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BeitragVerfasst: Do 24. Aug 2017, 15:25 
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Volk: Waldalben
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Die Dinge entwickelten sich anders, als Alaryah es sich gewünscht hatte.
"Nun, Hauptmann, was sollen wir tun? Wir haben außerdem noch diese Frau hier bei uns, vielleicht kann sie weitere Auskünfte geben? Schließlich war sie anscheinend eine lange Zeit bei den Eindringlingen.". Der Hauptmann nickte knapp. "Wir sollten sie erst einmal zu unserem nächsten Stützpunkt bringen.", beschloss er. "Das wird wohl das beste sein, denke ich.", stimmte Alaryah zu. "Jaro wird mit uns kommen, er soll mein Gast sein.". Der Hauptmann hielt inne, wollte anscheinend etwas dazu sagen, aber tat es nicht. Dann nickte er schließlich kaum merkbar und ging voran. "Es sei denn, du möchtest lieber unter freiem Himmel übernachten, Jaro?". Zwar hatte sie etwas über Jaros Kopf hinweg entschieden, jedoch schien Alaryah dies wirklich nur als ein nettes Angebot zu meinen.

Die Strecke zu dem Stützpunkt war recht schnell zurückgelegt. Wieder ging es über versteckte Wege, einmal passierte die kleine Gruppe eine schlanke, fein ausgearbeitete Holzbrücke, welche sich über einen plätschernden Bach spannte. Schließlich erreichten sie ihr Ziel.
Der Stützpunkt bot Platz und Unterkunft für eine Besatzung von ungefähr dreißig Mann, jedoch war er nicht voll besetzt. In den umliegenden Baumkronen trohnten Baumhäuser auf massiven Holzbalken, allesamt mit Brücken und Seilen verbunden. Leichter Wind und das durch das Blattwerk fallende Sonnenlicht sorgten dafür, dass diese Konstruktionen teilweise im Blattwerk zu verschwinden schienen. Anstatt breiten Mauern war eine Palisade um das Lager gezogen worden, hier und dort mit Treppenaufgängen, Plattformen und kleinen Toren.
Der Hauptmann führte die Gruppe zu einem Baum an dem eine Art Aufzug heruntergelassen wurde, sodass sie die oberen Ebenen erreichen konnten. Dort angekommen bekam jeder ein Quartier zugewiesen. Natürlich wurde darauf geachtet, dass die tätowierte Frau unter Beobachtung blieb, daher gesellten sich bald zwei Wächter dazu. "Reine Vorsichtsmaßnahme.", erklärte der Hauptmann und Alaryah nickte verständnisvoll. So wirklich geheuer war ihr die Frau mittlerweile auch nicht mehr...



Der Tag neigte sich dem Ende zu und nach und nach wurden kleine Laternen entzündet. Alaryah mochte diese abendliche Atmosphäre sehr und so verließ sie bald ihr Quartier. Sie lehnte sich an die Brüstung und ihr Blick wanderte gelassen umher, das ein oder andere Glühwürmchen verfolgend. Viel Zeit war vergangen, seitdem sie das letzte Mal diesen Stützpunkt besucht hatte, viel verändert hatte sich hingegen nicht. Schließlich wandte sie sich ab und schlenderte zu Jaros Quartier hinüber.
"Hey, Jaro.", begrüßte sie ihren Reisegefähten. "Wie fühlst du dich hier im Waldreich, ist alles in Ordnung? Wie war das Abendessen? ". Ein kurzer Blick wanderte durch den Raum. "Meinst du, du wirst hier gut übernachten können? Falls du etwas brauchst oder dergleichen, frag oder ruf mich einfach.". Es kam nicht oft vor, dass Außenstehende hier zu Gast waren, daher fragte Alaryah lieber genauer nach. Sie streckte sich ausgiebig und setzte sich auf den Boden. "Morgen werden wir das weitere Vorgehen planen. Ich denke es ist erst einmal wichtig, dass wir zu der Frau durchdringen. Ich hoffe nur, dass sie keine Gefahr darstellt.". In Alaryahs Gedanken flogen noch einmal die Puzzleteile umher. "Alessa...Geisteskünste...und dann diese Karte.", murmelte Alaryah vor sich hin. Der Hauptmann hatte die Karte zur sicheren Verwahrung einbehalten, wollte andere Alben von hohem Rang danach fragen um bis zum nächsten Morgen mehr herauszukriegen. Wahrscheinlich, so schätzte Alaryah, wurden nun auch die Wachtposten aufgestockt...vor allem auf den Waldwegen zu den heiligen Stätten.
Plötzlich hob Alaryah den Kopf und schaute Jaro besorgt an. "Was, wenn wir die Gefahr gerade mit hier hingebracht haben?", flüsterte die Albin schon fast.

Die sich langsam während der Gespräche entfaltende Gemütlichkeit wurde plötzlich von einem lauten, spitzen Schrei unterbrochen. Alaryah sah Jaro mehrere Sekunden lang an, sprang dann auf und huschte hinaus.
"Was ist passiert?!", fragte die Albin den Wächter vor dem Quartier der tätowierten Frau, welches nicht einmal einen Steinwurf entfernt war. Noch bevor der Alb antworten konnte hatte Alaryah jedoch schon die besagte Frau erspäht, die scheinbar leicht panisch vor dem zweiten Wächter davonrannte. Alaryahs Augen verengten sich. "Das lassen wir mal schön bleiben.", hauchte sie und nahm die Verfolgung auf. Wie eine Katze sprang Alaryah umher und holte langsam aber sicher zu der Flüchtigen auf. "Schneid' ihr von dort aus den Weg ab!", rief Alaryah in die Richtung, in der sie Jaro vermutete und gab ein Handzeichen. "Sie darf uns nicht entkommen.". Ihr Blick wurde finster. Jagen.
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BeitragVerfasst: So 27. Aug 2017, 12:23 
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Jaro legte sein Gepäck neben das weiche Flechtwerk, das heute Nacht sein Bett sein würde. Sein Quartier befand sich gut 20 Meter über der Erde, ein hölzerner Raum, der trotz seiner wenigen Fenster vom goldenen Licht des scheidenden Tages durchflutet wurde. Eine Schiebetür trennte den Raum von dem Holzsteg, der ihn mit dem schwebenden Häusernetz verband. Zunächst hatte Jaro sich gefragt, wie weit sie zu dem Stützpunkt wohl gehen mussten, denn der Wald war überall stark bewachsen und unberührt gewesen. Nichts hatte auf albische Spuren hingedeutet, geschweige denn, einen ganzen Stützpunkt. Selbst als sie eine hölzerne Brücke erreicht hatten, hatte sich das Erscheinungsbild des Waldes nicht geändert und so hatte Jaro nicht schlecht gestaunt, als die Gruppe auf einmal vor dem Stützpunkt stand, der sich derart zwischen die Bäume schmiegte, als gehöre er selbst zur Natur. Glücklicherweise waren nicht allzu viele Waldalben vor Ort, sodass Jaro sich trotz seines fremdartigen Aussehens nicht zu sehr beobachtet fühlte. Die normale Nervosität unter Leuten… wenn auch eher unbegründet, denn er hatte ohnehin das Gefühl, dass der tätowierten Frau ein weitaus größeres Interesse galt, als ihm.
Er konnte es nicht verdenken. Sie ging noch immer stumm mit der Gruppe mit, fast wie ferngesteuert und ohne ihre Umgebung wirklich wahrzunehmen. Sie war nicht weit entfernt untergebracht und vor ihrer Tür waren Wachen postiert. Fast hatte Jaro damit gerechnet, dass auch bei ihm jemand abgestellt würde. Ihm war die Skepsis des Hauptmanns nicht entgangen. Und doch konnte er ihn verstehen. Oft genug hatte seine Mutter ihm geraten, auf seine Körpersprache und seine Mimik zu achten, um keine so abweisende Wirkung zu erzeugen. Besonders gut war er darin nie geworden und da war es ja nur logisch, dass ihm auch andere mit einem gewissen Misstrauen begegneten, vor allem wenn es darum ging, ihn durch behütete Gegenden der eigenen Heimat zu führen. Jaro war froh, dass Alaryah da war, die ihn von Anfang an sehr warmherzig aufgenommen und ihm nun auch einen bequemen Schlafplatz für die Nacht ermöglicht hatte. Er musste zugeben, dass er sich auf das weiche Bett freute, nachdem er so lange in der Wildnis geschlafen hatte, auch wenn er sich gleichzeitig etwas unwohl fühlte, die Gastfreundschaft der Waldalben zu strapazieren.
Ein freundlicher Alb brachte ihm zu Essen und zu Trinken und Jaros knurrender Magen dankte ihm lautstark. Nach dem Essen schob er die Tür einen Spalt auf und blickte sich um. Unten im Stützpunkt herrschte reges Treiben. Einige Waldalben arbeiteten an der Befestigung, andere kamen gerade von Streifzügen zurück oder brachen zu solchen auf. Jaro erspähte den Hauptmann, der gerade mit einer jungen Albin sprach, die soeben erst den Stützpunkt betreten hatte. Als spürte er seinen Blick, sah er nach oben, Jaro direkt in die erschrockenen Augen. Sie musterten sich einen Moment, Jaro unschlüssig, ob er wegsehen sollte, und schließlich nickte der Mann leicht mit dem Kopf – es war eine freundliche Geste.



Später kam Alaryah bei Jaro vorbei.
„Danke, es ist wunderbar hier“, versicherte er ihr und klopfte etwas unbeholfen mit der Hand auf das Bett, um glaubwürdiger zu wirken. „Die Höhe macht mir nichts aus, ich schlafe oft auf Bäumen. Ich hoffe nur, ich bin keine Last?“
Sie kamen schließlich auf die Frau zu sprechen und als Alaryah ihre Bedenken äußerte, beschlich auch Jaro ein merkwürdiges Gefühl. Vor der Reise waren die Halunken auf einen Befehl hin in Alessa gewesen und die Worte des Kahlkopfes ließen keinen Zweifel daran, dass dieser Besuch mit der Exkursion ins Waldalbenreich zusammenhing. Es konnte also gut und gerne sein, dass diese Stadt auch etwas mit der geheimnisvollen Frau zu tun hatte und Alaryah hatte Recht: konnte es ein Zufall sein, dass Alessa eine Hochburg des Geisteskünste war und diese Frau ein derart merkwürdiges Verhalten zeigte? Ja, die Männer hatten sie behandelt, wie eine Gefangene, doch was, wenn das nur zum eigenen Schutz geschehen war? Sollte Alaryahs Befürchtung gar zutreffen, hatten sie dem Feind erst ermöglicht, in innere Kreise des Landes zu gelangen?
„Aber wir waren so lange mit ihr alleine. Hätte sie diese Chance nicht ergreifen können, uns zu überwältigen oder zu benutzen?“, sagte Jaro, auch wenn er nicht wusste, ob er sich damit nicht eher selbst beruhigen wollte. „Wahrscheinlich hat ihr wirklich nur jemand etwas Schreckliches angetan.“ Jemand, der über ausreichend Informationen und Einfluss verfügte, an eine scheinbar streng geheime Karte und deren Bedeutung heran zu kommen? Sie konnten es nicht lösen und mussten sich darauf verlassen, dass der Hauptmann Genaueres in Erfahrung bringen konnte. Immerhin wussten die Waldalben nun über die Eindringlinge Bescheid und konnten Maßnahmen ergreifen. <Wenn hier alle solche Fähigkeiten besitzen wie Alaryah und der Hauptmann, braucht man sich eigentlich keine Sorgen um die Sicherheit des Reiches machen>, dachte Jaro und ihr Gespräch entwickelte sich in eine andere Richtung.
Alaryah erzählte von Orten, die noch viel größer und faszinierender waren, als dieser Stützpunkt, mit ganzen Städten hoch oben in den Bäumen. Jaro hoffte, einmal einen solchen zu Gesicht zu bekommen und begann der Waldalbin dann von Avinar und seiner Heimat zu erzählen. Es war ein angenehmes Gespräch und Jaro zweifelte, schon jemals so viel mit jemandem gesprochen zu haben. Er lehnte sich an die Wand und wollte gerade von dem köstlichen Kräutertee trinken, der ihm in einer Karaffe mit dem Essen gebracht worden war, als ein markdurchdringender Schrei die Luft zerschnitt.

Jaro wusste nicht, ob es Furcht war, die ihn antrieb, oder einfach Instinkt, aber auch er eilte hinter der Flüchtigen her. Die tätowierte Frau war schnell und behände und als er schon meinte sie in der Falle zu wissen, traute Jaro seinen Augen kaum. In Windeseile kletterte sie einen der Bäume hinab, bestieg die Palisadenbefestigung und verschwand auf der anderen Seite im Dunkeln. Alaryah hatte fast zeitgleich eines der starken Seile ergriffen und schwang sich elegant nach unten, um der Frau hinterherzujagen. Jaro war auf einer parallel gelegenen Brücke entlang gerannt und hatte Glück, dass sich in seiner unmittelbaren Nähe ein Aufzug befand, der ihn nach unten brachte. Zwar konnte er klettern, doch niemals schnell genug. Wie hatte die Frau das gemacht? So schnell er konnte, hetzte er hinaus in den dunklen Wald. Er hatte die Frau und Alaryah bald aus dem Blick verloren, doch er konnte dank seiner guten Augen die Spuren im Unterholz erkennen. Zwei Mal wäre er auf dem unebenen und bewachsenen Untergrund beinahe gestürzt, doch dann öffneten sich die Bäume zu einer kleinen Lichtung auf der die beiden Frauen standen. Jaro verlangsamte sein Tempo und ging vorsichtig auf die beiden zu, aus Angst, die Tätowierte erneut aufzuscheuchen. Alaryah hatte beide Hände auf die Schultern der Frau gelegt, um sie festzuhalten oder zu beruhigen und diese hatte Alaryahs Oberarme gepackt und blickte nicht wie sonst nach unten, sondern mit weit aufgerissenen Augen in ihr Gesicht. „Wo bin ich?“, sagte sie laut und Jaro hatte das Gefühl, dass sie diese Frage schon öfter gestellt hatte. „Warum werde ich bewacht?“ Sie reihte ihre Fragen so schnell aneinander, dass kaum Zeit für eine Antwort blieb. Jaro trat auf einen kleinen Ast und das Knacken ließ den Kopf der Frau zu ihm herum schnellen. Sie sah ihn an und ihre grauen Augen verengten sich. „Was tust du hier?“, knurrte sie und löste ihre Hände von Alaryahs Armen, die sie weiterhin festhielt. Jaro stand da wie versteinert, unfähig ihr zu antworten. „Verschwinde!“, schrie sie plötzlich und hielt sich den Kopf, begann sich in Alaryahs starkem Griff zu winden. „Ich weiß nicht, was sie meint!“, sagte Jaro ängstlich zu Alaryah gewandt.

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Laotse
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BeitragVerfasst: So 27. Aug 2017, 14:56 
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Es freute Alaryah sichtlich, dass Jaro sich gut fühlte. "Keine Sorge, auch wenn die anderen hier etwas reservierter sind...naja, Gäste sind nicht so oft hier.".
Jaro versuchte etwas gegen ihre Bedenken zu sagen. Alaryah nickte. "Du magst Recht haben. Allerdings...was, wenn wir gar nicht ihr Ziel sind? Was, wenn sie auf ein bestimmtes Ziel fixiert ist, welches sie nun weiterhin erreichen kann?". Nach und nach wurde jedoch klar, dass die beiden zumindest an diesem Abend nicht näher an des Rätsels Lösung kommen würden. Also ging das Gespräch nach und nach in eine andere Richtung. Alaryah hörte Jaros Ausführungen genau zu, versuchte sich alles genau vorzustellen. Solche Geschichten und Erzählungen konnten wirklich entspannend sein...doch dann dieser Schrei...

Alaryahs Blickfeld ähnelte einem Tunnel. Sie verfluchte sich innerlich, dass es der Frau gelungen war so weit vom Stützpunkt wegzukommen. Wo Jaro wohl stecken mochte? Keine Zeit darüber nachzudenken. Sie war das Ziel. Sie durfte nicht entkommen. Alaryah war sich sicher, dass sie die Frau finden würde, egal, wie lange es dauern könnte. Aus dem Wald würde sie nicht entkommen, dafür kannte sich Alaryah zu gut aus, konnte den Fluchtweg schon fast vor sich sehen. Ihr Herz pochte, das Hämmern drang ihr bis in den Kopf. Wie ein Schatten huschte Alaryah durch den Wald, bis sie schließlich am Rande einer kleinen Lichtung ankam. Eigentlich hätte die Frau direkt hier irgendwo sein müssen? Alaryah kniete sich ab, ihre Sinne wurden schärfer. "Hab ich dich.", hauchte sie und ihr Blick schoss in die Richtung, in der sie eine Gestalt ausmachen konnte. Sie stand fast mittig auf der Lichtung. Alaryah schlängelte sich zwischen den Bäumen umher, schlich lautlos auf die Frau zu. Es war nicht mehr weit. Schon gleich würde sie...
Die Frau wirbelte urplötzlich herum, es kam zu einem kurzen Handgemenge. "Ganz. Ruhig.", zischte Alaryah, gewann langsam die Oberhand und bekam die Frau an den Schultern zu packen. "Beruhige dich!". Die Frau griff nach Alaryahs Oberarmen, ihre Augen waren weit aufgerissen. "Wo bin ich?", verlangte sie zu wissen. "Warum werde ich bewacht?!", fragte sie weiter, ohne Alaryah auch nur die Chance einer Antwort zu geben. Nach und nach schossen die Fragen aus der Frau heraus, Alaryah kam kaum hinterher. Einen kurzen Moment überlegte sie, ob sie die Frau nicht lieber bewusstlos schlagen sollte, nahm von dieser Idee jedoch recht schnell Abstand. <Erst, wenn es wirklich sein muss.>, beschloss sie für sich. "Es gibt keinen Grund zur Furcht, wir können das alles erklären. Du kannst einfa...".
Etwas knackte. Jaro kam dazu. Sowohl Alaryah, als auch die Frau fixierten nun den Neuankömmling. "Was tust du hier?", knurrte die Frau und löste den Griff von Alaryah. "Verschwinde!", schrie sie und hielt sich den Kopf, wollte den Griff lösen. Alaryah packte fester zu während Jaro etwas sagte. "Ich habe gesagt du sollst dich beruhigen!". Alaryah fixierte nun die Arme der Frau, nahm sie in eine Art Schwitzkasten. Dann zog sie einen ihrer Langdolche. "Du!", fauchte Alaryah in Jaros Richtung. "Woher kennt ihr euch?!". Verzweifelt versuchte sich die Frau aus Alaryahs Griff zu befreien. Keine Chance. "Versuch nicht abzuhauen, das wird dir nicht gelingen, du wirst nicht weit kommen.". Es war unklar, ob Alaryah dies zu Jaro oder der Frau sagte. "Jaro! Was ist hier los?!". Alaryahs Blick war wie versteinert. "Komm sofort her und erklär das!". "Lasst mich gehen!", protestierte die Frau, riss sich schließlich los und versuchte erneut zu fliehen. Alaryah fluchte und ließ den Dolch fallen, spurtete los und machte einen Hechtsprung. Tatsächlich gelang es ihr die Frau am Bein zu fassen zu kriegen, sodass diese stürzte. Direkt auf einen Baumstamm. "Ouf!" war das letzte, was man von ihr hörte, bevor sie in die Bewusstlosigkeit hinüberglitt. Alaryah rappelte sich auf, ihre Lippe war aufgeplatzt und langsam beruhigte sie ihren Atem. Wieder flog ihr Blick zu Jaro. "Ich warte. Warum hat sie Angst vor dir?!". Wie ein Raubtier zog Alaryah nun ihre Kreise um Jaro, den zweiten Langdolch gezogen. Was war nur los? Hatte sie einen Fehler gemacht? Doch warum hatte Jaro die Karte ausgehändigt wenn er irgendwie von all dem wusste? Fehlinformationen? Wem konnte man hier eigentlich trauen? "Ich verlange Antworten!". Jaro schien...verängstigt? "Du sagst besser, was du weisst.". Wusste er überhaupt etwas? Ohne Jaro und die Frau aus den Augen zu lassen sammelte Alaryah ihren fallengelassenen Dolch ein. "Setzen wir uns doch, reden wir.", sagte Alaryah schließlich, setzte sich auf den Baumstamm neben dem die bewusstlose Frau lag und tippte mit dem Dolch auf die Wiese vor sich. Anschließend steckte sie auch diese Waffe weg. "Es liegt jetzt an dir. Ich will die Wahrheit hören.". Wahrscheinlich waren der Hauptmann und ein paar seiner Leute nicht mehr weit...
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BeitragVerfasst: Mo 28. Aug 2017, 10:05 
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Jaro verstand nicht recht, was hier geschah. In einem Moment noch erschrocken von den Worten der mysteriösen Frau, war er im nächsten regelrecht geschockt von Alaryahs Reaktion. Er merkte, wie seine Knie zittrig wurden und suchte verzweifelt nach Worten. <Du musst etwas sagen! Sag ihr einfach irgendetwas, um zu beweisen, dass du keine Ahnung hast, wovon sie spricht!> Doch trotz dem Drängen seiner Vernunft, brachte er nicht mehr als undefinierbares Gestammel hervor, während die Waldalbin noch immer mit der Frau rang, offensichtlich höchst alarmiert. Konnte sie wirklich glauben, dass er etwas im Schilde führte, etwas vor ihr verbarg? Jaro wusste es nicht und ihm wurde klar, dass sie sich eigentlich gar nicht gut kannten, auch wenn es sich durch das angenehme Beisammensein so angefühlt hatte. Die Frau wand sich und versuchte verzweifelt, fast panisch zu fliehen. Die Furcht schien ihr besondere Kraft zu verleihen, denn schließlich riss sie sich los. Sie kam nicht weit und Alaryah wandte ihre gesamte Aufmerksamkeit Jaro zu. Er sah sie an, noch immer nicht in der Lage zu sprechen und ließ die Schultern hängen. Er fürchtete sich. Er hatte gesehen, was Alaryah mit den Kerlen angestellt hatte und bald würde sicherlich Verstärkung nachrücken, da ihre Hetzjagd aus dem Stützpunkt alles andere als unauffällig gewesen war. Er musste sich erklären! Erstaunt bemerkte Jaro, dass er sich weniger davor fürchtete, was sie wohl mit ihm anstellen würden, wenn sie ihn für schuldig befanden, als davor, was Alaryah von ihm dachte und wie sie wohl dastehen würde, nachdem sie alle davon überzeugt hatte, er sei in Ordnung. Die Waldalbin schien seine Furcht zu bemerken, denn sie packte ihre Dolche ein und bat Jaro nochmals viel ruhiger, mit ihr zu sprechen. Nervös trat er von einem Fuß auf den anderen.
„Du musst mir glauben, Alaryah! Ich habe diese Frau noch nie zuvor gesehen.“ Er biss sich auf die Unterlippe. „Ich war zuvor in Almanien! In der Souvagne, ich kann es dir beweisen“, fügte er hektisch an. Doch wie sollte er es beweisen? Sie würden wohl kaum Boten dorthin senden können.
„Wieso fürchtet sie sich dann vor dir? Sie hat dich erkannt!“, sagte Alaryah und Jaro meinte Bedauern in ihrem Blick zu erkennen.
„Ich weiß es nicht“, sagte Jaro kleinlaut, „ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht hat sie mich einmal gesehen, als ich der Gruppe gefolgt bin.“ Doch das erklärte nicht, warum sie ihn so fürchtete und sowohl Jaro als auch Alaryah wussten das. Wieso konnte er sich nicht besser verteidigen? Alaryah bot ihm reichlich Gelegenheit dazu und er versaute es. Die Waldalbin schien ebenfalls mit sich zu ringen. <Einen anderen hätte sie wahrscheinlich schon in Gewahrsam genommen>, dachte Jaro. „Ich habe dir alles gesagt, was ich weiß“, setzte er noch einmal an, als Alaryahs Blick zur Seite flackerte.
„Was ist hier los?“, ertönte da schon die Stimme des Hauptmannes, dessen Umrisse fast mit dem dunklen Dickicht verschmolzen. Sein Blick glitt über die bewusstlose Frau am Boden zu Jaro und schließlich zu Alaryah. Seine rechte Hand vollführte eine Bewegung nach unten und Jaro vermutete, dass eine Menge Pfeile um die Lichtung herum nun nicht mehr auf ihn zielten. „Wie konnte sie meinen Männern entwischen? Schattenwind?“
„Das weiß ich nicht“, sagte Alaryah mit fester Stimme und stand auf. „Es gibt Einiges, was ich nicht weiß.“ Sie blickte zu Jaro – traurig.
„Ich weiß dafür jetzt umso mehr. Ich konnte vorhin schon mit Thalumir Eddor sprechen, denn der heilige Ort auf der Karte liegt in seinem Bereich und ich habe wichtige Informationen von ihm erfahren. Der Hüter der Karte ist vor einigen Wochen abgereist und zwar völlig überstürzt.“ Der Hauptmann hielt kurz inne, sah Alaryah eindringlich an und dann zu Jaro. „Was verschweigt ihr mir?“
Alaryah seufzte und setzte zu einer Antwort an, doch Jaro kam ihr zuvor. „Die Frau“, Jaro zeigte auf den Boden, „war irgendwie bei Bewusstsein. Sie hat gesprochen und als sie mich erblickte, schien sie mich zu erkennen, doch das kann nicht sein!“ Er sprach schneller. „Sie muss mich verwechseln, mit jemandem, den sie fürchtet und Alaryah-„, er sah sie an, „Alaryah wollte der Sache auf den Grund gehen und prüfen, ob sie mir trauen kann“, fügte er schließlich an.
Der Hauptmann nickte. „Vorbildlich, Schattenwind, vorbildlich“, sagte er. „Auch wenn es vielleicht schon hätte zu spät sein können. Dein Ruf, manchmal zu naiv und hilfsbereit zu sein, eilt dir ja voraus.“ Er zwinkerte, wurde aber direkt wieder ernst. „Wie dem auch sei, ich glaube, ich habe genug Informationen, um unseren Freund hier zu entlasten, weshalb er auch ruhig mit anhören kann, was ich zu sagen habe.“
Alaryah nickte und brachte sogar ein Lächeln zustande, was Jaro dankbar bemerkte.
„Der Hüter der Karte ist jedenfalls abgereist und als Thalumir feststellte, dass er die Karte mitgenommen hat, hat er ihm sofort einen Stoßtrupp hinterher geschickt. Die Männer und Frauen sind erst kürzlich zurück, denn ein zusätzliches Gepäckstück hat ihre Reise erschwert.“
„Der Hüter ist tot“, vollendete Alaryah den Gedanken und der Hauptmann nickte.
„Sie fanden ihn aus den Ohren blutend im Umland von Alessa; ohne die Karte.“ Er begann auf und ab zu gehen.
„Natürlich wurde er von Schamanen untersucht und alles deutet auf einen starken geistigen Eingriff hin, auf gewaltsame Entnahme von Informationen. Wahrscheinlich ist er nur deshalb überhaupt so abrupt abgereist, wir wissen es nicht genau. Er könnte durchaus im Schlaf heimgesucht worden sein.
Thalumir hat sich jedenfalls bis ins kleinste Detail von seinem Stoßtrupp berichten lassen und es passt alles zusammen.“
Er blieb stehen und blickte erst Alaryah, dann Jaro an. „Sie berichteten, der Dieb sei ein lichtalbischer Magier, ein Mann so weiß wie Schnee und mit strahlend blauen Augen – wie du mein Freund“, sagte er an Jaro gewandt.
„Ich bin kein Magier“, stieß Jaro hervor und bereute es als gleich. „Natürlich nicht“, lachte nämlich der Hauptmann, „wie könntest du auch er sein, wo der Stoßtrupp ihn doch vor einigen Tagen erst in Alessa gesehen hat? Du solltest lernen, dich nicht so verdächtig aufzuführen, wenn du gar nichts zu verbergen hast.“
„Das erklärt trotzdem noch nicht, warum sich diese Frau hier vor Jaro fürchtet“, sagte Alaryah.
„Er hat sie abgerichtet. Wenn die Entdeckungen der Rückkehrer stimmen, war sie sein Spielzeug und seine Sklavin. Die einfachen Leute auf den Straßen Alessas kannten sie und berichteten, dass sie sich vor allem und jedem fürchtet, das sie auch nur entfernt an ihren Meister erinnert.“
„Und was will er? Wieso ist diese Frau jetzt hier?“, fragte Alaryah.
„Das wissen wir leider nicht. Thalumirs Leute mussten ihre Nachforschungen vorsichtig und im Untergrund betreiben, um keinen politischen Konflikt vom Zaun zu brechen.“
Sie schwiegen einen Moment.
„Aber es ist doch trotzdem komisch, dass ausgerechnet ein Lichtalb diese Gruppe um die Frau entdeckt hat, wenn er nichts damit zu tun hat, nichts von der Sache weiß.“ Alaryah wirkte hin und her gerissen, als sei ihr gutherziges Vertrauen erschüttert.
„Was sagt dir dein Gefühl?“, fragte der Hauptmann.

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BeitragVerfasst: Mo 11. Sep 2017, 23:20 
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Was für ein Abend. Alaryah wurde das ganze langsam zu viel. Es war ein auf und ab der Gefühle, mittlerweile war es einfach nur noch anstrengend. Der Hauptmann hatte sie dann auch noch nach ihrer Einschätzung zu der Situation gefragt. Die Albin brauchte einen Moment um sich zu sammeln. "Es ist in Ordnung.", murmelte sie die recht leere Phrase hervor. Den Blicken des Hauptmanns wich Alaryah etwas unbeholfen aus, ging schweigend ein paar Schritte. "Sobald sie wieder aufwacht würde ich ihr gern einige Fragen stellen.", fügte sie an, dabei in Richtung der immer noch bewusstlosen und herumliegende Frau nickend. Der Hauptmann bestätigte kaum merkbar, dann verschmolz Alaryah mit dem nahegelegenen Waldrand.

Sie wartete in der Dunkelheit, nahm sich einfach ihre Zeit und ging die Informationen von dem Hauptmann noch einmal gedanklich durch. Auch Jaros Reaktionen liefen wieder und wieder in Alaryahs Kopf ab, zum Beispiel wie er sie vor dem Hauptmann in gewisser Weise verteidigt hatte. Stille. Nur Wald. Es tat gut. Was war da nur gerade losgewesen? In der Ferne hatte sie die kleine Kolonne ausmachen können, die wieder zurück in Richtung Stützpunkt marschierte. Die Frau wurde auf einer improvisierten Trage möglichst sicher transportiert. Alaryah hoffte, dass die Frau bald wieder aufwachen würde. Die Albin atmete tief durch, dann huschte sie elegant zwischen den Bäumen umher, schloss zu der Kolonne auf. Schon bald hatte sie Jaro in der Gruppe ausgemacht, der etwas zu erschrecken schien, als Alaryah plötzlich neben ihm auftauchte. "Auf ein Wort.", sagte sie nüchtern und legte ihm sanft die Hand auf die Schulter als Zeichen stehen zu bleiben. Einer der Soldaten drehte sich noch während des Marschierens zu ihnen um, doch der Hauptmann flüsterte etwas, die Gruppe marschierte weiter und schon bald waren Jaro und Alaryah alleine. Eine fast unerträgliche Stille schien sich in die Länge zu ziehen wie Äonen, dann brach Alaryah das Schweigen. Sie hatte vorher einfach nur dagestanden und Jaro tief in die Augen gesehen. Ihr sanfter Griff wurde bestimmender und fester, als Jaro den Bruchteil einer Sekunde versuchte ihre Hand abzuschütteln. Kurz huschte die Angst über das Gesicht von Jaro, doch verschwand wieder als Alaryahs ernster Blick etwas weicher wurde. "Viel ist passiert.", flüsterte sie und legte den Kopf leicht schief. "Recht viel für so eine kurze Zeit.". Ihre Augen verengten sich etwas. "Ich weiss nicht, was und wer genau wirklich hinter all diesen Ereignissen steckt...aber ich werde es herausfinden. So wie es scheint geraten wir, auch du, Jaro, hier in etwas großes hinein. Wir werden langsam voran kommen und wahrscheinlich wird es ein gefährlicher Weg werden, den wir einschlagen.". Es machte den Anschein als würde Alaryah diesen Gefahren mit einer gewissen Leichtigkeit entgegensehen. Sie schien gelassen und strahlte plötzlich eine Ruhe aus...selbst der Gedanke in den Tod zu gehen schien die Albin nicht aus dieser Ruhe bringen zu können. "Ich habe mich zu sehr von den Ereignissen und dem Wirbel vieler Gefühle leiten lassen.", setzte sie fort und nahm nun erst die Hand von Jaros Schulter. "Du sagtest die Wahrheit. Ich war...nunja...geblendet, hätte dir vielleicht etwas angetan oder dich einfach getötet. Gut, dass es nicht so kam. Ich weiss nicht, was ich sagen soll, Jaro, bitte verzeih mir. Ich wollte dich nicht erschrecken, doch wenn du eine Bedrohung gewesen wärst...". Zum ersten Mal, seit Alaryah Jaro begegnet war, fand sie keine Worte für das Ende eines Satzes. "Was auch die nächsten Tage bringen mögen, ich werde dich nicht wieder mit der Klinge bedrohen.". Alaryah senkte den Kopf. "Sollte es hart auf hart kommen werde ich dich stattdessen mit eben diesen Klingen schützen.". Ihre Hände wanderten zu den Waffen am Gürtel und Alaryah hoffte, dass nun wieder alles gut zwischen ihnen war. Schließlich war noch viel zu tun...


Später fand sich Alaryah in ihrer Unterkunft wieder. Sie wollte gerade etwas ruhen, da kündigte sich ein Wächter an. Er informierte die Albin, wie gewünscht, dass die tätowierte Frau aufgewacht und bei Verstand sei. Alaryah spürte plötzlich neue Kräfte erwachen und folgte dem Soldaten.
Es dauerte nicht lang, da kamen sie an einer bewachten Hütte mehrere Bäume weiter an. Die Wachen waren verdoppelt worden. Alaryah betrat den leicht düsteren Raum, nur fahles Mondlicht fiel in Strahlen hinein. Ob Jaro in der Nähe war? Alaryah vermochte es nicht zu sagen. Hätte sie ihn vielleicht ebenfalls dazuholen sollen? Wahrscheinlich war es klüger erst mal mit der Frau alleine zu reden...schließlich schien sie vor Jaro Angst zu haben. Alaryah schob ihre Gedanken zur Seite und fand die auf dem Boden kauernde Frau vor, die sie mit einer Mischung aus Angst und Wut anfunkelte. Die Albin blieb stehen. "Hallo.", sagte sie ruhig, ging in die Hocke. "Bitte, hab keine Angst. Ich würde dir gern ein paar Fragen stellen und im Gegenzug einige von deinen Fragen beantworten.". Keine wirkliche Reaktion. Die Frau wich Alaryah aus, als diese näher kam. "In Ordnung.", sagte die Albin und ließ den Abstand zwischen ihnen bestehen. "Mein Name ist Alaryah Schattenwind. Die Wächter dort sind zu deinem Schutz hier. Es besteht keinerlei Gefahr für dich. Wie ist dein Name?". Einige Sekunden vergingen und Alaryah hatte schon fast nicht mehr mit einer Antwort gerechnet...da plötzlich... "Kirona. Ich bin Kirona. Was ist hier nur los?". Alaryah lächelte freundlich. "Hallo Kirona. Genau das fragen wir uns auch. Wir fanden dich im Wald und zwar in nicht ganz so guter Gesellschaft. Jemand wurde angegriffen. Jaro. Erinnerst du dich an ihn?". Kirona überlegte einen Moment. "Diesen Namen habe ich noch nie gehört.", meinte sie schließlich. "Wir müssen einiges gemeinsam aufklären, Kirona.". Alaryah sah sich um, erhob sich und nahm einen kleinen Becher, der zu ihrer Rechten auf einem kleinen Tisch stand. "Kann ich dir einen Tee anbieten?", fragte sie die Frau. Diese nickte verunsichert und so wurde Tee zubereitet. Langsam aber sicher legte sich endlich die Scheu in Kirona und sie berichtete Alaryah von ihrer letzten Vergangenheit. Alaryah hocktesich wieder vor Kirona hin und hörte aufmerksam zu. "Meine Eltern wollten immer nur das beste für mich, eine gute Ausbildung. Sie selbst waren nicht mit einer gewissen...Gabe...ausgestattet. Angeblich sei ich etwas besonderes. Ich wollte es jedoch nie sein. Schließlich wurde ich in meiner frühen Kindheit nach Alessa in die Lehre geschickt. Ich wollte immer nur den Leuten helfen, nie etwas böses tun. So wurde ich ausgebildet. Ich habe nie den Namen meines Meisters erfahren. Er wurde immer nur mit seinem Titel angesprochen.", erklärte Kirona. "Nach und nach veränderte sich jedoch alles. Angeblich sei ich nur vergesslich, doch das bin ich nicht. Das war ich nie. Mir kommt es manchmal vor, als seien mir absichtlich Erinnerungen genommen worden. Vielleicht auch der Name des Meisters.". Die Frau war den Tränen nahe. Ich wollte doch niemals hier sein, mitten im Nirgendwo. Ich weiss nichtmal, was all diese Tätowierungen bedeuten sollen. Manche kenne ich zwar, doch wiederum andere... Plötzlich verstummte Kirona. Ihre Augen weiteten sich und der Blick flog an Alaryah vorbei. Alaryah sah über die Schulter. Hatte sie da gerade Jaro von dem kleinen Fenster hinforthuschen sehen? "Sorge dich nicht, Kirona.", beruhigte Alaryah die Frau. "Das ist Jaro. Glaub mir, da liegt eine Verwechslung vor. Auch das ist etwas, was wir nun gemeinsam aufklären sollten.". Sie rutschte auf Knien näher zu Kirona, die noch immer ängstlich an der Albin vorbei und zum Eingang der Hütte starrte. Alaryah nahm Kironas Hände und hielt sie fest. "Jaro, komm ruhig rein.", sagte die Albin dann mit leicht erhobener Stimme, sodass Jaro sie hören konnte. "Du bist sicher.", flüsterte sie anschließend Kirona zu, die noch immer nervös, jedoch weniger ängstlich war. Jaro trat ein.
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BeitragVerfasst: Fr 15. Sep 2017, 22:11 
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Jaro zuckte zusammen, als ihn der Blick Kironas striff. Er war schon ein paar Augenblicke vor dem Zimmer umher geschlichen, unschlüssig, ob er anklopfen sollte oder nicht. Endlich sprach die Frau, das wollte er nicht direkt wieder zunichte machen. Genauso unsicher waren wohl die Wachleute gewesen, die ihn zwar etwas skeptisch gemustert hatten, jedoch still an Ort und Stelle verharrt waren. Letztlich war er wieder unvorsichtig gewesen und die Frau hatte ihn gesehen. Zum Glück hatten Alaryah und er das Missverständnis zwischen einander beiseite räumen können. Nicht nur, dass sie ihn nun freundlich hereinbat, sie strahlte auch wieder die angenehme Leichtigkeit und Stärke aus wie zu Beginn, wenn nicht gar mehr und Jaro spürte, wie nicht nur er sondern auch Kirona an Anspannung verloren. Als er zuvor Alaryahs Unsicherheit erlebt hatte, war Jaro selbst ganz flattrig zumute gewesen.
Er hatte bis dato auch nicht ganz umrissen gehabt, was all die Ereignisse für die Waldalben bedeuten konnten. Alaryah hatte es ihm verdeutlicht: sie waren hier in eine Sache mit Tragweite geraten. Selbstverständlich hatte er ihre Entschuldigung angenommen und hatte gar ein bisschen Stolz verspürt, dass die Albin von „wir“ gesprochen hatte, ihn weiter dabei haben wollte.

Vorsichtig ging er nun an der Wand entlang in den Raum hinein und warf Alaryah einen entschuldigenden Blick zu. Es war faszinierend. Die Waldalbin hatte es geschafft, das Vertrauen der Frau namens Kirona zu gewinnen, zumindest soweit, dass diese richtig ins Erzählen gekommen war. Sie saß dort, ganz normal und sprach in zusammenhängenden Sätzen und mit klarem Blick. Noch vor ein paar Tagen wäre so etwas absolut undenkbar erschienen. Ob es damit zusammenhing, dass die Frau zuletzt in ihrer Gesellschaft gewesen war? Zuvor war sie immerhin auch nicht alleine gewesen sondern umringt von diesen Kerlen und auch diese hatten sie hin und wieder kontaktiert, wenn auch ohne Erfolg. Oder lag es daran, dass sie sich immer tiefer in den Wald begeben hatten? Hier oben in den Quartieren hatte Jaro ein paar Blicke auf den Nachthimmel erhaschen können und darauf geschlossen, dass der momentane Standort deutlich tiefer im Waldreich lag, als jener, an dem alles begonnen hatte. Jaro wusste, dass Wälder mehr waren als eine Ansammlung von Pflanzen. Sie lebten und sie wirkten auf andere Wesen. Was, wenn der Wald an sich zu der Veränderung Kironas beigetragen hatte? Jedenfalls sprach sie nun und was Jaro mit bekommen hatte, hatte sie wahrlich kein schönes Leben gehabt. Die Frage war nur: warum? Über welche Gabe (das Wort meinte Jaro verstanden zu haben) verfügte Kirona, die so interessant für ihren Meister gewesen war?
Er blieb ein Stück hinter Alaryah stehen, darauf bedacht, genug Abstand zu Kirona zu halten, die ihn trotz Alaryahs beruhigender Worte weiterhin aufmerksam beobachtete.
„Hallo“, sagte er schließlich. „Alaryah hat Recht, du musst keine Angst vor mir haben. Ich bin dir und deiner Gruppe gefolgt, weißt du noch? Alaryah und ich haben dich gerettet.“ Sie starrte weiter und Jaro wurde unsicher. „I-ich wollte nicht stören. Fahrt nur fort.“
Mühsam, als bereite es ihr große Anstrengung, löste Kirona den Blick von Jaro und ließ ihn zu Alaryah gleiten, die ihr zunickte.
„Auch an diese Gruppe, von der ihr sprecht, kann ich mich nicht erinnern. Höchstens vielleicht“, sie hielt kurz inne, blickte auf ihren Schoß und drückte mit einer Hand die Lippen zusammen, offensichtlich grübelnd. „höchstens vielleicht an Stimmen. Meine letzte Erinnerung sind Männerstimmen… und der Duft von Erde, ich muss also schon aus der Stadt fort gewesen sein.“ Hilfesuchend sah sie wieder Alaryah an, die sie ermutigte, einfach weiter zu machen und Jaro merkte, wie auch er ganz unbewusst, mit dem Kopf nickte.
"Erinnerst du dich daran, was sie sagten?" fragte Alaryah.
„Nein… das heißt, es ist alles irgendwie verzerrt, als hörte ich Geräusche unter Wasser, ganz undeutlich und dumpf.“ Sie verstummte.
„Die Tätowierungen“, warf Jaro ein. „Ich hörte, du kennst manche davon. Haben sie eine Bedeutung?“
Kirona zuckte wieder etwas zusammen, als sie Jaros Stimme mit den Augen folgte und er fragte sich, ob das nun immer so sein würde.
„Sie waren eigentlich immer Zeugnis der Ausbildung. Es gab Rituale, für jede Stufe ein eigenes und man wurde gemäß seines Standes und seiner Funktion gezeichnet. Doch viele kenne ich nicht, habe sie noch nie gesehen, auch bei keinem anderen.“
„Andere? Es gab mehrere von euch?“ fragte Alaryah und Kirona nickte.
„Und was seid ihr? Wozu solltet ihr ausgebildet werden?“
Kirona sah auf. Trotz all ihrer Verwirrung war ihr Blick klar und ihre Stimme fest.
„Zu Waffen“, antwortete sie.

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BeitragVerfasst: Mo 18. Sep 2017, 22:50 
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Einen Moment lang verharrte Alaryah in ihrer Position. Dann zuckte eine ihrer Augenbrauen hinauf. "Zu...Waffen...", wiederholte die Albin fast lautlos. "Ja.", bestätigte Kirona deutlich. Alaryahs Blick flog zu Jaro hinüber, dann wieder zu Kirona zurück. "Was...was ist eure Aufgabe gewesen?", fragte Alaryah aufgeregt. Dann hielt sie erneut inne und ließ langsam aber sicher Kironas Hände los. Alaryah war plötzlich unsicher. Hatte Kirona Kräfte, die eine Gefahr darstellten? War ihre Aufgabe überhaupt erfüllt? Was, wenn Kirona..."angreifen" würde? Vorsichtig wich Alaryah zurück. Kirona bemerkte den plötzlichen Wandel und das Misstrauen in Alaryah, welches dieser wiederum recht neu vorkam. Kirona wollte aufstehen und die Situation aufklären. In einer fließenden Bewegung richtete sich Alaryah auf und brachte somit gut drei Schritte Abstand zwischen sich und die tätowierte Frau. Anschließend zog Alaryah Jaro mit einer gewissen Härte hinter sich. "Vorsicht.", flüsterte Alaryah Jaro zu, Kirona dabei nicht aus den Augen lassend. "Es ist nicht so wie ihr...". Weiter kam Kirona nicht. Sie machte einen Schritt auf die beiden Gefährten zu, stolperte und landete unsanft auf dem hölzernen Boden. Alaryah und Jaro sahen sich an, dann fasste sich Alaryah ein Herz und ging auf die am Boden liegende Frau zu. "Jaro, sollte gleich etwas passieren, dann renn. Ruf nach den Wachen, versuch den Hauptmann zu finden.". Alaryahs Stimme klang hohl. Wieder lernte Jaro eine neue Seite von Alaryah kennen. Zuerst war es die gutherzige, freundliche Person gewesen, dann die jagende und unerbittliche Albin, die bereit war bis zum Tod zu kämpfen und nun...Ja, nun eine Alaryah, die damit rechnete mit dem nächsten Wimpernschlag tot am Boden zu liegen.
Die Zeit schien quälend langsam zu vergehen und Alaryahs Herzschlag pochte mehr als laut in ihrem Kopf. Die kleine Waldalbin konnte sich letztendlich doch überwinden und drehte die am Boden liegende Kirona um. Leere Augen starrten ihr entgegen. "Nicht schon wieder.", flüsterte Alaryah und wandte traurig den Blick ab.

Drei Tage waren seit dem Gespräch mit Kirona vergangen. Seitdem war diese wieder in ihrer Trance gefangen, reagierte nur sporadisch auf Anweisungen. Zum Glück hatte der Hauptmann eine weitere Idee. Während er Boten zu den umliegenden Stützpunkten und Dörfern aussandte, schickte er Alaryah mit Jaro und Kirona im Schlepptau zu einer Schamanin. Alaryah kannte besagte Albin selbst nicht, doch wusste in etwa, wo sie sich aufhielt. Sie hatten eine Wegbeschreibung bekommen, mit der allerdings nur Alaryah wirklich etwas anzufangen wusste. Das Ziel schien eine Art Brunnen zu sein, so viel konnte Jaro durch bloßes Zuhören herausbekommen.

So bahnten sich die drei ihren Weg durch das Unterholz, passierten plätschernde Bäche, riesige Bäume und prächtige Lichtungen. Bald schon war es wieder Zeit für eine Rast. Die Sonne verabschiedete sich langsam aber sicher und es wurde kühler. Bald hatte die kleine Reisegruppe einen geeigneten Lagerplatz gefunden. Es handelte sich um eine Steinformation, die, wie Alaryah erklärte, vor langer Zeit als Treffpunkt für die unterschiedlichsten Amtsinhaber diente.
Ein kleines Kochfeuer war schnell entzündet und ein Abendessen zubereitet. Auch Kirona aß, wenn auch nur mit Hilfe von Jaro und Alaryah. Dann trat Ruhe in dem kleinen Lager ein.
Während das Feuer noch schwach knisterte fixierte Alaryah plötzlich Jaro und durchbrach die Stille. "Jaro.", sagte sie leise und setzte dann mit gedämpfter Stimme fort:"Was meinst du...Was für eine Bedrohung geht von Kirona aus? Ob die Schamanin mehr herausfinden kann?". Alaryah richtete sich noch einmal von ihrem Nachtlager auf und wischte sich dann die blaue "Kriegsbemalung" aus dem Gesicht.
"Was sind das für Leute, die anderen so etwas...", sie deutete halbherzig auf die vor einem der Steine kauernde Kirona "Nunja, die jemandem so etwas antun?". Alaryah und Jaro hatten tatsächlich kaum miteinander geredet, seitdem sie den Stützpunkt verlassen hatten. Zu sehr schienen sie in Gedanken vertieft. "Wie ist sowas überhaupt möglich?". Alaryah schaute Kirona einen Moment lang schweigend an, stand dann auf und ging zu der regungslos dasitzenden Frau hinüber. Dann legte Alaryah eine weitere Decke um Kirona. "Was muss das für eine Magie sein, die so weit reicht, dass sie Kontrolle über jemanden hat der so weit entfernt ist?". Alaryah wurde mulmig zumute. Wer weiss, was Kirona noch anzustellen vermochte, wenn sie sich selbst als Waffe bezeichnete? Dann plötzlich wurde die Albin aus ihren Gedanken gerissen. Sie kniete ab, ihr Blick zuckte umher. Sie waren nicht allein.
"Jaro, ich werde mich noch einmal umsehen.", meinte Alaryah und machte sich auf in Richtung Waldrand. "Bleib du hier, hab ein Auge auf Kirona.". Bevor sie verschwand, drehte sich Alaryah noch einmal zu Jaro um. "Hab keine Angst, ich bin in Rufweite. Sei jedoch bereit, dich zu verteidigen.". Dann huschte sie davon.

Die Zeit verging und nichts passierte. Alaryah war die Umgebung bereits mehrmals abgeschritten, hatte sich wieder und wieder bei Jaro gemeldet. Dieser schien auch langsam aber sicher von Müdigkeit übemannt zu werden. Alaryah machte sich gerade auf den Weg zurück zum Lager, da meinte sie plötzlich eine Gestalt am Rande des Lagers wahrzunehmen. Tatsächlich näherte sich ein Schatten Jaro und Kirona. "Niemals.", hauchte Alaryah und zog lautlos einen ihrer Langdolche. Gerade wollte sie losspurten, da verließen ihre Füße den weichen Waldboden. Jemand hatte die Albin von hinten gepackt, drückte ihr die Luft ab. Sie strampelte verzweifelt, wollte Jaro warnen doch brachte nur ein leises Röcheln hervor. Dumpf fiel Alaryahs Dolch hinunter und Jaro entfernte sich mehr und mehr aus ihrem Blickfeld. Die kleine Albin schlug wild um sich, doch dann verließen sie die Kräfte. Ihr Herz pochte. Langsam. Laut. Langsamer. Leiser.
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BeitragVerfasst: Di 26. Sep 2017, 17:38 
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Das Gehen tat Jaro gut. Es gab ihm Beschäftigung und verdrängte das aufkeimende Gefühl, eher ein Hindernis als eine Hilfe für Alaryah zu sein. Außerdem war er gerne in der Natur und hätte er tief in sich hinein gehorcht, hätte er gefunden, dass es vor allem die Einsamkeit war, die ihm Wohlgefühl bereitete, nachdem er im Stützpunkt trotz des privaten Quartiers ständig andere Alben um sich gehabt hatte.
Sie schwiegen auch meist und nutzten die Zeit, ihren eigenen Gedanken zu lauschen, gebettet in die beruhigenden Eigengeräusche des Waldes und seiner Bewohner.
Die Umgebung vermochte Jaro auch weiterhin in Staunen zu versetzen. Nach jeder Wegbiegung konnte einen ein neuer Anblick verzücken. Auch der Ort, den Alaryah eines Abends als Lagerplatz auswählte, und seine Geschichte faszinierten Jaro.
Dann aber war die Zeit gekommen, dass sie sich wieder mit all den Unsicherheiten und Fragen beschäftigen mussten, die Kironas Worte und ihr erneuter Rückfall aufgeworfen hatten.

Jaro konnte als Antwort auf Alaryahs Frage nicht mehr als mit den Schultern zucken. Auch er hatte sich schon gefragt, welche Gefahr Kirona darstellen könnte. Eine Ausbildung einzig zu einem solchen Zweck musste ernst genommen werden. Aber Kirona… konnte von jemandem, der entweder kaum bei Bewusstsein war oder sich in wachem Zustand derart fürchtete, eine reale Gefahr ausgehen?
„Ich hoffe, die Schamanin kann helfen“, entgegnete er der Waldalbin. Tatsächlich war Jaro sehr gespannt auf den Ort, an den sie zu gehen beabsichtigten. Das konnte kein Ort sein, den ein jeder Besucher zu Gesicht bekam.
Alaryah verspürte Mitleid mit Kirona und auch etwas Fassungslosigkeit. Jaro wünschte, er hätte das auch gekonnt, doch die Nüchternheit hatte ihn wieder stärker in Beschlag genommen. „Ich habe schon davon gehört, dass mächtige Magier Unvorstellbares anrichten können“, sagte Jaro. „Bei mir zu Hause gibt es auch welche und manchmal hat Mutter mir Geschichten erzählt, doch nichts, das nur annähernd vergleichbar mit Kironas Zustand wäre.“ Er aß noch einen Bissen. „Wenn sie uns doch nur mehr über diesen Meister hätte erzählen können…“, setzte Jaro an, als Alaryah urplötzlich auf die Knie ging und aufmerksam in den Wald spähte.
"Jaro, ich werde mich noch einmal umsehen.", sagte sie und machte sich auf in Richtung Waldrand. "Bleib du hier, hab ein Auge auf Kirona." Jaro nickte, wenn auch zögerlich.

Welche neue Teufelei mochte nun auf sie warten?
Der Alb wich weiter in die Mitte der Steinformation zurück, näher an die leblose Kirona heran. Ein paar Mal kam Alaryah zurück und Jaro war um jedes Mal dankbar. Angestrengt suchte er mit Augen und Ohren die Umgebung ab, doch er konnte nichts sehen oder hören und schließlich blieb auch Alaryah fort, ohne jede Spur. Die Ungewissheit begann an ihm zu nagen, die Zeit zog sich hin, zäh wie Pittateig und er kam sich schutzlos und beobachtet vor. <Bleib bei Kirona>, sagte er sich immer und immer wieder in Gedanken und doch staute sich nach und nach mehr der Drang in ihm auf, nach Alaryah zu sehen. Sollte er sie rufen? Was aber, wenn sie sich gerade an einen Eindringling heran pirschte? Der Rest des Kochfeuers, zu einer kleinen Glut zusammengeschrumpft, war die einzige Lichtquelle und machte es noch schwerer in der dahinterliegenden Dunkelheit des Waldes etwas zu erkennen. Jaro fühlte sich müde, das Denken fiel so schwer. Er blickte sich erneut um, ging ein wenig aus der Mitte hinaus, um besser sehen zu können, doch nichts, nicht links, nicht rechts… dann: ein Schemen. Ganz deutlich hatte er etwas zur Seite huschen sehen. Er ging näher an den Waldesrand. Da – schon wieder! Alaryah… das war Alaryah! Sie schien vor irgendetwas zurück zu weichen. „Alaryah“, rief Jaro und seine eigene Stimme klang so fern. Sie reagierte nicht auf ihn. Stattdessen rannte sie tiefer in den Wald. Etwas stimmte nicht. Jaro eilte ihr nach. Schnell hatten sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt und er kam gut voran. Ab und an hörte er ein Knacken, als trete jemand auf einen Ast und dann sah er sie weiter vorne. Sie taumelte und fiel. „Nein!“, stöhnte Jaro und beschleunigte nochmals seine Schritte. Er erreichte den Ort, an dem sie gefallen sein musste und sah - nichts. Das konnte nicht… er war sich sicher, dass sie hier zu Boden gegangen war. „Alaryah!“, rief er erneut, doch erfolglos. Verwirrt stand der Alb einige Momente an Ort und Stelle. Mit einem Male verspürte er starke Kopfschmerzen, merkte aber zeitgleich, wie sich seine Sinne klärten. Kirona… er hatte sie alleine auf der Lichtung gelassen.

Als Jaro die Felsformation erreichte, fehlte von der Frau jede Spur. <Nein>, dachte er verzweifelt und begann hektisch den Boden nach Spuren abzusuchen. Er ging den Bereich am Waldrand ab, wo der Boden erdigere Struktur hatte und da entdeckte er die Abdrücke zweier Paar Füße neben den kleinen Kreisen eines Gehstocks… sie führten in den Wald hinein.

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BeitragVerfasst: Mo 16. Okt 2017, 22:46 
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Alaryah konnte nicht genau sagen, wie lang sie bewusstlos gewesen war. Sie lag auf der Seite, ihr Kopf dröhnte. Gerade wollte sich die Albin bewegen, da hielt sie jedoch inne. Wo auch immer derjenige war, der sie angegriffen hatte...vielleicht war er nicht weit. Warum hatte er sie überhaupt am Leben gelassen? Alaryahs Gedanken, sowie ihr Blickfeld, drehten sich noch einige Augenblicke, doch sie meinte in der Ferne Teile ihrer Ausrüstung liegen zu sehen. Da hörte die Albin plötzlich Schritte im Unterholz. Jemand näherte sich. Es konnte kein Alb sein. Die Schritte kamen näher und Alaryah wartete angspannt, bis die Person fast bei ihr war. Dann rollte sie sich herum und landete schließlich in einer knienden Position. Der Unbekannte stand nicht weit von der Albin entfernt, in eine düstere Robe gehüllt, welche ihn zumindest in der Dämmerung und der Nacht etwas tarnte. "Wer seid Ihr und was tut Ihr hier?", zischte Alaryah und fixierte die Person. Es war ein Mann mittleren Alters mit breitem Kreuz und muskulösen Armen. Das Gesicht lag im Schatten einer Kaputze verborgen. Alaryahs Hand wanderte an ihren Hals. "Ihr wart das!", fauchte sie und griff an ihren Gürtel. <Verdammt.>. Der Kerl hatte ihr tatsächlich die Waffen abgenommen...und machte plötzlich einen Satz in Richtung der Albin. Reflexartig sprang Alaryah zur Seite, rollte sich über die Schulter ab und hatte endlich wieder einen festen Stand. Der Mann achtete eine Sekunde lang nicht auf die Albin, schaute für einen Moment zu den nicht weit entfernt liegenden Waffen. <Oh, das hättest du wohl gern.>. Sowohl der Mann, als auch Alaryah eilten nun in Richtung der Ausrüstung. Alaryah spürte bereits den Knauf eines ihrer Langdolche an den Fingerspitzen, als der Mann sie am Bein packte und von der Waffe wegzog. Die kleine Albin hatte der Kraft des Mannes nichts entgegenzusetzen, versuchte sich am Waldboden festzuhalten und trat dabei in Richtung des Angreifers. Vergeblich. Dann raste die Faust des Mannes hinab, Alaryah wandte sich gerade noch so zur Seite. Dumpf schlug die Faust des Kerls auf den weichen Boden, er grunzte während ein leises Knacken der Finger zu hören war. Der Griff um Alaryahs Bein lockerte sich kein Stück. Erst, als die Albin dies nutzte und ihr anderer Fuß den Unterkiefer des Kerls traf, ließ er sie los. Wieder robbte Alaryah in Richtung ihrer Waffen. Sie versuchte so schnell wie möglich Abstand zwischen sich und den Angreifer zu bekommen. Dieser jedoch wollte es gar nicht erst soweit kommen lassen. Er zog ein schartiges Kurzschwert hervor und stampfte wütend und mit blutiger Lippe der Albin hinterher. <Nicht mehr weit...gleich...>. Alaryah warf sich, von purem Überlebenswillen gesteuert, nach vorne. Sie keuchte, bekam jedoch tatsächlich einen der Langdolche zu packen. Nun mobilisierte die Albin einen Teil ihrer letzten Kraftreserven. Wieder wirbelte sie herum, während das Schwert des Mannes mehrmals auf sie hernieder fuhr...aber jedes Mal verfehlte. Alaryahs Blick funkelte zu dem Mann herüber, ihr Gesicht starr und ausdruckslos. "Na komm. Hol mich.", hauchte die Albin und raste in Richtung Unterholz. Obwohl ihre Gliedmaßen immer stärker vor Schmerz brannten hielt Alaryah nicht an. Sie schlug Haken, wühlte sich durch Gebüsche und schlängelte sich zwischen den Bäumen umher. Bald hatte Alaryah einen Baum erreicht, an welchem sie hochklettern konnte. So verbarg sie sich in dem recht dichten Astwerk und zwang sich selbst die Atmung zu regulieren. Erst jetzt bemerkte sie ihre von Ästen und Dornen aufgerissenen Arme und Hände. Auch ihr Gesicht fühlte sich warm an...wahrscheinlich hatte es auch die ein oder andere Schramme durch die Flucht davongetragen. Lange konnte sich Alaryah nicht mit diesen Gedanken beschäftigen, ihr Verfolger rauschte heran. Angespannt hockte die Albin zwischen den Ästen, wagte es kaum zu atmen. Der Mann blieb unweit von Alaryahs Versteck stehen, sah sich um, konnte sein Ziel jedoch nicht finden. Alaryah sah eine Chance. Sie hatte nur diese eine. Wenn der Kerl noch etwas näher kommen würde... Dieser jedoch dachte gar nicht daran, kniete nieder und ballte die Faust. Er murmelte etwas und ein schwaches Leuchten umspielte die Finger des Mannes. Alaryahs Augen wurden größer. Wollte er tatsächlich gerade Magie wirken? Die Finger der Albin umfassten den Griff des Langdolches fester. Alaryah merkte nicht, wie Blut aus einem größeren Kratzer hervorquoll...und einen Tropfen bildete. Erst als es zu spät war und der Tropfen unterwegs in Richtung Waldboden war nahm Alaryah Notiz davon. Der Kopf des Mannes raste herum. Hatte er tatsächlich gehört, wie der Tropfen ihres Blutes auf dem Boden aufkam? Langsam stand der Mann auf, immer noch die Stelle unter Alaryah fixiert. Alaryahs Augen verengten sich, während der Mann langsam näher kam. Mochte er auch seine Sinne geschärft haben oder dergleichen? <Jetzt...>. Alaryah ließ sich zur Seite fallen und stürzte kopfüber aus dem Astwerk in Richtung des Mannes in der dunklen Robe. Dieser reagierte erst gar nicht, dann jedoch mit grausamer Geschwindigkeit. Er fing Alaryah aus der Luft ab, wuchtete sie herum und hämmerte ihren zierlichen Körper auf den Boden. Sämtliche Atemluft entweichte aus Alaryah, als sie stöhnend auf dem Rücken aufprallte. Wie war das nur möglich gewesen?! Mit zittriger Hand reckte sie dem Mann den Dolch entgegen. Er schlug diesen jedoch mühelos mit dem Schwert aus Alaryahs Hand. Panisch tastete Alaryah nach ihrer Waffe. Der Mann grinste finster und näherte sich siegessicher. Alaryah bekam einen spitzen Stein zu greifen und machte sich bereit für einen letzten Angriff.
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