Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. WĂ€hrend die Urvölker auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. GeheimbĂŒnde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

[Legende Asamuras] Die Schöne und der Ghul

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Baxeda
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[Legende Asamuras] Die Schöne und der Ghul

#1

Beitrag von Baxeda » Mi 25. Nov 2015, 12:08

Meine erste abgeschlossene Geschichte, die in Asamura spielt. :D Sie ist in Form eines MÀrchens geschrieben, hat sich so aber tatsÀchlich zugetragen (siehe Fraktionsbeschreibung Schatten).

Die Schöne und der Ghul


Dies ist die tragische Geschichte der almanischen Edelfrau Gregoria von Hohnstein, die den Fehler beging, sich in einen Ghul zu verlieben, der ihren Ehemann zum Fressen gern hatte. Es ist eine Geschichte von Treue und Reue, von Treulosigkeit und Boshaftigkeit. Und es ist die Geschichte ĂŒber die Geburtsstunde der RivalitĂ€t zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten Hochschulen der Dunklen KĂŒnste, die bis zum heutigen Tage nichts an Feindseligkeit verloren hat. Und zugleich ist es die Geschichte eines Herzens, das von der Wahl zwischen Liebe und Leidenschaft entzwei gerissen wird, weil es nicht beides haben kann.

Es begab sich in einer mittelgroßen Stadt in Almanien kurz vor Einbruch des Winters. Dass ihr Angetrauter schon vor Jahrzehnten zum Vampir geworden war, wusste die junge Gregoria. Er verhielt sich jedoch freundlich zu ihr und weder fiel er im Blutdurst ĂŒber sie her noch bedrĂ€ngte er seine Gattin, sich seiner Unsterblichkeit anzuschließen. Er war ein vornehmer Vampir, fast bieder, wie ihn einige nannten. Genau genommen hatte er in all den Jahren nicht ein einziges Mal Interesse an Beischlaf mit ihr gezeigt. Die GrĂŒnde dafĂŒr behielt er seit jeher fĂŒr sich. Gregoria vermutete eine VerstĂŒmmlung, denn seine Stimme war fĂŒr einen Mann ungewöhnlich hoch und niemals zeigte er sich unbekleidet.
Nach Jahren der von Freundlichkeit geprĂ€gten, doch unerfĂŒllten Ehe traf Gregoria bei der Kirmes in der Stadt auf einen exotisch aussehenden Fremden, der sich als HĂ€ndler gab. Sein Gesicht war verschleiert, doch die Augen konnte Gregoria sehen. Sie waren dunkel wie Kaffee und seine Haut hatte die Farbe von Bronze. Er verkaufte allerlei neckische Waren, die ihr Interesse erweckten, Fetische aus den SĂŒmpfen Alkenas, ausgestopfte Tiere der fremdartigsten Gestalt, bunte Vögel und Salamander. Als Gregoria mit ihm ins GesprĂ€ch kam, zeigte er ihr, was er nur fĂŒr besondere Kunden unter dem Ladentisch bereit hielt: nekromantische Fabrikate, wie das singende Skelett eines Vögelchens, das er ihr schenkte und das ihr Trost spenden sollte, wann immer sie sich einsam fĂŒhlte.
Die Stadtwachen wurden misstrauisch von dem heimlichen Getue um diesen Ladenstand und als sie erkannten, dass der Mann aus dem fernen SĂŒdosten mit nekromantischen Waren sein Geld verdiente, drohten sie ihn in den Kerker zu werfen. Gregoria, die als Edelfrau von nicht geringem Einfluss war, nahm ihn jedoch unter ihren Schutz. Und wĂ€hrend sie mit den Wachleuten im Streite lag, entschwand der Fremde unbemerkt.
Als Gregoria spĂ€ter nach Hause kam, saß er in seinem WĂŒstengewand auf der Treppe. Es war kalt, erste Flocken trudelten hinab und er hatte all sein Hab und Gut aufgeben mĂŒssen. Die FĂŒĂŸe steckten nur in Sandalen und er krĂŒmmte die Zehen, als sei ihm sehr kalt. Von Mitleid erfĂŒllt nahm Gregoria ihn mit hinein ihn ihr Anwesen, reichte ihm heißen Wein, verfeinert mit edlen GewĂŒrzen und hĂŒllte ihn in eine weiche Decke von feinstem Zobel. Auch sie selbst trank ein um den anderen Kelch, um sich zu wĂ€men. Das anfangs von Höflichkeitsfragen geprĂ€gte GesprĂ€ch wurde bald immer persönlicher und herzlicher. Der Fremde stellte sich als gebĂŒrtigen Rakshaner mit dem Namen Kamal Ash Gahadi vor, der aus dem fernen SĂŒdosten kam, wo man in Zelten hauste und auf HyĂ€nen durch die WĂŒste ritt. Kamal hatte ein humorvolles, einnehmendes Wesen, ganz anders als ihr höflicher, doch zu jeder Zeit kĂŒhler Gatte und nach einiger Zeit nahm Gregoria Kamal mit in ihr Schlafgemach, wo sie die Nacht in Hitze und Leidenschaft verbrachten. Noch vor Sonnenaufgang machte sie die Betten frisch, wusch sich und verwies Kamal auf das Sofa, denn immer, wenn die Sonne aufging, kehrte ihr Mann von seiner Jagd nach Blut zurĂŒck.
Als der Gatte an diesem Morgen heimkehrte, fand er seine Gattin mit einem sĂŒdlĂ€ndisch aussehenden Manne beim Tee sitzend. Missbilligend zog er die Stirn in Falten, doch als Gregoria ihm erklĂ€rte, in welcher Not der Fremde sich befunden hatte, beruhigte er sich wieder und zog sich in das auch bei Tage vollkommen abgedunkelte Schlafzimmer zurĂŒck, um nach der Jagd zu ruhen. Gregoria schien es, als wĂŒrde Kamal in der Luft schnuppern, ja, Witterung aufnehmen, als ihr Gatte an ihnen vorbeiging und unweigerlich fragte sie sich, ob Rakshaner es riechen konnten, wenn einer zum Vampir geworden war. Kamal bat darum, sich noch bis zum Mittag auf dem Sofa ausruhen zu dĂŒrfen, ehe er seine lange und beschwerliche Heimreise zu Fuß antreten wĂŒrde. Da Gregoria wohlerzogen war und Mitleid hatte mit ihm, der ohne Hab und Gut ĂŒber Wochen durch die Lande streifen wĂŒrde, willigte sie ein. WĂ€hrend er sich ausstreckte begab sie sich in die KĂŒche, um mit der Magd zusammen eine Reisetasche fĂŒr den Fremden zu packen.
Plötzlich hörte sie Schreie. War das ihr Gatte? Sie eilte ins Schlafzimmer. Zu ihrem Entsetzen waren die schweren VorhĂ€nge aufgerissen worden. Ihr Mann lag rĂŒcklings im Bett und versuchte sich mit ausgestreckten HĂ€nden vor den tödlichen Strahlen zu schĂŒtzen, wĂ€hrend seine Finger glĂŒhten und dampften, die Haut sich aufrollte wie verbrennendes Papier. Auf ihm saß Kamal, einen krummen Dolch in der Hand. Er hielt inne, als er Gregorias angstvollen Aufschrei hörte, sie riss die VorhĂ€nge zu und eilte zu dem Bette hin, um ihrem Gatten zu helfen. Er lag da in den Kissen, schwer verwundet von der Sonne und Kamal war fort.
„Ein Ghul“, stöhnte er. „Es war ein Ghul. Sie fressen die Toten und am liebsten jene, die als Vampir noch auf Erden wandeln. Er muss erkannt haben, dass ich ein solcher bin.“
Voll Reue widmete sich Gregoria der Pflege ihres Mannes. Der Großteil seines Körpers hatte unter der Decke gelegen und war so geschĂŒtzt gewesen. Aber er verlor beide Arme bis kurz unter die Schultern, wo die Verbrennungen zu stark gewesen waren, um je wieder heilen zu können. Doch das grĂ¶ĂŸte Problem war, dass ihr Gatte nun nicht mehr jagen konnte, wo er doch so dringend Blut benötigte, um seinen geschundenen Körper zu regenerieren! Also bot Gregoria ihm das ihre, um ihn zu retten und so wurde sie an jenem Tage selbst zum Vampir. NatĂŒrlich reichte diese Menge nicht und so schickte ihr Mann sie mit schwacher Stimme aus, Kontakt zu den BrĂŒdern und Schwestern der Schatten aufzunehmen.
Man brachte die vampirischen Eheleute nach Nebreszko, einer Schule der Dunklen KĂŒnste, hineingeschlagen in die sturmgepeitschten Klippen am sĂŒdlichen Meer. Hier erfuhr Gregoria, dass ihr Mann Professor im Ruhestand war und frĂŒher Nekromantie unterrichtet hatte. Bevor er diese Macht mit seiner Verwandlung zum Vampir verlor, war er ein Großer unter den Totenbeschwörern gewesen. Man pflegte ihn und reichte ihm Blut, bis er wieder imstande war, fĂŒr sich selbst zu sorgen, so weit das ohne Arme möglich war. Den Rest der Pflege ĂŒbernahm seine Frau.
Sie bereute, den Ghul bei sich aufgnommen zu haben und sie bereute die gemeinsame Nacht. Und doch trĂ€umte sie immer wieder von seinen dunklen Augen, in denen die Hitze Rakshanistans zu brennen schien und sie hasste sich dafĂŒr.
Umgeben von den Großmeistern der Dunklen KĂŒnste und von umfangreichen Bibliotheken, begann Gregoria selbst zu studieren, um ihr brennendes Herz zu vergessen. Ein Vampir konnte keine Nekromantie beherrschen, doch sie lernte die geheime und verbotene Sprache, Demonai, zu verstehen und weiter zu geben. Diese Sprache war notwendig, um Nekromantie zu erlernen. Sie wurde so gut darin, dass sie als Dozentin selbst Demonai zu unterrichten begann und bald ĂŒbertraf sie alle, die sonst diese Sprache beherrschten. Und so wurde sie nach einigen Jahren, in denen sie Trost und Vergessen in ihrer Arbeit suchte, gar Dekanin der Hochschule fĂŒr Dunkle KĂŒnste im windumtosten Nebreszko.
Kurz nach ihrer offiziellen Ernennung erhielt sie einen Brief von dem Dekan einer anderen Dunklen Schule. Darin stand geschrieben:

„An ihre SpektabilitĂ€t Dekanin Gregoria von Hohnstein. Ich ĂŒbermittle meiner neu ernannten Kollegin einen respektvollen Gruß und die besten GlĂŒckwĂŒnsche fĂŒr ihre ehrenvolle Aufgabe. Möge Rakshor mit Euch sein. Hochachtungsvoll, Kamal Ash Gahadi, Dekan der Akademie fĂŒr Nekromantie, Serband im Jahre 118 unserer Zeit. P. S. Ich hoffe, Eurem Gatten geht es wieder gut. Ich habe mir erlaubt, einen seiner Finger, den ich an dem schicksalstrĂ€chtigen Tage entwenden konnte, sĂ€uberlich abgenagt und vor der Sonne geschĂŒtzt in einen knöchernen AnhĂ€nger zu betten, den ich fortan um meinen Hals trage. FĂŒr den Fall, dass Ihr dieses Kleinod zurĂŒck haben möchtet, heiße ich Euch in Serband willkommen und biete Euch Unterkunft in meinen privaten GemĂ€chern.“

Voller Zorn verbrannte Gregoria den Brief in den Flammen des Kamins. Dies war die Geburtsstunde der erbitterten RivalitÀt zwischen den beiden Schulen, die bis zum heutigen Tage anhÀlt. Der Gatte Gregorias wird seither der armlose Zauberer genannt. Er unterrichtet die Kunst der Geistmagie als eine KoryphÀe seines Fachs. Denn ohne Arme benötigt man andere Wege, seinen Alltag zu bewÀltigen. Sein Geist wurde seine stÀrkste Waffe.
Jedes Jahr findet seit dieser Zeit in der geheimen Knochenarena ein magischer Wettstreit statt, in welchem die Studenten aller Dunklen Schulen im sportlichen Wettkampf gegeneinander antreten. Die SiegestrophÀe ist das knöcherne Medaillon mit dem eingeschlossenen Finger, welches der Dekan der siegreichen Schule bis zum nÀchsten Jahr stolz um seinen Hals trÀgt.
Ob Dekanin Gregoria von Hohnstein je der Einladung stattgab, Kamal in seinen privaten GemĂ€chern zu besuchen, darĂŒber schweigen die Aufzeichnungen. Bekannt ist nur, dass sie, wie die rakshanischen Frauen es tun, bisweilen ein im Nacken von einem Knoten zusammengehaltenes Kopftuch trĂ€gt, welches er ihr zum ersten Sieg ihrer Hochschule zusammen mit dem Medaillon ĂŒberreichte. Zu diesem Ereignis hatte er sein Gesicht befreit von dem keuschen Schleier, so dass sie sein charmantes LĂ€cheln sah und seine weißen ZĂ€hne.
"Lieber ein lebender Feigling als ein toter Held."
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Re: [Legende Asamuras] Die Schöne und der Ghul

#2

Beitrag von Novec Sarili Gojim » Mi 25. Nov 2015, 13:51

Nette Geschichte, zudem sehr lehrreich! :D

Habs mal in die Wissensdatenbank geschoben.
Novec Sarili Gojim - Quadratisch - Praktisch - Gut! (Weisheit von Baxeda Bakane)
FĂŒr die einen ist es Novec, fĂŒr die anderen die kleinste Großklappe der Welt. (Weisheit von Baxeda Bakane)
Die Klappe groß, der Körper klein, dass kann doch nur der Novec sein. (Weisheit von Baxeda Bakane)

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