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 Betreff des Beitrags: Dimicus Schreiberstübchen
BeitragVerfasst: So 12. Jun 2016, 22:40 
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Die Freien Völker (1) Schlüsselloch (1) Quasselstrippe (1)
Heyho liebe Leute! :)

Da ich einmal darauf angesprochen wurde und auch so es gar nicht so schlecht fände, würde ich gerne auch hier mit euch meine bisher verfassten Geschichten teilen. Dazu mache ich wie folgt eine Einteilung in zwei Threads. In diesem hier würde ich nur die Geschichten an sich posten (auch alle zukünftigen, die mein Gehirn irgendwie auskotzt), parallel dazu eröffne ich einen Thread für eure Gedanken, Diskussionen, Anregungen und auch Kritik dazu.

Da ich nicht viel mit Quatschen und palavern aufhalten möchte, kommt hier direkt meine neueste Kreation.




Reue


Leise und dennoch schnell atmend lehnte der junge Mann an der Ecke zum Gang. Jener Gang der zur Tür führte in dem sie festgehalten wurde. Mit der Kapuze tief ins Gesicht gezogen, spähte er um die Ecke und erkannte zwei der maskierten Männer die ihn von ihr trennten. Seiner großen Liebe und schicksalhaften Partnerin, nach der er sich so verzehrte. Sie hatten sie einfach mitgenommen, weggezerrt wie eine Puppe und in ihren Besitz genommen. Dafür sollten sie bezahlen.
Aus seinem Mantel zog er die Pistole samt des angebrachten Schalldämpfers, lud durch und spähte abermals um die Ecke in den Gang. Sie standen da wie versteinerte Säulen, ruhig und doch tödlich in sich selbst, wenn man sich nähern wollte. Es musste alles schnell gehen, alles was sie rufen oder tun könnten, würde sie in Gefahr bringen! Das durfte nicht passieren. Noch einmal atmete er tief durch, hoffte inständig sein Plan würde funktionieren und er schaffte es, sie aus den Klauen dieser Monster zu befreien.
Schlagartig sprang er aus seinem Versteck, visierte an und drückte ab, ehe der leise Schuss ertönte und die Kugel den Kopf des ersten Maskierten durchdrang. Keine Sekunde später, in dem der andere aufschreckte und bereits Alarm geben wollte, ereilte ihn das Gleiche Schicksal wie seinen Kameraden. Die Hände verkrampften sich, der Blick wurde trüb und er bekam fürchterliche Kopfschmerzen. Er hatte sie wirklich getötet … doch er durfte sich davon nicht aufhalten lassen! Für Reue war es jetzt zu spät und zudem waren sie Monster.
Eilend setzte er seinen Weg zur Tür fort, kam auch just dort an, wobei er über die Leichname stieg und in ihre weit aufgerissenen Augen blickte, die ihn leblos anstarrten, über ihn urteilten. „Ich musste es tun! Ihr habt es nicht anders verdient! Verdammte Monster!“, schrie er, kämpfte gegen die Kopfschmerzen an und hielt sich gerade noch auf den Beinen.
Doch nun war Eile geboten, die drinnen hatten ihn sicherlich gehört. Mit einem kräftigen Tritt gegen die Tür machte er ihren Plan sich zu verschanzen zunichte, als das Holz unter der Wucht zerbarst und der Weg zu ihr sich auftat. Da saß sie, gefesselt, geknebelt und übel zugerichtet. Ihr ging es schrecklich, man konnte es sehen. „Verdammte Monster, was habt ihr mit ihr gemacht!“ Sein Brüllen war markerschütternd, durchzogen von Verzweiflung und Wut. Seine Pistole schnellte nach oben, Tränen rannen über seine Wangen und zwei weitere Schüsse verließen den Lauf seiner Waffe. Beide trafen die beiden im Raum stehenden Männer, die gerade ihre Waffen zücken und das Feuer erwidern wollten. Ein Kopfschuss und einen Treffer in die Brust.
Der Eine sackte leblos zusammen, der Andere taumelte zurück und fiel schließlich zu Boden. Seine Kopfschmerzen wurden nur noch stärker, dazu breitete sich ein starker Schmerz in seiner Brust aus, sein Atem ging schwer, seine Sicht verschwamm. Doch nicht aufgeben! Er schnellte zu dem Überlebenden hinüber, presste ihm seinen Fuß auf die Brust und gab ihm schließlich den Gnadenschuss. Ein weiterer Stich in seinen Kopf.
Darauf fiel der Blick auf seine vollkommen verängstigte und geschundene Geliebte. Sie zappelte umher, versuchte sich aus ihrer Gefangenschaft zu winden. Unachtsam warf er seine Waffe weg, dieses Werkzeug des Todes landete in einer Ecke des Raumes und er näherte sich ihr. Zuerst löste er ihre Augenbinde, wobei ihre Augen nur noch größer wurden. Kaum geschah dies, fing sie fürchterlich an zu weinen, zappelte nur noch mehr und wollte nur weg. Er löste den Knebel, sie biss ihn dabei und er musste zurückweichen. „Lass mich in Ruhe!“, schrie sie ihn an. „Hau ab! Siehst du nicht was du angerichtet hast!?“ Sein Blick wurde glasig, er verstand nicht. „Aber i-“ - „Du Idiot verstehst es nicht, oder? Es ist alles deine Schuld! Nur deinetwegen bin ich hier, in dieser Hölle! Hau endlich ab!“ Ein Stich ins Herz, eisige Kälte breitete sich um ihn aus, was war hier nur los? Plötzlich vernahm er eine Regung aus dem Augenwinkel, einer der Leichen bewegte sich. Sie stand auf, die Augen leer und doch so grausam richtend auf ihn ruhend. Die zweite Leiche erhob sich, der selbe Blick und nachdem er Schritte hinter sich hörte, drehte er sich um, die anderen Beiden vor der Tür auch. Ihre Hände wanderten in der selben Bewegung und vollkommen simultan zu ihren Köpfen, sie umgriffen den Stoff ihrer Masken und zogen sie sich von ihren Gesichtern.
Seinen Gesichtern. Sie alle trugen seine Züge, seine Narben, seine Augen, seine Merkmale. Sie alle starrten ihn erbarmungslos an und machten ihn allein mit ihren Blicken nieder. Oder waren es doch seine? Er wusste es nicht. Panik erfüllt ihn plötzlich, er sackte in sich zusammen und brüllte. Doch aus seiner Kehle drang kein Laut, nichts ertönte als sie sich näherten und die Temperatur immer weiter in den Keller sank. Sein Atem wurde immer sichtbarer, seine Glieder wurden taub und seine Sicht schwärzte sich immer mehr. Schließlich griffen ihre Hände nach ihm, wollten ihn packen und da endete es.
Schweißgebadet wachte er in seinem Doppelbett auf, ein erstickter Schrei ertönte aus seiner Kehle. Es war nur ein Traum. Wieder dieser Traum. Sein Blick ging auf die andere Hälfte des Bettes. Sie war leer und gemacht, wie noch am Abend zuvor. Wie ein Stein ließ er sich zurück in seine Federn fallen, seine Glieder waren schwer, als die ersten Tränen seinen Wangen hinab liefen. „Oh, es tut mir leid. Für all den Balast der ich dir war, für all das was ich dir antat. Ich wünschte nur, ich hätte es besser machen können. Ich wünschte nur, ich hätte mich verändern können, um dir ein besserer Freund zu sein. Nun bist du fort. Warum habe ich es soweit kommen lassen?“

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimicus Schreiberstübchen
BeitragVerfasst: Do 16. Jun 2016, 15:10 
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Die Freien Völker (1) Schlüsselloch (1) Quasselstrippe (1)
Die Geduld


Schon seit ein paar Tagen wartete diese Gestalt dort, niemand ahnte dass er dort lag, geschweige denn dass sich überhaupt jemand seiner Anwesenheit bewusst war. Tief atmete der Mann unter dem tarnfarbenen Mantel ein, ein langer Stoß wich schließlich wieder aus seiner Lunge. Sein Atem kondensierte in der kalten Luft, formte warmen Dampf der aus seiner Nase drang.

Wie ihn die Aufträge wohl immer dort hin brachten? Er wusste es nicht. Letztendlich waren seine Auftraggeber ja auch dafür verantwortlich, wo er zu liegen und wie er seine Arbeit auszuführen hatte. Im kalten Schnee, unter einer weißen und dennoch warmen Plane versteckt, lag er, der Künstler der die schönsten Plätze in die Alpträume der Menschen verwandelte. Ruhig lag sein Zeigefinger auf dem Abzug, sein Auge erspähte wie jenes eines Adlers seine Beute. Das Fadenkreuz ruhte auf dem Eingang eines Gebäudes, ein Hotel. Dort gingen die ganz Großen aller Verbrechersyndikaten täglich ein uns aus, als ob dort jeden Tag eine Convention allein für die kriminellen Energien stattgefunden hätte.

Nicht dass er die Unschuld an sich wäre, so arbeitete er doch für einen dieser Kriminellen die nur die Konkurrenz ausgeschaltet haben und dessen Geschäfte übernommen haben möchte. Genau da kam er ins Spiel. Niemand kannte seinen richtigen Namen, einige nannten ihn Ninja, andere Schatten und wieder andere Der unerwartete Tod. Doch all diese Namen hatten eines gemeinsam: dort wo er war wurde sehr bald still. Wie ein Künstler der die präzisesten Striche auf einer Leinwand vollführte, nur das seine Farbe das Blut seiner Ziele war.​
Ein weiterer Atemzug, die Vögel zwitschern, inzwischen erhob sich die Sonne wieder anmutig über den Horizont, erzeugte ein wundersames Schauspiel zwischen den kahlen Ästen der Bäumen. Sanft wurde das Weiß des Schnees von den Lichtstrahlen erhellt, während alles wirklich sehr schön und faszinierend unschuldig wirkte. Geduld brauchte es, Geduld war eine Tugend und als ihm das seine Eltern damals beibrachten hatte er ihnen den Vogel gezeigt. Doch mittlerweile konnte er ihnen für diese Weisheit nur danken, denn ohne sie wäre er zu diesem Zeitpunkt nichts gewesen.​
Die Tür regte sich, nach langen Tagen des Wartens ruhte ein Fadenkreuz auf dem Kopf eines Geschäftsmannes. Krawatte, teurer Anzug, mit Haargel hoch gerichtete Haare. Dieses schmierige Gesicht eines Mannes, der nach außen hin Spenden für Krankenhäuser und die medizinische Forschung erbrachte, aber in der Hinterhand auf dem Schwarzmarkt mit menschlichen Organen und tatsächlich auch Sklaven handelte. Ein großer Markt und sein Auftraggeber meinte, dieser Mann habe dort lang genug mitgemischt. David Morgenstern. Internationaler Geschäftsmann, mehrfacher Millionär und Eigentümer der Health & Care Inc. Privatisiertes Gesundheitswesen war ein Graus und zu mal dieser Auftrag eine Menge Geld einbrachte, konnte jeder dabei gewinnen.

Da kam er also, mit seinem aufgesetzten Grinsen und seinem wichtigtuerischen Verhalten, grüßte die Presse und die Menschen um sich. Sie feierten ihn als einen Held, wussten nicht einmal ansatzweise über seine dunklen Geheimnisse Bescheid, ansonsten, wäre er wohl sehr schnell vom Fenster verschwunden. Nun war der große Moment des Künstlers gekommen, sein Gefühl für die Kugel, der Pinsel seiner Arbeit die er nun in dieses Meisterwerk stecken würde. Die Schulter wurde an das Gewehr gepresst, der Atem wurde langsamer, der Herzschlag milderte sich allmählich ab. Die freie Hand justierte das Zielfernrohr nach. Entfernung 637m, Windgeschwindigkeit 2km/h aus Nordwesten. Perfekt. Die Hand wandert zum Gewehr, stabilisiert es. Die Zeit hielt beinahe inne, das linke Auge geschlossen, das Rechte das Ziel fixierend. Langsam schritt er voran. Lief entlang auf dem Teppich der zu seinen Ehren ausgerollt wurde, nichtsahnend, unwissend, naiv. Für ihn ein Punkt, der nicht sichtbar auf seiner Stirn prangte.

Eins … Zwei … Pause … Eins … Zwei … Pause … Eins … Zwei … Pause … Eins … Zwei … Pause … Eines der wichtigsten Organe des Menschen, das Herz, das Pumpen, zwei Schläge, eine kurze Pause und darauf wieder zwei zusammenhängende Schläge. Zwei Schläge die alles ruinieren konnte. Doch nicht heute, eine Leinwand musste gefüllt werden. Eins … Zwei … Pause … Eins … Zwei … Pause … Eins … Zwei … Pause … Eins … Zwei … Schuss … Noch bevor der erneute Schlag einsetzen konnte, färbte sich die Kuppe des Fingers weiß, der Abzug zog durch und der Schlagbolzen traf auf die Rückseite der Patrone. Eine Kaliber .308 Geschoss wurde mithilfe des Schießpulvers aus der Fassung der Hülse gepresst, entlang des Laufes, ehe der bleierne Tode die freie Luft des Winters kennenlernen durfte. Der Knall ertönte, der Gewehrschaft seines L96 presste sich in seine Schulter. Kein Problem für ihn. Sein Auge blieb ruhig, schaute durch das Zielfernrohr auf sein Ziel. Nicht einmal eine Sekunde später geschah es. Eine rote Wolke trat hinter David auf, seine Augen weit aufgerissen, ein klaffendes Loch in seiner Stirn und schließlich auch in seinem Hinterkopf.

Noch während der Knall in seiner Umgebung verhallte, brach lautes Geschrei vor dem Hotel aus, Panik und Angst herrschten vor, als sich die Leinwand des Schattens mit dem Blute seines Opfers färbte. Stumm öffneten sie ihre Münder, sie schrien, rannten, suchten aus Panik Schutz hinter jedem Gegenstand den sie finden konnten. Doch niemand hatte es kommen sehen, alle waren sie unwissend und doch vollkommen ungefährdet. Seine Arbeit war getan. Die Hand eben noch am Abzug, ergriff sie schon im nächsten Moment den Repetierhebel, drückte ihn nach oben und zog ihn zurück. Beinahe ob sie sich darüber freuen würde sprang die Patronenhülse aus der Kammer, die einzige Patrone der Waffe die geladen war. Das noch heiße Stück Metall landete im Schnee neben ihm, brannte sich durch die Ansammlung von Flocken und ließ das gefrorene Wasser wieder ganz liquide werden.

Warum er das tat? Um diese Frage zu beantworten bedurfte es mehr als eine einfache Erklärung, doch einer der wichtigsten Gründe stellte sich für ihn wohl darin dar, dass seine Frau, trotz ihres eigenen, exotischen Geschäftes, ernährt werden wollte. Ein ungeborenes Kind schon bald eine Zukunft haben sollte. Nach jedem Schuss, nach jedem Treffer versprach er sich aufzuhören, doch was wäre ein Künstler der seine eigene Kunst verschmähte, sein eigenes Werk zerstörte? Nein. Man mochte ihn grausam nennen, ehrlos, kriminell, einen Gesetzesbrecher. Doch das was tatsächlich zählte, dass seine Frau und er leben, sein Kind gesund die Zukunft verbringen und der Gerechtigkeit genüge getan werden konnte. Wenn kein Richter ist, der nicht bestochen wurde, dann musste eine wesentlich freiere Hand etwas übernehmen, wofür die Meisten nicht in der Lage waren. Ein Kunstwerk zu erschaffen, Strich für Strich, Tropfen für Tropfen, Kugel für Kugel und Tod für Tod. Es blieb einzigartig. Sie nannten ihn verrückt, doch sind nicht alle Künstler auf ihre Art und Weise verrückt?​
Einer seiner Mundwinkel verzog sich nach oben, der Atem wurde normal, der Herzschlag ebenfalls. Nichts mehr konnte ihm von seinem Erfolg abhalten. Doch war nun Eile geboten, bald würden sie hier sein und alles untersuchen. Herausfinden wollen wie er seine Kunst vollführte. Dazu durfte es nicht kommen. Was wäre schon besonders daran, wenn man hinter das Geheimnis käme, die Vorhänge öffnete bevor das Stück überhaupt vorbereitet werden konnte? So weit durfte es nie kommen und aus diesem Grund nannte man ihn den Schatten. Keine Spur führte zu ihm, niemand entlarvte ihn, niemand sah ihn. Ein Virtuose, ein liebender Mann, ein fürsorglicher Vater, ein Mann der Gerechtigkeit brachte und dabei keinem System vertraute. Jener Mann kroch unter der Plane hervor, erhob sich und schulterte seine Waffe. Das Werk vollbracht, das Crescendo herbeigeführt. Wie er diese Bühne betreten hatte, so verließ er sie auch wieder. Still und heimlich.​

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimicus Schreiberstübchen
BeitragVerfasst: Mo 27. Jun 2016, 16:39 
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Die Freien Völker (1) Schlüsselloch (1) Quasselstrippe (1)
Ein einsamer Held



Im Leben eines Barkeepers und Besitzer einer Bar hatte man vieles zu tun. Rechnungen wollten bezahlt und die Gäste zufrieden gestellt werden. An sich war es ein hartes Leben, doch es hatte natürlich auch seine schönen Zeiten. Immer wieder lernte man neue Leute kennen, unterhielt sich mit ihnen über Gott und die Welt und verdammt, die Drinks die man mixen kann sind einfach nur der Hammer. Meine Eltern waren anfangs dagegen, sagten es sei unmoralisch und unethisch eine solche "Spelunke" wie sie sie nannten zu betreiben, doch ich genoss es einfach. Das Schöne daran war, dass ich einfach mein eigener Herr sein konnte, niemand schrieb mir vor was ich zu tun hatte oder wie ich mein Leben zu gestalten hatte. Die Erfahrungen die man in solch einem Leben machte, konnten beinahe als atemberaubend beschrieben werden. Vor allem die Menschen die dadurch meine Freunde wurden, bedeuten mir noch heute viel und wir unternahmen gern etwas und feierten auch gern noch nach der Sperrstunde. Mich konnte man durchaus als offenen und lebenslustigen Typen bezeichnen, der für jeden Spaß zu haben ist. Das Leben war einfach schön, so wie es war. Doch manchmal machte man natürlich auch seltsame, gar traurige Erfahrungen in solch einem Leben, doch man kam schnell darüber weg, schließlich ging doch das Leben weiter, oder? Natürlich tat es das, aber dennoch machte ich einst eine Erfahrung, die mich doch zum nachdenken anregte.
An einem Donnerstag, ich glaube es war gegen 23:42 Uhr, die meisten Gästen waren schon verschwunden und im Normalfall machte ich auch um 24 Uhr die letzte Runde, sofern meine Freunde nicht wieder spontan anriefen und mich nach einem Lokal für eine Party fragten. Nur noch ein paar Männer die schon seit zwei Stunden da saßen und angeregte Diskussionen führten, hielten sich an ihrem Stammplatz auf. Sie kamen häufig in meine Bar, waren aber gute Kerle. Jedenfalls schwang um diese Uhrzeit plötzlich die Tür zum Schankraum auf, ein weiterer Gast betrat mein Lokal, doch sein Auftreten jagte mir einen Schauer über den Rücken. Während er sich mit gesenktem Blick auf den Tresen zu bewegte, musterte ich ihn eindringlich. War er ein Räuber? Auf den ersten Blick schien er so. Komplett in schwarz gekleidet. Schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt und einem schwarzen Ledermantel, welcher bis knapp unter seinen Kniekehlen hing. Seine Statur war wirklich schmächlich, dürr, ausgemergelt. Diese Worte passten wohl am besten. Einige Versuche später sein Gesicht zu erblicken, schaffte ich es schließlich auch. Sein Gesicht glich quasi seinem Körper. Es war von tiefen Furchen durchzogen, besonders um den Augen herum, als ob er kaum Schlaf bekäme oder von Leiden gezeichnet war. Doch was mich dann wirklich erschrak war, als er meinem Tresen wortlos Platz nahm und schließlich seinen Kopf hob. Seine Augen. Sie waren womöglich einmal voller Lebensfreude, Wärme und Zuversicht. Doch jetzt? Neben ihrer schon natürlich hellblauen Farbe war dort nichts mehr zu erkennen. Leblos starrte mich der Typ mit dem wüsten schwarzen Haar an, ehe sich ein eher geqäultes Lächeln auf seine Lippen stahl. "Ein Glas Whiskey bitte.", ertönte es plötzlich in einer rauen Stimme, allein schon der Unterton sagte das Gleiche aus wie seine Augen. Wie alt er wohl war? 42? Ich schüttelte aufgrund dieser Frage kaum merklich den Kopf und kam den Wunsch des Kunden nach, füllte ein Whiskeyglas mit Eiswürfeln und dem entsprechenden Getränk, ehe ich es zu ihm hinüber schob. "Das ist die letzte Runde heute.", entgegnete ich ihm, er nickte darauf nur und nippte an dem Glas. Dabei beließ ich es einfach, kümmerte mich weiter um den Abwasch des Tages und kassierte meine Stammkunden ab, die sich für die Getränke bedankten. Sie hinterließen mir sogar ein anständiges Trinkgeld. Nette Leute. Jetzt war ich aber mit diesem Typen in einem Raum, allein und es wäre die perfekte Gelegenheit für ihn gewesen einfach eine Waffe zu ziehen und mich auszurauben. Doch entgegen jeder meiner Erwartungen passierte nichts. Er saß einfach nur da, schaute missmutig in seinen Whiskey und nippte hin und wieder daran. Ein echt seltsamer Kerl. Nachdem dies nun stolze 10 Minuten so ging, entschloss ich mich doch irgendwas zu machen. Die Musik aus den Boxen im Hintergrund untermalte förmlich nur die bedrückte Stimmung die in diesem Moment diesen Raum beherrschte. Es war ein äußerst seltsames Gefühl.
Langsam und vorsichtig schritt ich zu ihm hinüber, von der anderen Seite der Bar musterte ich ihn noch einmal eindringlich. Irgendwas stimmte dort nicht, das wusste ich. Doch nur was. Er allerdings ließ sich offenbar gar nicht erst davon beeindrucken und kümmerte sich nur um sein Getränk. Was wohl passiert wäre, hätte ich geschwiegen und ihn wortlos ziehen lassen? "Ich habe Sie hier noch nie gesehen. Wie ist Ihr Name?", durchbrach ich dann die Stille. Einige Sekunden vergingen, es schien beinahe so, als ob er damit rang mir zu antworten. Unerwartete aber willkommen erhob er aber dann doch hinauf, suchte meinen Blicke. Diese Augen waren einfach unheimlich. "Mein Name? Er spielt keine Rolle." Mit doch sehr verwunderten Blick schaute ich ihn dann an. Was war denn mit ihm falsch? Und warum machte es mich umso neugieriger? Er senkte darauf wieder seinen Blick und verlor sich in seinem Whiskey. Das konnte ich nicht hinnehmen. Definitiv war er kein Räuber, so viel stand fest. Ich zog meinen Hocker den ich immer hinter der Bar aufbewahrte zu mir, direkt ihm gegenüber und setzte mich. "Sagen Sie, sind Sie neu in der Stadt?" - "Man kann es so nennen." Diese Antwort verwirrte mich umso mehr, dieser Wortluat konnte einiges bedeuten. "Das nehme ich mal als ein Ja. Gut. Mein Name ist Jonathan. Einige nennen mich auch Johnny." Vielleicht half es ja, ein wenig Smalltalk zu betreiben, um die Zunge des Fremden ein wenig zu lockern. Doch alles was ich zu hören bekam, war ein gleichgültiges "Schön". Ich seufzte. War es denn so schwer zu reden? Für diesen Typen scheinbar schon. "Also, was führt Sie hierher?", fragte ich schließlich hintendran. Mal wieder vergingen einige Sekunden des Schweigens, er nahm nur das Glas in die Hand, schüttelte es hin und her, beobachtete dabei die Flüssigkeit wie sie es dem Trinkgefäß gleich tat. "Nichts wirklich." Eine Antwort die genauso unbefriedigend war, wie jede andere zuvor. Noch lauter seufzte ich auf, entschied mich dann es einfach bleiben zu lassen. "Ich geb's auf.", murmelte ich vor mir her und erhob mich wieder von dem Hocker, den ich extra dorthin bewegt hatte. Nicht das es ein großer Kraftaufwand war, aber irgendwie ging dieser Mann mir allmählich auf die Nerven. Da kam man ihm schon entgegen und trotzdem war aus dem nichts heraus zu bekommen. Ein hoffnungsloser Fall eben. Da drehe ich mich doch gerade um und wollte mich wieder meiner Arbeit widmen, da ertönte es plötzlich: "Das habe ich in meinem Leben häufig genug getan. Manchmal an den falschen Stellen. Naja, was soll's. Das Leben geht weiter, nicht wahr?" Etwas überrascht drehte ich mich zu dem Fremden um. Hat plötzlich ein Schalter in ihm umgelegt, dass er schlagartig so gesprächig ist? Da offenbar gerade irgendwas mit ihm passiert war, entschied ich mich doch umzudrehen und ihm zuzuhören. Also setzte ich mich ihm wieder gegenüber, schaute ihn fragend an. Er hingegen hatte sein zuvor eher schwaches Lächeln wieder aufgelegt und blickte mich mit diesen leblosen Augen an. "Was meinen Sie?", fragte ich schließlich. Man konnte die Situation ja ausnutzen und ihn ausfragen. Er zuckte nur mit den Schultern und lachte leise auf. "Naja, Sie wissen schon. Genauso wie sie es gerade aufgeben wollten, mit mir zu sprechen, weil ich offensichtlich nicht der Gesprächsigste bin. Sie haben eine Entscheidung getroffen und zwar jene, mich gehen zu lassen. Klar, wir kennen uns nicht und das soll auch kein Vorwurf sein, dennoch hätte ich jetzt einfach verschwinden können. Ich habe es aber nicht getan. Entscheidungen, wissen Sie? Das Leben ist voll davon, dass müssten sie ja auch gut wissen." Natürlich hatte er damit Recht, doch warum sprach er das Offensichtliche, welches beinahe alltäglich ist? Doch bevor ich ihm überhaupt eine Gegenfrage stellen konnte, fuhr er fort: "Die meisten Menschen sind sich ihrer Entscheidungen nicht bewusst, nicht bewusst das sie täglich solche treffen und die Freiheit besitzen das auch tun zu können. Es ist eine Selbstverständlichkeit, die heute nicht mehr geschätzt wird. Ist Ihnen denn überhaupt noch Ihre Freiheit bewusst?" Diese Frage, das musste ich zugeben, kam sehr überraschend. Natürlich habe ich eine Menge Entscheidungen in meinem Leben getroffen und meine Wahl stets hinterfragt. Doch zu hinterfragen, dass ich überhaupt eine Wahl habe? Das ich frei bin? Nein, das hatte ich nie getan. Tatsächlich legte ich keinen Wert darauf zu wählen, weil ich nie wirklich eben diesen erkannt habe. Ich habe es als gegeben hingenommen. Ich schüttelte mit dem Kopf. "Nein, um ehrlich zu sein nicht. Es spielt doch auch keine Rolle, schließlich haben wir die Möglichkeiten unser Leben zu genießen, zu wählen was wir tun wollen und was nicht.", entgegnete ich schließlich. Nachdenklich nahm mein Gegenüber einen weiteren Schluck aus seinem Glas. Was wohl gerade in seinem Kopf vorging? Langsam öffneten sich seine Lippen wieder, setzten zu einer Antwort an, die offenbar immenoch in seinen Gedanken zum Abschluss kommen musste. "Sehr interessant. Wissen Sie, einst habe ich auch einmal so gedacht. Ging davon aus, dass das alles was wir haben nun einmal selbstverständlich ist und uns nicht genommen werden kann. Natürlich können wir die ein oder andere Sache verlieren, aber selbst wenn es nur ein Stuhl ist, machen wir unser Recht davon Gebrauch, um einen neuen zu bekommen. Das funktioniert mit allem. Gegenstände, Geld, einem Eigenheim. Doch gibt es eine große Ausnahme. Sie wissen sicher, was ich meine, oder?" Etwas verunsichert blickte ich ihn an. War das etwa eine Fangfrage? Doch es lag ganz auf der Hand , was eigentlich gemeint war. Das Einzige was nicht ersetzbar war.
"Lebewesen." Wieder machte sich das Lächeln auf den Lippen des Mannes breit, woraufhin er zustimmend nickte. Insgeheim war ich froh, dass ich richtig lag. Seltsam, dass er solch eine Faszination auf mich ausübte. "Genau.", bestätigte er schließlich noch einmal, ehe er an seinem Glas nippte. Im nachdenklicheren Ton erzählte er schließlich weiter: "Lebewesen, ich möchte vor allem auf Menschen hinaus, sind unersetzbar. Lassen Sie sie niemals aus ihrem Leben gehen, es sei denn es ist notwendig." Zustimmend nickte auch ich, an sich war das ja offensichtlich, aber auch einer der Dinge die eigentlich eher selbstverständlich ist. Nur selten hatte ich einen Menschen gehen lassen. Worauf wollte er also genau hinaus? "Das ist klar." Meine Zustimmung klang etwas abwertender als gewollt, aber ich hatte es nicht so gut im Griff. Trotz der Faszination die er auf mich gelegt hatte, nervte soetwas. Allmählich wurde ich ungeduldig, schaute einmal zur Uhr. Es war schon zwei nach zwölf. Doch seine nächsten Worte lösten diese Ungeduld auf, verursachten wieder Neugierde. "Doch jeder Mensch hat eine Bestimmung. Einige sagen, sie müssten die größten Leistungen vollbringen, andere am berühmtesten werden, wiederum andere der Menschheit helfen. Bevor ich mich jetzt großartig erklären muss, ich bin der letzte dieser Drei. Von solchen 'Bestimmungen' gibt es eine Menge. Offensichtlich haben Sie Ihre bereits gefunden. Das freut mich, wirklich. Schauen Sie einmal hoch zum Fernseher." Verwundert blickte ich nach oben zu dem Fernseher den ich einmal dort aufgehangen hatte und meistens darauf nur Sportprogramme liefen. Im Moment waren Mitternachtsnachrichten am Laufen. Sie revidierten über die Geschehnisse des Vortages und aktuell war dort eine Frau zu sehen, die einen Preis in der Hand hielt. Um genauer zu sein handelte es sich um DIE Autorin schlechthin, ihre Bücher waren international berühmt und verkauften sich extrem gut. Dazu war sie bildhübsch, hatten einen ebenso attraktiven Mann zur Seite. Sie hatte wohl an dem Donnerstag den Bestsellerpreis gewonnen. Stolz hielt sie das gute Stück in die Kamera und stumm bewegten sich ihre Lippen. Vermutlich eine Dankesrede. "Sie hat ihren Traum verwirklicht, lebt ihn förmlich. Sie hat Familie und konnte all das erreichen was sie schon immer anstrebte. Würden Sie glauben, ich kenne die Frau? Mehr als gut." Mit zusammen gezogenen Augenbrauen und ungläubigen Blick begutachtete er den Fremden. Das konnte nicht sein. Nicht so ein Typ wie er. Ich brauchte gar nichts zu sagen, er bekam meine Reaktion schon anhand meines Gesichtsausdruckes mit. Ein erneutes, wissendes Lächeln von ihm. "Dachte ich mir. Ich half ihr in den schwersten Stunden, habe sie getragen und gestützt wo ich nur konnte. Manchmal frage ich mich, wo sie heute wäre, wenn ich nie gewesen wäre. Und heute? Sie würde mich nicht einmal mehr erkennen." Die allgemeine Stimmung im Raum sank allmählich in den Keller, nahm sehr melodramatische Züge an, so wie es sich entwickelte. Vorsichtig fragte ich schließlich: "Was ist passiert, das es soweit kam?" Er schüttelte nur mit dem Kopf, als ob ich etwas falsch gemacht hätte. "Die bessere Frage lautet, warum ich es habe soweit kommen lassen. Sie ist ja nur eines von vielen Beispielen. Ein Mensch braucht Hilfe, ich trete in sein Leben, gewinne sein Vertrauen und baue ihn wieder auf. Wenn er dann glücklich ist, alles hat und kann was er braucht, benötigt er keine Stützräder mehr. Ich werde nicht mehr gebraucht und habe meinen Zweck, meine Bestimmung erfüllt. Also gehe ich. Jedes Mal. Immer und immer wieder. Es verändert einen. Deshalb erkennt man mich meist nicht wieder. Es geht mir nicht um mich selbst, oder meinen persönlichen Vorteil. Darum ging es noch nie. Jedes Mal aber, wenn ich gegangen bin, ist nie jemand auf die Idee gekommen mich aufzuhalten. Damit fühlte ich mich in der Sache nur bestätigt. Egal wie sehr mir diese Menschen ans Herz wuchsen, ich ließ sie gehen. Sie hatten ihr Glück." Damit endete seine Ansprache, die er mit dem letzten Schluck seines Whiskeys untermalte. Dann blickte er ein letztes Mal zu mir auf, eher er mir höflich zunickte und einen 20€-Schein auf den Tresen legte. Es endete plötzlich so abrupt, ich wollte etwas sagen, doch als ich meine Lippen öffnen wollte, schüttelte er nur mit dem Kopf. Das Glas mit dem Whiskey kam eigentlich nur 6€, doch er gab schließlich nur noch ein kurzes "Stimmt so." von sich, als er auch schon wieder mein Lokal verließ. Er ließ mich einfach zurück, mit so vielen Fragen in meinem Kopf. Wer war er? Wo kam er her? Vollkommen perplex widmete ich mich wieder meiner Arbeit, aber dieser Besuch wollte mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Doch auch ich wollte wieder nach Hause, endlich ins Bett. Also spülte ich noch schnell alle Gläser, säuberte Tische und den Tresen, sowie meine ganzen Geräte. Als ich allerdings den Boden wischte, fiel mir ein Stück Papier auf dem Boden auf, genau dort wo dieser seltsame Mann gesessen hatte. Es war ein zusammengefaltetes Blatt Papier. Ich hob es auf und legte es erst einmal auf den Tresen und beendete meine Arbeit. Nachdem nun alles erledigt und ich bereit für den Heimweg war, griff ich mir noch eben jene Notiz und faltete sie auseinander. Da stand etwas geschrieben, das mir einen eisigen Schauer über den Rücken jagte. All das was er mir erzählt hatte. Es hatte einen Grund. Der Inhalt der Nachricht lautete:


Lieber Jonathan,

ich habe erwartet, dass du mich nicht erkennen wirst, wenn du mich siehst. Oder meine Stimme Erinnerungen in dir wach ruft. Doch es freut mich, dass du es zu etwas gebracht hast, dein Leben so führst wie du es dir schon immer gewünscht hast. Ich bin stolz auf dich. Mach weiter so.

Gezeichnet
dein Freund vergangener Tage
Noah

Lebe wohl



Jetzt ergab alles einen Sinn. Einen noch größeren Sinn. Noah war mein bester Freund, ihm vertraute ich mehr als jeden anderem Menschen. Für mich war er ein Familienmitglied. Wir kannten uns drei Jahre lang, bis zum meinem 24. Lebensjahr. Man diagnostizierte bei ihm eine schwere Depression, unter der er aber wohl schon seit seiner Kindheit gelitten hatte. Eines Tages verschwand er aus meinem Leben, ich habe ihn vergeblich gesucht. Doch der Tag an dem er verschwand – war der selbe Tag an dem meine Bar zwischenzeitlich gut lief und ich endlich auf eigenen Füßen stehen könnte. Er hatte mich bis zu diesem Zeitpunkt immer begleite, mir in den ***** getreten wenn ich stur war und mir aufgeholfen wenn ich nicht mehr weiter wusste. In meinen Augen war er ein Held. Zuerst dachte ich, er wollte aus heiterem Himmel nichts mehr mit mir zu tun haben, konnte mir nie einen Reim daraus machen warum, habe es aber dabei belassen. Doch jetzt verstand ich, was er wirklich wollte. Noah wollte, das man ihn aufhielt, wenn er gehen wollte. Noch nie hatte er dieses Gefühl auf Dauer empfinden können, doch warum ist selbst mir bis heute ein Rätsel geblieben. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als gebraucht zu werden und eine Hand die ihm am Verlassen hinderte.

Noch in der selben Nacht erhielt ich einen Anruf von der Polizei, man hatte versucht in meine Bar einzubrechen und mir meine Geldkassette mit allen Einnahmen der Bar für einen Monat zu stehlen. Wäre dies den Dieben gelungen, hätten sie mir einen immensen Schaden eingebrockt. Laut Augenzeugen hat ein in komplett schwarz gekleideter Mann sie aufgehalten und außer Gefecht gesetzt. Kurz nachdem hatte er wohl die Polizei gerufen und die Diebe konnten in Gewahrsam genommen werden. Noah hatte es schon wieder getan. Ohne etwas dafür zu verlangen oder an seine Sicherheit zu denken. Er wollte mich nur beschützen. Er war ein einsamer Held.

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Leben und Tod


Was mache ich hier eigentlich? Wie ist es eigentlich so weit gekommen? Fraglich ist es schon, wenn man mal bedenkt, wie ich hier sitze, mit meinem Whiskeyglas und einer geladenen Pistole vor mir auf den Tisch. Eine Glock 18, interessante Bausweise, wenn man will kann sie sogar automatisch schießen und mäht damit eine ganze Horde von Menschen nieder. Es ist immer sehr interessant, wie wir Menschen Dinge erschaffen, die nur dazu da sind, um unsere eigene Spezies auszulöschen. Elegant wie es wohl die einen, geübt wie es die anderen sagen würden, ziehe ich den Schlitten der Waffe einmal zurück und mir springt eine Patrone entgegen, die sofort mit einem metallischen Klimpern auf den Tisch fällt. Mit einer Hand greife ich zu meinem Glas, schütte mir den Rest dieses ekelhaft brennenden Zeugs in meine Kehle, ehe ich auch den Rest davon aus der Flasche ins Glas befördere, nur um es wieder zu füllen, mich weiter mutig zu stimmen und nicht wieder wie ein Feigling den Rückzug anzutreten.
Nein, dieses Mal nicht. Unzähligen Kämpfen bin ich aus dem Weg gegangen, bin abgehauen, weggelaufen. Doch ich bin des Rennens zu müde und zum Kämpfen zu schwach. Mich dem einfach hingeben, es trotzdem versuchen? Ja, ja das will ich tun. Dieses Mal wird mich nichts aufhalten. Es ist schon interessant, oder? Wie ich dieses kleine metallene Dinge, das wir Menschen Patrone tauften, einfach so in der Hand halte. Es sieht so unbedeutend aus, so klein, so harmlos. Und doch ... hmpf ... es entscheidet über Leben und Tod. Zwei Dinge die sehr nahe beieinander liegen, näher als man manchmal anzunehmen vermag. Es braucht nur einen Lauf, einen kräftigen Schlag auf die Rückseite dieser Patrone und schon wandelt sich Leben schnell in Tod. In nicht einmal einer Sekunde kann dieses kleine Ding etwas Großes zerstören, etwas wundervolles. Viele sagen es sei das größte Wunder, das Leben. Wie unwahrscheinlich es doch ist, dass wir überhaupt existieren. Doch sitzen wir hier und philosophieren über den eigentlichen Sinn des Lebens, machen uns einen Kopf darum, wieso es uns gibt. Ja, wir Menschen hinterfragen immer, wollen gar nicht einsehen, dass nichts ohne Grund passieren kann. Es heißt ja Aktio – Reaktio. Auf jede Aktion, auf jede Handlung, auf jedes Geschehnis. Kippt ein Sack in China rum, ja, dann gibt er ein dumpfes Geräusch von sich. Furzt eine kleine Maus kann sie vermutlich der Jäger riechen. Jagd man einen Menschen eine Kugel in den Kopf, stirbt er. Aktio – Reaktio. So einfach ist das. Warum sollte also etwas gegeben sein, etwas ohne Grund passieren? Wieso sollte unsere Existenz nicht einfach gegeben sein, nicht einfach ein glücklicher Zufall? Das Leben an sich?


Weil es immer einen Grund gibt.


Doch genau dieser Grund entzieht sich jedem Menschen. Nicht wie wir entstanden, sondern warum wir existieren. Eine prinzipielle Frage, die sich viele stellen und die niemand wirklich beantworten kann. Das Leben – ist sinnlos. Erst dessen Inhalt füllt ihn mit Sinn, die Dinge die wir in einem Leben erleben, erfahren, spüren. Solche Dinge geben dem Leben einen Sinn, nicht die ewige Suche danach, nicht der ewige Kampf den wir alle in uns tragen und manche von uns verlieren. Gefühle. Erlebnisse. Erfahrungen. Wir alle machen sie und schätzen sie selbst als etwas ein, was ein Teil von uns ist. Rein objektiv sind es Geschehnisse, erst unsere Gefühle machen sie zu dem, was sie letztendlich sind: Erinnerungen. Manche schön, manche traurig, manche liebevoll, manche hasserfüllt. Die Liste ist beinahe endlos, kann mit jedem Gefühl dieser Erde gefüllt werden.
Doch ... manche Menschen schaffen es nicht mehr. Manche Menschen haben schon genug für ein gesamtes Leben gefühlt. Ich bin einer von ihnen. Einer von denen, deren Sinn des Lebens viel zu früh endete. Die nur noch funktionieren, die nur noch dazu leben um zu sterben. Dieser Zustand, diese Leere ist ein ewiges Grab, als ob man lebendig begraben ist, ohne eine Möglichkeit je wieder hinaus zu kommen. Nur hat jeder die Wahl, habe ich die Wahl, mich damit abzufinden, einen sinnlosen Kampf zu kämpfen oder aber dem letztendlichen Zweck entgegen zu treten. Der Tod ist etwas, wovor die meisten Angst haben. Ist er schmerzvoll? Ist er gar endgültig? Viele stellen sich solche Fragen, haben Angst vor etwas natürlichem, das aber nicht einmal das Grausamste auf unserem Planeten ist. Ganz im Gegenteil, manchmal ist der Tod das Barmherzigste, was man einer armen Seele gönnen kann. Dieser Kampf, die Angst davor, dieses Mal laufe ich nicht weg. Nein. Der Alkohol sorgt dafür, dass ich ruhig bleibe, meine Hände zittern nicht einmal. Was man wohl denken wird, wenn man mich irgendwann findet? Ob es jemanden auf dieser zerrütteten Welt gibt, der mich vermisst? Diese Gedanken entlocken mir nur ein Schmunzeln, viel zu persönlich denke ich über eine unpersönliche, allgegenwärtige Sache, die uns alle so oder so betrifft, egal wie lang wir es hinaus zögern. Die Menschen haben Angst davor, haben Angst vor den ungeklärten Dingen des Todes, die Schwärze die uns erwartet. Niemand weiß was uns erwartet. Doch ich weiß es, für mich. Es bringt Frieden. Endgültig. Also sitze ich hier und spiele mit dieser Pistole, mich nicht wirklich für den richtigen Zeitpunkt entscheiden könnend. In fünf Minuten? In einem Monat? In einem Jahr? Oder doch lieber jetzt? Ich könnte so vielen Menschen noch helfen, ihnen zeigen wie es sich lohnt weiter zu leben, obwohl ich für mich bereits abgeschlossen. Paradox. Auf eine gewisse Weise. Doch wer predigt, dass man keinen Zucker essen sollte, sollte zuerst selbst aufhören Zucker zu essen.
Schon interessant wie man nach solchen Regeln leben will, sie aber von Tag zu Tag bricht, als ob sie nichts wären. Wie oft man Menschen hilft, wie oft man Menschen Tipps und Rat gibt, die man selbst nie befolgen würde, auch wenn es die richtigen Dinge sind. Es sind eben jene die helfen ohne auch nur ansatzweise selbst Hilfe zu beziehen, die hilflosen Helfer, die einer Mission folgen. Jene die viel tun und am wenigsten Anerkennung bekommen. Jene, die die Menschen schützen und begleiten, manchmal ohne das sie es überhaupt merken. Ich bin ehrlich, nicht immer war ich so jemand, nicht immer bin ich dieser Mission nachgekommen, doch ich gab mein Bestes um den Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen, um ihnen Halt und Trost zu geben. Nun habe ich alles gegeben was ich hatte, jedem still geholfen, der die Hilfe brauchte. Mein Zweck ist erfüllt, meine Bestimmung. Allein das zählt jetzt, nichts anderes mehr. Nicht einmal meine letzten Gedanken, meine letzten Worte, die ich zu den letzten Menschen sprach, die ich sah.
Mein Leben lang habe ich versucht das Richtige zu tun, habe oft versagt, habe für die Dinge gekämpft, die ich beschützen wollte, musste aber dennoch jedes Mal mit ansehen, wie sie am Ende doch zu tausenden Scherben zersprangen. Vielleicht nicht immer ihres, aber immer meines. Mein Leben, dass sich Stück für Stück mit dem Boden und Dreck vereinte. Bis schließlich nichts mehr übrig blieb, nichts mehr, was noch zu geben ist, nichts mehr, wofür es noch einen Grund gäbe.

"Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt."

- Bertolt Brecht

Manchmal tun wir so viel Gutes in unserem Leben, das unbeantwortet bleibt, das Gute, das nie wirklich für uns gut ist, das wir zwar viel bewegten, aber nur in dem Kopf anderer. In den Leben anderer. Schon viel musste ich von Menschen Abschied nehmen die ich liebte, Menschen die vielleicht nie damit rechneten das ich plötzlich verschwand, doch war ich plötzlich weg. Zuerst aus ihrem Umfeld, dann aus ihren Kontakten und schließlich aus ihren Köpfen. Es ist gut so, denn ich habe vieles gut gemacht, wenn ich es behaupten darf. Sie leben ihre Leben, glücklich, ohne mich. Das ist gut. Niemand sollte mich vermissen, niemand sollte um mich trauern. Denn ich bin es nicht wert. Man nannte mich einst einen Helden, einen einsamen Helden. Unglaublich wie sich alles verändern kann.
Nachdem ich nun endlich verschwunden bin, aus den Köpfen aller die ich liebte, endet mein Reise. Der Pfad meines Lebens, das Buch das ich schrieb, endet hier. An diesem Ort, an einem Schreibtisch, mit angetrunkenem Mut, den ich anders nie zustande gebracht hätte. Das Letzte was ich spüren werde ist der Lauf einer Pistole an meiner Schläfe, das Letzte was ich hören werde ist der Knall, vielleicht nur für einen Bruchteil einer Sekunde, doch er ist da. Das Letzte was meine Augen erblicken werden ist der helle Vollmond, wie er durch das Fenster meiner Wohnung scheint. So wie mit dem Urknall die Existenz unseres Universums entstand, endet meine mit dem Knall einer Pistole. Frieden, der Frieden erwartet mich...

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimicus Schreiberstübchen
BeitragVerfasst: Di 5. Jul 2016, 21:53 
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Eiskalt


Das Knirschen des Schnees unter seinen Stiefeln verbunden mit den kalten Winden, die die vom Himmel herabschneienden Flocken sanft tänzeln ließen, ergaben ein sinniges Bild, dass nicht hätte ruhiger sein können. Zumindest wenn man nicht taumelte und die Schritte immer schwerer wurden, die Glieder stets immer mehr ihren Dienst verweigerten. Ein schmerzerfülltes Stöhnen entglitt der Kehle des Mannes, seine rechte Hand presste fest auf den blutdurchtränkten Stoff seiner Jacke. Das Loch darunter war tief, ließ immer mehr Blut seines Körpers nach außen treten. Sein Atem formte sich zu warmen Wasserdampf, der durch die Stoffmaske drang, die ihn zuvor wärmen sollte und doch nun ihren Zweck kaum erfüllen konnte. Die Haut die seinen Körper umspannte, eigentlich dick eingewickelt von Stoff und schützenden Materialien, nahm keine Wärme mehr auf, die Kraft fehlte ihr, genau wie sein roter Lebenssaft aus seinem Kreislauf zu schwinden drohte.
“Nicht mehr … weit …”, erzählte er sich selbst, blickte gerade aus, als er den immer näher rückenden Eingang des Bunkers sah, der seine Heimat darstellte. Diese Welt, zerstörter und heruntergekommener wie sie sie noch nie zuvor war, hatte die Menschheit, ihre Peiniger, zugrunde gerichtet. Ein faires Schicksal für die Menschen, jener Menschen die sich der junge Constantine anzuschließen drohte. War denn alles bisher umsonst, hatte er so lang überlebt, nur um jetzt an einer mickrigen Verletzung zu sterben? Soweit wollte er es auf keinen Fall kommen lassen, einem verdammten Hurensohn das Recht geben, ihm eine Kugel in den Bauch zu jagen und darauf hin wie elender Köter zu verrecken. Es fehlten nur noch wenige Schritte in seine Sicherheit, die stählerne Tür des einst verlassenen Bunkers den er sein Zuhause nannte. Seine von einem Lederhandschuhe umschlossene Hand reckte sich nach dem mechanischen Schloss der Tür, ein Zahlenschloss welches er damals mühsam geknackt hatte. Wie war sein neuer Code? Seine Rechte griff zu ersten Drehscheibe, drehte sie, seine Muskeln zuckten wild unter den Schmerzen, ein Konzentrieren war kaum möglich. “4 … ähm, ja genau! 4 - 8 - 1 - 0 - 5 !”
So schnell es nur möglich war, versuchte er eine Zahl nach der Anderen in ihre Position zur rücken, dabei hielt er den Großteil seines Körpers vor die Zahleneingabe, um sich zu vergewissern, dass selbst ein Späher oder Scharfschütze nicht seine Kombination von Weitem erspähen konnte. Nach und nach zeigten die Drehscheiben die richtigen Zahlen in der richtigen Reihenfolge. Gerade als er die letzte Zahl festlegte, ertönte ein lauter Knall und ein scharfes Surren zog an seinem linken Ohr vorbei, neben dem sich schließlich ein bleiernes Geschoss in die Stahlbeton zu bohren versuchte, jesoch kläglich versagte. Constantines Herz setzte beinahe aus, als er merkte dass ihn dieses Arschloch verfolgt hatte. Der Wald um ihn herum hatte ihm Schutz geboten, doch vermutlich war es aufgrund des hohen Schnees und der offensichtlichen Blutspur auf dem Boden ein Leichtes, ihn zu verfolgen. Warum war er auch so naiv und ging davon aus, man hätte ihn nicht verfolgen können?
Doch aus irgend einem Grund fiel kein weiterer Schuss, obwohl genug Zeit war, nichts passierte, nur das Heulen des Windes leistete ihm Gesellschaft. Der tote Wald um ihn herum schien wieder still, kein weiteres Geräusch schien sich auszubreiten. Doch der angeschlagene Mann wollte darüber gar nicht weiter nachdenken, stattdessen schlüpfte er durch die Bunkertür, die sich vor ihm geöffnet hatte, und zog sie wieder hinter sich zu. Das stumpfe Knallen erfüllte die Gänge vor ihn, als er das schwere Schloss schließlich sich verriegeln hörte, wusste er, dass er in Sicherheit war. Die schweren Schritte seiner gefütterten Stiefel hallten von den Wänden ab und mit einer Hand stützte er seinen Körper an ihnen ab. Jetzt musste er nur noch zu seinem Vorratsraum, Verbandszeug und Wasser, dann konnte er schon wieder werden, das wusste er genau, als er die blutende Wunde in seinem Bauch sah. Nichts was man nicht wieder hinbekommen konnte und mit dieser Zuversicht führten ihn seine schwachen Beine auch. Die Lichter über ihn erstrahlten und erloschen dank der Bewegungsmelder, je nachdem wo er sich befand. Ein nettes Gimmick was seine vorhergehenden “Mieter” ihm hinterlassen hatten. Genau so wie der Generator mit einem großzügigen Treibstoffvorrat.
Nach weiteren Schritten in Richtung seiner Erlösung, kam er schließlich an der Tür zu seinen persönlichen Rationen und medizinischen Gütern an. Die einfach Metalltür gab unter leichtem Druck nach und offenbarte den Raum - und den Lauf einer Pistole, direkt in sein Gesicht gerichtet. “Willkommen Zuhause, Pisser!”, sagte ein älterer Mann und zog den Abzug durch. Ein Knall ertönte und mit diesem, umschloss Constantine die endgültige Kälte. Seine Geist zerstoben in alle Richtung und entsandt in die ewige Finsternis...

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimicus Schreiberstübchen
BeitragVerfasst: Di 19. Jul 2016, 19:32 
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Unfähig

Wild zuckten die Blitze auf dem Monitor hin und her, in den buntesten Farben fand dort, ein virtueller Krieg statt, der nicht real war. Die Waffen wurden gezogen, aufeinander gerichtet und die künstlichen Abbilder von Menschen wurden getötet, zum Spaße und Belustigung der Spielergemeinde. In den Chats stritten sie sich, wer der Bessere sei, wer die größeren Eier und Skills hätte. Alle in diesem Wettbewerb versunken, der nichts weiter als Reflexe, eine gute Hand-Augen-Koordination und in manchen Fällen sogar Teamwork benötigte. In diesem gesamten Chaos saß schließlich eine Person, unter den ganzen Menschen die sich miteinander messend um den ersten Platz kämpften. Eine Person die dazu neigte, ganz unten zu stehen, nicht begabt schien und mal wieder einer seiner zahlreichen Bildschirmtode erlebte. Seine Faust ballte sich, als er auf die Rangliste schaute, das Scoreboard, und sich mal wieder ganz unten erwischte. So wie immer. Warum sollte es auch anders sein. Das Spielmenü ging auf, die Maus wanderte auf den "Spiel verlassen" Button und sogleich wurde es still in dem Zimmer, in dem der junge Mann saß. Keine weiteren Geräusche durchdrangen nun mehr seine Ohren, sein Kopf, gestützt auf seinen Handflächen, schien vollkommen schwer und unbegrifflich zu sein. Sie nannten ihn Anfänger, Noob, Nichtskönner. Es saß. Er wollte ihnen etwas anderes sagen, doch seine Punktzahl sagte etwas anderes.
Seine Miene blieb trotz der Schmerzen ruhig, was wussten diese Menschen schon vom realen Krieg? Sollten sie doch mal auf das echte Schlachtfeld gehen und sehen, wie schnell sie sterben würden. Ohne Respawn, ohne zweite Chance. Doch genauer betrachtet ... würde dem jungen Mann das selbige Schicksal ereilen. Am besten nicht darüber nachdenken nahm er sich vor, einfach versuchen zu lächeln. Es war nur ein Spiel, auch wenn es ihn frustrierte. Tatsächlich zeichnete sich ein kurzes und seichtes Lächeln ab. Zwar nicht viel, aber immerhin etwas! Müde stand er auf, streckte sich, wobei seine vom langen Sitzen beanspruchte Wirbelsäule einmal hörbar knackte. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es mittlerweile schon 3:47 Uhr war. Musste er nicht in knapp vier Stunden aufstehen? Natürlich, da war ja etwas. Arbeiten gehen musste er, das Geld verdiente sich nicht von allein. Was würde er sich auch anmaßen zu erwarten, dass es das tun würde? Ohne Fleiß kein Preis, wie man so schön sagen konnte. Nach einem geqäulten Seufzer setzte er sich schlußendlich in Richtung des Bades in Bewegung, in dessen Spiegel er ein unrasiertes Gesicht erblickte, glasige Augen, ein leerer Blick. Am besten nicht hineinschauen, den Blick vom eigenen Angesicht nehmen und schnell fertig werden. So tat er es auch. Die Zähne geputzt, sich in die bequemsten Klamotten zum Schlafen geworfen und ins Bett gelegt, dass er sich extra noch vor dem zu Bett gehen frisch bezogen hatte. So könne er bestimmt besser schlafen, zumindest hatte er es erwartet. Als er mal wieder eine kaum zählbare Ewigkeit wach lag und nicht zur Ruhe kam, nicht einschlafen konnte, wurde ihm mal wieder das Gegenteil bewiesen. Doch schon bald kam auch er in den Genuss des Schlafes. Zwar unruhig, aber besser als nichts...
Das Herz wild pochend und hochschreckend schlugen seine Augen auf, sein Atem ging schnell und schwer zugleich, unedefinierbar. Wohl mal wieder ein Albtraum, an den er sich nicht erinnern konnte. Doch ausgerechnet der Wecker war sein Retter vor diesen Dingen, der fleißig seine zuvor ausgesuchte Melodie dudelte, die eigentlich zum friedlichen Wecken für ihn beitragen sollte. Auch hier mal wieder, eine vollkommene Verschätzung. Was sollte er auch anderes erwarten? Offensichtlich meinte es das Schicksal momentan einfach nicht gut mit ihm. Doch nun hieß es, keine weitere Zeit zu vertrödeln und hoch mit dem faulen Arsch, es musste zur Arbeit gehen. Also schnell aufgestanden, ins Bad gerannt. Die Eltern beiläufig begrüßt, die Haare gewaschen. Der Bartansatz sah furchtbar aus, aber viel zu faul und unmotiviert war er, um ihn zu rasieren. Rasch die Zähne geputzt und in die nächstbesten Arbeitsklamotten geschlüpft. Wo kam dieser Geruch her? Ein Blick an sich hinunter, ermöglichte seiner Nase schließlich die Quelle genauer definieren zu können. Kurz verzog er das Gesicht, ein Bad war überfällig, aber egal. Keine Zeit mehr. Keine Lust. Brieftasche, Rucksack, Schlüssel, Smartphone. Alles da, also konnte es losgehen. Die Treppen hinab gerannt, um sein Fahrrad zu erreichen, sein Fortbewegungsmittel Nummer Eins. Schon auf Arbeit, ging sehr schnell. Ist ja schließlich nicht all zu weit weg.
Kaum betrat er seinen Betrieb, wurde die Maske aufgesetzt, seine Persönlichkeit versteckt und sein Wohlbefinden noch weiter in den Hintergrund gestellt. An diesem Ort hatte es erst recht nichts mehr zu suchen. Es ging ab diesem Zeitpunkt nur noch um das Geschäft, etwas was er hasste, aber nicht ändern konnte. Diesen Job hatte er sich ausgesucht, war selbst an seinem Schicksal schuld und konnte momentan nichts daran ändern. Warum sollte er auch, es bedeutete eine gewisse Unabhängigkeit und Selbsständigkeit, doch zu welchem Preis? Das blieb wohl immer die große Frage aller Fragen, jene Frage die er sich nicht zu beantworten traute. Sein Kopf musste funktionieren, er hielt sich aufrecht, doch war er so leer, fruchtlos. Unglücklich. Hin und wieder wünschte er sich, einfach zusammen brechen zu können, aufgeben zu können, wie es manch andere konnten. Aber nein, er machte weiter, arbeitete, schritt voran. Letztendlich brachte es ihm auch nichts anzuhalten und zurückzutreten, zu pausieren. Kein Fortschritt, kein Vorankommen ohne Schritte nach vorn. Selbst wenn die Kunden die er bediente unfreundlich schienen, es kümmerte ihn nicht einmal mehr. Noch weniger, wenn sie ihn lobten und versuchten, sich aufrichtig bei ihm für seine geleistete Arbeit zu bedanken. Es kümmerte ihn nicht. Es waren wenige. Genau so wie seine Fähigkeit in dem was er vollbrachte, in seiner Branche und in dem Beruf, gen Null tendierten. Seine Kollegen schrieben Zahlen, schafften es die Kunden besser zu bedienen. Manchmal zweifelte er, ob er überhaupt verständlich mit diesen Menschen umging oder er sie einfach nur abfertigte. Hatte er überhaupt Lust? Nein. Nicht bei seinen kläglichen Versuchen, die immer schlechter zu werden schienen. Hauptsache die Zeit wird abgesessen, das seine lahmen Füße und Gedanken wieder an seinen PC zurückkehren konnten, dort wo ihn die selbe Unfähigkeit erwartete.
Depression, Angst und die Scham davor er selbst zu sein, seine ständigen Begleiter. Die wenigen Menschen die sich um ihn scherten? Er schaute auf seine Geräte, las ihre Textnachrichten. Seine Antworten waren schnell und er kümmerte sich darum, was sie zu ihm sagten. Hörte ihnen zu und ging auf sie ein, er tat es gern. Und doch ... er fühlte sich, als ob er einer der schlechtesten Menschen sei, jemand der sich nicht ausreichend kümmerte. Wie sollte er sie jemals halten können, wie sollte er seinen eigenen Anforderungen gerecht werden? Diese Menschen versuchten sich zu kümmern, doch er empfand Scham schwach zu sein, Scham vor sich selbst. Nicht stark zu sein bot Angriffsfläche und er hasste sich dafür. Diese verdammte Leere, doch er musste weitermachen, wusste er würde nie gut genug für irgendwas sein, dennoch trieb sein Lebenserhaltungstrieb ihn an. Sein Trieb weiter zu machen, fortzuschreiten und nicht zu stagnieren. Der Körper ausgebrannt, der Geist leer und die Augen müde. Der Wunsch aufgeben zu können sehr groß, doch die Angst vor seiner eigenen Schwäche zu gewaltig. Er wollte kein Mitleid, keine mitfühlenden Worte. Um genau zu sein, wusste er gar nicht was er wollte, seine Lebenspläne schienen beinahe nonexistent. Nur wenige Ausnahmen gab es, doch sie gingen beinahe unter. Weder wusste er, wie es mit ihm weitergehen sollte, noch mit seinem Leben, seiner persönlichen Sicht darauf. Aus diesem Grund war er gefangen in diesem Zyklus, dazu verdammt seinen eigenen Anforderungen nicht gerecht zu werden. Anforderungen die er selbst nicht einmal kannte. Er wollte nicht nur sehr gut, sondern perfekt sein! Doch Perfektion war ihm auch nicht gut genug, was ihn selbst betraf. Seine Welt schien nicht im Reinen zu sein, genau so wenig wie es seine eigene Macht über seine Gedanken war. Deshalb saß er wieder da, an seinem PC, schrieb Texte die er niemals nur annähernd als ausreichend betiteln würde, spielte Spiele in denen er nur am Ende des Scoreboards endete. Am Ende eines zu langen Abends senkte sich sein müder Geist, sein schlaffer Körper in die Federn, um den selben Kreislauf wieder zu durchleben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimicus Schreiberstübchen
BeitragVerfasst: Do 18. Aug 2016, 21:33 
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Die Bühne ist dein


Kalte Luft zog durch den Gang, mit ihr kam die eisige Kälte die durch jede noch so kleine Ritze im Mauerwerk kroch. Sie dachten sie seien sicher, ihr Wohl sei hinter dicken Wänden, Fenstern und Türen gesichert. Irrglaube und Wunschdenken pflegten sie. Der Schatten drang so lautlos wie die Luft durch den Gang, das Gesicht unter dem Stoff der Kapuze bedeckt. Seine Schritte schienen nahezu unsichtbar, seine Gestalt brachte jedoch den Tod, so wie sie es nicht anders wollten. Durch das milchige Glas der Fenster fielen die fahlen Strahlen des Mondlichts in den Flur, erleuchteten den Weg zum Ziel, während die Klinge bereits das schöne Schauspiel zurückwarf und dem Himmel ein Stück seines Lichtes zurückgab.
Die Tür schwang auf, kein Geräusch wagte es sich, sich ihm in den Weg zu stellen. Eleganz, Perfektion, Erhabenheit. Mühelos glitt die Klinge zwischen den geschickten Fingern umher, ihre Fingerkuppen kribbelten, wünschten sich nichts sehnlicher als endlich an die Arbeit zu gehen. Seine Farbe lag vor ihm, ruhend und nichts ahnend was ihr bevorstand. Welch Rolle sie in seinem Meisterwerk einnehmen würde. Keine konnte es zuvor auch nur erahnen, was ihr erblühte. Bevor sich diese auch nur ihrer Bestimmung entziehen konnte, ereilte sie ihr Schicksal, als eine Hand auf ihrne Mund gelegt wurde. Ihre Augen rissen auf, doch die Klinge des Künstlers grub sich in das Fleisch der Farbe, einst eine Frau die jemand tot sehen wollte und nun bald ein perfektes Kunstwerk! Sie zappelte, während sich unter der Kapuze ein wissendes Grinsen auftat. "Du wirst wunderschön sein, befreit von diesen weltlichen Leiden. Einfach nur perfekt, ein Meisterwerk!"
Ihre Schreie erstickten, Blut begann aus ihrer Kehle zu rinnen und ihre weinenden Augen blickten dem Tode in Angesicht. Dieser lächelte einfach nur zurück, summte eine sanfte Melodie und hatte gar etwas Beruhigendes in sich. Ihre Bewegungen wurden schließlich schwächer, das Funkeln ihrer Augen verschwand, nur zu schade, es hätte so schön gepasst. Doch er musste damit arbeiten und er wäre nicht er, wenn er nicht wüsste wie. Mit einem sanften Zug holte er seine Klinge an die Luft zurück, ihr Körper hatte bereits jede Gegenwehr aufgegeben und der Moment, die Ruhe jagte ihm die Gänsehaut über dem Rücken. Tief atmete er ein, der Moment bevor er begann, seine eigentliche Arbeit verrichtete, er ist der schmerzlichste so war er noch mit einer leeren und unsauberen Leinwand konfrontiert. Doch das galt es zu änden, ein Griff in seine Tasche beförderte das Set an Pinseln hervor, sorgfältig wählte er den Ersten aus. Sein Blcik legte sich schief, er betrachtete das unordentliche Bild vor ihm. "Nein, nein, nein, nein...", hauchte es im Raume, es passte noch nicht ganz. Wie soll man malen, wenn die Grundlagen nicht da waren!
Die Pinsel wurden weggeräumt, vorsichtig auf den Boden gelegt. Wobei er sich nun zuerst diesem Chaos widmen musste. Kopfschüttelnd zog er das Laken lang, spannte es unter dem toten Leib damit es eine gerade Fläche bot. Nur anfangs grob, so musste er noch den Körper in eine richtige Position bringen, doch nur wie? Ihr Körper und Antlitz glich eines Engels. Sofort kam ihm die Idee für sein neues Projekt! Nahezu sanft ergriff er ihre Hände, faltete sie auf ihrer Brust ineinander zusammen. Dabei verrutschte das Laken, welches er direkt im Nachgang gerade zog. Endlich war es perfekt. Seine Arbeit konnte beginnen.
Sein Werkzeug ergriff er nun, die Pinsel an das frische Blut angesetzt, begann er zu malen. Seine Hand schwang fließend über das weiße Laken, vom linken Schulterblatt zeichneten sich erste Konturen. Dort eine klare Definition, ja keinen falschen Strich und alles war ruiniert. natürlich passierte ihm das nicht und mit ein paar Minuten Arbeit zeichnete sich der erste Flügel ab. Nun wurden Federn hinzugefügt, Details und vor allem Eines: Dornenranken umwickelten das Gefieder des Engelsflügels, auf ihr wuchsen die wunderschönsten Gewächse in reinster Form, die Rosen die sie zierten waren Perfektion. Strch für Strich, Schwung für Schwung ergänzte sich das Meisterwerk. Kaum war der linke Flügel fertig, so folgte der Rechte, bis dieser zur absoluten Perfektion geschwungen, verziert und in Szene gesetzt war. Nun das Bett. Ein Engel konnte nicht in einem weißen Nichts gebettet sein, es wäre viel zu stumpf, so führte er die Dornenranken fort, sie breiteten sich über das Laken aus. Auf ihre Spitzen schienen so genau gemalt, als ob man sich wirklich an ihnen stechen könnte. Sie verwoben sich, bildeten das Grundgerüst für die Schönheit dieses Bettes, doch was wären diese Ranken ohne ihre Blüten? Drum setzte er seine Hand sofort in Bewegung, Knospen wurden zu blühenden Blütenblättern ihre rote Farbe strahlte die Perfektion aus, die dieses Bild so wunderbar abrundete. Doch etwas fehlte noch.
Im nächsten Moment schon erkannten seine geschulten Augen das gewisse Etwas das noch fehlte, es wra noch viel zu viel Platz an der Wand an der das Bett stand. Seine Zügen wurden nachdenklich, seine Planung wurde nur noch besser, das Bild in seinem Kopf größer.
Frisch in die Farbe getunkt, schwang der Pinsel weiter. Die ersten Konturen von Wurzeln erklommen die Wand, sie rankten sich im Mauerwerk, als ob es die Erde wär in der die Krone erblühen sollte. So verwinkelt und undurchsichtig sie am Anfang waren, so wurden sie zu noch viel größeren Linine, feiner und eleganter. Ihre besondere Form setzte sich schließlich zu einem Stängel zusammen, dicke Dornen standen von diesem ab und drohten jedem Unwürdigen zu verletzten, der ihrer Schönheit nicht erhaben war. Doch der letzte Akzent fehlte und Thronte über alles, als sich die Blüte mit den Linien zu formen begann, ihre Blätter, das was sie definierte. Der Kopf reckte sich nach oben, versuchte dem Sonnenlicht entgegen zu kommen und definierte ihre Gesundheit.
Jenes Licht, dass draußen allmählich die Häuserdächer erklomm. Sein Werk war vollbracht, voller Stolz präsentierte sich ihm der Engel, den er geschaffen hat. Die Frau ist zu etwas Schönerem geworden, schlichte Perfektion! Seine Pinsel legte er nieder, trat einen Schritt zurück und verbeugte sich tief vor seinem Werk. "Wenn sie dich finden, werden sie um dich weinen. Doch deine Schönheit wird ihnen immer im Gedächtnis bleiben. Allerdings stehst du nun auf der großen Bühne, als ein Meisterwerk meines Genies." Ein zufriedenes Lachen, tief und erfüllt zugleich erfüllte für einen Moment den Raum, ehe die Pinsel verschwanden, die Gestalt den Raum verließ und nur das Blutbad zurückließ, in der sie aufblühte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimicus Schreiberstübchen
BeitragVerfasst: Mo 29. Aug 2016, 00:51 
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Ein Gedanke


"Hast du dich eigentlich schon einmal gefragt, was da oben überhaupt ist?", ertönte es im leisen Klang seiner Stimme, als er nach oben in den Himmel schaute. Die Sterne zierten das Schwarz dieser unendlichen Weiten, die für die einen aus Wissenschaft, den anderen aus dem Reich Gottes und wieder Andersdenkenden als ein großes Nichts besteht. Es war lustig anzusehen, wie sich die Glühwürmchen unseres Planeten am liebsten diesem Anblick einfügen wollten. Wie kleine, sich bewegende Sterne summten sie umher und versuchten ihren Platz in diesem Schauspiel zu ergattern.
Seine Hand streckte sich dem Himmelszelt entgegen und versuchte es zu greifen, zu erfassen. Natürlich vollkommen vergebens, es wäre ja zu einfach, könne man ein ganzes Universum in ein Hand fassen. "Wir Menschen denken, wir sind die Spitze der Nahrungskette, uns macht es zu etwas Besonderem, dass wir lernten wie wir Häuser bauten, Maschinen konstruierten und wissen, wie wir uns den Widrigkeiten der Natur entziehen können." Er spürte ein Kribbeln auf seiner Fingerspitze, als ihn ein wirklich winziges Insekt zu begrüßen versuchte. Seine linke Hand die zuvor noch auf dem Boden im Gras lag, erhob sich vor sein Gesicht, damit seine Augen die kleine Ameise erfassen konnten, die dort auf seinem Finger umhertanzte. "Letztendlich sind wir vielleicht eine dominante Spezies, doch sind nicht größer als diese Ameisen hier. Du musst dir einmal vorstellen, wie es für diese Ameise sein muss, wenn sie in den Himmel blickt. Sie ist ein Vielfaches kleiner als wir. Ob sie die Erde als Universum und dass, was wir den Weltraum nennen, als unfassbar bezeichnet?"
Vorsichtig ließ er das kleine Tier wieder auf den Boden zurück. Seine linke Hand kehrte wieder auf das frische Gras neben sich zurück, während seine Rechte auf seinem Bauch zu ruhen vermochte. "Klar, dort oben sind viele Dinge, vieles was wir dank unserer technologischen Errungenschaften in Bildern, Graphen und Formeln einzäunen können, doch kann man das überhaupt? Die Unendlichkeit bestimmen, sie in unserem Geist fassbar machen? Unser Geist ist begrenzt und wenn wir dies täten, würde es dann noch eine Unendlichkeit sein?" Sein Körper erhob sich ruhig, als er sich auf dem Boden abstützend in einem Schneidersitz brachte, einen Blick kurz zur linken Seite gebracht. "Was machst du dir da aber groß einen Kopf drum, nicht wahr?" Ein schwaches Lächeln umspielte die Lippen des jungen Mannes, als er seinen Blick wieder nach oben richtete.
Seine Augen hafteten in dem Dunkel, welches die Geheimnisse unserer Existenz in sich trug, mysteriös und doch so offensichtlich. Es war da, allgegenwärtig und doch so unverständlich. "Sind wir biologische Maschinen, geschaffen von einer weit aus höher entwickelten Spezies? Ein Experiment? Oder doch das Ergebnis wahnsinnig großer Zufälle, die uns all das hier ermöglicht haben? Diese Dinge vermag ich nicht zu beantworten, es ist sehr schwer sie überhaupt zu erfassen, die Wahrscheinlichkeit für unsere Existenz ist de facto aber sehr gering. Dennoch sind wir hier, neben all den anderen Lebewesen. Haben wir eine Daseinsberechtigung? Für Naturschützer, Politiker, Extremisten, ja, für jeden Menschen mit einer Meinung hat etwas eine Daseinsberechtigung oder eben nicht. Doch mich interessieren nicht die kleinen Teile, denn das Ganze ist größer als die Summe seiner Teile. Ob wir existieren dürfen oder eben nicht dürfen, davon sollte gar nicht die Rede sein. Denn ganz offensichtlich tun wir es und wir hinterfragen es auf solch primitiven Ebenen, statt wirklich den Grund unserer wahren Existenz zu erfragen. Doch das sind Dinge, die wohl nie ein Mensch beantworten kann. Genau so wenig wie ein anderes Lebewesen auf diesem Planeten. Es wird immer ein Mythos bleiben. Der Sinn hinter allem. Der große Plan. Wir sind nur ein Teil davon und nicht befugt, dessen ganzen Umfang begreifen zu können."
Der junge Mann legte sich wieder in das Gras, drehte sich auf seine linke Seite und schaute auf den leeren Platz neben sich. "Genau aus dem selben Grund werde ich nie Gefühle wie Liebe, Hass, Furcht oder Erhabenheit verstehen. Letztendlich bleiben wir allein. Unseren Weg in diese Welt und von dieser Welt beschreiten wir als Einzelgänger, doch in der Zeit dazwischen leben wir ein soziales Leben. Existenz muss nicht Ultimativ sein, doch sie ist das, was uns Menschen zeigt dass wir eben da sind. Bewusstsein. Der Geist. Doch auch die Nonexistenz ist überall vorhanden. Wie die der Sinn von all dem oder du. Du bist auch nonexistent und nicht vorhanden. Dennoch bist du da, also doch existent. Wer weiß schon, was der Zweck dieses Paradoxons ist, ob es mir verständlich wird. Doch ich denke eher nicht." Sein rechter Arm legte sich über die Stelle neben ihm, als er seine Augen schloss und sein Bewusstsein mit dem kühlen Nachtwind in den Schlaf getragen wurde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimicus Schreiberstübchen
BeitragVerfasst: Mo 12. Dez 2016, 23:55 
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Ein lauter Knall ertönte, als das Müdungsfeuer seiner Flinte aufblitzte und dem Letzten dieser Biester den Gar aus machte. Seine Atem ging schnell, die Muskeln schmerzten und die Augen waren kaum noch in der Lage sich zu konzentrieren. Mit einem geübten Handgriff löste er den Hebel seiner doppelläufigen Schrotflinte und klappte somit den Lauf nach unten, aus dem auch just die zwei verbrauchten Patronen ausgeworfen wurden. Seine Linke griff in die Gürteltasche, ertastete das vorletzte Paar an Munition und schob es in die beiden Läufe, ehe er das Gewehr wieder zuschnappen ließ.
Vor ihm tat sich ein Feld der Verwüstung auf, sein Körper war von Spritzern des Blutes dieser Wesen übersäht. Seine Hände zitterten, umfassten den Griff der Flinte nur noch fester, ehe er sie senkte und das Blutbad vor sich nur betrachtete. Infizierte wie tote Überlebende lagen vor ihm, alles war in dem Gang übersäht mit Leichen und schon bald würden die, die den Infizierten zum Opfer gefallen waren, sich wieder erheben. Es blieb nicht viel Zeit, doch in nur fünf Minuten hatte er alles verloren. Mit eigenen Augen hatte er mit ansehen müssen, wie sie abgeschlachtet wurden, einer nach dem anderen. Seine eigen Haut zu retten hatte er geschafft – zu etwas anderem war er nicht imstande gewesen.
Sein Blick galt den Frauen, den Kindern seiner nun toten Gruppe, die Männer welche überrascht wurden. Sie alle hatten ihr Leben gegeben, um diejenigen zu beschützen, die nun hier tot in ihrem eigenen Blut lagen, begraben unter den endgültig getöteten Infizierten. Sie hatten ihre Leben gegeben, doch nur er hatte überlebt. Ein plötzliches Plätschern durchbrach die Stille des Raumes, etwas war vor seine Füße gefallen und versuchte trostlos das Blut wegzuwaschen. Seine linke Hand ertastete seine Wange, fühlte wie Tränen an ihr hinabliefen und doch stand er da, stumm und ohne Sinn.
Alles was sie sich aufgebaut hatten, seine Geliebte, die Menschen mit denen sie gereist waren, die Kinder die sie zu beschützen versprochen hatten. Seine Augen schienen vollkommen leer, so wie die toten Blicke aller Leichen die ihn umgaben. Etwas brach, es fühlte sich schmerzhaft an, doch nicht physisch, nein, in seinem Kopf brach etwas fürchterlich. Die Waffe rutschte ihm aus den Händen, fiel mit einem lauten Klacken auf den harten Boden, welcher einst weiße Fliesen besaß. Seine Knie folgten, die Tränen brachen weiter aus ihm heraus doch noch immer berherrschte die Stille den Raum, die undurchdringbare Finsternis des Bildes, was sich vor ihm gab.
Wie als ob plötzlich ausgewechselt, hob er allerdings wieder seinen Blick, die Miene steinern und regungslos. Seine rechte Griff bestimmt zu der Flinte, hielt sie fest in seinem Griff, eher er die Läufe drehte und auf seinen Kopf richtete. Nur er hatte überlebt, es war nicht fair, er sollte neben ihnen liegen. Er hatte es am wenigsten verdient, noch am Leben zu sein dürfen. Seine Augen schlossen sich, der Daumen legte sich auf den Abzug und erhöhte den Druck. Es war schwer, diesen Druck auszuüben, nur ein Fingerzug und es war endlich vorbei. Der Finger zog durch, endlich war dieses Leid vorbei.

Klick.

Seine Augen öffneten sich wieder, er war noch da, nichts war passiert. Kaum konnte er es fassen, was ihm gerade passiert war. Er drehte das Gewehr wieder um, klappte die Läufe nach unten. Fehlzündung. Die Patrone war in keinem guten Zustand. Wütend und traurig zugleich griff er die Patrone, zog sie heraus uns schmiss sie in eine Ecke des Raumes, dass durfte einfach nicht wahr sein. Seine Hand griff abermals in seine Gürteltasche und lud eine neue Patrone nach, doch statt es noch einmal neu zu probieren, erhob er sich, schulterte seine Waffe und griff seinen nahestehenden Rucksack.
Es war die pure Ironie seines Schicksals, entweder hatte ihn das Glück, oder eher das Pech sein Fortbestehen gesichert. Er wusste nicht einzuordnen was passiert war, doch seine Schultern hingen, sein Blick blieb trostlos und leer. Selbst als er über die Leichen hinüberstieg, durch den Ausgang schritt und einen letzten Blick nach hinten warf – wo sich bereits die ersten Untoten zu bewegen begannen – es änderte nichts. Er konnte nichts tun, dass wusste er und er würde auch nicht seine Liebsten begraben können. Der junge Mann, nicht einmal ganze 23 Jahre alt, war nun auf sich allein gestellt, niemand verblieb an seiner Seite und seine Füße trugen ihn einfach weg von dem Ort dieser Grausamkeiten. Sein Kopf würde vergessen, seine physischen Wunden heilen und sein Körper abhärten. Doch eines sollte sich nie verändern – er blieb für immer allein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Dimicus Schreiberstübchen
BeitragVerfasst: Fr 3. Mär 2017, 18:33 
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Heyho Leute,

hier gibt es mal wieder etwas von mir zu lesen. Ist nur etwas sehr kleines und im Zuge meiner ersten Arbeit in meinem Fernstudium entstanden. Als Einsendeaufgabe bzw. erste Arbeit die benotet wird. Trotzdem teile ich es mit euch einmal, schließlich wollten ja einige auch sehen, was passiert und ich erdenke.

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Hoffnung

Schwer keuchend rannte der junge Mann über das Schlachtfeld oder zumindest dem, was von ihm übrig war. Noch immer ertönten entfernte Schüsse und Explosionen, als ihn seine Füße über das mit Toten übersäte Feld führten. Der Boden war verbrannt, die Bäume abgestorben. Doch dies war für ihn nichts, womit er sich aufhalten konnte, seine Füße trugen ihn immer schneller weiter. Sein Gewehr fest in der rechten Hand, der Blick panisch und er spürte die suchenden Blicke in seinem Nacken.
„Komm schon, es ist nicht mehr weit.“, ermutigte er sich selbst, als er in der Ferne die Lichter sah, die wie rettende Leuchtfeuer in der Nacht wirkten. Der geschundene Körper versuchte gegen die Schmerzen und den Hunger anzukämpfen, es war schon schwer genug die gesamte Ausrüstung durch den Dreck des Niemandslandes zu tragen. Doch für jeden Schritt den er machen konnte, folgte ein weiteres Stück Erleichterung. Ein weiterer Schritt in Richtung Sicherheit und Gemeinschaft.
Der Frieden und seine sonst zuvor gelungene Flucht wurde jäh unterbrochen, als ein weiterer Schuss ertönte, der aber nicht wie sonst in der Entfernung, sondern ganz nah bei ihm lag. Die Kugel schlug nur knapp neben seinem Bein an. Sein Gesicht verzog sich vor Angst und die Panik durchdrang seinen Körper, sein Herz begann nun noch wilder zu pumpen. Flüchtige Blicke warf er sich über die Schulter, als er ein weiteres Mündungsfeuer aufblitzen sah, welches einen weiteren Hauch des Todes in seine Richtung blies.
Mit größter Hast und Eile stolperte er über die Leichen ehemaliger Feinde und Kameraden, er war mitten im offenen Feld und eine leichte Beute für die Jäger hinter sich. Ein weiterer Schuss. Wieder wurde Dreck aufgewirbelt. Wieder ein Fehlschuss und eine weitere Chance, an sein Leben zu klammern. Tränen sammelten sich in seinen Augen. Er konnte nicht einfach sterben. Nicht so. Nicht an diesem Tage.
Seine Bewegungen schlugen einen Haken nach dem anderen. Er entglitt den gezielten Schüssen der Feinde in seinem Rücken immer wieder. Der Blick richtete sich nach vorn. Es kam näher! Das Lager seiner Kompanie! Die Sicherheit und Wärme die es ausstrahlte, wirkte unglaublich anziehend für ihn und es trieb ihn an, endlich wieder einen ruhigen Moment erleben zu können.
Plötzlich jedoch rutschte er auf der fallen gelassenen Waffe aus, stürzte zu Boden als weitere Schüsse über ihn vorbei zischten. Schnell atmend und keuchend robbt er weiter, wühlte sich durch den Schlamm und zwischen den Leichen hindurch. Die Hoffnung lag so nah vor ihm, doch wirkte sie nun vollkommen entfernt. Maschinengewehrfeuer ertönte, Gewehre erhoben sich und es wurden nun aus allen Richtungen gefeuert. Vor ihm blitzten die Waffen auf. Seine Leute, sie eilten ihm zur Hilfe, doch es war zu spät.
Wie ein kleines Kind klammerte er sich an seine Waffe, den einzigen Schutz den er noch bei sich trug. Zwischen Leichen und Dreck hockend, wusste er, dass er versagt hatte. Die Botschaft die seiner Kompanie das Leben gerettet hätte, trug er bei sich. Er war zu langsam und war nun zwischen den Fronten geraten, als eine Überzahl an Gegnern auf das Lager zustürmte. Explosionen folgten, seine Ohren wurden betäubt, seine Sinne benebelt.
Er wusste, dass es keinerlei Ausweg aus dieser Situation mehr gab, als er sich schließlich erhob, durch Kimme und Korn seiner Waffe blickte. Doch sein kalter Finger schaffte es nicht einmal, den Abzug zu betätigen, als er den ersten Einschuss verspürte. Wuchtig wurde er zurückgeworfen und landete wieder in dem Dreck, leistete den Toten Gesellschaft. Seine Sicht war verschwommen und hören konnte er nun gar nicht mehr. Nur noch dumpfe Geräusche und Explosionen vernahm er, als für ihn kaum noch zu spürende Vibrationen den Boden weiter erbeben ließen.
Eine Wärme breitete sich auf seiner Brust aus, Wärme die aus seinen Adern floss und hinaus in die Welt trat. Niemand konnte ihm helfen, als die kalte Hand des Todes sich nach ihm ausstreckte. Noch mit letzter Kraft wollte er sein Gewehr heben und auf die sich nähernden Schemen einen finalen Schuss abgeben. Seine Schwäche verbarg dies und der letzte Funke seines Leben wurde schließlich von einem Bajonett auf ihm gepresst. Der letzte Moment der Klarheit offenbarte ihm das verängstige Gesicht eines Feindes, ehe sein Blick für immer in die Dunkelheit verschwand.

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