Facebook Twitter




Aktuelle Zeit: Mi 18. Okt 2017, 14:49



Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 64 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4, 5 ... 7  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Mi 6. Sep 2017, 21:43 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridier (Almane)
Beiträge: 35
Der Hexenmeister

Naridien, Jahr 202 nach der Asche.
Ruinenstadt Trux, Katakomben unter der Nachtburg. Sezierkeller.


Kasimir wiederholte sein Anliegen, diesmal dringlicher. »Mein Herr, es gibt Neuigkeiten von der Chaosfront.«

Amand sah noch immer nicht von dem verbliebenen Teil der Leiche auf, an dem er gerade arbeitete. Bereits heute Morgen hatte er nicht das Bedürfnis verspürt, sich damit auseinanderzusetzen, sich stattdessen in den Keller zurückgezogen und jeden Gedanken seiner einsamen Arbeit gewidmet. Die förmliche Anrede, die sein Leibdiener gewählt hatte, und der leise Ton bezeugten, dass Kasimir sich seiner momentanen Lästigkeit durchaus bewusst war. Es mussten wichtige Neuigkeiten sein, wenn er sich wider besseren Wissens erdreistete, den Hexenmeister ein zweites Mal am selben Tage darauf anzusprechen und ihn gar bei seiner Arbeit zu stören, obwohl er die Tür zum Sezierkelller hinter sich geschlossen und so zum Ausdruck gebracht hatte, dass er heute weder Handreichungen noch Gegenwart Kasimirs wünschte. Es war einer der Tage, an denen blanker Hass auf die Welt wie ein Nebel in seinem Verstand hingen und er nur die Gesellschaft schweigender und regloser Körper ertrug. Amands Kiefermuskeln spannten und entspannten sich wieder auf Kasimirs Worte hin. Das Skalpell fuhr mit chirurgischer Präzision durch das weiße Bindegewebe, welches Musculus sartorius auf quadriceps femoris hielt. Keine Muskelfaser wurde beschädigt, die Stränge sauber voneinander getrennt.

»Schließe die Tür und setz dich. Meine Person erlaubt dir, Bericht zu erstatten.«

Er sparte sich den Hinweis, sich kurzzufassen. Kasimir wusste darum. Die behandschuhten Finger des alten Hexenmeisters zogen den Muskelstrang endgültig von seiner Unterlage ab und legten ihn zu den anderen in die stählerne Wanne. Sie war bis zum Rand gefüllt. Das Fleisch würde er mumifizieren, da er keine Verwendung dafür hatte, es aber weder vergeuden noch an die streunenden Ghule verfüttern wollte, damit diese sich nicht allzu wohl in der Gegend der Nachtburg fühlten. Das Skelett, für das er sich interessierte, war nach mehreren Stunden Arbeit fast vollständig freigelegt, die Knochen lagen in achtprozentiger Kalilauge, damit sich die letzten anhaftenden Fleischflocken zersetzten. Den kompliziert zu bearbeitenden Rumpf hatte der Hexenmeister als erstes entbeint. Im Gegensatz dazu, wie man ihn gelehrt hatte, bevorzugte er es, sich von innen nach außen zu arbeiten. So war die Konzentration bei den schwierigen Stellen am höchsten. Die einfach zu bearbeitenden Gliedmaßen entbeinte er zum Schluss, um seine Arbeit entspannt ausklingen zu lassen.

»Die letzte Schlacht hat begonnen. Die Zeichen stehen auf Sieg für die Söhne des Chaos«, begann Kasimir.

Seine Stimme war angenehm und an guten Tagen konnte Amand ihr lange zuhören, während sein Leibdiener ihn über die Geschehnisse der Welt in Kenntnis setzte und er dabei arbeitete. Sie war sanft und unaufdringlich, Kasimirs Sprache wohlgewählt. Manchmal war es kaum zu glauben, dass er keiner Adelsfamilie entstammte, sondern dem Bürgertum, so höflich und gebildet wie er sich gab und so korrekt, wie er sich zu jedem Zeitpunkt verhielt. Hätte Amand noch Kontakt zu anderen seines Standes, so würden diese ihn sicher um einen solchen Leibdiener beneiden.

»Die Zwerge waren hartnäckig, doch ihre Reserven sind, wie es aussieht, nun endgültig erschöpft. Die Belagerung dauert schon zu lange. General Barlok Eisenhand hat eine letzte Unterredung mit Tarrik Tarkan ausgeschlagen und damit das Schicksal seines Volkes besiegelt. Der Tarrik hat das Blutrecht ausgerufen, Festung Dunkelbruch ist zur Plünderung freigegeben und es ist nur noch eine Frage von Stunden, bis der letzte Widerstand der Zwerge überwunden ist. General Eisenhand hat Boten in alle Richtungen entsandt, doch ich bezweifle, dass sie noch einmal rechtzeitig Hilfe holen können.«

»Der General ist ein fähiger Mann. Womöglich geht es ihm gar nicht darum, Hilfe anzufordern, sondern um die Absicherung des Rückzugs der Überlebenden nach dem Fall.«

»Damit mögen Sie Recht haben, mein Herr. Aber in beiden Fällen würde sich die Südfront noch näher in unsere Richtung verschieben. Das ist es, was mir Sorgen bereitet.«

Unbeeindruckt von der Nachricht legte Amand das Skalpell in die Schale mit der warmen Reinigungsflüssigkeit und griff sich eines mit längerer und dickerer Klinge.
»Meine Person mutmaßt gar, dass uns die Front überholen wird. Trux und die Nachtburg werden bald inmitten von Rakshanistan liegen und nicht länger Teil von Naridien mehr sein.«

Kasimir ließ eine Pause, in der er das Gesagte verarbeitete. »Wenn es meiner Wenigkeit gestattet ist, zu fragen: Was wird dann aus uns, mein Herr?«

Amand durchtrennte in Ruhe eine Sehne, wozu er mehrmals mit geringem Druck in die selbe Stelle schnitt. »Nun, du könntest dich in eine Fledermaus verwandeln, Kasimir und als solche den Schauplatz des Krieges verlassen, dir einen neuen Wirkungskreis suchen. Du bist ein gebildeter und fähiger Mann, es dürfte dir ein Leichtes sein, eine neue Anstellung zu finden, ganz ungeachtet der Vorurteile, denen Du und Deinesgleichen ausgesetzt seid.«

Kasimirs weißes Gesicht, das man fälschlicher Weise für das eines jungen Mannes halten konnte, bekam rote Wangen, doch nicht ob des Lobes, sondern aus Zorn. Seine edel geschwungenen Brauen zogen sich zusammen. »Amand, Sie wissen, dass ich das nicht tun werde. Mein Platz ist an Ihrer Seite und hier bleibe ich, darum wäre ich, sofern es Ihnen nichts ausmacht, Ihren treusten Diener zu diesem Sachverhalt in Kenntnis zu setzen, dankbar zu erfahren, was Sie zu tun gedenken. Gedenken Sie zu warten, bis die Rakshaner Trux plündern und die Nachtburg schleifen? Gut. Dann warte auch ich. Warte an Ihrer Seite, bis der Sturm über uns hinweggefahren ist und dann sehen wir, was übrig bleibt.«

Fast hätte Amand ein verächtliches Geräusch von sich gegeben. Doch er verzog nur die Mundwinkel zu einem spöttischen Lächeln. Kasimir meinte seine vor Edelmut triefenden Worte vermutlich tatsächlich Ernst, doch wenn es hart auf hart kam, würde er ihn am Ende doch allein lassen, um die eigene Haut zu retten. Der Hexenmeister hatte schon vor Jahrzehnten alle entsprechenden Illusionen abgelegt. Er war zu alt, um noch an Treueschwüre zu glauben. Eine Lektion, die zu lernen schmerzhaft gewesen war. Die Erfahrung würde einmalig bleiben, er beging den selben Fehler kein zweites Mal. Kasimir würde früher oder später von selbst merken, dass auch seine Treue endlich war.

»Das Blut hat meine Person für dich abgefüllt und zum Trocknen vorbereitet«, sagte Amand scheinbar zusammenhanglos, doch es gab einen Zusammenhang. »Das Granulat kannst du zu einem späteren Zeitpunkt in Wasser auflösen. Zur besseren Haltbarmachung hat meine Person eine Neudosierung von Natriumchlorid ausprobiert. Berichte doch zu gegebener Zeit einem Gelehrten, wie es dir bekommen ist, das dürfte der Nahrungsversorgung deiner Art entgegenkommen und manch Problem lösen, wenn es denn funktioniert. Der Vorrat müsste inzwischen einige Monate reichen, wenn du sparsam damit umgehst. Die Vorratskammer ist, wie du weißt, ohne das Wissen um ihren Platz kaum zu finden. Verborgen in der Gestalt einer Fledermaus kannst du auch eine längerfristige Heimsuchung durch die Chaostruppen gut überdauern und dir regelmäßig Blut anmischen, ohne dich in Gefahr zu begeben und bist nicht mehr auf meine Zuarbeit angewiesen.«

»Amand, Sie wollen doch nicht ... Sie können nicht zulassen, dass Ihnen etwas geschieht!«

»Mein Leben ist längst vorbei, Kasmir. Das weißt du. Ich bin nicht lebendiger als die Toten, mit denen ich mich umgebe. Wenn mir etwas zustößt, dann mag es verspätetes Schicksal sein. Dass ich überhaupt noch lebe, ist nichts als einem Fehler Dunwins zu verdanken, es hätte nicht sein sollen. Es war aber so, also lebe ich. Doch ohne Freude. Ich bin alt und müde, Kasimir. Die nahenden Krieger schrecken mich so wenig wie die Aussicht, im Schlaf ein Herzversagen zu erleiden, das mich jeden Tag treffen könnte.«

»Sie haben viele Verwandte im Süden! Dort könnten Sie um Unterschlupf ersuchen, wenn das Chaos kommt.«

»Man merkt, dass du ein sehr einfaches und behütetes Leben hattest. Du bist fast schon entzückend naiv. Habe ich dir nicht oft genug von meiner Familie erzählt? Meine Verwandten sind von allen meine erbittertsten Feinde. Ein Überfall der Rakshaner wäre weniger tödlich, als auf eine Familienfeier derer von Hohenfelde zu gehen und zu offenbaren, dass man den letzten Anschlag überlebt hat.«

Kasimirs schönes Gesicht erhellte sich und seine Augen blitzten, so als ob er einen Einfall hatte, der den Hexenmeister doch noch umzustimmen vermochte.
»Dann ist es also müßig, Ihnen davon zu berichten, dass Ihr Neffe Davard nach all den Jahren doch noch heiraten wird? Das liegt also ebenfalls außerhalb Ihres Interesses?« Kasimir lächelte aufmunternd, so als ob er hoffte, dass diese Information den Einspanzer zu durchbrechen vermochte. Doch wenn er eine emotional geartete Reaktion erhofft hatte, die Amand dazu brachte, die Versöhnung mit seiner Familie zu suchen und mit ihm vor den näherrückenden Truppen zu fliehen, wurde er enttäuscht.

Der Hexenmeister legte in aller Seelenruhe die letzten Muskelstränge in die Wanne und den befreiten Oberschenkelknochen zu den anderen in die Kalilauge. Damit war er fertig für heute. Er zog die Handschuhe aus und warf sie in die Wanne mit den Abfällen, die verbrannt werden sollten, wozu vor allem die Organe und die Verbrauchsmaterialien gehörten. Er breitete beide Arme aus und wartete. Kasimir eilte ihm auf dieses Zeichen hin zu Hilfe und half dem alten Mann, die Schutzkleidung aus gefettetem Leder abzulegen. Amand zeigte mit dieser Geste, dass seine schlechte Laune von heute Morgen durch die Arbeit abgeklungen war und er wieder normale Interaktion wünschte. Auch seine Sprechweise war fortan wieder etwas weniger förmlich.

Während Kasimir seine Kleidung in einem Korb zusammenlegte, um sie später zu reinigen, wusch Amand sich mit intensiv parfümiertem Wasser und einem alchemistischen Desinfektionsmittel eigenhändig von Kopf bis Fuß, was für einen Mann seines Standes ungewöhnlich war, nicht jedoch für ihn. Kasimir räumte während der Zeit auf und reinigte den Arbeitsplatz. Er hatte wie immer nur wenig Arbeit, denn der Hexenmeister ließ sein Material vor Arbeitsbeginn gründlich ausbluten und sorgte auch während der Sezierung und Präparation für größtmögliche Hygiene. Binnen Kurzem war der Sezierkeller somit bereit für das nächste Präparat.
Nackt bis auf ein paar Schlappen, die er jedoch an der Tür zurückließ, verließ Amand hernach seinen Arbeitsraum. Hinter ihm ging Kasimir mit erhobener Öllampe. Der Hexenmeister wollte nichts von dem, was sich hier unten abspielte, mit hinausnehmen und so ging er gewaschen und unbekleidet, von künstlichen Düften umweht, damit ihm auch der Geruch nicht folgte. Der Sezierkeller war ein Ort der körperlichen und geistigen Reinigung, sowohl für sein Präparat als auch für ihn und aller Schmutz blieb darin zurück. Als er durch den Kellergang hinaufstieg, fühlte er sich besser.

Lang und schwarz glitt sein Schatten vor ihm über das Kopfsteinpflaster. Das einsame Leuchten der Lampe war das einzige Licht in den stockfinsteren Eingeweiden der nächtlichen Burg und ihre Schritte das einzige Geräusch. Was anderen Angst eingeflößt hätte, flößte dem Hexenmeister ein Gefühl tiefer Ruhe ein. Normalerweise hätte er nun nicht gesprochen, doch in Anbetracht der Information wandte er sich doch noch einmal an seinen Leibdiener.

»Davard heiratet also. Berichte mir davon, Kasimir. Wie hast du es in Erfahrung gebracht?«

»Unserer Beobachter in Shohiro hat es berichtet. Es befindet sich ein entsprechender Aushang beim Rathaus. Die Einladung richtet sich in der Regel an die gesamte Familie. Entsprechend auch an Sie, mein Herr.«

»Nun, mit meinem Erscheinen dürfte niemand rechnen oder sich gar darauf freuen, vor allem nicht, wenn ich im lebendigen Zustand angeliefert werde und nicht als Kadaver. Ich meinerseits hatte nicht damit gerechnet, dass mein jüngster Neffe überhaupt noch heiraten wird. Er ist mittlerweile über Vierzig. Wer ist die Glückliche?«

»Eine Frau Varmikan Eisseher.«

Amand hielt abrupt inne. »Eine Bürgerliche? Dabei sollte man doch meinen, dass Dunwin seine Söhne vernünftig erzogen hat!« Er wollte verärgert mit dem Spazierstock klopfen, doch der befand sich bei seiner Kleidung, auf die sie gerade zuhielten.

Bevor sie die Treppe hinaufgingen und in das Atrium traten, bogen sie ab. Amand zog seine Kleider an, die er vor dem Beginn der Arbeit hier abgelegt hatte, weit weg vom Schmutz der Katakomben, nah am Weg hinauf ins Freie, so dass sie nach Nachtluft dufteten und nicht nach Keller rochen. Jede Bewegung schmerzte und er musste sich auf dem Stuhl niederlassen, um Unterhose, Kniestrümpfe, Bundhose und Schnallenschuhe anziehen zu können. Es dauerte. Sein Leibdiener stand dabei und hielt die Lampe. Ihm war es verboten, seinem Herrn Hilfe anzubieten, ehe der alte Hexenmeister nicht selbst danach verlangte.

»Dieser Umstand ändert natürlich vieles, Kasimir«, setzte Amand ihre Unterhaltung fort. »Eine Bürgerliche!« Er zog sein Hemd an, das Wams darüber und schüttelte verächtlich das vollständig kahlrasierte Haupt, während er sein Halstuch band. »Nun, da mein geschätzter Bruder nun nicht mehr unter uns weilt, werde ich mir selbst vor Ort ein Bild der Lage machen. Dunwins Jüngster scheint ja seit der Abwesenheit seines Vaters völlig neben sich zu stehen, dass er das Familienvermögen und Erbe an eine standeslose Sippe verschleudert. Und sein Ältester scheint nicht in der Lage zu sein, für Ordnung zu sorgen und Davard wieder auf den rechten Weg zu bringen. Ansgar ist somit womöglich ungeeignet für seinen Posten. Ich gedenke in Erfahrung zu bringen, was sich noch alles in der Familie geändert hat seit dem Ableben meines werten Bruders.«

»Sie meinen, um nachzusehen, ob die Zeichen günstig stehen für eine Rückkehr aus dem Exil?«

»Um nachzusehen und meinen rechtmäßigen Platz als Familienoberhaupt in Anspruch zu nehmen, wenn sich die Gelegenheit in Anbetracht der fragwürdigen Führung als günstig erweisen sollte.«

Amand stützte sich auf seinen Spazierstock und stand sehr langsam auf. Er schloss die Augen, damit seine Schmerzen nicht den Weg auf sein Gesicht fanden, bis er sich zur vollen Größe aufgerichtet hatte.

»Ich werde nicht alleine bei dieser Hochzeit erscheinen. Du wirst mich begleiten, Kasimir und zuvor besuchen wir jemanden, der mich ebenfalls begleiten wird. Ohne Verstärkung zu einer Familienfeier zu erscheinen war noch nie eine gute Idee.«

Er stieg durch die verwilderte Schönheit der Nachtburg, kam an zahlreichen geschlossenen Türen vorbei, hinter denen keine Stimmen zu hören waren, kein geschäftiges Treiben, kein Klappern von Geschirr, nur Stille. Im nächtlichen Burghof rief kein Kauz, schrien keine kämpfenden Katzen, bellte kein Wachhund. Nur der Wind pfiff über die Mauern und schwarzes Geäst raschelte.

Da er seine Dienerschaft so klein wie möglich hielt, hatten sie zu viel Platz in der geräumigen Anlage. Die Nachtburg wirkte zu jeder Zeit still und einsam, da sie nur sehr wenige der vielen Räume regelmäßig benutzten. Als die vorherigen Burgherren auf der Flucht vor dem näherrückenden Chaos verlassen hatten, war das meiste Inventar hier verblieben, das nun dem Hexenmeister gehörte. Die Ölporträts an den Wänden hatte Amand jedoch abnehmen lassen. Die nackten Wände gefielen ihm besser und in manchen Räumen gab es schön anzusehende Tapete. Auf einer war eine Adelsfamilie abgebildet, die gemeinsam im Garten saß und Tee trank, während die Kinder spielten. Dort trank auch Amand gern Tee, allein. Auf den kunstvoll geschnitzten Möbeln lag der Staub, der Garten war verwildert und jedes Kinderlachen längst verstummt. Er war der Einzige hier, der lebte. Kasimir war so tot wie seine übrigen Diener. Zumindest traf das zu, wenn man das Leben nach medizinischer Lehre definierte. Amands Ansicht nach hingegen war Kasimir das einzige lebende Wesen, das die Nachtburg durchstreifte und er selbst ein wandelnder Toter.

»Ich werde die Harpyien auftauen lassen. Wir nehmen den Wyvern.«

Zwei Tage später war der Hexenmeister Amand von Trux reisefertig. Er nahm Abschied von seiner liebsten Kreation Viola. Er ließ sie in ihrem schönsten Kleid vor sich stehen, mit ihren übertrieben weiblichen Proportionen und dem reglosen Puppengesicht und zog den Hut vor ihrer unnatürlichen Schönheit. Seine penibel manikürten Finger strichen über ihre knochenweiße harte Wange. Ganz bewusst hatte er sie so unnatürlich und übertrieben perfekt gestaltet, um sie von jener abzugrenzen, die er verloren hatte und die einst ebenso den Namen einer Blume getragen hatte. Er nahm ihre Hand in die seine, spürte die Feinmechanik, wie sich jedes Fingerglied nach seinem magischen Willen bewegte. Nur zu sprechen vermochte sie nicht.

»Leb wohl, meine Liebste«, sagte er sanft und ließ sie seine Umarmung erwidern und zärtlich über seinen Rücken streicheln. Ihr harter Leib, geformt aus dem Knochenschmelz dutzender Toter, drückte sich gegen seinen. Sie war zu wertvoll, um sie mitzunehmen. Er drückte ihr einen Kuss auf die weißen Lippen und ließ sie sich auf einen Stuhl setzen und erstarren, bis dass er zurückkehren und sie erneut erwecken würde. Er verschloss die Tür und auch jene davor und die, die zuletzt kam.

Entgegen dem, was man vielleicht vom Gefährt eines Nekromanten erwarten mochte, war dieses nicht schwarz, sondern blendend weiß. Das war bei genauer Überlegung nicht verwunderlich, denn Amand war ein Meister der Knochenmanipulation. Während andere seiner Zunft sich mit Heerscharen von Zombies umgaben, bevorzugte Amand die geruchsneutrale, glatte Form, die man mit einer ausreichenden Menge an Substantia corticalis und Geduld herstellen konnte - so wie diesen ebenmäßigen Himmelsgleiter in Drachenform mit seinen mehrere Meter breiten Schwingen und gegliedertem Schweif, der von untoten Harpyien gezogen wurde. Aus der Ferne mochte es aussehen, als ob dies ein echter weißer Drache sei, denn die Schwingen konnten zur Steuerung mittels Hebel bewegt werden.

Amand und Kasimir stiegen ein und legten die ledernen Gurte an. Das Gepäck hatte Kasimir bereits verstaut. Über ihnen schloss sich die Luke. Amand legte die magischen Fäden um die Harpyien und wie Marionetten erwachten sie zum Leben, warfen sich in ihre Zuggeschirre und zerrten den Gleiter über die Straße, die als Startrampe diente. Nach einiger Zeit begann der Wind unter die mit Leichenhaut bespannten Schwingen zu greifen und der Wyvern erhob sich in die Lüfte, zeitgleich ließ Amand die Harpyien steigen. Selbstredend waren sie alle weiß gefiedert. Sie stiegen höher und es wurde eisig, doch sie waren warm gekleidet, da sie oft auf diese Weise reisten. So erreichten sie recht bald Daijian.

Schlitternd landete zuerst der Wyvern auf seinen Gleitkufen. Funken stoben, als Amand den Bremshebel zurückzog. Da er der Nekromant war, musste er den Gleiter selbst steuern und konnte die Reise nicht Kasimir überlassen, wie das bei einer Kutsche möglich gewesen wäre. Als die Geschwindigkeit ausreichend heruntergebremst war, landeten auch die Harpyienzombies auf ihren Füßen, rannten noch ein Stück und hielten dann. Das Gefährt kam zum Stillstand. Die Kufen qualmten und es stank nach verbranntem Knochen. Sie stiegen aus, Kasimir entlud das Gepäck.

Der Wyvern hatte vor dem Anwesen des einzigen noch lebenden Verwandten gehalten, den Amand momentan für nützlich hielt und nebenbei die einzige Person, von der er glaubte, dass sie sich - möglicher Weise - über sein Erscheinen freuen könnte. Wolfram von Wigberg, der Sohn seines Cousins.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Fr 8. Sep 2017, 10:35 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridischer Almane
Beiträge: 21
Wolfram


Wolfram hatte es sich vor seinem Haus im weitläufigen Garten gemütlich gemacht. Viele Pflanzen, Büsche und Blumen hatte er gepflanzt, die für bestimmte seltene Insektenarten eine Nahrungsquelle darstellten. Wolfram liebte nicht nur Pflanzen, sondern auch Falter und deren zerbrechliche Schönheit.

Diese Tiere erinnerten ihn daran, wie zerbrechlich das Leben sein konnte, aber auch wie hart etwas scheinbar Zerbrechliches im Überlebenskampf war. Besonders mochte Wolfram die Mondmotten oder auch Phosphor-Falter genannt. Es waren wunderschöne weiß-grünlich-schimmernde Nachtfalter, die meist so gegen Mitternacht auf Nahrungssuche gingen.

Die kleinen Schönheiten trugen ihren Beinamen nicht umsonst, sie waren phosphoreszierend, so dass sich Licht dass auf sie viel in ihren winzigen Flügelschuppen speicherte. Für ein Lebewesen dass keine Verteidigungsmöglichkeit hatte, war es keine gute Idee von Mutter Natur, dass es wie eine Kerze in der Dunkelheit leuchtete.

Aber es ging wie so oft nicht nur um das erste Offensichtliche und Augenscheinliche, sondern es ging um mehr. Es ging nicht um den einzelnen Falter, sondern um den Erhalt der Art. Glühwürmchen leuchteten aus dem gleichen Grund, sie suchten einen Partner.

Der Magier saß bei einer guten Tasse Tee und in eine Decke eingehüllt vor seinem Haus und genoss die Nachtmusik der Natur. Er liebte sein Haus in Daijan, weit ab von jeder Zivilisation, jedem Nachbarn und den Verwandten.

Er führte hier im Vergleich zu seiner Familie ein bescheidenes Leben, aber eines dass ihn sehr glücklich machte. Es gab keine Mauern die ihn erdrückten. Er lebte in einem kleinen, gemütlichen Haus und sein Garten war seine größte Leidenschaft.

Zur Seite standen ihm sein Dienstmädchen Margot, welches sich um seinen Haushalt kümmerte und Benaunois sein Dienstbursche, der den Rest rund ums Haus erledigte. Wolfram selbst hatte keinerlei Geschick was das Führen eines Haushalts anging. Zu seinen beiden Bediensteten pflege er ein umgängliches Verhältnis.

Aber wer den Kampfmagier kannte, der hätte auch nichts anderes vermutet. Wolfram war von Natur aus eine sehr umgängliche und besonnene Person. Und gerade das machte ihm zu einem Außenseiter in seiner Familie.

Wolfram war es gleich, er hatte sein Leben zu leben und die Verwandten das ihre. Er legte weder Wert auf Macht noch auf Prestige. Wolfram lagen andere Dinge am Herzen, dazu zählte auch ein guter wie auch freundlicher Umgang mit seinen Bediensteten.

Die Nächten wurden bereits kühler und der Herbst stand vor der Tür. Bevor das Wetter umschlug und es zu nass und regnerisch wurde, musste er noch seine Kürbisse ernten.

Das waren Wolframs Gedanken, während er schön eingemummelt vor sich hin döste. Das irritierte Schnauben von Fuchs, seiner uralten Stute, holte ihn sofort zurück in die Realität. Wolfram war zwar eine friedliche Natur, aber er war kein Idiot. Seine Hand schloss sich alarmiert um das Helft seines Schwertes.

Er sollte sich wieder einen Hund zulegen überlegte Wolfram. Aber nachdem die alte Maggie ihren letzten Atem ausgehaucht hatte, war er lange Zeit nicht dafür bereit gewesen, einem neuen Hund einen Platz an seiner Seite zu schenken. Es musste ein passendes Tier sein. Kein junger Hüpfer, sondern einer der Unliebsamen, jenes Tier für das sich sonst niemand interessierte.

Meist wählte er Wesen die schon alt waren. Ein altes Geschöpf zu entsorgen kam für ihn nicht in Betracht, da es sich meist mehr um seine Mitmenschen verdient gemacht hatte, als die Menschen selbst.

Nun im Moment waren solche Gedanken ehr müßig und hinderlich. Da er in der Nacht den Feind nicht ohne weiteres ausmachen konnte und zudem die Lichtquelle im Rücken hatte, griff Wolfram auf seine Gabe zu. Er tastete die Umgebung nach Farben, kurzum nach Lebenszeichen ab. Die Farben von seiner Bediensteten und Fuchs erkannte er sofort und ignorierte sie.

Einen Moment später nahm er andere, fremde und doch vertraute Farben wahr und zwar von oben. Wolfram stutzte irritiert und kniff seine dunklen Augen zusammen in der vagen Hoffnung doch etwas erkennen zu können. Und der Magier erkannte auch etwas.

Ein knochenweißes Gefährt kam per Luftweg auf sein Haus zu, gezogen von weißen Harpyien. Als Wolfram bewusst wurde, dass er mit offenem Mund gen Himmel starrte schloss er ihn bewusst und räusperte sich leise. Das Gefährt setzte zur Landung an, landete und kam Funkenstiebend zum Stehen.

Zwei Männer stiegen aus.
Ein Untoter laut Wolframs mentaler Abtastung.
Und ein Toter, vielmehr ein Totgesagter – Brandur von Hohenfelde.

Wolfram steckte sein Schwert weg und ging ihnen gemessenen Schrittes entgegen. Vor einen beiden Gästen blieb Wolfram stehen und empfing sie mit einem freundlichen Lächeln.

„Bemerkenswertes Gefährt und ein ebensolcher Auftritt Brandur. Du siehst aus als wärst Du frisch dem Abgrund entsprungen. Was die alte Weissagung bestätigt, Totgesagte leben länger. Willkommen in meinem bescheidenen Heim“, sagte Wolfram und drückte Brandur kurz zur Begrüßung. Kasimir nickte er knapp und freundlich zu.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Di 12. Sep 2017, 11:04 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridier (Almane)
Beiträge: 35
Brandur spürte während des Fluges, wie jemand seine Farben abtastete. Er erkannte Wolframs warme Anwesenheit, doch es war fraglich, ob man Brandur anhand seiner Farben noch erkannte, wenn man nicht genau wusste, um wen es sich bei ihm handelte. Er nahm es nicht an, dass es Wolfram bekannt war. Die Ereignisse, die Brandurs Leben einst zerrissen hatten, waren an seiner Seele nicht spurlos vorübergegangen. Seine Farben waren nun anders, wenn man da überhaupt noch von Farben sprechen konnte bei diesem Schleier aus Tristesse und Dunkelheit. Diesem Umstand war es vermutlich zu verdanken, warum kein Mitglied seiner mörderischen Familie ihn bislang in seinem Exil hatte aufspüren können.

Brandur war sicher, dass Dunwin mehr als einmal im Nexus nach ihm gesucht hatte um sich zu vergewissern, dass er auf wirklich tot war. Und das war er. Der Mordanschlag war gelungen. In der Nacht des Blutes war Brandur Amand von Hohenfelde zusammen mit seinen Kindern, seiner Frau und seiner Geliebten gestorben, auch wenn sein Körper den Sturz von den Zinnen und den reißenden Fluss als einziger überlebt hatte. Den kläglichen Rest, den sein Vater während seiner Kindheit und Jugend nicht geschafft hatte zu zerstören, hatte Dunwin in dieser Nacht vernichtet.

Ausdruckslos betrachtete Brandur das Anwesen seines Großneffen zweiten Grades, während Kasimir das Gepäck auslud und den Wyvern parkfertig machte. Es sah so anders aus als das Anwesen, in dem er seine Kindheit verbracht hatte, nicht dunkel und wehrhaft, sondern licht gebaut und voller Leben. Der Garten zeigte selbst in der Nacht seine herbstliche Pracht, Leuchtmotten flirrten herum und im Mondlicht leuchteten große Kürbisse, überall wippten geschlossene Blüten herbstlicher Blumen im kühlen Nachtwind.

Und da kam auch schon Wolfram auf ihn zu, um ihn zu begrüßen, trotz der späten Stunde. Er kam gemessen Schrittes, so das Brandur Zeit hatte, ihn zu betrachten und die Informationen zu verarbeiten, während Kasimir die Koffer abstellte und sich schräg hinter seinem Herrn positionierte. Auch an Wolfram waren die Jahre nicht spurlos vorübergegangen, doch in einem ganz anderen Sinne als bei ihm selbst. Während Brandur von der Last einer schier unerträglichen Existenz gezeichnet war wie verwitterter Stein, wirkte Wolfram wie der herbstliche Garten, in dem sie sich begegneten, auf eine reife Weise erblüht, als würde alle verstreichende Zeit ihn nur noch glücklicher und schöner machen wie reifende Früchte oder guter Wein, er strahlte rundum reine Ausgeglichenheit und Zufriedenheit mit sich und der Welt aus. Brandur war nicht imstande, etwas anderes als Neid und Verbitterung bei diesem warmen, vor Leben erstrahlenden Anblick zu empfinden.

Der Abstand zwischen ihnen schwand dahin und Wolfram drückte ihn. Es war nur eine kurze Berührung, doch Brandur spürte sie fast schon unangenehm intensiv. Es war die erste Berührung eines lebendigen Menschen seit vierzehn Jahren. Wolfram fühlte sich warm an, regelrecht heiß, er roch nach Leben, Birkensamen hatten sich in seinem Haar verfangen und eine Leuchtmotte krabbelte über seinen Ärmel und flatterte hinauf zu den Sternen. Einen Moment lang wurde Brandur schwindlig dabei und Kasimir griff ihm rasch unter den Arm. Als Wolfram die Umarmung wieder gelöst hatte, betrachtete der Hexenmeister das von der Sonne braungebrannte Gesicht und die vor Freude oder Aufregung gut durchbluteten Wangen. Ein Schatten legte sich über sein eigenes altes und kreideweißes Gesicht, unwirsch schüttelte er Kasimirs Hand ab.

»Die Freude ist ganz meinerseits«, erwiderte er steif. »Es verwundert meine Person jedoch, dass du nach all den verstrichenen Jahren und dem, was geschehen ist, erkannt hast, wer heute vor dir steht, wo doch nicht einmal der eigene Bruder meiner Person imstande war, den scheinbar Verstorbenen zu orten. Zumindest nahm meine Person dies bislang an. Ist es gestattet zu fragen, seit wann du davon Kenntnis hast, dass meine Person noch auf Tasmeron weilt und wem dies alles ebenfalls bekannt ist?«
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Di 12. Sep 2017, 12:29 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridischer Almane
Beiträge: 21
Wolfram beobachtete wie Brandur alles um sie herum musterte, geradezu wie ein Schwamm mit den Augen aufzusaugen schien. Der Kampfmagier konnte es ihm nicht verübeln. Sein Zuhause unterschied sich so stark von dem seiner restlichen Familie, dass es regelrecht ein familiärer Kulturschock sein musste, vor seinem Haus und in seinem Garten zu stehen.

Wer aus einer Welt der Nekromantie, des Todes und der Gebeine entstammte, schmückte selten sein Haus mit fröhlichen Farben, bunten Blumen und dem Grün des Lebens an sich.

Wolfram hatte allerdings nie die Schwärze seiner Familie angenommen, weder in der Gestaltung seiner Umgebung, noch in der Seele geschweige denn in seinem Verhalten. Er war aus der Art geschlagen, wie einige Verwandten seine Art freundlich umschrieben. Die meisten anderen hielten ihn schlichtweg für verrückt und wahnsinnig.

Dem Kampfmagier war es gleich. Er hatte sich zum Großteil von seiner Familie, deren Zwängen und Banden losgesagt und lebte seit Jahrzehnten das Leben, dass er sich wünschte.

Seine Verwandten bevorzugten die Erde der Gruft, er bevorzugte die frische Erde eines blühenden, lebenden Gartens. Aus diesem Grund verstand Wolfram auch die Sorge seines Gastes.

Ein von Hohenfelde hatte nur Erde an den Händen, sobald er jemanden in einem Grab ein- oder ausgegraben hatte. Bei ihm hier sah die Sache völlig anders aus.

Wolfram gönnte Brandur den Moment um sich zu sammeln. Er fühlte sich vermutlich völlig fremd hier und fehl am Platz. Dabei wusste er gar nicht, wie richtig er hier eigentlich war.

Die steife und zurückhaltende Art von seinem Gast schreckte den Kampfmagier nicht ab. All seine Gäste, ob Fell oder Federn, Haut oder Haar hatten beim ersten Eintreffen so reagiert. Und niemand kannte den Hintergrund von Brandur so gut wie Wolfram, außer vielleicht ein anderer von Hohenfelde selbst.

"Eines sei Dir vorneweg versichert Brandur - Du bist hier willkommen und Du bist hier sicher. Dazu sei es Dir gerne gestattet meine Gedanken zu lesen, so denn Du dies möchtest.

Zu Deiner Frage, seit wann mir bekannt ist, dass Du noch lebst. Seit dem Du angekommen bist. Deine Farben kamen mir entfernt vertraut vor. Dazu Deine Gestalt - nun ich habe eins und eins zusammengezählt. Außer mir weiß niemand davon, dass Du noch unter den Lebenden weilst Brandur.

Und von mir erfährt es auch niemand, solltest Du dies nicht wünschen.

Welcher Deiner Brüder sollte nach Dir gesucht haben? Nun wenn ich es richtig in Erinnerung habe schrieben wir das Jahr 188 als Dunwin Dich samt Deiner Familie aus dem Leben riss. Verzeih mir das Aufwühlen dieser Erinnerung.

Du bist vor Deinem Bruder Kunwolf gefallen. Kunwolf hätte Dich suchen können Brandur, er war ein fähiger Magier. Aber kurz nachdem Du gegangen warst, fiel Kunwolf samt seiner Familie. Dunwin tötete sie alle kurze Zeit später.

Somit trat Alastair die Lehnsherrschaft an Dunwin ab.
Dunwin hatte damit keinen Grund mehr nach Dir suchen zu lassen, er hatte sein Ziel erreicht.

Die Vorgaben seines Vaters nach zwei Stammhaltern war erfüllt, der Tradition einziger männlicher Nachkomme zu sein wurde Genüge getan, er bekam wonach er trachtete, er wurde Familienoberhaupt der Hohenfelde.

Nun er hätte später in einer ruhigen Stunde nach Dir suchen lassen können Brandur, aber dazu kam es nicht mehr. Denn entgegen seiner eigenen Vita die mit Blut seiner Verwandten geschrieben war, wandten sich seine Söhne davon ab. Sie brachen mit der Tradition. Keiner der beiden, weder Ansgar noch Davard, haben je versucht den anderen zu töten.

Im Gegenteil, soweit mir bekannt ist, hat Ansgar sogar mehrfach seinem jüngeren Bruder das Leben gerettet. Letztmalig bei dem schweren Reitunfall im Jahre 183. Da war es Ansgar der seinen Bruder am Leben hielt, bis der Heiler eintraf. Sehr zum Leidwesen von Dunwin. Seine Söhne sorgten für keine klare Struktur. Es ist einfach den Nachfolger zu benennen, sobald nur einer übrig bleibt.

Aber es blieben zwei. Und irgendwann forderte Alastair Dunwin auf, einen Nachfolger zu benennen. Die Wahl viel dann standesgemäß auf den Erstgeborenen - folglich wurde Ansgar Familienoberhaupt der von Hohenfelde.

Und nun wirst Du nicht mehr von Deinem Bruder Dunwin verfolgt, da er gemeinsam mit Deinem Vater Alastair von seinen beiden Söhnen beseitigt wurde. Sie waren nicht annähernd so nutzlos, schwach und weich wie er dachte. Sie wusste halt nur, wer die Klinge im Herzen verdient hatte und wer nicht.

Nun das müssen wir aber alles nicht hier draußen besprechen. Folge mir ins Haus, Du kannst bleiben so lange Du möchtest. Und überlege Dir, ob Du nicht vielleicht selbst einen Neuanfang mit Deiner Familie wagen möchtest. Zu mir bist Du schließlich auch gekommen, was ein erster Schritt ist. Ich freue mich über Deinen Besuch. Und ich stehe Dir bei, wie immer auch Deine Entscheidung aussehen mag",
erklärte Wolfram und führte seine beiden Gäste ins Haus.

Ein Dienstmädchen und ein Dienstbursche kamen herbei geeilt um Kasimir die Koffer abzunehmen. Vor Brandur blieben sie kurz stehen, der Diener verbeugte sich, während das Mädchen einen Knicks machte.

"Brandur dass sind Margot und Beaunois, die guten Seelen dieses Hauses. Solltest Du etwas wünschen oder benötigen, sprich sie einfach an. Mehr Dienerschaft benötige ich nicht, ich halte es lieber klein und persönlich. Folge den beiden bitte und richte Dich gemütlich ein. Sobald Du mit Sack und Pack angekommen bist, geselle Dich zu mir in die Stube, dann können wir uns in Ruhe unterhalten.

Vor allem was Dich zu mir verschlagen hat und was Du so die ganze Zeit erlebt hast. Erinnere mich bei der Gelegenheit auch gleich daran, dass ich Dir die Hochzeitseinladung von Deinem Neffen Davard zeige. Der Gute heiratet, stell sich dass einer vor.

Soweit ich dem Familienklatsch einiger loser Zungen entnehmen konnte - kurzum Eloise um genau zu sein, soll sein Mann ein "Eisprinz" sein. Sie erzählte mir, dass besagter Varmikan tatsächlich ein Frostalb sei. Stell sich dass mal einer vor, ein Frostalb. Man sagt sie seien schön und gefährlich, aber ob Eloise Klatsch den Tatsachen entspricht, weiß ich nicht zu deuten Brand. Die Hauptsache des Klatsches ist eine andere, sie heiraten laut Eloise aus Liebe. Genau wie einst Ansgar Fingard ehelichte.

Wie dem auch sei Brand, komm an, packe Deine Sachen aus und komm gleich in die Stube. Ich setze uns erstmal einen guten Kaffee auf. Bis gleich mein Lieber",
sagte Wolfram freundlich und verschwand Richtung Wohnzimmer.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Fr 15. Sep 2017, 17:02 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridier (Almane)
Beiträge: 35
"Es mag dir als grobe Unhöflichkeit erscheinen, doch meine Person wird dein Angebot in Anspruch nehmen, den Geist ihres Gegenübers zu überprüfen. Du hast dafür sicher Verständnis."

Brandur zögerte auch gar nicht länger, sondern verschaffte sich Zugang im Geist Wolframs, wühlte darin herum, stöberte in allen Winkeln und prüfte, ob er irgendetwas vor ihm verbergen wollte, ob es Bereiche gab, die er ihm nicht offenbaren wollte. Natürlich gab es immer Dinge oder geheime Fantasien, persönliche Abgründe, von denen man nicht wünschte, dass ein Fremder Zugang zu diesen Gedanken hatte, doch Brandur interessierte weniger ihr Inhalt, sondern vor allem das Gefühl, was damit einherging, wenn er diese Bereiche bedrängte. Sobald er Scham spürte, ließ er davon ab, ohne sich dem Verborgenen weiter zu widmen, um Wolframs Intimsphäre nicht zu verletzen, wenn er jedoch Angst oder sogar eine entschiedene aggressive Abwehr spüren sollte, würde er diesen Stellen besonderen Wert beimessen. Wenn es ihm nicht gelänge, zu diesen durchzudringen und sie zu überprüfen, würde er Wolfram sein tiefstes Misstrauen aussprechen.

Er selbst gab während ihrer mentalen Verbindung so gut wie gar nichts seiner selbst frei, er ließ Wolfram lediglich seine Gefühle ihm gegenüber spüren - ausgeprägte Besorgtheit, Überforderung mit der Situation, zurückhaltendes, aber vorhandenes Wohlwollen. Auf diese Weise sollte Wolfram sehen, dass Brandur momentan kein Feind war - jedoch auch seine Freundschaft nicht im Voraus verschenkte und seine Meinung durchaus ändern konnte, sollte es Anlass dazu geben.

"Das Aufwühlen meiner Erinnerungen durch deinen Bericht vermag mich nicht zu kränken", erwiderte Brandur, der nach der vertrauensvollen Überprüfung nun zum Zeichen, dass er etwas weniger reserviert zu sein gedachte, aufhörte, von sich als 'seine Person' zu sprechen. "Dass Kunwolf samt seiner Familie gefallen ist, habe ich gespürt und seinen Tod bedauert, auch, wenn ich selbst wenig vorher sein Ableben durchzuführen beabsichtigt hatte. So waren die Dinge nun mal gestaltet. Als Dunwin und Alastair fielen, zog dies eine erhebliche Erschütterung des Nexus nach sich, die mir ebenfalls nicht entging. Ich überlegte, ob es Zeit sei, aus dem Exil zurückzukehren und nahm die geplante Hochzeit zum Anlass, nach dem Rechten zu sehen."

Einen Moment schwieg er, stützte sich auf seinen Spazierstock und sammelte sich. Er hatte lange nicht am Stück so viel geredet. In der Regel hörte er eher zu, was Kasimir zu berichten hatte. In weiser Voraussicht geleitete Wolfram den erschöpften Brandur ins Haus, stellte ihm die Dienerschaft vor und bot ihm Kaffee an, den dieser auch dankend annahm.

Brandur verweilte bis zur Hochzeit bei Wolfram. Die meiste Zeit verbrachte er allein im herbstlichen Garten, betrachtete die Blüten und Früchte und dachte nach. Zum Kaffee saßen er und Kunwolf gemeinsam beieinander und unterhielten sich, wobei Brandur sich jedoch mit Informationen über sich sehr bedeckt hielt. Weder berichtete er von seiner Nachtburg, noch davon, was er sonst in all den Jahren getrieben hatte, sondern beließ es bei oberflächlichen Themen. Es lag weniger daran, dass er Wolfram nicht traute, sondern daran, dass er jenen nicht traute, denen er diese Informationen womöglich weiterreichte.

Als der Tag der Hochzeit gekommen war, verbrachte Brandur noch mehr Zeit als sonst im Bad, wo Kasimir ihm half, sich zurechtzumachen. Er legte Brandur eine knöcherne Weste um, die er selbst gefertigt hatte und die gleichzeitig als Schutz gegen Dolchstöße und als Mieder diente, um den schmerzenden Rücken zu stützen und den im Alter erschlafften Körper optisch zu straffen. Im Gegensatz zu anderen Adligen hatte Brandur wegen seiner Verkrüpplungen nach Kampf und Sturz nicht die Vorraussetzungen, um sich regelmäßig um körperliche Ertüchtigung kümmern zu können und auch wenig Lust darauf verspürt, sondern sich lieber der nekromantischen Arbeit gewidmet.

Gemeinsam mit Kasimir, Wolfram, und wen auch immer Wolfram mitzunehmen gedachte, stiegen sie in den Wyvern und machten sich bereit zum Abflug. Wolfram wurde die Ehre zuteil, neben Brandur ganz vorn zu sitzen. Sie waren in dicke Reisedecken eingeschlagen. Es herrschte bestes Flugwetter, doch sie flogen Nachts, um Kasimir zu schützen, so dass sie vermutlich die letzten Gäste sein würden. Wenn es schlecht kam, wäre die Trauung dann bereits vorbei.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Sa 16. Sep 2017, 00:01 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridischer Almane
Beiträge: 21
Wolfram beabsichtigte noch etwas zu Brandurs Ausleseankündigung zu äußern, aber da war der Nekromant auch schon in seinen Geist eingedrungen und durchstöberte ihn nach Herzenslust. Wolfram war für einen Moment wie paralysiert. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Brandur so schnell reagieren würde. Auf der anderen Seite, war Brandur ein Hohenfelde und ein sehr mächtiger dazu.

Wolf konnte Brandur nicht aus seinem Geist vertreiben, selbst wenn er dies beabsichtigt hätte. Dafür war sein Gegenüber viel zu mächtig. Wolfram hatte auch nicht vorgehabt, ihm den Zutritt zu verweigern, ansonsten hätte er das Angebot nicht unterbreitet.

Nur war er von der Schnelligkeit und Heftigkeit überrascht und überrumpelt. Für einen Sekundenbruchteil kämpfte er den Drang nieder, sich gegen den Zugriff zu wehren. Nicht da er etwas zu verheimlichen hatte, es war vielmehr ein Reflex.

Immerhin wusste er warum Brandur so reagierte, als Vorsicht und aus Angst. Auch wenn Brand nichts von sich an Informationen preisgab, so übermittelte er doch seine Gefühle. Und die bestätigten Wolframs Vermutung.

Also ließ er seinen Gast gewähren und duldete stillschweigend die sehr intensive Kontrolle. Er hätte eh nichts anderes tun können.

Es gab kaum Themen die Wolfram peinlich waren. Eine einzige Information war mit Scham behaftet, aber diese las Brandur nicht aus, da er freundlicherweise um diese Gefühle einen Bogen machte.

Brandur konnte nichts finden, was ihn hätte ängstigen können. Wolfram hatte alles was er zu ihm gesagt hatte, genauso gemeint. Er hatte die Wahrheit gesprochen.
Als die Überprüfung vorbei war, rieb sich Wolfram den schmerzenden Schädel. Einen Kaffee benötigte er nun ebenfalls.

Wolfram hörte Brandur aufmerksam zu. Brandur beschrieb seine Empfindungen beim Ableben von Kunwolf, Dunwin und Alastair. Wolfram hatte nichts im Nexus gespürt, aber diese Personen hatten ihm auch nicht dermaßen nahegestanden, dass er ein Band zu ihnen geknüpft hätte.

Das Brand trotz allem den Tod seines Bruders Kunwolf bedauerte, freute Wolfram. Es gab ihm Hoffnung, dass bei Brand noch nicht alles verloren war, obwohl sein Vater Alastair alles daran gesetzt hatte aus ihm etwas zu formen, dass jegliche menschliche Emotion verloren hatte.

Zu was immer Brand geworden war, er war noch in der Lage Mitleid zu empfinden und zu erkennen, was man ihnen angetan hatte. Wolfram legte ihm kurz eine Hand auf die Schulter.

"Ihr hättet Euch von Alastair abwenden sollen Du und Kunwolf, falls Euch die Möglichkeit geboten worden wäre. Man hat Euch gegeneinander ausgespielt Brandur. Das ist keine Vorhaltung, denn ich weiß selbst wie schwierig das ist von so einer Familie loszukommen. Wir gehören der gleichen Sippe an Brand.

Bei uns ist es nicht anders. Aber das ist deren Spiel und nicht mein Spiel. Wenn sich alle um das Geld und die Macht streiten, dann sollen sie es haben. Sie haben Recht und ich habe meine Ruhe.

Deine Neffen haben ein anderes Zeitalter in Deiner Familie eingeläutet. Schaue nur nach dem Rechten. Eventuell gefällt es Dir sogar",
erklärte Wolfram.

Mit den Worten ließ er Brandur erst einmal in Ruhe ankommen. Brandur brauchte einige Tage um sich zu aklimatisieren. Die meiste Zeit verbrachte er im Garten, was Wolfram sehr freute. Er selbst nutzte den Garten auch für jede Gelegenheit. Zum Nachdenken, zum Entspannen, zur Freude, zur Arbeit - eigentlich war er so gut wie immer im Garten.

Brand und er hatten sich in den Tagen seines Besuchs angewöhnt, gemeinsam Kaffee zu trinken. Wolfram genoss die Zeit, auch wenn Brandur nicht viel von sich und seinen Erlebnissen erzählte. So etwas störte Wolf nicht. Brand hätte genauso gut schweigen können. Solange es ein zufriedenes und angenehmes Schweigen war.

Der Mann war eines der unliebsamen, misshandelten und geprügelten Geschöpfe. Manche Wunden brauchten ihre Zeit, manche Wunden heilten nie. Und dennoch hatte Wolfram nie eines dieser Geschöpfe aufgegeben. Man konnte nicht alle retten, aber man konnte dafür sorgen, dass wenn sie eines Tages gehen mussten, dass sie es nicht mit Angst im Blick taten. Sondern sich vielleicht doch an ein zwei schöne Stunden in ihrem Leben zurück erinnern konnten, wenn es auch sonst der reine Abgrund war.

Und selbst wenn Brandur sich im Nexus nur an den Herbstgarten und ihre Tasse Kaffee in Freude zurück erinnerte, war dies besser als nichts.

Wolframs Haus in Daijan war wie heraus geschnitten aus der Zeit. Hier wurde nur auf die Uhr und den Kalender geachtet, sobald es einen trifftigen Grund dafür gab. Ansonsten ging alles seinen friedlichen, ruhigen Lauf. Es gab weder Hetze noch böse Worte. Dies war seine Welt und hier herrschte das Ruhige, Gemütliche und Schöngeistige. Selbst sein uraltes Pferd wurde nicht angebunden, sondern konnte sich frei bewegen.

Am Tage der Hochzeit zog Wolfram seine beste und vor allem sauberste Robe an und gönnte sich vorher eine ausgiebige Zeit im Bad. Dann war es schon Zeit für den Aufbruch. Wolfram nahm weder Margot noch Beaunois mit. Gleichgültig was bei Brandurs Neffen vor Ort geschehen würde, er würde Brandur beistehen.

Gut gelaunt nahm Wolfram in dem Flugefährt Platz und konnte sich ein breites, kindisches Grinsen nicht verkneifen. Er war gespannt auf den Flug.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Sa 16. Sep 2017, 13:14 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridier (Almane)
Beiträge: 35
Die Hochzeitsfeier >>
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: So 17. Sep 2017, 23:02 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 48
Familiengespräch - zwischen Brandur und Ansgar -- 17-09.202


Brandur von Hohenfelde
Dabei wollte ich nur gratulieren.

Ansgar von Hohenfelde
kann jeder behaupten *schmoll*

Ansgar von Hohenfelde
*Linie mit dem Fuß auf den Boden zieh*

Brandur von Hohenfelde
Glaubst du mir etwa nicht? Das kränkt mich!

Ansgar von Hohenfelde
aber natürlich glaube ich Dir Onkel.

Brandur von Hohenfelde
Das widerum glaube ich dir nicht. *g*

Ansgar von Hohenfelde
glaubst Du mir etwa nicht, dass ich Dir glaube? Das enttäuscht mich und trifft mich tief in meiner Seele sfg

Brandur von Hohenfelde
Wir haben uns gegenseitig zutiefst beleidigt, wir sollten eine Blutfehde beginnen, um unsere Ehre wiederherzustellen.

Ansgar von Hohenfelde
das dürfte ein Problem werden, wir gehören der gleichen Familie an.

Brandur von Hohenfelde
Mist!

Ansgar von Hohenfelde
sfg

Brandur von Hohenfelde
Was machen wir jetzt?

Ansgar von Hohenfelde
uns vermutlich töten
darauf läuft es doch letztendlich immer hinaus nicht wahr?

Brandur von Hohenfelde
Guter Vorschlag! Ich fange an. *fg*

Ansgar von Hohenfelde
und das obwohl Ihr Friedfertigkeit versprochen habt? Ihr fangt um 00:01 Uhr an
ab dato zählt es als neuer Tag und niemand ist mehr an sein Wort gebunden. Weder Ihr noch ich...

Brandur von Hohenfelde
Ich habe aber den zweiten Kuchen noch nicht probiert. Darum kritisiere ich diesen Vorschlag aufs schärfste.

Ansgar von Hohenfelde
Meiner Person entzieht sich die Kenntnis was Ihr mit dieser Aussage bezweckt Onkel. Heißt das Ihr beabsichtigt Euer Wort zu brechen oder beabsichtigt Ihr Eure Frist zu verlängern, zwecks Verzehr eines Stück Torte? Ersteres werde ich passend quittieren, zweites dulde ich gerne

Brandur von Hohenfelde
Nun, ein Tag besteht bekanntlich aus mehr als nur wenigen Stunden und als ich von diesem Tage sprach, meinte ich daher nicht nur den kurzen Zeitraum bis Mitternacht. Wie sollte ich in dieser Zeit ein vernünftiges Bild von der Lage erhalten? Mein Leibdiener hat noch eine Taschenuhr übrig, ich werde ihn bitten, sie dir zu überlassen, damit du dich selbst vom Stundenumfang eines Tages auf dem Ziffernblatt überzeugen kannst.

Ansgar von Hohenfelde
Touche liebster Onkel, ich verzeihe Euch diese Bissigkeit großmütig, da mich der Umstand Eurer Lageerörterung erfreut und Ihr nicht versucht mich zu hintergehen. Vielmehr steht Ihr mehr zu Eurem Wort als es nötig gewesen wäre. Ihr hättet mich betrügen können... nur zu bildet Euch Eure Meinung

Brandur von Hohenfelde
Ich bin ein von Hohenfelde, aber ich bin nicht risikofreudiger als nötig. Ich wiederhole: Wenn ich Euch oder irgendjemanden sonst hätte tot sehen wollen, wäre ich nicht persönlich erschienen. Aus Fehlern lernt man.

Ansgar von Hohenfelde
jedenfalls begeht unsereins keinen Fehler zweimal, dies ist gewiss. Nun da Ihr hier seid und niemand tot sehen wollt und ich heute ebenso nicht beabsichtige jemanden zu töten, könnt Ihr getrost die Lage sondieren. Ihr habt meinen Segen dazu

Brandur von Hohenfelde
Das werde ich, mein Lieber Ansgar. So viel Feuer in deinem Herzen. Der gute Dunwin hat es nicht zu ersticken vermocht. Vielleicht hat er es ja geschürt, ohne es zu wissen? Er selbst war eher wie eine Gletscherlawine, wenn sein Zorn losbrach. Es dauerte, aber es kam heftig und oft unerwartet und er begrub jeden unter seinem Eis. Dein Zorn ist leichter zu wecken und ist feuriger. Du drohst viel, bevor du handelst.

Ansgar von Hohenfelde
Ein Kompliment aus Eurem Mund? Oder vortrefflich verpackter Hohn? Für ersteres habt Dank. Solltet Ihr zweites beabsichtigt haben... trete ich den Beweis an, dass ich mich nicht provozieren lasse gg
Dazu fällt meiner Person gerade eine witzige Annekdote ein, bezogen auf Eure Beschreibung meines werten Vaters. Er war nicht nur aus Eis, er liegt gerade auch auf Eis. Erheiternd gg

Brandur von Hohenfelde
Ich möchte ihn gern sehen.

Ansgar von Hohenfelde
nennt mir einen guten Grund warum und ich gestatte es

Brandur von Hohenfelde
Einen guten Grund? Was ist ein guter Grund aus deiner Sicht? Ich bin neugierig, ihn da tot liegen zu sehen, meinen kleinen Bruder.

Ansgar von Hohenfelde
Ein guter Grund wäre dass Ihr ihn selbst tot sehen wolltet. Euch von seinem Tod überzeugen möchtet. Nun ich gestatte Euch ihn zu sehen. Aber Ihr werdet ihn weder anfassen, noch Euch nur eine Sekunde Eurer Magie bedienen dort unten. Ihr versteht warum nicht wahr?

Brandur von Hohenfelde
Ich weiß, dass er tot ist. Ich bin ein Nekromant und kein Geistmagier, doch das Leben meiner Familie zu spüren war mir seit jeher vergönnt - oder ich dazu verflucht. Ich brauche seine Leiche nicht zu sehen, um seinen Tod zu glauben. Ich wusste es lange, bevor man mir davon berichtete. Natürlich verstehe ich deine Sorge. Keine Magie. Ihn zu berühren dürfte ohne diese kaum eine nennenswerte Auswirkung haben.

Ansgar von Hohenfelde
Nun da irrt Ihr Euch... oder auch nicht. Wie Ihr korrekt anmerkt seid Ihr kein Geistmagier. Dave las ihn gerne aus. Von mir aus schaut ihn Euch an, Euren "kleinen Bruder". Ihn so zu titulieren klingt für meine Person... nun für mich abstrakt. Es verharmlost ihn. Oder Ihr seht ihn anders, ich weiß es nicht.

Brandur von Hohenfelde
Es ist die dritte Möglichkeit. Ich habe ihn gern so angesprochen zu seinen Lebzeiten, um ihn damit zu verspotten. Dunwin hat sich sehr darüber geärgert, er hatte, mit Verlaub, ausgeprägte Minderwertigkeitskomplexe. Mit so etwas konnte man ihn wunderbar necken, ohne sich große Mühe dafür machen zu müssen, wie ein Kompott zu vergiften.

Ansgar von Hohenfelde
Die hatte er nach wie vor, er hat sein Weltbild von das Eures Vaters abhängig gemacht und zeitgleich hat er es verachtet. Nun man kann nicht einem Bild entsprechen, dass man zeitgleich hasst. Er hat es versucht. Aber das hat ihm weder die Zuneigung noch die Anerkennung Alastairs eingebracht. Er blieb was er war, ein Nichtmagischer Bastard

Brandur von Hohenfelde
Nichtmagisch, ja, Bastard, vielleicht. Demnach siehst du deinen eigenen Sohn also ebenfalls als Bastard, da ihm die Gabe fehlt.

Ansgar von Hohenfelde
Ein sagen wir mal unbequemes und leidliches Thema. Lin ist kein Bastard, ich bitte das zu beachten ja? Er ist mein leibliches Kind, aber nun es lässt sich nicht leugnen, er hat ein Problem. Ihm fehlt die Gabe

Brandur von Hohenfelde
Nun, auch Dunwin war meines Wissens nach Alastairs leibliches Kind, es sei denn, du weißt mehr als ich. Wo ruhen er und mein Vater?

Ansgar von Hohenfelde
Korrekt Onkel, damit habt Ihr vollumfänglich Recht. Bastard ist nur ein Schimpfwort unsererseits für eine Unperson, der wir unser Missfallen auszusprechen gedenken. Wir hätten ihn auch als umagischen-Penner titulieren können. Bastard bezieht sich nur auf die abwertende Schmach die diese Dispektierlichkeit mit sich bringt. Folgt mir *Vorgeh zum Labor*

****
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Mi 27. Sep 2017, 23:15 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridischer Almane
Beiträge: 21
Wolfram ritt mit dem geborgten Pferd Richtung Heimat. Geborgt klang für Wolf besser als gestohlen, denn letztendlich hatte er nicht vor dass Pferd zu stehlen. Er kannte zwar den Besitzer nicht, aber sollte jemand aus der Verwandtschaft oder dem weiteren Bekanntenkreis ein Pferd als vermisst melden, dann würde die Person selbstverständlich von ihm sein Pferd wieder ausgehändigt bekommen.

Die Handlung war aus der Not heraus geboren worden. Brandur war gemeinsam mit Lin und Dunwin geflohen. Wohin, dass konnte Wolfram nicht wissen, womit sie geflohen waren, war logisch - mit Brandurs Kutsche.

Per Luftweg waren sie schneller als jeder Reiter und sie konnten problemlos jedes Hindernis überwinden. Da er gemeinsam mit Massimo Brandurs Rückzug gedeckt hatte, war seine Mitreisegelegenheit somit hinfällig.

Kasimir erging es nicht anders. Und um den Vampir vor den restlichen Familienmitgliedern zu schützen, hatte Wolfram nun ebenfalls fliehen müssen. Die von Hohenfelde waren nicht für ihre Friedfertigkeit bekannt, wobei sich Ansgar heute erstaunlich zugänglich und kooperativ verhalten hatte. Und dies in so einer Ausnahmesituation.

Für Wolfram gab es somit immer noch Hoffnung, dass sich alles in der Sippe zum Guten wenden konnte.

Im Moment aber war die See der Verhandlung zu rau, die Wogen mussten sich erst glätten, denn ansonsten gab es für alle einen gewaltigen Schiffbruch und sie würden in der tosenden See ihrer Wut elendig ersaufen.

Wolfram hatte genau vor dies zu verhindern.

Da der Kampfmagier nicht wusste, wohin Brandur letztendlich geflohen war, beschloss er in sein Haus zurückzukehren. Sollte Brandur ihn oder Kasimir suchen, dann wusste er, wo er sie beide finden würde.

"Kasimir ich weiß nicht wohin Dein Herr geflohen ist. Du bleibst so lange bei mir, denn ich vermute er wird Dich bei mir suchen. Bei mir bist Du sicher und ein gern gesehener Gast.

Wegen Deinem Blutdurst müssen wir uns wohl erst einmal keine Gedanken machen, soviel wie Du gesoffen hast. Falls doch, werde ich einen Heiler beauftragen mir Blut abzunehmen und es Dir wie auf der Feier dann zur Verfügung stellen.

Ich werde Zuhause versuchen Kontakt zu Deinem Meister aufzunehmen um ihm mitzuteilen wo Du bist",
erklärte Wolfram freundlich.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Do 28. Sep 2017, 10:18 
Junker
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 12
Marlo
 
fühlte dass Wolfram nach ihm spürte. Er suchte ihn, aber dann kam er nicht zu ihm zurück in den Tempel. Marlo konnte sich das nicht erklären. Vielleicht war Wolfram aufgehalten worden. Marlo wartete noch was länger, aber Wolfram kam nicht. Er versuchte nun von sich aus Wolfram zu finden. Da er nicht so ein mächtiger Magier war, sondern nur über rückständige Fähigkeiten verfügte dauerte seine Suche länger. Wolfram war nicht mehr auf dem Anwesen. Er bewegte sich immer weiter davon weg. Marlo stellte seinen Teller ab. Er verliess den Tempel und ging in den Stall. Geritt sein treues Pferd wartete auf ihn und begrüsste ihn mit einen freundlichen Schnauben. Marlo hatte zwar nicht viel Zeit, aber die Zeit Gerrit anständig zu begrüssen nahm er sich immer. Er streichelte den grossen Kopf und sprang auf Gerrits Rücken. Marlo ritt aus den Stall und hetzte dann mit Gerrit Wolfram hinterher. Sein Pferd war schnell und ausdauernd und genauso kampferfahren wie sein Reiter. Und so holte er Wolfram nach einen langen, harten Geländeritt ein. Marlo bremste Gerrit ab und ritt neben Wolfram her.
 
„Ich hab gefühlt, dass du mich gesucht hast Wolfram. Wozu, du hast mir keine Botschaft geschickt. Zuerst dachte ich du bist aufgehalten worden. Aber dann fühlte ich, dass du das Anwesen verlässt und davon reitest. Was ist los? Wo ist Brandur? Und Massimo, wo ist der? Die waren doch zuletzt bei dir. Schönes Pferd übrigens, aber nicht deine alte Schindmähre.“
 
Marlo schenkte Wolfram eines von seinen seltenen Lächeln.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 64 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4, 5 ... 7  Nächste


Online Statistik

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
nowoczesne kuchnie pyskowice orzesze lędziny kłobuck blachownia wojkowice poręba kalety imielin miasteczko śląskie koniecpol siewierz ogrodzieniec
Gehe zu: