Der Hexenmeister


Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist gepr├Ągt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied ben├Âtigt man starke Nerven und gleicherma├čen ein H├Ąndchen f├╝r B├╝ndnisse und Hinterhalte.
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Brandur von Hohenfelde
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Die Handelsallianz

Der Hexenmeister

#1

Beitragvon Brandur von Hohenfelde » Mi 6. Sep 2017, 21:43

Der Hexenmeister

Naridien, Jahr 202 nach der Asche.
Ruinenstadt Trux, Katakomben unter der Nachtburg. Sezierkeller.


Kasimir wiederholte sein Anliegen, diesmal dringlicher. ┬╗Mein Herr, es gibt Neuigkeiten von der Chaosfront.┬ź

Amand sah noch immer nicht von dem verbliebenen Teil der Leiche auf, an dem er gerade arbeitete. Bereits heute Morgen hatte er nicht das Bed├╝rfnis versp├╝rt, sich damit auseinanderzusetzen, sich stattdessen in den Keller zur├╝ckgezogen und jeden Gedanken seiner einsamen Arbeit gewidmet. Die f├Ârmliche Anrede, die sein Leibdiener gew├Ąhlt hatte, und der leise Ton bezeugten, dass Kasimir sich seiner momentanen L├Ąstigkeit durchaus bewusst war. Es mussten wichtige Neuigkeiten sein, wenn er sich wider besseren Wissens erdreistete, den Hexenmeister ein zweites Mal am selben Tage darauf anzusprechen und ihn gar bei seiner Arbeit zu st├Âren, obwohl er die T├╝r zum Sezierkelller hinter sich geschlossen und so zum Ausdruck gebracht hatte, dass er heute weder Handreichungen noch Gegenwart Kasimirs w├╝nschte. Es war einer der Tage, an denen blanker Hass auf die Welt wie ein Nebel in seinem Verstand hingen und er nur die Gesellschaft schweigender und regloser K├Ârper ertrug. Amands Kiefermuskeln spannten und entspannten sich wieder auf Kasimirs Worte hin. Das Skalpell fuhr mit chirurgischer Pr├Ązision durch das wei├če Bindegewebe, welches Musculus sartorius auf quadriceps femoris hielt. Keine Muskelfaser wurde besch├Ądigt, die Str├Ąnge sauber voneinander getrennt.

┬╗Schlie├če die T├╝r und setz dich. Meine Person erlaubt dir, Bericht zu erstatten.┬ź

Er sparte sich den Hinweis, sich kurzzufassen. Kasimir wusste darum. Die behandschuhten Finger des alten Hexenmeisters zogen den Muskelstrang endg├╝ltig von seiner Unterlage ab und legten ihn zu den anderen in die st├Ąhlerne Wanne. Sie war bis zum Rand gef├╝llt. Das Fleisch w├╝rde er mumifizieren, da er keine Verwendung daf├╝r hatte, es aber weder vergeuden noch an die streunenden Ghule verf├╝ttern wollte, damit diese sich nicht allzu wohl in der Gegend der Nachtburg f├╝hlten. Das Skelett, f├╝r das er sich interessierte, war nach mehreren Stunden Arbeit fast vollst├Ąndig freigelegt, die Knochen lagen in achtprozentiger Kalilauge, damit sich die letzten anhaftenden Fleischflocken zersetzten. Den kompliziert zu bearbeitenden Rumpf hatte der Hexenmeister als erstes entbeint. Im Gegensatz dazu, wie man ihn gelehrt hatte, bevorzugte er es, sich von innen nach au├čen zu arbeiten. So war die Konzentration bei den schwierigen Stellen am h├Âchsten. Die einfach zu bearbeitenden Gliedma├čen entbeinte er zum Schluss, um seine Arbeit entspannt ausklingen zu lassen.

┬╗Die letzte Schlacht hat begonnen. Die Zeichen stehen auf Sieg f├╝r die S├Âhne des Chaos┬ź, begann Kasimir.

Seine Stimme war angenehm und an guten Tagen konnte Amand ihr lange zuh├Âren, w├Ąhrend sein Leibdiener ihn ├╝ber die Geschehnisse der Welt in Kenntnis setzte und er dabei arbeitete. Sie war sanft und unaufdringlich, Kasimirs Sprache wohlgew├Ąhlt. Manchmal war es kaum zu glauben, dass er keiner Adelsfamilie entstammte, sondern dem B├╝rgertum, so h├Âflich und gebildet wie er sich gab und so korrekt, wie er sich zu jedem Zeitpunkt verhielt. H├Ątte Amand noch Kontakt zu anderen seines Standes, so w├╝rden diese ihn sicher um einen solchen Leibdiener beneiden.

┬╗Die Zwerge waren hartn├Ąckig, doch ihre Reserven sind, wie es aussieht, nun endg├╝ltig ersch├Âpft. Die Belagerung dauert schon zu lange. General Barlok Eisenhand hat eine letzte Unterredung mit Tarrik Tarkan ausgeschlagen und damit das Schicksal seines Volkes besiegelt. Der Tarrik hat das Blutrecht ausgerufen, Festung Dunkelbruch ist zur Pl├╝nderung freigegeben und es ist nur noch eine Frage von Stunden, bis der letzte Widerstand der Zwerge ├╝berwunden ist. General Eisenhand hat Boten in alle Richtungen entsandt, doch ich bezweifle, dass sie noch einmal rechtzeitig Hilfe holen k├Ânnen.┬ź

┬╗Der General ist ein f├Ąhiger Mann. Wom├Âglich geht es ihm gar nicht darum, Hilfe anzufordern, sondern um die Absicherung des R├╝ckzugs der ├ťberlebenden nach dem Fall.┬ź

┬╗Damit m├Âgen Sie Recht haben, mein Herr. Aber in beiden F├Ąllen w├╝rde sich die S├╝dfront noch n├Ąher in unsere Richtung verschieben. Das ist es, was mir Sorgen bereitet.┬ź

Unbeeindruckt von der Nachricht legte Amand das Skalpell in die Schale mit der warmen Reinigungsfl├╝ssigkeit und griff sich eines mit l├Ąngerer und dickerer Klinge.
┬╗Meine Person mutma├čt gar, dass uns die Front ├╝berholen wird. Trux und die Nachtburg werden bald inmitten von Rakshanistan liegen und nicht l├Ąnger Teil von Naridien mehr sein.┬ź

Kasimir lie├č eine Pause, in der er das Gesagte verarbeitete. ┬╗Wenn es meiner Wenigkeit gestattet ist, zu fragen: Was wird dann aus uns, mein Herr?┬ź

Amand durchtrennte in Ruhe eine Sehne, wozu er mehrmals mit geringem Druck in die selbe Stelle schnitt. ┬╗Nun, du k├Ânntest dich in eine Fledermaus verwandeln, Kasimir und als solche den Schauplatz des Krieges verlassen, dir einen neuen Wirkungskreis suchen. Du bist ein gebildeter und f├Ąhiger Mann, es d├╝rfte dir ein Leichtes sein, eine neue Anstellung zu finden, ganz ungeachtet der Vorurteile, denen Du und Deinesgleichen ausgesetzt seid.┬ź

Kasimirs wei├čes Gesicht, das man f├Ąlschlicher Weise f├╝r das eines jungen Mannes halten konnte, bekam rote Wangen, doch nicht ob des Lobes, sondern aus Zorn. Seine edel geschwungenen Brauen zogen sich zusammen. ┬╗Amand, Sie wissen, dass ich das nicht tun werde. Mein Platz ist an Ihrer Seite und hier bleibe ich, darum w├Ąre ich, sofern es Ihnen nichts ausmacht, Ihren treusten Diener zu diesem Sachverhalt in Kenntnis zu setzen, dankbar zu erfahren, was Sie zu tun gedenken. Gedenken Sie zu warten, bis die Rakshaner Trux pl├╝ndern und die Nachtburg schleifen? Gut. Dann warte auch ich. Warte an Ihrer Seite, bis der Sturm ├╝ber uns hinweggefahren ist und dann sehen wir, was ├╝brig bleibt.┬ź

Fast h├Ątte Amand ein ver├Ąchtliches Ger├Ąusch von sich gegeben. Doch er verzog nur die Mundwinkel zu einem sp├Âttischen L├Ącheln. Kasimir meinte seine vor Edelmut triefenden Worte vermutlich tats├Ąchlich Ernst, doch wenn es hart auf hart kam, w├╝rde er ihn am Ende doch allein lassen, um die eigene Haut zu retten. Der Hexenmeister hatte schon vor Jahrzehnten alle entsprechenden Illusionen abgelegt. Er war zu alt, um noch an Treueschw├╝re zu glauben. Eine Lektion, die zu lernen schmerzhaft gewesen war. Die Erfahrung w├╝rde einmalig bleiben, er beging den selben Fehler kein zweites Mal. Kasimir w├╝rde fr├╝her oder sp├Ąter von selbst merken, dass auch seine Treue endlich war.

┬╗Das Blut hat meine Person f├╝r dich abgef├╝llt und zum Trocknen vorbereitet┬ź, sagte Amand scheinbar zusammenhanglos, doch es gab einen Zusammenhang. ┬╗Das Granulat kannst du zu einem sp├Ąteren Zeitpunkt in Wasser aufl├Âsen. Zur besseren Haltbarmachung hat meine Person eine Neudosierung von Natriumchlorid ausprobiert. Berichte doch zu gegebener Zeit einem Gelehrten, wie es dir bekommen ist, das d├╝rfte der Nahrungsversorgung deiner Art entgegenkommen und manch Problem l├Âsen, wenn es denn funktioniert. Der Vorrat m├╝sste inzwischen einige Monate reichen, wenn du sparsam damit umgehst. Die Vorratskammer ist, wie du wei├čt, ohne das Wissen um ihren Platz kaum zu finden. Verborgen in der Gestalt einer Fledermaus kannst du auch eine l├Ąngerfristige Heimsuchung durch die Chaostruppen gut ├╝berdauern und dir regelm├Ą├čig Blut anmischen, ohne dich in Gefahr zu begeben und bist nicht mehr auf meine Zuarbeit angewiesen.┬ź

┬╗Amand, Sie wollen doch nicht ... Sie k├Ânnen nicht zulassen, dass Ihnen etwas geschieht!┬ź

┬╗Mein Leben ist l├Ąngst vorbei, Kasmir. Das wei├čt du. Ich bin nicht lebendiger als die Toten, mit denen ich mich umgebe. Wenn mir etwas zust├Â├čt, dann mag es versp├Ątetes Schicksal sein. Dass ich ├╝berhaupt noch lebe, ist nichts als einem Fehler Dunwins zu verdanken, es h├Ątte nicht sein sollen. Es war aber so, also lebe ich. Doch ohne Freude. Ich bin alt und m├╝de, Kasimir. Die nahenden Krieger schrecken mich so wenig wie die Aussicht, im Schlaf ein Herzversagen zu erleiden, das mich jeden Tag treffen k├Ânnte.┬ź

┬╗Sie haben viele Verwandte im S├╝den! Dort k├Ânnten Sie um Unterschlupf ersuchen, wenn das Chaos kommt.┬ź

┬╗Man merkt, dass du ein sehr einfaches und beh├╝tetes Leben hattest. Du bist fast schon entz├╝ckend naiv. Habe ich dir nicht oft genug von meiner Familie erz├Ąhlt? Meine Verwandten sind von allen meine erbittertsten Feinde. Ein ├ťberfall der Rakshaner w├Ąre weniger t├Âdlich, als auf eine Familienfeier derer von Hohenfelde zu gehen und zu offenbaren, dass man den letzten Anschlag ├╝berlebt hat.┬ź

Kasimirs sch├Ânes Gesicht erhellte sich und seine Augen blitzten, so als ob er einen Einfall hatte, der den Hexenmeister doch noch umzustimmen vermochte.
┬╗Dann ist es also m├╝├čig, Ihnen davon zu berichten, dass Ihr Neffe Davard nach all den Jahren doch noch heiraten wird? Das liegt also ebenfalls au├čerhalb Ihres Interesses?┬ź Kasimir l├Ąchelte aufmunternd, so als ob er hoffte, dass diese Information den Einspanzer zu durchbrechen vermochte. Doch wenn er eine emotional geartete Reaktion erhofft hatte, die Amand dazu brachte, die Vers├Âhnung mit seiner Familie zu suchen und mit ihm vor den n├Ąherr├╝ckenden Truppen zu fliehen, wurde er entt├Ąuscht.

Der Hexenmeister legte in aller Seelenruhe die letzten Muskelstr├Ąnge in die Wanne und den befreiten Oberschenkelknochen zu den anderen in die Kalilauge. Damit war er fertig f├╝r heute. Er zog die Handschuhe aus und warf sie in die Wanne mit den Abf├Ąllen, die verbrannt werden sollten, wozu vor allem die Organe und die Verbrauchsmaterialien geh├Ârten. Er breitete beide Arme aus und wartete. Kasimir eilte ihm auf dieses Zeichen hin zu Hilfe und half dem alten Mann, die Schutzkleidung aus gefettetem Leder abzulegen. Amand zeigte mit dieser Geste, dass seine schlechte Laune von heute Morgen durch die Arbeit abgeklungen war und er wieder normale Interaktion w├╝nschte. Auch seine Sprechweise war fortan wieder etwas weniger f├Ârmlich.

W├Ąhrend Kasimir seine Kleidung in einem Korb zusammenlegte, um sie sp├Ąter zu reinigen, wusch Amand sich mit intensiv parf├╝miertem Wasser und einem alchemistischen Desinfektionsmittel eigenh├Ąndig von Kopf bis Fu├č, was f├╝r einen Mann seines Standes ungew├Âhnlich war, nicht jedoch f├╝r ihn. Kasimir r├Ąumte w├Ąhrend der Zeit auf und reinigte den Arbeitsplatz. Er hatte wie immer nur wenig Arbeit, denn der Hexenmeister lie├č sein Material vor Arbeitsbeginn gr├╝ndlich ausbluten und sorgte auch w├Ąhrend der Sezierung und Pr├Ąparation f├╝r gr├Â├čtm├Âgliche Hygiene. Binnen Kurzem war der Sezierkeller somit bereit f├╝r das n├Ąchste Pr├Ąparat.
Nackt bis auf ein paar Schlappen, die er jedoch an der T├╝r zur├╝cklie├č, verlie├č Amand hernach seinen Arbeitsraum. Hinter ihm ging Kasimir mit erhobener ├ľllampe. Der Hexenmeister wollte nichts von dem, was sich hier unten abspielte, mit hinausnehmen und so ging er gewaschen und unbekleidet, von k├╝nstlichen D├╝ften umweht, damit ihm auch der Geruch nicht folgte. Der Sezierkeller war ein Ort der k├Ârperlichen und geistigen Reinigung, sowohl f├╝r sein Pr├Ąparat als auch f├╝r ihn und aller Schmutz blieb darin zur├╝ck. Als er durch den Kellergang hinaufstieg, f├╝hlte er sich besser.

Lang und schwarz glitt sein Schatten vor ihm ├╝ber das Kopfsteinpflaster. Das einsame Leuchten der Lampe war das einzige Licht in den stockfinsteren Eingeweiden der n├Ąchtlichen Burg und ihre Schritte das einzige Ger├Ąusch. Was anderen Angst eingefl├Â├čt h├Ątte, fl├Â├čte dem Hexenmeister ein Gef├╝hl tiefer Ruhe ein. Normalerweise h├Ątte er nun nicht gesprochen, doch in Anbetracht der Information wandte er sich doch noch einmal an seinen Leibdiener.

┬╗Davard heiratet also. Berichte mir davon, Kasimir. Wie hast du es in Erfahrung gebracht?┬ź

┬╗Unserer Beobachter in Shohiro hat es berichtet. Es befindet sich ein entsprechender Aushang beim Rathaus. Die Einladung richtet sich in der Regel an die gesamte Familie. Entsprechend auch an Sie, mein Herr.┬ź

┬╗Nun, mit meinem Erscheinen d├╝rfte niemand rechnen oder sich gar darauf freuen, vor allem nicht, wenn ich im lebendigen Zustand angeliefert werde und nicht als Kadaver. Ich meinerseits hatte nicht damit gerechnet, dass mein j├╝ngster Neffe ├╝berhaupt noch heiraten wird. Er ist mittlerweile ├╝ber Vierzig. Wer ist die Gl├╝ckliche?┬ź

┬╗Eine Frau Varmikan Eisseher.┬ź

Amand hielt abrupt inne. ┬╗Eine B├╝rgerliche? Dabei sollte man doch meinen, dass Dunwin seine S├Âhne vern├╝nftig erzogen hat!┬ź Er wollte ver├Ąrgert mit dem Spazierstock klopfen, doch der befand sich bei seiner Kleidung, auf die sie gerade zuhielten.

Bevor sie die Treppe hinaufgingen und in das Atrium traten, bogen sie ab. Amand zog seine Kleider an, die er vor dem Beginn der Arbeit hier abgelegt hatte, weit weg vom Schmutz der Katakomben, nah am Weg hinauf ins Freie, so dass sie nach Nachtluft dufteten und nicht nach Keller rochen. Jede Bewegung schmerzte und er musste sich auf dem Stuhl niederlassen, um Unterhose, Kniestr├╝mpfe, Bundhose und Schnallenschuhe anziehen zu k├Ânnen. Es dauerte. Sein Leibdiener stand dabei und hielt die Lampe. Ihm war es verboten, seinem Herrn Hilfe anzubieten, ehe der alte Hexenmeister nicht selbst danach verlangte.

┬╗Dieser Umstand ├Ąndert nat├╝rlich vieles, Kasimir┬ź, setzte Amand ihre Unterhaltung fort. ┬╗Eine B├╝rgerliche!┬ź Er zog sein Hemd an, das Wams dar├╝ber und sch├╝ttelte ver├Ąchtlich das vollst├Ąndig kahlrasierte Haupt, w├Ąhrend er sein Halstuch band. ┬╗Nun, da mein gesch├Ątzter Bruder nun nicht mehr unter uns weilt, werde ich mir selbst vor Ort ein Bild der Lage machen. Dunwins J├╝ngster scheint ja seit der Abwesenheit seines Vaters v├Âllig neben sich zu stehen, dass er das Familienverm├Âgen und Erbe an eine standeslose Sippe verschleudert. Und sein ├ältester scheint nicht in der Lage zu sein, f├╝r Ordnung zu sorgen und Davard wieder auf den rechten Weg zu bringen. Ansgar ist somit wom├Âglich ungeeignet f├╝r seinen Posten. Ich gedenke in Erfahrung zu bringen, was sich noch alles in der Familie ge├Ąndert hat seit dem Ableben meines werten Bruders.┬ź

┬╗Sie meinen, um nachzusehen, ob die Zeichen g├╝nstig stehen f├╝r eine R├╝ckkehr aus dem Exil?┬ź

┬╗Um nachzusehen und meinen rechtm├Ą├čigen Platz als Familienoberhaupt in Anspruch zu nehmen, wenn sich die Gelegenheit in Anbetracht der fragw├╝rdigen F├╝hrung als g├╝nstig erweisen sollte.┬ź

Amand st├╝tzte sich auf seinen Spazierstock und stand sehr langsam auf. Er schloss die Augen, damit seine Schmerzen nicht den Weg auf sein Gesicht fanden, bis er sich zur vollen Gr├Â├če aufgerichtet hatte.

┬╗Ich werde nicht alleine bei dieser Hochzeit erscheinen. Du wirst mich begleiten, Kasimir und zuvor besuchen wir jemanden, der mich ebenfalls begleiten wird. Ohne Verst├Ąrkung zu einer Familienfeier zu erscheinen war noch nie eine gute Idee.┬ź

Er stieg durch die verwilderte Sch├Ânheit der Nachtburg, kam an zahlreichen geschlossenen T├╝ren vorbei, hinter denen keine Stimmen zu h├Âren waren, kein gesch├Ąftiges Treiben, kein Klappern von Geschirr, nur Stille. Im n├Ąchtlichen Burghof rief kein Kauz, schrien keine k├Ąmpfenden Katzen, bellte kein Wachhund. Nur der Wind pfiff ├╝ber die Mauern und schwarzes Ge├Ąst raschelte.

Da er seine Dienerschaft so klein wie m├Âglich hielt, hatten sie zu viel Platz in der ger├Ąumigen Anlage. Die Nachtburg wirkte zu jeder Zeit still und einsam, da sie nur sehr wenige der vielen R├Ąume regelm├Ą├čig benutzten. Als die vorherigen Burgherren auf der Flucht vor dem n├Ąherr├╝ckenden Chaos verlassen hatten, war das meiste Inventar hier verblieben, das nun dem Hexenmeister geh├Ârte. Die ├ľlportr├Ąts an den W├Ąnden hatte Amand jedoch abnehmen lassen. Die nackten W├Ąnde gefielen ihm besser und in manchen R├Ąumen gab es sch├Ân anzusehende Tapete. Auf einer war eine Adelsfamilie abgebildet, die gemeinsam im Garten sa├č und Tee trank, w├Ąhrend die Kinder spielten. Dort trank auch Amand gern Tee, allein. Auf den kunstvoll geschnitzten M├Âbeln lag der Staub, der Garten war verwildert und jedes Kinderlachen l├Ąngst verstummt. Er war der Einzige hier, der lebte. Kasimir war so tot wie seine ├╝brigen Diener. Zumindest traf das zu, wenn man das Leben nach medizinischer Lehre definierte. Amands Ansicht nach hingegen war Kasimir das einzige lebende Wesen, das die Nachtburg durchstreifte und er selbst ein wandelnder Toter.

┬╗Ich werde die Harpyien auftauen lassen. Wir nehmen den Wyvern.┬ź

Zwei Tage sp├Ąter war der Hexenmeister Amand von Trux reisefertig. Er nahm Abschied von seiner liebsten Kreation Viola. Er lie├č sie in ihrem sch├Ânsten Kleid vor sich stehen, mit ihren ├╝bertrieben weiblichen Proportionen und dem reglosen Puppengesicht und zog den Hut vor ihrer unnat├╝rlichen Sch├Ânheit. Seine penibel manik├╝rten Finger strichen ├╝ber ihre knochenwei├če harte Wange. Ganz bewusst hatte er sie so unnat├╝rlich und ├╝bertrieben perfekt gestaltet, um sie von jener abzugrenzen, die er verloren hatte und die einst ebenso den Namen einer Blume getragen hatte. Er nahm ihre Hand in die seine, sp├╝rte die Feinmechanik, wie sich jedes Fingerglied nach seinem magischen Willen bewegte. Nur zu sprechen vermochte sie nicht.

┬╗Leb wohl, meine Liebste┬ź, sagte er sanft und lie├č sie seine Umarmung erwidern und z├Ąrtlich ├╝ber seinen R├╝cken streicheln. Ihr harter Leib, geformt aus dem Knochenschmelz dutzender Toter, dr├╝ckte sich gegen seinen. Sie war zu wertvoll, um sie mitzunehmen. Er dr├╝ckte ihr einen Kuss auf die wei├čen Lippen und lie├č sie sich auf einen Stuhl setzen und erstarren, bis dass er zur├╝ckkehren und sie erneut erwecken w├╝rde. Er verschloss die T├╝r und auch jene davor und die, die zuletzt kam.

Entgegen dem, was man vielleicht vom Gef├Ąhrt eines Nekromanten erwarten mochte, war dieses nicht schwarz, sondern blendend wei├č. Das war bei genauer ├ťberlegung nicht verwunderlich, denn Amand war ein Meister der Knochenmanipulation. W├Ąhrend andere seiner Zunft sich mit Heerscharen von Zombies umgaben, bevorzugte Amand die geruchsneutrale, glatte Form, die man mit einer ausreichenden Menge an Substantia corticalis und Geduld herstellen konnte - so wie diesen ebenm├Ą├čigen Himmelsgleiter in Drachenform mit seinen mehrere Meter breiten Schwingen und gegliedertem Schweif, der von untoten Harpyien gezogen wurde. Aus der Ferne mochte es aussehen, als ob dies ein echter wei├čer Drache sei, denn die Schwingen konnten zur Steuerung mittels Hebel bewegt werden.

Amand und Kasimir stiegen ein und legten die ledernen Gurte an. Das Gep├Ąck hatte Kasimir bereits verstaut. ├ťber ihnen schloss sich die Luke. Amand legte die magischen F├Ąden um die Harpyien und wie Marionetten erwachten sie zum Leben, warfen sich in ihre Zuggeschirre und zerrten den Gleiter ├╝ber die Stra├če, die als Startrampe diente. Nach einiger Zeit begann der Wind unter die mit Leichenhaut bespannten Schwingen zu greifen und der Wyvern erhob sich in die L├╝fte, zeitgleich lie├č Amand die Harpyien steigen. Selbstredend waren sie alle wei├č gefiedert. Sie stiegen h├Âher und es wurde eisig, doch sie waren warm gekleidet, da sie oft auf diese Weise reisten. So erreichten sie recht bald Daijian.

Schlitternd landete zuerst der Wyvern auf seinen Gleitkufen. Funken stoben, als Amand den Bremshebel zur├╝ckzog. Da er der Nekromant war, musste er den Gleiter selbst steuern und konnte die Reise nicht Kasimir ├╝berlassen, wie das bei einer Kutsche m├Âglich gewesen w├Ąre. Als die Geschwindigkeit ausreichend heruntergebremst war, landeten auch die Harpyienzombies auf ihren F├╝├čen, rannten noch ein St├╝ck und hielten dann. Das Gef├Ąhrt kam zum Stillstand. Die Kufen qualmten und es stank nach verbranntem Knochen. Sie stiegen aus, Kasimir entlud das Gep├Ąck.

Der Wyvern hatte vor dem Anwesen des einzigen noch lebenden Verwandten gehalten, den Amand momentan f├╝r n├╝tzlich hielt und nebenbei die einzige Person, von der er glaubte, dass sie sich - m├Âglicher Weise - ├╝ber sein Erscheinen freuen k├Ânnte. Wolfram von Wigberg, der Sohn seines Cousins.
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Wolfram von Wigberg
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Re: Der Hexenmeister

#2

Beitragvon Wolfram von Wigberg » Fr 8. Sep 2017, 10:35

Wolfram


Wolfram hatte es sich vor seinem Haus im weitl├Ąufigen Garten gem├╝tlich gemacht. Viele Pflanzen, B├╝sche und Blumen hatte er gepflanzt, die f├╝r bestimmte seltene Insektenarten eine Nahrungsquelle darstellten. Wolfram liebte nicht nur Pflanzen, sondern auch Falter und deren zerbrechliche Sch├Ânheit.

Diese Tiere erinnerten ihn daran, wie zerbrechlich das Leben sein konnte, aber auch wie hart etwas scheinbar Zerbrechliches im ├ťberlebenskampf war. Besonders mochte Wolfram die Mondmotten oder auch Phosphor-Falter genannt. Es waren wundersch├Âne wei├č-gr├╝nlich-schimmernde Nachtfalter, die meist so gegen Mitternacht auf Nahrungssuche gingen.

Die kleinen Sch├Ânheiten trugen ihren Beinamen nicht umsonst, sie waren phosphoreszierend, so dass sich Licht dass auf sie viel in ihren winzigen Fl├╝gelschuppen speicherte. F├╝r ein Lebewesen dass keine Verteidigungsm├Âglichkeit hatte, war es keine gute Idee von Mutter Natur, dass es wie eine Kerze in der Dunkelheit leuchtete.

Aber es ging wie so oft nicht nur um das erste Offensichtliche und Augenscheinliche, sondern es ging um mehr. Es ging nicht um den einzelnen Falter, sondern um den Erhalt der Art. Gl├╝hw├╝rmchen leuchteten aus dem gleichen Grund, sie suchten einen Partner.

Der Magier sa├č bei einer guten Tasse Tee und in eine Decke eingeh├╝llt vor seinem Haus und genoss die Nachtmusik der Natur. Er liebte sein Haus in Daijan, weit ab von jeder Zivilisation, jedem Nachbarn und den Verwandten.

Er f├╝hrte hier im Vergleich zu seiner Familie ein bescheidenes Leben, aber eines dass ihn sehr gl├╝cklich machte. Es gab keine Mauern die ihn erdr├╝ckten. Er lebte in einem kleinen, gem├╝tlichen Haus und sein Garten war seine gr├Â├čte Leidenschaft.

Zur Seite standen ihm sein Dienstm├Ądchen Margot, welches sich um seinen Haushalt k├╝mmerte und Benaunois sein Dienstbursche, der den Rest rund ums Haus erledigte. Wolfram selbst hatte keinerlei Geschick was das F├╝hren eines Haushalts anging. Zu seinen beiden Bediensteten pflege er ein umg├Ąngliches Verh├Ąltnis.

Aber wer den Kampfmagier kannte, der h├Ątte auch nichts anderes vermutet. Wolfram war von Natur aus eine sehr umg├Ąngliche und besonnene Person. Und gerade das machte ihm zu einem Au├čenseiter in seiner Familie.

Wolfram war es gleich, er hatte sein Leben zu leben und die Verwandten das ihre. Er legte weder Wert auf Macht noch auf Prestige. Wolfram lagen andere Dinge am Herzen, dazu z├Ąhlte auch ein guter wie auch freundlicher Umgang mit seinen Bediensteten.

Die N├Ąchten wurden bereits k├╝hler und der Herbst stand vor der T├╝r. Bevor das Wetter umschlug und es zu nass und regnerisch wurde, musste er noch seine K├╝rbisse ernten.

Das waren Wolframs Gedanken, w├Ąhrend er sch├Ân eingemummelt vor sich hin d├Âste. Das irritierte Schnauben von Fuchs, seiner uralten Stute, holte ihn sofort zur├╝ck in die Realit├Ąt. Wolfram war zwar eine friedliche Natur, aber er war kein Idiot. Seine Hand schloss sich alarmiert um das Helft seines Schwertes.

Er sollte sich wieder einen Hund zulegen ├╝berlegte Wolfram. Aber nachdem die alte Maggie ihren letzten Atem ausgehaucht hatte, war er lange Zeit nicht daf├╝r bereit gewesen, einem neuen Hund einen Platz an seiner Seite zu schenken. Es musste ein passendes Tier sein. Kein junger H├╝pfer, sondern einer der Unliebsamen, jenes Tier f├╝r das sich sonst niemand interessierte.

Meist w├Ąhlte er Wesen die schon alt waren. Ein altes Gesch├Âpf zu entsorgen kam f├╝r ihn nicht in Betracht, da es sich meist mehr um seine Mitmenschen verdient gemacht hatte, als die Menschen selbst.

Nun im Moment waren solche Gedanken ehr m├╝├čig und hinderlich. Da er in der Nacht den Feind nicht ohne weiteres ausmachen konnte und zudem die Lichtquelle im R├╝cken hatte, griff Wolfram auf seine Gabe zu. Er tastete die Umgebung nach Farben, kurzum nach Lebenszeichen ab. Die Farben von seiner Bediensteten und Fuchs erkannte er sofort und ignorierte sie.

Einen Moment sp├Ąter nahm er andere, fremde und doch vertraute Farben wahr und zwar von oben. Wolfram stutzte irritiert und kniff seine dunklen Augen zusammen in der vagen Hoffnung doch etwas erkennen zu k├Ânnen. Und der Magier erkannte auch etwas.

Ein knochenwei├čes Gef├Ąhrt kam per Luftweg auf sein Haus zu, gezogen von wei├čen Harpyien. Als Wolfram bewusst wurde, dass er mit offenem Mund gen Himmel starrte schloss er ihn bewusst und r├Ąusperte sich leise. Das Gef├Ąhrt setzte zur Landung an, landete und kam Funkenstiebend zum Stehen.

Zwei M├Ąnner stiegen aus.
Ein Untoter laut Wolframs mentaler Abtastung.
Und ein Toter, vielmehr ein Totgesagter ÔÇô Brandur von Hohenfelde.

Wolfram steckte sein Schwert weg und ging ihnen gemessenen Schrittes entgegen. Vor einen beiden G├Ąsten blieb Wolfram stehen und empfing sie mit einem freundlichen L├Ącheln.

ÔÇ×Bemerkenswertes Gef├Ąhrt und ein ebensolcher Auftritt Brandur. Du siehst aus als w├Ąrst Du frisch dem Abgrund entsprungen. Was die alte Weissagung best├Ątigt, Totgesagte leben l├Ąnger. Willkommen in meinem bescheidenen HeimÔÇť, sagte Wolfram und dr├╝ckte Brandur kurz zur Begr├╝├čung. Kasimir nickte er knapp und freundlich zu.
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Brandur von Hohenfelde
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Re: Der Hexenmeister

#3

Beitragvon Brandur von Hohenfelde » Di 12. Sep 2017, 11:04

Brandur sp├╝rte w├Ąhrend des Fluges, wie jemand seine Farben abtastete. Er erkannte Wolframs warme Anwesenheit, doch es war fraglich, ob man Brandur anhand seiner Farben noch erkannte, wenn man nicht genau wusste, um wen es sich bei ihm handelte. Er nahm es nicht an, dass es Wolfram bekannt war. Die Ereignisse, die Brandurs Leben einst zerrissen hatten, waren an seiner Seele nicht spurlos vor├╝bergegangen. Seine Farben waren nun anders, wenn man da ├╝berhaupt noch von Farben sprechen konnte bei diesem Schleier aus Tristesse und Dunkelheit. Diesem Umstand war es vermutlich zu verdanken, warum kein Mitglied seiner m├Ârderischen Familie ihn bislang in seinem Exil hatte aufsp├╝ren k├Ânnen.

Brandur war sicher, dass Dunwin mehr als einmal im Nexus nach ihm gesucht hatte um sich zu vergewissern, dass er auf wirklich tot war. Und das war er. Der Mordanschlag war gelungen. In der Nacht des Blutes war Brandur Amand von Hohenfelde zusammen mit seinen Kindern, seiner Frau und seiner Geliebten gestorben, auch wenn sein K├Ârper den Sturz von den Zinnen und den rei├čenden Fluss als einziger ├╝berlebt hatte. Den kl├Ąglichen Rest, den sein Vater w├Ąhrend seiner Kindheit und Jugend nicht geschafft hatte zu zerst├Âren, hatte Dunwin in dieser Nacht vernichtet.

Ausdruckslos betrachtete Brandur das Anwesen seines Gro├čneffen zweiten Grades, w├Ąhrend Kasimir das Gep├Ąck auslud und den Wyvern parkfertig machte. Es sah so anders aus als das Anwesen, in dem er seine Kindheit verbracht hatte, nicht dunkel und wehrhaft, sondern licht gebaut und voller Leben. Der Garten zeigte selbst in der Nacht seine herbstliche Pracht, Leuchtmotten flirrten herum und im Mondlicht leuchteten gro├če K├╝rbisse, ├╝berall wippten geschlossene Bl├╝ten herbstlicher Blumen im k├╝hlen Nachtwind.

Und da kam auch schon Wolfram auf ihn zu, um ihn zu begr├╝├čen, trotz der sp├Ąten Stunde. Er kam gemessen Schrittes, so das Brandur Zeit hatte, ihn zu betrachten und die Informationen zu verarbeiten, w├Ąhrend Kasimir die Koffer abstellte und sich schr├Ąg hinter seinem Herrn positionierte. Auch an Wolfram waren die Jahre nicht spurlos vor├╝bergegangen, doch in einem ganz anderen Sinne als bei ihm selbst. W├Ąhrend Brandur von der Last einer schier unertr├Ąglichen Existenz gezeichnet war wie verwitterter Stein, wirkte Wolfram wie der herbstliche Garten, in dem sie sich begegneten, auf eine reife Weise erbl├╝ht, als w├╝rde alle verstreichende Zeit ihn nur noch gl├╝cklicher und sch├Âner machen wie reifende Fr├╝chte oder guter Wein, er strahlte rundum reine Ausgeglichenheit und Zufriedenheit mit sich und der Welt aus. Brandur war nicht imstande, etwas anderes als Neid und Verbitterung bei diesem warmen, vor Leben erstrahlenden Anblick zu empfinden.

Der Abstand zwischen ihnen schwand dahin und Wolfram dr├╝ckte ihn. Es war nur eine kurze Ber├╝hrung, doch Brandur sp├╝rte sie fast schon unangenehm intensiv. Es war die erste Ber├╝hrung eines lebendigen Menschen seit vierzehn Jahren. Wolfram f├╝hlte sich warm an, regelrecht hei├č, er roch nach Leben, Birkensamen hatten sich in seinem Haar verfangen und eine Leuchtmotte krabbelte ├╝ber seinen ├ärmel und flatterte hinauf zu den Sternen. Einen Moment lang wurde Brandur schwindlig dabei und Kasimir griff ihm rasch unter den Arm. Als Wolfram die Umarmung wieder gel├Âst hatte, betrachtete der Hexenmeister das von der Sonne braungebrannte Gesicht und die vor Freude oder Aufregung gut durchbluteten Wangen. Ein Schatten legte sich ├╝ber sein eigenes altes und kreidewei├čes Gesicht, unwirsch sch├╝ttelte er Kasimirs Hand ab.

┬╗Die Freude ist ganz meinerseits┬ź, erwiderte er steif. ┬╗Es verwundert meine Person jedoch, dass du nach all den verstrichenen Jahren und dem, was geschehen ist, erkannt hast, wer heute vor dir steht, wo doch nicht einmal der eigene Bruder meiner Person imstande war, den scheinbar Verstorbenen zu orten. Zumindest nahm meine Person dies bislang an. Ist es gestattet zu fragen, seit wann du davon Kenntnis hast, dass meine Person noch auf Tasmeron weilt und wem dies alles ebenfalls bekannt ist?┬ź
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Re: Der Hexenmeister

#4

Beitragvon Wolfram von Wigberg » Di 12. Sep 2017, 12:29

Wolfram beobachtete wie Brandur alles um sie herum musterte, geradezu wie ein Schwamm mit den Augen aufzusaugen schien. Der Kampfmagier konnte es ihm nicht ver├╝beln. Sein Zuhause unterschied sich so stark von dem seiner restlichen Familie, dass es regelrecht ein famili├Ąrer Kulturschock sein musste, vor seinem Haus und in seinem Garten zu stehen.

Wer aus einer Welt der Nekromantie, des Todes und der Gebeine entstammte, schm├╝ckte selten sein Haus mit fr├Âhlichen Farben, bunten Blumen und dem Gr├╝n des Lebens an sich.

Wolfram hatte allerdings nie die Schw├Ąrze seiner Familie angenommen, weder in der Gestaltung seiner Umgebung, noch in der Seele geschweige denn in seinem Verhalten. Er war aus der Art geschlagen, wie einige Verwandten seine Art freundlich umschrieben. Die meisten anderen hielten ihn schlichtweg f├╝r verr├╝ckt und wahnsinnig.

Dem Kampfmagier war es gleich. Er hatte sich zum Gro├čteil von seiner Familie, deren Zw├Ąngen und Banden losgesagt und lebte seit Jahrzehnten das Leben, dass er sich w├╝nschte.

Seine Verwandten bevorzugten die Erde der Gruft, er bevorzugte die frische Erde eines bl├╝henden, lebenden Gartens. Aus diesem Grund verstand Wolfram auch die Sorge seines Gastes.

Ein von Hohenfelde hatte nur Erde an den H├Ąnden, sobald er jemanden in einem Grab ein- oder ausgegraben hatte. Bei ihm hier sah die Sache v├Âllig anders aus.

Wolfram g├Ânnte Brandur den Moment um sich zu sammeln. Er f├╝hlte sich vermutlich v├Âllig fremd hier und fehl am Platz. Dabei wusste er gar nicht, wie richtig er hier eigentlich war.

Die steife und zur├╝ckhaltende Art von seinem Gast schreckte den Kampfmagier nicht ab. All seine G├Ąste, ob Fell oder Federn, Haut oder Haar hatten beim ersten Eintreffen so reagiert. Und niemand kannte den Hintergrund von Brandur so gut wie Wolfram, au├čer vielleicht ein anderer von Hohenfelde selbst.

"Eines sei Dir vorneweg versichert Brandur - Du bist hier willkommen und Du bist hier sicher. Dazu sei es Dir gerne gestattet meine Gedanken zu lesen, so denn Du dies m├Âchtest.

Zu Deiner Frage, seit wann mir bekannt ist, dass Du noch lebst. Seit dem Du angekommen bist. Deine Farben kamen mir entfernt vertraut vor. Dazu Deine Gestalt - nun ich habe eins und eins zusammengez├Ąhlt. Au├čer mir wei├č niemand davon, dass Du noch unter den Lebenden weilst Brandur.

Und von mir erf├Ąhrt es auch niemand, solltest Du dies nicht w├╝nschen.

Welcher Deiner Br├╝der sollte nach Dir gesucht haben? Nun wenn ich es richtig in Erinnerung habe schrieben wir das Jahr 188 als Dunwin Dich samt Deiner Familie aus dem Leben riss. Verzeih mir das Aufw├╝hlen dieser Erinnerung.

Du bist vor Deinem Bruder Kunwolf gefallen. Kunwolf h├Ątte Dich suchen k├Ânnen Brandur, er war ein f├Ąhiger Magier. Aber kurz nachdem Du gegangen warst, fiel Kunwolf samt seiner Familie. Dunwin t├Âtete sie alle kurze Zeit sp├Ąter.

Somit trat Alastair die Lehnsherrschaft an Dunwin ab.
Dunwin hatte damit keinen Grund mehr nach Dir suchen zu lassen, er hatte sein Ziel erreicht.

Die Vorgaben seines Vaters nach zwei Stammhaltern war erf├╝llt, der Tradition einziger m├Ąnnlicher Nachkomme zu sein wurde Gen├╝ge getan, er bekam wonach er trachtete, er wurde Familienoberhaupt der Hohenfelde.

Nun er h├Ątte sp├Ąter in einer ruhigen Stunde nach Dir suchen lassen k├Ânnen Brandur, aber dazu kam es nicht mehr. Denn entgegen seiner eigenen Vita die mit Blut seiner Verwandten geschrieben war, wandten sich seine S├Âhne davon ab. Sie brachen mit der Tradition. Keiner der beiden, weder Ansgar noch Davard, haben je versucht den anderen zu t├Âten.

Im Gegenteil, soweit mir bekannt ist, hat Ansgar sogar mehrfach seinem j├╝ngeren Bruder das Leben gerettet. Letztmalig bei dem schweren Reitunfall im Jahre 183. Da war es Ansgar der seinen Bruder am Leben hielt, bis der Heiler eintraf. Sehr zum Leidwesen von Dunwin. Seine S├Âhne sorgten f├╝r keine klare Struktur. Es ist einfach den Nachfolger zu benennen, sobald nur einer ├╝brig bleibt.

Aber es blieben zwei. Und irgendwann forderte Alastair Dunwin auf, einen Nachfolger zu benennen. Die Wahl viel dann standesgem├Ą├č auf den Erstgeborenen - folglich wurde Ansgar Familienoberhaupt der von Hohenfelde.

Und nun wirst Du nicht mehr von Deinem Bruder Dunwin verfolgt, da er gemeinsam mit Deinem Vater Alastair von seinen beiden S├Âhnen beseitigt wurde. Sie waren nicht ann├Ąhernd so nutzlos, schwach und weich wie er dachte. Sie wusste halt nur, wer die Klinge im Herzen verdient hatte und wer nicht.

Nun das m├╝ssen wir aber alles nicht hier drau├čen besprechen. Folge mir ins Haus, Du kannst bleiben so lange Du m├Âchtest. Und ├╝berlege Dir, ob Du nicht vielleicht selbst einen Neuanfang mit Deiner Familie wagen m├Âchtest. Zu mir bist Du schlie├člich auch gekommen, was ein erster Schritt ist. Ich freue mich ├╝ber Deinen Besuch. Und ich stehe Dir bei, wie immer auch Deine Entscheidung aussehen mag",
erkl├Ąrte Wolfram und f├╝hrte seine beiden G├Ąste ins Haus.

Ein Dienstm├Ądchen und ein Dienstbursche kamen herbei geeilt um Kasimir die Koffer abzunehmen. Vor Brandur blieben sie kurz stehen, der Diener verbeugte sich, w├Ąhrend das M├Ądchen einen Knicks machte.

"Brandur dass sind Margot und Beaunois, die guten Seelen dieses Hauses. Solltest Du etwas w├╝nschen oder ben├Âtigen, sprich sie einfach an. Mehr Dienerschaft ben├Âtige ich nicht, ich halte es lieber klein und pers├Ânlich. Folge den beiden bitte und richte Dich gem├╝tlich ein. Sobald Du mit Sack und Pack angekommen bist, geselle Dich zu mir in die Stube, dann k├Ânnen wir uns in Ruhe unterhalten.

Vor allem was Dich zu mir verschlagen hat und was Du so die ganze Zeit erlebt hast. Erinnere mich bei der Gelegenheit auch gleich daran, dass ich Dir die Hochzeitseinladung von Deinem Neffen Davard zeige. Der Gute heiratet, stell sich dass einer vor.

Soweit ich dem Familienklatsch einiger loser Zungen entnehmen konnte - kurzum Eloise um genau zu sein, soll sein Mann ein "Eisprinz" sein. Sie erz├Ąhlte mir, dass besagter Varmikan tats├Ąchlich ein Frostalb sei. Stell sich dass mal einer vor, ein Frostalb. Man sagt sie seien sch├Ân und gef├Ąhrlich, aber ob Eloise Klatsch den Tatsachen entspricht, wei├č ich nicht zu deuten Brand. Die Hauptsache des Klatsches ist eine andere, sie heiraten laut Eloise aus Liebe. Genau wie einst Ansgar Fingard ehelichte.

Wie dem auch sei Brand, komm an, packe Deine Sachen aus und komm gleich in die Stube. Ich setze uns erstmal einen guten Kaffee auf. Bis gleich mein Lieber",
sagte Wolfram freundlich und verschwand Richtung Wohnzimmer.
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Re: Der Hexenmeister

#5

Beitragvon Brandur von Hohenfelde » Fr 15. Sep 2017, 17:02

"Es mag dir als grobe Unh├Âflichkeit erscheinen, doch meine Person wird dein Angebot in Anspruch nehmen, den Geist ihres Gegen├╝bers zu ├╝berpr├╝fen. Du hast daf├╝r sicher Verst├Ąndnis."

Brandur z├Âgerte auch gar nicht l├Ąnger, sondern verschaffte sich Zugang im Geist Wolframs, w├╝hlte darin herum, st├Âberte in allen Winkeln und pr├╝fte, ob er irgendetwas vor ihm verbergen wollte, ob es Bereiche gab, die er ihm nicht offenbaren wollte. Nat├╝rlich gab es immer Dinge oder geheime Fantasien, pers├Ânliche Abgr├╝nde, von denen man nicht w├╝nschte, dass ein Fremder Zugang zu diesen Gedanken hatte, doch Brandur interessierte weniger ihr Inhalt, sondern vor allem das Gef├╝hl, was damit einherging, wenn er diese Bereiche bedr├Ąngte. Sobald er Scham sp├╝rte, lie├č er davon ab, ohne sich dem Verborgenen weiter zu widmen, um Wolframs Intimsph├Ąre nicht zu verletzen, wenn er jedoch Angst oder sogar eine entschiedene aggressive Abwehr sp├╝ren sollte, w├╝rde er diesen Stellen besonderen Wert beimessen. Wenn es ihm nicht gel├Ąnge, zu diesen durchzudringen und sie zu ├╝berpr├╝fen, w├╝rde er Wolfram sein tiefstes Misstrauen aussprechen.

Er selbst gab w├Ąhrend ihrer mentalen Verbindung so gut wie gar nichts seiner selbst frei, er lie├č Wolfram lediglich seine Gef├╝hle ihm gegen├╝ber sp├╝ren - ausgepr├Ągte Besorgtheit, ├ťberforderung mit der Situation, zur├╝ckhaltendes, aber vorhandenes Wohlwollen. Auf diese Weise sollte Wolfram sehen, dass Brandur momentan kein Feind war - jedoch auch seine Freundschaft nicht im Voraus verschenkte und seine Meinung durchaus ├Ąndern konnte, sollte es Anlass dazu geben.

"Das Aufw├╝hlen meiner Erinnerungen durch deinen Bericht vermag mich nicht zu kr├Ąnken", erwiderte Brandur, der nach der vertrauensvollen ├ťberpr├╝fung nun zum Zeichen, dass er etwas weniger reserviert zu sein gedachte, aufh├Ârte, von sich als 'seine Person' zu sprechen. "Dass Kunwolf samt seiner Familie gefallen ist, habe ich gesp├╝rt und seinen Tod bedauert, auch, wenn ich selbst wenig vorher sein Ableben durchzuf├╝hren beabsichtigt hatte. So waren die Dinge nun mal gestaltet. Als Dunwin und Alastair fielen, zog dies eine erhebliche Ersch├╝tterung des Nexus nach sich, die mir ebenfalls nicht entging. Ich ├╝berlegte, ob es Zeit sei, aus dem Exil zur├╝ckzukehren und nahm die geplante Hochzeit zum Anlass, nach dem Rechten zu sehen."

Einen Moment schwieg er, st├╝tzte sich auf seinen Spazierstock und sammelte sich. Er hatte lange nicht am St├╝ck so viel geredet. In der Regel h├Ârte er eher zu, was Kasimir zu berichten hatte. In weiser Voraussicht geleitete Wolfram den ersch├Âpften Brandur ins Haus, stellte ihm die Dienerschaft vor und bot ihm Kaffee an, den dieser auch dankend annahm.

Brandur verweilte bis zur Hochzeit bei Wolfram. Die meiste Zeit verbrachte er allein im herbstlichen Garten, betrachtete die Bl├╝ten und Fr├╝chte und dachte nach. Zum Kaffee sa├čen er und Kunwolf gemeinsam beieinander und unterhielten sich, wobei Brandur sich jedoch mit Informationen ├╝ber sich sehr bedeckt hielt. Weder berichtete er von seiner Nachtburg, noch davon, was er sonst in all den Jahren getrieben hatte, sondern belie├č es bei oberfl├Ąchlichen Themen. Es lag weniger daran, dass er Wolfram nicht traute, sondern daran, dass er jenen nicht traute, denen er diese Informationen wom├Âglich weiterreichte.

Als der Tag der Hochzeit gekommen war, verbrachte Brandur noch mehr Zeit als sonst im Bad, wo Kasimir ihm half, sich zurechtzumachen. Er legte Brandur eine kn├Âcherne Weste um, die er selbst gefertigt hatte und die gleichzeitig als Schutz gegen Dolchst├Â├če und als Mieder diente, um den schmerzenden R├╝cken zu st├╝tzen und den im Alter erschlafften K├Ârper optisch zu straffen. Im Gegensatz zu anderen Adligen hatte Brandur wegen seiner Verkr├╝pplungen nach Kampf und Sturz nicht die Vorraussetzungen, um sich regelm├Ą├čig um k├Ârperliche Ert├╝chtigung k├╝mmern zu k├Ânnen und auch wenig Lust darauf versp├╝rt, sondern sich lieber der nekromantischen Arbeit gewidmet.

Gemeinsam mit Kasimir, Wolfram, und wen auch immer Wolfram mitzunehmen gedachte, stiegen sie in den Wyvern und machten sich bereit zum Abflug. Wolfram wurde die Ehre zuteil, neben Brandur ganz vorn zu sitzen. Sie waren in dicke Reisedecken eingeschlagen. Es herrschte bestes Flugwetter, doch sie flogen Nachts, um Kasimir zu sch├╝tzen, so dass sie vermutlich die letzten G├Ąste sein w├╝rden. Wenn es schlecht kam, w├Ąre die Trauung dann bereits vorbei.
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Re: Der Hexenmeister

#6

Beitragvon Wolfram von Wigberg » Sa 16. Sep 2017, 00:01

Wolfram beabsichtigte noch etwas zu Brandurs Ausleseank├╝ndigung zu ├Ąu├čern, aber da war der Nekromant auch schon in seinen Geist eingedrungen und durchst├Âberte ihn nach Herzenslust. Wolfram war f├╝r einen Moment wie paralysiert. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Brandur so schnell reagieren w├╝rde. Auf der anderen Seite, war Brandur ein Hohenfelde und ein sehr m├Ąchtiger dazu.

Wolf konnte Brandur nicht aus seinem Geist vertreiben, selbst wenn er dies beabsichtigt h├Ątte. Daf├╝r war sein Gegen├╝ber viel zu m├Ąchtig. Wolfram hatte auch nicht vorgehabt, ihm den Zutritt zu verweigern, ansonsten h├Ątte er das Angebot nicht unterbreitet.

Nur war er von der Schnelligkeit und Heftigkeit ├╝berrascht und ├╝berrumpelt. F├╝r einen Sekundenbruchteil k├Ąmpfte er den Drang nieder, sich gegen den Zugriff zu wehren. Nicht da er etwas zu verheimlichen hatte, es war vielmehr ein Reflex.

Immerhin wusste er warum Brandur so reagierte, als Vorsicht und aus Angst. Auch wenn Brand nichts von sich an Informationen preisgab, so ├╝bermittelte er doch seine Gef├╝hle. Und die best├Ątigten Wolframs Vermutung.

Also lie├č er seinen Gast gew├Ąhren und duldete stillschweigend die sehr intensive Kontrolle. Er h├Ątte eh nichts anderes tun k├Ânnen.

Es gab kaum Themen die Wolfram peinlich waren. Eine einzige Information war mit Scham behaftet, aber diese las Brandur nicht aus, da er freundlicherweise um diese Gef├╝hle einen Bogen machte.

Brandur konnte nichts finden, was ihn h├Ątte ├Ąngstigen k├Ânnen. Wolfram hatte alles was er zu ihm gesagt hatte, genauso gemeint. Er hatte die Wahrheit gesprochen.
Als die ├ťberpr├╝fung vorbei war, rieb sich Wolfram den schmerzenden Sch├Ądel. Einen Kaffee ben├Âtigte er nun ebenfalls.

Wolfram h├Ârte Brandur aufmerksam zu. Brandur beschrieb seine Empfindungen beim Ableben von Kunwolf, Dunwin und Alastair. Wolfram hatte nichts im Nexus gesp├╝rt, aber diese Personen hatten ihm auch nicht derma├čen nahegestanden, dass er ein Band zu ihnen gekn├╝pft h├Ątte.

Das Brand trotz allem den Tod seines Bruders Kunwolf bedauerte, freute Wolfram. Es gab ihm Hoffnung, dass bei Brand noch nicht alles verloren war, obwohl sein Vater Alastair alles daran gesetzt hatte aus ihm etwas zu formen, dass jegliche menschliche Emotion verloren hatte.

Zu was immer Brand geworden war, er war noch in der Lage Mitleid zu empfinden und zu erkennen, was man ihnen angetan hatte. Wolfram legte ihm kurz eine Hand auf die Schulter.

"Ihr h├Ąttet Euch von Alastair abwenden sollen Du und Kunwolf, falls Euch die M├Âglichkeit geboten worden w├Ąre. Man hat Euch gegeneinander ausgespielt Brandur. Das ist keine Vorhaltung, denn ich wei├č selbst wie schwierig das ist von so einer Familie loszukommen. Wir geh├Âren der gleichen Sippe an Brand.

Bei uns ist es nicht anders. Aber das ist deren Spiel und nicht mein Spiel. Wenn sich alle um das Geld und die Macht streiten, dann sollen sie es haben. Sie haben Recht und ich habe meine Ruhe.

Deine Neffen haben ein anderes Zeitalter in Deiner Familie eingel├Ąutet. Schaue nur nach dem Rechten. Eventuell gef├Ąllt es Dir sogar",
erkl├Ąrte Wolfram.

Mit den Worten lie├č er Brandur erst einmal in Ruhe ankommen. Brandur brauchte einige Tage um sich zu aklimatisieren. Die meiste Zeit verbrachte er im Garten, was Wolfram sehr freute. Er selbst nutzte den Garten auch f├╝r jede Gelegenheit. Zum Nachdenken, zum Entspannen, zur Freude, zur Arbeit - eigentlich war er so gut wie immer im Garten.

Brand und er hatten sich in den Tagen seines Besuchs angew├Âhnt, gemeinsam Kaffee zu trinken. Wolfram genoss die Zeit, auch wenn Brandur nicht viel von sich und seinen Erlebnissen erz├Ąhlte. So etwas st├Ârte Wolf nicht. Brand h├Ątte genauso gut schweigen k├Ânnen. Solange es ein zufriedenes und angenehmes Schweigen war.

Der Mann war eines der unliebsamen, misshandelten und gepr├╝gelten Gesch├Âpfe. Manche Wunden brauchten ihre Zeit, manche Wunden heilten nie. Und dennoch hatte Wolfram nie eines dieser Gesch├Âpfe aufgegeben. Man konnte nicht alle retten, aber man konnte daf├╝r sorgen, dass wenn sie eines Tages gehen mussten, dass sie es nicht mit Angst im Blick taten. Sondern sich vielleicht doch an ein zwei sch├Âne Stunden in ihrem Leben zur├╝ck erinnern konnten, wenn es auch sonst der reine Abgrund war.

Und selbst wenn Brandur sich im Nexus nur an den Herbstgarten und ihre Tasse Kaffee in Freude zur├╝ck erinnerte, war dies besser als nichts.

Wolframs Haus in Daijan war wie heraus geschnitten aus der Zeit. Hier wurde nur auf die Uhr und den Kalender geachtet, sobald es einen trifftigen Grund daf├╝r gab. Ansonsten ging alles seinen friedlichen, ruhigen Lauf. Es gab weder Hetze noch b├Âse Worte. Dies war seine Welt und hier herrschte das Ruhige, Gem├╝tliche und Sch├Ângeistige. Selbst sein uraltes Pferd wurde nicht angebunden, sondern konnte sich frei bewegen.

Am Tage der Hochzeit zog Wolfram seine beste und vor allem sauberste Robe an und g├Ânnte sich vorher eine ausgiebige Zeit im Bad. Dann war es schon Zeit f├╝r den Aufbruch. Wolfram nahm weder Margot noch Beaunois mit. Gleichg├╝ltig was bei Brandurs Neffen vor Ort geschehen w├╝rde, er w├╝rde Brandur beistehen.

Gut gelaunt nahm Wolfram in dem Flugef├Ąhrt Platz und konnte sich ein breites, kindisches Grinsen nicht verkneifen. Er war gespannt auf den Flug.
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Re: Der Hexenmeister

#7

Beitragvon Brandur von Hohenfelde » Sa 16. Sep 2017, 13:14

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Re: Der Hexenmeister

#8

Beitragvon Ansgar von Hohenfelde » So 17. Sep 2017, 23:02

Familiengespr├Ąch - zwischen Brandur und Ansgar -- 17-09.202


Brandur von Hohenfelde
Dabei wollte ich nur gratulieren.

Ansgar von Hohenfelde
kann jeder behaupten *schmoll*

Ansgar von Hohenfelde
*Linie mit dem Fu├č auf den Boden zieh*

Brandur von Hohenfelde
Glaubst du mir etwa nicht? Das kr├Ąnkt mich!

Ansgar von Hohenfelde
aber nat├╝rlich glaube ich Dir Onkel.

Brandur von Hohenfelde
Das widerum glaube ich dir nicht. *g*

Ansgar von Hohenfelde
glaubst Du mir etwa nicht, dass ich Dir glaube? Das entt├Ąuscht mich und trifft mich tief in meiner Seele sfg

Brandur von Hohenfelde
Wir haben uns gegenseitig zutiefst beleidigt, wir sollten eine Blutfehde beginnen, um unsere Ehre wiederherzustellen.

Ansgar von Hohenfelde
das d├╝rfte ein Problem werden, wir geh├Âren der gleichen Familie an.

Brandur von Hohenfelde
Mist!

Ansgar von Hohenfelde
sfg

Brandur von Hohenfelde
Was machen wir jetzt?

Ansgar von Hohenfelde
uns vermutlich t├Âten
darauf l├Ąuft es doch letztendlich immer hinaus nicht wahr?

Brandur von Hohenfelde
Guter Vorschlag! Ich fange an. *fg*

Ansgar von Hohenfelde
und das obwohl Ihr Friedfertigkeit versprochen habt? Ihr fangt um 00:01 Uhr an
ab dato z├Ąhlt es als neuer Tag und niemand ist mehr an sein Wort gebunden. Weder Ihr noch ich...

Brandur von Hohenfelde
Ich habe aber den zweiten Kuchen noch nicht probiert. Darum kritisiere ich diesen Vorschlag aufs sch├Ąrfste.

Ansgar von Hohenfelde
Meiner Person entzieht sich die Kenntnis was Ihr mit dieser Aussage bezweckt Onkel. Hei├čt das Ihr beabsichtigt Euer Wort zu brechen oder beabsichtigt Ihr Eure Frist zu verl├Ąngern, zwecks Verzehr eines St├╝ck Torte? Ersteres werde ich passend quittieren, zweites dulde ich gerne

Brandur von Hohenfelde
Nun, ein Tag besteht bekanntlich aus mehr als nur wenigen Stunden und als ich von diesem Tage sprach, meinte ich daher nicht nur den kurzen Zeitraum bis Mitternacht. Wie sollte ich in dieser Zeit ein vern├╝nftiges Bild von der Lage erhalten? Mein Leibdiener hat noch eine Taschenuhr ├╝brig, ich werde ihn bitten, sie dir zu ├╝berlassen, damit du dich selbst vom Stundenumfang eines Tages auf dem Ziffernblatt ├╝berzeugen kannst.

Ansgar von Hohenfelde
Touche liebster Onkel, ich verzeihe Euch diese Bissigkeit gro├čm├╝tig, da mich der Umstand Eurer Lageer├Ârterung erfreut und Ihr nicht versucht mich zu hintergehen. Vielmehr steht Ihr mehr zu Eurem Wort als es n├Âtig gewesen w├Ąre. Ihr h├Ąttet mich betr├╝gen k├Ânnen... nur zu bildet Euch Eure Meinung

Brandur von Hohenfelde
Ich bin ein von Hohenfelde, aber ich bin nicht risikofreudiger als n├Âtig. Ich wiederhole: Wenn ich Euch oder irgendjemanden sonst h├Ątte tot sehen wollen, w├Ąre ich nicht pers├Ânlich erschienen. Aus Fehlern lernt man.

Ansgar von Hohenfelde
jedenfalls begeht unsereins keinen Fehler zweimal, dies ist gewiss. Nun da Ihr hier seid und niemand tot sehen wollt und ich heute ebenso nicht beabsichtige jemanden zu t├Âten, k├Ânnt Ihr getrost die Lage sondieren. Ihr habt meinen Segen dazu

Brandur von Hohenfelde
Das werde ich, mein Lieber Ansgar. So viel Feuer in deinem Herzen. Der gute Dunwin hat es nicht zu ersticken vermocht. Vielleicht hat er es ja gesch├╝rt, ohne es zu wissen? Er selbst war eher wie eine Gletscherlawine, wenn sein Zorn losbrach. Es dauerte, aber es kam heftig und oft unerwartet und er begrub jeden unter seinem Eis. Dein Zorn ist leichter zu wecken und ist feuriger. Du drohst viel, bevor du handelst.

Ansgar von Hohenfelde
Ein Kompliment aus Eurem Mund? Oder vortrefflich verpackter Hohn? F├╝r ersteres habt Dank. Solltet Ihr zweites beabsichtigt haben... trete ich den Beweis an, dass ich mich nicht provozieren lasse gg
Dazu f├Ąllt meiner Person gerade eine witzige Annekdote ein, bezogen auf Eure Beschreibung meines werten Vaters. Er war nicht nur aus Eis, er liegt gerade auch auf Eis. Erheiternd gg

Brandur von Hohenfelde
Ich m├Âchte ihn gern sehen.

Ansgar von Hohenfelde
nennt mir einen guten Grund warum und ich gestatte es

Brandur von Hohenfelde
Einen guten Grund? Was ist ein guter Grund aus deiner Sicht? Ich bin neugierig, ihn da tot liegen zu sehen, meinen kleinen Bruder.

Ansgar von Hohenfelde
Ein guter Grund w├Ąre dass Ihr ihn selbst tot sehen wolltet. Euch von seinem Tod ├╝berzeugen m├Âchtet. Nun ich gestatte Euch ihn zu sehen. Aber Ihr werdet ihn weder anfassen, noch Euch nur eine Sekunde Eurer Magie bedienen dort unten. Ihr versteht warum nicht wahr?

Brandur von Hohenfelde
Ich wei├č, dass er tot ist. Ich bin ein Nekromant und kein Geistmagier, doch das Leben meiner Familie zu sp├╝ren war mir seit jeher verg├Ânnt - oder ich dazu verflucht. Ich brauche seine Leiche nicht zu sehen, um seinen Tod zu glauben. Ich wusste es lange, bevor man mir davon berichtete. Nat├╝rlich verstehe ich deine Sorge. Keine Magie. Ihn zu ber├╝hren d├╝rfte ohne diese kaum eine nennenswerte Auswirkung haben.

Ansgar von Hohenfelde
Nun da irrt Ihr Euch... oder auch nicht. Wie Ihr korrekt anmerkt seid Ihr kein Geistmagier. Dave las ihn gerne aus. Von mir aus schaut ihn Euch an, Euren "kleinen Bruder". Ihn so zu titulieren klingt f├╝r meine Person... nun f├╝r mich abstrakt. Es verharmlost ihn. Oder Ihr seht ihn anders, ich wei├č es nicht.

Brandur von Hohenfelde
Es ist die dritte M├Âglichkeit. Ich habe ihn gern so angesprochen zu seinen Lebzeiten, um ihn damit zu verspotten. Dunwin hat sich sehr dar├╝ber ge├Ąrgert, er hatte, mit Verlaub, ausgepr├Ągte Minderwertigkeitskomplexe. Mit so etwas konnte man ihn wunderbar necken, ohne sich gro├če M├╝he daf├╝r machen zu m├╝ssen, wie ein Kompott zu vergiften.

Ansgar von Hohenfelde
Die hatte er nach wie vor, er hat sein Weltbild von das Eures Vaters abh├Ąngig gemacht und zeitgleich hat er es verachtet. Nun man kann nicht einem Bild entsprechen, dass man zeitgleich hasst. Er hat es versucht. Aber das hat ihm weder die Zuneigung noch die Anerkennung Alastairs eingebracht. Er blieb was er war, ein Nichtmagischer Bastard

Brandur von Hohenfelde
Nichtmagisch, ja, Bastard, vielleicht. Demnach siehst du deinen eigenen Sohn also ebenfalls als Bastard, da ihm die Gabe fehlt.

Ansgar von Hohenfelde
Ein sagen wir mal unbequemes und leidliches Thema. Lin ist kein Bastard, ich bitte das zu beachten ja? Er ist mein leibliches Kind, aber nun es l├Ąsst sich nicht leugnen, er hat ein Problem. Ihm fehlt die Gabe

Brandur von Hohenfelde
Nun, auch Dunwin war meines Wissens nach Alastairs leibliches Kind, es sei denn, du wei├čt mehr als ich. Wo ruhen er und mein Vater?

Ansgar von Hohenfelde
Korrekt Onkel, damit habt Ihr vollumf├Ąnglich Recht. Bastard ist nur ein Schimpfwort unsererseits f├╝r eine Unperson, der wir unser Missfallen auszusprechen gedenken. Wir h├Ątten ihn auch als umagischen-Penner titulieren k├Ânnen. Bastard bezieht sich nur auf die abwertende Schmach die diese Dispektierlichkeit mit sich bringt. Folgt mir *Vorgeh zum Labor*

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Re: Der Hexenmeister

#9

Beitragvon Wolfram von Wigberg » Mi 27. Sep 2017, 23:15

Wolfram ritt mit dem geborgten Pferd Richtung Heimat. Geborgt klang f├╝r Wolf besser als gestohlen, denn letztendlich hatte er nicht vor dass Pferd zu stehlen. Er kannte zwar den Besitzer nicht, aber sollte jemand aus der Verwandtschaft oder dem weiteren Bekanntenkreis ein Pferd als vermisst melden, dann w├╝rde die Person selbstverst├Ąndlich von ihm sein Pferd wieder ausgeh├Ąndigt bekommen.

Die Handlung war aus der Not heraus geboren worden. Brandur war gemeinsam mit Lin und Dunwin geflohen. Wohin, dass konnte Wolfram nicht wissen, womit sie geflohen waren, war logisch - mit Brandurs Kutsche.

Per Luftweg waren sie schneller als jeder Reiter und sie konnten problemlos jedes Hindernis ├╝berwinden. Da er gemeinsam mit Massimo Brandurs R├╝ckzug gedeckt hatte, war seine Mitreisegelegenheit somit hinf├Ąllig.

Kasimir erging es nicht anders. Und um den Vampir vor den restlichen Familienmitgliedern zu sch├╝tzen, hatte Wolfram nun ebenfalls fliehen m├╝ssen. Die von Hohenfelde waren nicht f├╝r ihre Friedfertigkeit bekannt, wobei sich Ansgar heute erstaunlich zug├Ąnglich und kooperativ verhalten hatte. Und dies in so einer Ausnahmesituation.

F├╝r Wolfram gab es somit immer noch Hoffnung, dass sich alles in der Sippe zum Guten wenden konnte.

Im Moment aber war die See der Verhandlung zu rau, die Wogen mussten sich erst gl├Ątten, denn ansonsten gab es f├╝r alle einen gewaltigen Schiffbruch und sie w├╝rden in der tosenden See ihrer Wut elendig ersaufen.

Wolfram hatte genau vor dies zu verhindern.

Da der Kampfmagier nicht wusste, wohin Brandur letztendlich geflohen war, beschloss er in sein Haus zur├╝ckzukehren. Sollte Brandur ihn oder Kasimir suchen, dann wusste er, wo er sie beide finden w├╝rde.

"Kasimir ich wei├č nicht wohin Dein Herr geflohen ist. Du bleibst so lange bei mir, denn ich vermute er wird Dich bei mir suchen. Bei mir bist Du sicher und ein gern gesehener Gast.

Wegen Deinem Blutdurst m├╝ssen wir uns wohl erst einmal keine Gedanken machen, soviel wie Du gesoffen hast. Falls doch, werde ich einen Heiler beauftragen mir Blut abzunehmen und es Dir wie auf der Feier dann zur Verf├╝gung stellen.

Ich werde Zuhause versuchen Kontakt zu Deinem Meister aufzunehmen um ihm mitzuteilen wo Du bist",
erkl├Ąrte Wolfram freundlich.
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Re: Der Hexenmeister

#10

Beitragvon Marlo von Falkenberg » Do 28. Sep 2017, 10:18

Marlo
 
f├╝hlte dass Wolfram nach ihm sp├╝rte. Er suchte ihn, aber dann kam er nicht zu ihm zur├╝ck in den Tempel. Marlo konnte sich das nicht erkl├Ąren. Vielleicht war Wolfram aufgehalten worden. Marlo wartete noch was l├Ąnger, aber Wolfram kam nicht. Er versuchte nun von sich aus Wolfram zu finden. Da er nicht so ein m├Ąchtiger Magier war, sondern nur ├╝ber r├╝ckst├Ąndige F├Ąhigkeiten verf├╝gte dauerte seine Suche l├Ąnger. Wolfram war nicht mehr auf dem Anwesen. Er bewegte sich immer weiter davon weg. Marlo stellte seinen Teller ab. Er verliess den Tempel und ging in den Stall. Geritt sein treues Pferd wartete auf ihn und begr├╝sste ihn mit einen freundlichen Schnauben. Marlo hatte zwar nicht viel Zeit, aber die Zeit Gerrit anst├Ąndig zu begr├╝ssen nahm er sich immer. Er streichelte den grossen Kopf und sprang auf Gerrits R├╝cken. Marlo ritt aus den Stall und hetzte dann mit Gerrit Wolfram hinterher. Sein Pferd war schnell und ausdauernd und genauso kampferfahren wie sein Reiter. Und so holte er Wolfram nach einen langen, harten Gel├Ąnderitt ein. Marlo bremste Gerrit ab und ritt neben Wolfram her.
 
ÔÇ×Ich hab gef├╝hlt, dass du mich gesucht hast Wolfram. Wozu, du hast mir keine Botschaft geschickt. Zuerst dachte ich du bist aufgehalten worden. Aber dann f├╝hlte ich, dass du das Anwesen verl├Ąsst und davon reitest. Was ist los? Wo ist Brandur? Und Massimo, wo ist der? Die waren doch zuletzt bei dir. Sch├Ânes Pferd ├╝brigens, aber nicht deine alte Schindm├Ąhre.ÔÇť
 
Marlo schenkte Wolfram eines von seinen seltenen L├Ącheln.
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