Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den AnfĂ€ngen liegt. Die ĂŒberlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der SchlĂŒssel zur Herrschaft ĂŒber Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. WĂ€hrend die Almanen auf AltbewĂ€hrtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die GeheimbĂŒnde der Schatten sehen in der Magie die mĂ€chtigste Waffe und fĂŒr die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

The origin of Mard - Das Ding aus dem Dung

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Baxeda
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The origin of Mard - Das Ding aus dem Dung

#1

Beitrag von Baxeda » Do 2. Feb 2017, 21:10

Am 12. August 2014 wurde Mard geboren. Dies ist die Geschichte, in welcher er das Licht der Welt erblickte. Im November darauf wurde diese kleine Story zu einem Roman erweitert. Da der aber wirklich schlecht ist und darum im Giftschrank liegt, möchte ich euch hier nur das halbwegs gelungene erste Kapitel vorstellen. Ich habe einige Eigennamen nachtrĂ€glich modifiziert, so dass die Geschichte besser nach Asamura passt. UrsprĂŒnglich spielte sie in PrĂ€-Asamura, einer damals noch namenlosen Welt, in der es aber bereits viele Dinge gab, die es spĂ€ter hierher geschafft haben. Also nicht wundern, falls ich vergessen habe, irgendwelche Eigennamen abzuĂ€ndern. Die Geschichte ist nicht gerade mein bestes Werk, aber fĂŒr Mard-Fans vielleicht ganz interessant. Ich wĂŒnsche euch viel Freude beim Lesen. :-)


Das Ding aus dem Dung


Mard war ein guter Sklave gewesen, bis zum heutigen Tag. Ein Sklave war er immer noch, aber kein guter mehr. Er presste das Diebesgut gegen den nackten Bauch und legte schĂŒtzend die Finger darĂŒber. In der Faust konnte er es nicht tragen, dafĂŒr war es etwas zu groß und der Lendenschurz war zu knapp geschnitten, doch unter seiner Hand mochte es vor Blicken sicher sein. Die OberflĂ€che fĂŒhlte sich glatt und hart an wie die eines Kieselsteines, gleichzeitig verströmte sie eine unnatĂŒrliche WĂ€rme. Mard atmete tief durch, um sich zu beruhigen, dann trat er durch den Zelteingang ins Freie. Kalte Nachtluft empfing ihn, doch machte die KĂ€lte ihm wenig aus. Er bekam lediglich eine GĂ€nsehaut auf seinen schwarzen Armen, wĂ€hrend die Herren sich bereits um die Lagerfeuer drĂ€ngten und heißen Tee tranken. Die Angst verdichtete sich zu einem Kloß im Hals, der ihm das Atmen schwer machte. Seine Taktik war, gar nicht erst zu versuchen, sich vor den Blicken seiner Meister zu verbergen, dafĂŒr war das Feldlager nachts zu belebt. Hier wohnten und arbeiteten nur Wesen, welche die Dunkelheit liebten: Rakshaner, ein Menschenvolk aus dem SĂŒdosten, das sich mit TĂŒchern verhĂŒllte, die Zhencrail, ein Stamm grauhĂ€utiger Tieflinge mit roten Augen, und die kleinen, obsidianschwarzen DĂŒsterlinge, so wie er einer war. Verstecken war um diese Zeit sinnlos. Anstatt herumzuschleichen, tat Mard so, als wĂ€re es völlig normal, dass er gerade aus dem Zelt des Kampfmagiers Xolo kam. Er drĂŒckte die Finger fester auf den gestohlenen Gegenstand, wĂ€hrend er den Ort des Diebstahls hinter sich ließ. Ihm war, als könne er ein sanftes Pulsieren spĂŒren wie den Schlag eines Herzens. Das war ein vielversprechendes Zeichen, so viel hatte er in Erfahrung bringen können. Mard konnte zwar nicht lesen, aber er konnte lauschen. Allzu oft unterschĂ€tzten die Herren das feine Gehör der DĂŒsterlinge, wenn sie sich unter vier Augen unterhielten. Dass es aber sechs Ohren sein könnten, die an dem GesprĂ€ch teilhatten, kam ihnen nicht in den Sinn. Und so wusste Mard viele Dinge, die er eigentlich gar nicht wissen dĂŒrfte, Verbotenes Wissen, wie das ĂŒber die magische Nuss unter seiner Hand.
Mard ging in respektvollem Abstand an den Rakshanern vorbei, die um das Lagerfeuer saßen. Die Flammen knisterten und wenn der Wind hineinfuhr, spien sie Funken hinauf in die Dunkelheit. Die Herren unterhielten sich und lachten. Aus der Ferne klangen TrommelschlĂ€ge und das dissonante Tröten rakshanischer Volksmusik. Feldherr Dschan war seit dem Antritt seines Dienstes darum bemĂŒht, die Schrecken des Krieges mit ĂŒbertrieben heiterer Feierabendstimmung zu ĂŒberdecken. Manchmal fĂŒhlte Mard sich mehr wie auf einem Jahrmarkt als in einem Feldlager, wenn er die fröhliche Musik hörte oder die TĂ€nzerinnen und Akrobaten sah. Die Lazarette hingegen hatte Dschan in den Ă€ußersten Winkel der Zeltstadt verbannt, damit der Anblick der Schwerverwundeten und Sterbenden nicht die Kampfmoral senkte. Mard ließ im Vorbeigehen den Blick unauffĂ€llig ĂŒber die sitzenden Rakshaner schweifen, von denen ihn jedoch keiner beachtete. Sie interessierten sich nur fĂŒr das Aroma ihres Kaffees, dessen geröstete Bohnen sie in einer Dose herumreichten, damit jeder daran riechen konnte. Bis jetzt lief alles gut. Niemand schien zu bemerken, dass er sich unbefugt in diesem Teil des Feldlagers aufhielt. Wie auch? Die DĂŒsterlinge und auch die Tieflinge arbeiteten seit Generationen fĂŒr die Streitmacht Rakshanistans. Sie alle waren es von klein auf gewohnt zu gehorchen, darum folgten sie meist zuverlĂ€ssig und durften sie sich in der Zeltstadt und deren Umkreis frei bewegen. Es gab ohnehin keinen Ort, an den sie fliehen konnten. Außerhalb der mit Zelten besetzten Ruinenstadt warteten nur der Feind, die Wildnis, der Hunger und der Tod. Wer gehorchte, dem ging es hingegen recht gut, offiziell gab es die Sklaverei hier nicht einmal. Man hatte zu Essen, ein Dach ĂŒber dem Kopf und durfte sogar eine Familie haben. Kaum einem Sklaven, wie Mard die Untergebenen der Rakshaner trotzig nannte, kam es daher in den Sinn, etwas an seinem Leben Ă€ndern zu wollen. Er verachtete jeden einzelnen von ihnen. Er versuchte, sich die Anspannung nicht anmerken zu lassen und zwang sich, langsam zu gehen, auch wenn alles in ihm danach schrie zu rennen. Eine Truppe gerĂŒsteter Tieflinge, deren Augen im Dunkeln glĂŒhten wie rote Kohlen, trampelte so dicht an ihm vorbei, dass sie ihm mit ihren Panzerstiefeln fast auf die nackten FĂŒĂŸe traten. Mard machte einen Schritt zur Seite, um die Kolonne weitermarschieren zu lassen. Sie wĂŒrdigten ihn keines Blickes. Seine Finger zitterten. Wenn sein Vorhaben vorzeitig aufflog, wĂŒrde man ihn auf einen Pfahl spießen und neben dem Empfangszelt des Feldherren zur Schau stellen! Wenn jedoch alles gut lief, dann ...
„Mard!“
Er fuhr zusammen, als wĂ€re er barfuß auf ein Nagelbrett getreten. „Mard! Ich bin hier vorne!“ Mit aufgerissenen Augen starrte er in die Richtung, aus der die Rufe kamen. Verdammt, das hatte noch gefehlt! Lani, mit der er vor ein paar Tagen Holz fĂŒr die FeldkĂŒche geschichtet hatte, kam ihm entgegen und grinste breit. Sie war ebenfalls ein DĂŒsterling, klein, schwarzhĂ€utig, vollstĂ€ndig haarlos und mit großen spitzen Ohren, die sich unabhĂ€ngig voneinander bewegten. Sie trug zwei Holzeimer voller Butter. Notgedrungen hielt Mard einen Moment inne, um ein kurzes HöflichkeitsgesprĂ€ch zu fĂŒhren. Sofern die Sklaven nicht allzu offensichtlich faulenzten, störte das niemanden – die Herren hatten Besseres zu tun, als jede Bewegung ihrer Untergebenen zu ĂŒberwachen oder gar peitschenschwingende Aufseher zu beschĂ€ftigen. Die Rakshaner kannten andere Mittel und Wege, ihre Untergebenen gefĂŒgig zu halten. Mard hoffte, dass Lani seine Anspannung nicht bemerkte. Sie war als Plappermaul bekannt und wĂŒrde mit Sicherheit nicht dicht halten. „Schön dich zu sehen“, log er und zwang sich zu einem Grinsen.
„Wohin bist du unterwegs?“, fragte sie unbeschwert und stellte die Eimer ab. „Hast du nicht gesagt, du bist die nĂ€chsten Tage bei der Kleiderei eingeteilt?“ Sein Atem beschleunigte sich. Ruhig bleiben, ganz ruhig!
„Ich will neue Seife holen zum filzen“, antwortete er fast wahrheitsgemĂ€ĂŸ. Mit der gleichen Ausrede hatte er sich vorhin vom Arbeitsplatz entfernt. Bis vor einer Stunde noch war er mit der Herstellung von Filzkappen beschĂ€ftigt gewesen, welche die Tieflinge als Polster unter ihren Helmen trugen. Lanis Blick fiel auf seine auf den Bauch gepressten Finger. „Hast du Magenschmerzen?“
Mard perlte kalter Schweiß von der Stirn. Konnte sie ihn nicht einfach seines Weges gehen lassen? Warum mussten Frauen immer dann reden wollen, wenn man es am wenigsten gebrauchen konnte? Mard drĂŒckte das Diebesgut noch fester an seinen Leib. Das Pulsieren darin schien sich verstĂ€rkt zu haben. „Es gibt hier einiges, das mir Magenschmerzen bereitet“, antwortete er. „Aber mach dir keine Sorgen! Das geht bald vorĂŒber! Sehr bald!“

* * *



Die Dunkelheit wich dem Tage. Schmutziges Grau eroberte den Horizont, ein Grau, das die Sterne fraß. Obwohl noch keine Wolken zu sehen waren, trug der Wind den feuchten Geruch von Regen mit sich. Vor dem Audienzzelt des Feldherren Dschan stand eine Reihe von wartenden Bittstellern, die um alles Mögliche ersuchen wollten, um ein paar Tage Dienstfrei, um soundsoviel Sonderrationen Fleisch wegen einer Feier, um die Erlaubnis, mit dem Wohnzelt an einen anderen Platz umziehen zu dĂŒrfen, weil die Nachbarn zu laut waren und viele andere Dinge, die ein Tiefling nicht selbst entscheiden durfte. Zoldak hingegen war hier, um den Feldherren um den zweiten Teil seiner Bestrafung zu bitten. Der erste war ihm stellvertretend von dem Tarrik der Leibgarde erteilt worden, bis Dschan die Zeit erĂŒbrigen konnte, sich mit seinem Vergehen persönlich zu befassen. Der Tiefling war mĂŒde, hungrig und spĂŒrte, dass sein Fieber wieder stieg. Die letzten Momente, bevor er dem Feldherrn Auge in Auge gegenĂŒbertreten wĂŒrde, verbrachte er damit, die schwindenden Sterne zu betrachten, um sich von der wachsenden NervositĂ€t abzulenken. Still und kalt sahen sie hinab auf das von Ruinen umsĂ€umte Feldlager, wo die Hauptstreitmacht von Rakshanistan auf ihren nĂ€chsten Kampf wartete. FĂŒr Zoldak jedoch war der Feldzug erst einmal vorbei. Seine RĂŒstung und seinen SĂ€bel hatte er zusammen mit seiner WĂŒrde ablegen mĂŒssen. Stattdessen trug er nun einen Gerstensack, oben mit Löchern fĂŒr Kopf und Arme versehen, unten offen wie ein Kleid, was nicht nur demĂŒtigend war, sondern auch unpraktisch und wenig Schutz gegen die KĂ€lte bot. Er verschrĂ€nkte die grauen Arme, seine ZĂ€hne klapperten. Nichts wĂŒnschte er sich sehnlicher, als im Bett zu liegen, zwischen den Leibern seiner beiden Frauen. Der neue Tag wĂŒrde fĂŒr ihn wohl ebenso schlaflos enden, wie er begonnen hatte, denn Dschan war nicht fĂŒr seine Milde gegenĂŒber Eidbrechern bekannt.
Zoldak war bis vor kurzem ein ganz gewöhnlicher Krieger gewesen, einer der zehntausend Tieflinge seines Schlags, bei denen das Menschenblut im Laufe der Generationen das dĂ€monische verdrĂ€ngt und die Oberhand gewonnen hatte und in deren Stammbaum zusĂ€tzlich irgendwann auch noch Orks mitgemischt hatten und die man heute Zhencrail nannte. Sie erinnerten an grauhĂ€utige Menschen mit roten Augen und leicht spitzen Ohren, waren weder mit Hörnern noch mit sonstigen dĂ€monischen Attributen gesegnet, mit Ausnahme ihrer klauenartigen NĂ€gel. Von den Orks hatten sie noch weniger geeerbt, eigentlich nur das kĂ€mferische Talent - und ihre magische Unbegabung. In den meisten Belangen waren sie Ă€ußert menschlich, besonders von ihrem Naturell her und waren daher fĂŒr die Rakshaner gut zu hĂ€ndeln und berechenbar. Die Zhencrail stellten im Zeltlager Eyshamary den Großteil des rakshanischen Heeres. Zoldak wurde von seinen AnfĂŒhrern einstimmig als durchschnittlich in allen Belangen beurteilt: Durchschnittlich groß, durchschnittlich krĂ€ftig, durchschnittlich intelligent und offenbar mit einem durchschnittlichen Gesicht, das man schnell wieder vergaß, denn sie verwechselten stĂ€ndig seinen Namen. Bis vor zwei Wochen war er durch nichts aufgefallen. Doch jetzt trug er die Zeichen der Schande fĂŒr jedermann weithin sichtbar, nicht nur den entwĂŒrdigenden Gerstensack, man hatte ihm auch die Krallen an HĂ€nden und FĂŒĂŸen gestutzt und sein schwarzes Haar bis zur Kopfhaut abgeschoren. Zoldak musste husten und wurde davon aus den Gedanken gerissen. Er war inzwischen fast am vordersten Ende der Warteschlange angelangt, nur noch zwei andere Tieflinge waren vor ihm an der Reihe. Einer war schon im Zelt bei Dschan, der andere starrte wie gebannt auf den mit TĂŒchern verhangenen Eingang. Es handelte sich um den Kampfmagier Xolo, den jedes Kind an seinen im Dunkeln leuchtenden Augenbrauen erkannte, die er sich angeblich durch ein fehlgeschlagenes Experiment zugezogen hatte. Zwei hĂŒnenhafte Rakshaner hielten neben dem Zelteingang Wacht. Sie waren vollstĂ€ndig in wehenden braunen Stoff gehĂŒllt, so dass sie wie Gespenster wirkten, die sich eine unappetitliche KnochenrĂŒstung ĂŒbergestĂŒlpt hatten. Nur einen Spalt fĂŒr die Augen ließen sie frei in ihren verhĂŒllten Gesichtern. Die Stoffbahnen teilten sich und ein Bittsteller trottete aus dem Zelt. Seine Mundwinkel hingen hinab. „Der NĂ€chste“, dröhnte Dschans Stimme. Xolo, ein Tiefling, der aus dem fernen Alkena stammte, wie man an seinen FlĂŒgeln erkannte, atmete noch einmal tief durch und ging dann hinein.
Ein Zhencrail ist treu, von der Geburt bis zum Tode. Mein Leben und mein Sterben lege ich in Eure HĂ€nde, Feldherr Dschan und mein ganzes Dasein Euch zu FĂŒĂŸen! Mein Leben und mein Sterben schenke ich dem Wohle Rakshanistans!
Das waren die Worte gewesen, mit denen Zoldak sich damals als Krieger vereidigt hatte. Er war mit ganzem Herzen dabei gewesen und er war es noch heute. Seine Treue war unumstĂ¶ĂŸlich, egal, was ihn erwartete. Er wĂŒrde das Urteil des Feldherren empfangen, ohne zu klagen. Die Stimmen im Zelt erhoben sich.
„Gestohlen, wenn ich es doch sage“, beteuerte der Bittsteller. „Ich verwahre sonst alle magischen GegenstĂ€nde in meiner Truhe. So oft ich die Nuss auch suche, sie bleibt verschwunden! Sie muss einfach entwendet worden sein, solch ein gefĂ€hrliches Utensil hĂ€tte ich niemals einfach ...“
„Genug davon, dein Anliegen ist fern jeder VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit. Ich kann niemanden entbehren, der das ganze Lager nach so einem winzigen Objekt durchkĂ€mmt. DafĂŒr mĂŒsste ich eine ganze Hundertschaft einsetzen, bloß, weil du deinen Krempel nicht beisammen halten kannst, alter Mann!“ „Herr, ich flehe euch an! Die Silbernuss habe ich erst kĂŒrzlich fertig gestellt, sie ist das Resultat jahrelanger Forschung im Bereich der Astromagie. Komprimiertes Sternenlicht! Man hat mir den Auftrag erteilt, eine Waffe zu erschaffen, die ...“
„Warum belĂ€stigst du mich mit den Details? Das alles Ă€ndert nichts daran, dass ich dir nicht helfen kann. Selbst wenn die Nuss gestohlen wĂ€re – was glaubst du denn, was ich tun könnte? Sie ist deiner Beschreibung nach so klein, dass ein Dieb sie notfalls im Arsch eines Esels verstecken könnte.“
„Aber Herr...“
„Unterbrich mich nicht! Dies ist nicht das erste Mal, dass du mich wegen irgendwelcher angeblich gestohlener magischer Utensilien behelligst. Das letzte Mal war es ein Stempel fĂŒr Tarnkappensiegel, davor eine Phiole mit Antimagicum. Beides hast du kurze Zeit spĂ€ter in diesem Ramschladen, den du dein Wohnzelt nennst, wieder gefunden und Entwarnung geben lassen. Dass Leute im Alter vergesslich werden, ist normal. Finde dich damit ab, dass du alt wirst und hör auf, mich mit Dieben zu belĂ€stigen, die nicht existieren.“
„Herr, diesmal bin ich mir ganz sicher! Ich ...“
„Genug davon. Meine Entscheidung steht. Jetzt verschwinde! Und wenn du noch einmal wegen so einer Sache meine Zeit stiehlst, erwartet dich Schlimmeres als ein bloßer Rausschmiss.“
„Herr Dschan, bitte! Niemals hĂ€tte ich ein ...“
„Der NĂ€chste.“
„Feldherr, ihr mĂŒsst etwas tun! Wie könnt ihr riskieren, dass ...“
Geschrei und Gepolter drang aus dem Inneren des Zeltes. Zoldak zog den Kopf zwischen die Schultern. Der Stoff wurde beiseite gefegt, zwei Wachen der Leibgarde marschierten nach draußen, den Alten in ihrer Mitte. Sie zerrten ihn vor die Reihe der Wartenden, damit ein jeder sehen konnte, was nun geschah. „Nein, nicht! Nicht!“, schrie er, als einer der Gardisten eine Krallenknipse aus seinem GĂŒrtel zog. Die Krallen gestutzt zu bekommen entsprach unter Zhencrail eine symbolischen Kastration. Die NĂ€gel ihrer Frauen waren von Natur aus kurz und stumpf. Je lĂ€nger jemand seine Krallen trug, als umso mĂ€nnlicher wurde es empfunden. Das Gleiche galt fĂŒr das Haar: Frauen schoren ihr Haupt komplett kahl, MĂ€nner ließen es sich so lang wachsen, wie es nur ging. Auch Zoldak hatte bis vor zwei Wochen einen armlangen Zopf getragen. Jetzt war er kahl wie ein Neugeborenes.
Xolo schrie, als wĂŒrde man ihm statt der Krallen die Finger abzwicken. Dabei hatte er mit dieser Behandlung noch GlĂŒck. Dschan war streng, aber nicht dumm und er wusste genau um den Wert einer jeden einzelnen Arbeitskraft. Wo die Feldherren anderer Zeltlager ihre Untergebenen auch bei kleinsten Fehltritten Ă€ußerst brutal behandelten, um die Disziplin zu wahren, setzte Dschan auf die Wirkung von Ehrenstrafen. Körperliche ZĂŒchtigungen, welche den Verurteilten dauerhaft in seiner Arbeitskraft beeintrĂ€chtigten, kamen unter seinem Befehl nur Ă€ußerst selten zum Einsatz. Ein kurzes Klacken, mehrmals hintereinander, dann war der Alte entkrallt. Er war zwar nicht von hier, doch er wĂŒrde wissen, was die Geste bedeutete. So etwas sprach sich rasch herum.
Auch Zoldak wĂŒrde wahrscheinlich irgendeine weitere öffentliche DemĂŒtigung ertragen mĂŒssen. Allein bei dem Gedanken daran wurde ihm ĂŒbel. Schon jetzt wurde er wegen seines kahlen Kopfes behandelt wie ein AussĂ€tziger, denn niemand wollte in den Verdacht geraten, mit einem Eidbrecher zu sympathisieren. Die Krallen einzubĂŒĂŸen, war das eine, diese Strafe kam recht schnell zum Einsatz – kahlgeschoren zu werden aber war etwas ganz anderes. Es dauerte Jahre, bis die Haarpracht ausreichend nachgewachsen war. Nicht einmal Zoldaks Familie oder seine Freunde redeten noch vernĂŒnftig mit ihm. Obwohl er weiterhin mitten unter ihnen lebte, blieb er völlig isoliert, war Inhalt stĂ€ndiger Witzeleien und durfte sich, so lange er den Gerstensack trug, nicht einmal dagegen wehren.
„Ich habe gesagt, der NĂ€chste!“, brĂŒllte es aus dem Zelt. Zoldak beeilte sich, einzutreten. Die beiden Wachen ließen den Alten sitzen und begleiteten ihn hinein. Die zwei anderen Gardisten blieben wie Statuen vor dem Eingang stehen. Kerzenschein und WĂ€rme erfĂŒllten das kleine Zelt, die Luft war stickig. Eine Mischung aus Kaffeegeruch und dem Qualm von RĂ€ucherstĂ€bchen machte dem Tiefling das Atmen schwer. Bunt gemusterte Stoffe verzierten die WĂ€nde, Beutegut aus dem Kampf gegen die Tamjid, so wie die sanft dampfende Wasserpfeife aus Messing. Schwere Teppiche bedeckten den Boden. Nichts davon konnten die fĂŒr MenschenverhĂ€ltnisse unzivilisierten Rakshaner selbst herstellen, das ganze Zelt war eine einzige TrophĂ€ensammlung. Sogar der bemalte SchĂ€del eines feindlichen Feldherren grinste ihm aus einem Berg von LuxusgĂŒtern heraus entgegen, die achtlos in die Ecke geworfen waren und keinem anderen Zweck als der Zurschaustellung des Sieges diente. Hinter Dschan prangte das Banner Rakshanistans, die scharze Chaosspirale auf sandfarbenem Grund. Darunter wirkte das der Zhencrail wie ein kleiner schwarzer Lappen, ausgefranst und schief aufgehĂ€ngt, mit einer stilisierten Sternschnuppe darauf, die Manifestation des Gluhschwanzes, ihres Wappentieres, der weiß leuchtend ĂŒber den Nachthimmel flog.
In Zoldaks Hals kratzte es. Der Wechsel von kalter zu warmer Luft reizte das Übel, das sich in seiner Lunge eingenistet hatte. Er rĂ€usperte sich leise, doch es wurde nicht besser. Hoffentlich wĂŒrde er vor dem Feldherrn nicht husten mĂŒssen!
Dschan saß auf einem dick gepolsterten farbenfrohen Kissen und sortierte gerade Pergamente auf einem flachen Tisch. Die beiden Gardisten, die Zoldak hinein begleitet hatten, postierten sich zu beiden Seiten Dschans, der die Pergamente nun beiseite legte. Der Feldherr trug im Gegensatz zu den anderen Rakshanern leuchtend blauen Stoff und darĂŒber eine versilberte EisenrĂŒstung statt Knochen. Zoldak senkte das Haupt, um seine UnterwĂŒrfigkeit zu bekunden. Das erste und gleichzeitig letzte Mal, als er mit Dschan persönlich gesprochen hatte, war zu seiner Vereidigung gewesen. Nun stand er erneut vor ihm, vor dem Herrn seiner Herren, von Angesicht zu Angesicht. Und es war nicht, um eine Auszeichnung zu empfangen, wie er es sich immer gewĂŒnscht hatte. Zoldak fiel auf die Knie. Der Bereich, wo die Bittsteller sich niederlassen sollten, war vom Teppich ausgespart, so dass er die fest getrampelte Erde zu spĂŒren bekam. Dabei wurde ihm schwindelig, sein Kopf schien so schwer, als wĂŒrde er einen Eisenhelm tragen – ein untrĂŒgliches Zeichen, dass das Fieber weiter stieg. Er öffnete den Mund, um sich vorzustellen, doch das Kratzen im Hals schwoll mit einem Male an und heftiges Husten entfuhr ihm. Er hielt sich mit der Hand den Mund zu, aber konnte es nicht mehr aufhalten. „Der ist das!“, rief Feldherr Dschan angewidert und rutschte auf seinem Kissen ein StĂŒck nach hinten. „Warum habt ihr den hier rein gelassen, soll ich mich anstecken? Habt ihr zwei Idioten nicht bemerkt, dass er rumbellt?“
Kleinlautes Gemurmel war von den Wachen zu hören. Zoldak gelang es, seinen Körper wieder unter Kontrolle zu bekommen. Er spĂŒrte noch immer einen Widerstand bei jedem Atemzug, er hatte noch lĂ€ngst nicht alles abgehustet. Bei der gottlosen Leere, er kniete vor dem Feldherren, er musste sich zusammenreißen! Seine Augen trĂ€nten. „Und du“, fauchte Dschan ihn an, „scherst dich raus hier!“
„Aber Herr“, krĂ€chzte Zoldak fast ohne Stimme, „ich soll mir meine Strafe abholen! Ich kann doch nicht ohne Strafe wieder gehen.“
„Du hast fĂŒr einen Eidbruch dieser Schwere natĂŒrlich Grubendienst bei den DĂŒsterlingen. Und zwar ab jetzt!“ „Gru...“, japste Zoldak, „Grubendienst? Herr, ich bin Krieger!“
Er hatte nicht klagen wollen, aber dieses Urteil traf ihn – Grubendienst war die erniedrigendste Strafe, die es im Feldlager gab. Sie war die letzte Stufe, bevor die Leibesstrafen zum Einsatz kamen. Waren der Gerstensack, den er seit dem Vorfall tragen musste, seine kurzen Krallen und sein kahl geschorener Kopf denn nicht schlimm genug? „Ein Krieger warst du“, entgegnete Dschan, „mit allen Annehmlichkeiten. Jetzt ist dein Platz noch unter dem Dreck, den du schaufeln wirst! Sich bewusst mit irgendwelchen Krankheiten zu infizieren, um sich vor einer Schlacht zu drĂŒcken, ist ganz sicher nicht das Verhalten eines Kriegers. Wer sich nicht wie ein Krieger benimmt, wird auch nicht wie ein Krieger behandelt, so einfach ist das. Du wirst so lange im Gerstensack herum laufen und niedere Arbeiten verrichten, bis du gelernt hast, dich deines Standes entsprechend zu verhalten! Und dazu gehört in erster Linie, die Anweisungen seines Herrn zu befolgen, also scher dich vom Acker und tritt deine Strafe an. Der NĂ€chste!“
Auf diese unmissverstĂ€ndliche Aufforderung hin rappelte Zoldak sich auf. Er stolperte in Richtung Ausgang, presste die Lippen zusammen, hinter denen sich die Wangen blĂ€hten und hielt die Luft an. Es fĂŒhlte sich an, als hĂ€tte sich ein ganzer Bienenstaat in seinem Brustkorb eingenistet und brummte darin herum. Es gelang ihm noch mit MĂŒhe und Not, sich einige Schritte vom Empfangszelt zu entfernen, ehe der Anfall wie ein Gewitter aus ihm herausbrach. Hustend und wĂŒrgend brach Zoldak zusammen, jedes AufbĂ€umen seiner Lunge war wie ein Dolchstoß. Dass Husten derart schmerzen konnte, hatte er nicht geahnt, sonst hĂ€tte er es sich vor zwei Wochen vielleicht anders ĂŒberlegt, als er sich in voller Absicht mit einer LungenentzĂŒndung infiziert hatte. ZĂ€hes, blutiges Sekret quoll aus seinem Rachen und jedes Mal, wenn er mit weit aufgerissenem Mund nach Luft schnappen wollte, atmete er stattdessen diesen Schleim wieder ein, bis er fast das Bewusstsein verlor. Irgendwann war die Attacke vorbei. Zoldak lag erschöpft im Dreck, seine Lungen pumpten mit lautem Rasseln die kalte Luft des anbrechenden Tages. Eine Lache aus weißem Schleim, durchsetzt mit roten Adern und Erbrochenem, hatte sich unter ihm ausgebreitet, sein Gerstensack war völlig besudelt. Die Warteschlange glotzte mit hundert Augen in seine Richtung, ohne dass jemand sich um den Kranken kĂŒmmern wĂŒrde. Warum auch? Sein kahles Haupt wies ihn als Treulosen aus. Ihm beizustehen hieße, sich auf seine Seite zu stellen. Irgendwie schaffte Zoldak es, sich wieder auf die FĂŒĂŸe zu quĂ€len. Der Wille, den erteilten Auftrag zu erledigen, gab ihm die Kraft. Dschan hatte Recht, die Strafe war verdient und er musste sich wieder gut stellen mit ihm – auch wenn der Auftrag entwĂŒrdigend und gefĂ€hrlich war, schließlich warteten daheim sieben hungrige MĂ€uler.
Xolo saß mit hĂ€ngenden Schultern auf einem Strohballen. „Meine Nuss“, jammerte er leise und wiegte rhythmisch den Oberkörper. „Meine Sternenlichtnuss!“
Zoldak hĂ€tte ihn gern gefragt, was denn an der blöden Nuss so besonders war, dass er damit sogar freiwillig den launischen Feldherren belĂ€stigte, doch er hatte seine Pflicht zu erfĂŒllen und durfte nicht unnötig trödeln. Er hatte schon genug Zeit mit dem Husten vergeudet.
Schritt fĂŒr Schritt wankte er zu einem der Lagerzelte, wo er sich eine Schubkarre voller SĂ€gespĂ€ne und eine Schaufel holte. Niemand ĂŒberwachte, ob er seinen Befehl auch tatsĂ€chlich befolgte – er war als sehr folgsam klassifiziert und so lange er keine TĂ€towierung im Gesicht trug, die anderes aussagte, wĂŒrde man ihn in allein seine AuftrĂ€ge erledigen lassen. Zoldak war schwindlig vom Fieber, er stank erbĂ€rmlich nach seinem eigenen Auswurf und nach Schweiß. Dass er so schwitzte, lag nicht nur an seiner Krankheit sondern auch an der Angst vor dem, was ihn nun bei der Dunggrube erwartete. DĂŒsterlinge waren klein und feige, fĂŒr die Tieflinge waren sie das, was diese fĂŒr die Rakshaner waren – Sklaven. Doch der Mond allein wusste, wie sie auf Zoldak in seinem erbĂ€rmlichen Zustand reagieren mochten. Ihr Dörfchen war der einzige Platz, wo sie nach eigenem Ermessen handeln konnten, der Ort, wohin sie sich nach Arbeitsende zurĂŒckzogen, wo sie schliefen und nisteten. VerstĂ€ndlich, dass sie dort keine Tieflinge haben wollten. Sie konnten gefĂ€hrlich werden, wenn man nicht richtig mit ihnen umging. Aber Zoldak blieb keine Wahl, er musste sich zu ihnen begeben, ob er sich nun fĂŒrchtete oder nicht.

* * *



UmstĂ€ndlich manövrierte er den schweren hölzernen Schubkarren zwischen den BĂ€umen entlang, die zwischen der Zeltstadt und dem Lager der kleinen Kreaturen wuchsen und wohl mal ein Lustgarten gewesen waren. Die StĂ€mme glĂ€nzten vom Morgentau, Schneekehlchen zwitscherten und flatterten um zerschlagene Statuen. Das erste goldene Licht kroch hinter dem Horizont hervor und das Laub raschelte unter seinen FĂŒĂŸen. Schön wĂ€re der Morgen gewesen ohne seine Krankheit und ohne seine Strafe. Die AbstĂ€nde der BĂ€ume wurden bald wieder grĂ¶ĂŸer und die Strahlen der Morgensonne fluteten das frisch eroberte Land. Rakshanistan wuchs mitsamt seiner Herrlichkeit, nur Zoldak hatte daran keinen Anteil mehr. Er konnte von GlĂŒck reden, wenn er den Tag ĂŒberlebte und die Sterne in der folgenden Nacht nicht auf seinen Kadaver herab schienen.
Er erreichte die andere Seite des geschĂ€ndeten Gartens. Vor ihm lag ein Sumpf winziger, unsĂ€glich schmutziger Zelte. Wenn man nicht wusste, dass es sich hier um Behausungen handelte, konnte man das Ganze leicht mit einer Ansammlung von SchlammhĂŒgeln verwechseln. Ein paar WĂ€schestangen und Kochstellen waren die einzigen Anzeichen von so etwas wie Zivilisation. Die Bewohner, die gerade nicht fĂŒr die Tieflinge arbeiteten, schliefen um diese Tageszeit fast alle. Nur ein paar GrĂŒppchen von Trunkenbolden konnte Zoldak noch vereinzelt lĂ€rmen hören.
Er straffte die Haltung und versuchte so selbstbewusst aus zu sehen, wie es mit hohem Fieber und einem vollgekotztem Sackkleid nur möglich war. Dann marschierte er in die Richtung, aus der ein besonders scharfer Geruch wehte. Er wĂ€hlte einen Umweg, um sich möglichst weit am Rande des Zeltdorfes zu halten. Der nasse, nach FĂ€ulnis stinkende Schlamm umschloss seine nackten FĂŒĂŸe bis zum Knöchel und verklumpte am Rad des Karrens, so dass er nur langsam und mit großer Kraftanstrengung vorwĂ€rtskam. Er keuchte und sein Herz raste, der Sack klebten wie ein durchweichter Lappen auf seiner verschwitzten Haut. Gleichzeitig kroch der kĂŒhle Nebel des Morgens vom Waldsaum hinab. Zwar war Zoldak der Schlacht entkommen, indem man ihn wegen der Krankheit fĂŒr kampfuntauglich erklĂ€rt hatte, doch anstelle eines Speeres brachte ihm nun die Witterung den Tod – wenn es nicht die vermaledeiten Mistkerle taten, die eigentlich seine Sklaven waren und fĂŒr die er nun schuften musste! Als er um einen HĂŒgel bog, den er nicht hatte einsehen können stockte er. Ein GrĂŒppchen der kleinen Kreaturen trank gerade vergorene Milch, wovon sie lallten und torkelten. Sie gingen Zoldak nur bis zur Brust und trugen nichts weiter als einen Lendenschurz, die Frauen noch ein Band um den Oberkörper. Die KĂ€lte schien ihnen nichts auszumachen, zumindest weniger als ihm. Aber dafĂŒr waren sie ja bekannt ... unter anderem dafĂŒr. Ein paar nackte Kinder bauten einen Turm aus Kochgeschirr und warfen ihn unter lautem Gejohle wieder um. Die Haut der DĂŒsterlinge war, sofern unter dem Dreck sichtbar, schwarz wie Kohle und ĂŒberall haarlos. Aus dem Steiß wuchs ihnen ein sehr beweglicher Schweif, mit dem sie ihre Becher hielten oder sich an den Stangen der Vorzelte fest wickelten, um im Suff nicht umzufallen. In ihren Gesichtern blitzten ReißzĂ€hne, wenn sie lachten, ZĂ€hne, die Zoldak Angst machten. Lachten sie ĂŒber ihn oder ĂŒber einen ihrer flachen Witze? Sie sahen ihm nach. Er machte, dass er weiter kam.
Der zunehmend ĂŒblere Gestank verriet ihm, dass er sich auf dem richtigen Weg befand. Die KĂ€lte des Morgens begann der SchwĂŒle des Tages zu weichen und die letzten DĂŒsterlinge zogen sich zum Schlafen in ihre dauerhaft kĂŒhlen, verkrusteten Zelte zurĂŒck. Hier und da kicherte es noch, irgendwo weinte ein Kind. Obwohl die Sonne schien, grummelte es leise in der Ferne, die Wolken hatten sich weiter ausgebreitet. Bald wĂŒrde es regnen, wie fast jeden Tag in diesem Landstrich, aber wenn Zoldak sich beeilte, wĂŒrde er vielleicht noch vorher fertig werden.
Da war sie, die berĂŒchtigte Dunggrube, ein stinkendes Loch, ĂŒber dem der LĂ€nge nach ein braun beschmierter Baumstamm lag. Zum GlĂŒck benutzte ihn gerade niemand und Zoldak konnte ungestört den Weg dorthin mit frischen SĂ€gespĂ€nen bestreuen, die alte Grube zuschĂŒtten und daneben eine neue ausheben. Das Fieber zollte bei der schweren Arbeit seinen Tribut, ihm war schwindelig und er strauchelte immer wieder, wĂ€hrend er den verunreinigten Schlamm schaufelte. Zwischendurch zwangen ihn mehrere HustenanfĂ€lle in die Knie, so dass er bald nicht nur mit Schleim, sondern auch bis zu den Knien und Ellbogen mit Unrat beschmutzt war. Heute war er am absoluten Tiefpunkt seines Lebens angelangt! Noch tiefer konnte man nicht sinken. Ihm graute vor dem Gespött, wenn er vollgeschmiert nach Hause kam, den HĂ€nseleien seiner beiden Frauen, die ihm ohnehin schon genug auf der Nase herumtanzten. Seit er den Sack trug, nannten sie ihn bloß noch Zolda, was die weibliche Form seines Namens war. Zwei garstige Damen hatte er da geehelicht, das war ihm schon kurz nach der VermĂ€hlung bewusst geworden. Seit Beginn der Bestrafung wurden sie nicht mĂŒde, aller Welt auch öffentlich zu zeigen, was sie von ihrem Mann hielten. Vielleicht hofften sie, dass die Schmach auf diese Weise nicht auf sie ĂŒber ging. Und seine KampfgefĂ€hrten, seine sogenannten Freunde, standen ihnen dabei in nichts nach. Der Verlust aller Zuneigung, der mit seiner Bestrafung einher ging, war die schlimmste Strafe ĂŒberhaupt. Er musste zusehen, dass er Dschan schnellstmöglich wieder gnĂ€dig stimmte!
„Dort sollst du nicht graben!“, krĂ€hte es plötzlich unweit von ihm. MĂŒde hob er seinen Kopf und blickte mit glasigem Blick in die schwarze Fratze eines DĂŒsterlings, der sich mit verschrĂ€nkten Armen vor ihm aufgebaut hatte. Seine großen spitzen Ohren sahen aus wie die einer Fledermaus.
„Ich sagte, du sollst dort nicht graben!“, wiederholte er, als Zoldak ihn verstĂ€ndnislos anstarrte. Dem Tiefling schlotterten die Knie. Es war vom SchĂŒttelfrost, doch auf den kleinen Kerl machte es wohl keinen sehr herrischen Eindruck, sicher der Grund, warum er sich so frech verhielt. Immerhin war er – allein? Zoldak runzelte verwundert die Stirn. „Wo sind deine Freunde?“
„Meine was?“
„Andere DĂŒsterlinge. Ihr seid doch sonst nie allein unterwegs?“
„Ach, du meinst meine Rudelmitglieder!“
„Genau. Warum sind sie nicht mit dir gekommen?“
Der Kleine warf einen schwer zu deutenden Blick zu den schlammigen HĂŒgeln, die seine Heimat bildeten. „Wir wollten dich nicht erschrecken, indem wir gleich im Pulk anrĂŒcken!“, behauptete er und stemmte die HĂ€nde in die HĂŒften. „Trotzdem sollst du woanders eine neue Scheißgrube bauen! Nicht hier!“
„Ich grabe dort, wo ich will“, entgegnete Zoldak. „Ich habe keine Lust, die Erde von sonst wo hier her zu schleppen, um die alte Grube zu verschließen.“ In seiner Lunge kratzte es. Mit grĂ¶ĂŸter Willensanstrengung unterdrĂŒckte er ein erneutes Husten. Der DĂŒsterling blickte sich ein weiteres Mal in Richtung der Zelte um. „Du darfst auf der anderen Seite der alten Grube schaufeln!“, schlug er vor. „Dann musst du den Schlamm auch nicht weiter schleppen als jetzt!“
„Aber dann mĂŒsste ich trotzdem mit der neuen Grube von vorn anfangen. Ich werde einfach hier weiter arbeiten damit ich rasch fertig werde und 
 und...“ Sein Brustkorb bebte. Zoldak hielt sich die Faust vor die Lippen, seine Wangen blĂ€hten sich auf. Der DĂŒsterling legte den Kopf schrĂ€g. „Und?“
Zoldak war nicht imstande zu antworten. Seine Augen trĂ€nten, die Welt begann sich zu drehen und sein Brustkorb krampfte, bis der Husten endgĂŒltig aus ihm herausbrach. Diesmal war es schlimmer als je zuvor. Als er sich endlich mĂŒhsam wieder aus dem Schlamm schĂ€lte, wo ein lebensgroßer Abdruck von ihm zurĂŒckblieb, stand das widerwĂ€rtige kleine Geschöpf immer noch da. Ein schadenfrohes Grinsen entstellte sein ohnehin schon nicht sehr ansehnliches Gesicht. Nun konnte man sehen, dass ihm die vier großen FangzĂ€hne gezogen worden waren. EntzĂŒndete Wunden klafften dort, das Zahnfleisch war rot und geschwollen. „Du bist krank!“, frohlockte es.
„Eine kleine ErkĂ€ltung und ein fĂŒrchterlicher Kater vom Vortag. Sieht schlimmer aus, als es ist.“ Zoldak begann zu schaufeln, als wĂŒrde sein Leben davon abhĂ€ngen. Bloß keine SchwĂ€che zeigen! Nicht hier, inmitten der BrutstĂ€tte dieser bissigen Landplagen! Sie mochten folgsam sein, wenn er eine RĂŒstung trug, ihm sein Essen kochen und seine WĂ€sche waschen – doch heute war er ein Bestrafter und das wussten sie. Heute hatte er ihnen nichts zu befehlen. Der Schlamm flog nur so, als er seine letzten KrĂ€fte mobilisierte. „Nein, nein, nein!“, kreischte der DĂŒsterling, schlug die HĂ€nde ĂŒber dem Kopf zusammen und tanzte auf der Stelle. „Hör auf! Ich habe da etwas angepflanzt!“
Zoldak hielt inne und rang nach Luft. Seine Lungen schmerzten. Keuchend ließ er den Blick ĂŒber das Krustendorf schweifen. Schlamm, nichts als Unmengen von Schlamm und Unrat waren zu sehen. Weder Felder noch Nutzvieh, denn die DĂŒsterlinge wurden gefĂŒgig gehalten, indem man sie fĂŒtterte. Schon vor Generationen hatten sie verlernt, sich selbst mit Nahrung zu versorgen, von Ackerbau ganz zu schweigen. „Was hast du denn angepflanzt?“ Zoldak betrachtete zweifelnd das nervöse Kerlchen. „Etwas Großes! Etwas Wichtiges! Wenn du es nicht schon kaputtgemacht hast!“
Der DĂŒsterling starrte auf die Grube, in der Zoldak stand. Der zuckte mit den Schultern. „Hier wĂ€chst doch sowieso nichts, hier wĂŒrde bloß alles verfaulen. Außerdem musst du einen Zaun drumherum ziehen, sonst trampelt doch jeder darĂŒber.“
„Das, was ich angebaut habe, braucht keine Trockenheit und keinen Zaun! Es wĂ€chst auch so! Jetzt mach dich da weg!“
Der DĂŒsterling schlich um die Grube herum, als wĂŒrde er Zoldak am liebsten persönlich herausjagen, sich aber nicht trauen. Ein ausgewachsener Zhencrail war auch nicht unbedingt jemand, mit dem man sich bei seiner KörpergrĂ¶ĂŸe anlegen sollte. „Hör mal“, sagte Zoldak in versöhnlichem Ton. „Ich habe hier schon ein Loch ausgehoben, was mir bis ĂŒber die Knie geht. Selbst wenn du hier etwas ausgesĂ€t hast, ist es jetzt kaputt.“
„Ist es nicht! Es ist ganz tief im Schlamm, weit unten, viel weiter! Ich habe mit einem Pfahl ein Loch rein gerammt, ihn wieder raus gezogen und es dann da reingetan! Wenn du es getroffen hĂ€ttest, wĂŒrdest du es schon merken!“ Er schlug sich rasch beide HĂ€nde vor den Mund. Als Zoldak jedoch nur irritiert die Brauen verzog, schien er sich wieder zu beruhigen. Er versuchte, mit seinem verstĂŒmmelten Gebiss ein LĂ€cheln aufzusetzen. „Tiefling! Heute ist dein GlĂŒckstag! Denn ich habe zufĂ€llig noch ein paar HustenkrĂ€uter zu viel! Aus denen kannst du dir einen herrlichen Tee bereiten, der dich ganz fix wieder gesund macht!“ Er ging ein paar Schritte rĂŒckwĂ€rts und machte eine einladende Geste in Richtung des hĂ€sslichen Dorfes. „Komm mit, sie sind in meinem Zelt!“ Ein wenig Speichel tropfte aus seinem starren Grinsen. Zoldak reckte interessiert den Hals. Der Nebel zog in weißen Bahnen zwischen den SchlammdĂ€chern entlang. Es herrschte vollkommene Stille. Nur das Rasseln seines Atems und die schmatzenden GerĂ€usche von den FĂŒĂŸen des DĂŒsterlings waren zu hören. Seine Brust schmerzte, als wĂŒrden die Bienen darin ihn gemeinschaftlich stechen. Er legte die Finger auf die Kehle. Etwas warmer Tee wĂŒrde ihm gut tun, wenn er hier fertig war 
 „In Ordnung, bring die KrĂ€uter her. Sobald du wieder da bist, höre ich auf zu schaufeln.“
Das Gesicht des DĂŒsterlings war zu einer sabbernden Fratze gefroren, er zwinkerte nicht einmal mehr. Nur die Lippen bewegten sich beim Reden. „Nein! Du darfst nicht einen einzigen Spatenstich mehr machen! Sonst könnte es zu spĂ€t sein!“ Offenbar war er es nicht gewohnt, zu lĂ€cheln, seine Wangen zitterten schon vor Anspannung. „Komm mit, dann wirst du wieder gesund!“
„Hol den Tee her“, beharrte Zoldak. „Ich werde derweil hier warten und verspreche dir, in der Zwischenzeit auch nicht weiter zu graben.“
„Versprochen und gebrochen!“, zischte der Kleine, ohne seine Mimik zu verĂ€ndern. Er fuhr mit der Zunge ĂŒber seine verstĂŒmmelten ZĂ€hne. „Hör auf zu diskutieren! Komm einfach mit! Dann bekommst du Tee, der dich gesund macht! Oder bleib hier und stirb, Bestrafter!“
Das zur Maske erstarrte Gesicht wurde Zoldak langsam unheimlich. Er betrachtete die ZahnlĂŒcken. „Was ist mit deinen Beißern passiert, hat man dich etwa auch bestraft?“
FĂŒr einen Augenblick erlosch das Grinsen. Zoldak setzte sofort nach. Vielleicht konnte er die Sympathie des Kerlchens gewinnen, wenn er ein wenig vertraulich plauderte. „Ich habe mich zum Schlafen in die Decke eines KampfgefĂ€hrten gewickelt“, beichtete er. „Eines GefĂ€hrten, der LungenentzĂŒndung hat. Ich wollte mich anstecken, um das kommende Gefecht bequem im Lazarett zu verschlafen.“
Etwas im Gesicht des DĂŒsterlings Ă€nderte sich. „Sieh an!“, sagte er. „Ich dachte, ein Zhencrail ist treu, von der Geburt bis zum Tod? Was ist mit deinem Eid? Leben und Sterben fĂŒr Rakshanistan und so?“
„Ich will den Herren ja auch gern folgen, aber weißt du, es ist die Angst. Seit dem letzten Kampf, wo mein Onkel neben mir einen Speer in den Hals bekam, versagen mir jedes Mal die Beine, wenn ich meinen SĂ€bel auch nur zur Hand nehme. Kurz bevor wir losziehen, breche ich bewusstlos zusammen. Einfach so, zack und weg. Meine KampfgefĂ€hrten haben mir angedroht, mich das nĂ€chste Mal trotzdem mit zu nehmen, in dem sie mich auf ein Pferd binden und es dann einfach ĂŒbers Schlachtfeld laufen lassen. Darum habe ich mir die Sache mit der Decke ausgedacht. Ein Krieger sollte den Tod nicht fĂŒrchten, der Tod ist seine Arbeit. Ich habe die Strafe mehr als verdient.“
Der DĂŒsterling lachte freudlos. „Ha! Und ich dachte schon, du hĂ€ttest so etwas wie Verstand!“
„Was möchtest du damit andeuten?“ Misstrauisch kniff Zoldak die Augen zusammen. War der Kleine etwa ein Aufwiegler?
„Ist doch egal! Komm mit und lebe!“ Der DĂŒsterling wies mit dem Kopf zu den Zelten, doch Zoldak blieb stur. Das Letzte, was er wollte, war diesem Kerlchen in das Herz seiner BrutstĂ€tte zu folgen. Besonders nicht nach seiner seltsamen Äußerung. „Weißt du was, wir machen es umgekehrt, Kleiner.“
„Kleiner? FĂŒr dich immer noch Mard, Bestrafter! Ich bin nicht klein fĂŒr einen DĂŒsterling! Es steht dir nicht zu, so mit mir zu reden, du jĂ€mmerlicher Kastrat! Das passende Kleidchen hast du ja schon an!“
„Bring mir die KrĂ€uter, Kleiner.“ Zoldak starrte ihn drohend an, um ihn daran zu erinnern, dass er nicht ewig seinen gegenwĂ€rtigen Status innehaben wĂŒrde. „Bring sie hier her, oder ich werde genau an dieser Stelle die tiefste Dunggrube ausheben, die du je gesehen hast!“ Er rammte den Spaten bis zum Stiel in die nasse Erde hinein. Ein kaum merkliches Zittern ging durch den Schlamm – oder war er das selber gewesen? Das Grinsen des DĂŒsterlings erstarb. Eine Schweißperle lief seine SchlĂ€fe hinab.
Er sprang hinab vom Rand der Grube und warf sich vor Zoldak der LĂ€nge nach in den Dreck. „Bitte!“, heulte er. „Hör endlich auf, hier herumzustochern! Es hat viel Arbeit gemacht, viel Risiko bedeutet! Und du machst alles kaputt! Ich höre ja schon auf, dich zu Ă€rgern!“
Zoldak wich einen Schritt zurĂŒck, doch Mard kroch ihm auf dem Bauch hinterher.
„Bitte! Ich flehe dich an! Sei nicht so gemein!“ Der DĂŒsterling greinte jĂ€mmerlich. Zoldak stemmte beide Beine fest in den Boden. Wenn er noch weiter zurĂŒckwich, wĂŒrde er aus der Grube heraus gedrĂ€ngt werden. Irgendetwas an der Situation war ihm unheimlich. Er hatte viele Schlachten geschlagen und im Laufe der Jahre ein gutes BauchgefĂŒhl entwickelt. Hier war mehr faul als nur der Schlamm.
„Nein“, sagte er entschlossen. „Ich habe einen eindeutigen Befehl und den werde ich bis zu Ende ausfĂŒhren! Ich habe mich bei unseren Herren schon unbeliebt genug gemacht. Sie sollen nicht noch mehr enttĂ€uscht werden.“
Der DĂŒsterling wand sich winselnd und umklammerte seine Fußgelenke. Doch Zoldak stand stur wie ein Fels, die Hand auf den im Schlamm steckenden Spaten gestĂŒtzt. Wieder vibrierte der Boden, diesmal war es eindeutig. Etwas stimmte hier nicht. Er musste zusehen, dass er hier schleunigst fertig wurde!
„Lass los, ich muss arbeiten.“
Er zog seine FĂŒĂŸe weg und wollte bedrohlich knurren, doch er bereute es sofort. Seine Lungen rebellierten, er japste, taumelte, die Augen weit aufgerissen und stieß beim Versuch, das Gleichgewicht wieder zu erlangen, den Spaten um. Eines seiner Beine knickte weg und er fiel auf das Knie.
Der Ausdruck im Gesicht des DĂŒsterlings Ă€nderte sich. Seine Augen wurden schmal, der Blick stechend. Mit einem Mal sprang er Zoldak an, so dass der Tiefling rĂŒcklings umgestoßen wurde und vollstĂ€ndig im Schlamm versank. Mard setzte nach und hieb mit Klauen und FĂ€usten auf sein Gesicht ein. Die nasse Erde schloss sich wie ein flĂŒssiger Sarg um Zoldaks Körper. Er schlug mit Armen und Beinen um sich und versuchte, seinen Kopf nach oben zu bekommen, doch der DĂŒsterling stieß ihn sofort mit der Pranke zurĂŒck in die nasse Dunkelheit. Verunreinigter Schlamm drang in seine Augen und in den Mund, in seine Ohren und Nasenlöcher, es wurde dunkel. Immer tiefer sank er, als wĂŒrde er sich nicht mehr in einem Schlammloch, sondern einem Sumpf befinden, seine verzweifelt ausgestreckten HĂ€nde erreichten die OberflĂ€che nicht mehr. Es wurde unnatĂŒrlich warm um ihn. Auch die Bewegungen des kleinen Angreifers, der auf seiner Brust gesessen hatte, um ihn zu ersticken, verĂ€nderten sich. Er hörte auf, Zoldaks Kopf mit beiden HĂ€nden hinab zu drĂŒcken und stieß sich von ihm ab. Es wurde immer heißer und das stĂ€ndige Vibrieren verstĂ€rkte sich zu einem Wogen und Walken, einem Kneten und Schieben wie ein riesiger verfaulter Teig. Zoldak wurde herumgewirbelt, er bekam einen Fuß ins Gesicht, dann spĂŒrte er die ZĂ€hne des DĂŒsterlings am Ellebogen, musste einen Schlag in die Leber einstecken, ehe Mard plötzlich ganz fort war. Und dann spuckte der Schlamm den Tiefling mit einem unanstĂ€ndigen GerĂ€usch aus, Zoldak flog hoch in die Luft, zusammen mit einem Regen von Millionen KlĂŒmpchen. Er ĂŒberschlug sich, sah das leuchtende Morgenrot, die schlammverschmierten Zelte, Mard, der kopfĂŒber neben ihm flog, das WĂ€ldchen, durch das er zuvor mit dem Karren gegangen war und auch die halb zugeschaufelte Dungrube. Der Schlamm tĂŒrmte sich derweil immer weiter empor, bis Zoldak mit den FĂŒĂŸen zuerst wieder bei ihm ankam – er landete rittlings auf dem sich aufbĂ€umenden Unrat wie auf einem Pferd, nur dass der das Ausmaß einer Karawane hatte. Diesmal versank er nicht. Er war zu sehr mit Luftholen beschĂ€ftigt, um sich darĂŒber zu wundern, dass das Dung-Schlamm-Gemisch nun eine feste Form angenommen hatte und sich bewegte. Breitbeinig saß Zoldak auf dem riesigen Wurm, der mit ihm herumzukriechen begann. Hinter sich hörte er ein hĂ€ssliches Flatsch und dann spĂŒrte er Mard, der ihn mit beiden Armen umklammerte und kreischte.
Der Wurm hob die vordere HĂ€lfte mit den beiden Reitern an, bis sie so weit vom Grund entfernt waren, als wĂŒrden sie auf einem Wachturm sitzen. Dann begann er sich vorwĂ€rts zu bewegen, indem er mit dem hinteren Ende schlĂ€ngelte, zunĂ€chst langsam, dann schneller.
„Es funktioniert!“, quiekte Mard völlig aus dem HĂ€uschen. „Es lebt! Es kriecht!“ „Ist dies hier etwa das, was du angepflanzt hast, du Irrer?“, brĂŒllte Zoldak und umklammerte mit den Beinen fest das Monstrum. Er konnte zwar einigermaßen reiten, aber nur auf Kamelen, nicht auf so was! MĂŒhsam hielt er das Gleichgewicht auf dem glitschigen, runden Rumpf. „Was hast du hier bloß erschaffen?“
Der DĂŒsterling krallte sich von hinten an seinem verschlammten Gerstensack fest und quiekte abwechselnd vor Freude und Angst. „Das solltest du erkennen! Einen Gluhschwanz! Nur etwas verkrĂŒppelt ist er geraten und braun! Und er hört auf mich! Auf mich allein! Los, mein matschiger Freund, wir beginnen im Norden!“
Der Wurm drehte den Klumpen, der seinen Kopf darstellen sollte, in die Richtung des schmutzigen Zeltdorfes. Dort, wo er aus der Dunggrube entsprossen war, ließ er einen Krater zurĂŒck, in den ein ganzer Tempel hinein gepasst hĂ€tte. Wenigstens konnte man Zoldak nicht vorwerfen, dass er seine Arbeit nicht erledigt hĂ€tte. Dies war mit Sicherheit die grĂ¶ĂŸte Dunggrube, die jemals ausgehoben worden war!
Das Ungeheuer wĂ€lzte sich vorwĂ€rts wie eine Lawine, brauch BĂ€ume und StrĂ€ucher, BĂŒsche und Ruinen. Ohne Unterschied ĂŒberwalzte es jeden, der sich nicht rechtzeitig in Sicherheit brachte. Zu Zoldaks Entsetzen hetzte Mard das UngetĂŒm nun auf seine eigenen Leute, das gesamte schlammige Zeltdorf der DĂŒsterlinge wurde mit Mann und Maus, mit Kind und Kegel eingeebnet, wobei Mard hysterisch lachte und kreischte wie ein Äffchen.
„Du Dreckskerl“, rief Zoldak. „Wie kannst du so etwas nur tun? Hast du denn gar kein Gewissen?“
„Ich hatte mal eins, vor langer Zeit! Wenn ich mich recht entsinne! Ich glaube, das habe ich damals mit meinen ZĂ€hnen verloren! Vielleicht erinnere ich mich aber auch falsch und es war nie da! Es könnte auch nur ein Traum gewesen sein! Es gab so vieles, wovon ich getrĂ€umt habe!“
Er ließ den Wurm noch ein zweites Mal ĂŒber das Dorf hinwegwalzen, als ob er fĂŒrchtete, es könnte nicht genug zerstört worden sein. Zoldak war zutiefst schockiert. „Wie kannst du nur, warum bringst du dein eigenes Rudel um?“
„Weil sie es verdient haben! Weil sie kriechen und ducken, genau wie du! Sie sind schuldig, allesamt!“
Nichts als eine stinkende, flache Ebene blieb von dem Lager ĂŒbrig, ein Totenfeld, das im Morgenlicht glĂ€nzte. Reglose schwarze Körper lagen darin wie Insekten in flĂŒssigem Kerzenwachs. Die Wolken verdeckten inzwischen fast den gesamten Himmel, die gerade erst aufgegangene Sonne verschwand immer weiter.
„Nach Norden, sage ich, nach Norden!“, quiekte Mard und zappelte vor Aufregung. Und weiter ging die Fahrt des Grauens. Vertraute GerĂŒche stiegen in Zoldaks Nase, der Geruch von Lagerfeuern und AusdĂŒnstungen von Körpern. Mit Schrecken erkannte er, worauf der DĂŒsterling hinaus wollte.
„Du Wahnsinniger! Im Norden ist das Feldlager der Rakshaner! Meiner und deiner Herren!“
Entsetzt riss er die Augen auf, der Kleine lachte. „Sehr richtig! Und es ist lange genug dort gewesen! VorwĂ€rts, WĂŒrmchen!“
So erbarmungslos und allesvernichtend wie eine Naturgewalt brach das Monster ĂŒber die Zelte herein, ĂŒber die Gatter mit den Nutztieren und die Lazarette, die FeldkĂŒchen und Materiallager. Holz brach, ReithyĂ€nen flĂŒchteten oder wurden versenkt, Rakshaner liefen mit wehenden Gesichtsschleiern durcheinander. In ihrer Panik versuchten sie, sich zu formieren, schossen mit verschiedensten Waffen auf das Monster, vom Reiterbogen bis zur erbeuteten Balliste, doch jedes Mal, wenn sie es beschĂ€digt hatten, formte es sich einfach um, so dass die LĂŒcke sich wieder schloss. Es schien, als wĂ€re die Kreatur unverwundbar.
Der DĂŒsterling jubelte und feuerte den Wurm immer weiter an und Zoldak hatte den Eindruck, als höre das Monster ihm aufs Wort. Der Tiefling musste hilflos mit ansehen, wie das komplette Feldlager seiner Gebieter zu einer schlammverschmierten TrĂŒmmerlandschaft verarbeitet wurde. Wie ein durchgewalkter Brotteig, in dem tausende Zahnstocher, TaschentĂŒcher und PĂŒppchen eingeknetet waren sah es nun von hier oben aus. Mard verschonte keinen und das UngetĂŒm schien unaufhaltsam zu sein. Dennoch – Zoldak hatte das GefĂŒhl, der Wurm reagiere auf seinen Schenkeldruck. Er wurde tatsĂ€chlich langsamer, oder tĂ€uschte das? Zoldak kam nicht dazu, es auszuprobieren. Kaum war das Feldlager der Rakshaner dem Erdboden gleichgemacht, ohne dass auch nur ein einziges Zelt verschont geblieben wĂ€re, riss der DĂŒsterling das Monster erneut herum.
„Es ist vollbracht! Und jetzt nach Westen!“
„Nach Westen? Aber da liegt das Lager der Tieflinge! Mein Lager!“
„Du hast es erfasst! Wenn schon, denn schon!“
„Was soll das, wir sind doch auch nur Sklaven der Rakshaner! Wir können doch gar nichts fĂŒr den ganzen Feldzug!“
„Ja, ihr seid Sklaven, die sich selber Sklaven halten! Ihr seid keinen Deut besser! Lange genug habe ich fĂŒr deinesgleichen Unterhosen geschrubbt und Suppe gekocht, wĂ€hrend ich selber bei jedem Wetter nur diesen Lappen trage und mir der Magen knurrt! Und wofĂŒr? DafĂŒr, dass die Rakshaner ihr Gebiet ausdehnen und sich noch mehr Tieflinge halten! Noch mehr Tieflinge, die von noch mehr DĂŒsterlingen bedient werden! Hinfort mit euch, weg mit euch allen! Ich reinige die Welt mit Dung, so wie sie es verdient!“
Der Wurm war immer schneller geworden, umso grĂ¶ĂŸer der Rachedurst des kleinen Unholds angewachsen war. Inzwischen raste das Monster mit der Geschwindigkeit eines galoppierenden Pferdes ĂŒber die Lande, wĂ€hrend der Schlamm zu allen Seiten spritzte. Bald wĂŒrde es an seinem Ziel sein. Zoldak konnte schon die DornenbĂŒsche sehen, die das Lager wie eine Hecke umgaben und gerade in voller BlĂŒte standen.
„Du bist wahnsinnig, Mard, vollkommen irre!“
„Nicht irrer als du und alle anderen!“ Zoldak spĂŒrte, wie Mard sich hinter ihm zur Seite lehnte und an seiner Schulter vorbei glotzte. „Ah, da sind sie ja schon, eure schwarzen Zelte! Mit hĂŒbschen Blumen drumherum! Und an den Kochstellen werkeln DĂŒsterlinge! Aber gleich nicht mehr, gleich nicht mehr!“
„Nein!“, brĂŒllte Zoldak, griff in den Nacken des Monsters und zerrte an einem Schlammwulst wie an einem ZĂŒgel. Gleichzeitig presste er den Hintern in den RĂŒcken des Wesens – und mit einem Mal stoppte es. Er hatte nicht damit gerechnet, dass es auf ihn hören wĂŒrde und starrte verblĂŒfft die braune Masse an.
Auch der DĂŒsterling hörte fĂŒr einen Augenblick auf, mit den Fersen auf seine Schöpfung einzutrommeln. Dann fuhr er in doppelter Geschwindigkeit damit fort und krĂ€hte noch lauter als zuvor: „VorwĂ€rts! Vernichte das Tieflings-Lager! Dein Meister Mard befielt es! Ich habe die Saat gestohlen, die magische Nuss, in der du geschlafen hast! Ich habe sie gepflanzt in die fruchtbarste Erde, die ich finden konnte, ich habe die SprĂŒche aufgesagt bei Sternenschein! Also bin ich es auch, dem du nun folgen musst! Tu es gefĂ€lligst!“
Das Monster setzte sich fĂŒr einen Moment in Bewegung, doch als Zoldak erneut an dem Wulst zog und sich darauf konzentrierte, es zu stoppen, hielt es wieder inne.
„Verflucht noch eins! Wieso hört es auf dich? Es sollte nicht auf dich hören!“
Mard tobte hinter ihm, wĂ€hrend der Tiefling versuchte, so ruhig wie möglich zu bleiben und gedanklich auf das Wesen einzuwirken. Es klappte! Sein Willen war stĂ€rker als der Rachedurst des DĂŒsterlings.
Der Wurm begann sich rĂŒckwĂ€rts zu wĂ€lzen, fort vom Lager, fort von seiner Familie, seinen Freunden und KampfgefĂ€hrten. Zwar schien das Monster mitunter unsicher und versuchte, wieder in die andere Richtung zu drĂ€ngen, doch Zoldak gelang es, seine gesamte Konzentration darauf zu richten, seine Leute zu retten. Alles, was er liebte, befand sich auf diesem kleinen Fleckchen Erde. Er wĂŒrde nicht zulassen, dass das UngetĂŒm sie alle umbrachte!
„Irgendetwas ist schief gelaufen“, wetterte Mard. „Aber das kriege ich wieder hin!“
Er stieß dem Tiefling einmal mit der Faust zwischen die SchulterblĂ€tter, es tat nicht sonderlich weh, war mehr ein wohl platziertes Knuffen - doch dann spĂŒrte Zoldak wieder die Bienen in seiner Lunge, die krabbelten und brummten, pieksten und stachen. Verdammt, nicht jetzt! Er musste die Zhencrail retten, der Großteil des Stammes befand sich dort! Er krĂŒmmte sich vor Schmerzen zusammen und hielt die Luft an. Bloß nicht husten! Wenn seine Konzentration jetzt nachließ, waren sie alle todgeweiht.
Das Ungeheuer kroch immer langsamer rĂŒckwĂ€rts. Schließlich stoppte es und reckte den langen Hals mit dem Klumpenkopf zögerlich in Richtung des Lagers. Zoldak gelang es nicht lĂ€nger, den Husten zu unterdrĂŒcken.
Mard stieß einen schrillen Siegesruf aus und stieß ihm brutal in die Nieren, so dass Zoldak aufjaulte, dann packte der DĂŒsterling ihn bei seinem Lumpen, zerrte ihn aus der Sitzfurche und versuchte, ihn herunterzureißen, doch Zoldak drehte den Oberkörper und griff nach dem Erstbesten, was er zu fassen bekam und das war Mards Ohr. Er zerrte den schwarzen Kerl daran zu sichm um ihn auch mit der anderen Hand packen zu können und versuchte nun seinerseit,s den DĂŒsterling hinabzustoßen. Der jedoch hielt sich mit aller Kraft an Zoldaks Kleidung dest. Der Stoff war stabil und so gelang es Zoldak nicht, ihn zum Reißen zu bringen. Mard hing an ihm wie eine bissige Katze, er schrie und biss um sich, wĂ€hrend der Tiefling ihn an seinem Ohr nach hinten zerrte, um die ZĂ€hne von sich fernzuhalten.
Der Wurm raste wĂ€hrend ihres Kampfes unkontrolliert im Kreise, buckelte und zuckte, so dass Zoldak alle MĂŒhe hatte, das Gleichgewicht zu halten. Im gleichen Moment klatschte Mards Schweif ihm einen Batzen Dreck ins Gesicht, genau, als er gerade einatmete, so dass ein guter Teil des Unrats in seiner Lunge landete. Seine Hand ließ das Ohr los, wĂ€hrend er sich zusammenkrĂŒmmte. Der DĂŒsterling reagierte schnell, er fasste erneut Zoldaks provisorische Bekleidung und als der Wurm wieder zuckte, nutzte er den Schwung aus, um den Tiefling endgĂŒltig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Zoldak schlitterte und rollte die Dungwand hinab und blieb japsend im Dreck liegen, die Augen und den Mund weit aufgerissen, den fauligen Geschmack des Schlammes auf der Zunge, gemischt mit dem von Blut.
„Ha!“, triumphierte Mard hoch ĂŒber ihm und setzte sich schmatzend in Zoldaks Sitz, ergriff den ZĂŒgelwulst und hĂ€mmerte dem Wurm die Fersen in die Flanken. „Los jetzt, wir haben genug Zeit verschwendet! Vernichte diese verfluchten GrauhĂ€ute, damit wir endlich von hier fort können!“ Doch das Monster blieb an Ort und Stelle, verharrte so unbeweglich wie eine Statue aus Dung, errichtet zu Ehren einer gigantischen Wurmgottheit. „Was soll das!“, heulte Mard. „Alles geht schief!“ Dann richtete er die Augen auf Zoldak. „Ah, so ist das!“, sagte er nachdenklich. „Es braucht aus irgendeinem Grunde uns beide! Los, Tiefling, steig wieder auf!“
„Ich denke ja gar nicht daran“, protestierte der und kĂ€mpfte sich auf die FĂŒĂŸe. „Soll das Monster doch hier bleiben und versteinern, irgendwann erlischt der Zauber. Und dann wirst du fĂŒr alles zur Verantwortung gezogen!“
Die mĂ€nnlichen Tieflinge, die sich auf die Schnelle Waffen besorgen konnten, bildeten eine Linie und kamen nĂ€her, die meisten noch in Schlafkleidung. SĂ€bel und Speere blitzten im Morgenlicht. Viele hatten nur Zeltstangen, Schaufeln und Ă€hnliches in den HĂ€nden, manch einer war bloß mit seinen geballten FĂ€usten angerĂŒckt, um das Lager zu verteidigen. Gut so!
„Auf dich wartet Silber“, sĂ€uselte der DĂŒsterling. „Was du dir davon alles kaufen kannst!“
Doch Zoldak blieb, wo er war, ermutigt durch die Anwesenheit der anderen Krieger. „Du hast unsere Herren auf dem Gewissen, du Mörder! Was soll jetzt aus meinem Stamm werden?“
„Du bist ein blöder, dummer Sklave!“, schrie der DĂŒsterling. „Du könntest frei sein! Stattdessen jammerst du um den Verlust deiner Ketten!“
„Warum sollte ich frei sein wollen, es ging mir gut! Ich brauche dein Silber nicht, ich besaß alles, was ich wollte! Eine Unterkunft, jeden Tag zu essen, eine Familie! Mein Leben hatte einen Sinn, verdammt, ich war ein Krieger Rakshanistans! Und jetzt? Ich habe sieben hungrige MĂ€uler zu stopfen!“
„Gut, wenn du es so haben willst – ich stelle euch an! Ich bin euer neuer Herr! Eine eigene Armee von GrauhĂ€uten wĂ€re gar nicht mal schlecht! Mit eurer UnterstĂŒtzung könnte ich als nĂ€chstes diese hĂ€ssliche rakshanische Hauptstadt einebnen!“
Zoldak legte den Kopf in den Nacken, um den DĂŒsterling besser sehen zu können. „ Du?“, fragte er zweifelnd.
„Ja ich!“
„Und wie willst du uns bezahlen?“
„Du Einfaltspinsel! Mit dem Silberschatz natĂŒrlich, den ich schon erwĂ€hnte! Jetzt schwing endlich dein verschissenes Heck hier hinauf!“
Immer mehr Tieflinge umschlossen Zoldak, Mard und das UngetĂŒm. Sie blickten alles andere als freundlich drein. Auch ein paar DĂŒsterlinge huschten zwischen ihnen herum.
„Ein Golem“, keuchte jemand entsetzt. „Ein Golem aus Schlamm!“
„Aus Dung bitte sehr“, keifte Mard und schĂŒttelte die Faust. „Ich habe fruchtbares Material genommen, damit die Saat gut gedeiht! Das ist echte Handwerkskunst, auch wenn es eigentlich ein Gluhschwanz werden sollte! Erzittert vor meiner Magie!“
„Magie?“, wunderte jemand sich.
„Da sitzt ja ein DĂŒsterling oben drauf“, sagte ein anderer und schirmte die Hand gegen die verbliebenen Sonnenstrahlen ab. Zoldak kannte ihn. Es war Fango, derjeinige, der ihn im Lazarett verpfiffen hatte. Und zufĂ€llig auch der geschiedene erste Mann seiner Hauptfrau. Fango hielt einen Spaten. „Seit wann beherrschen die Unreinen Magie?“, frage Fango und starrte Mard an. „Oder gibt es Ausnahmen?“
„Nein, gibt es nicht!“, erwiderte der Tiefling neben ihm. „Keiner von denen kann das, sie haben keine Magie im Blut! Wir Zhencrail haben einfach kein Talen, doch DĂŒsterlinge haben ĂŒberhaupt nichts mit Magie zu tun. Kein einziges Rudel.“
Zoldak zog nachdenklich eine Augenbraue nach oben. Wenn DĂŒsterlinge keine Zauber wirken konnten, was hatte es dann mit dem UngetĂŒm auf sich, das er beschworen hatte? Wie kam es zustande?
Das Dungmonster neigte seinen Klumpen zu Zoldak herab und verharrte damit genau vor seiner Nase. Es stank bestialisch. Es glotzte ihn augenlos an, als ob es auf sein Kommando wartete.
„Du“, rief Fango und zeigte mit seinem Spaten auf ihn. „Der Golem folgt dir! Du hast diesem kleinen Scheusal da oben geholfen, nicht wahr?“
Bei Rakshor, der Krieger hatte Recht! Plötzlich ergab alles einen Sinn. Zoldak hatte durch seinen blutigen Hustenauswurf sein magisches Blut in den Dung gegeben – jenen Dung, den Mard schon zuvor erfolglos mit Zauberei bearbeitet hatte. Das Blut hatte den schlummernden Zauber aktiviert! Erst durch die Kombination von Mards SprĂŒchen und Zoldaks Blut war der Golem ins Leben getreten - und darum war er auch nur kontrollierbar, wenn sie beide auf ihn einwirkten.
Die Menge schloss den Kreis dichter. Klingen und Speerspitzen funkelten. Der Himmel war inzwischen finster geworden und die Luft schien drĂŒckend schwer.
„Du VerrĂ€ter“, zischte Fango. „Erst drĂŒckst du dich vor der Schlacht und nun lehnst du dich erneut gegen unsere Herren auf? Was ist mit dem Eid, den du geschworen hast?“
Zoldak hob abwehrend die HĂ€nde und wich zurĂŒck.
Mard lachte. „Die Rakshaner sind tot!“, posaunte er. „Allesamt, wenn ich keinen ĂŒbersehen habe! Euer alberner Eid ist zusammen mit eurem Feldherrn vergangen!“
„Was? Was sagst du da? Herr Dschan ist tot?“
Fassungslos starrte die Menge hinauf zu dem DĂŒsterling, hoch zu Wurme, und dann zu Zoldak, der bis zu den Knien im Unrat steckte. „Bei der gottlosen Leere, was habt ihr getan! Wenn das wahr ist, dann sollt ihr bĂŒĂŸen!“ Fango hob seinen Spaten und machte einen Schritt nach vorn. Seinen Augen loderten vor Hass. „HĂ€ngt sie! HĂ€ngt den Eidbrecher und den Mörder!“
„HĂ€ngt sie!“, echote die Menge im Chor.
So fĂŒhlte man sich also, wenn tausende Tieflinge auf einen zu marschierten, die ZĂ€hne gefletscht, die grauen Gesichter verzerrt zu Fratzen des Zorns. Selbst in SchlafgewĂ€ndern wirkten sie angsteinflĂ¶ĂŸend. Ein Blitz spaltete den Himmel und kurz darauf donnerte es. Das alltĂ€gliche Unwetter brach ĂŒber sie herein. Zoldak begann zu zittern, doch er versuchte, Haltung zu bewahren, wie es seine Pflicht war. Heute, an diesem Tage, wĂŒrde er den Tod eines VerrĂ€ters sterben. Den Tod, den alle Zhencrail am meisten fĂŒrchteten, denn wer am Strick hing, dessen Seele konnte nicht durch den Mund in die Freiheit entweichen und wĂŒrde zusammen mit dem Körper vergehen. Es war der Tod, den ein Tiefling bei schwerem Eidbruch zu erwarten hatte.
„Worauf wartest du noch!“, kreischte Mard. „Die bringen uns um!“
Endlich riss Zoldak sich aus seiner Starre. Auf diese Weise zu sterben war das Letzte, was er wollte! Er schwang sich auf den hinabgeneigten Hals des Dunggolems, krallte sich fest und konzentrierte all seine Gedanken, all seine WĂŒnsche, Ängste und Hoffnungen in diesen einen Augenblick. Rakshaner hin oder her, er konnte nichts dafĂŒr, was passiert war! Diese Strafe wĂ€re nicht gerecht!
Der Wurm schien nur auf ihn gewartet zu haben. Wie ein ĂŒbermĂŒtiges Pferd stieg er mit der vorderen HĂ€lfte empor, kaum, das Zoldak auf ihm saß, schraubte sich hundert Schritt weit hinauf in den Himmel, wurde immer lĂ€nger. Schmatzend sog sein Körper den Schlamm der Umgebung auf, wĂ€hrend er wuchs. Entsetztes Aufschreien und wĂŒste FlĂŒche gingen durch die Menge, Fangos Gesicht war wutverzerrt. Er schleuderte seinen Spaten, der in dem Monster stecken blieb, ohne eine Wirkung zu erzielen.
„Du Scheißkehrl!“, brĂŒllte er zu Zoldak hinauf. „Was anderes, als dich schon wieder aus dem Staub zu machen, fĂ€llt dir auch nicht ein! Du Feigling, du bekommst deine Strafe noch!“
Zoldak hielt sich so fest, wie er konnte, so dass er leider keine Hand frei hatte, um ihm den Mittelfinger zu zeigen.
Der Wurm streckte sich weiter. Die zornigen Tieflinge schrumpften unter ihm zu Ameisen zusammen, das Zeltlager zu einem verschmierten Karomuster. Höher, immer höher reckte sich das Wesen, bis es sich mit seinem Schwanz vom Boden abstieß - und flog. Wie ein Aal im Wasser schlĂ€ngelte es sich durch die Luft.
Das jĂŒngste Areal von Rakshanistan blieb unter ihnen zurĂŒck, mit all seinen Tragödien, vergangenen Hoffnungen und geplatzten TrĂ€umen, als sei es nur ein Spielfeld. Und mit ihm die Zhencrail, die herrenlos herumstanden und nichts anderes mit ihrer Freiheit anzufangen wussten, als dem Kerl hinterherzufluchen, den sie dafĂŒr am liebsten gehĂ€ngt hĂ€tten.
Mard lachte mit weit aufgerissenem Mund, kreischte und zappelte, wĂ€hrend er sich an Zoldaks Gerstensack festklammerte. „Wir fliegen! Grauhaut, wir fliegen!“
Und das taten sie, mitten in den dunkel verhangenen Himmel hinein. Rakshanistan lag bald so klein wie eine Landkarte unter ihnen. Die Sicht hinab schwand, als sie die finstere Wolkendecke durchstießen. Unter Zoldak begann wieder das Kneten und Walken, der Golem wurde erneut heiß, wie vorhin, als er seine Gestalt angenommen hatte. Seine Ă€ußerste Kruste erhĂ€rtete und bekam Risse wie ein trockenes Bachbett. FĂŒr einen Augenblick erstarrte das gesamte Wesen in der Luft, einen Moment stand die Zeit still. Dann streckte es sich wie ein losgelassener Bogen und sprengte die harte Schicht von seinem Leib. Die KrĂŒmel und Splitter stoben nach allen Seiten. Und unter der frĂŒheren Haut – darunter lag der Schatz. Silber. Pures Sternenlicht. Zoldak traute seinen Augen kaum. Anstelle der stinkenden Schlammwurst wand sich nun ein Reptilienhals mit silbernen Schuppen zwischen seinen Beinen, glĂ€nzend wie eine frisch geölte RĂŒstung. Mit jeder Bewegung wurde das weißliche Glimmen sichtbar, das an Sternenlicht erinnerte und das sich zum Ende des Tieres zu einem intensiven Leuchten hin verstĂ€rkte. Jetzt bei Sonnenschein fiel es kaum auf, doch bei Nacht wĂŒrde das Tier im Fluge leuchtende Streifen an den Himmel malen. Das Wappentier lebte!
„Jetzt ist es wirklich ein Gluhschwanz“, rief Mard. „Ich sag`s ja, echte Handwerkskunst! Warte nur, bis er sich hĂ€utet! Das gibt einen Silberhaufen, in dem wir baden können! Davon kannst du ins nĂ€chste Freudenhaus gehen und dir neue Frauen kaufen! Oder zum SklavenhĂ€ndler, wenn dir das lieber ist!“
Die Regenwolken blieben unter ihnen zurĂŒck. Das Tier flog so ruhig und gleichmĂ€ĂŸig, dass es nicht anstrengender war, als ein im Schritt gehendes Kamel zu reiten. Angst zu stĂŒrzen hatte Zoldak keine – und auch Mard schien mit einem Male völlig sicher zu sitzen. Es war, als ob der Körper des Drachen sich ihren Bewegungen anpasste und jedes Straucheln sofort durch eine Gegenbewegung ausglich. Die Sonne glitt in Wellen ĂŒber das glĂ€nzende Schuppenkleid, wĂ€hrend der Körper sanft im Rhythmus der FlĂŒgelschlĂ€ge wiegte. Warm fĂŒhlte sich der Gluhschwanz an, er atmete und Zoldak glaubte sogar, seinen Herzschlag zu spĂŒren.
Er hatte nicht geglaubt gehabt, den Tag zu ĂŒberleben. Er dachte an die entwĂŒrdigende Strafe zurĂŒck, an die KĂ€lte, die seinen kranken Körper gequĂ€lt hatte, an die unheimlichen DĂŒsterlinge und an die blanken Waffen seines eigenen Stammes. Ihm standen die Stoppeln seiner Nackenhaare zu Berge. Heute war er ein zweites Mal geboren worden, eigentlich hĂ€tte er nach so einem Tage tot sein mĂŒssen. Er hatte alles verloren, seine Herren, seine Arbeit, seine Familie, seine Heimat, seinen Sinn. Aber er lebte. Er war noch nicht sicher, ob er sich darĂŒber freuen sollte.
Unsagbar mĂŒde sank er nach vorn und legte die Arme um den Gluhschwanz. Die WĂ€rme tat seiner Lunge gut. Mard ließ endlich seine Kleidung los, die er bis dahin umklammert hatte. Unter ihnen zogen die Wolken dahin, mit der Zeit ließen sie die Gewitterfront hinter sich zurĂŒck und das Land tauchte wieder unter ihnen auf. Unendlich weit dehnte Rakshanistan sich aus, von Horizont zu Horizont. Das alles hatte er geholfen zu erobern. Die Sonne erreichte den Zenit und als sie hinter den Bergen versank, flogen sie immer noch. Doch nun war es nicht mehr ihre Heimat, die unter ihnen lag, sondern die Fremde, mit anderen Feldherren und anderen Sklaven. Vielleicht auch ohne all dies.
Zoldak fielen trotz der heftigen GefĂŒhle bald die Augen zu. Er schlief völlig erschöpft bis in den Abend hinein, wĂ€hrend Mard, sobald der Tiefling zwischendurch einmal die Augen öffnete, losquatschte und ihn mit seinen ZukunftsplĂ€nen ĂŒberhĂ€ufte, bis dieser wieder einschlief. Als die DĂ€mmerung begann, wurde Zoldak fĂŒr lĂ€ngere Zeit munter. Es wurde dunkel, das weiße Leuchten des Gluhschwanzes wurde sichtbar. Von Asamura aus wĂŒrde man ihn nun als Sternschnuppe sehen – die Tieflinge wĂŒrden ihren Kindern erklĂ€ren, das bringe GlĂŒck und jeder ĂŒberlebende DĂŒsterling, der das Leuchten gesehen hatte, wĂŒrde fĂŒr die nĂ€chsten vier Tage keine vergorene Milch trinken, weil das angeblich sonst unfruchtbar machte. Je nachdem, woran man glaubte. Nur den Rakshanern wĂ€re es egal, denn sie glaubten an gar nichts, außer an ihren Sieg.
Zoldak fragte sich, ob der Anblick des Gluhschwanzes ihm auch dann noch GlĂŒck brachte, wenn er ein Eidbrecher war, der mit seinem Blute dazu beigetragen hat, seinem Volk sowohl die Herren als auch die Sklaven zu nehmen. Ein wenig GlĂŒck könnte er gut gebrauchen.
Die Sterne wurden sichtbar. Auch Mard hielt endlich den Mund und nahm sich die Zeit, sie zu betrachten. Kalt und still schienen sie auf sie herab, das Einzige, was sich niemals Ànderte.
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Re: The origin of Mard - Das Ding aus dem Dung

#2

Beitrag von JEELEN » Fr 3. Feb 2017, 10:45

„Ja, ihr seid Sklaven, die sich selber Sklaven halten! Ihr seid keinen Deut besser! Lange genug habe ich fĂŒr deinesgleichen Unterhosen geschrubbt und Suppe gekocht, wĂ€hrend ich selber bei jedem Wetter nur diesen Lappen trage und mir der Magen knurrt! Und wofĂŒr? DafĂŒr, dass die Rakshaner ihr Gebiet ausdehnen und sich noch mehr Tieflinge halten! Noch mehr Tieflinge, die von noch mehr DĂŒsterlingen bedient werden! Hinfort mit euch, weg mit euch allen! Ich reinige die Welt mit Dung, so wie sie es verdient!“

- MARD

Recht so! Wahre Worte ausgesprochen.
Im Unrecht gibt es keine Gleichheit.
Er hat ihnen gut eingeheizt gg

:) :) :) Erstklassige Geschichte :) :) :)
Golems aus Lehm und Stein waren mit bekannt, aus Dung noch nicht gg

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Knozzy
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Re: The origin of Mard - Das Ding aus dem Dung

#3

Beitrag von Knozzy » Mi 8. Feb 2017, 13:04

Gelesen, genossen und fĂŒr gut befunden!

Meine drei Lieblingsstellen
1) "Seine Finger zitterten. Wenn sein Vorhaben vorzeitig aufflog, wĂŒrde man ihn auf einen Pfahl spießen und neben dem Empfangszelt des Feldherren zur Schau stellen! Wenn jedoch alles gut lief, dann ...
„Mard!“"

2) Konnte sie ihn nicht einfach seines Weges gehen lassen? Warum mussten Frauen immer dann reden wollen, wenn man es am wenigsten gebrauchen konnte?

3) „Weißt du was, wir machen es umgekehrt, Kleiner.“
„Kleiner? FĂŒr dich immer noch Mard, Bestrafter!"
In weiten Teilen am Anfang wirklich erstklassig. Zum Schluss hin lĂ€sst du nach. Besonders als der Golem-Drachen-Wurm-Dung-GezĂŒcht-was auch immer, die Basis der Rakshaner und DĂŒsterlinge angreift und zerstört. Das geschieht innerhalb von wenigen SĂ€tzen, sodass jegliche AtmosphĂ€re verloren geht. Auch kann ich mir das Dung-Ding nicht wirklich vorstellen, da mĂŒsste man sich an die Beschreibung auch nochmal dran wagen, wenn du es optimieren möchtest.
Das Innenleben des Zoldaks bei Zerstörung des Rakshaners Lagers wird nach meiner Meinung zudem auch nicht genug beleuchtet. Sodass ich das GefĂŒhl habe, ihm wĂ€re die Vernichtung seiner Kriegskameraden komplett egal. Immerhin hatte er frĂŒher Seite an Seite mit den Rakshanern gekĂ€mpft. Im Kampf muss man sich vertrauen und baut eine Art tiefen Respekt auf. Nur Söldner sind derart herzlos und empfinden nichts dabei, wenn sie ehemalige Freunde töten.
Letzter Kritikpunkt und was mir auch zu kurz kam, war, warum Zoldak sich absichtlich mit der LungenentzĂŒndung ansteckte. Du erwĂ€hnst kurz seine Angst vor der Schlacht. Das kann ich persönlich aber so nicht nachvollziehen.

Gelungen hingegen ist dir die Ausarbeitung des Settings. Auch die Herrschaftsstrukturen innerhalb des Rakshanerslagers sind sehr authentisch. Auch die Ausarbeitung des Zoldaks ist, bis auf den oberen Kritikpunkt, sehr gut gelungen. Man spĂŒrt förmlich die Angst die Zoldak vor dem Herrn Dschan hat, als er das Lager betritt. Sein Siechtum ist außerdem exzellent dargestellt.
Mard ist sowieso cool, da gibts nix zu meckern, nur Eines: MEHR MARD!

Der Schluss ist sehr offen gehalten und lÀsst auf eine Fortsetzung hoffen!
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Vielen Dank an Baxeda fĂŒr das charmante Avatarbild!

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Re: The origin of Mard - Das Ding aus dem Dung

#4

Beitrag von Baxeda » Do 9. Feb 2017, 06:12

@ Jeelen: Danke fĂŒr die lieben Worte, freut mich, wenn das Geschichtlein dich gut zu unterhalten vermochte!


@ Knozzy: Auch dir besten Tag, sowohl Lob als auch Kritikpunkte sind fĂŒr mich gut nachvollziehbar. Damit kann ich als Autor was anfangen und damit arbeiten. Insbesondere, dass ich vergessen habe, Zoldaks kameradschaftliche GefĂŒhle fĂŒr seine KampfgefĂ€hrten zu erwĂ€hnen. Da greif ich mir im Nachhinein selber an die Stirn, vermutlich zu lange aus Söldnersicht geschrieben und nicht aus der eines Soldaten.

Die Sache, warum Zoldak sich absichtlich ansteckt, wird einige Kapitel spĂ€ter ausfĂŒhrlich erklĂ€rt:

Er hat eine posttraumatische Belastungsstörung(?), er kann trotz seiner guten Veranlagungen mit manchen Aspekten des Krieges nicht umgehen. Sein Onkel ist direkt vor seinen Augen unschön getötet worden (Speer durch den Hals) und seither wird er beim Anblick von Speeren bewusstlos. Sein Körper macht einfach dicht. Da es seine KampfgefĂ€hrten ankotzt, dass er sich so neuerdings erfolgreich vor jeder Schlacht drĂŒckt, anstatt ihm beizustehen, wollten sie ihn auf einem Kamel festbinden und ihn so in die Schlacht mitnehmen, damit er gezwungen ist, zu kĂ€mpfen. Da das sein sicherer Tod gewesen wĂ€re, hat er die Infektion mit einer LungenentzĂŒndung vorgezogen, um im Lazarett verbleiben zu können. Leider ist aufgeflogen, dass es Absicht war.

Wenn die Fortsetzung gewĂŒnscht ist, obwohl sie schlecht ist, kann ich sie gern hier posten. *g* DafĂŒr muss ich sie aber erstmal ĂŒberarbeiten und die alten Begrifflichkeiten ausmerzen. Es dauert also ein bisschen. :-)
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Re: The origin of Mard - Das Ding aus dem Dung

#5

Beitrag von Baxeda » Mi 1. Nov 2017, 22:04

Ein Traum von Blut und Hoffnung


Am Rande der Zerstörung, an der Grenze zwischen Leben und Tod, saß Cey auf einem Klappstuhl und trank heißen Tee. Hinter ihr befanden sich die schwarzen Zelte ihres Stammes, von der Sonne wohlig erwĂ€rmt, ideal fĂŒr die erschöpften Krieger, um sich vom Wachdienst oder Drill wĂ€hrend der kalten NĂ€chte zu erholen. Doch kaum ein Tiefling hatte in den letzten Stunden die Erlaubnis erhalten, nach Hause zu gehen.
Auf Cey lag nicht wie sonst bei ihrem Mann im Bett. Sie saß allein auf dem getrockneten Platz vor dem Zelt ihrer Familie, neben ihr glomm eine fast erloschene Feuerstelle, ĂŒber der ein Dreibein stand. Der Topf fing von der Kette hinab, in welchem der Tee verlockend dampfte. Den faulen Gestank des Schlammes konnte der Duft der KrĂ€uter jedoch nicht vertreiben.
Von Ceys Körper hing der schwarze Leinenpullover wie ein Zelt hinab und ließ keinerlei RĂŒckschlĂŒsse auf ihre Weiblichkeit zu, ebenso wenig wie sonst etwas an ihr. Bar jeglicher weiblicher Formen sah sie aus wie ein junger Bursche, dem man die Haare geschoren hatte, obwohl sie schon ĂŒber 30 war.
Die MĂ€nner gruben vor ihren Augen die Ebene, in welcher einst das Viertel gestanden hatte, Schritt fĂŒr Schritt vollstĂ€ndig um. Gemeinsam entknoteten sie riesige KnĂ€uel von Stoff, die einmal Zelte gewesen waren, schlugen sie auseinander und suchten darin nach Überlebenden. Jeder verfĂŒgbare Mann war fĂŒr diese Aufgabe geteilt worden, egal ob Tiefling oder DĂŒsterling, auch krĂ€ftige JĂŒnglinge halfen mit. Da es nicht genĂŒgend Schaufeln gab, gruben viele mit Brettern, SchĂŒsseln, Tellern oder mit ihren bloßen Fingern. Sie schichtet die durchsuchten Zeltplanen auf Haufen, die immer grĂ¶ĂŸer wurden. Bei vielen waren die Augen die einzige Stelle, die nicht von Schmutz ĂŒberzogen war. Die lichtempfindlichen DĂŒsterlinge schmiert in ihrer Haut noch zusĂ€tzlich mit weiterem Schlamm ein, um nicht von der Mittagssonne verbrannt zu werden. Haut, Stoff und Untergrund, alles war braun, feucht und stank. Ceys Augen brannten und trĂ€nten von der Sonne, obwohl sie im Schatten einer aufgespannt Stoffplane saß. Die Zhencrail ertrugen die LichtverhĂ€ltnisse bei Tage zwar deutlich besser als die DĂŒsterlinge, doch auch sie waren Wesen, welche die Nacht bevorzugten. Morgen wĂŒrden Ceys Augen rot und entzĂŒndet sein, doch es war ihr egal, sie wĂŒrde weder jammern noch klagen. Auch sie als Frau hatte ihren Anteil an der Rettung der Herren zu leisten und wenn es sich nur um das Ausschenken von aufputschendem Tee handelte. Die von der Arbeit schwitzenden MĂ€nner mussten ausreichend trinken, um die Herren retten zu können und das Wasser kocht es sich nicht von alleine ab
Cey wischte sich die TrÀnen fort.
„Hier!“, rief ein Krieger.
Sie nahm die Hand aus Gesicht und beobachtete sein Treiben. Das Loch, in dem er stand, war nicht sehr tief. Die MĂ€nner hielten die Gruben flach, um möglichst schnell eine große FlĂ€che freilegen zu können. Erst danach wĂŒrden sie in die Tiefe gehen. Mehrere Tieflinge warfen ihre Schaufeln beiseite, um beim Bergen der gefundenen Person helfen zu können. Es schmatzte, als sie das Kerlchen herauszogen. Innerhalb weniger Augenblicke brachten sie den kleinen, verschmierten Körper ans Licht.
„Verdammt, schon wieder ein DĂŒsterling“, fluchte der diensthabende Tarrik, der in der Befehlskette zwischen dem Feldherren und dem gewöhnlichen Soldaten, dem Assek, stand. Man erkannte seinen Rang an dem auffĂ€lligen Schmuck an seinem Turban, Federn und Knochenstifte, die wie ein Strahlenkranz aus seinem Haar herausragten und heute ziemlich unordentlich bei ihm saßen. Es gab mehrere Tarrikes hier und alle, bis auf einen, waren Rakshaner. Cey glaubte, es waren noch fĂŒnf, die lebten. Er raunzte den Krieger an, der den schlaffen DĂŒsterling entdeckt hatte und diesen nun in den Armen hielt: „Du hast bis jetzt nicht einen einzigen Rakshaner gefunden! Wirf den hier auf den Karren und dann grĂ€bst du dort drĂŒben weiter. Die anderen, zurĂŒck an die Arbeit! Jeder Augenblick zĂ€hlt!“
„Soll sich jemand um den DĂŒsterling kĂŒmmern?“
„Wir brauchen jeden Mann zum Schaufeln und Sklaven sind leicht zu ersetzen. Es sind die Herren, denen deine Sorge gelten muss! Erinnere dich daran, dass die Einheit, die Dschan findet, zur Palastwache in die Hauptstadt versetzt wird. Samt ihrer Familien! Bist du nicht erst Vater geworden? Soll dein Kind hier an der Westfront aufwachsen? Auf uns wartet ein Leben, das ein reines Zuckerschlecken wird, verglichen mit dem, was hier noch auf uns zukommt. Also nimm deine Schaufel und grabe weiter!“
Der Krieger verneigte sich und watete durch den Matsch, um den reglosen DĂŒsterling fortzubringen.
Dschan war also noch immer nicht gefunden worden. Cey biss sich auf die Unterlippe. Auf einem Karren wurden jene Rakshaner gestapelt, fĂŒr die alle Hilfe zu spĂ€t kam, wĂ€hrend die Übrigen ins ĂŒberfĂŒllte Lazarett gebracht wurden. Auch Zhencrail und DĂŒsterlinge waren unter den Opfern, doch ihre Toten lagen auf eigenen Karren etwas weiter abseits, wĂ€hrend die Überlebenden unter freiem Himmel darauf warteten, versorgt zu werden, was selbstverstĂ€ndlich erst nach den Herren der Fall sein wĂŒrde.
Der Anblick der schlaff herabhĂ€ngenden Arme, Beine und Köpfe ließ Cey frösteln. Sie schloss die Finger fester um den heißen Kelch in ihren HĂ€nden und nippte. Der Duft der KrĂ€uter ĂŒberdeckte einen Moment den allgegenwĂ€rtigen Gestank von Schlamm und Dung. Cey hatte hier mehr Zeit, als ihr lieb war, doch war es den Frauen nicht gestattet, körperlich schwere Arbeiten zu verrichten, weil man nie wissen konnte, ob sie vielleicht einen ungeborenen Krieger in ihrem Leib trugen.
Das nördliche Drittel des Lagers war nicht mehr und mit ihm fehlte die komplette Verwaltung. DĂŒsterlinge und Zhencrail waren auf sich allein gestellt zurĂŒckgeblieben.Viele Stunden waren seit dem UnglĂŒck vergangen, doch noch immer wurden Überlebende geborgen, die in Luftkammern unter Zeltplanen oder Karren ĂŒberlebt hatten. Nur Serask Dschan selbst blieb wie vom Erdboden verschluckt und das im wörtlichen Sinne. Mit ihm hatte Rakshanistan seinen fĂ€higsten Feldherren verloren, dem man nachsagte, er sei die Inkarnation des Chaosgottes Rakshor selbst gewesen. Bei dem Gedanken an seinen Verlust wurde Cey unwohl. Die Westgrenze war seit jeher die gefĂ€hrlichste Region des sĂŒdlichen Rakshanistan und erst, nachdem Dschan hierher versetzt worden war, hatte sich der Feind zurĂŒckgezogen, lauernd, doch geschlafen hatte er nie. Das Schicksal des herrenlosen Lagers wĂŒrde nicht lange unbemerkt bleiben.
Im Eilschritt marschierte Tarrik Javesto an Cey vorbei, ohne ihr Beachtung zu schenken. Nach dem verschollenen Dschan war er der einflussreichste Mann des Feldlagers und sein Stellvertreter, obwohl er nur ein Zhencrail war. Er war der einzige von ihnen im Zeltlager, der es je geschafft hatte, diesen Rang zu erarbeiten. Rote und blaue Markierung an seinen Knochenstiften und die bunten Federn verrieten, dass er schon zahllose Auszeichnungen erhalten hatte, etwas, womit Dschan ĂŒblicherweise furchtbar gereizte. Javestos athletische Statur und sein geschmeidiger Gang straften sein fortgeschrittenes Alter lĂŒgen. Man merkte ihm kaum an, was er in den letzten Stunden durchgemacht haben musste, nur die tiefen Falten unter seinen Augen verrieten, wie erschöpft er wirklich war.
„Darf ich euch einen Tee anbieten, Tarrik?“, Fragte Cey laut, doch Javesto schritt weiter, ohne auch nur in ihre Richtung zu blicken. Bestimmt schon das zwanzigste Mal heute. Resigniert zuckte sie mit den knochigen Schultern. Ihm folgte ein Trupp erschöpfter Krieger in schmutzigen SchlafgewĂ€ndern, von denen jeder eine Schaufel mit sich trug. SehnsĂŒchtig blickten die MĂ€nner auf den dampfenden Topf und die einladend bereit gelegten Trinkbecher. Einer wagte es stehenzubleiben, sich einen Becher zu nehmen und ihn Cey hinzuhalten, die ihm eine Kelle voll einschenkte. Sein Blick huschte immer wieder zu dem voran marschierenden Javesto.
„Bitteschön“, sagte Cey.
Das Wort war gerade ĂŒber ihre Lippen gekommen, da brĂŒllte es: „Halt!“
Der Trupp erstarrte fast augenblicklich in perfekt geordneter Formation. Nur ein Platz war leer. Der Krieger mit dem Tee zog den Kopf zwischen die Schultern. Cey wurde bewusst, dass sie ihn mit dem Wort gerade vergriffen hatte. Javesto kam herangepoltert, wĂ€hrend die MĂ€nner wie ein Feld von Statuen verharrten. Seine verantwortungsvolle Position hatte er sich nicht durch Nachsicht und Sanftmut erarbeitet, das war sicher. Der Tarrik war der einzige des Trupps, der Arbeitskleidung trug. Wahrscheinlich schlief er sogar darin, um immer einsatzbereit zu sein, falls er ĂŒberhaupt jemals schlief.
„Hier seht ihr ein Beispiel fĂŒr zwei der schlimmsten Untugenden: Disziplinlosigkeit und Faulheit!“, donnerte er und trat an den Teetrinker heran. Der umklammerte seinen Becher. „Ich sage das, um euch alle daran zu erinnern, dass jetzt, in diesem Augenblick, noch hunderte Rakshaner im Schlamm liegen. Solange nicht jeder Einzelne von Ihnen geborgen wurde, ob tot oder lebend, und Serask Dschan gefunden worden ist, werdet ihr weder ruhen, noch Pause machen! Pause ist, wenn die Pflicht erledigt ist und das ist erst dann der Fall, wenn ich oder ein anderer Vorgesetzter es euch sagen!“ Er nahm den heißen Tee aus den HĂ€nden des Mannes und schĂŒttelte ihn ĂŒber dessen Kopf.
Der Krieger schrie, trampelte auf der Stelle und schlug um sich.
„Haltung, Assek!“, polterte Javesto.
Der Gepeinigten versuchte, seine Schmerzen herunter zu schlucken und das Zappeln einzustellen. Er gab sich alle MĂŒhe, so ausdruckslos dreinzublicken wie seine versteinerten GefĂ€hrten. Javesto starrte ihn so lange an, bis es dem Krieger gelungen war, bis auf den letzten Finger korrekt dazustehen. Sein Gesicht war gerötet, vor allem an der Stirn, der Tee war heiß gewesen. Doch Cey machte sich wenig Sorgen. Sie hatte die Flamme zur Glut werden lassen, nachdem das Wasser aufgekocht gewesen war, und den Tee danach lediglich warm gehalten, damit die Krieger ihn sofort trinken konnten. Der Mann wĂŒrde keine Brandblasen oder gar Narben davon tragen.
Javesto musterte ihn verĂ€chtlich. Der Tarrik war dafĂŒr bekannt, dass er, solange er sich selbst noch auf den Beinen halten und arbeiten konnte, auch von allen anderen dieses Durchhaltevermögen erwartete, jetzt noch mehr als vor der Katastrophe. Er und die anderen Tarrikes versuchten, so gut es ging, das Fehlen der verschollenen raskshanischen Befehlshaber zu kompensieren und waren entsprechend ĂŒbermĂŒdet und gereizt. Die Krieger eilten, seit das UngetĂŒm verschwunden war, hin und her, schleppten Schaufeln, Eimer und Tragen mit Verwundeten und das alles wollte irgendwie organisiert und ĂŒberwacht werden. Gleichzeitig musste auch der alltĂ€gliche Ablauf gewahrt bleiben, das Waschen und hygienische Auskochen von Kleidung, was momentan auf Hochtouren lief, das Zubereiten und verteilen der Nahrungsrationen, die Wartung der ArbeitsgerĂ€te und all die anderen Arbeiten.
„ZurĂŒck ins Glied“, bellte Javesto, als er den Teetrinker lange genug aus seinen blassroten Augen angestarrt hatte. Fast rosa wirkten sie, wie blankliegendes Fleisch und ließen sein Gesicht noch hĂ€rter aussehen. Der gescholtene trat gehorsam an den freien Platz der Formation und der Tarrik gab den Befehl zum Weitermarschieren. Rasch verschwanden die MĂ€nner zwischen aufgetĂŒrmten Zeltplanen, den Karren und den Bergen von Unrat.
Cey blieb allein an der Feuerstelle zurĂŒck. Sie war mĂŒde, doch sie verspĂŒrte nicht das geringste BedĂŒrfnis, sich ins Bett zu legen und sich ihren AlbtrĂ€umen zu stellen, auch wenn die Krieger sich den Tee ohne weiteres selbst einschenken könnten. Schweigend saß sie auf ihrem Klappstuhl und nippte.
„An den Eiern sollte man ihn aufhĂ€ngen fĂŒr das hier, wenn die Dinger nicht zu erbĂ€rmlich klein wĂ€ren, dass nicht einmal ein Faden dazu taugen wĂŒrde!“
Der Eingang ihres Zeltes wurde aufgerissen und Tah stĂŒrmte hinaus, gefolgt von zwei kleinen MĂ€dchen. Cey war alles andere als böse darĂŒber, von ihren trĂŒben Gedanken abgelenkt zu werden und wenn es einer der TobsuchtsanfĂ€llen ihrer Freundin war. Die kleine dicke Tieflingsfrau schnaubte wie ein Dampfkochtopf. Cey stellte den leeren Becher neben sich auf die Erde und wandte sich ihr zu. Es erstaunte sie immer wieder aufs Neue, welch derbe Worte aus Tahs hĂŒbschem Mund sprudeln konnten
Tat trug schmutziges es Besteck in der Faust mit nach draußen, nur um es aus mehreren Schritten Entfernung zurĂŒck ins Zelt schleudern zu können, wo es klappernd mit irgendetwas kollidierte. Eines der beiden MĂ€dchen, sie begleiteten, lachte. Aus der Tragetasche am Zelteingang begann es zu brĂŒllen. Tah bedachte die Tasche und das MĂ€dchen abwechselnd mit funkensprĂŒhenden Blicken. Ihre prallen grauen Wangen waren von einem rosigen Schimmer ĂŒberzogen und glĂ€nzten feucht. Schweißperlen glitzerten in ihrem kurzen Haar.
Cey bemĂŒhte sich um ein LĂ€cheln. „Tah, du bist jetzt schon viel zu lange wĂŒtend. Das tut dir nicht gut, du siehst völlig erschöpft aus. Beruhige dich doch mal wieder! Er ist es nicht wert das du so viele Gedanken an ihn verschwendet.“
„Nicht wert?“ Tah watschelte zu der Tragetasche, in der das weinende Baby sich wand. „Er hat jeden Fluch und jeden einzelnen schlechten Gedanken verdient! Auch tausend mal denselben! Vielleicht erhört Rakshor mich dann endlich und verpasst ihm das, was er verdient, anstatt ihm stĂ€ndig seinen haarigen Arsch zu retten!“ WĂ€hrend Tah das brĂŒllende Baby aus der Tasche nahm, umklammerte die fĂŒnfjĂ€hrige Lon, die kichert hatte, ihren dicken Oberschenkel. Tah schubste sie weg, sodass sie auf die getrampelte Erde stĂŒrzte. „Lass mich in Frieden! Du hörst doch, dass ich mich um deinen Bruder kĂŒmmern muss!“
Lon rappelte sich auf, betrachtete ihre aufgeschĂŒrften HandflĂ€chen und fing an zu schluchzen. Cey nahm sie auf ihren Schoß.
Das zweite MĂ€dchen, die neunjĂ€hrige Fin, mĂŒhte sich mit einem zweiten Stuhl ab, um ihn neben Cey aufzubauen, der jedoch viel zu schwer fĂŒr sie war. Es handelte sich um Standardanfertigungen, die einen gepanzerten Krieger aushalten mussten und entsprechend wuchtig gebaut waren. Die drei Kinder hielten Tah tĂŒchtig auf Trab, ebenso wie Cey, die sie unterstĂŒtzte, wann immer sie konnte. Zum GlĂŒck waren nicht auch noch die beiden Ältesten zugegen, sondern halfen bei den Rettungsarbeiten! Tah ging noch einmal ins Zelt, wĂ€hrend sie das brĂŒllende Baby auf der HĂŒfte trug. Als sie wieder herauskam, hatte sie einen weiteren Klappstuhl in der Hand und baute ihn einhĂ€ndig auf der anderen Seite von Cey auf. Ihre Tochter fuhrwerkte noch immer mit dem Sitzmöbel. Das Baby hatte vom Schreien bereits einen dunkelgrauen Kopf. Tah setzte sich und öffnete das viel zu eng sitzende schwarze Wickelkleid. Befreit quollen ihre riesigen BrĂŒste daraus hervor. Gierig grabschte das Baby nach einer und stopfte sich die schwarze Brustwarze in den Mund. Das BrĂŒllen ging ohne Überleitung in wohliges Schmatzen ĂŒber.
Lon schluchzte noch immer auf Ceys Schoß. Cey redete ihr leise zu, damit sie sich beruhigte, doch Tah sah dazu keinen Anlass, so wenig wie dazu, Fin mit dem unhandlichen Stuhl zu helfen.
„Ja, heute nur so laut ihr könnt“, keifte sie. „Damit der Irre, der sich euer Vater nennt, bis auf den RĂŒcken des Untiers hört! Er soll merken, was er hier angerichtet hat!“
Sie brĂŒllte die Worte in den Himmel. In ihren geschwungenen dunklen Brauen sammelten sich Schweißperlen, ebenso in den langen Wimpern, die ihre großen roten Augen umrahmten. Selbst im Zorn war Tah eine Schönheit, fand Cey. Und selbst jetzt, wenige Stunden nach der Katastrophe, war es einigen MĂ€nnern nicht zu dumm, der stillenden Mutter im vorbeigehen auf die BrĂŒste zu glotzen. Wobei Tah nicht zu den Frauen gehörte, die das störte. Im Gegenteil, sie provozierte die Blicke der Krieger gern, besonders, wenn sie wĂŒtend auf Zoldak war, so wie jetzt. Es war eine der wenigen Möglichkeiten, ihren stoischen Mann außer Fassung zu bringen. Dass sie sich zum Stillen vor den Eingang ihres gemeinsamen Wohnzeltes gesetzt hatte und nicht hinein, war garantiert kein Zufall. Sie schenkte einem jungen Gaffer, der ein BĂŒndel Schaufeln trug und sich im Vorbeigehen fast den Hals verrenkte, ein zuckersĂŒĂŸes LĂ€cheln.
Cey verdrehte die Augen.
Aus der Richtung des Rakshanerviertels kam gerade ein Karren, der mit schlammverschmierten Gestalten beladen war, die sich schwach bewegten. Als sie an ihnen vorbeifuhren, hörte Cey sie stöhnen. Zum GlĂŒck waren die Lazarette im Tieflingsviertel gelegen, weil keiner der Herren sich unnötig mit dem Anblick von Krankheit und Tod belasten wollte, sodass sie von der Zerstörung verschont geblieben waren. Hinter dem Wagen her stopfte ein Trupp Assekes, die zu zweit jeweils einen Rakshaner trugen. Die GewĂ€nder der Herren klebten wie nasse Lappen auf ihren Körpern. Hinter den Kriegern schlurften ein paar Rakshaner, die noch allein gehen konnten.
Und ganz zum Schluss folgte, wieder einmal, Javesto. Tah schmachtete sichtlich. Er blieb einen Moment stehen, doch der Mutter schenkte er keine Beachtung. Stattdessen durchbohrte er Cey mit seinem kalten Blick. Das erste Mal ĂŒberhaupt.
„Es gibt genug zu tun, an die Arbeit! Das Ausschenken von Tee kannst du den Frauen ĂŒberlassen.“
NatĂŒrlich, er hatte vorhin nur Augen fĂŒr seinen ungehorsamen Gefolgsmann gehabt und sie gar nicht wahrgenommen. Ceys hagerer Leib sagt ein StĂŒck in sich zusammen, nicht, weil er sie ĂŒbersehen hatte, sondern wegen seiner Worte. Es war nicht das erste Mal, dass sie jemand fĂŒr einen faul herumsitzenden Krieger in Alltagskleidung hielt.
„Aber Tarrik“, antwortete Tah an ihrer Stelle und klimperte mit den Wimpern. „Das ist meine Freundin Cey.“
Javestos Blick zuckte kurz zu ihr hinĂŒber, dann wieder zu Cey. Er musterte sie zentimeterweise, seine Augen verharrten auf den Stoppeln ihres Damenbartes. Sie rasierte sich tĂ€glich, dennoch sah man deutlich die schwarzen Borsten in ihrem groben Gesicht.
„Tah hat fĂŒnf Kinder und somit Anspruch auf Hilfe bei der Aufsicht, wenn euch das Ausschenken von Tee nicht genĂŒgen sollte“, erklĂ€rte sie. „Ich bin fĂŒr Tah als KinderhĂŒterin zugeteilt. Das könnt ihr nachprĂŒfen, wenn ihr mir nicht glaubt.“
Erst jetzt, wo er ihre weibliche Stimme hörte, löste sich der verbissene Ausdruck um Javestos Mund. „Alles in Ordnung“, sagte er etwas weniger streng und beeilte sich, zu dem Trupp aufzuschließen, den er begleitet hatte.
Tah sei ihm sehnsĂŒchtig nach. Dass er vom Alter her ihr Vater sein könnte, schien sie nicht zu stören. Vielleicht gefiel es ihr sogar. 2Diese Stimme ... Ich könnte Javesto den ganzen Tag reden und Kommandos geben hören! Ob er verheiratet ist?“ Ihr Zorn war verflogen, ein seliges LĂ€cheln spielte um ihren kleinen Mund.
Cey zuckte mit den Schultern. Ihr war schleierhaft, wie man in solch einer Situation Gedanken an den Beziehungsstatus irgendwelcher Leute verschwenden konnte. „Keine Ahnung. Zumindest habe ich noch nie etwas davon gehört. Vielleicht ist er noch zu haben.“ Abgesehen davon, wie unangebracht solche Themen momentan waren, war es fĂŒr sie ohnehin mĂŒĂŸig, sich Gedanken ĂŒber MĂ€nner zu machen, sodass sie es schon vor langer Zeit aufgegeben hatte. Optisch war sie das ganze Gegenteil von Tag. Wo Tag klein war und von ĂŒppiger Weiblichkeit derart ĂŒberquoll, dass sie in keines der standardisierten Arbeitskleider hineinpasste, war Cey groß und drahtig, mit Schultern, die breiter waren als ihre HĂŒften, einem kantigen Gesicht und einem Damenbart, der dem eines Mannes nur wenig nach stand. Ihre Augen waren klein mit fast unsichtbaren Wimpern, die Brauen dicht und die Lippen schmal. So wurde sie, wenn sie ihre Freizeitkleidung anstelle des Arbeitskleid trug, nicht nur von Javesto regelmĂ€ĂŸig mit einem Krieger verwechselt, dem die Haare geschoren worden waren. Doch trotz ihrer Ă€ußerlichen Unterschiede hatten die beiden Frauen eines gemeinsamen: Sie hatten denselben Mann.
VertrĂ€umt legte Tah den Kopf schief, noch immer sah sie Javesto nach, der gerade einen strauchelnden Rakshaner an der Kleidung packte und wieder auf die FĂŒĂŸe stellte bevor der Herr in den Dreck fiel. „Sag mal, Cey, da Zoldak nun als VerrĂ€ter gilt, zĂ€hlen wir nun wieder als unverheiratet?“ Tah befeuchtete ihre Lippen mit der Zungenspitze.
„Nein“, entgegnete Cey. „Eine Frau ist das dann wieder ledig, wenn ihr Mann tot ist.“
„Wie ungerecht. Wir zwei sind doch noch so jung! Es wĂ€re Verschwendung! Wie sehr wĂŒnsche ich mir einen Neuanfang mit einem Mann, der diese Bezeichnung auch verdient! Schau dir nur Javesto an, sein wunderschönes Kreuz und erst dieser Blick! Wo er aufkreuzt senkt man das Haupt, als sei er ein Rakshaner. Wenn ich mir dagegen unsere Zolda vorstelle
“ Tah rĂŒmpfte die kleine Nase. „Der ist sogar zu blöd, einem DĂŒsterling mit dem Holzlöffel auf die Finger zu hauen, wenn er vom Essen nascht.“ Sie lachte spöttisch und man sah ihre perlweißen ZĂ€hne. Dem Baby rutschte die Brust aus dem Mund, es brĂŒllte einen Moment, ehe Tah ihm die Brustwarze erneut in den Mund stopfte. „GegenĂŒber den Kindern kann er sich auch nicht durchsetzen“, fuhr sie fort. „Wenn er mal auf sie aufpassen soll, zerlegen sie das ganze Zelt und hĂŒpfen auf den Betten herum. Sogar die DĂŒsterlinge lachen ĂŒber ihn. Wenn er ihnen den RĂŒcken zurĂŒckkehrt, ziehen sie Grimassen! Das ist einfach nur peinlich, zum Schluss musste ich gar nicht mehr mit ihm gesehen werden.“
Cey nickte und grinste ein wenig. Das LĂ€stern ĂŒber ihren Mann schuf eine AtmosphĂ€re des vertrauten, der Gewohnheit und tat gut nach dem UnglĂŒck und der Angst vor dem, was noch kommen mochte. Und es schweißte sie zusammen.
„Was mich vor allem stört, ist, dass er sich nie Zeit fĂŒr uns nahm. Befehl hier, Auftrag da, ich muss noch dies machen und danach noch jenes, was sollen die Herren denken
 Eid hin oder her, aber man kann es auch ĂŒbertreiben! Ich hĂ€tte mir immer gewĂŒnscht, dass er sich mehr um uns kĂŒmmert, dass er uns zuhört oder sich beim Morgenbrot an unseren GesprĂ€chen beteiligt. Ich habe immer das GefĂŒhl, er interessiert sich gar nicht fĂŒr unsere Probleme, dafĂŒr umso mehr die der Rakshaner. Er hĂ€tte Dschan heiraten sollen.“
„Ja, ein guter Ehemann ist was anderes.“
„Oder ĂŒberhaupt ein Ehemann“, sinnierte Cey. „Er benimmt, oder benahm, sich mehr wie irgendein Bekannter. Unter einem Gatten habe ich mir immer jemanden vorgestellt, zu dem ich aufsehen und an dessen starker Schulter ich lehnen kann. Einen, der mir zuhört und der mir zeigt, dass er mich liebt. Zoldak wohnte mit uns im selben Zelt, teilte mit uns das Bett und das war's auch schon.“
Tah spitzte missbilligend die Lippen. „Tja, ich sage nicht umsonst schon seit langem, dass ich nicht böse wĂ€re, wenn er auf dem Schlachtfeld liegen bliebe. Ihn zu heiraten war ein Griff in die Latrine! Ich hĂ€tte mich nicht von meiner Mutter bequatschen lassen sollen, sie meinte er wĂ€re ein Vorzeigemann. Wenn man ihn nicht nĂ€her kennt, dann erscheint es vielleicht so, aber wenn man mit ihm unter einem Dach lebt, ist er eine einzige EnttĂ€uschung und das in jeglicher Hinsicht. Und wie es mit ihm geendet ist, haben wir ja leider gesehen, ein Feigling, ein Einbrecher und ein VerrĂ€ter ist aus ihm geworden.“ Sie schĂŒttelte den Kopf, ein paar Schweißtröpfchen trafen Ceys Oberarm. Dann lehnte Tah sich zu ihr herĂŒber und legte das Kinn auf ihre Schulter. „Wenn er tot wĂ€re, dann dĂŒrften wir wieder heiraten“, fuhr sie ganz leise fort. „Seit Jahren hoffe ich ein wenig darauf. Jetzt hat er zwar endlich eine schöne LungenentzĂŒndung, doch wenn er irgendwo in der Wildnis krepiert, dann nĂŒtzt uns das nichts. Ein Tarrik muss seinen Tod offiziell bestĂ€tigen. Aber dafĂŒr braucht er entweder die Leiche oder die Aussage von mindestens zwei Zeugen aus seiner Einheit. Bis dahin gilt Zoldak nur als verschollen.“ Sie schnaubte. „VerrĂ€ter hin oder her, er bleibt unser Mann, so sind leider die Gesetze. Wie sollen wir je beweisen, dass er da draußen wirklich gestorben ist? Es sei denn ...“
Sie ließ eine bedeutungsschwere Pause.
Cey seufzte. Das MĂ€dchen auf ihrem Schoß hatte sich beruhigt und lehnte den Kopf an ihre flache Brust, wĂ€hrend es am Zeigefinger nuckelte. Von der Seite lehnte sich Tahs andere Tochter gegen ihren RĂŒcken. Zum GlĂŒck hatte Tah so leise gesprochen, die MĂ€dchen nichts von alldem verstehen konnten. „Ich ahne worauf du hinaus willst, Tah. Aber selbst wenn uns jemand seinen Kopf bringt, du wĂŒrdest schnell einen neuen Mann finden. Aber ich? Abgesehen von Zoldak hat sich bisher nie jemand fĂŒr mich interessiert. Das ist vielleicht die einzige Eigenschaft von ihm, er hat immer so getan, als fĂ€nde er mich genauso hĂŒbsch wie dich, und als wĂŒrde es ihm nichts ausmachen, dass ich ihm auch nach zehn Jahren Ehe noch kein Kind geschenkt habe.“
„Weil er weiß, dass es nicht deine Schuld ist, sondern seine!“, zischte Tah in ihr Ohr.“ Glaubst du allen Ernstes, meine fĂŒnf sind von ihm? Wenn ich ihm immer treu geblieben wĂ€re, dann wĂ€re ich jetzt keine Mutter.“
„Aber du weißt es nicht sicher, vielleicht sind sie doch von ihm.“
Tah schmunzelte sĂŒffisant. „Der beste Beweis bist doch du. Obwohl er abends meistens erschöpft einschlief und keine Kraft mehr fĂŒr uns hatte - er musste ja all seine Energie in den Dienst stecken - bist du ihm all die Jahre treu geblien und das hast du nun davon! Du wirst auch nicht jĂŒnger und irgendwann ist es zu spĂ€t. Dann wirst kinderlos alt werden und ohne Enkelchen sterben. Aber das muss nicht sein. Weißt du was, Cey, ich schlage dir einen Handel vor. Wenn mich jemand heiraten möchte, dann muss er auch dich heiraten. Entweder er nimmt uns beide, oder gar keine.“
Tah legte ihre fleischige, kleine Hand in Ceys langfingrige Pranke. Sie drĂŒckte die Finger fest zusammen und streichelte Cey mit dem Daumen. „Sobald Zoldaks Kopf auf Javestos Tisch liegt, wĂ€re der Weg frei fĂŒr eine neue Hochzeit. Und mit einem neuen Mann wirst auch du endlich Mutter sein.“
die Worte erschienen Cey so hell und hoffnungsvoll wie der Vollmond, der erstrahlte, wenn die Wolken wichen. Mutter. Das hörte sich gut an. Und welche Wahl hatte sie, um eine zu werden, außer, sich auf Tahs VerfĂŒhrungskĂŒnste zu verlassen? Kein Mann wĂŒrde freiwillig mit Cey schlafen, nicht einmal Betrunkene fanden sie reizvoll. Sie konnte sich nicht einfach von jemandem schwĂ€ngern lassen. Aber Tah wĂŒrde schon dafĂŒr sorgen, dass jemand mit ihrer Freundin schlief, wenn sie das wollte. Sie kannte Mittel und Wege, um ihren Willen durchzusetzen.
„Ich kann mir dich als eine tolle Mutter vorstellen“, sagte Tah. „Meine Kinder lieben dich. Immer, wenn du arbeiten bist, fragen Sie, wann endlich wieder kommst. Stimmt's, Lon?“
Die Kleine auf Ceys Schoß nickte. Cey strich ihr ĂŒber das kurze Haar. „Ich liebe deine Kinder auch, Tah, alle fĂŒnf. Die bringen so viel Leben so viel Freude!“
„Jetzt stell dir vor, noch ein sechstens, kleines, knautschiges Baby in deinen Armen! Ich wĂŒrde dir die Sachen schenken, aus denen meine rausgewachsen sind. Und dir zur Geburt eine Tragetasche nĂ€hen und den Namen drauf sticken.“ Eine Pause entstand. Dann schickte Tah rasch die beiden MĂ€dchen fort. „Das alles mĂŒssen keine TrĂ€ume bleiben, Cey. Alles, was wir dafĂŒr brauchen, ist Zoldaks Kopf. Meinst du, dass du das hinbekommst?“
„Sicher. Du weißt doch, dass ich fast immer zur Schlachterei eingeteilt werden. Ob es nun ein Kamelkopf ist oder Zoldaks Kopf, macht keinen Unterschied.“
Beide lachten. Es tat gut nach der Angst der vergangenen Stunden. Cey war froh, dass Tah und die Kinder alles unbeschadet ĂŒberstanden hatten. Doch dann wurde sie nachdenklich. „Aber was ist, wenn ich Zoldak tatsĂ€chlich finde - und er noch lebt?“
„Die Wildnis wird ihn umbringen, davon bin ich ĂŒberzeugt. Als er floh, war er sehr krank und trug nichts weiter als sein Kleidchen. Er hatte weder etwas zu Essen bei sich, noch Geld, noch irgendwelche Werkzeuge oder Waffen. Das einzige, was du tun musst, ist seine tote RĂŒbe abzuschneiden, sie hierher zu bringen und unserem hĂŒschen Javesto vorzulegen, damit er uns wieder als ledig erklĂ€rt. Das ist alles. Bestimmt eklig, aber machbar fĂŒr eine Frau, die tĂ€glich Tiere tötet und zerteilt.“
„Das geht sicher irgendwie, wenn ich nicht richtig hinsehen. Aber falls er doch noch lebt?“
„Das wird er nicht. Und selbst wenn
“ Sie streichelte weiter mit dem Daumen ihre Hand. „Ich bin sicher, dass du die richtige Entscheidung treffen wirst.“
"Die Menschen bauen zu viele BrĂŒcken und zu wenige Mauern."
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