Komm, s√ľsser Tod

Das gemäßigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkämpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, während die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.

Das Herzland
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Dimicus
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#71

Beitragvon Dimicus » So 26. Feb 2017, 16:29

Durch sein doch relativ fr√ľhes Zubettgehen wachte Dimicus, eigentlich un√ľblich f√ľr ihn, eher auf als gewohnt. Nat√ľrlich konnte er nicht exakt sagen, wie sp√§t es war, so war es im Untergrund doch schwieriger die genaue Uhrzeit auszumachen. Doch seine innere Uhr verriet ihm, dass es nicht sp√§ter als Sonnenaufgang war. Das erste was ihm aber wiederum auffiel, war das doch sehr auff√§llige Fehlen Emilias. Mit noch m√ľden Augen setzte er sich auf und blickte sich um, nur ihre Kleidung war zu sehen, genau so wie die T√ľr einen Spalt ge√∂ffnet war. Vermutlich streunte sie in diesem Moment als Katze durch die unterirdischen G√§nge. Umtriebig, wie sie war, aber sie war noch so jung, genau wie er. Wirklich verwunderlich war es also nicht.

Schlie√ülich erhob er sich auch g√§nzlich und streckte sich vorsichtig, wobei er schon bemerkte, dass die Schmerzen seiner Wunde allm√§hlich nachlie√üen. Dennoch versp√ľrte er eine gewisse Schw√§che und aber auch Vorsicht, mit der er den Arm bewegte. Eine nat√ľrliche Barriere, damit er sich nicht zu √ľberanstrengen vermochte. Langsam krabbelte er √ľber das Bett auf die Bettkante zu, um sich schlie√ülich auf diese zu setzen. Mit einem schnellen Griff zu seiner Tasche, zog er nun auch noch einige neue Verb√§nde hervor, inklusive der Salbe und ein sauberes Tuch. Genau in diesem Augenblick fiel ihm auch ein angenehmer Duft im Raume auf, besonders auf der Seite Emilias, auf der er nun sa√ü. Nat√ľrlich hatte die junge Frau schon ein paar Tage nicht mehr gebadet, doch ihr eigener Duft lag noch immer im Raume. Unbewusst schnupperte er kurz und etwas in ihm sagte, dass es ihm gefiel. Doch nur am Rande und ohne seine wirkliche Kenntnisnahme.

Nachdem er alle Materialien bereit gelegt hatte, so entkleidete er seinen Oberk√∂rper und nahm sich einmal mehr den Verband ab. Vorsichtig entfernte er die Reste der alten Salbe von der Wunde, nur um sie ein weiteres Mal zu betrachten. Zu seiner √úberraschung, begann sie schon gut abzuheilen und die sonstige Schwellung der Wundr√§nder waren mittlerweile zur√ľckgegangen. Die Salbe vollbrachte also ohne Probleme ihre Arbeit und half wirklich gut, um zu seinem Wohl beizutragen. Zufriedenen nickte er darauf, nahm sich zwei Fingerkuppen von der Salbe und verteilte sie gr√ľndlich auf der Wunde. Dabei kam er aber nicht umhin, einen Schatten vor dem T√ľrspalt zu bemerken. Zu klein f√ľr einen Menschen und es war eindeutig, wer es war, was ihm auch schon im n√§chsten Moment best√§tigt wurde.

Emilia schaute ihn mit ihren gr√ľnen und zugleich interessanten Augen an, was ihm ein sanftes L√§cheln abverlangte. Anfangs beachtete er sie aber schlie√ülich nicht weiter, so k√ľmmerte er sich weiter um seine Wunde, ehe die junge Katze neben ihm auf das Bett sprang, ihn anfauchte. Zugegeben, der K√ľnstler kam nicht umher die Augen zu verdrehen, nat√ľrlich au√üerhalb des Sichtfeldes der jungen Frau. Sehr schnell wurde auch das Bett auf dem er sa√ü deutlich beschwert, als sich die Matratze deutlicher nach unten zog. Ganz einfach k√ľmmerte er sich nur um die Versorgung seiner Wunde, als er nach dem Verband griff und ihn sich einmal mehr um den Oberarm zu legen versuchte. Seiner sonstigen Eleganz und Geschicklichkeit aber zum Trotz, entglitt ihm dabei die Rolle und fiel zu Boden. Er seufzte. Der Morgen ist wirklich nicht mein Freund.

Gerade als seine Hand aber nach dem Kn√§uel greifen wollte, kam ihm eine schnelle und zierliche Hand zuvor. Mit doch etwas verwunderten Blick sah er nur noch, wie Emilia pl√∂tzlich mit neben ihm stand, den Verband in der Hand und ihn auffordern anblickend. Sein Blick war beinahe bubenhaft, vollkommen √ľberrascht. Sehr selbstsicher sogar wies sie ihn an, in dem sie seinen Arm f√ľhrte und in die Position zurechtr√ľckte, wie sie ihn brauchte. Ein weiterer Fakt, der den jungen Mann einerseits etwas verunsicherte, aber aus ihm nicht ganz verst√§ndlichen Gr√ľnden auch gefiel. Es hatte eine seltsame Anziehung auf ihn, dass sie sich scheinbar um ihn k√ľmmerte und sorgte. Sein Kopf legte sich schief, als er ihr Werk betrachtete, wie sie souver√§n ihm beim Versorgen seiner Wunde half. Ziemlich beeindruckt schaute er sie an, offenbar konnte sie schnell lernen und verstand schnell. Wie er es sich beinahe gedacht hatte. Sie mag zwar naiv sein, aber dennoch besa√ü sie eine sehr gute Intelligenz und Auffassungsgabe.

So schnell und bestimmt wie dieser Moment gekommen war, so war er auch schon wieder verschwunden. Schon stand sie wieder im Raume und blickte auf die Geschenke und das Notizbuch. Zuerst fragend, doch nach seiner zunickenden Geste st√ľrzte sie sich beinahe darauf und war vollkommen vertieft in seine Worte, w√§hrend sie ganz nebenbei an den Kakaobohnen naschte. Besser sagte er ihr nicht, dass er Kakaobohnen lieber verarbeitet und in einer richtigen Tafel Schokolade verarbeitet zu sich nahm. Vermutlich w√ľrde sich das Zimmer bis unter das Dach mit den Tafeln stapeln, wenn er ihr das verraten w√ľrde. Vollkommen unschuldig kleidete er sich nebenbei an, schl√ľpfte in sein Hemd und in die Stiefel.

Jedoch wurde er direkt danach von einem wahren Ausdruck von Freude empfangen, als er ihr wieder seinen Blick zuwandte. Sie hatte das Lederband entdeckt und auch wenn es ihn √ľberraschte, dass es sie so sehr erfreute, so stahl sich nur ein warmes und zufriedenes L√§cheln auf seine Lippen. Doch die √úberraschung war anfangs gro√ü, als sie pl√∂tzlich an ihn herantrat, ihm ihren von den Haaren freigelegten Nacken anbot, genau so wie das Band den Weg in seine H√§nde gefunden hatte. Ungl√§ubig blinzelte er, wusste gar nicht was er tun sollte und irgendwie war es auch ihm absolut ungewohnt. All seine Sinne nahmen sie in diesem Moment wahr. Seine Augen ihren K√∂rper, seine Ohren ihren ruhigen und dennoch h√∂rbaren Atem, die Nase ihren au√üergew√∂hnlichen, anhaftenden Duft, so nah wie sie ihm nun war. Er sch√ľttelte nur mit dem Kopf, als er sanft das Band nahm, mit seinen Fingern vorsichtig das Band um ihren Hals legend. Letzten Endes verschloss er es ihm ihren Hals und strich dabei unbewusst √ľber ihren Nacken.

Diese Sinne, dieses Interesse an ihr ‚Ķ wie sie sich ihm gegen√ľber gab. Die Zuneigung und das Vertrauen. Es lie√ü ihm R√∂te in das Gesicht steigen, zwar nur leicht, aber dennoch sichtbar. Sein L√§cheln war sch√ľchtern, die Augen suchten aktiv die ihren, als sie ihn vollkommen freudig anblickte. Erschrocken war er aber pl√∂tzlich schon, als sie sich an ihn schmiegte und ihn aus heiterem Himmel umarmte! Sie Augen wurden gro√ü und der Atem beschleunigte sich. Die R√∂te war nun mehr als deutlich zu sehen, doch schaltete er schnell und erwiderte ihre Umarmung. Sie hatte sicherlich sp√ľren k√∂nne, dass er sich darunter entspannte und die Ber√ľhrung zu seiner √úberraschung genoss. Es weckte etwas in ihm, etwas was er zuvor nicht kannte und doch war es nicht lang genug, um wirklich genau zu sagen was es war. Schon darauf war sie auch zur T√ľr heraus und verschwunden, dass letzte Mal in den kommenden Tage, dass er sie wirklich so lang zu Gesicht bekommen und mit ihr etwas machen konnte...

Sein neuster Auftrag kostete ihm fast die kompletten folgenden sieben Tage. Vollkommen unverst√§ndlich war es anfangs, wieso er einen einfach Bettler zu seinem endg√ľltigen Schicksal f√ľhlen und auch noch seinem edlen Portfolio hinzuf√ľgen sollte. Nat√ľrlich wusste er, dass er in F√§llen wie diesem nicht die Absichten seines Auftragsgebers zu hinterfragen hatte, allerdings sah es Shazeem nicht √§hnlich, jemanden tot sehen zu wollen, es aber nicht selbst zu tun. Zumal er ein Dieb und kein M√∂rder war. Oder? Letztendlich kam er nicht umhin den Auftrag auszuf√ľhren, um mehr Informationen aus dem Tamjid zu bekommen. Von welcher Organisation er sprach, warum ausgerechnet ein Bettler dieser ein Dorn im Auge war und wieso er so bedeckt gesprochen hatte.

Der erste Tag bestand daraus, √ľberhaupt erst einmal den Bettler in der Stadt ausfindig zu machen und ihn einmal genauer zu beobachten. Dies war f√ľr den jungen K√ľnstler nat√ľrlich eine Leichtigkeit, so war der Bettler in der vermuteten Gegend schnell auszumachen, auch wenn es etwas ungew√∂hnlich war, wo er sich befand. Letztendlich war es nicht ganz √ľblich, dass ein Bettler durch die Stra√üen des gehobenen Viertels lief, ohne von der Wache verwiesen worden zu sein. Oder Schlimmeres, was Dimicus Werk h√§tte vereitelt h√§tte. Diese Duldung des Mannes in dem Distrikt war schon eine Ungereimtheit, auch wenn sie nicht ganz auff√§llig war. Doch verd√§chtiger wurde es, als dieser des Abends in Richtung der Burg wanderte, dabei sich sehr misstrauisch umschaute, weswegen sich Dimicus hatte zur√ľckfallen und verstecken m√ľssen. Als er ihm wieder nachgehen wollte, war er verschwunden. Sehr seltsam.

Am zweiten Tage bestätigte der junge Mann seine Theorie, wonach sein Ziel offenbar in dem Viertel der Reichen heimisch war und umherlief. Allerdings nahm er nicht einfach einen beliebigen Weg, sondern schien eine feste Route zu besitzen, die er ablief. Zumindest glich sich der Weg exakt mit dem, den er zuvor gewählt hatte. Eine weitere Anomalie in der Geschichte des Bettlers und dessen Verhalten. Aufmerksam notierte sich Dimicus die Gedanken und Theorien, genau so wie das Verhaltensmuster des Bettlers in dem Buch. Nach Erkundigungen bei der Diebesgilde und der allgemeinen Unterwelt konnte ihm niemand etwas dazu sagen, geschweige denn kannte jemand den Obdachlosen, der dort umherirrte. Oder patrouillierte?

Sein Buch versteckte er gut vor Emilia und er war sich absolut sicher, dass sie keinerlei M√∂glichkeit hatte, es einzusehen oder es bemerkte. Wo er an sie dachte, was jeden Tag immer √∂fters geschah, so fiel ihm auch bei ihr eine √Ąnderung des Verhaltens auf. Wenn sie nicht gerade damit besch√§ftigt war, zu arbeiten oder sich ihrer Pflege widmete, war sie spurlos verschwunden. Des Nachts blieb sie meist ihren Zimmer fern und war sonderbarerer Weise vollkommen woanders. Hin und wieder sahen sie sich nur, die Begegnungen blieben aber fl√ľchtig und lie√üen kaum eine Zeit, um etwas zusammen zu unternehmen oder sich gar auszutauschen. So ungern er es auch sich eingestand, aber er vermisste sie und ihre Art in seiner N√§he. Umso l√§nger sie in diesem Sein waren und er keinerlei Ahnung hatte, was sie wirklich trieb, desto √∂fters erwischte er sich an sie denkend. Eine ‚Ķ Sehnsucht nach ihr, lie√ü ihn sie vermissen. Dennoch aber entschied er sich dagegen, ihr nachzuspionieren oder nachzuforschen, was sie trieb. Sie brauchte ihren Freiraum und die eigene Gestaltung ihrer Zeit.

Drei weitere Tage vergingen in diesem Muster, wobei aber Dimicus seine Herangehensweise √§nderte. Er war sich mittlerweile sicher, dass er dem Bettler nicht auf herk√∂mmliche Art und Weise folgen konnte, ohne dass dieser ihn auf Dauer bemerken und sehen w√ľrde. Vor allem stets am Ende des Rundganges des Mannes, wurde dieser besonders achtsam und dem K√ľnstler blieb nie etwas anderes √ľbrig, als sich einfach wieder von ihm zu entfernen. Er hatte etwas an sich, was sehr suspekt und gar geheimnisvoll schien. Zuerst musste er dahinter kommen, bevor er sich ihm n√§hern konnte. Zum Gl√ľck war sein Arm dank der guten Pflege mittlerweile wieder gut benutzbar, was ihm den Zugang zu den D√§chern erm√∂glichte und somit eine vollkommen andere Perspektive auf sein Ziel offenbarte. Es war nun ein leichtes, herauszufinden was es mit ihm und seinem abendlichen Verschwinden zu tun hatte. Umso √ľberraschender war das, was er herausfand.

Nachdem er nun auch die n√§chsten beiden Tage damit verbrachte, seinen Verdacht zu best√§tigen, war er sich absolut sicher, unter welchen Fall dieses Ziel einzuordnen war. Der Bettler war nicht weniger als ein Spitzel der h√∂chsten Garde Drakensteins! Diese gut ausgebildete Garde war darauf aus, das Innere der Burg, die Adligen und vor allem auch die Gro√üherz√∂ge zu besch√ľtzen. Der vermeintliche Bettler sammelte also Informationen, die er jeden Abend unter gr√∂√üer Vorsicht seinem Vorgesetzten berichtete. Vorkommnisse, verd√§chtige Personen und auch sein Verdacht, verfolgt zu werden. Er hatte Dimicus also bemerkt, aber nicht auf den D√§chern, was ein gro√üer Vorteil war. Doch im Umkehrschluss ‚Äď welche Organisation hatte Dimicus angeheuert, um an diesem Spitzel ein Exempel zu statuieren? So viel wie er mutma√üen konnte, ging es sicherlich um eine politische Angelegenheit. Etwas, woraus sich der junge Mann bisher herausgehalten hatte, doch er wusste, dass etwas Gro√ües auf Drakenstein zukam und er sich mit seiner Kunst daran beteiligen w√ľrde.

Zwar missfiel es dem K√ľnstler, dass seine einzigartigen Kunstwerke mit politischem Interesse verbunden wird, doch so gelangte sie auch gr√∂√üere Ber√ľhmtheit. Noch w√§hrend er auf dem Dach sa√ü und seine beiden Dolche zog, die Sonne bereits niedrig stand und der Spitzel in eine kaum bis gar nicht einsehbare Gasse einbog, schmiegte sich ein wahnsinniges L√§chelns auf seine Lippen. Seine Kunst w√ľrde noch weiter √ľber Drakenstein hinaus bekannt werden! Politik hin oder her, es w√ľrde ein Genuss werden, seine Botschaften hinaus in die Welt zusenden. Ohne l√§nger gro√ü dar√ľber nachzudenken lie√ü er sich vom Dach aus auf den nichtsahnenden Spitzel fallen und begann sein Werk, welches wohl der erste Schritt zu etwas Gr√∂√üerem werden w√ľrde.

Später nachts in dem unterirdischen Gasthaus...

M√ľde und dennoch zufrieden betrat Dimicus die weitreichenden Hallen der Unterkunft f√ľr Diebe. Es war mittlerweile ruhig geworden und die meisten wohl auf ihren Streifz√ľgen. Auch Shazeem war nicht zu sehen, nur einzelne Gestalten waren noch da und tranken meist allein ihre Bestellung auf. Auch seine Freundin Emilia war nicht irgendwo zu sehen und sie schien mal wieder zu streunen. Das gab ihm die M√∂glichkeit, sich von seinem Auftrag zu erholen und den Geruch des Blutes sowie seine Sachen zu s√§ubern. Auch auf den Fluren und auf ihrem gemeinsamen Zimmer war sie nicht vorzufinden. War sie etwa drau√üen? Oder gar in einem anderen Zimmer? Sie hatte w√§hrend der gesamten Zeit kein Wort in das Notizbuch geschrieben. Zumindest nichts neues. Es stimmte Dimicus etwas nachdenklich. Vielleicht bekam er bald wieder Gelegenheit, mit ihr in Ruhe zu reden. Insgeheim sehnte und erhoffte er es sich sogar, er vermisste sie sehr.

Also letztendlich im Bad angekommen, s√§uberte er fein und gr√ľndlich seinen K√∂rper, seine R√ľstung sowie Kleidung. Wirklich baden konnte er in diesem unterirdischen Gasthaus nicht, die Mittel waren nicht so einfach gegeben und ihm blieb mehr als eine gr√ľndliche Katzenw√§sche mit Seife nicht viel √ľbrig, auch wenn er es sich gew√ľnscht hatte. Jedoch erstrahlte seine R√ľstung, sein K√∂rper und seine Kleidung wieder in der urspr√ľnglichen Farbe und Reinlichkeit, so wie es f√ľr seinen Standes angemessen war. Auf einen Duft verzichtete er jedoch und k√ľmmerte sich eher darum, einfach nur vollkommen sauber zu sein. Mit einem gro√üem G√§hnen kleidete er sich schlie√ülich grundlegend wieder ein, schnappte sich den Rest seiner Ausr√ľstung und kehrte ins Zimmer zur√ľck, welches noch immer leer war. Bewusst lie√ü er die T√ľr einen minimalen Spalt offen, damit Emilia im gegebenen Fall hinein konnte. Kaum hatte er also alles verstaut, fiel er m√ľde ins Bett und fand fast augenblicklich in den Schlaf...
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#72

Beitragvon Emilia » Di 7. M√§r 2017, 21:47

F√ľr Emilia verging die Woche wie im Fluge.
Nachdem sie sich an den ersten zwei Tagen einigermassen gut geschlagen hatte, stellte Tobaios sie nun regelm√§ssig in der Gaststube ein. Er liess sie t√§glich einige Stunden arbeiten, und die junge Frau f√ľhlte sich dadurch gebraucht und konnte stolz auf sich sein. Zudem erhielt sie gar einen kleinen Lohn.
Dimicus sah sie hingegen wenig. Entweder war er unterwegs, oder sie selbst war beschäftigt.

Stattdessen lernte sie die Männer, welche öfters ihre Mahlzeiten in der Taverne einnahmen immer besser kennen, und wo sie anfangs noch verspannt wirkte, wurde sie mit der Zeit lockerer. Sie zuckte nicht mehr jedes Mal zusammen, wenn jemand sie versehentlich anstiess und es war ihr nicht mehr peinlich, dass sie die Menschen nicht hören konnte.
Sie hatte einfach immer einen Zettel und einen angenagten Stift bei sich, oder bestritt Gespr√§che mit H√§nden und F√ľssen.

Und dann waren da ja auch noch Mirco und Baldwin, welche ihr mit Rat und Tat zur Seite standen. Emilia verstand sich mit den beiden Kerlen so gut, dass sie nach getaner Arbeit mit ihnen an einem Tisch hockte und ihren Bl√∂deleien beiwohnte. Oftmals gesellte sich sp√§ter auch noch Enrico dazu, welcher es sich nicht nehmen liess, ihr jedes Mal ein K√ľsschen auf die Wange zu geben.
Baldwin grinste dann immer, während Mirco einen zerknirschten Eindruck machte.

Tatsächlich war Enrico aber einfach der Weiberheld der Bude, und blickte jedem rundlichen Hintern wohlwollend hinterher.
Jedoch intensivierte Emilia nicht nur ihre Freundschaft zu den Zweibeinern, sondern auch der schwarze Kater Gregorius schien einen Narren an der jungen Frau gefasst zu haben. Er musste schnell begriffen haben, dass die h√ľbsche Katzenlady und das Fr√§ulein ein und dieselbe Gestalt waren, denn sobald er sie entdeckte, liess er sie nicht mehr aus den Augen.
Und so war es auch der schwarze Streuner, mit dem des Nachts oft durch das Gem√§uer wuselte. Er kannte jeden Geheimgang, jede Nische und jedes Mauseloch. Bald wusste die junge Frau √ľber die ganzen Abk√ľrzungen Bescheid. Sie genoss es mit ihm Ratten zu jagen, beim Koch Leckerbissen zu ergaunern oder Verstecken und Fangen zu spielen.
So kehrte sie oft bis fr√ľhmorgens nicht in das Zimmer zur√ľck, und manchmal schlief sie auch eingekuschelt neben Gregorius in einer seiner etlichen Nischen ein.

Der Morgen, als sie neben Dimicus erwacht war, hatte sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Da sie es als Unrecht empfand hinsichtlich ihrer andauernden Verlobung, richtete sie eine der Schubladen der Kommode so ein, dass sie in Katzengestalt bequem darin auf einem Kissen schlafen konnte.
Anfangs hatte der junge Mann es immer wieder geschafft, wenn er m√ľde nach Hause kehrte, sein Knie an der herausgezogenen Kante anzuhauen. Inzwischen war er jedoch darauf vorbereitet und gelangte in sein Bett ohne weitere Unf√§lle.
Bevor Emilia sich verwandelte, legte sie sein ledernes Halsband immer beiseite, um es nicht zu verlieren. Dabei betrachtete sie manchmal nachdenklich das kleine Amulett mit der Katze drauf und fragte sich dann, wo ihr Mitbewohner wohl gerade steckte. Sie hatte das unbestimmte Gef√ľhl, dass er etwas ausbr√ľtete, konnte jedoch nicht mit Bestimmtheit sagen, worum es sich handelte. Ausserdem war er gut darin unsichtbar zu werden und einfach zu verschwinden. Leider hatte Emilia auch kaum die Zeit und die Kraft, ihn zu suchen, denn die Arbeit erm√ľdete sie doch mehr als sie gedacht h√§tte.
Trotzdem be√§ugte sie ihn immer unauff√§llig und schnupperte unwillk√ľrlich in der Luft, wenn er in ihrer N√§he war‚Ķ

Zugleich mischte sich etwas wie Routine in ihre Begegnungen. Sie gr√ľssten sich mit einem L√§cheln und einem Nicken, und dann wandte sich jeder wieder seinem Kram zu. Irgendwie hatte es jedoch auch etwas Beruhigendes an sich, diese scheinbare Allt√§glichkeit.
Manchmal erschrak Emilia jedoch auch √ľber sich selbst. Noch vor kurzem hatte sie in einer Villa gelebt mit ihrer eigenen Zofe, und nun arbeitete sie im Untergrund, umgeben von lauter Kriminellen. Das beh√ľtete Leben war vorbei, die Sicherheit tr√ľgerisch‚Ķ

Dies wurde ihr erst wieder so richtig bewusst, nachdem eine anstrengende Schicht zu Ende ging. Sie hatte sich erschöpft, doch mit einem Lächeln, von Tobaios verabschiedet, nachdem sie ihm dabei geholfen hatte, die sauberen Gläser zu verräumen.
Inzwischen hatte sie auch das Geheimnis von Mirco herausgefunden, er war ein Wassermagier. Seine Zauberfertigkeit bestand darin, das Wasser entweder von den Gläsern abperlen zu lassen, oder er liess die Tröpfchen einfach verdampfen.
Emilia bewunderte ihn f√ľr seine F√§higkeit, doch der junge Mann winkte bloss ab. Er konnte nicht viel mehr damit bewerkstelligen, da er niemals eine richtige Ausbildung genossen hatte.

Die F√ľsse schmerzten sie, als die Gestaltwandlerin m√ľde durch die G√§nge schritt. Heute war viel los gewesen. Eine ganze Bande hatte f√ľr einige N√§chte hier Quartier bezogen und sie hatten fleissig getrunken. Nachdem sie selbst feststellen musste, dass der Alkohol ihr nicht sonderlich gut bekam, hatte sie sich damit zur√ľckgehalten. Stattdessen konnte sie nur den Kopf sch√ľtteln √ľber das Gehabe der Kerle, das sie wenigstens nicht auch noch anh√∂ren musste.
Sie erinnerte sich am√ľsiert daran, dass auch Dimicus bereits einmal nach Bier gerochen hatte.
Ob er sich auch so gehen liess, wie diese Männer in der Gaststube?
Irgendwie konnte sie sich ihn nicht auf diese Weise vorstellen, es passte nicht zu seinem ansonsten meist anstandslosen Auftreten.

Im nächsten Moment bog sie um eine Ecke und prallte hart gegen einen Körper.
Der Atem wurde ihr aus der Lunge gepresst und sie japste erschrocken auf. Ihr Gegen√ľber starrte sie grinsend an und schien √ľberhaupt nicht √ľberrascht zu sein. Vermutlich hatte er ihre Schritte bereits von Weitem vernommen. Oder er war zu besoffen, um √ľberhaupt noch einen Schrecken zu versp√ľren, korrigierte sich Emilia, als ihr seine Alkoholfahne entgegenwehte.
Schnell trat sie einen Schritt zur√ľck und wollte an ihm vorbeigehen, doch da packte seine Hand sie grob am Arm.

Emilia erstarrte in der Bewegung zur Salzsäule. Mit einem Ruck zog der Kerl sie zu sich heran und die junge Frau fand sich in seiner Umarmung wieder. Jetzt begannen ihre Instinkte zu reagieren und sie stemmte abwehrend ihre Hände gegen seine Brust. Doch trotz seines Alkoholpegels hatte der Kerl einen eisernen Griff. Während er sie um die Taille herum an sich gezogen hatte, fuhr seine zweite Hand durch ihr weiches Haar. Emilia hämmerte mit ihren Fäusten gegen seinen Körper und versuchte ihm voller Kraft auf die Zehen zu treten. Anstatt dabei Schmerzen zu empfinden, lachte er sie jedoch bloss an und versuchte der widerspenstigen Frau seine Lippen an den Hals zu pressen.

Augenblicklich erinnerte sich das M√§dchen daran zur√ľck, wie sie in einer dunklen Gasse ebenfalls von solchen Kerlen angegriffen worden war. Damals hatte ihr Dimicus geholfen, doch dieses Mal war er nicht hier.
Als sie die feuchte Zunge an ihrer Kehle sp√ľrte, reagierte sie. Mit der ganzen Kraft, die sie aufzubringen vermochte, rammte sie ihr Knie zwischen die Schenkel des H√ľnen.
Im selben Moment biss sich der Angreifer vor Schreck selbst auf die Zunge und stiess die junge Frau von sich.

Einen Augenblick starrte sie ihn √§ngstlich an, dann setzten ihre Reflexe ein und sie rannte los. Der √ľbert√∂lpelte Mann fluchte und jammerte gleichermassen, doch seine Beute war ihm in den G√§ngen entkommen.
Gl√ľcklicherweise war das Gemach nicht weit entfernt, und als Emilia schliesslich das Zimmer betrat, rannen ihr Tr√§nen √ľber die Wangen. Eindeutig war dies nicht das Leben, welches sie gewohnt war. √úberall lauerten Gefahren und mochte sie sich noch so sicher f√ľhlen.

Mit einem Schluchzen setzte sie sich an das Fussende des Bettes und zog die Knie sch√ľtzend an ihren K√∂rper heran. Die Haare fielen ihr ins Gesicht und blieben an ihren nassen Wangen kleben. Sie war froh um die Dunkelheit, welche in dem Raum vorherrschte, so dass Dimicus sie kaum sehen konnte, selbst wenn er von ihrem Erscheinen erwacht sein sollte.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#73

Beitragvon Dimicus » Di 7. M√§r 2017, 21:48

Pinselstrich f√ľr Pinselstrich ergab sich nach und nach das Bild des K√ľnstlers, welches er so lang nicht einmal mehr gemalt hatte. Der starre K√∂rper unter ihm regte sich schon seit einer Stunde nicht mehr, doch der Spitzel der Garde war dennoch ein willkommenes Geschenk an ihn. Kaum hatte er Widerstand geleistet, so war die √úberraschung des Todes von oben wohl jene, mit der am wenigsten gerechnet hatte. Mit einem selbstgef√§lligem Grinsen betrachtete Dimicus das Werk, welches er ein weiteres Mal der √Ėffentlichkeit pr√§sentierte.

Die Menge um ihn herum, welche gebannt darauf schaute und sein Werk begutachtete war still, gespannt und lechzte nach dem Ergebnis seiner Arbeit. Hunderte Augenpaare blickten dem K√ľnstler √ľber die ge√ľbte Schulter und mit gr√∂√ütem Hochgef√ľhl verarbeitete er das Ende des Spitzel in ein wundervolles Kunstwerk, das ein weiteres Mal die Stadt Drakenstein inspirieren w√ľrde. Diese Stille war perfekt, die Ruhe und Konzentration die in der Luft schwebte. Doch j√§h wurde er aus seinem Tun herausgerissen und abrupt endete der Traum, als er an seinen F√ľ√üen eine Bewegung versp√ľrte.

M√ľde und verwirrt blickte er in die Dunkelheit der Kammer, herausgerissen aus diesem wundersch√∂nen Traum. Wer hatte es gewagt, ihn so aus diesem wundervollen Gef√ľhl zu rei√üen? Zuerst wollte er aufbegehren und der dort am Bett sitzenden Positionen etwas an den Kopf werfen, sein Plan wurde jedoch sehr schnell verworfen, als ein zierliches Wimmern durch den Raum hallte. War das ‚Ķ ‚ÄěEmilia?‚Äú Es kam keine Antwort. Nat√ľrlich nicht. Sie war ja auch taub. Seine M√ľdigkeit nahm ihn so einige Fertigkeit zu denken.

Allerdings fuhr seine Konzentration schon bald hoch, als er das leise Wimmern als ein Weinen identifizierte. Am Ende des Bettes sa√ü die junge Frau, er sp√ľrte es, auch wenn er sie nicht wirklich sehen konnte. Augenblicklich also erhob er sich vorsichtig, sch√§lte sich aus der Decke und tastet sich zu der Kommode vor, auf der eine Kerze und Zunder stand. Mit etwas ungeschickten Handgriffen entz√ľndete er die Flamme, welche durch ihr t√§nzelndes Licht den Raum zumindest in ein schummriges Licht tauchte. Da drehte er sich auch um und schaute zu der jungen Frau, die ihren Kopf sch√ľtzend und versteckt hinter ihren Knien hielt.

Sie war vollkommen aufgel√∂st und wirkte √ľberfordert. Was war denn passiert? Vollkommen ungl√§ubig n√§herte er sich der jungen Frau vorsichtig, ging vor dem Bett und vor ihr in die Hocke. Ihre Kleider wirkten durchw√ľhlt, etwas Blut war an ihrem Hals zu sehen. Doch sie war nicht verletzt. Es war das Blut eines anderen.

Pl√∂tzlich √ľberkam ihm ein ungeheures Gef√ľhl der Trauer, als er sie so erblickte. Er versp√ľrte ‚Ķ Mitgef√ľhl. Er wusste nicht einmal, was geschehen war! Doch sie weinte und es l√∂ste in ihm etwas aus, was ihn beinahe Zwang sich ihr zu n√§hern. Sie zu begutachten und sich um sie zu k√ľmmern. Dieses seltsame Gef√ľhl, diese Benommenheit der Situation sie dort so sitzen zu sehen. Es war nur schwer zu ertragen, doch was sollte er tun.

‚ÄěEmilia?‚Äú, fragte er sanft, w√§hrend er vor ihr hockte. Sein Verstand schien nicht mehr richtig zu funktionieren, doch etwas anderes schaltete sich ein, was er sonst nur als Instinkt kennt, wenn Gefahr droht. Sein Bauchgef√ľhl sagte ihm, was zu tun war. Er konnte es nicht genau lesen oder deuten, aber sein K√∂rper begann einfach zu handeln. Genau so wie es die Taten im folgenden beschrieben. Intensiv nahm er war, als er vorsichtig nach ihren H√§nden griff.

Sie war eiskalt. Sanft umschlossen seine Hände die ihren, ohne sie gewaltsam auseinander zu ziehen und ihre Hände an sich zu ziehen. Er begann sie einfach nur zu wärmen, als er sich aufrichtete und schließlich neben sie setzte. Behutsam legte er seinen rechten Arm um sie, doch nicht zu hastig oder sich etwas anmaßend wollen. Fast wie versteinert war ihre Reaktion, außer ihr leises Wimmern einer so zarten Stimme war keine Reaktion. Mit der Linken griff er etwas ungelenk schließlich in seine nahestehende Tasche und griff ein sauberes Tuch.

Sein Verstand schrie ihn nur innerlich an, als er seinen Körper einfach gewähren ließ. Mit großer Sorgfalt schob er die Haare beiseite und erkannte jetzt erst, dass neben dem Blut noch etwas anderes an ihrer Haut haftete. Es roch nicht angenehm, es gelang ihm schnell es als Speichel zu erkennen. Jemand ist ihr wohl zu nahe gekommen. Viel zu nahe. Sie schien sich aufgrund der Flecken an den Händen wohl gewehrt zu haben.

Wut keimte in ihm auf, sie kam schnell, wurde aber gez√ľgelt. Beinahe w√§re er aufgestanden, h√§tte sich einen Dolch geschnappt und den Kerl ausfindig gemacht, der ihr das angetan hatte. Doch es brachte nichts. Stattdessen s√§uberte er einfach nur behutsam ihren Hals, wischte die √úberbleibsel des Geschehenen einfach weg, ehe er das Tuch achtlos in die Ecke warf. Als das getan war, wollte er sie vorsichtig an sich ziehen und sie umarmen. Genau so, wie er es einst suchend bei ihr getan hatte. Augenblicklich spannte sie sich an und er wusste nicht, ob er zur√ľckschrecken sollte oder nicht.

Doch letzten Endes kam sie ihm mit dieser Entscheidung zuvor.. Ehe er sich versehen konnte, sp√ľrte er pl√∂tzlich zwei Arme die sich um ihn schlangen, ihr Kopf legte sich an seine Brust und beinahe augenblicklich wurde das anfangs noch leise Wimmern zu einem wahren Weinen. Warme N√§sse breitete sich an seiner Brust auf, als er auf ihren Schopf hinabschaute und ebenso betr√ľbt dreinblickte. Sanft begann seine Arme sie zu umschlie√üen, sie sch√ľtzend zu tragen und zu w√§rmen. Seinen Kopf legte er auf den ihren, streichelte vorsichtig ihren R√ľcken entlang. Die Augen schloss er und gab dieser jungen Frau, was er zuvor jedem seit Jahren verwehrt hatte: N√§he und Zuneigung. So wie sie dort war, konnte sie einen ruhigen Atem und Herzschlag vernehmen. So verharrte er einfach mit ihr, bis sie sich beruhigen w√ľrde.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#74

Beitragvon Emilia » So 12. M√§r 2017, 16:44

Das Gef√ľhl der Geborgenheit l√∂ste ihre Tr√§nen und wie gl√§serne Perlen kullerten sie √ľber ihre Wange und tr√§nkten sein Hemd mit ihrer salzigen N√§sse.
Emilia war v√∂llig aufgel√∂st, und es f√ľhlte sich gut an, sich einfach gehen lassen zu k√∂nnen.
W√ľrde ihr Leben jetzt immer so ablaufen? K√∂nnte sie niemals mehr ein richtiges Bad nehmen und von ihrer Zofe liebevoll die Haare hochgesteckt bekommen? W√ľrde ihr Heim immer bei Dieben und R√§ubern sein? M√ľsste sie immer mit der Angst umhergehen, von M√§nnern bedroht und unsittlich angefasst zu werden entgegen ihrem eigenen Willen?
Ihr Schluchzen erf√ľllte den Raum und durchbrach die Stille, welche f√ľr sie selbst eine enge Vertraute war.
Erst als ihre Augen sich röteten und unangenehm brannten, verebbten die Laute langsam.

Dies war auch der Moment, wo Emilia sich der N√§he zu Dimicus richtig bewusst wurde. Sie mochte seinen Geruch und das Gef√ľhl seiner warmen Hand, die beruhigend √ľber ihren R√ľcken streichelte.
F√ľr kurze Zeit genoss sie einfach die Vertrautheit, bevor sie sich vorsichtig von ihm l√∂ste, sich √ľbers Gesicht rieb und ihn offen anblickte.
Im Kerzenschein wirkten seine Augen so viel w√§rmer und lebendiger als tags√ľber. Sie verloren etwas von dem eisigen Blau und schimmerten in unterschiedlichen Farbt√∂nungen.
Oder war ihr dies bis anhin einfach entgangen?
Heute wandte sie nicht schnell wieder den Blick ab, sondern tauchte darin ein und versuchte seine Stimmung zu ergr√ľnden, wie sie es auch bei der Ratte oder Gregorius geschehen war.
Doch obwohl es nicht so klappte wie bei den Tieren, konnte sie trotzdem Sorge und Zuneigung darin erkennen.

Ihr eigener Ausdruck gab Verunsicherung, doch auch noch etwas anderes Preis.
‚ÄěIch mag Dich‚Äú, formten ihre Lippen lautlos. Der flackernde Kerzenschein und die tonlose Sprache konnten ihn jedoch nicht sicher sein lassen, ob er ihre Worte richtig verstanden hatte.
Obwohl Emilia wusste, dass dies die abstruse Wahrheit war, sp√ľrte sie die R√∂te in ihr Gesicht steigen.
Hatte sie das wirklich gesagt?
Sie wollte nicht, dass die Alte Recht behielt, welche behauptet hatte, dass sie sich in den Kerl verliebt hätte. Schliesslich war er damals einfach fortgegangen. Und es war nicht das Einzige, was er getan hatte, um sie zu verletzen…

Um seinem Blick zu entkommen, erhob sie sich und ging zur Kommode hin√ľber, wo Notizbuch und Stift lagen.
Damit bewaffnet, kehrte sie aufs Bett zur√ľck und setzte sich direkt neben Dimicus hin, so dass sich ihre Beine leicht ber√ľhrten.
Ich kann nicht f√ľr immer hierbleiben. Du kannst mich nicht st√§ndig besch√ľtzen und ich m√∂chte nicht von der Welt verborgen dahinvegetieren.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#75

Beitragvon Dimicus » Di 14. M√§r 2017, 19:38

Sein ruhiger Atem glitt zwischen den Beiden hindurch, w√§hrend Dimicus die junge Frau einfach nur fest in den Armen hielt. Emilia bekam die Chance, ihren Frust und die Trauer die sie empfinden musste, einfach hinauszulassen. Umso befremdlicher allerdings war es f√ľr den K√ľnstler, dass er in diesem Moment dort sa√ü und seine Arme um die Gestaltwandlerin schloss. Nat√ľrlich hatte sie zu dieser Zeit niemandem au√üer ihm, doch es best√§rkte dieses seltsame Gef√ľhl seiner Zuneigung zu ihr. Wie sonst h√§tte er es nennen sollen? Wie sonst sollte er im Worte seines eigenen Kopfes diese Beziehung nennen?

Zuneigung? M√∂gen? Lieben? Seine Gedanken hielten nicht an, w√§hrend sie weinte und ihren verlorenen Gef√ľhlen Ausdruck verlieh. Er war traurig, nachdenklich und dennoch froh zugleich. Welch' abstruse Mischung, so vermochte er zu sagen, hatte sich in ihm gebildet. Seine Trauer und sein Frohsinn gaben sich einen Schlagabtausch, so stimmte ihn die Laune Emilias traurig, er kannte ihr Schicksal und ihre Hilflosigkeit. Immer mehr wusste er sich mit ihr zu identifizieren und doch war er auch genau dar√ľber froh. Sie sahen sich seit nun mehr als einer Woche erst wieder, doch er hatte sie vermisst und sie bei sich zu wissen, stimmte ihn froh. Ein m√§chtiges Gef√ľhl welches er nicht einzuordnen wusste.

Erst recht als er in einem weiteren Augenblick sp√§ter ihr in die verweinten Augen blicke und sich ihre Blicke trafen, wusste er mehr als genau, dass es ihm dieses M√§dchen angetan hatte. Genau dar√ľber nachgedacht ergab es Sinn und erschien im logisch. Den Drang sie zu besch√ľtzen, sie zu lehren und dieses l√§stige Gef√ľhl er Zuneigung. Zumindest empfand er es bei anderen als l√§stig, doch bei ihr stellte es ihn vor g√§nzlich unbekannten Tatsachen und Gef√ľhlen. Aus Reflex lie√ü er sie augenblicklich los und ertappte sich aber dabei, wie er sich in ihren Blick verlor. Kaum bekam er es mit, dass sie etwas zu sagen versuchte. Genaustens achtete er auf ihre Lippen, doch er verstand nicht, was sie ihm sagen wollte.

Sich wundernd legte er den Kopf schief und betrachtete sie, er hatte nicht einmal ansatzweise die Fertigkeit, Lippen lesen zu k√∂nnen. Umso kurioser empfand er die Situation, in der krampfhaft versuchte ihre Worte zu interpretieren. Sie err√∂tete danach. Sch√§mte sie sich nach diesen Worten? Hatte sie etwas peinliches gesagt, ein Geheimnis erz√§hlt, dass ihr √ľber die stummen Lippen geglitten ist? Oder doch eher etwas, wof√ľr sie sich ihm gegen√ľber sch√§mte und nur nicht zutraute auszusprechen?

Jedoch kamen seine Gedanken nicht l√§nger wirklich weit, als sie sich seinem Blick zu entziehen begann und pl√∂tzlich diese h√ľbschen Augen sein Sichtfeld verlie√üen, so dass eine K√§lte in seinen entstand. Seine Empfindung schrie ihn an, dass er sich sich dieses Gef√ľhl zur√ľckholen solle, doch sein Geist beschwichtigte, unterdr√ľckte es gar wieder. Es war kein Platz f√ľr solche Belanglosigkeiten. Mit einem kaum merklichen Kopfsch√ľtteln warf er die Gef√ľhle √ľber Bord und konzentrierte sich augenblicklich zur√ľck auf das Wesentliche. Dennoch klopfte es in seinem Hinterkopf, es wollte heraus und genossen werden. Allerdings lie√ü er das nicht zu.

Wenige Augenblicke sp√§ter hatte sie sich erhoben, sich Notizbuch samt Stift geschnappt und sich wieder neben ihm gesetzt. Mit gr√∂√üerer Achtsamkeit bekam er mit, wie Emilia die gewisse N√§he zu ihm beibehielt und ertappte sich dabei, es zu genie√üen. Nicht alles konnte sein verrohter Verstand nun mehr aussperren. Doch sein Fokus lag weiterhin auf ihre Hand, welche mit eleganten Bewegungen den Stift f√ľhrten, welcher wiederum die Worte auf das Papier brachte. Es war nicht viel und ihre ersten Gedanken vollkommen klar, jedoch schaute er die Gestaltwandlerin nachdenklich an.

Er verstand ihre Situation und ihre W√ľnsche nur zu gut, sie waren seinen Zielen und W√ľnschen nicht g√§nzlich un√ľblich. Umso mehr erinnerte sie ihn an sein j√ľngeres Selbst, dass dort den Gesetzen der Natur ausgeliefert war und lernen musste, wie es in dieser Welt √ľberleben konnte. Sanft nahm er ihr das Notizbuch samt Stift aus der Hand und begann zu schreiben. Ich wei√ü Emilia und deine Herzensw√ľnsche, ich kann sie verstehen. Drum wei√ü ich, wie ich dir helfen m√∂chte. Es ist mein Ziel die zu zeigen wie du √ľberlebst und vor allem, dass es dir gut geht. Kurz strich sein Blick durch ihre Z√ľge, zeigte selbst Vertrauen und Zuneigung in seinen Z√ľgen. Es gibt noch so vieles was ich dir zeigen m√∂chte, was bedeutsam f√ľr dich ist. Doch das muss ab sofort warten. Wir werden dir deine Freiheit zur√ľckholen, dich aus diesem Ort befreien und dir deine Besitzt√ľmer zur√ľckholen. Doch dazu brauche ich zwei Dinge von dir. Er atmete tief durch. Dich selbst und dein Vertrauen.

Auffordernd blickte er sie an und nickte ihr zusichernd zu, ehe er fortfuhr. Was heute passierte, wird nicht ohne Konsequenzen bleiben. Ich werde dich lehren, wie man in der menschlichen Gestalt k√§mpft. Zumindest, um dich selbst zu verteidigen. Darauf dachte er ein weiteres Mal nach und f√ľr ihn gab es nur eine L√∂sung, wie er den gesamten Spuk um sie und ihrer Scheinfamilie beenden konnte. Diese Idee war eine Mischung aus seinem Bauchgef√ľhl, seinem im Hinterkopf weggesperrten Gef√ľhlen und seinem logischen Verstand. Da ich wei√ü, dass die Situation um dich und deine Familie zu verzwickt ist, habe ich etwas erdacht, was uns beiden sehr helfen wird. Ich werde Wilfried zu einem Duell um deine Hand herausfordern. Habe ich das erst einmal gewonnen, wirst du frei sein. Zugegeben, bei diesem Gedanken stieg auch ihm R√∂te ins Gesicht, doch etwas in ihm sagte, dass es das einzige Richtige war, was es zu tun galt. Kein Adliger w√ľrde ein Duell ablehnen, wenn seine Ehre dadurch Schaden nehmen w√ľrde.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#76

Beitragvon Emilia » Sa 18. M√§r 2017, 19:43

Emilia konnte nicht anders, als zuerst das Notizheft und schliesslich ihn ungläubig anzustarren.
Er wollte ein Duell um ihre Hand ausfechten? Hatte er sich gerade verschrieben?
Doch er wirkte verlegen und die R√∂te, welche immer mehr ins Purpurne √ľberging, je l√§nger sie ihn musterte, best√§tigte seine Worte.
Warum sollte er das tun? Was versprach er sich davon?
…was uns beiden sehr helfen wird.

Forschend blickte sie in sein Gesicht. War er an ihrem Reichtum interessiert? Oder an dem Ruf ihrer Familie?
Sie war unwillk√ľrlich etwas von ihm weggerutscht und zupfte nun ebenfalls unsicher an einem Zipfel der Decke herum.

Es wäre so schön, die Stadt erkunden zu können, ohne von Wachen gesucht zu werden. Sie könnte sich frei bewegen und hätte wieder ein richtiges zu Hause. Doch um welchen Preis?
Zu viele Gr√ľnde sprachen dagegen. Ihr Vater w√ľrde sich im Grabe umdrehen. Und Wilfried?
Er w√ľrde niemals zulassen, dass ein anderer sie besass.
Und wenn es den Tod f√ľr einen der M√§nner bedeutet? Wollte sie mit dieser Schuld leben? Und √ľberhaupt. War sie gewillt diesen jungen Mann zu ehelichen, der ein M√∂rder und Dieb war?
Er war einer der gesuchtesten Menschen der Umgebung!
Wäre es nicht Dummheit sich ausgerechnet an ihn zu binden?


Mein Reichtum ist mir nicht wichtig, schrieb sie sogleich etwas trotzig auf die Seite hin. Wenn sie genauer dar√ľber nachgedacht h√§tte, h√§tte Emilia sich aber doch eingestehen m√ľssen, dass dem nicht so war. Wenn man sich einmal den ganzen Luxus gewohnt war, war es einfacher gesagt als getan, auch ohne auszukommen. In ihrem ganzen Leben musste sie niemals kochen, niemals ein Haus putzen, keinen Beruf aus√ľben oder dergleichen.
Trotzdem hatte sie eine Traumvorstellung davon, in einem kleinen Häuschen zu leben wie sie es bei Gunhilde gesehen hatte. Dort war ihr das Leben so einfach und friedlich erschienen!
Ich will die Stadt verlassen. Niemand muss meinetwegen sterben und wenn ich verschwinde, muss mich auch niemand heiraten. Dann sind alle gl√ľcklich. Wilfried bekommt sein Haus, ich habe meine Freiheit und Du‚Ķ hast wieder Deine Ruhe.
Umso mehr sie dar√ľber nachdachte, desto besser erschien Emilia ihr Plan und ihre eigene rosige Zukunft auf dem Lande malte sie sich bereits in buntesten Farben aus.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#77

Beitragvon Dimicus » So 19. M√§r 2017, 15:31

Genaustens beobachtete Dimicus die Reaktionen Emilias auf seine Worte. Schon allein ihr ungl√§ubiger Blick zeugte von der Abscheu dieser Idee. Aus einem ihm nicht n√§her bekannten Grund verletzte ihn diese Antwort in ihren Z√ľgen schon allein. Die pl√∂tzliche Distanz zwischen den beiden war greifbar und umso mehr verlorener f√ľhlte sich der K√ľnstler pl√∂tzlich wieder. Gerade noch sa√üen sie gemeinsam zusammen, schon zog sie sich wieder zur√ľck. Wieso achtetest du Idiot so darauf, ob sie dir nah ist und was sie von dir h√§lt? Du bist ein Genie!

Die Stimme in seinem Kopf fand beinahe augenblicklich Zuspruch, doch wurde von etwas viel M√§chtigerem wieder klein gemacht, beinahe eliminiert. Diese Zuneigung die er sp√ľrte ‚Ķ sie verhinderte es, dass er sich √ľber Emilia stellen konnte. Diese junge Frau vor ihm hatte es nicht verdient, von ihm als ein schw√§cheres Wesen dargestellt zu werden. Auch wenn ihm der Gro√üteil seiner Vernunft dazu riet, so lie√ü seine Emotionalit√§t keinerlei dieser Dinge zu. Schwacher Narr! Es hallte in seinem Kopf und er kam nicht umhin, einfach nur den Kopf zu sch√ľtteln. H√§tte Emilia ihn beobachtet, so h√§tte sie einen inneren Kampf beobachten k√∂nnen.

Doch stattdessen war sie bereits damit besch√§ftigt, ihre Antwort auf das Papier zu bringen, wobei Dimicus ein weites G√§hnen √ľber das Gesicht wanderte. Er war m√ľde und eigentlich zu kaum etwas zu gebrauchen, mal ganz von der aktuellen Tageszeit abzusehen, die er zu diesem Zeitpunkt einsch√§tzte. Allerdings wurden seine Gedanken diesbez√ľglich schnell √ľber Bord geworfen, als er den vertr√§umten Blick Emilias neben sich bemerkte. Sie schien in Gedanken bei etwas zu sein, obwohl sie nur geschrieben hatte, dass ihr ihr eigener Reichtum nicht wichtig sei. Wo sie wohl in Gedanken war?

Seine Frage wurde jedoch aber sehr schnell beantwortet und bekam sehr schnell zu lesen, worum es ihr wirklich ging. Diese Naivit√§t und die Vorstellung, dass alles so einfach sei, √ľberraschte ihn immer wieder. Doch diese Naivit√§t mochte er, es machte sie zu einem unschuldigen Wesen das der Vollkommenheit n√§her war, als alles was du die Stra√üen der Stadt zu laufen vermochte. Selbst er ‚Ķ nat√ľrlich war er ein Meister seines Fachs, dennoch ist er nicht vollkommen und wird es nie sein, dass wusste er.

Mit einem wissenden und best√§tigenden Nicken vernahm er ihre Worte. Dimicus wollte die junge Frau nicht entmutigen und erst recht nicht von ihren Pl√§nen abhalten, so war es nach dem gro√üen Crescendo seiner eigenen Karriere auch eine Option f√ľr ihn. Sanft nahm er ihr wieder das Notizbuch und den Stift aus den H√§nden, l√§chelte ihr warm zu und zu schreiben. Emilia, verstehe mich bitte nicht falsch. Ein Duell unter Adligen geht meist nicht t√∂dlich aus. Zudem m√∂chte ich nicht deine Hand gewinnen um dich zu heiraten, sondern um dir die Freiheit zu erm√∂glichen, dir auszusuchen wen du heiratest. Wohin du gehst. Was du tust. Au√üerdem- Erneut wurde er rot und lie√ü seinen unsicheren Blick zwischen ihr und dem Notizbuch umher gleiten. Ich habe mich an dich gew√∂hnt und genie√üe deine Gesellschaft. Endlich einmal jemand, der mich nicht nur als Dieb oder M√∂rder sieht. Sondern als Menschen.

Seine Schrift wurde etwas krakelig und man merkte, wie er unsicherer wurde. Diese Worte zu schreiben fiel ihm schwer, auch wenn in ihnen die Wahrheit steckte. Alle Menschen die mit ihm zu tun hatten, sahen ihn nur als einen Kriminellen. Ich w√§re nicht gl√ľcklich, wenn du einfach fortgingst. Mein Sein w√ľrde dich vermissen. Eine erneute Pause, sein Herz klopfte wie wild und sein Atem war unkontrolliert. Diese Gef√ľhle kannte er einfach nicht, so an einen Menschen zu h√§ngen. Wie lang war es her? Mehr als zehn Jahre, dass er seine Eltern geliebt hatte, wahre Zuneigung zeigen konnte.

Er wand sich in einem Zustand der Unsicherheit, als ihm dieses Verlangen immer bewusster wurde. So hatte erst Emilia ihm gezeigt, was es bedeutete zu m√∂gen und Zuneigung zu empfinden. Etwas, was sehr lange Zeit in ihm verloren gegangen war. Weder will ich deinen Reichtum, deine Ehre, noch eine erzwungene Liebe. Ich will nur allein deine Freiheit. Darauf hast du mein Wort. Schlagartig fiel ihm aber auch auf, dass durch ihre Naivit√§t ihr einige wichtige Dinge entgangen waren. Zumal ich sagen muss, dass du das Geld brauchen wirst, um dir etwas auf dem Land aufbauen zu k√∂nnen. Geschweige denn, dass du immer eine Fl√ľchtige sein wirst, wenn diese Sache nicht beendet wird. Du darfst nicht davor weglaufen. Mit mittlerweile wieder gefasstem Blick schaute er die junge Frau an. Die Unsicherheit war gewichen, Zuneigung und Sorge f√ľllten ein weiteres Mal seinen Blick.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#78

Beitragvon Emilia » Do 23. M√§r 2017, 17:47

W√§hrend Dimicus seine Gedanken aufs Papier brachte, beobachtete Emilia die Regungen in seinem Gesicht. Wo seine undurchdringliche Miene vor zwei Wochen noch ein Buch mit sieben Siegeln f√ľr sie war, bemerkte sie inzwischen das kleine Zucken seiner Mundwinkel, wenn er ein L√§cheln verbarg, konnte am Heben seiner Brauen Verwunderung genauso ablesen wie Geringsch√§tzung oder erkannte die unbewusste Geste der Anspannung, wenn er den Kopf leicht zur Seite neigte, um auf seine Umgebung zu achten. Bloss seine Augen waren ihr noch immer fremd, denn es grauste sie vor dunklen Erinnerungen, wenn sie sich darin verl√∂re. Als ob er ihren Blick sp√ľrte, hob er den Kopf, err√∂tete und l√§chelte sie vorsichtig an, bevor er sich auf seine Antworten konzentrierte.
Noch immer fragte sie sich, weshalb er ein Duell um ihretwillen ausfechten wollte. Obwohl sie in der kurzen Zeit, welche der jungen Frau inzwischen wie eine kleine Ewigkeit vorkam, bereits viel gemeinsam erlebt hatten, wusste sie doch nur √ľber einen Bruchteil seines Lebens Bescheid.

Inzwischen hatte sie sich wieder gefasst, doch noch immer liess der Gedanke an die Begegnung mit dem Mann in den Gängen sie frösteln und sie schlang ihre Arme wärmend um den Oberkörper. Mit einem Lächeln realisierte sie plötzlich, wie zerknittert selbst Dimicus aussah. Verständlich, nachdem sie ihn so jäh aus dem Schlaf gerissen hatte.
Erst als er in seiner Schreibbewegung innehielt, holte er damit die Gestaltwandlerin in die Gegenwart zur√ľck. Offensichtlich befand er sich ebenfalls in Gedanken, denn seine Stirn war leicht gerunzelt und er schien Emilia nicht wahrzunehmen.
Neugierig huschte ihr Blick √ľber die Zeilen, welche eine Mischung von verschiedenen Gef√ľhlen in ihr ausl√∂sten.
Zum einen versp√ľrte sie Erleichterung dar√ľber, dass bei dem Duell niemand den Tod finden sollte. Niemals h√§tte sie eine solche Last auf ihren Schultern tragen m√∂gen. Gleichzeitig f√ľrchtete sie aber dennoch, dass einer der M√§nner Schaden nehmen w√ľrde. Vor ihrem inneren Auge spielten sich unterschiedliche blutige Szenen ab und abwehrend sch√ľttelte sie den Kopf.
Sie musste Dimicus mitteilen, dass dies trotzdem keine gute Lösung war!

Und das nicht nur aus diesem Grunde.
Das Gelesene l√∂ste Unsicherheit in ihr aus und gar ein Gef√ľhl der Kr√§nkung. Sie starrte beklommen auf ihren Schoss, so dass ihr die schokoladenbraunen Haare ins Gesicht fielen.
Was mochte es bedeuten, wenn er sich um ihre Hand duellierte, eine Ehe jedoch ablehnte? Gefiel sie ihm womöglich nicht?
Mit einer solchen Idee war Emilia bislang nicht konfrontiert worden, denn ihr Herr Papa hatte immer nur bewundernde Kommentare f√ľr ihre Sch√∂nheit er√ľbrigt und auch ihre Verwandten bem√ľhten sich darum, sie mit Schmeicheleien zu √ľberh√§ufen, solange sie noch nicht mit Wilfried verheiratet war.
Ihr Papa h√§tte sich bestimmt in seinem Stolz verletzt gef√ľhlt, w√ľrde ein Freier pl√∂tzlich einen R√ľckzieher machen.
Welches Licht w√ľrde dabei auf sie fallen? W√ľrde ein solches Verhalten nicht den Ruf ihrer Familie sch√§digen?
Andererseits hätte ihr Vater wohl kaum zu einer solchen Heirat eingewilligt. Wilfried war eine anständige Partie, welche Frederick gut geheissen hätte.
Doch ob ihr Verlobter auch so besorgt um ihre Freiheit war? Immerhin hatte er nicht ihren liebsten Menschen getötet…

Als sie darauf die n√§chsten Worte erhaschte, err√∂tete sie sogleich und versp√ľrte einen Moment lang Scham in sich aufsteigen. Er hatte Unrecht!
Auch sie sah immer wieder den M√∂rder in ihm, der er war. Diese eine Tat, welche er begangen und die ihr Leben ver√§nderte hatte, w√ľrde immer zwischen ihnen stehen.
Er konnte noch so freundlich und zuvorkommend sein, ihr Geschenke machen und sich f√ľr sie duellieren‚Ķ ein derber Nachgeschmack bliebe immer an ihm haften.
Unwillk√ľrlich fragte Emilia sich, ob er wieder einem Menschen das Leben genommen hatte, seit sie bei ihm weilte. Gelegenheit hatte er gen√ľgend, als sie die Woche √ľber fleissig arbeitete und nachts mit dem Kater Gregorius durch die G√§nge streifte. Irgendwann w√ľrde sie ihn danach fragen, doch nicht heute. Viel zu froh war sie um seine blosse Gegenwart nach dem be√§ngstigenden Geschehen zuvor. W√§hrend sie Dimicus musterte, fiel ihr seine ungewohnte Unruhe auf.

Erst jetzt bemerkte sie auch, dass er sein Schreiben beendet hatte. Die junge Frau nahm das Notizbuch entgegen und setzte ihr Lesen fort.
Die folgenden Worte waren nicht weniger ehrlich und direkt als seine letzten S√§tze und √ľberraschten sie umso mehr. Er w√ľrde sie vermissen ‚Äď also hatte er sie wom√∂glich sogar gern?!
Es war ihr anzusehen, dass seine Aussage sie erfreute und verbl√ľffte zugleich. Emilia schaute fragend zu Dimicus hin√ľber, so als wolle sie sich davon √ľberzeugen, dass er auch so meinte, was er da geschrieben hatte. Die Gestaltwandlerin nahm den Geruch wahr, der von ihm ausging und beobachtete den sich hebenden Brustkorb. Beide deuteten auf seine Unsicherheit und Nervosit√§t hin.
Es ist so schwierig, seine Lebensweise mit der Person hier vor mir in Einklang zu bringen!
Vielleicht hatte er doch Recht, und sie sah inzwischen nicht nur ein Monster in ihm, sondern ebenso einen wertvollen Menschen. Nein, nicht nur vielleicht ‚Äď ganz bestimmt war dem so‚Ķ
Emilia hatte pl√∂tzlich das Bed√ľrfnis ihn von seiner Unsicherheit zu befreien und fasste nach der Hand, mit der er offensichtlich nichts anzufangen wusste. Sie verschr√§nkte ihre Finger mit den seinen und dr√ľckte sie ermutigend.

W√§hrend sie auch noch die letzten Zeilen √ľberflog, bekam er Gelegenheit, sich wieder zu fassen. Als sie das n√§chste Mal ihren Blick hob, war die Unsicherheit aus seinen Z√ľgen gewichen.
Mit der freien Hand nahm sie den Stift und begann auf seine Worte zu antworten. Angefangen mit denen, die sie am meisten gefangen genommen hatten.
Es ist lange her, dass jemand sich ehrlich gl√ľcklich sch√§tzte mich bei sich zu haben ‚Äď oder zumindest hat es niemand ausgesprochen. Ich habe oft das Gef√ľhl bloss eine B√ľrde zu sein. Doch bei Dir f√ľhle ich mich anders, so als k√∂nnte ich auch etwas erreichen.
Ernsthaftigkeit sprach aus ihren Worten, doch dann erhellte sich ihr Gesicht und sie f√ľgte mit einem entschuldigenden L√§cheln hinzu: Obwohl ich weiss, dass meine Gesellschaft Dir nicht immer zum Vorteil gereicht hat.
Schuldbewusst wanderte ihr Blick durch den winzigen Raum, und ihre Hand l√∂ste sich von seiner und legte sich kurz auf seine Brust, wo unter dem Gewand die Narben einer L√∂wenpranke zur√ľckgeblieben waren, um zu verdeutlichen, dass sie sich ihrer Unzul√§nglichkeiten durchaus bewusst war.
Du l√§sst mich oftmals verdr√§ngen, was Du bist. Doch vergessen werde ich es niemals k√∂nnen. Wenn ich das Blut an Deinen H√§nden rieche, w√ľrde ich am liebsten Dinge tun, die
Sie unterbrach sich selbst und blickte ihn an. Er w√ľrde bestimmt verstehen. Vielleicht besser sogar, als sie selbst es verstand. Den Drang, sich auf ihn zu st√ľrzen; Einerseits, weil ihr menschliches Sein verabscheute, was er tat, andererseits aus einem animalischen Jagdtrieb heraus, der durch den Blutgeruch angeregt wurde.
Ich f√ľrchte mich vor meiner dunklen Seite, die Du zum Vorschein bringst. Weisst Du, anfangs wollte ich nur bei Dir bleiben, um meine Grenzen auszutesten und zu lernen mich zu beherrschen. Doch inzwischen, kurz hielt sie inne, dachte √ľber die Bedeutung der Aussage nach, habe ich begriffen, dass ein Teil von mir Dich mag.

Deshalb möchte ich auch kein Duell zwischen Dir und Wilfried sehen!, fuhr sie abrupt fort, um die peinliche Atmosphäre schnellstmöglich zu durchbrechen.
Einen Moment liess sie betr√ľbt den Kopf h√§ngen, als sie sich seiner Warnung erinnerte, dass ein Leben ohne Geld kaum m√∂glich w√§re.
Warum kommst Du nicht einfach mit mir weg aus Drakenstein? Wir k√∂nnten durch die Welt reisen. Ein richtiges Abenteuer! Wir √ľbernachten in alten Scheunen oder auf dem weichen Waldboden. Die Jagd auf Kaninchen kann bestimmt nicht viel schwerer sein, als das Erbeuten von Ratten.
Ihre Augen strahlten vor Begeisterung und neu erwachtem Tatendrang.
Die Löwin schnurrte bei dem Gedanken an ein Leben ausserhalb der Stadt behaglich.
Wilfried w√ľrde mich bald vergessen. Er wird nicht nach mir suchen, wenn er den Besitz behalten kann, versicherte ihm Emilia voller √úberzeugung.
Dimicus Miene war allzu skeptisch bei ihren Worten. Eindeutig dachte er pragmatischer als die junge Frau, welche eine pl√∂tzliche Euphorie versp√ľrte.
Neckisch f√ľgte sie deshalb ohne gross zu √ľberlegen hinzu: Wir k√∂nnten ihn einfach glauben lassen, der Rosend√§mon h√§tte seine Verlobte zu seinem Kunstwerk auserkoren.
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Re: Komm, s√ľsser Tod

#79

Beitragvon Dimicus » Do 23. M√§r 2017, 21:08

Die gesamte Situation war Dimicus mehr als peinlich, so stellte er sich vor, wie er in seinem Sein in diesem Moment wohl wirken musste. Der gro√üe Rosend√§mon, gef√ľrchtet in der gesamten Bev√∂lkerung Drakensteins, sa√ü in einer Unterkunft der Diebesgilde und musste sich seine Nervosit√§t von einer Frau nehmen lassen. Jener K√ľnstler, der mittlerweile 32 Menschen das Leben genommen und in ein Meisterwerk seines Genies verwandelt hatte. So sa√ü er aber nun da und sp√ľrte bewusst die W√§rme der Hand jener jungen Frau, die ihn eigentlich f√ľr das hassen musste, was er ihr einst antat.

Dennoch schaffte sie es, seine Unsicherheit mit nur diesen einen Ber√ľhrung vollkommen zu nehmen, noch mehr bekam er das Bed√ľrfnis dieses Gef√ľhl zu erwidern, so dass er nicht umhin kam, ihren Griff ebenso zart zu beantworten. Ein schwaches L√§cheln glitt in diesem Moment √ľber seine Lippen und w√ľsste er es nicht besser, bekam sie ihn immer besser in den Griff und schaffte es, sein Sein ins Reine zu tragen. Ein be√§ngstigendes Gef√ľhl, welches ein anderer Mensch bei ihm ausl√∂sen konnte. Noch immer tat er sich allerdings schwer, damit etwas anzufangen, eher das Gef√ľhl seines K√∂rpers zeigte ihm, dass es etwas Sch√∂nes war, was ihn dort ber√ľhrte und in emotionale Unsicherheit brachte.

Ihre Augen strahlten etwas aus, was f√ľr Dimicus mittlerweile ein Leuchtfeuer der Ruhe und Geborgenheit geworden war, auch wenn ihm seine Sentimentalit√§t diesbez√ľglich noch sehr entfernt vorkam. In seinem Gesicht waren aber Entspannung und Freude abzulesen, umso mehr stimmte es ihn mutiger, dass sich Emilia um ihn bem√ľhte und es auch offen zeigte. Etwas, was kaum eine andere Person in seinem Leben getan hatte, eine lang verschollenes Gef√ľhl. Damit wuchs aber auch seine Vorfreude auf die von ihr geschriebenen Worte, auch wenn er es kaum schon glauben konnte, so las er √ľber ihre Schulter mit was sie schrieb und nahm es dankbar auf.

Sie empfand offensichtlich genau so f√ľr ihn, wie er f√ľr sie. Etwas, womit er gar nicht rechnete und auch sich identifizieren konnte. Die Zuneigung zu ihr war einzigartig und eigentlich gar nicht zur Entstehung gedacht, aber dennoch sa√üen sie dort und tauschten diese Worte. Umso mehr musste er auflachen, als sie ihm schrieb, dass sie f√ľr ihn nicht immer zum Vorteil gewesen sei. Anfangs hatte er es auch so empfunden, doch mit ihrer gemeinsamen Zeit hatte sich das gelegt. Schlie√ülich hatte es sich in etwas verwandelt, was er nicht wirklich definieren konnte. Noch immer schloss er auf ihre Gemeinsamkeiten in der Geschichte, dass die geschehen sein musste.

Kurz darauf sp√ľrte er ihre Hand an seiner Brust, jene Stelle an der sie ihn einst verletzt hatte, worauf ein Kribbeln durch seinen R√ľcken glitt. Die Erinnerung an diese be√§ngstigende Begegnung war noch immer hautnah sp√ľrbar, wenn er auch nur ansatzweise daran dachte. Was jedoch auch noch an diesem Abend geschah, durfte auch nicht vergessen werden. Was sie mit ihren Worten tat, es war ihm aber klar, dass er es nie tun w√ľrde. Dimicus empfand gro√üen Respekt vor ihr und sah in ihr mehr als ein wilder Tier.

F√ľr ihn tat sich nunmehr ein noch gr√∂√üeres Ziel auf, auch kurz auf dem ihm wohl bedeutendste Aussage ihrerseits: sie mochte ihn. Nat√ľrlich war es nur ein Teil ihres Selbst, doch war er schon sehr froh dar√ľber, dass sie ihn respektierte und sch√§tzte. Dann jedoch herrschte pl√∂tzlich Stille, als er ob er seine Gedanken laut ausgesprochen h√§tte, war diese nur noch mehr unangenehm. Sie schrieb nicht mehr und dachte offensichtlich nach. Einmal mehr fragte er sich, was in ihrem Kopf vorgehen musste, dass geschah, was in diesem Moment geschah.

Umso mehr verstand er nun auch, warum Emilia handelte wie sie es tat. Sie sorgte sich um ihn. So musste es sich zumindest anf√ľhlen, ihre n√§chsten Worten wiesen aber darauf hin, auch wenn er Wilfried so oder so noch etwas schuldete. Er seufzte. Wie sollten sie denn sonst dieses Problem beseitigen und endlich in Frieden leben k√∂nnen? Die Stadt w√§re befreit von einem weiteren korrupten Mann, Emilia h√§tte ihre Besitzt√ľmer und der Rosend√§mon erf√ľllte seinen Auftrag. Allerdings sprachen ihre n√§chsten Worte von genau dem, was sie unter dem L√∂sen des Problems verstand.

Abermals seufzte Dimicus und stand in einem Zwiespalt. So wie ihre Augen bei diesen Vorstellungen leuchteten, ihre gesamte Haltung pl√∂tzlich freudiger und zuversichtlicher wurde, kam er um seine Skepsis nicht herum. Zwar war ihre endg√ľltige Idee eine sehr gute, aber wollte sie das wirklich? Sie verstand offensichtlich nicht, worum es in seinem Tun gibt. Es gab kein auserkoren, bedroht oder ins Visier genommen. Es musste eine Tat folgen, einer Tat der sie niemals zustimmen w√ľrde.

Somit nahm er ihr das Buch wieder ab, nahm ebenso den Stift entgegen und schaute ihr direkt in die Augen. Sie leuchteten, vollkommen froh √ľber ihre Idee und es tat ihm f√ľrchterlich weh, ihre Vorstellungen zerschlagen zu m√ľssen. Vollkommen betr√ľbt machte er sich an das Schreiben, er wollte sie nicht bel√ľgen. Deine Ideen sind wundervoll Emilia, doch sie sind nicht so einfach wie du sie dir vorstellst. Beinahe augenblicklich konnte er beobachten, wie das Leuchten und die Freude aus ihren Augen erl√∂schte, ihr Gesicht formte die einzige Frage die sie wohl in diesem Moment hatte: Warum?

Ein trauriges L√§cheln umspielte seine Lippen und es war ihm mehr als deutlich anzusehen, dass er sehr darunter litt, die Worte schreiben zu m√ľssen. Noch ist mein Platz hier, in Drakenstein. Ich kann noch nicht fortgehen, es gibt noch viele unerledigte Dinge. Wilfried heuerte den Rosend√§mon an, um Valerius zu t√∂ten. Er will dich und den Reichtum deiner Familie, um seine korrupten Machenschaften in Drakenstein verfestigen zu k√∂nnen. Zudem ihm glauben zu lassen, dass du ein Opfer des Rosend√§mons geworden bist, erfordert den Tod einer Frau die dir √§hnlich sieht. Seine Schultern hingen trostlos, seine Hand war lahm im Schreiben. Je weiter er die Vorstellungen der jungen Frau bremsen musste, desto mehr schmerzte es ihn.

Er hasste sich daf√ľr, was er in diesem Moment tat, ihm war vollkommen schlecht. Schwache Stimmen in seinem Kopf sagten ihm, dass er sich nicht dieser Schw√§che hingeben solle, doch waren sie extrem leise. Unruhig erhob er sich, sein K√∂rper zitterte etwas. War das der Preis den er bezahlen musste, dass er diese Frau mochte? F√ľhlte sich so Zuneigung an, Sorge und Reue? Nie hatte er ein Kunstwerk bereut, doch bereute er es dieser Frau ihre Tr√§ume zu nehmen? Seine H√§nde ballten sich zu F√§usten, als er zu ihr mit den R√ľcken stand. Ratlos starrte er auf den Boden, er wusste nicht was er zu tun hatte.

Doch augenblicklich geschah etwas in seinem Kopf, etwas was durch seinen gesamten K√∂rper zu zucken drohte. ‚ÄěDu Idiot magst sie nicht nur, dass wei√üt du. Sie ist das, was du zu deiner Erl√∂sung brauchst.‚Äú, fl√ľsterte er vor sich her, nicht sichtbar f√ľr Emilia. Kaum waren Dimicus diese Worte √ľber die Lippen gekommen, entspannte sich sein kompletter K√∂rper. Seine Miene wurde wieder gelassener, gar kam ihm eine Idee, die ihm ein hoffnungsvolles L√§cheln auf die Lippen legte. Zum ersten Mal seit langem war etwas passiert, was zuvor unm√∂glich war. Bewusst hatte er seine inneren Stimmen besiegt und bemerkte, wie sehr es ihn befreite.

Wenn er ihr nicht zu diesem Zeitpunkt schon Gutes tun konnte, so wollte er es zumindest in der Zukunft schaffen. Tief atmete er aber ein, drehte sich um und blickte der sichtlich verwirrten Emilia entgegen. Ohne weiter zu z√∂gern, hockte er sich vor sie und nahm sanft einer ihrer H√§nde, dr√ľckte sie. Statt zu schreiben, sprach er mit einem zuversichtlichen L√§cheln: ‚ÄěIch m√∂chte dir jedoch mein Wort geben, wenn all dies vorbei ist und ich meine Gesch√§fte erledigt habe, dass wir gemeinsam losziehen werden. Wir m√ľssen noch geduldig sein, doch es wird sich auszahlen. Was h√§ltst du davon, dass wir nicht nur gemeinsam ein Abenteuer au√üerhalb Drakensteins beginnen, sondern uns auch von meinem verdienten Geld ein Haus kaufen werden. Es war so oder so mein Plan, dies als meinen Ruhestand zu sehen. Doch w√ľrde ich mir w√ľnschen, wenn es soweit kommt, dass du an meiner Seite bist. Genau so wie ich dich bitten m√∂chte, mir zu vertrauen.‚Äú Jeder seiner Z√ľge sprach mit einer undurchdringlichen Ehrlichkeit und Zuversicht, er meinte diese Worte so ernst wie sie waren.
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#80

Beitragvon Emilia » So 26. M√§r 2017, 13:01

Wie Dimicus es vorhergesehen hatte, verd√ľsterte sich Emilias Miene bei seinen Worten. Der Schalk war aus ihrem Gesicht gewichen und sie liess entmutigt die Schultern h√§ngen. Schlagartig kehrte auch die M√ľdigkeit in ihre Glieder zur√ľck, die bis eben von anderen Gef√ľhlen in den Hintergrund gedr√§ngt worden war. Am liebsten h√§tte sie sich in ihrer Schublade mit dem weichen Kissen verkrochen und eingekringelt.
Doch die Bedeutung von dem eben Geschriebenen liess sie nicht los. Von welchen unerledigten Dingen sprach er wohl? Gerne h√§tte sie ihn gefragt, doch sie scheute vor der Antwort zur√ľck. Es war vermutlich einfacher ihn zu m√∂gen, wenn sie nicht √ľber Alles Bescheid w√ľsste.
Andererseits war sie doch geblieben, um ihn von eben jenen Handlungen abzuhalten?!

Und Wilfried…
Emilia realisierte plötzlich, dass dieser Mann sie kaum noch interessierte. In der kurzen Zeit, die sie mit Dimicus verbracht hatte, entfernte sie sich zunehmend von ihren Verwandten, und dies nicht nur auf einer physischen Ebene. Obwohl diese Welt gefährlich war und ihr nicht immer behagte, wollte sie zwar einerseits Schutz und Geborgenheit, andererseits jedoch auch nicht mehr dazu gezwungen sein, ihr Dasein in dem Herrenhaus zu fristen. Unmerklich löste sich die junge Frau von ihrer Vergangenheit und beschritt zögerlich ihren eigenen Weg.
Umso merkw√ľrdiger empfand sie es, dass der Rosend√§mon solch ein Interesse f√ľr ihren Verlobten entwickelte.

Dass Wilfried einen M√∂rder beauftragte, einen Menschen zu t√∂ten, r√ľckte ihn in ein schlechtes Licht. Emilia war sich trotzdem unsicher dar√ľber, ob gleiches mit gleichem vergolten werden sollte. √úber solche Dinge hatte ihr Herr Papa nicht mit ihr gesprochen. Die junge Frau wusste hingegen, dass Dieben, M√∂rdern und anderen Verbrechern der Strick oder das Henkersbeil drohen konnten, was wohl demnach auch eine ausgleichende Gerechtigkeit darstellte.
Ihre gr√ľnen Augen schimmerten im Kerzenlicht, als sie Dimicus anblickte. Sie dachte daran, wie er ihren H√§ndedruck sanft erwidert hatte und die H√§rchen in ihrem Nacken stellten sich auf, als sie √ľberlegte, dass er ebenfalls auf diese Weise sein Ende finden k√∂nnte.

Gerade als sie den Stift ansetzte und zu schreiben begann, sprang er beinahe wie von der Tarantel gestochen auf die Beine. Seine Spannung war schon fast k√∂rperlich sp√ľrbar und sie bemerkte erschrocken seine geballten F√§uste, konnte jedoch seinen Gesichtsausdruck nicht erkennen, da er ihr den R√ľcken zuwandte.
Sie verstand seine Reaktion nicht, doch noch als sie √ľberlegte, wie sie darauf reagieren sollte, entspannte sich sein K√∂rper, die Schultern fielen locker herab und die Finger l√∂sten sich aus ihrer verkrampften Haltung.
Sichtlich verwirrt und besorgt zugleich betrachtete Emilia ihn eingehend, als er sich zu der jungen Frau umwandte. Es war, als st√ľnde da ein neuer Dimicus vor ihr. Zu ihrer Verwunderung wirkte er bes√§nftigt und gelassen.
Inzwischen hatte sie sich daran gew√∂hnt, dass er es vermochte, seine Gef√ľhle innert einer Sekunde hinter einer undurchschaubaren Maske zu verbergen. Doch dies war etwas Anderes.

‚ÄěIch m√∂chte dir jedoch mein Wort geben, wenn all dies vorbei ist und ich meine Gesch√§fte erledigt habe, dass wir gemeinsam losziehen werden. Wir m√ľssen noch geduldig sein, doch es wird sich auszahlen. Was h√§ltst du davon, dass wir nicht nur gemeinsam ein Abenteuer au√üerhalb Drakensteins beginnen, sondern uns auch von meinem verdienten Geld ein Haus kaufen werden. Es war so oder so mein Plan, dies als meinen Ruhestand zu sehen. Doch w√ľrde ich mir w√ľnschen, wenn es soweit kommt, dass du an meiner Seite bist. Genauso wie ich dich bitten m√∂chte, mir zu vertrauen.‚Äú

Dimicus war vor ihr in die Hocke gegangen und hatte ihre Hand ergriffen, als er sprach. Die Kerze erleuchtete sein Gesicht schwach und Emilias Augen waren konzentriert auf seine Lippen gerichtet. Er sprach deutlich und ohne Hast, so dass sie ihm folgen konnte. Als er endete, war sein Blick erwartungsvoll auf sie gerichtet und sie konnte die Ber√ľhrung seiner Hand noch deutlicher wahrnehmen, gerade so als ob sie einer Aufforderung gleichk√§me.
Die junge Frau konnte erkennen, wie ehrlich er das Gesagte meinte und wie bedeutungsvoll seine Worte f√ľr ihn selbst waren. Doch glaubte sie, dass ausnahmsweise einmal nicht sie vor Naivit√§t strotzte.
So l√∂ste sie ihre Hand aus seiner, griff, leicht ver√§rgert dar√ľber, dass sie ihm nicht ebenfalls im Gespr√§ch antworten konnte, nach dem Stift und begann zu schreiben, wobei sie ihre Worte mit Bedacht w√§hlte.
Es ehrt mich, dass Du Dir eine Zukunft mit mir an Deiner Seite vorstellen kannst und es freut mich zu lesen, dass Du gewillt bist, deine Machenschaften hinter Dir zu lassen.

Dann jedoch huschte ein belustigtes, sarkastisch anmutendes, L√§cheln √ľber ihre Lippen.
Doch wie stellst Du Dir das vor?
Eine gemeinsame Ehe ist keine Option, da wir nicht vom selben Stande sind. Und ich bin bereits mit einem anderen Mann verlobt. Und zusammen in ein Haus zu ziehen, das Du aus dem Geld deiner zwielichtigen Auftr√§ge erworben hast‚Ķ Was w√ľrden die B√ľrger von mir denken? Es geh√∂rt sich nicht, dass zwei unverheiratete Leute offiziell zusammenziehen. Im Grunde ist auch unser jetziges Arrangement bereits frevelhaft.

Noch w√§hrend sie dies aufs Papier brachte, konnte sie erkennen, wie er sich versteifte. Emilia begann sich √ľber sein Unverst√§ndnis zu emp√∂ren.
Wie konnte er so etwas auch nur vorschlagen? Er wusste doch, wie es um ihre Situation stand!
Gerade eben hast Du mir noch vorgehalten, dass ich zu wenig weit denken w√ľrde. Doch Du selbst h√§ngst ebenfalls der Tr√§umerei nach.
Je mehr sie dar√ľber nachdachte, desto abwegiger wurde ihr der Gedanke. Sogar ihre eigenen Vorschl√§ge empfand sie pl√∂tzlich als abstrus und bloss so dahingesagt.

Nur weil ich Dich nicht von ganzem Herzen hasse, heisst das noch lange nicht, dass ich gewillt bin, mit einem Mörder in seinem Haus den Rest meines Lebens zu verbringen!
Die herablassenden Worte waren raus, bevor Emilia genauer dar√ľber nachdenken konnte. Doch in ihrem Innern brodelte es und sie f√ľhlte sich mit der Situation √ľberfordert.
Noch bis vor Kurzem war die Beziehung zwischen ihr und Dimicus so einfach. Es war wie eine stumme Vereinbarung gewesen, dass sie weder √ľber die Vergangenheit noch √ľber die Zukunft allzu viele Worte verloren. Doch nun wurde es kompliziert. Ihre Gespr√§che wurden tiefsinniger, die kleinen Ber√ľhrungen und lieben Gesten h√§ufiger. Emilia f√ľhlte sich √ľberrumpelt durch seinen anmassenden Vorschlag und es machte ihr Angst und verunsicherte sie, dass er auf einmal so ehrlich und emotional geladen wirkte.
Gleichzeitig begann sie sich schuldig zu f√ľhlen, weil es gutgetan hatte, sich an eine starke Schulter zu lehnen und die Verantwortung √ľber ihr Leben ein St√ľck weit abgeben zu k√∂nnen.

Um sich davon abzulenken, schleuderte sie ihm eine weitere Aussage vor die Nase.
Und was meinst Du mit ‚Äědeine Gesch√§fte erledigen‚Äú? Wenn Du glaubst, dass ich es einfach hinnehme, dass der Rosend√§mon weiterhin Menschen umbringt, t√§uschst Du Dich in mir. Vorher werde ich Dich an die Wachen verraten, als mich durch mein Wissen mitschuldig zu machen!
Ihr Atem ging rascher vor Aufregung und die Empörung hatte ihre Wangen rot gefärbt. Erst jetzt hob sie den Blick und wurde sich im selben Moment in einer Mischung aus Scham und vorgeschobenem Trotz bewusst, dass die Aussagen ihr Ziel nicht verfehlt hatten.
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