Es ist mir peinlich. Aber ich finde Euch echt sympathisch und hübsch noch dazu! Kann ich Euch morgen zum Essen ausführen, um 20 Uhr im almanischen Lokal "La Vigne"? Bitte zieht Euch was Schickes an! Ich lade Euch selbstverständlich ein," fragte er.

Er wartete noch darauf, falls Floh darauf etwas antworten wĂĽrde, und verabschiedete sich dann ein zweites Mal.
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