Komm, sĂĽsser Tod

Das gemäßigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umkämpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urvölker Asamuras, während die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.

Das Herzland
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#91

Beitragvon Emilia » So 18. Jun 2017, 20:46

Eine Stunde später suhlte Emilia sich noch immer entspannt in der Wanne und fühlte sich dabei wie eine Prinzessin. Wie herrlich doch ein einfaches Bad sein konnte!
Zuerst hatte sie sich beinahe wundgescheuert mit dem rauen Schwamm, bis ihre Haut rot glĂĽhte wie ein Flusskrebs. Erst dann konnte sie zur Ruhe kommen.
Nachdenklich spielte sie an einer ihrer langen Locken herum, welche einmal wieder etwas zurechtgestutzt werden sollten.
Nun war sie also definitiv von zu Hause fort. Nein, es war nicht mehr ihr zu Hause. Sie hatte keines mehr.
Einen Moment drohte Panik sie zu überwältigen.
Wie sollte sie denn jetzt zurechtkommen? Sie hatte nie ein Handwerk erlernt.
Ein ganz anderer Gedanke unterbrach ihre Grübeleien… das Badewasser sollte ausgewechselt werden, es schmeckt etwas faulig…
Emilia erstarrte und bemerkte plötzlich, dass sie aufgehört hatte mit ihren Haaren zu spielen. Stattdessen hatte sie begonnen ihren Arm entlang zu lecken. Verblüfft hielt sie den Arm von sich weg, doch das Gefühl von Absurdität auf Grund ihres Verhaltens wollte nicht aufkommen. So zuckte sie schliesslich bloss mit den Schultern und setzte ihr Tun fort, bis sie sich sauber fühlte…

Als sie danach jedoch wieder in die schmutzigen Kleider schlüpfen sollte, schüttelte sie sich energisch bei dem Gedanken. Doch in ihrem Eifer, den ganzen Schmutz loszuwerden, hatte sie vergessen Ersatzkleidung mitzunehmen, beziehungsweise wäre diese ja genauso verschmutzt gewesen wie ihre bisherige.
Schliesslich schnappte sie sich einen Eimer, etwas Seife und ihre ganzen Klamotten und veranstaltete eine eingehende Handwäsche, bis das Ergebnis zwar klatschnass war, aber immerhin nach Lavendel duftete.
Es waren fast zwei Stunden vergangen, bis Emilia die Kleidung ausgewunden und geschickt zu einem BĂĽndel geschnĂĽrt hatte. Inzwischen war sie eine richtige Spezialistin darin geworden!
Einen Moment zögerte sie, dann kniete sie sich auf den Boden und begann ihre Verwandlung zur Raubkatze.

Die Rückreise ins Zimmer gestaltet sich für die Gestaltwandlerin wie ein Abenteuer. Es machte ihr richtig Spass, hinter Ecken geduckt zu verharren, während Männer an ihr vorbeigingen oder sich wie auf der Jagd durch die Gänge zu bewegen ohne dabei entdeckt zu werden. Das Bündel in ihrem Maul nervte zwar, doch irgendwo in ihr drin erklärte ihr die Vernunft, dass sie es nicht einfach liegenlassen sollte. Und die Katze nickte schliesslich zustimmend und meinte es gehöre zur Mission, die Beute heil ins Versteck zu bringen!

Es war schliesslich ein Leichtes, die Türklinke mit der riesigen Pranke nach unten zu drücken, wobei sich die junge Frau jedoch etwas verschätzte mit ihrer Kraft, die Tür unter dem Druck ruckartig aufging und laut gegen die Wand knallte, während die Löwin etwas perplex im Rahmen stehen blieb völlig unbeeindruckt von dem Lärm, den sie selbst ja nicht vernommen hatte.
Dimicus war aufgesprungen und in einer Art Verteidigungshaltung zu stehen gekommen. Sein Verhalten hätte Emilia beinahe dazu animiert einen Satz nach vorne zu machen und ihn zu Boden zu reissen, um mit ihm ein Ringen zu veranstalten, doch wieder meldete sich die Vernunft, weswegen sie schliesslich hoheitsvoll zur Tür reintapste und sich neben dem Bett hinsetzte, während Dimicus rasch und leise den Eingang hinter der Löwin verschloss.
Das KleiderbĂĽndel liess sie mit einem Pflatschen zu Boden gleiten, wo sich sogleich eine PfĂĽtze zu bilden begann.
Der junge Mann hatte ein warmherziges Lächeln im Gesicht und Emilia konnte nicht anders, als zu ihm hinzugehen und ihn einmal auffordernd anzustossen, was auch sogleich belohnt wurde. Seine Hand streichelte ohne zu Zögern über ihren mächtigen Schädel und ihre Flanke entlang, bis die Löwin sich schliesslich wieder mit majestätischem Blick von ihm abwandte und sich dabei nicht anmerken liess, wie sehr sie die Geste genoss.

Sie beachtete den Dieb nicht weiter und begann unverblĂĽmt ihre RĂĽckwandlung. Es fĂĽhlte sich unangenehm und schmerzhaft an und sie seufzte erleichtert, als sie in ihrer menschlichen Gestalt am Boden kniete. Irgendwie schien es ihr einfacher, sich in ein Tier zu wandeln, nachdem sie einige Tage durchgehend auf diese Weise verbracht hatte.
Als sie bemerkte, wie Dimicus Blick kurz über ihren Körper huschte, wurde sie sich ihrer Nacktheit bewusst und deutete fragend auf sein Hemd.
Kurz darauf konnte sie sich eines seiner frischen Obergewänder überstreifen, das ihren Intimbereich und den Hintern züchtig verdeckte.

Sie nickte ihm dankend zu und zupfte ihre Haare etwas zurecht, dann fiel ihr Blick auf die Kommode, wo Dimicus ihr von dem Abendessen etwas übriggelassen hatte. Gierig atmete sie den Geruch ein und sofort lief ihr das Wasser im Mund zusammen. Während ihr Begleiter sich am einen Ende des Bettes niederliess und etwas ins Notizbuch zu kritzeln begann, angelte Emilia sich den Brotkorb samt Wurst und Käse.
Beim Geruch von letzterem verzog sie ihr Näschen und schob es unauffällig an den äusseren Rand, bevor sie sich an der Wurst bediente und sie genüsslich zwischen ihren Zähnen zerkaute.
Auch das Brot schmeckte sehr gut und schien ganz frisch gebacken zu sein.
Emilia fühlte sich wie ausgehungert und ihre ganze Aufmerksamkeit galt dem Essen – bis eine Fliege auf ihrem Knie landete.

Sie hielt inne und starrte gebannt auf das schwarze Insekt, das dort wie ein Klecks auf ihrer hellen Haut hockte.
Im nächsten Moment hob die Fliege ab und flog surrend im Raum herum, verfolgt von den grünen Augen Emilias. Jede Bewegung verfolgte sie mit und wenn man das Mädchen genauer betrachtete, konnte man die merkliche Veränderung ihrer Pupillen bemerken.
Das Insekt drehte weiter seine Runden im Raum, doch dann begann es einen fatalen Fehler.
Aus dem Nichts schoss Emilias leere Hand vor und klaubte die Fliege wie einen Apfel aus der Luft.
Sie konnte das aufgeregte Flattern der Flügel in ihrer Faust spüren und wie der kleine Körper immer wieder gegen ihre geschlossene Faust stiess, die gerade genug Platz dafür liess in dem kleinen Hohlraum.

Ein Grinsen schlich sich auf das Gesicht der Gestaltwandlerin, als sie die Hand öffnete, und das völlig irritierte Insekt entliess – nur um es im nächsten Moment wieder einzufangen und blitzschnell in ihren Mund zu schieben.
Im selben Moment, als sie die Bewegung in ihrem Rachen wahrnahm, ĂĽbernahm ein anderer Teil von ihr die Kontrolle. Die junge Frau begann es zu wĂĽrgen und ekelerregt spuckte sie die leblose Fliege mit weit aufgerissenen Augen vor sich auf den Boden, bevor sie zum Wasserkrug stĂĽrzte und ihn in einem Zug hinunterleerte.
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#92

Beitragvon Dimicus » Mo 19. Jun 2017, 18:50

Die junge Frau hatte nicht viel mehr gesagt, als sich zu erheben, ihn anzublicken und schließlich mitsamt ihrer schmutzigen Kleidung am Leib den Raum zu verlassen. Offensichtlich wollte sie sich zuerst baden und säubern, bevor sie auch nur ansatzweise daran dachte, etwas zu essen. Dimicus konnte es verstehen, sein eigener Körper war ebenfalls verschwitzt. Noch stank er nicht, doch es war nur eine Frage der Zeit, wenn er sich nicht in das Wasser begeben konnte. Sein ganzer Körper schrie danach, auch endlich wieder sauber zu werden. Doch das musste warten.

Dafür bekam sein Magen die benötigte Zuneigung, nach der dieser schrie. Sein Hunger war enorm, im Gefängnis gab es kein Essen und zudem hatte er den Großteil des Tages bewusstlos zugebracht. Kein Wunder also. So kam es ihm auch recht, dass die von Shazeem organisierte Auswahl mehr als üppig ausfiel und sein Blick huschte über jeder der einzelnen Möglichkeiten. Brot, mit Wurst und Käse, dazu ein Glas Wasser. Ach, was sollte der Geiz? Schon bald fand sich mehr als die Hälfte des dargebrachten Abendbrotes auf seinem Teller.

Dimicus machte es sich auf dem Bett gemĂĽtlich, sein Anspannungen fielen ab, als jeder seiner Muskel endlich wieder entspannen konnte. Nach solch einer langen Zeit fĂĽhlte er sich wieder heimisch und wusste etwas mit seiner Umgebung anzufangen. Just in diesem Moment fiel ihm aber auch etwas auf. Etwas unangenehmes drĂĽckte ihm am Po, als er aufstand, fand Dimicus Emilias Lederband noch auf dem Bett liegen. Vermutlich hatte sie es vergessen. Mit einem Schulterzucken brachte er es auf die Kommode und legte es neben den Rest des Essens. Kaum dann wieder am Bett angekommen, ging er in die selbe entspannte Haltung und verspeiste sein Mahl genĂĽsslich. Die Ruhe hatte ihm gefehlt.

So verging auch die Zeit, in der Emilia mit dem Bad verbrachte und Dimicus sein Abendbrot gegessen hatte. Doch war er früher fertig, als seine Begleiterin wieder zurück vom Bad kam. Was sie so lang trieb? Zuerst überlegte Dimicus nach ihr zu sehen, doch war er sich sicher, dass Emilia durchaus auf sich aufpassen konnte. Nicht umsonst hatte sie so lang unter der Knute ihrer Familie überleben können. Somit beschloss er, sich einmal wieder seiner einfachen Kunst zu widmen. Das Notizbuch und den Kohlestift zur Hand genommen, seinen Körper der Länge nach zur Ruhe auf das Bett gelegt, fanden Formen, Linien und Schattierungen ihren Weg auf das Papier. Nach einiger Zeit schaute eine Löwin, thronend auf einer Klippe, den Betrachter des Bildes neugierig an. Sie wirkte erhaben, thronte über den Betrachter, gleichzeitig war sie ihm aber auch nicht feindlich gesinnt. Dimicus seufzte. Trotz seiner Unsicherheit stand eines fest. Er hatte verstanden, dass Emilia es ihm angetan hatte. Es gab keine andere Erklärung. Seine Sinne getrübt durch Zuneigung. Doch war es so schlecht?

Gerade als Dimicus an das Geschöpf dachte, dass diese Gefühle in ihm auslöste, schlug die Tür auf. Mit einem lauten Knall schlug sie an die Wand und das Erste was Dimicus tat, war aufzuspringen, seinen am Gürtel befindlichen Dolch zu greifen und welchen Angreifer auch immer entgegenzutreten. Doch staunte er nicht schlecht, wer dort plötzlich in der Tür Stand. Mit hoch erhobenen Kopf und einem majestätischen Blick schritt eine Löwin in den Raum hinein, im Maul ein Kleiderbündel. Ein nasses Kleiderbündel, dass kaum fallen gelassen den Raum mit einem nässenden Geruch von Stoff erfüllte.

Auf den Moment des Schreckens hin, musste Dimicus erst einmal durchatmen. Stark geschwächt gab er ein leichtes Ziel ab. Dass Emilia ihn dabei so erschrak, tat der Sache nichts Gutes bei. Noch während er den Dolch wieder an den Gürtel packte, schritt er eilig zur Tür und schloss sie. Sein Herzklopfen beruhigte sich wieder, er blickte auf die Löwin. Unweigerlich kam ihm darauf ein kurzes Lachen. „Ach, Emilia.“, flüsterte er leise vor sich hin. Sein Lachen wandelte sich schnell in Lächeln. Ohne dass er groß Kontrolle darüber hatte, strahlte er Wärme und Zuneigung aus. Am liebsten hätte er sich ihr einfach genähert, sie berührt und ihr die Wärme seine Lächelns über die Hand übertragen. Allerdings kam sie ihm einfach zuvor! Überrascht und doch zufrieden zugleich, fuhren seine Finger durch das weiche Fell der Löwin. Dimicus konnte einfach nicht anders, als sie zu verwöhnen. Ihm war die gesamte Zeit bewusst, dass dort auch ein Mensch vor ihm stand. Dennoch begehrte nichts in ihm auf. Seine Fingerspitzen strichen fest, aber dennoch äußerst zärtlich über den Kopf. Ihr Ohr zuckte etwas, als er es berührte, was ihm nur noch größere Lächeln entlockte. Über die Flanke schloss er seine Massage für die Löwin schließlich ab. Länger hätte er vermutlich nicht die Möglichkeit gehabt. Wie eine Katze wandte sie sich plötzlich einfach ab. Sie war wahrlich einzigartig. Nicht perfektionierte besser ein Bild, als eine unvergleichliche Eigenheit.

Doch etwas geschah völlig außerhalb der Gewohnheit Dimicus'. Ohne angefaucht zu werden oder mit einem vorwurfsvollen Blick, verwandelte sich Emilia einfach wieder in ihre menschliche Gestalt. Neugier und Interesse wurden in Dimicus geweckt, als er diese Fähigkeit zum ersten Mal bei Emilia beobachten konnte. Das Fell zog sich wieder zurück, ihre Haare sprossen aus ihrem Haupt und ihre Anatomie glich sich immer mehr mit der eines Menschen an. Dieser Prozess – er war atemberaubend. Nicht, dass Dimicus um diesen neidisch gewesen wäre, so ließ das Knacken der Knochen und Formen des Fleisches Schmerzen vermuten. Schließlich aber saß dort wieder Emilia, die junge Frau, wie er sie kennengelernt hatte.

Vollkommen unerwartet erhob sie sich und präsentierte sich Dimicus, vermutlich unbewusst. Beinahe aus Reflex drehte sich der junge Mann weg von, sein Blick wich ihrem Körper aus. Der Respekt den er vor ihr hatte, wollte ihm sagen, dass er nicht schauen sollte. Doch etwas anderes regte sich in ihm. Dies war das Wesen welches er – liebte. Nein. Mochte? Liebte? Er schüttelte kaum merklich den Kopf.

Dem Respekt zum Trotz, wagte er dennoch einen Blick auf ihren wohlgeformten Körper. Es hatte ihn nie gekümmert. Nacktheit hatte ihn nie berührt. Doch bei Emilia. Es war anders. Ein Kribbeln erfüllte seinen Bauch und die Brust. Einer seine Hände ballte sich zu Fäusten, versuchten ihn zu beruhigen. Etwas zog Dimicus zu ihr. Doch widerstand er.

Schließlich aber zeigte Emilia auf das Hemd an seinem Leib. Wärme brannte in seinen Wangen. Dimicus fühlte sich ertappt. Sofort kam er aber ihren Wunsch nach und reichte ihr eines seiner Hemden aus der Kommode. Emilia streifte sich dieses über und es reichte, um das Nötigste zu verdecken. Mit einem kecken und entschuldigenden Lächeln zugleich, deutete er eine Verbeugung an.

Während Emilia schließlich zum Essen tigerte und sich ihrem Hunger widmete, schnappte sich Dimicus das Notizbuch. Auf der linken Seite zeichnete sich noch seine Zeichnung ab, die er einige Momente zuvor noch angefertigt hatte. Dimicus setzte sich auf das Bett, Emilia gesellte sich zu ihm und aß. Ziellos wanderte sein Blick durch den Raum, überlegend was er schreiben sollte.

Eine Augenblicke später, fand er schließlich seine Worte: „Wir hatten bis jetzt nicht richtig Zeit, miteinander zu sprechen.“ Sein Blick ruhte kurz auf Emilia. „Es erfreut mich sehr, dass du mit Shazeem gegangen bist. Zugegeben, ich hatte ihm aufgetragen, dich in Sicherheit zu bringen.“ Dimicus grinste kurz und zuckte mit den Schultern. „Er brachte dich zu mir.“

Eine schnelle Bewegung aus dem Augenwinkel riss Dimicus aus den Gedanken. Emilia saß dort mit ausgestreckter Faust. Dimicus wusste gar nicht, was das bedeuten sollte, doch als sie ihre Hand öffnete, flog eine Fliege heraus. Mehrmals musste er blinzeln. Da kam tatsächlich eine Fliege heraus. Mit einem undeutlichen Kopfschütteln widmete er sich wieder seinen Worten. „Ich hoffe, dass du dich hier wohlfühlst.“ Eine weitere schnelle Bewegung aus dem Augenwinkel.

Und darauf ein jämmerliches Husten und Würgen von seiner Seite. Erschrocken blickte Dimicus auf, als er bloß noch die tote Fliege aus dem Mund Emilias fallen ließ. Die Löwin sprang nur noch auf und eilte zum Wasserkrug, den sie gierig einfach trank. Nein, sie trank nicht. Sie soff den gesamten Krug leer. Schwer keuchen stand sie schließlich da. Dimicus wusste gar nicht, was geschehen war. Doch die tote Fliege im Mund? Hatte sie etwa … ?

Das Notizbuch beiseite legend, erhob sich auch Dimicus und schritt an Emilia heran. Sanft legte er seine Rechte auf ihre Schulter und trat vor sie. „Ist alles in Ordnung?“, fragte er, erhaschte dabei einen Blick in ihre Augen. Es war normal, bis auf … „Warte einmal kurz.“, murmelte er vor sich her, mehr an sich gerichtet. Sanft fasste er an Emilias Wange und drehte ihr Kopf in Richtung der Kerzenflammen des Raumes. Ihre sonst runden Pupillen verengten sich augenblicklich. Doch nicht zu einem kleineren Kreis, sondern zu einem horizontalen Strich. „Das ist interessant.“, murmelte er.

Um seine Gedanken zu bestätigen, strich er ihre Haare beiseite. Wenn er es recht in Erinnerung hatte, waren ihre Ohren spitze, sie aber keine Alb. Ihre Haare gaben dann auch diesen Anblick frei. Spitze Ohren. Sanft ließ er von ihre Kopf ab, griff aber ihre Hand zog Emilia hinter sich her. Sie wirkte so, als ob sie die Welt nicht mehr verstand.

Gemeinsam setzten sie sich wieder auf das Bett, Dimicus nahm das Notizbuch in die Hand und schrieb mit Abstand zu seinen vorherigen Worten: „Ich habe darüber gelesen. Dass du Gestaltwandlerin bist, ist ja mehr als deutlich. Doch Gestaltwandler haben auch einen Fluch auf sich lasten. Deine spitzen Ohren und deine Augen – du hast Züge deiner Katze angenommen.“

Ihr Blick blieb vollkommen perplex, gar ungläubig. Gar zog sich einer ihrer Augenbrauen nach oben. Dimicus seufzte. „Warte.“, sagte er trocken, erhob sich und eilte hinaus. Schnell den Wirt des Gasthauses nach einem Spiegel gefragt, einen etwas trüben aber dennoch brauchbaren Handspiegel organsiert und schließlich wieder ins Zimmer zurückgekehrt, saß Dimicus wieder neben ihr. „Schau genau hin.“ Mit einer Kerze als Hilfsmittel demonstrierte Dimicus Emilia, wie sich ihre Pupillen zusammenzogen und zu dünnen Strichen in ihren Augen wurde, wenn sie mehr Licht ausgesetzt waren.
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#93

Beitragvon Emilia » Di 8. Aug 2017, 18:21

Einen Wimpernschlag lang wollte Emilia zurĂĽcktreten, als seine Hand an ihre Wange fuhr. Doch die BerĂĽhrung war so sanft, dass sie es zuliess und ihn bloss anblickte. Eine Mischung aus Neugier und Unsicherheit spiegelte sich in der grĂĽnen Iris wieder.
Obwohl es im Zimmer nicht allzu hell war, konnte sie seine Lippenbewegung im dämmrig flackernden Licht der Kerze gut erkennen.
Interessant? Was war denn bitteschön interessant?!
Ihre Augen verengten sich misstrauisch, als sie seinen prĂĽfenden Blicken ausgesetzt war.
Doch anstatt auf die unausgesprochene Frage zu reagieren, strichen seine Finger ĂĽber ihr Gesicht und schoben dann ihre schokoladenbraunen Locken beiseite. Emilia trat nun ungeduldig einen Schritt zurĂĽck, doch Dimicus schien seine Inspektion sowieso abgeschlossen zu haben.
Bevor sie sich versah, nahm er ihre Hand und zog die ĂĽberrumpelte Frau neben sich aufs Bett, um sogleich ins Notizbuch zu kritzeln.
Sie betrachtete seine vorherigen Worte, während er schrieb, doch es schien ihr nichts zu sein, worauf sie eine Antwort hätte geben müssen. Sie war nun hier, und welche Geschehnisse alle dazu geführt hatten, wollte sie sich lieber nicht allzu genau in Erinnerung rufen. Und obwohl sie sich an dem Ort nicht gerade wie eine Prinzessin fühlte, hatte sie in dem winzigen Raum doch weniger das Gefühl eingesperrt zu sein, als in der mächtigen Villa, wo sie ihr bisheriges Leben gefristet hatte.

Dimicus hatte inzwischen fertig geschrieben.
Ich habe darüber gelesen. Dass du Gestaltwandlerin bist, ist ja mehr als deutlich. Doch Gestaltwandler haben auch einen Fluch auf sich lasten. Deine spitzen Ohren und deine Augen – du hast Züge deiner Katze angenommen.
Emilia runzelte die Stirn und blickte ihren Freund skeptisch an. Ihre Ohren hatten diese Form nicht angenommen. Soweit sie sich erinnern mochte, hatte diese Fehlstellung schon immer zu ihrem Aussehen gehört. Ihre Zofe hatte sich stets darum bemüht, die spitz zulaufenden Lauscher unter ihrer Haarpracht zu verbergen, sobald Besuch zugegen war.
Der junge Mann musste ihre Zweifel bemerkt haben, denn plötzlich sprang er auf und bedeutete ihr zu warten. Nachdenklich fuhren ihre Fingerspitzen an ihrem rechten Ohr entlang und erkundeten die so gewohnte Form – nichts Ungewöhnliches zu erkennen.

Dimicus kehrte zurĂĽck, in Begleitung eines Spiegels.
Emilia schenkte ihm nun tatsächlich ein amüsiertes Lächeln. Sie konnte nicht so ganz begreifen, weshalb er eine solche ernste Miene aufgesetzt hatte. Er liess sich aber nicht beirren und positionierte das Glas vor ihrem Gesicht. Dann nahm er die Kerze zur Hand.
Einen Moment betrachtete Emilia ihre Ohren, dann jedoch beobachtete sie gebannt ihre Augen. Vergessen war die eklige Fliegensituation von eben und auch, dass sie sich über Dimicus Aussage belustigt gezeigt hatte. Fasziniert starrte sie auf ihre Pupillen, die sich tatsächlich veränderten wie die einer Katze. Zu ihrer beiden Verwunderung schreckte sie jedoch nicht davon zurück, sondern war von dem Anblick gar ein wenig angetan und voller Aufregung. Ihr Blick huschte prüfend zu ihrem Begleiter, der noch immer sorgenvoll anmutete. Weshalb dem so war, mochte sie nicht so ganz begreifen. Dann erinnerte sie sich an das Notizbuch.

Fluch? Was meinst Du mit Fluch? Und dann gibt es also noch mehr Menschen wie mich, welche die Gestalt eines Tieres annehmen können? Wo leben sie? Sind sie ein eigenes Volk? Oder ist es bloss eine Krankheit? Dies scheint mir einleuchtender, denn sonst wäre ich doch nicht hier geboren sondern unter meines gleichen.

Die körperliche Veränderung war bereits wieder vergessen, denn die Aussage, dass es offensichtlich noch mehr Gestaltwandler geben musste, war bei weitem aufregender. Emilia war wieder aufgestanden und begann nun wie eine unruhige Löwin im Käfig durch den engen Raum zu kreisen.

Dann kennst Du also noch mehr Gestaltwandler. Können wir sie besuchen gehen? Der Gedanke ist so schön, dass ich mit jemanden über die Verwandlung reden kann. Dass es Leute gibt, die genauso sind, und vor denen ich mich nicht verstecken muss, wie mein Vater es immer wollte.

Ihre Augen funkelten nun voller Begeisterung und Sehnsucht zugleich. Ihr Blick war eine einzige erwartungsvolle Bitte, gerichtet an den jungen Mann vor ihr, der sie noch immer leicht unbehaglich zu mustern schien.
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#94

Beitragvon Dimicus » Sa 12. Aug 2017, 12:48

Die innere Unsicherheit Dimicus', ob Emilia diese Veränderung abschrecken oder gar verängstigen könnte, löste sich schon nach ihren ersten Worten in Wohlgefallen auf. Also hatte sie ihre innere Katze akzeptiert und gar als ein Teil ihres menschlichen Seins angenommen. So würde sich der junge Mann nicht damit auseinander setzen müssen, dass Emilia mit der Veränderung nicht klar gekommen wäre. Tief atmete er durch.

Sein Blick musterte seine Gefährtin, von Kopf bis Fuß. Es wirkte nicht nur faszinierend, wie ein Gestaltwandler dieser Veränderung unterlag. Nein. Auch Dimicus empfand die Veränderung nicht als böses Omen. Eher als eine Erweiterung ihrer Sinne. Sie wirkte ihrem wahren Selbst näher. Genau dieser Gedanke entlockte dem Künstler ein Lächeln. Emilia war eine Schönheit. Nicht nur, weil sie selbst eine Form der Ästhetik war, sondern auch ihrer Einzigartigkeit wegen. Nichts war für Dimicus vergleichbarer, als diese Augen.

Seine Muskeln entspannten sich, als er sich auf dem Bett zurücklehnte. Die Löwin schrieb etwas. Sie schien angestachelt von dem, was Dimicus geschrieben hatte. Zuerst verstand er nicht ganz, was ihre hektischen Blicke und schnellen Finger zu bedeuten hatten. Doch schon im nächsten Moment bekam er die ersten Zeilen ihrer Aufregung zu lesen.

Ihre Hoffnung keimte auf, nicht allein zu sein. Eine Hoffnung, die sehr verständlich war. Scheinbar hatte man ihr verwehrt, genaueres über sich selbst oder ihrem Volk zu erfahren. Entweder zu ihrem Schutz, oder aber zu ihrer Unterdrückung. Doch die Flammen die durch seine Worte und ihre Hoffnung in ihre Augen getreten waren, sie schienen unvergleichlich hell zu sein.

Doch wieder einmal musste es Dimicus sein, der sie enttäuschte.

Ja, es gibt wesentlich mehr von Gestaltwandlern. Gestaltwandler sind ein eigenes Volk, sie huldigen Ardemia. Göttin der Natur und Erschaffung der ersten Gestaltwandler. Du bist ein Teil dieses Volkes und wirst es auch immer sein.

Dimicus seufzte und die Freude über Emilia wurde getrübt von seinen nächsten Worten.

Jedoch fürchte ich, dass es nicht so leicht sein wird, Angehörige deines Volkes zu finden. In der Zivilisation sind sie verrufen. Gestaltwandler werden davongejagt, wenn nicht sogar getötet. Man hat Angst vor ihnen, weil es heißt, dass Gestaltwandler sich in ihrer tierischen Form nicht beherrschen können. Ein Aberglaube, der sich jedoch festgefressen hat. Wenn dem nicht so wäre, würde ich wohl kaum lebend auf diesem Bett sitzen, direkt neben dir.


Ein Lächeln stahl sich auf die Lippen Dimicus'.

Bisher habe ich nur eine Gestaltwandlerin kennegelernt. Malik Al Kubra. Besitzerin eines Bordells in der Stadt. Sie ist Schlangenwandlerin. Sie benutzte Gift, um mich damit zu vergiften und fĂĽr ihre Zwecke einzuspannen. Ich arbeitete zwangsweise fĂĽr sie als KĂĽnstler. Sie gilt jedoch als verschwunden, zum GlĂĽck bin ich auf ihr Gegenmittel nicht mehr angewiesen.


Dimicus blickte auf und folgte den lauernden Schritten Emilias, die sie von einem Ende des Raumes in das Andere trieb. Eine Jägerin, die ihre Beute erlegen wollte.

Ich weiĂź, es mag nicht der richtige Zeitpunkt sein, aber ich muss noch etwas sagen.

Seine Wangen röteten sich.

Du bist wunderschön Emilia. Selbst mein Genie könnte dich nur laienhaft auf eine Leinwand bringen und kein Poet könnte die Worte formen, die dich beschreiben könnten.

Mittlerweile konnte man den Kopf des jungen Mannes nicht mehr von einer Tomate unterscheiden. Seine Hände griffen nach der Decke, kneteten eine Ecke dieser und kamen nicht zu Ruhe. Das Notizbuch hatte er offen neben sich gelegt, damit die Jägerin selbst entscheiden konnte, wann sie es las.
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#95

Beitragvon Rakshor » Mi 6. Sep 2017, 20:27

Zum zweiten Mal hatte Dimicus nun Rakshors Namen geschmäht. Das erste Mal hatte Dimicus sich auf Knien flehend vor ihm entschuldigt, um einer heraufbeschworenen Horde Ghule zu entrinnen und Rakshor hatte noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen. Diesmal jedoch würde die Strafe eintreten. Sie würde Dimicus dort treffen, wo er am verwundbarsten war - bei seiner Zuneigung zu Emilia.

Rakshor riss den Raum mittenentzwei. Emilia wurde in die eine Richtung gewirbelt und Dimicus in die andere. Er selbst erhob sich in ihrer Mitte.

"Du schmähst also meinen Namen, du lächerlicher, erbärmlicher Abklatsch von einem Manne? Du glaubst nicht daran, dass es Konsequenzen geben wird, wenn man den Gott des Krieges schmäht? Dann spürt die Fakten!"

Sand erhob sich.

"Ich belege Emilia mit dem Fluch des Blutdurstes. Ihre Löwennatur wird fortan und auf immerdar einen unersättlichen Hunger auf dein Fleisch verspüren, Dimicus Rosendämon. Wann immer ihre Instinkte erwachen, wird auch ihr Appetit auf deinen Körper stärker werden, selbst dann, wenn sie im Körper einer Frau weilt. Sei es, dass sie im Liebesrausch ihren Verstand vergisst und ihre Zähne in deinen Hals schlägt oder eine ruckartige Bewegung von dir sie dazu bringt, mit der Hand nach dir zu schlagen, als wärst du eine Maus. Wie lange kann sie stets ihren klaren Kopf waren, ihre Kontrolle? Und sollte sie in solch einem Moment die Löwin sein, dann kann dir nichts und niemand mehr helfen als dein Schwert. Wer wird wessen Beute, wenn die Jagd beginnt? Mein Fluch endet damit, dass einer von euch den anderen töten wird, sei es noch heute oder in vielen Jahren. Doch verliere ich an dieser Stelle kein Wort darüber, wer des anderen Opfer wird.

Weidmanns Heil - Löwin und Rosendämon. Möget ihr spüren, wie es sich anfühlt, den Krieg selbst im Herzen toben zu haben."


Mit einem Knall implodierte der Sand und Rakshor war verschwunden. Dort, wo er gewesen war, lagen heiĂźe Glasklumpen.
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#96

Beitragvon Emilia » So 10. Sep 2017, 21:42

Emilias Freude hielt nicht lange und Enttäuschung war in ihren Zügen zu erkennen, als sie die geschriebenen Worte entzifferte. Sie liess die Schultern hängen und starrte einen Moment gedankenverloren auf die Zeilen.
Dann jedoch straffte sich ihr Körper wieder. Dimicus hatte also bereits zwei Gestaltwandler in seinem Leben angetroffen. Demnach musste er ein Gespür dafür haben, sie zu finden. Oder sie waren zumindest doch nicht so selten, wie er behauptete!

Gerade als sie sich wieder auf die schwungvolle Schrift konzentrieren wollte, geschah etwas Unvorhergesehenes.
Wie von einem Sturmwind erfasst, wurde Emilia von dem Bett weg und an die Wand geschleudert. Erschrocken schrie sie auf und spürte sogleich einen stechenden Schmerz durch ihren Körper zucken, der von dem harten Aufprall herrührte. Benommen hob sie den Blick und bemerkte, dass auch Dimicus nicht unverschont geblieben war.
Ihre Aufmerksamkeit wurde jedoch von etwas anderem auf sich gezogen und ihr ganzes Sein schrie ihr zu, dass sie fliehen sollte. Doch sie konnte sich nicht rühren. Stattdessen war sie wie gelähmt und ihre Augen hingen gebannt an der imposanten Gestalt. Obwohl sie nie einen Gott gesehen, noch einen angebetet hatte, wusste sie instinktiv, dass dies eine höhere Macht sein musste. Die Ausstrahlung war unverkennbar und die junge Frau schien regelrecht seine Energie zu spüren, die wie ein Flimmern in der Luft zu schwingen schien.

Umso mehr zuckte sie zusammen, als seine Stimme losdröhnte. Obwohl Emilia taub war, konnte sie jedes Wort klar und deutlich verstehen. Es schien ihr, als würde der Klang in ihrem Inneren nachhallen und sie begann am ganzen Körper zu zittern. Der Gott des Krieges, wie er sich selbst nannte, schien voller Wut zu sein und diese richtete sich gegen Dimicus – und unglücklicherweise gegen sie selbst. Sand wirbelte durch den Raum, und trotz ihrer Angst kam die Gestaltwandlerin nicht umhin Bewunderung zu verspüren.
Emilia wagte sich nicht zu rĂĽhren, obwohl der feine Staub sich auf ihr Gesicht legte, und sie in der Nase biss. Nur langsam sickerten die Worte zu ihrem Bewusstsein durch.
„… Weidmanns Heil - Löwin und Rosendämon. Möget ihr spüren, wie es sich anfühlt, den Krieg selbst im Herzen toben zu haben."
Im nächsten Moment stob der ganze Sand zusammen und in einem hellen Licht implodierte das beeindruckende Schauspiel. Emilias Blick blieb wie versteinert auf den glühenden Glasklumpen hängen, während sie schwer atmete.

Es vergingen einige Minuten bevor sie langsam ihr Gesicht hob und mit den Augen nach Dimicus suchte. Sogleich schossen ihr wieder die Worte von Rakshor durch den Kopf. „Ich belege Emilia mit dem Fluch des Blutdurstes“
Das war das zweite Mal innerhalb einer einzigen Stunde, in der ihr jemand sagte, dass ein Fluch auf ihr lastete. Oder waren es nun sogar zwei?
Emilia versuchte in sich hinein zu horchen, doch alles war still. Katze und Löwin schienen von dem Spektakel ebenso sprachlos zu sein, wie sie selbst es war. Vielleicht war das gar nicht so schlecht? Mochte es gar bedeuten, dass sich nichts verändert hatte. Es war aber kein Traum. Oder?

Vorsichtig bewegte sie sich auf allen Vieren vor und tastete mit der Hand nach dem Glas, das zu mehreren schimmernden Klumpen geformt war. Ihre Finger griffen fest danach, und prompt schnitt sie sich an einer scharfen Kante. Wie um sich zu überzeugen, dass sie nicht träumte, presste sie die Hand fest zusammen, bis ein rotes Rinnsal auf den Boden tropfte.
Voller Furcht klammerten sich ihre Augen an Dimicus fest, der ebenfalls ziemlich benommen wirkte. Er musste wissen, was zu tun war. Wie immer. Oder?
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#97

Beitragvon Dimicus » Mo 11. Sep 2017, 15:36

Gerade noch beobachtete Dimicus, wie die Augen Emilias über seinen Text huschten und die anfänglichen Worte in sich aufnahmen. Gerade noch verzog sich ihre Miene und sie ließ die Schultern hängen. Ein Akt der Enttäuschung und Trauer. Es brach dem Künstler das Herz, seine Freundin auf diese Art und Weise zu sehen, doch hatte er keinerlei Wahl, als diesen Weg zu gehen. Realismus musste stets beibehalten werden.

Blitzartig wurde diese Realität allerdings durchbrochen, als ein lauter knall ertönte und Sand sich in den Raum zu füllen begann. Gerade hatte er noch auf dem Bett gesessen, so wurde er schlagartig gegen die Wand gedrückt und konnte sich keinen Zentimeter mehr fortbewegen. Inmitten des Raumes erstand eine große Figur auf. Der Körper groß, muskulös und der Kopf mit einem Tierschädel bedeckt. Dieses Gestalt. Sie kam Dimicus bekannt vor.

Doch schon in den nächsten Momenten wurde klar, mit wem sie es zu tun hatten. Einen Gott. Rakshor, der Gott des Krieges. Dimicus hatte einiges über ihn gelesen, doch glauben wollte er an ihn nie. Genau wie für ihn die Götter bisher vollkommener Humbug waren. Doch Dinge die Rakshor erzählte und der Fluch von dem er sprach; es kam Dimicus seltsam vertraut vor. So schnell der Gott gekommen war, war er auch wieder verschwunden. Zurück blieb nur Glas und Stille.

Dimicus hatte lange Zeit keine Angst mehr verspürt. Keine Angst, die ihn hätte verfolgen können. Doch dieser Moment zeigte, dass es wieder soweit war. Seine Urinstinkte die er seit der Zeit des Zirkus' als besiegt glaubte, kehrten zurück. Wie eine Puppe sank er in sich zusammen, als die Stille den Raum beherrschte. War das gerade wirklich passiert? Woher kam diese Erscheinung und wieso suchte sie sie heim?

Dann begannen vage Erinnerungen in Dimicus' Kopf zu treten. Sie schienen wie Träume, als er an sie zu denken versuchte. Ein Tribunal. Götter. Rakshor war einer von ihnen. Dann war dort Ardemia. Schließlich Noldil. Doch Dimicus war als Sterblicher nicht allein. Jemand war bei ihm. Ein gewisser Jaro, ein Frostalb. Sie sprachen von Segnungen und Flüchen. Dann verwandelte sich Jaro in eine Bergziege.

Ab diesem Punkt hatten sich die Ereignisse überschlagen. Mit einer Aussage hatte er die Götter geschmäht und vor Rakshor war es nicht das erste Mal gewesen. Seine Strafe hatte er abgetan, jedoch hatte sich Rakshor dann nicht ihm gewidmet – sondern Emilia. Der Gott hatte von einem Fluch gesprochen, unter dem vor allem Dimicus leiden sollte. Diese Erinnerungen, sie durchzuckten seinen Kopf. Er hatte gefleht und gebettelt, auch zu Ardemia und Noldil. Doch niemand wollte seiner gnädig sein. Wie hatte er nur so dumm sein können!

Ruckartig fuhr der Kopf Dimicus' hoch, erwacht aus der Trance die diese Erinnerung hervorgerufen hatte. Sein Körper verkrampfte sich und ein Sturm wehte in seinem Bauch. Keine Schmerzen. Nur Wut. Unermessliche Wut auf sich selbst. Er konnte vor jedem kriechen und sich fügen, um seine Ziele zu erreichen. Doch vor den Göttern war er maßlos – dies bereute er nun. Sein Unglaube hat zu einer Tragödie geführt.

Lang konnte er sich mit dem Gedanken jedoch nicht auseinandersetzen. Dimicus spüre einen hilflosen Blick auf sich ruhen. Sein Kopf drehte sich zu Emilia. Sie sah ihn vollkommen perplex, ängstlich, gar panisch an. Oder war es seine eigene Panik, die aus ihm sprach? Als nächstes fiel sein Blick jedoch auf Emilias Hand, die stark zu bluten schien. Seine Augen weiteten sich, Angst machte sich in ihm breit.

Augenblicklich sprang Dimicus auf. Ohne Rücksicht auf das Glas eilte er zu Emilia hinüber. Sofort kniete er sich vor ihr, betrachtete sie eingehend und stellte keine andere Verletzung fest. Sein rasendes Herz beruhigte sich. Zumindest etwas. „Komm her, schöne Löwin“, sprach er ruhig, als er ihr sanft aufhalf und sie zum Bett brachte. Dort setzte er sie ab, sammelte seine medizinischen Sachen zusammen und setzte sich neben Emilia.

Vorsichtig und doch zugleich liebevoll nahm er ihre verletzte Hand, betrachtete sie wie ein wertvolles Kunststück, welches mit größter Sorgfalt zu behandeln war. Zum Glück war der Schnitt nicht tief oder es steckte noch ein Stück des Glases in der Handfläche. Dimicus riss ein Stück eines Verbandes ab, tupfte die Hand von dem kostbaren Blut sauber. Trotz dessen musste der Schnitt genäht werden, es gab keine Alternative.

Dimicus blickte Emilia in die Augen und begann, langsam einige Worte mit den Lippen zu formen: „Ich werde das nähen müssen. Es wird schmerzhaft, doch sollte schnell vorüber sein. Ich beeile mich, versprochen.“ Mit diesen Worten nahm er auch schon Nadel und Faden in die Hand. Mit sanften Druck fixierte er Emilias Hand, als er Stück für Stück die Wunde vernähte. Eine zweifache Einzelknopfnaht genügte, welche innerhalb von zwei Minuten abgeschlossen war. Darauf folgte die Behandlung mit Wundsalbe und das Anlegen eines Verbandes.

Kaum fertig legte er seine Utensilien beiseite und nahm sich einer seiner Lederhandschuhe. Mit dessen Hilfe nahm er gefahrlos das Glas in die Hand und verstaute es auf der Kommode. Auf den ersten Blick schien es keine Besonderheit aufzuweisen, wenn man von der Form einmal absah.

Mit allem schließlich fertig, setzte er sich neben Emilia auf das Bett. Was ihr jetzt wohl durch den Kopf ging. Sein Blick wanderte immer wieder 'gen Boden, als er nachdachte was er nun sagen sollte. Noch immer steckte ihm der Schock in den Knochen. „Ich denke … ähm … du erwartest von mir Antwort, oder?“ Ein unsicheres Lächeln folgte seinen Worten. „Wer das war, weißt du sicherlich.“

Dimicus' Bein begann zu Wippen, als er weiter nachdachte. „Was diesen Fluch betrifft – wie fühlst du dich?“ Noch immer war sich der junge Mann unsicher, wie er mit der Situation umgehen sollte. Wie sollte man einen Gott entgegnen? Erst recht dessen Fluch? Dimicus war ratlos. Bei einem war er sich absolut sicher: Vorbereitung, Kunst oder Glück würden nicht mehr helfen. Nun musste der Künstler sich daran gewöhnen, indirekt einem Menschen etwas angetan zu haben, den er – liebte. Und dafür eine Lösung zu finden.
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#98

Beitragvon Emilia » Sa 21. Okt 2017, 07:50

Wie in Trance liess sie alles ĂĽber sich ergehen und versuchte gleichzeitig nach ihren inneren Stimmen zu lauschen. Doch fĂĽr den Moment waren sie alle verstummt.
Eine Antwort, das war tatsächlich das, was sie sich wünschte. Warum Dimicus jedoch unbeschadet neben ihr sass und sie in dieser Situation anlächelte, wollte ihr nicht in den Kopf gehen. Wie Hohn kam es ihr vor und ihre Miene verdüsterte sich.
Wie sie sich fĂĽhlte?
Als Sündenbock. Doch vielleicht stimmte das gar nicht. War die Strafe womöglich gar gerechtfertigt? Schliesslich war sie nicht ohne Sünde, hatte ihren Vater verraten, indem sie sich mit dessen Mörder abgab. Oder war es doch Dimicus Schuld, dass der Fluch auf ihr abgeladen wurde?

Bei diesen Gedanken spürte sie ein dunkles Grollen in ihrem Innern. Sie wandte schnell den Blick von ihm ab und starrte auf ihre Handfläche, wo die Wunde sauber vernäht war.
Es galt zu überlegen, ob es eine Möglichkeit gab, den Fluch zu brechen oder ihn aufheben zu lassen.
Vielleicht war es möglich, Rakshors Wohlwollen zu gewinnen?
Oder gab es jemand anderen, der einen göttlichen Fluch brechen konnte?

Bis dem so war, musste sie sich von Dimicus fernhalten. Rakshor hatte bereits die Zukunft vorhergesagt und lieber wollte sie seine Vorhersage nicht auf die Probe stellen.

Von ihren Gedanken wĂĽrde sie Dimicus jedoch noch nichts berichten. Bestimmt wĂĽrde er sie nicht gehen lassen, aus welchen GrĂĽnden auch immer. Wie sie es auch drehte und wendete, er war schuld an ihrer Misere.
Sie stand auf und holte das Notizbuch, das in einer Ecke gelandet war und ziemlich deformiert aussah. Ihr Vater hatte sich wenig für die Götter interessiert, höchstens Dal hatte er manchmal lobgepriesen, wenn er einen guten Handel abgeschlossen hatte. Deshalb war ihr Wissen begrenzt.
Erzähl mir alles über Rakshor. Wie können wir seine Gunst erlangen? Oder die von jemand anderem, der genauso mächtig ist wie er?
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#99

Beitragvon Dimicus » Mo 30. Okt 2017, 18:29

Nachdem Dimicus das Nähzeug und die Medizin an ihren angestammten Platz gebracht hatte, wandte er sich wieder Emilia zu. Für einen Moment wog er noch ihre Hand in seiner Hand und besah sich die Wunde. Auch wenn seine Künste nicht in der Behandlung von Wunden lagen, so war er aber stolz darauf, wie gut die Schnittwunde hatte versorgen können. Das musste man ihm erst einmal nachmachen! Natürlich wusset er, dass es jeder Medicus besser geschafft hätte, doch mit diesem kleinen Detail wollte er sich nicht weiter aufhalten.

Interessanter war jedoch, wie er den Blick Emilias auf sich spĂĽrte. Er merkte, dass sie viele Fragen im Kopf haben musste und wohl erst recht komplett ĂĽberfordert mit der Situation war. Dimicus versuchte einen Blick in ihre Augen zu erhaschen, in denen das absolute Chaos aber auch etwas Wildes zu sehen war. Nur fĂĽr diesen Augenblick trafen sich ihre Blicke, sie wich jedoch schnell aus. Der KĂĽnstler seufzte. Wieviel Zeit ihm wohl bleiben wĂĽrde?

Im nächsten Moment griff Emilia schon zum Buch und schrieb in das Notizbuch. Nachdenklich betrachtete Dimicus seine Freundin. Sein Blick ging zu Boden. Seine Gedanken waren zäh und langsam. Was sollte er jetzt tun? Bevor er jedoch nur einen weiteren Gedanken fassen konnte, schob Emilia das Buch vor seine Nase und er las ihre Worte. Abermals entlocke es seiner Kehle ein Seufzen.

Dimicus fasste sich mit Daumen und Zeigefinger an den Nasenrücken. Er nahm den Kohlestift von Emilia entgegen und begann zu schreiben: Leider weiß ich nicht viel über die Götter. Ich selbst verehre sie nicht und habe kaum einen Glauben an sie. Vermutlich werde ich mich belesen müssen, was Rakshor betrifft. Mein einziger Anhaltspunkt an einen anderen Gott wäre es, sich an Ardemia zu wenden. Auch genannt die Mutter. Sie taucht in Büchern über Gestaltwandler auf und gilt als die Mutter der Wandler. Das ist bisher das Einzige was ich weiß. Tut mir leid.

Der Stift kratzte über das Pergament und zeichnete die schwarzen Linien Dimicus' Worte. Dann hielt er inne. Nachdenklich schaute er auf seine geschriebenen Worte. Da musste noch etwas hin. Eine Erklärung. Du hast eine Erklärung verdient. Leider kann ich sie dir nicht ganz liefern. Ich erzähle dir, was ich weiß. Was hier passiert ist. Für mich fühlte es sich wie ein Traum an. In einer dunklen Ebene stand ich mit einem anderen jungen Mann - einem Frostalben - vor den Göttern. Ich fürchte, ich habe während meiner Anwesenheit dort, die ich mir selbst nicht erklären kann, Rakshor geschmäht. Dimicus schluckte. Nunja, er wollte mich bestrafen, vielleicht gar töten, wer weiß? Doch kam er auf eine ... andere Idee. Er erwähnte dich. Er sagte, er habe in meinen Büchern gelesen und meine Bilder betrachtet. Er kenne meine Gedanken und Gefühle... Ein trauriges Auflachen des Künstlers unterbrach sein Schreiben.

Für einen Augenblick schaute Dimicus nach oben. Nicht nur Röte war in sein Gesicht getreten, sondern seine Augen wurden feucht. Keine Sekunde später verließ bereits die erste, einsame Träne sein rechtes Auge und lief an seiner Wange hinab. Ich wollte das nicht. Er sagte, er wolle mich bestrafen in dem er dich bestraft. Ich ... ich ... hatte doch keine verdammte Ahnung. Einzelne Tränen tropften in das Notizbuch, hinterließen nasse Flecken auf dem Papier. Ich habe gefleht. Noldil, Ardemia, Rakshor. Sie alle straften mich ab und halfen mir nicht. So zog er los ... dieser Rakshor ... und verfluchte dich. Uns. Macht das für mich unerreichbar ... Erneut schluckte der Künstler. Unerreichbar was ich liebe. Etwas was über meine Kunst hinaus geht. Über alles was ich kenne und zu spüren bekam. Ich .. ich habe gebettelt, gefleht. Doch vergebens. Es tut mir so furchtbar leid...

Plötzlich sprang Dimicus auf, schüttelte wild mit dem Kopf. "Tut mir leid", murmelte er. Seine Gedanken rasten. Hass durchzog seinen Kopf. Doch nicht nur gegen Rakshor. Er selbst hasste sich. Für das was er getann hatte. Für das was er angerichtet hatte. Für das, was er nun zu verloren drohte. Ohne zurückzublicken stürmte der junge Mann aus dem Zimmer. Seine nackten Füße trugen ihn in Richtung des Waschraumes. Ihm war es egal wer ihn sah. Er wollte nur allein sein. Und sich selbst für seinen Fehler bemitleiden.
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Re: Komm, sĂĽsser Tod

#100

Beitragvon Emilia » Sa 9. Dez 2017, 22:05

Emilia beobachtete, wie die Kohle über das Papier kratzte und eine schwarze Spur darauf hinterliess. Wie hörte es sich wohl an, das geschrieben Wort?
Sie war enttäuscht zu lesen, dass Dimicus nicht viel mehr über die Götter wusste, als sie selbst. Das schienen ihr keine guten Voraussetzungen zu sein, den Fluch aufzuheben.
Sie konnte ihm ansehen, dass die Unwissenheit an ihm nagte; Keine Lösung für das Problem in petto zu haben. Umso mehr, da er aus irgendwelchen Gründen, die Emilia noch immer nicht wirklich verstehen konnte, schuldig an dem Unglück war.

Als sie jedoch sah, wie seine Schultern unter der Last seiner Gefühle bebten und seine Miene sich verzerrte wegen der innerlichen Qualen, konnte sie nicht anders, als seine andere Hand zu fassen und tröstend zu drücken. Sie fühlte sich kalt an und Emilia fröstelte es in diesem Moment ebenfalls. Während er schrieb und versuchte sich zu rechtfertigen und darzulegen, was er bereits alles versucht hatte, bemerkte sie dies gar nicht. Die katzenhaften Pupillen hatten sich an die Träne geheftet, welche langsam über seine stoppelige Wange rann. Sie reflektierte das Licht und hinterliess eine feuchte Spur auf seiner Haut. Eine Sekunde lang blieb sie an seinem Kinn hängen, fast wie ein Eiszapfen, dann fiel sie wie in Zeitlupe in das Notizbuch hinein und verwischte die Buchstaben. Emilia hob ihren Blick und bemerkte weitere Tränen, die sich nun einem Rinnsal gleich einen Weg über sein Gesicht bahnten. Wie sie wohl schmeckten? Salzig und warm?
Sie musste den plötzlichen Drang unterdrücken, ihm mit ihrer Zunge über die Wange zu lecken, um davon zu kosten.
Doch da wurden ihre seltsamen Gelüste auch schon unterbrochen, denn als ob er ihren Blick gespürt hätte, sprang Dimicus plötzlich auf die Beine und schüttelte wild den Kopf.

Im nächsten Moment stürmte er mit nackten Füssen aus dem Zimmer, ohne sich noch einmal umzublicken. Emilia blieb nach Aussen gelassen sitzen, denn sie hatte beinahe erwartet, dass er die Flucht ergreifen würde.
Sie konnte sich denken, dass er lieber allein sein wollte, um seine GefĂĽhle zu ordnen. Denn es war selten, dass Dimicus ihnen in Gegenwart anderer solch freien Lauf liess.
Also blieb sie und griff stattdessen nach den beschriebenen Seiten. Ihre Fingerkuppen fuhren über die Flecken, welche seine Tränen hinterlassen hatten. Erst danach las sie die Worte.
Ihre Hand zitterte leicht, als sie das Buch schliesslich behutsam zur Seite legte.
Ein trauriges Lächeln umspielte ihre Lippen. Noch vor einigen Tagen hätte sie sich darüber gefreut, wenn Dimicus ihr offenbarte, dass es etwas gab, das über seine Leidenschaft für die Kunst des Todes hinausging.
Etwas, das wichtiger geworden war, als gar seine Werke?
Welch Ironie, dass ausgerechnet aus dieser erblühten Liebe nun ihrer beider Unglück entstanden war – und das auch noch, nachdem sie ihren totgeglaubten Freund erst gerade wiederbekommen hatte!

Schwindel erfasste die junge Frau und sie schlang die Arme um ihren Körper. Sie fühlte sich einsam, doch gleichzeitig wollte sie nicht die Gesellschaft von anderen Menschen erfahren.
Und Dimicus war auch noch nicht zurĂĽckgekehrt.
Sie zögerte, doch dann verwandelte sie sich in ihre Katzengestalt. Es fühlte sich befreiend an und das Schwindelgefühl rückte in den Hintergrund. Das Leben gestaltete sich um so Vieles einfacher im Körper einer Katze. Niemand erwartete von ihr, dass sie freundlich lächelte, unangenehme Korsetts trug oder beim Essen Besteck und Serviette benutzte. Stattdessen konnte sie ihre Aufmerksamkeit an diejenigen verteilen, die ihr Leckereien und Streicheleinheiten zukommen liessen oder ihr die Zeit mit lustigen Fangspielen versüssten. Und wenn sie verborgen bleiben wollte vor neugierigen Augen, so waren die Samtpfoten bestens dafür geeignet, sie lautlos durch die Gänge zu tragen. So wie jetzt.

Ungesehen schlich sich die Tigerkatze in den Waschraum hinein, wo Dimicus mit seinen düsteren Gedanken alleine im Schneidersitz am Boden an der Wand lehnte. Sie tapste auf ihn zu, und beobachtete die Regungen in seinem Gesicht. Noch immer verunzierte der Hass seine Miene, doch auch andere Gefühle kamen dahinter zum Vorschein. Sie stellte ihre Vorderpfoten auf seinen Oberschenkel und beschnupperte ihn, so dass die Schnurrhaare ihn am Kinn kitzelten. Schliesslich sprang sie vollends auf seinen Schoss und kringelte sich dort nach zwei Umdrehungen ein. Das tröstliche Schnurren liess ihren Körper sanft vibrieren und schliesslich fiel das Gefühl der Einsamkeit wie ein alter Pelz von ihr ab.
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