Der Hexenmeister


Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist geprägt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied benötigt man starke Nerven und gleichermaßen ein Händchen für Bündnisse und Hinterhalte.
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Wolfram von Wigberg
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Re: Der Hexenmeister

#31

Beitragvon Wolfram von Wigberg » Di 3. Okt 2017, 12:52

Wolfram ritt ein StĂĽck zur Seite und zog kurz eine Augenbraue hoch.

"Willst Du mich vom Pferd stoĂźen oder was soll der Unfug? Gleich wirst Du mir sagen, ob Du mich in meinem Haus wiedererkennst? Es ist noch eine Ecke zu reiten Marlo", lachte Wolfram.

"Aber sobald wir erst einmal da sind, werden wir uns von dem Ritt und von dem ganzen Stress erholen. Du kannst es Dir unten im Keller gemütlich machen, gemeinsam mit Kasimir oder Du suchst Dir eine andere gemütliche Ecke für Dein Bettzeug. Du kannst Deine Schlafmatte überall ausrollen, ich habe einige im Haus. Allerdings habe ich nur ein einziges Bett und das gehört mir.

Mein Haus liegt in einem verborgenen Tal und es ist für mich eine wunderbare Behausung, falls nicht das schönste Haus auf ganz Asamura.

Das abgelegenen Tal ist ein Ort der Ruhe und Entspannung. Man findet dort Wasserfälle, Bäche und eine vielfältige Blumenpracht für die ich verantwortlich bin. Ebenso findet man Dank der Blumen wo Schmetterlinge und Insekten. Und dank letzteren jede Menge kleine Singvögel.

Eingebettet in diesem idyllischen Tal steht mein kleines Haus. Auf manche mag es zwar beengend wirken, jedoch ist es dafür umso gemütlicher. Und es ist liebevoll eingerichtet. Zudem ist alles vorhanden, was ich benötige.

Das Tal befindet sich südlich des von Daijan. Wenn wir dort angekommen sind, wirst Du im Gebirge eine Art Höhle entdecken. Es handelt sich dabei aber nicht um eine Höhle sondern es ist der Eingang zu meinem abgeschlossenen Tal.

Die Höhle ist der Durchgang zum verborgenen Tal. Einfach absteigen, die Pferde durchführen und so kann es betreten werden. Mein Haus ist also nur durch diese Höhle zu erreichen, oder per Luftweg. Den hat allerdings bis zum heutigen Tage nur eine Person eingeschlagen. Vermutlich wäre anderen Familienmitgliedern diese Art zu leben zu beengt, ich genieße den massiven, steilen Felsen um mein Haus samt Garten.

Kurzum ich sehe den Felsen als Schutz meines Zuhauses, wir leben quasi eingebettet im Felsen mitten im GrĂĽnen. Wer kann das schon von sich behaupten?",
grinste Wolfram.

Wolf streichelte mit einem Finger Kasimirs Fledermausköpfchen.

"Nein Dein Herr wird ganz gewiss keinen anderen Leibdiener einstellen. Ein Leibdiener genießt das besondere Vertrauen seines Herrn, ein Vertrauen dass nicht mal einigen Verwandten zuteil wird, oder gerade denen nicht. Ein Leibdiener hält jeden Morgen eine scharfe Klinge an die Kehle seines Herrn, das ist auch diesem bewusst. Würde er Dir nicht vertrauen, meinst Du er würde Dir dann so eine Macht über sich überlassen?

Und so mancher Leibdiener hat seinen Herrn schon nackter gesehen als dessen Ehefrau, Geliebte oder sonstige Gespielinnen und Spielgefährten. Von den persönlichen Vertrautheiten was Geheimnisse, Sorgen und Nöte angeht, ganz zu schweigen Kasimir.

Marlo hatte nicht vor eine BegrĂĽĂźung mit einer medizinischen Behandlung gleichzusetzen. Ich hingegen setze ganz unbewusst die Pflege eines Leibdieners mit der Pflege einer Schwester oder eines Heilers gleich. Vermutlich da ich sie so lange erdulden musste.

Gewünscht von einer vertrauten Person, ist dies sicher angenehm. Aber gezwungenermaßen von Fremden angefasst zu werden, ist nichts was man gerne über sich ergehen lässt. Man fühlt sich hilflos und ausgeliefert, das kann ich Euch versichern. Aus diesem Grund begann ich mich selbst zu pflegen nach meiner Genesung. Den Wert Deiner Dienste weiß ich dennoch zu würdigen Kasimir, ich weiß was Du für Deinen Herren leistet.

Gerne meine beiden Bediensten dürfen mich ebenso beim Vornamen nennen, für mich klingt das freundlicher. Selbstverständlich werde ich nach Ankunft umgehend Brandur über Deinen Verbleib informieren. Hab keine Sorge, ich habe es Dir doch versprochen Kasimir",
antwortete Wolfram gut gelaunt.
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Marlo von Falkenberg
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Re: Der Hexenmeister

#32

Beitragvon Marlo von Falkenberg » Di 3. Okt 2017, 19:25

Marlo

schaute zu Wolfram rĂĽber.

"Die Antwort ob ich dich vom Pferd stossen will spar ich mir. Gleich sobald wir da sind halt, machs nicht komplizierter als es ist Wolf. Lass uns den Weg über was schwatzen. Was du über dein Haus erzählst klingt gut. Einerseits ist so ein Haus in einen Talkessel sehr gut zu verteidigen. Eine Truppe kann gar nicht dein Haus stürmen. Die müssen durchs Nadelör und du kannst sie auf der anderen Seite erwarten. Aber wenn du selbst mal schnell fliehen musst, dann könnten deine Feinde genauso auf der anderen Seite warten und dich dort abfangen. Ich weiss nicht wie oft du dein Heim verlässt, wenn du vor Ort alles hast was du brauchst. Und wer überhaupt den Zugang zu deinen Zuhause kennt Wolf.
Aber generell würde ich sagen, der Vorteil überwiegt. Wenn du ausreichend Vorräte hast kannst du eine ganze Weile eine Belagerung standhalten. Dann kannst du dich noch mit dem Garten versorgen. Hast du einen Brunnen oder sowas? Dann musst du dir um Wasser genauso wenig Sorgen machen. Wasser ist immer das wichtigste vor allen anderen Gütern. Ohne Wasser kann niemand überleben. Aber dass muss ich dir ja nicht sagen, du mit deinen Pflanzentick. Vermutlich würdest du nicht mal irgendwo wohnen, wo es nicht genug Wasser für deine Pflanzen gibt.
Das ist nicht so, dass ich Pflanzen nicht mag, ich hab nur keine Ahnung von ihnen. In einen schönen Garten fühlt sich jeder wohl. Und der Zuhause wird nicht von uns, sondern von den Gärtnern gepflegt. Jeder geniesst es, aber keiner von uns weiss wie man sich um die Pflanzen kümmert. So ist das mit vielen Dingen. Wir haben nicht das Wissen, wir haben die Taler für die Leute die das Wissen haben.
Drum werde ich garantiert deinen Garten geniessen und nutzen. Vielleicht helfe ich dir bei deiner Arbeit. Es kommt drauf an wie lange ich bleibe. Ansonsten mach ich mich anders nützlich. Es wird sich schon was finden. Ob Brandur deine Einladung annimmt? Was meinst du? Ich hätte gerne noch mit Dave wegen einen Job gesprochen, wie ich dir vorhin schon erklärt habe. Aber dazu ist es nicht mehr gekommen. Ich konnte weder ihm noch seinen Mann oder dem anderen Paar gratulieren. Ich dachte, Brandur wollte Dave gratulieren. Weshalb ist überhaupt der ganze Streit losgebrochen?
In nächster Zeit wird es vermutlich Grabenkriege geben. Wer steht auf Seite von Ansgar und wer wird sich auf Brandurs Seite schlagen? Immerhin hat er genauso ein Recht auf die Erbschaft. Jedenfalls wenn Ansgar nicht mehr da wäre. Dann wäre alles sein Besitz. Das heisst wir müssen aufpassen wer sich mit wem verbündet Wolf und wir müssen überlegen auf welcher Seite wir in dem Krieg stehen werden. Oder bist du wie immer neutral? Es kann passieren, dass du nicht neutral bleiben kannst. Wenn deine Familie Partei ergreift und du nicht, hast du deine Leute, Ansgar und Brandur als Feinde gegen dich. Drum überleg dir gut, wen du deine Stimme schenkst. Wobei, ganz ehrlich, ich denke die anderen gehen davon aus dass du schon eine Seite gewählt hast.
Ganz offen bist du mit Brandur angereist. Als Ansgar ihn anschiss hast du ihm beigestanden und zum Schluss hast du ihn mit Massimo gemeinsam zur Flucht verholfen. Es wird keiner davon ausgehen, dass du dich für Ansgar entscheidest. Und wolltest du dass, wird dir jeder unterstellen, dass du ein Spitzel bist. Ein Verräter für die andere Seite. Drum sei vorsichtig.
Bleib lieber bei deine Wahl die du schon getroffen hast. Du kannst versuchen zu vermitteln, aber das wird schwer. Massimo könnte dir dabei helfen, ich kann es genauso. Aber mein Wort hat nicht die gleiche Macht wie das von dir oder Massimo.
Zuhause hab ich genauso einen Leibdiener wie jeder andere Adlige. Aber wenn ich unterwegs bin, oder für meine Familie jemanden besuche, dann natürlich nicht. Das wäre schon komisch, auf einen Auftrag seinen Leibdiener mitzuschleppen. Aber ein Leibdiener ist was ganz privates, was intimes fast."

Marlo behielt beim reden die Umgebung im Auge. Nicht nur die Verwandten könnten ihnen nachsetzen, es gab genug Pack auf der Strasse dass sie aufpassen mussten. Aber Marlo hatte keine Bedenken, dass er mit so einen Pöbel fertig werden würde und mit Wolfram an seine Seite sowieso.
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Wolfram von Wigberg
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Re: Der Hexenmeister

#33

Beitragvon Wolfram von Wigberg » Mi 4. Okt 2017, 08:39

Wolfram hörte Marlo aufmerksam zu.

"Du hast vollkommen Recht, die Wahl einer Seite kann ich mir getrost schenken, ich habe bereits gewählt, als ich gemeinsam mit Brandur auf der Hochzeit erschien. Gut, ich hatte gehofft und bin davon ausgegangen, dass wir eine friedliche Lösung erreichen. Ansgar war zwar friedlich und sogar entgegenkommend, aber natürlich nicht ohne zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Und dabei hat er leider etwas seine guten Manieren vergessen.

Was wiederum verständlich ist, in Anbetracht der Tatsache, dass auf einmal sein angeblich verstorbener Großonkel in der Tür stand.

Übrigens ein Anrecht hat Brandur faktisch auf nichts. Die gesetzliche Erbfolge lautet Eltern und deren Abkömmlinge, es sei denn, es ist testamentarisch etwas anderes vermerkt.

Das bedeutet hätte Brandur Ansgar aus dem Weg geräumt, erben Ansgars Eltern, oder die anderen Abkömmlinge. Da Ansgars Eltern bereits tot sind, würde Dave alles erben.

Da ich davon ausgehe, dass Ansgar ein Testament geschrieben hat, wird vermutlich ein GroĂźteil Wolfi zufallen, ein weiterer Teil Fin und ebenso ein Teil Dave.

Folglich hätte Brandur nicht nur Ansgar aus dem Weg zu räumen, sollte er den Familienthron besteigen wollen und das weiß auch Ansgar. Nicht umsonst hat Dunwin Brandur samt Familie und Kunwolf samt Familie ausgelöscht.

Denk mal darĂĽber nach Marlo.
Die Hohenfelde sind nicht dafĂĽr bekannt, lose Enden zu hinterlassen.

Ich wünschte es wäre anders und alle wären bereit über ihren Schatten zu springen. Sich gegenseitig etwas Vorschussvertrauen zu schenken, sich dabei gemeinsam hinzusetzen und sich gegenseitig zuzuhören.

Allerdings bin ich immer noch der Auffassung, dass dies möglich ist. Dazu brauchen wir nur einige neutrale Personen, die die Streithähne auseinander halten und zur Not beruhigen. Selbstverständlich muss das von allen Beteiligten gewünscht sein.

Es spricht nichts dagegen, dass Du Dave immer noch um einen Job bittest, sobald sich Dir die Möglichkeit bietet. Sollte Dave zusagen bietet sich damit uns die Möglichkeit, an interne Informationen über seine und Ansgars Pläne zu kommen. Und es würde sich uns die Gelegenheit bieten, etwas positiven Einfluss auf Dave zu nehmen. Er ist vernünftig und umgänglich, solange er nicht mit Ansgar gemeinsam agiert. Nicht umsonst hat er seine Familie verlassen, ebenso wie ich.

Dort könnten wir einhaken und versuchen mit ihm zu verhandeln. Ihm liegt doch am Frieden und uns ebenso. Er könnte unser Sprachrohr bei Ansgar sein, sollte er sich dazu bereit erklären. Aber wir dürfen nicht mit der Tür ins Haus fallen. Du müsstest Dich langsam vortasten und ihm etwas auf den Zahn fühlen, wie er denkt und wo er gedanklich steht.

Dort könntest Du dann ansetzen und mit ihm sprechen. Das wäre meine Vorgehensweise, da ein offenes Agieren im Moment viel zu gefährlich für alle Beteiligen ist. Kurzum wir müssen versuchen die Wogen zu glätten, ohne das einer mitbekommt, dass wir eingreifen.

Was mein Haus anbelangt, fĂĽr Wasser ist gesorgt. Es gibt im Tal einen Wasserfall und sogar einen kleinen Fluss. Also Wassermangel haben wir nicht und es ist ein recht geschĂĽtztes Klima in dem kleinen Tal. Ich liebe den Ort einfach",
grinste Wolfram.
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Brandur von Hohenfelde
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Re: Der Hexenmeister

#34

Beitragvon Brandur von Hohenfelde » Mi 4. Okt 2017, 09:55

'Wir waren schon immer verbunden, Dunwin, unsere Geschicke miteinander verwoben vom Tag unserer Geburt an. Wir waren geboren und wurden herangezogen, um uns gegenseitig auszulöschen. Selbst als ich allein im Exil weilte, warst du immer da, ich spürte jeden Tag die Auswirkungen deiner Macht. Es verging kein Tag, an dem ich nicht deinen Namen verfluchte. Du hast ihn mir auf Körper und Seele gebrannt. Und doch bin ich froh, dass du heute wieder bei mir bist, Brüderlein. Ich habe den Dunwin meiner Kindertage vermisst, auch wenn ich den Erwachsenen verabscheute wie sonst außer ihm nur Alastair selbst. Jetzt aber erinnerst du mich wieder an den jungen Dunwin, jenen, der mir so sehr fehlte, den Alastair mir genommen hat, zusammen mit Kunchen und allen anderen.'

Brandur musste an den durchlöcherten Leichnam denken und er konnte nicht verhindern, sich vorzustellen, wie Dave auf ihn einstach, auf seinen kleinen Bruder, wie er seinen Körper durchlöcherte, den Ansgar nun wie eine Trophäe im Keller aufbewahrte, sich an ihm ergötzte, sich über ihn lustig machte. Sein Gesicht erschlaffte vollkommen und wurde ausdruckslos.

Lin war es, der ihn aus seinen finsteren Gedanken riss. Vielleicht, weil er bemerkte, dass sein Großonkel abdriftete. Gut gelaunt erklärte er ihm, dass er durchaus in der Lage war, ein Feuer zu entfachen. Brandur merkte, wie der Junge gegen den Schlaf ankämpfte, für ihn war das vermutlich alles wie ein großes Abenteuer. Er ahnte wahrscheinlich nicht, wie Ernst die Lage tatsächlich war. Das ungestüme Feuer und der Optimismus der Jugend ... Brandur hätte sich gewünscht, dass er Lin nicht genau das austreiben müsste, um ihn zu stählen für das, was kommen würde. Dass er ihm eine Umgebung bieten könnte, in der er einfach frei leben konnte. Doch das würde erst der Fall sein, wenn die letzten Mitglieder der alten Generation von Hohenfeldes nicht mehr waren. Aber er würde zumindest dafür Sorgen, dass es Linhard dabei gut ging, dass er darunter nicht zerbrach, sondern dass es ihn härtete und er daran wuchs - und er vielleicht sogar Spaß daran hatte. Er hätte gern Linhards Abenteuerlust stattgegeben und sich weiter mit seinem Zögling unterhalten, der ihn übermüdet und doch putzmunter ansah. Aber er konnte nicht mehr. Die Erinnerungen an den zerstörten Körper seines kleinen Bruders waren zu erdrückend, ebenso die Wut, die er auf Dave und Ansgar empfanden, weil sie ihn ermordet hatten.

"Schlaf jetzt", befahl Brandur barsch und drehte sich um.
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Re: Der Hexenmeister

#35

Beitragvon Erzähler » Mi 4. Okt 2017, 22:29

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Dunwins Geist
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Re: Der Hexenmeister

#36

Beitragvon Dunwins Geist » Do 5. Okt 2017, 07:09

Dunwin schwieg einen Moment, bevor er von sich aus das Wort ergriff.

„Dave… nun ich antworte Dir bevor Du fragen musst Linhard…
Dave betrifft ausschließlich mich…
Es ist eine Sache zwischen ihm und mir… und ich wünsche sie zu klären…

Aber dennoch sollt Ihr wissen was geschah…

So einen Tod habe ich nicht verdient Bruder?
Das mag sein… denn letztendlich erlöste er mich damit… ich hätte Schlimmeres verdient…
Denn… ich tat weitaus Schlimmeres…

Ich tötete ihn nicht nur… ich tötete ihn Stück für Stück… bei jeder Bestrafung ein Stück mehr…
Und dennoch ließ ich ihn leben…

Seinen Hass habe ich mehr als verdient…
Das was Du für unnötige Brutalität hältst Bruder… habe ich ihm Jahrzehnte lang angetan…

Ihm und seinem Bruder… aber vorrangig ihm… da er stets schwieg…
Da er sich auf diese Art meiner Macht widersetzte…

Was ich tat?

Ich schlug ihn… quälte ihn... misshandelte ihn...
Schlug ihn grün und blau…
Schlug ihn zusammen, brach ihm die Knochen… bekämpfte ihn wie einen Feind… einen Mann…
Aber er war nur ein Junge…

Kein Kind hat das verdient was ich ihm antat…

Ich war nicht nur als Vater abwesend…
Ich habe weitaus Schlimmeres getan…
Ich war als sein Foltermeister zugegen…
Und manchmal nicht einmal das...

Ich war als sein Verräter anwesend, wenn ich Dave schutzlos meinen Kameraden zum Spielen überließ… und sie ihn statt meiner quälten und zusammenschlugen…
In meinen Augen nicht meinen Sohn… sondern den Magier… den Feind…

Eines dieser scheinbar so mächtigen Wesen – das dann vor Schmerzen wimmernd vor anderen im Staub kroch und nicht mal mehr den Blick hob aus Angst…

Oder wenn ich ihn an sie verlieh…
Es mir gleichgültig war was sie ihm antaten… und ich mir denken konnte was es war… wenn er sich vor Schmerzen und Angst nicht mehr bewegen konnte…
Ausgesprochen hat er es nie… aber ich wusste es…
Ich wusste wozu sie ihn benutzen… und wie sie ihn benutzen…

Und das tatsächlich Perfide daran war nicht mein Wissen… sondern das es mir gleichgültig war…

So unsagbar gleichgültig…

Ich habe meinen Sohn vor langer Zeit getötet… ohne dass er starb…
Über Jahrzehnte hinweg… er hingegen war fast noch gnädig… in seiner Wut… in seinem Hass…

Die Tortur hätte Alastair verdient und nicht Dave und nicht Ansgar…

Ausreden hatte ich viele…
Hass auf Alastair… sie waren gewünscht… wieso ich nicht?
Wenn sie die Magie verlieren würden, könnte ich sie akzeptieren?

Dumme Fragen… unnötige Fragen…
Schlussendlich blieb nur eine Wahrheit… irgendwann habe ich ihre Angst genossen…

Ich hasste Alastair so sehr, dass ich Angst in den Augen von ihm… von Magiern sehen wollte…
Und in ihren Augen, in Ansgars und Daves Augen sah ich mehr… Todesangst… Panik…

Und ich habe es genossen…

Ich mag vieles gewesen sein… aber ein Vater war ich ihnen nie…
Ich habe nicht begreifen wollen was ich ihnen antat… zu was ich selbst wurde…
Was ich letztendlich fĂĽr ein Wesen geworden war...

Mit meinem Tod verlor ich nicht nur mein Leben…
Mit dem Verlust alles Weltlichen verlor ich die Einflüsterungen von Alastair…
Ich war blind durch Alastairs Macht über mich…

Und schlagartig sah ich das erstmal wer und was ich wirklich geworden war durch seine Hand…
Und durch mein eigenes Dazutun…
Ich sah zu was er mich geformt hatte und ich mich formen lieĂź...
Und es widerte mich an…

Ich würde es ungeschehen machen… wenn ich könnte…
Daves Tod… Ansgars Tod… Kunwolfs Tod…

Und auch Deinen Tod Bruder…

Ich würde sie alle ungeschehen machen…
Bis auf den einen Tod nicht, den würde ich verlangen… den Tod von Alastair…

Ich erwarte keine Absolution von Dave…
Ich erwarte nicht einmal Verständnis…
Ich möchte nur dass er weiß… dass ich verdreht war...
Das ich nicht ich selbst war... und es nicht mehr bin…

Bevor ich sie, meine Söhne verlor, habe ich vor langer Zeit mich selbst verloren...

Vor allem möchte ich, dass er ehrlich zu sich selbst ist…
Kann er sein Kind nicht lieben… darf er es nicht zeugen.
Er muss verzichten... für das Kind und für sich…
Kann er noch lieben… dann soll er es besser machen als ich…

Dies und noch einiges andere möchte ich ihm sagen…

Und ich werde Wiedergutmachung leisten…
Nicht an ihm… er wird es nicht zulassen… aber an Dir Linhard…

Dein Vater wie auch Dave fürchteten mich nicht grundlos…
Und sie trennten uns nicht grundlos Linhard…

Also richtet nicht über Dave und darüber wie er mich richtete…
Ich selbst vergebe ihm dies… ich hätte weitaus Schlimmeres verdient…“,
erklärte Dunwin leise.
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Brandur von Hohenfelde
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Re: Der Hexenmeister

#37

Beitragvon Brandur von Hohenfelde » Fr 6. Okt 2017, 16:23

Er hätte Dunwin stoppen können, als dieser unbarmherzig die Details seiner Grausamkeit darlegte, das Martyrium seiner Söhne, dass er selbst zu verantworten hatte. Er war ein Geist und stand unter seiner Kontrolle als Nekromant. Doch Brandur tat nichts, so wie er auch damals nichts getan hatte, obwohl er genau gewusst hatte, was sich in den Räumen des Herrenhauses abspielte. Die Schreie von Dunwins misshandelten Kindern waren durch Wände und geschlossene Türen gedrungen, also hatte Brandur musiziert, damit sie nicht an seine Ohren drangen. Auch jetzt summte er vor sich hin, während Dunwin beichtete. Für Linhard musste die Situation obskur wirken. Vielleicht bekam er nun Angst, vielleicht wurde er wütend, vielleicht würde er sich fragen, weshalb er mit diesen beiden irren alten Männern mitgegangen war.

Brandur jedoch konnten die Worte nichts anhaben. Er war gedanklich überhaupt nicht anwesend. Er blickte durch die Rippenbögen des künstlichen Drachen hinaus in die Nacht, betrachtete die unter ihnen vorbeiziehenden Berge und über ihnen die Sterne, die sich mit Dunwis Flügelschlag zu heben und zu senken schienen, als würde der Himmel atmen. Brandur träumte. Er träumte nicht von der Vergangenheit und nicht von der Zukunft, sondern von Dingen, die nie geschehen waren und nie geschehen würden.

Er rannte bar aller Schmerzen den Himmel hinauf, die Wolken zogen auseinander wie Vorhänge und offenbarten, dass Meer und Himmel eins geworden waren. Sterne zu allen Seiten. Es gab keinen Horizont, kein Oben und kein Unten. Brandur stieß sich vom Wind ab, sprangt und flog wie ein Harpyr. Daibos und Oril kreisten als Kometen um ihn, der rote und der weiße Mond zogen Streifen aus Licht, die sich mit der Nacht vermischten. Brandur suchte seine Burg, die zwischen Himmel und nicht mehr existenter Erde schwebte und die Monde bemalten sie mit rotem und weißem Licht. Es war keine Nachtburg mehr, sondern ein Schloss aus Licht gebaut. Brandur konnte durch die Wände fliegen, die auch ihn Licht werden ließen und plötzlich bemerkte er, dass er gar nicht allein war, sondern jene, die er totgeglaubt hatte, bei ihm waren. Sie waren Kometen, so wie er, ihre Funkenschweife malten einen falschfarbigen Regenbogen durch die Ewigkeit, der jäh abriss.

Dunwins Stimme verstummte. Das Licht zerbrach wie ein Spiegel, in den man mit der Faust hineingeschlagen hatte und der in Scherben von der Wand fiel.

Brandur fuhr hoch. Er sah sich um und war fĂĽr den Augenblick orientierungslos, brauchte einen Moment, zu begreifen, warum Finsternis ihn umfing, warum Gerwolf in Decken eingeschlagen neben ihm lag und warum Dunwin nicht mehr mit ihnen sprach. Er fuhr sich ĂĽber das Gesicht und begriff. Das war nicht Gerwolf, sie waren niemals Licht gewesen und Dunwin war tot.

Erschöpft ließ er sich wieder in die Decken sinken. Die Realität war wie ein drückendes, kaltes, schweigendes Grab, in dem er lag. Mit den Augen suchte er nach der Stelle, wo er mit dem Schuh von innen gegen den künstlichen Brustkorb getreten hatte, der sie umschloss. Er zog sein Stofftaschentuch aus der Manteltasche und wischte den Abdruck fort. Er polierte den Knochen zu lange, bis er alabastergleich glänzte. Vor sich hin starrend legte er das Taschentuch wieder zusammen und steckte es ein. Ohne etwas zu sagen und ohne etwas zu fühlen lag er da und blickte ins Nichts der Gegenwart, darauf wartend, dass sie endete.
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Re: Der Hexenmeister

#38

Beitragvon Linhard von Hohenfelde » Fr 6. Okt 2017, 22:17

Linhard setzte an etwas zu erwidern, aber kein Ton kam über seine Lippen. Er fühlte sich wie betäubt. Dunwin hatte mit seinen Worten einen Schleier weggerissen, der über der Realität gelegen hatte.

Am Rande des Schleiers hatte Linhard öfter diese Dunkelheit wahrgenommen. Etwas das am Rande der Realität lauerte und nur darauf wartete dass man einen zu langen Blick riskierte. Sein Vater war es gewesen, der sich stets in sein Blickfeld schob um ihn davor zu bewahren.

Schaut man zu lange in den Abgrund, dann schaut er in Dich zurĂĽck...

Ansgar hatte weder Wolfi noch ihm je einen Blick in den Abgrund gestattet. Er hatte eine Gefahr erwähnt, er hatte sie ermahnt und beschützt, aber den Abgrund selbst hatte er weder beim Namen genannt, geschweige denn beschrieben.

Andeutungen, halbe Erklärungen, Gesten, Dinge die er vorher nicht verstanden hatte, die er weder zuordnen noch begreifen konnte, ergaben auf einmal einen Sinn für Linhard. Dunwin hatte ihm das letzte Puzzlestück gereicht und damit sah Linhard nun das Gesamtbild. Und was er sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Linhard schlang die Decke fester um sich, denn ihm war schlagartig kalt.

War Dunwin zu einem Monster geworden um sein eigenes Monster zu jagen oder um diesem Monster zu gefallen? Am Ende möglicherweise sogar beides? Damit er es erlegen konnte? Linhard wusste es nicht.

"Was Du getan hast, ist so ungeheuerlich wie unverzeihlich GroĂźvater!", zischte Linhard leise.

Er benötigte einen Moment um sich zu sammeln.

"Weder Dave noch Ansgar werden Dir das je verzeihen. Aber Dein Begreifen wie Einsehen der Tragweite Deiner Schuld, dass musst Du ihnen gestehen, sollte Deine Reue wahrhaftig sein.

Dein Geständnis wird Dir nichts einbringen, aber den beiden.

Du wirst keine Absolution erhalten, das ist richtig, aber die beiden erhalten eine Erklärung und ich hoffe sie erhalten eine Entschuldigung. Trotz der Tatsache, dass sie diese ausschlagen werden.

Wiedergutmachung werden sie garantiert nicht zulassen. Was könntest Du auch tun, dass so etwas wieder gut macht Dunwin?

Du warst zu mir eine völlig andere Person, ich weiß nicht warum, aber ich spürte Deine Zuneigung und ich spüre sie immer noch.

Wer bist Du wirklich? Für Brandur und mich hoffe ich, der Dunwin den wir gerade erleben durften. Und nicht jener Mann eine Maske aus Grauen trägt. Vielleicht war Deine Seele unter Tonnen von seelischem Dreck begraben, den Alastair über Euch ausgekippt hat. Aber das gab Dir niemals dazu das Recht, was Du getan hast.

Allerdings gab das Erlebte meinem Vater auch nicht das Recht, mich fĂĽr Dich leiden zu lassen.

Trotz all dem, möchte ich Dich als die Person kennenlernen die Du nun bist. Ich denke Brandur sieht das genauso. Du schuldest mir nichts Dunwin, überhaupt nichts. Deine Schuld hast Du bei Brandur zu begleichen.

Meine Treue gilt ihm. Falls Dir was an mir liegt, unterstĂĽtze ihn als meinen Ziehvater, so wie Du es versprochen hast.

Du warst nie mein Feind und Vater nie mein Freund",
antwortete Linhard leise.

Lin beobachtete Brandur bei seinem Treiben, wie er die Stelle polierte, die er vorher mit dem Fuß vor Schmerzen malträtiert hatte. Er rutschte zu Brandur auf und deckte ihn vernünftig zu. Linhard ließ seine Hand auf Brandurs Schulter liegen, als Zeichen dafür, dass er für ihn da war.
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Re: Der Hexenmeister

#39

Beitragvon Wolfram von Wigberg » Sa 7. Okt 2017, 22:31

Gemeinsam waren sie einige Tage trotz ihres strammen Rittes unterwegs ehe sie Daijan erreichten. Einen weiteren Tag benötigten sie um an die Ausläufer des Gebirges zu gelangen, dort wo versteckt Wolframs Haus stand.

Während der Reise hatte Kasimir gut geschützt in Wolframs Robentasche ausgeharrt. Hier konnte ihn kein Sonnenstrahl erreichen, aber er musste in seiner Fledermausgestalt bleiben. Anders war es nicht möglich, da sie nicht nur über Nacht reisten.

Endlich hatten sie den Zugang zu Wolframs Haus erreicht. Ohne das Wissen um den Durchgang, wäre Marlo vermutlich vorbeigeritten.

Wolfram stieg von seinem Pferd ab und gab seinem Begleiter ein Zeichen es ihm gleich zu tun. Vorbei an zwei alten Baumstümpfen führte er sie in eine scheinbare Höhle. Sie stellte sich allerdings als Gang heraus. Wolfram führte Marlo immer weiter und nach einigen Minuten Wanderung, in der Wolfram sie nur führte indem er an der Höhlenwand entlangtastete sahen sie vor sich Licht.

Wolf fĂĽhrte sie in das Tal hinein und grinste Marlo gut gelaunt ĂĽber beide Ohren an. In einer allumfassenden Geste breitete er die Arme aus.

"Zuhause", war sein glĂĽcklicher Kommentar.

Das Haus lag wie bereits von Wolfram vorher erwähnt in einem verborgenen Tal.
Marlo sah dort Wasserfälle, Bäche und eine vielfältige Blumenpracht. Eingebettet in diesem idyllischen Tal stand Wolframs kleines Haus.

MĂĽde aber glĂĽcklich ging er auf sein Haus zu und wurde direkt von Margot und Beaunois empfangen.

"Wolfram Du warst lange fort, ist etwas geschehen? Ich vergesse meinen Umgang, willkommen Zuhause Wolfram und Euch willkommen im Hause meines Herrn werter Herr", grĂĽĂźte Beaunois Wolfram und Marlo und nahm ihnen die Pferde ab.

"Von mir ebenfalls willkommen Daheim, Wolfram und werter Herr. Ich werde umgehend Kaffeewasser fĂĽr Euch aufsetzen und Euch eine Mahlzeit bereiten. Mit Verlaub Ihr seht wirklich sehr mĂĽde aus", fĂĽgte Margot freundlich an.

"Danke Ihr Lieben. Ein Kaffee und etwas zu essen wäre wunderbar. Danach würde ich gerne ein Bad nehmen. Beaunois sei so gut und lass mir Wasser ein. Marlo möchte sich sicher auch erfrischen.

Wir sehen nicht nur müde aus, wir sind tatsächlich sehr müde. Nun die Hochzeit ist leider nicht so verlaufen, wie wir und das gewünscht hätten. Dazu Näheres später beim Essen. Bereite bitte die Betten vor Margot.

Wir benötigen zwei Gästebetten im Keller, da Kasimir, Brandurs Leibdiener, ebenfalls unser Gast ist. Er verweilt gerade in meiner Robentasche, aufgrund seiner Sonnenempfindlichkeit.

Ich werde zuerst Baden gehen, danach werden wir Kaffee trinken und speisen. Marlo sei mein Gast so lange Du möchtest. Wie sagt ein altes Sprichwort - fühl Dich wie Zuhause, nur benimm Dich nicht so",
grinste Wolfram.

Er klopfte Marlo gut gelaunt auf die Schulter und betrat dann das Haus. Wolfram begab sich unverzĂĽglich in den Keller und setzte Kasimir dort behutsam ab.

"Hier bist Du sicher. Im Keller erreicht Dich keine Sonne. Fühl Dich wohl Kasimir. Nach dem Bad, werde ich umgehend Brandur über Deinen Verbleib informieren. Ich brauch einen Moment zur Erholung und da wirkt ein warmes Bad Wunder. Wir sehen uns später Kasi", erklärte Wolfram freundlich und ging wieder nach oben.

Wolf suchte umgehend seinen Bereich auf, schnappte sich seine Badeutensilien und ging hinter das Haus, wo Beaunois den Zuber bereits mit warmen Wasser gefüllt hatte. Wolfram entledigte sich seiner Kleidung und ließ sich ins warme Wasser gleiten. Müde schloss er die Augen und döste etwas vor sich hin.

***

Wolframs Haus Nähe Daijan:

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Re: Der Hexenmeister

#40

Beitragvon Brandur von Hohenfelde » So 8. Okt 2017, 10:00

"Du verkraftest diese Informationen erstaunlich gut", stellte Brandur nüchtern fest. "Ob Dunwin bei seinen Söhnen um Vergebung heischen mag, muss er allein mit sich ausmachen. Sie waren jene, die das erlittene Unrecht mit eigenem Unrecht vergolten haben und den Kreis fortführten, Alastairs Lebenswerk, das Ziel, uns gegenseitig möglichst grausam zu vernichten. Wer ist Ansgar, als ein weiterer Vater, der seinen Sohn nicht lieben kann, weil ihm die Gabe fehlt? Wer ist Davard, als ein weiterer Sohn, der seinen eigenen Vater schlimmer zurichtete als ein Schlachter eine Sau? Du hast Dunwins Leichnam nicht gesehen, Linhard.

Obgleich ich ein gewisses Maß an Verstehen für Dunwins Söhne einräumen muss, da ich gleichsam ein Gezeichneter bin, vertrete ich dennoch nicht die Auffassung, dass Dunwin ihnen irgendetwas schuldet. Sie sind nichts als weitere Vollstrecker von Alastairs Willen. Nichts macht sie besser oder ihre Schuld geringer, außer vielleicht der Umstand, dass Ansgar seine Söhne nicht seinen Freunden zum Spielen vorwirft, was aber nicht Ausdruck einer emotionalen Regung sein muss, sondern allein dem Umstand geschuldet sein könnte, dass er keine entsprechenden Freunde sein Eigen nennt.

Du bist der erste, Linhard, dem es gelang, aus eigenem Antrieb die Dunkelheit hinter dir zu lassen. Das macht dich zu etwas Besonderem. Ich und Dunwin werden dir den Weg ebnen, auf dass es so bleibt. Ich werde nicht zulassen, dass das Blut deiner Nächsten an deinen Händen kleben wird, wie dein Vater es dir vorherbestimmt hat."


Er griff nach der Hand, die auf seiner Schulter ruhte. Trotz der Kälte war sie warm, die Haut straff und glatt, die Finger kraftvoll vom Waffentraining. Brandurs Hände hingegen waren die eines alten Mannes, rau und rot von der ständigen Kälte, in der er lebte, die Finger geschwollen, was es zusehends schwerer machte, seine Kunst sauber auszuüben. Er drückte kurz die Hand seines Neffen.

"Du wirst jener sein, der den Namen unserer Familie reinwäscht, Linhard.

Er lieĂź die Hand los und drehte sich so, dass sie von ihm herunterrutschte.

"Und jetzt schlaf, wie es dein Onkel angewiesen hat! Es ist noch ein weiter Flug und wenn wir ankommen, möchte ich dir die Nachtburg zeigen."
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