Die alten Hochkulturen von Asamura sind gefallen. Sie hinterließen Relikte, deren Erforschung noch in den Anfängen liegt. Die überlebenden Völker beginnen zu ahnen, dass der Schlüssel zur Herrschaft über Asamura in den Relikten liegt. Jedes Volk entwickelt seine eigenen Strategien in diesem Wettlauf. Während die Almanen auf Altbewährtes setzen, treiben die Naridier den Fortschritt voran. Die Geheimbünde der Schatten sehen in der Magie die mächtigste Waffe und für die Rakshaner ist Krieg die passende Antwort. Auf welchem Weg wirst du deine Spuren hinterlassen?

Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

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Jaro Ballivòr

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#41

Beitrag von Jaro Ballivòr » So 29. Apr 2018, 17:31

Jaro Ballivòr
Schweigend verfolgten Jaro und Kirona die Diskussion. Er war froh, dass die Albin das Wort ergriffen hatte, nachdem die Situation zusehends merkwürdiger und beängstigender geworden war. Woher sie all diesen Mut und das Gespür nahm... Die Anspannung war greifbar und Jaro ertappte sich dabei, wie er bereits abwägte, vom Wagen zu springen. Wie musste er landen, um sich nicht die Knöchel zu verstauchen? Würde Foranir oder Morond hinterher eilen? Und Kirona? War sie schon wieder stark genug? Er schluckte schwer und sah zu ihr hinüber, doch Kirona verfolgte aufmerksam das Gespräch. Dann - endlich - lenkte Sinyah ein. Es war wie ein kollektives Ausatmen. Kirona stand auf und ging zu der Mutter hinüber, legte ihr den Arm auf den Rücken und strich darüber. Trotzdem entging ihr nicht, welch neue Wandlung die kleine Tinriel nahm, ebenso wenig Alaryahs Warnung, denn sie nickte knapp und auch Jaro sah es ein: irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.
"Na, na, mein Schatz", sagte Morond wieder viel sanfter. "Mama geht es gut und niemand verlässt uns einfach, nicht wahr?" Er lächelte die drei an, doch Jaro erinnerte es eher an Zähne fletschen. "Außerdem sind wir schon fast da..." Sein Arm wies in Fahrtrichtung und unwillkürlich folgte ihm Jaro mit den Augen, obwohl er nicht wusste, wonach er eigentlich Ausschau halten sollte. "Es ist alles gut, seht ihr?", fuhr Morond derweil unbeirrt fort. "Wir haben euch hierher gebracht, wie verspr-" Der Einschlag eines Pfeils in den Wagen unterbrach ihn. "Runter", brüllte Alaryah unmittelbar bevor ein zweiter Pfeil über sie hinweg surrte, ein dritter sich neben dem ersten tief ins Holz bohrte.

Alaryah Schattenwind
Hastig tastete Alaryah nach ihren Waffen, endlich bekam sie den Umhängegurt ihres Köchers zu packen. Sie zog daran, doch hatte sich der Bogen irgendwo verkeilt. "Verdammt.", zischte sie und riss fester daran. Irgendetwas knackte und der verklemmte Köcher löste sich ruckartig. Alaryah fiel nach hinten über, der Köcher raste über sie hinweg und hinterließ einen Schweif aus herausfallenden Pfeilen. So gut es ging rollte die Albin auf den Bauch, sah den Bogen dort am Ende des Karren liegen. Wieder flog ein Geschoss über sie hinweg, dann zischte auch schon wieder eins aus der anderen Richtung vorbei. "Unten bleiben!", rief Alaryah ihren Gefährten zu, die ebenfalls auf dem Boden des Karren umherkrochen. Dann robbte Alaryah in Richtung Bogen, bekam ihre Waffen endlich in die Hand. Ein Blick über die Schulter verriet ihr, dass sowohl Morond, als auf Foranir nicht mehr auf dem Bock des Karren saßen. Hatte man sie niedergeschossen? Unmöglich, man hätte Schreie hören müssen. Keine Zeit dafür. Alaryah wagte einen hastigen Blick über die Bande des Karren hinweg. Gerade rechtzeitig zog sie den Kopf wieder ein, denn ein Pfeil hämmerte knapp unter der Kante in die Bande. "Kannst du etwas erkennen?!", fragte Jaro mit zitternder Stimme und zuckte bei jedem Einschlag zusammen. Seine Augen schienen feucht. "Wie viele sind es?", wollte Kirona wissen. Sinyah hatte Tinriel fest an sich gedrückt, nachdem diese von Alaryahs Schoß gekullert war. Alaryah packte Jaro am Kragen und zog ihn ganz nah an sich heran. Sie erkannte deutlich einen Anflug von Panik in seinen Augen, begegnete ihm mit purer Entschlossenheit. "Wir werden hier nicht einfach von Pfeilen durchbohrt.", sagte sie ernst. "Wir werden aus dieser ganzen Sache rauskommen, wie auch aus den anderen davor. Ich lenke sie ab, versuch du an die Zügel zu kommen. Bringt sie hier raus.". Alaryah nickte in Richtung Sinyah und Tinriel, die die beiden nun mit großen Augen ansahen. "Fahrt mit dem Karren so weit fort von hier wie ihr könnt, folgt der Straße. Ich werde euch finden.".
Ohne auf eine Antwort zu warten rollte sich Alaryah von dem Karren hinab. Sie verschwand für wenige Sekunden aus Jaros Blickfeld und plötzlich trat Stille ein. Zu Jaros Erleichterung erhob sich Alaryah wieder, riss den Bogen hoch und der erste Pfeil löste sich von der Sehne. Die Albin hatte einfach in die Richtung geschossen, aus der sie meinte den letzten Pfeil kommen gesehen zu haben. Dann raste ihr Kopf herum, erneut trafen sich ihre Blicke mit denen von Jaro. "Los doch!", rief sie und legte neu auf. Dann spurtete die kleine Albin los. Auch wenn Jaro und Kirona sie nicht sehen konnten, so hörten sie deutlich die einschlagenden Pfeile und konnten somit ihre Laufrichtung erahnen. Zwischendurch zischte jedoch auch immer wieder der Bogen der Albin. Wie lange mochten die Pfeile, die sie aus dem Karren hastig aufgegriffen hatte, noch reichen? Irgendwann wurden die Einschläge an den Wänden des Karrens weniger, doch nicht wirklich ungefährlicher...

Jaro Ballivòr
Wie vom Donner gerührt saß Jaro da, wie Alaryah ihn zurück gelassen hatte. Unterdessen war Kirona auf die Beine gesprungen und ging geduckt nach vorne. Der Karren holperte und schwankte. Die Tiere waren vermutlich in Panik und es war unmöglich zu sagen, ob Morond und Foranir noch auf dem Bock saßen oder ob die Zügel ohne Führung waren. "Tu was!", drängte Jaro sich selbst. Sinyah hatte sich, die kleine Tinriel in den Armen, auf den Boden sinken lassen. Bogensehnen surrten und ein Schrei ertönte - Oril sein Dank der Schrei eines Mannes... Dann kam plötzlich Lärm vom vorderen Teil des Wagens. Es klang wie ein Handgemenge, doch gesprochen wurde nicht. Die Fahrt wurde unruhiger und Jaro wurde gegen die Wagenseite geworfen. Der Karren schwankte bedrohlich, dann schrie jemand, Foranir, wenn Jaro nicht irrte, und plötzlich sah er Kirona vom Karren springen. Sie war sofort aus seinem Blickfeld. "Jaro! Pass auf!", rief Sinyah. Es war gerade rechtzeitig. Der Karren schlingerte und kippte letztlich und Jaro warf sich in letzter Sekunde auf den Boden, um nicht hinausgeschleudert zu werden. Laut scheppernd schlugen das Gefährt auf dem Boden auf und rutschte noch eine Weile. Die Hufschläge entfernten sich. Offenbar hatten die Pferde sich losgerissen. Jaro stöhnte auf. Er war hart mit der Hüfte aufgekommen, doch ansonsten schien alles in Ordnung zu sein. "Sinyah? Tinriel?" rief er in die Staubwolke hinein. "Jaro?" Sinyahs Hand tastete den Boden entlang auf ihn zu. "Alles in Ordnung?", fragte sie. "Wir müssen hier weg, schnell!" Noch immer unfähig selber eine Entscheidung zu treffen, nickte Jaro nur und rappelte sich gemeinsam mit der Frau auf. Mehrere Pfeile schlugen in den gekippten Karren ein, während sie geduckt in das schützende Unterholz hetzten. Sie kämpften sich einige Meter in den Wald und blieben dann völlig außer Atem stehen. Jaro hatte die Orientierung verloren, wo Kirona und Alaryah waren konnte er unmöglichlich sagen. Er hielt inne, seine Augen weiteten sich. "Wo ist Tinriel?" Sein Herz klopfte. Wie hatte Sinyah das nicht bemerken können?

Alaryah Schattenwind
Wieder und wieder schlugen Geschosse um sie herum ein. Alaryah rollte sich über die Schulter ab, schoss erneut dahin, wo sie einen Schützen meinte entdeckt zu haben. Es war keine Zeit die Sinne zu schärfen, also musste sie sich auf ihren Instinkt und ihre Erfahrung verlassen. Dann passierte es plötzlich. Eine unfassbare Wucht riss die Albin herum und ihre linke Schulter fühlte sich unnatürlich warm an. Ungläubig schaute die Albin auf einen Pfeilschaft, der aus ihrem Oberarm ragte. Sie versuchte den linken Arm zu heben, doch gelang es ihr eher mittelprächtig. Keine Zeit. Reflexartig warf sich die Albin auf zur Seite, als ein weiterer Pfeil sein Ziel verfehlte. "Das wirst du büßen!", fauchte Alaryah, ließ Bogen und Köcher fallen und stürmte in Richtung Unterholz. Unterwegs brach sie den Pfeilschaft ab, ließ die Spitze jedoch stecken. Dann wurde die Albin von den Ästen einens Gebüsches umarmt.

Sie wartete dort, bleib im Verborgenen. Der Karren war losgepoltert, was Alaryah zumindest etwas beruhigte. Doch war dies nur ein kurzer Moment, denn plötzlich krachte es laut gar nicht so weit entfernt. "Oh nein.", hauchte Alaryah und fürchtete, dass ihre Gefährten nun endgültig erledigt waren. Dann knackte es hinter ihr. Kaum merklich zuckte die Albin zusammen, zog leise einen Langdolch. Sie sah deutlich den Schatten, der auf das Gebüsch in dem sie sich verbarg herabfiel. Eine Person stand hinter ihr und brummte irgendetwas. Alaryah ließ ihre Tarnung fallen, drehte sich um sich selbst und hämmerte den Dolch nach vorn. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen, als sie in die leeren Augen eins anderen Alben sah. Es war ein Mann mittleren Alters, der mit Pfeil und Bogen und einem schartigen Schwert bewaffnet war. Der Mann röchelte und spuckte Blut, Alaryah drehte die Klinge in seinem Hals und machte ihm ein schnelles Ende. "Alben?!", flüsterte sie ungläubig und untersuchte die Leiche. Er war blass, doch seine Augen und Ohren waren unnatürlich dunkel. Ein weiterer Alb griff Alaryah an. Er stach mit einem Speer nach ihr, doch konnte sie seinen Angriffen ausweichen. Alaryah bekam den Speer zu packen und lenkte ihn von sich ab, sodass der Angreifer in den Boden stach. Alaryah wusste, dass sie schon fast gewonnen hatte wenn sie nur an der Speerspitze vorbei war.

"Alaryah!". Was? Konnte das...? Alaryah war sich nicht sicher. "Alaryaaaah!!". "Tinriel.". Alaryah stürmte los, überließ den sterbenden Speeträger seinem Schicksal. "Tinriel!", rief sie. "Alaryah hilf mir!". Die Stimme des kleinen Albenmädchens war panisch. "Ich bin gleich bei dir!", gab Alaryah zurück, nun sämtliche Vorsicht fallenlassend...Dann endlich entdeckte Alaryah Tinriels Haarschopf in der Nähe eines umgestürzten Baumes. Ihre Blicke rasten umher. War das Kind wirklich ganz allein?

Jaro Ballivòr
"Wo ist Tinriel?", wiederholte Jaro und sah Sinyah eindringlich an. Fast meinte er, einen fragenden Ausdruck über ihr Gesicht huschen zu sehen. "Eben war sie noch bei uns! Auf dem Karren!" Er konnte es nicht fassen. Wie konnte die Albin ihre eigene Tochter einfach vergessen? "Ich... ich weiß es nicht", stammelte diese nun. Ihre Augen bewegten sich hektisch von Seite zu Seite, während sie nachdachte. "Wir müssen sie suchen." Endlich fiel die Starre von Jaro ab. Nicht auszumalen, was der Kleinen alles zustoßen konnte. "Wir müssen zurück." "Nein!" Sinyah packte Jaros Arm mit eisernem Griff. Ungläubig starrte er sie an. "Es ist deine Tochter." Verzweiflung schwang in seiner Stimme mit. "Ich sagte nein." Die Augen der Frau waren eiskalt. "Wenn wir gehen, sterben wir." "Und wenn nicht, stirbt vielleicht Tinriel!" Er würde nicht so schnell aufgeben. "Sinyah! Das muss dir doch klar sein." Mit großen Augen starrte die Albin ihn an. Ihr Mund öffnete sich ein Stück, dann blinzelte sie mehrere Male. "Jaro?" Ihre Stimme war plötzlich leise und dünn. "Was ist los?" "Was?" Fassungslos zog Jaro die Augenbrauen zusammen. "Ich sagte, wenn wir gehen, sterben wir." Die Kälte war in ihre Augen zurückgekehrt. Einen Augenblick sahen sie sich einfach nur an, dann versuchte Jaro sich loszureißen. Erst zögerlich, dann mit zunehmender Vehemenz, während Sinyah ihn mit unfassbarer Kraft festhielt. "Lass mich los!", rief Jaro, der es langsam aber sicher mit der Angst zu tun bekam.

Alaryah Schattenwind
"Tinriel ich bin hier!". Das Mädchen reagierte nicht. Sie stand einfach nur so da, neben dem Baumstamm, mit dem Rücken Alaryah zugewandt. "Tinriel wir müssen hier weg. Ganz, ganz schnell.", erklärte Alaryah nun wieder mit gedämpfter Stimme und sah sich um. Niemand schien in der Nähe. Das war gut und schlecht zugleich. Zum einen war kein Feind zu sehen, jedoch fehlte auch jede Spur ihrer Gefährten. "Tinriel, komm.", flüsterte Alaryah und ging auf das Mädchen zu. Als die Albin das Kind berührte drehte es sich langsam um. "Da bist du ja.", stellte Tinriel fest und langsam kippte ihr Kopf in Richtung rechter Schulter. "Wir haben gewusst, dass du uns finden wirst.". Alaryah schreckte zurück. "Tinriel...was...was zum...". Wie in Zeitlupe ließ Tinriel ihre Puppe, die Alaryah vorher gar nicht bemerkt hatte, fallen. Dann reckte das Albenkind Alaryah langsam die Arme entgegen. "Jetzt wo du hier bist...bring uns weg von hier.". Alaryah schluckte einen Klos in ihrem Hals hinunter. "Tinriel, was ist mit dir passiert?", fragte sie leise und machte einen weiteren Schritt zurück, als das Kind mit ausgestreckten Armen auf sie zu kam. "Du musst mich zu meiner Mama zurückbringen.", sagte Tinriel und klang dabei so unschuldig und hilflos. "Tinriel bleib stehen.", mahnte Alaryah, weiterhin in Rückwärtsbewegung. "Wir werden deine Familie finden und alles wird wieder gut werden.". "Du brauchst doch keine Angst vor mir zu haben.", sagte Tinriel und verzog das Gesicht. Tatsächlich blieb sie stehen und wirkte traurig. "Du willst mir gar nicht helfen, oder?". "Sag doch sowas nicht!". Alaryah war sich nicht sicher, was gerade um sie herum passierte. Was war nur mit der kleinen Tinriel los?
Dann spürte Alaryah Widerstand hinter sich. Sie tastete nach hinten. Es war zu ihrem Erschrecken weder Baum noch Fels, es war eine Person! Alaryah drehte den Kopf. Ein großer und breit gebauter Alb schaute auf sie mit leeren Augen hinab. Rasend schnell näherte sich eine Faust und wenige Augenblicke später fand sich Alaryah auf dem Boden liegend wieder. Tinriel stand direkt neben ihr und der groß gewachsene Alb zog einen gezackten Dolch. Weiße Sterne tanzten hell in Alaryahs Blickfeld umher und sie war nicht in der Lage den kommenden Angriff zu sehen.

Jaro Ballivòr
Jaro stoppte seine Bemühungen, um nach kurzer Atempause nur noch heftiger gegen ihren Griff anzukämpfen. Mit der freien Hand schlug er ihr gegen Arm. Anfangs hatte er noch Hemmungen, doch schnell siegte die Furcht und er schlug fester und fester zu, bis Sinyah endlich losließ. Durch die plötzliche Befreiung stürzte Jaro nach hinten und ehe er sich berappelt hatte, fand er die Frau über sich. Ihre Gesicht war ausdruckslos, doch er wusste trotzdem genau, was sie wollte, erkannte es in diesem Augenblick. Sie würde ihn töten. "Alaryah! Kirona!" Er rief so laut er konnte, bevor sich Sinyahs Hände um seinen Hals schlossen und zudrückten. Vergeblich kämpfte er gegen sie an. Sie hatte eine unglaubliche Kraft. Verzweifelt versuchte Jaro Luft zu schnappen, doch es war hoffnungslos. Das letzte, das er sehen würde, waren die kalten Augen einer Frau, die er eigentlich gemocht hatte. "Jaro?" Kironas Stimme ertönte. "Jaro!" Die Frau stürzte sich auf Sinyah und stieß sie von Jaro herunter, der gierig nach Luft schnappte. Mühsam rappelte er sich auf die Beine. Kirona schlug Sinyah hart ins Gesicht. Ihr eigenes war blutverschmiert, wie auch der Großteil ihrer Kleidung. "Du musst hier weg, Jaro", sagte sie ruhig. "Schnell." Hier sprach die Killerin zu ihm, die perfekte Waffe, doch sie war nicht sein Feind. "Wo ist Alaryah?", fragte er. "Was ist geschehen?" "Keine Zeit jetzt. Geh!" Kironas Stimme war bestimmt. Im Hintergrund sah Jaro eine Bewegung und Morond und Foranir schälten sich aus dem Gebüsch. Beide waren übel zugerichtet. "Da ist sie ja!", knurrte Foranir und Kirona sprang auf die Beine. "Habt ihr noch nicht genug?" "Freu dich nicht zu früh." Ein fieses Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des Jungen auf und fast im selben Moment traten drei weitere Männer hervor. Kirona straffte die Schultern und nickte, als bestätigte sie sich selbst einen Gedanken. "Jaro, du musst jetzt gehen. Tu was ich sage. Ich weiß nicht, was gleich passiert" Die Beherrschtheit in ihrer Stimme erschrak Jaro. Das war keine Bitte, das war ein Befehel und was blieb ihm schon anderes übrig? Nach einem letzten Blick in die Runde drehte Jaro um und rannte fort, versuchte vergeblich die Geräusche der ersten Gefechte zu ignorieren. Dann passierte plötzlich etwas, womit er nicht gerechnet hatte. Die Welt verlor für einen kurzen Augenblick ihre Richtung. Es zog Jaro die Füße weg und eine Druckwelle fegte über seinen Kopf, gefolgt von einem roten Licht und einem schmerzhaften Dröhnen. Reflexartig hielt er sich die Ohren zu und kniff die Augen zusammen. Er traute sich nicht, sich zu rühren.

Alaryah Schattenwind
Dumpf grollend hob der Angreifer seine Waffe. Alaryah lag nur da, außer Stande sich zur Wehr zu setzen. "Tinriel.", hauchte sie noch und versuchte das Albenkind zu fassen zu kriegen. Wie ein toter Fisch fiel Alaryahs noch intakter Arm auf den weichen Waldboden, kraft- und nutzlos.
Dann plötzlich gab es einen Knall. Wie das Hämmern aus tausenden Schmieden brandete eine Welle aus Lärm durch den Wald, riss kleine Äste und Blätter mit sich und wirbelte Erde auf. Hier und da bildete sich Glut an den Enden von Ästen und Blättern, doch bleib sie nicht lang und schon bald suchten viele dünne Rauchschwaden ihren Weg gen Himmel. Dieser Moment war majestätisch und grausam zugleich. Alaryah traute sich nicht sich zu bewegen. Entweder würde sie in die Augen eines Mannes sehen, der sie töten würde oder etwas viel schlimmeres erblicken?
Es war eher ein Zwischending. Als Alaryah wieder wagte zu blinzeln sah sie immer noch den Angreifer vor sich, jedoch war da noch jemand. Langsam klärte sich ihr Blickfeld. Eine Gestalt hatte den Alben zurückgehalten. Es rauschte einmal laut, dann waren Alaryahs Sinne wieder einigermaßen im Normalzustand. Sie schüttelte den Kopf, als wolle sie eine Fliege vertreiben und dann erkannte sie es. Dieser Jemand hatte sie gerettet? Wer es auch war, die Person hatte sich in eine Robe gekleidet und eine Maske verbarg das Gesicht. Keuchend ging ihr Angreifer zu Boden, während ein Schwall Blut seine Kehle verließ wie Wasser einen Springbrunnen. "Sorgt Euch nicht.", sagte eine dumpfe Stimme und ließ von dem Alben ab. Dieser sackte nun leblos zusammen und verteilte röchelnd viele Spritzer Blut auf dem sonst so grünen Waldboden. Alaryah versuchte aufzustehen, jedoch schaffte sie es nur auf alle viere. Dann sah sie Tinriel unweit von sich im Gras liegen. "Nein.", flüsterte Alaryah und krabbelte in Richtung Albenkind. Dort angekommen tastete sie Tinriel ab. Tatsächlich spürte Alaryah noch einen Puls. Tinriel war noch am Leben! Behutsam hob Alaryah das kleine Mädchen auf und stemmte sich mit letzter Kraft nach oben. Auf wackeligen Beinen stehend hob sie nun dem mit Dreck und Blut verschmierten Kopf in Richtung berobter Gestalt, ihr zerzaustes Haar wehte dabei sanft im Wind. "Ihr solltet nun besser gehen.", sagte die Person und Alaryah nickte. Stolpernd setzte sie sich in Bewegung, wollte Tinriel nur noch von diesem Ort wegbringen. Dann plötzlich blieb Alaryah stehen. "Ich...ich danke Euch für die Rettung.", sagte sie leise. Erst jetzt spürte die Albin den Schmerz, der sich in ihrer verwundeten Schulter breitmachte. Trotz allem hielt sie Tinriel sicher und fest in ihrem Arm. Sie würde sie retten. "Lauft nun.", sagte die Gestalt. "Geht zurück zu Euren Gefährten.". "Ich hätte tot sein können?!", sagte Alaryah und war etwas verwundert, dass ihre Rettung und der zugegeben schwache Dank so leicht abgetan wurde. "Du kannst es immer noch werden.", sagte die Gestalt. Alaryah wollte etwas erwidern, doch Tinriel öffnete nun flackernd die Augen. "Geht nun, bevor doch noch alles anders wird.". Die Person hob langsam das von Blut triefende Messer, mit dem das Leben des Alben beendet worden war. Dann deutete die Gestalt mit der Klinge auf Alaryah, die sich nun endlich in Bewegung setzte. "Ich wollte dir nichts tun!", hörte sie die Stimme der Person hinter sich. "Lauf zu deinen Freunden.". Die Stimme entfernte sich. "Flieg nur, Vögelchen, flieg!". Wie von Blitzen aus tausend Gewittern getroffen blieb Alaryah in der Dunkelheit des Waldes stehen. Sie hatte die Augen weit aufgerissen, den Mund vor Schreck aufgerissen. "Was?", hauchte sie, doch da war nichts. Ihr Herz raste und sie war kurz davor einfach zusammenzubrechen. Diese Worte. Es war, als glühe ein Eisenbarren in ihren Gedanken. War es wirklich möglich? "Das kann doch nicht...". Alaryah drehte sich um, fiel dabei fast hin. "Linor?", fragte sie kaum hörber. Dann spürte die Albin plötzlich, dass ihr jemand an den Haaren zog. Es war Tinriel, die weiterhin von Alaryah im Arm gehalten wurde. "Alaryah.", sagte das Kind. "Ich...ich will...Wo ist Mama? Ich will zu meiner Mama!". Alaryah wusste weder ein noch aus. Sie wäre am liebsten der Gestalt nachgerannt, doch konnte sie Tinriel unmöglich allein zurücklassen. "Wo ist sie? Wo ist Mama?!", rief Tinriel und begann bitterlich zu weinen. Dicke Tränen kullerten die Wangen des kleinen Mädchens hinab und Alaryah rannte los. Die Gestalt...Linor...würde sie bestimmt wiederfinden...
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#42

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Mo 11. Jun 2018, 07:48

Jaro Ballivòr
"Jaro" Eine Stimme fand den Weg in Jaros Geist. Hatte er das Bewusstsein verloren? "Jaro" Es klingelte in seinen Ohren, ihm schwindelte und einen Augenblick lang wusste er nicht, wo er sich befand. Seine Finger tasteten auf den Boden neben ihm und da fiel es ihm wieder ein. Er war im Wald, es hatte Kämpfe gegeben und dann war irgendetwas geschehen... ein lauter Knall und dann? "Jaro, wach auf." Die Stimme war nun ganz nah. Er spürte eine Hand auf seiner Brust. "Kirona?", krächzte er. "Ja, ich bin es", erwiderte die Frau und Jaro wagte endlich die Augen zu öffnen. Ihr Anblick erschreckte ihn. Ihre Kleidung hing in Fetzen, sie blutete über dem Auge und aus einem fiesen Schnitt an ihrer Wange und ihre Haare waren stellenweise versengt. "Was", setzte er an, doch sie winkte ab. "Später. Wir müssen Alaryah finden. Kannst du aufstehen?" Jaro nickte. Zwar schmerzte ihn jede Sehne seines Körpers, doch unglaublicherweise schien er nicht ernster verletzt. Er wusste nicht, was ihn mehr erstaunte, seine Unversehrtheit oder die kühle Gefasstheit, mit der ihm Kirona begegnete. "Kirona, Vorsicht!" Voller Schreck erkannte Jaro Foranir und Morond hinter ihr, doch sie schüttelte den Kopf. "Alles gut. Sie sind nicht unser Feind. Ich erkläre es euch später." Trotzdem beäugte Jaro die beiden Alben misstrauisch, als er sich schlussendlich auf die Beine kämpfte. Sie sahen fast noch schlimmer aus, als Kirona. "Hier entlang." Ohne zu zögern ging Kirona in eine Richtung und Jaro, Foranir und Morond blieb nichts, als ihr zu folgen.

Alaryah Schattenwind
Die Zähne fest aufeinandergebissen spurtete Alaryah durch den Wald, direkt in die Richtung, in der sie ihre Gefährten und Tinriels Familie in etwa vermutete. Tinriel weinte immer noch und es mochte Alaryah nicht gelingen das kleine Mädchen zu beruhigen. Wie auch? Sie konnte sich gerade nicht einmal selbst wirklich beruhigen?! Zu allem Überfluss machten sich nun auch die Strapazen der letzten Ereignisse bei Alaryah bemerkbar. Erst war es ihr ein leichtes gewesen die kleine Tinriel zu tragen, doch mit jedem Schritt schien sie schwerer zu werden. Ab und an musste Alaryah sogar aufpassen, dass sie nicht nach vorn überkippte oder auch nur ins Stolpern geriet. Wieder und wieder warf sie einen Blick hinter sich, doch da war niemand, nur düsterer Walt. Die Spuren der Explosion wurden nun deutlicher und Alaryah war sich sicher, dass dies nicht lange unbemerkt bleiben würde. Schon bald würde man bestimmt die ersten Waldläufer aussenden, wenn diese nicht schon unterwegs waren. Es würde einige Zeit dauern, bis sich der Wald an diese Stelle wieder komplett erholen würde. Doch daran durfte Alaryah nun nicht denken! "Reiß dich zusammen.", mahnte sich die Albin in Gedanken und fokussierte sich wieder auf den vor ihr liegenden Weg. Da hinten! Hatte sie dort nicht gerade Sinyah gesehen? Tatsächlich! "Sinyah!", rief Alaryah so laut sie konnte. Erst beim dritten Ruf trafen sich endlich ihre Blicke. Doch dann erinnerte sich Alaryah plötzlich an den Moment mit Tinriel im Wald zurück und blieb abrupt stehen. Bevor sie jedoch weiter reagieren konnte, stand Sinyah bereits vor ihr. "Tinriel! Oh, meine kleine Tinriel!". "Mamaaa!". Sinyah nahm Alaryah die kleine ab und umarmte sie so fest, als wolle sie sie nie wieder loslassen. Sinyah war überglücklich und konnte Alaryah gar nicht genug danken, dass sie ihre kleine Tochter gerettet hatte. Nun musste auch Alaryah eine kleine Träne verdrücken. "Wir sollten die anderen suchen.", meinte Alaryah schließlich und Sinyah nickte. Mit Tinriel auf dem Arm folgte die Albenfrau nun Alaryah, erkundigte sich immer wieder nach dem Wohlergehen der beiden. "Mir geht es gut.", brachte Alaryah wieder und wieder hervor, doch es war ihr deutlich anzusehen, dass es nicht so war. Die Albin war am Ende. Reflexartig wandte sich Alaryah plötzlich nach links und ihr Blick raste eine kleine Anhöhe hinauf. "Sieh doch.", sagte sie erleichtert zu Sinyah und die Anspannung fiel wieder etwas von ihr ab. "Da sind die anderen.". Tatsächlich waren dort Kirona und Jaro, ebenso Morond und Foranir. Kurze Zeit später hatte sich die kleine Gruppe endlich wiedergefunden. Während Alaryah ihre Gefährten herzlich umarmte blieb sie bei den anderen doch etwas distanzierter. "Kirona...geht es dir wirklich gut?", fragte Alaryah lieber noch einmal nach, nachdem sie Jaro durch das Haar gewuschelt hatte. Kirona nickte und rang sich ein schwaches Lächeln ab. "Jaro, ist mit dir auch alles in Ordnung?". Als Alaryah das Familienglück unweit entfernt beobachtete wurde ihr Herz noch schwerer. Sie war schon oft von Zuhause weg gewesen, doch nach all den Erlebnissen...Die Albin versuchte sich abzulenken und begann die Schnittwunden ihrer Gefährten zu heilen.

Jaro Ballivòr
"Mir fehlt nichts", murmelte Jaro, ließ jedoch zu, dass Alaryah seine Blessuren versorgte. Auch Kirona ließ sich ansehen, sog dann aber zischend Luft ein. "Alaryah... ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast, aber dir steckt ein Pfeil im Arm." Trotz der Umstände mussten sie alle schmunzeln. Zugleich konnte Jaro nicht umhin, die Waldalbin zu bewundern. Sie musste höllische Schmerzen leiden, doch es war ihr ein Drang, zuerst ihre Freunde zu umsorgen. Man könne hier und jetzt sowieso nichts dagegen tun. "Du hast Recht", sagte Kirona nun ernster. "Ohne richtige Arznei würde sich die Wunde furchtbar entzünden. Es ist besser, der Pfeil bleibt vorerst drin. Nur nicht zu lange..." Sorgenfalten zierten ihre Stirn und Jaro teilte ihre Gefühle. Sie mussten baldmöglichst zu einem Heiler. Alaryah winkte ab, auch wenn sie etwas blass aussah. Zuerst sagte sie, wolle sie wissen, was passiert sei. Kirona blickte kurz zu der kleinen Familie, räusperte sich und begann dann leise zu sprechen. "Ich hatte die Befürchtung schon länger, doch ich war mir nicht sicher, wollte es vielleicht auch einfach nicht wahrhaben..." Kurz wirkte ihr Blick entrückt und als sie fortfuhr, war es nur mehr ein Flüstern. "Jemand ist in ihren Geist eingedrungen." Sie nickte in Richtung des Grüppchens. "Sie wurden manipuliert. Ihr glasiger, starrer Blick, die Stimmungswechsel, die belegten Stimmen... ich hätte es mir denken können. Aber es wurde mir erst im Gerangel mit Foranir klar. Er kämpfte nicht wie ein Junge. Er kämpfte wie ein wildes Tier... Ich war gezwungen ihnen richtig weh zu tun, um zu entkommen, doch sie verfolgten mich, ließen nicht locker..." Etwas Flehendes lag in Kironas Blick, als suche sie nach Vergebung, nach Bestätigung, dass sie richtig gehandelt hatte. Alaryah legte ihr den gesunden Arm auf die Schulter. "Schon gut." Kirona nickte, sich besinnend. "Ich fand Jaro... Sinyah war dabei ihn zu erwürgen und dann tauchten die beiden wieder auf, mit Verstärkung im Schlepptau. Was dann geschah, kann ich kaum in Worte fassen. Der Stein aus der Ruine regte sich. Es war, als spräche er in meinem Geist. Wobei...", sie hielt kurz inne und suchte nach Worten. "Es waren keine Worte. Ich wusste einfach was zu tun war. Mit letzter Kraft übermannte ich Foranir und Morond, stieß sie ins Gebüsch, um sie vor dem zu bewahren was dann passierte. Als ich mich umdrehte, war Sinyah fort... keine Ahnung wohin. Es war auch keine Zeit, das zu überprüfen. Ich wusste, mir würde nichts geschehen und musste hoffen, dass sie und Jaro weit genug entfernt, dass Foranir und Morond geschützt genug waren. Dann habe ich den Stein aktiviert. Fragt mich nicht wie. Alles, was ich fühlte, war Hitze. Es gab einen lauten Knall und alles um mich herum wurde von einer Druckwelle erschüttert. Das war's. Ich suchte Jaro. Foranir und Morond fanden mich. Und nun sind wir hier." Sie zuckte mit den Schultern und endete. Alaryahs Gesichtsausdruck war von bitterer Erkenntnis gezeichnet. "Es ist schlimmer als befürchtet. Hier ist ein sehr mächtiger Feind am Werk. Wir müssen herausfinden, was er sucht... Weswegen eine unbedeutende Familie benutzen? Warum...", Mit einem Keuchen unterbrach sie sich. Sie hatte sich zu den anderen umdrehen wollen und dabei wohl den Schmerz in ihrem Arm erneut entfacht. Wie in Zeitlupe sah Jaro Alaryah taumeln, ehe sie bewusstlos niederging. Allein Kironas schneller Reaktion war es zu verdanken, dass sie nicht hart auf dem Boden aufschlug. Jaro wollte in die Hocke gehen, um zu helfen, als er kaltes Metall an seiner Kehle spürte. "Keine Bewegung."

Alaryah Schattenwind
Er war so schnell er konnte mit seiner Schar durch den Wald geeilt. Sie hatten sich leise fortbewegt, teilweise durch die Baumkronen, teilweise am Boden. Dann endlich waren sie auf weitere Personen gestoßen, unweit von dem Ort entfernt, wo der fürchterliche Lärm zuvor hergekommen sein mochte. Deutlich konnte der Anführer der Schar die Waldläuferin erkennen, die fast leblos in den Armen einer tätowierten Frau hing. Wie angewurzelt stand eine kleine Familie unweit der Frau, ein weiterer Alb wollte sich der Waldläuferin nähern. Der Anführer gab Handzeichen, seine Schar reagierte, kreiste die Gruppe nach und nach ein, blieb dabei im Verborgenen. Mehrere Haken schlagend näherte sich der Mann von hinten dem jungen Alben, zog dabei leise sein Schwert...

Alle schienen einen Moment lang wie versteinert. "Was war das gerade für ein Knall? Wer seid ihr?", verlangte der Alb zu wissen, der wie aus dem Nichts bei Jaro aufgetaucht war. Hier und da traten weitere Waldläufer aus ihrer Deckung hervor, jederzeit zu einem Angriff bereit. "Wir...also...". Jaro hob beschwichtigend die Hände. "Wir sind Reisende.", begann Kirona, die dem vernichtenden Blick des Soldaten gerade noch so standhalten konnte. "Jemand hat uns angegriffen!", platzte es plötzlich aus Morond heraus, der sich vor seine Familie stellte. "Seht doch dort hinten, da liegt unser Karren!". Er wedelte mit den Armen und deutete auf die Stelle. Zwei Waldläufer verschwanden wieder im Unterholz. "Die können immer noch hier in der Nähe sein!", mischte sich nun auch Foranir ein. Der Blick des Anführers wanderte durch die Gesichter der Anwesenden. "Was, wenn noch weitere Reisende hier auf dem Weg überfallen werden? So etwas hat es doch noch nie gegeben!". Sinyah brachte nun auch ein paar Worte hervor, war dabei erneut den Tränen nahe. Tinriel wandte sich ab, klammerte sich noch fester an ihre Mutter. Die zwei Waldläufer kehrten zurück und einer flüsterte dem Anführer etwas zu. "Und diese Angreifer...wer waren sie? Konntet ihr jemanden oder etwas erkennen? Sind sie Schuld an...dem hier?". Er deutete auf eine Stelle, an der die Reste eines versengten Gebüsches traurig auf Halbmast hingen. Unsicher wechselten alle ein paar schnelle Blicke, dann fassten sich Kirona und Jaro schließlich ein Herz und berichteten von dem Angriff der Bogenschützen und einer Explosion. Sie bogen sich die Wahrheit etwas zurecht, doch wollten sie gerade niemandem wirklich trauen. Morond wollte etwas klarstellen, doch räusperte sich nur, als Foranir ihm einen leichten Stoß mit dem Ellenbogen versetzte. "...und nun wissen wir nicht, in welche Richtung sie gelaufen sind.", schloss Kirona ihren Bericht ab. Die Augen des Anführers verengten sich. Er schien ihnen nicht alles zu glauben, doch sprachen der Zustand der Gruppe, der Karren und die Pfeile Bände. Er beschloss erst einmal die Gegend weiter abzusuchen und den Weg zu sichern. "Falls es nötig sein sollte, dass Ihr eure Beobachtungen und Erlebnisse erneut bezeugt, so werden wir euch finden.", versprach der Anführer und zog das Schwert mit leisem Zischen von Jaros Hals weg. Dieser atmete erst einmal tief durch. "Nun zieht eurer Wege.". Mit knappem Nicken setzte sich der Waldläufer wieder in Bewegung. "Halt!", protestierte Kirona, die immer noch Alaryah festhielt und machte einen halbherzigen Schritt zur Seite. Sie hätte sich dem Alben niemals wirklich in den Weg stellen können, doch blieb dieser mit vor Erstaunen hochgezogener Augenbraue stehen. "Ist euch doch noch etwas eingefallen was ich wissen sollte?", fragte er und musterte Kirona abschätzend. Diese presste die Lippen aufeinander. "Ihr müsst uns helfen.", brachte sie grimmig hervor. "Alaryah ist verletzt. Sie braucht Medizin. sie ist eine Waldläuferin, genau wie ihr. Sie hat uns geführt, begleitet und beschützt. Wir können nichts tun, aber in euren Reihen muss doch jemand sein, der helfen kann.". Schwach keimte Verzweifelung in ihrer Stimme auf. "Nun...". Der Alb kam näher und betrachtete Alaryahs Wunde, untersuchte sie oberflächlich. "Melrodan! Hierher!". Ein Alb mit grüner Kaputze, braunem Schal und Umhängetasche eilte heran. "Seht was ihr tun könnt, schließt dann zu uns auf.". Der Soldat salutierte. "Auf bald.". brummte der Anführer knapp in die Runde und rauschte davon, seine Schar folgte. Melrodan legte Alaryah neben dem Weg auf den weichen Waldboden, hatte inzwischen schon eine genaue Diagnose im Kopf und murmelte unverständlich Worte vor sich hin. "Hier, das sollte helfen.", sagte er schließlich mit einer Stimme, die erstaunlich jung klang. Eine kleine Phiole wechselte den Besitzer. "Ich werde den Pfeil nun entfernen, stillt hiermit die Blutung und dann bindet ihr den Arm an dieser Stelle ab.". Er gab noch ein paar Anweisungen, die die Gefährten durchaus in der Lage waren umzusetzen und verschwand dann ebenfalls. Als Kirona Alaryah den Inhalt der Phiole eingeflößt hatte kam diese langsam wieder zu sich.
Sie blickte schon bald in die erleichterten Gesichter ihrer Gefährten und der Familie. "Wa...was ist passiert?", fragte sie leise und gemeinsam brachten sie die kleine Albin wieder auf den aktuellen Stand der Dinge. Dann waren sie sich alle einig: Sie sollten nicht weiter hier verweilen.

Jaro Ballivòr
Nach dem anfänglichen Schock war Jaro froh, dass die Waldläufer gekommen waren. Sie würden mögliche weitere Angreifer zur Strecke bringen oder in Gewahrsam nehmen und sich des verwundeten Waldstücks annehmen, vielleicht Naturmagier oder Schamanen herbei ordern. All das gab ihnen die Möglichkeit in Ruhe darüber nachzudenken, was zu tun sei. Eines war klar: sie mussten sich unbedingt von der Familie trennen. Aus einem Grund, den sie noch nicht sicher benennen konnten, waren sie ins Visir des Feindes geraten. Sie brachten die Alben in Gefahr, wenn sie bei ihnen blieben. Mit durchwachsenen Gefühlen gingen sie auf Morond und die seinen zu, um ihnen dies mitzuteilen. Der Alb verstand sofort und nickte grimmig. "Es braucht euch nicht leid zu tun", sagte er. "Immerhin habt ihr uns letztlich das Leben gerettet." Als Jaro etwas die Schultern hängen ließ, da er den Verdienst einzig bei seinen beiden Begleiterinnen sah, schien Sinyah dies zu bemerken. "Ihr alle." Sie lächelte. "Es tut mir furchtbar leid, dass ich dich angegriffen habe", fügte sie an Jaro gewandt zu. "Ach das... es war nicht deine Schuld", sagte er unbeholfen. Tinriel schluchzte herzergreifend auf und stürmte auf Alaryah zu, umklammerte ihr Bein. Es folgte ein Abschied, der so manche Träne hervorrief. Alaryah wünschte Foranir viel Erfolg bei seinen weiteren Versuchen, ein Waldläufer zu werden und versicherte ihm nochmals, dass sie ein gutes Wort einlegen würde. Der Junge entschuldigte sich hingegen bei allen dreien für sein rüdes Verhalten zu Anfang. Schließlich, als es keinen ersichtlichen Grund mehr gab zu verweilen, alles gesagt und getan war, hob Morond die kleine Tinriel auf die Schulter und die junge Familie ging ihres Weges, gezeichnet und erschüttert, doch auch im Zusammenhalt gestärkt. Jaro war das Herz schwer und er spürte, dass es Kirona und vor allem Alaryah auch so erging. "Wieder zu dritt", murmelte er. "Was sollen wir nun tun? Wir können doch nicht einfach abhauen." "Nein, aber vorschnell handeln dürfen wir auch nicht", erwiderte Alaryah. Kirona nickte zustimmend. "Wir müssen überlegen, was sie von uns wollen. Und währenddessen können wir gut schon ein paar Meilen zwischen uns und diesen Ort bringen. Lasst uns zu diesem Stützpunkt gehen, Alaryah. Wir brauchen alle Ruhe, vor allem du und dein Arm. Von dort können wir in Sicherheit die nächsten Schritte planen."

Alaryah Schattenwind
Eine Trennung von der Familie war nur richtig. Das war auch Alaryah klar, auch wenn ihr besonders der Abschied von der kleinen Tinriel schwer fiel. Den Verlust des Karrens kaum beklagend zog die Familie weiter, es wurde noch gewunken, bis man sich schließlich aus den Augen verloren hatte...

Der Entschluss zu dem Stützpunkt zu reisen war schnell gefällt, die weitere Reise verlief glücklicherweise ereignislos. Die drei Reisenden kamen nur langsam voran, sie waren erschöpft, abgekämpft und wollten nur noch ausruhen. "Dort hinten...", meinte Alaryah sacht und hob die Hand. Kirona und Jaro sahen auf und in der Ferne erhoben sich erste Palisaden und Hecken. "Endlich...die Efeusenke.".
Zwei Soldaten kamen ihnen entgegen, trugen reich verzierte Speere mit langer, leicht gebogener Spitze. Alaryah machte den Gruß der Waldläufer und stellte dann sich und ihre Gefährten vor. Sie wurden in das Innere des Stützpunktes geleitet und schnell hatte man ihnen ein Quartier zugeteilt. Der Hauptmann von der Efeusenke ließ ihnen eine Einladung zukommen, aufdass sie am nächsten Tag gemeinsam speisen mögen. Der Boter übergab das Schreiben Alaryah, als die drei sich gerade in ihrer Unterkunft einrichteten. Sie wechselten daraufhin noch ein paar Worte in der Sprache der Waldalben, dann verschwand der Bote wieder.
Alaryah drehte sich zu Jaro und Kirona um. "Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf eine ruhige und sichere Nacht freue...", sagte sie, legte etwas unbeholfen aufgrund der Verletzung Köcher und Bogen ab und kratzte sich am Kopf. "Ich glaube wir werden schlafen wie schon lange nicht mehr.". Sie ging zu dem Bett hinüber, auf welchem Teile ihres Gepäcks verstreut lagen. Neben einer großen Waschschüssel mit klarem Wasser hatte man mehrere Handtücher gelegt, von denen Alaryah eins an sich nahm. Eigentlich hatte sie ihren Gefährten gern noch die Efeusenke genauer gezeigt, doch hatte gerade niemand wirklich ein Auge oder die Aufmerksamkeit dafür. "Wisst ihr...", begann sie und starrte mit leicht leerem Blick auf das weiche Tuch in ihrer Hand. "Als ich Tinriel im Wald fand...". Sie stockte, musste einen Klos hinunterschlucken. Jaro und Kirona hatten ihre Tätigkeiten unterbrochen und sahen die kleine Albin nun abwartend an. "N...nichts...schon gut...". Alaryah griff das Handtuch fester, wandte den Blick ab und ihre Kiefermuskeln spannten sich. "Ich...ich bin mal...". Sie verließ ohne weitere Erklärungen die Unterkunft.

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#43

Beitrag von Jaro Ballivòr » Do 14. Jun 2018, 07:26

Jaro Ballivòr
Als Jaro das gemütliche Quartier, die weichen Decken und sauberen Handtücher sah, wurde er sich der eigenen Erschöpfung erst richtig bewusst. Wie gut tat es zu sitzen! Das Wenige, das Jaro noch bei sich trug, platzierte er feinsäuberlich neben seiner Bettstatt, als Alaryah ein neues Gespräch zu eröffnen schien. Bislang hatten sie noch keine Gelegenheit gehabt, ausführlich über das Erlebte seit Rankenfels zu sprechen und es hatte mit Sicherheit auf jedem von ihnen Spuren hinterlassen. Wobei Spuren vermutlich untertrieben war, dachte Jaro, eher waren es Wunden, die ihnen allen als Narben bleiben würden. Was Alaryah in diesem Augenblick auf der Seele brannte, erfuhren sie jedoch nicht.
"Wo... sollen wir?", begann Jaro aber Kirona schüttelte leicht, wenn auch bestimmt den Kopf.
"Ich glaube, sie braucht einen Moment für sich."
Das konnte Jaro sich gut vorstellen, aber trotzdem keimte Frucht in ihm, dass die letzten Wochen etwas in Alaryah verletzt hatten, das sie nicht einfach so abschalten konnte. Was, wenn sie im Drang allein zu sein in den Wald hinaus ging und vielleicht nicht mehr zurück kehrte?
"Sorge dich nicht Jaro. Sie hat das Handtuch mitgenommen. Womöglich nimmt sie ein Bad."
Skeptisch flog Jaros Blick zu der Waschschüssel. "Sie hätte sich hier waschen können."
Kirona schmunzelte. "Ich vermute, sie kennt noch bessere Möglichkeiten. Oder sie wollte es für uns lassen und hey - wir können es gut gebrauchen. Du zuerst."
Ihr Blick verriet Jaro, dass sie keine Widerrede duldelte, also nickte er. Kirona stand auf und zog den Vorhang ihres Schlafbereichs zu, damit Jaro sich entkleiden konnte. Er rechnete mir kaltem Wasser, doch es hatte eine angenehme Temperatur und obwohl es klar und rein war, verströmte es einen leicht süßen, kräuterigen Duft. Nachdem der ganze Dreck abgewaschen war, entdeckte Jaro einige Kratzer und blaue Flecken auf seiner hellen Haut, aber ansonsten war er erstaunlich heil geblieben. Eingewickelt in eines der weichen Handtücher ging er in seine Nische und fand dort wie durch Zauberhand ein Tablett mit duftendem Tee und etwas Brot. Welch Luxus! Bevor er sich darüber hermachte, fiel im Kirona ein und er rief sie, um ihr zu sagen, dass sie sich nun ebenfalls waschen könnte.

Alaryah Schattenwind
"Du hättest ruhig etwas sagen können...", mahnte sich Alaryah selbst in Gedanken, nur um sich dann direkt selbst zu widersprechen. "Nein, wir müssen uns alle erst einmal ausruhen.". Dann biss sie sich leicht auf die Unterlippe. Irgendwann würde sie mit den anderen über ihr Treffen mit "Womöglich-Linor" reden müssen. Sie konnte es vor ihren Gefährten einfach nicht verheimlichen, vor allem nicht dann, wenn von dem Kerl auch eine Gefahr ausgehen könnte! Aber nein, nicht jetzt. Später. Morgen.
Wenn ihre Erinnerungen sie nicht gänzlich täuschten, dann war dies der Stützpunkt, an dem die Alben eine Art Becken angelegt hatten. Dort konnte man sich waschen und entspannen, manchmal legte man heiße Steine mit in das Wasser um es zu erwärmen. Zu Alaryahs Erleichterung war dem auch so. Bei dem Becken war niemand, außer einer Albin mit freundlichem Gesicht und ersten, silbernen Strähnchen in dem sonst tiefbrauenen Haar. "Kind, du siehst ja furchtbar aus.", stellte die Albin fest und kam Alaryah ein paar Schritte entgegen. "Bitte, so nimm doch Platz und ruh dich aus. Es wird dir gut tun.". Alaryah übergab stumm das Handtuch und trat dann auf das Becken mit dem leicht dampfenden Wasser zu. Es duftete wunderbar.
Wenige Augenblicke später schlug Alaryah unter Wasser die Augen auf. Die Geräusche der Umgebung waren dumpf, kaum hörber. Die Wärme das Wassers umarmte die kleine Albin, die langsam mit den Armen ruderte um nicht an die Wasseroberfläche zu treiben. Irgendwann wurde jedoch die Luft knapp, sodass sie doch auftauchen musste. Tief durchatmend, etwas prustend, wischte sich Alaryah das nasse Haar aus dem Gesicht. Jah, für einen Moment war die Welt für sie einfach in Ordnung. Dann fiel Alaryahs Blick auf ihre am Beckenrand zusammengelegte Kleidung. Aus der Ferne konnte sie deutlich den großen Blutfleck auf dem Ärmel sehen und direkt danach schien ihre Wunde zu brennen wie heiße Glut. Sie zischte, während ihre Finger nach der Verletzung tasteten. "Schon gut, Kind, schon gut.", hörte Alaryah die beruhigende Stimme der Albenfrau, die am Beckenrand saß und eine große Harfe herbeigeholt hatte. Sie begann ein Lied zu singen und schon bald fühlte sich Alaryah schon wieder besser. Wenn es nach ihr ging, so könnte sie gerade ewig im Wasser bleiben...

Jaro Ballivòr
Das Rascheln seines Vorhangs weckte Jaro aus seinem Schlummer und er schrak so schnell hoch, dass er den Tee über sich ergoss. Er war mit Tasse in der Hand weggedöst. "Oh Entschuldige", ertönte Kironas Stimme. Sie hatte sich das nasse Haar zu einem Knoten zusammengebunden und trug saubere Kleidung, die Jaro noch nie zuvor an ihr gesehen hatte. Sie bemerkte seinen Blick und schob einen kleinen Stapel Stoff zu ihm hin.
"Jemand hat uns neue Kleider gebracht. Ich weiß nicht, wie diese Alben das machen, doch es passt mir wie angegossen."
Ungeschickt versuchte Jaro aufzustehen, ohne sich dabei komplett zu entblößen und nahm das Bündel entgegen.
"Ich warte draußen", sagte Kirona leicht amüsiert. "Sie haben uns auch noch mehr zu Essen gebracht und etwas von dem guten Wein, den wir auf dem Fest getrunken haben. Beeile dich, bevor ich alles austrinke."
Nun, da Kirona außer Sichtweite zwar, schälte Jaro sich aus dem Handtuch und begutachtete die neuen Kleider. Der Stoff unglaublich weich. Auf der Haut war er trotzdem kaum spürbar und irgendwo her wusste Jaro, dass er bei warmer wie bei kalter Witterung ebenso seinen Zweck erfüllen würde. Neben einer braunen Hose und einem grünen Leinenhemd, das er an der Brust schnüren konnte, hatte man ihm sogar eine Weste da gelassen. Wieder war Jaro von der selbstverständlichen Gastfreundschaft der Waldalben verblüfft. Neu eingekleidet trat er in den Gemeinschaftsraum, doch Kirona war hinaus auf die Veranda gegangen. Trotz der fortgeschrittenen Stunde zwitscherten die Vögel um die Wette.
"Schick", kommentierte Kirona und klopfte auf einen Hocker neben sich. Auf dem Tisch stand tatsächlich ein Tablett und bei dem Geruch, den es verströmte lief Jaro das Wasser im Mund zusammen. Es gab mehr von dem weichen Brot, dazu einen duftenden Eintopf mit Wurzelgemüse, geröstete Bohnen und Obst mit Honig für danach. Daneben stand eine ganze Karaffe des lieblichen Weines.
"Lang zu", lud Kirona ihn ein. "Wenn Alaryah nicht rechtzeitig zurück kommt, essen wir eben alles alleine." Sie grinste und prostete Jaro zu.

Alaryah Schattenwind
Das nächste Lied war verstummt, kein weiteres schien zu folgen. Langsam öffnete Alaryah wieder ihre Augen, musste mehrmals blinzeln um wieder einen klaren Blick zu bekommen. Hatte sie geschlafen? Wie lange war sie im Becken geblieben? Leicht benommen und etwas verwirrt sah sich die kleine Albin um. "Du solltest langsam mal rauskommen, Kind.", meinte die Albenfrau sanft und stellte die Harfe beiseite. "Wie lange war ich...?", murmelte Alaryah und griff nach dem Handtuch, welches ihr die Frau reichte. "Lange genug, damit es dir besser geht, aber noch nicht zu lang um das Essen zu verpassen.", gab diese lächelnd zurück und half Alaryah beim Verlassen des Beckens. "Ein Satz frischer Kleidung liegt für dich bereit. Geh dann zu deinen Freunden, sie warten bestimmt schon auf dich." Alaryah nickte nur und bedankte sich leise für die Lieder und das Bad. Dann tappte sie von dannen, das große Handtuch um sich gewickelt, zurück in Richtung Unterkunft. Mit jedem Schritt schienen die Lebensgeister mehr und mehr zurück in die Albin zu fahren, bald schon genoss sie das weiche Gras unter ihren Füßen, die angenehme Luft und die Geräusche des Waldes. Den neuen Satz Kleidung hatte sie völlig vergessen mitzunehmen, bemerkte dies jedoch erst, als sie vor der Unterkunft von einem jungen Alben eingeholt wurde, der ihr, leicht ausser Atem, ein Bündel übergab.

"Ist auch noch etwas für mich übrig?", erklang plötzlich eine Stimme an der Treppe. Kirona und Jaro sahen eine flauschig eingepackte Alaryah, die ein kleines Bündel bei sich trug. Sie hatte wieder Farbe bekommen und ihr Gesicht war endlich nicht mehr so blass wie zuvor. "Ich ziehe mich noch kurz zuende an.", erklärte sie und huschte an ihren Gefährten vorbei, dabei einen frischen und angenehmen Duft hinter sich herziehend. Wenig später trat Alaryah dann wieder ins Freie. Sie hatte eine hübsche und gut geschnittene Tunika bekommen, die neue Waldläuferuniform sowie die Stiefel blieben jedoch bei ihrem Bett. Jetzt war einfach nicht die Zeit für Uniformen und Ausrüstung fand Alaryah und so ließ sie sich in ihrer neuen Freizeitkleidung bei Kirona und Jaro nieder (auch wenn es etwas ungewohnt war sie so zu sehen). Während Alaryah nun ihr Haar kämmte und Kirona ihr einen Kelch einschenkte, begann sie mit einer Art Entschuldigung. "Ich...nunja, ich brauchte...ich musste kurz etwas allein sein.". Alaryah schien verlegen. "Ich hoffe es geht euch gut. Ich wollte euch keine Sorgen bereiten oder dergleichen.". Die Worte kullerten einfach so aus der kleinen Albin heraus. "Aber seid unbesorgt, mir geht es jetzt schon viel besser.". Sie legte den Kamm beiseite, lächelte endlich wieder und nahm dankend den Kelch an, welcher ihr von Kirona gereicht wurde.

Jaro Ballivòr
Es war köstlich. Mit jedem Löffel spürte Jaro wie Energie in seine Glieder fuhr und sein Geist weiter entspannte. Zwischenzeitlich hegte er sogar den Verdacht, man hätte beruhigende Kräuter unter gemischt, doch selbst wenn dem so wäre, es sollte ihm Recht sein. Ohnehin legte spätestens der Wein einen Schleier über seine Gedanken. Eine Weile aßen er und Kirona schweigend, genossen schlicht die Mahlzeit und die sanften Berührungen des Windes, der hin und wieder an ihnen vorbei strich. Dann kam Alaryah zurück und trotz der eingetretenen Entspannung spürte Jaro, wie sich Erleichterung in ihm breit machte. Schnell rückten sie den dritten Hocker zurecht und füllten Alaryah etwas in die bereit stehende Schüssel. Frisch gekleidet kam die Waldalbin zurück.
"Jaro hatte Furcht, du wärst uns überdrüssig", feixte Kirona, woraufhin Jaro sofort errötete und ihr einen bösen Blick zuwarf.
"Ich hatte Angst, du würdest in den Wald hinaus gehen und dir könnte etwas zustoßen", rechtfertigte er sich mit heißen Ohren.
"Jedenfalls geht es uns gut. Man hat uns alles gebracht, was wir brauchen, mehr als das", beantwortete Kirona die Frage und Jaro nickte zustimmend.
"Es tut gut, einen Augenblick zu ruhen und den Kopf auszuschalten", ergänzte er. "Alles kommt mir so unwirklich vor, seit wir Rankenfels verlassen haben. Dort dachte ich kurz, wir hätten alles überstanden."

Alaryah Schattenwind
Natürlich bemerkte Alaryah die plötzliche Röte in Jaros Gesicht und versuchte ein Grinsen hinter vorgehaltener Hand zu verbergen. Dann zwang sie sich selbst zur puren Ernsthaftigkeit. Mit grimmigem Blick fixierte sie nun Jaro, dem sofort sämtliche Farbe wieder aus dem Gesicht wich. "Du denkst also, dass ich euch einfach zurücklasse?", fragte sie trocken und legte den Kopf schief. Sie kniff die Augen etwas zusammen. "Und dann, so glaubst du, wäre ich unvorsichtig genug, dass mir hier etwas passiert? Hier?!". Sie stellte laut den Kelch ab und ehe sich Jaro versah stand die Albin auch schon direkt neben ihm. "Ich habe wirklich gedacht, dass du besser von mir denkst du fieser. Kleiner. Ungehobelter...". Bei jedem der letzten Worte piekste sie Jaro in die Seite, der daraufhin zusammenzuckte und versuchte die Albin abzuwehren. Dabei konnte Alaryah ihre Maskerade kaum noch aufrecht erhalten und schon bald erklang helles Gelächter der drei Reisenden.

Wieder einmal erfreute es Alaryah, dass man ihre Gefährten so gut aufgenommen und versorgt hatte. "Jah, den Kopf ausschalten.", wiederholte Alaryah leise Jaros Worte. "Ich glaube, dass wir noch lange nicht am Ende unserer Reise sind.", fügte die Albin dann hinzu und sah wieder in die Runde. "Ich muss zugeben, dass ich manchmal wirklich Angst hatte...". Sie umklammerte nun ihre Knie und legte ihren Kopf darauf ab. "Aber mit dem Wissen, dass ihr bei mir seid, fühle ich mich für die noch kommenden Situationen besser gewappnet.". Alaryah hatte schon einige Botengängen und Patrouillen in ihrem Leben hinter sich gebracht, auch hier war es nicht immer ungefährlich gewesen. Sie konnte zwar immer auf ihre damaligen Begleiter zählen, jedoch war es mit Jaro und Kirona anders. Sie waren keine Soldaten, mit denen Alaryah einen Auftrag zu erledigen hatte. Sie waren kein Geleitschutz, keine Eingreiftruppe. Sie waren einfach drei Gefährten, die zusammengeführt worden waren und von denen wahrscheinlich noch das ein oder andere abverlangt werden würde. Diese Gedanken teilte Alaryah mit den beiden, schenkte sich dabei nach und hob dann den Kelch. "Ich vermisse mein Zuhause, meine Familie, mein Pferd Sonnenstrahl...doch fühlt es sich ebenso richtig an mit euch diesen Weg zu gehen.".

Jaro Ballivòr
Oh nein... er hatte Alaryah verärgert! So war das doch gar nicht gemeint gewesen! Jaro setzte an, sich zu entschuldigen, doch Alaryah war schneller und richtete sich vor ihm auf. "Hey", entfuhr es ihm, doch er schaffte es weder sich zu wehren, noch sich zu rechtfertigen. Jaro begriff den Scherz erst, als Alaryah zu lachen begann, so geschockt war gewesen. Als die Tatsache dann endlich in seinem Bewusstsein angekommen war, fiel auch er in das Gelächter ein. Da hatte sie ihn aber dran gekriegt!
Er nahm einen weiteren Schluck Wein, der ihn schon wohlig umgarnte. Noch voller Erleichterung, dass Alaryah nur gescherzt hatte, folgte er fast ein wenig träumerisch ihren Worten. Sie waren zu einer Gemeinschaft geworden, das stimmte. Sie waren Freunde.
"Was soll ich erst sagen?", meldete sich Kirona zu Wort. "Ihr habt mich gerettet. Ohne euch wäre ich..." Sie stockte.
"Irgendwie bin ich trotzdem froh, all das erlebt zu haben", hörte Jaro sich sagen. "Ich meine, sonst hätten wir uns nie kennengelernt, oder?"
Der Zusammenhalt, der diesen Moment erfüllte, gab ihm Zuversicht, dass sie den Schrecken der letzten Tage überwinden konnten. Womöglich lag es sogar in ihrer Hand alles zum Guten zu drehen.

Alaryah Schattenwind
In diesem Moment bleib Alaryah nichts weiter übrig als einfach zu nicken. Was hätte sie dem auch noch hinzufügen sollen? Sie griff wieder nach ihrem Kelch, nippte daran. Der Wein war wirklich gut. Die drei saßen noch eine ganze Weile beieinander, befreiende Plauderei wechselte sich mit entspannenden Schweigemomenten ab und irgendwann konnte Alaryah ihr Gähnen nicht mehr unterdrücken. Sie mochte zwar das Beisammensein, jedoch machte sich nun bleiernde Müdigkeit in ihr breit. "So ihr Lieben. Ich werde nun...", flink griff sich Alaryah noch eine halbe Handvoll Waldbeeeren als Mitternachtsimbiss und erhob sich. "Oh.", hauchte sie und merkte nun deutlich die Wirkung des Weines in ihrem Kopf. Sie behielt gerade so das Gleichgewicht, während Jaro Alaryah eine helfende Hand anbot. "Gute Nacht, Kirona.", verabschiedete sich Alaryah freundlich und umarmte die Frau anschließend einmal fest. Dann machte sie sich, mit etwas Schlagseite, auf den Weg in das Innere der Unterkunft. Jaro begleitete Alaryah noch ein paar Meter aus Sorge, sie könnte stürzen oder sich sonstwie verletzen. Am Eingang hielt Alaryah Jaro dann aber zurück. "Ich...schaff das schon.", erklärte sie und hauchte dem skeptisch dreinblickenden Jaro recht plump einen Gute-Nacht-Kuss seitlich an den Kopf. Dann verschwand Alaryah in der Dunkelheit und ließ ihre beiden Gefährten zurück. Es polterte einmal laut, als die Albin die Waschschüssel von dem kleinen Beistelltisch stieß gegen den sie gelaufen war, doch ertönten direkt danach die Worte "Keine Sorge, es geht mir gut, hab nur die Schüssel hier abgeräumt!".
Dann fiel Alaryah endlich wieder in ein wolkenweiches Bett. Es schien, als sei sie bereits im Reich der Träume bevor ihr Körper komplett auf der Matratze lag...

Als Alaryah am nächsten Morgen erwachte und langsam und gemütlich in den Tag startete, fiel ihr Blick schon fast beiläufig auf die am Boden liegende Waschschüssel. "Die haben bestimmt noch lange gezaubert...", brummelte die Albin in sich hinein und dachte darüber nach, wie es wohl Jaro und Kirona gehen mochte. Schließlich waren die beiden länger wach geblieben als sie!

Jaro Ballivòr
Es war ein Impuls und plötzlich fand Jaro sich an Alaryahs Seite wieder, um sie zu stützen. Als er sie dann aber an der Hand hielt, wusste er nicht recht, was er eigentlich tun sollte. Wie fest sollte er sie greifen? Bis wohin sollte er mitgehen? Sollte er ihr noch etwas bringen, etwas Wasser, eine weitere Decke? Mitten in diesen Grübeleien, wies Alaryah ihn von alleine zurück, als sie die Schwelle zu den Räumlichkeiten erreichten. Er blieb an Ort und Stelle stehen. Innen schepperte es, doch alles schien in Ordnung und schließlich drehte sich Jaro wieder um und erblickte das grinsende Gesicht von Kirona.
"Du bist noch nicht oft mit Frauen zusammen gewesen, oder?", fragte sie und Jaros Gesicht wurde heiß. "Nein, tut mir leid", fügte sie schnell an. "So meinte ich das nicht." Dann fehlten auch ihr die Worte und sie begann zu lachen. Auch Jaro musste grinsen, obwohl er immer noch beschämt war und hoffte, alles richtig gemacht zu haben. Er schenkte sich und Kirona nach und damit war der Krug leer. Der Wein trübte auch Jaros Geist schon ein wenig, doch er hatte sich erstaunlich schnell an das Getränk gewöhnt. Von einer Ecke des Lagers drang Musik und ein Lagerfeuer warf sein Licht an die umstehenden Bäume.
"Was meinst du? Sollen wir da noch vorbei schauen?", fragte Kirona.
"Ich weiß nicht... ich glaube ich bin zu müde." Es fiel Jaro schwer "nein" zu sagen, aber er fühlte, dass Schlaf dringend nötig war.
"Nicht schlimm... ich werde mich noch ein wenig umsehen." Damit stand Kirona auf, gab Jaro ihrerseits einen Kuss auf die Stirn und ließ ihn auf der Veranda zurück. Noch einmal atmete er tief ein, dann ging er auch zu Bett. Es war eine Offenbarung. Augenblicklich fiel er in tiefen Schlaf, hörte Kirona nicht mehr zurückkommen.
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#44

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Do 21. Jun 2018, 20:53

Alaryah Schattenwind
Alaryah war die erste, die am nächsten Morgen erwachte. Erst überlegte sie, ob sie sich nicht doch noch einmal umdrehen sollte, aber nein, dafür war sie einfach schon zu wach. Langsam richtete sich die Albin in ihrem Bett auf, streckte sich ausgiebig und schaute dann nach ihren Gefährten. Kirona und Jaro schliefen noch. "Lassen wir sie noch etwas liegen.", entschied Alaryah und machte sich auf den Weg nach draußen. Sie kam an einer am Boden liegenden Waschschüssel vorbei, hob diese auf und stellte sie zurück an ihren Platz. "Ging wohl wieder gut zur Sache...", murmelte Alaryah und grinste. Kirona konnte wirklich was vertragen.

Die Sonne stand schon recht hoch am Himmel und Alaryah musste die Hand den durch die Baumkronen fallenden Sonnenstrahlen entgegenstrecken, damit sie überhaupt etwas sehen konnte. Ihre Augen hatten sich an das schummrige Licht im Inneren der Unterkunft gewöhnt, daher brauchte sie einen kurzen Moment.
Im Stützpunkt herrschte bereits reges Treiben. Hier und da gingen Waldläufer ihren Aufgaben nacht, trainierten oder machten sich auf den Weg zu einer Patrouille. Alaryahs Blick begleitete eine kleine Gruppe Alben, die durch das Tor schritten und kurze Zeit später mit dem Grün des Waldes verschmolzen. "Gute Wacht.", wünschte Alaryah in Gedanken und wandte sich nach rechts. Sie fuhr zusammen, denn sie hatte den dort stehenden Alben nicht bemerkt. "Oh, verzeiht.", sagte der junge Mann mit gelassener Stimme und machte einen Schritt zurück. "Ich wollte euch nicht erschrecken.". Seine Stimme klang überaus beruhigend. "Hauptmann Selanir schickt mich, er würde gern mit euch speisen.". Alaryah musterte den Alben. Er war in recht feine Gewänder gehüllt, die Haare ordentlich zusammengebunden. Scheinbar musste es sich um einen Boten oder Kammerdiener handeln, so schätzte Alaryah. "Ich werde eine Nachricht für meine Gefährten zurücklassen müssen?", antwortete Alaryah etwas erstaunt, doch der Alb schüttelte den Kopf. "Das wird nicht nötig sein, Schattenwind. Die Menschenfrau und euer Albenfreund sind ebenfalls eingeladen.". Alaryah verstand. "Nun, lassen wir deinen Herren nicht zu lang warten.", antwortete die Albin und rauschte davon. Der junge Mann sah ihr erst hinterher, folgte dann in gebührendem Abstand.

Jaro Ballivòr
In dieser Nacht träumte Jaro von Calorod. Es war ein ungemein friedlicher Traum, ebenso erholsam wie der Schlaf in dem gemütlichen Bett. Fern von Gefahren und benenbelt vom Wein erlaubte er sich tief hinab in sein eigenes Bewusstsein zu sinken. Er verließ das Haus seiner Eltern und strich eine Weile umher, ehe ihn seine Füße ans Meer trugen. Jaro atmete tief ein und aus, spürte den Wind auf der Haut. Etwas kitzelte ihn im Gesicht und er strich darüber. Wieder kitzelte es ihn, dieses Mal an der Nasenspitze. Was auch immer es war, es störte die Ruhe, die er im Angesicht des Wassers empfand, also kratzte er sich eilig und versuchte sich wieder auf das Bild und die Geräusche zu konzentrieren. Wieder. Schon etwas gereizt fuhr Jaro sich über das Gesicht, doch immer und immer wieder kitzelte es ihn. Er öffnete die Augen und sah keinen Strand vor sich und keine Brandung sondern das fröhliche Gesicht Alaryahs. Es dauerte noch ein paar Sekunden, bis Jaro begriff, dass er nur geträumt hatte. "Du...", sagte er schläfrig, als sein Geist das Kitzeln in seinem Gesicht mit dem Stückchen Stoff in Alaryahs Hand in Zusammenhang brachten. Alaryah lachte. Schnell setzte Jaro sich auf und zog die Decke bis zur Brust hoch. "Habe ich verschlafen? Müssen wir los?" Leichte Kopfschmerzen machten sich bemerkbar und er griff nach einer Schale mit kaltem Tee, der auf wundersame Weise den Weg neben sein Bett gefunden hatte.
"Nein, nein", beschwichtigte ihn Alaryah vergnügt, "aber du musst mir helfen Kirona zu wecken. Wir sind zum Essen bei Hauptmann Selanir geladen."
Eilig band Jaro seine Haare zusammen und schlüpfte in sein Hemd. Dann folgte er der Albin nach neben an. Im Voraum wartete ein vornehmer Alb und nickte Jaro freundlich zu. Zum Glück hatte er sich wenigsten die Haare gebunden! Als sie Kironas Vorhang zurückschoben, waberte ihnen alkoholgeschwängerte Luft entgegen. Sie hatte alle viere von sich gestreckt und schnarchte. Jaro und Alaryah wechselten einen Blick, dann zogen sie ihr die Decke weg. Keine Reaktion. "Kitzeln hat auch nichts genutzt", sagte Alaryah. "Schade, dass jemand die Waschschüssel umgeworfen hat..." Verdutzt sah Jaro die Albin an, sagte aber nichts zu seinem Verdacht. Mehrfach sprachen sie Kirona an, doch sie wollte und wollte nicht aufwachen. Hinter ihnen ertönte ein Räuspern. "Vielleicht hilft das." Der junge Mann reichte ihnen ein kleines Schälchen Wasser. Schelmisch grinsend nahm Alaryah es entgegen und begann Kirona davon ins Gesicht zu spritzen. Sie ermutigte Jaro, es ihr gleich zu tun und er musste zugegeben, dass er Gefallen daran fand. Dann endlich schrak Kirona hoch und sprang auf die Beine. "Was zum...", sie hielt inne und fasste sie an die Stirn. "Uuuuuh", stöhnte sie. "Mist... ich glaube mein Kopf platzt gleich."

Alaryah Schattenwind
Letztendlich beschlossen sie Kirona die Zeit zu geben, die sie brauchte. Alaryah wartete zusammen mit Jaro und dem Boten vor der Unterkunft und schließlich quälte sich Kirona heraus. Sie murmelte etwas unverständliches und schaute dann in die Runde. "Gut, gehen wir.", gab Alaryah schließlich vor und so setzten sie sich in Bewegung.
Nach nicht ganz zehn Minuten hatten die Gefährten unter der Führung des Boten ihren Zielort erreicht. Sie schritten eine breite Treppe empor, die mit gewundenen Schnitzereien verziert war. Wenige Stufen später machte sich vor ihnen eine große Terrasse breit. An den Seiten hatte man in regelmäßigen Abständen große Pflanzenkübel aufgereiht, in denen die unterschiedlichsten Blumen, Sträuche und Bäumchen wuchsen. Es waren auch eben diese Pflanzen, die für einen frischen und angenehmen Duft sorgten. Mitten auf der Terrasse war ein runder Tisch aufgebaut an dem, der Gruppe zugewandt, Hauptmann Selanir Platz genommen hatte. Alaryah hatte bisher nur von ihm gehört, jedoch hatte sie ihn nie selbst getroffen. Die Albin war etwas verwundert über die Erscheinung des Hauptmanns, der sich von seinem Platz erhoben hatte und die Gefährten freundlich begrüßte. Er war so ganz anders als die Hauptmänner, die Alaryah bisher kennengelernt hatte. Statt Rüstung oder Uniform trug der Alb weit geschnittene, gemütliche Gewänder, keinerlei Waffen und anstatt eines Helmes zierte ein silberner Reif seine Stirn. Des Weiteren musste Alaryah feststellen, dass der Alb recht wohlgenährt schien. Sie ließ sich nichts anmerken.
"Bitte, kommt, setzt euch doch.". Mit einer einladenden Geste winkte Selanir die Gefährten heran. Ein Blick zu dem Boten hinüber verriet diesem, dass er sich nun entfernen konnte und er kam dieser Anweisung schnell und leise nach.
Die Gefährten nahmen Platz und schon bald brachte man ihnen zu Essen. Früchte und sogar frisch gebackenes Brot wurden aufgetragen, etwas weiter hinten dampften fein zugeschnittene Stücke Fisch vor sich hin.
"Nun, man hat mir zugetragen, dass ihr abseits der Wege von Rankenfels gereist seid?", lenkte Selanis schließlich das höfliche Vorgeplänkel in eine ernstere Richtung. Die Gefährten sahen einander an und nickten dann. "Wir stießen auf...nunja.", Alaryah schaute auf ihren Teller, biss dann von einer großen Erdbeere ab. "Da waren stillgelegte Festungsanlagen.", murmelte sie zwischen den Bissen hindurch. Natürlich sollten ihre Entdeckungen unter der Erde nicht unerwähnt bleiben, doch fiel es der Albin schwer darüber zu berichten, da die Schatten der Ereignisse nun wieder ihre Finger nach ihr ausstreckten. Hilfesuchend warf Alaryah einen kurzen Blick zu Jaro und Kirona.

Jaro Ballivòr
Obwohl er frisch gewaschen und ausgeschlafen war, kam Jaro sich schäbig vor, als sie die Stufen zu ihrem Gastgeber erklommen. Hier war nichts dem Zufall überlassen worden. Jede Schnitzerei, jede Pflanze, sogar deren Duft, war genau so, wie es sein musste. So zumindest die Wirkung auf Jaro. Er ertappte sich dabei, wie er versuchte das neue Hemd glatt zu streifen. Schüchtern nahm er schließlich Platz. Beim Anblick der dargebotenen Speisen lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Das war genau das Richtige, um das flaue Gefühl in seinem Magen zu bändigen. Wie so oft und nicht ohne schlechtes Gewissen, überließ er Alaryah das Reden. Kirona blieb ebenso stumm und ihre bleichen Wangen hinterließen den Eindruck, dass sie auch gut beraten war, die Lippen geschlossen zu halten. Dann spürte Jaro nicht nur Alaryahs sondern auch Selanirs Blick auf sich und verschluckte sich beinahe an einem Bissen. Der eigentümliche Hauptmann sah aber freundlich aus und so fasste er seinen ganzen Mut zusammen. "Es war ein geheimer Ort. Ohne... nur durch Zufall haben wir den Eingang gefunden." Rechtzeitig korrigierte er sich. Er wollte Kirona nicht in eine schwierige Situation bringen, indem er ausplauderte, dass sie den Zugang freigelegt hatte. Vor allem nicht gerade jetzt, wo ihr immer wieder die Augen zu fielen. "Alles wirkte so, als sei schon seit vielen Jahren niemand mehr dort gewesen. Zumindest in einem Großteil der Anlage... wir fanden eine Art Labor, das offenbar kürzlich erst benutzt wurde." Der Ausdruck Alaryahs verriet ihm, dass die düstere Erinnerung an den Ort sie ebenso einholte wie ihn. Selanir hörte ihnen schweigend zu. Es war schwer zu sagen, was er dachte, doch er sagte momentan noch nichts.

Alaryah Schattenwind

Alaryah nickte zustimmend, als Jaro geendet hatte. Gemeinsam setzten sie das Bild der Geschehenisse aus den Fragmenten ihrer Erinnerungen wieder zusammen, an manchen Stellen half sogar Kirona mit ein paar knappen Bemerkungen aus. Dann passierte ein paar Augenblicke einfach gar nichts. Der Hauptmann saß wie versteinert auf seinem Stuhl, starrte kurzzeitig ins Leere. Dann hob der den Kopf und lehnte sich zurück. "So wie es aussieht habt ihr dort eine Anlage gefunden, die schon lange verloren und eigentlich hätte verborgen bleiben sollen.". Diese doch recht schweren Worte passten nicht wirklich zu dem freundlichen Gesichtsausdruck des Hauptmanns und so hatte Alaryah anfangs ihre Schwierigkeiten diese richtig einzuordnen. "Ihr habt doch den Zugang wieder versiegelt, nicht wahr?", fragte Selanir weiter und griff erneut nach seinem Besteck. Sämtliche Farbe wich aus Alaryahs Gesicht. "Das darf doch nicht...". Sie war sich nicht sicher. Was war passiert? Auch ihre Gefährten waren wie vom Blitz getroffen. Niemand wagte sich zu rühren. Eine Zeit lang hörte man nur das Klimpern des Bestecks von Selanir, dann ein leises Kauen und Schmatzen. "Nicht? Nun, dann sollten wir uns schleunigst darum kümmern, nicht wahr?". Er machte eine knappe Handbewegung und Alaryah rechnete schon damit tierischen Ärger zu bekommen. Sie zuckte reflexartig zusammen und presste die Lippen aufeinander. Doch Ärger blieb aus? Stattdessen setzten sich plötzlich mehrere Waldläufer etwas weiter entfernt in Bewegung. Wieder traute sich niemand das Wort zu ergreifen. "Seid unbesorgt, wir werden uns schon darum kümmern.", unterbrach der Hauptmann die unangenehme Stille. "Wir wussten nicht...ich meine...wir...wir wollten...waren...", Alaryah rückte unruhig auf ihrem Platz umher. "Schattenwind, bitte.". Sie verstummte. "Ich möchte euch und euren Freunden etwas zeigen.". Selanir erhob sich. "So folgt mir bitte.".
Gemächlich gimg der Hauptmann vor der kleinen, schweigenden Gruppe her. Ein leises Rascheln der Gewänder von Selanir war bei jedem seiner Schritte zu vernehmen und schließlich hielt er an einem kleinen Häuschen inne. Mit leisem Knirschen öffnete sich die Tür und gab den Blick auf einen langen Raum frei, an dessen Wänden viele Schriftrollen säuberlich geordnet und sortiert gelagert wurden. Mit einer Mischung aus Neugier und Respekt betraten sie nun das innere des Gebäudes.

Jaro Ballivòr
Während sie gingen, wog Jaro ab, ob er Selanir mochte oder nicht. Er war vollkommen anders, als sie anderen waldalbischen Kommandeure, mit denen er bis dahin zu tun gehabt hatte. Seine freundliche Art war entwaffnend, doch befremdlich zugleich und Jaro fragte sich, wie viel davon echt war. Noch viel stärker als bei anderen Walbalben hatte er das Gefühl, dass Selanir alles zu wissen und jede Notwendigkeit vorauszuahnen schien. Das Sammelsurium an geballtem Wissen in dem kleinen Haus durchbrach seine Überlegungen. Innen wirkte das Gebäude wesentlich größer als von außen. Fast schien es, als flüsterte das Pergament, bereit sein Wissen weiter zu geben. Die Einrichtung war ansonsten schmucklos, die Aura des Raumes dadurch aber nicht weniger erhaben. Was mochte hier alles schlummern? "Immer weiter, hier entlang, bitte", ertönte Selanirs Stimme und Jaro fühlte sich ertappt, wie ein Junge, der versucht hatte, etwas Süßes von einem Marktstand zu stibizen. Obwohl es keine großen Fenster gab, war der Raum so geschickt angelegt, dass das Tageslicht für ausreichend Helligkeit sorgte. Auf etwa halbem Wege kamen sie zum Halt und Selanir griff zielgerichtet in eines der Regale. Zwar gab es in regelmäßigen Abständen Beschriftungen, doch Jaro hatte ihn nicht einmal zur Seite blicken sehen. Er musste den Inhalt dieses Raumes in und auswendig kennen. "Ich denke, dies wird euch helfen." Wissend grinster er und ging dann weiter zu einem steinernen Pult, das von einem eintretenden Lichtstrahl erhellt wurde. Vorsichtig entrollte er das Pergament. Es war eine Karte. Nie zuvor hatte Jaro eine derart detailreiche Darstellung gesehen. Sogar verschiedenen Baumarten konnten unterschieden werden. "Seht hier", Selanir wies mit einem Zeigefinger auf eine Ansammlung winziger Häuser, "das ist die Efeusenke. Und hier", er fuhr einen kleinen, gewundenen Pfad entlang, "ist euer Ziel." Jaro gab seiner Neugierde nach und beugte sich ein wenig nach vorne. Neben Selanirs Finger zogen sich dünne Rauchfäden durch die Bäume und als der seine Hand wegnahm, kam eine einzelne Hütte zum Vorschein. "Er wird euch helfen können." Selanir sah sie mit glitzernden Augen an, während sie alle noch fasziniert die Karte musterten. "Auf, auf! Wollt ihr den Weg nicht übertragen? Dieses Exemplar kann ich euch nicht mitgeben. Es würde eine Reise nicht überstehen. Doch wer von uns würde das schon mit mehreren Hundert Jahren auf dem Buckel, nicht wahr?"

Alaryah Schattenwind
Schlagartig kam Bewegung in die Gefährten. Die starre Ehrfurcht war plötzlich wie verpufft und die drei kramten recht hastig in ihren mitgebrachten Gürtel- und Umhängetaschen. Tatsächlich schafften sie es einen Bogen Pergament und einen Kohlestift zusammenzutragen und schon bald machten sie sich daran die Karte abzuzeichnen. Selanir beobachtete das Treiben mit einem leicht amüsierten Lächeln. Wie Schulkinder waren die drei brav seinen Anweisungen nachgekommen. Irgendwann wandte sich Alaryah ab und drehte sich zu dem Hauptmann hinüber. "Sagt, Selanir, wen werden wir dort vorfinden? Dieser Weg ist, wenn ich mich richtig erinnere, nicht auf den Karten der Waldläufer eingezeichnet?". Selanir lachte leise, zog eine Augenbraue hoch und schaute Alaryah tief in die Augen. "Nicht alle Wege sind auf euren Karten festgehalten. Es gibt Wege, die nur die Besatzung hier kennt, Wege, die bewusst und gewollt versperrt und verborgen sind.". Auch Jaro und Kirona, die die Arbeiten an der eigenen Karte nun beendet hatten, hörten nun gespannt zu. Ein schwacher Anflug von Misstrauen und Skepsis huschte über Alaryahs Gesicht, was von Selanir nicht unbemerkt blieb. Er legte den Kopf schief und einer seiner Mundwinkel zuckte kurz. "Wirklich?", fragte er und sah nun auch zur Kirona und Jaro hinüber. "Ich lasse euch doch nicht in euer Verderben ziehen?", fragte der Hauptmann schon fest etwas empört. "Ihr werdet dort einen Gelehrten antreffen. Er lebt zurückgezogen, schon fast wie ein Einsiedler. Es geschah auf seinen Wunsch hin, dass der Weg zu seinem Haus von den bekannten Karten entfernt wird.". Die Situation entspannte sich zusehends. Dann kam Selanir näher zu den dreien hin. Mit gedämpfter Stimme fuhr er fort:"Manche sagen, dass ihm diese Einsamkeit nicht gut tut. Einige Stimmen sprechen gar von Verfolgungswahn.". Der Blick des Hauptmanns wechselte zwischen den Gefährten umher. Dann richtete er sich wieder in voller Größe auf und stemmte die Hände in die Hüfte. "Doch genug der Worte. Ihr habt nun eure eigene Karte und ihr werdet ihn finden, da bin ich mir ganz sicher. Jedoch kann ich euch nicht versprechen, dass ihr auf alle eure Fragen eine Antwort erhalten werdet.". Sie nickten. "Bleibt von mir aus noch bis zum Nachmittag, doch dann solltet ihr euch auf den Weg machen, sonst wird es spät sein wenn ihr bei ihm ankommt.". Der Empfehlung wollten sie folgen. Bevor der Hauptmann ging machte Alaryah noch mal zwei Schritte hinter dem Alben her. "Eine Frage noch, Hauptmann. Wie...nunja, wie ist sein Name?".

Jaro Ballivòr
Es war das erste Mal, das Selanir um eine Antwort verlegen schien. Nach kurzem Zögern sprach er aber ebenso heiter wie zuvor. "Einst war er Nesolion Cudor. Doch seit Jahren hört er nur noch auf einen Namen: Nativus - der Besondere." Damit wandte er sich ab und schritt aus dem Gebäude. Jaro zwang seinen Blick zurück auf die Karte. Alles hier faszinierte ihn. Der Drang, sich nun, da Selanir sie alleine gelassen hatte, genauer umzusehen, kochte in ihm hoch, doch er war sich sicher, dass sie überwacht wurden, auch wenn sie nichts davon mitbekamen. Also machte er sich daran, gemeinsam mit seinen Freundinnen möglichst viele Details zu übertragen. Schließlich waren sie zufrieden. "Sollen wir", setzte Jaro an und deutete auf die Karte, doch wie so oft erschien ein Alb aus dem Nichts und beantwortete die Frage für sie. Er war komplett in einen dunklen Umhand gehüllt und trug ein großes hölzernes Medallion um den Hals. "Schon gut. Ich kümmere mich darum." Seine Stimme war sanft und leise. Vermutlich war er eine Art Wächter.
Das grelle Tageslicht vor der Hütte blendete sie. Die Mittagszeit musste bereits verstrichen sein und Jaro verspürte schon wieder Hunger. "Meint ihr, wir können noch eine Mahlzeit bekommen, bevor wir aufbrechen?", fragte er schüchtern.

Alaryah Schattenwind
"Du hast doch quasi gerade erst gegessen?!", fragte Alaryah und lachte. "Aber keine Sorge, ich denke, wir können uns hier noch etwas genehmigen.". Sie sollte recht behalten. Tatsächlich war noch genügend Zeit für ein Mittagessen und die Gefährten konnten sich bei den Waldläufern noch mit etwas Proviant eindecken. Eigentlich war der Weg auf der Karte gar nicht so weit, doch wer konnte schon genau sagen, ob sie die Hütte von Nativus direkt auf Anhieb finden würden?
Bald hatte Alaryah wieder ihre Uniform und die leichte Rüstung angelegt. Ihre Wunde am Arm heilte gut ab und sie brauchte fast gar keine Hilfe mit ihrer Ausrüstung, was die kleine Albin sichtlich erfreute. Trotz allem war ihr etwas mulmig, als sie nach ihren Waffen griff...
So zog die kleine Reisegruppe bald weiter, Hauptmann Selanir stand auf einem Podest an der Palisade, hob zum Abschied noch einmal die Hand. Alaryah hätte sich gern noch von der Frau mit der Harfe am Becken verabschiedet, doch war diese dort nicht mehr anzutreffen. Schade, fand Alaryah, und so ließ sie der Frau noch einmal ihren Dank übermitteln.
Das Wetter war wunderbar. Es war nicht zu warm, nicht zu kalt und selbst der Wind war genau richtig. Beinahe hätten die drei die Abzweigung verpasst, die...eigentlich laut Karte nun vor ihnen liegen müsste? "Seltsam.", fand Alaryah und sah sich um. Der Weg ging hier nur in eine Richtung weiter und hatte fast gar nichts mit dem gemeinsam, den sie auf ihrer Karte eingezeichnet hatten. "Haben wir da einen Fehler gemacht?". Nachdenklich kratzte sich Alaryah am Kinn, weiterhin die Umgebung mit ihren Blicken absuchend. Kirona drehte sich und die Karte hin und her, auch Jaro schaute sich um. "Eigentlich müsste es hier doch weitergehen?", dachte Alaryah laut und blieb vor dichtem Unterholz stehen. "Da kann man keine drei Meter weit gucken.", stellte Kirona fest und hielt erneut das Pergament hoch. Alaryah kniete ab, wischte mit der Hand über den Waldboden und die Grasnarbe. "Wenn hier ein Weg gewesen ist, dann müsste man das doch noch erkennen?". Ratlos wischte sie die Erde von ihrer Hand und erhob sich. Dann ging Alaryah noch mal ein paar Schritte zurück, verfolgte ihre Schritte noch einmal. "Wege, die bewusst und gewollt versperrt und verborgen sind.", sprach Alaryah die Worte des Hauptmanns noch einmal nach. "Wir sind hier ganz bestimmt richtig...nur was übersehen wir?!".

Jaro Ballivòr
Mehr als ein Schulterzucken konnte Jaro ihr nicht zur Antwort geben. Ohne die Karte wäre er einfach gerade aus weiter gegangen, doch Alaryah hatte Recht. Die Kontur des Pfades war eindeutig. Hier musste der Abzweig sein. Er untersuchte das Gebüsch, den Boden und den Weg in beide Richtungen. Nicht einmal Alaryah schien eine Lösung zu erkennen. Der Wald um sie herum leuchte in sattem Grün und hoch über ihnen sangen die Vögel ihr Lied. "Das Gras ist noch jung", murmelte Jaro plötzlich halb unbewusst. "Was?", fragte Kirona. "Das Gras, es wurde erst vor kurzem gepflanzt." Nun wurde es Jaro erst richtig bewusst. Es war zu grün, zu zart. Genau so, wie die Ziegen es geliebt hätten. Mit dieser Erkenntnis nahm Jaro auch die Umgebung genauer in Augenschein. Das Unterholz war wirklich dicht, fast undurchdringlich. Er trat nahe heran und spähte durch eine Lücke hindurch. Kirona hatte Recht, man konnte nicht weit sehen. Trotzdem bemühte Jaro seine Augen. Seinem frostalbischen Erbe verdankte er das besonders scharfe Sehen. Er ließ den Blick von links nach rechts schweifen und erkannte schließlich, dass das Dickicht ungleichmäßig war. Das mochte vielleicht nichts Ungewöhnliches sein, doch fiel ihm auf, dass sich nicht nur die Dichte, sondern auch die Art der Pflanzen unterschied. Auch diese Gewächse waren nicht natürlich. Jemand hatte sie gepflanzt. Jaro ging ein wenig nach links, ohne vom Wegesrand zurück zu treten. Plötzlich stieß er mit der Schulter gegen Geäst. An dieser Stelle wuchsen die Sträucher weiter in die Straße hinein. Doch nicht nur das. Sie bildeten einen kleinen Spalt. "Seht nur!", sagte er lauter, während er seine letzten Erkenntnisse leise vor sich hingemurmelt hatte. Mit etwas Mühe schob er sich in den Spalt. Es war schwierig aber es ging und anstelle nun komplett von Sträuchern umzingelt zu sein, fand er sich vor einem geraden Durchgang wieder. Er ging ein paar Schritte, bis er wieder auf eine scheinbar undruchdringliche Wand stieß, folgte ihr zusehends aufgeregter zurück nach rechts, bis er einen ähnlichen Vorsprung fand. Das war der Weg! So schnell es die Enge zu ließ, ging Jaro zurück zum Pfad. "Das ist es!", triumphierte er. "Es sind kleine seitliche Spalten, die man nur sieht, wenn man direkt davor steht! So geht es im Zickzack... wie weit weiß ich nicht. Gut möglich, dass sich in sicherem Abstand wieder ein breiterer Pfad auftut." Er lächelte stolz.

Alaryah Schattenwind
Alaryah war so in Gedanken vertieft, dass sie erst gar nicht mitbekam, wie Jaro sich seinen Weg durch das Unterholz bahnte. Dann aber war sie wieder voll und ganz da. "Natürlich!". Sie grinste. "Gut gemacht, Jaro. Scheinbar wirst du auch noch irgendwann zu einem guten Waldläufer.". Sie zwinkerte ihm zu, dann setzten sie sich in Bewegung. Jaro ging vor, Kirona folgte. Bevor Alaryah sich nun auch durch den Spalt schob hielt sie inne. Sie lauschte einen Moment, schärfte ihre Sinne. Nichts. Nur die Geräusche des Waldes. Gut. Sie hatte nicht wirklich mit einem Verfolger gerechnet...doch war es sicherlich nicht falsch auf Nummer sicher zu gehen. "Alaryah, kommst du?", hörte sie dann etwas gedämpft Kironas Stimme. "Jah...ja ich bin sofort da.". Ein paar Sekunden blieb sie noch so stehen, dann folgte sie Jaro und Kirona.
Es war kein einfacher Weg und manchmal dachte Alaryah, sie hätte den Anschluss verloren. Jaro schien in seiner Begeisterung und mit frischem Mut und Tatentrang wie von selbst den Pfad entlang zu schweben, hatte dabei Kirona im Schlepptau. "Wir sollten dennoch vorsichtig sein. Wer weiss, wer sich hier sonst noch so verst...aaah..". Wieder blieb sie an einem Ast hängen und verfluchte sich innerlich selbst. "Du bist hier die Waldläuferin?!", mahnte sich die Albin gedanklich selbst und ordnete ihre Gedanken neu. Irgendwie hatte all das gerade etwas bedrückendes. Trotzdem kamen die drei gut und zügig voran, Jaro fand wieder und wieder Vorsprünge und Durchgänge. Alaryah schaute noch einmal zurück, doch war da nur (scheinbar) undurchdringliches Unterholz und dichter Wald.
Bald kam es so, wie Jaro es prophezeit hatte. Da war ein Pfad, breit genug, dass die drei bequem nebeneinander herlaufen konnten. Zu Alaryahs Erstaunen wuchsen hier sogar Pflanzen, die sie zuvor noch nie in ihrem Abschnitt des Waldes gesehen hatte. Auch die Geräusche des Waldes waren hier anders, dumpfer, ruhiger. Es war, als würde der Waldboden einen Großteil der Umgebungsgeräusche verschlucken, fast wie ein dicker Teppich, auf dem Schritte so gut wie gar nicht zu hören waren. "Langsam.", flüsterte Alaryah Jaro und Kirona zu. "Hier ist etwas anders.". Auch die beiden schienen dies nun zu bemerken und wurden langsamer. Dann zeigte Kirona plötzlich nach vorn. "Seht doch, dort!".

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#45

Beitrag von Jaro Ballivòr » Di 17. Jul 2018, 21:53

Jaro Ballivòr
Es war wie eine Schatzsuche. Jaro entdeckte kindliche Abenteuerlust in sich, als er einen Weg durch das Dickicht suchte. Beinahe war er enttäuscht, als sich der Weg schließlich verbreiterte. Doch auch, wenn das Gehen nun leichter war, war die Umgebung nicht weniger mystisch. Spätestens Alaryahs Worte machten klar, dass dies kein normaler Pfad war und der Wald um sie herum ebenso wenig. Kirona sah ihn zuerst. Es war, als verschmelze er mit dem Hintergrund. Entweder war seine Kleidung aus Pflanzen gefertigt oder sie war eine täuschend echte Imitation. Grünes Haar fiel ihm wirr über die Schultern und er stand vollkommen regungslos. Ob er gerade erst erschienen war, oder schon länger dort verweilte, konnte Jaro nicht sagen. War das der Gelehrte, den sie aufsuchen sollten? Die Gefährten waren stehen geblieben und eine Weile sprach niemand. Dann öffnete der Fremde den Mund. Seine Stimme klang trocken und brüchig, wie knisterndes Laub. "Ich sehe, ihr habt den Weg gefunden. Meine Freunde haben es mir gesagt, doch ich wollte es nicht recht glauben." Langsam ging er ein paar Schritte auf sie zu. Er trug keine Schuhe. "Keine Furcht. Ihr seid willkommen", fuhr er fort. Jaro merkte, dass er nicht blinzelte, ja überhaupt keine Regung zeigte. Sein Mund war das einzige, das sich in seinem Gesicht bewegte. Alaryah fand als erstes die Sprache wieder und grüßte Nesolion höflich.
"Nesolion - ja, das war einst mein Name", antwortete dieser verträumt. "Nein, nicht nur mein Name, mein Wesen, ein Teil von mir. Aber er ist nicht mehr. Nesolion ist fort. Es existiert nur noch Nativus. Mit ihm müsst ihr Vorlieb nehmen." Ein Vogel landete auf seiner Schulter und zwitscherte. Nativus nickte, als verstünde er, was das Tier sagte. Dann lächelte er. Wieder hatte es allen dreien die Sprache verschlagen. Jaro fragte sich, ob Alaryah und Kirona ebenso über den Geisteszustand des Mannes grübelten wie er. Selanir hatte ihnen gesagt, er sei besonders, aber ein Schock war es trotzdem.
"Nun. Wir müssen hier nicht herum stehen, wenn es ganz in der Nähe ein gemütliches Heim mit Sitzgelegenheiten gibt. Folgt mir, nur zu, keine Furcht!"

Alaryah Schattenwind
So ganz wohl war Alaryah bei der ganzen Sache noch nicht, dennoch folgte sie mit Kirona und Jaro dem Gelehrten. Sie wagte es nicht einmal ihren Gefährten etwas zuzuflüstern. Irgendwie hatte der Fremde etwas respektvolles an sich, auch wenn er recht wüst aussah. Der Weg zu seinem Heim war zwar nicht weit, dennoch hielten sie unterwegs hier und da an, weil Nativus innehielt, lauschte, etwas vor sich hinbrummelte und wieder und wieder Kontakt zu Tieren aufnahm. Der Weg knickte nach links ab. "Ah, fast da.", stellte Nativus fest und bog um die Ecke. Die drei sahen sich einmal an, gingen Nativus dann hinterher.
Vor ihnen streckte sich nun eine steinernde Treppe einen kleinen Hang empor. Nativus hatte bereits die Hälfte der Stufen hinter sich gelassen und winkte ihnen zu. Erst nach ein paar Stufen fielen Alaryah die Blumen auf, die neben der Treppe gepflanzt worden waren. Vor allem ein großer Bund Orchideen fing ihren Blick für etwas längere Zeit ein. Diese satten Farben und der allgemeine Blumenduft um sie herum war bezaubernd. Alaryah blieb stehen und ging in die Hocke. Erst als die anderen bereits einen kleinen Vorsprung hatten bemerkten sie, dass die Albin nicht mehr bei ihnen war. "Wo ist...?", fragte Jaro und sah sich um. Die kleine Albin hob gerade die Hand und wollte eine der Blumen berühren, zögerte dann jedoch und nahm die Hand wieder runter. Auch aus der Entfernung konnte man deutlich das Lächeln in ihrem Gesicht sehen. "Alaryah, komm schon!", sagte Kirona mit leicht erhobener Stimme. Keine wirkliche Reaktion. "Alaryah!?", dieses Mal etwas lauter. Verträumt sah Alaryah nun zu Jaro und Kirona, hatte ihre Fassung jedoch erst einen kurzen Augenblick später wiedererlangt. "Oh...verzeiht.", sagte sie und erhob sich, dann eilte sie die Stufen zu Jaro und Kirona empor. Die beiden grinsten.
Am Ende der Treppe angekommen trafen die drei wieder auf Nativus. Er hatte sich auf eine aus gestapelten Baumstämmen errichtete Bank gesetzt, die vor einer kleinen Hütte stand. Erst beim zweiten Blick konnten die Freunde erkennen, dass die Hütte nicht wie ein normales Gebäude gebaut worden war. Viel mehr schien es, als würden die Pflanzen, Ranken und Zweige aus dem Boden kommen und die Hütte so zu formen. Alaryah wollte sich das ganze genauer ansehen, doch blieb stehen. Nativus lehnte sich nach vorn und machte eine einladende Geste. "Setzt euch doch.". Auch für die Gefährten waren dort Sitzgelegenheiten, Große Steine mit einer dicken und weichen Moosschicht, Baumstümpfe und Stämme. Alaryah ging langsam zu einem der Steine, stellte ihren Köcher mit dem Bogen daran ab und setzte sich im Schneidersitz auf das Moos. Es war erstaunlich bequem. Erwartungsvoll saß sie nun mit großen Augen da. "Ich kann euch leider nur Quellwasser anbieten.", sagte Nativus, doch Alaryah lehnte dankend ab. "Nun sagt mir doch, wie genau soll ich euch denn nun helfen?". Er schaute in die Runde.#

Jaro Ballivòr
Dieser Ort war... schon beim Gedanken daran, Nativus' Zuhause zu beschreiben, fehlten Jaro sämtliche Worte. Auch wenn er versuchte zu greifen, wie er sich fühlte, tasteten seine Sinne ins Leere. Es war, als befänden sie sich in einer Blase, losgelöst von allem anderen und was blieb war die Schönheit der Natur selbst. Ja, dachte Jaro. Das beschreibt es vielleicht am besten. Das Herz der Natur selbst. Nicht nur er war bezaubert. Zumindest schloss er dies aus den Reaktionen seiner Begleiterinnen und konnte nicht anders, als sich darüber zu freuen. Ihm war angenehm leicht ums Herz. So musste er tatsächlich auch erst einen Augenblick nachdenken, weswegen sie den merkwürdigen Alben aufgesucht hatten. Dass es gerade das bedrückendste Erlebnis war, an das er sich zu erinnern versuchte, war der Geschwindigkeit seiner Antwort nicht gerade zuträglich. Sein Unterbewusstsein schien sich nur ungern von der angenehmen Ruhe zu lösen, die es gefunden hatte. Trotzdem war er der erste, der sprach. Vielleicht wollten ihm die Frauen auch nur das Wort überlassen. "Wir sind auf der Suche nach Informationen über eine versunkene Festung, ganz hier in der Nähe. Der Hauptmann eines Stützpunktes sagte uns, Ihr könntet uns vielleicht weiterhelfen."
"Selanir, mhm. Schlau von ihm, schlau in der Tat."
Jaro warf einen skeptischen Seitenblick zu Alaryah, die ihm ermutigend zunickte und so fuhr er fort.
"Ihr könnt uns also helfen? Wisst Ihr von welcher Festung ich spreche?"
Blitzschnell sprang Nativus auf, gar nicht wie ein alter Mann. Er drehte sich um, eilte zur einen und dann zur anderen Seite des kleinen Hügels und legte als er zurückkam den Finger auf die Lippen.
"Psst! Leise, leise!", mahnte er. "Selbstverständlich weiß ich welche Festung ihr meint. Es gibt nur eine einzige versunkene Festung im ganzen Waldreich. Und dass sie versunken und vergessen ist, ist ein Segen für uns alle! Sie darf nicht gefunden werden. Niemals." Abermals sah er sich verstohlen um.#

Alaryah Schattenwind
Alaryah erschrak als Nativus aufsprang und wäre beinahe von dem Stein gefallen. "Warum?", fragte sie knapp und setzte sich wieder gemütlicher hin. "Warum? Warum?!", entgegnete Nativus und schüttelte den Kopf. "Warum fragt sie.". Nun war Alaryah noch weniger Wohl bei der ganzen Sache und warf einen flüchtigen Blick zu Kirona und Jaro. "Ich kann euch genau sagen warum, doch das besprechen wir besser nicht hier.". Ohne auf eine Reaktion zu warten huschte Nativus in die Hütte. "Wir...sollten mit ihm gehen, oder?", fragte Kirona und stand auf. Sie betraten nun auch die Hütte, wobei Alaryah dicht bei Jaro blieb. Die ganze Sache war ihr nicht geheuer, es war einfach zu viel in der letzten Zeit passiert. Doch Alaryahs Befürchtungen bewahrheiteten sich glücklicherweise nicht.
Im Inneren von Nativus Hütte war das Licht schummrig und die Luft war erfüllt von dem Geruch frisch geschnittenen Rasens. Ansonsten war die Inneneinrichtung spährlich. Eine Schlafstätte aus großen Blättern, eine kleine Kochstelle, sowie eine große Kiste waren die auffälligsten Einrichtungsgegenstände.
"Ruhig jetzt.", sprach Nativus mit gedämpfter Stimme, huschte noch einmal an den dreien vorbei und lugte aus dem Eingang der Hütte hinaus. "Da ehm...naja uns ist niemand gefolgt als wir...?", Alaryah verstummte, als Nativus herumwirbelte und sie direkt ansah. "Da kann man nie sicher sein, junge Albin!", zischte er und rauschte wieder heran. "Woher wisst ihr überhaupt von der Festung?", fragte Nativus nun und kratzte sich am Kopf. Alaryah sah zu Kirona hinüber. "Es war mehr ein Zufall.", begann die Albin zu erklären, wollte dabei so wenig über Kironas Zustand wie möglich verraten. "Zufall? So erklärt mir den Zufall doch bitte etwas genauer.". Er näherte sich Alaryah, die leicht verunsichert einen Schritt nach hinten machte. "Wir waren im Wald unterwegs und dann fanden wir plötzlich...". Weiter kam sie nicht. Nativus riss die Augen weit auf und hob die Arme. "Ihr wisst davon, weil ihr sie gefunden habt?! Wie könnt ihr sicher sein, dass es eine versunkene Festung ist? Ihr wart doch nicht etwa...?". Alaryah konnte seinem Blick nicht standhalten und schaute auf den Boden. "Aber der Eingang! Ihr habt ihn doch wieder versteckt?". Nun näherte sich Nativus auch Kirona und danach Jaro. "Wer weiss noch alles davon? Sprecht!". Nativus wurde sich der eigenen Stimmlautstärke bewusst, sah sich erneut um und sprach leiser, jedoch weiterhin aufgebracht, weiter. "Ihr ahnt nicht, was dort für Wissen erlangt wurde! Was dort einst passierte!". Alaryah fühlte sich schuldig. "Wir waren nicht die ersten, die dort waren.", wagte sie zu berichten und fuhr dann mit den Erlebnissen in dem Labor fort, ebenso sprach sie von der Kreatur, die sie gefunden hatten und dem mysteriösen Verfolger. Zwischendurch wurden ihre Knie weich, doch zwang sie sich einfach weiter zu reden. Erinnerungen kamen wieder ans Tageslicht, doch rang Alaryah diese Erlebnisse und die Tränen nieder so gut sie konnte. Es schien keinen Zweck zu haben vor Nativus etwas über die Festung zu verschweigen. Vielleicht war es noch nicht zu spät? #

Jaro Ballivòr
Mit weit aufgerissenen Augen folgte Nativus den Erläuterungen. Jaro konnte nicht anders, als den eigentümlichen alten Mann anzustarren. Hin und wieder bewegte sich sein Mund und wiederholte tonlos Alaryahs Worte, als könne er nicht fassen, was er da hörte. Nachdem der Bericht geendet hatte, brach unangenhmes Schweigen aus. Nativus kaute an seinen Fingernägeln. "Das ist...", setzte er schließlich an, "schlimm... Furchtbar! Eine Katastrophe!" Er sprang auf und eilte zu der Kiste, riss den Deckel hoch und begann darin zu wühlen. Schließlich zog er ein kleines Kästen hervor, schüttete sich etwas davon auf die Hand und schnupfte es in einem Zug. "Ah," seufzte er und zog ein, zwei Mal die Nase hoch. Langsam kam er zurück und setzte sich. Seine Stimme war viel ruhiger, jedoch auf unheilkündigende Weise resigniert. "Ich habe gebetet, dass ich diesen Tag nicht erleben muss. Wir müssen uns keine Sorgen um den machen, der das Labor vor euch fand. Der liegt tot und begraben in seiner eigenen Errungenschaft."
"Das Monster", flüstere Jaro und Nativus nickte hektisch.
"Ja, ja, so kann man es nennen. Selbst hat er sich zum Monster gemacht. Und Sorgen sollte uns machen, wen ihr dort hinein geführt habt - unbewusst, unabsichtlich", fügte er schnell an, als er die entsetzten Ausdrücke auf dem Gesicht der Gefährten entdeckte. "Ihr habt den Schrecken gespürt, der in diesen Hallen schwebt. Es scheint, ein Teil davon wurde wieder erweckt und ich schwöre euch, es ist nur ein kleiner Teil. Nicht auszumalen, wenn sich jemand weiter vor wagt. Eine weitere Inquistition wäre von Nöten, um das Waldreich zu retten." Er schüttelte sich bei dem Gedanken. "Nein, nein...", sagte er dann mehr zu sich selbst. "Sie können es nicht wissen, können es nicht finden. Niemand weiß es. Nesolion hat das Wissen mit ins Grab genommen."#

Alaryah Schattenwind
"Eine...weitere Inquisition?", fragte Alaryah leise und überlegte. Hatte sie schon einmal von so etwas gehört? Nein. Irgendwie war da keine Erinnerung an ein Buch oder eine Schrift über eine...Inquisition. Nativus schaute auf, unterbrach sein "Sie können es nicht wissen, können es nicht finden.", was er weiterhin vor sich hermurmelte. "Ja, Inquisition. Sie nannten sich selbst "Orden der Feuerrose", wollten Experimente, die dort vorgenommen worden sind, stoppen. Zu groß war die Gefahr! Diplomatie half dort nicht mehr weiter, zu sehr waren diese Narren der Machtgier verfallen.". Sein Blick wanderte leicht entrückt in die Ferne. "Sie waren wenige. So wenige. Doch die wenigen, die von dem Orden in der Festung waren, haben ausgereicht um sie alle zu töten. Es gab einfach kein Entkommen.". Alaryah dachte an die Verliese und die Gräber und ihr Herz wurde schwer. "Die ganze Sache musste unter den Mantel des Schweigens gehüllt werden. Die Leichen wurden an einem unbekannten Ort verbrannt, keine Überreste sollten dort bleiben. Einige wurden aus der Festung und in Hinterhalte gelockt. Ein Blutbad.". Alaryah musste sich setzen. In ihrem Kopf rasten Bilder umher. Nativus sprach weiter. "Nur wenige wissen von den Laboren, die nicht gefunden wurden. Eben diese wenigen befinden sich weiterhin in Gefahr.". Kurz herrschte Stille, dann ergriff Kirona das Wort. "Was können sie nicht wissen oder finden? Wer sind "Sie"? Etwa die Streiter des Ordens?". Nativus nickte nur. "Der Orden hatte an Bedeutung verloren und wurde offiziell aufgelöst. Einige Mitglieder waren sich jedoch sicher, dass Personen aus der Festung entkommen konnten, dass jemand dieses Schlachthaus unverseht verlassen konnte. Sie streifen heute noch umher, sind auf der Suche.". Nativus schaute nun die drei Gefährten nacheinander an. "Ich warne euch, seid wachsam! Man spricht von Mitteln, die die Kampfkraft steigern. Von Personen mit enormen Kräften. Von Wesen, eher Bestie als Alb.". "Wer spricht davon?", hörte sich Alaryah selbst fragen. "Die Augen des Waldes.", gab Nativus zurück und lauschte. Nichts. Weiterhin blieben Fragen scheinbar ungeklärt. Alaryah war sichtlich unglücklich. Wie konnte es nur so weit kommen, dass eine ganze Festung niedergemetzelt worden war? Kirona fragte noch einmal nach. "Welches Wissen hat Nesolion mit ins Grab genommen?".#

Jaro Ballivòr
Jaro schwirrte der Kopf. Was Nativus erzählte, erklärte den Zustand der Festung. Als sei sie einfach verlassen worden... so ähnlich war es wirklich gewesen, auch wenn es wohl gewaltsam geschah. Kein Wunder, dass sie heimgesucht worden waren, während sie sich dort aufgehalten hatten. Alle... Kirona nicht. Ob ihre Trance auch damit zu tun hatte? War diese Festung womöglich das Ziel ihres Peinigers? Jaro tat die Gedanken ab. Das konnte er nicht lösen, lieber sollte er dem Gespräch folgen.
"Mmmmmh", machte Nativus gerade und umfasste seine Knie. Mit misstrauischen Seitenblicken begann er vor und zurück zu wippen. "Guter Nesolion. Er hat alles aufgeschrieben, worum man ihn bat. Alles. Weil es verlangt wurde. Eine Zeit lang hat er sich nichts bei dem gedacht, das er aufschrieb. Doch dann begann er darüber nachzudenken und es durchfraß sein Wesen und nie wieder konnte er es vergessen. Bis es ihn umgebracht hat." Vielsagend blickte Nativus in die Runde. "Dieses Wissen, meine Liebe. Alles. Forschungsergebnisse, Rezepturen, Mechanismen, Orte... Wissen, das nie erlangt werden hätte dürfen!"
"Ich verstehe nicht", begann Kirona.
"Einfach alles!", Nativus hatte die Stimme wieder erhoben, ermahnte sich aber sogleich selbst zu Ruhe. "Wie man so ein Monster erschafft zum Beispiel. Oder ganz viele davon."
Er musste nicht weiter sprechen. Jeder konnte sich vorstellen, was es bedeutete, wenn eine Horde solcher Kreaturen über das Waldreich herfiel.
"Diese Aufzeichnungen", fragte Jaro schüchtern, "was ist mit ihnen passiert?"
"Verbrannt. Unwiederruflich vernichtet. Dass niemand jemals die Geheimnisse der Festung enthüllen kann. Dass niemand jemals die Festung findet... Doch es war umsonst." Er stockte und schüttelte den Kopf. Dann sah er abrupt auf. "Wie sagtet ihr noch gleich, seid ihr in die Festung gelangt?"#

Alaryah Schattenwind
Erst schwiegen die drei, niemand traute sich wirklich etwas genauer zu werden. Irgendwann seufzte Alaryah schwach, schüttelte knapp den Kopf und beschrieb den ungefähren Weg durch den Wald aus ihren Erinnerungen. Nativus hörte genau zu, kniff die Augen zusammen und bewegte die Lippen. Dann fügte Kirona plötzlich hinzu:"Der Weg...wir kannten...nein...ich kannte ihn. Wobei auch das nicht wirklich stimmt...Viel mehr hat er hier mich gerufen.". Nativus schaute nun Jaro an, der etwas erstaunt ob der plötzlichen Aufmerksamkeit war. "Wie habt ihr sie gerufen?", fragte er und ging auf Jaro zu. Noch bevor jemand reagieren konnte, hatte Kirona den Feuerstein aus der Tasche gezogen. "Nicht Jaro. Dieser Stein hier.". Fast sämtliche Farbe schien aus Nativus Gesicht zu entweichen, hastig machte er einen Satz nach hinten. "Wo...wie....wie...ihr könnt doch nicht...". Sein Blick zuckte zwischen den dreien hin und her. "Wie könnt ihr diesen Stein einfach so berühren?!". Alaryah dachte daran zurück, als sie den Stein berührt hatte und was das für Folgen gehabt hatte. Sie schluckte einen Klos im Hals hinunter. "Ich...weiss es auch nicht so genau.", murmelte Kirona und sah nun gebannt den Stein an. Ihre Augen wurden leicht feucht und man konnte ein schwaches Spiegelbild des Steins darin erahnen. "Von diesem Stein geht eine große und gefährliche Macht aus! Seid gewarnt, handelt nicht leichtfertig.". Bedrohlich hob Nativus den Finger, doch es war als schwinge auch ein Hauch von Furcht in seiner Ansage mit. "Dennoch ist es vielleicht ein gutes Zeichen, dass ihr den Stein halten könnt.". "Wie soll es denn nun weitergehen?", fragte Alaryah etwas ratlos und ließ die Schultern hängen. "Ich muss darüber nachdenken.", sagte Nativus trocken. "Geht. Verlasst diese Hütte. Wartet am Fuße des Hügels auf mich, ich werde euch dann aufsuchen, sobald ich zu einem Entschluss gekommen bin.". Er machte eine ausladende Geste, drehte sich von den drei Gefährten weg und ging murmelnd in die hintere Ecke der Hütte. Etwas erstaunt sah Kirona Jaro und Alaryah an, doch schließlich kamen die drei der Anweisung von Nativus nach. So stiegen sie die Stufen wieder hinab, ließen sich am Fuße des Hügels nieder. Dieses Mal blieb Alaryah nicht bei den hübschen Blumen stehen, zu tief war sie in Gedanken vergraben.#

Jaro Ballivòr
Jaro dachte über Nativus nach. Der Alb hatte wohl den ganzen Schrecken, der sich in und um die verfallene Festungsanlage zugetragen hatte, mit erlebt oder zumindest gekannt. Nach seinen eigenen Eindrücken in dieser Ruine konnte Jaro gut verstehen, dass der alte Mann Milderung gesucht und sie in Verdrängung gefunden hatte. Selanir hatte ihnen seinen richtigen Namen genannt - Nesolion, den Nativus zu einer eigenen und verstorbenen Person gemacht hatte. Er hat versucht, diese Episode, dieses Wissen aus seinem Bewusstsein zu löschen, dachte Jaro. Aber das war nicht gelungen. Alles, was sie ihm berichtet hatten, war ihm bekannt gewesen. Gewissensbisse kochten in Jaro hoch. Ob sie seine hart erkämpfte innere Ruhe nachhaltig gestört hatten? Andererseits war es ihre Pflicht, von den Ereignissen zu berichten, wenn sie nicht einer der Auslöser für ein erneutes düsteres Kapitel sein wollten.
Nach einigen Augenblicken setzte Jaro sich, denn es schien, Nativus würde nicht so schnell wieder aus seiner Hütte heraus kommen. Neugierig ließ er den Blick schweifen. Das Gras war grüner, als Jaro es je gesehen hatte und der alte Alb hatte sich eine wahre Pracht an verschiedenen Pflanzen und Blüten gezüchtet. Oder die Natur war zu Nativus gekommen.
Jeder war in seine eigenen Gedanken versunken oder wollte die heilige Stille nur nicht stören und nach einer gefühlten Ewigkeit kam Nativus die Stufen hinab. Er trug eine Schatulle in der Hand.
"Ich habe nachgedacht", begann er. "Ihr habt der Festung und ihren Geistern getrotzt, ihr habt ihr einen Teil ihres bösartigen Herzens entrissen", dabei wies er auf Kirona, "Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ihr die richtigen seid, der Sache ein Ende zu machen." Jaro schluckte. Verlangte Nativus, dass sie in die Festung zurückkehrten?!
"Ihr könnt tun, wozu Nesolion... wozu... mir damals der Mut fehlte. Ihr könnt mir Frieden schenken und das Waldreich möglicherweise vor einer neuen Katastrophe bewahren."
"Was sollen wir tun?", fragte Alaryah und Jaro bewunderte sie einmal mehr für ihre Entschlossenheit.
Nativus öffnete die Schatulle. In ihrem Inneren waren verschiedenen farbige Steine gebettet, ähnlich wie Kironas Feuerstein, doch viel kleiner, kaum größer als Murmeln. "Du", er wies auf Kirona, "ich weiß nicht warum, doch die hast die Fähigkeit die magischen Steine zu berühren. Jeder erfüllt eine eigene Funktion. Der, den du besitzt, bringt Tod und Feuer. Diese hier sind dazu da, die verschiedenen Eingänge der Festungsanlage zu versiegeln und dem Spuk ein für alle Mal ein Ende zu bereiten."
"Wie?", fragte Kirona schlicht, doch die Neugier stand ihr ins Gesicht geschrieben. Auch von diesen Steinen schien sie angezogen zu werden.
"Das weiß ich leider nicht genau", seufzte Nativus. "Jeder Eingang wird von einem Element bewacht." Nach einander wies er auf die Steine. "Licht, der gelbe Stein, Wasser, der blaue, braun die Erde oder auch die Natur selbst, weiß die Luft und dieser kleine rote für das Feuer. Alles, was ihr tun müsst, ist die Eingänge suchen und herausfinden, wie die Steine funktionieren. Nach euren Erzählungen müsstet ihr durch den Eingang der Erde eingetreten sein. Das ist schon mal ein Anfang."
Jaro sah seine Gefährtinnen an. Er wusste nicht, wie sie das sahen, doch ihm erschien dies recht wenig Information zu sein.

Alaryah Schattenwind
Die plötzlich aufflammende Entschlossenheit Alaryahs hatte Eindruck hinterlassen. Sie konnte einfach nicht anders, war daraufhin etwas verlegen, hörte dann jedoch weiter gespannt zu. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen um ebenfalls einen Blick in die Schatulle werfen zu können, die Nativus schließlich Kirona aushändigte. Es hörte sich alles so einfach an, doch waren sich die Gefährten sicher, dass es längst nicht so einfach war. "Wie können wir die anderen Eingänge denn finden?", fragte Alaryah und verzog etwas den Mund. Insgesamt waren fünf Eingänge zu versiegeln, einen kannten sie bereits. "Die anderen vier liegen verborgen.", begann Nativus und zog ein in weiches Tuch gewickeltes Etwas aus der Gürteltasche hervor. Er entfaltete das Tuch und eine ramponierte, kleine Tafel kam zum Vorschein. "Du wirst die alten Verse wahrscheinlich noch am ehesten lesen können.", sagte Nativus und überreichte Alaryah die Tafel, welche sie vorsichtig entgegen nahm. Tatsächlich konnte Alaryah hier und da bereits erste Worte entziffern, doch war jetzt nicht die Zeit dafür. Schützend legte Alaryah nun die Hand auf die Tafel, wickelte sie dann doch lieber wieder in das Tuch ein. "Dies sind alte Aufzeichnungen niedergeschrieben, welche Euch hilfreich sein können.". Alaryah nickte schon fast ehrfürchtig und verstaute die Tafel so sicher sie konnte in ihrer Tasche. "Nun wünsche ich euch viel Erfolg auf der weiteren Reise. Ihr solltet aufbrechen und so schnell wie möglich den Eingang der Erde, der Natur, verschließen und für unsere Feinde unzugänglich machen.". "Was, wenn sie...", begann Alaryah ihren Satz, doch unterbrach sich dann selbst. Sie würden etwaige Feinde scheinbar einfach in der Festungsanlage einsperren. Doch was, wenn Freunde und Verbündete dort unten waren? Was, wenn Selanir eine Erkundungstruppe zusammengestellt hatte, die die Festungsanlage auskundschaftete? Nativus schien Alaryahs Gedanken zu hören. "Ihr müsst die Eingänge um jeden Preis versiegeln. Es wird viel mehr Tod geben, wenn das Böse, was dort ist, entkommt.". Alaryah gefiel der Gedanke ganz und gar nicht. Doch nüchtern betrachtet hatte Nativus wahrscheinlich Recht. Und so rang Alaryah noch etwas mit sich, auch dann noch, als Kirona sie sanft an der Schulter packte und in Richtung des Weges schob, den sie gekommen waren. Gerade waren die drei ein paar Schritte gegangen, da zischte ein Sperling an ihnen vorbei. Der kleine Vogel streifte fast Kironas Kopf und sie zuckte leicht erschrocken zusammen. Wie wild flatterte der Sperling um Nativus herum, der sich ebenfalls bereits zum Gehen abgewandt hatte. "Oh, natürlich, du hast recht.", hörten die drei den Mann sagen und er fasste sich an die Stirn. "Wie konnte ich das nur vergessen?". Er eilte erneut zu ihnen und griff nach Jaros Hand. "Hier. Nehmt dies noch mit. Vielleicht ist es eine Hilfe.". Dann huschte Nativus davon. "Viel Erfolg, ihr Streiter des Waldes!", rief er noch aus der Ferne und hob die Hand zum Gruß. "Was hast du bekommen?", fragte Alaryah und legte interessiert den Kopf schief. Jaros Blick fiel auf einen dünnen Packen Pergament. "Das...". Er schaute sich die einzelnen Blätter an. "Das sind...Fragmente...Fragmente einer Karte?".

Jaro Ballivòr
Eine seltsame Wehmut nahm Jaro in Beschlag, als sie aufbrachen. Dieser Ort war so zauberhaft, dass er gerne noch geblieben und all seine Geheimnisse erkundet hätte. Auch Nativus hatte sein Interesse geweckt, so merkwürdig er gewesen war. Gleichzeitig steckte ihn Alaryahs Entschlossenheit an. Sie konnten helfen.
Der Stapel der Kartenausschnitte, der sich nun in Jaros Tasche befand, weckte Ehrfurcht in ihm. Wie alt mochten diese Aufzeichnungen wohl sein? Hatte Nativus sie selbst angefertigt? Ohne weiter etwas von ihnen zu verlangen, hatte er sie gehen lassen. Vielleicht war er aber auch froh, sie und die düsteren Erinnerungen wieder los zu sein.
Zu Beginn hatte Jaro einige der Karten beim Gehen inspiziert, doch es hatte sich als unmögliches Unterfangen herausgestellt. Es schien, als müssten die Fragmente wie ein Puzzle zusammen gesetzt werden. An den Rändern hatte er sich wiederholende Muster und Symbole entdeckt, die als Hinweise dafür dienen konnten. Dafür brauchte er Platz und außerdem erreichten sie bald den unsichtbaren Pfad, wo kaum Raum war, die Arme zu heben, geschweige denn mit Pergament zu hantieren.
Alaryah hatte vorgeschlagen, einen ihr bekannten Rastplatz aufzusuchen. Es war ein beliebter Ort bei den Waldläufern, der von sonstigen Reisenden gemieden wurde, da er sich zu weit von größeren Pfaden befand. Er lag günstig, da sie am darauffolgenden Tag den Eingang der Festung erreichen konnten, aber noch weit genug davon entfernt waren, um nicht in Gefahr vor herumlungernden Feinden zu sein. Ohne die Waldalbin wären Kirona und Jaro an dem Rastplatz vorbei gelaufen. Er wurde gewissermaßen von den umliegenden Bäumen gebildet. Kleinere Gewächse bildeten ein schützendes Dach und die Überreste eines vom Blitz getroffenen Riesen boten Sitz- und Ablagemöglichkeiten. Jaro entdeckte eingeritzte Symbole und Alaryah erklärte, dass dies Nachrichten waren, die die Waldläufer sich gegenseitig hinterließen. Sie gaben Entfernungen an, Wasser- und Nahrungsquellen und falls nötig warnten sie vor Gefahren. Schnell entfachten sie ein kleines Feuer. Die Nacht hatte bereits ihren Schleier über den Wald gelegt. Mithilfe der Kennzeichnung fanden sie essbare Pilze und ein paar Wurzeln, sodass sie ihre Vorräte vom Stützpunkt Selanirs aufsparen konnten. Schon während dem Essen probierte Jaro, die Kartenstücke zusammen zu setzen. Das Prinzip wollte ihm aber nicht wirklich einleuchten. Es schien, als passten mehrere Fragmente zu einander. War die Karte so geschickt geteilt worden? Oder war sie verändert, entsprach nicht mehr der wirklichen Topologie und zeigte trotzdem die richtigen Wege? Das schummrige und flackernde Licht des Lagerfeuers half ihm nicht gerade bei seinen Versuchen. Jaro seufzte und sah auf. Vielleicht hatten Alaryah und Kirona eine Idee oder die Aufzeichnungen auf dem Stein konnten helfen.#

Alaryah Schattenwind
Der Rastplatz, an den sich Alaryah plötzlich erinnerte, lag in einer günstigen Position. So konnten sie noch einmal ausruhen um sich dann frisch und gestärkt den neuen Aufgaben und Gefahren entgegenzustellen. Das Mahl war nicht gerade überaus schmackhaft oder abwechslungsreich gewesen, doch erfüllte es seinen Zweck. Bald waren sie gut gesättigt und sowohl Kirona als auch Alaryah bemerkten wieder und wieder, wie Jaros Aufmerksamkeit auf die Kartenfragmente fiel, welche er von Nativus bekommen hatte. Sie grinsten sich an, als der Alb völlig vertieft in die Aufzeichnungen vor sich hin murmelte, hier und da Teile zusammenlegte, dann drehte und wieder neu zusammensetzte. Alaryah legte schließlich ihre Waffen zusammen und holte ein kleines Set zur Ausrüstungspflege hervor. Leise erklang das Geräusch einer Klinge, die gerade mit einem Wetzstein geschliffen wurde und auch Kirona verfiel in ihre eigenen Gedanken. Sie saß einfach nur da, die Schatulle lag geöffnet vor ihr. Kirona hatte die Finger an die Lippen gelegt und starrte die Steine an, so als wartete sie darauf, dass die Steine ihr Fragen beantworteten, die sie ihnen gedanklich stellte. Irgendwann hob Jaro seufzend den Kopf. Direkt traf sein Blick den von Alaryah. Die Albin saß am Feuer, hatte das eine Bein angewinkelt und fuhr wieder und wieder mit einem Stein über eine ihrer Klingen, langsam beginnend, ruckartig endend. Ihre Miene war wie versteinert und schon fast emotionslos. Die tanzenden Flammen taten dann auch noch ihr übriges. Leicht eingeschüchtert senkte Jaro den Kopf, doch bemerkte er, wie Alaryah ihn weiterhin mit leeren Augen anstarrte. "Ich...komme hier nicht weiter.", murmelte er schließlich und Kirona wandte sich ihm zu. "Wir können uns das gern gemeinsam ansehen.", schlug sie vor und tippte Alaryah am Oberarm an. "Was? Nein! Er war es vielleicht...". Alaryah erschrak bei der Berührung, doch sammelte sie sich rasch wieder. "Ehm...alles in Ordnung?", fragte Kirona und sah die Albin skeptisch an. "Jah...ja natürlich. Ich war nur in Gedanken. Was machen wir?". Ihr Blick fiel nun auf die vor Jaro liegenen Fragmente. "Die Karte. Natürlich.". Alaryah schob die Gedanken an Linor beiseite, zu duster und bedrohlich waren diese Schatten in ihrem Kopf. Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen und legte ihre Ausrüstung beiseite. Kurze Zeit später hockten Kirona und Alaryah nun etwas hinter Jaro und gemeinsam starrten sie die Fragmente an. Da waren Linien, Schriftzeichen, Symbole und und und. Irgendwann bemerkte Alaryah, dass sie ihren Kopf auf Jaros Schulter abgelegt hatte und fuhr hoch. Warum hatte sie...? Doch dann, als Alaryah so da stand, konnte sie diese Gedanken nicht weiter verfolgen. "Wartet mal...", sagte sie und ging ein paar kleine Schritte um die Kartenfragmente herum. "Das könnte doch...". Kirona wollte etwas sagen, doch Alaryah hob die Hand. Kirona blieb stumm. "Jaro, leg das Teil mal da hinten hin. Nein, nach links gedreht. Kirona. Halt das mal daneben.". Jetzt bemerkten auch Jaro und Kirona, was Alaryah zu sehen schien. Es handelte sich gar nicht um eine große Karte. Es waren mehrere kleine Ausschnitte. Insgesamt fünf. Dann traf die Erkenntnis Jaro wie ein Blitz.#

Jaro Ballivòr
Dieser verrückte alte Alb! Nativus hatte die Karten nicht nur vergessen, bis es ihm buchstäblich ein Vögelchen gezwitschert hatte, er hatte auch behauptet, er wisse nicht, wo die Eingänge sich befanden. Es war so klar! Wieso war Jaro das vorher nicht aufgefallen? Es waren exakt fünf Papierstücke. Fünf Stücke - fünf Eingänge. Triumphierend sprach Jaro dies aus. Er hatte den Eindruck, nach Alaryahs Eingebung war es ihnen dreien exakt zeitgleich wie Schuppen von den Augen gefallen. Jetzt, wo er wusste, nach was er Ausschau halten musste, war es so einfach die Hinweise zu finden. Die Symbole wiederholten sich zwar auf jeder Karte, doch jede hatte ein dominantes Thema. Die Elemente. Auch der Eingang selber war entsprechend dargestellt und vielleicht nicht nur das. Als Jaro sich die Erd-Karte genauer ansah, stellte er fest, dass der Pflanzenbewuchs auch in Wirklichkeit so ausgesehen hatte. Hieß das, dass sich der Wasser-Eingang hinter einem Wasserfall befand? Der des Lichts nur bei Sonnenlicht zur Mittagszeit zu finden war? Auch diese Ideen teilte er mit Alaryah und Kirona. "Du hast Recht", rief letztere aus. "Dann muss dieser hier erhöht liegen und dem Wind ausgesetzt sein. Und dieser..." Sie stockte und alle drei sahen sie zu den verbrannten Überresten des vom Blitz getroffenen Baumes.#
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#46

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Di 24. Jul 2018, 23:21

Alaryah Schattenwind
"Das kann doch nicht...". Kirona war als erstes zu den Überresten des Baumes gehuscht und hatte angefangen dort zu wühlen, zu tasten und zu untersuchen. Jaro schloss sich kurzerhand an, auch Alaryah folgte. Irgendwann jedoch erhob sich die Albin. Ihre Hände waren schmutzig und sie klopfte sie an ihrer Kleidung ab. "Meint ihr nicht...naja...Meint ihr nicht, dass das etwas zu...einfach wäre?". Der anfängliche Tatendrang der Gruppe bekam einen kleinen Dämpfer. "Dann lasst uns doch zuerst den Eingang der Erde oder der Natur schließen.", schlug Kirona vor und erfuhr allgemeine Zustimmung.

Am nächsten Morgen waren die Gefährten bereits früh auf den Beinen. Niemand konnte wirklich lange schlafen, doch waren die wenigen Stunden Schlaf wohltuender gewesen als gedacht. So brachen sie das Lager ab und machten sich zurück auf den Weg zu dem Eingang in die Festung, der ihnen den Auftakt zu diesem doch recht packenden und gefährlichen Abenteuer geliefert hatte.
Mit jedem Schritt, den sie näher an den Eingang der Festung kamen, fühlte Alaryah eine Art Beklommenheit in sich heranwachsen. Eigentlich hatte sie sich immer sicher innerhalb der Grenzen des Waldreiches gefühlt, doch irgendwie war es dieses Mal anders. Sie dachte an das erlebte und hoffte, dass sie nicht zu bald wieder in die Hallen, Kavernen und Verliese vordringen mussten. Vor allem hoffte die Albin jedoch, dass sie nicht wieder auf einen Feind treffen mochten. "Ich schlage vor ihr wartet hier einen Moment.", sagte Alaryah bestimmend und deutete per Handzeichen an langsamer zu werden. "Ich werde ein Stück vorausgehen und nachschauen, ob wir dort bei dem ersten Eingang ungestört sind.". Zaghaftes Nicken. Auch die Wachsamkeit ihrer Gefährten steig nun an. Alaryah verschwand im Unterholz. "Sei vorsichtig!", hörte sie noch hinter sich während sie erneut ihre Sinne schärfte.

"Nichts.". Alaryah war so plötzlich wieder aufgetaucht, wie sie verschwunden war. "So wie es aussieht ist dort niemand. Keine Spuren, keine Anzeichen auf...Gesellschaft.". Dann wurden Alaryahs Gesichtszüge wieder weicher. "Kommt, gehen wir!".

Jaro Ballivòr
Was Jaro zuerst auffiel war, dass es nichts Auffälliges gab. Der Ort war ebenso unscheinbar wie bei ihrem ersten Besuch und auch dieses Mal hätte er hier nie und nimmer einen Eingang zu einer riesigen Festungsanlage vermutet, hätte er es nicht besser gewusst. Hatte ihr unheimlicher Verfolger seine Spuren verwischt? Oder lag es in der Magie der Pforten, sich wieder zu verbergen, nachdem sie genutzt worden waren? Langsam näherten sie sich der Stelle, wo Kirona den Eingang freigelegt hatte. Jaro hatte das entsprechende Kartenstück herausgeholt, weil er hoffte, Hinweise zu entdecken, wie die Eingänge zu finden waren. Es stellte sich aber heraus, dass sie es sogar dringend für die eigentliche Suche brauchten, denn Kirona konnte sich nicht an ihr Handeln erinnern. Wage besann sich Jaro, dass sie den Boden mit ihrem Stock abgeklopft und schließlich mithilfe einer Liane den Weg zur Pforte gefunden hatte. Er blickte auf das Kartenfragment. "Seht", sagte er. "Diese Verzierung am Rand könnte die Schlingpflanze sein, die uns zu der Wand mit den Schriftzeichen geführt hat. Könnte... wenn ich nicht nur sehe, was ich sehen will." Zwischen den verzierten Strichen waren die Symbole der Elemente aufgetragen. Hatte Kirona auf der Steinwand nicht eben solche Elementsymbole aktiviert? Unsicher sah er auf und dann wieder hinab zu der Karte. Alaryah folgte mit dem Finger den geschwungenen Linien. "Hier führt sie in die Karte hinein." Tatsächlich! Aufgeregt flog Jaros Blick über die Abbildung und dann auf den umliegenden Bereich. Alaryah war bereits ein paar Schritte zur Seite gegangen. "So ungefähr hier..." Sie knieten ab und tasteten den Boden entlang. "Da!", rief Kirona aus und packte den kräftigen grünen Strang. Eilig folgten sie ihm und begannen ebenso hektisch wie Kirona damals die Pflanzen von der verborgenen Wand zu reißen. "Da ist er...", flüsterte Jaro und schluckte schwer. Bloß nicht noch einmal hinein gehen... "Nun müssen wir nur noch herausfinden, was wir mit dem Erdstein anfangen sollen." Kirona hatte den kleinen braunen Stein heraus geholt und Jaro hätte schwören können, dass er schwach pulsierte ob der Nähe zu seinem Bestimmungsort.

Alaryah Schattenwind
Mit großen Augen verfolgte Alaryah die Szenerie. "Erdstein...Mh...". Sie murmelte leise vor sich hin, dachte laut, kam aber zu keinem wirklichen Ergebnis. "Seht doch, dort!", rief Kirona schließlich und zeigte mit ihrem Stock auf den Sturz des Eingangs. Dort oben, fast gar nicht zu erkennen, hatte man eine kleine Einkerbung in den Rahmen gepresst. "Vielleicht muss der Stein ja dort hinein?". Die drei Gefährten sahen sich an. Keiner von ihnen war groß genug um den Stein in die Fassung zu bringen. Erst sahen sie sich um, ob man nicht einen Baumstumpf oder ähnliches organisieren konnte, doch dann ging Alaryah zu Jaro hinüber. "Komm, wir heben Kirona hoch.". Erst schien Jaro etwas irritiert. "Wie sollen wir denn...?". "Ich zeigs dir. Pass auf, wir stellen uns hier drüben hin.". Sie fasste Jaro am Handgelenk und positionierte ihn dann neben dem Sturz. "So. Jetzt legst du deine Hand hier auf meine Schulter, ich greife dann hier deinen Arm und dann...". Kurze Zeit später war es dann soweit. Alaryah und Jaro standen sich gegenüber, die Knie leicht gebeugt. "Kirona, steig jetzt hier auf den Oberschenkel, dann kannst du hier oben hin.". Kirona war skeptisch. "Kirona, nun mach schon. So heben wir Waldläufer schon seit Ewigkeiten unsere Leute über Hindernisse oder in Richtung hoch gelegener Äste, die wir durch klettern nicht erreichen können.". Jaro nickte ihr aufmunternd zu. Kirona seufzte. "Ich hoffe wir brechen uns dabei nichts...wäre ein ruhmloses Ende unserer ersten Etappe.". Dann wagte Kirona schließlich den Aufstieg. Langsam kamen Alaryah und Jaro aus ihrer leicht hockenden Position, balancierten Kirona dabei sicher und gleichmäßig. Auch wenn es, aufgrund der unterschiedlichen Körpergröße der beiden, nicht ganz so leicht war kam Kirona letztendlich doch an die Einkerbung. "Geschafft!", freute sich die junge Frau und ein leises Klacken war zu vernehmen. Dann brummte es laut und ein sanftes Beben war zu spühren. Eine seltsame Schicht, vielleicht Lehm, Schlacke oder etwas ganz anders, bahnte sich ihren Weg aus Richtung des Erdsteins nach unten. Das Beben wurde Stärker und Alaryah und Jaro hatten enorme Schwierigkeiten Kirona zu halten. Alaryah biss die Zähne aufeinander und kniff die Augen zusammen. Sie versuchte sich zu konzentrieren, doch gelang es ihr aufgrund des Getöses um sie herum nicht. Ihre Hände wurden schwitzig und schließlich rutschte sie ab. Die von den dreien gebildete Pyramide brach in sich zusammen wie ein Kartenhaus und wenige Augenblicke später lagen sie wie ein Knäul vor dem Eingang der Festung. Alaryah öffnete die Augen. Es war still um sie herum. "Seht.", sagte Kirona leise und entwirrte sich aus dem Gewühl. Auch Jaro erhob sich, half dann Alaryah auf die Beine. Nun sahen sie es. Der gesamte Eingang war mit einer Schicht bedeckt, die Harz oder gar Bernstein glich. Der Stein selbst war verschwunden. "Sonderbar.". Alaryah nahm all ihren Mut zusammen und berührte die neu geschaffene Barriere. Kein Lichtschein fiel hindurch. Die Barriere hatte sich wie eine Kralle um den Eingang geschlossen. "Ich glaube...wir sind hier fertig.", hörte Alaryah Kirona von hinten sagen. "Hoffen wir mal, dass es bei den anderen Eingängen auch so schnell und problemlos geht...", flüsterte Alaryah kaum hörbar vor sich hin.

Jaro Ballivòr
Ja... das hoffte Jaro auch. Wenn unter seinen Freunden begraben zu werden, das einzige Risiko darstellte, sollte ihm das Recht sein. "Vor allem müssen wir die anderen erst einmal finden", seufzte Jaro. Er verstaute das Kartenstück für den Erdeingang in seiner Tasche und fächerte die übrigen auf, sodass sie alle sehen konnten. Die Liane war als Indiz für den Eingang an den Rand der Karten gezeichnet gewesen und die Karte selber hatte nur deren Position grob wiedergegeben. Was, wenn die Verzierungen die eigentliche Information bargen? An den Rändern der Feuerkarte zuckten Blitze hinab, es gab Rauch und Flammen und zwischen allem fanden sich die anderen Elemente, Bäume und Lichtstrahlen. Die anderen waren ähnlich. Wasser zeigte Tropfenmuster und einen sich schlängelnden Flusslauf, Licht wies Planeten und Licht und Schatten auf und Luft war dominiert von Strömungslinien und Gipfeln. "Lasst uns doch mit dem Offensichtlichsten beginnen", sagte Kirona und Jaro fragte sich, was das sein sollte. "Gibt es hier einen Flusslauf in der Nähe?" Alaryah kniff die Augen ein wenig zusammen. "Das Waldreich wird überall von Wasserläufen durchzogen, aber einen großen Fluss gibt es hier nicht." Kirona schüttelte den Kopf. "Das macht nichts. Ich denke sowieso nicht, dass es ein großes Gewässer ist. Lasst uns einfach zum nächstgelegenen Bach gehen und uns dort umsehen. Besser, als hier herzum zu stehen ist das allemal."

Mit einem letzten Blick auf das versiegelte Portal machten sie sich auf den Weg. Alaryah hatte eine Vermutung, in welche Richtung sich die Festungsanlage unterirdisch ungefähr erstreckte und dieser folgten sie, da dort auch ein mittelgroßer Bach verlief. Jaro konnte nicht sagen, ob sie mit der Richtung Recht hatte. In dem Augenblick, in dem ihn die Finsternis der Ruine verschlungen hatte, hatte er sämtliche Orientierung verloren gehabt. Beim Gehen überprüfte er immer wieder seine Karten. Bereits zuvor hatte er erkannt, dass - wie die Liane - alle Rahmensymbole an einer Stelle in die Karte mündeten. Im Falle des Flüssleins wirkte es, als werde es immer dünner, je näher es der Mitte der Pergaments kam. Vielleicht hatte Kirona Recht und sie waren auf der Suche nach einem kleinen Gewässer. Das würde die Suche nicht gerade erleichtern. In der Stille des Waldes begann Jaro trotz allen Schwierigkeiten Gefallen an der Aufgabe zu finden. Bislang waren sie unbehelligt voran gekommen und hatten einen ersten Erfolg erzielt. Gerade als er sich der freudigen Anspannung hingeben wollte, krachte er in Alaryah, die urplötzlich stehen geblieben war.

Alaryah Schattenwind
Alaryah zuckte zusammen, Jaro presste ein dumpfes "Uff." zwischen den Lippen hervor. "Das kann ja heiter werden.". Kironas Blick folgte Alaryahs Fingerzeig und auch Jaro schaute nun an der kleinen Albin vorbei. Der Bach wurde nun von mehreren weiteren, kleineren Flussläufen gespeist, die aus unterschiedlichen Richtungen kamen. Die kleine Albin ließ enttäuscht die Schultern hängen. Das würde nicht einfach werden. "Welchem Flusslauf folgen wir nun am besten?". Ein erster Entschluss war schnell gefällt und so machten sich die drei wieder auf den Weg. Leider erfolglos. Wieder und wieder liefen Bachläufe zusammen, teilten sich, versiegten oder endeten in einem kleinen See oder Tümpel. Irgendwann hatten sie schließlich die Orientierung verloren. Alaryah verfluchte sich. Wie konnte das passieren? Sie? Die Orientierung verloren?! Je weiter sie gingen und je mehr Misserfolge sich abzeichneten, desto gereizter wurde die kleine Albin. Es war ihr unangenehm, war sie doch bisher eine gute Fährtenleserin gewesen. Sie war eine Waldläuferin! In ihrem eigenen Wald! Bald schon schwieg Alaryah nur noch, murmelte finster dreinblickend Worte vor sich hin. "...doch nicht sein..." oder "...nicht schon wieder...". "Dort vorn ist auch noch ein...". "ICH WEISS...", unterbrach Alaryah plötzlich Kirona, die die Albin dann erschrocken und mit aufgerissenen Augen ansah. "Ich weiss, dass dort noch eine weitere Abzweigung ist.", sprach Alaryah weiter, zwang sich selbst zur Gelassenheit. In Gedanken versuchte Alaryah noch einmal den Weg zu verfolgen, den sie bereits gegangen waren. Machte es überhaupt Sinn diese Route zu nehmen? Aber was sollten sie tun? Die Festung müsste unterirdisch hier verlaufen...oder in der Nähe. Der Bach war der richtige, so viel stand fest. Alaryah lies den Bogen fallen, trat gegen ein am Boden liegendes Steinchen, welches mit leisem "Plupp" im Wasser landete. "Verzeiht.". Diese Gefühle der Wut waren recht neu für Alaryah. Sie waren ähnlich wie dieses Feuer das sie empfand, während sie auf der Jagd oder in Kämpfe verwickelt war. Zusätzlich waren ihr die Gefühle auch noch in Gegenwart ihrer Gefährten entglitten. "Wir haben...wir sind hier falsch.". Mit einer Mischung aus Enttäuschung, Wut auf sich selbst und die Situation setzte sich Alaryah auf den Boden und grummelte vor sich hin. "Das war doch völlig umsonst. Wir müssen vielleicht noch einmal ganz von vorn beginnen.", sprach sie leise in ihren Ärmel hinein.

Jaro Ballivòr
Jaros Abenteuerlust wich Unbehagen, als er Alaryahs Resignation spürte. Die meiste Zeit verhielt er sich recht still. Wie sollte er auch helfen, wenn selbst die Waldalbin Schwierigkeiten hatte, einen vielversprechenden Weg zu finden? Alles sah gleich aus und nichts deutete darauf hin, dass sich irgendwo unter ihnen eine eingemauerte Hölle befand. Als Alaryah sich hinsetzte, wagte Jaro nicht zu fragen, wie weit der nächste Bach entfernt sei. Stattdessen ging er zum Ufer und starrte in das vorbei plätschernde Nass, in der Hoffnung es möge ihm sein Geheimnis verraten. Das Wasser war glasklar und kühl. Jaro trank ein paar Schlücke aus der hohlen Hand. Es war köstlich. "Wie das Wasser, dass daheim in den Bergen entspringt", dachte er. Fast im selben Moment durchfuhr ihn ein Geistesblitz und er zog eilig die Karten hervor. Die Linie des angedeuteten Baches führte exakt in die Mitte - und die Mitte zeigte neben dem schematischen Wald auch etwas anderes: Stein. Was wenn... "Eine Quelle?", murmelte Jaro. "Der Eingang ist vielleicht die Quelle des Baches." Er war aufgestanden und ging auf Alaryah und Kirona zu. "Vielleicht sind wir ihm einfach noch nicht weit genug gefolgt." Zwar reichte seine Idee nicht, Alaryah die Zuversicht wieder zu geben, doch zum Aufbrechen, um der Sache auf den Grund zu gehen, schon. Wie zuvor war es gar nicht so leicht dem Lauf des Hauptbaches zu folgen, da er sich wand und schlängelte und über alle kleinere Seitenarme abzweigten. Als Jaro schon meinte, es nehme nie ein Ende, erreichten sie einen kleinen Felsvorsprung, aus dem das Wasser etwa auf halber Höhe in einem kleinen Wasserfall heraus plätscherte. Gemeinsam inspizierten sie den Fels, wühlten im Grund des Baches, griffen in die Öffnung aus der das Wasser herausschoß, doch nichts. Hatte er sie auf einen falschen Pfad geführt? War der ganze Weg umsonst gewesen? "Aber das Wasser zeigt hier in die Mitte", beharrte er, wie um sich zu verteidigen und hielt die Karte hoch. "Vielleicht", sprang Kirona ein, "ist nicht das Wasser, sondern das Fehlen von Wasser das Indiz... Immerhin mussten wir an der ersten Pforte auch den Bewuchs entfernen..." Mit diesen Worten trat sie wieder an den Austritt heran und hielt ihre Hände davor. "Helft mir mal", bat sie, da die Öffnung zu groß war und so legten sie alle drei ihre Hände auf, bis nur noch ein kleines Rinnsal hervor trat. Ihre Blicke trafen sich. Die Wand war mit glitschigen Algen überzogen, doch die Symbole waren nicht zu übersehen. "Das ist es..." flüsterte Jaro. Kirona musste ihre Hände wegnehmen, um den Wasserstein herauszufischen und kurz verschwand ein Teil der Markierungen wieder unter dem jungen Bach. Der Stein leuchtete hell, dieses Mal war Jaro sich sicher und nach einigem Suchen und etlichen Verrenkungen hatten sie die Kerbe gefunden, die den Stein aufnehmen konnte. "Auf drei... Drei, zwei, eins..." Jaro sah nur noch Wasser. Eine wuchtige Fontäne schleuderte ihn gut drei Meter nach hinten, Alaryah und Kirona ebenso. Sie waren klatschnass. Jaro kämpfte sich auf die Beine. Gott sei Dank war er auf weichem Grund gelandet und auch den anderen schien es gut zu gehen. Dort, wo zuvor ein kleiner Sturzbach aus der Wand getreten war, dröhnte nun ein beachtlicher Wasserfall herunter. Die Hälfte des Felsens war weggerissen worden, sodass es unmöglich war, in die Nähe der Quelle zu klettern ohne vom Wasser fort gerissen zu werden. "Nummer zwei", triumphierte Kirona und grinste in die Runde.

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#47

Beitrag von Jaro Ballivòr » Do 9. Aug 2018, 08:42

Alaryah Schattenwind
Prustend rappelte sich Alaryah wieder auf. Sie war patschnass. Etwas mühsam wischte sie sich die nun triefenden Haarsträhnen aus dem Gesicht, von dem blauen Dreieck unter ihrem Auge war nur noch ein unförmiger Fleck übrig geblieben. "War das wirklich nötig?!", fragte sie in die Runde, ganz so als hätte auch nur irgendjemand von Ihnen Einfluss auf das Geschehene gehabt.
Es dauerte nicht lange, da hatten die drei sich einen Platz gesucht um ihre Kleidung und vor allem sich selbst zu trocknen. Kirona kicherte leise, als Alaryah missmutig ihre Stiefel voller Wasser ausleerte, doch verstummte abrupt als die Blicke der Albin hochschossen. Als Alaryah wieder mit sich selbst beschäftigt war trafen sich die Blicke von Kirona und Jaro, auch er musste sich ein Grinsen verkneifen.

Die Ausrüstung war durch den plötzlichen Wassereinbruch zum Glück nicht beschädigt worden, auch die Kartenausschnitte und Pergamente hatten die Feuchtigkeit gut überstanden.
"Lasst uns schon einmal weiterziehen.", schlug Alaryah vor und warf sich die restlichen, noch etwas klammen Kleidungsstücke über die Schulter. Ihre Stiefel in der linken Hand tragend tappte sie etwas umher, genoss das Gefühl von Wiese unter ihren Füßen. "Kommt schon!".
So zogen die drei schließlich weiter und suchten den neuen Eingang, der zu verschließen war.

Leider verlief die weitere Suche eher erfolglos. Alaryah las wieder und wieder von ihren Tafeln vor, versuchte Jaros suche per Kartenausschnitt zu unterstützen. "Das wird doch heute nichts mehr...", grummelte die Albin schließlich und sah sich um. Langsam aber sicher wurde es dunkler und schon bald war es Zeit ein Lager aufzuschlagen.
"Meint ihr nicht, dass dort ein guter Platz ist?", fragte Kirona und deutete auf einen flachen Hügel, um welchen sich mehrere Kiefern reihten. Die Bäume würden sie verbergen, doch würden die drei, falls sie Nachtwachen aufstellen wollten, jederzeit das Geschehen um sich herum verfolgen können.
Alaryah zögerte einen Moment. Dann schob sie einen düsteren Gedanken beiseite und schaute in die Runde. "Ja, gehen wir!".

Jaro Ballivòr
Wie schon nach dem Verschließen der Erdeingangs, war Jaro euphorisch und voll Tatendrang und ebenso ernüchternd waren ihre direkt folgenden Bemühungen. Hatten sie einfach Glück gehabt? Oder war das Wasser schlicht das einfachste gewesen? Jaro versuchte sich Mut zu machen. Auch diesen Eingang hatten sie nicht gleich entdeckt. Wie lange waren sie den Wasserläufen gefolgt? Wie verzweifelt waren sie schon gewesen? Nein. Es gab keinen Grund zu resignieren. Wenn sie nur beharrlich blieben, würde ihnen eine Einzelheit auffallen, ein entscheidendes Detail, das ihre Schritte lenkte. Feuer, Licht und Luft waren noch übrig... Immer wieder hatte Jaro die Karten studiert, aber außer, dass sie einen eindeutigen Bezug zu ihrem jeweiligen Element hatten, war ihm nichts aufgefallen. Selbst mit Bezug zu Alaryahs alten Schrifttafeln, waren sie immer nur wieder bei den Elementen selbst gelandet. Und so allumgebend Licht und Luft hier im Wald waren, so rar war das Feuer. Wieder dachte er an den vom Blitz getroffenen Baum. Es war gut möglich, dass es nur Spuren des Elements waren, das sie suchten. Seufzend folgte er Kirona und Alaryah auf den kleinen Hügel. Die Dunkelheit verleibte sich den Wald Stück für Stück ein. Grillen zirbten und die ersten Glühwürmchen schwebten durch das Unterholz. Jaro fand den Lagerplatz perfekt, obwohl ihm Alaryahs Zögern nicht entgangen war.
"Ist alles in Ordnung?", fragte er, während sie ihr Gepäck ablegten und die Albin sich daran machte, ein Feuer zu entzünden. Für gewöhnlich vermochte Alaryah Hinweise in ihrer Umgebung zu erkennen, die ihm und Kirona unsichtbar blieben. Hatte sie etwas gemerkt? Oder war es der Ort selbst, der ihr Unbehagen bereitete?

Alaryah Schattenwind
"Ich...hmmm...ich bin mir nicht sicher.", gab Alaryah zögerlich zu. In Gedanken vertieft entfachte sie schließlich ein Feuer und die Gefährten konnten zu Abend essen. Auch Kirona war auf Alaryahs Wachsamkeit aufmerksam geworden, so sprach auch sie die Albin auf ihr Verhalten an. "Diese Gegend hier. Irgendwie kommt sie mir bekannt vor...und das, obwohl ich selbst noch nicht hier gewesen bin.". Alaryah kramte in den Tiefen ihrer Erinnerungen und Gedanken. Gab es da nicht irgendetwas?
Die drei verfielen in Schweigen, nur das Knistern der Flammen durchtrennte die Stille wieder und wieder. Auch dies bereitete Alaryah in gewisser Weise Unbehagen. Wo waren die nächtlichen Geräusche des Waldes? Die Tiere? Der Wind?
Aus den Augenwinkeln konnte Alaryah erkennen, dass Kirona die Augen zufielen und langsam neigte sich ihr Kopf zur Seite. Es raschelte leise, als Kirona sich in eine bequeme Schlafposition begab und schließlich war ruhig und leise ihr Atem zu hören.
"Kommt es dir nicht komisch vor?", fragte Alaryah Jaro mit gedämpfter Stimme. Er war etwas irritiert und so erläuterte Alaryah ihre Frage etwas. "Nunja, hörst du etwas?". Sie lauschten gemeinsam. Abgesehen von dem Feuer als Geräuschquell war nun wieder Stille um sie herum. "Sonst treibt sich doch immer etwas im Unterholz herum, oder?". Alaryahs Frage war eigentlich mehr eine Feststellung. Weiterhin grübelnd, ob sich nicht doch noch eine Erinnerungen finden lassen würde, saß die kleine Albin nun da und starrte in die Flammen. Erst Jaros ebenfalls gedämpfte Stimme riss sie wieder aus ihren ergebnislosen Gedanken.

Jaro Ballivòr
Angstrengt lauschte er. "Du hast recht!" Es war tatsächlich so still, dass er sich kaum traute, die Stimme zu heben. Nun, da Alaryah ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, konnte Jaro nicht mehr anders, als nach den üblichen Lauten des Waldes zu forschen. "Vielleicht... vielleicht hat das etwas mit diesem Ort zu tun; mit dieser Festung. Wenn ich eine Wühlmaus wäre, würde ich hier auch nicht leben wollen." Es war aufmunternd gemeint gewesen, doch als er es aussprach, klang es irgendwie kläglich. "Was, wenn die Tiere das Böse dieses Ortes spüren?", fuhr er fort, um zu zeigen, dass er es ernst meinte und nicht über Alaryahs Sorge scherzte. Jaro kannte sich nicht besonders mit Tieren und Pflanzen aus, doch er hatte schon immer das Gefühl gehabt, dass sie ihre Umgebung ganzheitlicher wahrnahmen. Was sollte sonst jegliches Leben von hier vertrieben haben? Der Wald war üppig und grün, bot alles, was es brauchte, um für Lebewesen aller Art zum Heim zu werden. Immerhin die Natur schien dem Bösen zu trotzen, das hier geschehen war.

Alaryah Schattenwind
Alaryah dachte kurz über Jaros Worte nach. "Das mag nicht ganz unrichtig sein.", murmelte sie. "Aber bisher war doch immer etwas los, auch in unmittelbarer Nähe der Festung. Sind wir gerade wirklich so nah? Oder direkt darüber? Das kann ich mir gerade nicht ganz vorstellen.". Man konnte nicht genau sagen, ob Alaryah sich dies einreden wollte, oder ob sie es wirklich ernst meinte.
Wieder passierte ein paar Augenblicke nichts, dann hob Alaryah den Kopf. Über die Flammen hinweg schaute sie Jaro nun direkt an. "Jaro, ich...". Eigentlich hatte sie seinem nun folgenden Blick ausweichen wollen, doch starrte sie Jaro weiterhin fest an. "Ich glaube, ich habe ihn wieder gesehen. Im Wald. Als ich Tinriel gesucht habe. Linor.".

Jaro Ballivòr
Natürlich... Wieder hatte Alaryah Recht. "Hm", machte er und starrte nachdenklich in die Flammen. Hatte es doch etwas mit dem Hügel zu tun, auf dem sie saßen? Oder waren sie möglicherweise nicht allein? In mitten dieser Gedanken setzte Alaryah an und augenblicklich schlug Jaros Herz fester. Es war die Art wie sie begann und ihn ansah, gepaart mit der merkwürdigen Stille an diesem Ort, die ihm Angst machte. "Linor?", wiederholte er ungläubig. "Der Musiker?" Alaryah machte nicht den Eindruck, als sei es ein freudiges Wiedersehen gewesen. "Mitten im Wald?" Jaro ertappte sich dabei, wie er seine Gedanken laut aussprach. "Aber was hatte er dort... war er einer der Angreifer?" platzte er schließlich hervor. Was, wenn Linor nicht zufällig bei diesem Fest gewesen war? Nein. Das war alles viel zu verrückt. Bestimmt war er nur auf Reisen gewesen; zur nächsten Stadt, zum nächsten Auftritt. Bestimmt. Hoffentlich. Doch ein Blick in Alaryahs Augen genügte, um diese Hoffnung in Luft aufzulösen.

Alaryah Schattenwind
Erst nickte Alaryah nur, dann verzog sie skeptisch den Mund. "Nicht ganz. Also...ich weiss es einfach nicht.". Sie wandte für ein paar Sekunden den Blick von Jaro ab. "Jemand rettete Tinriel und mich vor einem Angreifer. Ich kann nicht genau sagen, wer es war...aber da waren diese Worte...". Ihr Blick flog zurück zu Jaro. ""Flieg nur, Vögelchen, flieg.".", zitierte Alaryah und kauerte sich bei den Worten zusammen. "Linor hatte es bei dem Fest gesagt.", brummelte sie leise. "Was, wenn er es war? Was hatte er dort zu suchen?".

Jaro Ballivòr
Gebannt folgte Jaro Alaryahs Worten. "Das... das hast du ja gar nicht erzählt! Ich meine, kein Vorwurf... aber das ist ja furchtbar gruselig. Du hast das die ganze Zeit mit dir herum geschleppt?" Mit einem Stock stocherte Jaro im Boden vor sich herum. "Vielleicht hat jemand diese Worte belauscht... aber wer?" Andererseits, fügte er in Gedanken hinzu, hatte Linor Alaryah gemocht... möglicherweise war er ihr gefolgt, einfach, um sie wiederzusehen und ihr dann zur Rettung geeilt. Das erklärte aber nicht, wie ein Musiker in der Lage war, einen Angreifer zu besiegen, mit dem Alaryah alleine scheinbar nicht klar gekommen war. "Sein Gesicht hast du nicht gesehen?", fragte Jaro vorsichtig. Er war neugierig und er wollte Alaryah helfen. Auf der anderen Seite wollte er nicht zu tief bohren, da ihr dieses Thema offensichtlich und nachvollziehbar nicht geheuer war.

Alaryah Schattenwind
"Nicht wirklich.", musste Alaryah leise zugeben. "Ich habe nur diese Worte gehört und es traf mich wie ein Blitz. Das kann doch kein Zufall gewesen sein?". Ratlos schaute Alaryah nun Jaro zu, wie er weiter mit dem Stock im Boden stocherte und ihn dann in das Feuer hielt. "Es hat sich irgendwie nicht die Gelegenheit ergeben darüber zu sprechen.", versuchte sich Alaryah zu erklären. Ein schlechtes Gewissen kroch in ihr hoch, vielleicht hatte sie mit ihrem Schweigen ja sogar ihre Gefährten in Gefahr gebracht? Auch diesen Gedanken teilte sie nun schließlich mit Jaro. "Wenn ich eins nicht wollte, dann das.", sagte sie noch. Die Möglichkeit, dass Linor ebenfalls hinter ihnen her war, behagte Alaryah überhaupt nicht. "Jaro, noch etwas...Linor kam uns entgegen. Als wir mit der Familie unterwegs waren. Er hätte eigentlich aus der gleichen Richtung kommen sollen wie wir..."

Jaro Ballivòr
Jaro setzte ein aufmunterndes Lächeln auf. "Du machst dir zu viele Gedanken, Alaryah. Ich denke nicht, dass die Gefahr für uns größer war, als wenn wir es gewusst hätten... aber du sollst wissen, dass du immer mit uns reden kannst." Irgendwie fiel es Jaro leichter, in der Merhzahl zu sprechen, als von sich alleine. Trotz allem, was sie bereits gemeinsam erlebt hatten, hatte er seine Schüchternheit nicht komplett ablegen können. "Vor allem, wenn dich etwas bedrückt." Alaryah war noch immer tief in Gedanken versunken und was sie dann sagte, traf Jaro wie ein Schlag. Er hatte komplett vergessen, dass sie Linor schon zuvor getroffen hatten... geschweige denn, dass ihm aufgefallen wäre, woher der Alb gekommen war. "Das..." Er stockte. "Mir gefällt das nicht... Meinst du wir werden paranoid? Vielleicht gibt es eine einfach Erklärung. Was, wenn er direkt nach dem Fest aufgebrochen ist, um irgendetwas zu erledigen und dann schon wieder auf dem Rückweg war? Ich meine, wir wurden verhört, wir waren in dieser Festung..." Jaro klammerte sich an diesen Gedanken. "Er hätte genug Zeit gehabt, etwas zu besorgen und wieder zurück zu kehren... Oder?" Hilfesuchend sah er Alaryah an. "Oder... er hat uns gesucht... aber dann hätte er uns ja nicht einfach weiter fahren lassen. Das macht doch alles keinen Sinn!"

Alaryah Schattenwind
Jaros liebe Worte bauten Alaryah wieder etwas auf. Sie versprach sogar, das nächste Mal eher mit der Sprache herauszurücken. Dann atmete Alaryah tief durch. "Vielleicht übertreiben wir gerade einfach etwas...interpretieren zu viel hinein?". Ihre Worte sollten beruhigend wirken, doch irgendwie gelang es Alaryah nicht ihre sonst so selbstsichere Ader hineinfließen zu lassen. Gedanken prasselten nun wieder auf sie hernieder, ein Bild eines Linor entstand, der sich mit unnatürlicher Schnelligkeit fortbewegte. Sie schüttelte den Kopf. "Er hätte uns, Tinriel und mich, einfach töten können.", stellte sie dann fest. "Vorausgesetzt es war tatsächlich Linor.". Nun legt Alaryah einen kleinen Holzscheit nach. Langsam griffen die Flammen um das Stück Holz, es gab einen leisen Knall und mehrere Funken flogen in alle Richtungen davon. "Dieser verdammte Linor. Wie kann er erst so wunderbar und dann doch so...", Alaryah hörte ihre Worte erst, als es zu spät war. "Wie kann sich ein Alb nur so ändern? Vorausgesetzt er war es?", fügte sie hastig hinzu.

Jaro Ballivòr
"Aber er hat euch gerettet." Womöglich lag ihm tatsächlich mehr an Alaryah, aber das traute Jaro sich nicht sagen. Die merkwürdige Situation auf dem Fest war noch zu lebhaft in seiner Erinnerung. "Zumindest ist er mehr als bloß ein Musiker. Mein Gefühl sagt mir, dass er es war." Eigentlich war es Alaryah, die ihm dieses Gefühl gab. "Ich werde auch versuchen wachsam zu sein", versicherte er. "Ich bin zwar kein Waldläufer, aber meine Augen sind gut." Verlegen grinste er. "Lass uns hoffen, dass er auf unserer Seite ist, falls er uns folgt." Automatisch lauschte Jaro wieder in den Wald hinein, doch das fröhliche Knistern des Feuers war noch immer das einzige, das er hören konnte. Auch die Luft stand noch immer still. Immerhin konnten die Äste der Kiefern so keine gruseligen Schatten werfen. Auf einmal fühlte Jaro sich gar nicht mehr so selbstsicher, wie er eben gesprochen hatte. Ob er so einschlafen konnte? "Du? Heute hast du niemanden gesehen, oder?", fragte er vorsichtig, um diese Sorge zu besänftigen.

Alaryah Schattenwind
"Lass...lass uns vielleicht erst einmal nicht über ihn reden.", schlug Alaryah vor. Es war ihr sowieso schon unangenehm gewesen, dass sie einen Anflug von Gefühlen für den Musiker gehabt hatte. Und Jaro? Ja. Da war auch noch Jaro. Zum Glück stellte er ihr eine Frage, sodass Alaryah wieder etwas von ihren Gedanken weg kam.
"Nein, heute nicht, keine Sorge.". Alaryah zwang sich zu einem Lächeln. "Wenn wir gemeinsam wachsam sind, dann wird uns wohl nicht so schnell wieder etwas zustoßen.". Dieses Mal klangen Alaryahs Worte deutlich positiver. Jaro holte erneut Luft, doch Alaryah kam ihm zuvor. "Ja, ich werde das nächste mal eher mit euch reden.". Nun lächelte die kleine Albin endlich wieder. Die friedliche Ruhe wurde plötzlich von einem lauten Knacken zerrissen. Es kam von weiter weg, aus Richtung der Bäume im Norden. Dann wieder. Und wieder. Jemand näherte sich. Oder etwas? Es waren mehr als nur eine Person. Alaryahs Blick raste umher. "Mach das Feuer aus!", zischte sie Jaro zu und hechtete in Richtung ihrer Waffen.

Jaro Ballivòr
Erleichtert erwiderte Jaro das Lächeln, wenn es auch nur kurz wehrte. Sofort sprang Jaro auf die Füße. Das Feuer... "Womit?", rief er, doch er sah ein, dass er selbst eine Lösung finden musste. Alaryah hatte Wichtigeres zu tun. Jaro fürchtete die Hitze. Trotzdem nahm er den Stock, mit dem er herum gespielt hatte und schob die restlichen größeren Scheite zur Seite. Er warf sich auf die Knie und begann Erde in die Glut zu schaufeln. Es half. Ohne groß zu rauchen versiegten die letzten Flammen. Hoffentlich waren die Kiefern dicht genug, um das Glimmen der letzten Glutherde in der finsteren Nacht zu verstecken. Alaryah hatte in den Baumreihen Stellung bezogen und spähte in die Finsternis. Leise trat Jaro zu ihr. Kirona schlief noch immer tief und fest. Angestrengt kniff Jaro die Augen zusammen und spähte in die Richtung der Geräusche. Es dauerte eine ganze Weile, bis seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, nachdem er gerade noch in ein Feuer geblickt hatte. Dann aber konnte er dank seines Frostalbischen Erbes Konturen erkennen. Er sah Bäume und Sträucher... und Schemen, die sich bewegten. Es waren mehrere. Jaro erkannte mindestens fünf. Sie hielten Gegenstände, vermutlich Waffen und sie kamen direkt in ihre Richtung. Die Geräusche, die sie verursachten, schienen ihnen völlig egal zu sein.

Alaryah Schattenwind
Sie kauerten eine Weile in der Finsternis. Insgeheim hoffte Alaryah, dass die Gestalten weiterziehen mögen...doch sie hielten nur kurz inne um dann direkt auf die beiden Alben zuzugehen. "Wir müssen zu Kirona.", flüsterte Alaryah und robbte so leise sie konnte zurück. Jaro folgte, wenn auch etwas unbeholfen. Sie kamen bei Kirona an, weckten sie kaum hörbar und griffen nach ihren Habseligkeiten. "Alaryah...", sagte Kirona plötzlich und viel zu laut. "Leise!", zischte Alaryah wütend und warf einen Blick über die Schulter. Es war zu spät. Die Gestalten waren bereits da. Sie hatten scheinbar rasant aufgeholt oder wussten, wo sich die drei Reisenden befanden. Eine Person hatte die Hand auf Kironas Schulter gelegt. Kirona selbst stützte sich nur schwach mit einem Arm ab. Jaro wurde von zwei weiteren Gestalten in Schach gehalten. Sie alle trugen zerrissenen Roben mit hohen Kragen. Hier und da funkelte ein Helm im schwachen Licht des Mondes. Sämtliche Ausrüstung der Gestalten war heruntergekommen und verrostet. Dann plötzlich stellte sich eine weitere Gestalt vor Alaryah. Starr vor Schreck ließ die Albin ihren Rucksack zu Boden fallen. Die Person vor ihr zog die Kaputze zurück. Ein blasser Alb mit strähnigem Haar kam unter der Kaputze zum Vorschein. In seinen eingefallenen Augen lag nur tiefe Dunkelheit, die Haut selbst wirkte fast wie altes Pergament. Er stützte sich auf einen Speer, der eine schartige und gebrochene Spitze hatte. "Wasss sucht ihr hieer?", fragte er und beugte sich zu Alaryah hinab. Seine Stimme klang wie das Rascheln von verdorrtem Blättern im Wind. Alaryah öffnete den Mund, doch brachte sie keinen Ton heraus. "Wasssss sucht ihr hieeer auf dem Hügel der Ahnen?", fragte die Person erneut und kam bis auf einen Fingerbreit an Alaryah heran. Fast berührten sich ihre Nasen. Die kleine Albin schluckte. "Wir...wir wollten nur...rasten.". Die Gestalt fuhr zurück. Es schien, als würde sie lachen. "Hieer rasssten keine Lebenden.". Dann traf Alaryah die Erkenntnis wie ein Hammerschlag. "Seid...seid ihr es wirklich? Die Totenwache?". Sie bekam keine Antwort. "Ich...ich habe von euch gehört. Ihr bewacht die Gräber der Ahnen seit Äonen. Haben wir etwa...?". Alaryah warf hastige Blicke zu Kirona und Jaro. Sie hatten nicht einfach auf einem Hügel gerastet. Sie waren auf einem Friedhof! Sofort schleuderte Alaryah ihre Waffen beiseite und warf sich zu Boden. "Verzeiht unser Vordringen und unser unüberlegtes Handeln!". Sie hoffte, dass Kirona und Jaro ebenfalls reagieren würden. Zeit für Erklärungen würde es geben, solange sie hier heile aus der Situation rauskommen würden...
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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Re: Unter Bäumen - Nichts bleibt verborgen

#48

Beitrag von Alaryah Schattenwind » Di 11. Sep 2018, 21:45

Jaro Ballivòr
Toten-was? Jaro versuchte die Informationen, die auf ihn einprasselten zu verarbeiten. Das war gar nicht so leicht, wo sein Verstand sich eben noch auf ein Gefecht oder eine Flucht vorbereitet hatte. Erschwerend kam hinzu, dass er kaum den Blick von den Neuankömmlingen nehmen konnte. Hätte er es nicht besser gewusst, hätte er sie selbst für tot gehalten. In all diesem Durcheinander dauerte es einen Moment, bis er reagierte und so war Kirona Alaryah wesentlich schneller auf die Knie gefolgt als er. Angespannt hielt er den Kopf unten. Was hatte das zu bedeuten? Befanden sie sich auf einem Grab? Es mochte den akkuraten Aufbau erklären, den Kreis der Kiefern, die den Hügel wie ein Schutzwall umgaben...
"Wasss sucht ihr hier?", wiederholte der Anführer seine Frage. "Hieer rastet nieeemand. Hieeeer ruht man aaauuf ewig odeeer gar niiicht."
"Verzeiht. Wir möchten die Ahnen nicht belästigen."
Jaro bewunderte Alaryah für ihre Ruhe oder zumindest die Fähigkeit, ihre Stimme ruhig zu halten.
"Neeeein. Dassss wollt ihr nicht. Ich kann es spüreeen."
Erleichterung wärmte Jaros Innerstes.
"Abeeeer trotzzzdem bringt ihr Gefaaahr. Das Böse haftet an eeeuch. Steht auuuf!"
Zögerlich erhob sich Jaro. Die Gruppe der Totenwächter hatte sich kein Stück bewegt.
"Alsssso: eeein letztes Mal fragee ich eeeuch. Wasss sucht ihr hieeer?"
Gerne hätte Jaro Alaryah die Bürde abgenommen und berichtet, doch seine Intuition hielt ihn zurück. Was, wenn die eigentümlichen Alben nur mit anderen Waldalben sprechen wollten? Was, wenn er zu viel verriet oder im Gegenteil, etwas ausließ und direkt durchschaut wurde? Somit war es erneut an Alaryah das Sprechen zu übernehmen und kurz und sachlich schilderte sie ihre Mission - das Verschließen der Eingänge.
Ein Ruck ging durch die Gruppe der Totenwächter. Mechanisch wie ein Mann gingen sie in Kampfstellung, die Waffen erhoben.
"Dieeeser Orrrrt wird vom Bösssen selbst bewohnt! Die Toten fürrrchten ihn. Die Toten meeeeiden ihn. Und wo Tote niiiicht wandeeeln, habeeen auch die Lebendeeen nichts verlorrren."

Alaryah Schattenwind
Alaryah fürchtete sich. Nur mit dem Aufbringen all ihrer Willenskraft war es ihr möglich in der Situation einen relativ kühlen Kopf zu bewahren. Sie hob die Hände, wollte damit beruhigend wirken, zeigen, dass von ihr und ihren Gefährten keine Gefahr ausging. "Und genau deswegen müssen wir diesen Ort wieder verstecken, die Eingänge versiegeln! Niemand soll je wieder dort eindringen, noch aus den dunklen Kellern und Verliesen zu uns empor klettern.". Von den Wächtern kam keinerlei Reaktion zurück, hier und da wehte nur sanft der Stoff der Roben im sanften Wind. "Wir wollen selbst nicht wieder dort hinunter.". Ein Hauch von Verzweiflung schwang nun in der Stimme der Albin mit. Erneut näherte sich der Hauptmann der Wache der Albin. "Ihr wisssst nicht, was ihr geweckt habt, dort unten in der Finssssterniss. Welchesss Wissssen ihr freigesetzt haabt. Der Feeeind ist wohl bereitsss auf dem Weeeg. Er wird Tod und Verderben bringen.". Alaryah warf einen Blick über die Schulter zu ihren Gefährten. Auch in ihren Gesichtern fand sich nur Ratlosigkeit, ja, sogar Hilflosigkeit. "Wir wollen doch nur helfen!", platzte es aus der Albin heraus. "Wir wollen Nativus helfen. Wir sind auf der Suche nach den letzten Eingängen, niemand wird an dieses Wissen kommen, solange wir die Eingänge rechtzeitig finden!". Alaryahs Stimme überschlug sich fast. Sie dachte über einen Fluchtversuch nach. Womöglich konnten die Wächter sie nicht bis über die Grenzen des Grabhügels verfolgen? Sie verwarf den Gedanken wieder, es würde nichts bringen. "Wir können das Übel abwenden!", versuchte Alaryah erneut ihre guten Absichten zu erklären. Dann kramte sie in ihrer Tasche und holte die Steintafel hervor. "Seht, es ist keine Lüge! Ja, das Böse mag uns verfolgen und ist uns bereits mehrfach begegnet, doch konnten wir es wieder und wieder zurückdrängen! Helft uns, den nächsten Eingang zu finden oder teilt euer Wissen mit uns! Wir mögen keine Streitmacht haben, noch sind wir die besten Kämpfer des Waldreiches...wir sind nicht einmal von gleichem Blute oder Volk. Aber wir können es schaffen.". Alaryah verstummte, presste die Lippen aufeinander. Rasselnd holte der Hauptmann der Totenwache Luft...zumindest, wenn man es so nennen konnte...

Jaro Ballivòr
Alaryahs Worte drückten die Verzweiflung aus, die auch Jaro empfand. Es war eine merkwürdige Mischung aus Furcht, Resignation und trauriger Wut darüber, dass sie ständig auf neue Hindernisse stießen, wo sie doch nichts weiter wollten, als zu helfen. Gespannt hielt er den Atem an.
"Nativussss?" Die Augen des Hauptmannes fixierten die Steintafel. "Ihr sssprecht die Wahrheit", murmelte er mit einem Hauch Erstaunen.
"Ihr kennt Nativus?", wagte sich Kirona hervor und ohne aufzusehen antwortete der Wächter.
"Kannteee. Nativusss issst nicht mehr. Das Bössse hat ihn geholt. Er issst schlimmerrr als tot."
"Nein. Er exisitiert noch." Erschrocken stellte Jaro fest, dass er selbst die Worte gesprochen hatte. "D-deshalb müssen wir ihm helfen. Wir müssen die Eingänge zerstören."
"Uunnnd zwei habt ihr schon versssschlossssen."
"Woher...", setzte Kirona an, doch schien sich eines Besseren zu besinnen.
"Du!" Ein dürrer Finger zeigte auf Jaro. "Du bisssst ein Lichtalb. Wieeeeso siehst du den Eingang des Lichtssss dann nicht? Und du", er wies auf Kirona, "Feuer schlängelt ssssich durch deine Haut und doch bissst du blind dafürrr. Esss steht alles hieeeer." Er wies auf die Steintafel in Alaryahs Hand und verharrte einen Moment. Als er schließlich erneut die Stimme erhob, bebte sie vor Zorn.
"Als letztesss Lufffft. Den kennen wirrrr zu gut. Essss ist das Höchssste; das Wertvollssste und dasss Heiligste. Und es ist bessschmutzt!" Spucketropfen flogen aus seinem Mund und seine Augen funkelten trotz der Düsternis bedrohlich.

Alaryah Schattenwind
"Die...Hohe Wacht.", murmelte Alaryah und ihre Augen wurden größer und größer. Der Blick des Hauptmanns schoss zu Alaryah hinüber. "Ich habe geglaubt es sei nur eine Legende.", flüsterte die kleine Albin schon fast ehrfürchtig. "Und doch isssst es keine.", setzte der Hauptmann fort. "Der Feind hat die Hohe Wacht beschhhhhmutzt. Er hat sssssich dort eingenissstet, ist auf der Suuuuche. Dieees soll euer nächstes Ziel sein.". "Ein Ort, der eigentlich eine Legende ist? Wie sollen wir DEN finden?!". Alaryahs Blick zu Kirona war vernichtend, die Frau verstummte direkt wieder. Wie konnte sie nur? Die Wächter jedoch gingen nicht weiter auf Kironas Gefühlsausbruch ein. "Nehhmt dieeessss.". Es schien, als würde der fahle Alb in seinen eigenen Brustkorb greifen. Dann erschien eine Pusteblume in seiner Hand. Diese jedoch war wie aus Glas geformt, fein und äußerst detailliert. Ein schwach pulsierendes Leuchten ging von ihr aus. Mit zittriger Hand nahm Alaryah die gläserne Blume entgegen, zuckte zusammen, als ihre Finger die dürre Hand des Alben berührten. "Dieees wird euch den Weeeg weisen. Doch gebt acht! Isssst diese Blume einmal zerstört, so werdet ihr den Weg nicht finnnden.". Alaryah wagte kaum, sich die Pusteblume genauer anzusehen. Sie war kühl, jedoch nicht aus Eis. Langsam hob die kleine Waldläuferin den Kopf. "Danke.", murmelte sie nur. Sie spürte kein wirkliches Gewicht, versuchte ihre Hände ruhig zu halten. So behutsam wie nur eben möglich und äußerst langsam drehte sich Alaryah nun von dem Hauptmann weg, wandte sich ihren Gefährten zu. "Dann soll Luft unser nächstes Ziel sein.". "Woooohlan denn.", zischte der Hauptmann und zog wieder die Kaputze auf. "Geht nun.". Die drei Gefährten verbeugten sich in der Hoffnung, dass es der Situation angebracht war. "Ssssolltet ihr wiederkehren, ssssso solltet ihr erfolgreich gewesen sein.". Alaryah mochte sich gar nicht ausmalen was wohl passieren könnte, wenn sie die Blume fallenlassen und um eine neue bitten würde. Scheinbar hatten sie gerade eine Art Freilos bekommen. Langsam zogen sich die Wächter zurück, weiterhin den Gefährten zugewandt. Zuletzt verschwand der Hauptmann, schien dabei noch etwas zu flüstern. Kirona nickte nur. Sie hatte verstanden.

Jaro Ballivòr
Hoch und Luft, das brachte Jaro noch zusammen, ansonsten verstand er nicht viel mehr, als dass sie einen weiteren unauffindbaren Ort finden mussten. Immerhin schien Alaryah ihn zu kennen, zumindest dessen Namen. Alles andere ließ Jaros Gedanken wirr zirkulieren. Was hatte seine Herkunft mit dem Eingang in eine versunkene Festung mitten im Wald zu tun? Und Feuer auf Kironas Haut? Etwa die Tätowierungen? Vor lauter Rätseln rauchte Jaro der Kopf. Eins nach dem anderen, sagte er sich, gerade als der Hauptmann einen Gegenstand hervor holte. Gebannt betrachtete Jaro das zerbrechliche Kunstwerk. Glas. Lange hatte er kein Glas mehr gesehen. Behutsam nahm Alaryah die Blume entgegen. Immerhin hatten sie nun wieder ein Ziel und wenn Jaro ganz ehrlich war, war er froh, die Totenwächter wieder los zu sein. Ihre Gegenwart schauderte ihm und ständig beschlich ihn das Gefühl, sie könnten seine Gedanken lesen.
Sein Blick fuhr zu Kirona, doch bevor er die Frage stellen konnte, sah er in ihren Augen, dass sie ihm keine Antwort geben würde. Was auch immer der Hauptmann ihr vermittelt hatte, war für sie allein bestimmt. Für den Moment zumindest.

Gemeinsam mit Kirona verräumte Jaro ihre wenigen Habe und bückte sich nach Alaryahs Waffen. Er zögerte.
"Darf ich?"
Alaryah musste schmunzeln und das war Jaro Antwort genug. Er nahm ihre Dolche an sich und schnürte ihr Bündel an seines. Die Waldalbin trug an der Blume Last genug, wenn auch nicht in Form von Gewicht.
"Und nun?", fragte Kirona. "Wo lang?"
Alle starrten sie gespannt auf das gläserne Kunstwerk.

Alaryah Schattenwind
Bald hatten sie ihr Gepäck verstaut. Alaryah vertraute ihre Waffen und die sonstige Ausrüstung Jaro an, auch wenn sie sich irgendwie nicht komplett fühlte. Natürlich würde Jaro gut auf ihre Habe achtgeben, doch was, wenn sie einer Bedrohung gegenüberstehen würden? Doch für solcherlei Gedanken war gerade nicht der richtige Zeitpunkt!
Langsam drehte sich Alaryah auf der Stelle, beobachtete genau die Blume. Dann ging sie ein paar Schritte, blieb stehen, drehte sich erneut um. Das ganze ging noch ein paar Minuten so weiter, dann schienen die drei ein Muster zu erkennen. Je nach Marschrichtung schien das Licht in der Blume selbst etwas schneller zu pulsieren. "Ich denke, dass wir erst einmal in diese Richtung gehen müssen.". Sie machten sich auf den Weg. Immer dann, wenn das Licht schwächer wurde hielten die Gefährten inne und tasteten sich in eine andere Richtung weiter vor. "Was mag das nur für ein Gegenstand sein?", fragte Kirona schließlich. Alaryah dachte über diese Frage lange nach. Sie hatte schon von Wegesteinen gehört, einer Art Kompass, doch dass diese Steine in Form von gläsernen Blumen auftauchten, das war ihr neu. "Scheinbar ist es ein Artefakt aus längst vergangenen Tagen.", brummelte Alaryah und war selbst nicht mit dieser Erklärung zufrieden. "Wie mag wohl der Hauptmann an diesen Gegenstand gekommen sein?", fragte sie dann. "Ob er selbst einmal in der Festung gedient hat? Vielleicht ist es ein Schlüssel und er kann oder möchte ihn nicht mehr besitzen oder benutzen?". Gedanklich war Alaryah nun abgelenkt, was direkt bestraft wurde. Sie stolperte über eine Wurzel. "NEIN!", schrie sie erschrocken und raste dem Waldboden entgegen. Der Aufprall ließ die kleine Albin laut aufstöhnen und dann lag sie regungslos mehrere Sekunden einfach dort am Boden. Alaryah hatte die Augen fest zusammengekniffen, ihr Kiefer schmerzte schon fast vor lauter Druck. Langsam öffnete die Albin zuerst ihr linkes, dann das rechte Auge. Sie lag am Boden, kerzengerade ausgestreckt, die Arme weit vor sich haltend. Dort lag sie. Die Blume. Unversehrt auf ihren Handflächen. "Puuuuuuuuh....". Erleichtert ließ die Albin den Kopf sinken, sodass ihr Gesicht den Boden berührte. "Nichts passiert.". Zum Glück. Sie mussten schon jetzt wachsamer und vorsichtiger sein, so viel stand fest.

Jaro Ballivòr
Jaro hielt den Atem an. Dann, als feststand, dass sowohl Alaryah als auch die Blume den Sturz überstanden hatten, konnte er nicht umhin zu lachen. "Deine Haltung war super! Wie hast du es nur geschafft, die Blume zu sichern?" Auch Kironas Gesicht zierte ein Grinsen. Einen derart kerzengeraden Sturz hatte Jaro noch nie gesehen.
"Ein dunkler Wald voller Stolperfallen ist auch kein Ort für eine gläserne Blume", sagte er, als sie weiter gingen.
"Ich denke, es ist genau der richtige Ort." Kirona ging ein Stück neben ihm und untersuchte den Untergrund bei jedem Schritt. "Überlege doch. Wann sieht man Licht am besten? Und wann kann es einen am besten leiten?"
"Wenn es dunkel ist."
"Genau. Dunkelheit ist nichts anderes als das Fehlen von Licht. Ich habe schon zuvor darüber nachgedacht, ob die Gegensätze die Lösung sind. Erinnerst du dich an das Kartenstück?"
"Ja." Der Rand war wie bei allen anderen mit Symbolen verziert, doch nun, mit einem anderen Blickwinkel, fiel Jaro ein kleiner Unterschied auf. Er brauchte es nicht einmal herauszuholen: bei den übrigen waren die Symbole mit dunklen Linien auf hellem Grund gezogen. Bei der Karte zum Element des Lichts waren sie im Negativ gezeichnet. Sie bildeten sich durch helle Flächen auf dunklem Hintergrund.
"Heißt das, wir müssen den Eingang bei Dunkelheit finden?"
"Gut möglich." Alaryahs Blick wanderte zwischen dem pulsierenden Wegweise in ihrer Hand und dem dunklen Waldboden hin und her. "Genauso gut kann es aber das erste oder das letzte Licht des Tages sein. Oder das zur Mittagsstunde..."
"Ein Glück haben wir die Blume..." Er hielt inne. Erst meinte er, seine Augen täuschten ihn, doch es war eindeutig. "Sie wird heller", flüsterte er.

Alaryah Schattenwind
Ganz so witzig fand Alaryah die Situation nicht. Es hätte so einiges passieren können, was, wenn die Blume verloren gegangen wäre?! Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen.
Gemeinsam rätselten sie weiter, bis Jaro schließlich zuerst auffiel, dass die Blume heller wurde. Er sollte Recht behalten. "Wir sind auf dem richtigen Weg.".
Langsam aber sicher bahnte sich die kleine Reisegruppe ihren Weg durch den Wald und das Unterholz. Der nächste Tag brach an, dies war deutlich anhand der Morgendämmerung zu erkennen. Trotz des Zwielichts konnten sie gut sehen, da die Blume den Weg erhellte. "Das sieht doch gut aus!", freute sich Kirona, als die Blume erneut heller leuchtete.
Plötzlich blieb Alaryah stehen. "Wartet.", sagte sie trocken und wandte den Kopf ab. Sie hatte die Augen geschlossen und lauschte. Dort in der Ferne, da war doch etwas. "Wir müssen vorsichtig sein.", mahnte sie. Mit nun deutlich verlangsamten Schritten ging es weiter. Alaryah versuchte nun das immer stärker scheinende Licht mit den Händen etwas abzuschirmen, doch gelang dies erst mit Hilfe ihrer Gefährten und einer dicken Wolldecke. Sie wollten einfach keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Blume wies ihnen den Weg, es ging höher und höher, die Steigung nahm zu. Irgendwann wurde jeder Schritt schwerer und die Muskeln in den Beinen der drei Gefährten protestierten bald. Der Weg war mühsam und ständig mussten sie Hindernissen ausweichen. Und dann waren da auch noch diese Geräusche in der Ferne. Was hatte der Wächter noch gesagt? Der Feind habe sich eingenistet? Alaryah vermisste schon fast das Gewicht ihrer Waffen am Gürtel.
Dann endlich erreichten sie das Ende der Bergkuppe. Alte Mauern erhoben sich plötzlich im düsteren Licht der Morgensonne vor ihnen, doch war deutlich das Moos und das Efeu zu erkennen. Die Natur holte sich wieder, was ihr vor langer Zeit genommen worden war. Alte Wehranlagen waren schaurige schatten und ein einzelner Turm ragte hinter der nicht gerade hohen Mauer empor. Die drei hielten inne. "Was zum...". Alaryah erschrak. Eine Windböe schwappte wie eine Welle über sie hinweg, riss dabei die Samen der Pusteblume mit sich. Das gläserne Kunstwerk flackerte und dann erlosch das Licht. "Bitte nicht...", flüsterte Alaryah und ein leises klirren war zu hören, als die Pusteblume in den Händen der kleinen Albin zu einem Haufen Glassplitter zerfiel. Noch bevor einer der Gefährten etwas sagen konnte, hörten sie Stimmen. Jaro deutete auf die Spitze des Turms. Jemand hatte dort ein Feuer entzündet!

Jaro Ballivòr
Augenblicklich hielt Jaro den Atem an, ganz, als hätte das kollektive Luftholen nach dem langen Aufstieg den Windhauch bewirkt.
"Wir müssen am Ziel sein, oder? Bestimmt hätte die Blume uns sonst nicht verlassen. Noch dazu durch Wind..." Er hörte den eigenen Wunsch aus seinen geflüsterten Worten heraus. Sofort reichte er Alaryah ihre Waffen.
"Was nun?", sagte Kirona leise. "Es ist unmöglich zu sagen, wie viele da oben sind. Besser sie bemerken uns nicht."
"Seht doch!" Der Splitterhaufen zu Alaryahs Füßen versickerte langsam aber sicher im Boden und augenblicklich schossen neue Pusteblumen in die Höhe, dieses Mal nicht aus Glas. Wie sie ihre Höhe erreicht hatten, wurden sie von einer neuen Windböe erfasst, die ihre Samen davon trug. Die Gefährten blickten sich an und marschierten in blindem Einverständnis hinterher. Ein Stück weiter, näher an der Mauer, rieselten die Flugkörper zu Boden und verschwanden im Gras. Die Reste der gläsernen Blume glitzerten dazwischen.
"Sie landen nicht einfach irgendwie", stellte Alaryah fest. "Sie bilden ein Muster." Sie hatte Recht. Aus einem bestimmten Winkel betrachtet, reihten sie sich stromlinienförmig ein, wie ein Symbol für Wind. Sie wiesen auf die Mauer. Kirona, Alaryah und Jaro begannen, die Wand mit Augen und Händen abzusuchen, kratzten hier und da Moos ab, und klopften prüfend gegen den Stein.
"Sch!", machte Alaryah plötzlich. Jaro presste sich gegen die Mauer. Nun konnte er es auch hören. Schritte. Jemand patroullierte die andere Seite. Jaro wagte kaum zu atmen. Er machte sich so klein wie möglich und hoffte die Mauer möge ihn ausreichend verdecken. Die Schritte verstummten, direkt hinter ihm. Flehentlich schloss Jaro die Augen. Nach schier endlosem Bangen, setzte der Mann sich wieder in Bewegung, weg von Jaros Versteck. Er öffnete die Augen. "Das war knapp", sagte sein Blick.

Alaryah Schattenwind
Langsam löste sich die Anspannung auch aus Alaryahs Körper. Sie lockerte den Griff um den einen Langdolch, wäre sie doch bereit gewesen den bis dato unbekannten Feind anzugreifen wäre er Jaro zu nahe gekommen. Vorsichtig lugte die Albin nun über die Mauer. Ein Mann, gekleidet in einen Plattenrock, schlurfte von dannen. Er hatte einen Speer geschultert und sein Helm blitzte im Schein der Fackel, die er in der anderen Hand trug. Lange würde er die Fackel wohl nicht mehr tragen, war doch das erste Licht des Tages nicht mehr fern. Alaryah duckte sich wieder hinter der Mauer ab, lehnte sich nun mit dem Rücken dagegen. Kirona tastete bald schon weiter die Mauer ab, doch Alaryah schüttelte bald den Kopf. "Wir sind hier nicht richtig. Dies hier kann nicht der Eingang sein. Es ist nur eine Mauer."., stellte sie fest. "Ich befürchte fast, dass unser Ziel dort oben ist.". Sie nickte Knapp in Richtung Turmspitze. "Wenn dies der Eingang des Lichts oder des Windes ist, dann können wir von dort aus bestimmt unser Ziel sehen.". Alaryah ließ ihrn Gedanken freien Lauf, jedoch immer darauf bedacht die Stimme gesenkt und gedämpft zu halten. "Ich folge dem Wächter, wartet hier einen Moment.".
Wie ein Schatten huschte Alaryah schließlich die Mauer entlang, krabbelte eine Bresche empor und verschwand auf der anderen Seite. Bald schon hatte sie den Wächter, der gerade seine Runde beendete, eingeholt. Der Mann kam tatsächlich am Fuße des Turms an, schaute sich dann mehrmals um. Er klopfte an die mit Eisen beschlagene Tür, Alaryah versuchte sich das Muster zu merken, leider erfolglos. Ein leicht gebückt stehender Kerl mit Lederkappe und Streitkoblen am Gürtel öffnete, die beiden Männer sprachen miteinander und verschwanden schließlich beide im Inneren. Erst jetzt fiel der Albin das Wappen an der Tür auf, auf dem ein Symbol eingelassen zu sein schien. Alaryah wollte gerade näher rangehen, da bemerkte sie eine weitere Gruppe Personen von Rechts kommend. Es waren Männer und Frauen, alle unter Waffen. Sie trugen Holzscheite, verteilten sich um den Turm herum und entzündeten Feuerkörbe. Hier und da begannen die Leute ein karges Frühstück über den Feuern zuzubereiten, andere plauderten in einer schweren, rauen Sprache miteinander und wieder andere machten sich auf den Weg zu einem weiteren Rundgang die Mauer entlang. Langsam aber sicher kroch Alaryah wieder zurück in den Schatten, huschte dann zu ihren Gefährten.
"Es sieht wie folgt aus.", erklärte die Albin leise und zog mit einem kleinen Stock Kreise und Linien in den Boden. "Hier ist der Turm...hier sind Feuerkörbe...die Posten befinden sich hier, hier und hier. Wir müssen irgendwie dort hinein...". Nachdenklich drückte Alaryah den Stock auf die Stelle, die den Turm darstellen sollte.

Jaro Ballivòr
Es blieb Jaro nichts übrig, als sich ruhig zu verhalten. Dabei entging ihm nicht, dass Kirona ihre Ärmel nach oben schob und leise vor sich hin murmelnd ihre Tätowierungen untersuchte. Vor ein paar Wochen noch wäre Jaro misstrauisch geworden, doch nach all den Erlebnissen sagte ihm sein Gefühl, dass Kirona lediglich an einer Lösung ihrer Aufgabe arbeitete. Sobald sie es für richtig erachtete, würde sie ihn und Alaryah einweihen. Seltsam war das schon. Vermutlich hatte er nie eine weniger vertrauenswürdige Person als Kirona gekannt und doch war sie - nach Goldanil und Alaryah - die dritte Person außerhalb seiner Familie, der er vertraute. Und genau diese Art Zutrauen ließ ihn auch ruhig abwarten, bis Alaryah von ihrer Streife zurück war.
Der Turm... es wäre auch zu schön gewesen, wenn sie das Portal im Schutz der Mauer gefunden hätten. Seufzend blickte Jaro auf die Glassplitter im Gras, die in der heller werdenden Morgensonne nur noch mehr glitzerten. Sie wiesen ebenso sehr auf die Mauer wie auf den Turm.
"Wenn wir die Posten leise ausschalten können, könnten wir in den Turm gelangen bevor uns jemand bemerkt", sagte Kirona. "Wenn sie aber Alarm schlagen, war es das."
"Haben wir denn eine andere Wahl?" Jaro sah von Kirona zu Alaryah.
"Ich könnte sie täuschen. Ich bin kein Alb. Sie werden neugierig sein, wer ich bin. Und wenn sie... wenn sie zu ihm gehören... werden sie mich bestimmt einlassen."
Jaro war alles andere als begeistert von Kironas Vorschlag. Und ihrem Gesichtsausdruck zu Folge, fühlte sie sich selbst auch alles andere als wohl dabei.

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#49

Beitrag von Jaro Ballivòr » Di 25. Sep 2018, 09:51

Alaryah Schattenwind
Alaryah dachte über Kironas Worte nach. Vielleicht würde sie sich wirklich recht unbehelligt den Posten nähern können. "Aber was willst du ihnen sagen, Kirona?", fragte Alaryah die Frau, während sie weiterhin wie gebannt auf den "Lageplan" starrte. Erst nach einer kurzen Pause hob die Albin den Kopf und sah erst die Frau, dann Jaro an. "Was, wenn sie dich fragen wer du bist, wo du herkommst, so ganz plötzlich?". Weitere Ideen und Gedanken von Alaryah folgten. "Was, wenn sie geheime Zeichen oder Parolen haben?". Sie ließ den Stock, mit dem sie gezeichnet hatte, fallen. Hatten sie überhaupt eine andere Wahl? "Wir können sie nicht einfach alle nach und nach umbringen, dafür wird die Zeit nicht reichen. Es wird langsam hell, was die ganze Sache erschwert. Und wenn wir in den Turm gelangen und sie aussperren können...", wieder machte Alaryah eine kurze Pause, "...dann wissen wir immer noch nicht, wie viele vielleicht noch im Turm sind. Außerdem müssen wir dann ja auch irgendwie wieder aus dem Turm raus? Man wird uns wahrscheinlich nicht einfach so gehen lassen.". Bei den letzten Worten zwang sich Alaryah etwas zur Ruhe. Sie war aus Versehen beim Flüstern lauter geworden, doch es schien als sei es unbemerkt geblieben. Langsam drehte Alaryah den Kopf, schaute zu ihren Waffen. "So oder so.", murmelte sie, "Friedlich wird das bestimmt nicht von statten gehen.". Sie sah sich erneut um, ihr Blick wanderte ziellos umher. Jaro und Kirona sagten etwas, doch war Alaryah etwas abgelenkt. "Wir könnten einen Hinterhalt legen.", sagte die Albin nur ganz leise und kaum hörbar zu sich. Kirona und Jaro hatten den Vorschlag noch nicht wirklich wahrgenommen, doch möglicherweise hatte Alaryah tatsächlich einen Plan...zumindest...eine ganz grobe Idee.

Jaro Ballivòr
"Ich werde eben improvisieren." Kirona zuckte mit den Schultern, doch Jaro musste der Waldläuferin Recht geben. "Alaryah hat Recht. Es ist zu riskant und wenn du auffliegst, war's das. Nicht nur mit diesem Eingang... wer weiß, vielleicht verursachen wir einen erneuten Angriff auf das Waldreich. Wir wissen ja noch immer nicht, wer diese Leute sind und was sie eigentlich vorhaben." Ohne wirklich etwas zu fixieren, starrte er auf Alaryahs Skizze.
"Ich werde euch nicht verraten... wenn sie mich kriegen, tue ich so, als wäre ich alleine unterwegs."
"Und was, wenn sie über dich Bescheid wissen? Dann wissen sie vielleicht auch, wer dir geholfen hat." Es war aussichtslos. Wie sollten sie an all diesen Wächtern vorbei kommen? Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass sie ihr Ziel nicht wirklich kannten? Selbst wenn sie in den Turm hineinkämen, sie müssten zunächst suchen, was viel zu viel Zeit kosten würde. Anschließend, auch wenn sie fündig werden würden, mussten sie den Eingang versiegeln und hatten keinen blassen Schimmer wie. Und auch wenn das noch gelang: Eine Flucht, so viel war sicher, war unmöglich. Auch Kirona schien das langsam einzusehen.
"Aber wenn nicht so, wie dann? Sollen wir unverrichteter Dinge abziehen und vielleicht nachts wieder kommen? Oder in ein paar Tagen? Alaryah, was meinst du?... Alaryah?"
Jaro sah zu der Waldläuferin hinüber, die ihrem konzentrierten Gesichtsausdruck zufolge, das Gespräch wohl nicht mehr verfolgt hatte.
"Hey", Kirona wedelte mit einer Hand vor ihrem Gesicht herum. "Sag nicht, du hast schon des Rätsels Lösung und lässt Jaro und mich hier weiter im Dunkeln tappen."

Alaryah Schattenwind
Zuerst rührte sich Alaryah nicht, dann schoss ihr Blick plötzlich zu Kirona, deren Hand leicht zurückzuckte. "Wir könnten einen Hinterhalt legen.", sagte die Albin erneut und dieses Mal so, dass ihre Gefährten sie verstehen konnten. Bevor jemand nachfragen konnte erläuterte Alaryah ihre Gedanken. "Es muss doch möglich sein einen dieser Posten wegzulocken. Dann überwältigen wir ihn, trennen ihn von der Gruppe. Wir müssen dann wieder etwas zurück, damit er nicht Alarm schlagen kann...und dann können wir ihn befragen.". Ein Hauch von Kälte legte sich auf Alaryahs Gesicht und Stimme. Ohne weitere Information war es unmöglich und töricht zu planen. Das Risiko in eine Falle oder ausweglose Situation zu kommen war einfach zu hoch. "Sollte es uns gelingen und wir schaffen es einen von ihnen gefangen zu nehmen, dann müssen wir wachsam sein.", mahnte Alaryah zur Vorsicht. "Sollten sie auch irgendwelche Kräfte haben, dann können wir diese Person wahrscheinlich zu dritt gut in Schach halten. Aber wir dürfen nicht zögern, wenn es zum Äußersten kommt.". Kirona nickte. Alaryah brauchte Jaro nicht anzusehen um zu merken, dass ihm der Gedanke an das weitere Vorgehen nicht sonderlich gefiel. Sie versuchte ein beruhigendes Lächeln aufzusetzen und kam einen Schritt näher zu Jaro herüber. "Das wird schon werden.", sagte sie und hoffte, dass es wirklich so kommen würde. "Ihr habt auch keinen besseren Plan, oder?", fragte die Albin dann noch einmal und zurrte ihre Waffengurte zurecht. "Wer holt den Posten?", fragte sie schließlich und sah in die Runde.

Jaro Ballivòr
Seine Sorge stand ihm wohl ins Gesicht geschrieben. Er konnte nicht umhin sich auszumalen, sie fingen einen einfachen Soldaten, der sich plötzlich in ein Monster mit langen Krallen verwandelte. Und was, wenn er dann versagte und die beiden Frauen seinetwegen verletzt wurden? Nach Alaryahs beruhigenden Worten schluckte er die Zweifel hinunter und schüttelte den Kopf. Wenn Kirona nicht plötzlich auch fliegen konnte, wusste er nicht, wie sie sonst oben auf den Turm gelangen sollten.
"Nein, das ist ein guter Plan", stimmte auch Kirona zu.
Alaryahs Frage hing fast greifbar zwischen ihnen in der Luft. Jaro ertappte sich dabei, wie er zu Boden blickte. Mit Sicherheit hatte die Waldläuferin sowieso nicht im Sinn ihn zu schicken. Wie sollte er es schaffen, einen erwachsenen Kämpfer außer Gefecht zu setzen oder zu überzeugen ihm zu folgen, ohne, dass dieser ihn überwältigte oder Alarm schlug?
"Und welchen", fügte Kirona an. "Welchen kriegen wir unbemerkt da weg?"
"Den hier." Alaryah deutete auf ihre Skizze. "Die Mauer ist dort recht nieder und verwittert und von dort können wir schnell verschwinden. Also?"
Jaro sah von der Skizze hinauf zu dem realen Turm. Am Horizont stieg die Sonne auf und färbte die Welt golden ein. Die Taunässe auf dem Gras klitzerte. Plötzlich kam ihm eine Idee.
"Ich mach's", sagte er. "Ich locke den Posten hierher, dann könnt ihr beide ihn niedermachen, bevor er merkt, was mit ihm geschieht." Leise und gebeugt ging er auf die Reste der gläsernen Blume zu und hob einen Splitter auf. Er drehte ihn im jungen Licht und wie erwartet strahlte er in den verschiedenen Farben des Regenbogens und funkelte immer wieder hell auf während er sich bewegte. Effekte wie diesen machte man sich in Avinar häufig zunutze. "Damit werde ich ihn blenden, bis er hersieht und dann wird ihn das Funkeln vielleicht anlocken. Ich hoffe es klappt." Ein wenig unsicher zuckte er die Schultern, doch Alaryah und Kirona hat nichts dagegen einzuwenden. "Wenn er es nicht merkt oder nicht darauf hereinfällt, können wir uns immer noch etwas anderes überlegen", sagte die tätowierte Frau.
Jaro nahm seine Kette mit dem Dunkelstein ab und fühlte sich augenblicklich nackt und ungeschützt. Er verstaute den Stein sicher in seinem Bündel und band stattdessen das Glaselement an die Schnur. Er nickte Alaryah und Kirona zu, die bereits Stellung bezogen hatten und schob den Anhänger vorsichtig durch ein Loch in der Mauer. Die Sonnenstrahlen drängten sich am Turm vorbei und strahlten exakt auf diesen Teil der Mauer. Vorsichtig schwenkte und drehte Jaro den Glassplitter darin, bis er die richtige Position gefunden hatte und die gleißenden Reflektionen über das Gesicht des Wächters blitzten.

Alaryah Schattenwind
Zuerst war Alaryah tatsächlich etwa überrascht von Jaros plötzlichem Anflug von Tatendrang, hatte er doch vor wenigen Momenten noch alles andere als glücklich oder tapfer gewirkt. Nun schien es aber, als ließe Jaro keinerlei Einwände mehr zu und so nickte die Albin ihm mit hochgezogener Augenbraue anerkennend zu. "Dann soll es so sein.". Kirona zögerte kurz, doch auch sie fand ihre Entschlossenheit schnell wieder. "Wir werden uns erst einmal dort drüben verstecken.", erklärte Alaryah schließlich und deutete auf die Reste einer Säule, welche sich im festen Griff einer Efeuranke befand. Kirona schulterte ihren Stab und huschte davon, Jaro atmete noch einmal tief durch und wollte sich dann ebenfalls auf in die andere Richtung machen. Alaryah blieb noch, hielt Jaro am Unterarm fest. "Oh, was...". Die Albin zog Jaro noch einmal zurück. "Wenn etwas schief läuft, dann renn.", sagte sie mit fester Stimme. "Ich kann dich von der Säule aus wahrscheinlich nicht sehen. Falls du Hilfe brauchst...", sie flüsterte Jaro ein Wort in Albensprache zu, "Sag es einfach und wir werden kommen und dich holen.". Jaro wiederholte das Wort leise und Alaryah nickte. "Viel Glück, Jaro.". Dann ließ die Albin seinen Arm los und eilte Kirona hinterher.

Beim Versteck angekommen legte Alaryah ihren Köcher ab, steckte einen ihrer Pfeile in den weichen Boden und lehnte den Bogen an die Säule. Einen der Langdolche stellte sie daneben. Im Augenwinkel konnte sie erkennen, wie sich auch Kirona für den Zugriff bereit machte. Sie umklammerte den Stab so fest, dass die Fingerknöchel weiß hervortraten. Dann schloss Alaryah die Augen. Es dauerte eine Zeit, bis sie sich beruhigt hatte. Um sie herum wurde es ruhiger. Dunkler. Die Geräusche waren dumpf, manche kaum noch zu hören. Sie suchte. Da! Da war er. Alaryah erkannte Jaro anhand seiner Schritte und meinte sogar seinen Herzschlag wahrnehmen zu können. Er schien sich dem Ziel zu nähern. Es kostete Alaryah etwas Konzentration, doch gelang es ihr sich auf Jaro zu fokussieren. Sollte er das Wort sagen, so würde sie es hören. Sie waren bereit.

Jaro bekam von all dem nichts mit. Je näher er seinem Ziel kam, desto zittriger wurden seine Hände. "Jetzt reiß dich aber mal zusammen!", mahnte er sich und umklammerte seine "Waffe" fester. Er würde es schaffen. Jaro biss die Zähne zusammen und huschte umher, die Mauer von der Alaryah gesprochen hatte war nicht mehr weit. Tatsächlich sollte es nicht mehr lange dauern, da hörte Jaro auch schon die schlurfenden Schritte des Postens. Dann tauchte plötzlich ein Speer hinter der Mauer auf, dicht gefolgt von seinem Träger. Nur ein Satz nach vorn rettete Jaro gerade so davor entdeckt zu werden. Dumpf schlug er mit dem Rücken gegen die Mauer, kniff Augen und Mund zusammen. War es vorbei? Hatte man ihn jetzt schon entdeckt? Was, wenn er die Augen öffnete und direkt in das Gesicht des Mannes sah? Sollte er Alaryah und Kirona um Hilfe rufen? Langsam öffnete Jaro zittrig das eine Auge, dann das andere. Der Mann hatte etwas gehört, war stehen geblieben. "'s isn das gewesen?", brummte der Kerl und blieb scheinbar stehen. Das Schicksal meinte es gut mit Jaro, denn besser hätte der Posten nicht innehalten können. Jaro nahm all seinen Mut zusammen, jetzt war er am Zug!

"Ey!", zischte der Kerl und wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht herum als wolle er eine Fliege verscheuchen. "Was soll das?!", fragte er lauter als er bemerkte, dass es kein Tier war, was ihn da ärgerte. "Wer ist da?", fragte der Mann roh und hielt seinen Speer mit beiden Händen, bereit einem Angriff zu begegnen. "Glaubt ihr, ihr könnt euch verstecken und einfach eure Späße mit mir treiben? Pah!". Langsam schritt er voran. "Wenn ich euch zu packen kriege setzts was!". Jaro ließ erneut die Reflektionen frei. "Verdammt noch mal!". Getroffen. "Da seid ihr also!". Der Mann rückte seinen verbeulten Helm zurecht und stampfte nun grunzend in Richtung Jaros Position. "Euch kauf ich mir..."

Jaro Ballivòr
Zu spät wurde Jaro bewusst, dass er sich nun nicht mehr verstecken konnte. Von Alaryah und Kirona gab es keine Spur. War er nicht weit genug gegangen? Er presste sich so nah er konnte an die Wand, doch es war zwecklos. Der Mann würde ihn sofort sehen. Schnell rappelte Jaro sich auf und ging in die Hocke, damit er wenigstens losrennen konnte. Er entdeckte einen Steinbrocken und griff danach, gerade als der Speer um die Ecke kam.
"Was zum...?" Überraschung lähmte den Wächter einen Augenblick und Jaro und er starrten sich an. Schließlich breitete sich ein böses Grinsen auf dem Gesicht des Postens aus. "Was hast du hier zu suchen, du Wurm? Bist du ein Albino, oder was?"
Jaro packte den Stein so fest, dass seine Hand schmerzte. Anzugreifen wagte er nicht, aus Furcht in den Speer zu rennen oder den Kerl auf die Idee zu bringen, Alarm zu schlagen. Offenbar hielt er ihn für einen harmlosen Herumtreiber, der die Aufregung nicht wert war. Aber was sollte er stattdessen tun? Wie sollte er den Typ überwältigen? Und wo waren Alaryah und Kirona? Das Signalwort!... wie Schuppen fiel es ihm von den Augen und er setzte an zu rufen, als er im Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Der Posten merkte es ebenfalls und sah zur Seite, doch es war zu spät. Schon hatte Alaryah sich lautlos hinter ihn bewegt und rammte ihm den Griff eines der Dolche seitlich in den Hals. Stöhnend zuckte der Mann zusammen, sein Helm verrutschte, doch er verlor nicht das Bewusstsein, fuhr stattdessen herum und stieß mit dem Speer zu, dem Alaryah durch einen behänden Sprung auswich. Kirona stob von hinten heran und schlug ihren Stab in die ungeschützten Kniekehlen ihres Opfers. Er fiel auf alle Viere und schrie auf. Nein!, dachte Jaro. Sie werden uns hören! Ehe er sich versah, war er aufgesprungen und schleuderte den Mauerstein so fest er konnte auf den Kopf des Kerls. Er hatte gut gezielt... oder Glück. Der Brocken prallte gegen die durch den verrutschten Helm entblößte Schläfe und endlich sackte der Posten in sich zusammen.
"Schnell!", drängte Alaryah, während aus dem Innern schon Stimmen herausdrangen.
"Wibalt!", rief eine tiefe Stimme. Den Rest konnte Jaro nicht verstehen.
Alaryah und Kirona zerrten den bewusstlosen Wibalt von der Mauer fort und Jaro folgte ihnen gebeugt. Jeden Augenblick rechnete er damit, von einem Pfeil durchbohrt und zu Boden gestreckt zu werden.

Alaryah Schattenwind
Gerade noch rechtzeitig verschwand die kleine Gruppe mit ihrem unfreiwilligem Mitreisenden hinter einer Hecke. "Wibalt?! Verdammt noch mal, wo treibst du dich schon wieder rum?". Die Rufe kamen näher und ein weiterer Mann erschien an der Mauer, wo eben noch der nun bewusstlose gestanden hatte. Dieser Kerl trug eine dicke Lederkappe und einen Bogen. Er suchte die Gegend mit leicht verengten Augen ab. Alaryah presste sich so fest auf den Boden wie nur eben möglich, auch ihre Gefährten verbargen sich leise keuchend hinter dem Blattwerk. "Das darf doch alles nicht wahr sein.", flucht der Bogenschütze und spuckte gegen die Mauer. "Wibalt, ich habe...". Der Mann hielt nun plötzlich inne und lehnte sich zur Seite. Er schien etwas entdeckt zu haben. Alaryah riss die Augen auf. Hastig sah sie sich um. Hatte er sie entdeckt? Unmöglich. Der bewusstlose Körper lag regungslos da, Kirona war schräg dahinter. Jaro war aus dem Blickwinkel unmöglich für den Schützen zu sehen, da war sich Alaryah sicher. Sie tastete nach ihrem Bogen, konnte ihn aber nicht wirklich erreichen. Der Köcher war verrutscht. Sie fluchte innerlich. Der Bogenschütze kam mehrere Schritte in ihre Richtung, schwang sich dann recht geschickt über die Mauerreste. Er bückte sich, hatte scheinbar etwas gefunden. Alaryah rutschte das Herz in die Hose. Hatten sie etwa einen der Steine verloren?! Der Kerl erhob sich wieder, hatte den Speer von Wibalt in der Hand. "War wohl wieder nötig, was?", höhnte der Schütze und stellte den Speer an die Mauer. "Wenn das mit deiner Verdauung so weitergeht, dann solltest du wirklich einen Medicus aufsuchen!", rief der Mann und schüttelte den Kopf. "So ein Tölpel. Frisst ja auch nur ständig Mist in sich rein.", brummte er fast nicht hörbar, dann erhob er wieder die Stimme. "Wenn du wieder leer bist, dann sieh zu, dass du deinen Hintern in den Turm bewegst! Es gibt was zu tun!". Dann machte der Schütze kehrt und trottete wieder von dannen. "Puuuuuuuuh.". Alaryah ließ erleichtert den Kopf in den weichen Boden unter der Hecke fallen. "Los, wir müssen hier weg.", zischte Kirona und gemeinsam schafften sie es, den bewusstlosen Wächter in eine kleine Senke zu tragen. Dort legten sie ihm Fesseln an und warteten darauf, dass er wieder zu sich kam. "Das reicht jetzt.", fand Kirona schließlich und holte ihre Feldflasche hervor. "Ich wecke ihn jetzt.". Kurz bevor sie ihre Ankündigung in die Tat umsetzen konnte sprang Jaro auf. "Kirona! Nicht, warte!". Sie hielt inne, auch Alaryah sah zu dem Alben hinüber. "Knebel! Wir sollten ihm erst noch einen Knebel verpassen, damit er nicht direkt losschreit.". Einer von Alaryahs Mundwinkeln wanderte nach oben. "Sicher ist sicher.", bestätigte sie.
"MMMpppfppfpffmhhh." waren die ersten Laute, die Wibalt von sich gab als Kirona ihm etwas Wasser aus der Flasche ins Gesicht schüttete. Langsam kam der Mann zu sich, doch es dauerte, bis er wieder einen klaren Blick hatte. In weiser Voraussicht hatten die drei geprüft, ob Wibalt irgendwelche Tätowierungen trug oder versteckte Waffen bei sich hatte. Keins von beidem war der Fall...zum Glück. "Guten Morgen.", sagte Kirona gehässig und grinste. "Wir haben ein paar Fragen.", sprach Alaryah weiter. Dann fanden die Blicke des Kerls Jaro. "Bmmm fmmmm ppfh mpfff hhhppmmm!!!". Es war mehr als eindeutig, dass er ihn erkannte und ihm wahrscheinlich gerade wüste Beschimpfungen entgegenwarf. "Na, na, na.", sagte Kirona, stand auf rammte das eine Ende des Stabs in den Magen des Mannes. Die Verwünschungen erstarben und Wibalt krümmte sich zusammen. "Wer wird denn gleich so ungehobelt sein?". Kirona drückte fester zu, der Scherge schnaufte. "K...Kirona?". Alaryah sah die Frau an. "Kirona ich denke es reicht erst mal.". Kirona ließ sich nicht beirren. "Kirona!", sagte Alaryah, nun etwas lauter. Die Frau schaute zu ihren beiden Gefährten, dann wieder zu Wibalt. "Benimm dich.", zischte sie und riss dann ihren Stab zurück. Alaryah hatte ein ungutes Gefühl und beschloss Kirona im Auge zu behalten...
~ Die größte Offenbarung ist die Stille ~

Laotse

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Alaryah Schattenwind
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#50

Beitrag von Alaryah Schattenwind » So 7. Okt 2018, 19:27

Jaro Ballivòr
Hektisch sog Wibalt Luft durch die Nase ein und gab so etwas wie ein Keuchen von sich. Seine Augen traten hervor und sein Gesicht war knallrot. Allerdings war nicht er es, der im Augenblick die größte Aufmerksamkeit genoss. Alaryah und Jaro hatten ihren Blick gleichermaßen auf Kirona gerichtet, die den Stab ein, zwei Mal um ihr Handgelenk kreisen und dann neben sich auf den Boden schnellen ließ.
"Mmmmmh", machte Wibalt und dieses Mal klang es eher wie Gejammer als Geschimpfe. Kironas überharte Rüge hatte gesessen.
"Also", setzte Alaryah erneut an, "wir haben ein paar Fragen und die Qualität deiner Antworten entscheidet, wie wir weiter mit dir verfahren." Sie warf einen weiteren Seitenblick auf Kirona, die Wibalt ununterbrochen anstarrte und den Stab fest umklammert hielt.
"Mmmhhmmmhhmmm", machte der Wächter und deutete auf den Knebel.
"Alles zu seiner Zeit", Alaryah nickte Jaro zu und er näherte sich vorsichtig dem Mann, um ihm den Stoffballen aus dem Mund zu nehmen. "Wenn du schreist, stopfe ich ihn dir sofort wieder rein", sagte er und zuckte zusammen, als ein sausendes Geräusch die Luft zerschnitt.
"Keine Sorge. Er ist tot, bevor ein Ton seine Kehle verlässt." Wie aus dem Nichts war eine kurze Klinge an Wibalts Hals erschienen und Kirona sah nicht so aus, als scherzte sie. "Nur zu, Jaro." Zwar lächelte sie, doch Jaro war trotzdem mulmig zumute. Mit zittrigen Händen nestelte er an dem Knoten herum und schaffte es schließlich ihn zu lösen. Als erstes nahm Wibalt einen tiefen Luftzug und befeuchtete seine Mundhöhle.
"Das ist meiner", knurrte er dann.
"Jetzt nicht mehr", entgegnete Kirona. "Ein schöner Dolch. Arashi Schmiedekunst?"
"Kirona, die Fragen...", sagte Jaro vorsichtig.
"Eine Antwort habe ich schon: die Dreckskerle kommen aus Naridien."
"Wie viele seid ihr dort oben?" Alaryah nickte in Richtung Ruine.
Ein fieses Grinsen breitete sich auf Wibalts Gesicht aus.
"Mehr, als ihr jemals bezwingen könnt, Albenweib."
"Beantworte die Frage!", knurrte Kirona und Wibalt keuchte auf, als sie die Klinge fester auf seinen Hals drückte und einzelne Bluttropfen hervorquollen.
"Vierunzwanzig", beeilte er sich zu sagen.
"Warum seid ihr hier? In dieser Ruine?"
Kurz zuckten Wibalts Augen zu Kirona und er entschied scheinbar, dass es besser war, direkt zu antworten.
"Wir behüten ihn."
"Wen?"
"Den Eingang."
Jaro und Alaryah warfen sich vielsagende Blicke zu. Das war das schlimmste, was passieren hätte können. Wenn die Posten genau das bewachten, wohin sie zu gelangen suchten, würden sie niemals heimlich dorthin kommen.
"Was für einen Eingang?", hörte Jaro sich selbst fragen.
"Keine Ahnung... ein Geheimgang, ein Eingang, irgendwas. Es hieß "Bewacht es mit eurem Leben" und jetzt versauern wir seit Wochen hier und keine Menschenseele hat sich die Mühe gemacht diesen verschissenen Hügel hinauf zu laufen. Könntest du BITTE ein bisschen weniger fest drücken??"

Alaryah Schattenwind
"Wer schickt euch?", fragte Alaryah nun erstaunlich kühl. Es war fast so, als fürchte sie nun schon die Antwort des Schergens. "Was weiss ich denn?", blaffte Wibalt und versuchte von der Klinge wegzurutschen. Es wollte ihm jedoch nicht sonderlich gut gelingen. "Sag uns, was du über euren Auftraggeber weisst.", zischte Kirona, packte Wibalts Kopf und zog ihn nach hinten. Die Klinge bohrte sich sanft unter das Kinn des Mannes, der nun sichtlich eingeschüchtert die Augen aufriss. "Und ich hoffe für dich, dass es wertvolle und vor allem richtige Informationen sind.". Langsam bewegte Alaryah den Arm nach vorn. Sanft legte sie ihre Hand auf die von Kirona und vorsichtig, aber auch bestimmend, zog die Albin die Klingenhand unter Wibalts Kopf etwas weg. Er bemerkte es erst gar nicht. "Ich kann da nichts Genaues sagen.", murmelte der Mann und bewegte langsam den Kopf, weiterhin mit der Kälte der Klinge rechnend. "Vor etwa zwei Monaten kam so ein Kerl in unser Lager. Ich habe den selbst nur aus der Ferne gesehen, trug eine Robe mit Kaputze. Er hat auch mit niemandem wirklich geredet, nur mit unserem Hauptmann.". Die drei sahen sich abwechselnd an. "Und euer Hauptmann hat dann die Vereinbarung getroffen? Muss aber auf jeden Fall ein guter Preis gewesen sein, dass ihr etwas mit eurem Leben verteidigt von dem ihr nicht einmal wisst, was es genau ist.". "Klimperne Münzen lassen doch irgendwann jedes Herz erweichen.", antwortete Wibalt schon fast gleichgültig. "Scheinbar gab es ordentlich Asche, sonst wären wir hier längst schon wieder weg. Niemand hängt freiwillig in einem Wald voller Alben herum und sitzt auf einem Hügel voller Mysterien. Pah! So ein Unfug.". Alaryah biss die Zähne zusammen. Sie hatte eine Hand zur Faust geballt und bemerkte erst jetzt, dass diese zitterte. Sie war kurz davor gewesen zuzuschlagen. Diese Art, dieses Fehlen von Ehre und Loyalität, dieser ganze Haufen dort oben... Alaryah wandte einen Moment den Blick ab. Derweil fragte Kirona Wibalt weiter aus. Sie wollte Informationen über Bewaffnung und Verteilung der Posten, sowie deren Schichten und Wachwechsel. "Kommt euer Auftraggeber hier her?", fragte Jaro schließlich, doch Wibalt schüttelte nur den Kopf. "Nein, er selbst natürlich nicht. Diese Leute haben doch für alles ihre Untergebenen. Nein. Er nicht, er wollte jemanden schicken. Es hieß, derjenige würde sich uns schon zu erkennen geben.". Wibalt machte eine kurze Pause. "Ich hoffe für euch drei nur, dass dies nicht gleich passiert. Dann habt ihr auf jeden Fall äußerst schlechte Karten will ich meinen.". Ein dumpfer Schlag lenkte Alaryahs Aufmerksamkeit wieder auf das Geschehen. Kirona hatte dem Schergen erneut eine verpasst. "Spuckt nicht zu große Töne, seid ihr es doch, der hier in einer äußerst schlechten Lage ist.". Sie wandte sich dann Jaro und Alaryah zu. "Wir können auch noch einen anderen von ihnen befragen. Ich würde mich auch hierum kümmern.", meinte Kirona und deutete mit der Klinge auf Wibalt, der nun erschrocken den Kopf schüttelte. "Oder wir prüfen seine Aussagen. Falls er gelogen hat gehört er dir.". Alaryah war von sich selbst überrascht. Hatte sie gerade tatsächlich das Leben von jemandem in die Hände einer Person gegeben, die ursprünglich zu einer Waffe hätte ausgebildet werden sollen?!

Jaro Ballivòr
Grimmig nickte Kirona und auf einen Wink von Alaryah, brachte Jaro den Knebel wieder an. Er war froh, dass Wibalt sich dabei nicht weiter wehrte, was wohl daran liegen musste, dass sich noch immer eine scharfe Klinge an seinem Hals befand.
"Rühr dich nicht von der Stelle." Kirona grinste und nahm den Dolch zurück.
Geduckt schlichen die Gefährten den Weg zurück, den sie gekommen waren. "Wir sollten nicht allzu viel Zeit verlieren, oder?", flüsterte Jaro. "Werden sie nicht irgendwann doch nach ihm suchen?"
Alaryah Blick flog zu ihm hinüber. "Ja, warum eigentlich nicht? Vielleicht kriegen wir so einige von ihnen da weg!"
"Lasst uns erst mal sehen, ob er uns die Wahrheit sagt." Kirona klang bei diesem Gedanken beinahe enttäuscht.
Aufmerksam und vorsichtig näherten sie sich der Mauer. Alaryah ging durch, was sie selbst schon beobachtet hatte und Kirona zeigte auf einige Stellen und Fenster im Turm, die Wibalt als Posten benannt hatte. "Es stimmt alles", seufzte sie. "Sogar die Waffen..."
Alaryah sah zur Sonne hinauf. "Dann müsste es bald einen Wachwechsel geben. Ein guter Zeitpunkt, um sie auf die Idee zu bringen, ihren Kameraden zu suchen. Los."
Sie fanden Wibalt in sich zusammen gesunken. Er hatte wohl versucht, die Fesseln zu lockern, die sich dadurch aber nur in seine Haut geschnitten hatten.
"So du Wurm," begann Kirona plötzlich, "das nennst du mit dem Leben bewachen? Ich hatte es befürchtet, deshalb wollte ich mir selbst ein Bild machen..."
Wibalt hob den Kopf, einen fragenden Ausdruck im Gesicht.
"Ja ganz recht. Er schickt mich." Fast beiläufig legte Kirona ihre Arme frei. "Und jetzt sprich", dabei zog sie den Dolch und nickte Jaro zu, der den Knebel entfernte. "Ist er sicher?"
"Ich glaube dir nicht. Du bist mit Alben unterwegs."
"Die? Ich habe sie mir gefügig gemacht. Also? Meine Geduld ist bald am Ende."
"Wenn du zu uns gehörst, warum marschierst du dann nicht einfach oben ein?" Ein letzter Widerstand flammte in Wibalts Augen auf.
"Weil ich sehen wollte, ob ihr meine Befehle angemessen ausführt und ich bin mehr, als enttäuscht..." Die Spitze der Klinge bohrte sich in Wibalts Kehlkopf, der panisch auf das Metall schielte.
"Er ist sicher... niemand hat das obere Turmzimmer betreten, wie befohlen."
"Danke." Kirona grinste breit und sah zufrieden von Alaryah zu Jaro. Er musste zugeben, die Idee war gut gewesen, doch gefiel ihm der Ausdruck in Kironas Augen überhaupt nicht.

Alaryah Schattenwind
Alaryah atmete tief durch. Tatsächlich war Kironas List geglückt. Zufrieden nickte sie Kirona zu. "Dann brauchen wir dich ja nun nicht mehr.", stellte Kirona plötzlich nüchtern fest und legte, weiterhin breit grinsend, den Kopf schräg. Erneut versuchte Wibalt Abstand zwischen sich und die Frau zu bringen, doch hatte sie ihn natürlich mit einem kurzen Schritt direkt wieder eingeholt. "Lächerlich.", höhnte die Frau und ließ die Klinge in ihrer Hand kreisen. "Alaryah, sie wird doch nicht...", flüsterte Jaro und tastete nach der Albin, die allerdings zu weit weg von ihm stand. Seine Hand griff ins Leere. Alaryah verfolgte die Szenerie mit großen Augen. "Kirona, nicht!", sagte sie etwas lauter, zwang sich jedoch ruhig zu bleiben. Doch die Frau war weiterhin in ihrem Element. "Ein nichtsnutziger Haufen seid ihr! Der größte Nichtsnutz bist du, lässt dich einfach so überrumpeln. Er hatte Recht, ihr seid einfach nur Figuren in unserem Spiel, Schafe, die man jederzeit zur Schlachtbank führen kann, Soldaten, die man in der Schlacht verheizen kann.". Unerbittlich kam Kirona näher und näher, Jaro und Alaryah schienen wie angewurzelt. "Nein...", stammelte Wibalt wieder und wieder. "Nein, bitte...so hört doch...bitte.". Kirona machte sich nun einen Spaß daraus Wibalt scheinbar die Flucht zu ermöglichen, nur um ihm dann wieder zuvor zu kommen. Alaryah fasste als erstes einen klaren Gedanken. "Halt!", sagte sie nun lauter und ging auf Kirona zu. Diese hockte bereits neben dem Schergen und hatte zum tödlichen Streich ausgeholt. Gerade noch so fing Alaryah Kironas Arm ab und hielt ihn mit größter Anstrengung fest. Alaryah biss sich vor Anstrengung auf die Lippe. Kirona schien wahnsinnige Kraft in diesen Hieb legen zu wollen. "Was soll das?", presste die Frau zwischen den gefletschten Zähnen hindurch und schaute nun Alaryah direkt in die Augen. Ein böses Funkeln war in Kironas Augen zu sehen. Mordlust. Wut. "Kirona, bitte. Komm zu dir, das bist doch nicht du.", Alaryahs Stimme war gedämpft und sie hoffte, dass sonst niemand ihre Worte hörte, vor allem nicht Wibalt. "Kirona, wir müssen los wenn wir den Wachwechsel ausnutzen wollen. Wir können nicht noch einen halben Tag verschwenden.". Langsam schien Kirona zu Vernunft zu kommen. Sie kniff die Augen zusammen und schüttelte dann den Kopf. Der Druck in ihrem Arm wurde weniger und ließ dann, zu Alaryahs Erleichterung, komplett nach. Langsam erhob sich Kirona. "Gehen wir.". Ohne weitere Worte zu verlieren und ohne auf eine Reaktion ihrer Gefährten zu warten machte sich Kirona auf den Weg in Richtung der Befestigung. Alaryah folgte ein paar Schritte, blieb dann jedoch stehen. "Wir müssen...also...". Sie schaute Kirona nach und dann wieder zurück zu Jaro, der auch aus seiner Starre erwacht war. Die Albin schaute hin und her, Kirona war schon fast aus ihrem Sichtfeld verschwunden. Innerlich fluchte Alaryah. Was sollte sie nur tun? Es blieb ihr scheinbar nicht viel übrig. Hastig schritt sie zu Jaro hinüber, griff mit der rechten Hand seinen Nacken und zog ihn zu sich. Als sich die Köpfe der beiden nebeneinander befanden sagte Alaryah leise:"Du wirst das richtige tun. Und wir werden uns finden.". Dann zog sie ihren Köcher zurecht und eilte in die Richtung, in die Kirona verschwunden war.

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