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 Betreff des Beitrags: Re: Komm, süsser Tod
BeitragVerfasst: Di 10. Jan 2017, 00:03 
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Die Freien Völker (1) Schlüsselloch (1)
Das erste was dem Künstler auffiel, als der intensive Kontakt zwischen ihm und Emilia stattfand, war die schiere Angst in ihren Augen. Befürchtungen, die keinen wirklich Bestand ihm gegenüber hatten, Dinge um die sich umsonst fürchtete - würde sie keine Dummheiten anstellen wollen. Doch schon im darauffolgenden Moment spürte er einen leichten Schmerz, er brannte und dennoch verzog er kaum einen Muskel im Gesicht, auch wenn es ihm sehr schwer fiel.
Jedoch löste sich im nächsten Augenblick bereits die Situation auf, sie schien sehr wütend und er musste weiter ehrlich mit sich sein, dass er es ihr nicht verdenken konnte. Sie musste sich wie er fühlen, als ihn Malik unter Zwang in dieses Zimmer quartierte und zu ihrem Sklaven machte. Emilia war in diesem Moment nichts anderes, eine Sklavin ihrer zerrütteten Welt, in der er der Meister war. Einerseits ein ihm wohlgefallender Gedanke, dieser würde ihm aber nicht im Weitesten mit ihr weiterhelfen.
Nach und nach las er ihre Nachrichten, betrachtete ihre Blicke, besonders die Wut und Herausforderung in ihren Augen, jenen Gefühle die er nicht erwiderte und es gar wagte, sie nicht ernst zu nehmen. Es gab ihm jedoch keinen Anlass, unvorsichtig zu sein oder ihr blind zu vertrauen. Vertrauen war aber die Sache, welche ihn und sie nur weiterbringen konnte, so wollte sie von ihm lernen.
Achtsam nahm er den Dolch von Boden und schließlich den Wurfdolch von Emilia entgegen. Mit einem Nicken schließlich bestätigte er nur ihren letzten Satz, wobei einer seiner Finger das Rinnsal seines Blutes auffing und im Licht für seine Augen betrachtbar machte. Wundervolle Farbe, er wusste weswegen er dieses Rot so liebte. Diese Ausdruckskraft, die Stärke des Blutes, die Wärme die von ihm ausging. Schließlich machte er kehrt und legte die beiden Waffen säuberlich zurück, ehe er sie in der Kommode, samt seines Mantels, verstaute.
Alsbald kehrte er wieder zu Emilia an den Tisch zurück, nahm sich das Notizbuch und schrieb: Du sagtest ich solle dich nicht berühren, aber dich lehren zu überleben. Du willst in meiner Nähe bleiben, ich soll aber wachsam bleiben. Wenn ich dich lehren und wachsam bleiben soll, so musst du mir vertrauen und meine Augen und Ohren werden. Genau so, wie ich das tun muss und sein werde. Darauf legte er das Notizbuch zur Seite, damit sie es lesen konnte.
Dabei räumte er den Korb aus und holte mehrere Keramikgefäße heraus, dazu Besteck und einen Krug samt Glas. Fein säuberlich richtete er es her, eine Gemüsesuppe, Braten mit Kartoffeln, Milch und frisches Brot. Genug, damit sich Emilia stärken konnte. Als er kurz herüber schielte und schaute, ob sie alles gelesen hatte, nahm er sich wieder das Buch und führte fort: Du solltest etwas essen, bevor es kalt wird. Um dir zudem einer deiner Fragen zu beantworten: Die Landschaft auf dem Bild, ich weiß nicht ob es sie wirklich gibt, aber unserem Geist sind keine Grenzen gesetzt. So kannst du sie dir vorstellen, so gibt es sie auch.
Mit diesen abschließenden Worten schob er ihr das Buch wieder zu, als er von ihr wegtrat und schließlich zur Kommode schritt, wo er sich in aller Ruhe seiner Rüstung entledigte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Komm, süsser Tod
BeitragVerfasst: Di 10. Jan 2017, 00:06 
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Das Kaisho Abkommen (1)
Emilia beobachtete ihn, wie er seine Dolche und Habseligkeiten in der Kommode neben dem Bett verstaute. Er machte keine Anstalten, sie vor ihr zu verbergen oder sie mit einem Schlüssel zu verriegeln.
„Du sagtest ich solle dich nicht berühren, aber dich lehren zu überleben. Du willst in meiner Nähe bleiben, ich soll aber wachsam bleiben. Wenn ich dich lehren und wachsam bleiben soll, so musst du mir vertrauen und meine Augen und Ohren werden. Genauso, wie ich das tun muss und sein werde.“
Inzwischen sass die junge Frau auf einem der beiden Stühle und baumelte mit den nackten Füssen, während sie über die Worte nachdachte.
Ich mag Dich nicht gerade. Ich wollte Dir nicht drohen, Dich bloss warnen. Ich habe jetzt mehr als einmal die Kontrolle über… mich verloren.
Ihre Finger krampften sich um den Stift, als sie die Worte schrieb und sie legte ihn zur Seite, als sie es bemerkte.
Milch!, schnell griff sie nach dem Krug und füllte sich ein Glas voll, nur um es in einem Zuge leer zu trinken. Ein weisser Rand blieb um ihren Mund zurück, den sie jedoch mit ihrer Zunge sauber leckte. Nun war sie nicht mehr zu zügeln. Ausgehungert fiel sie über die Mahlzeit her, bis sie das Gefühl hatte, gleich platzen zu müssen.
Ihr kam es vor wie eine Ewigkeit, seit sie das letzte Mal etwas so Leckeres zu sich genommen hatte.

«Die Landschaft auf dem Bild, ich weiß nicht ob es sie wirklich gibt, aber unserem Geist sind keine Grenzen gesetzt. So kannst du sie dir vorstellen, so gibt es sie auch.»
Die junge Frau runzelte die Stirn, während sie noch auf einer Scheibe Brot herumkaute. Das klang wie aus einem der Gedichtsbücher, welches ihr Herr Papa ihr manchmal geschenkt hatte.
Sie existiert also nur in deiner Fantasie, stellte sie während zwei Bissen fest.
Schade eigentlich. Das Bild mag ich.

Während sie so in sich hinein futterte, begann er sich in eine bequemere Gewandung zu werfen. Verstohlen blinzelte sie zu ihm hinüber, doch das Leinenhemd verdeckte seine Brust, so dass sie ihre «Kratzspuren» nicht erkennen konnte.
Was hat es mit den Rosen auf sich, schrieb sie ins Notizbuch, bereute die Frage aber sogleich wieder. Sie selbst assoziierte sie inzwischen nicht mehr mit Liebe und Zuneigung, sondern mit dem Tod, den sie in ihre Familie gebracht hatten.
Das Bild in der gegenüberliegenden Ecke des Zimmers fiel ihr wieder ins Auge. Auch dort hatte er Rosen hingemalt. Vielleicht ein böses Omen für die Zukunft?

Doch inzwischen war sie gesättigt, was das schläfrige Gefühl in ihr verstärkte und sie etwas beruhigt hatte. Ein Gähnen kam über ihre Lippen. Eine gemeinsame Mahlzeit konnte ja so einiges bewirken.
Ich habe keine saubere Kleidung und ich bin müde, kritzelte sie schliesslich überflüssigerweise ins Buch hinein.
Valerius überlegte noch, woher er ihr um diese Uhrzeit anständige Kleidung besorgen sollte, da stand Emilia auf und tapste zu seinen Bildern hinüber. Einen Moment betrachtete sie die Mondlandschaft, welche sie schon bei ihrem letzten Besuch gesehen hatte.
Sie war sich seines Blickes bewusst, als sie sich zu Boden gleiten liess, ihm jedoch den Rücken zukehrte.

Dann verwandelte sie sich ganz bewusst das erste Mal in seiner Gegenwart. Der zierliche Körper wurde noch kleiner, veränderte seine Gestalt. Die Ohren wurden spitz, und das dunkle Fell begann ihren Leib zuerst als Flaum und schliesslich als wärmender Pelz zu überziehen. Es dauerte länger als beim letzten Mal, bis sie schliesslich das Dienstmädchengewand hinter sich lassen und als Katze daraus hervor tapsen konnte. Sie beobachtete ihn aufmerksam aus den hervorstechenden smaragdgrün wirkenden Augen und fragte sich ein wenig belustigt, ob er wohl auch einen Moment der Furcht verspürt hatte.
Dann setzte sie sich hin und begann ihr dreckiges Fell zu säubern. Als er einige Zeit später wieder nach ihr schaute, lag sie schutzsuchend in dem Kleiderknäuel vergraben, direkt unter der Staffelei und schlief, während ihre Schweifspitze im Schlaf unruhig zuckte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Komm, süsser Tod
BeitragVerfasst: Di 10. Jan 2017, 18:35 
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Volk: Almane
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Die Freien Völker (1) Schlüsselloch (1)
Es war mehr als erfrischend, aus der Lederrüstung heraus zu kommen und wieder nur die leichte Kleidung am Leibe zu tragen. Zwar fehlte jetzt der schützende Aspekt seiner Rüstung, doch war er sich sicher, dass er keiner Gefahr ausgesetzt war. Vor Emilia hatte er nichts zu befürchten, so würde sie ihn als werrtvollen Partner verlieren, der ihr viel zeigen und zu verstehen geben kann. Auch wenn sie naiv und manchmal leichtsinnig schien, so traute er ihr genug Verstand zu, eben dies abzuwägen.

Kaum drehte er sich wieder zu ihr um, war sie schon fleißig dabei, ihre Mahlzeit zu verspeisen, der Großteil war schon in ihrem Bauch verschwunden. Offensichtlich hatte sie nicht zu Hause gewohnt, wohl kaum wäre sie in solch einem Zustand gelangt, wenn sie die Umsorge ihres Hauses erfahren hätte. Wobei Dimicus immer noch unsicher war, ob man es Fürsorge oder eher ein Am-Leben-Erhalten nennen konnte, so wie sie als Spielball der Familien verwendet wurde. Nachdenklich schaute er sie bei diesen Gedanken an, während sie noch speiste und er wunderte sich in diesem Augenblick, was aus ihr geworden wäre, wenn ihr Vater nicht seiner Kunst zum Opfer gefallen wäre. Zum Opfer gefallen? Was denkst du da, du hast ihn in ein Kunstwerk verwandelt, es gab nichts Schöneres! Der Künstler haderte mit sich selbst, was sollte das? Für nur diesen kurzen Augenblick hatte er daran gezweifelt, dass sein Werk nicht perfekt, sondern ungerechtfertigt war. Absoluter Schwachsinn, nimm dich zusammen. Sie macht dich schwach. Bewusst nahm er für einen Moment den Blick von ihr, um sich zu sammeln und diese frevelhaften Gedanken zu vertreiben. Ab da war ihm mehr als bewusst, dass er in mehrlerlei Hinsicht achtsam sein musste.

Schließlich endete auch das Mahl Emilias, als sie die letzten Reste verspeiste und wieder Dinge in das Notizbuch schrieb. Während dieses Augenblickes, las er sich einmal die Dinge durch, die sie geschrieben hatte und vor allem ihre letzte Aussage stimmte ihn nachdenklich. Wo sollte er noch um diese Zeit frische Kleider besorgen? Die einzigen Dinge die erreichbar waren, waren die der Prostituierten und solche würde er niemals Emilia geben, so würde noch jeder Mann sie als etwas anderes sehen, als ihre eigentliche Schönheit es wert wäre. Sie schien das aber doch nicht weiter zu kümmern, als sie einfach an ihm vorbeischritt und sich entschied, aus andere Weise zu schlafen. Ein Problem, welches er auch nicht ganz durchdacht hatte und sie war die erste, die die einfachste Lösung dafür fand.

Denn als sie zu seiner Staffelei schritt und augenscheinlich eines seiner Bilder betrachtete, kauerte sie sich plötzlich auf dem Boden zusammen. Zuerst wunderte sich Dimicus, was sie da trieb, ehe ihn der faszinierende Akt der Verwandlung von ihrem menschlichen Wesen in ihr inneres Tier erfasste. Beinahe mit großem Interesse und Neugier betrachtete er diesen Vorgang, wie aus einer jungen Frau eine Katze wurde. Zu keinem Zeitpunkt zeigte er entsprechend Angst oder Abeneigung, so wusste er, hätte sie sich in eine Löwin verwandelt, hätte es anders ausgesehen. Das war ihm mittlerweile mehr als bewusst und so dachte er, es abschätzen zu können, wenn der Moment jemals wieder kommen würde.

Für wenige Sekunden, als sie die Verwandlung vollzogen hatte, trafen sich ihre Blicke abermals, in ihren grünen Augen konnte er Emilia erkennen, jene Frau die noch wenige Minuten vor ihm gestanden hatte. Er war völlig erstaunt darüber, wie diese Wandlung vonstatten ging. Wenn man den Menschen nicht kannte und nicht wusste, wie die Tierform aussah, so konnte man sie wirklich für eine vollkommen normale Straßenkatze halten. Eine sehr interessante Fähigkeit, die, wie seine Studien mit sich brachten, wohl auch ihre Schattenseiten hatten. Doch Emilia schien von diesen, in ihren jungen Jahren, noch nichts zu merken.

Als sie sich jedoch zu säubern begann, widmete sich auch Dimicus anderen Dingen. Er öffnete die Kommode und sortierte sich bereits neue Kleidung zurecht, die er am nächsten Tage tragen würde, nachdem er ein Bad mit dem wundervollen Duft der Rosen genommen hatte. Sauberkeit und Hygiene waren für ihn oberstes Gebot, teilweise legte er so viel Wert darauf, wie ein höherer Adliger, so wusste er aber auch, sich wie einer zu benehmen. Auf das heiße Bad freute er sich zunehmends, zumal es schon mehr als drei Tage her war, dass er sich rasierte und allmählich ein wenig verbraucht aussah. Also schaute er noch einmal nach Emilia, die es sich inzwischen im Haufen ihrer eigenen Kleidung gemütlich gemacht hatte und schon mehr oder minder friedlich schlief. Dem tat Dimicus es gleich, als er es sich auf seinem Bett gemütlich machte und erst einmal zu schlafen begann, er war sich sicher, dass der darauffolgende Tag anstrengend genug werden würde.

Am nächsten Morgen...

Nicht einmal die Sonne erweckte Dimicus am nächsten morgen zu leben, denn als er seine müden und noch immer trägen Augen aufgeschlagen hatte, so war es dem Licht draußen nach zu urteilen, gerade kurz vor Sonnenaufgang. Mühsam erhob er sich in eine sitzende Position, nur um zu sehen, wie zerwühlt sein Bett war. Emilia schien noch immer zu schlafen, bedeckt unter dem Kleiderhaufen, sie schien zumindest nicht wach zu sein. Ganz im Gegensatz zum jungen Mann, schien sie auch tief und fest zu schlafen, ihre Träume waren wohl ruhiger und gemächlicher, als die seinen. Die gesamte Nacht, so hatte er das Gefühl, hat er in einem sehr unruhigen Zustand verbracht und er fragte sich, ob die Katze davon etwas mitbekommen hatte. Albträume wohl, er konnte es nicht sagen. Er hatte geschlafen, war aber erschöpft von dem, was er wohl in seinen Träumen erlebt hatte.

So brachte es ihm auch nichts, noch weiter zu schlafen, weswegen er sich auch sogleich erhob und zur Kommode griff, welche er leise und vorsichtig öffnete. Wobei ihm in dem Moment auffiel, dass er Emilia sicher nicht durch Geräusche wecken würde, was ihn aber dafür mehr wunderte, war wieviel Rücksicht er auf sie zu nehmen versuchte. Ein leises Seufzen drang aus seiner Kehle, ehe er leicht den Kopf schüttelte und fortfuhr. Seine Hände nahmen sich das nach Rosen duftende Parfüm, dazu einen samtigen Lappen, sowie ein Stück wohlriechende Seife. Nur provisorisch zog er sich die Stiefel und etwas Kleidung an, so würde er sie nach dem Bad dennoch wechseln.

Das Zimmer verlassen und im Baderaum des Bordells angekommen, in dem um diese Uhrzeit zum Glück nichts los war, legte er dort seine Sachen neben der Badezuber ab. Unter diesem Zuber war eine kleine Feuerstelle aufgebaut, mit deren Hilfe der Zuber, dessen untere Seite aus Eisen bestand, erhitzt werden konnte. Dieses Feuer entzündete er, wonach er sich zwei Eimer nahm und mit diesen die mehreren Gänge durchschritt die es brauchte, um das Wasser aus dem Brunnen vor dem Bordell abzuschöpfen und zur Zuber zu bringen.

Eine gute halbe Stunde verbrachte er mit dieser doch anstrengenden Arbeit, ehe er sich zufrieden entkleiden und in das Badewasser niederlassen konnte. Es tat auch mehr als gut, sich diesem Gefühl der Entspannung hinzugeben, weswegen es für ihn ein angenehmes war, die Augen zu schließen und einfach die Wärme des Wassers um ihn herum zu spüren. Er ließ einfach für diesen Moment los, schien zu schweben und sein Kopf war völlig frei von Gedanken oder Bildern. Nur langsam begann er, sich mit der Seife un dem Lappen zu säubern, den Schmutz und Schweiß abzuwaschen, der sich über die letzten Tage angesammelt hatte. Er nahm sich die Zeit die es dafür brauchte, um schließlich erfrischt und mit einem gewissen Wohlgefühl aus dem Zuber zu steigen. Darauf trocknete er sich mit einem Handtuch ab und sprühte eine leichte Nuance des Duftes der Rosen auf seinen Hals. Mit frischer Kleidung und gewaschen kehrte er schließlich wieder in sein Zimmer zurück.

Ein vorsichtiger Blick und auf leisen Sohlen trat er durch die Tür und schloss sie hinter sich, ehe er erneut zur Kommode ging. Dort brachte er seine schmutzige Wäsche unter, ehe er seine Ausrüstung herausnahm und zum Tisch im Raum brachte, auf dem er eine Kerze entzündete. Jetzt im Licht zog er sich das Hemd noch einmal aus, um die Wunden von Emilias Angriff genauer zu betrachten. Sie waren gut verheilt, auch wenn sich wohl oberflächliche Narben zu den bereits vorhandenen gesellten. Sie hatte ihn gut erwischt, er musste ihr eindeutig Respekt zollen. Was ihn dazu brachte, sich dem auf dem Tisch liegenden Notizbuch zu widmen.

Die einzige Frage die er ihr nicht beantwortet hatte, jene mit den Rosen, diese ließ er auch weiter offen. Den Rest verstand er und er dachte, dass seine Taten wohl Antwort genug darauf waren. All ihre Fragen musste und wollte er noch nicht beantworten, er würde sie lehren wollen, dass war ihm mittlerweile bewusst geworden. So würde alles nach und nach kommen, genug Zeit würde er für sie haben. Stattdessen nahm er die Feder und Tinte in die Hand, begann etwas anderes zu schreiben: "Guten Morgen Emilia. Hoffentlich konntest du trotz der widrigen Umstände schlafen und es tut mir leid dich so früh wecken zu müssen. Doch auf dich wartet ein heißes Bad, wenn du Interesse hast. Ich würde dir ein Stück Seife überlassen und dir Kleider besorgen, zudem noch Frühstück holen. Ich werde bald wieder zurück sein und wenn dich jemand in irgend einer Weise belästigt – erzähle mir davon oder wehre dich." Damit legte er die Feder und Tinte beiseite, draußen wurdes es bereits hell, weswegen sich Dimicus nach draußen begeben und einkaufen konnte.

Langsamen Schrittes ging er zu der noch immer im Klamottenberg verborgenen Katze, statt sie aber direkt zu berühren, zog er vorsichtig an den Sachen in denen sie lag, um sie zu wecken. Es dauerte auch nicht lang, da schauten ihm schon zwei minzgrüne Augen entgegen, beinahe schon bedrohlich, wie sie da aus der Stoffhöhle hervorlugten. Dimicus hielt ganz unschuldig und etwas grinsend das Buch nach oben, zeigte seinen Text und legte diesem ihr vor die Nase. Er machte auch keine weiteren Anstalten, vor ihr hocken zu bleiben, als er sich schließlich wieder erhob, nur um sich schließlich seine Ausrüstung anzulegen und nach draußen zu gehen.

Dort sollte er nämlich die angesprochenen Besorgungen machen und als erstes standen definitiv die Kleider für Emilia auf den Plan. Nachdenklich was sie wohl am liebsten tragen würde, und er zum Schluss kam das er dies eigentlich gar nicht wusste, wanderte er zielstrebig zum Schneider, der ihm immer seine Kleidung nähte und herstellte. Da es üblich war, dass so früh die Arbeiter und Läden öffneten, war es für ihn kein Problem in den großen Ladenbereich einzutreten, der vollgestopft mit menschenähnlichen Puppen waren, die die verschiedensten Kleiderarten trugen. Ohne überhaupt etwas gesagt zu haben, erkannte ihn der Händler des Geschäftes und begrüßte ihn. "Was ist Euer Wunsch?", fragte er und Dimicus antwortete relativ gelassen: "Ich suche Bekleidung für eine Frau, allerdings kein Kleid oder Rock. Durchaus etwas ansehnliches, es muss aber auch praktikabel sein. Komfortabel idealerweise auch." Der Händler nickte nur und führte Dimicus in Richtung von Damenbekleidung. Nach einigen Blicken, Mustern und Beispielen hatte sich der Künstler auf eine schwarze Lederhose aus Hirschleder festgelegt, dazu eine Bluse aus Leinen, die jedoch sehr hochwertig wirkte, nicht zu viel zeigte und wohl auch vom Gefühl her sehr angenehm war. Dazu einen Mantel, gefertigt aus dickerem, dunklen Stoff, um zu wärmen, natürlich mit einer Kapuze.

Dies waren jedoch die einfachsten Dinge, die es zu wissen galt, denn das verhängnisvolle und überfordernde Gespräch für Dimicus begann:
"Wie groß ist sie?"
"Ungefähr drei bis vier Fingerbreiten kleiner als ich."
"Wie breit gebaut?"
"Schlanker als ich, also nicht zu viel."
"Welche Oberweite hat sie?"
"Öhm ... bitte was? Wozu wollt Ihr das wissen?" Dimicus Augen schauten den Händler ungläubig an.
"Natürlich um die Bluse anzupassen." Der Mann vor ihm blieb vollkommen ruhig und gelassen.
"Ähm ... ungefähr so?" Der Künstler stellte mit seinen Händen eine Breite da, die er zumindest abzuschätzen wusste. Der Schneider nahm maß und fuhr fort.
"Breite der Taillie?"
Wieder deutete Dimicus etwas, dieses Mal wortlos.
"Breite der Hüfte? Hüftumfang?"
Einen unterdrückten genervten Blick später, stellte er dies auch wortlos dar, er wurde sichtlich etwas rot dabei, der Händler fuhr einfach fort.
"Die Beine?"
Dimicus unteres Augenlid zuckte. Er hätte Emilia mitnehmen sollen. Abermals stellte er seine abgeschätzen Maße per Geste dar.
"Damit habe ich alles, gebt mir einen Moment. Ich werde die gewünschten Sachen eben anpassen und Ihr könnt sie mitnehmen."

Einige Minuten vergingen und tatsächlich schien es nicht viel gewesen zu sein, was der Schneider an der von Dimicus ausgesuchten Ware anpassen musste. Der Künstler war wiederum schnell froh, die vom Händler genannte Summe, welche ein kleines Vermögen darstellte, überreichen und endlich den Laden verlassen zu können. Diese Fragen waren ... seltsam und hatten eine gewisse Komik, so hatte er darauf bei Emilia nicht geachtet, warum sollte er auch?

Als nächstes führte ihn sein Weg zu einem Schuster, welcher allerhand Waren anbot. Zum Glück fiel die Wahl hier schnell und nur seinem guten Einschätzungsvermögen für Maße war es zu verdanken, dass er die passenden Größen wohl schnell fand. Also ging er hier mit einem Paar fester Lederstiefel aus dem Geschäft, die warm hielten, schützten und dennoch möglichst leicht waren. Sein letzter Weg führte ihn schließlich zurück in das Gasthaus, in dem er schon am vorherigen Abend die Mahlzeit für Emilia besorgt hatte. Dort orderte er Rührei mit Speck, ein wenig Dörrfleisch, frisches Brot und Butter, zusammengpeackt als Frühstück für Emilia und ihn.

Damit war er für den Morgen auch fertig, der inzwischen schon in den Vormittag überging, da die Sonne breits schon voll schien und schließlich die Straßen belebter waren. Sein Weg führte ihn aber nirgendwo anders hin, als zurück zum Bordell, in dem auch schon das Leben erwacht war. Die Mädchen begannen sich um den Wirtsraum zu kümmern, die Türsteher passten auf alles auf, wie die Sklaventreiber auf ihre Sklaven Acht gaben. Mit den ganzen Habseligkeiten schritt Dimicus nach oben, die Frauen des Bordells drehten sich nach ihm um, tuschelten und wenn er es richtig heraushörte, mutmaßten sogar über Emilia. Hoffentlich ließ an sie in Ruhe. Schon kam Dimicus auch wieder in seinem Zimmer an und würde dort die Sachen gut sichtbar für Emilia abstellen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Komm, süsser Tod
BeitragVerfasst: Di 10. Jan 2017, 23:14 
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Das Kaisho Abkommen (1)
Emilia wurde von einem sanften Zupfen unter ihrem Körper geweckt und wusste ihm ersten Moment nicht, wo sie sich befand. Es war nicht die Dunkelheit und Kälte der Strassen Drakensteins, die sie erwartete, sondern eine angenehme Wärme und das weiche Licht, welches sich seinen Weg zum Fenster herein bahnte.
Verschlafen blinzelte sie aus ihrem Kleiderbündel hoch und begriff erst, dass sie nicht zu Hause war, als sie Valerius Grinsen erblickte. Einen Moment funkelten ihre Augen ihn empört an.
Wie lange hockte er schon da? Hatte er sie beim Schlafen beobachtet?
Er gab ihr jedoch keine Gelegenheit sich weiter zu entrüsten, sondern legte ihr das Notizbuch hin und erhob sich dann, um sich aufzurüsten und durch die Tür zu verschwinden.
Erst nachdem die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, kam sie aus ihrem Nest hervor und schüttelte zuerst einmal gründlich den Schlaf aus ihrem Fell. Zuerst las sie wohlweislich seine Worte. Aha, er wollte also Frühstück holen und Kleidung für sie besorgen. Dies würde wohl einiges seiner Zeit in Anspruch nehmen, so vermutete Emilia.
Das Bad konnte noch einige Minuten warten, stattdessen begann sie sich neugierig im Zimmer umzublicken. Jetzt, wo sie alleine hier war, gab es viel zu entdecken!

Interessiert tapste sie zuerst einmal über die bunt gefleckte Decke, welche sich in der Malerecke erstreckte und beäugte dann die unterschiedlichen Pinsel, welche zum Trocknen noch auf dem kleinen Nachttischchen herumlagen. Einige waren grösser als ihre Handfläche, während andere wiederum fein waren wie die Spitze eines gewöhnlichen Stiftes. Damit hatte er bestimmt die Rosen auf der Löwin gezeichnet, mutmasste sie.
Ein Glas war gefüllt mit unterschiedlich dicken Kohle- und Kreidestiften. Ausser dem Teppich wirkte alles unglaublich sauber, und ordentlich. Der Geruch der Farben lag in der Luft, doch in ihrer Gestalt schaffte sie es nicht, die Schubladen zu öffnen.
So trottete sie schliesslich an seinen Werken vorbei in die Richtung seines Bettes. Hier schien sein Körpergeruch deutlicher zu werden und anstatt es einfach zu überqueren, umrundete sie es lieber, nachdem sie einen kurzen Blick darunter geworfen hatte.
Dann sprang sie behände auf die Kommode, was ihr weitaus ergiebiger erschien.

Ein kleines Gemälde stand in einer Ecke, darauf war ein einfaches Haus abgebildet, inmitten einer grünen Landschaft. Etwas entfernt konnte sie ein Dorf erahnen und auf einem Hügel thronte eine Burg. Graue Berge rundeten den Horizont ab. Sie blickte etwas genauer hin, war das eine Frau, die in der Tür stand und jemandem zuwinkte, der vom nahen Walde auf das Häuschen zuschritt? Und da, fast nicht zu erkennen, spielende Kinder?
Einen Moment versank die Katze in der Betrachtung des Bildes, dann riss sie sich davon los.
Eine Phiole stand daneben. Emilia schnupperte daran, nur um sogleich zurückzuzucken. Ihr Näschen krauste sich und dann musste sie abrupt niesen. Der Rosendurft war so stark, als wäre sie mitten in einem Rosengarten gestrandet. Sie erinnerte sich daran, dass er ihre Frage nicht beantwortet hatte – bestimmt mit Absicht!
Einen Augenblick musste sie den Drang niederkämpfen, das Fläschchen über den Rand der Kommode zu schmeissen, doch der Gedanke, dass danach das ganze Zimmer so exzentrisch riechen könnte, hielt sie davon ab.

Eine zweite etwas grössere Flasche lockte die Tigerkatze weiter. Dieses Mal schnupperte sie etwas zaghafter daran, konnte den Geruch jedoch nicht einordnen. Irgendwie bitter und doch interessant. Irgendeine seltsame Medizin?
Leider war nicht viel mehr auf der Kommode zu entdecken, Valerius war wohl ein sehr ordnungsliebender Mensch im Gegensatz zu ihr selbst, die gerne Wollknäuel oder Kleidungsstücke im Zimmer verteilt herumliegen hatte.

Schliesslich sprang sie wieder herunter und wandelte sich in ihre menschliche Gestalt. Sie fühlte sich schutzlos dabei, und schlüpfte schnell in die schmutzigen Kleider hinein, obwohl ihr dies widerstrebte. Doch sie wollte unbedingt noch einen Blick in die Schubladen der Kommode werfen, bevor sie sich auf die Suche nach dem Bad begeben würde.
So ging sie wieder zur Kommode hinüber und durchstöberte vorne zu die Schubladen. Sie fand sowohl frische als auch gebrauchte Kleidung in den unteren Fächern, sowie Dokumente im obersten. Sofort schnappte sie sich einige davon und setzte sich damit auf den Boden, um sie kurzerhand durchzublättern. Tatsächlich waren auch die Beweisstücke gegen ihren Herrn Papa dabei, welche sie jedoch beiseitelegte. Davon hatte sie für den Augenblick genug gesehen.
Weiter waren Rechnungsbelege dabei und alte Briefe, deren Inhalt jedoch nicht von Bedeutung zu sein schien.
Enttäuscht legte sie die Dinge wieder sorgfältig zurück. Offensichtlich war er darauf vorbereitet, dass jemand Interesse für sein Leben aufbringen könnte. Sie entdeckte eine geschnitzte Figur, welche ziemlich abgegriffen war. Woher er sie wohl hatte?
Als sie im Haus Stimmen hörte, schreckte sie auf. Sie sollte ins Bad gehen, bevor alle auf den Beinen waren!
Schnell schob sie alles an seinen Platz zurück, dann verliess sie das Zimmer und folgte dem Geruch nach frischem Badewasser und Rosen…

Eine leicht bekleidete, rothaarige Frau kam ihr entgegen und blickte sie misstrauisch an. Dann hellte sich ihr Gesicht plötzlich auf und sie blieb vor Emilia stehen, so dass diese ebenfalls gezwungen war, anzuhalten.
„Hallo. Bist du neu hier? Ich habe dich gestern mit unserem mysteriösen Fremden gesehen, der hier wohnt. Wir haben uns schon gefragt, wann er wohl seinen männlichen Bedürfnissen erliegt und eine von uns zu sich ruft. Es gab schon Gerüchte… na du weisst schon, dass es um seine Männlichkeit nicht gerade gut bestellt sei“, sie hatte ein verschwörerisches Grinsen im Gesicht, „dem scheint aber nicht so zu sein. Womöglich hat er nur eine bestimmte Vorliebe?
Emilia hatte Mühe, die Worte der rotwangigen Frau mitzuverfolgen, welche wohl Freude am Tratschen empfand.
„Nun sag schon Liebes, wie ist er so? Mag er es wild? Obwohl, mein Zimmer liegt gleich nebenan und ich habe nichts gehört… vermutlich ist er eher ein Romantiker. Aber pass auf Süsse, so sind sie anfangs alle. Und irgendwann reicht ihnen das Gefummel nicht mehr und sie wollen den Mann raushängen lassen! Du siehst ein wenig mager aus. Solltest dir etwas mehr Rundungen aneignen. Die Kerle stehen auf sowas und ausserdem gibt es dadurch weniger blaue Flecken, wenn er mal zu grob zustossen sollte. Falls du einmal Unterleibsschmerzen hast, komm ruhig zu mir rüber, ich kenne da einige Salbenmischungen, die wirken wahre Wunder!“
Fröhlich tätschelte sie Emilia die Wange, welche sie verdattert anstarrte und nur die Hälfte von ihren Worten mitverfolgen konnte und davon wiederum nur die Hälfte verstand.
„Ich habe gehört, wie die andren Weiber über dich gelästert haben. Pass auf, da sind einige missgünstige Biester dabei. Bestimmt wollen sie dir dein Häppchen ablausen. Doch ich find, wir müssen hier alle zusammenhalten. Wenn du einmal Hilfe brauchst, dann komm zu mir. Mein Name ist Mirabella! Nun muss ich los, wenn wir uns das nächste Mal sehen, erzählst du mir als Ausgleich etwas über die Ausdauer deines Freiers. Und über Dich, machs gut Mädchen!“, zwitscherte sie und verschwand mit wiegenden Hüften, noch bevor Emilia überhaupt die Gelegenheit gehabt hätte, etwas darauf zu erwidern.

Völlig überrumpelt setzte diese ihren Weg fort. Sie begegnete noch zwei anderen Hübschlerinnen, doch diese warfen ihr nur abschätzige Blicke zu und tuschelten miteinander, so dass sie froh war, als sie den Waschraum erreichte. Sicherheitshalber stellte die junge Frau den Stuhl unter die Türklinke, bevor sie sich entkleidete und in den Zuber eintauchte.
Das Wasser war nur noch lauwarm, doch das war ihr egal. So lange hatte sie kein Bad mehr geniessen können. Auch die versprochene Seife lag für sie bereit und sie schruppte ihren Körper so gründlich ab, wie schon lange nicht mehr. Am schwierigsten gestaltete es sich, die Haare zu waschen. Nur behelfsmäßig schaffte sie es, die Locken mit ihren Fingern zu durchkämmen. Ohne Kamm war sie jedoch aufgeschmissen. Sie müsste wohl entweder Mirabella oder Valerius darum bitten, ihr einen auszuleihen.

Als sie dem Zuber entstieg, fühlte sie sich wie neu geboren. Ihre ganzen Sorgen schienen im Wasser zurückzubleiben. Einen Moment überlegte sie, sich wieder in die schmutzigen Kleider zu zwängen, dann entschied sie sich dagegen.
Obwohl es riskant war, nahm sie den Stuhl von der Tür weg, dann begann sie ihre Verwandlung. Dieses Mal war ihr Fell richtig schön flauschig anzusehen und die Pfötchen waren wieder schneeweiss.
Nach einigen missglückten Anläufen schaffte sie es doch noch, die Türklinke mit ihrem Gewicht nach unten zu ziehen und durch den Türspalt hinauszuschlüpfen.
Als sie dieses Mal einer der Hübschlerinnen begegnete, wurde sie mit einem erfreuten Quieken begrüsst und sogleich mit Streicheleinheiten überhäuft.
„Na woher kommst du denn?“, gurrte eine dicke Blondine und Emilia hatte Mühe, sich aus ihrer Umklammerung zu befreien, ohne ihre Krallen zu benutzen.
Schliesslich gab ihr die Dicke einen liebevollen Klapps auf den Po und ging ihrer eigenen Wege.

Der Weg vom Bad zu Valerius Gemach kam ihr vor wie eine Tageswanderung, als sie endlich dort angelangte. Sie meinte seinen frischen Geruch wahrzunehmen. Da inzwischen ein reges Treiben auf den Gängen herrschte, wollte sie sich nicht zu auffällig verhalten und begann kätzisch zu Miauen und an der Tür zu kratzen, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Als sich die Tür öffnete, huschte sie wie ein Blitz zwischen seinen Beinen hindurch ins Zimmer. Sie fühlte sich plötzlich total erledigt von diesem morgendlichen Ausflug.
Mit einer einladenden Geste wies er auf ein Bündel, das gut sichtbar auf dem Tisch platziert war. Die Katze sprang auf den Stuhl, von dort stellte sie die weissen Vorderpfoten auf die Platte und beschnüffelte die Kleider eingehend. Der Geruch gefiel ihr, so ähnlich hatte ihr Vater immer gerochen, nach frischem Leder. Ihre Gewänder waren immer einparfümiert worden und rochen nach Veilchen und anderem Krimskrams. Dann wandte sie sich zu Valerius um, der sie beobachtete.
Als er keine Anstalten machte, seine Augen von ihr abzuwenden, gab sie ein Fauchen von sich. Dies schien endlich Wirkung zu zeigen und er besass den Anstand, sich von ihr wegzudrehen und seine Ausrüstung abzulegen, während sie sich zurückverwandelte.

Die Hose schmiegte sich angenehm um ihre Beine, liess ihr aber trotzdem genug Bewegungsspielraum. Fasziniert betastete sie das weiche und doch beständige Material. Sie liebte es, Dinge zu berühren und ihre Beschaffenheit unter den Fingerkuppen zu ertasten. Zudem roch das Leder so natürlich und würzig.
Irritiert suchten ihre Hände nun das Bündel nach einer Art Korsett ab, wie sie es bis anhin immer hatte tragen müssen. Doch nichts dergleichen war zu finden. Sie warf einen Blick zu Valerius hinüber, doch er hatte seine Aufmerksamkeit auf eine andere Ecke des Zimmers gerichtet.
Da sie nicht riskieren wollte, von ihm nackt gesehen zu werden, schlüpfte sie schliesslich in die Bluse hinein. Der Stoff kratzte nicht im Mindesten und fühlte sich leicht an. Auch die Stiefel passten zu ihrer Überraschung wie angegossen. Er musste wohl Erfahrung damit haben, Kleidung für Frauen einzukaufen.
Dann warf sie sich den dunklen Mantel über, der sie sofort wärmend einhüllte.
Unwillkürlich breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus und sie stellte sich in die Mitte des Raumes, und gestattete ihm, sie in ihrer neuen Aufmachung zu betrachten.
Eine spielerische Leichtigkeit hatte sie erfasst nach dem Bad.
Deshalb zog sie sich die Kapuze tief ins Gesicht, wie sie es bei Valerius nun schon öfters beobachtete hatte und ahmte seine Verbeugung mit funkelnden Augen gekonnt nach.

Nachdem sie befand, dass er nun genug gesehen hätte, ging sie zum Tisch hinüber und zog das Notizbuch heran.
Danke. Ich glaube, ich habe noch nie etwas so wenig Umständliches, Bequemes und gleichzeitig Hübsches getragen. Natürlich werde ich Dir die Gewandung zurückerstatten.
Ihre Wangen hatten sich vor Freude gerötet, obwohl gleichzeitig die Stimme ihrer Vernunft piepste, sie solle sich bloss nicht von ihm um den Finger wickeln lassen.
Während sie ihm das Notizbuch überliess, begann sie den Korb auszuräumen und das Frühstück bereitzustellen.
Am Liebsten hätte sie einen Strauss Blumen dazugestellt - keine Rosen, sondern Margerithen, Astern und Gerbera, wie es ihre Zofe manchmal getan hatte.

Über ihre nächsten Worte hatte sie schon zuvor nachgedacht, und wollte ihm nun ihre Idee unterbreiten.
Meinst Du es wäre möglich, meine Familie darüber zu informieren, dass es mir gut geht? Sie sorgen sich bestimmt um mich und suchen nach mir. Ausserdem könnte ich jemanden vorbeischicken, der einige Sachen von mir abholt.
Über mögliche Konsequenzen ihres Plans dachte sie nicht nach, glaubte sie doch, damit allen einen guten Dienst zu tun.
Denn Emillia plagte das Gewissen, wollte sie doch niemandem unnötig Sorgen bereiten oder zur Last fallen - abgesehen von Valerius, der hatte es ja nicht anders verdient.

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 Betreff des Beitrags: Re: Komm, süsser Tod
BeitragVerfasst: Mi 11. Jan 2017, 13:42 
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Die Freien Völker (1) Schlüsselloch (1)
Das Zimmer war leer und Emilia nicht zu sehen. Doch ihre schmutzige Wäsche war verschwunden und es gab keinerlei weitere Spur von ihr? War sie geflohen und hatte sich wieder selbstständig gemacht? Dies war tatsächlich der erste Gedanke, der seinen Geist zu besetzen versuchte. Noch immer stellte sie ein Risiko dar welches er trug und keinesfalls durfte das dazu führen, dass seine Identität aufflog. Er wollte bereits darüber nachdenken, wie er sie wohl am besten in der Stadt aufspüren und zurückholen konnte, doch diese Gedanken musste er schnell wieder verwerfen.

Denn schon im nächsten Moment kratzte und miaute es lautstark vor der Tür, sie war also baden gegangen und traute den anderen Frauen nicht über den Weg. Zumindest dachte er es, als er die Tür öffnete und Emilia beinahe wie ein aufgeschrecktes Huhn durch seine Beine huschte. Eine falsche Fußbewegung und er hätte sie wohl dabei getreten. Ein leichtes Grinsen musste er dann doch schon zulassen, als er dies beobachtet hatte. So sehr Emilia auch Mensch war, durchaus merkte man auch etwas von ihren kätzischen Zügen – und das gefiel dem jungen Mann tatsächlich. Wobei man sagen musste, dass Malik auch die Schlange war, die sie in ihrer Tiergestalt darstellte.

Augenblicklich drehte sich der junge Mann zu der kleinen Katze um, die nun die auf dem Tisch befindlichen Sachen inspizierte und neugierig beäugte. Sie hatte sie schon offensichtlich als frische Kleidung für sich entdeckt und machte auch keine Anstalten sie in Besitz zu nehmen. Zu gern hätte er die Verwandlung abermals betrachtet, damit sie sich nun anziehen konnte, doch nur mit einem Fauchen machte sie deutlich, dass er sich umzudrehen hatte. Mit einem genervten Seufzen und der Überlegung, sie nicht doch als ein Kunstwerk an ihre Familie zurückzuschicken, drehte er sich schließlich um, damit sie sich in Ruhe ihrer neuen Kleidung widmen konnte.

Stets von ihr abgewandt, machte er sich zur Kommode auf, um darin seinen Mantel wieder unterzubringen, genau so wie seine Waffen und die groben Teile seiner Lederrüstung. Dies kostete ihm natürlich auch einiges an Zeit, so war nicht eben alles auf einmal ausgezogen, da machte er auf dem Absatz kehrt und hatte eine gepflegte Emilia vor sich stehen, gekleidet und sauber, so wie sie es ihren Standes eigentlich entsprach. Langsam schritt er auf sie zu, um sie genauer zu betrachten und innerlich atmete er doch auf, so war er froh mit seinen Einschätzungen richtig gelegen zu haben. Das Ganze noch einmal zurück zu bringen, bestenfalls mit Emilia an seiner Seite, wäre wohl sehr anstrengend geworden.

Noch ehe er sie sich allerdings genauer betrachten konnte, so setzte sie sich die Kapuze auf und machte eine Verbeugung, wie die eines Künstlers, welcher sich vor seinem Publikum präsentierte. Diese Bewegungen ... immitierte sie ihn etwa? Mit argwöhnischen Blick betrachtete er sie genaustens und er konnte erkenne, dass sie sich damit Mühe gab. Sie versuchte es tatsächlich. Leicht genervt rollte er mit den Augen, so hatte er für solche Spielchen gar nichts übrig, erst recht nicht, wenn sie so schlecht immitierte! Gerade noch war sie in der Verbeugung, da stellte er sich vor sie und schob sowohl Arme, als auch ihre Beine in die exakte Position, die viel Gleichgewicht benötigte, welche sie als halbe Katze aber auch haben sollte. So lag der gesamte Druck auf dem Fußballen des Standfußes.

Zum krönenden Abschluss tat er die selbe Geste, doch in absoluter Perfektion, so wie er sie immer vor seinen vollendeten Werk tat. Er zollte ihnen tiefsten Respekt und ihm war klar, dass er dies vor Emilia getan hatte, bedeutet das Gleiche. Nur wusste sie es nicht, zumindest glaubte er das. Schließlich erhoben sie sich wieder und schauten sich für einen Moment an, der Mundwinkel des Almanen zuckte etwas, ehe er nur mit dem Kopf schüttelte. Da schritt Emilia auch schon wieder von ihm weg, direkt auf das Notizbuch zu und schrieb etwas hinein, was Dimicus natürlich sofort lesen wollte. Letztendlich war er neugierig, wie es ihr gefiel, auch wenn ihm dieses seltsame Gefühl unheimlich war, so dachte er aber auch nicht darüber nach.

Im nächsten Moment widmete sie sich bereits dem Frühstück, während er ihre Zeilen zu lesen begann. Also bestätigte sich seine Vermutung, dass es ihr gefallen könnte und noch obendrein schien es bequem zu sitzen. Also nahm er Feder und Tinte zur Hand, antwortete somit: "Es erfreut mich, dass du deinen Gefallen an den Sachenm finden konntest. So habe ich, offen gestanden, nie für jemanden anderen eingekauft. Wie dem auch sei, das Geld musst du mir nicht wiedergeben, behalte die Gewandung. Es feht doch nichts, oder? Lass es mich auf alle Fälle wissen, wenn dies der Fall ist." In dieser Zeit hatte Emilia bereits alles für das Frühstück vorbereitet und bereit gestellt.

Gemächlich nahm der Künstler Platz an dem Tisch und schnappte sich augenblicklich Brot, etwas Butter und eine Portion des Rühreis. Dabei beobachtete er aus dem Augenwinkel, wie Emilia erneut etwas in dem Buch schrieb. Gerade nahm er seinen ersten Bissen, als sie ihm jenes wieder zuschob und sich auch von dem Mahl bediente. Neugierig las er darin, doch was in ihren Gedanken heranreifte war eine Idee, die er nicht begrüßen konnte. Zumindest nicht so, wie sie sich es dachte. "Meinst Du es wäre möglich, meine Familie darüber zu informieren, dass es mir gut geht? Sie sorgen sich bestimmt um mich und suchen nach mir. Ausserdem könnte ich jemanden vorbeischicken, der einige Sachen von mir abholt." Nachdenklich schaute er auf diese Worte, überlegte was er bei diesem Wunsch tun könnte, so war er doch nachvollziehbar. Sie hatte ein neues Heim und wollte sich doch zumindest von dem alten verabschieden.

Schmerzlich erinnerte es ihn zurück, an damals, vor mehr als 15 Jahren ... für einige Momente schien der junge Mann völlig geistesabwesend zu sein, beinahe apathisch. Kein einziger Muskel regte sich bei ihm, sogar seine Hände hielten das bestrichende Brot einfach in der Hand, ohne einen Moment zu zittern. Schnell kehrte er aber wieder zurück aus seinen Gedanken, griff die Feder und antwortete abermals: "Ich muss dafür einen Weg und eine Möglichkeit finden. Du musst bedenken, dass sie dich unter allen Umständen zurückholen wollen. Als ich draußen war, sah ich sogar einen Steckbrief der auf dich ausgesetzt ist. Du bist der Schlüssel zum Reichtum der Familie und ohne dich, kommt niemand daran heran. Wenn wir direkt einen Brief schreiben, schöpfen sie Verdacht und wenn sie davon ausgehen, dass du entführt wurdest, kann ich bei den Mitteln deiner Familie mir durchaus vorstellen, dass es hier bald nur vor Wachen wimmelt und Razzien gibt." Einen Moment überlegte er, dann fuhr er fort: "Wenn du wirklich sagen möchtest, dass es dir gut geht, ohne dass es Konsequenzen für dich oder mich hätte, so müsstest du dort auftauchen. Doch das führt dazu, dass sie dich einsperren werden. Deine Sachen dort herauszuholen und hierher zu bringen ist eine Sache, ein Lebenszeichen von dir zu geben eine andere. Lass mich darüber nachdenken ... doch, ich habe einen Plan. Er steht noch nicht ganz, du wirst mir dabei aber behilflich sein können. Ich werde dich brauchen." Damit schob er ihr das Buch wieder zu und begann weiter zu essen. Wenn er es so hinbekäme, wie er es grob erwartete, so würde er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und einen weiteren Pinselstreich gegen Wilfried vollführen können.

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 Betreff des Beitrags: Re: Komm, süsser Tod
BeitragVerfasst: Mi 11. Jan 2017, 21:04 
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Das Kaisho Abkommen (1)
Überrascht versteifte Emilia sich, als Valerius an sie herantrat und ihre Arme in eine andere Position schob, genauso wie er auch ohne zu überlegen ihre Beine anfasste. Dann hätte sie jedoch beinahe gelacht, ob der Ernsthaftigkeit in seinem Blick, mit welchem er konzentriert überprüfte, ob sie ihr Gewicht richtig verlagerte. Ihre Anspannung wich einem amüsierten Lächeln, welches sie jedoch im Schatten der Kapuze zu verstecken suchte, ohne Erfolg.
Nur kurz zuckten seine Mundwinkel nach vollendeter Übung und die junge Frau fragte sich unwillkürlich, wann dieser Mann das letzte Mal herzhaft gelacht hatte.

Das Frühstück schmeckte Emilia genauso gut, wie das Abendessen vom Vortag. Mit Bedauern stellte sie jedoch fest, dass keine Milch dabei war. Trotzdem genoss sie jeden Bissen vom Rührei, das ausserordentlich luftig zubereitet worden war. Wer hätte gedacht, dass man unter gewöhnlichen Bürgern genauso viel Wert auf eine reichliche Ernährung legte, wie in einem Herrenhaus?
Ehrlich erstaunt war sie über sein Geständnis, noch nie für jemanden einen solchen Einkauf getätigt zu haben. Anscheinend hatte in diesem Raum nicht nur sie ein gutes Gedächtnis.
Was aber auch nicht verwunderlich war, wenn man seine Bilder betrachtete. Ob sie nun seiner Fantasie entsprangen oder er seine Inspiration Draussen einholte, er hatte auf jeden Fall einen guten Blick für Formen, Grössenverhältnisse und daraus entstehende Zusammenhänge. Bestimmt hatte er ohne zu zögern die richtigen Masse herunterrattern können… was im Grunde schon etwas unheimlich war!

Die Frage, ob denn nun noch etwas fehle, brachte sie in Verlegenheit. Verunsichert begann sie auf dem Ende des Stiftes herum zu kauen. Tatsächlich hatte er ein paar Kleinigkeiten vergessen, die eine Frau aus ihrem Stand gewohnt war. Da sie keinen Rock hatte, konnte sie gut auf Strümpfe oder ähnlichen Kram verzichten, im Grunde war ihr die Hose sogar sehr willkommen, denn es gab keinen Saum, über den sie stolpern konnte.
Doch ihr fehlte sowohl Unterwäsche, als auch das Mieder. Und auch einen Kamm vermisste sie sehnlichst. Nach einigen Tagen würden ihre Haare kaum mehr ohne schmerzhafte Prozedur von Knoten befreit werden können. Auch einige Haarspangen und Haarbänder hätten ihr gute Dienste erwiesen.
Ich wäre sehr froh, wenn wir einen kleinen Einkauf erledigen können, schrieb sie deshalb.
Was genau sie noch benötigte, verschwieg sie ihm und hoffte darauf, dass er vor dem Geschäft auf sie warten würde.

Bei ihrer nächsten Frage, nahm sein Gesicht einen seltsamen Ausdruck an. Seine Züge schienen zu erstarren und selbst in seiner Bewegung hielt er inne. Emilia war eine gute Beobachterin und bemerkte ein schmerzliches Funkeln in seinen Augen. Na nu? Hatte sie da einen wunden Punkt getroffen? Doch weshalb?
Sie verstand seine Reaktion nicht und war umso gespannter auf seine Antwort, als er denn zu schreiben begann.
Als sie las, verdüsterte sich nun wiederum ihre Miene. Im ersten Moment glaubte sie, er wolle ihr Vorhaben unterbinden und seine Worte verärgerten sie.
Meine Familie will nicht bloss mein Geld. Mein Onkel ist selbst wohlhabend. Ausserdem sorgen sie für mich und ich bin froh, dass sie mir helfen. Ich bin nur eine Frau und habe keine Ahnung von den ganzen Geschäften.
Dabei kamen ihr sogleich wieder seine Anschuldigungen und die Beweisstücke in den Sinn und die Löwin knurrte wütend.
Und es ist verständlich, dass sie nicht wollen, dass ich hier herumirre. Es ist nicht gerade schicklich mit einem anderen Mann als meinem Verlobten alleine in einem Zimmer zu sein.

Auch seine nächsten Worte mochten sie kaum zu besänftigen und ein wildes Funkeln war in ihren grünen Augen zu erkennen, welche plötzlich die Löwin dahinter erkennen liessen.
Wie kannst ausgerechnet Du es wagen, ihnen solche Gemeinheiten zu unterstellen? Mein Herr Papa hat mich aus gutem Grund vor den Menschen versteckt und nur wegen Dir ist er jetzt tot.
Meine Tante Lucinda wollte mich beschützen vor den Gefahren auf den Strassen, als sie anordnete, dass niemand mehr das Haus ohne guten Grund verlassen dürfe.

Erst als er ihr versicherte, dass er einen Plan ausarbeiten würde, beruhigte sie sich etwas. Auf ihren Wangen hatten sich rote Flecken gebildet und sie spürte ein Kribbeln an ihrem Körper. Irgendwie brachte er es immer fertig, sie in Rage zu versetzen.
Bewusst atmete sie aus und schloss kurz die Augen, um ihn nicht ansehen zu müssen.
Und was schwebt Dir vor?

Nach dem späten Frühstück erhob sich Emilia und behauptete, die Toilette aufsuchen zu müssen. Ohne auf seine schriftliche Erlaubnis zu warten, schlüpfte sie aus dem Zimmer. Tatsächlich benutzte sie das Klosett, kehrte dann aber nicht direkt in sein Gemach zurück. Stattdessen klopfte sie vorsichtig an die Türe von Mirabella.
Sogleich öffnete sie schwungvoll und blickte kurz verdattert, bevor sich freundliches Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete.
„Liebes, das ging ja schnell! Gut siehst du aus, erfrischt! Nur deine Gewandung entspricht nicht gerade unserer üblichen Mode. Aber wir müssen uns ja den Vorlieben unserer Freier beugen. Komm rein, ich habe noch etwas Zeit zum Plaudern!“, ohne Umschweife griff sie nach Emilias Hand und zog sie hinter sich in den Raum. Ob der Fröhlichkeit im Gesicht der anderen Frau überkam die Gestaltwandlerin ebenfalls ein Lächeln und sie fühlte sich sofort wohl in ihrer Gegenwart.
Mirabella plapperte derweil munter weiter, wovon ihr Gast jedoch nichts mitbekam, da sie sich neugierig im Zimmer umblickte.

Das Bett war riesig, erinnerte aber eher an eine Sofalandschaft mit den vielen Kissen und hatte eine ovale Form. Bettbezug sowie Vorhänge waren in einem samtenen Grün gehalten, was einen starken Kontrast zu der Haarpracht der Besitzerin erzeugte. Ein Schminktisch mit Stuhl stand in einer Ecke und war übervoll mit feinen Pinselchen, Döschen und einem riesigen Spiegel versehen. Ein grosser Schrank prangte an einer Wand, darin musste sie wohl ihre Kleider verstaut haben, wie Emilia richtig vermutete.
„Alles in Ordnung Süsse?“, wandte sich da Mirabella zu ihr um. Emilia stockte, bewegte ihren Mund, brachte aber natürlich keinen Ton heraus.
Schliesslich zeigte sie auf ihre Ohren, schüttelte traurig den Kopf und machte eine Geste, als würde sie die Lippen mit einem Reisverschluss verschliessen. Die etwas ältere Frau starrte sie verwundert an, dann schien ihr ein Licht aufzugehen und sie riss die Augen auf.
„Bei Noldil, sag das doch!“, sofort schlug sie sich die Hände auf den Mund, was der jungen Frau ein Lächeln entlockte.
„Tut mir Leid. Verstehst du mich denn überhaupt? Und ich quatsch hier schon fünf Minuten vor mich hin…“

Kurz darauf hatte Emilia ein Pergament und nen kokligen Stift erhalten, wobei jedoch trotzdem Mirabella die Wortführerin im Gespräch blieb.
Als Emilia nach beinahe einer ganzen Stunde das Zimmer verliess, hatte sie einen beschwingten Gang. In ihrer Hand hielt sie einen Kamm sowie eine Haarspange und zwei grüne Haarbänder.
Es freute sie unheimlich, dass Mirabella weiter munter mit ihr plauderte und es ihr nicht Übel nahm, wenn sie nicht ihren ganzen Wortschwall verstand. Die meisten Bekannten ihres Vaters hatten nicht viel mit dem taubstummen Kind anzufangen gewusst und waren in peinlichen Schweigen versunken oder hatten sie gekonnt ignoriert.
Sie dachte kurz an Valerius. Auch er hatte ihre Schwachstelle gekonnt umwunden.

Als Emilia ins Zimmer zurückkehrte, war Valerius nicht da. Ob er sie auf dem Klosett suchte?
Während sie auf ihn wartete, begann sie sich geduldig die Knoten auszukämmen, bis ihre braunen Locken ihr wieder in voller Fülle über den Rücken fielen. Dann griff sie nach dem Haarband, um sie zu einem praktischen Zopf zu binden.
Na toll, sie hatte vergessen, nach einer Haarnadel zu fragen.
Sie blickte sich in dem Zimmer um und ihr Blick viel auf die feinen Pinsel in der Malerecke.
Als Valerius zurückkehrte, hatte Emilia den Zopf zu einem gewundenen Dutt hochgesteckt und mit einem seiner Pinsel befestigt.
Wir können los, hielt sie ihm beschwingt den Notizblock unter die Nase.

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 Betreff des Beitrags: Re: Komm, süsser Tod
BeitragVerfasst: Do 12. Jan 2017, 19:47 
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Die Freien Völker (1) Schlüsselloch (1)
Ohne eine einzige Antwort auf ihre Fragen und Aussagen zu tätigen, ruhte Dimicus einfach nur dort, betrachtet ihre Worte. Für einen gesamten Moment dachte er darüber nach, ob er ihr wirklich antworten sollte und vor allem, was er ihr entgegnen konnte. Seine Besinnung und Verstand sagte ihm aber, dass dies keinen Zweck hätte. In ihre waren die Lehren, Lügen und Halbwahrheiten eingebrannt, die sie noch von den Zeiten ihres Vaters hatte, welche aber nur von Wilfried, allgemein ihrer Verwandschaft versträkt wurde. Aus diesem Grunde überging er während des Essens bewusst diese Aussagen und widmete sich nur der Aussage, dass sie noch etwas einkaufen wolle.

Als sie sich vom Tisch erhoben hatte, um ihrer Aussage nach auf das Klosett zu gehen, griff er nach dem Notizbuch und antwortete: "Das könnern wir gern machen, aber wenn wir gemeinsam nach draußen gehen, bleibst du bei mir und tust was ich dir sage, wenn es erforderlich ist, hast du verstanden? Ohne zu hinterfragen oder aufzumucken. Es wird uns im Notfall retten." Ganz offen legte er das Buch zurück, damit sie bei ihrer Wiederkehr seine Worte lesen konnte. Da erhob er sich, wollte gerade sich seine Ausrüstung anlegen, da fiel ihm noch etwas ein. Erneut wanderte die Feder in seine Hand. "Ich weiß, dass es dir nicht gefallen wird, aber ich muss dich darum bitten. Mit größtem Respekt vor dir und deinen Wünschen." Etwas nachdenklich noch blickte er auf die von ihm geschriebenen Worte, doch beließ sie so.

Mit einem zufriedenen Nicken widmete er sich seiner Ausrüstung, welche er sich zuvor schon anlegen wollte. Dementsprechenden fanden die ledernen Teile seiner Rüstung auch ihren Platz an seinem Körper, dich gefolgt von seinen Dolchen, welche in den entsprechenden Halterungen gesteckt bzw. in den Schlaufen zum schnellen Ziehen ihren Platz fanden. Seine Umhängetasche schaute er schließlich noch einmal durch, ehe er darin das nötige Kleingeld hinterlegte, sowie seine Pinsel, Dietriche, als auch ein wenig Dörrfleisch, was noch vom Frühstück übrig geblieben war. Darüber wanderte der Mantel, um seine Erscheinung zu verdecken und Ausrüstung vor dem ersten Blick zu verstecken.

Doch selbst als dies mindestens zehn Minuten in Anspruch nahm, so kehrteEmilia nicht von ihrem Gang zurück. Wo war sie hin? Hatte sie sich verirrt? Streit mit jemanden angefangen? War geflohen? Letzteres hielt er für zu naiv und nicht passend zu ihrer Situation, doch bei dem Temparament der jungen Frau, konnte er nicht immer ganz abschätzen, was sie als nächstes planen oder tun würde. Mit einem leicht genervten Seufzen schritt er zur Tür und trat hinaus, gerade kam ihm von dem Zimmern ein Mädchen entgegen, dass ihn relativ seltsam anschaute, sogar etwas errötete. Was war das denn für eine Reaktion? Mit fragendem Blick schaute er sie an und erhob seine Stimme: "Habt Ihr ein junges Mädchen gesehen, schokobraunes Haar, etwas kleiner als ich, bekleidet in einer Bluse und schwarzen Lederhose?" Die junge Frau hielt inne, aber ihr seltsamer Blick wich schließlich einem kleinen Funkeln der Verachtung. Was hatte er getan? "Bei Mirabella.", spuckte sie nur kurz und knapp aus, schritt dann fast schon stampfend einfach davon. Innerlich hakte der junge Künstler mit dieser Begegnung ab, zumindest wusste er, wo die junge Frau steckte. Was sie wohl mit einer der Prostituierten tat? Erste Gedanken schossen ihm durch den Kopf, doch diese waren wohl mehr als unwahrscheinlich.

Unsicher was er tun sollte, nahm sich der junge Mann erst einmal vor, ein wenig draußen zu gehen und die Lage zu sondieren, vor allem in Richtung der Geschäfte, die die beiden betreten würden. Also trugen ihn seine Füße durch den unteren Schankraum, vorbei an den Huren und Türstehern des Bordells, nach draußen, an die frische Luft. Sofort fiel das geschäftige Treiben der Straße auf, der Lärm der Stadt und die Unerträglichkeit der Ignoranz mit der diese Menschen umhergingen. Beinahe sorglos durchschritten sie diese Gassen, als ob ihnen das Leben eine Bedeutung schenken würde. Doch er wusste es besser, wie all ihre Leben keine Bedeutung hatten, so war er der Künstler deren Leben er auslöschte und erst in ihrem Tode, sie ihres wahren Schicksales zuführen würde. Mit diesen Blicke auf die menschlichen Wesen um ihn herum, durchstreifte er die Straßen und Gassen, vergaß dabei den Fakt, dass er gegenüber Emilia etwas gänzlich anderes empfand. Etwas, wogegen er sich zu wehren wusste und von seinem Werk trennen konnte. Noch.

Genaustens überprüfte er die Wege zu den Kleidergeschäften, zu denen er Emilia bringen könnte, genau so wie die Läden für Alltagsgegenstände. Es hingen hier und dort Plakate mit Emilias Gesicht darauf, die eine hohe Belohnung aussprachen, wenn man das Mädchen der Familie zurückbringen konnte. Zudem hatte sich die gefühlte Präsenz von Wachen erhöht, die Ausschau nach verdächtigen Aktivitäten hielten. Die Familie Emilias war wirklich erpicht darauf, sie zurück zu bekommen und verwendete wohl große Gelder darauf, dass es ihnen möglich wurde. So konnte er niemals die junge Frau in ein öffentliches Geschäft bringen, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Leider blieb ihm nicht mehr übrig, als dorthin zu gehen, wo er für Verschwiegenheit zwar teuer bezahlen, aber noch immer einen guten Einkauf machen konnte. Jener Laden, den er schon für den Einkauf für Emilias bisherigen Sachen genutzt hatte. Es würde auch nur eine Frage der Zeit sein, bis die Prostituierten des Bordells davon Wind bekamen.

Als er mit seinen Vorbereitungen fertig geworden war kehrte er wieder zum Bordell zurück. Der Betrieb hatte sich nicht verändert, nur bekam er den ein oder anderen Seitenblick ab, was ihm allmählich nicht mehr gefiel. Irgendwas stimmte nicht, noch nie hatten ihm die Frauen des Etablissement Maliks so hinterher gegafft. Dies vorerst ignorierend, schritt er die Treppen wieder hinauf und betrat sein Zimmer, in welchem er auch schon die junge Frau zu sehen bekam. Neben ihrer Kleidung trug sie nun auch noch einen Dutt, den sie aus ihrer langen Mähne geformt hatte. Mit einem verwunderten Blick betrachtete er diese Frisur, als er die Haarnadel – nein, einen seiner Pinsel aus dem Dutt herausragen sah. Mit hochgezogener Augenbraue deutet er darauf, winkte aber sogleich ab. Das war zu diesem Zeitpunkt nicht all zu wichtig. Denn tatsächlich entglitt ihm ein sanftes, wenn auch kurzes Lächeln ihr gegenüber, es blitze auf und zeugte von Wärme, doch es verschwand genau so schnell wieder.

Letzten Endes ging er hinüber zu dem Tisch, auf dem noch immer das offene Notizbuch lag und er schrieb: "Ich war draußen, so lang du beschäftigt warst. Es sind recht viele Wachen unterwegs und dein Gesicht hängt überall als Steckbrief, wir müssen vorsichtig sein. Wenn du Kleider brauchst, weiß ich bereits wo wir hingehen können. Steck das Notizbuch und einen Kohlestif ein, damit du mir unterwegs noch sagen kannst, was du haben möchtest doer brauchst." Für einen Moment blickte er auf und schaute sie an, schließlich setzte er for: "Bitte mach keine Dummheiten oder zeige dich, wenn ich es nicht sage. Du bringst uns beide in Gefahr, würdest du dies tun." Damit hielt er ihr das Notizbuch wieder unter die Nase und schaute, ob sie einverstanden war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Komm, süsser Tod
BeitragVerfasst: Do 12. Jan 2017, 21:45 
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Das Kaisho Abkommen (1)
"Das können wir gern machen, aber wenn wir gemeinsam nach draußen gehen, bleibst du bei mir und tust was ich dir sage, wenn es erforderlich ist, hast du verstanden? Ohne zu hinterfragen oder aufzumucken. Es wird uns im Notfall retten. Ich weiß, dass es dir nicht gefallen wird, aber ich muss dich darum bitten. Mit größtem Respekt vor dir und deinen Wünschen."
Ein leichter Unwille war in ihrem Blick zu erkennen, als sie seine Forderung las. Er behandelte sie ja wie ein kleines Kind, das nicht auf sich aufpassen konnte. Und als ob an jeder Ecke ein neuer Meuchelmörder nur darauf wartete, sie in die Finger zu kriegen.
Welch Ironie, dass der einzige Mörder, den sie kannte, sie gerade davor warnte, sich in Gefahr zu begeben. Sie schnaubte etwas genervt auf. Was hätte ihr Vater wohl dazu gesagt?
Bestimmt hätte er auch gewollt, dass sie in Sicherheit war. Und er hätte erwartet, dass sie sich den Wünschen eines Mannes unterordnete, wie es für Frauen üblich war.
Nur dass Valerius ihren Vater getötet hatte und ausserdem nicht von ihrem Stand war, wie sie zumindest vermutete.
Schliesslich entschied Emilia, sich in sein Spiel einzufügen, zumindest solange es ihr ebenfalls vernünftig erschien. Sie konnte zwar nicht begreifen, was an einem gewöhnlichen Einkauf tödlich sein sollte, doch gut. Männer hatten manchmal einen widerwilligen Drang, sich als Helden aufzuspielen, wie sie es auch bei Wilfried bereits amüsiert beobachtete. Hauptsache, sie bekam ihre Unterwäsche und das Mieder!

So tat sie also wie geheissen, packte sich Block und Stift ein, zog sich den Mantel über und folgte Valerius aus dem Haus. Dabei fielen ihr wieder einmal die unterschiedlichen Gäste auf, welche hier ein und aus gingen. Noch bevor sie drei Schritte vorangekommen waren hielt sie bereits inne, und kritzelte los: Was ist das eigentlich für ein Haus? Und warum wohnen hier so viele Frauen?
Einige Strassen weiter waren sie bereits mitten im Getümmel der Stadt. Anfangs hielt sich Emilia tatsächlich nahe an ihrem Begleiter, was aber nicht an seiner Bitte lag, sondern an der Tatsache, dass sie Menschenauflaufe nicht mochte. Es war seltsam, sich mitten unter so vielen Menschen zu bewegen, sehen zu können, wie sich ihre Münder bewegten, doch in dem ganzen Durcheinander kein einziges Wort zu hören. Auch Warnrufe waren für sie nicht auszumachen, weswegen sie schnell einmal über den Haufen gerannt wurde. Deshalb war es zumindest anfangs noch ein Leichtes für den jungen Mann, sie zu lotsen.
Doch dies hielt nicht lange an und Emilias Neugierde brach sich schnell Bahn. Mit einem belustigten Funkeln in den Augen konnte sie beobachten, wie Kinder einem Markthändler eine Wurst abluchsten. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite balgten sich zwei Hunde miteinander, wobei sich der Gestaltwandlerin bei ihrem Anblick automatisch die Härchen aufstellten.
Dann wiederum entdeckte sie einen Stand mit vielen bunten Süssigkeiten und schnupperte sehnsüchtig in der Luft, so dass sich ihr Näschen dabei krauste.

Ihr Tempo hatte sich gedrosselt und anstatt im zügigen Schritt, kamen sie nur noch schlendernd voran. Valerius wirkte darüber wenig glücklich.
Meinst du nicht, dass es auffälliger ist, wenn wir durch die Strasse rennen und Leute umrempeln, als wenn wir uns anpassen? Und mach nicht so ein Gesicht, du erschreckst die Kinder ja noch zu Tode!
Dabei versuchte sie seinen düsteren Blick nachzuahmen.
Sie gab ihm gar nicht erst die Gelegenheit, eine weitere Moralpredigt zu halten, sondern marschierte einfach munter weiter. Es müsste sie schon anketten, um sie aufzuhalten.

Schliesslich blieb Emilia jedoch so plötzlich stehen, dass Valerius beinahe in sie hineingeprallt wäre.
Habe ich wirklich so eine krumme Nase?
Halb empört, halb belustigt betrachtete sie den Aushang, der sie selbst zeigen sollte. Immerhin hatte der Maler ihren Mund gut vertroffen, obwohl das eine Auge etwas schief wirkte.
Anstatt ihre Gedanken schriftlich mitzuteilen, schob sie mit dem Finger ihre Nasenspitze nach oben und machte dabei ein lustiges Gesicht.
Reflexartig dachte sie daran, dass Valerius sie bestimmt besser getroffen hätte. Dieser Zeichner war eindeutig nicht der Beste seines Faches.
Während sie noch ihr Bild betrachtete bemerkte sie nicht, wie einige der aufmerksamen Bürger sie misstrauisch beäugten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Komm, süsser Tod
BeitragVerfasst: Fr 13. Jan 2017, 18:39 
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Die Freien Völker (1) Schlüsselloch (1)
Anstrengend. Das war das richtige Wort für das, was Dimicus empfand, als er auf Emilia aufpasste. Anfangs war sie stets bei ihm, hielt sich an ihm und so war es ihm mehr als gut möglich, dementsprechend sie im Auge zu behalten, doch je länger die draußen waren und sich durch die belebten Straßen wagten, desto neugieriger wurde sie. Immer öfter entfernte sie sich von ihm, er musste nach ihr sehen oder sie sogar suchen, um sie nicht komplett zu verlieren. Es wäre wohl einfach geworden, jemanden auf offener Straße unerkannt zu seinem Ende zuzuführen, als auf diese junge Frau aufzupassen.

Mal wieder hatte der Künstler sie aus den Augen verloren und seufzend hielt er Ausschau nach ihr, was schon wieder einen merklichen Kampf darstellte, so wie sie dazu neigte einfach zu verschwinden. Wie ein Floh hüpfte sie durch die Gegend und inspizierte alles, nur um den Wirt zu ärgern, dessen Nerven allmählich dem Ende zugingen. Sein aufmerksamer Blick und die damit einhergehenden langsamere Schritte verhinderten gerade noch so, in sie hinein zu laufen, als sie wieder vor ihm auftauchte, dabei ihm das Notizbuch unter die Nase hielt. Nur kurz antwortete er darunter: "Ich bin nicht derjenige, der überall herumhuscht." Da war sie auch schon wieder verschwunden. Ein weiteres genervtes Seufzen folgte.

Abermals tauchte sie plötzlich vor ihm auf, dieses Mal hatte es aber beinahe gereicht in sie hinein zu laufen. Aprupt hielt er inne und erwischte sie dabei, wie sie sich direkt vor ihren eigenen Steckbrief gestellt hatte und diesen genau betrachtete. In diesem Moment wusste der junge Mann gar nicht, was er dazu sagen sollte. Entweder machte ihre naive Ader sie gerade mehr als töricht, oder sie tat das mit Absicht. Am liebsten hätte er ihr in diesem Moment einen strafenden Klapf auf den Hinterkopf gegeben, aber er riss sich doch sehr zusammen, dies eben nicht zu tun. Es war eine reine Geduldsprobe. Zudem lagen immer mehr Blicke auf Emilia, die mehr als fragend und misstrauisch waren. Für Dimicus wurde es Zeit zu handeln.

Schon aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass zwei gerüstete Personen auf sie kamen, sie trugen zudem die Initialen Drakensteins. Es waren Wachen. Ohne zu zögern griff er bestimmt Emilias Hand, umfasste sie und zog sie weg. Weg von der Straße und in eine nahgelegene Gasse. Er ließ gar keinen Widerspruch zu und zog sie einfach mit, suchte nach einer Möglichkeit sie und sich zu verstecken. Er wusste, die Wachen würden nachkommen. Eilig blickte seine Blick umher, als er eine niedrige Mauer sah, die im Schatten lag. Ohne zu zögern führte er sie hin, hinter sich hörte er bereits Stimmen der Wachen. "Sie sind hier lang gegangen, sicher?", ertönte es. Gerade als die beiden Wachmänner um die Ecke schritten, war Dimicus mit Emilia hinter dem Vorsprung verschwunden.

Leider ging es aber nicht anders, als sich auf den Boden zu legen, weswegen er Emilia ohne Vorwarnung zu Boden geworfen und er sich auf sie gelegt hatte, seine Hand legte sich über seinen Mund und einen Finger der freien Hand legte er auf seine Lippen, dass sie leise sein sollte. Schließlich senkte er seinen Kopf neben ihren, machte sich und sie somit so klein wie möglich, während er genau hörte, Emilia unter sich fixiert. "Sie können hier gar nicht lang sein. Ich wette du hast mal wieder einfach nur zu viel gesoffen." Die Schritte näherten sich, an ihrem Verstcek vorbei und schließlich weiter. "Aber ich war mir sicher!", ertönte es nur noch aus der Entfernung. "Jaja, wie du sagst." Schließlich wurde es wieder still. Nichts geschah mehr und Dimicus erhob sich von Emilia, wobei er sich ein wenig den Schmutz vom Mantel abklopfte und ihr aufhalf.

Mit zornigen und zeitgleich genervten Blick griff er einfach nur ihre Hand. Ohne Widerworte zu dulden, zog er sie wieder zum Ausgang der Gasse, an dem er einen abermals prüfenden Blick durch die Straße streifen ließ, er sie hinaus zog und bewusst bei sich behielt, in dem er fest ihre Hand umschloss. In diesem Moment kam er wie ein Vater vor, der sein kleines Kind an die Hand nehmen musste. So schlängelte er sich zügiger durch die Mengen und kam schließlich im Geschäft an, mit Emilia im Schlepptau. Der Verkäufer schaut schon verblüfft, wusste dann aber schon Bescheid und nickte, wobei er die beiden ins Hinterzimmer bat. Dort waren die beiden schließlich mit dem Verkäufer, der wissend lächelte, allein. Dimicus deutete nur auf das Notizbuch und ließ Emilia den Vortritt.

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You gotta wonder though, what kind of bastard must I have been.....that nobody was there to claim me? I mean, I'm no, I'm not the most charming guy on the world so I've been told, but nobody?
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 Betreff des Beitrags: Re: Komm, süsser Tod
BeitragVerfasst: Fr 13. Jan 2017, 23:29 
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Das Kaisho Abkommen (1)
Emilia

Emilia war wütend auf ihren Begleiter. So ein Spielverderber!
Jagte sie durch die Strassen, als ob sie auf der Flucht wären. Und dann hatte er sie plötzlich grob gepackt und in eine dunkle Gasse gezogen. Im Nachhinein dachte sie, dass sie ihm eine hätte scheuern sollen, doch stattdessen war sie ihm hinterhergestolpert wie eine alte Ziege.
Doch das Unglaublichste geschah erst noch – hatte er sie doch aus dem Nichts umgeworfen und sich wie ein Tier auf sie gestürzt!
Nicht einmal als sie mit ihren Fäusten nach ihm geschlagen hatte, und schliesslich wütend in seine, leider behandschuhte, Hand biss, hatte er sie freigegeben.
Den Grund für sein Tun konnte sie natürlich nicht erahnen, da sie Nichts von dem Gespräch der beiden Wachen mithören konnte.

Und nun standen sie in dem Geschäft, würdigten sich gegenseitig kaum eines Blickes.
Zum Glück stellte der Verkäufer keine doofen Fragen, sondern führte sie in ein Hinterzimmer.
„Wie kann ich Euch behilflich sein?“, wandte er sich schliesslich an Emilia, nachdem Valerius zu ihr hingedeutet hatte.
Sie lächelte ihn höflich an, dann schrieb sie etwas in ihr Notizbuch und wandte sich dann ruckartig zu Valerius um: Du kannst gerne Draussen warten. Ich komme hier auch ohne Dich klar!

Dimicus

Vollkommen gelassen inzwischen, seine Wut und leicht gereizte Stimmung gut verbergend, lehnte der junge Mann an der Tür und wartete einfach nur ab, ehe sie ihm tatsächlich das Notizbuch mit der Aufforderung zum gehen zeigte.
Einer seiner Augenbrauen verzog sich nach oben, als sie das tat und er griff beinahe gleichgültig um zu antworten: Nein, ich warte hier. Damit musst du jetzt klarkommen. Schreibe ihm, was du brauchst und lass die Maße nehmen. Durch deine ausgesprochene Torheit wäre unser beider Kopf gerade fast gerollt. Also wälze deine Wut nicht auf mich ab, wo ich dich gerade vor deinem eigenen Schaden bewahrte.
Beinahe süffisant reichte er ihr das Notizbuch zurück und blickte den Schneider an: "Tut mir leid, meine Freundin hier ist taub und bei ihr bedarf es einer ... besonderen Behandlung. Ich hoffe, ihr habt die Geduld dafür."
Er nickte nur mit einem Lächeln und wandte sich schließlich wieder Emilia zu, erwartete ihre Wünsche. Währenddessen blieb der Almane an dem Türrahmen gelehnt stehen und geduldete sich, bis es weiter gehen konnte.

Emilia

Sie funkelte ihn wütend an und hätte ihn am liebsten einfach aus der Tür geschoben.
„Wenn Ihr mir erlaubt, die Gewandung steht Euch formidabel!“, wandte sich da der Verkäufer mit einem zuvorkommenden Lächeln an die junge Dame.
Als Emilia Valerius Blick sah, erkannte sie, dass er nicht einfach aus dem Zimmer verschwinden würde. Hilfesuchend blickte sie zu dem Schneider hinüber, schnappte sich das Notizbuch und schrieb an ihn: Herr, Eure Kleider gehören zu den feinsten Dingen, die ich je getragen habe. Doch mir fehlen noch einige Dinge, die speziell Frauen benötigen, wenn Ihr versteht.
Er nickte wissend und wandte sich dann mit der Bitte an Valerius: „Ihr versteht sicher, dass es sich nicht gehört, wenn ich in Eurer Gegenwart die junge Lady ankleiden würde. Oder seid Ihr etwa Ihr Ehegatte? Ansonsten wäre es angemessen, wenn Ihr im Eingangsbereich wartet. Natürlich wird Euch meine Gemahlin einen Kaffee anbieten.“

Dimicus

Auf eine gewisse Weise war das hin und her äußerst belustigend. Wer hätte gedacht, mit Emilia einkaufen zu gehen, würde so amüsant sein. Zugegeben, sein Ärgernis war es natürlich dennoch, so stellte sei ein großes Risiko für ihn dar und das musste er natürlich mit einkalkulieren. Doch bei seinen Plänen hatte er mit jeder Eventualität zu rechnen, genau wie jene, vor der er nun gestellt wurde.
Mit gelassenem und ausgezeichnet gespieltem Gesichtszügen, antwortete er: "Sie ist schon immer ein wenig widerspenstig gewesen. Meine Frau hat es nicht so gern, aber ihr müsst wissen, ich bin der Ehegatte, so ist es."
Die Lüge ging ihm glatt und vollkommen glaubwürdig über die Lippen, so hatte das doch einen gänzlich anderen Hintergrund. Dimicus interessierte sich nicht dafür, Emilia nackt zu sehen oder um sich wie der gemeine Pöbel an ihrem Körper zu laben. Eher fürchtete er das Risiko, dass der Schneider eine Lücke im Plan darstellen könnte und wenn er sie mit ihm unbeobachtet ließe, dieser vielleicht auf dumme Gedanken käme. Das Bestechungsgeld an ihn war hoch, dennoch war auch das Geld für die "Rettung" Emilias immens.

Emilia

Obwohl der Schneider die empörte Miene der jungen Dame ob dieser dreisten Lüge bemerkte, wagte er es nicht, einem seiner besten Kunden weiter zu widersprechen.
Emilia atmete einmal tief durch.
Ich benötige Unterwäsche und ein Mieder, da mein ach so geliebter Ehemann wohl darauf vergessen hat. Liebster, ich möchte Dich gerne damit überraschen, könntest Du Dich wenigstens so lange wegdrehen bis der freundliche Herr mir seine Auswahl gezeigt und die Masse genommen hat? Ich werde mich schon nicht in Luft auflösen.

Dimicus

Eines siegessicheren Lächelns war sich der Künstler anfangs gewiss, als sowohl Emilia als auch der Schneider nachgaben. Anfangs doch recht erfreut darüber, dass er sämtliche Kontrolle über den Plan behalten konnte, so änderte sich das sehr schnell, als er Emilias Zeilen las.
Ein lautes Husten seinerseits ging durch den Raum, als er sich an den Worten die Emilia geschrieben hatte verschluckte und beinahe augenblicklich eine Wärme um seinen Kopf spürte. Was fiel ihr ein, so zu schreiben? Als ob ...
In diesem Moment biss ihn seine eigen Lüge und das letzte was er noch tat, war zu dem Schneider zu gehen und ihm zuzuflüstern: "Arbeitet bei dem Mieder bitte Schlaufen für kleine Waffen ein."
Damit räumte er sogar das Feld, verließ das Hinterzimmer, so war es ihm mehr als sichtlich unangenehm gewesen, wie Emilia plötzlich gesprochen hatte.

Emilia

Langsam verrauchte ihre Wut, als Valerius vor ihr den Hut zog und sich aus dem Zimmer bewegte. Während der Schneider ihr nun einige Modelle weiblicher Unterwäsche präsentierte, hellte sich ihre Miene auf.
Schliesslich entschied sie sich für zwei paar Unterhosen, welche zwar mit Spitze besetzt waren, jedoch eng anlagen und sich so kaum unter der ledernen Hose abzeichnen würden.
Nun zum Mieder. Wie sie es sich auch von zu Hause gewohnt war, nahm ihr das tapfere Schneiderlein zuerst Masse, um es später anpassen zu können.
Schliesslich hatte sie drei Stücke zur Auswahl.
Sie liess sich vom Schneider in eines der Ausstellungsstücke hineinhelfen, welche alle geschnürt wurden, dann ging sie zur Tür und schielte zu Valerius hinaus. Mit mürrischer Miene blickte er zu ihr herüber, als sie schliesslich eine Runde vor ihm drehte, und schliesslich in einer Art Modeschau alle Stücke vor ihm präsentierte.
Schliesslich hielt sie ihm das Notizbuch hin: Und welches nehmen wir?

Dimicus

Gelangweilt und zugleich vollkommen desorientiert blickte sich der junge Mann noch einmal Im Verkaufsraum um. Der Schneider hatte diesen zuvor abgeschlossen, um keine Kunden hinein zu lassen die stören würden. Zumindest konnte er sich im Raum so einmal in aller Ruhe umsehen, vielleicht würde er noch etwas für sich entdecken. Tatsächlich aber, war nichts dabei, was seinem Blick als würdig auffiel, so gab er dies schnell auf.
Da blickte ich plötzlich Emilias freudestrahlendes Gesicht entgegen, welches er nur mit einem mürrischen Blick erwiderte. Da trat sie dann doch tatsächlich vor ihm und versuchte sich wie seine Ehefrau zu verhalten, indem sie sich vor ihm präsentierte, mehrmals, darauf wartend welches Stück für ihn das Beste war.
In welcher Hölle bin ich nur gelandet?
Zuerst war es ein einfaches, braunes Ledermieder. Kaum verziert, es hatte aber dennoch eine schlichte Eleganz und daran waren auch die entsprechenden Halfter für Dolche angebracht.
Das zweite Stück folgte und wirkte etwas aufreizender, wie eine Adelsdame, mit goldenen Verzierungen und eine Schnürung, die vor allem Betonung auf die weiblichen Rundungen legte. Eine Verschandelung, das fiel weg.
Das dritte und letzte Teil war schließlich ein ledernes, schwarzes Mieder. Halfter für zwei Dolche, wirkte massiv und dennoch nicht unbequem, sah sogar ziemlich schützend aus. Die Nähte waren kunstvoll und dekorativ gesetzt, die Wahl war eindeutig.
Das Letzte., schrieb er nur knapp in das Buch, um Emilia seine Meinung zu geben. Auch wenn er sich wunderte, was dies für eine Rolle spielte.

Emilia

Der Schneider freute sich über ihre Entscheidung, obwohl er ihr natürlich lieber das etwas teurere Mieder mit den goldenen Schnüren verkauft hätte. Nachdem Emilia mit ihrem Einkauf fertig war, wagte sich das tapfere Schneiderlein wiederum an Valerius heran, um ihm weitere Vorschläge zu unterbreiten.
„Ihr könntet Eure Gemahlin bestimmt wieder liebeswürdiger stimmen, wenn ihr ihr ein hübsches Geschenk machen würdet. Ich habe gerade einige neue Kleider und Röcke erhalten. Ein Smaragdgrünes ist auch dabei, es würde die Schönheit Eurer Ehegattin wunderbar unterstreichen.“

Als sie sich schlussendlich aus dem Geschäft verabschiedeten, hatte eine Emilia eine grosse Tüte unter ihrem Arm und ein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht. Ausnahmsweise lief sie auch treuherzig neben Valerius her, auch wenn sie dabei fast rennen musste. Sie entschied für sich, heute war ein erfolgreicher Tag!

Dimicus

Den Tränen nahe stehend, betrachtete Dimicus den Verkäufer wie er breit strahlend sein Geld zählte, genau so wie Emilia mit einem breiten Lächeln nun brav neben ihm hinterhertrottete. Seine Lüge war vollkommen außer Kontrolle geraten, so hatte Emilias Grinsen und die Worte des Verkäufers nur dazu geführt, dass dieser mehr Umsatz machen konnte.
Ein Negligé aus Seide, ein facettenreiches Kleid, Wechselkleidung der gleichen Art aber in anderen Farben als das, was sie in diesem Moment trug, mehr als die Unterwäsche die sich sowieso kaufte, einen Hut den sie unbedingt haben wollte und keine Ruhe diesbezüglich gab.

Sehr mürrisch betrachtete er die junge Frau, wie sie beinahe überglücklich wirkend einfach neben ihm schlenderte. Wie kann man nur durch solch einen Materialismus so glücklich werden, so war seine Kunst etwas viel edleres! Eben jene Kunstwerke verachtete sie, zu seinem kompletten Unverständnis. Zumindest hörte sie jetzt auf ihn und ließ sich lotsen, so dass er unangenehme Begegnungen vermeiden konnte.
Auf dem Weg nahm er das Notizbuch und schrieb etwas zähneknirschend: Brauchst du sonst noch etwas, L I E B S T E?

Emilia

Eine Zeit lang liess sie sich von ihm durch die Stadt führen und beglückwünschte sich selbst für ihren gelungenen Schachzug. Der Schneider hatte ihr mehrmals versichert, dass er sich über einen weiteren Besuch ihrerseits sehr freuen würde.
Valerius wollte sie gerade um eine Ecke ziehen, als sie auf der anderen Strassenseite ein weiteres Geschäft entdeckte, das ganz ihren Sinnen entsprach.
Emilia zupfte an seinem Ärmel und zeigte zu dem Laden hinüber. Nur widerwillig war Valerius bereit, ihr zu folgen und in seinem Gesicht zeigte sich eine Mischung aus Hilflosigkeit und Verzweiflung ab.
Die junge Frau war noch immer empört über seine Lüge, doch nun gedachte sie diese zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sollte er einmal sehen, wie teuer eine Frau ihn zu stehen kommen sollte.

Als sie die Tür öffnete, umfasste sie eine Duftwolke der besonderen Art. Emilia schnupperte zaghaft in der Luft, für ihre feine Nase war dies beinahe etwas zu viel des Guten, weswegen sie sich ausnahmsweise zu beeilen gedachte. Zusätzlich zu ihren Einkäufen erhielt sie also auch noch eine Haarpflege und ein Mandelöl für ihre zarte Haut.
Brauchst du auch noch etwas, mein Ehegatte? Du warst heute äusserst grosszügig. Wir sollten öfters zusammen in die Stadt gehen.
Schlussendlich schaffte sie es sogar noch, an dem Süssigkeitenstand eine kleine Tüte voller Kakaobohnen zu erhaschen, indem sie diese einfach bestellte und Valerius kurzerhand dazu gezwungen wurde, diese zu bezahlen, wenn er nicht durch das Geschrei des Händlers auffallen wollte…

Dimicus

Sich bereits mehrere Arten ausdenkend, wie er Emilia in das wundervollste Kunstwerk verändern konnte, dass es jemals in dieser Stadt gegeben hatte, machten sie von dem Süßigkeitenstand kehrt. Ihre Schmach, die sie zuletzt in das Buch geschrieben hatte, wollte und konnte er nur ignorieren, so wäre das was er ansonsten als Antwort verfasst hätte, wohl sehr unsittlich geworden.
Von dem Geld das Dimicus mit zu diesem Einkauf gebracht hatte, war nun nichts mehr übrig und dies war alles, was er von Wilfried als Bezahlung für den Auftrag an Valerius bekommen hatte. Demnächst musste er wohl wieder einige seiner Werke verkaufen oder einen neuen Auftrag annehmen, obwohl Wilfried noch auf seiner Liste stand.
Inzwischen war sich der Künstler sicher, dass er es bereuen würde, dieser Frau Unterschlupf aber keinen Einhalt zu gebieten. Also war es mehr als klar, dass sich bald etwas ändern musste, sonst würde sie ihm auf der Nase umhertanzen. Er hatte auch schon eine Idee, wie er das anstellen würde und bald war es sogar Zeit dafür.

Inzwischen dämmerte es schon, ihr Ausflug zog sich nun eine gesamte Weile und es war Zeit, allmählich wieder zurückzukehren. Die Anzahl der Wachen hatte abgenommen und Emilia hatte all ihren Tüten mit Waren ihm zugeschoben, damit sie sich genüsslich an den Kakaobohnen laben konnte.
Es verging auch nicht mehr viel Zeit, da kamen sie wieder am Bordell an, das wieder belebter wurde. Viele Männer tummelten sich wieder hier, wurden von leichten Mädchen bedient. Der Pöbel in diesem Raume gafften Emilia bereits hinterher, lüstern und in der Hoffnung, sie auch als ihre Beute erobern zu können. Die Prostituierten allerdings schauten mit teilweise sehr verwegenen Blicken auf die Beiden, spiegelte sich in etwa Eifersucht in ihren Blicken wieder?
Die Treppen hinauf und in das Zimmer Dimicus' gegangen, war dieser froh, sich für einen Moment auf das Bett setzen zu können. Die Taschen Emilias stellte er auf sein Bett ab, damit sie sich frei bedienen konnte. Währenddessen verschnaufte er etwas.

Emilia

Während Valerius sich auf sein Bett fallen liess, packte Emilia zufrieden ihre Sachen aus, schnupperte an den Phiolen und stellte sie wie selbstverständlich auf die Kommode.
Ich glaube, ich brauche entweder eine deiner Schubladen oder eine eigene Truhe für meine Sachen., meinte sie schliesslich und setzte sich auf den Stuhl. Auch sie war ziemlich erschöpft vom Einkauf, wie sie sich nun eingestehen musste. Wie er so da sass, wirkte er etwas blass im Gesicht.
Sag mal, geht es Dir nicht so gut? Mirabella meinte letztens, dass es nicht so gut um Deine Männlichkeit bestellt ist. Bist du krank oder so?

Dimicus

Etwas stutzig schaute er auf das Fläschchen, dessen Inhalt ihm wohl für immer unerklärlich und dessen Nutzen erst recht im Schatten verborgen bleiben würden. Es lag nicht im Sinne seiner Bedürfnisse, sich mit solche Dingen zu befassen, so schienen sie ihm vollkommen unnütz.
Schließlich griff er nach dem Buch und antwortete ihr auf die erste Frage: Ich brauche sowieso nicht alles in der Kommode, du kannst eine Schublade haben.
Darauf nahm sie wieder das Buch entgegen, las aufmerksam und blickte ihn dann an. Darauf schrieb sie wieder etwas.
Kaum hatte er seine Augen auf diese Worte gerichtet, blickte er sie nur völlig ungläubig an.
Sie sagte was? Okay, mal anders gefragt: Hast du überhaupt einen Sinn dafür, was dies bedeutet?

Emilia

Mit neuem Tatendrang begann sie sogleich die mittlere Schublade auszuräumen und ihre Sachen darin zu verstauen, während sie auf seine Antwort wartete. Seine Kleider stapelte sie neben sich zu einem ordentlichen Haufen.
Dann huschte sie zurück und betrachtete nachdenklich seine Schrift.
Was ich eben schrieb. Na ich dachte mir, dass du vielleicht krank seiest. Du bist auch etwas blass um die Nase rum. Ich hoffe, es ist nichts Ansteckendes.
Sein seltsamer Blick verunsicherte sie nun plötzlich und sie nahm sich vor, ihre Freundin beim nächsten Treffen darauf anzusprechen.

Dimicus

Mit einem wissenden Blick, dass Emilia wohl keinerlei Ahnung hatte, was es mit Sexualität oder überhaupt Umschreibungen von Genitalien auf sich hatte, konnte er ahnen, dass sie nie damit in Berührung gekommen war.
Er nahm den Stift in die Hand und schrieb: Du scheinst wirklich nicht vertraut damit zu sein, was Sex ist, eine Männlichkeit wie zum Beispiel die meine, oder? Das würde es zumindest erklären, aber um dich zu beruhigen, ich bin gesund.
Damit erhob er sich und nahm seine Sachen die sie ausgeräumt hatte, um sie vorerst auf die Kommode zu legen. Er würde später umsortieren. Doch zuerst hatten andere Dinge Vorrang.
Ich hoffe, du bist soweit mit deinen neuen Sachen glücklich und kannst damit viel Freude haben. Kann ich dir mit noch etwas anderem zu Diensten sein?
Zwar bereute er innerlich schon die Frage, aber er ließ sie dennoch in dem Buch stehen. Doch da fiel ihm noch etwas ein, worum er sie bat.
Du wolltest doch deine Familie wissen lassen, dass es dir gut geht, oder? Würdest du bitte einen Brief schreiben, in dem du alles niederschreibst was du ihnen sagen willst?
Er würde natürlich zuvor den Brief prüfen und absegnen, schließlich konnte er kein Risiko eingehen dass sie etwas schrieb, was ihn verraten könnte.

Emilia

Tatsächlich hatte Emilia keine Ahnung, was er ihr damit sagen wollte. Doch offensichtlich handelte es sich um etwas Wichtiges und dass sie nicht Bescheid wusste, musste ihm seltsam vorkommen.
Deshalb versicherte sie ihm: Ohm doch, klar weiss ich, was mit Sex gemeint ist. Dann bin ich ja froh, dass du gesund bist. Sonst könnten wir unseren Einkaufsbummel kaum wiederholen.
Morgen würde sie zu Mirabella gehen, und sich über ihre Worte aufklären lassen. Irgendetwas Essentielles musste ihr bis jetzt entgangen sein…

Ansonsten hatte sie keine Wünsche, obwohl: Ich würde mir gern das Kissen ausleihen, bis ich ein eigenes habe.
Den Brief für ihre Familie hatte sie schnell verfasst:
Mein lieber Onkel, meine Liebe Tante, Liebster Wilfried
Ich möchte Euch auf diesem Wege mitteilen, dass es mir gut geht und Ihr Euch nicht um mich sorgen müsst. Da ich noch viel zu lernen habe um meinem Verlobten eine gute Ehefrau zu sein, beschloss ich, mich an einem geeigneten Ort ausbilden zu lassen…


Dann schnappte sie sich das Kissen, legte es unter ihren angestammten Platz unter der Staffelei und blickte fragend zu Valerius hinüber, bevor sie sich verwandelte, ihre Kleider als Bündel auf dem Boden zurückblieben und sie sich auf dem Kissen einkringelte.

Dimicus

Ihre Worte schienen wirklich nur diffus bezüglich diesen Themas zu sein, offensichtlich hatte sie keinerlei Ahnung was dies betraf. Dies nahm er auch weiter so hin und wollte nicht wirklich dafür verantwortlich sein, dass er sie darüber aufklären sollte.
Zu ihrer Frage, ob sie von ihm ein Kissen haben könnte, nickte er nur und duldetet es, wie sie es platzierte. Er dachte sich nur, dass sie es sich wesentlich komplizierter machte, als es eigentlich nötig war, doch blieb es ihre Entscheidung.
Im nächsten Moment hatte er auch ihren Brief und als er diesen gegenlas, verwandelte sie sich und nahm auf ihrem angestammten Platz ihre Position ein, um sich schlafen zu legen.

Einige Moment später, in denen sie scheinbar in den Schlaf gefunden hatte, legte sich ein Lächeln auf seine Lippen, als er den Brief mit Wachs versiegelte und sich einstecke. Darauf griff er unter das Bett und holte eine Kiste zum Vorschein, die vielleicht einen halben Meter breit war. Voll ausgerüstet und mit dieser Geste, verschwand er zur Tür hinaus. Die Zeit war gekommen und abermals stellte die Nacht seine Bühne dar, deren Vorhang sich bereits hob. Nur um seinem Genie Platz zu schaffen...

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