Die Verderbung des Frater Kasimir

Das gem├Ą├čigte Klima bietet beste Bedingungen, aber ist es auch wert, umk├Ąmpft zu werden. Das Herzland ist die Heimat der Urv├Âlker Asamuras, w├Ąhrend die Invasoren des Chaos sich von der Steppe aus verbreiteten und die alten Kulturen bedrohen.

Das Herzland
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Die Verderbung des Frater Kasimir

#1

Beitragvon Kasimir » Mo 26. Dez 2016, 14:41

Unter Frater Kasimir LaVaney w├Âlbten sich die regenschweren Wolken wie ein konturloses Geistergebirge. Sein wei├čer Talar f├╝hlte sich klamm an und er sp├╝rte die K├Ąlte des schweren silbernen Kettenhemdes dar├╝ber. Wegen des Flugwindes hatte er die Kapuze seiner ├Ąrmellosen Robe, die er ├╝ber dem zeremoniellen Kettengewand trug, ├╝ber sein kahlgeschorenes Haupt gezogen. Der Greif bef├Ârderte sie beide sicher ├╝ber die Unbillen des Wetters hinweg. W├Ąhrend unter ihnen Asamura im Regen versank, strahlte ├╝ber ihnen Oril und der Frater f├╝hlte sich ihm nahe. Trotz der K├Ąlte l├Ąchelte er. K├Ârperliche Leiden machten ihm nichts aus. Auch Oril musste leiden, wenn er des Nachts mit Malgorion k├Ąmpfte und sein Leid, das er f├╝r sie alle auf sich nahm, war um ein vielfaches gr├Â├čer. Die ungez├Ąhlten Sterne, verspritzte Tropfen seines silbernen Blutes am Nachthimmel, bezeugten es. In der Ferne hob sich der Gipfel des Skyron ├╝ber die graue Wolkendecke. Dass der Berg sich immer ├╝ber den Wolken befand und das Licht an diesem Orte niemals von ihnen verdeckt wurde, bewies, dass dieser Ort gesegnet war. Die Tempelanlage der Mondpriester war einer der heiligsten Pl├Ątze der Lichtalben. Frater Kasimir konnte die W├Ąrme und den Frieden, der von dem Mondtempel ausging, sp├╝ren, w├Ąhrend er sich ihm n├Ąherte. Von tiefster Entspannung erf├╝llt schloss der Frater seine scharzen Augen und genoss die Strahlen Orils auf dem Gesicht. Sein Greif kannte den Weg und so konnte er sich ganz einem Gebet widmen, in welchem er Oril f├╝r den sicheren Flug dankte. Der Greif ├Ąnderte seine Bewegungen, als er zur Landung ansetzte und ein sanfter Ruck ging durch seinen K├Ârper. Frater Kasimir hatte sein Gebet beendet und stieg aus dem Sattel. Der Greif, ein Tier von wei├čer Grundfarbe mit grauer Wolkung und kurzem, breiten Schnabel, wartete brav, w├Ąhrend er ihm die schweren Satteltaschen abnahm.

┬╗Ah, wir haben Euch schon erwartet┬ź, gr├╝├čte ein Mondpriester, der sich aus dem Tempel n├Ąherte. Im Gegensatz zu dem Greifenreiter trag er keinerlei R├╝stung, sondern nur Stoffkleidung. ┬╗Ich bin Pater Szandor. Mit wem habe ich die Ehre?┬ź
┬╗Frater Kasimir, Hochw├╝rden. Priesterlicher Kurier der Lichtreiter.┬ź Kasimir nahm die Kapuze ab und neigte dem├╝tigt das Haupt, w├Ąhrend er sich vorstellte. ┬╗Ich bringe Dokumente und Nachweise, zahlreiche Briefe und die gew├╝schte Literatur f├╝r Seine Eminenz.┬ź
┬╗Vielen Dank, bitte tragt die Dinge zum Verwaltungsgeb├Ąude. Ihr kennt den Weg?┬ź
┬╗Ich war schon einige Male hier.┬ź
┬╗Hervorragend. Ich werde sogleich einen Novizen schicken, der sich um Euren Greif k├╝mmert und Euch eine kleine Erfrischung serviert.┬ź

Kasimir brachte all die Briefe und Schriftrollen an ihren Bestimmungsort, wo man sie nach einer kurzen ├ťberpr├╝fung einsortierte oder zur weiteren Verteilung bereitmachte. Anschlie├čend f├╝hrte man den Lichtreiter in ein Gastquartier, wo er sich erfrischte, saubere Kleidung anlegte, die nicht nach Greif roch, ├╝ber der er das rituelle Kettengewand der Lichtreiter und seine reich bestickte ├Ąrmellose Robe trug, mit dem G├╝rtel zusammengerafft, der ihn stets daran erinnern sollte, dass er ein Diener war. Er nahm eine kleine Mahlzeit aus einfachen Speisen zu sich, betete und legte sich auf die ungepolsterte Pritsche. Durch die gro├čen Glasfenster schickte Oril goldene Vorh├Ąnge aus Licht zu ihm hinein. Das Zimmer war k├╝hl, Kasimir vom Flug durchgefroren und auch das Wasser in der Waschsch├╝ssel kalt gewesen, so dass er seinen Trotz gegen├╝ber physischen Empfindungen nun doch ein wenig beiseiteschob und sich in eine d├╝nne Wolldecke h├╝llte, ehe er die Augen schloss. Man musste es ja nicht handhaben wie die etwas ├╝bereifrigen Br├╝der im Dienste des Infiniatus, die sich selbst fast zu Tode gei├čelten. Ein gutes Ma├č an Demut war f├╝r einen gew├Âhnlichen M├Ânch wie ihn vollkommen ausreichend, um ein tugendhaftes Leben zu f├╝hren. Frater Kasimir schlummerte bald ein.
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Re: Die Verderbung des Frater Kasimir

#2

Beitragvon JEELEN » Di 27. Dez 2016, 13:23

Varod

Die Fledermaus landete, krallte ihre kleinen Klauen in den nat├╝rlichen Fels des Gebirges und faltete die Fl├╝gel eng um ihren K├Ârper zusammen. Mondlicht schien in dieser Regengeschw├Ąngerten Nacht vom Himmel herab. Ein gn├Ądiges Licht, ein Licht dass ihn und seiner Art nicht schadete und verbrannte.

Die kleine Fledermaus nahm eine aufrechtere Haltung ein und verwandelte sich in einen drahtigen, bleichen Mann.

Einst seine Haut sonnengebr├Ąunt gewesen. Vor langer Zeit war der Mann Rakshaner, ein Mann des S├╝dens, mit einem weichen Gesicht, dass dennoch H├Ąrte ausstrahlen konnte. Aber das war lange her. Mehr als ein Jahrhundert war vergangen, seitdem er zum Vampir geworden war.

Jetzt war seine Haut bleich wie der Mondschein und seine Gesichtsz├╝ge waren hager. Seine einst gl├Ąnzenden braunen Augen die oft voller Lebenslust gestrahlt hatten, waren jetzt zwei schwarze Kohlenst├╝cke, die jeden Glanz verloren hatten. Sie standen im starken Kontrast zu seiner Haut. Aber wer sollte dies schon beurteilen?

Jene die ihn zu Gesicht bekamen, lebten nicht lange genug um anderen davon zu berichten.

Nein, korrigierte sich Varod, einige ├╝berlebten die Begegnung mit ihm schon. Seit jeher hatte er sich geweigert aus seinem alten Volk ein Opfer zu schlagen. Die Rakshaner achteten jeden Ausgesto├čenen. Sogar als Vampir w├Ąre er ihnen sicherlich willkommen. Sie hatten es nicht verdient ausgel├Âscht zu werden. Denn seit Anbeginn ihrer Zeit waren sie Versto├čene gewesen. Wer au├čer seinen ehemaligen Leuten, sollte also verstehen was es bedeutete ge├Ąchtet und gef├╝rchtet zu sein? Niemand konnte das so gut verstehen wie ein Rakshaner. Und genau aus diesem Grund verschonte er sie.

Dennoch sehnte er sich nach jemanden, mit dem er mehr teilen konnte als die blo├če Vergangenheit. Zwar waren Vampire gr├Â├čtenteils Einzelg├Ąnger, aber das bedeutete nicht, dass dies f├╝r alle Vampire zu gelten hatte.

Nach einer Gef├Ąhrtin gel├╝stete es Varod nicht. Ihm stand nicht der Sinn nach einer Partnerschaft. Ihm stand der Sinn danach sein Erbe der Unsterblichkeit weiterzugeben. Er wollte einen Nachkommen, eine Sch├╝ler. Einen Vampir den er nach seinen Vorstellungen formen und anlernen konnte. Seine Hinterlassenschaft an diese Welt.

Und der winzig kleine Funke Rakshaner in ihm gel├╝stete es nach dem Chaos dass ein weiterer Vampir auf Asamura verbreiten w├╝rde. Ja, wenn er es geschickt anstellen w├╝rde, dann w├╝rde er bald einen Z├Âgling haben.

Varods Z├╝ge teilten sich zu einem L├Ącheln, das jede Menschlichkeit vor ├äonen von Jahren bereits verloren hatte.

Wind kam auf, Varod breitete seine Arme weit aus, lie├č sich in Rauch aufgehen und ein St├╝ck vom Wind empor tragen. Dort wechselte er in die Gestalt einer Fledermaus und flog weiter.

Es war eine herrliche, regennasse Nacht. Und er war begierig darauf jemanden das Geschenk der Unsterblichkeit zu ├╝berreichen. Der Vampir lie├č sich von dem Mondschein leiten, hatte er ihm auch sonst immer gute Dienste erwiesen. Auch diesmal w├╝rde es so sein, er w├╝rde ihm den Weg zu seinem Z├Âgling weisen. Die Nacht war jung und hatte gerade erst begonnen.
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Re: Die Verderbung des Frater Kasimir

#3

Beitragvon Kasimir » Di 27. Dez 2016, 15:16

Kasimir erwachte vom Licht des Vollmondes, das tadelnd in sein Zimmer schien und ihn blendete. Schuldbewusst schlug er die Augen auf und erbob sich, wusste er doch, dass ihn sein Erwachen daran erinnern sollte, dass er die abendliche Andacht vers├Ąumt hatte. Der lange Flug war anstrengend gewesen und er hatte nicht nur die Andacht, sondern auch das Abendbrot verpasst. Wenn ein Lichtalb des Nachts erwachte, weil der Vollmond so hell schien, dann war dies ein Zeichen, dass Oril ihn rief und im Kampfe gegen die Dunkelheit die Unterst├╝tzung seines Gebetes ben├Âtigte. Und nat├╝rlich folgte Kasimir diesem Ruf und trat hinaus in die Nacht.

Die Luft war kalt und angenehm frisch, so wie sie das nur im Hochgebirge war. Keine Ger├╝che von Landwirtschaft und Industrie beleidigten die Nase, hier roch man nichts als den Wind und das feuchte Gestein, den Duft der Hochgebirgspflanzen, die man hier in h├Ąngenden G├Ąrten kultivierte. Im Tempel war es nachts keineswegs ruhig, gerade w├Ąhrend des Vollmondes fanden zahlreiche Andachten, Feiern und Gebete statt. Ein vielstimmiger, monotoner Singsang drang aus der gro├čen Gebetshalle, im st├Ąndigen Fauchen des Windes in diesen H├Âhen kaum zu h├Âren. Hinzu kam, dass die Wachposten rund um die Uhr besetzt sein mussten, denn man durfte trotz der vermeintlich sicheren Lage hoch ├╝ber den Wolken nicht vergessen, dass der Skyron am Fu├če belagert wurde. Die extrem steilen und schroffen H├Ąnge mochten zwar f├╝r ein ganzes Heer unbezwingbar sein, dich einzelne Rakshorsanh├Ąnger fanden dennoch hin und wieder ihren Weg hinauf, insbesondere die D├╝sterlinge waren wahre Kletterk├╝nstler und Meister darin, den Mondpriestern das Leben schwer zu machen.

Kasimir versp├╝rte nicht den Drang, sich dem mittern├Ąchtlichen Gruppengebet anzuschlie├čen, ihn rief der Vollmond heute in einer ganz besonderen Weise. Lag es daran, dass heute auch Daibos, der Rote Mond, neben ihm als zweiter Vollmond sichtbar war? Diese Konstellation war selten. Der Frater hatte das Gef├╝hl, dass Oril wollte, dass er sein Gebet hier drau├čen verrichtete, unter seinem sch├╝tzenden Silberschleier aus Licht und er ihm half, bis zum Morgen die Dunkelheit zu bezwingen.

Von Enthusiasmus erf├╝llt verlie├č Kasimir also den Mondtempel und seine schmale Wehranlage und begann auf dem Skyron herumzuklettern, auf der Suche nach einer exponierten Stelle, wo er Oril m├Âglichst nahe sein konnte, ohne dass Schatten den Lichtgott mit ihrer Anwesenheit kr├Ąnkten. Etwas weiter unten ragte eine Felsnadel mit einer abgeflachten Spitze empor, es wirkte so, als k├Ânne man darauf gut sitzen, wenn man einmal hinaufgelangt war. Kasimir beschloss, dass dies sein Platz f├╝r das Gebet werden w├╝rde, ja, er w├╝rde f├╝r Oril einen Cantus singen, wie der Gott ihn noch nie aus seinem Munde vernommen hatte. Er krallte sich an Wurzelwerk und Gesteinsspalten fest, w├Ąhrend er weiter abstieg. Es war nicht einfach, mit den F├╝├čen Halt zu finden und das Gewicht des Kettenhemdes war mehr als hinderlich, doch nach einigen M├╝hen gelangte er schlie├člich am Fu├če der Felsnadel an. Er hielt sich mit den H├Ąnden an dem aufragenden Gestein fest und suchte konzentriert nach Griffen und Tritten, um hinaufsteigen zu k├Ânnen, doch der Stein war hier glatter als erwartet. Von weitem hatte er einfacher zu besteigen ausgesehen.
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Re: Die Verderbung des Frater Kasimir

#4

Beitragvon JEELEN » Di 27. Dez 2016, 19:37

Varod

Die Vampirfledermaus flog durch die Finsternis der Nacht. Der Wind zerrte an dem kleinen K├Ârper, strich durch das zarte Fell des Gesch├Âpfes der Nacht. Der Regen sammelte sich auf den d├╝nnen, sehnigen Flugmembranen und tropfte bei jedem Schlag der Fl├╝gel von deren Spitzen.

Das Licht des Mondes erhellte Varods Weg. Zeitgleich hatte sich ein roter Mond an den Himmel geschlichen. Ein roter Mond! Nicht nur ein voller J├Ągermond stand am Himmel, sondern auch ein Blutmond!

Wenn das nicht ein Zeichen des Schicksals war, oder eine Weisung seines Gottes!
Er wollte Chaos bringen, er wollte ewiges Leben schenken zum Preis des Blutdurstes und nun stand ein blutroter Mond am Himmel! Vorhersehung!

Von neuem Eifer befl├╝gelt, schaute sich der Vampir um. Hier musste irgendwo etwas zu finden sein. Nicht umsonst dieses Zeichen. Ganz in der N├Ąhe war der verhasste Tempel der Mondpriester. Dass sie das Licht des Mondes achteten, konnte Varod noch verstehen, den Rest ihrer Ansichten verabscheute er. Wie alle anderen Priester auch. Heuchler allesamt. Was wussten sie schon von den G├Âttern, die sie so stur und treu verehrten? Scherten sich ihre G├Âtter ├╝berhaupt um sie?

Eine Kontraktion des Abscheus ging durch den kleinen K├Ârper der Fledermaus. Varod hatte nicht vor, dem Tempel zu nahe zu kommen.

Und dann vernahmen seine feinen Ohren das Ger├Ąusch von F├╝├čen und H├Ąnden die sich ihren Weg durch das Gestein bahnten. Irgendjemand kletterte in dieser wundervollen Nacht in den Felsen umher. Er h├Ârte den Mann lange bevor er ihn sah und folgte der Ger├Ąuschspur. Dann endlich kam die Person in Sicht.

Ein Lichtalb! Hier drau├čen, mitten in der Nacht beim Bergsteigen. Der Mann hatte es nicht leicht beim Abstieg. Er suchte Halt an Wurzeln und Felsspalten. Der Weg den er einschlug f├╝hrte ihn zu einer Felsnadel. Die Ausr├╝stung des Alben machte es ihm nicht leichter in dieser Umgebung zu Recht zu kommen. Varod umflog den Alben gro├čz├╝gig und steuerte direkt die Felsnadel an. Sein kleiner dunkler K├Ârper w├╝rde kaum von dem Alben wahrgenommen werden. Dazu war der Mann zu sehr mit sich selbst und seiner Kletteraktion besch├Ąftigt.

Varod hockte zwischen dem Ger├Âll und starrte gebannt zu dem Alben hoch. Sein Aufgabe war klar, er musste seinen zuk├╝nftigen Z├Âgling jetzt gut beobachten. Gut ÔÇô beobachten konnte man auf verschiedene Weisen dachte er. Er jedenfalls nutzte im Moment nicht nur seine Augen, sondern auch seine Ohren. Unbeweglich verharrte er ganz in der N├Ąhe und verlie├č sich wie so oft auf seine Sinne. Belauschte die Ger├Ąusche die der Alb verursachte und nahm jede noch so kleine Info in sich auf. Er hatte Zeit. Er hatte gewaltig viel Zeit.
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Re: Die Verderbung des Frater Kasimir

#5

Beitragvon Kasimir » Do 29. Dez 2016, 10:57

Geschafft! Von Gl├╝ckseligkeit erf├╝llt stand der Frater auf dem Plaeau, was gro├č genug war, als dass man sich im Schneidersitz darauf niederlassen konnte. Wenn man zusammenr├╝ckte, w├╝rde vielleicht noch eine zweite Person daneben passen. Er blieb jedoch stehen, eine schlanke Silouette vor der Scheibe des gro├čen Mondes, um seine Lungen zur G├Ąnze entfalten zu k├Ânnen und begann voll Leidenschaft einen Cantus zu Ehren des Silberbl├╝tigen hinauf zu den beiden Monden zu schicken:

Der Weise flieh' den finstern Weg
und streb' hinauf zum Lichte,
Schritt f├╝r Schritt, des Lebens Steg,
wo Weltlust wird zunichte.

Dein Leuchten macht die Ferne nah,
macht aus Dunkel Sternenglanz,
f├╝hrt das Herz aus Schall und Wahn
hinauf zur Freude ganz.*


Da Kasimir im Singen geschult und mit einer hellen, glockenklaren Stimme gesegnet war, trug der Wind den Cantus weit in die Mondnacht hinaus.



*Frei nach: Dhammapada, 87. Vers und Dr. Carl Peter Fr├Âhling
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Re: Die Verderbung des Frater Kasimir

#6

Beitragvon JEELEN » Do 29. Dez 2016, 22:08

Varod

K├Ąlte, Dunkelheit, st├╝rmischer Wind und Regen, all diese Faktoren hatten keine Bedeutung f├╝r ihn. Seine gesamte Weltsicht schrumpfe auf die Distanz zwischen sich und dem Alben zusammen.

Als der Alb seinen Gesang beendet hatte, wartete Varod noch einen Augenblick ehe er lautlos seine Gestalt wechselte. Der Gesang war verstummt und einen Moment sp├Ąter erklang Beifall.

"Erstklassig gesungen Alb. Bis auf den Text und f├╝r wen Du gesungen hast. Du hast Talent", sagte Varod.

Der Vampir musterte den Mann mit einem unnat├╝rlichen, uners├Ąttlichen Hunger aus seinen kohlschwarzen Augen. Aber der Alb erkannte auch sofort, dass kein lustvolles Begehren in diesem Hunger lag. Varod schwieg einen Moment, ganz in seine Musterung vertieft, da er seinen zuk├╝nftigen Z├Âgling genau absch├Ątzen wollte. Er schien zufrieden zu sein mit dem was er sah.

"Du musst keine Angst vor mir haben Priester. Ich wei├č, dass wirst Du mir nicht glauben. Aber ich verspreche Dir, wenn Du vern├╝nftig bist und ich hoffe das bist Du, dann werde ich Dir nichts zu Leide tun. Im Gegenteil. Ich bin hier weil ich Dich auserw├Ąhlt habe ein Geschenk von mir zu erhalten.

Aber nicht nur Du erh├Ąltst ein Geschenk, Du wirst mein Geschenk an die Welt sein. Nat├╝rlich begreifst Du das noch nicht. Aber bald mein junger Freund.

Nun bist Du bereit Dein Geschenk zu empfangen, oder muss ich Dich vorher noch erziehen mein Z├Âgling? Es ist Deine Wahl", sagte der Vampir.

Er selbst hatte damals vor einem Jahrhundert keine Furcht versp├╝rt als ihm das Geschenk ├╝berreicht wurde, blo├č dunkle Faszinierung. Er sah f├╝r sich als Vampir eine gute Zukunft voraus. Wobei nicht nur eine gute Zukunft, das wurde ihm mit einem Schlag bewusst, sondern einer endlosen Zukunft mit endlosen neuen M├Âglichkeiten.

Der Alb, sein Z├Âgling musste begreifen, dass es nicht ausreichen w├╝rde einfach nur gebissen zu werden. Es gen├╝gte nicht, sich einfach nur zu verwandeln.

Nein zu dem Geschenk geh├Ârte mehr! Er musste von Varod lernen die Welt mit neuen Augen zu sehen.

Ihm wurde schlie├člich eine Gabe verliehen! Aber diese Gabe verlangte eine Gegenleistung. Nichts gab es umsonst. Die Gabe forderte einen Teil seines Selbst, forderte ein St├╝ck seiner Seele.

Und ein St├╝ck Seele, war ein geringer Preis f├╝r Unsterblichkeit.
So sah es Varod. Und er w├╝rde seinen Z├Âgling ├╝berzeugen, davon war der Vampir fest ├╝berzeugt.
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Re: Die Verderbung des Frater Kasimir

#7

Beitragvon Kasimir » Sa 31. Dez 2016, 13:40

Kasimir fuhr herum. Sein Herzschlag beschleunigte sich von einem Augenblick zum anderen auf das dreifache. Ein Rakshaner? Seine Kleidung und seine Gesichtsz├╝ge lie├čen dies vermuten. Wie war der so schnell unbemerkt hier herauf ....?! Ehe der Frater seine Gedanken sortieren konnte, begann der Mann zu sprechen. Er redete v├Âllig unbefangen, als h├Ątte er keinerlei Sorge, dass Kasimir oder einer der gar nicht weit entfernten Tempelwachen ihm etwas antun k├Ânnte. Woher r├╝hrte diese Sicherheit?

"Behaltet Euer Geschenk f├╝r Euch, Sklave Rakshors", blaffte Kasimir. "Was es auch sei, ich will es nicht! Wenn Ihr meint, Ihr k├Ânntet Euch bei mir einkaufen, dann..." In diesem Moment wurde er des bleichen Hauttons gewahr und es fiel Kasimir wie Schuppen von den Augen. "Ihr seid ...!" Er war noch nie einem Vampir begegnet, doch als Lichtreiter war er dazu ausgebildet worden, die untote Brut zu erkennen - und sie zu bek├Ąmpfen. Er war nur ein kleiner M├Ânch am Beginn seiner Ausbildung. Erst vor wenigen Wochen hatte er sein Gel├╝bde abgelegt, sein Haupthaar geschoren und war zun├Ąchst mit einfachen Kurieraufgaben betraut worden. Jetzt stand er das erste Mal im Leben einem von jenen gegen├╝ber, die er bek├Ąmpfte. Er bereute, allein den Hang hinabgeklettert zu sein!

Er stie├č in seiner Panik dem Manne mit beiden H├Ąnden gegen die Brust, damit er von der Felsnadel st├╝rzte oder Kasimir zumindest einen Augenblick Zeit h├Ątte, seinen Silberdolch zu ziehen. Er hoffte, dass der geweihte Anh├Ąnger um seinen Hals mit Mond und Sonne des Oril eine zumindest abschreckende Wirkung entfalten w├╝rde.
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Re: Die Verderbung des Frater Kasimir

#8

Beitragvon JEELEN » Sa 31. Dez 2016, 14:37

Varod

Der Vampir machte einen Ausfallschritt nach hinten um dem Sto├č des Alben abzufangen. F├╝r den winzigen Moment wo die H├Ąnde des Alben den Vampir ber├╝hrten, sp├╝rte er die K├Ąlte des K├Ârpers. Aber schlimmer noch war f├╝r den Mann Gottes zu f├╝hlen, dass sein Gegner keinen Herzschlag hatte. Sein eigener hingegen raste. Der Alb wusste nach dieser Ber├╝hrung mit Sicherheit sein Gegen├╝ber war schon lange tot und dennoch war er lebendig.

Varod schmunzelte belustigt ├╝ber den Schrecken im Gesicht des Alben und die kratzb├╝rstige Art, mit der er das Geschenk ablehnte, obwohl er nicht wusste worum es dabei ging. Wobei, vielleicht ahnte er worauf dieser Zweikampf hinauslaufen w├╝rde. Andernfalls h├Ątte sich der Alb wesentlich schneller gefasst und nicht so eine seltsame, fast infantile Angriffsmethode gew├Ąhlt.

"Genau ich bin... unsterblich. Und Du bist es gleich ebenfalls", zischte der Vampir am├╝siert.

Varod schoss auf den Alben mit einer einzigen flie├čenden Bewegung zu. Er schwang in der gleichen Vorw├Ąrtsbewegung eine Hand von unten vor, griff zu und seine Finger schlossen sich fest um die Kehle seines zuk├╝nftigen Z├Âglings.

Der Vampir dr├╝ckte so fest zu, dass er f├╝r einen Bruchteil einer Sekunde den Kehlkopf des Alben knirschen f├╝hlte.

Im gleichen Moment bohrte sich kaltes Metall in seine Handfl├Ąche. Allerdings wirklich nur f├╝r eine Sekunde, denn schon im n├Ąchsten Augenblick schlug seine Haut Blasen und verbrannte. Mit einem schroffen Knurren ungl├Ąubiger Wut riss Varod seine Hand zur├╝ck und presste sie gegen seine Brust.

Langsam wich er ein St├╝ck zur├╝ck und musterte den Alben aus schmalen, unheilvollen Augen. Die Muskeln unter der wei├čen Haut waren angespannt, den Kiefer hatte Varod vor Zorn fest zusammengebissen. F├╝r einen Moment war der Vampir verwirrt, bis er begriff, was ihn verletzt hatte.
Er sch├╝ttelte seine l├Ądierte Hand, bewegte probeweise die Finger und musterte den Alben grantig.

"Meinst Du Dein priesterlicher Hockus-Pockus w├╝rde Dich sch├╝tzen? Das ist blo├č eine Fleischwunde", tat Varod die Verletzung ab. Hielt aber den Sicherheitsabstand zu dem Alben ein.

Der Vampir ging in Kampfstellung. Er w├╝rde diese Beute niederk├Ąmpfen und sich so seinen Z├Âgling verdienen. Nichts was sich kampflos ergab, war es wert es zu besitzen. Allerdings musste Varod aufpassen. Sein Opfer w├╝rde um sein Leben k├Ąmpfen und ihn dabei vernichten wollen. Er hingegen musste so k├Ąmpfen, dass dem Alben kaum etwas geschah. Brachte er ihn vorher um, starb der Alb bevor er das Geschenk ├╝berreicht bekam, dann war die ganze M├╝he vergebens. Dass konnte nicht Sinn und Zweck dieser Nacht sein.

Varod begann den Mann langsam zu umkreisen. Seine Verwandlung hatte mehr mit ihm angestellt, als ihn in einen unsterblichen, bleichh├Ąutigen Mann zu verwandeln, der sich von Blut ern├Ąhren musste. Von Jahr zu Jahr hatte er seine T├Âtungsf├Ąhigkeiten perfektioniert. Jetzt wollte er sie im vollen Ma├č aussch├Âpfen, allerdings nicht um zu t├Âten, sondern diesen widerspenstigen Alben auf dem Felsen festzunageln und ihm die Z├Ąhne in den Hals zu schlagen.

Dann mit einem Tempo das der Alb dem Vampir sicher nicht zugetraut h├Ątte griff Varod an. Vorw├Ąrts getrieben von einem Blutdurst der niemals ganz gestillt werden konnte und dem Verlangen diesen Alben zu seinem Eigentum abzustempeln.
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Re: Die Verderbung des Frater Kasimir

#9

Beitragvon Kasimir » Sa 31. Dez 2016, 15:21

Kasimir bekam es mit der nackten Angst zu tun. Alles, was er bisher in seiner Ausbildung gelernt hatte, war vergessen. Dieser Vampir hatte Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte an Kampferfahrung und er selbst war nur ein M├Ânch, der gerade eben erst sein Novizengewand gegen die Tracht eines Lichtreiters getauscht hatte. Er w├╝rde ihn aussaugen und seinen Leichnahm den Ghulen zum Fra├č vorwerfen! Panik stieg in ihm auf, die jede Vernunft beiseitewischte. Mit einem Schrei sprang Kasimir von der Felsnadel, brach durch mehrere Etagen schneebedekctes Unterholz und rollte sich ├╝berschlagend den Skyron hinab. W├Ąhrend er herunterpolterte, fiel ihm ein, was f├╝r eine dumme Idee das gerade gewesen war, denn er entfernte sich nun mit halsbrecherischer Geschwindigkeit von seinen Br├╝dern im Mondtempel. Der Skyron war steil und der Sturz schnell. Binnen weniger Augenblicke war der Lichtalb etliche Meter heruntergerollt, wobei er sich zahllose Prellungen hollte, auch wenn er sie gerade nicht sp├╝rte. Doch sein Schrei war nicht unbemerkt geblieben. W├Ąhrend Kasimir irgendwie versuchte, seinen Sturz abzubremsen und dabei eine kleine Lawine aus Ger├Âll, Schnee und struppigen Pflanzen mit sich riss, antworteten sein Greif hoch oben im Mondtempel und stie├č sich von der Mauer ab. Eine Silouette mit fast sieben Metern Fl├╝gelspannweite kreiste suchend ├╝ber dem Berg, als Kasimirs Knie sich in einer Felsspalte verkeilte und er mit einem schmerzhaften Ruck h├Ąngen blieb. "Oril steh mir bei", st├Âhnte er und tastete mit zerschundenen Fingern nach Halt.
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Re: Die Verderbung des Frater Kasimir

#10

Beitragvon JEELEN » Sa 31. Dez 2016, 16:19

Varod

Varod schaute dem Alben hinterher. Wie stark musste die Verblendung von dem Mann sein, dass er den endg├╝ltigen Tod in Kauf nahm, anstatt das Geschenk des ewigen Lebens mit Freude annahm?

Der Vampir verwandelte sich in eine Fledermaus und st├╝rzte dem Alben hinterher, allerdings ohne dabei jeglichen Bodenkontakt und die dazugeh├Ârigen Verletzungen zu kassieren.

Der Sturz des Alben kam zu einem j├Ąhen Ende, als sich sein Bein in einer Felsspalte verkeilte. Der Mann Gottes blieb dort h├Ąngen und suchte nach Halt.

Varod landete in der N├Ąhe von ihm und krallte sich am Untergrund fest. Erst als er sicheren Halt gefunden hatte, nahm er menschliche Gestalt an und wollte schon nach dem Alben greifen, aber auf halben Weg zuckte seine Hand zur├╝ck.

Der Vampir suchte den Nachthimmel ab und musterte argw├Âhnisch die gro├če Gestalt am Himmel. Noch hatte das Wesen sie beide nicht entdeckt.

"Dummkopf! Was sollte das? Bist Du so leichtfertig bereit Dein Leben wegzuwerfen und zu sterben, nur um Deine seltsamen Prinzipien durchzusetzen? Ist Selbstmord nicht gegen das Gebot Eures Gottes?

Zudem was wei├čt Du schon Sterblicher?
Nichts!
Du wei├čt nur das was Dir Deine sch├Ąndlichen Oberh├Ąupter eingetrichtert haben.

Hast Du je der anderen Seite neutral Dein Ohr geschenkt? Wenn Du dem wahren Glauben folgst, wieso bist Du sterblich und ich bin es nicht? Wer von uns beiden ist gesegnet?

Unsterblichkeit... lass Dir das auf der Zunge zergehen. ├ťberlege nur was Du alles erreichen kannst, wenn Zeit keine Rolle mehr f├╝r Dich spielt. Das biete ich Dir", raunte der Vampir ├╝ber den Sturm hinweg.

"Friedensangebot. Nimm meine Hand und ich helfe Dir. Ich w├╝nsche nicht Deinen Tod, im Gegenteil. Falls Du immer noch sterben willst, w├Ąre das kein Problem f├╝r mich. Auch den Wunsch kann ich Dir erf├╝llen Alb. Nur egal welche Entscheidung Du triffst, nimm diesen verfluchen Anh├Ąnger ab. Sonst kann ich Dir nicht helfen", schlug der Vampir vor und musterte den Alben von seiner Position aus.
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