Facebook Twitter




Aktuelle Zeit: So 22. Okt 2017, 10:13



Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 67 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: So 1. Okt 2017, 09:40 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridier (Almane)
Beiträge: 35
Brandur versteifte sich, als sein Großneffe sich müde an seinen Rücken lehnte. Er brauchte einige Augenblicke, um diesen Umstand zu verarbeiten und war froh, dass Linhard sein Gesicht nicht sehen konnte, denn das verzog sich im ersten Moment reflexartig zu einem Ausdruck tiefen Widerwillens. Dieses Gefühl richtete sich jedoch nicht gegen Linhard, sondern gegen die Vertraulichkeit, die mit seiner Nähe einherging. Der Tod schwebte wie ein Fallbeil stets über ihnen allen. Auch Dunwin war von seinen eigenen Söhnen gerichtet worden.

Gleichzeitig glich die Suche nach Nähe einer Bitte, auf ihn achtzugeben, die ihn tief im Innersten berührte. Brandur war als Vater stets woanders beschäftigt gewesen, hatte andere ihm von der Entwicklung seiner Kinder berichten lassen, anstatt sich selbst davon zu überzeugen, wie es ihnen ging. Kindermädchen, Erzieher, Lehrer ... Ihr eigener Vater war ebenfalls irgendwo da gewesen und doch war er es nicht. Wäre er damals unerwartet verstorben, hätte der Umstand seinen Kindern wohl kaum mehr als ein Schulterzucken abgerungen, da sich nichts in ihrem Leben geändert hätte. Er hatte nie zu einem Monster werden wollen, wie Alastair es gewesen war und so hatte er Abstand gewahrt. Seine gelegentlich aufbrandende Wut hatte stattdessen die Dienerschaft zu spüren bekommen und seine Kinder meistens nur eine Maske aus Eis. War das besser? Er wusste es nicht.

"Du brauchst diese sogenannte Gabe nicht, Linhard. Sie macht einen nicht besser oder schlechter. Sie eröffnet andere Möglichkeiten, gewiss, doch man kann auch ohne sie zurechtkommen Nicht wahr, Dunwin?

Was die Rakshaner angeht, so war ihr Verhalten sehr unterschiedlich, von verblüffend freundlich bis hin zu blindem Hass auf mich als Naridier war das ganze Spektrum vertreten und ein kleinerer Trupp hat mich tatsächlich in der Nachtburg belagert, bis es ihnen zu langweilig wurde. Geld verdient man an ihnen kaum, da sie selten welches besitzen, aber sie organisieren einem die nützlichsten Dinge, um sie gegen das Gewünschte zu tauschen.

Naridien als Nation hat mich nie interessiert. Ich habe daher wenig Bedenken, dem Chaos oder anderen Fraktionen meine Dienste anzubieten."


Es war, wie Duwnin sagte - nun hatte er die Chance, es anders zu machen. Und genau das hatte Brandur vor. Ganz gleich, ob Linhard darum bat, dass er auf ihn achtgab, er würde es tun. Er hatte nur noch diesen einen Versuch, er war zu alt, es würde keine leiblichen Kinder von ihm mehr geben. Der alte Mann spürte, wie etwas in ihm erwachte, dass er in den wenigen Momenten gespürt hatte, da er seine neu geborenen Kinder im Arm hielt, um sie zu betrachten, ehe er sie beim Aufkommen dieses Gefühls rasch der Amme in den Arm gedrückt hatte und in seine Arbeit geflüchtet war, um seine Gedanken und Gefühle wieder in vertraute Bahnen zu lenken.

Jetzt konnte er nicht flüchten.

Er versuchte, mit rationalen Argumenten dagegenzuhalten. Linhard war nicht sein Sohn und er selbst nicht sein Vater. Er war nur sein Großonkel zweiten Grades, irgendein entfernter Verwandter, die Ähnlichkeit Linhards zu Gerwolf nur ein Zufall, dem Umstand geschuldet, dass sie sich wegen der generationenlangen Inzucht sowieso alle extrem ähnlich sahen. Genau so gut könnte Anwolf oder Ansgar hinter ihm sitzen oder sonst irgendein x-beliebiger Verwandter. Doch trotz aller Vernunft war da eine Ecke in seinem Hirn, die sich weigerte, diesen Umstand anzuerkennen und die Gefühle enstsprechend anzupassen. Vielleicht sollte er Linhard scharf zurechtweisen, es zu unterlassen, sich an seinen Großonkel anzulehnen, damit das aufhörte. Brandur war mit sich selbst überfordert. Er blieb entgegen aller Vernunft aufrecht sitzen und sagte nichts, außer:

"Wir sind gleich da, Linhard."

Er sprach die Lüge in der ihm eigenen reservierten Art und Weise aus und sein Gesicht war so ausdruckslos wie zuvor. Der Flug würde noch mehrere Stunden dauern. Auch ihm selbst schmerzte alles, was nur irgendwie schmerzen konnte von dem unbequemen Sitz auf Dunwins knochigem Rücken. Aber er war Schmerzen gewohnt und konnte sie gut ignorieren.

"Versuche, bis dahin ein wenig zu schlafen."
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: So 1. Okt 2017, 11:24 
Junker
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 13
Marlo

schaute Wolfram an.
"Was hattest du denn für eine Krankheit Wolfram? Das du so oft zum Heiler musstest? Das du dann nicht angefasst werden willst, wie von einer Krankenschwester ist klar. Und generell? Stört dich das? Zur Begrüssung umarmst du andere, also gilt das nicht für jede Berührung.
Ich werde deine Diener gut behandeln. Mit einen Kaffee vor dem Kamin klingt nach Entspannung. Das machen wir so."

Marlo schaute die kleine Fledermaus an.

"Kasimir sieht ungewöhnlich aus."
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: So 1. Okt 2017, 14:37 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 7
Dunwin verstand die Reaktion seines Bruders. Vertrautheit bedeutete in ihrer Familie Leichtsinn und Leichtsinn bedeutete den eigenen Tod. Aber sie hatten sich vor einigen Minuten etwas anderes geschworen.

Sie hatten vor es gemeinsam besser zu machen. Dazu gehörte auch, dass man die alten Verhaltensmuster ablegte und neue zuließ. Gleichgültig wie fremdartig sie einem vorkamen.

Sie beide konnten Linhard kein Vertrauen in sich selbst lehren, wenn sie ihm schon nicht vertrauten. Dunwin war durchaus bewusst, dass er jener von ihnen war, der nichts mehr zu verlieren hatte.

Er konnte sein Vertrauen verschenken, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Er war bereits tot, also würde ihm ein Dolch in den Rippen nichts anhaben können.

Aber ein Mord bei einer derart vertrauten Geste hatte es in ihrer Familie noch nie gegeben. Vermutlich da es kaum derart vertraute Gesten untereinander gab. Immerhin offenbarte Lin damit selbst Schwäche.

Er zeigte sich verwundbar und müde - ein Umstand der ihn zu einer anderen Zeit in einer anderen Generation das Leben hätte kosten können.

Folglich verschenkte er gerade an Brandur Vorschussvertrauen und war scheinbar sogar gewillt in dessen Nähe zu schlafen und dies auf dem Rücken einer Kreatur die er nicht kannte.

Gelenkt, gesteuert und beseelt mit dem Geiste seines Großvaters der für vieles bekannt war, aber nicht für seine Vertrauenswürdigkeit.

Lin vertraute damit ihnen beiden sein Leben an. Und das obwohl er sich der Konsequenzen bei einem Irrtum sehr wohl bewusst war.

"Nein, er braucht die magische Gabe nicht Brandur, er hat andere... weitaus wichtigere Gaben. Ich stimme Dir zu", antwortete Dunwin freundlich.

"Der Schlaf auf meinem Rücken ist zu gefährlich... für Euch beide...
Er hält Dich an Ort und Stelle Brandur...
Nun dieser Körper... wurde schon anders genutzt nicht wahr?...
Decken liegen im Inneren dieses Körpers...
Ich suche eine Stelle zum Landen und Ihr beiden klettert ins Innere dieser Knochen...
Dann könnt Ihr schlafen...",
erklärte Dunwin.

Der knöcherne Drache flog immer langsamer und tiefer und hielt nach einer Möglichkeit Ausschau, wo er landen konnte. Zwar war das Gebiet unter ihm gebirgig, aber auch dort würde sich eine Stelle finden lassen, auf der er genug Platz zum Landen hatte.

Als er eine passende Stelle erspäht hatte, setzte Dunwin zur Landung an. Mit einem Rums setzte er zwischen Geröll und einigen Bäumen auf. Der Drache legte sich ab um ihnen den Abstieg zu erleichtern.

"Steigt ab und geht Richtung Kopf des Drachen...
Haltet Euch an den Gebeinen fest... bis Ihr sicher innerhalb der Kreatur sitzt...
Ist dies geschehen, reisen wir weiter Bruder... Lin...",
erklärte Dunwin.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: So 1. Okt 2017, 19:01 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridischer Almane
Beiträge: 23
Wolfram schüttelte kurz den Kopf.

"Du kannst doch keine Umarmung zur Begrüßung mit einer Untersuchung gleichsetzen. Ich hatte nicht eine Krankheit, ich hatte zig Krankheiten Marlo. Kaum hatte ich eine überwunden, bekam ich die nächste. Von Pocken bis zur Lungenentzündung war alles dabei. Eigentlich lag ich fast immer nur im Krankenbett.

Das änderte sich erst, nachdem ich nicht mehr in Watte gepackt wurde. Ein Heiler riet meiner Mutter mich abzuhärten, mich draußen spielen zu lassen und mich ruhig auch mal dreckig werden zu lassen. Erst tat sich nichts, wie es so oft der Fall ist. Aber dann ging es stetig aufwärts.

Mein Zustand verbesserte sich, ich wurde seltener krank, war nicht mehr so blass und abgemagert und irgendwann liebte ich es einfach mit unter freiem Himmel aufzuhalten. Mit dem Haus verband ich früher nur Krankheit, später Schlafen bis ich wieder nach draußen durfte.

Die vermeintlichen dreckigen Bauern leben viel gesünder aus wir und Feldarbeit ist zwar hart, aber Erde ist kein Schmutz. Das halten sich die wenigsten vor Augen.

Für mich gibt es nichts Schöneres als draußen in der Natur zu sein, oder die Natur direkt am und im eigenen Haus zu haben. Du wirst es gleich sehen. Ein Kaffee vor dem Kamin ist auch entspannend, dass klingt nicht nur so",
grinste Wolfram.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: So 1. Okt 2017, 19:15 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 24
Linhard gab sich große Mühe seinem Großonkel weiter zuzuhören, obwohl er mit der Müdigkeit zu kämpfen hatte.

"Das hast Du nett gesagt Brandur, vielleicht solltest Du das mal irgendwann vor der ganzen Familie wiederholen - wobei lieber doch nicht. Für die Aussage würden Dich vermutlich sämtliche Magier steinigen. Du und Dunwin, Ihr habt Recht. Sicher habe ich noch andere Gaben, sprich Fähigkeiten. Einige hoffentlich ganz nützliche, andere sind wohl nur von Stand nützlich.

Ich habe mich auch nie groß für Nationen interessiert. Meist war ich mit mir selbst beschäftigt, habe trainiert, oder eben mir übertragene Aufgaben erledigt. Große Gedanken um die Nation habe ich mir nie gemacht. Ich bin Naridier - das war es schon.

Vielleicht ist so ein Tauschgeschäft in so einer abgelegenen Ecke sogar noch besser. Hättest Du Taler als Bezahlung erhalten, musst Du selbst wieder losziehen und Dir all jene Dinge besorgen, die Du tatsächlich benötigst. So haben das Deine Kunden als Tauschware mitgebracht",
antwortete Linhard.

Als Dunwin erklärte, dass Schlaf auf seinem Rücken gefährlich werden konnte, stimmte Linhard zu. Sie konnten sich nicht sichern und falls er und Brandur gemeinsam einschliefen, konnten sie in den Tod stürzen.

Ins Innere des Drachen umzusteigen, war eine gute Idee. Dunwin landete nach einer Weile und legte sich ab. Linhard stieg als erstes ab und benötigte einen Moment, ehe er wieder richtig stehen konnte und Gefühl in den Beinen hatte. Er half Brandur beim Absteigen und kletterte dann gemeinsam mit seinem Großonkel ins Innere des Drachen.

Das er vorher nicht daran gedacht hatte sich das Gerippe genauer anzuschauen ärgerte Lin. Im Drachen machte er es sich gemütlich und mummelte sich in eine der Decken ein. Er wartete bis es sich Brandur ebenfalls gemütlich gemacht hatte und Dunwin erneut durchstartete.

"Brandur, falls die Burg so verlassen und riesig ist, wie ich sie mir vorstelle, wäre es möglich ein Zimmer in Deiner Nähe zu bekommen? Im Notfall könnten wir uns beide so beistehen, oder einfach den anderen besuchen", schlug Lin vor.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Mo 2. Okt 2017, 23:58 
Junker
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 13
Marlo

ritt näher zu Wolfram ran.
"Da hast du Schwein gehabt, an einen klugen Heiler zu geraten Wolfram. Ich wollte keine Begrüssung mit einer Untersuchung vergleichen.
Ich wollte dir nicht blöde kommen. Falls ich dich gekränkt hab, tut es mir leid.
Ich bin neugierig wie dein Haus aussieht. Nach deiner Beschreibung muss ich dich in der Einrichtung und Deko wieder erkennen. Ich sag dir gleich ob es so ist. Ein Kaffee vor dem Kamin ist gemütlich und ich freue mich drauf. Wo penne ich, wenn dein Haus so klein ist?."
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Di 3. Okt 2017, 08:56 
Freiherr
Benutzeravatar
Offline

Volk: Naridier (Almane)
Beiträge: 35
Brandurs Gesicht nahm einen unwilligen Ausdruck an, als Dunwin, der ihn besser kannte, als ihm lieb war, eiskalt verpetzte, warum er auf dem Rücken des Drachen weiterreisen wollte. Es war nicht gut, wenn der Junge wusste, wie viel er Brandur tatsächlich bedeutete. Er hatte es ihm gesagt, dass er ein guter Junge war, ihn zu seinem Alleinerben erklärt und sich seiner angenommen, nachdem sein Vater ihn als Verräter aus dem Haus gejagt hatte und jetzt duldete er sogar, dass er sich müde an seinen Rücken lehnte. Das war mehr, als er je einem seiner eigenen Kinder zugestanden hatte. Dunwin musste wissen, dass übertriebene Nähe nicht gut war, für keinen von ihnen. Entweder er war vor lauter Rührseligkeit über die Versöhnung wahnsinnig geworden oder er tat das bewusst, um Brandur aus alter Gewohnheit zu schaden.

Als der Wyvern gelandet war, half Linhard seinem Großonkel, von dem knöchernen Rücken zu klettern. Sie kletterten von vorn, unterhalb des Halses, in den Brustkorb hinein, den Brandur so geformt hatte, dass zwei Personen inklusive Gepäck gut darin Platz fanden und niemand zwischen den Rippen herausfallen konnte. Es fanden sich sogar zwei ergonomische Sitze darin, die Brandur jetzt aus ihrer Verankerung löste und nach ganz hinten warf, um die vielen Decken zu einer dicken Polsterung auszubreiten. Mit seinem kaputten Rücken war es wichtig, dass er weich liegen konnte und so hatte er an Decken nicht gegeizt. Im Wyvern zu übernachten, war nicht unbequemer, als daheim auf einer Matratze zu nächtigen.

Ächzend ließ er sich nieder. Die ersten Minuten nach dem Hinlegen waren am schlimmsten, wenn die Wirbel sich, der Last des Körpergewichts entledigt, auseinanderrutschten und sich alles in seiner Wirbelsäule auszudehnen schien, inklusive des Schmerzes. Als es endlich langsam aufhörte, war Brandur schweißgebadet. Er verpasste den Rippen des Drachen, in Ermangelung seines auch zur Züchtigung gedachten Spazierstocks, mit dem Schnallenschuh einen Tritt. Das unschöne Schimpfwort, dass er auf der Zunge hatte und dass er sonst gegen Dunwin in die Dunkelheit gebrüllt hatte, wenn der Schmerz ihn übermannte, verkniff er sich nun, da Dunwin tatsächlich anwesend war.

Nachdem Brandur sich wieder beruhigt hatte, murmelte er: "Im Inneren meines Toten Bruders schlief ich ein. Das kann man keinem erzählen."

Er machte sich eine Nackenrolle und legte sich so, dass er noch ein wenig mit Linhard plaudern konnte. Sein Großneffe hatte so viele Fragen, war so neugierig ... unter Ansgars Aufsicht war er vermutlich vollkommen unterfordert gewsen im engen Korsett der Erziehung und der täglichen Pflichten. Der Junge hatte einen wachen, freien Geist. Der ihm zugedachte Platz irgendwo am Rande der Familie, war zu wenig für ihn. So viel vergeudetes Potenzial. Und so viel unterschätzte Gefährlichkeit, nur weil Linhard sich scheinbar klaglos zu fügen schien. Ja, er fügte sich - und er würde sich auch in die blutige Tradition fügen, wenn es so weit war, um endlich frei sein zu können von seinen Ketten. Ansgar war ein Dummkopf.

Bei Brandur jedoch würde es keine Ketten geben, sondern mehr Freiheiten, als Linhard am Anfang vielleicht lieb war.

"Die Burg ist groß und verwinkelt. Man kann viele Stunden in den Gemäuern und auf dem Gelände spazieren, ohne zwei Mal am selben Ort vorbeizukommen. Sie ist leider in den weniger genutzten Räumlichkeiten etwas schmutzig, auch wenn Kasimir sein Bestes gibt. Du kannst schlafen, wo du möchtest. Es gibt viele Betten und den einen oder anderen Kamin, den du heute jedoch leider selber anfeuern müsstest - sofern du das vermagst."
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Di 3. Okt 2017, 09:28 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Volk: Vampir [Lichtalb]
Beiträge: 14
Die Fledermaus guckte verblüfft, als der Freiherr ihm anbot, ihn mit seinem werten Vornamen anzusprechen.

"Vielen Dank, Herr", sagte er gerührt. "Das ist wirklich eine außergewöhnliche Ehre. Brandur hatte mir dies als Geschenk zum zehnjährigen Jubiläum angeboten. Ich werde Eurer Einladung, vorerst bei Euch zu weilen, Folge leisten, wenn Ihr mir versichert, meinen Herrn zu kontaktieren und seine Erlaubnis einzuholen."

Kasimir japste vor Entsetzen auf, als Freiherr Wolfram von Wigberg unverblümt die Körperpflege seines Herrn ansprach. So was besprach man doch nicht in der Öffentlichkeit! Die Fledermaus fächelte sich rasch mit dem Flügel etwas Luft zu, um sich zu beruhigen. Dann setzte sie wieder eine vornehme Miene auf, um die Dinge klarzustellen, damit kein falsches Bild von ihm als Leibdiener und damit auch von seinem Herrn entstand.

"Ich möchte in aller Bescheidenheit stark bezweiflen, dass mein Herr gedenkt, eine so vertrauliche Angelegenheit in andere Hände als die meinen zu geben, deren Fachkunde und Diskretion er zu schätzen weiß. Er ist in dieser Hinsicht ohnehin etwas eigen und kümmert sich, was das angeht, vorzüglich um sich selbst. Weder muss ich Sorgen haben, dass er verlottern wird, noch, dass er jemand anderen als meine Wenigkeit damit beauftragen wird, der ihn am Ende falsch behandelt, so dass seine Gesundheit leidet oder er sich über dessen stümperhaftes Verhalten ärgern muss. Nein, ich möchte behaupten, Brandur weiß meine Umsicht und Erfahrung hinsichtlich seiner besonderen Wünsche zu schätzen, auch, was das Unterlassen bestimmter, sonst üblicher, Handlungen und das Schweigen in den richtigen Momenten angeht, und wähne mich in dieser Angelegenheit schwer zu ersetzen.

Meine unwichtige und daher zu vernachlässigende Sorge galt vielmehr dem Umstand, dass ich die Gespräche mit meinem Herrn vermissen werde, denn sicher haben mein Herr, sein Großneffe und sein Bruder sich viel zu erzählen. Doch ich werde mich darüber freuen, anstatt zu klagen. Ist mein Herr glücklich, so bin es auch ich."


Kasimir lächelte so freundlich, wie das als Fledermaus mit nadelartige Fangzähnen ging, auch wenn er trotzdem unglücklich war. Er hatte niemanden außer Brandur und das Gefühl, wichtig für ihn zu sein, hatte ihn stets mit Stolz erfüllt, auch wenn sein Herr selten Dankbarkeit zeigte.

Als Junker Marlo von Falkenberg befand, Kasimir würde ungewöhnlich aussehen, erklärte er:

"Mit Verlaub, das liegt an dem weißen Fell, welches meiner natürlichen Haarfarbe geschuldet ist, Herr."

_________________
"Herr, wer euch dient für Gut und Geld und nur gehorcht zum Schein,
packt ein, sobald ein Regen fällt, läßt euch im Sturm allein." - William Shakespeare
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Di 3. Okt 2017, 09:58 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 7
Dunwin hätte entschuldigend gelächelt, wäre der Fang des Wyvern dazu in der Lage gewesen.

" Nun Bruder Du hast mich beschworen und an Dich gebunden...
Wir beide sind nun... verbunden...
Ich beabsichtigte nie... Dich zu verletzten...
Meine Worte waren nicht gedacht Dir zu schaden... Brandur...
Sie waren unüberlegt... meiner Unerfahrenheit auf diesem Gebiet geschuldet...",
erklärte Dunwin betreten.

Er wartete ab bis Brandur richtig lag. Über den Radau den er dabei machte und den Tritt dem er dem Gerippe des Drachen verpasste, verlor Dunwin kein Wort. Er empfand keine Schmerzen in diesem Körper und hätte er sie empfunden, hätte er sie verdient. Immerhin war es ihm zuzuschreiben, dass Brandur dermaßen Schmerzen litt.

Dunwin wusste nicht was er mehr bereute, seinem Vater auf diese Weise willfährig bis zur völligen Selbstaufgabe gedient zu haben, seine eigenen Wünsche und Träume für seinen Vater ignoriert und aufgegeben zu haben, oder das er trotz besseren Wissens die Zuneigung zu seinen Brüdern beerdigt hatte und sie später gleich mit.

Und das nur weil ein alter, verbitterter Mann es von ihm verlangte. Der in ihm letztendlich doch nichts weiter sah als Dreck. Die Niedergeburt wie er ihn nannte, im Gegensatz zu Kun und Brand - die Gesegneten.

Dunwin spürte wie uralter Groll in ihm aufstieg.

Der knöcherne Drache wandte den Schädel nach hinten und musterte Linhard und Brandur. Er musste sich auf diese beiden Leben konzentrieren. Alles was einst gewesen war, hatte er mit dem Tod abgestreift und hinter sich gelassen.

Die Verblendung, die Manipulation, den Gehorsam.
Er schuldete Alastair nichts!

Aber er schuldete Brandur eine ganze Menge und er hatte ihm ehrlichen Herzens sein Wort gegeben.

"Im Inneren Deines toten Bruders zu schlafen, dass hätte Vater mit absolutem Stolz erfüllt...
Hätte es sich um meinen Kadaver gehandelt...
In diesem Körper... erfüllt es mich mit Stolz... und diese Worte meine aufrichtig...
Wir reisen weiter Bruder...
Ihr seid bei mir sicher... ",
sagte Dunwin.

Der Drache erhob sich wieder in die Lüfte als Brandur und Linhard es sich im Inneren bequem gemacht hatten.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Der Hexenmeister
BeitragVerfasst: Di 3. Okt 2017, 10:49 
Zweitcharakter
Benutzeravatar
Offline

Beiträge: 24
Linhard wartete besorgt ab, bis Brandur lag. Über den Kommentar hätte er eigentlich gelacht, aber er verkniff sich jede noch so kleine Gefühlsregung im Gesicht. Immerhin wusste er genau wie jeder andere aus der Familie, woher Brandurs Schmerzen rührten.

Lin legte sich erst hin, nachdem sein Großonkel richtig lag. Die Worte von Dunwin konnte man meist zweideutig verstehen. Vielleicht war das bei Geistern generell so? Schließlich waren sie hier und doch irgendwo auch weg, grübelte Linhard.

Wir beide sind nun verbunden. Ich beabsichtigte nie Dich zu verletzten.

Nun verbunden waren sie durch ihr Blut eh seit ihrer Geburt, aber eventuell meinte Dunwin gefühlsmäßig oder magisch?

Die Aussage nie beabsichtigt zu haben Brandur zu verletzten konnte für seine gerade gemachten Äußerungen stehen, oder eine viel tiefere Bedeutung haben.

Diese hatte es dann allerdings in sich und Linhard fragte sich insgeheim, warum Dunwin es dann getan hatte.

Einen winzigen Augenblick später fiel ihm ein, dass er nicht anders gehandelt hätte als Dunwin es getan hatte. Auch er hatte aus eigenem Antrieb nicht vor Anwolf zu schaden oder ihn gar umzubringen.

Aber seine Meinung war so unerheblich wie die es von Dunwin einst gewesen war. Es spielte keine Rolle was man empfand, sich wünschte oder wonach man sich sehnte, wenn man dieser Familie angehörte.

In Gänze waren sie so etwas wie ein Goblinisches Konstrukt. Als Ganzes waren sie mächtig, aber der einzelne war nur ein Zahnrädchen. Und die zu kleinen, brüchigen wurden von der internen Wartung aus der Maschinerie entfernt.

Das er Anwolf nicht entfernen wollte, danach hätte niemand gefragt. Und selbst wenn er aus dem Kreislauf ausbrach, wie sah Anwolf die Sache? Wolfi genoss das absolute Vertrauen ihres Vaters.

Vielleicht würde er nicht einmal Wolfi allein gegenüber stehen, sondern Ansgar und Wolfi im Duo. Oder schlimmstenfalls sogar noch einem Trio aus Ansgar, Wolfi und Dave...

Dieser hatte ihn auch ohne groß zu fragen auf den Befehl seines Bruder angegriffen. Und das obwohl gerade Dave es hätte besser wissen müssen. Er hatte nicht grundlos die Familie verlassen.

Nun Linhard machte sich nichts vor.

Im Gegensatz zu Brandur, Dunwin und Kunwolf oder seinem Vater und Dave hatte er ein sorgloses Leben geführt. Anwolfs und sein Leben war nicht ein Abgrund gewesen.

Die Bedrohung schlich nicht tagtäglich durch die dunklen Flure und versuchte sie beide zu zerstören. Bei ihnen schwebte sie ehr unterschwellig mit. Oder besser gesagt bei ihm, denn Wolfi genoss Welpenschutz von Ansgar.

Gleichgültig was der Kurze tat, es war richtig, wichtig oder nicht so schlimm. Seine Verfehlungen hingegen wurden seziert und bis ins kleinste Detail auseinander genommen.

Kurzum er fühlte sich bestenfalls geduldet. Aber Linhard kannte ihr Blut und ihr Erbe. Und dies hieß, gleichgültig was er für seinen kleinen Bruder empfand, würde er nicht zuerst handeln und ihn töten, dann hätte er wohlmöglich sein Leben verspielt da Wolfi eine mächtige Gabe besaß und mächtige Verbündete aus der Familie auf seiner Seite hatte.

Die Erfahrungen spukten Lin im Kopf herum.

Sie widersprachen allerdings dem, was er vorhin im Quartier seines Vater gehört hatte. Und sie widersprachen Daves Versöhnungsversuch mit ihm und der Familie.

Dave war vermutlich nur genauso gewohnt Ansgar zu gehorchen wie er selbst.
Immerhin hatte er den Angriff abgebrochen, nachdem er ihn ausgelesen hatte wie ein Buch.

Das ganze Durcheinander, die Seilschaften, die Ränke und die Taktiken innerhalb der Familie überforderten Linhard.

Er konnte problemlos einen Mann oder mehrere niederkämpfen und er konnte ihnen dabei in die Augen schauen. Aber seine Familie bevorzugte versteckte Dolche die sie einem Feind in einem unachtsamen Moment in den Körper rammten, falls sie einen nicht vergifteten.

Linhard strich sich fahrig über das Gesicht und legte sich auf die Seite.
Er musterte Brandur und fragte sich, wie es der Mann geschafft hatte in dieser Familie selbst eine eigene zu gründen und zu beschützen.

Mit Blick auf den Knochenkäfig der sie umgab fiel Linhard ein, dass es Brandur überhaupt nicht geschafft hatte.

Er war "ermordet" worden, samt seiner Familie. Und selbst sein Mörder hatte es nicht geschafft, er war ebenfalls ermordet worden und zwar durch die Hand seiner Kinder.

Linhard wurde schlecht bei der Erinnerung, dass er selbst seinem Vater seinen Degen an die Kehle gehalten hatte.

Und der Blick seines Vaters sprach Bände... zur Not hätte er ihm, seinen eigenen Sohn, ohne zu zögern den Schädel eingeschlagen.

War es verboten und vom Schicksal vorher bestimmt, dass er niemals mit seinem Bruder befreundet sein konnte?

Endete es wirklich nie?

Waren sie alle zum Scheitern verurteilt, nur weil vor Äonen von Jahren ein Kerl namens Dunwolf von Hohenfelde beschloss die Familie zu wahrer Stärke zu führen und ein Bündnis mit zwei weiteren Wahnsinnigen eingegangen war?

Sie alle töteten ihre Geschwister um die Sippe zu gründen.
Allen voran Dunwolf, er tötete seine beiden Brüder Arbogast und Kunradus um mit diesem Blutschwur die Sippen zu besiegeln.

Hätte es ihn niemals gegeben, was wäre dann aus ihnen allen geworden?

Nun die Schuld allein bei Dunwolf zu suchen war müßig. Jede Generation hätte den Wahnsinn beenden können. Aber dieser Wahnsinn währte so lange, dass er irgendwann mit dem Wort Tradition umschrieben wurde.

Brandur, Dunwin und er selbst, sie würden es besser machen.

Er würde Anwolf nicht töten, aber er würde sich auch nicht töten lassen.
Notfalls... nun falls Vater auf alte Traditionen bestand, wäre er der Letzte der sie zu spüren bekam.

Dann würde er ihm nicht nur den Degen an den Hals halten, sondern ihm den Kopf abschlagen, da er scheinbar eh nicht bereit war ihn zu benutzen.

So sollte es sein.

Es brachte nichts, sich über die Vergangenheit zu grämen. Ein uraltes Sprichwort besagte in der Vergangenheit zu leben, war die beste Möglichkeit sich die Zukunft zu verbauen.

Linhard musterte erneut Brandur. Er hatte sich seiner angenommen, er duldete ihn nicht nur an seiner Seite, er hatte sogar darauf bestanden. Und er hatte ihm zu seinen Erben ernannt. Es war ein seltsames, fremdes Gefühl von jemanden dermaßen gemocht, gewollt und wahrgenommen zu werden.

Lin schlug sich in eine Decke ein und schaute Brandur einen Moment an der von der Länge her vielleicht unziemlich war, aber er wollte sich das Gesicht seines Ziehvaters genau einprägen.

Er hatte graue Augen, genau wie Ansgar und Dave. Nun das musste nichts heißen, denn selbst die beiden betrachteten die Welt völlig unterschiedlich.

"Einen Kamin zu entzünden vermag ich. Ich müsste auch noch irgendwie tief in den Hosentaschen meine Zunderdose haben, samt einigen Rauchstangen. Unsauberkeit stört mich nicht, es sind andere Dinge die mich stören... gestört haben", schmunzelte Linhard und schloss die Augen.

Mit jedem Flügelschlag den sie sich weiter von dem Herrenhaus entfernten, fühlte sich Linhard freier denn je.
Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 67 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7  Nächste


Online Statistik

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
nowoczesne kuchnie pyskowice orzesze lędziny kłobuck blachownia wojkowice poręba kalety imielin miasteczko śląskie koniecpol siewierz ogrodzieniec
Gehe zu: