Komm, s├╝sser Tod

Das gem├Ą├čigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umk├Ąmpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urv├Âlker Asamuras, w├Ąhrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.

Das Herzland
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#11

Beitragvon Emilia » So 20. Nov 2016, 10:42

Nun war es an Emilia, ihn genau zu beobachten. Er war vertieft in ihre Buchstaben und Emilia fragte sich unwillk├╝rlich, ob er ihre Schrift so schlecht entziffern konnte. Er schien mit den Gedanken weit fort zu sein, doch als er aufblickte, meinte sie ein wissendes L├Ącheln zu erkennen.
Er begann auch sogleich zu schreiben und ihre Fragen zu beantworten, jedoch nicht alle, wie sie kurz darauf feststellen musste.
Offensichtlich wollte er ihr seinen Namen nicht preisgeben.
Nun gut, dann werde ich ihm eben selbst einen Namen geben!, dachte sich Emilia und beschloss, den Fremden gedanklich Nolwar zu nennen, angelehnt an Noldil und Ainuwar.
Gierig huschte ihr Blick ├╝ber seine Worte, auch wenn sie nicht sicher war, ob sie alle Antworten wissen wollte.
Als sie las, kniff sie die Augen etwas zusammen, und eine feine Falte bildete sich zwischen ihren Augen, als sie ├╝ber das Geschriebene nachdachte.
Sie musste ihm Recht geben.Tats├Ąchlich hatte sie ihn verfolgt, zwar nicht auf dieselbe Weise, wie beim letzten Mal, denn heute war sie nicht ├╝ber seine Person im Bilde gewesen.
Trotzdem nahm sie ihm die Ausrede nicht ab. Sie wusste seine Anspannung ja schliesslich besser einzuordnen.

Die weiteren Worte verwirrten sie.
Was sollte sie denn anderes aus ihrem Leben machen, als das, was sie bisher getan hatte? Nun gut, irgendwann w├╝rde sie bestimmt Kinder bekommen und somit einen Erben ins Haus bringen. Das war die Aufgabe einer Frau. Zudem w├╝rde sie h├╝bsch aussehen bei den Festlichkeiten und die Diener auf Trab halten, so dass sie ihre Aufgaben zur Zufriedenheit des Gatten erf├╝llten mochten. Was meinte er denn?
Zahlreiche b├Âse Kreaturen und Wesen?
Emilia blickte ihn ungl├Ąubig an. Meinte er das ernst?
Und sie hatte gedacht, sich bereits jetzt in grosser Gefahr zu befinden. Er musste die Welt noch so viel besser kennen als sie selbst!
Als sie seine weiteren Worte las, entspannte sie sich. Auch wenn es nat├╝rlich sein konnte, dass er sie belog, wollte sie nur allzu gerne glauben, dass sie ihr Leben noch weiter geniessen d├╝rfte. Als er dann noch vom Wald und den Tannen schrieb, trat wieder der vertr├Ąumte Ausdruck in ihr Gesicht. Du solltest das nicht verpassenÔÇŽ
Sie wollte gerade die Frage aufschreiben, welches denn der k├╝rzeste und sicherste Weg dorthin w├Ąre, denn sie malte sich bereits aus, wie sie ihre Krallen an den Tannen wetzen w├╝rde, als er pl├Âtzlich v├Âllig unerwartet hochsprang. Sie hatte seinen beobachtenden Blick nicht bemerkt, so vertieft war sie in die Buchstaben.

Irritiert blickten ihre Augen ihm hinterher und vor Schreck hatte sie den Kohlestift fallen gelassen, so dass er ├╝ber den Boden davonrollte. Sie folgte seinem Blick, konnte aus ihrer Position jedoch nichts erkennen.
Wollte er verschwinden? Sie einfach hier zur├╝cklassen?
Gerade erst hatte er doch noch von den Gefahren erz├Ąhlt, die es hier gab. Vielleicht wollte er sie bloss nicht selbst t├Âten, sondern abwarten, bis ein anderer dies ├╝bern├Ąhme.
V├Âllig unerwartet wandte er sich jedoch um, und kehrte zur├╝ck. Sie hatte unterdessen ihr Notizheft wieder in das Gewand gleiten lassen und tastete am Boden nach dem verlorenen Stift. Er ber├╝hrte ihr Knie und sie merkte auf, nicht ohne dabei das Bein unwillk├╝rlich anzuziehen. Er ├╝berrumpelte sie mit den Worten und sie verstand ihren Sinn nicht, so dass sie nur fragend zu ihm aufblickte.
Bevor er jedoch das Gesagte wiederholen und sie seinen Lippenbewegungen folgen konnte, nahm auch Emlia die Bewegungen in ihrem Sichtfeld wahr.
Sie bemerkte, wie der Fremde ihr die Hand entgegenreckte und nach kurzem Z├Âgern griff sie danach und liess sich von ihm auf die Beine helfen.

Im selben Moment sah sie die vier Gestalten und erkannte in zweien davon ihren Onkel und den zuk├╝nftigen Ehegatten.
Erschrocken und ├╝berrascht zugleich starrte sie die beiden an, und vergass dabei, ihr Bein zu schonen. Sogleich schoss der Schmerz hinein und sie drohte einzuknicken, nur ein unwillk├╝rlicher Griff nach dem Mann neben ihr hielt sie vom Sturz ab. Sie sp├╝rte seine Arme, die sie reflexartig auffingen und einen Augenblick f├╝hlte sie sich wie in einem M├Ąrchen, wo der Prinz die Prinzessin rettete.
Kurz darauf standen die vier M├Ąnner bei ihnen. Ihre Blicke waren ganz unterschiedlich zu deuten. Die Wachen schienen erleichtert, die junge Frau aufgefunden zu haben, und so bald den wohlverdienten Feierabend mit einem Krug Met zu geniessen. Die Umst├Ąnde schienen ihnen nicht wichtig zu sein, und nachdem die junge Frau offensichtlich keine Angstschreie von sich gab, vermuteten sie auch keine Gefahr in dem Burschen, der sie st├╝tzte.

├ähnlich ging es auch ihrem Onkel. Erleichtert dar├╝ber, dass sie aufgefunden worden war, denn sonst w├Ąre das Erbe f├╝r seinen Sohn verloren, l├Ąchelte er einen Moment selig. Im n├Ąchsten Augenblick begann er jedoch auch schon mit Emilia zu schimpfen, weil sie einfach davongelaufen war. Diese war froh, dass sie die Schmach wenigstens nicht mit anh├Âren musste und dr├╝ckte sich instinktiv mehr an den st├╝tzenden Arm an ihrer Seite. Nachdem ihr Onkel sie genug getadelt und ihr Hausarrest aufgebrummt hatte, wandte er sich g├Ânnerhaft an den Retter, denn auch er hatte nur beobachten k├Ânnen, wie dieser seiner Nichte auf die Beine half.
ÔÇ×Wie kann ich Ihnen bloss danken, dass sie das M├Ądchen gefunden haben! Das t├Ârichte Kind hat sich wohl verlaufen. Wer weiss, wo sie sich ├╝berall herumgetrieben hat, so wie sie aussiehtÔÇť, sein Blick blieb dabei auf ihrem schmutzigen Kleid und den zerzausten Haaren haften.
ÔÇ×Wenn Sie m├Âgen, lade ich Sie gerne einmal zu einem Mittagessen ein. Nein, das ist keine Frage, sondern eine ausdr├╝ckliche Bitte. Wir sind so froh, dass es unserer Emilia gut geht, daf├╝r sollen Sie wenigstens mit einem ausgiebigen Mahl und einem Becher bestem Wein verdankt werden!ÔÇť, er klatschte dem Mann mit einem Grinsen die Hand auf die Schulter und war zufrieden mit sich, weil er sich so einen teuren Finderlohn sparen konnte.

Nur Wilfried starrte Dimicus misstrauisch an und seine Augen waren kalt. Er traute dem Kerl nicht ├╝ber den Weg und hielt ihn f├╝r einen Vagabunden. Seinen Vater hielt er f├╝r leichtgl├Ąubig. Im Grunde war es ihm egal, was mit Emilia geschah. Doch da sie ihm bereits versprochen wurde und er sie als sein Eigentum betrachtete, wollte er sie nicht beschmutzt sehen. Und ausserdem hing ja auch noch eine grosse Erbschaft an ihr. Besitzergreifend fasste er deswegen nach Emilia und zog sie von dem Mann weg.
ÔÇ×Wir brauchen Eure Hilfe nun nicht mehr!ÔÇť, meinte er nur befehlsgewohnt.
ÔÇ×Komm Liebste, lass uns nach Hause gehen. Dort wirst du ein feines Bad erhalten und etwas zu Essen, du siehst hungrig aus!ÔÇť, ein L├Ącheln umschmeichelte seine Lippen, das jedoch seine Augen nicht erreichte. Als er bemerkte, wie Emilia stolperte, hob er sie kurzerhand schwungvoll hoch und schritt mit ihr von Dannen. Ihr Blick blieb dabei an ihrer unwirklichen Begegnung h├Ąngen, bis er ausser Sichtweite war.
ÔÇ×Du hast Recht, Wilfried. Es ist besser, wir machen uns auf den Heimweg. Deine Mutter sorgt sich bestimmt um uns. Ich danke Ihnen meine Herren!ÔÇť, den Wachen dr├╝ckte er je eine M├╝nze in die Hand, bevor er sich noch einmal an Dimicus wandte: ÔÇ×Noch einmal meinen Dank. Kommen Sie doch Morgenabend zum Essen vorbei. Unsere K├Âchin ist auf almanisches Essen spezialisiert, die Goblink├╝che ist ja manchmal sehr eigen. Ich erwarte Sie um 19 Uhr beim Anwesen der Familie Kreuzenstein in der ArkadenstrasseÔÇť, damit rauschte er auch schon den beiden hinterher, die es bereits zur Strasse geschafft hatten, wo eine eiligst herbeigeorderte Kutsche bereits wartete.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#12

Beitragvon Dimicus » So 20. Nov 2016, 14:27

Mit diesen Reaktionen seitens der offensichtlichen Verwandschaft Emilias hatte der junge K├╝nstler nicht gerechnet. Ganz im Gegenteil. Ihre Mimik, zumindest die des Redners und der Wachen lie├čen keine Frage offen, dass sie ihn als Bedrohung wahrnahmen. Zum Gl├╝ck, denn das M├Ądchen hatte zu lang gez├Âgert und er h├Ątte sich einer gef├Ąhrlichen Flucht hingeben m├╝ssen. Doch dieser Fall trat schlie├člich nicht ein. Somit blieb er geschont, doch was er als N├Ąchstes erleben sollte, lie├č ihn einfach nur leicht ratlos zur├╝ck.
Sie hatte seine Hand gegriffen und tats├Ąchlich seine Hilfe annehmen wollen, doch noch bevor ├╝berhaupt ein Wort gesprochen wurde, so schien Emilia vollkommen unruhig und noch in diesem Moment belastete sie ihr Bein. Noch aus dem Augenwinkel bemerkte er ihre wankende Bewegung, sein Arm glitt um sie, um den drohenden Sturz und somit eine weitere Verletzung zu vermeiden. Ein unauf├Ąlliger Blick glitt zu ihr hin├╝ber, sie schien nicht gerade gl├╝cklich ├╝ber die pl├Âtzliche Begegnung zu sein. Ihr Unwohlsein und die ├ťberraschung waren fast gar nicht zu ├╝bersehen, so wunderte er sich ├╝ber die pl├Âtzliche H├Ąrte, mit denen die Verwandtschaft mit ihr sprach.
Nicht dass es ihn etwas anging, doch er nahm mehr an ihrem Leid teil, als alle Anwesenden wohl vermuteten. Vermutlich war er der Grund, weshalb sie mit diesen Menschen etwas zu tun haben musste, die sie f├Ârmlich bevormundeten und wie ein Tier zu ihren Eigentum zu machen schienen. In seiner Annahme best├Ątigt f├╝hlte er sich schlie├člich noch, als sich Emilia noch mehr an seinen Arm anschmiegte, beinahe sch├╝tzend seine N├Ąhe suchte, als die nahezu elterlichen Worte ├╝ber sie niedergingen. Mit ihr musste der Reichtum der Familie bestimmt werden und somit wurde sie zu einem Spielball herrischer Verwandter.
Dimicus wusste nicht warum, aber als er in dieser Situation steckte, vollkommen zwischen zwei Fronten stehend, h├Ątte er sich beinahe vor Emilia gestellt, sch├╝tzend. Dieser Drang in ihm ... es machte ihn wahnsinnig. Diese Frau, unbedarft und naiv, l├Âste etwas Unbekanntes in ihm aus. Wieso tat sie das, sie hatte keinerlei Bedeutung f├╝r ihn. Doch stand sie da, lie├č die Schmach ├╝ber sich ergehen, w├Ąhrend sie sich an ihn dr├╝ckte, an ihren Peniger. Er verstand es nicht, seine Gedanken konnte er dazu nicht einordnen, somit tat er, was er am besten konnte: sich nichts anmerken lassen und die Fremden reden lassen.
Seine Miene, ob er die Kapuze abgesetzt h├Ątte oder nicht, verzog sich kein einziges St├╝ck. Sein Ausdruck schien einfach nur konzentriert, aber auch leicht distanziert, selbst als einer der M├Ąnner sich ihm n├Ąherte und ihn direkt ansprach. Das Lob das er bekam, wenn sie wussten. Es war beinahe eine Beleidigung f├╝r Emilia, dass sie ihn daf├╝r lobten, dass er sie "gefunden", verletzt und schlie├člich sich mit ihr unterhalten hatte, w├Ąhrend sie in Angst war, die er verursacht hatte. Mit einem Nicken und einem freundlichen L├Ącheln welches aus der Kapuze hervorblitzte sprach er: "Habt Dank, nat├╝rlich nehme ich diese Einladung sehr gern an." Doch schon im n├Ąchsten Moment wurde der Augenblick zerrissen, als ein weiterer Mann dessen name Wilfried zu sein schien, sich Emilia einfach wie eine Puppe griff und weghievte. Die Augen der jungen Frau betrachteten ihn, in ihnen lag etwas, was er nicht definieren konnte.
Dieser unh├Âfliche Flegel, welcher mit Sicherheit nicht einmal den Sinn der Kunst verstand, zog von dannen, w├Ąhrend der vorherige Sprecher nochmals mit Dank an ihn wandte. Dieses Mal best├Ątigte der junge Mann allerdings einfach nur mit einem Nicken, abw├Ągend ob er dies wirklich in Kauf nehmen sollte, zu einem Tatort zur├╝ckzukehren. Ein Fehler den viele Kriminelle machten, doch er war sich sicher, nicht so naiv wie der P├Âbel zu sein. Ein wenig musste er sich herausputzen, sich Gesellschaftstauglich machen wie einst an dem Tage, als er mit dem Vater am Tische gegessen hatte. Ein unnat├╝rlicher Drang zwang ihn, herauszufinden was es mit diesen Menschen und schlie├člich mit Emilia wirklich auf sich hatte. Er musste extrem vorsichtig sein, doch zuvor wartete Malik auf ihn und ein Auftrag, der etwas Gr├Â├čeres f├╝r diese Stadt bedeuten w├╝rde...

Am n├Ąchsten Tage, abends...

Nackt f├╝hlte er sich, wenn man es so ausdr├╝cken mochte. Er verachtete die Sitte und die Eitelkeit des Adels, doch waren sie notwendige Dinge die er hatte lernen m├╝ssen, um in h├Âheren Kreisen nicht aufzufallen. Somit wusste er auch, wie er sich zu kleiden hatte, wie er zu wirken hatte wenn er sich in ein Adelshaus einschlich. Oder zumindest in die H├Ąuser gehobener Menschen. Klientel, welches er meist seinem Portfolio hinzuf├╝gte. Doch leider erforderte es ein gewisses Ma├č der Anpassung, weswegen er nicht wie ├╝blich R├╝stung und Mantel trug. Stattdessen hatte er sich ein aus Seide gefertigtes, schwarzes Hemd angezogen, dar├╝ber eine Weste aus feinstem Leder, verziert mit diversen Ornamenten die sich ├╝ber die Oberfl├Ąche rankten. Seine Hose bestand aus gef├╝ttertem Leder, welches blutrot eingef├Ąrbt wurde. Das ganze rundeten noch edle lederne Schuhe ab. All das verlieh ihm den Gesamteindruck eines jungen Adligen, ja beinahe eines Prinzen. Sein K├Ârper war rein und ein Parf├╝m mit Rosenduft erfrischte die Luft um ihn herum. Seine Haare waren nicht wild zersaust wie sonst, sondern gepflegt nach hinten gelegt und das ├╝bersch├╝ssige Haar zu einem kurzen Pferdeschwanz gebunden. Das Einzige, was allerdings niemand ahnen konnte, waren seine beiden Dolche, welche versteckt unter seiner Weste ihren Platz gefunden hatten. Ganz wehrlos w├╝rde er nicht umherstreifen, vor allem in diesem Aufzug.
Er selbst wusste nicht was ihn an seinem Ziel erwarten w├╝rde, als er durch die von Stra├čenlaternen beleuchteten Gassen spazierte, direkt auf das Haus der Familie von Kreuzenstein zu. Nicht einmal im Geringsten ahnte er oder wusste er, was er ├╝berhaupt damit erreichen w├╝rde, sich dorthin zur├╝ck zu bewegen. Eine Falle konnte es nicht sein, niemand hatte ihn bemerkt und als man sein Werk bemerkt hatte, war er bereits verschwunden. Vielleicht einfach nur das Erf├╝llen einer h├Âflichen Floskel? Vermutlich. Doch es gab nur einen Weg es herauszufinden und wenn sich doch etwas anbahnen sollte, w├╝rde er sicherlich nicht nein zu einem Familienportrait sagen. Seine Lippen verzogen sich zu einem leichten Grinsen bei der Vorstellung, eine neue Herausforderung seines Genies w├Ąre es.
Fragen ├╝ber Fragen begannen sich aber noch auf seiner Anreise in seinem Kopf zu sammeln. Was tun, wenn...? Bei Angriffen seitens der Familie musste er schnell die Initiative ergreifen und fliehen. Bei Verdacht auf das Wissen um seine Identit├Ąt musste er sofort handeln und jeden ausschalten. Bei Fragen bez├╝glich seiner Person musste er die richtigen Antworten parat haben. Oder besser gesagt, die richtigen L├╝gen. In seinem Kopf setzte sich ein Plan nach dem anderen fest, um mit jeder erdenklichen Situation fertig werden zu k├Ânnen. Er hoffte bereit zu sein, doch Hoffnung war nicht angebracht. Denn er besa├č das Wissen, die Situationen komplett unter Kontrolle haben zu k├Ânnen.
Es verging kaum mehr Zeit, als er sich schlie├člich dem Anwesen der Familie n├Ąherte. Imposant war es durchaus, gro├č und h├╝bsch verziert. Seiner Meinung nach fehlten hier und dort Rosen, doch auch ein wenig rote Farbe h├Ątte dem Haus nie geschadet. Auf jeden Fall trat er schon bald an die T├╝r des stattlichen Hauses heran, kurz nachdem er ein paar Stufen vor dem Haus genommen hatte. Nun stand er dort, an einer gro├čen T├╝r die zum Klopfen einlud. Dieser Einladung widerstand er auch nicht lang, als er seine Hand zu einer Faust formte und bestimmt an die T├╝r klopfte. Mehrere Sekunden vergingen, in denen das Echo des Klopfens erstarb, ehe sich Schritte von der anderen Seite n├Ąherten, zwei Schl├Âsser entriegelt und schlie├člich die T├╝r ge├Âffnet wurde. Vor ihm stand eine junge Frau in der Bekleidung eines Dienstm├Ądchens, welche ihn sofort mit h├Âfischem Knicks und einer freundlichen Stimme fragte: "Was ist Euer Wunsch, mein Herr?" Er musterte sie einmal, doch antwortete fast ohne Umschweife: "Ich wurde zum Essen der Familie Kreuzenstein eingeladen, aufgrund meines Fundes von Emilias in den Stra├čen von Drakenstein." F├╝r einen Moment schien das M├Ądchen zu ├╝berlegen, doch im n├Ąchsten Moment erreichte sie wohl die Erinnerungen, als sie zur Seite trat und schlie├člich erwiderte: "Nat├╝rlich! Bitte trete ein und wartet hier, ich hole den Hausherren um Euch zu empfangen." Mit einer leichten Verneigung gegen├╝ber der Maid trat er ein, w├Ąhrend sie die T├╝r hinter ihm verschloss und schlie├člich in die Richtung von mehreren Stimmen verschwand, den jungen K├╝nstler allein zur├╝cklassend. Dieser wiederum blickte sich um und betrachtete die Dekoration des Eingangsbereiches, die Gem├Ąlde und das Porzellan. Die Malerei hatte keinerlei Klasse, doch die Vasen gefielen ihm. Doch nat├╝rlich harrte er vollkommen ruhig aus und wartete, bis man ihn empfangen w├╝rde.
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Gl├╝ck ist der Mangel an Informationen.
- Nico Semsrott

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Re: Komm, s├╝sser Tod

#13

Beitragvon Emilia » So 20. Nov 2016, 17:02

Erst als sie zu Hause ankamen, Emilia auff├Ąllig vorsichtig aus der Kutsche stieg und dabei ihren Rock mit einer Hand etwas hochzog, um nicht dar├╝ber zu stolpern, bemerkte als Erste ihre Tante Lucinda die Beinverletzung. Erschrocken schlug sie die H├Ąnde vor den Mund, um gleich darauf nach der Zofe Gisela zu rufen und sie anzuweisen eine Heilerin herbei zu beordern und ein warmes Bad einzulassen.
Eine Stunde sp├Ąter hatte Emilia sich reingewaschen und wurde von Madame Luna versorgt.
ÔÇ×Es ist keine tiefe Wunde, und mit Hilfe des Umschlags und diesen st├Ąrkenden Kr├Ąutern wird sie schnell verheilen. Doch es scheint, als ob das M├Ądchen angegriffen wurde, denn so eine Messerwunde entsteht nicht durch einen einfachen Sturz. Sie sollte ein paar Tage ruhen, um sich auch seelisch von dem Schock erholen zu k├Ânnen. Ausserdem empfehle ich ihr abends etwa einen halben Becher von diesem Saft gemischt mit Wasser zu trinken. Er wirkt beruhigend, damit wird sie besser schlafen k├Ânnen.ÔÇť
Sie sprach ihre Worte sowohl an die Tante, als auch an Emilia, welche sich jedoch kaum mehr konzentrieren mochte. Sie war froh, als Madame Luna sich endlich verabschiedete, nachdem sie ihr einen halben Becher von der gr├╝nlichen Fl├╝ssigkeit eingefl├Âsst hatte, und vernahm ihre letzten Worte nicht mehr, welche sie mit ernstem Blick an den beiden Frauen verdeutlichte.
ÔÇ×Nehmt nicht mehr als den halben Becher am Tag, sonst k├Ânnten Nebenwirkungen auftreten, die von schlechten Tr├Ąumen bis hin zu Halluzinationen f├╝hren. Nun gehabt euch wohl, und wenn die Wunde sich verschlimmern sollte, k├Ânnt ihr mich jeder Zeit rufen.ÔÇť
Lucinda dr├╝ckte ihr einige M├╝nzen in die Hand und noch w├Ąhrend sie die Heilerin zur T├╝r geleitete, versank Emilia in einem traumlosen Schlaf.

Am n├Ąchsten Tag erwartete ihr Onkel einen Bericht ├╝ber die Geschehnisse. Der Kr├Ąuterumschlag und der Saft taten ihre Wirkung und Emilia f├╝hlte sich so gest├Ąrkt, dass sie sich schriftlich mitteilen konnte.
Kurz ├╝berlegte sie den Verwandten von ihrem Verdacht zu berichten, dass der kommende Besucher der M├Ârder ihres Vaters sei. Sie stellte sich bereits vor, wie man ihn festnehmen und f├╝r seine Tat bestrafen w├╝rde, was tats├Ąchlich ein befriedigender Gedanke war.
Aber man w├╝rde nat├╝rlich Beweise von ihr fordern, doch diese fehlten. Sie konnte wohl kaum behaupten, dass sie seinen Geruch wiedererkannte. Sie seufzte, was ihre Tante Lucinda als Ersch├Âpfung auffasste.
ÔÇ×Alfonso, du solltest sie nicht so qu├Ąlen. Madame Luna erteilte dem Kind Bettruhe. Wenn du sie heute Abend wirklich beim Mahl dabeihaben m├Âchtest, sollte sie nun etwas schlafen.ÔÇť
Der Onkel wollte dem bereits zustimmen, doch da mischte sich Wilfried ein, der bis anhin mit mahlenden Z├Ąhnen still verharrt hatte.
ÔÇ×Nein, sie wird uns jetzt davon erz├Ąhlen. Wer weiss, vielleicht wurde sie noch weiter gesch├Ąndet und davon m├Âchte ich Kenntnis haben!ÔÇť, bestimmt schob er Emilia Stift und Pergament zu.
Diese hatte den Wortwechsel nicht mitverfolgt, noch immer ├╝berlegte sie fieberhaft, was sie schreiben sollte.

Ich habe mich in den Strassen verlaufen, als ich frische Luft schnappen wollte. Dabei bin ich wohl in die unsicheren Gassen gelangt, wo mir ein Bettler aufgelauert hat. Er hat mich angeschrien, doch ich habe seine Worte nicht verstanden und wollte fliehen. Da hat er mich mit dem Messer angegriffen. Ich hatte bereits mit meinem Leben abgeschlossen, doch da tauchte Er auf. Der Bettler ist bei seinem Anblick geflohen. Er hat mir auf die Beine geholfen, und in diesem Moment seid gl├╝cklicherweise ihr beiden mit den Wachen aufgetaucht.

Wilfrieds Augen funkelten noch immer misstrauisch, doch Alfonso t├Ątschelte ihm beruhigend den Arm und entliess dann Emilia, um ihre Mittagsruhe einzuhalten.
Nach dem Gespr├Ąch f├╝hlte Emilia sich unruhig, weshalb sie den bereits bereitstehenden Becher mit dem Saft in einem Zug leerte. Kurz darauf liess sie sich in ihr Bett fallen, um etwas Energie zu tanken, bevor sie sich f├╝r den abendlichen Besuch herrichten musste.

Es war bereits nach 19 Uhr, als Gisela noch immer mit den Haaren ihrer Herrin k├Ąmpfte. Die schokoladenbraunen Locken wollten sich einfach nicht zu dem strengen Knoten binden lassen, den die Zofe vorgesehen hatte. Schlussendlich entschied sie sich f├╝r einen f├╝lligen Haarzopf, welcher der jungen Frau ├╝ber den R├╝cken fiel.
Passend zum tannenfarbenen Kleid und den Augen flocht sie gr├╝ne und silberne Seidenb├Ąnder mit hinein. Emilia betrachtete sich im Spiegel und war mit ihrem Anblick zufrieden.

Als sie zum Speisezimmer gelangte, hielt sie kurz vor der T├╝r inne. Einen Moment hielt sie den Atem an. Heute Abend w├╝rde sie dem M├Ârder in die Augen sehen, sie w├╝rde am gleichen Tisch mit ihm sitzen, und ihm ihr L├Ącheln schenken m├╝ssen.
Jetzt, in ihrer gewohnten Umgebung, wo sie sich ihres verstorbenen Vaters viel bewusster war und sich nicht mehr an der Schwelle des Todes glaubte, erschien ihr dies als Frevel und Ungeheuerlichkeit.
Nerv├Âs verkrampften sich ihre Finger im Kleid, das ihren Oberk├Ârper vorteilhaft betonte, um dann in weiten Falten ├╝ber ihre H├╝ften zu wallen und ihre Beine vor neugierigen Augen verdeckte.
Dank einem Schmerzmittel nahm sie die Wunde gar nicht mehr wahr und schaffte es schliesslich mit straffem R├╝cken und h├Âflich gesenktem Blick den Raum zu betreten.

Die Versammelten standen beisammen und nippten an ihren Gl├Ąsern. Als Wilfried sie bemerkte, steuerte er auch gleich zielstrebig auf sie zu. Erst jetzt wagte Emilia den Blick zu heben, als ihr zuk├╝nftiger Gatte sie auch bereits ank├╝ndigte und dem Besucher vorstellte.
Emilia wusste nicht, welchen Rang der Besucher bekleidete, ob ein kleiner Knicks ihrerseits oder ein Handkuss seinerseits angemessen war. Doch der Gedanke gefiel ihr nicht, weshalb sie genug Abstand hielt und ihm bloss f├Ârmlich zunickte.
Sogleich nahm sie jedoch seinen Geruch wahr und ihr K├Ârper versteifte sich, obwohl das Rosenparf├╝m seinen Eigenduft haupts├Ąchlich ├╝bert├Ânte.
Den Verwandten schien dies nicht aufzufallen und sogleich geleiteten sie den Gast zum Tisch. Alfonso sass wie selbstverst├Ąndlich am Ende des Tisches. Zu seiner Linken an die lange Seite setzte sich seine Frau Lucinda, ihr gegen├╝ber wurde dem Gast ein Platz geboten, zur Rechten des Gastgebers. Wilfried missfiel die Tischordnung, doch er wagte nicht zu widersprechen und setzte sich neben den Besucher, w├Ąhrend Emilia ihrem Zuk├╝nftigen gegen├╝ber Platz nahm.

Da sie wusste, das nicht von ihr erwartet wurde, am Gespr├Ąch teilzunehmen, liess sie den Blick gesenkt und starrte auf ihre gefalteten H├Ąnde, welche in ihrem Schoss lagen.
Erst als ihre Tante Lucinda sie unwillig in die Seite stiess, schreckte sie hoch und blickte entschuldigend in die Runde. Aller Augen waren auf sie gerichtet.
Da bemerkte sie, wie der Gast den Mund bewegte, und sich offensichtlich an sie wandte. Emilias Aufmerksamkeit blieb jedoch nicht an seinen fein geschwungenen Lippen h├Ąngen, stattdessen wanderte ihr Blick h├Âher und starrte unverwandt in das junge Gesicht, welches von tiefblauen Augen dominiert wurde.
Vehement drangen pl├Âtzlich Erinnerungen in ihr Bewusstsein, die sein Geruch bis anhin ├╝berdeckt hatte. Schlagartig wusste Emilia, dass sie diese Augen bereits einmal gesehen hatte, hier in diesem Haus, vertieft in ein Schachspiel mit ihrem Herrn Papa. Nur enge Bekanntschaften kamen in den Genuss, das Studier- und Spielzimmer ihres Vaters zu betreten.
Ihre H├Ąnde ballten sich verborgen unter dem Tisch zu F├Ąusten, w├Ąhrend in ihrem Inneren etwas zerbrach.
Nicht einmal den engsten Freunden konnte man noch vertrauen. Das hatte ihren Vater das Leben gekostet.

Als sie nicht antwortete, ├╝bernahm es ihre Tante Lucinda, dem Mann die Antwort zu geben, nach der er fragte. Er war gezwungen, seinen Blick abzuwenden, doch bestimmt hatte er die Anspannung in ihrer Miene wahrgenommen, das w├╝tende Funkeln in ihren Augen.
Emilia war versucht aufzuspringen, doch sie wagte es nicht.
Was hatte er vor? Warum war er der Einladung gefolgt? Wollte er nun auch ihren Onkel um den Finger wickeln, und ihn dasselbe Schicksal ereilen lassen?
Das Abendessen wurde zu einem Akt der Unertr├Ąglichkeit f├╝r die junge Frau. Die M├Ąnner schienen sich gut zu unterhalten, Alfonso bombardierte den Fremden mit Fragen zu seiner Abstammung, seinem Beruf, seiner Herkunft sowie seinen Ideen f├╝r die Zukunft. Und nat├╝rlich wurden auch die politischen Interessen diskutiert.
Wilfried hingegen stellte misstrauische Fragen, versuchte den Besucher stets zu ├╝bertrumpfen und gab damit an, wie gross die Liebe zwischen ihm und Emilia sei und er sich bereits darauf freue, sie zu ehelichen.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#14

Beitragvon Dimicus » So 20. Nov 2016, 17:33

Seine neugierigen Augen blickten umher, als sich Dimicus noch n├Ąher die Einrichtung ansah, ihre Eleganz in sich aufnahm. Ein eigenes Haus, wenn er es so betrachtete, w├Ąre vielleicht gar keine schlechte Idee. Allerdings best├╝nde die Gefahr der Entdeckung bei einem festen Wohnsitz nur noch weiter, als es ihm lieb war. F├╝r seinen Geschmack brauchte er etwas l├Ąndliches, kleines, doch war die Stadt sein Zuhause und nur hier konnte er ohne gro├če M├╝hen sein Werk verrichten. Zu schade w├Ąre es, w├╝rde sich selbst an die L├Ąndlichkeit verlieren und sein Lebenswerk verlangsamen.
Mit diesen Gedanken, der Eingebung weiter vorerst auf das Bordell auszuweichen, belie├č er es auch dabei. Allerdings tat er die ├ťberlegung, diesen Gedankengang sp├Ąter fortzusetzen und eine optimale L├Âsung zu finden. Letztendlich wurde er auch schon abgeholt, von dem Hausherren pers├Ânlich. Ein Mann schritt zu ihm, aus der Richtung der Stimmen kommend, und deutete eine leichte Verneigung an, die Dimicus selbstverst├Ąndlich erwiderte. "Willkommen im Hause der Familie Kreuzenstein, edler Herr. Es ist mir und unseren G├Ąsten eine Ehre, den Retter unserer Emilia bei uns zu empfangen. W├╝rdet Ihr mir bitte folgen, Herr ... ?" Auf diese Frage hatte der junge Mann gewartet und schlie├člich setzte er ein h├Âfliches L├Ącheln auf und erwiderte: "Mein Name ist Valerius Feldweber. Die Ehre ist ganz meinerseits, so geht voran."
Nach der Begr├╝├čung schlie├člich wurde Dimicus voran gef├╝hrt, durch reichlich dekorierte Flure, die einige T├╝ren in die verschiedensten Richtungen boten. Alles R├Ąume die er einst schon kannte und nat├╝rlich h├Ątte er gewusst, wohin er gehen musste. Doch alles musste stimmen, er durfte keinen Fehler machen. Jedes Detail k├Ânnte ihn verraten, wenn die Pinselstriche seiner Regungen nur ansatzweise nicht im rechten Licht standen.
Vorerst wortlos schritten die beiden M├Ąnner in ihrem Weg voran, um schlie├člich in dem gut eingerichteten Esszimmer des Hauses, dass f├╝r Festlichkeiten aller Arten bedacht werden konnte. Hier hatten sich die verschiedensten Menschen versammelt, offensichtlich nahe Verwandte, Bedienstete oder nahstehende Freunde. Noch konnte der K├╝nstler nicht einsch├Ątzen, wie dieses Essen verlaufen oder diese Menschen von ihrer Mentalit├Ąt her sein konnten. Doch die ersten Eindr├╝cke gen├╝gten, um allein schon ein sehr versteiftes, wenn nicht sogar erzwungenes Familienbilde zu erkennen, dass f├╝r die Anwesenden vielleicht nicht einmal als solches empfunden wurde.
Nach und nach wurde er jeder einzelnen Person in diesem Raume vorgstellt. Sei es der zuk├╝nftige und recht arrogant wirkende Wilfried, der der zuk├╝nftige Gatte Emilias war. Oder besser gesagt, derjenige der sich den Reichtum der Familie erschleichen wollte. Darauf die Frau des Onkels Alfonso, jener der ihn abgeholt hatte, Lucinda. Sie wirkten recht freundlich und gaben sich M├╝he, diesen Anschein auch zu wahren. Fraglich blieb nat├╝rlich, ob dieser entsprechend echt und nur ein Vorhang war. Weitere Beobachtungen musste er t├Ątigen, etwas stimmte nicht und er sp├╝rte es.
Im n├Ąchsten, darauffolgenden Moment schon trat Emilia hinein. Sie hatte sich f├╝r diesen Anlass h├╝bsch gemacht ÔÇô oder wurde h├╝bsch gemacht. So wie sie schon beim Betreten des Raumes wirkte, so merkte Dimicus sofort dass sie sich unwohl f├╝hlte. Etwas stimmte nicht, ihre Haltung schien verkrampft, ihr Geist abwesend. Sie war versunken in ihren Gedanken, doch er wusste noch nicht ganz, wie er dies zu deuten hatte. So wie er sie erlebt hatte, zuvor in der Gasse, war sie ein aifgewecktes M├Ądchen, dass allerdings zu sehr in sich eingepfercht wurde. Sie wirkte ohnehin dennoch elegant und ihr Aussehen untermalte diese Sch├Ânheit auf eine besondere Weise, f├╝r einen Moment musste Dimicus tats├Ąchlich daran denken, in ihr einen gewissen felinen Anmut zu entdecken.
Daraus machte er sich allerdings nicht viel und die bereits vorherigen Gespr├Ąche, welche h├Ątten nicht unbedeutender sein k├Ânnen, endeten abrupt. Die Bewohner und er selbst wurden dazu angewiesen, sich an den Tisch zu platzieren, welcher Bitte der junge Mann nat├╝rlich sofort nachkam, schon allein seiner Manieren wegen. Nebenbei nippte er nun noch an dem ihm gereichten Wein, welchen er als exzellenten Tropfen bezeichnen konnte, er sich schlie├člich gegen├╝ber der Frau des Hausherren setzte. Zu seiner Rechten sa├č Wilfried, der zuk├╝nftige Gatte und diesem gegen├╝ber schlie├člich Emilia, welche nicht betretener wirken konnte.
"Wir haben uns heute hier zusammengefunden, um den Mann zu danken, welcher Emilia vor gr├Â├čerem ├ťbel gerettet und sich um sie gek├╝mmert hatte. Darf ich vorstellen, Valerius Feldweber." Der Blick des sich erhobenen Onkels lag pl├Âtzlich auf Dimicus, welcher sich nat├╝rlich auch erhob, weil er angesprochen wurde. In diesem Moment verneigte er sich schlie├člich vor allen Anwesenden und sprach: "Auch mir ist es eine Freude an diesem Abend mit Eurer Familie, mit euch allen in diesem Raume speisen zu d├╝rfen. Doch dankt mir nicht zu viel, ich habe nur eine Tat vollbracht, die jeder pflichtbewusste B├╝rger getan h├Ątte." H├Âfliches L├Ącheln ging durch den Raum, als die Weingl├Ąser erhoben und getrunken wurde. Dabei fiel der Blick des K├╝nstlers auf Emilia, die ungl├╝cklicher und verkrampfter nicht wirken konnte.
Allm├Ąhlich wurde das Essen serviert und mehr Getr├Ąnken fanden ihren Weg auf den Tisch, begleitet von einer vorr├╝bergehenden Ruhe, die allerdings Dimicus durchbrach: "Emilia, ich kann mir vorstellen, dass Ihr Euch nicht gern an die Geschehnisse zur├╝ck erinnern m├Âchtet. Doch sagt mir, wie ergeht es Euch mittlerweile?" Stille trat abermals ein, doch diese war unangenehm. Die junge Frau war mehr als bedacht darauf, auf ihren Scho├č zu blicken. Vollkommen betreten und scheinbar nicht an diesem Ereignis teilnehmen wollend. Nur ein Ansto├čen von Lucindas holte sie auf den Gedanken, die blickte auf und schlie├člich auch ihn an. Ihr Gesicht zeigte pl├Âtzlich Regungen. Wut und Anspannung dominierten ihr Gesicht. Als Antwort und Best├Ątigung seiner Vermutung reichte es ihm abermals. Sie verhielt sich nicht so, wegen dem was in der Gasse geschah. Sonst h├Ątte sie sich vollkommen anders in dem damaligen Moment verhalten. Sie wusste es. Nun wusste er, dass sie es wusste.
Um schlie├člich aber diese peinliche Stille zu durchbrechen, erhob schlie├člich Lucinda wieder das Wort, um f├╝r Emilia seine Frage zu beantworten: "Unsere Emilia ist leider etwas sch├╝chtern, dass d├╝rft Ihr ihr nicht ver├╝beln. Seit dem Tod ihres Vaters ist sie leider sehr mitgenommen. Allerdings geht es ihrer Wunde soweit gut, sie ist versorgt und d├╝rfte keine weiteren Probleme bereiten." Mit einem best├Ątigendem Nicken und dankbarem L├Ącheln nahm Dimicus diese Antwort an. "Ich habe davon geh├Ârt, der Rosend├Ąmon soll ihn geholt haben. Eine Schande. Doch ich bin mir sicher, dass ich von f├Ąhigen Frauen und M├Ąnnern umgeben bin, um das Erbe fortzuf├╝hren. Nun denn, lasset uns speisen, wenn mir erlaubt ist, dies so zu sagen."
Sofort erhielt er Zustimmung, w├Ąhrend die k├Âstlichen Speisen serviert wurden und die Feierlichkeiten zu seinen Ehren begannen. Niemand hatte bemerkt, wie er bei der Erw├Ąhnung seines f├╝r ihn geschaffenen Namens leicht die Oberlippe aufw├Ąrts verzog. G├Ąnsehaut hatte ihn dabei begleitet, es war solch ein sch├Ânes Gef├╝hl, an sein Kunstwerk zur├╝ckzudenken. W├Ąhrend er sich also auftischte und die servierte Speise, Schweinsbraten mit Kartoffeln und Gem├╝se, mehr als genoss, begannen die ├╝blichen Tischgepr├Ąche. Nat├╝rlich war er derjenige, der zuerst gefragt wurde.
Die ersten Fragen gingen von Alfonso aus. Woher er stamme, wer er eigentlich genau sei und was er eigentlich t├Ąte. "Nicht weit von Drakenstein liegt die L├Ąnderei Rabental, wenn Ihr sie kennt. Meine Familie dort waren leider nur einfache Leute, doch sie hatten viel Herzblut hinein gesteckt um mich zu erziehen." D├╝ster erinnerte er sich an die Ereignisse von damals, schluckte aber Emotionalit├Ąt diesbez├╝glich herunter. Man merkte ihm keinen Deut an, wie empfindlich er bei dem Thema war, genau so wenig wie er die ganze Zeit zu l├╝gen begann. "Fr├╝h zog ich selbst aus, um mein eigenes Gl├╝ck zu finden und bin schlie├člich in Drakenstein eingekehrt. Dort suchte ich mir einen Lehrmeister f├╝r die Weberei und lernte das Handwerk. Ich hatte wohl, in aller gr├Â├čter Bescheidenheit, ein nat├╝rliches Talent daf├╝r. So f├╝hrte eines zum anderen. Heute verkaufe ich Gew├Ąnder und Stoffe, ein sehr profitables Gesch├Ąft. Damit habe ich mir auch mein Verm├Âgen verdient und bin aktuell auch darauf aus, einen gr├Â├čeren Laden zu er├Âffnen. Doch bis dahin muss noch ein wenig Zeit vergehen."
Die darauffolgenden Themen wurden allerdings fader und wesentlich uninteressanter. ├ťber Politik unterhielt er sich nicht viel, hatte auch nicht viel Ahnung, Zwischendrin bekam er immer sehr seltsame Fragen seitens Wilfried, welche er immer und immer wieder in einer anderen Weise stellte. Doch der junge Mann blieb gelassen, beantwortete selbst diese souver├Ąn und meist sogar machte er mehr als deutlich, dass sein Genie diesen Mann ├╝berragte. Egal wie arrogant sein Auftreten, oder wie frevelhaft die Fragen seinerseits wurden. Letztendlich musste er immer wieder auf Emilia ausweichen, so sehr wie er sie darstellte, war sie nicht mehr als ein Objekt zum pr├Ąsentieren f├╝r ihn.
Nach einigen weiteren Minuten fehlte ihm die Herausforderung in den Gespr├Ąchen, der Sinngehalt, allerdings bemerkte er auch das stets wachsende Unbehagen seitens Emilia. Ob er vielleicht sie bewegen kann, diesen Raum zu verlassen? Sich mit ihm zu unterhalten? Das galt es herauszufinden und zudem hatte er eine pl├Âtzliche Eingebung, sein Sinn nach seiner Erinnerung umschlang ihn pl├Âtzlich. Wie von einem pl├Âtzlichen Drang gestochen, fragte er den Hausherren nach dem Klosett. Nach einer kurzen Wegbeschreibung erhob sich der junge Mann, beinahe wie hypnotisiert folgte er seinen Schritten.
Seine F├╝├če f├╝hrten ihn hinaus aus dem Esszimmer, doch stattdessen zu dem beschriebenen Klosett zu gehen, f├╝hrte sein Weg ihn nach oben, wie aus seinen Erinnerungen damals gef├╝hrt, stand er vor dem Ziel seiner Begierden. Die h├Âlzerne T├╝r gab nach und vor ihm erstreckte sich das Schlafzimmer Fredericks vor ihm, worauf er eintrat und sich vor dem stattlichen Doppelbett stellte. Sein Blick war nicht erf├╝llt von dem Bilde, sondern seine Erinnerungen legten sich ├╝ber seine Sicht, sein Meisterwerk wurde in seinen Erinnerungen wieder wach. Er wusste, dass er nicht lang verweilen konnte, doch f├╝r diesen einen Augenblick genoss er es.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#15

Beitragvon Emilia » So 27. Nov 2016, 09:26

Tante Lucinda, welche viel Wert auf gute Stoffe legte, interessierte sich f├╝r DimicusÔÇś Zukunftspl├Ąne. Sie versicherte ihm, dass sie zu seiner Stammkundschaft geh├Âren w├╝rde, falls er ein Gesch├Ąft in ihrer N├Ąhe er├Âffnen sollte.
ÔÇ×Sie wissen ja, Kleider machen Leute. Deshalb achte ich immer darauf, dass meine Liebsten nur die besten Gew├Ąnder tragen. Und auch unsere Dienerschaft soll solide Kleidung tragen. Aufs Ganze gesehen k├Ąme es uns teuer zu stehen, m├╝ssten wir ihnen jede Woche neue Arbeitsgew├Ąnder kaufen.ÔÇť
Sie schien geradezu verzaubert von dem jungen, gutaussehenden Mann, der sich ├Ąusserst gut zu benehmen wusste. Lucinda nahm sich vor, den Kontakt aufrecht zu erhalten und ihn ├Âfters einzuladen. Zufrieden registrierte sie, dass Emilia sich nicht f├╝r ihn erw├Ąrmen konnte.
Gut so, schliesslich soll das M├Ądchen meinen Wilfried heiraten!

Nachdem Dimicus den Raum verlassen hatte, herrschte ein kurzer Augenblick der Stille.
ÔÇ×Was f├╝r ein charmanter Junge. So gut erzogen und seine Gewandung spricht f├╝r seinen erlesenen GeschmackÔÇť, zwitscherte Lucinda ├╝ber den Tisch hinweg.
ÔÇ×Was f├╝r ein Gl├╝ck, dass ausgerechnet er unsere Emilia gefunden hat. Nicht auszudenken, wenn es irgendein Halunke gewesen w├Ąre.ÔÇť
Das Gespr├Ąch perlte an der jungen Frau ab. Vorsichtig ├Âffnete sie ihre Finger und bemerkte die Abdr├╝cke der N├Ągel, die sich in ihre Handfl├Ąche gebohrt hatten.
Noch immer ├╝berlegte sie der Frage nach, was Valerius, wie er genannt wurde, hier zu suchen hatte. Seit sie herausgefunden hatte, dass er ein Bekannter ihres Vaters war, hatte er ihre Sympathie komplett verloren, wenn man dies denn so nennen konnte.
Doch warum hatte er ihren Herrn Papa get├Âtet? Waren sie in Streit geraten? Ging es um Geld? Doch die ganzen RosenÔÇŽ
Emilia erstarrte, als sie an Geschichten dachte, welche ihre Zofe ihr erz├Ąhlt hatte. Angeblich war ein M├Ârder in der Stadt unterwegs. Bis jetzt hatte sie nicht dar├╝ber nachgedacht, doch offensichtlich war Valerius der Rosend├Ąmon.
Wegen ihrer Taubheit verpasste die junge Frau oft Neuigkeiten, doch bis anhin hatte es sie auch nie interessiert. Sie war in ihrem goldenen K├Ąfig und was draussen geschah, k├╝mmerte sie nicht. Doch nun hatte jemand einen Schnitt durch ihr Leben gezogen, der die Linie zwischen Drinnen und Draussen verwischen liess. Sie musste unbedingt mit ihrer Zofe reden. Gisela war die beste Wahl, wenn man ├╝ber Klatsch und Tratsch im Haus und in der Stadt Bescheid wissen wollte.

Das Mahl war bereits beim Nachtisch angelangt. Emilia z├╝ckte Pergament und Stift, um sich vom Tisch entfernen zu k├Ânnen.

Entschuldigt mich, ich m├Âchte mich in mein Gemach zur├╝ckziehen. Ich f├╝hle mich unwohl und die Ereignisse plagen mich noch immer. Etwas Ruhe wird meine Beschwerden lindern. Richtet unserem Gast meinen Dank aus.

Onkel Alfonso nickte ihr best├Ątigend zu, worauf Emilia sich vom Tisch erhob und gerade zu aus dem Raum st├╝rzte.
Sie atmete erleichtert auf, als sie die Treppe zu den Gem├Ąchern hochstieg. Nun w├╝rde sie erst einmal mit Gisela einige Worte austauschen und danach w├╝rde sie etwas von dem Schlummertrunk zu sich nehmen und schlafen. Sie f├╝hlte sich ersch├Âpft.
Als sie durch den Flur lief, stellten sich ihr pl├Âtzlich die Nackenhaare auf. Als sie an der Verzweigung angelangte, die zum Gemach ihres Vaters f├╝hrte, bemerkte sie, dass seine T├╝re ein St├╝ck offenstand.
Konnte er es wirklich wagen..?!
Sie schritt auf die T├╝r zu und trat ein. Er schien so in seinen Erinnerungen zu schwelgen, dass er sie zuerst gar nicht bemerkte. Seine vertr├Ąumten Augen sagten alles aus, was Emilia bereits geahnt hatte. Auch Emilia wurde in ihren Gedanken zur├╝ckgeworfen zu dem Moment, als sie den Toten gefunden hatte. Sein blasses Gesicht, umrahmt von Rosen.
Warum musste ihr Vater sterben? War er bloss ein zuf├Ąlliges Opfer?

In diesem Augenblick erfasste Valerius sie und seine dunklen Augen schienen sie zu fixieren. Emilia bemerkte die Wut und Verzweiflung gleichsam in ihrem K├Ârper entflammen.
Dies war der Mensch, den ihr Vater in den letzten Sekunden seines Lebens gesehen hatte. Dies war der Mensch, der ihn ihr entrissen hatte. Der Mensch, dem es offensichtlich Freude bereitet hatte, ein Leben zu nehmen und die Angeh├Ârigen mit einem "Kunstwerk" zu verh├Âhnen. Ihm hatte sie es zu verdanken, dass sie Wilfried heiraten sollte und ihr Dasein aus den Fugen gerissen wurde.
In zwei Schritten stand sie vor ihm, hob in katzenhafter Schnelligkeit ihre rechte Hand und schlug damit nach seiner Wange.


Kurze Zeit sp├Ąter war Emilia wieder in ihrem Zimmer. Sie war so aufgebracht, dass sie selbst Gisela nicht mehr sehen wollte. Stattdessen f├╝llte sie sich den Becher grossz├╝gig mit der Fl├╝ssigkeit, welche die Heilerin ihr gegeben hatte. Ihren Rat, davon nicht mehr als einmal t├Ąglich zu trinken, schlug sie in den Wind und st├╝rzte das Gebr├Ąu in einem Zuge hinunter. Dann warf sie sich mit tr├Ąnen├╝berstr├Âmtem Gesicht in ihre Bettlaken und versank daraufhin in einem unruhigen SchlafÔÇŽ


Nachdem Emilia aus dem Saal get├╝rmt war, folgte ihr Wilfried mit der Behauptung, selbst die Toilette aufsuchen zu m├╝ssen. Nachdem der Gast jedoch nicht im unteren Klo aufzufinden war, beschlich ihn das Misstrauen aufs Neue.
Wusste ich doch, dass mit dem Kerl etwas nicht stimmt. Wahrscheinlich steigt er meiner Emilia nach!
Mit grossen Schritten stieg er die Treppe hinauf, um nach Valerius zu suchen und ihn zur Rede zu stellen, falls er ihn tats├Ąchlich im oberen Stockwerk antreffen sollte.
Wilfried hatte sich vorgenommen, diesen Empork├Âmmling loszuwerden. Er hatte gesehen, wie seine Mutter bereits jetzt von ihm schw├Ąrmte, und wenn er nicht aufpasste, w├╝rde auch seine Zuk├╝nftige ihm verfallen.
Und keinesfalls wollte er sich H├Ârner aufsetzen lassen!
Die Eifersucht geh├Ârte zu Wilfried wie auch seine besitzergreifende Ader. Er hatte sich in die Sache verbissen und wie ein r├Ąudiger K├Âter w├╝rde er nicht loslassen, bevor sein Ziel erreicht war und die Gefahr beseitigt. Er sp├╝rte f├Ârmlich, dass mit Flaverius etwas nicht stimmte, konnte es jedoch nicht zuordnen.

Im Gegensatz zu Emilia hatte Wilfried sich nicht bloss mit Klatsch und Tratsch aufgehalten, um dem Rosend├Ąmon auf den Grund zu gehen. Er hatte bereits aus verschiedenen geheimen Quellen gegen viel Geld aufgeschnappt, dass der D├Ąmon nicht bloss ein Zufallsm├Ârder war, weswegen er auch der Meinung war, dass sein Verwandter Frederick von Kreuzenstein Feinde besass die ihn tot sehen wollten.
Wilfried nahm sich vor, mehr ├╝ber Valerius zu erfahren, vielleicht w├╝rde er bald das n├Ąchste Opfer des Rosend├Ąmons sein, falls er es schaffte, diesen aufzusp├╝ren und ihn f├╝r seine eigenen Zwecke anzuheuern.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#16

Beitragvon Dimicus » Mo 28. Nov 2016, 15:10

Das einstige Bild hatte sich vor seinen Augen ausgebreitet, wie Frederick von Kreuzenstein dort lag, geh├╝llt in einem Bett aus Rosen. Ein wahres Kunstwerk war es und noch dazu die feinste Art seiner Malerei. Zumindest in Dimicus' Augen stellte dieses Werk, welches vor nicht mehr als einem Monat seiner Vorstellung fand, das gr├Â├čte seiner Zunft da. Immer weiter und gr├Â├čer wurde seine Arbeit und dementsprechend nutzte er die Zeit.
Damals hatte er f├╝r Emilias Vater eine besondere Planung angewandt, eine Planung die ihn beinahe mehr als zw├Âlf Stunden f├╝r seine Arbeit bescherte. Bis heute kam niemand auf die Idee, dass die Figur Valerius, ein einst treuer Freund des Vaters, nicht mehr als der zu fleischgewordene Rosend├Ąmon geworden war. Seine Augen strahlten bei den Gedanken und seine Erinnerungen waren einfach sch├Ân.
Doch schon von Weitem h├Ârte er die Schritte, vorsichtige Schritte und er wusste auch sofort, zu wem sie geh├Ârten. Grazile F├╝├če tapsten ├╝ber den Boden und keine Sekunde sp├Ąter ging die T├╝r ein weiteres St├╝ck auf, Emilia war eingetreten und sein Plan hat funktioniert. Die junge Frau wusste es, von Anfang an. Wie hatte er nur dieses Detail ├╝bersehen k├Ânnen? Spielte es ├╝berhaupt noch eine Rolle? Sein Kopf und somit Blick wandte sich ihr zu. Seine Augen musterten sie, doch sein Gesicht zeigte keinerlei Regung.
Der w├╝tende Blick und die bittere Verzweiflung standen ihr f├Ârmlich in das Gesicht geschrieben. Er wusste was sie tun wollte, hielt still und lie├č die schallende Ohrfeige ├╝ber sich ergehen. Das Brennen durchzog sein Gesicht, seine Mimik blieb aber unver├Ąndert, w├Ąhrend die R├Âte in seine Wange aufstieg. Ein leichtes L├Ącheln ├╝berzog seine Lippen und gerade in dem Moment als die junge Frau aus dem Zimmer st├╝rmen wollte, ergriff er ihren Arm, hielt sie an Ort und Stelle fest.
Unschuldig und auf den Hinweis, dass er unbewaffnet war, hob er schlie├člich beide H├Ąnde nach oben, deutete an unbewaffnet zu sein. Zumindest lag keinerlei Bewaffnung in seiner Hand. Vorsichtig und langsam zog er unter seiner Weste, um genau zu sein aus der Innentasche ein St├╝ck Papier hervor, dazu einen Kohlestift. Er wusste, dass er ihre volle Aufmerksamkeit hatte, genau so wie er keinerlei Zeit verschwenden durfte. Ganz im Gegenteil, die anderen G├Ąste w├╝rden sich bestimmt bald wundern wo er blieb und somit galt es, schnell zu handeln.
Elegant und schnell begann sein Stift ├╝ber das Papier zu streichen, sprach die Wahrheiten aus und die Worte, die er an Emilia richten wollte. Ihm war es bewusst, dass seine Worte f├╝r sie unglaubw├╝rdig scheinen musste, klar sogar als Beleidgung. Auf einer seltsamen Art und Weise allerdings verband ihn etwas mit dieser jungen Frau. Ihr Schicksal, ihre Unschuld, ihr Auftreten und ihr Fluch. Alles Dinge die er verstehen konnte. Es war nicht nur sie, die ihre Eltern auf eine grausame Art und Weise verloren hatte, nicht ihr Schicksal das h├Ątte untr├Âstlicher nicht sein k├Ânnen. Schlie├člich faltete er das Papier zusammen und dr├╝ckte es ihr in die Hand. Genau wissend, dass sie es nicht sofort lesen oder gar dazu neigen w├╝rde, es zu zerrei├čen. Doch sie w├╝rde diesem Drang widerstehen und es lesen. Seine Worte waren mehr als deutlich und erkl├Ąrend...

Liebe Emilia,

der Blick den du mir gerade schenktest, sagte alles aus, was du mir zuvor verschwiegen hast. Du wusstest warum ich hier bin, du wusstest warum ich so blickte, du wusstest wer ich bin. Doch dies tut nichts weiter zur Sachen, denn ich wei├č genau das Gleiche ├╝ber dich. Du hast gesehen wie grausam diese Welt ist und noch heute erf├Ąhrt dir Leid und Ungerechtigkeit. Ein Zustand, welcher normal f├╝r diese Welt erscheint.
Dein Vater, Frederick, er war ein guter Mann, aber beileibe nicht so aufrichtig wie du ihn kanntest. Es gab eine Menge Gr├╝nde warum ihn so einige Menschen, tot sehen wollten. Du hast nicht viel von deinem Herrn Papa erlebt. Sklavenhandel, organsiertes Verbrechen, Mord und Aufbegehren gegen das Gesetz. Viele w├╝nschten sich seinen Tod, sowohl Konkurrenten als auch rechtschaffene M├Ąnner, man konnte ihm nur nichts nachweisen. Man hat gesucht und nie etwas gefunden.
Es w├Ąre eine Frage der Zeit gewesen, bis ihn jemand get├Âtet h├Ątte. So war es besser, dass ich derjenige war. Durch mich hat sein Tod Sch├Ânheit und Denkw├╝rdigkeit erlangt, er ist als ein Meisterwerk meiner Kunst wieder aufgebl├╝ht. Im Herzen jeder, die ihn haben betrachten k├Ânnen. Einschlie├člich dir. Wir beide sollten uns einig sein, dass dieser Anblick definitiv f├╝r dich h├Ątte nicht sch├Âner sein k├Ânnen, als wenn er nur stumpf im Schlaf abgeschlachtet worden w├Ąre. So oder so h├Ątte er auf diese Weise enden m├╝ssen, nur mein Genie war es, dass ihm vor dem h├Ąsslichen Akt bewahrte. Diese Welt ist nicht fair und ich wei├č was du durch machst, kann es verstehen. So behalte seine abschlie├čende Sch├Ânheit in dir, wie er h├Ątte einfach nur friedlich schlafen k├Ânnen.


Sie war so schnell und wortlos verschwunden, wie sie gekommen war. Doch ihre Mimik hatte genug gesprochen. Es w├╝rde nur eine Frage der Zeit sein, bis sie ihn entweder verriet oder auf ihn zuk├Ąme. F├╝r beide F├Ąlle hatte er weit genug vorausgeplant, denn mittlerweile wusste er nun genauer, was es mit den Leuten auf sich hatte. Diese musste er mit Vorsicht behandeln, auch wenn sie gegen seinen Geist wohl nicht viel ausrichten konnten.
Schnell musste er sich schlie├člich wieder nach unten begeben, sein Fehlen war wohl durchaus schon zu lang und mit Sicherheit w├╝rde zumindest Wilfried Verdacht sch├Âpfen. Dieser arrogante Mann war nicht mehr, als eine wandelnder Fehlschlag der Kunst. Das merkte er ihm an.
Wie als er vom Teufel sprach, war er gerade bei der Treppe angelangt und Wilfried auf dem Wege. Noch durch einen kleinen Spalt an der Treppe konnte er den herannahenden Mann erkennen, wodurch der K├╝nstler schnell handeln musste. Seine rechte Hand wanderte zu einem nahegelegenen T├╝rknauf, ├Âffnete damit die T├╝r und glitt in den Raum hinein, w├Ąhrend er die T├╝r leise hinter sich schloss.
Die schweren Schritte erklommen die Treppe, sein Atem war ruhig und unter seiner Weste zog er einen Dolch hervor, nur f├╝r den Fall. Vor ihm war nur Dunkelheit, nur vage Konturen konnte er in der Dunkelheit ausmachen, etwa die eines Tisches, eines einzelnene Bettes oder ein paar kleinerer Dekorationen. Offenbar ein G├Ąstezimmer.
Die Schritte zogen an der T├╝r vorbei, seine Gelegenheit war gekommen, als er den Dolch wieder zur├╝ck an seinen angestammten Platz zur├╝cksteckte. Leise ├Âffnete er wieder die T├╝r, glitt hinaus und sah noch, wie Wilfried um eine Ecke verschwand. Leise wie eine Katze schloss er den Eingang zum G├Ąstezimmer hinter sich und schlich die Treppe hinab. Seine F├╝├če trugen ihn zur├╝ck in das Speisezimmer, in vorl├Ąufige Sicherheit.
Somit verging eine weitere Stunde, die er mit den Menschen Emilias Familie verbrachte, weiter speiste und trank. Auf ihre Nachfrage hin, warum er solange gebraucht hatte, erkl├Ąrte er schlichtweg, dass er ein wenig frische Luft schnappen wollte. Die meisten schienen damit zufrieden gewesen zu sein, nur Wilfried nicht.
Schlie├člich verabschiedeten sie sich alle, Lucinda sprach eine weitere Einladung aus und Dimicus verlie├č daraufhin das Haus. Ein kurzer Blick zur├╝ck, er wusste das diese Nacht noch nicht vorbei sein w├╝rde. Mit seiner gewohnten Eleganz folgte er seinen F├╝├čen durch die Nachtluft, sein Ziel war nicht zur├╝ck ins Bordell, sondern einfach nur geduldig zu warten.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#17

Beitragvon Emilia » Di 29. Nov 2016, 19:25

Die Ereignisse des Vortages und die Erinnerungen, welche der heutige Abend in ihr aufgewirbelt hatten, liessen ihre Albtr├Ąume wahr werden.
Sie tr├Ąumte davon aufzuwachen, ein kaltes Messer an ihrer Kehle und das geh├Ąssige Grinsen von Valerius ├╝ber ihrem Gesicht. Seine Lippen formten sich zu Worten und im Traum war es ihr, als k├Ânnte sie seine heuchlerische Stimme h├Âren: ÔÇ×Du wirst wie die sch├Ânste aller Rosen erbl├╝hen, wenn ich mit meinem Kunstwerk fertig bin!ÔÇť
Dann bewegte sich seine Hand und sie meinte den Fluss des Blutes an ihrem K├Ârper zu sp├╝ren. Warm und dickfl├╝ssig umgab es sie, ├╝berschwemmte schliesslich das ganze Zimmer und sie sah weisse Bl├╝ten darin schwimmen, wie Seerosen auf einem Teich.
An der T├╝r stand ihr Vater, streckte seine Hand nach ihr aus. Um seinen K├Ârper schlangen sich Dornenranken und die scharfen Stacheln rissen seine Haut auf.
ÔÇ×Emilia, hilf mir! R├Ąche mich, damit ich Frieden finden kannÔÇť, formte sein Mund die Worte. Die junge Frau wollte nach ihm rufen, doch kein Ton kam ├╝ber ihre Lippen. Sie war stumm.

Dann bemerkte sie pl├Âtzlich eine Gestalt ├╝ber sich. Es war Valerius. Emilia sp├╝rte Hass in sich aufwallen, als er ihr vom Fenster her ein schmieriges L├Ącheln schenkte, bevor er mit einem eleganten Sprung in die Nacht hinaus verschwand.
ÔÇ×Nein!ÔÇť, schrie sie, doch nur ein dunkles Knurren erf├╝llte ihren Brustkorb und brach sich Bahn nach Aussen.
Die junge Frau war nun eine L├Âwin, die sich mit beh├Ąnden Spr├╝ngen von Liegefl├Ąche zu Liegefl├Ąche weiter der Wand entlang bewegte, auf das offenstehende Fenster zu. Sie meinte ValeriusÔÇś Geruch in der Nase zu haben, als sie mit den kr├Ąftigen Pranken auf dem Dach aufkam. Es war eine d├╝stere Nacht, dicke Wolken verh├Ąngten das Sternenzelt und selbst der Mond versteckte sich lieber. Doch der vage Schein einiger Laternen unten auf der Strasse reichte aus, um dem Raubtier die Sicht zu erm├Âglichen.
Emilia wusste nicht, ob sie in einem Traum oder der Wirklichkeit gefangen war, denn beides verschwamm ineinander, war nicht zu unterscheiden. Die Heilerin hatte nicht umsonst eine Warnung ausgesprochen und so zeigten sich nun die Nebenwirkungen von ihrem Gebr├Ąu.

├ťberall zuckten Gespenster, formten sich zu gef├Ąhrlichen Bestien und immerfort h├Ârte sie das h├Ąmische Lachen des M├Ârders in ihren Ohren. Rosenranken wucherten aus den D├Ąchern heraus, streckten ihre Arme nach ihr aus und griffen nach ihr.
So jagte die L├Âwin ├╝ber die D├Ącher der Stadt, ungesehen von ihren Bewohnern, da sich die meisten bereits zu Bett begeben hatten oder den dunklen Schatten als ein Trugbild abtaten, das so schnell verschwand, wie es aufgetaucht war.
Pl├Âtzlich sprang eine aufgescheuchte Katze vor der L├Âwin aus der Dunkelheit hervor. Sie war gross wie ein B├Ąr, und ihre Z├Ąhne lang wie Dolche. Emilia wollte der Halluzination entweichen, doch dabei l├Âste sich ein Ziegel und das schwere Raubtier verlor den Halt. Ihre Krallen glitten an der Dachrinne ab und die L├Âwin fiel in die Tiefe. Obwohl sie nicht ge├╝bt war, landete sie auf allen Vieren, auch wenn es ihr einen Moment den Atem verschlug.

Im n├Ąchsten Augenblick zuckte sie herum, als sich ein Schatten am Rande ihres Sichtfeldes bewegte. J├Ąh befand sie sich nicht mehr in einer d├╝steren Gasse, in welcher es von Abf├Ąllen und toten Ratten stank, nein, sie stand wieder im Zimmer ihres Vaters und vor ihr ÔÇô Valerius.
Er hatte wieder seinen d├╝steren Mantel an, der dieses Mal vor Dreck starrte und in schlechtem Zustand war. Auch seine Haltung war geb├╝ckt, doch Emilia schob es darauf zur├╝ck, dass er ├Ąngstlich vor ihr zur├╝ckwich, bis er mit dem R├╝cken zur Wand stand.
Ein leises Knurren drang aus ihrer Kehle, das sich mehr und mehr zu einem bedrohlichen Grollen entwickelte, bis es einem durch Mark und Bein gehen mochte.
Die Raubkatze sp├╝rte das Vibrieren ihres K├Ârpers, sie zog die Lefzen hoch und enbl├Âsste zwei kr├Ąftige Kiefer, ges├Ąumt von t├Âdlichen Waffen.

Valerius zitterte inzwischen wie Espenlaub und hob ihr abwehrend die H├Ąnde entgegen. Sein Geruch erf├╝llte ihre Sinne und ├╝berall schossen die Rosenranken aus den W├Ąnden und dem Boden hervor, gerade so, wie sie auch das Zimmer ihres Vaters bedeckt hatten.
Und da stand er pl├Âtzlich neben ihr, seine Bitte auf den Lippen: ÔÇ×Tu es mein Kind! R├Ąche mich, damit ich Frieden finden kann.ÔÇť
Als Emilia ihre Muskeln spannte und zum Sprung ansetzte, konnte sie den Stolz in seinen Augen aufleuchten sehen.
Das heuchlerische L├Ącheln unter der Kapuze verschwand, als das Gewicht der sandfarbenen L├Âwin gegen den schm├Ąchtigen Mann prallte und die Krallen sich in seine Brust bohrten. Mit Genugtuung erkannte sie die Todesangst in seinem Blick und weidete sich an dem Geschmack des Blutes, als sie ihre F├Ąnge in seinem Hals versenkte. Das Gef├╝hl einer erfolgreichen Jagd erf├╝llte jeden Teil ihres Seins und endlich schien der Blutrausch gestillt, als nur noch eine leere H├╝lle unter ihren Pfoten lag. Emilia f├╝hlte sich so frei und unbeschwert wie noch nie in ihrem Leben. Warum war sie doch nicht eher durch die Stadt gepirscht?

Als sie eine Bewegung vom anderen Ende der Gasse erahnte, schrak sie hoch. Noch ein letztes Mal wollte sie sich an dem Anblick des Toten erg├Âtzen, blickte in seine braunen Augen ÔÇô und erstarrte.
Im selben Moment erklang in ihrem Kopf ein b├Âsartiges Lachen: ÔÇ×Du wirst dieses Werk niemals vollenden!ÔÇť
Wie aus dem Nichts schossen weitere Ranken hervor, griffen nach ihrem K├Ârper und wollten sie erdr├╝cken. Emilia schien keine Luft mehr zu bekommen, sie keuchte unter der Anstrengung sich loszureissen. Als sie es schaffte, verlor sie keine Zeit mehr. Mit kr├Ąftigen S├Ątzen schaffte sie es auf ein tiefer gelegenes Dach und rannte, was ihr K├Ârper hergab. Ihr Herz pochte in der Brust und die Lungen wollten unter der Anstrengung beinahe bersten. Doch der Blickt der braunen Augen trieb sie immer weiterÔÇŽ



Als Emilia am Morgen zu sich kam, lag sie nackt auf der obersten Liege, direkt unter dem Fenster. Ihr Kopf pochte und jeder Muskel ihres K├Ârpers begehrte unter der kleinsten Bewegung auf. Sie hatte einen gr├Ąsslichen Geschmack in ihrem Mund, konnte sich aber nur an Schemen erinnern. Ein Gl├╝cksgef├╝hl erf├╝llte sie, als sie daran dachte, wie die Welt unter ihren Pfoten verschwamm, als sie unter dem Nachthimmel dahingeflogen war. Was f├╝r ein sch├Âner Traum! Doch der Trank hat es trotzdem in sich...
Am sp├Ąteren Morgen klopfte Gisela an ihre T├╝r, um ihr bei der Morgentoilette behilflich zu sein. Verwundert klaubte sie ihr einige Fusel aus den zerzausten Haaren.
ÔÇ×Ihr solltet nicht so nah am Fenster schlafen, ihr werdet euch erk├ĄltenÔÇť, warnte sie die junge Frau.

Als Emilia am Fr├╝hst├╝ckstisch erschien, bemerkten die Verwandten sie gar nicht. Sie waren offensichtlich in eine spannende Diskussion vertieft.
Tante Lucinda kl├Ąrte sie schliesslich voller Elan dar├╝ber auf, w├Ąhrend Emilia sich ├Ąchzend auf den Stuhl fallen liess.
ÔÇ×Ein grosser Hund hat wohl einen Bettler angefallen und get├Âtet! Alles voller Blut. Ein Morgenw├Ąchter hat ihn gefunden bei seinem Rundgang. Zum Gl├╝ck war es nur einer vom Gesindel, doch man weiss ja nie, wo so ein Vieh sich ├╝berall rumtreibt! Wir sollten nachts die T├╝ren verschliessen.ÔÇť
Bloss die Tatsache, dass es sich bei dem Opfer um einen blossen Bettler handelte, liess das Geschehen nach wenigen Tagen wieder in Vergessenheit geraten.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#18

Beitragvon Dimicus » Do 8. Dez 2016, 16:19

Hingegen jeder seiner Erwatungen ging der Plan Dimicus' nicht auf. Aus einem ihm unbekannten Grund hatte er sich versch├Ątzt, so dachte er Emilia w├╝rde auf ihn reagieren, ihn aufsuchen. Sie hatte ihn schon zuvor durch Menschenmassen hindurch ausfindig gemacht, so h├Ątte es f├╝r sie kein Problem dargestellt, ihn in der ruhigen Nacht auszumachen. Ihre F├Ąhigkeiten bewunderte er, auch wenn er sich an sich fragte, woher sie dieses feine Gesp├╝r hatte.
So trugen ihn also seine F├╝├če durch die Nacht, die Stra├čen waren leer und nur in der N├Ąhe von Wirtsh├Ąusern waren Menschen versammelt, die die friedliche Stille zu unterbrechen wussten. Bewusst mied er aber diese Treffpunkte der Bewohner Drakensteins, eher wollte er seine Ruhe haben und den Spaziergang genie├čen. Seine Augen und Ohren waren stets offen und hielten Ausschau nach Anzeichen, die ihm Emilia verraten, oder eventuelle Gefahren mitteilen w├╝rden. Au├čer einem Trapsen in der Ferne war nichts zu vernehmen, doch dieses Ger├Ąusch bereitete ihm Unbehagen. Etwas stimmte nicht.
Mitten in eine dunkle Gasse bog er ein, stets auf seine Schritte bedacht und darauf achtend, in keine Falle zu tappen. Aus dem Augenwinkel sah er sich etwas bewegen, oder besser jemanden, ein Bettler der dort schlief. Nicht ungew├Âhnliches in dieser Stadt, so waren Obdachlose und Bettler ein kein ungew├Âhnlicher Anblick, auch wenn sie wenn m├Âglich in eher uneinsehbare Orte zusammengepfercht wurden. Meistens Vertreter der verschiedensten V├Âlker die in der Stadt ihr Gl├╝ck, stattdessen aber Elend und Armut gefunden hatten.
Kaum hatte er den Bettler passiert und war um die n├Ąchste Ecke gebogen, h├Ârte er ein dumpfes Auschlagen von etwas, dass von den W├Ąnden um ihn herum widerhallte. Ein Br├╝llen ging durch die Gassen, es h├Ârte sich tief an, animalisch, gef├Ąhrlich. Was war das? Im n├Ąchsten Moment h├Ârte man eine zittrige Stimme schreien: "Bitte nicht! HILFE! NEI-" Ein lauter Schlag war zu vernehmen, etwas wurde zu Boden geworfen, gefolgt von einem schmatzenden Ger├Ąusch gerissenen Fleisches, welches von einem Gurgeln begleitet wurde. Dieses Gurgeln ... so h├Ârte es sich an, wenn jemand mit einem Kehlenschnitt verzweifelt zu atmen versuchte. Doch das war kein Schnitt, sondern ein Riss.
Instinktiv zog Dimicus seinen Dolch unter der Weste hervor, presste sich an die Wand und lehnte sich um die Ecke. Sein Blick ragte um die Ecke, allerdings konnte er aufgrund der Dunkelheit kaum etwas erkennen. Nur wie sich ein gro├čer, muskul├Âser K├Ârper erhob, elegant und grazil wie der einer Katze. Unter den Tatzen war ein K├Ârper zu sehen, der des Bettlers, welcher nur schlaff und leblos unter den Krallen der Gro├čkatze wirkte. Wie kam eine L├Âwin in diese Gefilde? Von solchen Tieren hatte er zwar gelesen, aber sie waren doch gar nicht heimisch hier!
In seinem Kopf ratterte es, der Anblick dieser scheu├člichen Frevelei vor ihm bereitete ihm Unbehagen, genau so wie die L├Âwin an sich. Sollte er warten, bis sie weg war und den Toten in etwas Sch├Ânes verwandeln? Doch er hatte kaum Zeit, noch die Werkzeuge dabei. Die Gefahr von diesem Tier gerissen zu werden, bestand auch noch ma├čgeblich. Was sollte er tun? Seine Hand verkrampfte sich um seinen Dolch, sein Verstand siegte, wenn auch gegen den Willen seines Sch├Ânheitsideals. Tut mir leid, aber du wirst als unbedeutendes Nichts in die Stadtgeschichte eingehen. Leise steckte er seinen Dolch weg, hielt sich an der Ecke und beschleunigte seine Schritte, desto weiter er sich von dem Ort des Geschehens entfernen konnte. Seinen Sinn f├╝r die Kunst verurteilte diese Handlung, wie konnte er so eine einfache M├Âglichkeit nur auslassen? Unwohlsein war die Folge, doch er h├Ątte genau so gut sterben k├Ânnen, argumentierte er mit sich selbst. Besser dieses Mal es auszulassen, als nie wieder seine F├Ąhigkeiten zur Geltung kommen lassen zu k├Ânnen. Doch noch immer plagte ihn zudem die Frage, woher eine L├Âwin in diese Stadt gefunden haben k├Ânnte. Soweit er wusste, war kein Zirkus oder eine Schaustellertruppe unterwegs. Das k├Ânnte nur eines bedeuten ... wenn er mit seiner Vermutung richtig lag, hatte er entweder ein sehr gro├čes Problem oder aber der gr├Â├čte Zufall suchte ihn heim. Es w├╝rde sich zeigen.

Eine Woche sp├Ąter...

Seitdem Aufeinandertreffen mit der L├Âwin und schlie├člich gesehen mit Emilia in ihrem angetrauten Heim, hatte Dimicus nicht mehr von ihr oder der Familie etwas zu h├Âren bekommen. Weder eine weitere Einladung, noch ein sonstiges Schreiben. Inzwischen war er sich sicher, dass sein Plan nicht richtig kalkuliert war und er nicht aufging. Dennoch konnte er sich frei bewegen und zeigen, was zumindest darauf hindeutete, dass ihn Emilia nicht verraten hatte. Wor├╝ber sie wohl nachdachte oder sogar z├Âgerte, ihn erneut aufzusuchen? Ihr letztes Treffen war kein Zufall, sie hatte ihn eindeutig verfolgt und er wusste, dass sie es ein weiteres Mal ohne Probleme konnte.
Stattdessen aber geschah nichts, zumindest nichts was mit ihr zu tun hatte. Seine Zusammenarbeit mit Malik fruchtete allm├Ąhlich und in diesem Bereich kam er wunderbar voran. Er hatte eine andere Leinwand f├╝r seine Kunst gefunden, sie sah Malik ├Ąu├čerst ├Ąhnlich, weswegen er sie kurzerhand in ein wundervolles Kunstwerk verwandelt hatte, welches bereits ├╝ber Ger├╝chte und Sagen durch das Volk Drakensteins getragen wurde. Die Wirkung um Angst, Schrecken und Aufmerksamkeit verfehlte nicht ihre Wirkung, so hatte er sein Kunstwerk auf offener Stra├če bei Nacht vollbracht, mit gr├Â├čter Sorgfalt verstand es sich.
Mittlerweile war er zu seinem Tagewerk zur├╝ckkehrt, es war am hellichten Tage, als er eines seiner normaleren, aber wesentlich langweiligeren Gem├Ąlde unter dem Arm trug, eingewickelt in Stoff zum Schutze des wertvollen Bildes. Er hatte sich aus dem Bordell verabschiedet, Malik bereitete einige andere Dinge f├╝r ihren n├Ąchsten Schritt vor, w├Ąhrend er seine gemalte Kunst weiter in die H├Ąuser der adligen B├╝rger brachte.
Der Kunsth├Ąndler seines Vertrauens st├Ârte sich gar nicht mehr daran, dass Dimicus vermummt und meist eher anonym seine Werke an ihn verkaufte, so war dieser meist eher dankbar, dass dieser solche Gem├Ąlde bekommen konnte. Dem jungen Mann war klar, dass das Gold welches er erhielt, nicht einmal dem Bruchteil des Betrages entsprach, zu welchem er das Gem├Ąlde sp├Ąter weiterverkaufte. Doch den K├╝nstler k├╝mmerte dies nicht, es war ja nur ein kleiner Nebenverdienst und f├╝r ihn eher nur ein entspannender Akt, als wirkliche Arbeit.
Daraufhin kam er allerdings den sch├Âneren Dingen nach, als er sich vom Marktplatz schlie├člich entfernte, seine Wege ihn in ein etwas abgelegeneres Stadtgebiet f├╝hrten, genauer zu den eher einfacheren und teilweise verlassenen H├Ąusern. Lang war er nicht mehr dazu gekommen, regul├Ąre Auftr├Ąge anzunehmen und so erfreute es seine Seele, als er schlie├člich wieder zu einem seiner angestammten Pl├Ątze zur├╝ckkehrte, an jenen Platz, an den verzweifelte Geister sein Genie baten, ihre Erinnerungen mit der Sch├Ânheit seiner Werke zu bereichern. Sie ihn daf├╝r bezahlten, sein Herzblut in etwas flie├čen zu lassen, welches ihn und seine Klienten gleicherma├čen erf├╝llte.
Nahe eines alten Hauses hatte er sich platziert, den Punkt seiner Begierde im Auge und doch auf die Umgebung eher achtend. Immer wartete er, bevor er sich seinen Auftrag nahm, um sicher zu gehen nicht in eine Falle oder eben unerw├╝nschten Zeugen ├╝ber den Weg zu laufen. Einige Momente vergingen also und als er sich schlie├člich sicher war, sti├če er sich von der Wand ab, an der er zuvor lehnte und pendelte her├╝ber zu dem alten, verlassenen Steinhaus. An der Mauer, an der Au├čenseite hinter einigen B├╝schen, da wurde er f├╝ndig. Mit Fingerspitzengef├╝hl schob er die Steine weg, offenbarte einen Hohlraum mit einem S├Ąckel darin. Seine Hand griff hinein, holte es heraus und schob den Stein wieder an seine angestammte Stelle. Schnell verbarg er den Leinens├Ąckel unter seinem Umhang und zog von dannen, nur um sp├Ąter in aller Ruhe alles lesen zu k├Ânnen.
Denn kurze Zeit sp├Ąter hielt er in einem sehr angesehenen Gasthaus an, nahm dort Platz und bestellte sich Speis und Trank. Eberbraten sollte es dieses mal sein, allerdings mit Traubensaft, keinen Wein. Ganz normal zog er den Brief hervor, welchen er schon vorher aus dem S├Ąckeln entnommen hatte, faltete ihn auf und begann zu lesen. Seine Lippen verzogen sich sofort zu einem Grinsen, als er sah, von wem der Auftrag kam. Um genau zu sein, war es sehr belustigend, denn sein Ziel war jemand, den er ganz gut kannte: Valerius Feldweber. Sein Auftraggeber war nur noch leichter zu durchschauen, als zuvor gedacht: Wilhelm, Emilias zuk├╝nftiger Gatte.
Die Summe f├╝r den Auftrag schien stattlich und die Anweisungen klar, m├Âglichst ├Âffentlich und pr├Ąsent. So sollte es sein, doch nicht Valerius w├╝rde sterben m├╝ssen. Wilhelm wusste gar nicht, worauf er sich eingelassen hatte. Doch diesen Mann sich einfach anzunehmen w├Ąre zu leicht, zu stillos, zu langweilig. Wieso nicht ein Spiel daraus machen, doch daf├╝r musste sich Dimicus etwas einfallen lassen, eine Heausforderung und Spa├č zugleich.
So speiste der K├╝nstler in aller Ruhe, er seine georderten Dinge forderte und sich erhob, seine Schritte f├╝hrten ihn wieder hinaus auf die belebten Stra├čen, zwischen die Menschen und unter seine Kapuze. Jetzt brauchte er einen f├Ąhigen Handwerker, einer v├Âllig anderen Zunft, doch dazu musste er sich Informationen beschaffen. So f├╝hrte ihn sein weiterer Weg ├╝ber die Stra├čen, sein n├Ąchstes Teilziel ausmachend.
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#19

Beitragvon Emilia » Di 27. Dez 2016, 13:38

Tats├Ąchlich war keine weitere Einladung zu Valerius gelangt, da Wilfried den Boten seiner Mutter abgefangen hatte. Er ├Ąrgerte sich ├╝ber das Ges├╝lze, das Lucinda dem jungen Mann schrieb und verbrannte den Brief. Stattdessen verfasste er ein neues Exemplar, das jedoch nicht an Valerius, sondern an jemand anderen ging ÔÇô an den Rosend├Ąmon.
Er hatte es endlich geschafft, gegen Drohungen und einige M├╝nzen von den Wegen zu erfahren, auf denen man dem Auftragsm├Ârder Botschaften zukommen lassen konnte. Also hatte er ihm einen grossz├╝gigen Vorschuss zukommen lassen und versprach noch einmal das Doppelte drauf zu legen, wenn dieser Gockel Valerius zur Strecke gebracht w├╝rde.

F├╝r Emilia war die Woche nur z├Ąh vor├╝bergegangen. Seit dem Vorfall mit dem Bettler f├╝rchtete ihre Tante Lucinda um das Wohl ihrer Familie und niemand konnte ungesehen das Haus verlassen. Ausserdem hatte sie wieder Versuche angestellt, die Nichte mit ihrem Sohn Wilfried zu verkuppeln und so vermochte sich Emilia kaum den famili├Ąren Abenden zu entziehen, welche Lucinda geschickt einf├Ądelte. Tats├Ąchlich gab sich Wilfried ├Ąusserst charmant und wirkte sehr selbstzufrieden. Emilia versuchte sich mit ihrem Schicksal anzufreunden, den jungen Mann zu heiraten, auch wenn er nicht ihre erste Wahl gewesen w├Ąre. Sein gieriger Blick gefiel ihr nicht, doch ansonsten verhielt er sich die meiste Zeit tadellos.
Immerhin lenkten sie die Gesellschaftsanl├Ąsse vom Tod ihres Vaters ab. Zumindest bis zu jenem AbendÔÇŽ

Emilia war m├╝de und erleichtert, dass sich Wilfried und Onkel Alfonso fr├╝her von den Frauen verabschiedeten, da sie sich zu einer Runde unter Freunden begeben wollten. Schliesslich entschuldigte sich auch die junge Frau von ihrer Tante unter dem Vorwand, ein literarisches Werk von Daedalus Humpertson fertig studieren zu wollen, was Lucinda bloss mit einem gn├Ądigen Nicken quittierte.

Obwohl Emilia ersch├Âpft war, denn das st├Ąndige L├Ącheln und das Auftragen von poetischen Versen zur Zufriedenheit ihrer Tante waren erm├╝dend, begann sie in ihrem Zimmer trotzdem wie ein L├Âwe im K├Ąfig herum zu gehen. Seit dem Tod ihres Herrn Papa hatte sie angefangen, abends regelm├Ąssig in Katzengestalt ├╝ber die D├Ącher und durch die Gassen zu streifen, doch die langen Abende der letzten Woche mit der Familie hatten ihren Tribut gefordert und Emilia war oftmals direkt eingeschlafen, auch wenn es sie nach der Nachtluft gel├╝stete.
Wenn Lucinda bemerkte, dass die Gestaltwandlerin Nachtwanderungen unternahm, w├╝rde sie sofort veranlassen, das Fenster abzuriegeln und nachts ihre Zimmert├╝re verschliessen lassen, dessen war sich Emilia bewusst.

So liess sie sich mit einem Seufzer auf ihr Bett fallen, und griff nach den Werken von Daedalus Humpertson. Dabei stiess sie die geschnitzte Holzfigur einer kleinen Katze um, welche Frederik ihr einmal geschenkt hatte, und sie purzelte von der Kommode herunter.
W├Ąhrend Emilia sich danach b├╝ckte, nahm sie einen hellen Schatten unter ihrem Bett wahr. Verdutzt liess sie sich auf die Knie gleiten und fasste nach dem Pergament. Das hatte sie doch glatt aus ihren Gedanken verdr├ĄngtÔÇŽ

Ihr Blick huschte ├╝ber die schnell geschriebenen Zeilen und ihre Augen weiteten sich vor Schreck, Abneigung, Zorn und schliesslich Verachtung.
Was behauptete Valerius da?
Sie hatte sich also verraten und er wusste nun, dass sie es wusste. War sie in Gefahr?
Nat├╝rlich war sie das, schliesslich konnte sie ihn jeder Zeit an die Wachen verraten!
Sie kannte sein Gesicht, seinen NamenÔÇŽ doch tat sie das wirklich oder hatte er auch da gelogen. Denkbar w├Ąre es.

Doch die ersten Zeilen schienen ihr belanglos im Gegensatz zu den Worten, die darauffolgten. Welche Anma├čung!
Wie konnte er es bloss wagen, ihren toten Herrn Papa in den Schmutz zu ziehen! Und kurz darauf zuzugeben, dass er ihn umgebracht hatte und es keine Sekunde lang zu bereuen schien. Nein, er masste sich sogar an, gerecht gehandelt zu haben! Doch kein Mensch und kein anderes Wesen ausser Ainuwar sollte dar├╝ber entscheiden, wann das Leben zu verl├Âschen hatte. Und erst Recht kein selbstgerechter und ├╝berheblicher Meuchelm├Ârder!
Tr├Ąnen der Wut und Trauer gleichermassen stiegen Emilia in die Augen. Selbst wenn dieser Mann die Wahrheit sagte in Bezug auf die Machenschaften ihres Vaters, was er nat├╝rlich nicht tat, war es pure Arroganz seinen Tod durch die Sch├Ânheit seiner Art gerechtfertigen zu wollen!

Emilia zerriss den Brief in vier Teile und liess sie ungeachtet zu Boden rieseln.
Sie w├╝rde die Wachen alarmieren, damit sie den M├Ârder verhaften und h├Ąngen konnten, wie es bei Mord ├╝blich war. Und sie w├╝rde dabeistehen und zusehen, wie er seine letzten r├Âchelnden Atemz├╝ge tat. Doch vorherÔÇŽ wollte sie einige Antworten erhalten!

Eine Stunde sp├Ąter hatte sie sich aus dem Haus geschlichen und bewegte sich durch die Strassen.
In der Hand hielt sie einen Brief, den sie bei dem Haus abgeben wollte, vor dem sie Valerius bereits einmal begegnet war.

Glaubt nicht, dass ich Euer heuchlerisches Tun jemals gutheissen oder gar bewundern w├╝rde. Einen Menschen zu t├Âten hat Nichts mit Kunst zu tun, denn es ist verabscheuungsw├╝rdig.
Ihr habt meinen Vater in den Schmutz gezogen und solange Ihr keine Beweise f├╝r Eure Anschuldigungen vorweisen k├Ânnt, werdet Ihr nie sicher sein, dass nicht die Wachen Euch in Eurem Heim erwarten. Solltet Ihr jedoch Recht behalten, sollt Ihr aus der Stadt verschwinden und ich werde Euch vergessen.
Trefft mich in zwei Tagen zur fr├╝hen Abendstund vor dem g├╝ldenen Eber und bringt Eure Beweise mit.


Ihr wirkliches Vorhaben verschwieg sie in dem Schreiben.
Bei der zwielichtigen Taverne angekommen, ├╝bergab sie den Brief einer der H├╝bschlerinnen, welche ihr f├╝r eine M├╝nze versicherte, ihn dem jungen Mann zu ├╝bergeben.
Emilia entfernte sich in eine verlassene Gasse, um schnell aus ihren Kleidern zu schl├╝pfen, diese zu einem B├╝ndel zu packen und sie in einer Nische zu verstecken. Dann wandelte sie sich.

Bald darauf hatte sich die s├╝sse Tigerkatze mit ihrem verspielten Auftreten und einem hungrigen Miauen den Zugang zur K├╝che erschlichen, wo die pummelige K├Âchin ihr ein Sch├Ąlchen mit Milch hinstellte. Als diese sich wieder mit ihren T├Âpfen und Kellen besch├Ąftigte, huschte Emilia durch eine T├╝r hindurch und gelangte in die Taverne, die jegliche Gel├╝ste befriedigte.
Sie liess sich von ihrem Geruch leiten und erreichte schliesslich die Schlafgem├Ącher, wo sie sich in Reichweite von Valerius Zimmer positionierte, um auf sein Kommen zu warten.
Sobald er auftauchte, w├╝rde sie auch ihn wiederum um den Finger wickeln und dann aus n├Ąchster N├Ąhe seine Reaktion auf ihren Brief zu sehen bekommen. Erst dann k├Ânnte sie ihr weiteres Vorgehen planenÔÇŽ
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Re: Komm, s├╝sser Tod

#20

Beitragvon Dimicus » Mi 28. Dez 2016, 13:44

Mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen und einem St├╝ck Papier, welches seine "anonyme" Bestellung zur Abholung berechtigte, schlenderte Dimicus wieder zur├╝ck zum Etablissement Maliks, seiner aktuellen Wohnst├Ątte. Immer noch eine Schande in seinen Augen, doch aus seinen Raum dort wurde immer mehr etwas. Was man nicht gerade von dem Bordell sagen konnte, doch das waren nicht die Belange des K├╝nstlers.
Die inzwischen in die Dunkelheit getauchten Stra├čen f├╝hlten sich wie sein eigentliches Zuhause an, nur teilweise erhellt von dem silbrigen Schein des Mondes und den Stra├čenlaternen, die die sonstige Fonsternis zu vertreiben versuchten. Wenn er sie nur l├Âschen und somit die Wege in die Melodie des Mondes tauchen k├Ânnte. Welch sch├Âner Anblick w├Ąre das gewesen?
Leicht vertr├Ąumt von dieser Vorstellung n├Ąherte sich der junge Mann wieder seinem zweckm├Ą├čigen Heim, bereits in der N├Ąhe verdichtete sich der Verkehr von vorwiegend m├Ąnnlichen B├╝rgern, die ihre Lust zu befriedigen ersuchten. Die Kapuze tief in das Gesicht gezogen, schritt er elegant und doch zugleich unscheinbar durch die Mengen, an ├╝bel riechenden M├Ąnnern und Trunkenbolden vorbei. Die M├Ądchen waren bemitleidenswert, wenn sie solche M├Ąnner bedienen mussten.
Zum Gl├╝ck schl├Ąngelte er sich einfach hindurch, durch die Vordert├╝r und schlie├člich auf den direkten Wege zur Treppe. Kurz davor wurde er jedoch aufgehalten, einer der Matronen des Hauses hielt ihn auf. "Herr, ich habe etwas von euch.", ert├Ânte es von der an ihn herangetreten Frau. Sein ruhiger und zugleich k├╝hler Blick ruhte auf ihr, sie zuckte etwas zur├╝ck, riss sich aber schnell zusammen und reichte ihm einen Brief. Eine Augenbraue erhob sich, als er den Brief betrachtete und schlie├člich entgegennahm. "Von wem kam er?", fragte er fordernd, worauf sofort eine auf Emilia passende Beschreibung folgte. "Interessant. Danke Liebes.", sagte er dann pl├Âtzlich, wie ausgewechselt, vollkommen zuckers├╝├č. Er wusste, sie hatte etwas vor und auch er war nicht ganz unt├Ątig gewesen, was Emilia betraf.
Damit nahm er sich den Brief und schritt nach oben, doch ehe er seine T├╝r erreichen konnte, machte er eine ungew├Âhnluche Entdeckung. Genau vor seiner T├╝r sa├č eine Katze. Dunklebraunes Fell, schwarze Streifen, unglaublich anmutig. Als sich das K├Âpfchen des kleinen Wesens zu ihm regte, erkannte er die gr├╝nen Augen der Katze, die ihn an etwas erinnerten, doch er konnte nicht sagen an was. Doch wer w├╝rde er sein, solch einem edlen Wesen dem Zugang zu einem Raum dessen Wahl zu verwehren?
Mit einem sanften L├Ącheln und dem Zur├╝ckziehen seiner Kapuze begr├╝├čte er das Tier, streichelte es kurz ├╝ber den Kopf um schlie├člich die T├╝r zu seinem Raum zu ├Âffnen. Dieser hatte sich stark ver├Ąndert, dass innerhalb der k├╝rzesten Zeit. In seinem Raum waren die W├Ąnde mit von ihm gemalten, edlen Bildern versch├Ânert, eine Ecke hatte die Widmung der Bedeutung seiner Kunst bekommen, als er sie zu seinem pers├Ânlichen Atelier verwandelt hatte. Zahlreiche leere Leinw├Ąnde, seine geliebte Staffelei und dazu Malutensilien, die nicht h├Ątten zahlreicher sein k├Ânnen. Dazu das Bett, dass er noch immer austauschen wollte, sowie der Tisch samt St├╝hle. Doch das brauchte seine Zeit, so war er kein Schreinermeister, um dieses Werk vollbringen zu k├Ânnen.
Die kleine Katze hatte ihn begleitet, scheinbar f├╝hrte ihre Neugierde und der Entdeckerdrang dazu, sich hier wohlzuf├╝hlen, vielleicht t├Ąuschte sich der K├╝nstler auch nur, im Lesen von Tieren war er noch nie wirklich gut. Vollkommen gelassen und entspannt streifte er sich seinen Mantel ab, unter dem seine lederne R├╝stung und seine zahlreichen Wurfmesser, sowie seine zwei Dolche zum Vorschein kamen. Diese Waffen legte er allerdings auch ab, auf die Kommode neben dem Bett, ehe er auf jenes Platz nahm und den Brief zu lesen begann. Zuerst vollkommen konzentriert, schlie├člich aber vollkommen erleichtert und weiterhin ausgelassen.
"Ach, Emilia. Du hast eine interessante Ansicht auf die Dinge, wie sie funktionieren k├Ânnten aber nicht werden." F├╝r einen Moment legte er den Brief beiseite, z├╝ckte sein Notizbuch und schien darin etwas lesen zu wollen. Mehrere Seiten durchbl├Ątterte er und las sehr aufmerksam etwas nach. "Ich verstehe." Ohne gro├č auf die Katze oder ihre Taten geachtet zu haben, aber noch wissend, dass sie im Raum war, erhob sich der junge Mann und schritt zur T├╝r her├╝ber, schloss sie ab. Das Gleiche passierte mit dem Fenster und es gab kein Entkommen mehr aus dem Raum. "Dir ist bewusst, dass der Zufall zu gro├č ist, dass dein Brief und eine Tigerkatze zum selben Zeitpunkt hier auftaucht? Mit wei├čen Pfoten, schwarzen Streifen und braunen Fell. Dazu unvergleichlich die Augen."
Nun fixierte er die Katze in dem Raum, ein wissender Blick strafte die junge Katzendame. Ein sanftes L├Ącheln umspielte schlie├člich seine Lippen, eher weiter zu sprechen begann: "Wusstest du, dass einige eurer Bediensteten viel zu neugierig und gespr├Ąchig zugleich sind? Sie haben Dinge gesehen, die sie nicht h├Ątten sehen und erst recht nicht an mich weitergeben sollen. Doch f├╝r die richtige Menge an Geld gibt jeder gern den n├Âtigen Pinselstrich zu dem Gesamtbild hinzu." Seine Worte waren langsam, bedacht und deutlich gesprochen, so dass Emilia sie exakt verfolgen konnte. "Du willst Beweise?", fuhr er fort, erwartete aber keine Antwort. Stattdessen erhob er sich, ├Âffnete die Kommode und zog einige Pergamente hervor. Vertr├Ąge, Handelsnachweise, Briefe und Seiten aus Tageb├╝chern kamen zum Vorschein, in denen die meisten Machenschaften von Frederick von Kreuzenstein belegt und beschrieben waren.
Namen, Wohnorte und bestellte "Ware" von Klienten, sowie die Preise dazu. Drohbriefe, Gedanken Fredericks aus seinen Tageb├╝chern, Handelsbriefe, alles war dabei um die Unterstellungen zu st├╝tzen, auf die Dimicus zuvor in seinen Recherchen gesto├čen war. All dies breitete er auf seinem Bett aus, erm├Âglichte Emilia selbst in Katzengestalt die Einsicht. Doch noch im selben Moment z├╝ckte er einen Stif und ein Blatt Pergament, auf welchem er schrieb: "Lass uns reden. Verwandel dich zur├╝ck und lass uns wie erwachsene Menschen sein. Solltest du versuchen dich zur L├Âwin zu verwandeln und mich zerfleischen zu wollen, wie du es dem armen Bettler angetan hast, bist du sehr schnell tot. Mach keine Dummheiten Emilia. Ich werde dir nichts tun." Dieses Blatt legte er dazu, eindeutig lesbar f├╝r die junge Frau.
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