Die alten Hochkulturen sind gefallen. Sie hinterlie├čen Relikte, deren Erforschung noch in den Anf├Ąngen liegt und die Karten der Macht werden neu gemischt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien. W├Ąhrend die Urv├Âlker auf Altbew├Ąhrtes setzen, treiben die Siedler den Fortschritt voran. Geheimb├╝nde sehen die Zukunft in der Magie. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen? Ob Krieger, Gelehrter oder Magier oder welcher Berufung auch immer du sonst folgen wirst - ihr seid jene, welche die Geschichte Asamuras gemeinsam schreiben.

Dimicus Schreiberst├╝bchen

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Dimicus Schreiberst├╝bchen

#1

Beitrag von Dimicus » So 12. Jun 2016, 22:40

Heyho liebe Leute! :)

Da ich einmal darauf angesprochen wurde und auch so es gar nicht so schlecht f├Ąnde, w├╝rde ich gerne auch hier mit euch meine bisher verfassten Geschichten teilen. Dazu mache ich wie folgt eine Einteilung in zwei Threads. In diesem hier w├╝rde ich nur die Geschichten an sich posten (auch alle zuk├╝nftigen, die mein Gehirn irgendwie auskotzt), parallel dazu er├Âffne ich einen Thread f├╝r eure Gedanken, Diskussionen, Anregungen und auch Kritik dazu.

Da ich nicht viel mit Quatschen und palavern aufhalten m├Âchte, kommt hier direkt meine neueste Kreation.




Reue


Leise und dennoch schnell atmend lehnte der junge Mann an der Ecke zum Gang. Jener Gang der zur T├╝r f├╝hrte in dem sie festgehalten wurde. Mit der Kapuze tief ins Gesicht gezogen, sp├Ąhte er um die Ecke und erkannte zwei der maskierten M├Ąnner die ihn von ihr trennten. Seiner gro├čen Liebe und schicksalhaften Partnerin, nach der er sich so verzehrte. Sie hatten sie einfach mitgenommen, weggezerrt wie eine Puppe und in ihren Besitz genommen. Daf├╝r sollten sie bezahlen.
Aus seinem Mantel zog er die Pistole samt des angebrachten Schalld├Ąmpfers, lud durch und sp├Ąhte abermals um die Ecke in den Gang. Sie standen da wie versteinerte S├Ąulen, ruhig und doch t├Âdlich in sich selbst, wenn man sich n├Ąhern wollte. Es musste alles schnell gehen, alles was sie rufen oder tun k├Ânnten, w├╝rde sie in Gefahr bringen! Das durfte nicht passieren. Noch einmal atmete er tief durch, hoffte inst├Ąndig sein Plan w├╝rde funktionieren und er schaffte es, sie aus den Klauen dieser Monster zu befreien.
Schlagartig sprang er aus seinem Versteck, visierte an und dr├╝ckte ab, ehe der leise Schuss ert├Ânte und die Kugel den Kopf des ersten Maskierten durchdrang. Keine Sekunde sp├Ąter, in dem der andere aufschreckte und bereits Alarm geben wollte, ereilte ihn das Gleiche Schicksal wie seinen Kameraden. Die H├Ąnde verkrampften sich, der Blick wurde tr├╝b und er bekam f├╝rchterliche Kopfschmerzen. Er hatte sie wirklich get├Âtet ÔÇŽ doch er durfte sich davon nicht aufhalten lassen! F├╝r Reue war es jetzt zu sp├Ąt und zudem waren sie Monster.
Eilend setzte er seinen Weg zur T├╝r fort, kam auch just dort an, wobei er ├╝ber die Leichname stieg und in ihre weit aufgerissenen Augen blickte, die ihn leblos anstarrten, ├╝ber ihn urteilten. ÔÇ×Ich musste es tun! Ihr habt es nicht anders verdient! Verdammte Monster!ÔÇť, schrie er, k├Ąmpfte gegen die Kopfschmerzen an und hielt sich gerade noch auf den Beinen.
Doch nun war Eile geboten, die drinnen hatten ihn sicherlich geh├Ârt. Mit einem kr├Ąftigen Tritt gegen die T├╝r machte er ihren Plan sich zu verschanzen zunichte, als das Holz unter der Wucht zerbarst und der Weg zu ihr sich auftat. Da sa├č sie, gefesselt, geknebelt und ├╝bel zugerichtet. Ihr ging es schrecklich, man konnte es sehen. ÔÇ×Verdammte Monster, was habt ihr mit ihr gemacht!ÔÇť Sein Br├╝llen war markersch├╝tternd, durchzogen von Verzweiflung und Wut. Seine Pistole schnellte nach oben, Tr├Ąnen rannen ├╝ber seine Wangen und zwei weitere Sch├╝sse verlie├čen den Lauf seiner Waffe. Beide trafen die beiden im Raum stehenden M├Ąnner, die gerade ihre Waffen z├╝cken und das Feuer erwidern wollten. Ein Kopfschuss und einen Treffer in die Brust.
Der Eine sackte leblos zusammen, der Andere taumelte zur├╝ck und fiel schlie├člich zu Boden. Seine Kopfschmerzen wurden nur noch st├Ąrker, dazu breitete sich ein starker Schmerz in seiner Brust aus, sein Atem ging schwer, seine Sicht verschwamm. Doch nicht aufgeben! Er schnellte zu dem ├ťberlebenden hin├╝ber, presste ihm seinen Fu├č auf die Brust und gab ihm schlie├člich den Gnadenschuss. Ein weiterer Stich in seinen Kopf.
Darauf fiel der Blick auf seine vollkommen ver├Ąngstigte und geschundene Geliebte. Sie zappelte umher, versuchte sich aus ihrer Gefangenschaft zu winden. Unachtsam warf er seine Waffe weg, dieses Werkzeug des Todes landete in einer Ecke des Raumes und er n├Ąherte sich ihr. Zuerst l├Âste er ihre Augenbinde, wobei ihre Augen nur noch gr├Â├čer wurden. Kaum geschah dies, fing sie f├╝rchterlich an zu weinen, zappelte nur noch mehr und wollte nur weg. Er l├Âste den Knebel, sie biss ihn dabei und er musste zur├╝ckweichen. ÔÇ×Lass mich in Ruhe!ÔÇť, schrie sie ihn an. ÔÇ×Hau ab! Siehst du nicht was du angerichtet hast!?ÔÇť Sein Blick wurde glasig, er verstand nicht. ÔÇ×Aber i-ÔÇť - ÔÇ×Du Idiot verstehst es nicht, oder? Es ist alles deine Schuld! Nur deinetwegen bin ich hier, in dieser H├Âlle! Hau endlich ab!ÔÇť Ein Stich ins Herz, eisige K├Ąlte breitete sich um ihn aus, was war hier nur los? Pl├Âtzlich vernahm er eine Regung aus dem Augenwinkel, einer der Leichen bewegte sich. Sie stand auf, die Augen leer und doch so grausam richtend auf ihn ruhend. Die zweite Leiche erhob sich, der selbe Blick und nachdem er Schritte hinter sich h├Ârte, drehte er sich um, die anderen Beiden vor der T├╝r auch. Ihre H├Ąnde wanderten in der selben Bewegung und vollkommen simultan zu ihren K├Âpfen, sie umgriffen den Stoff ihrer Masken und zogen sie sich von ihren Gesichtern.
Seinen Gesichtern. Sie alle trugen seine Z├╝ge, seine Narben, seine Augen, seine Merkmale. Sie alle starrten ihn erbarmungslos an und machten ihn allein mit ihren Blicken nieder. Oder waren es doch seine? Er wusste es nicht. Panik erf├╝llt ihn pl├Âtzlich, er sackte in sich zusammen und br├╝llte. Doch aus seiner Kehle drang kein Laut, nichts ert├Ânte als sie sich n├Ąherten und die Temperatur immer weiter in den Keller sank. Sein Atem wurde immer sichtbarer, seine Glieder wurden taub und seine Sicht schw├Ąrzte sich immer mehr. Schlie├člich griffen ihre H├Ąnde nach ihm, wollten ihn packen und da endete es.
Schwei├čgebadet wachte er in seinem Doppelbett auf, ein erstickter Schrei ert├Ânte aus seiner Kehle. Es war nur ein Traum. Wieder dieser Traum. Sein Blick ging auf die andere H├Ąlfte des Bettes. Sie war leer und gemacht, wie noch am Abend zuvor. Wie ein Stein lie├č er sich zur├╝ck in seine Federn fallen, seine Glieder waren schwer, als die ersten Tr├Ąnen seinen Wangen hinab liefen. ÔÇ×Oh, es tut mir leid. F├╝r all den Balast der ich dir war, f├╝r all das was ich dir antat. Ich w├╝nschte nur, ich h├Ątte es besser machen k├Ânnen. Ich w├╝nschte nur, ich h├Ątte mich ver├Ąndern k├Ânnen, um dir ein besserer Freund zu sein. Nun bist du fort. Warum habe ich es soweit kommen lassen?ÔÇť
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Re: Dimicus Schreiberst├╝bchen

#2

Beitrag von Dimicus » Do 16. Jun 2016, 15:10

Die Geduld


Schon seit ein paar Tagen wartete diese Gestalt dort, niemand ahnte dass er dort lag, geschweige denn dass sich ├╝berhaupt jemand seiner Anwesenheit bewusst war. Tief atmete der Mann unter dem tarnfarbenen Mantel ein, ein langer Sto├č wich schlie├člich wieder aus seiner Lunge. Sein Atem kondensierte in der kalten Luft, formte warmen Dampf der aus seiner Nase drang.
ÔÇő
Wie ihn die Auftr├Ąge wohl immer dort hin brachten? Er wusste es nicht. Letztendlich waren seine Auftraggeber ja auch daf├╝r verantwortlich, wo er zu liegen und wie er seine Arbeit auszuf├╝hren hatte. Im kalten Schnee, unter einer wei├čen und dennoch warmen Plane versteckt, lag er, der K├╝nstler der die sch├Ânsten Pl├Ątze in die Alptr├Ąume der Menschen verwandelte. Ruhig lag sein Zeigefinger auf dem Abzug, sein Auge ersp├Ąhte wie jenes eines Adlers seine Beute. Das Fadenkreuz ruhte auf dem Eingang eines Geb├Ąudes, ein Hotel. Dort gingen die ganz Gro├čen aller Verbrechersyndikaten t├Ąglich ein uns aus, als ob dort jeden Tag eine Convention allein f├╝r die kriminellen Energien stattgefunden h├Ątte.
ÔÇő
Nicht dass er die Unschuld an sich w├Ąre, so arbeitete er doch f├╝r einen dieser Kriminellen die nur die Konkurrenz ausgeschaltet haben und dessen Gesch├Ąfte ├╝bernommen haben m├Âchte. Genau da kam er ins Spiel. Niemand kannte seinen richtigen Namen, einige nannten ihn Ninja, andere Schatten und wieder andere Der unerwartete Tod. Doch all diese Namen hatten eines gemeinsam: dort wo er war wurde sehr bald still. Wie ein K├╝nstler der die pr├Ązisesten Striche auf einer Leinwand vollf├╝hrte, nur das seine Farbe das Blut seiner Ziele war.ÔÇő
Ein weiterer Atemzug, die V├Âgel zwitschern, inzwischen erhob sich die Sonne wieder anmutig ├╝ber den Horizont, erzeugte ein wundersames Schauspiel zwischen den kahlen ├ästen der B├Ąumen. Sanft wurde das Wei├č des Schnees von den Lichtstrahlen erhellt, w├Ąhrend alles wirklich sehr sch├Ân und faszinierend unschuldig wirkte. Geduld brauchte es, Geduld war eine Tugend und als ihm das seine Eltern damals beibrachten hatte er ihnen den Vogel gezeigt. Doch mittlerweile konnte er ihnen f├╝r diese Weisheit nur danken, denn ohne sie w├Ąre er zu diesem Zeitpunkt nichts gewesen.ÔÇő
Die T├╝r regte sich, nach langen Tagen des Wartens ruhte ein Fadenkreuz auf dem Kopf eines Gesch├Ąftsmannes. Krawatte, teurer Anzug, mit Haargel hoch gerichtete Haare. Dieses schmierige Gesicht eines Mannes, der nach au├čen hin Spenden f├╝r Krankenh├Ąuser und die medizinische Forschung erbrachte, aber in der Hinterhand auf dem Schwarzmarkt mit menschlichen Organen und tats├Ąchlich auch Sklaven handelte. Ein gro├čer Markt und sein Auftraggeber meinte, dieser Mann habe dort lang genug mitgemischt. David Morgenstern. Internationaler Gesch├Ąftsmann, mehrfacher Million├Ąr und Eigent├╝mer der Health & Care Inc. Privatisiertes Gesundheitswesen war ein Graus und zu mal dieser Auftrag eine Menge Geld einbrachte, konnte jeder dabei gewinnen.
ÔÇő
Da kam er also, mit seinem aufgesetzten Grinsen und seinem wichtigtuerischen Verhalten, gr├╝├čte die Presse und die Menschen um sich. Sie feierten ihn als einen Held, wussten nicht einmal ansatzweise ├╝ber seine dunklen Geheimnisse Bescheid, ansonsten, w├Ąre er wohl sehr schnell vom Fenster verschwunden. Nun war der gro├če Moment des K├╝nstlers gekommen, sein Gef├╝hl f├╝r die Kugel, der Pinsel seiner Arbeit die er nun in dieses Meisterwerk stecken w├╝rde. Die Schulter wurde an das Gewehr gepresst, der Atem wurde langsamer, der Herzschlag milderte sich allm├Ąhlich ab. Die freie Hand justierte das Zielfernrohr nach. Entfernung 637m, Windgeschwindigkeit 2km/h aus Nordwesten. Perfekt. Die Hand wandert zum Gewehr, stabilisiert es. Die Zeit hielt beinahe inne, das linke Auge geschlossen, das Rechte das Ziel fixierend. Langsam schritt er voran. Lief entlang auf dem Teppich der zu seinen Ehren ausgerollt wurde, nichtsahnend, unwissend, naiv. F├╝r ihn ein Punkt, der nicht sichtbar auf seiner Stirn prangte.
ÔÇő
Eins ÔÇŽ Zwei ÔÇŽ Pause ÔÇŽ Eins ÔÇŽ Zwei ÔÇŽ Pause ÔÇŽ Eins ÔÇŽ Zwei ÔÇŽ Pause ÔÇŽ Eins ÔÇŽ Zwei ÔÇŽ Pause ÔÇŽ Eines der wichtigsten Organe des Menschen, das Herz, das Pumpen, zwei Schl├Ąge, eine kurze Pause und darauf wieder zwei zusammenh├Ąngende Schl├Ąge. Zwei Schl├Ąge die alles ruinieren konnte. Doch nicht heute, eine Leinwand musste gef├╝llt werden. Eins ÔÇŽ Zwei ÔÇŽ Pause ÔÇŽ Eins ÔÇŽ Zwei ÔÇŽ Pause ÔÇŽ Eins ÔÇŽ Zwei ÔÇŽ Pause ÔÇŽ Eins ÔÇŽ Zwei ÔÇŽ Schuss ÔÇŽ Noch bevor der erneute Schlag einsetzen konnte, f├Ąrbte sich die Kuppe des Fingers wei├č, der Abzug zog durch und der Schlagbolzen traf auf die R├╝ckseite der Patrone. Eine Kaliber .308 Geschoss wurde mithilfe des Schie├čpulvers aus der Fassung der H├╝lse gepresst, entlang des Laufes, ehe der bleierne Tode die freie Luft des Winters kennenlernen durfte. Der Knall ert├Ânte, der Gewehrschaft seines L96 presste sich in seine Schulter. Kein Problem f├╝r ihn. Sein Auge blieb ruhig, schaute durch das Zielfernrohr auf sein Ziel. Nicht einmal eine Sekunde sp├Ąter geschah es. Eine rote Wolke trat hinter David auf, seine Augen weit aufgerissen, ein klaffendes Loch in seiner Stirn und schlie├člich auch in seinem Hinterkopf.
ÔÇő
Noch w├Ąhrend der Knall in seiner Umgebung verhallte, brach lautes Geschrei vor dem Hotel aus, Panik und Angst herrschten vor, als sich die Leinwand des Schattens mit dem Blute seines Opfers f├Ąrbte. Stumm ├Âffneten sie ihre M├╝nder, sie schrien, rannten, suchten aus Panik Schutz hinter jedem Gegenstand den sie finden konnten. Doch niemand hatte es kommen sehen, alle waren sie unwissend und doch vollkommen ungef├Ąhrdet. Seine Arbeit war getan. Die Hand eben noch am Abzug, ergriff sie schon im n├Ąchsten Moment den Repetierhebel, dr├╝ckte ihn nach oben und zog ihn zur├╝ck. Beinahe ob sie sich dar├╝ber freuen w├╝rde sprang die Patronenh├╝lse aus der Kammer, die einzige Patrone der Waffe die geladen war. Das noch hei├če St├╝ck Metall landete im Schnee neben ihm, brannte sich durch die Ansammlung von Flocken und lie├č das gefrorene Wasser wieder ganz liquide werden.
ÔÇő
Warum er das tat? Um diese Frage zu beantworten bedurfte es mehr als eine einfache Erkl├Ąrung, doch einer der wichtigsten Gr├╝nde stellte sich f├╝r ihn wohl darin dar, dass seine Frau, trotz ihres eigenen, exotischen Gesch├Ąftes, ern├Ąhrt werden wollte. Ein ungeborenes Kind schon bald eine Zukunft haben sollte. Nach jedem Schuss, nach jedem Treffer versprach er sich aufzuh├Âren, doch was w├Ąre ein K├╝nstler der seine eigene Kunst verschm├Ąhte, sein eigenes Werk zerst├Ârte? Nein. Man mochte ihn grausam nennen, ehrlos, kriminell, einen Gesetzesbrecher. Doch das was tats├Ąchlich z├Ąhlte, dass seine Frau und er leben, sein Kind gesund die Zukunft verbringen und der Gerechtigkeit gen├╝ge getan werden konnte. Wenn kein Richter ist, der nicht bestochen wurde, dann musste eine wesentlich freiere Hand etwas ├╝bernehmen, wof├╝r die Meisten nicht in der Lage waren. Ein Kunstwerk zu erschaffen, Strich f├╝r Strich, Tropfen f├╝r Tropfen, Kugel f├╝r Kugel und Tod f├╝r Tod. Es blieb einzigartig. Sie nannten ihn verr├╝ckt, doch sind nicht alle K├╝nstler auf ihre Art und Weise verr├╝ckt?ÔÇő
Einer seiner Mundwinkel verzog sich nach oben, der Atem wurde normal, der Herzschlag ebenfalls. Nichts mehr konnte ihm von seinem Erfolg abhalten. Doch war nun Eile geboten, bald w├╝rden sie hier sein und alles untersuchen. Herausfinden wollen wie er seine Kunst vollf├╝hrte. Dazu durfte es nicht kommen. Was w├Ąre schon besonders daran, wenn man hinter das Geheimnis k├Ąme, die Vorh├Ąnge ├Âffnete bevor das St├╝ck ├╝berhaupt vorbereitet werden konnte? So weit durfte es nie kommen und aus diesem Grund nannte man ihn den Schatten. Keine Spur f├╝hrte zu ihm, niemand entlarvte ihn, niemand sah ihn. Ein Virtuose, ein liebender Mann, ein f├╝rsorglicher Vater, ein Mann der Gerechtigkeit brachte und dabei keinem System vertraute. Jener Mann kroch unter der Plane hervor, erhob sich und schulterte seine Waffe. Das Werk vollbracht, das Crescendo herbeigef├╝hrt. Wie er diese B├╝hne betreten hatte, so verlie├č er sie auch wieder. Still und heimlich.ÔÇő
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Re: Dimicus Schreiberst├╝bchen

#3

Beitrag von Dimicus » Mo 27. Jun 2016, 16:39

Ein einsamer Held



Im Leben eines Barkeepers und Besitzer einer Bar hatte man vieles zu tun. Rechnungen wollten bezahlt und die G├Ąste zufrieden gestellt werden. An sich war es ein hartes Leben, doch es hatte nat├╝rlich auch seine sch├Ânen Zeiten. Immer wieder lernte man neue Leute kennen, unterhielt sich mit ihnen ├╝ber Gott und die Welt und verdammt, die Drinks die man mixen kann sind einfach nur der Hammer. Meine Eltern waren anfangs dagegen, sagten es sei unmoralisch und unethisch eine solche "Spelunke" wie sie sie nannten zu betreiben, doch ich genoss es einfach. Das Sch├Âne daran war, dass ich einfach mein eigener Herr sein konnte, niemand schrieb mir vor was ich zu tun hatte oder wie ich mein Leben zu gestalten hatte. Die Erfahrungen die man in solch einem Leben machte, konnten beinahe als atemberaubend beschrieben werden. Vor allem die Menschen die dadurch meine Freunde wurden, bedeuten mir noch heute viel und wir unternahmen gern etwas und feierten auch gern noch nach der Sperrstunde. Mich konnte man durchaus als offenen und lebenslustigen Typen bezeichnen, der f├╝r jeden Spa├č zu haben ist. Das Leben war einfach sch├Ân, so wie es war. Doch manchmal machte man nat├╝rlich auch seltsame, gar traurige Erfahrungen in solch einem Leben, doch man kam schnell dar├╝ber weg, schlie├člich ging doch das Leben weiter, oder? Nat├╝rlich tat es das, aber dennoch machte ich einst eine Erfahrung, die mich doch zum nachdenken anregte.
An einem Donnerstag, ich glaube es war gegen 23:42 Uhr, die meisten G├Ąsten waren schon verschwunden und im Normalfall machte ich auch um 24 Uhr die letzte Runde, sofern meine Freunde nicht wieder spontan anriefen und mich nach einem Lokal f├╝r eine Party fragten. Nur noch ein paar M├Ąnner die schon seit zwei Stunden da sa├čen und angeregte Diskussionen f├╝hrten, hielten sich an ihrem Stammplatz auf. Sie kamen h├Ąufig in meine Bar, waren aber gute Kerle. Jedenfalls schwang um diese Uhrzeit pl├Âtzlich die T├╝r zum Schankraum auf, ein weiterer Gast betrat mein Lokal, doch sein Auftreten jagte mir einen Schauer ├╝ber den R├╝cken. W├Ąhrend er sich mit gesenktem Blick auf den Tresen zu bewegte, musterte ich ihn eindringlich. War er ein R├Ąuber? Auf den ersten Blick schien er so. Komplett in schwarz gekleidet. Schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt und einem schwarzen Ledermantel, welcher bis knapp unter seinen Kniekehlen hing. Seine Statur war wirklich schm├Ąchlich, d├╝rr, ausgemergelt. Diese Worte passten wohl am besten. Einige Versuche sp├Ąter sein Gesicht zu erblicken, schaffte ich es schlie├člich auch. Sein Gesicht glich quasi seinem K├Ârper. Es war von tiefen Furchen durchzogen, besonders um den Augen herum, als ob er kaum Schlaf bek├Ąme oder von Leiden gezeichnet war. Doch was mich dann wirklich erschrak war, als er meinem Tresen wortlos Platz nahm und schlie├člich seinen Kopf hob. Seine Augen. Sie waren wom├Âglich einmal voller Lebensfreude, W├Ąrme und Zuversicht. Doch jetzt? Neben ihrer schon nat├╝rlich hellblauen Farbe war dort nichts mehr zu erkennen. Leblos starrte mich der Typ mit dem w├╝sten schwarzen Haar an, ehe sich ein eher geq├Ąultes L├Ącheln auf seine Lippen stahl. "Ein Glas Whiskey bitte.", ert├Ânte es pl├Âtzlich in einer rauen Stimme, allein schon der Unterton sagte das Gleiche aus wie seine Augen. Wie alt er wohl war? 42? Ich sch├╝ttelte aufgrund dieser Frage kaum merklich den Kopf und kam den Wunsch des Kunden nach, f├╝llte ein Whiskeyglas mit Eisw├╝rfeln und dem entsprechenden Getr├Ąnk, ehe ich es zu ihm hin├╝ber schob. "Das ist die letzte Runde heute.", entgegnete ich ihm, er nickte darauf nur und nippte an dem Glas. Dabei belie├č ich es einfach, k├╝mmerte mich weiter um den Abwasch des Tages und kassierte meine Stammkunden ab, die sich f├╝r die Getr├Ąnke bedankten. Sie hinterlie├čen mir sogar ein anst├Ąndiges Trinkgeld. Nette Leute. Jetzt war ich aber mit diesem Typen in einem Raum, allein und es w├Ąre die perfekte Gelegenheit f├╝r ihn gewesen einfach eine Waffe zu ziehen und mich auszurauben. Doch entgegen jeder meiner Erwartungen passierte nichts. Er sa├č einfach nur da, schaute missmutig in seinen Whiskey und nippte hin und wieder daran. Ein echt seltsamer Kerl. Nachdem dies nun stolze 10 Minuten so ging, entschloss ich mich doch irgendwas zu machen. Die Musik aus den Boxen im Hintergrund untermalte f├Ârmlich nur die bedr├╝ckte Stimmung die in diesem Moment diesen Raum beherrschte. Es war ein ├Ąu├čerst seltsames Gef├╝hl.
Langsam und vorsichtig schritt ich zu ihm hin├╝ber, von der anderen Seite der Bar musterte ich ihn noch einmal eindringlich. Irgendwas stimmte dort nicht, das wusste ich. Doch nur was. Er allerdings lie├č sich offenbar gar nicht erst davon beeindrucken und k├╝mmerte sich nur um sein Getr├Ąnk. Was wohl passiert w├Ąre, h├Ątte ich geschwiegen und ihn wortlos ziehen lassen? "Ich habe Sie hier noch nie gesehen. Wie ist Ihr Name?", durchbrach ich dann die Stille. Einige Sekunden vergingen, es schien beinahe so, als ob er damit rang mir zu antworten. Unerwartete aber willkommen erhob er aber dann doch hinauf, suchte meinen Blicke. Diese Augen waren einfach unheimlich. "Mein Name? Er spielt keine Rolle." Mit doch sehr verwunderten Blick schaute ich ihn dann an. Was war denn mit ihm falsch? Und warum machte es mich umso neugieriger? Er senkte darauf wieder seinen Blick und verlor sich in seinem Whiskey. Das konnte ich nicht hinnehmen. Definitiv war er kein R├Ąuber, so viel stand fest. Ich zog meinen Hocker den ich immer hinter der Bar aufbewahrte zu mir, direkt ihm gegen├╝ber und setzte mich. "Sagen Sie, sind Sie neu in der Stadt?" - "Man kann es so nennen." Diese Antwort verwirrte mich umso mehr, dieser Wortluat konnte einiges bedeuten. "Das nehme ich mal als ein Ja. Gut. Mein Name ist Jonathan. Einige nennen mich auch Johnny." Vielleicht half es ja, ein wenig Smalltalk zu betreiben, um die Zunge des Fremden ein wenig zu lockern. Doch alles was ich zu h├Âren bekam, war ein gleichg├╝ltiges "Sch├Ân". Ich seufzte. War es denn so schwer zu reden? F├╝r diesen Typen scheinbar schon. "Also, was f├╝hrt Sie hierher?", fragte ich schlie├člich hintendran. Mal wieder vergingen einige Sekunden des Schweigens, er nahm nur das Glas in die Hand, sch├╝ttelte es hin und her, beobachtete dabei die Fl├╝ssigkeit wie sie es dem Trinkgef├Ą├č gleich tat. "Nichts wirklich." Eine Antwort die genauso unbefriedigend war, wie jede andere zuvor. Noch lauter seufzte ich auf, entschied mich dann es einfach bleiben zu lassen. "Ich geb's auf.", murmelte ich vor mir her und erhob mich wieder von dem Hocker, den ich extra dorthin bewegt hatte. Nicht das es ein gro├čer Kraftaufwand war, aber irgendwie ging dieser Mann mir allm├Ąhlich auf die Nerven. Da kam man ihm schon entgegen und trotzdem war aus dem nichts heraus zu bekommen. Ein hoffnungsloser Fall eben. Da drehe ich mich doch gerade um und wollte mich wieder meiner Arbeit widmen, da ert├Ânte es pl├Âtzlich: "Das habe ich in meinem Leben h├Ąufig genug getan. Manchmal an den falschen Stellen. Naja, was soll's. Das Leben geht weiter, nicht wahr?" Etwas ├╝berrascht drehte ich mich zu dem Fremden um. Hat pl├Âtzlich ein Schalter in ihm umgelegt, dass er schlagartig so gespr├Ąchig ist? Da offenbar gerade irgendwas mit ihm passiert war, entschied ich mich doch umzudrehen und ihm zuzuh├Âren. Also setzte ich mich ihm wieder gegen├╝ber, schaute ihn fragend an. Er hingegen hatte sein zuvor eher schwaches L├Ącheln wieder aufgelegt und blickte mich mit diesen leblosen Augen an. "Was meinen Sie?", fragte ich schlie├člich. Man konnte die Situation ja ausnutzen und ihn ausfragen. Er zuckte nur mit den Schultern und lachte leise auf. "Naja, Sie wissen schon. Genauso wie sie es gerade aufgeben wollten, mit mir zu sprechen, weil ich offensichtlich nicht der Gespr├Ąchsigste bin. Sie haben eine Entscheidung getroffen und zwar jene, mich gehen zu lassen. Klar, wir kennen uns nicht und das soll auch kein Vorwurf sein, dennoch h├Ątte ich jetzt einfach verschwinden k├Ânnen. Ich habe es aber nicht getan. Entscheidungen, wissen Sie? Das Leben ist voll davon, dass m├╝ssten sie ja auch gut wissen." Nat├╝rlich hatte er damit Recht, doch warum sprach er das Offensichtliche, welches beinahe allt├Ąglich ist? Doch bevor ich ihm ├╝berhaupt eine Gegenfrage stellen konnte, fuhr er fort: "Die meisten Menschen sind sich ihrer Entscheidungen nicht bewusst, nicht bewusst das sie t├Ąglich solche treffen und die Freiheit besitzen das auch tun zu k├Ânnen. Es ist eine Selbstverst├Ąndlichkeit, die heute nicht mehr gesch├Ątzt wird. Ist Ihnen denn ├╝berhaupt noch Ihre Freiheit bewusst?" Diese Frage, das musste ich zugeben, kam sehr ├╝berraschend. Nat├╝rlich habe ich eine Menge Entscheidungen in meinem Leben getroffen und meine Wahl stets hinterfragt. Doch zu hinterfragen, dass ich ├╝berhaupt eine Wahl habe? Das ich frei bin? Nein, das hatte ich nie getan. Tats├Ąchlich legte ich keinen Wert darauf zu w├Ąhlen, weil ich nie wirklich eben diesen erkannt habe. Ich habe es als gegeben hingenommen. Ich sch├╝ttelte mit dem Kopf. "Nein, um ehrlich zu sein nicht. Es spielt doch auch keine Rolle, schlie├člich haben wir die M├Âglichkeiten unser Leben zu genie├čen, zu w├Ąhlen was wir tun wollen und was nicht.", entgegnete ich schlie├člich. Nachdenklich nahm mein Gegen├╝ber einen weiteren Schluck aus seinem Glas. Was wohl gerade in seinem Kopf vorging? Langsam ├Âffneten sich seine Lippen wieder, setzten zu einer Antwort an, die offenbar immenoch in seinen Gedanken zum Abschluss kommen musste. "Sehr interessant. Wissen Sie, einst habe ich auch einmal so gedacht. Ging davon aus, dass das alles was wir haben nun einmal selbstverst├Ąndlich ist und uns nicht genommen werden kann. Nat├╝rlich k├Ânnen wir die ein oder andere Sache verlieren, aber selbst wenn es nur ein Stuhl ist, machen wir unser Recht davon Gebrauch, um einen neuen zu bekommen. Das funktioniert mit allem. Gegenst├Ąnde, Geld, einem Eigenheim. Doch gibt es eine gro├če Ausnahme. Sie wissen sicher, was ich meine, oder?" Etwas verunsichert blickte ich ihn an. War das etwa eine Fangfrage? Doch es lag ganz auf der Hand , was eigentlich gemeint war. Das Einzige was nicht ersetzbar war.
"Lebewesen." Wieder machte sich das L├Ącheln auf den Lippen des Mannes breit, woraufhin er zustimmend nickte. Insgeheim war ich froh, dass ich richtig lag. Seltsam, dass er solch eine Faszination auf mich aus├╝bte. "Genau.", best├Ątigte er schlie├člich noch einmal, ehe er an seinem Glas nippte. Im nachdenklicheren Ton erz├Ąhlte er schlie├člich weiter: "Lebewesen, ich m├Âchte vor allem auf Menschen hinaus, sind unersetzbar. Lassen Sie sie niemals aus ihrem Leben gehen, es sei denn es ist notwendig." Zustimmend nickte auch ich, an sich war das ja offensichtlich, aber auch einer der Dinge die eigentlich eher selbstverst├Ąndlich ist. Nur selten hatte ich einen Menschen gehen lassen. Worauf wollte er also genau hinaus? "Das ist klar." Meine Zustimmung klang etwas abwertender als gewollt, aber ich hatte es nicht so gut im Griff. Trotz der Faszination die er auf mich gelegt hatte, nervte soetwas. Allm├Ąhlich wurde ich ungeduldig, schaute einmal zur Uhr. Es war schon zwei nach zw├Âlf. Doch seine n├Ąchsten Worte l├Âsten diese Ungeduld auf, verursachten wieder Neugierde. "Doch jeder Mensch hat eine Bestimmung. Einige sagen, sie m├╝ssten die gr├Â├čten Leistungen vollbringen, andere am ber├╝hmtesten werden, wiederum andere der Menschheit helfen. Bevor ich mich jetzt gro├čartig erkl├Ąren muss, ich bin der letzte dieser Drei. Von solchen 'Bestimmungen' gibt es eine Menge. Offensichtlich haben Sie Ihre bereits gefunden. Das freut mich, wirklich. Schauen Sie einmal hoch zum Fernseher." Verwundert blickte ich nach oben zu dem Fernseher den ich einmal dort aufgehangen hatte und meistens darauf nur Sportprogramme liefen. Im Moment waren Mitternachtsnachrichten am Laufen. Sie revidierten ├╝ber die Geschehnisse des Vortages und aktuell war dort eine Frau zu sehen, die einen Preis in der Hand hielt. Um genauer zu sein handelte es sich um DIE Autorin schlechthin, ihre B├╝cher waren international ber├╝hmt und verkauften sich extrem gut. Dazu war sie bildh├╝bsch, hatten einen ebenso attraktiven Mann zur Seite. Sie hatte wohl an dem Donnerstag den Bestsellerpreis gewonnen. Stolz hielt sie das gute St├╝ck in die Kamera und stumm bewegten sich ihre Lippen. Vermutlich eine Dankesrede. "Sie hat ihren Traum verwirklicht, lebt ihn f├Ârmlich. Sie hat Familie und konnte all das erreichen was sie schon immer anstrebte. W├╝rden Sie glauben, ich kenne die Frau? Mehr als gut." Mit zusammen gezogenen Augenbrauen und ungl├Ąubigen Blick begutachtete er den Fremden. Das konnte nicht sein. Nicht so ein Typ wie er. Ich brauchte gar nichts zu sagen, er bekam meine Reaktion schon anhand meines Gesichtsausdruckes mit. Ein erneutes, wissendes L├Ącheln von ihm. "Dachte ich mir. Ich half ihr in den schwersten Stunden, habe sie getragen und gest├╝tzt wo ich nur konnte. Manchmal frage ich mich, wo sie heute w├Ąre, wenn ich nie gewesen w├Ąre. Und heute? Sie w├╝rde mich nicht einmal mehr erkennen." Die allgemeine Stimmung im Raum sank allm├Ąhlich in den Keller, nahm sehr melodramatische Z├╝ge an, so wie es sich entwickelte. Vorsichtig fragte ich schlie├člich: "Was ist passiert, das es soweit kam?" Er sch├╝ttelte nur mit dem Kopf, als ob ich etwas falsch gemacht h├Ątte. "Die bessere Frage lautet, warum ich es habe soweit kommen lassen. Sie ist ja nur eines von vielen Beispielen. Ein Mensch braucht Hilfe, ich trete in sein Leben, gewinne sein Vertrauen und baue ihn wieder auf. Wenn er dann gl├╝cklich ist, alles hat und kann was er braucht, ben├Âtigt er keine St├╝tzr├Ąder mehr. Ich werde nicht mehr gebraucht und habe meinen Zweck, meine Bestimmung erf├╝llt. Also gehe ich. Jedes Mal. Immer und immer wieder. Es ver├Ąndert einen. Deshalb erkennt man mich meist nicht wieder. Es geht mir nicht um mich selbst, oder meinen pers├Ânlichen Vorteil. Darum ging es noch nie. Jedes Mal aber, wenn ich gegangen bin, ist nie jemand auf die Idee gekommen mich aufzuhalten. Damit f├╝hlte ich mich in der Sache nur best├Ątigt. Egal wie sehr mir diese Menschen ans Herz wuchsen, ich lie├č sie gehen. Sie hatten ihr Gl├╝ck." Damit endete seine Ansprache, die er mit dem letzten Schluck seines Whiskeys untermalte. Dann blickte er ein letztes Mal zu mir auf, eher er mir h├Âflich zunickte und einen 20ÔéČ-Schein auf den Tresen legte. Es endete pl├Âtzlich so abrupt, ich wollte etwas sagen, doch als ich meine Lippen ├Âffnen wollte, sch├╝ttelte er nur mit dem Kopf. Das Glas mit dem Whiskey kam eigentlich nur 6ÔéČ, doch er gab schlie├člich nur noch ein kurzes "Stimmt so." von sich, als er auch schon wieder mein Lokal verlie├č. Er lie├č mich einfach zur├╝ck, mit so vielen Fragen in meinem Kopf. Wer war er? Wo kam er her? Vollkommen perplex widmete ich mich wieder meiner Arbeit, aber dieser Besuch wollte mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Doch auch ich wollte wieder nach Hause, endlich ins Bett. Also sp├╝lte ich noch schnell alle Gl├Ąser, s├Ąuberte Tische und den Tresen, sowie meine ganzen Ger├Ąte. Als ich allerdings den Boden wischte, fiel mir ein St├╝ck Papier auf dem Boden auf, genau dort wo dieser seltsame Mann gesessen hatte. Es war ein zusammengefaltetes Blatt Papier. Ich hob es auf und legte es erst einmal auf den Tresen und beendete meine Arbeit. Nachdem nun alles erledigt und ich bereit f├╝r den Heimweg war, griff ich mir noch eben jene Notiz und faltete sie auseinander. Da stand etwas geschrieben, das mir einen eisigen Schauer ├╝ber den R├╝cken jagte. All das was er mir erz├Ąhlt hatte. Es hatte einen Grund. Der Inhalt der Nachricht lautete:


Lieber Jonathan,

ich habe erwartet, dass du mich nicht erkennen wirst, wenn du mich siehst. Oder meine Stimme Erinnerungen in dir wach ruft. Doch es freut mich, dass du es zu etwas gebracht hast, dein Leben so f├╝hrst wie du es dir schon immer gew├╝nscht hast. Ich bin stolz auf dich. Mach weiter so.

Gezeichnet
dein Freund vergangener Tage
Noah

Lebe wohl



Jetzt ergab alles einen Sinn. Einen noch gr├Â├čeren Sinn. Noah war mein bester Freund, ihm vertraute ich mehr als jeden anderem Menschen. F├╝r mich war er ein Familienmitglied. Wir kannten uns drei Jahre lang, bis zum meinem 24. Lebensjahr. Man diagnostizierte bei ihm eine schwere Depression, unter der er aber wohl schon seit seiner Kindheit gelitten hatte. Eines Tages verschwand er aus meinem Leben, ich habe ihn vergeblich gesucht. Doch der Tag an dem er verschwand ÔÇô war der selbe Tag an dem meine Bar zwischenzeitlich gut lief und ich endlich auf eigenen F├╝├čen stehen k├Ânnte. Er hatte mich bis zu diesem Zeitpunkt immer begleite, mir in den ***** getreten wenn ich stur war und mir aufgeholfen wenn ich nicht mehr weiter wusste. In meinen Augen war er ein Held. Zuerst dachte ich, er wollte aus heiterem Himmel nichts mehr mit mir zu tun haben, konnte mir nie einen Reim daraus machen warum, habe es aber dabei belassen. Doch jetzt verstand ich, was er wirklich wollte. Noah wollte, das man ihn aufhielt, wenn er gehen wollte. Noch nie hatte er dieses Gef├╝hl auf Dauer empfinden k├Ânnen, doch warum ist selbst mir bis heute ein R├Ątsel geblieben. Er w├╝nschte sich nichts sehnlicher, als gebraucht zu werden und eine Hand die ihm am Verlassen hinderte.

Noch in der selben Nacht erhielt ich einen Anruf von der Polizei, man hatte versucht in meine Bar einzubrechen und mir meine Geldkassette mit allen Einnahmen der Bar f├╝r einen Monat zu stehlen. W├Ąre dies den Dieben gelungen, h├Ątten sie mir einen immensen Schaden eingebrockt. Laut Augenzeugen hat ein in komplett schwarz gekleideter Mann sie aufgehalten und au├čer Gefecht gesetzt. Kurz nachdem hatte er wohl die Polizei gerufen und die Diebe konnten in Gewahrsam genommen werden. Noah hatte es schon wieder getan. Ohne etwas daf├╝r zu verlangen oder an seine Sicherheit zu denken. Er wollte mich nur besch├╝tzen. Er war ein einsamer Held.
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Re: Dimicus Schreiberst├╝bchen

#4

Beitrag von Dimicus » Fr 1. Jul 2016, 17:41

Leben und Tod


Was mache ich hier eigentlich? Wie ist es eigentlich so weit gekommen? Fraglich ist es schon, wenn man mal bedenkt, wie ich hier sitze, mit meinem Whiskeyglas und einer geladenen Pistole vor mir auf den Tisch. Eine Glock 18, interessante Bausweise, wenn man will kann sie sogar automatisch schie├čen und m├Ąht damit eine ganze Horde von Menschen nieder. Es ist immer sehr interessant, wie wir Menschen Dinge erschaffen, die nur dazu da sind, um unsere eigene Spezies auszul├Âschen. Elegant wie es wohl die einen, ge├╝bt wie es die anderen sagen w├╝rden, ziehe ich den Schlitten der Waffe einmal zur├╝ck und mir springt eine Patrone entgegen, die sofort mit einem metallischen Klimpern auf den Tisch f├Ąllt. Mit einer Hand greife ich zu meinem Glas, sch├╝tte mir den Rest dieses ekelhaft brennenden Zeugs in meine Kehle, ehe ich auch den Rest davon aus der Flasche ins Glas bef├Ârdere, nur um es wieder zu f├╝llen, mich weiter mutig zu stimmen und nicht wieder wie ein Feigling den R├╝ckzug anzutreten.
Nein, dieses Mal nicht. Unz├Ąhligen K├Ąmpfen bin ich aus dem Weg gegangen, bin abgehauen, weggelaufen. Doch ich bin des Rennens zu m├╝de und zum K├Ąmpfen zu schwach. Mich dem einfach hingeben, es trotzdem versuchen? Ja, ja das will ich tun. Dieses Mal wird mich nichts aufhalten. Es ist schon interessant, oder? Wie ich dieses kleine metallene Dinge, das wir Menschen Patrone tauften, einfach so in der Hand halte. Es sieht so unbedeutend aus, so klein, so harmlos. Und doch ... hmpf ... es entscheidet ├╝ber Leben und Tod. Zwei Dinge die sehr nahe beieinander liegen, n├Ąher als man manchmal anzunehmen vermag. Es braucht nur einen Lauf, einen kr├Ąftigen Schlag auf die R├╝ckseite dieser Patrone und schon wandelt sich Leben schnell in Tod. In nicht einmal einer Sekunde kann dieses kleine Ding etwas Gro├čes zerst├Âren, etwas wundervolles. Viele sagen es sei das gr├Â├čte Wunder, das Leben. Wie unwahrscheinlich es doch ist, dass wir ├╝berhaupt existieren. Doch sitzen wir hier und philosophieren ├╝ber den eigentlichen Sinn des Lebens, machen uns einen Kopf darum, wieso es uns gibt. Ja, wir Menschen hinterfragen immer, wollen gar nicht einsehen, dass nichts ohne Grund passieren kann. Es hei├čt ja Aktio ÔÇô Reaktio. Auf jede Aktion, auf jede Handlung, auf jedes Geschehnis. Kippt ein Sack in China rum, ja, dann gibt er ein dumpfes Ger├Ąusch von sich. Furzt eine kleine Maus kann sie vermutlich der J├Ąger riechen. Jagd man einen Menschen eine Kugel in den Kopf, stirbt er. Aktio ÔÇô Reaktio. So einfach ist das. Warum sollte also etwas gegeben sein, etwas ohne Grund passieren? Wieso sollte unsere Existenz nicht einfach gegeben sein, nicht einfach ein gl├╝cklicher Zufall? Das Leben an sich?


Weil es immer einen Grund gibt.


Doch genau dieser Grund entzieht sich jedem Menschen. Nicht wie wir entstanden, sondern warum wir existieren. Eine prinzipielle Frage, die sich viele stellen und die niemand wirklich beantworten kann. Das Leben ÔÇô ist sinnlos. Erst dessen Inhalt f├╝llt ihn mit Sinn, die Dinge die wir in einem Leben erleben, erfahren, sp├╝ren. Solche Dinge geben dem Leben einen Sinn, nicht die ewige Suche danach, nicht der ewige Kampf den wir alle in uns tragen und manche von uns verlieren. Gef├╝hle. Erlebnisse. Erfahrungen. Wir alle machen sie und sch├Ątzen sie selbst als etwas ein, was ein Teil von uns ist. Rein objektiv sind es Geschehnisse, erst unsere Gef├╝hle machen sie zu dem, was sie letztendlich sind: Erinnerungen. Manche sch├Ân, manche traurig, manche liebevoll, manche hasserf├╝llt. Die Liste ist beinahe endlos, kann mit jedem Gef├╝hl dieser Erde gef├╝llt werden.
Doch ... manche Menschen schaffen es nicht mehr. Manche Menschen haben schon genug f├╝r ein gesamtes Leben gef├╝hlt. Ich bin einer von ihnen. Einer von denen, deren Sinn des Lebens viel zu fr├╝h endete. Die nur noch funktionieren, die nur noch dazu leben um zu sterben. Dieser Zustand, diese Leere ist ein ewiges Grab, als ob man lebendig begraben ist, ohne eine M├Âglichkeit je wieder hinaus zu kommen. Nur hat jeder die Wahl, habe ich die Wahl, mich damit abzufinden, einen sinnlosen Kampf zu k├Ąmpfen oder aber dem letztendlichen Zweck entgegen zu treten. Der Tod ist etwas, wovor die meisten Angst haben. Ist er schmerzvoll? Ist er gar endg├╝ltig? Viele stellen sich solche Fragen, haben Angst vor etwas nat├╝rlichem, das aber nicht einmal das Grausamste auf unserem Planeten ist. Ganz im Gegenteil, manchmal ist der Tod das Barmherzigste, was man einer armen Seele g├Ânnen kann. Dieser Kampf, die Angst davor, dieses Mal laufe ich nicht weg. Nein. Der Alkohol sorgt daf├╝r, dass ich ruhig bleibe, meine H├Ąnde zittern nicht einmal. Was man wohl denken wird, wenn man mich irgendwann findet? Ob es jemanden auf dieser zerr├╝tteten Welt gibt, der mich vermisst? Diese Gedanken entlocken mir nur ein Schmunzeln, viel zu pers├Ânlich denke ich ├╝ber eine unpers├Ânliche, allgegenw├Ąrtige Sache, die uns alle so oder so betrifft, egal wie lang wir es hinaus z├Âgern. Die Menschen haben Angst davor, haben Angst vor den ungekl├Ąrten Dingen des Todes, die Schw├Ąrze die uns erwartet. Niemand wei├č was uns erwartet. Doch ich wei├č es, f├╝r mich. Es bringt Frieden. Endg├╝ltig. Also sitze ich hier und spiele mit dieser Pistole, mich nicht wirklich f├╝r den richtigen Zeitpunkt entscheiden k├Ânnend. In f├╝nf Minuten? In einem Monat? In einem Jahr? Oder doch lieber jetzt? Ich k├Ânnte so vielen Menschen noch helfen, ihnen zeigen wie es sich lohnt weiter zu leben, obwohl ich f├╝r mich bereits abgeschlossen. Paradox. Auf eine gewisse Weise. Doch wer predigt, dass man keinen Zucker essen sollte, sollte zuerst selbst aufh├Âren Zucker zu essen.
Schon interessant wie man nach solchen Regeln leben will, sie aber von Tag zu Tag bricht, als ob sie nichts w├Ąren. Wie oft man Menschen hilft, wie oft man Menschen Tipps und Rat gibt, die man selbst nie befolgen w├╝rde, auch wenn es die richtigen Dinge sind. Es sind eben jene die helfen ohne auch nur ansatzweise selbst Hilfe zu beziehen, die hilflosen Helfer, die einer Mission folgen. Jene die viel tun und am wenigsten Anerkennung bekommen. Jene, die die Menschen sch├╝tzen und begleiten, manchmal ohne das sie es ├╝berhaupt merken. Ich bin ehrlich, nicht immer war ich so jemand, nicht immer bin ich dieser Mission nachgekommen, doch ich gab mein Bestes um den Menschen ein besseres Leben zu erm├Âglichen, um ihnen Halt und Trost zu geben. Nun habe ich alles gegeben was ich hatte, jedem still geholfen, der die Hilfe brauchte. Mein Zweck ist erf├╝llt, meine Bestimmung. Allein das z├Ąhlt jetzt, nichts anderes mehr. Nicht einmal meine letzten Gedanken, meine letzten Worte, die ich zu den letzten Menschen sprach, die ich sah.
Mein Leben lang habe ich versucht das Richtige zu tun, habe oft versagt, habe f├╝r die Dinge gek├Ąmpft, die ich besch├╝tzen wollte, musste aber dennoch jedes Mal mit ansehen, wie sie am Ende doch zu tausenden Scherben zersprangen. Vielleicht nicht immer ihres, aber immer meines. Mein Leben, dass sich St├╝ck f├╝r St├╝ck mit dem Boden und Dreck vereinte. Bis schlie├člich nichts mehr ├╝brig blieb, nichts mehr, was noch zu geben ist, nichts mehr, wof├╝r es noch einen Grund g├Ąbe.

"Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt."

- Bertolt Brecht

Manchmal tun wir so viel Gutes in unserem Leben, das unbeantwortet bleibt, das Gute, das nie wirklich f├╝r uns gut ist, das wir zwar viel bewegten, aber nur in dem Kopf anderer. In den Leben anderer. Schon viel musste ich von Menschen Abschied nehmen die ich liebte, Menschen die vielleicht nie damit rechneten das ich pl├Âtzlich verschwand, doch war ich pl├Âtzlich weg. Zuerst aus ihrem Umfeld, dann aus ihren Kontakten und schlie├člich aus ihren K├Âpfen. Es ist gut so, denn ich habe vieles gut gemacht, wenn ich es behaupten darf. Sie leben ihre Leben, gl├╝cklich, ohne mich. Das ist gut. Niemand sollte mich vermissen, niemand sollte um mich trauern. Denn ich bin es nicht wert. Man nannte mich einst einen Helden, einen einsamen Helden. Unglaublich wie sich alles ver├Ąndern kann.
Nachdem ich nun endlich verschwunden bin, aus den K├Âpfen aller die ich liebte, endet mein Reise. Der Pfad meines Lebens, das Buch das ich schrieb, endet hier. An diesem Ort, an einem Schreibtisch, mit angetrunkenem Mut, den ich anders nie zustande gebracht h├Ątte. Das Letzte was ich sp├╝ren werde ist der Lauf einer Pistole an meiner Schl├Ąfe, das Letzte was ich h├Âren werde ist der Knall, vielleicht nur f├╝r einen Bruchteil einer Sekunde, doch er ist da. Das Letzte was meine Augen erblicken werden ist der helle Vollmond, wie er durch das Fenster meiner Wohnung scheint. So wie mit dem Urknall die Existenz unseres Universums entstand, endet meine mit dem Knall einer Pistole. Frieden, der Frieden erwartet mich...
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Re: Dimicus Schreiberst├╝bchen

#5

Beitrag von Dimicus » Di 5. Jul 2016, 21:53

Eiskalt


Das Knirschen des Schnees unter seinen Stiefeln verbunden mit den kalten Winden, die die vom Himmel herabschneienden Flocken sanft t├Ąnzeln lie├čen, ergaben ein sinniges Bild, dass nicht h├Ątte ruhiger sein k├Ânnen. Zumindest wenn man nicht taumelte und die Schritte immer schwerer wurden, die Glieder stets immer mehr ihren Dienst verweigerten. Ein schmerzerf├╝lltes St├Âhnen entglitt der Kehle des Mannes, seine rechte Hand presste fest auf den blutdurchtr├Ąnkten Stoff seiner Jacke. Das Loch darunter war tief, lie├č immer mehr Blut seines K├Ârpers nach au├čen treten. Sein Atem formte sich zu warmen Wasserdampf, der durch die Stoffmaske drang, die ihn zuvor w├Ąrmen sollte und doch nun ihren Zweck kaum erf├╝llen konnte. Die Haut die seinen K├Ârper umspannte, eigentlich dick eingewickelt von Stoff und sch├╝tzenden Materialien, nahm keine W├Ąrme mehr auf, die Kraft fehlte ihr, genau wie sein roter Lebenssaft aus seinem Kreislauf zu schwinden drohte.
ÔÇťNicht mehr ÔÇŽ weit ÔÇŽÔÇŁ, erz├Ąhlte er sich selbst, blickte gerade aus, als er den immer n├Ąher r├╝ckenden Eingang des Bunkers sah, der seine Heimat darstellte. Diese Welt, zerst├Ârter und heruntergekommener wie sie sie noch nie zuvor war, hatte die Menschheit, ihre Peiniger, zugrunde gerichtet. Ein faires Schicksal f├╝r die Menschen, jener Menschen die sich der junge Constantine anzuschlie├čen drohte. War denn alles bisher umsonst, hatte er so lang ├╝berlebt, nur um jetzt an einer mickrigen Verletzung zu sterben? Soweit wollte er es auf keinen Fall kommen lassen, einem verdammten Hurensohn das Recht geben, ihm eine Kugel in den Bauch zu jagen und darauf hin wie elender K├Âter zu verrecken. Es fehlten nur noch wenige Schritte in seine Sicherheit, die st├Ąhlerne T├╝r des einst verlassenen Bunkers den er sein Zuhause nannte. Seine von einem Lederhandschuhe umschlossene Hand reckte sich nach dem mechanischen Schloss der T├╝r, ein Zahlenschloss welches er damals m├╝hsam geknackt hatte. Wie war sein neuer Code? Seine Rechte griff zu ersten Drehscheibe, drehte sie, seine Muskeln zuckten wild unter den Schmerzen, ein Konzentrieren war kaum m├Âglich. ÔÇť4 ÔÇŽ ├Ąhm, ja genau! 4 - 8 - 1 - 0 - 5 !ÔÇŁ
So schnell es nur m├Âglich war, versuchte er eine Zahl nach der Anderen in ihre Position zur r├╝cken, dabei hielt er den Gro├čteil seines K├Ârpers vor die Zahleneingabe, um sich zu vergewissern, dass selbst ein Sp├Ąher oder Scharfsch├╝tze nicht seine Kombination von Weitem ersp├Ąhen konnte. Nach und nach zeigten die Drehscheiben die richtigen Zahlen in der richtigen Reihenfolge. Gerade als er die letzte Zahl festlegte, ert├Ânte ein lauter Knall und ein scharfes Surren zog an seinem linken Ohr vorbei, neben dem sich schlie├člich ein bleiernes Geschoss in die Stahlbeton zu bohren versuchte, jesoch kl├Ąglich versagte. Constantines Herz setzte beinahe aus, als er merkte dass ihn dieses Arschloch verfolgt hatte. Der Wald um ihn herum hatte ihm Schutz geboten, doch vermutlich war es aufgrund des hohen Schnees und der offensichtlichen Blutspur auf dem Boden ein Leichtes, ihn zu verfolgen. Warum war er auch so naiv und ging davon aus, man h├Ątte ihn nicht verfolgen k├Ânnen?
Doch aus irgend einem Grund fiel kein weiterer Schuss, obwohl genug Zeit war, nichts passierte, nur das Heulen des Windes leistete ihm Gesellschaft. Der tote Wald um ihn herum schien wieder still, kein weiteres Ger├Ąusch schien sich auszubreiten. Doch der angeschlagene Mann wollte dar├╝ber gar nicht weiter nachdenken, stattdessen schl├╝pfte er durch die Bunkert├╝r, die sich vor ihm ge├Âffnet hatte, und zog sie wieder hinter sich zu. Das stumpfe Knallen erf├╝llte die G├Ąnge vor ihn, als er das schwere Schloss schlie├člich sich verriegeln h├Ârte, wusste er, dass er in Sicherheit war. Die schweren Schritte seiner gef├╝tterten Stiefel hallten von den W├Ąnden ab und mit einer Hand st├╝tzte er seinen K├Ârper an ihnen ab. Jetzt musste er nur noch zu seinem Vorratsraum, Verbandszeug und Wasser, dann konnte er schon wieder werden, das wusste er genau, als er die blutende Wunde in seinem Bauch sah. Nichts was man nicht wieder hinbekommen konnte und mit dieser Zuversicht f├╝hrten ihn seine schwachen Beine auch. Die Lichter ├╝ber ihn erstrahlten und erloschen dank der Bewegungsmelder, je nachdem wo er sich befand. Ein nettes Gimmick was seine vorhergehenden ÔÇťMieterÔÇŁ ihm hinterlassen hatten. Genau so wie der Generator mit einem gro├čz├╝gigen Treibstoffvorrat.
Nach weiteren Schritten in Richtung seiner Erl├Âsung, kam er schlie├člich an der T├╝r zu seinen pers├Ânlichen Rationen und medizinischen G├╝tern an. Die einfach Metallt├╝r gab unter leichtem Druck nach und offenbarte den Raum - und den Lauf einer Pistole, direkt in sein Gesicht gerichtet. ÔÇťWillkommen Zuhause, Pisser!ÔÇŁ, sagte ein ├Ąlterer Mann und zog den Abzug durch. Ein Knall ert├Ânte und mit diesem, umschloss Constantine die endg├╝ltige K├Ąlte. Seine Geist zerstoben in alle Richtung und entsandt in die ewige Finsternis...
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Re: Dimicus Schreiberst├╝bchen

#6

Beitrag von Dimicus » Di 19. Jul 2016, 19:32

Unf├Ąhig

Wild zuckten die Blitze auf dem Monitor hin und her, in den buntesten Farben fand dort, ein virtueller Krieg statt, der nicht real war. Die Waffen wurden gezogen, aufeinander gerichtet und die k├╝nstlichen Abbilder von Menschen wurden get├Âtet, zum Spa├če und Belustigung der Spielergemeinde. In den Chats stritten sie sich, wer der Bessere sei, wer die gr├Â├čeren Eier und Skills h├Ątte. Alle in diesem Wettbewerb versunken, der nichts weiter als Reflexe, eine gute Hand-Augen-Koordination und in manchen F├Ąllen sogar Teamwork ben├Âtigte. In diesem gesamten Chaos sa├č schlie├člich eine Person, unter den ganzen Menschen die sich miteinander messend um den ersten Platz k├Ąmpften. Eine Person die dazu neigte, ganz unten zu stehen, nicht begabt schien und mal wieder einer seiner zahlreichen Bildschirmtode erlebte. Seine Faust ballte sich, als er auf die Rangliste schaute, das Scoreboard, und sich mal wieder ganz unten erwischte. So wie immer. Warum sollte es auch anders sein. Das Spielmen├╝ ging auf, die Maus wanderte auf den "Spiel verlassen" Button und sogleich wurde es still in dem Zimmer, in dem der junge Mann sa├č. Keine weiteren Ger├Ąusche durchdrangen nun mehr seine Ohren, sein Kopf, gest├╝tzt auf seinen Handfl├Ąchen, schien vollkommen schwer und unbegrifflich zu sein. Sie nannten ihn Anf├Ąnger, Noob, Nichtsk├Ânner. Es sa├č. Er wollte ihnen etwas anderes sagen, doch seine Punktzahl sagte etwas anderes.
Seine Miene blieb trotz der Schmerzen ruhig, was wussten diese Menschen schon vom realen Krieg? Sollten sie doch mal auf das echte Schlachtfeld gehen und sehen, wie schnell sie sterben w├╝rden. Ohne Respawn, ohne zweite Chance. Doch genauer betrachtet ... w├╝rde dem jungen Mann das selbige Schicksal ereilen. Am besten nicht dar├╝ber nachdenken nahm er sich vor, einfach versuchen zu l├Ącheln. Es war nur ein Spiel, auch wenn es ihn frustrierte. Tats├Ąchlich zeichnete sich ein kurzes und seichtes L├Ącheln ab. Zwar nicht viel, aber immerhin etwas! M├╝de stand er auf, streckte sich, wobei seine vom langen Sitzen beanspruchte Wirbels├Ąule einmal h├Ârbar knackte. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es mittlerweile schon 3:47 Uhr war. Musste er nicht in knapp vier Stunden aufstehen? Nat├╝rlich, da war ja etwas. Arbeiten gehen musste er, das Geld verdiente sich nicht von allein. Was w├╝rde er sich auch anma├čen zu erwarten, dass es das tun w├╝rde? Ohne Flei├č kein Preis, wie man so sch├Ân sagen konnte. Nach einem geq├Ąulten Seufzer setzte er sich schlu├čendlich in Richtung des Bades in Bewegung, in dessen Spiegel er ein unrasiertes Gesicht erblickte, glasige Augen, ein leerer Blick. Am besten nicht hineinschauen, den Blick vom eigenen Angesicht nehmen und schnell fertig werden. So tat er es auch. Die Z├Ąhne geputzt, sich in die bequemsten Klamotten zum Schlafen geworfen und ins Bett gelegt, dass er sich extra noch vor dem zu Bett gehen frisch bezogen hatte. So k├Ânne er bestimmt besser schlafen, zumindest hatte er es erwartet. Als er mal wieder eine kaum z├Ąhlbare Ewigkeit wach lag und nicht zur Ruhe kam, nicht einschlafen konnte, wurde ihm mal wieder das Gegenteil bewiesen. Doch schon bald kam auch er in den Genuss des Schlafes. Zwar unruhig, aber besser als nichts...
Das Herz wild pochend und hochschreckend schlugen seine Augen auf, sein Atem ging schnell und schwer zugleich, unedefinierbar. Wohl mal wieder ein Albtraum, an den er sich nicht erinnern konnte. Doch ausgerechnet der Wecker war sein Retter vor diesen Dingen, der flei├čig seine zuvor ausgesuchte Melodie dudelte, die eigentlich zum friedlichen Wecken f├╝r ihn beitragen sollte. Auch hier mal wieder, eine vollkommene Versch├Ątzung. Was sollte er auch anderes erwarten? Offensichtlich meinte es das Schicksal momentan einfach nicht gut mit ihm. Doch nun hie├č es, keine weitere Zeit zu vertr├Âdeln und hoch mit dem faulen Arsch, es musste zur Arbeit gehen. Also schnell aufgestanden, ins Bad gerannt. Die Eltern beil├Ąufig begr├╝├čt, die Haare gewaschen. Der Bartansatz sah furchtbar aus, aber viel zu faul und unmotiviert war er, um ihn zu rasieren. Rasch die Z├Ąhne geputzt und in die n├Ąchstbesten Arbeitsklamotten geschl├╝pft. Wo kam dieser Geruch her? Ein Blick an sich hinunter, erm├Âglichte seiner Nase schlie├člich die Quelle genauer definieren zu k├Ânnen. Kurz verzog er das Gesicht, ein Bad war ├╝berf├Ąllig, aber egal. Keine Zeit mehr. Keine Lust. Brieftasche, Rucksack, Schl├╝ssel, Smartphone. Alles da, also konnte es losgehen. Die Treppen hinab gerannt, um sein Fahrrad zu erreichen, sein Fortbewegungsmittel Nummer Eins. Schon auf Arbeit, ging sehr schnell. Ist ja schlie├člich nicht all zu weit weg.
Kaum betrat er seinen Betrieb, wurde die Maske aufgesetzt, seine Pers├Ânlichkeit versteckt und sein Wohlbefinden noch weiter in den Hintergrund gestellt. An diesem Ort hatte es erst recht nichts mehr zu suchen. Es ging ab diesem Zeitpunkt nur noch um das Gesch├Ąft, etwas was er hasste, aber nicht ├Ąndern konnte. Diesen Job hatte er sich ausgesucht, war selbst an seinem Schicksal schuld und konnte momentan nichts daran ├Ąndern. Warum sollte er auch, es bedeutete eine gewisse Unabh├Ąngigkeit und Selbsst├Ąndigkeit, doch zu welchem Preis? Das blieb wohl immer die gro├če Frage aller Fragen, jene Frage die er sich nicht zu beantworten traute. Sein Kopf musste funktionieren, er hielt sich aufrecht, doch war er so leer, fruchtlos. Ungl├╝cklich. Hin und wieder w├╝nschte er sich, einfach zusammen brechen zu k├Ânnen, aufgeben zu k├Ânnen, wie es manch andere konnten. Aber nein, er machte weiter, arbeitete, schritt voran. Letztendlich brachte es ihm auch nichts anzuhalten und zur├╝ckzutreten, zu pausieren. Kein Fortschritt, kein Vorankommen ohne Schritte nach vorn. Selbst wenn die Kunden die er bediente unfreundlich schienen, es k├╝mmerte ihn nicht einmal mehr. Noch weniger, wenn sie ihn lobten und versuchten, sich aufrichtig bei ihm f├╝r seine geleistete Arbeit zu bedanken. Es k├╝mmerte ihn nicht. Es waren wenige. Genau so wie seine F├Ąhigkeit in dem was er vollbrachte, in seiner Branche und in dem Beruf, gen Null tendierten. Seine Kollegen schrieben Zahlen, schafften es die Kunden besser zu bedienen. Manchmal zweifelte er, ob er ├╝berhaupt verst├Ąndlich mit diesen Menschen umging oder er sie einfach nur abfertigte. Hatte er ├╝berhaupt Lust? Nein. Nicht bei seinen kl├Ąglichen Versuchen, die immer schlechter zu werden schienen. Hauptsache die Zeit wird abgesessen, das seine lahmen F├╝├če und Gedanken wieder an seinen PC zur├╝ckkehren konnten, dort wo ihn die selbe Unf├Ąhigkeit erwartete.
Depression, Angst und die Scham davor er selbst zu sein, seine st├Ąndigen Begleiter. Die wenigen Menschen die sich um ihn scherten? Er schaute auf seine Ger├Ąte, las ihre Textnachrichten. Seine Antworten waren schnell und er k├╝mmerte sich darum, was sie zu ihm sagten. H├Ârte ihnen zu und ging auf sie ein, er tat es gern. Und doch ... er f├╝hlte sich, als ob er einer der schlechtesten Menschen sei, jemand der sich nicht ausreichend k├╝mmerte. Wie sollte er sie jemals halten k├Ânnen, wie sollte er seinen eigenen Anforderungen gerecht werden? Diese Menschen versuchten sich zu k├╝mmern, doch er empfand Scham schwach zu sein, Scham vor sich selbst. Nicht stark zu sein bot Angriffsfl├Ąche und er hasste sich daf├╝r. Diese verdammte Leere, doch er musste weitermachen, wusste er w├╝rde nie gut genug f├╝r irgendwas sein, dennoch trieb sein Lebenserhaltungstrieb ihn an. Sein Trieb weiter zu machen, fortzuschreiten und nicht zu stagnieren. Der K├Ârper ausgebrannt, der Geist leer und die Augen m├╝de. Der Wunsch aufgeben zu k├Ânnen sehr gro├č, doch die Angst vor seiner eigenen Schw├Ąche zu gewaltig. Er wollte kein Mitleid, keine mitf├╝hlenden Worte. Um genau zu sein, wusste er gar nicht was er wollte, seine Lebenspl├Ąne schienen beinahe nonexistent. Nur wenige Ausnahmen gab es, doch sie gingen beinahe unter. Weder wusste er, wie es mit ihm weitergehen sollte, noch mit seinem Leben, seiner pers├Ânlichen Sicht darauf. Aus diesem Grund war er gefangen in diesem Zyklus, dazu verdammt seinen eigenen Anforderungen nicht gerecht zu werden. Anforderungen die er selbst nicht einmal kannte. Er wollte nicht nur sehr gut, sondern perfekt sein! Doch Perfektion war ihm auch nicht gut genug, was ihn selbst betraf. Seine Welt schien nicht im Reinen zu sein, genau so wenig wie es seine eigene Macht ├╝ber seine Gedanken war. Deshalb sa├č er wieder da, an seinem PC, schrieb Texte die er niemals nur ann├Ąhernd als ausreichend betiteln w├╝rde, spielte Spiele in denen er nur am Ende des Scoreboards endete. Am Ende eines zu langen Abends senkte sich sein m├╝der Geist, sein schlaffer K├Ârper in die Federn, um den selben Kreislauf wieder zu durchleben.
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Re: Dimicus Schreiberst├╝bchen

#7

Beitrag von Dimicus » Do 18. Aug 2016, 21:33

Die B├╝hne ist dein


Kalte Luft zog durch den Gang, mit ihr kam die eisige K├Ąlte die durch jede noch so kleine Ritze im Mauerwerk kroch. Sie dachten sie seien sicher, ihr Wohl sei hinter dicken W├Ąnden, Fenstern und T├╝ren gesichert. Irrglaube und Wunschdenken pflegten sie. Der Schatten drang so lautlos wie die Luft durch den Gang, das Gesicht unter dem Stoff der Kapuze bedeckt. Seine Schritte schienen nahezu unsichtbar, seine Gestalt brachte jedoch den Tod, so wie sie es nicht anders wollten. Durch das milchige Glas der Fenster fielen die fahlen Strahlen des Mondlichts in den Flur, erleuchteten den Weg zum Ziel, w├Ąhrend die Klinge bereits das sch├Âne Schauspiel zur├╝ckwarf und dem Himmel ein St├╝ck seines Lichtes zur├╝ckgab.
Die T├╝r schwang auf, kein Ger├Ąusch wagte es sich, sich ihm in den Weg zu stellen. Eleganz, Perfektion, Erhabenheit. M├╝helos glitt die Klinge zwischen den geschickten Fingern umher, ihre Fingerkuppen kribbelten, w├╝nschten sich nichts sehnlicher als endlich an die Arbeit zu gehen. Seine Farbe lag vor ihm, ruhend und nichts ahnend was ihr bevorstand. Welch Rolle sie in seinem Meisterwerk einnehmen w├╝rde. Keine konnte es zuvor auch nur erahnen, was ihr erbl├╝hte. Bevor sich diese auch nur ihrer Bestimmung entziehen konnte, ereilte sie ihr Schicksal, als eine Hand auf ihrne Mund gelegt wurde. Ihre Augen rissen auf, doch die Klinge des K├╝nstlers grub sich in das Fleisch der Farbe, einst eine Frau die jemand tot sehen wollte und nun bald ein perfektes Kunstwerk! Sie zappelte, w├Ąhrend sich unter der Kapuze ein wissendes Grinsen auftat. "Du wirst wundersch├Ân sein, befreit von diesen weltlichen Leiden. Einfach nur perfekt, ein Meisterwerk!"
Ihre Schreie erstickten, Blut begann aus ihrer Kehle zu rinnen und ihre weinenden Augen blickten dem Tode in Angesicht. Dieser l├Ąchelte einfach nur zur├╝ck, summte eine sanfte Melodie und hatte gar etwas Beruhigendes in sich. Ihre Bewegungen wurden schlie├člich schw├Ącher, das Funkeln ihrer Augen verschwand, nur zu schade, es h├Ątte so sch├Ân gepasst. Doch er musste damit arbeiten und er w├Ąre nicht er, wenn er nicht w├╝sste wie. Mit einem sanften Zug holte er seine Klinge an die Luft zur├╝ck, ihr K├Ârper hatte bereits jede Gegenwehr aufgegeben und der Moment, die Ruhe jagte ihm die G├Ąnsehaut ├╝ber dem R├╝cken. Tief atmete er ein, der Moment bevor er begann, seine eigentliche Arbeit verrichtete, er ist der schmerzlichste so war er noch mit einer leeren und unsauberen Leinwand konfrontiert. Doch das galt es zu ├Ąnden, ein Griff in seine Tasche bef├Ârderte das Set an Pinseln hervor, sorgf├Ąltig w├Ąhlte er den Ersten aus. Sein Blcik legte sich schief, er betrachtete das unordentliche Bild vor ihm. "Nein, nein, nein, nein...", hauchte es im Raume, es passte noch nicht ganz. Wie soll man malen, wenn die Grundlagen nicht da waren!
Die Pinsel wurden wegger├Ąumt, vorsichtig auf den Boden gelegt. Wobei er sich nun zuerst diesem Chaos widmen musste. Kopfsch├╝ttelnd zog er das Laken lang, spannte es unter dem toten Leib damit es eine gerade Fl├Ąche bot. Nur anfangs grob, so musste er noch den K├Ârper in eine richtige Position bringen, doch nur wie? Ihr K├Ârper und Antlitz glich eines Engels. Sofort kam ihm die Idee f├╝r sein neues Projekt! Nahezu sanft ergriff er ihre H├Ąnde, faltete sie auf ihrer Brust ineinander zusammen. Dabei verrutschte das Laken, welches er direkt im Nachgang gerade zog. Endlich war es perfekt. Seine Arbeit konnte beginnen.
Sein Werkzeug ergriff er nun, die Pinsel an das frische Blut angesetzt, begann er zu malen. Seine Hand schwang flie├čend ├╝ber das wei├če Laken, vom linken Schulterblatt zeichneten sich erste Konturen. Dort eine klare Definition, ja keinen falschen Strich und alles war ruiniert. nat├╝rlich passierte ihm das nicht und mit ein paar Minuten Arbeit zeichnete sich der erste Fl├╝gel ab. Nun wurden Federn hinzugef├╝gt, Details und vor allem Eines: Dornenranken umwickelten das Gefieder des Engelsfl├╝gels, auf ihr wuchsen die wundersch├Ânsten Gew├Ąchse in reinster Form, die Rosen die sie zierten waren Perfektion. Strch f├╝r Strich, Schwung f├╝r Schwung erg├Ąnzte sich das Meisterwerk. Kaum war der linke Fl├╝gel fertig, so folgte der Rechte, bis dieser zur absoluten Perfektion geschwungen, verziert und in Szene gesetzt war. Nun das Bett. Ein Engel konnte nicht in einem wei├čen Nichts gebettet sein, es w├Ąre viel zu stumpf, so f├╝hrte er die Dornenranken fort, sie breiteten sich ├╝ber das Laken aus. Auf ihre Spitzen schienen so genau gemalt, als ob man sich wirklich an ihnen stechen k├Ânnte. Sie verwoben sich, bildeten das Grundger├╝st f├╝r die Sch├Ânheit dieses Bettes, doch was w├Ąren diese Ranken ohne ihre Bl├╝ten? Drum setzte er seine Hand sofort in Bewegung, Knospen wurden zu bl├╝henden Bl├╝tenbl├Ąttern ihre rote Farbe strahlte die Perfektion aus, die dieses Bild so wunderbar abrundete. Doch etwas fehlte noch.
Im n├Ąchsten Moment schon erkannten seine geschulten Augen das gewisse Etwas das noch fehlte, es wra noch viel zu viel Platz an der Wand an der das Bett stand. Seine Z├╝gen wurden nachdenklich, seine Planung wurde nur noch besser, das Bild in seinem Kopf gr├Â├čer.
Frisch in die Farbe getunkt, schwang der Pinsel weiter. Die ersten Konturen von Wurzeln erklommen die Wand, sie rankten sich im Mauerwerk, als ob es die Erde w├Ąr in der die Krone erbl├╝hen sollte. So verwinkelt und undurchsichtig sie am Anfang waren, so wurden sie zu noch viel gr├Â├čeren Linine, feiner und eleganter. Ihre besondere Form setzte sich schlie├člich zu einem St├Ąngel zusammen, dicke Dornen standen von diesem ab und drohten jedem Unw├╝rdigen zu verletzten, der ihrer Sch├Ânheit nicht erhaben war. Doch der letzte Akzent fehlte und Thronte ├╝ber alles, als sich die Bl├╝te mit den Linien zu formen begann, ihre Bl├Ątter, das was sie definierte. Der Kopf reckte sich nach oben, versuchte dem Sonnenlicht entgegen zu kommen und definierte ihre Gesundheit.
Jenes Licht, dass drau├čen allm├Ąhlich die H├Ąuserd├Ącher erklomm. Sein Werk war vollbracht, voller Stolz pr├Ąsentierte sich ihm der Engel, den er geschaffen hat. Die Frau ist zu etwas Sch├Ânerem geworden, schlichte Perfektion! Seine Pinsel legte er nieder, trat einen Schritt zur├╝ck und verbeugte sich tief vor seinem Werk. "Wenn sie dich finden, werden sie um dich weinen. Doch deine Sch├Ânheit wird ihnen immer im Ged├Ąchtnis bleiben. Allerdings stehst du nun auf der gro├čen B├╝hne, als ein Meisterwerk meines Genies." Ein zufriedenes Lachen, tief und erf├╝llt zugleich erf├╝llte f├╝r einen Moment den Raum, ehe die Pinsel verschwanden, die Gestalt den Raum verlie├č und nur das Blutbad zur├╝cklie├č, in der sie aufbl├╝hte.
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Re: Dimicus Schreiberst├╝bchen

#8

Beitrag von Dimicus » Mo 29. Aug 2016, 00:51

Ein Gedanke


"Hast du dich eigentlich schon einmal gefragt, was da oben ├╝berhaupt ist?", ert├Ânte es im leisen Klang seiner Stimme, als er nach oben in den Himmel schaute. Die Sterne zierten das Schwarz dieser unendlichen Weiten, die f├╝r die einen aus Wissenschaft, den anderen aus dem Reich Gottes und wieder Andersdenkenden als ein gro├čes Nichts besteht. Es war lustig anzusehen, wie sich die Gl├╝hw├╝rmchen unseres Planeten am liebsten diesem Anblick einf├╝gen wollten. Wie kleine, sich bewegende Sterne summten sie umher und versuchten ihren Platz in diesem Schauspiel zu ergattern.
Seine Hand streckte sich dem Himmelszelt entgegen und versuchte es zu greifen, zu erfassen. Nat├╝rlich vollkommen vergebens, es w├Ąre ja zu einfach, k├Ânne man ein ganzes Universum in ein Hand fassen. "Wir Menschen denken, wir sind die Spitze der Nahrungskette, uns macht es zu etwas Besonderem, dass wir lernten wie wir H├Ąuser bauten, Maschinen konstruierten und wissen, wie wir uns den Widrigkeiten der Natur entziehen k├Ânnen." Er sp├╝rte ein Kribbeln auf seiner Fingerspitze, als ihn ein wirklich winziges Insekt zu begr├╝├čen versuchte. Seine linke Hand die zuvor noch auf dem Boden im Gras lag, erhob sich vor sein Gesicht, damit seine Augen die kleine Ameise erfassen konnten, die dort auf seinem Finger umhertanzte. "Letztendlich sind wir vielleicht eine dominante Spezies, doch sind nicht gr├Â├čer als diese Ameisen hier. Du musst dir einmal vorstellen, wie es f├╝r diese Ameise sein muss, wenn sie in den Himmel blickt. Sie ist ein Vielfaches kleiner als wir. Ob sie die Erde als Universum und dass, was wir den Weltraum nennen, als unfassbar bezeichnet?"
Vorsichtig lie├č er das kleine Tier wieder auf den Boden zur├╝ck. Seine linke Hand kehrte wieder auf das frische Gras neben sich zur├╝ck, w├Ąhrend seine Rechte auf seinem Bauch zu ruhen vermochte. "Klar, dort oben sind viele Dinge, vieles was wir dank unserer technologischen Errungenschaften in Bildern, Graphen und Formeln einz├Ąunen k├Ânnen, doch kann man das ├╝berhaupt? Die Unendlichkeit bestimmen, sie in unserem Geist fassbar machen? Unser Geist ist begrenzt und wenn wir dies t├Ąten, w├╝rde es dann noch eine Unendlichkeit sein?" Sein K├Ârper erhob sich ruhig, als er sich auf dem Boden abst├╝tzend in einem Schneidersitz brachte, einen Blick kurz zur linken Seite gebracht. "Was machst du dir da aber gro├č einen Kopf drum, nicht wahr?" Ein schwaches L├Ącheln umspielte die Lippen des jungen Mannes, als er seinen Blick wieder nach oben richtete.
Seine Augen hafteten in dem Dunkel, welches die Geheimnisse unserer Existenz in sich trug, mysteri├Âs und doch so offensichtlich. Es war da, allgegenw├Ąrtig und doch so unverst├Ąndlich. "Sind wir biologische Maschinen, geschaffen von einer weit aus h├Âher entwickelten Spezies? Ein Experiment? Oder doch das Ergebnis wahnsinnig gro├čer Zuf├Ąlle, die uns all das hier erm├Âglicht haben? Diese Dinge vermag ich nicht zu beantworten, es ist sehr schwer sie ├╝berhaupt zu erfassen, die Wahrscheinlichkeit f├╝r unsere Existenz ist de facto aber sehr gering. Dennoch sind wir hier, neben all den anderen Lebewesen. Haben wir eine Daseinsberechtigung? F├╝r Natursch├╝tzer, Politiker, Extremisten, ja, f├╝r jeden Menschen mit einer Meinung hat etwas eine Daseinsberechtigung oder eben nicht. Doch mich interessieren nicht die kleinen Teile, denn das Ganze ist gr├Â├čer als die Summe seiner Teile. Ob wir existieren d├╝rfen oder eben nicht d├╝rfen, davon sollte gar nicht die Rede sein. Denn ganz offensichtlich tun wir es und wir hinterfragen es auf solch primitiven Ebenen, statt wirklich den Grund unserer wahren Existenz zu erfragen. Doch das sind Dinge, die wohl nie ein Mensch beantworten kann. Genau so wenig wie ein anderes Lebewesen auf diesem Planeten. Es wird immer ein Mythos bleiben. Der Sinn hinter allem. Der gro├če Plan. Wir sind nur ein Teil davon und nicht befugt, dessen ganzen Umfang begreifen zu k├Ânnen."
Der junge Mann legte sich wieder in das Gras, drehte sich auf seine linke Seite und schaute auf den leeren Platz neben sich. "Genau aus dem selben Grund werde ich nie Gef├╝hle wie Liebe, Hass, Furcht oder Erhabenheit verstehen. Letztendlich bleiben wir allein. Unseren Weg in diese Welt und von dieser Welt beschreiten wir als Einzelg├Ąnger, doch in der Zeit dazwischen leben wir ein soziales Leben. Existenz muss nicht Ultimativ sein, doch sie ist das, was uns Menschen zeigt dass wir eben da sind. Bewusstsein. Der Geist. Doch auch die Nonexistenz ist ├╝berall vorhanden. Wie die der Sinn von all dem oder du. Du bist auch nonexistent und nicht vorhanden. Dennoch bist du da, also doch existent. Wer wei├č schon, was der Zweck dieses Paradoxons ist, ob es mir verst├Ąndlich wird. Doch ich denke eher nicht." Sein rechter Arm legte sich ├╝ber die Stelle neben ihm, als er seine Augen schloss und sein Bewusstsein mit dem k├╝hlen Nachtwind in den Schlaf getragen wurde.
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Re: Dimicus Schreiberst├╝bchen

#9

Beitrag von Dimicus » Mo 12. Dez 2016, 22:55

Allein


Ein lauter Knall ert├Ânte, als das M├╝dungsfeuer seiner Flinte aufblitzte und dem Letzten dieser Biester den Gar aus machte. Seine Atem ging schnell, die Muskeln schmerzten und die Augen waren kaum noch in der Lage sich zu konzentrieren. Mit einem ge├╝bten Handgriff l├Âste er den Hebel seiner doppell├Ąufigen Schrotflinte und klappte somit den Lauf nach unten, aus dem auch just die zwei verbrauchten Patronen ausgeworfen wurden. Seine Linke griff in die G├╝rteltasche, ertastete das vorletzte Paar an Munition und schob es in die beiden L├Ąufe, ehe er das Gewehr wieder zuschnappen lie├č.
Vor ihm tat sich ein Feld der Verw├╝stung auf, sein K├Ârper war von Spritzern des Blutes dieser Wesen ├╝bers├Ąht. Seine H├Ąnde zitterten, umfassten den Griff der Flinte nur noch fester, ehe er sie senkte und das Blutbad vor sich nur betrachtete. Infizierte wie tote ├ťberlebende lagen vor ihm, alles war in dem Gang ├╝bers├Ąht mit Leichen und schon bald w├╝rden die, die den Infizierten zum Opfer gefallen waren, sich wieder erheben. Es blieb nicht viel Zeit, doch in nur f├╝nf Minuten hatte er alles verloren. Mit eigenen Augen hatte er mit ansehen m├╝ssen, wie sie abgeschlachtet wurden, einer nach dem anderen. Seine eigen Haut zu retten hatte er geschafft ÔÇô zu etwas anderem war er nicht imstande gewesen.
Sein Blick galt den Frauen, den Kindern seiner nun toten Gruppe, die M├Ąnner welche ├╝berrascht wurden. Sie alle hatten ihr Leben gegeben, um diejenigen zu besch├╝tzen, die nun hier tot in ihrem eigenen Blut lagen, begraben unter den endg├╝ltig get├Âteten Infizierten. Sie hatten ihre Leben gegeben, doch nur er hatte ├╝berlebt. Ein pl├Âtzliches Pl├Ątschern durchbrach die Stille des Raumes, etwas war vor seine F├╝├če gefallen und versuchte trostlos das Blut wegzuwaschen. Seine linke Hand ertastete seine Wange, f├╝hlte wie Tr├Ąnen an ihr hinabliefen und doch stand er da, stumm und ohne Sinn.
Alles was sie sich aufgebaut hatten, seine Geliebte, die Menschen mit denen sie gereist waren, die Kinder die sie zu besch├╝tzen versprochen hatten. Seine Augen schienen vollkommen leer, so wie die toten Blicke aller Leichen die ihn umgaben. Etwas brach, es f├╝hlte sich schmerzhaft an, doch nicht physisch, nein, in seinem Kopf brach etwas f├╝rchterlich. Die Waffe rutschte ihm aus den H├Ąnden, fiel mit einem lauten Klacken auf den harten Boden, welcher einst wei├če Fliesen besa├č. Seine Knie folgten, die Tr├Ąnen brachen weiter aus ihm heraus doch noch immer berherrschte die Stille den Raum, die undurchdringbare Finsternis des Bildes, was sich vor ihm gab.
Wie als ob pl├Âtzlich ausgewechselt, hob er allerdings wieder seinen Blick, die Miene steinern und regungslos. Seine rechte Griff bestimmt zu der Flinte, hielt sie fest in seinem Griff, eher er die L├Ąufe drehte und auf seinen Kopf richtete. Nur er hatte ├╝berlebt, es war nicht fair, er sollte neben ihnen liegen. Er hatte es am wenigsten verdient, noch am Leben zu sein d├╝rfen. Seine Augen schlossen sich, der Daumen legte sich auf den Abzug und erh├Âhte den Druck. Es war schwer, diesen Druck auszu├╝ben, nur ein Fingerzug und es war endlich vorbei. Der Finger zog durch, endlich war dieses Leid vorbei.

Klick.

Seine Augen ├Âffneten sich wieder, er war noch da, nichts war passiert. Kaum konnte er es fassen, was ihm gerade passiert war. Er drehte das Gewehr wieder um, klappte die L├Ąufe nach unten. Fehlz├╝ndung. Die Patrone war in keinem guten Zustand. W├╝tend und traurig zugleich griff er die Patrone, zog sie heraus uns schmiss sie in eine Ecke des Raumes, dass durfte einfach nicht wahr sein. Seine Hand griff abermals in seine G├╝rteltasche und lud eine neue Patrone nach, doch statt es noch einmal neu zu probieren, erhob er sich, schulterte seine Waffe und griff seinen nahestehenden Rucksack.
Es war die pure Ironie seines Schicksals, entweder hatte ihn das Gl├╝ck, oder eher das Pech sein Fortbestehen gesichert. Er wusste nicht einzuordnen was passiert war, doch seine Schultern hingen, sein Blick blieb trostlos und leer. Selbst als er ├╝ber die Leichen hin├╝berstieg, durch den Ausgang schritt und einen letzten Blick nach hinten warf ÔÇô wo sich bereits die ersten Untoten zu bewegen begannen ÔÇô es ├Ąnderte nichts. Er konnte nichts tun, dass wusste er und er w├╝rde auch nicht seine Liebsten begraben k├Ânnen. Der junge Mann, nicht einmal ganze 23 Jahre alt, war nun auf sich allein gestellt, niemand verblieb an seiner Seite und seine F├╝├če trugen ihn einfach weg von dem Ort dieser Grausamkeiten. Sein Kopf w├╝rde vergessen, seine physischen Wunden heilen und sein K├Ârper abh├Ąrten. Doch eines sollte sich nie ver├Ąndern ÔÇô er blieb f├╝r immer allein.
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Re: Dimicus Schreiberst├╝bchen

#10

Beitrag von Dimicus » Fr 3. M├Ąr 2017, 17:33

Heyho Leute,

hier gibt es mal wieder etwas von mir zu lesen. Ist nur etwas sehr kleines und im Zuge meiner ersten Arbeit in meinem Fernstudium entstanden. Als Einsendeaufgabe bzw. erste Arbeit die benotet wird. Trotzdem teile ich es mit euch einmal, schlie├člich wollten ja einige auch sehen, was passiert und ich erdenke.

____________________________________________________________________

Hoffnung

Schwer keuchend rannte der junge Mann ├╝ber das Schlachtfeld oder zumindest dem, was von ihm ├╝brig war. Noch immer ert├Ânten entfernte Sch├╝sse und Explosionen, als ihn seine F├╝├če ├╝ber das mit Toten ├╝bers├Ąte Feld f├╝hrten. Der Boden war verbrannt, die B├Ąume abgestorben. Doch dies war f├╝r ihn nichts, womit er sich aufhalten konnte, seine F├╝├če trugen ihn immer schneller weiter. Sein Gewehr fest in der rechten Hand, der Blick panisch und er sp├╝rte die suchenden Blicke in seinem Nacken.
ÔÇ×Komm schon, es ist nicht mehr weit.ÔÇť, ermutigte er sich selbst, als er in der Ferne die Lichter sah, die wie rettende Leuchtfeuer in der Nacht wirkten. Der geschundene K├Ârper versuchte gegen die Schmerzen und den Hunger anzuk├Ąmpfen, es war schon schwer genug die gesamte Ausr├╝stung durch den Dreck des Niemandslandes zu tragen. Doch f├╝r jeden Schritt den er machen konnte, folgte ein weiteres St├╝ck Erleichterung. Ein weiterer Schritt in Richtung Sicherheit und Gemeinschaft.
Der Frieden und seine sonst zuvor gelungene Flucht wurde j├Ąh unterbrochen, als ein weiterer Schuss ert├Ânte, der aber nicht wie sonst in der Entfernung, sondern ganz nah bei ihm lag. Die Kugel schlug nur knapp neben seinem Bein an. Sein Gesicht verzog sich vor Angst und die Panik durchdrang seinen K├Ârper, sein Herz begann nun noch wilder zu pumpen. Fl├╝chtige Blicke warf er sich ├╝ber die Schulter, als er ein weiteres M├╝ndungsfeuer aufblitzen sah, welches einen weiteren Hauch des Todes in seine Richtung blies.
Mit gr├Â├čter Hast und Eile stolperte er ├╝ber die Leichen ehemaliger Feinde und Kameraden, er war mitten im offenen Feld und eine leichte Beute f├╝r die J├Ąger hinter sich. Ein weiterer Schuss. Wieder wurde Dreck aufgewirbelt. Wieder ein Fehlschuss und eine weitere Chance, an sein Leben zu klammern. Tr├Ąnen sammelten sich in seinen Augen. Er konnte nicht einfach sterben. Nicht so. Nicht an diesem Tage.
Seine Bewegungen schlugen einen Haken nach dem anderen. Er entglitt den gezielten Sch├╝ssen der Feinde in seinem R├╝cken immer wieder. Der Blick richtete sich nach vorn. Es kam n├Ąher! Das Lager seiner Kompanie! Die Sicherheit und W├Ąrme die es ausstrahlte, wirkte unglaublich anziehend f├╝r ihn und es trieb ihn an, endlich wieder einen ruhigen Moment erleben zu k├Ânnen.
Pl├Âtzlich jedoch rutschte er auf der fallen gelassenen Waffe aus, st├╝rzte zu Boden als weitere Sch├╝sse ├╝ber ihn vorbei zischten. Schnell atmend und keuchend robbt er weiter, w├╝hlte sich durch den Schlamm und zwischen den Leichen hindurch. Die Hoffnung lag so nah vor ihm, doch wirkte sie nun vollkommen entfernt. Maschinengewehrfeuer ert├Ânte, Gewehre erhoben sich und es wurden nun aus allen Richtungen gefeuert. Vor ihm blitzten die Waffen auf. Seine Leute, sie eilten ihm zur Hilfe, doch es war zu sp├Ąt.
Wie ein kleines Kind klammerte er sich an seine Waffe, den einzigen Schutz den er noch bei sich trug. Zwischen Leichen und Dreck hockend, wusste er, dass er versagt hatte. Die Botschaft die seiner Kompanie das Leben gerettet h├Ątte, trug er bei sich. Er war zu langsam und war nun zwischen den Fronten geraten, als eine ├ťberzahl an Gegnern auf das Lager zust├╝rmte. Explosionen folgten, seine Ohren wurden bet├Ąubt, seine Sinne benebelt.
Er wusste, dass es keinerlei Ausweg aus dieser Situation mehr gab, als er sich schlie├člich erhob, durch Kimme und Korn seiner Waffe blickte. Doch sein kalter Finger schaffte es nicht einmal, den Abzug zu bet├Ątigen, als er den ersten Einschuss versp├╝rte. Wuchtig wurde er zur├╝ckgeworfen und landete wieder in dem Dreck, leistete den Toten Gesellschaft. Seine Sicht war verschwommen und h├Âren konnte er nun gar nicht mehr. Nur noch dumpfe Ger├Ąusche und Explosionen vernahm er, als f├╝r ihn kaum noch zu sp├╝rende Vibrationen den Boden weiter erbeben lie├čen.
Eine W├Ąrme breitete sich auf seiner Brust aus, W├Ąrme die aus seinen Adern floss und hinaus in die Welt trat. Niemand konnte ihm helfen, als die kalte Hand des Todes sich nach ihm ausstreckte. Noch mit letzter Kraft wollte er sein Gewehr heben und auf die sich n├Ąhernden Schemen einen finalen Schuss abgeben. Seine Schw├Ąche verbarg dies und der letzte Funke seines Leben wurde schlie├člich von einem Bajonett auf ihm gepresst. Der letzte Moment der Klarheit offenbarte ihm das ver├Ąngstige Gesicht eines Feindes, ehe sein Blick f├╝r immer in die Dunkelheit verschwand.
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