Der Hexenmeister


Famlie von Hohenfelde
Diese alte Adelsfamilie hat zahlreiche Geistmagier und Nekromanten hervorgebracht. Das Familienleben ist gepr√§gt von Intrigen. Morde, auch innerhalb der eigenen Reihen, und arrangierte Ehen zur Erweiterung der Macht sind an der Tagesordnung. Als Familienmitglied ben√∂tigt man starke Nerven und gleicherma√üen ein H√§ndchen f√ľr B√ľndnisse und Hinterhalte.
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Brandur von Hohenfelde
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Re: Der Hexenmeister

#21

Beitragvon Brandur von Hohenfelde » So 1. Okt 2017, 09:40

Brandur versteifte sich, als sein Gro√üneffe sich m√ľde an seinen R√ľcken lehnte. Er brauchte einige Augenblicke, um diesen Umstand zu verarbeiten und war froh, dass Linhard sein Gesicht nicht sehen konnte, denn das verzog sich im ersten Moment reflexartig zu einem Ausdruck tiefen Widerwillens. Dieses Gef√ľhl richtete sich jedoch nicht gegen Linhard, sondern gegen die Vertraulichkeit, die mit seiner N√§he einherging. Der Tod schwebte wie ein Fallbeil stets √ľber ihnen allen. Auch Dunwin war von seinen eigenen S√∂hnen gerichtet worden.

Gleichzeitig glich die Suche nach N√§he einer Bitte, auf ihn achtzugeben, die ihn tief im Innersten ber√ľhrte. Brandur war als Vater stets woanders besch√§ftigt gewesen, hatte andere ihm von der Entwicklung seiner Kinder berichten lassen, anstatt sich selbst davon zu √ľberzeugen, wie es ihnen ging. Kinderm√§dchen, Erzieher, Lehrer ... Ihr eigener Vater war ebenfalls irgendwo da gewesen und doch war er es nicht. W√§re er damals unerwartet verstorben, h√§tte der Umstand seinen Kindern wohl kaum mehr als ein Schulterzucken abgerungen, da sich nichts in ihrem Leben ge√§ndert h√§tte. Er hatte nie zu einem Monster werden wollen, wie Alastair es gewesen war und so hatte er Abstand gewahrt. Seine gelegentlich aufbrandende Wut hatte stattdessen die Dienerschaft zu sp√ľren bekommen und seine Kinder meistens nur eine Maske aus Eis. War das besser? Er wusste es nicht.

"Du brauchst diese sogenannte Gabe nicht, Linhard. Sie macht einen nicht besser oder schlechter. Sie eröffnet andere Möglichkeiten, gewiss, doch man kann auch ohne sie zurechtkommen Nicht wahr, Dunwin?

Was die Rakshaner angeht, so war ihr Verhalten sehr unterschiedlich, von verbl√ľffend freundlich bis hin zu blindem Hass auf mich als Naridier war das ganze Spektrum vertreten und ein kleinerer Trupp hat mich tats√§chlich in der Nachtburg belagert, bis es ihnen zu langweilig wurde. Geld verdient man an ihnen kaum, da sie selten welches besitzen, aber sie organisieren einem die n√ľtzlichsten Dinge, um sie gegen das Gew√ľnschte zu tauschen.

Naridien als Nation hat mich nie interessiert. Ich habe daher wenig Bedenken, dem Chaos oder anderen Fraktionen meine Dienste anzubieten."


Es war, wie Duwnin sagte - nun hatte er die Chance, es anders zu machen. Und genau das hatte Brandur vor. Ganz gleich, ob Linhard darum bat, dass er auf ihn achtgab, er w√ľrde es tun. Er hatte nur noch diesen einen Versuch, er war zu alt, es w√ľrde keine leiblichen Kinder von ihm mehr geben. Der alte Mann sp√ľrte, wie etwas in ihm erwachte, dass er in den wenigen Momenten gesp√ľrt hatte, da er seine neu geborenen Kinder im Arm hielt, um sie zu betrachten, ehe er sie beim Aufkommen dieses Gef√ľhls rasch der Amme in den Arm gedr√ľckt hatte und in seine Arbeit gefl√ľchtet war, um seine Gedanken und Gef√ľhle wieder in vertraute Bahnen zu lenken.

Jetzt konnte er nicht fl√ľchten.

Er versuchte, mit rationalen Argumenten dagegenzuhalten. Linhard war nicht sein Sohn und er selbst nicht sein Vater. Er war nur sein Gro√üonkel zweiten Grades, irgendein entfernter Verwandter, die √Ąhnlichkeit Linhards zu Gerwolf nur ein Zufall, dem Umstand geschuldet, dass sie sich wegen der generationenlangen Inzucht sowieso alle extrem √§hnlich sahen. Genau so gut k√∂nnte Anwolf oder Ansgar hinter ihm sitzen oder sonst irgendein x-beliebiger Verwandter. Doch trotz aller Vernunft war da eine Ecke in seinem Hirn, die sich weigerte, diesen Umstand anzuerkennen und die Gef√ľhle enstsprechend anzupassen. Vielleicht sollte er Linhard scharf zurechtweisen, es zu unterlassen, sich an seinen Gro√üonkel anzulehnen, damit das aufh√∂rte. Brandur war mit sich selbst √ľberfordert. Er blieb entgegen aller Vernunft aufrecht sitzen und sagte nichts, au√üer:

"Wir sind gleich da, Linhard."

Er sprach die L√ľge in der ihm eigenen reservierten Art und Weise aus und sein Gesicht war so ausdruckslos wie zuvor. Der Flug w√ľrde noch mehrere Stunden dauern. Auch ihm selbst schmerzte alles, was nur irgendwie schmerzen konnte von dem unbequemen Sitz auf Dunwins knochigem R√ľcken. Aber er war Schmerzen gewohnt und konnte sie gut ignorieren.

"Versuche, bis dahin ein wenig zu schlafen."
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Marlo von Falkenberg
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Re: Der Hexenmeister

#22

Beitragvon Marlo von Falkenberg » So 1. Okt 2017, 11:24

Marlo

schaute Wolfram an.
"Was hattest du denn f√ľr eine Krankheit Wolfram? Das du so oft zum Heiler musstest? Das du dann nicht angefasst werden willst, wie von einer Krankenschwester ist klar. Und generell? St√∂rt dich das? Zur Begr√ľssung umarmst du andere, also gilt das nicht f√ľr jede Ber√ľhrung.
Ich werde deine Diener gut behandeln. Mit einen Kaffee vor dem Kamin klingt nach Entspannung. Das machen wir so."

Marlo schaute die kleine Fledermaus an.

"Kasimir sieht ungewöhnlich aus."
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Dunwins Geist
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Re: Der Hexenmeister

#23

Beitragvon Dunwins Geist » So 1. Okt 2017, 14:37

Dunwin verstand die Reaktion seines Bruders. Vertrautheit bedeutete in ihrer Familie Leichtsinn und Leichtsinn bedeutete den eigenen Tod. Aber sie hatten sich vor einigen Minuten etwas anderes geschworen.

Sie hatten vor es gemeinsam besser zu machen. Dazu geh√∂rte auch, dass man die alten Verhaltensmuster ablegte und neue zulie√ü. Gleichg√ľltig wie fremdartig sie einem vorkamen.

Sie beide konnten Linhard kein Vertrauen in sich selbst lehren, wenn sie ihm schon nicht vertrauten. Dunwin war durchaus bewusst, dass er jener von ihnen war, der nichts mehr zu verlieren hatte.

Er konnte sein Vertrauen verschenken, ohne Konsequenzen f√ľrchten zu m√ľssen. Er war bereits tot, also w√ľrde ihm ein Dolch in den Rippen nichts anhaben k√∂nnen.

Aber ein Mord bei einer derart vertrauten Geste hatte es in ihrer Familie noch nie gegeben. Vermutlich da es kaum derart vertraute Gesten untereinander gab. Immerhin offenbarte Lin damit selbst Schwäche.

Er zeigte sich verwundbar und m√ľde - ein Umstand der ihn zu einer anderen Zeit in einer anderen Generation das Leben h√§tte kosten k√∂nnen.

Folglich verschenkte er gerade an Brandur Vorschussvertrauen und war scheinbar sogar gewillt in dessen N√§he zu schlafen und dies auf dem R√ľcken einer Kreatur die er nicht kannte.

Gelenkt, gesteuert und beseelt mit dem Geiste seines Gro√üvaters der f√ľr vieles bekannt war, aber nicht f√ľr seine Vertrauensw√ľrdigkeit.

Lin vertraute damit ihnen beiden sein Leben an. Und das obwohl er sich der Konsequenzen bei einem Irrtum sehr wohl bewusst war.

"Nein, er braucht die magische Gabe nicht Brandur, er hat andere... weitaus wichtigere Gaben. Ich stimme Dir zu", antwortete Dunwin freundlich.

"Der Schlaf auf meinem R√ľcken ist zu gef√§hrlich... f√ľr Euch beide...
Er hält Dich an Ort und Stelle Brandur...
Nun dieser Körper... wurde schon anders genutzt nicht wahr?...
Decken liegen im Inneren dieses Körpers...
Ich suche eine Stelle zum Landen und Ihr beiden klettert ins Innere dieser Knochen...
Dann könnt Ihr schlafen...",
erklärte Dunwin.

Der kn√∂cherne Drache flog immer langsamer und tiefer und hielt nach einer M√∂glichkeit Ausschau, wo er landen konnte. Zwar war das Gebiet unter ihm gebirgig, aber auch dort w√ľrde sich eine Stelle finden lassen, auf der er genug Platz zum Landen hatte.

Als er eine passende Stelle erspäht hatte, setzte Dunwin zur Landung an. Mit einem Rums setzte er zwischen Geröll und einigen Bäumen auf. Der Drache legte sich ab um ihnen den Abstieg zu erleichtern.

"Steigt ab und geht Richtung Kopf des Drachen...
Haltet Euch an den Gebeinen fest... bis Ihr sicher innerhalb der Kreatur sitzt...
Ist dies geschehen, reisen wir weiter Bruder... Lin...",
erklärte Dunwin.
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Re: Der Hexenmeister

#24

Beitragvon Wolfram von Wigberg » So 1. Okt 2017, 19:01

Wolfram sch√ľttelte kurz den Kopf.

"Du kannst doch keine Umarmung zur Begr√ľ√üung mit einer Untersuchung gleichsetzen. Ich hatte nicht eine Krankheit, ich hatte zig Krankheiten Marlo. Kaum hatte ich eine √ľberwunden, bekam ich die n√§chste. Von Pocken bis zur Lungenentz√ľndung war alles dabei. Eigentlich lag ich fast immer nur im Krankenbett.

Das änderte sich erst, nachdem ich nicht mehr in Watte gepackt wurde. Ein Heiler riet meiner Mutter mich abzuhärten, mich draußen spielen zu lassen und mich ruhig auch mal dreckig werden zu lassen. Erst tat sich nichts, wie es so oft der Fall ist. Aber dann ging es stetig aufwärts.

Mein Zustand verbesserte sich, ich wurde seltener krank, war nicht mehr so blass und abgemagert und irgendwann liebte ich es einfach mit unter freiem Himmel aufzuhalten. Mit dem Haus verband ich fr√ľher nur Krankheit, sp√§ter Schlafen bis ich wieder nach drau√üen durfte.

Die vermeintlichen dreckigen Bauern leben viel ges√ľnder aus wir und Feldarbeit ist zwar hart, aber Erde ist kein Schmutz. Das halten sich die wenigsten vor Augen.

F√ľr mich gibt es nichts Sch√∂neres als drau√üen in der Natur zu sein, oder die Natur direkt am und im eigenen Haus zu haben. Du wirst es gleich sehen. Ein Kaffee vor dem Kamin ist auch entspannend, dass klingt nicht nur so",
grinste Wolfram.
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Re: Der Hexenmeister

#25

Beitragvon Linhard von Hohenfelde » So 1. Okt 2017, 19:15

Linhard gab sich gro√üe M√ľhe seinem Gro√üonkel weiter zuzuh√∂ren, obwohl er mit der M√ľdigkeit zu k√§mpfen hatte.

"Das hast Du nett gesagt Brandur, vielleicht solltest Du das mal irgendwann vor der ganzen Familie wiederholen - wobei lieber doch nicht. F√ľr die Aussage w√ľrden Dich vermutlich s√§mtliche Magier steinigen. Du und Dunwin, Ihr habt Recht. Sicher habe ich noch andere Gaben, sprich F√§higkeiten. Einige hoffentlich ganz n√ľtzliche, andere sind wohl nur von Stand n√ľtzlich.

Ich habe mich auch nie gro√ü f√ľr Nationen interessiert. Meist war ich mit mir selbst besch√§ftigt, habe trainiert, oder eben mir √ľbertragene Aufgaben erledigt. Gro√üe Gedanken um die Nation habe ich mir nie gemacht. Ich bin Naridier - das war es schon.

Vielleicht ist so ein Tauschgeschäft in so einer abgelegenen Ecke sogar noch besser. Hättest Du Taler als Bezahlung erhalten, musst Du selbst wieder losziehen und Dir all jene Dinge besorgen, die Du tatsächlich benötigst. So haben das Deine Kunden als Tauschware mitgebracht",
antwortete Linhard.

Als Dunwin erkl√§rte, dass Schlaf auf seinem R√ľcken gef√§hrlich werden konnte, stimmte Linhard zu. Sie konnten sich nicht sichern und falls er und Brandur gemeinsam einschliefen, konnten sie in den Tod st√ľrzen.

Ins Innere des Drachen umzusteigen, war eine gute Idee. Dunwin landete nach einer Weile und legte sich ab. Linhard stieg als erstes ab und ben√∂tigte einen Moment, ehe er wieder richtig stehen konnte und Gef√ľhl in den Beinen hatte. Er half Brandur beim Absteigen und kletterte dann gemeinsam mit seinem Gro√üonkel ins Innere des Drachen.

Das er vorher nicht daran gedacht hatte sich das Gerippe genauer anzuschauen √§rgerte Lin. Im Drachen machte er es sich gem√ľtlich und mummelte sich in eine der Decken ein. Er wartete bis es sich Brandur ebenfalls gem√ľtlich gemacht hatte und Dunwin erneut durchstartete.

"Brandur, falls die Burg so verlassen und riesig ist, wie ich sie mir vorstelle, wäre es möglich ein Zimmer in Deiner Nähe zu bekommen? Im Notfall könnten wir uns beide so beistehen, oder einfach den anderen besuchen", schlug Lin vor.
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Re: Der Hexenmeister

#26

Beitragvon Marlo von Falkenberg » Mo 2. Okt 2017, 23:58

Marlo

ritt näher zu Wolfram ran.
"Da hast du Schwein gehabt, an einen klugen Heiler zu geraten Wolfram. Ich wollte keine Begr√ľssung mit einer Untersuchung vergleichen.
Ich wollte dir nicht blöde kommen. Falls ich dich gekränkt hab, tut es mir leid.
Ich bin neugierig wie dein Haus aussieht. Nach deiner Beschreibung muss ich dich in der Einrichtung und Deko wieder erkennen. Ich sag dir gleich ob es so ist. Ein Kaffee vor dem Kamin ist gem√ľtlich und ich freue mich drauf. Wo penne ich, wenn dein Haus so klein ist?."
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Re: Der Hexenmeister

#27

Beitragvon Brandur von Hohenfelde » Di 3. Okt 2017, 08:56

Brandurs Gesicht nahm einen unwilligen Ausdruck an, als Dunwin, der ihn besser kannte, als ihm lieb war, eiskalt verpetzte, warum er auf dem R√ľcken des Drachen weiterreisen wollte. Es war nicht gut, wenn der Junge wusste, wie viel er Brandur tats√§chlich bedeutete. Er hatte es ihm gesagt, dass er ein guter Junge war, ihn zu seinem Alleinerben erkl√§rt und sich seiner angenommen, nachdem sein Vater ihn als Verr√§ter aus dem Haus gejagt hatte und jetzt duldete er sogar, dass er sich m√ľde an seinen R√ľcken lehnte. Das war mehr, als er je einem seiner eigenen Kinder zugestanden hatte. Dunwin musste wissen, dass √ľbertriebene N√§he nicht gut war, f√ľr keinen von ihnen. Entweder er war vor lauter R√ľhrseligkeit √ľber die Vers√∂hnung wahnsinnig geworden oder er tat das bewusst, um Brandur aus alter Gewohnheit zu schaden.

Als der Wyvern gelandet war, half Linhard seinem Gro√üonkel, von dem kn√∂chernen R√ľcken zu klettern. Sie kletterten von vorn, unterhalb des Halses, in den Brustkorb hinein, den Brandur so geformt hatte, dass zwei Personen inklusive Gep√§ck gut darin Platz fanden und niemand zwischen den Rippen herausfallen konnte. Es fanden sich sogar zwei ergonomische Sitze darin, die Brandur jetzt aus ihrer Verankerung l√∂ste und nach ganz hinten warf, um die vielen Decken zu einer dicken Polsterung auszubreiten. Mit seinem kaputten R√ľcken war es wichtig, dass er weich liegen konnte und so hatte er an Decken nicht gegeizt. Im Wyvern zu √ľbernachten, war nicht unbequemer, als daheim auf einer Matratze zu n√§chtigen.

√Ąchzend lie√ü er sich nieder. Die ersten Minuten nach dem Hinlegen waren am schlimmsten, wenn die Wirbel sich, der Last des K√∂rpergewichts entledigt, auseinanderrutschten und sich alles in seiner Wirbels√§ule auszudehnen schien, inklusive des Schmerzes. Als es endlich langsam aufh√∂rte, war Brandur schwei√ügebadet. Er verpasste den Rippen des Drachen, in Ermangelung seines auch zur Z√ľchtigung gedachten Spazierstocks, mit dem Schnallenschuh einen Tritt. Das unsch√∂ne Schimpfwort, dass er auf der Zunge hatte und dass er sonst gegen Dunwin in die Dunkelheit gebr√ľllt hatte, wenn der Schmerz ihn √ľbermannte, verkniff er sich nun, da Dunwin tats√§chlich anwesend war.

Nachdem Brandur sich wieder beruhigt hatte, murmelte er: "Im Inneren meines Toten Bruders schlief ich ein. Das kann man keinem erzählen."

Er machte sich eine Nackenrolle und legte sich so, dass er noch ein wenig mit Linhard plaudern konnte. Sein Gro√üneffe hatte so viele Fragen, war so neugierig ... unter Ansgars Aufsicht war er vermutlich vollkommen unterfordert gewsen im engen Korsett der Erziehung und der t√§glichen Pflichten. Der Junge hatte einen wachen, freien Geist. Der ihm zugedachte Platz irgendwo am Rande der Familie, war zu wenig f√ľr ihn. So viel vergeudetes Potenzial. Und so viel untersch√§tzte Gef√§hrlichkeit, nur weil Linhard sich scheinbar klaglos zu f√ľgen schien. Ja, er f√ľgte sich - und er w√ľrde sich auch in die blutige Tradition f√ľgen, wenn es so weit war, um endlich frei sein zu k√∂nnen von seinen Ketten. Ansgar war ein Dummkopf.

Bei Brandur jedoch w√ľrde es keine Ketten geben, sondern mehr Freiheiten, als Linhard am Anfang vielleicht lieb war.

"Die Burg ist gro√ü und verwinkelt. Man kann viele Stunden in den Gem√§uern und auf dem Gel√§nde spazieren, ohne zwei Mal am selben Ort vorbeizukommen. Sie ist leider in den weniger genutzten R√§umlichkeiten etwas schmutzig, auch wenn Kasimir sein Bestes gibt. Du kannst schlafen, wo du m√∂chtest. Es gibt viele Betten und den einen oder anderen Kamin, den du heute jedoch leider selber anfeuern m√ľsstest - sofern du das vermagst."
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Re: Der Hexenmeister

#28

Beitragvon Kasimir » Di 3. Okt 2017, 09:28

Die Fledermaus guckte verbl√ľfft, als der Freiherr ihm anbot, ihn mit seinem werten Vornamen anzusprechen.

"Vielen Dank, Herr", sagte er ger√ľhrt. "Das ist wirklich eine au√üergew√∂hnliche Ehre. Brandur hatte mir dies als Geschenk zum zehnj√§hrigen Jubil√§um angeboten. Ich werde Eurer Einladung, vorerst bei Euch zu weilen, Folge leisten, wenn Ihr mir versichert, meinen Herrn zu kontaktieren und seine Erlaubnis einzuholen."

Kasimir japste vor Entsetzen auf, als Freiherr Wolfram von Wigberg unverbl√ľmt die K√∂rperpflege seines Herrn ansprach. So was besprach man doch nicht in der √Ėffentlichkeit! Die Fledermaus f√§chelte sich rasch mit dem Fl√ľgel etwas Luft zu, um sich zu beruhigen. Dann setzte sie wieder eine vornehme Miene auf, um die Dinge klarzustellen, damit kein falsches Bild von ihm als Leibdiener und damit auch von seinem Herrn entstand.

"Ich m√∂chte in aller Bescheidenheit stark bezweiflen, dass mein Herr gedenkt, eine so vertrauliche Angelegenheit in andere H√§nde als die meinen zu geben, deren Fachkunde und Diskretion er zu sch√§tzen wei√ü. Er ist in dieser Hinsicht ohnehin etwas eigen und k√ľmmert sich, was das angeht, vorz√ľglich um sich selbst. Weder muss ich Sorgen haben, dass er verlottern wird, noch, dass er jemand anderen als meine Wenigkeit damit beauftragen wird, der ihn am Ende falsch behandelt, so dass seine Gesundheit leidet oder er sich √ľber dessen st√ľmperhaftes Verhalten √§rgern muss. Nein, ich m√∂chte behaupten, Brandur wei√ü meine Umsicht und Erfahrung hinsichtlich seiner besonderen W√ľnsche zu sch√§tzen, auch, was das Unterlassen bestimmter, sonst √ľblicher, Handlungen und das Schweigen in den richtigen Momenten angeht, und w√§hne mich in dieser Angelegenheit schwer zu ersetzen.

Meine unwichtige und daher zu vernachl√§ssigende Sorge galt vielmehr dem Umstand, dass ich die Gespr√§che mit meinem Herrn vermissen werde, denn sicher haben mein Herr, sein Gro√üneffe und sein Bruder sich viel zu erz√§hlen. Doch ich werde mich dar√ľber freuen, anstatt zu klagen. Ist mein Herr gl√ľcklich, so bin es auch ich."


Kasimir l√§chelte so freundlich, wie das als Fledermaus mit nadelartige Fangz√§hnen ging, auch wenn er trotzdem ungl√ľcklich war. Er hatte niemanden au√üer Brandur und das Gef√ľhl, wichtig f√ľr ihn zu sein, hatte ihn stets mit Stolz erf√ľllt, auch wenn sein Herr selten Dankbarkeit zeigte.

Als Junker Marlo von Falkenberg befand, Kasimir w√ľrde ungew√∂hnlich aussehen, erkl√§rte er:

"Mit Verlaub, das liegt an dem wei√üen Fell, welches meiner nat√ľrlichen Haarfarbe geschuldet ist, Herr."
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"Herr, wer euch dient f√ľr Gut und Geld und nur gehorcht zum Schein,
packt ein, sobald ein Regen fällt, läßt euch im Sturm allein." - William Shakespeare

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Re: Der Hexenmeister

#29

Beitragvon Dunwins Geist » Di 3. Okt 2017, 09:58

Dunwin hätte entschuldigend gelächelt, wäre der Fang des Wyvern dazu in der Lage gewesen.

" Nun Bruder Du hast mich beschworen und an Dich gebunden...
Wir beide sind nun... verbunden...
Ich beabsichtigte nie... Dich zu verletzten...
Meine Worte waren nicht gedacht Dir zu schaden... Brandur...
Sie waren un√ľberlegt... meiner Unerfahrenheit auf diesem Gebiet geschuldet...",
erklärte Dunwin betreten.

Er wartete ab bis Brandur richtig lag. Über den Radau den er dabei machte und den Tritt dem er dem Gerippe des Drachen verpasste, verlor Dunwin kein Wort. Er empfand keine Schmerzen in diesem Körper und hätte er sie empfunden, hätte er sie verdient. Immerhin war es ihm zuzuschreiben, dass Brandur dermaßen Schmerzen litt.

Dunwin wusste nicht was er mehr bereute, seinem Vater auf diese Weise willf√§hrig bis zur v√∂lligen Selbstaufgabe gedient zu haben, seine eigenen W√ľnsche und Tr√§ume f√ľr seinen Vater ignoriert und aufgegeben zu haben, oder das er trotz besseren Wissens die Zuneigung zu seinen Br√ľdern beerdigt hatte und sie sp√§ter gleich mit.

Und das nur weil ein alter, verbitterter Mann es von ihm verlangte. Der in ihm letztendlich doch nichts weiter sah als Dreck. Die Niedergeburt wie er ihn nannte, im Gegensatz zu Kun und Brand - die Gesegneten.

Dunwin sp√ľrte wie uralter Groll in ihm aufstieg.

Der knöcherne Drache wandte den Schädel nach hinten und musterte Linhard und Brandur. Er musste sich auf diese beiden Leben konzentrieren. Alles was einst gewesen war, hatte er mit dem Tod abgestreift und hinter sich gelassen.

Die Verblendung, die Manipulation, den Gehorsam.
Er schuldete Alastair nichts!

Aber er schuldete Brandur eine ganze Menge und er hatte ihm ehrlichen Herzens sein Wort gegeben.

"Im Inneren Deines toten Bruders zu schlafen, dass h√§tte Vater mit absolutem Stolz erf√ľllt...
Hätte es sich um meinen Kadaver gehandelt...
In diesem K√∂rper... erf√ľllt es mich mit Stolz... und diese Worte meine aufrichtig...
Wir reisen weiter Bruder...
Ihr seid bei mir sicher... ",
sagte Dunwin.

Der Drache erhob sich wieder in die L√ľfte als Brandur und Linhard es sich im Inneren bequem gemacht hatten.
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Re: Der Hexenmeister

#30

Beitragvon Linhard von Hohenfelde » Di 3. Okt 2017, 10:49

Linhard wartete besorgt ab, bis Brandur lag. √úber den Kommentar h√§tte er eigentlich gelacht, aber er verkniff sich jede noch so kleine Gef√ľhlsregung im Gesicht. Immerhin wusste er genau wie jeder andere aus der Familie, woher Brandurs Schmerzen r√ľhrten.

Lin legte sich erst hin, nachdem sein Gro√üonkel richtig lag. Die Worte von Dunwin konnte man meist zweideutig verstehen. Vielleicht war das bei Geistern generell so? Schlie√ülich waren sie hier und doch irgendwo auch weg, gr√ľbelte Linhard.

Wir beide sind nun verbunden. Ich beabsichtigte nie Dich zu verletzten.

Nun verbunden waren sie durch ihr Blut eh seit ihrer Geburt, aber eventuell meinte Dunwin gef√ľhlsm√§√üig oder magisch?

Die Aussage nie beabsichtigt zu haben Brandur zu verletzten konnte f√ľr seine gerade gemachten √Ąu√üerungen stehen, oder eine viel tiefere Bedeutung haben.

Diese hatte es dann allerdings in sich und Linhard fragte sich insgeheim, warum Dunwin es dann getan hatte.

Einen winzigen Augenblick später fiel ihm ein, dass er nicht anders gehandelt hätte als Dunwin es getan hatte. Auch er hatte aus eigenem Antrieb nicht vor Anwolf zu schaden oder ihn gar umzubringen.

Aber seine Meinung war so unerheblich wie die es von Dunwin einst gewesen war. Es spielte keine Rolle was man empfand, sich w√ľnschte oder wonach man sich sehnte, wenn man dieser Familie angeh√∂rte.

In G√§nze waren sie so etwas wie ein Goblinisches Konstrukt. Als Ganzes waren sie m√§chtig, aber der einzelne war nur ein Zahnr√§dchen. Und die zu kleinen, br√ľchigen wurden von der internen Wartung aus der Maschinerie entfernt.

Das er Anwolf nicht entfernen wollte, danach hätte niemand gefragt. Und selbst wenn er aus dem Kreislauf ausbrach, wie sah Anwolf die Sache? Wolfi genoss das absolute Vertrauen ihres Vaters.

Vielleicht w√ľrde er nicht einmal Wolfi allein gegen√ľber stehen, sondern Ansgar und Wolfi im Duo. Oder schlimmstenfalls sogar noch einem Trio aus Ansgar, Wolfi und Dave...

Dieser hatte ihn auch ohne gro√ü zu fragen auf den Befehl seines Bruder angegriffen. Und das obwohl gerade Dave es h√§tte besser wissen m√ľssen. Er hatte nicht grundlos die Familie verlassen.

Nun Linhard machte sich nichts vor.

Im Gegensatz zu Brandur, Dunwin und Kunwolf oder seinem Vater und Dave hatte er ein sorgloses Leben gef√ľhrt. Anwolfs und sein Leben war nicht ein Abgrund gewesen.

Die Bedrohung schlich nicht tagtäglich durch die dunklen Flure und versuchte sie beide zu zerstören. Bei ihnen schwebte sie ehr unterschwellig mit. Oder besser gesagt bei ihm, denn Wolfi genoss Welpenschutz von Ansgar.

Gleichg√ľltig was der Kurze tat, es war richtig, wichtig oder nicht so schlimm. Seine Verfehlungen hingegen wurden seziert und bis ins kleinste Detail auseinander genommen.

Kurzum er f√ľhlte sich bestenfalls geduldet. Aber Linhard kannte ihr Blut und ihr Erbe. Und dies hie√ü, gleichg√ľltig was er f√ľr seinen kleinen Bruder empfand, w√ľrde er nicht zuerst handeln und ihn t√∂ten, dann h√§tte er wohlm√∂glich sein Leben verspielt da Wolfi eine m√§chtige Gabe besa√ü und m√§chtige Verb√ľndete aus der Familie auf seiner Seite hatte.

Die Erfahrungen spukten Lin im Kopf herum.

Sie widersprachen allerdings dem, was er vorhin im Quartier seines Vater gehört hatte. Und sie widersprachen Daves Versöhnungsversuch mit ihm und der Familie.

Dave war vermutlich nur genauso gewohnt Ansgar zu gehorchen wie er selbst.
Immerhin hatte er den Angriff abgebrochen, nachdem er ihn ausgelesen hatte wie ein Buch.

Das ganze Durcheinander, die Seilschaften, die R√§nke und die Taktiken innerhalb der Familie √ľberforderten Linhard.

Er konnte problemlos einen Mann oder mehrere niederkämpfen und er konnte ihnen dabei in die Augen schauen. Aber seine Familie bevorzugte versteckte Dolche die sie einem Feind in einem unachtsamen Moment in den Körper rammten, falls sie einen nicht vergifteten.

Linhard strich sich fahrig √ľber das Gesicht und legte sich auf die Seite.
Er musterte Brandur und fragte sich, wie es der Mann geschafft hatte in dieser Familie selbst eine eigene zu gr√ľnden und zu besch√ľtzen.

Mit Blick auf den Knochenk√§fig der sie umgab fiel Linhard ein, dass es Brandur √ľberhaupt nicht geschafft hatte.

Er war "ermordet" worden, samt seiner Familie. Und selbst sein Mörder hatte es nicht geschafft, er war ebenfalls ermordet worden und zwar durch die Hand seiner Kinder.

Linhard wurde schlecht bei der Erinnerung, dass er selbst seinem Vater seinen Degen an die Kehle gehalten hatte.

Und der Blick seines Vaters sprach Bände... zur Not hätte er ihm, seinen eigenen Sohn, ohne zu zögern den Schädel eingeschlagen.

War es verboten und vom Schicksal vorher bestimmt, dass er niemals mit seinem Bruder befreundet sein konnte?

Endete es wirklich nie?

Waren sie alle zum Scheitern verurteilt, nur weil vor √Ąonen von Jahren ein Kerl namens Dunwolf von Hohenfelde beschloss die Familie zu wahrer St√§rke zu f√ľhren und ein B√ľndnis mit zwei weiteren Wahnsinnigen eingegangen war?

Sie alle t√∂teten ihre Geschwister um die Sippe zu gr√ľnden.
Allen voran Dunwolf, er t√∂tete seine beiden Br√ľder Arbogast und Kunradus um mit diesem Blutschwur die Sippen zu besiegeln.

Hätte es ihn niemals gegeben, was wäre dann aus ihnen allen geworden?

Nun die Schuld allein bei Dunwolf zu suchen war m√ľ√üig. Jede Generation h√§tte den Wahnsinn beenden k√∂nnen. Aber dieser Wahnsinn w√§hrte so lange, dass er irgendwann mit dem Wort Tradition umschrieben wurde.

Brandur, Dunwin und er selbst, sie w√ľrden es besser machen.

Er w√ľrde Anwolf nicht t√∂ten, aber er w√ľrde sich auch nicht t√∂ten lassen.
Notfalls... nun falls Vater auf alte Traditionen bestand, w√§re er der Letzte der sie zu sp√ľren bekam.

Dann w√ľrde er ihm nicht nur den Degen an den Hals halten, sondern ihm den Kopf abschlagen, da er scheinbar eh nicht bereit war ihn zu benutzen.

So sollte es sein.

Es brachte nichts, sich √ľber die Vergangenheit zu gr√§men. Ein uraltes Sprichwort besagte in der Vergangenheit zu leben, war die beste M√∂glichkeit sich die Zukunft zu verbauen.

Linhard musterte erneut Brandur. Er hatte sich seiner angenommen, er duldete ihn nicht nur an seiner Seite, er hatte sogar darauf bestanden. Und er hatte ihm zu seinen Erben ernannt. Es war ein seltsames, fremdes Gef√ľhl von jemanden derma√üen gemocht, gewollt und wahrgenommen zu werden.

Lin schlug sich in eine Decke ein und schaute Brandur einen Moment an der von der Länge her vielleicht unziemlich war, aber er wollte sich das Gesicht seines Ziehvaters genau einprägen.

Er hatte graue Augen, genau wie Ansgar und Dave. Nun das musste nichts heißen, denn selbst die beiden betrachteten die Welt völlig unterschiedlich.

"Einen Kamin zu entz√ľnden vermag ich. Ich m√ľsste auch noch irgendwie tief in den Hosentaschen meine Zunderdose haben, samt einigen Rauchstangen. Unsauberkeit st√∂rt mich nicht, es sind andere Dinge die mich st√∂ren... gest√∂rt haben", schmunzelte Linhard und schloss die Augen.

Mit jedem Fl√ľgelschlag den sie sich weiter von dem Herrenhaus entfernten, f√ľhlte sich Linhard freier denn je.
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