Komm, sĂĽsser Tod

Das gemäßigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkämpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, während die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.

Das Herzland
Das gemäßigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkämpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, während die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.
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Emilia
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Das Kaisho Abkommen

Re: Komm, sĂĽsser Tod

#111

Beitragvon Emilia » Mi 3. Jan 2018, 20:54

Völlig perplex beobachtete Emilia, wie der schwarze Kater Gregorius auf ihren Gefährten losging und dabei keine Hemmungen zeigte, seine Krallen einzusetzen. Doch obwohl die Strassenkatze eindeutig nicht das erste Mal einen Kampf ausfocht, schaffte Dimicus es irgendwie, das Untier am Kragen zu greifen und an den Wirt zu übergeben. Die Gestaltwandlerin runzelte verwirrt die Stirn. Gregorius Gebaren erinnerte sie an Revierkämpfe – und offensichtlich erschien dabei der Zweibeiner sein Rivale zu sein.

Währenddessen beobachtete Shazeem die junge Frau, bis sie seinen Blick zu spüren schien.
Emilia überliess Dimicus und Gregorius sich selbst und wandte ihre Aufmerksamkeit ihrem Gegenüber zu. Sogleich begann dieser zu sprechen. Inzwischen hatte sie wahrlich Übung darin, ihre Mitmenschen zu verstehen, da sie gerne auch die Gäste bediente. Da der Tamjid jedoch flüsterte, waren seine Lippenbewegungen undeutlicher als gewöhnlich, weswegen sich Emilia etwas vorbeugen musste.
„Ich weiss, du hast deine Familie hinter dir gelassen. Doch ich habe gehört, dass es gesundheitlich schlecht um deinen Onkel steht und Wilfried darauf hofft, bald seinen Platz einnehmen zu können. Die rechtmässige Baronin von Kreuzenstein bist jedoch du, Emilia. Ich frage mich, ob du dein Erbe wirklich weiterhin von dir weisen willst. Du weisst, dass du hier immer willkommen bist. Doch der Adelstitel sowie die damit verbundenen Möglichkeiten und Annehmlichkeiten könnten nicht nur dir zum Vorteil gereichen. Und du kennst ja Dimicus. Ohne zu fragen würde er dir deinen Cousin vom Hals schaffen, vermutlich gar mit Freuden. Er legt sich ganz schön ins Zeug für dich. Hat er dir schon Avancen gemacht?“, hakte er mit einem verschmitzten Grinsen nach, nun wieder im Normaltonfall. Da der Neuzugang nur einen Teil des Gesprächs vernommen hatte, funkelte er Shazeem böse an, bis dieser sich schliesslich erhob. Nicht ohne einen spöttischen Kommentar von sich zu geben, verabschiedete er sich und verschwand in Richtung Theke.

Emilia dachte ĂĽber Shazeems Worte nach und darĂĽber, welcher versteckte Sinn wohl dahinterstecken mochte. War dies gerade eine eindeutige Aufforderung an sie gewesen, endlich wieder heim zu kehren und ihre vorgesehene Rolle einzunehmen? Wollte Shazeem die Vorteile der Stellung ihrer Familie in der Gesellschaft fĂĽr seine Zwecke nutzen? Sollte sie damit ihre Schulden begleichen? Oder meinte er es nur gut mit ihr? Und was sollte der Kommentar bezĂĽglich Dimicus?

Erst als Dimicus wieder neben ihr sass und auf den Gegenstand wies, bemerkte die nachdenkliche Gestaltwandlerin den silbernen Armreif auf dem Tisch. Ăśberrascht blickte sie zu ihrem Freund, der auch sogleich zu ihr sprach.
"Mir ist klar, dass du das eigentlich nicht so magst, aber ich habe etwas Besonderes für dich. Hoffentlich gefällt dir das Stück optisch, denn es ist einzigartig, auf eine Weise, die du noch nicht erkennen kannst."
Aha, deswegen hatte Shazeem wohl die Avancen angesprochen. Er musste von Dimicus’ Geschenk gewusst haben. Obwohl Emilia tatsächlich einen Moment lang das schlechte Gewissen plagte, dass er schon wieder Geld für sie ausgegeben hatte, freute sie sich gleichzeitig auch über die Aufmerksamkeit. Vor allem, da ihr der Armreif wunderbar zusagte!
Als sie die eingravierten Worte las, verzogen sich ihre Lippen zu einem ehrlichen Lächeln. Einen kurzen Augenblick bedauerte sie, dass sie nun noch einmal mit der Hexe Kontakt aufnehmen müsste, denn auch dieses Geschenk würde sie immer bei sich tragen wollen. Dann dachte sie wieder an die Worte Shazeems zurück.
Ob das Schmuckstück noch eine tiefere Bedeutung hätte? Ob Dimicus auch wollen würde, dass sie ihr Erbe einforderte?
Dann spürte sie plötzlich seine Hand an der ihren und sein Lächeln erwärmte ihr Herz.
Plötzlich streifte Dimicus ihr den silbernen Armreif über, der sich im Übrigen wie angegossen an ihre Haut schmiegte, und schob ihn an seinen vorhergesehenen Platz an ihrem Oberarm. Anstatt sie loszulassen, hielt er jedoch ihre Hand und blickte sie aus seinen blauen Augen eindringlich an.
Irgendwie verhält er sich seltsam, dachte Emilia bei sich und wollte ihm gerade sanft ihre Hand wieder entziehen.

Im nächsten Moment sass sie jedoch kerzengerade auf ihrem Stuhl. War das ein Geräusch?!
Ein leises Säuseln nur, wie der Wind in den Ästen der Bäume, ein Flüstern wie von leisen Kinderstimmen, dann ein Summen wie von einem Bienenschwarm, der anschwoll, immer lauter wurde!
Emilias Augen waren geweitet vor Überraschung. Wie ein verschrecktes Reh blickte sie sich um, ihre Augen huschten hier hin und dort hin. Immer lauter wurde es um sie herum. Die Stimmen schienen sich zu überschlagen, Stühle wurden mit lautem Kratzen über den Boden geschoben, Bierkrüge mit lautem Poltern auf den Tischen abgestellt. Grölendes Lachen erklang in ihren Ohren wie das Donnern eines Sturmes. Zu viel! Zu laut!
Emilia schloss ängstlich die Augen und presste verzweifelt die Hände auf die empfindlichen Hörorgane.
Einen Moment verharrte sie, in sich zusammengesunken und voller Anspannung. Ihr Atem ging stossweise und es dauerte etwas, bis sie sich langsam beruhigte. Geschützt durch ihre Hände, vernahm sie die Geräusche nun dumpfer, und nicht mehr so laut und bedrohlich.
Vorsichtig öffnete sie nun auch die Augen wieder und blickte direkt in Dimicus besorgte Miene. Er hatte sich zu ihr hinübergebeugt und schien nah dran zu sein, den Silberreifen von ihrem Arm reissen zu wollen.
Erst jetzt begriff Emilia so richtig, was gerade mit ihr geschah.
Sie konnte hören! Sie war nicht länger taub!
Eine überwältigende Freude breitete sich in der jungen Frau aus und ihre Augen schienen plötzlich zu leuchten. Ein Lachen kam ihr über die Lippen und der Mund blieb ihr offen stehen, als sie den Klang ihrer eigenen Stimme hörte. Ihre eigene Stimme!
Obwohl ihr alles viel zu laut war, nahm sie probeweise wieder die Hände von den Ohren.
«Dimicus», flüsterte sie seinen Namen.
Als sie ihre eigenen Worte hörte, sprang sie im nächsten Moment auf die Beine, wobei der Stuhl rückwärts zu Boden fiel, so eilig hatte es die Gestaltwandlerin.
Bevor der junge Mann sichs versah, stand Emilia direkt vor ihm und kĂĽsste ihn hemmungslos auf die Lippen, kurz darauf rang er in ihrer euphorischen Umarmung nach Luft.
«Danke, danke danke», flüsterte sie immer wieder mit etwas heiserer Stimme an seinem Ohr.
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#112

Beitragvon Dimicus » Do 4. Jan 2018, 12:22

Zunächst war die Reaktion Emilias das genaue Gegenteil von dem, womit Dimicus gerechnet hatte. Sie schien in Panik zu verfallen, die neuen Eindrücke waren wohl zu viel und zu plötzlich auf einmal! Sie wirkte plötzlich wie ein verstörtes Kind, welches die Umwelt ausblenden und einfach nur nichts mehr hören wollte. In dem Moment bekam Dimicus Angst! Hatte er doch einen Fehler begangen?

Mit besorgter Miene beugte er sich zu Emilia herüber, in ihrer Mimik lag der Ausdruck purer Überraschung. In welcher Hinsicht jedoch, war sogar Dimicus zum Deuten verwehrt. Seine Hände legten sich auf den Armreif, es sollte wohl besser sein, wenn sie ihn erst einmal nicht trug. Sie sollte auf keinen Fall einen bleibenden Schaden erfahren!

Plötzlich öffnete Emilia wieder ihre Augen und in ihnen war weder Entsetzen noch Angst zu sehen. Nur Neugierde und Überraschung. Dimicus hielt in seiner Bewegung inne, war jedoch bereit den Armreif doch noch schnell zu entfernen, wenn es die Situation erforderte. Emilia zeigte aber nicht mehr die Scheu und Angst von zuvor. Sie hatte sich beruhigt. Dem Negativ folgte nun das Positiv, als ihre Augen zu leuchten begann und sie verstand, was vor sich ging. Beruhigt atmete Dimicus aus und nahm seine Hände von ihrem Arm.

Das Lachen welches aus dem Halse Emilias drang, klang vielleicht etwas schief, doch ehrlich und voller Freude. Dimicus hätte es nie gedacht, doch eine Wärme umfasste seinen Körper und ein angenehmes Kribbeln durchzog seinen Bauch. So fühlte es sich also an. Einem geliebten Menschen den größten Wunsch wahr zu machen, welchen er sich nur erträumen konnte. Lieben. Was war das schon für ein Wort für das Gefühl welches er gerade empfand.

Aufgrund der Unbeschreiblichkeit seines Gefühles, erwiderte er den Kuss Emilias. Ganz zu schweigen davon, dass es ihr erster Kuss war, welchen sie wie zwei Liebende austrugen. Der Überraschung zum Trotz genoss Dimicus dieses plötzliche Gefühl. Auch als sie ihn mit der Kraft ihrer inneren Löwin beinahe zerdrückte, hielt er inne und umfasste ihren Körper. Die feste Umarmung erwiderte er und genoss die heiseren, aber deutlichen Worte einer neuen, aber dennoch vertrauten Stimme.

„Ich habe zu danken, meine Löwin. Du hast keinerlei Ahnung, was du in mir auszulösen vermagst“, erklärte Dimicus sanft und behutsam. Seine Stimme versuchte Ruhe auszudrücken, doch er selbst merkte, dass sie ein wenig zitterte und die Freude über dieses Ereignis kaum selbst unterdrücken konnte. Emilia dieses Geschenk zu machen, war das kostbarste was den Beiden hätte passieren können. Noch ließ sich nicht abschätzen, welche Auswirkung das auf ihre gemeinsame Zukunft haben würde, doch für den Moment war das ein unwichtiger Fakt.

Schließlich lösten sie sich aus ihrer Umarmung, einige der Gäste schauten schon skeptisch und auch der Wirt blickte verdutzt zum ungleichen Paar. „Nun kannst du alles hören und jedes Geräusch nachholen. Angefangen mit meiner Stimme und dieser Umgebung. Doch du wirst staunen, wie vielfältig die Welt mit Tönen sein kann. Dazu musst du nur den Armreif tragen oder in deiner Nähe behalten. Mehr braucht es nicht.“

Ein warmes Lächeln spiegelte sich auf Dimicus Lippen, als er sich vor Emilia verbeugte und ihr darauf in die Augen schaute. „Nun meine Löwin, was ist dein Wunsch? Was sind deine Worte? Wohin willst du zuerst gehen?“, fragte Dimicus. Emilia sollte die Möglichkeit haben, auszutesten wie die Welt mit einem intakten Gehör war.
What have I become; My sweetest friend
Everyone I know goes away; In the end
And you could have it all; My empire of dirt
I will let you down; I will make you hurt